Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Bayern (Begriffsklärung) aufgeführt.
Freistaat BayernFlaggeWappen
Landeshymne: Bayernhymne
Sprache:
Deutsch
Landeshauptstadt:
München
Fläche:
70.550,19 km²
Einwohnerzahl:
12.691.568 (31. Dezember 2014)[1]
Bevölkerungsdichte:
180 Einwohner pro km²
BIP (nominal):
522 Mrd. Euro (2014)[2]
Arbeitslosenquote:
3,3 % (Oktober 2015)[3]
Gründung:
8. Dezember 1946
Staatsform:
parlamentarische Republik, teilsouveräner Gliedstaat der Bundesrepublik Deutschland
Schulden:
(inkl. Gemeinden) 39,117 Mrd. EUR[4] (31. Dezember 2014);
(exkl. Gemeinden) 26,139 Mrd. EUR[5]
(31. Dezember 2013)
ISO 3166-2:
DE-BY
Website:
www.bayern.de
Politik
Regierungschef:
Ministerpräsident
Horst Seehofer (CSU)
Regierende Parteien:
CSU
Sitzverteilung im Landesparlament:
CSU 101
SPD 42
FW 19
Grüne 18
Letzte Wahl:
15. September 2013
Nächste Wahl:
Herbst 2018
Bundesratsstimmgewicht:
6
Der Freistaat Bayern ( [ˈbaɪ̯ɐn]a a, Abkürzung BY) ist eines der 16 Länder der Bundesrepublik Deutschland und liegt im Südosten Deutschlands. Mit rund 70.500 Quadratkilometern ist es das flächenmäßig größte und mit rund 12,7 Millionen Einwohnern nach Nordrhein-Westfalen das zweitbevölkerungsreichste deutsche Bundesland.
Als Binnenland grenzt Bayern an folgende Staaten: im Osten an Tschechien, im Südosten und Süden an Österreich und im Südwesten über den Bodensee an die Schweiz sowie an weitere deutsche Bundesländer. Im einzeln sind dies im Westen Baden-Württemberg, im Nordwesten Hessen, im Norden Thüringen und im Nordosten Sachsen. Die größte Stadt Bayerns ist die Landeshauptstadt München, gefolgt von Nürnberg und Augsburg. Der Freistaat hat im Süden Anteil am Hochgebirge der Ostalpen und dem bis zur Donau reichenden flachen Alpenvorland einschließlich der Schotterebene. Nördlich der Donau bestimmen Mittelgebirge wie etwa das Fichtelgebirge oder die Schichtstufen der Fränkischen und Schwäbischen Alb das Landschaftsbild.
Bayern ist eine parlamentarische Republik mit dem Bayerischen Landtag als Legislative und der Bayerischen Staatsregierung, an deren Spitze der Ministerpräsident als Regierungschef steht, als Exekutive. Grundlage der Politik ist die Verfassung des Freistaates Bayern, gemäß der Bayern ein Volks-, Rechts-, Kultur- und Sozialstaat ist. Die Bezeichnung Freier Volksstaat bzw. Freistaat als monarchiefreie Republiken trugen in Bayern erstmals 1918 zwei Staaten, mit der Ausrufung durch Kurt Eisner am 8. November 1918 der Freie Volksstaat Bayern und der Freistaat Coburg, der sich 1920 mit Bayern vereinigt hat.
Bereits im Jahre 555 n. Chr. soll ein bayerisches Stammesherzogtum existiert haben, welches unter den Merowingern Teil des fränkischen Herrschaftsbereichs wurde. Zwischen 1180 und 1805 wurde Bayern als Territorialherzogtum sowie im Zeitraum 1806 und 1808 als absolute Monarchie von den Wittelsbachern regiert. Durch die Gewährung der Verfassungen von 1808, 1818 und 1848 wurde Bayern konstitutionelle Monarchie. Napoleon Bonaparte erhob 1805 Bayern zum Königreich, die Proklamation des ersten Königs erfolgte am 1. Januar 1806. Damit war die vollkommene Souveränität verbunden.[6] Bayern konnte auf dem Wiener Kongress 1814 als eine der Siegermächte einen großen Teil der Gebietsgewinne behalten; unter anderem kamen das heutige Nordbayern, Teile Schwabens und die neugeschaffene linksrheinische Pfalz zu Bayern. 1918 brach die Wittelsbachermonarchie in der Novemberrevolution zusammen. Nach der Besetzung durch US-amerikanische Truppen wurde Bayern 1949 Teil der neu gegründeten Bundesrepublik. Es begann ein wirtschaftlicher Aufschwung und eine Entwicklung vom Agrarstaat zum modernen Industriestaat.
Bayern liegt fast vollständig im oberdeutschen Sprachraum. Traditionell gliedert es sich in die drei Landesteile Franken (heute die Regierungsbezirke Ober-, Mittel- und Unterfranken), Schwaben (gleichnamiger Regierungsbezirk) und Altbayern (Regierungsbezirke Oberpfalz, Ober- sowie Niederbayern).Inhaltsverzeichnis
1 Etymologie und Schreibweise
2 Geographie2.1 Gebiet und Landschaft
2.2 Gewässer
2.3 Schutzgebiete
2.4 Ausdehnung und Flächennutzung
2.5 Klima
2.6 Flora
2.7 Fauna
3 Geschichte3.1 Teil des Römischen Reiches
3.2 Stammesherzogtum
3.3 Territorialherzogtum
3.4 Königreich
3.5 Frei- bzw. Freier Volksstaat und Räterepublik
3.6 Teil des Großdeutschen Reiches
3.7 Freistaat
4 Bevölkerung4.1 „Vier Stämme Bayerns“
4.2 Religion und Weltanschauung
4.3 Bevölkerungsreichste Städte
4.4 Sprache und Dialekt
5 Politik5.1 Staatsaufbau
5.2 Legislative – Bayerischer Landtag
5.3 Exekutive – Bayerische Staatsregierung
5.4 Wahlrecht
5.5 Direkte Demokratie
5.6 Parteienlandschaft
5.7 Partnerschaften
5.8 Patenschaft
5.9 Staatsverschuldung
5.10 Innere Sicherheit
6 Hoheitliche Symbole
7 Verwaltungsgliederung7.1 Regierungsbezirke und Bezirke
7.2 Planungsregionen
7.3 Landkreise und kreisfreie Städte
7.4 Gemeinden
8 Wirtschaft und Verkehr8.1 Tourismus
8.2 Energie
8.3 Medien
8.4 Verkehr8.4.1 Internationaler Verkehr
8.4.2 Straßen
8.4.3 Schienen-, Flug- und Schiffsverkehr
9 Kultur9.1 Theater, Schauspiel und Oper
9.2 Musik
9.3 Film
9.4 Universitäten und Hochschulen
9.5 Küche
9.6 Volksfeste
9.7 Kartenspieltradition
9.8 Kleidung
9.9 Industriekultur
9.10 Sehenswürdigkeiten
9.11 UNESCO-Welterbe
9.12 Museen
9.13 Bibliotheken und Archive
9.14 Zoologische Gärten, Tierparks, Parkanlagen und Gärten
10 Sport10.1 Ballsportarten
10.2 Wintersport
10.3 Weitere Sportarten
11 Siehe auch
12 Literatur
13 Weblinks
14 EinzelnachweiseEtymologie und Schreibweise[Bearbeiten]
Die allein verwendete Schreibweise des Landesnamens mit „y“ geht auf eine Anordnung von König Ludwig I., König von Bayern, vom 20. Oktober 1825 zurück, mit der die vorher geltende Schreibweise „Baiern“ abgelöst wurde. Diese Anordnung des Königs und seine Vorschrift des „griechischen“ Ypsilons steht im Zusammenhang mit dem Philhellenismus. Bis dahin wurde der Landesname üblicherweise mit „i“ geschrieben, wenngleich es ältere Belege mit einem „y“ gibt.
Der Stamm der einheimischen Bevölkerung Altbayerns (also ohne Franken und bayerisches Schwaben) wird aber weiterhin als die Baiern (in anderen Abschnitten auch Altbayern genannt) bezeichnet.[7] Vgl. auch: Bairisch bzw. Bajuwaren.
Der Begriff Bayern bzw. Baiern ist auf das Volk der Bajuwaren zurückzuführen. Der volle Name der Bajuwaren wird hergeleitet aus einem mutmaßlichen germanischen Kompositum *Bajowarjōz (Plural). Überliefert ist dieser Name als althochdeutsch Beiara, Peigira, latinisiert Baiovarii.[8] Es wird angenommen, dass es sich dabei um ein Endonym handelt. Hinter dem Erstglied Baio steckt das Ethnikon des zuvorbewohnenden keltischen Stammes der Boier, der im althochdeutschen Landschaftsnamen Bēheima ‚Böhmen‘ (germanisch *Bajohaimaz ‚Heim der Boier‘, spätlateinisch dann Boiohaemum) und im onomastischen Anknüpfungspunkte (Baias, Bainaib usw.)[9] erhalten ist. Das Zweitglied -ware bzw. -varii der Bewohnerbezeichnung Bajuwaren stammt aus *warjaz ‚Bewohner‘ (vgl. altnordisch Rómverjar ‚Römer‘, altenglisch burhware ‚Stadtbewohner‘),[10] die noch aus indogermanischer Zeit stammt (vgl. walisisch gwerin ‚Menschenmenge‘). Der Baiernname wird deshalb als ‚Männer aus Böhmen‘ gedeutet. Die Namensdeutung ist allerdings weiterhin umstritten.
Geographie[Bearbeiten]
Landschaft in den Bayerischen Alpen: Ramsau bei Berchtesgaden, im Hintergrund die Reiteralpe
Typische Allgäuer Voralpenlandschaft: Siggenhauser Weiher bei Amtzell (Baden-Württemberg)
Nördlinger Ries vom Goldberg (Baden-Württemberg) aus
Gebiet und Landschaft[Bearbeiten]
Siehe auch: Liste von Bergen in Bayern und Liste der Landschaften in Bayern
Bayern liegt in Süddeutschland und umfasst:die Bayerischen Alpen im Süden
davon nördlich das Alpenvorland bis zur Donau mit den drei großen Seen Oberbayerns
das ostbayerische Mittelgebirge und
die Stufenlandschaft der Schwäbischen und Fränkischen Alb.Die Bayerischen Alpen im äußersten Süden Bayerns gehören den Nördlichen Kalkalpen an. Bayern ist das einzige deutsche Bundesland, das Anteil an den Alpen hat. Meist werden unter den Bayerischen Alpen nur die zwischen den Flüssen Lech und Saalach gelegenen Gebirgsteile verstanden. In diesem engeren Sinn zählen daher die Allgäuer Alpen, auf die sich das bayerische Staatsgebiet erst seit jüngerer Zeit erstreckt, und die Berchtesgadener Alpen nicht zu den Bayerischen Alpen. Er ist nicht mit dem Begriff der Bayerischen Voralpen, die nördlich an das Gebirge angrenzen, zu verwechseln. Letztere umfassen nur den bayerischen Anteil der Voralpen zwischen der Loisach im Westen und dem Inn im Osten. Während die Voralpen nur vereinzelt ausgeprägte Kalkfelswände zeigen, sind die Alpen durch die im Jungpleistozän entstandenen Kare, Seen und die typischen U-Täler durch Gletscher geprägt. Ablagerungen der eiszeitlichen Flüsse sowie vor allem die Gletscher ließen insbesondere im Alpenvorland eine hügelige Landschaft mit Seen und Mooren entstehen. Hier liegen etwa der Chiemgau, das Fünfseenland und der Allgäu.
Während zwischen den Alpen und südlich der Donau das Gelände flach bis hügelig ist, liegen nördlich davon mehrere Gebirge, die eine Höhe von über Tausend Metern erreichen, darunter beispielsweise der Bayerische Wald mit dem Großen Arber als höchsten Berg Ostbayerns und das Fichtelgebirge mit dem Schneeberg als höchsten Berg Frankens. Die Fränkische Alb als geologische Fortsetzung des Schweizer Juras und der Schwäbischen Alb zieht sich um einen Bogen durch den Norden Bayerns und schirmt Teile Frankens von Altbayern ab. Nördlich davon liegen zahlreiche Zeugenberge wie etwa der Hesselberg. Der äußerste Südwesten der Alb grenzt ans Nördlinger Ries, Rest eines während des Ries-Ereignisses vor etwa 14,6 Millionen Jahren entstandenen Einschlagkraters. Das Fränkische Keuper-Lias-Land, in dem etwa Aischgrund, Steigerwald und Frankenhöhe liegen, geht in die Mainfränkische Platten über. Südwestlich davon liegen die Mittelgebirge Odenwald, Spessart und Rhön. Die östliche Hälfte Bayerns wird hingegen von Mittelgebirgen wie dem Bayerischen Wald oder dem Frankenwald geprägt. Hier befindet sich das größte nicht zerschnittene Waldgebiet Mitteleuropas. Teile des Vogtlands liegen in Bayern. Der westliche Teil Unterfrankens als Bestandteil der Tiefebene des Rheins gehört zum Bayerischen Untermain.
Die niedrigste Stelle Bayerns ist mit 100 m der Wasserspiegel des Mains in Kahl am Main (Unterfranken), die höchste auf dem Gipfel der Zugspitze (2962 m), des höchsten deutschen Berges im Wettersteingebirge. Alle 30 höchsten Berggipfel Deutschlands liegen in den Bayerischen Alpen, konzentriert in den Berchtesgadener Alpen, den Allgäuer Alpen und dem Wettersteingebirge.
Der geographische Mittelpunkt Bayerns liegt etwa 500 Meter östlich des Marktes Kipfenberg im Landkreis Eichstätt Lage48.94660711.404567. Historisch betrachteten sich mehrere Orte in Bayern als Mittelpunkt Europas. Seit dem EU-Beitritt Kroatiens am 1. Juli 2013 lag der geographische Mittelpunkt der Europäischen Union im Landkreis Aschaffenburg, im Ortsteil Oberwestern der bayerischen Gemeinde Westerngrund (Lage50.1172869.247768).[11] Durch den Beitritt des französischen Übersee-Départements Mayotte, einer Inselgruppe in Nordwesten Madagaskars, hat er sich nochmals um 500 Meter verschoben (Lage50.680049.151501).
Gewässer[Bearbeiten]
Luftaufnahme des Brombachsees vom Westen aus in Richtung Staudamm. Auf der rechten Bildseite sind Ramsberg und der Bergrücken Schwarzleite zu sehen.
Siehe auch: Liste der Flüsse in Bayern und Liste der Seen in Bayern
Bayerns großer Strom ist die Donau. Sie fließt in der Südhälfte des Landes von West nach Ost, gelangt bei Ulm auf das Landesgebiet und tritt bei Passau nach Österreich über. Ihre größten Nebenflüsse sind (stromabwärts):Iller, Lech, Isar, Inn (von Süden)
Wörnitz, Altmühl, Naab und Regen (von Norden)Die vier südlichen Nebenflüsse entspringen in den Alpen und sind wasserreicher. Inn und Lech führen (wegen des langen Oberlaufs) bei ihrer Mündung meist etwas mehr Wasser als die Donau.
Im Heimatkundeunterricht wird zur Donau vielerorts folgender Merkspruch aufgesagt: „Brigach und Breg bringen die Donau zu weg. Iller, Lech, Isar, Inn, fließen rechts zur Donau hin. Wörnitz, Altmühl, Naab und Regen fließen links dagegen.“
Der größte Teil Frankens wird durch den Main von Ost nach West in den Rhein entwässert. In seinem markant geschwungenen Lauf bildet er das sog. Maindreieck und Mainviereck. Seine größten Nebenflüsse sind die Regnitz und Tauber von links und die Fränkische Saale von rechts. Im Nordosten Oberfrankens entspringen die linken Nebenflüsse der Elbe, die Sächsische Saale und die Eger.
In den Endmoränenlandschaften im südlichen Teil des nördlichen Alpenvorlandes gibt es viele Seen, die teilweise ins Gebirge hineinragen, etwa der Tegernsee, der Starnberger See und der Traunsee. Bayern hat Anteil am Bodensee, dem größten See Mitteleuropas. Der größte See innerhalb Bayerns ist der Chiemsee. Nördlich der Fränkischen Alb wurden die Stauseen des Fränkischen Seenlands gebildet. Sie dienen zur Wasserregulierung Nordbayerns, insbesondere der Wasserversorgung des Main-Donau-Kanals, einer wichtigen Wasserstraße in Nordbayern. In den Alpen wurde 1924 das Walchenseekraftwerk in Betrieb genommen, das das natürliche Gefälle zwischen dem als „Oberbecken“ fungierenden Walchensee und dem „Unterbecken“ Kochelsee zur Stromerzeugung nutzt.
Durch Teile Bayerns führt die Europäische Hauptwasserscheide. Sie trennt die Flusssysteme von Rhein im nördlichen und Donau im südlichen Teil Bayerns.
Entlang dem Nordrand der Alb gibt es etliche Steinerne Rinnen. Die etwa 150 Meter lange und 0,2 Meter hohe Käsrinne bei Heidenheim und die Steinerne Rinne bei Wolfsbronn mit 128 Metern Länge und 1,5 Metern Höhe sind die längsten dieser „wachsenden Bäche“ in Bayern. Siehe auch Liste der Steinernen Rinnen in Bayern.
Schutzgebiete[Bearbeiten]
Bayerns schönste Geotope: Gipskarstquelle Bodenloses Loch
In Bayern liegen der Nationalpark Bayerischer Wald und der Nationalpark Berchtesgaden. Von der UNESCO anerkannte Biosphärenreservate sind das Biosphärenreservat Berchtesgadener Land und das Biosphärenreservat Rhön. Es gibt 18 Naturparke in Bayern, das älteste ist das 1969 gegründete Naturpark Altmühltal.
In Bayern sind 587 Naturschutzgebiete mit einer Gesamtfläche von 158.694,03 Hektar ausgewiesen (Stand: 17. März 2009). Das entspricht einem Anteil von 2,25 Prozent an der Fläche des Bundeslands. Größtes Naturschutzgebiet sind die Allgäuer Hochalpen, kleinstes ist der Drabafelsen. In Bayern sind 698 Landschaftsschutzgebiete mit einer Gesamtfläche von 2.121.991,82 Hektar ausgewiesen (Stand: Mai 2015). Das entspricht einem Anteil von 30,07 Prozent an der Fläche des Bundeslands. In Bayern sind über 2.500 Geotope vom Bayerischen Landesamt für Umwelt ausgewiesen. Siehe dazu Geotope in Bayern. Einhundert besonders sehenswerte sind als Bayerns schönste Geotope ausgewiesen.[12] Zusätzlich sind viele Gebiete als Fauna-Flora-Habitate und Europäisches Vogelschutzgebiet ausgewiesen.
Ausdehnung und Flächennutzung[Bearbeiten]Flächennutzung im Freistaat BayernFlächennutzung
am 31. Dezember 2012
Fläche
(km²)
Anteil
in Prozent
Landwirtschaft
34.703
49,2
Waldgebiete
24.732
35,1
Gebäude und Freiraum
(einschl. Friedhöfe)
4.207
6,0
Verkehr
3.400
4,8
Wasser
1.446
2,0
Flächen anderer Nutzung
(ohne Friedhöfe)
1.394
2,0
Erholung
391
0,6
Abbauland
153
0,2
Betriebsfläche ohne Abbauland
124
0,2
Mít 70.550,19 Quadratkilometern ist Bayern das flächenmäßig größte deutsche Bundesland und hat damit knapp 22.000 Quadratkilometer mehr Fläche als Niedersachsen. Der Freistaat entspricht etwa 19 Prozent der deutschen Staatsfläche. Bayern ist größer als die meisten Staaten Europas, etwa die Niederlande oder Irland.
Das Staatsgebiet Bayerns erstreckt sich von 47° 16′ bis zu 50° 34′ nördlicher Breite und von 8° 58′ bis 13° 50′ östlicher Länge. Bayern erstreckt sich in west-östlicher Richtung über maximal 384, in nord-südlicher über 362 Kilometer. Der südlichst gelegene Ort in Bayern ist Einödsbach, der westlichste Großwelzheim,[13] der nördlichste Weimarschmieden und der östlichste Breitenberg. Die südlichste Stelle Bayerns und ganz Deutschlands ist der Haldenwanger Eck. Die Mitteleuropäische Zeit (MEZ) ist der Ortszeit an der äußersten Westgrenze des Landes um 24 Minuten und 8 Sekunden, an der äußersten Ostgrenze um 4 Minuten und 40 Sekunden voraus.[14]
Die Landesgrenze Bayerns ist insgesamt 2705 Kilometer lang. Bayern grenzt, im Westen beginnend, im Uhrzeigersinn an Baden-Württemberg (829 Kilometer Grenzlänge), Hessen (262 Kilometer), Thüringen (381 Kilometer), Sachsen (41 Kilometer), an die tschechischen Regionen Karlsbad, Pilsen und Südböhmen (357 Kilometer), an die österreichischen Länder Oberösterreich, Salzburg, Tirol und Vorarlberg (816 Kilometer) sowie an den Schweizer Kanton St. Gallen (19 Kilometer), wobei der Grenzverlauf im Bodensee nicht festgelegt ist.
Bis 1990 bildete die Grenze zu Thüringen, Sachsen und der damaligen Tschechoslowakei einen Abschnitt des Eisernen Vorhangs. Sie stellte durch die Grenzsicherungsanlagen eine physisch nahezu unüberwindbare Trennung zwischen der NATO und dem Warschauer Pakt dar. Bei Prex gab es ein Dreiländereck. Nicht zum bayerischen Staatsgebiet und daher nicht zum deutschen Bundesgebiet gehören die in Österreich gelegenen Saalforsten, die im privatrechtlichen Eigentum des Freistaates Bayern stehen. Andererseits gehört der Egerer Stadtwald, der historisch zur böhmischen Stadt Eger (tschechisch. Cheb) gehört, zum bayerischen Staatsgebiet und wird von einer Stiftung verwaltet.
Etwa fünf Sechstel (84,2 Prozent) der Fläche wird land- und forstwirtschaftlich genutzt. 11,5 Prozent sind Siedlungs- und Verkehrsflächen.[14]
Klima[Bearbeiten]
Das Klima geht vom Nordwesten (relativ ausgeglichen) nach Osten ins Kontinentalklima über. An etwa 100 Tagen sind die Temperaturen unter null Grad Celsius, die Westwinde bringen durchschnittlich 700 mm Niederschlag, im Nordstau der Alpen lokal bis 1800 mm pro Jahr. Die mittlere jährliche Sonnenscheindauer beträgt 1600 bis 1900 Stunden.[15] Der wärmste Monat ist meist der Juli, kältester der Januar. Der Föhn beeinflusst das Wetter im gesamten Alpenvorland und kann stellenweise bis an die Fränkische Alb reichen. Der Norden Bayerns ist trockener und wärmer als der Süden;[16] die Region um Würzburg weist die meisten Sonnentage Süddeutschlands auf. Der Klimawandel zeigt sich auch verstärkt in Bayern: Gletscher schmelzen und extreme Wetterlagen, wie etwa das Hochwasser in Mitteleuropa 2013, nehmen zu.
Flora[Bearbeiten]
Bergmischwald im Herbst bei Burgberg, Lkr. Oberallgäu
Bayern wäre von Natur aus hauptsächlich von Wäldern bedeckt. Im Flach- und Hügelland würden buchendominierte Mischwälder vorherrschen, die in den Gebirgen in Bergmischwälder übergehen würden. In den höheren Gebirgslagen würden Fichtenwälder vorkommen und die Flüsse würden von ausgedehnten Auwäldern begleitet. Nur die Gewässer und die Gebirgslagen oberhalb der Waldgrenze sowie Sonderstandorte wie Hochmoore wären natürlicherweise nicht bewaldet. Durch umfangreiche Rodungen für landwirtschaftliche Flächen und Siedlungen hat der Mensch bereits aber im Mittelalter die Waldfläche in Bayern zurückgedrängt. Aktuell sind mit 2,6 Millionen Hektar 36,9 Prozent der bayerischen Landesfläche bewaldet. Damit befindet sich rund ein Viertel der deutschen Wälder in Bayern. Die Baumartenzusammensetzung der Wälder in Bayern ist stark von der forstwirtschaftlichen Nutzung geprägt. Die häufigste Baumart in Bayerns Wälder ist die Gemeine Fichte mit 41,8 Prozent Flächenanteil, gefolgt von der Waldkiefer mit 17,9 Prozent, der Rotbuche mit 13,9 Prozent und den Eichen mit 6,8 Prozent Anteilen.[17] Besonders große Waldgebiete finden sich noch in den Mittelgebirgen in Nord- und Ostbayern, wie zum Beispiel im Spessart, im Fichtelgebirge, im Steigerwald und im Bayerischen Wald, sowie in den Bayerischen Alpen.
Dagegen sind insbesondere die Gegenden mit fruchtbaren Böden im Voralpenland, im Hügelland und in den Flussniederungen von überwiegend landwirtschaftlich genutzten Offenlandschaften mit Wiesen, Äckern und nur wenigen Einzelbäumen und kleineren Wäldern geprägt. Franken weist gebietsweise für Süddeutschland einzigartige Sandlebensräume auf, die als Sandachse Franken geschützt sind.[18] In den Flusstälern entlang von Main und Tauber wurde die Landschaft für den Weinanbau umgestaltet. Weit verbreitet sind Magerrasen, ein extensiv genutztes Grünland an besonders nährstoffarmen, „mageren“ Standorten. Besonders die Südliche Frankenalb mit dem Altmühltal ist gekennzeichnet von solchen Magerrasen. Viele dieser Gebiete sind als Schutzgebiet ausgewiesen.
Fauna[Bearbeiten]
Biberdamm am in diesem Teil des Flusses als Buxbach bezeichneten Banzerbach bei Veitserlbach
In den Wäldern Bayerns leben, wie in anderen Teilen Deutschlands, nur noch relativ wenige Großtierarten. Es gibt hier unter anderem verschiedene Marderarten, Dam- und Rothirsche, Rehe sowie Wildschweine und Füchse. In naturnahen Gebieten wie dem Fichtelgebirge leben Luchse und Auerhähne, aber auch Biber und Otter verbreiten sich wieder. Vereinzelt gibt es Sichtungen von seit längerem in Mitteleuropa ausgerotteten Tieren in Bayern, beispielsweise vom Wolf.[19] In hochalpinen Regionen leben der wieder eingebürgerte Alpensteinbock und das Murmeltier. Seltener ist die Gämse in einigen Mittelgebirgen, wie der der Fränkischen Alb, beheimatet. Der Steinadler kommt in den Bayerischen Alpen vor.
Geschichte[Bearbeiten]
Wappen des Königreichs Bayern
Das bairische Stammesherzogtum
im 8. Jahrhundert
→ Hauptartikel: Urgeschichte Bayerns, Geschichte Bayerns und Königreich Bayern
Teil des Römischen Reiches[Bearbeiten]
Zur Zeit des Kaisers Augustus wurde das keltisch besiedelte Gebiet Altbayerns südlich der Donau Teil des Römischen Reiches. Nach Zusammenbruch der römischen Herrschaft bildete sich das Volk der Bajuwaren. Vermutlich haben sich die Bajuwaren aus verschiedenen Volksgruppen gebildet:aus elbgermanischen Stämmen, insbesondere Markomannen, Narisker und Quaden, sowie ostgermanischen Rugiern
aus Resten der einheimischen keltischen Bevölkerung
aus im Land verbliebenen Römern
aus alemannischen, fränkischen bzw. thüringischen, ostgotischen und langobardischen Volkssplittern
aus Söldnern der römischen GrenztruppenEs wird von einer Stammesbildung der Bajuwaren im eigenen Land, also dem Land zwischen Donau und Alpen ausgegangen.[20]
→ Hauptartikel: Bajuwaren
Stammesherzogtum[Bearbeiten]
Wie bereits oben erwähnt ist für das Jahr 555 n. Chr. die Existenz eines bairischen Stammesherzogtumes mit Sitz in Freising und Regensburg unter den Agilolfingern belegt, das unter den Merowingern Teil des fränkischen Herrschaftsbereichs Austrasien wurde. Der Sieg Karls des Großen über den Bayernherzog Tassilo III. 788 markiert das Ende des sogenannten Älteren Stammesherzogtums. Seit 788 bis zum Beginn des 10. Jahrhunderts gab es keinen baierischen Herzog. Die Karolinger regierten als bayerische Könige oder Unterkönige und setzten zur Herrschaftsausübung bisweilen Statthalter (Präfekten) ein.
Das jüngere Herzogtum Bayern in seiner maximalen Ausdehnung im 10. Jahrhundert
Der Niedergang der Karolinger ermöglichte ein Wiederaufleben der Eigenständigkeit der bayerischen Herzöge im sogenannten Jüngeren Stammesherzogtum. Nach Ende der Herrschaftsperiode der Karolinger kam es erneut dazu, dass die Eigenständigkeit der einzelnen Gebiete allmählich erstarkte. Unterstützt wurde dies durch die Bedrohung von außen durch die Ungarneinfälle ab etwa 862. Markgraf Luitpold von Bayern fiel 907 in der Schlacht von Pressburg in einer Niederlage gegen die Ungarn, jedoch wird das Datum durch den Antritt seines Sohns Arnulf I. als Herzog von Bayern gleichzeitig als Beginn des jüngeren baierischen Stammesherzogtums gesehen. Nach dem endgültigen Sieg Otto I. in der Schlacht auf dem Lechfeld gegen die Ungarn erfolgte eine zweite Welle baierischer Ostsiedlung mit Gewinn von Gebieten im heutigen Niederösterreich, Istrien und der Krain. Der Streit mit den Ottonen führte wieder zu einer starken Abhängigkeit vom deutschen Königtum. 976 wurde der Südosten Bayerns als Teil eines neu geschaffenen Herzogtums Kärnten abgetrennt. Zusätzlich regierte das Geschlecht der Babenberger in der Marcha Orientalis (Ostarrichi) zunehmend unabhängiger vom bayerischen Herzog.
Als am 23. Januar 1002 Otto III. verstarb, erkannte Heinrich II., ein naher Verwandter des verstorbenen Kaisers und Herzog von Bayern, seine Chance selbst König des Heiligen Römischen Reiches zu werden. Der Trauerzug wollte Otto III. in Aachen, der ehemaligen Königspfalz Karls des Großen, beisetzen. Dabei kam der Zug auch durch Bayern. Heinrich II. ließ in Polling den Leichnam unter seine Kontrolle bringen und erzwang die Herausgabe aller Königsinsignien. Durch diese List und Versprechen an andere Fürsten setzte sich Heinrich II. durch. Am 1. November 1007 erreichte Heinrich II. auf der Reichssynode in Frankfurt am Main die Gründung des Bistums Bamberg. Es lag an der Grenze zu den heidnischen Slawen und sollte der Region Schutz vor slawischen Überfällen bieten. Zugleich hoffte Heinrich II. darauf mit Bamberg den christlichen Glauben zu festigen. Nach mittelalterlichem Verständnis sicherte er sich so sein Seelenheil. Heinrich II. stellte beim Papstbesuch Benedikts VIII. sein Bistum unter den Schutz des Papstes und machte es damit für die Bischöfe von Würzburg und Eichstätt, denen Heinrich mit dem Bamberger Bistum Teile ihres Herrschaftsbereiches nahm, unangreifbar. Tatsächlich sollte das Bistum Bamberg noch bis 1802 Bestand haben. Darüber hinaus hatte seit 120 Jahren kein Papst mehr sich nördlich der Alpen aufgehalten. Die Thomaskapelle in der heutigen Alten Hofhaltung wurde von Benedikt VIII. geweiht. Ein deutlicher Gunsterweis, der Heinrichs Herrschaft von Gottes Gnaden betonte. Auch der Heinrichsdom wurde in Bamberg am 6. Mai 1012 in Anwesenheit von 45 Bischöfen eingeweiht. 50 000 mit Stein beladene Ochsenfuhren waren für den Dom notwendig. Doch im Jahr 1080 brannte der Dom auf. Nur wenige Teile blieben erhalten. Der jetzige Bamberger Dom ist der dritte. Die beiden Vorgängerbauten gingen durch Brände verloren. Heinrich II. beschenkte Bamberg mit zahlreichen Ländereien und stiftete zusätzlich Klöster. Nachdem Heinrich II. am 13. Juli 1024 verstarb, verlagerte sich das Zentrum des Heiligen Römischen Reiches mit den Salier-Königen an die Region um Speyer.
Ab 1070 kam es unter den Welfen zu einem Wiedererstarken der Macht der bayerischen Herzöge. Heinrich der Löwe besaß eine fast königliche Machtfülle. Da er den Staufer Friedrich I. militärisch in Italien unterstützt hatte, belehnte Friedrich den Welfen auch mit Bayern. Die Herzogtümer Sachsen und Bayern befanden sich damit in der Hand Heinrichs. Um seine eigenen Kassen durch Zoll aufzufüllen, gründete Heinrich der Löwe auch München. Durch die dort angelegte Brücke wollte er an dem Salzhandel teilhaben. Ob er allerdings in Freising die konkurrierende Brücke tatsächlich in Brand setzte, ist unter Historikern umstritten. Nicht einmal die Jahreszahl für diesen Vorfall gab der Bischof von Freising an. Es ist also gut möglich, dass er lediglich den rechtfertigenden Versuch unternahm, die Macht Heinrichs zurückzudrängen. Am Ende des 12. Jahrhunderts war München nicht größer als der Raum zwischen dem heutigen Rathaus und dem Dom. Zum Schutz vor Angriffen ließ Heinrich der Löwe die erste Stadtmauer erbauen.
Am 11. November 1180 stürzte Friedrich I. Barbarossa in Erfurt auf Betreiben der Fürsten Herzog Heinrich den Löwen, den Herzog von Bayern und Sachsen. Das Herzogtum Bayern wurde durch die Abtrennung der Steiermark und der andechsischen Markgrafschaft Istrien weiter verkleinert. Friedrich I. belehnte nun den Wittelsbacher Otto I. als Herzog von Bayern. Bis 1918 werden sie sich halten können.
Territorialherzogtum[Bearbeiten]
Von 1180 bis 1918 wurde Bayern als Territorialherzogtum von den Wittelsbachern regiert. Es erlebte von 1255 bis 1503 eine Periode zahlreicher Teilungen in Einzelherzogtümer.
In einer kurzen Zeit der Wiedervereinigung erlangte Ludwig IV. 1328 als erster Wittelsbacher die Kaiserwürde, was für Bayern einen neuen Höhepunkt der Macht bedeutete. Ludwig erhielt 1314 nach dem Tod des Luxemburgers Heinrich VII. jedoch nur die Hälfte der Reichsfürstenstimmen. Die Herrschaft Ludwigs IV. als König war damit keineswegs gefestigt. Er brauchte mächtige Verbündete, um sich gegen seinen Rivalen Friedrich von Habsburg durchsetzen zu können. Diese entscheidende Hilfe erlangte er durch die Förderung der ökonomisch starken Städte. Regensburg war zum Beispiel in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts die wichtigste Stadt Bayerns und die zweitgrößte im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. 40 Mal hat Ludwig die wohlhabende Handelsstadt aufgesucht. Denn Regensburg lag für den Handel besonders günstig. Die Donau stellte eine natürliche Ost-Westverbindung dar. Die Steinerne Brücke verband Norden und Süden miteinander. Darüber hinaus war sie die einzige Brücke an der Donau zwischen Ulm und Wien. Die Geschlechtertürme zeugen noch heute vom Selbstbewusstsein der aufstrebenden Patrizier. Tatsächlich beinhalteten sie nur eine Etage und waren damit hauptsächlich ein Statussymbol. Im Mittelalter wurden die Dächer der Geschlechtertürme nicht vollständig abgeschlossen, um sie jederzeit weiter aufstocken zu können. 1322 trug Regensburger Geld zum Sieg Ludwigs in der Schlacht von Mühldorf bei. Ludwigs Rivale Friedrich von Habsburg wurde zweieinhalb Jahre bei Landshut gefangen gehalten. Kurz darauf ließ Ludwig jedoch Friedrich zum Mitkönig erheben und erreichte so kurzzeitig eine Aussöhnung mit ihm feindlich gegenüber stehenden Fürsten. Eine Hauptstadt kannte das Herzogtum Bayern noch nicht. 80 000 km legte Ludwig auf den Sattel zurück. Nur durch sein persönliches Erscheinen konnte er sich vor Ort gegenüber den dortigen Fürsten durchsetzen. Wegen seiner Bemühungen, die kaiserliche Autorität auch in Italien zu stärken, geriet er in Konflikt mit Papst Johannes XXII. Um Ludwig nicht als König des Heiligen Römischen Reiches zu bezeichnen, verwendete der Papst die Bezeichnung "Bavarius" bzw. den Bayern. Ludwig konnte die Hausmacht der Wittelsbacher ganz erheblich erweitern. Doch es sollte sich zeigen, dass die für das Mittelalter doch sehr großen Entfernungen der zerstreuten Wittelsbacher-Gebiete eine effektive Verwaltung erschwerten. Im Hausvertrag von Pavia von 1329 teilte Ludwig daher den Besitz in eine pfälzische Linie mit der Rheinpfalz und der später so genannten Oberpfalz und in eine altbayerische Linie auf.
Nach seinem Tod am 11. Oktober 1347 versuchten seine Söhne zunächst gemeinsam zu regieren. Jedoch gaben sie mit dem Regensburger Vertrag von 1353 diesen Plan auf. Es kam zu einer weiteren Landesteilung. Das kleinste dieser sogenannten Teilherzogtümer war Straubing-Holland. Es umfasste die Gebiete Hennegau, Seeland, Holland, Friesland und Straubing. Da die westlichen Gebiete wesentlich größer und wohlhabender waren als die niederbayerischen, regierten die Herzöge von Straubing-Holland meist in Den Haag. Um jedoch nicht das über 800 km von Den Haag entfernte Straubing an illoyale Fürsten zu verlieren, richteten die Herzöge einen Kurierdienst zwischen Straubing und Den Haag ein. Die Herzogsburg in Straubing war meist nur Verwaltungssitz des sogenannten Vitztumamtes, d. h. der Stellvertreter der abwesenden Herzöge. Der Schriftverkehr der Straubinger Kanzlei nahm in dieser Zeit beträchtlich zu. Durch Urbarbücher gelang es, akkurat die Besitzverhältnisse im Land zu protokollieren und damit die Einnahmequellen zu erweitern. Auch durch die Ausbreitung schriftlicher Gesetze (Rechtssicherheit) konnte der Herzog der Selbstjustiz und den Fehden der Adligen in seinem Territorium vorbeugen. Das trug ganz erheblich zu einer Stärkung der monarchischen Gewalt gegenüber den Fürsten bei. Durch Privilegien, etwa die Erlaubnis, eine Stadtmauer bauen zu dürfen, und den militärischen Schutz der Stadt durch die Herzöge wurden auch die Patrizier, die Händlerfamilien, in Straubing gestärkt. Denn der Boden ist hier besonders fruchtbar. Der Überschuss Getreide und Vieh wurden von den Bauern auf dem 600 m lang angelegten und sogar bereits gepflasterten Marktplatz verkauft. Was an Getreide nicht beim ersten Mal verkauft wurde, wurde in einem Lagerhaus für den späteren Verkauf gelagert, maximal eine Woche. Auch niederländische Händler brachten etwa Hering in die Stammeslande der Herzöge. Gaststätten und Unterkünfte schossen für durchreisende Händler und Pilger aus dem Boden. Der Erfolg der Stadt führte dazu, dass der um 1393 fertiggestellte und 68 Meter hohe Stadtturm nicht mehr ausreichte um die Stadt gänzlich im Überblick zu behalten. Denn der Türmer hatte von dort aus die Pflicht Feuer oder feindliche Soldaten zu melden. Nach dem Aussterben der männlichen Linie der Herzöge von Straubing-Holland erbte der eng mit ihnen verwandte Herzog von Burgund im Jahr 1433 die Provinzen Holland, Seeland, Friesland und die Grafschaft Hennegau. Schon 1429 wurde der niederbayerische Besitz von den Herzögen von Bayern-Landshut, Bayern-Ingolstadt und Bayern-München aufgeteilt. Viele andere von Ludwig IV. hinzugewonnenen Gebiete wie Brandenburg und Tirol, gingen unter seinen Nachfolgern sehr bald wieder verloren. Tirol fiel 1363 an die Habsburger und Brandenburg 1373 an die Luxemburger. Mit der Goldenen Bulle 1356, welche teilweise auch in Nürnberg entstand, ging die Kurfürstenwürde für die altbayerische Linie an die Pfalz verloren. Zum ersten Mal in der Geschichte des Heiligen Römischen Reiches wurde in diesem Dokument festgelegt, dass sieben Kurfürsten den König wählen sollten. Damit war ein Gegenkönigtum, wie es noch Ludwig IV. erlebt hatte ausgeschlossen.Der aus dem mächtigen Luxemburger Geschlecht stammende Kaiser Karl IV. erhielt so zwei Wahlstimmen (Brandenburg und Böhmen). Er verhinderte damit die Wahl eines Wittelsbachers bis in das 18. Jahrhundert hinein. Zudem musste der gewählte König seinen ersten Hoftag in Nürnberg halten. Daran erinnert an der Frauenkirche am Hauptmarkt noch heute der im 16. Jahrhundert angefertigte Männleinslauf. Die Figuren der sieben Kurfürsten umkreisen Karl IV. in der Mitte. 52 Mal hielt sich Karl IV. in Nürnberg auf und genehmigte den Abriss des Judenviertels für einen vom Stadtrat angestrebten großen Platz: dem heutigen Hauptmarkt. Eigentlich zahlten die Juden seit dem Stauferkaiser Friedrich II. an den König damit dieser ihnen militärischen Schutz gewährte. Doch Karl IV. versagte in dieser Funktion. Vom 5. bis 7 Dezember 1349 fiel die Bevölkerung über die Juden her. Viele von ihnen wurden gewaltsam erschlagen oder verbrannt. 562 Menschen starben. An Stelle der Synagoge stiftete Karl IV. die Frauenkirche. Ein eingravierter Davidstern am Boden der Frauenkirche erinnert heute noch an dieses Verbrechen. Während der Pest kam es in vielen Städten zu grausamen Judenpogromen. Hauptgrund war dabei, dass Juden im Unterschied zu der christlichen Bevölkerung nach päpstlichen Recht Kredite aufnehmen durften. Das war auch notwendig. Denn auf den nur schlecht gepflasterten Wegen war man mit seiner Handelsware oft wochenlang unterwegs und Raubüberfällen ausgeliefert. Aufgrund dieses Risikos mussten die Regensburger Juden durchschnittlich 180 % des Wertes ihrer Auszahlung an die Patrizier zurückfordern. Die christlichen Händler häuften dadurch Schulden bei den Juden an. Die Pest war nun eine willkommene Gelegenheit sich durch Mord an den Juden seiner Schulden zu entledigen.
1447 fiel Bayern-Ingolstadt an Bayern-Landshut. Durch Silberminen in Tirol, Salz- und Getreidehandel begünstigt begann in Landshut die Herrschaft der drei sogenannten "Reichen Herzöge": Heinrich XVI. (1393-1450), Ludwig IX. (1450-1479) und Georg der Reiche (1479-1503). 1503 fiel Bayern-Landshut im Landshuter Erbfolgekrieg an Bayern-München. Durch das Primogeniturgesetz von 1506 sollten die Landesteilungen ein Ende finden. Der 1495 zweitgeborene Wittelsbacher Ludwig konnte jedoch einwenden, dass dieses Gesetz nach seiner Geburt in Kraft getreten war und damit für ihn ungültig sei. Durch die Unterstützung der Landstände gegen seinen Bruder Wilhelm IV. konnte er im Rattenberger Vertrag von 1514 und mit Unterstützung des Habsburger-Kaiser Maximilians eine gemeinsame Regierung durchsetzen. 1516 erhielt Ludwig X. ein Viertel des Herzogtums Bayerns. Während seiner Beteiligung an diplomatischen und militärischen Züge Kaiser Maximilians I. in Italien bekam er 1536 im Mantua einen Eindruck von der Palastarchitektur der Renaissance. Dies bewog ihn den Deutschen Bau seiner Landshuter Residenz mit einem italienischen Bau zu ergänzen. Die Residenz war der erste Renaissancepalast nördlich der Alpen und wurde ein wichtiges Zentrum von Gelehrten und Künstlern.
In der Gegenreformation nahm Bayern eine führende Stellung ein und ging aus dem Dreißigjährigen Krieg mit Gebietsgewinnen und dem Aufstieg zum Kurfürstentum hervor: 1620 besiegten die Truppen der Katholischen Liga unter Führung des bayerischen Feldherrn Tilly in der Schlacht am Weißen Berge bei Prag die Protestanten. Anschließend ließ Tilly die Pfalz besetzen. Zum Dank erhielt Maximilian I. 1623 die Kurfürstenwürde und 1628 die von ihm besetzte Oberpfalz als Kriegsentschädigung.
Während des Spanischen und Österreichischen Erbfolgekrieges und im Zuge der Großmachtpolitik Maximilians II. und seines Sohnes Karl Albrecht wurde das absolutistische Bayern vorübergehend von Österreich besetzt. 1705 erhob sich das bayerische Volk gegen die kaiserliche Besatzung. Die bayerische Volkserhebung umfasste weite Gebiete Niederbayerns, das Innviertel und das östliche Oberbayern. Ein Landesdefensionskongress tagte im Dezember 1705 im damals noch bayerischen Braunau am Inn. Erst die Schlacht von Aidenbach am 8. Januar 1706 endete mit der völligen Niederlage der Volkserhebung. Nach dem Aussterben der altbayerischen Linie der Wittelsbacher entstand 1777 das Doppel-Kurfürstentum Kurpfalz-Bayern unter der Regentschaft des Kurfürsten Karl Theodor aus der pfälzischen Linie der Wittelsbacher.
Königreich[Bearbeiten]
Königreich Bayern 1815
Zur Zeit Napoleons stand Bayern anfangs auf der Seite Frankreichs und konnte durch Säkularisation und Mediatisierung große Gebietsgewinne verzeichnen. So fielen Salzburg, Tirol, Vorarlberg sowie das Innviertel vorübergehend an Bayern. Im Frieden von Pressburg, der am 26. Dezember 1805 zwischen Frankreich und dem deutschen Kaiser Franz II. abgeschlossen wurde, wurde das mit Napoleon verbündete Bayern zum Königreich proklamiert. König Maximilians Minister Maximilian Graf von Montgelas gilt dabei als Schöpfer des modernen bayerischen Staates. Das neue Königreich beseitigte alle Relikte der Leibeigenschaft, die das alte Reich hinterlassen hatte. Durch das Religionsedikt von 1803 wurden alle drei christlichen Bekenntnisse gleichberechtigt – Katholiken, Reformierte und Lutheraner. 1807 wurden die ständischen Steuerprivilegien abgeschafft. 1805 wurden alle erblichen und käuflichen Ämter durch die große Dienstespragmatik abgeschafft. Das Münchner Regulativ von 1805 und das Juden-Edikt von 1813 gewährte den Israeliten im neuen Bayern erste Freiheiten. Am 27. August 1807 führte Bayern als erstes Land der Welt eine Pockenimpfung ein. 1812 wurde die bayerische Gendarmerie gegründet. Durch ein neues Strafgesetzbuch, das Anselm von Feuerbach entworfen hatte, wurde 1813 die Folter abgeschafft.
Das Fürstentum Ansbach fiel 1806 durch einen von Napoleon erzwungenen Gebietstausch an das Königreich Bayern, das protestantische Fürstentum Bayreuth wurde 1810 von Napoleon an Bayern verkauft. Durch den rechtzeitigen Wechsel auf die Seite der Gegner Napoleons konnte Bayern auf dem Wiener Kongress 1814 als Siegermacht einen Teil der Gebietsgewinne behalten. Für den Verlust Tirols und der rechtsrheinischen Pfalz wurde es durch wirtschaftlich weiter entwickelte Gebiete um Würzburg und Aschaffenburg entschädigt. Die linksrheinische Pfalz blieb bei Bayern. König Ludwig I. baute die bayerische Hauptstadt München zur Kunst- und Universitätsstadt aus. Wegen einer Affäre mit der Tänzerin Lola Montez musste er 1848 im Zuge der Märzunruhen abdanken. Sein Nachfolger wurde sein Sohn Maximilian II, der 16 Jahre regierte, bevor er am 10. März 1864 starb. Noch am selben Tage wurde Maximilians Sohn Ludwig II. zum König von Bayern proklamiert. Er ging wegen des Baues von Neuschwanstein und anderer Schlösser als Märchenkönig in die Geschichte ein. Im Deutschen Krieg 1866 erlitt Bayern an der Seite Österreichs eine Niederlage gegen Preußen. 1871 wurde es Teil des neu gegründeten Deutschen Reiches, erhielt dabei sogenannte Reservatrechte (eigenes Post-, Eisenbahn- und Heereswesen).
Frei- bzw. Freier Volksstaat und Räterepublik[Bearbeiten]
Im Rahmen der Novemberrevolution wurde die Wittelsbacher Monarchie abgesetzt. In Folge rief am 8. November 1918 Kurt Eisner, Schriftsteller und Journalist, Gründungsmitglied der USPD, Bayern einen Volks- bzw. Freistaat aus, den Freien Volksstaat Bayern. 1919 konnten sozialistische Gruppen für kurze Zeit eine Räterepublik installieren.[21]
Durch eine Volksabstimmung kam 1920 der Freistaat Coburg zu Bayern (Siehe auch → Landkreis Coburg).
Nach der Münchner Räterepublik blieb Bayern eine Hochburg konservativer und nationalistischer Kräfte; sie wurde als „Ordnungszelle des Reiches“ bezeichnet. Am 8. und 9. November 1923, zur Zeit der Weimarer Republik, wurde Bayern Schauplatz des Hitlerputsches.
Teil des Großdeutschen Reiches[Bearbeiten]
In der Zeit des Nationalsozialismus (1933 bis 1945) war Bayern als Verwaltungseinheit weitgehend bedeutungslos. Im Zweiten Weltkrieg erlitten bayerische Städte wie Würzburg, München, Nürnberg oder Augsburg starke Zerstörungen (siehe Luftangriffe auf Nürnberg und Augsburg).
Die Besatzungsmächte leiteten Vertriebene aus Schlesien und dem Sudetenland gezielt in das dünn besiedelte Bayern. Dadurch wuchs die Bevölkerung bis 1949 um ein Viertel.
Freistaat[Bearbeiten]
General Eisenhower stellte mit der Proklamation Nummer 2 vom 28. September 1945 Bayern offiziell als Staat wieder her; die Exekutive lag zwischen 1945 und 1952 in den Händen von US-amerikanischen Militärgouverneuren. Nach der Besetzung durch US-Truppen wurde Bayern Bestandteil der amerikanischen Besatzungszone, während die in der französischen Besatzungszone gelegene Rheinpfalz dem neugebildeten Land Rheinland-Pfalz eingegliedert wurde. Ab dem 30. Juni 1946 tagte in München eine Verfassungsgebende Versammlung. Die neue Verfassung des Freistaates Bayern[22] wurde 1946 mit großer Mehrheit durch das Volk angenommen (Näheres im Artikel Bayerische Verfassungsgeschichte).
1949 wurde Bayern als Land Teil der Bundesrepublik Deutschland. Ein langanhaltender Wirtschaftsaufschwung („Wirtschaftswunder“) trug dazu bei, dass Bayern nicht nur Agrarland blieb, sondern Heimat vieler Industriebetriebe wurde. Von 1962 bis 2008 sowie ab 2013 hatte die CSU die absolute Mehrheit in Bayern inne.
Bevölkerung[Bearbeiten]
Rund 16 Prozent der deutschen Bevölkerung lebt in Bayern. Mit rund 12,6 Millionen Menschen leben im Freistaat 5 Millionen weniger Menschen als im bevölkerungsreicheren Nordrhein-Westfalen und rund 2 Millionen Menschen mehr als im bevölkerungsärmeren Baden-Württemberg. Nach England und Nordrhein-Westfalen ist Bayern die drittbevölkerungsreichste subnationale Entität der Europäischen Union und einer der bevölkerungsreicheren Gliedstaaten in der Westlichen Welt. Bayern hat mehr Einwohner als die meisten mittelgroßen Staaten: Wäre Bayern ein eigenes Land, wäre es bevölkerungsmäßig der 10-bevölkerungsreichste Staat Europas.
Bayerns Bevölkerung wächst kontinuierlich. Seit 1840 hat sich die Einwohnerzahl Bayerns mehr als verdreifacht. Zur Volkszählung 1970 wurden erstmals mehr als 10 Millionen Einwohner gezählt.[23] Rund 50,92 Prozent der Bevölkerung ist weiblich. Von der Gesamtbevölkerung war etwas unter einem Fünftel zwischen 0 und 18 Jahre alt und etwas unter einem Fünftel älter als 65. 2012 gab es im Gebiet des Freistaates Bayern 107.039 Geburten, 125.448 Todesfälle, 845.228 Zuzüge und 753.642 Wegzüge; dies entspricht eines Bevölkerungszunahme von 73.177 Menschen.[23] 2013 entsprach der Ausländeranteil 9,6 Prozent.[24]
Wie in ganz (West-)Deutschland kam es ab den 1950er Jahren vor dem Hintergrund des deutschen Wirtschaftswunders zu Zuwanderung insbesondere aus der Türkei, dem damaligen Jugoslawien und Italien und verstärkt um 1990 nach dem Ende des Kalten Krieges aus ostmitteleuropäischen und osteuropäischen Ländern.
„Vier Stämme Bayerns“[Bearbeiten]
Die ursprünglich ansässige und die unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg zugewanderte deutschböhmische Bevölkerung Bayerns werden traditionell in „Vier Stämme“ (siehe Deutsche Stämme für die Wortherkunft) untergliedert und setzt sich zusammen aus den drei traditionell ansässigen Franken, den Schwaben und den für den Freistaat namensgebenden Altbayern sowie als viertem Stamm den Sudetendeutschen, für die Bayern die Schirmherrschaft übernahm. Unterscheidungsmerkmale der drei ursprünglich ansässigen Stämme sind etwa eigene Dialekte (bairisch, ostfränkisch, alemannisch), eigene Küchen (bayerisch, fränkisch, schwäbisch), eigene Traditionen, Trachten und teilweise Architekturstile. Es werden den einzelnen Stämmen auch unterschiedliche Mentalitäten zugeschrieben, etwa sind laut Bayerischer Staatsregierung die Altbayern weltoffen, beharrlich und musisch begabt, Franken hingegen zeichnen ein ausgeprägter „Gemeinschaftssinn, Organisationstalent, Heiterkeit und ein schnelles Auffassungsvermögen“ aus, während man Schwaben als sparsame Menschen sieht, die einen „Hang zur Untertreibung“ haben.[25] Bei Kabinettsbildungen werden aus Proporzgründen die Ämter nach den Stämmen verteilt. Auch die drei CSU-Ministerposten des Bundeskabinetts Merkel III sind auf die drei Stämme Franken, Baiern und Schwaben verteilt.
Nach 1945 gelangten über zwei Millionen Flüchtlinge und Heimatvertriebene, vor allem als Sudetendeutsche bezeichnete Deutschböhmen, Deutschmährer und Sudetenschlesier, nach Bayern. Die Sudetendeutschen wurden von Franz Josef Strauß als „vierter Stamm“ bezeichnet, wobei die deutschböhmische, -mährische und sudetenschlesische Bevölkerung aus unterschiedlichen Dialekt- und Kulturräumen des deutschen Sprachraumes innerhalb der damaligen Tschechoslowakei stammte und somit heterogen ist.[26] Sinti und Jenische haben ebenfalls eine, staatlich bisher nicht anerkannte, lange Tradition in Bayern.
Bekannt ist vor allem der lange Streit zwischen den Franken und den Altbayern um die angebliche Ungleichbehandlung der Franken durch die Baiern. Franken sei gemäß einer Organisationen in den Parteistrukturen unterrepräsentiert und bekomme weniger Steuermittel. Auch werde sich generell weniger um Belange und Probleme der fränkischen Regierungsbezirke gekümmert.[27][28] Gelegentlich wird auch die Rückgabe von sogenannter Beutekunst, Kunstwerke aus fränkischen Städten und Schatzkammern, die vom Königreich Bayern im 19. Jahrhundert konfisziert und nach München gebracht wurden, gefordert.[29] Viele derartige Kritikpunkte gelten allerdings als gegenstandslos. So sind beispielsweise fränkische Politiker in den Strukturen großer Parteien nicht unterrepräsentiert.[30] Auch ist die Forderung der Rückgabe von Kunstschätzen problematisch, da etwa der Hofer Altar in München und einige Dürer-Gemälde in der Alten Pinakothek nicht geraubt, sondern freiwillig abgegeben wurden.[31]
Religion und Weltanschauung[Bearbeiten]Konfessionszugehörigkeiten der bayerischen Bevölkerung (in Prozent)
1840[32] *
1900[32] *
1933[32] *
1950[32]
1970[33]
2006
2014[34]
römisch-katholisch
71,1
70,5
70,0
71,9
70,4
57,2[35]
52,1
evangelisch
27,4
28,3
28,7
26,5
25,2
21,3[36]
19,4
muslimisch




0,9
2,2jüdisch
1,4
0,9
0,5
0,1
0,1
0,1andere Konfessionen
und Konfessionslose
0,1
0,3
0,8
1,5
3,4
19,2* einschließlich der Region Pfalz
Wieskirche in Oberbayern
Eingang zur Augsburger Synagoge
Bayern ist mit 52,1 % (Stand: 2014) nach dem Saarland das Bundesland mit dem höchsten römisch-katholischen Bevölkerungsanteil in Deutschland.[34] Weiter sind 19,4 % der Bevölkerung evangelisch-lutherisch.[34] Diese beiden Konfessionen verteilen sich ungleich über die Bezirke. So sind Altbayern und Unterfranken überwiegend katholisch, Mittelfranken und Teile Oberfrankens protestantisch geprägt. Sowohl die Markgraftümer Ansbach und Bayreuth als auch die Mehrzahl der freien Reichsstädte (wie etwa Nürnberg oder Rothenburg ob der Tauber) sind lutherisches Kernland und waren Hochburgen der Reformation. Der Anteil der Katholiken und Protestanten hat sich seit 1970 deutlich verringert.
Der bayerische Staat zahlt der römisch-katholischen Kirche jährlich 65 Millionen Euro und der evangelischen Kirche 21 Millionen Euro Staatsdotationen aus dem allgemeinen Haushalt.[37] Die katholischen Pfarreien gehören dem Bistum Würzburg und dem Bistum Eichstätt im Erzbistum Bamberg sowie dem Bistum Regensburg, dem Bistum Passau und dem Bistum Augsburg im Erzbistum München und Freising an. Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern ist eine Gliedkirche der Evangelischen Kirche in Deutschland und gliedert sich in sechs Kirchenkreise Ansbach-Würzburg, Augsburg, Bayreuth, München, Nürnberg und Regensburg.
Jüdische Gemeinden gab es bis zum 19. Jahrhundert vor allem in ländlichen Gebieten Frankens und Schwabens sowie den freien Reichsstädten wie etwa in Nürnberg (Ansiedlungsverbot 1499 bis 1850) und Regensburg. Im wittelsbachischen Altbayern gab es so gut wie keine Juden, seit der Judenemanzipation aber zunehmend in bayerischen Städten. Von fast 200 jüdischen Gemeinden vor dem Holocaust existieren in Bayern noch oder wieder 13 Gemeinden.[38][39]
Von wachsender Bedeutung ist insbesondere in Großstädten der Islam. Viele Moscheegemeinden versuchen, ihre bisherigen Hinterhofmoscheen durch repräsentative Neubauten zu ersetzen. Eine Studie des Bundesministeriums des Innern (BMI) beziffert den Anteil der Muslime an der bayerischen Gesamtbevölkerung im Jahr 2008 auf ungefähr 4 Prozent (etwa 13 Prozent der in Deutschland wohnhaften Muslime).[40]
Wie in vielen Gegenden in Deutschland wächst der Anteil konfessionell ungebundener Einwohner in Bayern. So gibt es einen Humanistischen Verband Bayern, Landesverband im Humanistischen Verbands Deutschlands. Dieser versteht sich als Weltanschauungsgemeinschaft und Interessenvertretung nichtreligiöser Menschen.[41] Der Verband, der im März 2007 eine Zahl von 1.800 Mitgliedern ausgewiesen hatte,[42] ist in Bayern unter anderem Träger des Humanistischen Lebenskundeunterrichts, er betreibt seit 2008 eine Grundschule in freier Trägerschaft[43] sowie über ein Dutzend Kindertagesstätten.[44] Er unterhält ferner ein eigenes Sozialwerk und den Turm der Sinne in Nürnberg.
Besonders in Ballungszentren gibt es kleinere buddhistische, alevitische, bahaiistische und hinduistische Gemeinden, Königreichssäle der Zeugen Jehovas und Kirchen kleinerer christlicher Kirchen wie den Siebenten-Tags-Adventisten. Zuflucht gefunden etwa in München hat die fast ausgestorbene Religionsgemeinschaft der mandäischen Gemeinde. Aufgrund des Konflikts mit dem deutschen Staat wegen der Schulpflicht gerieten die Zwölf Stämme bei Nördlingen negativ in die Schlagzeilen.
Bevölkerungsreichste Städte[Bearbeiten]Bevölkerungsreichste Städte des Freistaates Bayern[45]Stadt
Einwohner am
31. Dez. 2000
Einwohner am
31. Dez. 2012
Veränderung
2000–2012 in Prozent
München, Landeshauptstadt
1.210.223
1.388.308
+14,72
Nürnberg
488.400
495.121
+1,38
Augsburg
254.982
272.699
+6,95
Regensburg
125.676
138.296
+10,04
Ingolstadt
115.722
127.886
+10,51
Würzburg
127.966
124.577
−2,65
Fürth
110.477
118.358
+7,13
Erlangen
100.778
105.412
+4,6
Bayreuth
74.153
71.482
−3,6
Bamberg
69.036
70.863
+2,65
Aschaffenburg
67.592
67.681
+0,13
Landshut
58.746
65.322
+11,19
Kempten (Allgäu)
61.389
64.625
+5,27
Rosenheim
58.908
59.935
+1,74
Neu-Ulm
50.188
53.888
+7,37
Schweinfurt
54.325
52.098
−4,1
Passau
50.536
49.038
−2,96
Freising
40.890
45.227
+10,61
Straubing
44.014
45.099
+2,47
Dachau
38.398
44.822
+16,73
Anmerkung: Alle aufgeführten Städte – außer Neu-Ulm, Freising und Dachau – sind kreisfrei.
Größte Stadt und einzige Millionenstadt sowie einzige Weltstadt des Freistaates Bayern ist die Landeshauptstadt München mit rund 1,4 Millionen Einwohnern. Sie ist deutschlandweit die drittgrößte Stadt und die zwölftgrößte Stadt der Europäischen Union. Sie ist die größte Stadt Deutschlands, die kein Stadtstaat ist. Zudem ist München mit rund 4.800 Einwohnern je Quadratkilometer (Mai 2015) die am dichtesten bevölkerte Gemeinde Deutschlands sowie mit 519 m ü. NN dessen höchstgelegene Großstadt. Nürnberg ist mit seinen rund 500.000 Einwohnern die bayernweit zweitgrößte Stadt und belegt deutschlandweit den 14. Platz. Augsburg belegt den deutschlandweit 23. Platz. In Bayern gibt es insgesamt acht Großstädte. Jüngste Großstadt (mindestens 100.000 Einwohner) Bayerns ist Ingolstadt. Nürnberg bildet zusammen mit Erlangen, Fürth und Schwabach ein ausgeprägtes Städteband. Metropolregionen in Bayern stellen die Metropolregion München, die Metropolregion Nürnberg und das Rhein-Main-Gebiet dar.
Sprache und Dialekt[Bearbeiten]
→ Hauptartikel: Dialekte in Bayern
Amts- und Verkehrssprache ist Deutsch. Zahlreiche weitere Sprachen werden von jenen gesprochen, die aus anderen Sprachregionen kommen bzw. den entsprechenden Migrationshintergrund haben.
In Bayern dominieren Dialekte der oberdeutschen Dialektfamilie. Daneben werden räumlich eng begrenzt mitteldeutsche Mundarten gesprochen.
Die Dialekte in Bayern lassen sich folgenden Dialektgruppen zuordnen (von Nord nach Süd):
Mitteldeutsche Dialekte:Rheinfränkisch als Südhessisch um Aschaffenburg (Unterfranken)
Thüringisch-Obersächsisch als Südostthüringisch in Ludwigsstadt (Landkreis Kronach, Oberfranken)Oberdeutsche Dialekte:Ostfränkisch als Mainfränkisch und Oberfränkisch vor allem in den fränkischen Regierungsbezirken
Bairisch als Nord- und Mittelbairisch, am Rand zu Tirol Südbairisch, vor allem in Altbayern
Alemannisch als Schwäbisch und Niederalemannisch vor allem im Regierungsbezirk SchwabenZwischen diesen Mundarträumen bestehen nicht zu unterschätzende Übergangsgebiete, die sich nicht ohne Bruch einem dieser Gebiete zuordnen lassen. Es existieren bairisch-fränkische (etwa Nürnberg und Umgebung), bairisch-schwäbische (unter anderem Lechrain) und schwäbisch-fränkische (Gebiet um Dinkelsbühl und Hesselberggebiet) Übergangsgebiete, in manchen Orten sogar bairisch-schwäbisch-fränkische Mischdialekte (zum Beispiel Treuchtlingen, Eichstätt).
Die Dialekte sind bei den Einheimischen, besonders außerhalb der großen Städte, sehr verbreitet, wobei in Ballungsgebieten wie München ein Aussterben der Dialekte zu beobachten ist.
Lexikographisch erfasst werden die bairischen Dialekte durch das Bayerische Wörterbuch, die schwäbischen durch das Schwäbische Wörterbuch und die ostfränkischen durch das Ostfränkische Wörterbuch, wozu noch zahlreiche Wörterbücher über Orts- und Regionalmundarten kommen. Areallinguistisch werden die Dialekte Bayerns vom Sprachatlas von Bayerisch-Schwaben, dem Sprachatlas von Mittelfranken, dem Sprachatlas von Niederbayern, dem Sprachatlas von Nordostbayern, dem Sprachatlas von Oberbayern und dem Sprachatlas von Unterfranken aufgearbeitet.
Zahlreiche weitere deutsche und nichtdeutsche Dialekte werden von jenen gesprochen, die aus anderen Dialekt- oder Sprachregionen kommen.
Politik[Bearbeiten]
→ Hauptartikel: Politisches System Bayerns
Staatsaufbau[Bearbeiten]
Siehe auch: Bayerischer Ministerpräsident und Gesetzgebungsverfahren in Bayern
Grundlage der Politik in Bayern ist die durch Volksabstimmung am 1. Dezember 1946 angenommene Verfassung des Freistaates Bayern. Die Verfassung trat am 2. Dezember 1946 in Kraft. Bayern ist demnach Freistaat (Republik) und Volksstaat (Demokratie). Seit dem 1. Januar 2000 existiert nach der Abschaffung des Senats ein parlamentarisches Einkammersystem.
Die gesetzgebende Gewalt liegt beim Bayerischen Landtag, dessen Abgeordnete alle fünf Jahre (bis 1998: alle vier Jahre) gewählt werden. Bis Ende 1999 existierte mit dem Senat eine zweite Kammer, mit der Vertreter sozialer und wirtschaftlicher Interessenverbände ein politisches Gegengewicht zum Landtag schaffen sollten. In einem Volksentscheid wurde am 8. Februar 1998 die Abschaffung dieser Kammer beschlossen. Bis dahin war Bayern das einzige deutsche Land mit einer zweiten Kammer. Sie hatte jedoch nur bedingten Einfluss, weil sie keine Gesetze einbringen durfte, sondern nur das Recht der Mitwirkung besaß.
Die Staatsregierung wird vom Bayerischen Ministerpräsidenten geführt. Er leitet die Geschäfte, bestimmt die Richtlinien der Politik, vertritt Bayern nach außen und ernennt die Staatsminister und -sekretäre.
Das oberste bayerische Gericht ist der Bayerische Verfassungsgerichtshof. Des Weiteren gibt es diverse obere Landesgerichte, darunter drei Oberlandesgerichte in München, Nürnberg und Bamberg, den Bayerischen Verwaltungsgerichtshof, zwei Landesarbeitsgerichte (München und Nürnberg), das Bayerische Landessozialgericht sowie die restliche Judikative. Das Bayerische Oberste Landesgericht als oberstes bayerisches Gericht der ordentlichen Gerichtsbarkeit wurde mit Wirkung zum 1. Juli 2006 aufgelöst.
Außer vom Landtag können in Bayern Gesetze und Verfassungsänderungen durch Volksbegehren und Volksentscheid beschlossen werden. Zwingend notwendig ist ein Volksentscheid bei jeder Änderung der Bayerischen Verfassung.
Legislative – Bayerischer Landtag[Bearbeiten]
→ Hauptartikel: Ergebnisse der Landtagswahlen in der Bundesrepublik Deutschland, Ergebnisse der Landtagswahlen in der Bundesrepublik Deutschland#Landtag in Bayern und Landtagswahlen in Bayern
Bayerischer Landtag
18421910118 42 19 101 Sitzverteilung der 17. Wahlperiode des Bayerischen Landtages seit 2013
Der Bayerische Landtag ist das Landesparlament des Freistaates Bayern. Sie sitzt im Maximilianeum in München. Eine Legislaturperiode dauert fünf Jahre. Im Bayerischen Landtag sind vier Parteien vertreten. Nach der Wahl vom 15. September 2013 ergaben sich folgende Sitzverteilung und Stimmenanteile (insgesamt 180 Sitze):[46]Wahl zum Bayerischen Landtag am 15. September 2013Partei
Stimmenanteil
in Prozent
Sitze
Veränderung gegenüber
2008 in Prozent
Christlich-Soziale Union in Bayern (CSU)
47,7
101
+4,3
Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)
20,6
42
+2,0
Freie Wähler (FW)
9,0
19
−1,2
Bündnis 90/Die Grünen (Grüne)
8,6
18
−0,8
Freie Demokratische Partei Deutschlands (FDP)
3,3

−4,7
Die Linke (Linke)
2,1

−2,2
Bayernpartei (BP)
2,1

+1,0
Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP)
2,0

±0,0
Andere
2,6

−0,4
Exekutive – Bayerische Staatsregierung[Bearbeiten]
→ Hauptartikel: Bayerische Staatsregierung
Die Staatsregierung ist die oberste Behörde des Freistaates Bayern. Der vom Landtag gewählte Ministerpräsident beruft und entlässt die Staatsminister und die Staatssekretäre mit Zustimmung des Landtags. Er weist den Staatsministern einen Geschäftsbereich oder eine Sonderaufgabe zu, den diese nach dem Ressortprinzip und den vom Ministerpräsidenten bestimmten Richtlinien der Politik (Richtlinienkompetenz) eigenverantwortlich verwalten. Die Staatssekretäre sind gegenüber ihren Staatsministern weisungsgebunden. Die Bayerische Staatskanzlei unterstützt den Ministerpräsidenten und die Staatsregierung in ihren verfassungsmäßigen Aufgaben. Die verfassungsrechtliche Höchstgrenze der 18 Mitglieder im Kabinett der Staatsregierung wird meist voll ausgeschöpft.
Wahlrecht[Bearbeiten]
Das bayerische Landtagsgebäude (Maximilianeum) in München
Im Vergleich zu Wahlen auf Bundesebene weist das bayerische Wahlrecht mehrere Besonderheiten auf: Direktkandidaten, die in ihrem Wahlbezirk (Stimmkreis) die Wahl gewonnen haben, können nur in den Landtag einziehen, wenn auch ihre Partei die Hürde von fünf Prozent erreicht hat.
Darüber hinaus ergibt sich die Sitzverteilung im Landtag aus der Summe der Erst- und Zweitstimmen. In anderen Bundesländern und bei Bundestagswahlen entscheidet die Erststimme über die Wahl des Direktkandidaten im Wahlbezirk und allein die Zweitstimme bestimmt die Zahl der Sitze im Parlament, was üblicherweise dazu führt, dass Erststimmen häufiger den großen Parteien mit aussichtsreichen Direktkandidaten gegeben werden. Wer bei einer bayerischen Landtagswahl eine kleinere Partei mit beiden Stimmen wählt, verschenkt seine Erststimme also nicht, da beide Stimmen dieser Partei zugutekommen, selbst wenn der entsprechende Stimmkreiskandidat den Einzug in den Landtag nicht schaffen sollte. Zudem besteht bei der Zweitstimme die Möglichkeit diese einem bestimmten Kandidaten einer Partei zu geben, sodass sich die Reihung der Bewerber gegenüber den von den Parteien aufgestellten Listen ändern kann.
Eine weitere Besonderheit findet sich im Kommunalwahlrecht. Es besteht die Möglichkeit des Kumulierens („Häufeln“, bis zu drei Stimmen können für einen Kandidaten abgegeben werden) und des Panaschierens (Stimmen können auf Kandidaten verschiedener Listen verteilt werden).
Direkte Demokratie[Bearbeiten]
→ Hauptartikel: Direkte Demokratie in Bayern und Volksgesetzgebung in Bayern
In Bayern gibt es zahlreiche direktdemokratische Elemente. Neben Volksbegehren und Volksentscheid auf Landesebene wurde am 1. Oktober 1995 durch einen Volksentscheid die direkte Demokratie auf Kommunalebene eingeführt. Das bayerische Verfassungsgericht hat die Regelungen 1997 zwar verschärft (unter anderem durch Einführung eines Abstimmungsquorums), dennoch initiieren die Bayern jährlich rund 100 Bürgerentscheide.
Parteienlandschaft[Bearbeiten]
Die Parteienlandschaft des Freistaat Bayerns als Teil Deutschlands hebt sich von der des Bundes oder der der anderen Bundesländer ab. Bayern ist das einzige Bundesland, in der die CDU mit keinem eigenen Landesverband vertreten ist und nicht bei Wahlen teilnimmt. Stattdessen überlässt sie der CSU als Schwesterpartei den Vortritt. Ungewöhnlich für ein deutsches Flächenland ist, dass die CSU seit 1957 ununterbrochen den Ministerpräsidenten, meist in Verbindung mit der absoluten Mehrheit im Landtag, stellt.
Die SPD weist in Bayern den geringsten Zulauf aller SPD-Landesverbände auf. Sie bildet die größte Oppositionspartei mit zwischen einem Fünftel und einem Drittel der Stimmen bei Landtagswahlen. Die bayerischen Grünen ziehen mit etwas unter zehn Prozent der Stimmen ins Parlament ein. Im Gegensatz zu anderen Bundesländern oder zur Bundesebene ziehen in Bayern die Freien Wähler regelmäßig ins Parlament ein, während Die Linke, die Piratenpartei und die FDP politisch kaum eine Rolle spielen und nur selten bzw. noch nie in den Landtag einzogen.
In Bayern sind mehrere Regionalparteien aktiv. Die Bayernpartei setzt sich für die Möglichkeit einer Volksabstimmung über den Austritt Bayerns aus dem deutschen Staatsverband ein. Während sie in der 1950er und 1960er Jahren in den Landtag und Bundestag einzogen und sie sich von 1962 bis 1966 an der Staatsregierung beteiligten, verlor die Partei nach ihrem Ausscheiden aus dem Landtag an Bedeutung. 2009 gründete sich in Bamberg die Partei für Franken, eine regionale Kleinpartei, die sich unter anderem für eine bessere wirtschaftliche Gleichstellung Frankens innerhalb des Freistaats Bayerns einsetzt.[47]
Partnerschaften[Bearbeiten]
Mit folgenden Partnerregion pflegt der Freistaat Bayern Kontakte:[48]Shandong, Volksrepublik China, seit 1987
Québec, Kanada, seit 1989
Westkap, Südafrika, seit 1995
Gauteng, Südafrika, seit 1995
São Paulo, Brasilien, seit 1997
Kalifornien, Vereinigte Staaten, seit 1998
Guangdong, Volksrepublik China, seit 2004
Karnataka, Indien, seit 2007Patenschaft[Bearbeiten]
Am 5. Juni 1954 übernahmen der Freistaat Bayern und die Bayerische Staatsregierung unter Hans Ehard die Patenschaft für die sudetendeutsche Volksgruppe, die nach der Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei in die Bundesrepublik zogen.
Staatsverschuldung[Bearbeiten]
Schuldenentwicklung in Bayern
Die Staatsverschuldung des Freistaates Bayern entwickelte sich wie auf Bundesebene und in anderen Bundesländern langfristig nach oben. Seit 2011 werden jährlich Schulden getilgt. 1992 lagen die Schulden noch bei rund 15 Milliarden, 2010 wurde ein Höchststand von 29 Milliarden erreicht. 2013 waren es 26 Milliarden Euro Schulden.[49] Die Staatsregierung möchte mittelfristig bis 2030 alle Schulden tilgen.
Innere Sicherheit[Bearbeiten]
→ Hauptartikel: Polizei Bayern
Die bayerische Polizei ist der zweitgrößte Polizeiverband der Bundesrepublik. Im Jahr 2007 wurden in Bayern 666.807 Straftaten statistisch erfasst. 428.766 Fälle (64,3 Prozent) konnten aufgeklärt, 305.711 Tatverdächtige ermittelt werden. Dies stellt die höchste Aufklärungsquote im Bundesgebiet dar. Die bayerische Polizei unterhält mit der Polizeihubschrauberstaffel Bayern außerdem die größte Polizeihubschrauberstaffel einer Landespolizei.
Hoheitliche Symbole[Bearbeiten]
→ Hauptartikel: Bayerisches Staatswappen, Staatsflagge Bayerns und Bayernhymne
Das bayerische Staatswappen besteht aus sechs heraldischen Komponenten: Der goldene Löwe, ursprünglich mit der wittelsbachischen Pfalz am Rhein verbunden, steht für die Oberpfalz, der „fränkische Rechen“ für die drei fränkischen Bezirke, der blaue Panther für die Altbayern und die drei schwarzen Löwen für Schwaben. Das weiß-blaue Herzschild deutet den Gesamtstaat Bayern an, die Volkskrone bezeichnet nach dem Wegfall der Königskrone die Volkssouveränität. Das kleine Staatswappen zeigt die bayerischen Rauten und die Volkskrone. Als Wappenzeichen fungieren die bayerischen Rauten und der fränkische Rechen.
Der Freistaat Bayern besitzt zwei gleichgestellte Staatsflaggen, die weiß-blau gerautete Flagge und die Flagge mit horizontalen Streifen in den Farben Weiß und Blau. Die Rautenflagge hat immer vom Betrachter aus gesehen links oben (heraldisch rechte, obere Ecke) eine angeschnittene, weiße Raute (auch im Wappen) und mindestens 21 (angeschnittene) Rauten. Die gleichen weiß-blauen Rauten sind in vielen Städte- und Kreiswappen in den Gebieten der historischen Kurpfalz zu finden, da die Wittelsbacher auch in der Pfalz begütet waren. Ein Flaggenstreit besteht um die Frankenfahne.
Landeshymne ist das Bayernlied. Die Melodie stammt von Konrad Max Kunz aus dem Jahr 1860. Der Text der ursprünglichen drei Strophen stammt von Michael Öchsner. Seit 1964 wird das Bayernlied offiziell bei feierlich gestalteten staatlichen Veranstaltungen gespielt und seit 1966 offiziell „Hymne“ genannt. Als inoffizielle Hymne Frankens zählt das Frankenlied, das bei offiziellen Anlässen nach dem Deutschlandlied und der Bayernhymne gesungen wird.
Die Bavaria (der latinisierte Ausdruck für Bayern) ist die weibliche Symbolgestalt und weltliche Patronin Bayerns und tritt als personifizierte Allegorie für das Staatsgebilde Bayern in verschiedenen Formen und Ausprägungen auf. Sie stellt damit das säkulare Gegenstück zu Maria als religiöser Patrona Bavariae dar. Der Bayerische Löwe ist Symbolfigur des Freistaats Bayern, unter anderem auf Denkmälern und Auszeichnungen.
Großes Staatswappen
Kleines Staatswappen
Staatsflagge (Rautenflagge)
Staatsflagge (Streifenflagge)
Landessymbol „Freistaat Bayern“
Landessymbol „Freistaat Bayern“ – Franken
Verwaltungsgliederung[Bearbeiten]
→ Hauptartikel: Verwaltungsgliederung BayernsDie bayerischen Regierungsbezirke, deckungsgleich mit den Bezirken
Regierungsbezirke und Bezirke[Bearbeiten]
Das Staatsgebiet des Freistaates Bayern ist für den Bereich der allgemeinen und inneren Verwaltung in Verwaltungssprengel eingeteilt, welche die Bezeichnung Regierungsbezirke (laut Verfassung Kreise) führen. Die Regierungsbezirke werden durch die Regierungen geleitet, denen je ein Regierungspräsident vorsteht, der vom Innenminister ernannt wird. Die Regierungen sind die Mittelbehörden der allgemeinen und inneren Verwaltung und unterstehen dem Staatsministerium des Inneren. Nachstehend sind die Regierungsbezirke sortiert nach dem Amtlichen Gemeindeschlüssel (AGS) und mit den Abkürzungen des Bayerischen Staatsministeriums des Innern.
Geographisch deckungsgleich mit den Regierungsbezirken sind in Bayern die Bezirke gleichen Namens. Anders als die Regierungsbezirke, welche die örtliche Zuständigkeit der Regierungen festlegen, sind die Bezirke kommunale Gebietskörperschaften des öffentlichen Rechts. Der Bezirk ist in Bayern die dritte kommunale Ebene über den Gemeinden (erste Ebene) und Landkreisen (zweite Ebene). Sie sind Selbstverwaltungskörperschaften und haben daher demokratisch gewählte Verwaltungsorgane, den Bezirkstag, der alle fünf Jahre von den Wahlberechtigten des Bezirks direkt gewählt wird und einen Bezirkstagspräsidenten, der aus der Mitte des Bezirkstags gewählt wird. Sie können anders als die Regierungsbezirke Wappen und Flaggen wie eine Gemeinde oder ein Landkreis führen.
Regierungsbezirk
Regierung
Hauptstadt
AGS
Abk.
Fläche
in km²
Einwohner
(31. Dez. 2013)[50]
Einwohner
pro km²
Oberbayern
Regierung von Oberbayern
München
091
OB
17.530,21
4.519.979
258
Niederbayern
Regierung von Niederbayern
Landshut
092
NB
10.328,65
1.197.558
116
Oberpfalz
Regierung der Oberpfalz
Regensburg
093
OPf.
9.690,19
1.082.761
112
Oberfranken
Regierung von Oberfranken
Bayreuth
094
Ofr.
7.231,49
1.055.955
146
Mittelfranken
Regierung von Mittelfranken
Ansbach
095
Mfr.
7.244,89
1.715.195
237
Unterfranken
Regierung von Unterfranken
Würzburg
096
Ufr.
8.531,40
1.298.849
152
Schwaben
Regierung von Schwaben
Augsburg
097
Schw.
9.993,38
1.821.271
182
Freistaat Bayern
Bayerische Staatsregierung
München
09
BY
70.550,19
12.691.568
180Wappen der Bezirke
OberbayernNiederbayernOberpfalzOberfrankenMittelfrankenUnterfrankenSchwaben
Planungsregionen[Bearbeiten]
→ Hauptartikel: Planungsregionen in Bayern
In Bayern gibt es 18 Planungsregionen. Sie sind regionale Planungsräume, in denen nach dem Bayerischen Landesentwicklungsprogramm ausgewogene Lebens- und Wirtschaftsbeziehungen erhalten oder entwickelt werden sollen. Hierzu wird für jede Region ein Regionalplan aufgestellt. Die Region Donau-Iller ist die erste länderübergreifende Planungsregion Deutschlands.Unterfranken:Bayerischer Untermain (1)
Würzburg (2)
Main-Rhön (3)Mittelfranken:Nürnberg (7)
Westmittelfranken (8)Oberfranken:Oberfranken-West (4)
Oberfranken-Ost; (5)Oberpfalz:(Oberfranken-Ost; 5)
Oberpfalz-Nord (6)
Regensburg (11)Niederbayern:(Regensburg; 11)
Donau-Wald (12)
Landshut (13)Schwaben:Augsburg (9)
Donau-Iller; (15)
Allgäu (16)Oberbayern:Ingolstadt (10)
München (14)
Oberland (17)
Südostoberbayern (18)Die Planungsregionen (von Region 15 ist nur der bayerische Teil dargestellt)Landkreise und kreisfreie Städte[Bearbeiten]
Landkreise und kreisfreie Städte in Bayern
→ Hauptartikel: Liste der Landkreise und kreisfreien Städte in Bayern
Die sieben Regierungsbezirke unterteilen sich in 71 Landkreise und 25 kreisfreie Städte. Die Landkreise und die kreisfreien Städte sind kommunale Gebietskörperschaften mit Selbstverwaltungsrecht. Die Landkreise haben als Verwaltungsorgane den Kreistag und den Landrat. Die kreisfreie Stadt handelt durch den Stadtrat und den Oberbürgermeister. Sowohl der Landrat beziehungsweise der Oberbürgermeister als auch der Kreistag beziehungsweise der Stadtrat werden von den Wahlberechtigten auf die Dauer von sechs Jahren gewählt (süddeutsche Ratsverfassung).
Die Landkreise bilden gleichzeitig Sprengel, welche die örtliche Zuständigkeit der Unterbehörden der allgemeinen und inneren Verwaltung festlegen. Anders als auf der Ebene der Regierungsbezirke hat der Staat hier jedoch keine eigenen inneren Behörden errichtet, sondern bedient sich durch Organleihe des Landrates zur Erfüllung der Aufgaben der staatlichen Verwaltung; der Landrat ist insoweit Kreisverwaltungsbehörde. Bei den kreisfreien Städten ist im Gegensatz dazu eine Vollkommunalisierung gegeben, da ihnen die Aufgaben der unteren staatlichen Verwaltungsbehörde zur selbstständigen Erledigung übertragen werden.
Flächengrößter Landkreis Bayerns ist der Landkreis Ansbach (Mittelfranken). Der Landkreis München (Oberbayern) ist mit rund 330.000 Einwohnern der einwohnerstärkste Landkreis des Freistaates. Schwabach (Mittelfranken) ist Bayerns kleinste kreisfreie Stadt.Die 71 Landkreise des Freistaates Bayern mit Kfz-Kennzeichen:
Aichach-Friedberg (AIC, FDB)
Altötting (AÖ)
Amberg-Sulzbach (AS, BUL, ESB, NAB, SUL)
Ansbach (AN, DKB, FEU, ROT)
Aschaffenburg (AB, ALZ)
Augsburg (A)
Bad Kissingen (KG, BRK, HAB)
Bad Tölz-Wolfratshausen (TÖL, WOR)
Bamberg (BA)
Bayreuth (BT, EBS, ESB, KEM, MÜB, PEG)
Berchtesgadener Land (BGL)
Cham (CHA, KÖZ, ROD, WÜM)
Coburg (CO, NEC)
Dachau (DAH)
Deggendorf (DEG)
Dillingen an der Donau (DLG, WER)
Dingolfing-Landau (DGF)
Donau-Ries (DON, NÖ)
Ebersberg (EBE)
Eichstätt (EI)
Erding (ED)
Erlangen-Höchstadt (ERH, HÖS)
Forchheim (FO, EBS, PEG)
Freising (FS)
Freyung-Grafenau (FRG, GRA, WOS)
Fürstenfeldbruck (FFB)
Fürth (FÜ)
Garmisch-Partenkirchen (GAP)
Günzburg (GZ, KRU)
Haßberge (HAS, EBN, GEO, HOH)
Hof (HO, MÜB, NAI, REH, SAN)
Kelheim (KEH, MAI, PAR, RID, ROL)
Kitzingen (KT)
Kronach (KC, SAN)
Kulmbach (KU, EBS, SAN)
Landsberg am Lech (LL)
Landshut (LA, MAI, MAL, ROL, VIB)
Lichtenfels (LIF, STE)
Lindau (Bodensee) (LI)
Main-Spessart (MSP)
Miesbach (MB)
Miltenberg (MIL)
Mühldorf am Inn (MÜ)
München (M, AIB, WOR)
Neuburg-Schrobenhausen (ND, SOB)
Neumarkt in der Oberpfalz (NM, PAR)
Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim (NEA, SEF, UFF)
Neustadt an der Waldnaab (NEW, ESB, VOH)
Neu-Ulm (NU, ILL)
Nürnberger Land (LAU, ESB, HEB, N, PEG)
Oberallgäu (OA)
Ostallgäu (OAL, FÜS, MOD)
Passau (PA)
Pfaffenhofen an der Ilm (PAF)
Regen (REG)
Regensburg (R)
Rhön-Grabfeld (NES, KÖN, MET)
Rosenheim (RO, AIB, WS)
Roth (RH, HIP)
Rottal-Inn (PAN, EG, GRI, VIB)
Schwandorf (SAD, BUL, NAB, NEN, OVI, ROD)
Schweinfurt (SW, GEO)
Starnberg (STA, WOR)
Straubing-Bogen (SR)
Tirschenreuth (TIR, KEM)
Traunstein (TS)
Unterallgäu (MN)
Weilheim-Schongau (WM, SOG)
Weißenburg-Gunzenhausen (WUG, GUN)
Wunsiedel im Fichtelgebirge (WUN, MAK, REH, SEL)
Würzburg (WÜ, OCH)
Die 25 kreisfreien Städte in Bayern mit Kfz-Kennzeichen:
Amberg (AM)
Ansbach (AN)
Aschaffenburg (AB)
Augsburg (A)
Bamberg (BA)
Bayreuth (BT)
Coburg (CO)
Erlangen (ER)
Fürth (FÜ)
Hof (HO)
Ingolstadt (IN)
Kaufbeuren (KF)
Kempten (Allgäu) (KE)
Landshut (LA)
Memmingen (MM)
München (M)
Nürnberg (N)
Passau (PA)
Regensburg (R)
Rosenheim (RO)
Schwabach (SC)
Schweinfurt (SW)
Straubing (SR)
Weiden in der Oberpfalz (WEN)
Würzburg (WÜ)
Gemeinden[Bearbeiten]
Die bayerischen Kommunen und Landkreise. Dunkelgrau sind die gemeindefreien Gebiete markiert. Hinweis: Die wenigen dargestellten Seen (aber nicht der Bodensee) sind ebenfalls gemeindefreie Gebiete
Siehe auch: Liste der Städte und Gemeinden in Bayern, Liste der Märkte in Bayern und Liste der gemeindefreien Gebiete in Bayern
Der Freistaat Bayern besteht aus 2056 politisch selbständigen Gemeinden sowie 201 gemeindefreien Gebieten, meist Seen und Forste (Stand: 1. Januar 2009). Von den 2031 kreisangehörigen Gemeinden sind 987 Mitgliedsgemeinden in 313 Verwaltungsgemeinschaften, 1044 sind Einheitsgemeinden (Stand: 1. Januar 2009).
Die Gemeinden verteilen sich (Stand: 1. Januar 2009) auf 25 kreisfreie Städte, 28 Große Kreisstädte, 262 sonstige Städte, 386 Märkte und 1355 sonstige Gemeinden. Zusätzlich sind 13 Orte zu leistungsfähigen kreisangehörigen Gemeinden ernannt worden, die bestimmte Aufgaben der Bauaufsicht übernehmen. Während kreisfreie Städte die gleichen Aufgaben wie Landkreise übernehmen, haben Große Kreisstädte nur einige Aufgaben, die über die einer „normalen“ kreisangehörigen Gemeinde hinausgehen. Obwohl das Marktrecht heute keine rechtliche Bedeutung hat, können größere kreisangehörige Gemeinden auf deren Antrag auch heute noch von der Bayerischen Staatsregierung offiziell zum „Markt“ erklärt werden. Der Begriff „Marktgemeinde“ ist in Bayern keine offizielle Bezeichnung für eine Kommune. Es kommt dort aber vor, dass der Begriff „Markt“ offizieller Bestandteil des Gemeindenamens ist, zum Beispiel Markt Berolzheim oder Markt Einersheim.
Flächengrößte und einwohnerstärkste Kommune Bayerns ist München, flächenkleinste Kommune ist Buckenhof im Landkreis Erlangen-Höchstadt, einwohnerärmste Kommune ist Chiemsee im Landkreis Rosenheim. Unterhaching ist die einwohnerstärkste Gemeinde Bayerns ohne eigenes Markt- oder Stadtrecht.
Wirtschaft und Verkehr[Bearbeiten]
Das Uptown München ist eines der höchsten Gebäude im Freistaat Bayern
Die Gunvorraffinerie (ehem. Petroplus, Esso) in Ingolstadt
Continental Automotive, Regensburg
Bayern gilt als sehr wirtschaftsstarker und reicher Staat, er hat sich in den letzten Jahrzehnten vom Agrar- zum Technologiestandort entwickelt. Das Bruttoinlandsprodukt betrug 2014 522 Milliarden Euro; das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf betrug 2014 39.691 Euro, der Anteil Bayerns an der deutschen Wirtschaftsleistung betrug 18,0 Prozent.[51] Die wirtschaftlich stärkste Region ist der Großraum München mit Automobilindustrie (BMW, Audi, MAN, Knorr-Bremse), IT-Sektor (Siemens, Nokia Solutions and Networks, Infineon, Microsoft), Medien und Verlagen (ProSiebenSat.1 Media, Kabel Deutschland, Burda Verlag), Rüstungsindustrie (EADS, Krauss-Maffei), Touristik (Museen, Oktoberfest, Kongressen, Messen). Weitere bedeutende Wirtschaftsstandorte in Südbayern sind Augsburg (EADS, Fujitsu Technology Solutions, MAN, KUKA, UPM-Kymmene, Verlagsgruppe Weltbild), Ingolstadt (Audi, Media-Saturn-Holding) und das Bayerische Chemiedreieck zwischen Chiemsee, Inn und Salzach.
In Nordbayern ist die Metropolregion Nürnberg–Fürth–Erlangen (Siemens, Uvex, Ergo Direkt, Solar Millennium, Playmobil) ein wichtiger Standort. Daneben kann der Raum zwischen Aschaffenburg und Würzburg/Schweinfurt sehr gute Wirtschaftsdaten aufweisen, etwa eine Arbeitslosigkeit von durchschnittlich unter sechs Prozent und eine florierende Wirtschaft. Gleiches gilt für Regensburg (Continental Automotive, Maschinenfabrik Reinhausen, BMW, Siemens, Infineon, Osram Opto Semiconductors), das seit Jahren an Wirtschaftskraft zunimmt.
Manche Grenzregionen sind durch Wettbewerbsvorteile in den Nachbarstaaten einesteils und mangelnde Infrastruktur andernteils von Subventionen abhängig. Speziell der Bayerische Wald hatte zu Zeiten des Kalten Krieges durch seine abseitige Lage im Zonenrandgebiet wenig Standortattraktivität besessen. Zwar fiel nach 1990 dort der Eiserne Vorhang zur CSFR, gleichzeitig wurde im wiedervereinigten Deutschland die Zonenrandförderung aufgehoben, und zugleich bot das angrenzende Tschechien – ab 2004 EU-Mitglied – oft bessere Investitionsanreize.
Bayern konnte im Jahr 2006 ein Wirtschaftswachstum von 4,0 Prozent verbuchen. Dieser Wert entsprach 2006 etwa dem Bundesdurchschnitt. Nach zwischenzeitlichem Rückgang des Wachstums 2008 (+0,8 Prozent) und dem Fall in die Rezession im Jahr 2009 (−2,4 Prozent) infolge der weltweiten Finanzkrise erholte sich die Bayerische Wirtschaft wieder und konnte bereits 2010 wieder ein Wirtschaftswachstum von 5,5 Prozent verzeichnen. Im Jahr 2011 erreichte es 6,6 Prozent, 2012: 2,6 Prozent, 2013: 2,7 Prozent und 2014 stieg das Wachstum auf 3,5 Prozent.[52]
Im Vergleich mit dem Bruttoinlandsprodukt der Europäischen Union, ausgedrückt in Kaufkraftstandards, erreichte Bayern 2011 einen Index von 141 (Oberbayern: 168; EU-28: 100; Deutschland: 123; Hamburg: 202).[53] Die Arbeitslosenquote betrug 3,3 % (Oktober 2015)[54]; damit hat Bayern die niedrigste Arbeitslosenquote in Deutschland.[55] Die höchste Arbeitslosenquote Bayerns hat Nürnberg.[56]
Bayern musste immer wieder Werkschließungen und die Verlagerung von Arbeitsplätzen hinnehmen. Mitte der 1980er Jahre begann der Niedergang des Büromaschinenherstellers Triumph-Adler; 2003 löste sich die Grundig-AG auf. Der ehemals weltgrößte Versandhaus-Konzern Quelle GmbH ging im Juni 2009 in Insolvenz und wurde ab Oktober des Jahres aufgelöst. Wichtige Messen befinden sich in Augsburg, München und Nürnberg.Wichtigste Standorte sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung[57]Stadt (Arbeitsort)
sozialvers.
Beschäftigte
30. Juni 2012
Veränderung in Prozent
seit 30. Juni 2007
Pendlersaldo
30. Juni 2012
Arbeitsplatz-
dichte1
München, Landeshauptstadt
733.967
+8,99
+197.245
806
Nürnberg
275.210
+4,77
+88.404
879
Augsburg
130.900
+5,97
+32.004
760
Regensburg
105.142
+8,25
+53.702
1150
Ingolstadt
87.945
+15,25
+36.550
1097
Erlangen
87.262
+14,39
+44.898
1271
Würzburg
80.178
+8,68
+36.570
946
Schweinfurt
52.123
+4,35
+34.054
1646
Bamberg
48.755
+3,76
+24.766
1062
Aschaffenburg
45.956
+8,27
+20.740
1062
1 Sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze pro 1000 Einwohner im Alter zwischen 18 und 64; Zahlen zum 9. Mai 2011 gemäß Zensus 2011.[58]
Tourismus[Bearbeiten]
Eine der bekanntesten Touristenattraktionen Bayerns ist Rothenburg ob der Tauber.
Siehe auch: Liste der Tourismusregionen in Bayern
Der Tourismus gilt aufgrund seines hohen Beitrags zur bayerischen Wirtschaft als „Leitökonomie“. So betrug der Bruttoumsatz der Tourismuswirtschaft 2005 fast 24 Milliarden Euro, die Tagesreisen stellten mit 63 Prozent den größten Anteil davon. Die Beherbergungsindustrie spielt in Bayern mit 13.400 Beherbergungsbetrieben mit mindestens neun Betten und 548.000 Gästebetten eine große Rolle. Das bedeutet, dass sich etwa jeder vierte deutsche Beherbergungsbetrieb in Bayern befindet.[59] Nach Mecklenburg-Vorpommern war Bayern im Jahre 2014 das zweitbeliebteste innerdeutsche Urlaubsziel (gemessen an Reisen ab fünf Tagen Dauer).[60] Touristisch sind neben München besonders die Regionen um die bayerischen Seen und in den Alpen, die kulturhistorisch bedeutende Stadt Augsburg mit der Fuggerei, Stadtmauer, Renaissancebauten, sowie Regensburg mit der Historischen Altstadt als UNESCO-Welterbe seit 2007 stark.
Energie[Bearbeiten]
Kernkraftwerk Isar
Windkraftanlage Ammerfeld
Die 380 kV-Leitung Etzenricht-Hradec überquert die Staatsgrenze zwischen Deutschland und Tschechien. Der Mast im Vordergrund steht in Bayern, der im Hintergrund in Tschechien.
In Bayern sind im Jahr 2013 ungefähr 420 Energieversorger angesiedelt, die in einem oder mehreren Bereichen tätig sind: Circa 350 dieser Versorger engagieren sich in der Stromversorgung, ungefähr 100 wirtschaften im Bereich der Wärme- und Kälteversorgung, etwa 140 befassen sich mit der Erdgas-Sparte.[61]
Die Kernenergie bildet mit 48,7 Prozent den größten Anteil an der Nettostromerzeugung. Auf dem zweiten Platz folgen erneuerbare Energien mit 29,2 Prozent. Beide Anteile sind damit im Vergleich zum bundesweiten Durchschnitt (18 bzw. 21 Prozent) überdurchschnittlich groß. Konventionelle Gase tragen mit 15,5 Prozent zur Nettostromerzeugung bei – dieser Anteil liegt nahezu im Bundesdurchschnitt (14 Prozent). Die Stromerzeugung aus Kohlekraftwerken ist relativ unbedeutend, ihr Anteil beträgt 4,1 Prozent (Bundesweiter Durchschnitt von Braun- und Steinkohle insgesamt 42 Prozent). Einen noch geringeren Anteil besitzen mineralische Öle mit 2,6 Prozent, die bundesweit im Schnitt seltener genutzt werden (Heizöl, Pumpspeicher und andere hier insgesamt 5 Prozent) (Stand: jeweils 2011).[62][63]
An drei Standorten in Bayern befinden sich Kernkraftwerke (KKW Isar, KKW Grafenrheinfeld sowie KKW Gundremmingen), außerdem wird in Garching bei München ein Forschungsreaktor betrieben (FRM II). Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) stellte 2015 fest, dass der Atomausstieg die Versorgungssicherheit in Bayern und Deutschland nicht gefährdet.[64]
Der hohe Anteil erneuerbarer Energien an der Nettostromerzeugung fußt vor allem auf einem bedeutenden Anteil der Wasserkraft: Ihr Anteil an der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien liegt bei 42,1 Prozent. Zweitwichtigster regenerativer Energielieferant ist die Photovoltaik mit 28,4 Prozent am Gesamtanteil der erneuerbaren Energien – dieser Anteil konnte stark wachsen.[65] Ähnlich wichtig ist die Stromerzeugung aus Biomasse mit 26,4 Prozent. Unbedeutend ist die Nutzung der Windenergie – der Beitrag beläuft sich auf 3,1 Prozent (Stand: jeweils 2011).[66]
Im Bundesländervergleich „Erneuerbare Energien“ belegte Bayern im Jahr 2012 den zweiten Platz nach Brandenburg. Bis 2021 sollen erneuerbare Energien dem Bayerischen Energiekonzept (2011) zufolge einen Anteil von 20 Prozent am Endenergieverbrauch und 50 Prozent am Stromverbrauch erreichen.[67] Die bayerische Staatsregierung verhindert mit zuletzt im April 2014 verschärften restriktiven Abstandsregelungen den Ausbau von Windkraft.[68]
Der Primärenergieverbrauch im Land ist recht konstant und lag im Jahr 2010 bei 578,2 Mrd. kWh, nach 556,8 Mrd. kWh im Jahr 2009 und 566,6 Mrd. kWh im Jahr 2008.[69] Dies kann einer steigenden Energieproduktivität zugeschrieben werden, also einer verbesserten wirtschaftlichen Produktivität im Verhältnis zur eingesetzten Energie. Diese ist seit 1995, das als Basisjahr angelegt wird, fast durchgehend gestiegen. Die Jahre 2008 und 2009 fallen hinter den Bestwert im Jahr 2007 zurück.[70]
Die größten Energieverbraucher im Jahr 2010 waren die Privathaushalte, die 29 Prozent des Endenergieverbrauches ausmachten. Die Bereiche Industrie und Verkehr benötigten gleichermaßen 28 Prozent der Endenergie und damit nur geringfügig weniger als die Haushalte. Etwas abgeschlagen war der Bereich Gewerbe, Handel, Dienstleistungen mit insgesamt 15 Prozent am Endenergieverbrauch.[71]
Medien[Bearbeiten]
Bayern ist Sitz mehrerer bedeutender Medienunternehmen, insbesondere in der Landeshauptstadt München. Dort, beziehungsweise im Umland von München, befinden sich etwa öffentlich-rechtliche Medien wie der Bayerische Rundfunk und die Programmdirektion des ARD-Gemeinschaftsprogramms Das Erste und des ZDF-Landesstudios Bayern sowie private Fernseh- und Hörfunkanbieter wie ProSiebenSat.1 Media, Sport1 oder Sky Deutschland. Des Weiteren sind in München etwa 250 ansässige Verlage und große Zeitungen wie etwa die Süddeutsche Zeitung (SZ) angesiedelt Nürnberg bildet einen der größten Verlagsstandorte Deutschland; dort werden beispielsweise das bundesweit erscheinende Sportmagazin Kicker des Nürnberger Olympia-Verlags und die Nürnberger Nachrichten, eine der größten deutschen Regionalzeitungen mit einer Auflage von rund 300.000 Exemplaren, herausgegeben. Im Jahr 2012 bewarb sich Bayern im Rahmen des Bewerbungsverfahrens für neue generische Top Level Domains (gTLD) um die eigene Top Level Domain .bayern.[72] Verantwortlich dafür ist die Bayern Connect GmbH.[73] Am 29. September 2014 erhielt das Unternehmen die gTLD .bayern zugesprochen.[74]
Verkehr[Bearbeiten]
Karte der Flughäfen und Landeplätze in Bayern
Internationaler Verkehr[Bearbeiten]
Im internationalen Straßen- und Bahnverkehr sind die Verbindungen von Deutschland nach Österreich und darüber hinaus nach Italien und Südosteuropa von überragender Bedeutung. Hingegen sind die Verkehrsverbindungen ins benachbarte Tschechien bei weitem nicht von vergleichbarer Relevanz, lediglich die Bundesautobahn 6 wurde nach der politischen Wende in der Tschechischen Republik verwirklicht. Insbesondere die Bahnverbindungen in die Tschechische Republik sind bis heute nicht sehr leistungsfähig. Eine Elektrifizierung wurde bisher auf keiner nach Tschechien führenden Verbindung umgesetzt. Vor dem Zweiten Weltkrieg befand sich in der tschechoslowakischen Stadt Cheb (Eger) ein Bahnknotenpunkt, der mittels Korridorverbindungen im deutschen Binnenverkehr genutzt wurde. Seit seinem Bestehen unterstand er bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges bayerischen beziehungsweise deutschen Bahnverwaltungen. Zu Zeiten des Kalten Krieges besaß die Verbindung von Nürnberg über Cheb nach Prag eine vergleichsweise wichtige Bedeutung. Heute besteht von Nürnberg aus nur noch eine Umsteigeverbindung mit Regionalzügen nach Cheb und nach Furth im Wald, während von München aus mit dem Alex eine Direktverbindung über Regensburg (Richtungswechsel), Schwandorf (erneuter Richtungswechsel) und Furth im Wald nach Prag besteht. Für die Zukunft wird im Rahmen des Projektes Donau-Moldau-Bahn eine Umgehungskurve um Schwandorf und eine Elektrifizierung der Verbindung geplant. Hierdurch soll ein Richtungswechsel wegfallen und die Reisezeit verkürzt werden. Für den Fernverkehr von Nürnberg nach Prag bietet die Deutsche Bahn Fernbusse an.
Straßen[Bearbeiten]
Bayern ist straßenverkehrsmäßig gut erschlossen. Durch Bayern führen unter anderem die Autobahnen A 3, 6, 7, 8, 9 und 70 sowie die seit dem Herbst 2005 fertiggestellte A 71 und die im August 2008 fertiggestellte A 73, die beide Bayern mit Thüringen verbinden. Sternförmig von München aus führen die A 95 nach Garmisch-Partenkirchen, die A 96 über Memmingen nach Lindau, die A 93 über Regensburg nach Hof, die A 92 über Landshut nach Deggendorf und die A 94 in Abschnitten nach Passau. Südlich verbindet ein Stück der A 93 die A 8 mit der Brenner Autobahn. Seit den 1970er Jahren geplant, bisher wegen Streitigkeiten um die Trassenführung nur in Abschnitten fertiggestellt ist die A 94 von München über Altötting nach Passau.
Im Süden wird Bayern überdies gerne als Abkürzung im innerösterreichischen Verkehr benutzt, da aufgrund der geographischen Gegebenheiten der Weg durch die Alpen bei weitem länger ist als von Innsbruck über die A 8 oder von Lofer über die B 21 oder B 305 nach Salzburg („Großes“ bzw. „Kleines Deutsches Eck“).
Schienen-, Flug- und Schiffsverkehr[Bearbeiten]
Flughafen München mit Terminal 1, Terminal 2 und München Airport Center
Bayern verfügt über ein dichtes Streckennetz im Eisenbahnverkehr mit zahlreichen Bahnhöfen. Der Münchener Hauptbahnhof – einer der größten in Deutschland – stellt dabei einen wichtigen Knotenpunkt im transeuropäischen Verkehr dar. Die Städte München und Nürnberg verfügen über U- und S-Bahnen mit einem weiten Einzugsgebiet.
Eines der größten europäischen Drehkreuze für den Flugverkehr ist der Flughafen München „Franz Josef Strauß“. Zwei weitere internationale Verkehrsflughäfen befinden sich in Nürnberg und Memmingen, überdies gibt es zahlreiche Verkehrslandeplätze.
Die meisten Binnenschifffahrten finden auf der Donau, dem Main sowie auf dem Main-Donau-Kanal statt. Hierfür gibt es zahlreiche Güterhäfen.
Kultur[Bearbeiten]
Theater, Schauspiel und Oper[Bearbeiten]
Bayern verfügt über vier Staatstheater. Die Bayerische Staatsoper im Nationaltheater München gilt als das national und international renommierteste Haus in Bayern. Des Weiteren spielen in München das Bayerische Staatsschauspiel, das Residenztheater München, das Bayerische Staatsballett und das Staatstheater am Gärtnerplatz. Als letzte große Neugründung eines Staatstheaters ging 2005 aus den Städtischen Bühnen Nürnberg das Staatstheater Nürnberg hervor.
17 Theater werden von bayerischen Kommunen getragen. Mehrspartenhäuser sind hierbei die Theater in Augsburg, Regensburg, Würzburg und Coburg. Vorwiegend oder ausschließlich Sprechtheater bieten das E.T.A.-Hoffmann-Theater in Bamberg, Das Theater Erlangen, das Stadttheater Fürth und das Stadttheater Ingolstadt sowie in der bayerischen Landeshauptstadt die Münchner Kammerspiele und das Münchner Volkstheater. Die vier Landesbühnen sind in Memmingen, Landshut/Passau/Straubing, Coburg und Dinkelsbühl beheimatet.[75]
Theater für Kinder und Jugendliche bieten neben den Kinder- und Jugendsparten der kommunal geförderten Häuser unter anderem die Schauburg in München oder das Theater Pfütze und das Theater Mummpitz in Nürnberg an. Internationale Bekanntheit erlangte die Augsburger Puppenkiste durch ihre Fernsehproduktionen, das Figurentheater bietet jedoch auch ein Programm für Erwachsene an.
Des Weiteren gibt es eine Vielzahl an freien und privaten Theatern sowie Volks- und Bauerntheatergruppen.[76]
Die von Richard Wagner gegründeten Bayreuther Festspiele sind ein international bedeutendes Festival. Jährlich finden in wechselnden Städten die Bayerischen Theatertage statt.
Musik[Bearbeiten]
Das Bayreuther Festspielhaus auf dem Grünen Hügel
Bayern wird traditionell als die Heimat der Volksmusik, der Jodler und Schuhplattler angesehen. Aus Bayern stammen bekannte Komponisten wie Max Reger, Carl Orff, Wilfried Hiller, Richard Strauss und Christoph Willibald Gluck. Die Regensburger Domspatzen, die Augsburger Domsingknaben, der Tölzer Knabenchor und der Windsbacher Knabenchor sind weltweit bekannte Chöre. Zu den bekanntesten in Bayern beheimateten klassischen Orchestern zählen die Münchner Philharmoniker, das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, die Bamberger Symphoniker, das Bayerische Staatsorchester am Nationaltheater, die Bayerische Kammerphilharmonie in Augsburg, die Münchner Symphoniker, das Münchener Kammerorchester, das Georgische Kammerorchester in Ingolstadt, die Nürnberger Philharmoniker am Staatstheater Nürnberg, die Nürnberger Symphoniker und die Hofer Symphoniker.
Unter den Musikfestspielen herausragend sind die Bayreuther Festspiele und die Münchner Opernfestspiele. Ein weiteres Highlight in der Musikszene sind die Thurn-und-Taxis-Schlossfestspiele, die in Regensburg seit mehreren Jahren unter dem Protektorat von Gloria von Thurn und Taxis gegeben werden. In den letzten Jahren stieg die Zahl der Besucher stetig an. Ebenfalls beachtenswert ist der Münchner Kaiserball sowie der Nürnberger Opernball.
Film[Bearbeiten]
Bayern ist zusammen mit seiner Landeshauptstadt München, dem Bayerischen Rundfunk sowie der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft Gesellschafter der Internationalen Münchner Filmwochen GmbH, die sowohl das alljährliche Filmfest München als auch das Internationale Festival der Filmhochschulen München organisieren.
Universitäten und Hochschulen[Bearbeiten]
Erlanger Schloss: Das 1702 als markgräfliche Residenz fertiggestellte Schloss ging 1817 an die Universität von Erlangen über. In ihm sind heute neben der Aula die Hochschulleitung und ein Teil der Universitätsverwaltung untergebracht.
In Bayern existieren neun staatliche Universitäten des Freistaates, sowie die Universität der Bundeswehr München. Bis 1962 existierten lediglich vier Universitäten in München (LMU, TU), Würzburg und Erlangen (ab 1966 Erlangen-Nürnberg). Zwischen 1962 und 1975 wurden in Regensburg, Augsburg, Bamberg, Bayreuth und Passau fünf weitere durch den Freistaat gegründet. Hinzu kam 1973 noch die neu gegründete Bundeswehruniversität.
Daneben gibt es 18 staatliche Fachhochschulen in Bayern, die zwischen 1971 und 1996 gegründet wurden. Darüber hinaus existiert mit der 1980 gegründeten Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt eine kirchliche Universität, sowie vier weitere private bzw. kirchliche Hochschulen und 10 Kunsthochschulen.
Küche[Bearbeiten]
Durch das Nebeneinander der zwei bayerischen Stämme Altbayern und Franken, dazu kulturelle Teile von Schwaben, ist die bayerische Küche sehr vielfältig:Schweinsbraten, Schweinshaxe, Schäufele (Schweineschulter), Kalbshaxe, Spanferkel
Semmelknödel, Kartoffelknödel oder fränkisch Kloß, Leberknödel und -suppe
Sauerkraut, Krautwickel, Krautspätzle, Krautkrapfen
Leberspätzle(suppe), Speckknödel(suppe), Pfannkuchensuppe (Fädlesuppe)
Weißwurst, Wollwurst, Stockwurst, Regensburger Wurst, Nürnberger Rostbratwurst, Blaue Zipfel
Dampfnudeln, Rohrnudeln, Schmalznudeln, Bayerisch Creme
Bayerischer Kartoffelsalat, Bayerischer Wurstsalat
Obazda oder fränkisch: Gerupfter
Leberkäse
Schwaben und Allgäu: Kässpatzen
Fingernudeln (Schupfnudeln)
Saures LüngerlVolksfeste[Bearbeiten]
Oktoberfest 2007
Volksfeste und Kirchweihen sind in Bayern weit verbreitet. Anfänglich gedachte man damit der Kirchenweihe. Vielerorts gibt es viele Kirchweih-Traditionen, wie etwa das Aufstellen eines Kirchweihbaumes.[77] In größeren Städten wird meist anstatt einer Kirchweih ein Volksfest begangen. Das größte Volksfest der Welt ist das Münchner Oktoberfest (Wiesn) mit 6,3 Millionen Besuchern im Jahr 2014.[78] Weitere große Volksfeste in Bayern sind das Gäubodenvolksfest in Straubing, das Nürnberger Volksfest, das Regensburger Dult, die Fürther Michaeliskirchweih, Fürth und die Erlanger Bergkirchweih.
Kartenspieltradition[Bearbeiten]
Siehe: Schafkopf, Watten
Kleidung[Bearbeiten]
Siehe: Bayerische Tracht
Industriekultur[Bearbeiten]
Mit der Maxhütte (Sulzbach-Rosenberg) verfügt Bayern über eines der bedeutendsten Industriedenkmale Europas. Die technik- und architekturhistorisch einmalige Anlage wird trotz bestehenden Denkmalschutzes teilweise demontiert. Aktuell wird versucht, das Industriedenkmal vor einem endgültigen Abriss zu bewahren.[79]
Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]
Bayern kann auf eine über 1000 Jahre alte Kultur- und Geistesgeschichte zurückblicken. Laut Artikel 3 der Verfassung des Freistaates Bayern ist Bayern ein Kulturstaat. Der Freistaat Bayern fördert in seinem Haushalt 2003 Kunst und Kultur mit jährlich über 500 Millionen Euro, zusätzlich kommen erhebliche Leistungen der bayerischen Kommunen und privater Träger hinzu.
Die ersten Steinbauten in Bayern entstanden in der Römerzeit. Beispielsweise wurde in Weißenburg eine römische Therme ausgegraben. Zeugnisse aus dem Frühmittelalter gibt es nur wenige. Ein Beispiel ist jedoch die Krypta des Bamberger Doms aus der Zeit Heinrichs II. Im Hochmittelalter wurden Würzburg und Regensburg zu wohlhabenden Handelsstädten. In Regensburg entstanden wie in Italien mächtige Geschlechtertürme. Der Regensburger Dom ist ein Hauptwerk der gotischen Architektur in Süddeutschland. Da die Steinerne Brücke lange Zeit die einzige Brücke zwischen Ulm und Wien an der Donau war, führte sie den Handel hierher. Zu den historischen Stadtkernen gehören neben den großen Städten auch Rothenburg ob der Tauber, Dinkelsbühl, Straubing und Nördlingen. Die Stadt Landshut ist für die Martinskirche, den größten Backsteinturm der Welt sowie für die Stadtresidenz mit ihren Renaissancemalereien bekannt. In Augsburg errichteten die Fugger die Fuggerei, die älteste Sozialsiedlung der Welt. Das Rathaus der Stadt gilt als das Paradestück dieser Zeit. Zu den Sehenswürdigkeiten in München gehören das Siegestor und die Antikensammlungen. Unter Ludwig II. entstanden Schloss Neuschwanstein, Schloss Linderhof und Herrenchiemsee. Das Reichsparteitagsgelände aus der Zeit der Nationalsozialisten kann noch heute besichtigt werden.Würzburger ResidenzBamberger DomSchloss Ehrenburg in CoburgNürnberger KaiserburgSteinerne Brücke und Dom in RegensburgWalhalla, Donaustauf bei RegensburgBefreiungshalle, KelheimAugsburger Rathaus und PerlachturmSt. Bartholomä am KönigsseeHintersee in Ramsau bei BerchtesgadenHochofen 3 der Maxhütte (Sulzbach-Rosenberg)Der Kirchturm von St. Martin (Landshut) ist mit 130,60 Metern der höchste Backsteinturm der Welt.Stephansdom in Passau mit der größten Domorgel der Welt
UNESCO-Welterbe[Bearbeiten]
Das Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth, seit dem 30. Juni 2012 eine UNESCO-Weltkulturerbestätte
Zum Welterbe der UNESCO[80] innerhalb Bayerns gehört unter anderem seit 1981 die Würzburger Residenz, ein Schlossbau des süddeutschen Barocks, samt Hofgarten und angrenzendem Residenzplatz. Die bemerkenswert prächtig ausgestattete Wieskirche bei Steingaden wurde 1983 zum Welterbe erklärt. 1993 wurde die Altstadt von Bamberg zum Weltkulturerbe erklärt. Seit dem 15. Juli 2005 gehört der Obergermanisch-Raetische Limes, mit insgesamt 550 Kilometern Länge das längste Bodendenkmal Europas, zum Welterbe. Teil des Welterbes sind mehrere zum Limes gehörende Bauten wie die Thermen in Weißenburg. 2006 wurde die Altstadt von Regensburg mit Altem Rathaus, Dom und Steinerner Brücke aufgenommen, 2012 folgte das Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth. Zu den Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen (Welterbe seit 2011) gehören mehrere in Bayern gelegene urgeschichtlichen Siedlungen.
Zum Weltdokumentenerbe der UNESCO gehören seit 2003 die Bamberger Apokalypse, einer Handschrift des Klosters Reichenau, sowie seit 2013 das Lorscher Arzneibuch. Beide Schriften werden in der Staatsbibliothek Bamberg aufbewahrt. In der Bayerischen Staatsbibliothek in München liegen das 2003 aufgenommene Perikopenbuch Heinrichs II., das 2009 aufgenommene Hohenems-Münchener Handschrift A, das 2003 aufgenommene Evangeliar aus dem Bamberger Dom, das 2003 aufgenommene Evangeliar Ottos III. und das 2005 aufgenommene Bibliotheca Corviniana. Eine Goldene Bulle (aufgenommen 2013) lagert im Bayerischen Hauptstaatsarchiv, eine weitere im Staatsarchiv Nürnberg.
Museen[Bearbeiten]
Der Schriftzug „Eigenthum der deutschen Nation“ über dem Haupteingang des Germanischen Nationalmuseums
Bayern ist mit rund 1150 Museen das museumsreichste Bundesland Deutschlands und einem der museumsreichsten Regionen des Kontinents.[81] Zur vielfältigen Museumslandschaft zählen Sammlungen, Schlösser, Gärten und private Sammlungen. Zu den größten und bekanntesten gehören das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg und das Bayerische Nationalmuseum in München. Größtes naturwissenschaftlich-technisches Museum der Welt ist das Deutsche Museum. Zu den größten und bedeutendsten ihrer Art gehören das seit 1976 bestehende Fränkische Freilandmuseum in Bad Windsheim und das seit 1990 bestehende Fränkische Freilandmuseum in Fladungen. Einen wesentlichen Teil des Gemälde- und Kunstbesitzes des Freistaates Bayern betreuen die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen.
Bibliotheken und Archive[Bearbeiten]
Siehe auch: Staatliche Archive Bayerns und Liste der größten Bibliotheken in Bayern
Größte Bibliothek des Freistaates ist die Bayerische Staatsbibliothek in München. Sie ist die zentrale Landesbibliothek Bayerns und eine der bedeutendsten europäischen Forschungs- und Universalbibliotheken mit internationalem Rang. Mit 10,22 Millionen Medieneinheiten ist sie die drittgrößte Bibliothek Deutschlands und besitzt eine der größten Sammlungen im deutschsprachigen Raum. Größte Universitätsbibliothek ist die Münchner Universitätsbibliothek der Ludwig-Maximilians-Universität. Größte öffentliche Bibliothek ist die Münchner Stadtbibliothek. Größte Bibliothek Bayerns außerhalb Münchens ist die Bibliothek der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Um die Versorgung mit wissenschaftlicher Literatur in allen Regionen zu gewährleisten, existieren zehn staatliche Regionalbibliotheken, die größte ist die Staatsbibliothek Bamberg.
Das Bayerische Hauptstaatsarchiv in München ist das größte bayerische Staatsarchiv und aufgrund der langen staatlichen Existenz Bayerns auch eines der bedeutendsten Archive in Europa. Daneben gibt es noch zahlreiche andere Staatsarchive.
Zoologische Gärten, Tierparks, Parkanlagen und Gärten[Bearbeiten]
Tierpark HellabrunnZoo Augsburg
Zoologischer Garten Hof
Tierpark Hellabrunn, München
Tiergarten Nürnberg
Wildpark Klaushof, Bad Kissingen
Wildpark Poing
Wildpark an den Eichen, Schweinfurt
Tiergarten Straubing
Jura-Zoo, Neumarkt in der Oberpfalz
Wildpark Tambach, Coburg
Bayerwald-Tierpark, Lohberg am Großen ArberSport[Bearbeiten]
Ballsportarten[Bearbeiten]
Die Allianz Arena, Heimstadion des FC Bayern München
Zu den beliebtesten Sportarten gehört der Fußball. Der Bayerische Fußball-Verband zählt rund 1,5 Millionen Mitglieder[82] und ist damit der mitgliederstärkste Verband des Deutschen Fußball-Bunds. International bekannt ist der FC Bayern München, er ist Rekordmeister der Fußball-Bundesliga, der er seit 1965 angehört, und darüber hinaus mehrfacher Gewinner von internationalen Fußballwettbewerben wie der UEFA Champions League. Ebenfalls in der höchsten deutschen Spielklasse spielt seit 2011 der FC Augsburg und seit dem Aufstieg 2015 der FC Ingolstadt 04. Zwei langjährige Erstligisten aus Bayern sind in der 2. Fußball-Bundesliga aktiv: Die SpVgg Greuther Fürth, der TSV 1860 München und der 1. FC Nürnberg. In der 3. Fußball-Liga ist nach dem Abstieg der SpVgg Unterhaching und dem SSV Jahn Regensburg im Jahr 2015 und dem Aufstieg der Würzburger Kickers nur noch ein Verein in der Saison 2015/2016 vertreten.
Im Volleyball sind der mehrmalige deutsche Meister des Frauen-Vereins Roten Raben Vilsbiburg und die Herren-Abteilung von Generali Haching spielen in der obersten Volleyball-Bundesliga aktiv. Die Basketballmannschaft der Brose Baskets aus Bamberg ist die beste bayerische Herrenmannschaft. Neben mehreren Vizemeistertiteln wurden sie 2005, 2007, 2010, 2011, 2012, 2013 und 2015 Deutscher Meister und Pokalsieger 2010, 2011 und 2012. Im Damen-Basketball konnte die in der 1. Bundesliga spielende Mannschaft des TSV Wasserburg in den Jahren 2004 bis 2007 den Deutschen Meistertitel erringen und wurde zudem 2005–2007 Deutscher Pokalsieger.
Leo Löwenherz ist das Maskottchen des TV Großwallstadt
Die Handballabteilung des TV Großwallstadt aus dem Landkreis Miltenberg spielte lange Jahre in der 1. Handball-Bundesliga. Bekannt, wenn auch ebenso nicht mehr erstklassig, sind die Münchener Vereine TSV Milbertshofen und MTSV Schwabing. In der Saison 2011/2012 spielt der HC Erlangen in der 2. Handball-Bundesliga. Im Damenhandball ist der 1. FC Nürnberg das erfolgreichste bayerische Team. In der jüngeren Vergangenheit wurden sie 2005, 2007 und 2008 Deutscher Meister und stießen 2007/2008 bis in die Hauptrunde der EHF Champions League vor.
Jedes Jahr findet in München ein großes Tennisturnier statt, das von BMW gesponsert wird: Die BMW Open. Sie gelten als Eingangstor für spätere Karrieren. Namhafte Tennisspieler der ganzen Welt reisen dorthin, um wichtige ATP-Punkte mitzunehmen. Weibliche Tennisspielerinnen nehmen an den WTA-Wettkämpfen teil. Bekannte Repräsentanten des bayrischen Tennis sind Philipp Kohlschreiber aus Augsburg und David Prinosil aus Amberg. Bayern steht mit 163 Golfplätzen deutschlandweit an der Spitze, Oberbayern hat gemeinsam mit der Metropolregion Hamburg die größte Golfplatzdichte. Es sind 110.000 aktive Golfer registriert.[83]
Im Baseball haben sich in den vergangenen Jahren immer mehr Mannschaften hervorgebracht, die erfolgreich in der 1. und 2. Baseball-Bundesliga spielen. Dazu zählt unter anderem der Deutsche Meister der Saison 2008, 2010 und 2011 aus Regensburg, die Regensburg Legionäre. Zu den weiteren erfolgreichen bayerischen Teams gehören die Gauting Indians, die Ingolstadt Schanzer und die Haar Disciples. Auf Landesverbandsebene gehören unter anderem die Augsburg Gators, die Erlangen White Sox, die Fürth Pirates, die Deggendorf Dragons und die Garching Atomics zu den bayerischen Vereinen. Mit rund 60 angemeldeten Vereinen ist der BBSV, der Bayerische Baseball und Softball Verband, einer der größten in Deutschland. Korbball wird vor allem in Franken gespielt. Wichtige Zentren sind Schweinfurt, Aschaffenburg und Coburg.
Wintersport[Bearbeiten]
Schattenbergschanze in Oberstdorf beim Auftaktspringen zur Vierschanzentournee am 30. Dezember 2006
Speziell im alpinen Raum hat der Wintersport eine traditionell große Bedeutung. Günstige Bedingungen für Ski-Rennlauf finden sich in den Bayerischen Alpen. Die herausragenden Vertreter dieser Sportart sind Mirl Buchner, Heidi Biebl, Rosi Mittermaier, Marina Kiehl, Christa Kinshofer, Martina Ertl-Renz, Hilde Gerg, Maria Höfl-Riesch, Franz Pfnür und Markus Wasmeier. Aus dem Biathlon-Bundesleistungszentrum in Ruhpolding gingen zahlreiche Gewinner internationaler Wettbewerbe hervor, die bekanntesten unter ihnen sind Fritz Fischer, Michael Greis, Uschi Disl, Martina Glagow und Magdalena Neuner. Im Langlauf erreichten Tobias Angerer und Evi Sachenbacher-Stehle bedeutende Resultate.
In Bayern gibt es fünf Eishockey-Vereine in der Deutschen Eishockey Liga; die Augsburger Panther, der ERC Ingolstadt, die Nürnberg Ice Tigers, der EHC Red Bull München und die Straubing Tigers. In der 2. Bundesliga spielen die Starbulls Rosenheim sowie der ESV Kaufbeuren und der SC Riessersee. Weitere, besonders durch ihre Nachwuchsarbeit bekannte Vereine sind die Tölzer Löwen, der TEV Miesbach sowie der EV Füssen.
Vor allem im Gebiet des Oberallgäuer Orts Oberstdorf und in Garmisch-Partenkirchen finden zahlreiche Sportveranstaltungen statt, etwa der Auftakt der Vierschanzentournee oder der Zugspitz-Extremberglauf. In Garmisch fanden die Olympischen Winterspiele 1936 statt. Auch zahlreiche Welt- und Europameisterschaften, etwa im Bereich Rennrodeln, Eiskunstlauf, Curling oder Skiflug, fanden dort statt.
Weitere Sportarten[Bearbeiten]
Nicht zuletzt durch den Dokumentarfilm Am Limit wurden im Bereich des Bergklettern die Sportkletterer Thomas und Alexander Huber einem größeren Publikum ein Begriff. Auch früher waren Bayern unter den weltbesten Gipfelstürmern, unter anderen Johann Grill, Josef Enzensperger, Otto Herzog, Anderl Heckmair oder Toni Schmid.In Bayern haben sich einige Brauchtumssportarten wie Fingerhakeln und Eisstockschießen erhalten, die in organisierten Ligen betrieben werden. Das Sautrogrennen gehört zu den bayerischen Brauchtumssportarten. Besondere Beliebtheit erfreut sich diese Sportart im Süden Bayerns an den Flüssen Donau, Iller, Isar und Lech. In Franken wird anlässlich von Volksfesten in den meist noch vorhandenen örtlichen Dorf- bzw. Löschwasserteichen diesem Sport gehuldigt. Unter größter Belustigung der Zuschauer werden ernste regionale Meisterschaften bestritten.
Der Nürnberger Norisring
Im Bereich des Motorsports gibt es die alljährliche Tourenwagenrennen zur DTM auf dem Norisring in Nürnberg-Dutzendteich. Speedwayrennen gibt es in Landshut, Pocking, Abensberg und Olching, sowie Sandbahnrennen in Mühldorf am Inn, Pfarrkirchen, Vilshofen, Dingolfing und Plattling. In Inzell gibt es internationale Eisspeedwayrennen. Sportschießen wird in den Disziplinen Gewehr, Pistole, Bogen, Wurfscheibe, Laufende Scheibe und Armbrust im gesamten Land ausgeübt. Die Sportschützen stellen mit dem Bayerischen Sportschützenbund (BSSB) den viertgrößten Sportfachverband im Land. Viele bayerische Teilnehmer bei Olympischen Spielen konnten bereits Erfolge erzielen.
Im Tanzsport spielen die Latein- und die Standardformation des RGC Nürnberg tanzen in der zweiten Bundesliga. Im Einzeltanzbereich gibt es sehr viele erfolgreiche Tänzer und Tänzerinnen. Viele Turnvereine haben in Bayern eine lange Tradition. Das Landesleistungszentrum war in Nürnberg, wurde aber mit dem Bundesleistungszentrum in Frankfurt am Main zusammengelegt. Zentren sind Augsburg, Würzburg, Schweinfurt, Nürnberg, Landshut, Passau und Rosenheim. Bayerische Turnerinnen belegten in den 1920er Jahren oftmals weltweit Spitzenplätze.[84]
Seit 2000 gibt es für Kinder eine „Bayerische Kinderturnolympiade“. Austragungsort war vier Mal Neumarkt in der Oberpfalz, im Jahre 2000, 2004, 2008 und 2012.[85] 2012 fand in Neumarkt zudem die 31. Turnerjugend-Festspiele im Rahmen der Kinderturnolympiade statt. Im Jahre 2016 wird die nächste Kinderturnolympiade ausgetragen.
Siehe auch[Bearbeiten]
 Portal: Bayern – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Bayern
Literatur[Bearbeiten]Institut für Bayerische Geschichte: Einführende Bibliographie zur Geschichte Bayerns. (Zusammenstellung grundlegender Literatur und Quellensammlungen; PDF; 51 kB).
Bayerische Bibliographie
Max Spindler (Hrsg.), Gertrud Diepolder: Bayerischer Geschichtsatlas. Bayerischer Schulbuch Verlag, München 1969.
Max Spindler, Alois Schmid (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Geschichte. Beck, München 1971ff. (4 Bände).
Wilhelm Volkert, Richard Bauer: Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte: 1799–1980. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7.
Peter Claus Hartmann: Bayerns Weg in die Gegenwart. Vom Stammesherzogtum zum Freistaat heute. 2. Auflage. Pustet, Regensburg 2004, ISBN 3-7917-1875-4.
Gerald Huber: Kleine Geschichte Niederbayerns. 2. Auflage. Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2010, ISBN 978-3-7917-2048-7.
Gerald Huber: Lecker derbleckt. Eine kleine bairische Wortkunde. Societätsverlag, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-7973-1100-9.
Fritz Koller, Hermann Rumschöttel: Bayern und Salzburg im 19. und 20. Jahrhundert, vom Salzachkreis zur Euregio. Samson, München 2006, ISBN 3-921635-98-5.
Dirk Götschmann: Wirtschaftsgeschichte Bayerns, 19. und 20. Jahrhundert. Pustet, Regensburg 2010, ISBN 978-3-7917-2230-6.
Peter Fassl, Wilhelm Liebhart, Doris Pfister, Wolfgang Wüst (Hrsg.): Bayern, Schwaben und das Reich. Festschrift für Pankraz Fried zum 75. Geburtstag (Augsburger Beiträge zur Landesgeschichte Bayerisch-Schwabens 11) Augsburg 2007, ISBN 978-3-89639-589-4.
Bayerisches Jahrbuch. 86. Jahrgang, K. G. Saur, München 2007, XIII, 611 S., ISBN 978-3-598-23666-2; auch CD-ROM-Ausgabe: ISBN 978-3-598-23667-9 (wichtiges Nachschlagewerk mit Informationen zu mehr als 7.000 Institutionen und ca. 12.500 Personen).
Michael Beer: Bayerns Boom im Bauernland. Landesplanung und Strukturwandel der bayerischen Wirtschaft im ländlichen Raum von 1945 bis 1975. Lulu, Morrisville 2008, ISBN 978-1-4092-0580-7.
Franz X. Bogner: Bayern aus der Luft. Stürtz, Würzburg 2009. ISBN 978-3-8003-4014-9.
Martin Wittmann: Total alles über Bayern / The Complete Bavaria. Folio Verlag, Wien-Bozen 2014. ISBN 978-3-85256-646-7.Weblinks[Bearbeiten]
Weiterführende Informationen in den
Schwesterprojekten von Wikipedia:Commons

Multimedia-InhalteWiktionary

WörterbucheinträgeWikisource

Quellen und VolltexteWikiquote

ZitateWikinews

NachrichtenWikivoyage

ReiseführerWebsite der Bayerischen Staatsregierung
Offizielles Tourismusportal zum Urlaub in Bayern
Bayerische Landesbibliothek Online
Haus der Bayerischen Geschichte
Detaillierte Karten flächendeckend
Außenwirtschaftsportal Bayern
bavarikon Kunst- und Wissensschätze Bayerns
Literatur über Bayern im Katalog der Deutschen NationalbibliothekEinzelnachweise[Bearbeiten]↑ Bayerisches Landesamt für Statistik: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes, abgerufen am 20. Oktober 2015.
↑ Statistische Ämter des Bundes und der Länder. Berechnungsstand: November 2014/Februar 2015, abgerufen am 17. Juni 2015.
↑ Arbeitslosenquoten im Oktober 2015 – Länder und Kreise. In: statistik.arbeitsagentur.de. Statistik der Bundesagentur für Arbeit, abgerufen am 29. Oktober 2015. 
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↑ Quelle: destatis, Schuldenstand 31. Dezember 2013
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↑ Ludwig Rübekeil: Der Name „Baiovarii“ und seine typologische Nachbarschaft. In: Die Anfänge Bayerns. Von Raetien und Noricum zur frühmittelalterlichen Baiovaria. St. Ottilien, Universität Zurich 2012, S. 152. online
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↑ a b Gebiet, Flächennutzung. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung, abgerufen am 20. Juni 2012. 
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↑ Offizielle Seite der Kinderturnolympiade Neumarkt 2012 (abgerufen am 18. Mai 2012).AusklappenMitgliedstaaten des Deutschen Bundes (1815–1866)
Kaisertum Österreich
Königreiche Bayern •Hannover •Preußen •Sachsen •WürttembergKurfürstentum Hessen (Kassel)Großherzogtümer Baden •Hessen (Darmstadt) •Luxemburg •Mecklenburg-Schwerin •Mecklenburg-Strelitz •Oldenburg •Sachsen-Weimar-EisenachHerzogtümer Anhalt (ab 1863) •Anhalt-Bernburg (bis 1863) •Anhalt-Dessau (bis 1863) •Anhalt-Köthen (bis 1847) •Braunschweig •Holstein •Lauenburg • Limburg (1839-1866) •Nassau •Sachsen-Altenburg (ab 1826) •Sachsen-Coburg-Saalfeld – ab 1826 alsSachsen-Coburg-Gotha •Sachsen-Gotha-Altenburg (bis 1826) •Sachsen-Hildburghausen (bis 1826) •Sachsen-Meiningen •Schleswig (als Kondominium von Österreich und Preußen) (ab 1864)Fürstentümer Hessen-Homburg (ab 1817) •Hohenzollern-Hechingen (bis 1850) •Hohenzollern-Sigmaringen (bis 1850) •Liechtenstein •Lippe •Reuß älterer Linie •Reuß jüngerer Linie (ab 1848) •Reuß-Ebersdorf (bis 1824) •Reuß-Lobenstein (bis 1824) •Reuß-Lobenstein und Ebersdorf (1824–1848) •Reuß-Schleiz (bis 1848) •Schaumburg-Lippe •Schwarzburg-Rudolstadt •Schwarzburg-Sondershausen •Waldeck-PyrmontFreie Städte Bremen •Frankfurt am Main •Hamburg •LübeckMitgliedstaaten des Deutschen Zollvereins (1834–1919) Preußen (ab 1834) (mit den zugehörigen Gebieten:Anhalt-Bernburg (1834–1863),Anhalt-Dessau (1834–1863),Anhalt-Köthen (1834–1847),Anhalt (ab 1863),Waldeck (ab 1834),Lippe (ab 1841),Lauenburg (1865–1876),Schleswig-Holstein (ab 1867)) |Hessen-Darmstadt (ab 1834) |Hessen-Kassel (1834–1866) |Hessen-Homburg (1835–1866) |Bayern (ab 1834) |Württemberg (ab 1834) (mit den zugehörigen Gebieten:Hohenzollern-Hechingen (1834–1850),Hohenzollern-Sigmaringen) (1834–1850) |Sachsen (ab 1834) | Zoll- und Handelsverein der Thüringischen Staaten (ab 1834) (mit den zugehörigen Gebieten:Sachsen-Weimar-Eisenach (ab 1834),Sachsen-Altenburg (ab 1834),Sachsen-Meiningen (ab 1834),Sachsen-Coburg und Gotha (ab 1834),Schwarzburg-Rudolstadt (ab 1834),Schwarzburg-Sondershausen (ab 1834),Reuß-Greiz (ab 1834),Reuß jüngerer Linie (ab 1848),Reuß-Schleiz (1834–1848),Reuß-Lobenstein und Ebersdorf (1834–1848)) |Baden (ab 1835) |Nassau (1835–1866) |Frankfurt (1836–1866) |Braunschweig (ab 1841) |Luxemburg (ab 1842) |Hannover (1854–1866) (mit den zugehörigen Gebieten:Schaumburg-Lippe (ab 1854)) |Oldenburg (ab 1854) |Hamburg (ab 1888) |Bremen (ab 1888) |Lübeck (ab 1868) |Elsaß-Lothringen (ab 1871) |Mecklenburg-Strelitz (ab 1867) |Mecklenburg-Schwerin (ab 1867)AusklappenBundesstaaten des Deutschen Kaiserreichs (1871–1918)
Königreiche Bayern •Preußen •Sachsen •WürttembergFlagge des Deutschen Kaiserreichs
Großherzogtümer Baden •Hessen-Darmstadt •Mecklenburg-Schwerin •Mecklenburg-Strelitz •Oldenburg •Sachsen-Weimar-EisenachHerzogtümer Anhalt •Braunschweig •Sachsen-Altenburg •Sachsen-Coburg und Gotha •Sachsen-MeiningenFürstentümer Lippe •Reuß älterer Linie •Reuß jüngerer Linie •Schaumburg-Lippe •Schwarzburg-Rudolstadt •Schwarzburg-Sondershausen •Waldeck-PyrmontStadtrepubliken Bremen •Hamburg •LübeckReichsland Elsaß-LothringenLänder des Deutschen Reiches (1919–1933)   Anhalt Anhalt | Baden Baden |Bayern | Freistaat Braunschweig Braunschweig |Bremen |Hamburg | Volksstaat Hessen Hessen | Freistaat Lippe Lippe |Lübeck |Mecklenburg-Schwerin |Mecklenburg-Strelitz | Freistaat Oldenburg Oldenburg | Freistaat Preußen Preußen |Sachsen | Freistaat Schaumburg-Lippe Schaumburg-Lippe | Thuringen Thüringen (ab 1920) | Wurttemberg WürttembergSaargebiet (unter Völkerbundsverwaltung 1920-1935)
Volksstaat Reuß Reuß (bis 1920) | Freistaat Sachsen-Altenburg Sachsen-Altenburg (bis 1920) | Freistaat Sachsen-Gotha Sachsen-Gotha (bis 1920) | Freistaat Sachsen-Meiningen Sachsen-Meiningen (bis 1920) | Freistaat Sachsen-Weimar-Eisenach Sachsen-Weimar-Eisenach (bis 1920) | Freistaat Schwarzburg-Rudolstadt Schwarzburg-Rudolstadt (bis 1920) | Freistaat Schwarzburg-Sondershausen Schwarzburg-Sondershausen (bis 1920)
Freistaat Waldeck-Pyrmont Waldeck-Pyrmont (bis 1929)
Länder des Deutschen Reiches (1933–1945)Anhalt | Baden | Bayern | Braunschweig | Bremen | Hamburg | Hessen | Lippe | Lübeck (bis 1937) | Mecklenburg (ab 1934) | Oldenburg | Preußen | Saargebiet (unter Völkerbundsverwaltung 1920-1935) | Sachsen | Schaumburg-Lippe | Thüringen | Württemberg
Länder der Bundesrepublik DeutschlandBaden-Württemberg Baden-Württemberg
Bremen Bremen
Niedersachsen Niedersachsen
Sachsen Sachsen
Bayern Bayern
Hamburg Hamburg
Nordrhein-Westfalen Nordrhein-Westfalen
Sachsen-Anhalt Sachsen-Anhalt
Berlin Berlin
Hessen Hessen
Rheinland-Pfalz Rheinland-Pfalz
Schleswig-Holstein Schleswig-Holstein
Brandenburg Brandenburg
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Die Verwaltungsgerichtsbarkeit ist der Zweig der deutschen Gerichtsbarkeit, der der gerichtlichen Kontrolle des Verwaltungshandelns dient. Die auf der Grundlage von Art.&#160;95 des Grundgesetzes eingerichteten Verwaltungsgerichte gewährleisten in ihrem Zuständigkeitsbereich die von Art.&#160;19 Abs. 4 GG verlangte Überprüfbarkeit sämtlicher öffentlicher Akte. In erster Instanz sind in der Regel die Verwaltungsgerichte zuständig (§&#160;45 VwGO). In den meisten Ländern ist je Regierungsbezirk ein Verwaltungsgericht eingerichtet. Da im 17. Jahrhundert die Verwaltungsgerichte nicht mit unabhängigen Richtern, sondern mit Beamten besetzt waren, hat sich die historische Bezeichnung außerordentliche Gerichtsbarkeit erhalten. Diese Unterscheidung hat jedoch keine Bedeutung mehr, da Art.&#160;92, 97 GG jede Rechtsprechung persönlich und sachlich unabhängigen Richtern zuweist.
Gerichtsorganisation in Deutschland (Makroebene)Inhaltsverzeichnis
1 Zuständigkeit
2 Aufbau
3 Geschichte
4 Rechtsfindung
5 Siehe auch
6 Literatur
7 EinzelnachweiseZuständigkeit[Bearbeiten]
Zuständig sind die Verwaltungsgerichte für die öffentlich-rechtlichen Streitigkeiten nicht verfassungsrechtlicher Art (§&#160;40 Abs.&#160;1 Satz&#160;1 VwGO). Die Abgrenzung zu den Zivilgerichten der ordentlichen Gerichtsbarkeit und zu der Sozialgerichtsbarkeit ist teilweise recht kompliziert und auch umstritten. Daneben existiert für steuerrechtliche Streitigkeiten die Finanzgerichtsbarkeit.
Aufbau[Bearbeiten]
Die Verwaltungsgerichtsbarkeit ist dreistufig aufgebaut. Für die meisten verwaltungsgerichtlichen Verfahren ist als erste Instanz das Verwaltungsgericht zuständig. Berufungs- und Beschwerdeinstanz der Verwaltungsgerichte sind die Oberverwaltungsgerichte (OVG) bzw. Verwaltungsgerichtshöfe (VGH) der Bundesländer. Jedes Bundesland hat mittlerweile ein OVG oder einen VGH, das oder der – außer in Bayern, Sachsen-Anhalt und den Stadtstaaten – seinen Sitz nicht in der Landeshauptstadt hat, um die Unabhängigkeit von der Verwaltung auch räumlich zu verdeutlichen (Zur Liste der Sitze vgl. Oberverwaltungsgericht). Schleswig-Holstein etwa hat erst 1991 ein eigenes OVG eingerichtet; bis dahin war das OVG Lüneburg in Niedersachsen gem. §&#160;3 Abs. 2 VwGO auch für das Land Schleswig-Holstein zuständig.
Die Oberverwaltungsgerichte sind bei Normenkontrollen von Satzungen, landesrechtlichen Vereinsverboten und Genehmigungen von technischen oder verkehrlichen Großprojekten erste Instanz (§&#160;47 VwGO).
Revisions- und Rechtsbeschwerdeinstanz ist das Bundesverwaltungsgericht mit Sitz in Leipzig. Auch das Bundesverwaltungsgericht kann bei Streitigkeiten der Versicherungsaufsicht und übrigen nichtverfassungsrechtlichen Streitigkeiten zwischen Bund und Ländern erste Instanz sein.
Geschichte[Bearbeiten]
Die Verwaltungsgerichtsbarkeit ist ein junger Zweig der Justiz, denn in den feudalen Strukturen war es nicht möglich, die Feudalherren wegen fehlerhaften Verhaltens zu verklagen. Erst im aufgeklärten Absolutismus wurde bei der Staatstätigkeit zwischen der hoheitlichen Funktion und dem Staat als Wirtschaftssubjekt (Fiskus) unterschieden. Wurde der Staat wirtschaftlich tätig, bewegte er sich auf Augenhöhe mit den Untertanen und unterwarf sich der ordentlichen Gerichtsbarkeit. Wurde der Staat befehlend im Über- und Unterordnungsverhältnis tätig, wurde sein Handeln als nicht justiziabel gesehen. Theoretisch wurde dieser Ansatz damit begründet, dass der dem Untertanen in hoheitlicher Funktion übergeordnete Staat nicht vor einem Gericht dem Untertanen als Prozesspartei doch wieder auf gleicher Augenhöhe begegnen könne. Vielmehr bewendete es bei einem Eingabewesen. Die früher als „Verwaltungsgerichte“ bezeichneten Dienststellen waren besondere Abteilungen von Behörden. Kontrolleure und Kontrollierte unterstanden den gleichen Aufsichtsbehörden, so dass unabhängige Gerichte nicht bestanden. Als voll justiziabel wurde neben den Tätigkeiten des Staates als Fiskus auch das Entschädigungswesen bei Enteignungen betrachtet, welches in Ermangelung unabhängiger Verwaltungsgerichte deshalb den ordentlichen Gerichten zugewiesen war. Diese geschichtliche Entwicklung hat zur Folge, dass bis heute das Staatshaftungsrecht der Verwaltungsgerichtsbarkeit entzogen ist und durch die ordentlichen Gerichten entschieden wird. Die Verfassung der Frankfurter Nationalversammlung von 1848/49 forderte ein Ende der „Verwaltungsrechtspflege“ (Artikel&#160;X §&#160;182 Abs.&#160;1). Damit sollte die Verwaltungsrechtspflege von der ordentlichen Gerichtsbarkeit und nicht mehr von der Administrativjustiz (manchmal auch als Kameraljustiz bezeichnet) wahrgenommen werden.
Der erste deutsche Verwaltungsgerichtshof wurde durch Gesetz vom 5. Oktober 1863 im Großherzogtum Baden errichtet.[1] Das preußische Oberverwaltungsgericht wurde mit dem preußischen Verwaltungsgerichtsgesetz vom 3. Juli 1875 errichtet. 1875 wurde auch im Großherzogtum Hessen die Verwaltungsgerichtsbarkeit eingeführt, 1876 in Württemberg und in Bayern 1879. Die übrigen Einzelstaaten des Deutschen Reiches von 1871 gründeten später ihre OVGe oder VGHe – die letzten, zu denen Hamburg, Bremen und die beiden Mecklenburg gehörten, allerdings erst in der Weimarer Republik. Die Unterinstanz (also die heutigen Verwaltungsgerichte) gab es nicht. Auch ein Verwaltungsgerichtshof mit reichsweiter Zuständigkeit existierte nicht. Hamburg war das erste Land, das 1921 sowohl Verwaltungsgericht als auch Oberverwaltungsgericht nach Art. 107 der Weimarer Reichsverfassung eingerichtet hatte. In den übrigen Ländern wurde nur langsam dieser programmatische Ansatz verwirklicht. Bremen richtete z.&#160;B. erst mit Gesetz vom 14. September 1933 ein Oberverwaltungsgericht ein.
An eine unabhängige Verwaltungsgerichtsbarkeit war in der nationalsozialistischen Zeit nicht zu denken. Mit Erlass des "Führers und Reichskanzlers" vom 28. August 1939 wurde „an die Stelle der Anfechtung einer Verfügung im verwaltungsgerichtlichen Verfahren […] die Anfechtung im Beschwerdewege bei der vorgesetzten Behörde oder der Aufsichtsbehörde“ gesetzt. „Die Beschwerdebehörde [konnte] im Hinblick auf die grundsätzliche Bedeutung oder die besonderen Umstände des Einzelfalls statt der Beschwerde das verwaltungsgerichtliche Verfahren zulassen.“ Ein Reichsverwaltungsgericht wurde erst am 3. April 1941 durch einen Führererlaß eingerichtet. Dieses bildete jedoch keine Oberinstanz oberhalb der Oberverwaltungsgerichte bzw. Verwaltungsgerichtshöfe, sondern ersetzte aus Gründen der Verwaltungsvereinfachung das Preußische Oberverwaltungsgericht, den Verwaltungsgerichtshof des Landes Österreich, den Reichsdienststrafhof, das Reichswirtschaftsgericht, die Oberste Spruchstelle für Umlegungen, die Oberste Spruchbehörde für Wasser- und Bodenverbände, das Entschädigungsgericht nach dem Gesetz über die Landbeschaffung für Zwecke der Wehrmacht und das Reichskriegsentschädigungsamt. 1944 wurde die Verwaltungsgerichtsbarkeit generell abgeschafft.
Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten die Siegermächte mit dem Kontrollratsgesetz 36 die Abschaffung der Verwaltungsgerichtsbarkeit durch die Nationalsozialisten für aufgehoben erklärt.[2].
Während in den Westzonen Verwaltungsgerichte aufgebaut wurden, war dieser Prozess in der SBZ (außer in Thüringen) nur sehr langsam angelaufen. Der Grund hierfür war, dass die SED nicht nur die Gewaltentrennung ablehnte, sondern auch der Vorstellung einer unabhängigen Kontrolle des Verwaltungshandelns in einer sozialistischen Gesellschaft nichts abgewinnen konnten. Dennoch war in allen fünf Landesverfassungen der Sowjetzone die Einrichtung von Verwaltungsgerichten vorgeschrieben. Im Hinblick auf die interalliierte Übereinkunft drängte die SMAD zu einer Umsetzung des Verfassungsauftrags zur Einrichtung von Verwaltungsgerichten. Es kam jedoch nur in Thüringen, Brandenburg und Mecklenburg zu der Einrichtung eines Verwaltungsgerichtes.[3]
Mit dem Grundgesetz wurde in der BRD eine unabhängige, dreistufige Verwaltungsgerichtsbarkeit wiedererrichtet. Im Jahre 1952 konstituierte sich der Bund Deutscher Verwaltungsrichter (BDVR). Erst 1960 trat die Verwaltungsgerichtsordnung in Kraft, die die Verwaltungsgerichtsbarkeit als einen vollwertigen unabhängigen Zweig der Justiz installierte. Die entscheidende Neuerung gegenüber den Zeiten der Weimarer Republik bestand in der verwaltungsgerichtlichen Allzuständigkeit bei öffentlich-rechtlichen Streitigkeiten nichtverfassungsrechtlicher Art. Der Verwaltungsrechtsweg war nun nicht mehr an die Verwirklichung enumerativ aufgezählter Eröffnungstatbestände gekoppelt, welche in der Regel einen förmlichen Verwaltungsakt voraussetzten, so dass tatsächliches Verwaltungshandeln einer verwaltungsgerichtlichen Überprüfung nicht zugänglich war.
Auch die DDR-Verfassung von 1949 übernahm in Art. 138 I die Institution von Verwaltungsgerichten. Diese Verfassungsnorm wurde aber nicht umgesetzt. Das Gesetz über die weitere Demokratisierung des Aufbaus und der Arbeitsweise der staatlichen Organe in den Ländern der Deutschen Demokratischen Republik[4] führte zur Auflösung der bestehenden Verwaltungsgerichte im August/September 1952[5] da sie als „bürgerlich“ galten.
Die Möglichkeiten der Bürger sich gegen den Staat zu schützen, beschränkte sich auf das Eingabewesen. Neue Ansätze einer sozialistischen Verwaltungsgerichtsbarkeit beim Obersten Gericht traten erst im Juli 1989 in Kraft, wurden aber nicht mehr praxiswirksam.
Rechtsfindung[Bearbeiten]
In verwaltungsgerichtlichen Verfahren gilt in Deutschland der Amtsermittlungsgrundsatz (hier Ermittlungsgrundsatz genannt, §&#160;86 VwGO, §&#160;76 FGO, §&#160;103 SGG).
Siehe auch[Bearbeiten]Liste deutscher Verwaltungsgerichte
Militärversorgungsgericht
Verwaltung
Verwaltungsgerichtsordnung
Verwaltungsrecht
VerwaltungsverfahrenLiteratur[Bearbeiten]Friedhelm Hufen: Verwaltungsprozessrecht. 5. Auflage, München 2003, ISBN 3-406-50287-3.
Martini: Verwaltungsprozessrecht. Systematische Darstellung in Grafik-Text-Kombination. 3. Aufl. 2003, ISBN 3-472-05379-8, S. 36&#160;ff.
Rolf Schmidt: Verwaltungsprozeßrecht. 9. Aufl. 2005, ISBN 3-934053-83-1.
Bosch/Schmidt/Vondung: Praktische Einführung in das verwaltungsgerichtliche Verfahren. 9. Aufl. 2012, ISBN 978-3-17-021843-7.
Harald Hofmann, Jürgen Gerke: Allgemeines Verwaltungsrecht mit Bescheidtechnik, Verwaltungsvollstreckung und Rechtsschutz. 10. Auflage, Stuttgart 2010, Kohlhammer, ISBN 978-3-555-01510-1.
Horst Suckow: Allgemeines Verwaltungsrecht und Verwaltungsrechtsschutz. 13. Aufl., Köln 2000, ISBN 3-555-01222-3.
Tettinger/Wahrendorf: Verwaltungsprozeßrecht. 2. Aufl., Köln 2001, ISBN 3-452-24762-7.
Hans-Peter Vierhaus: Beweisrecht im Verwaltungsprozess. C.H. Beck, München 2011, ISBN 978-3-406-62025-6.Einzelnachweise[Bearbeiten]↑ Werner Frotscher/Bodo Pieroth: Verfassungsgeschichte, 5. Aufl., München 2005, Rn 422.
↑ Matthias Etzel: Die Aufhebung von nationalsozialistischen Gesetzen durch den Alliierten Kontrollrat (1945-1948); Band 7 von Beiträge zur Rechtsgeschichte des 20. Jahrhunderts, 1992, ISSN 0934-0955, ISBN 9783161459948, S. 102-103, online
↑ Dieter Pohl: Justiz in Brandenburg 1945 bis 1945, 2001, S. 59-62
↑ GBl. DDR 1952, S. 613,614
↑ Maira Mildred Susanne Baderschneider; Der Bürger als Richter: eine empirische Untersuchung des ehrenamtlichen Richters an den allgemeinen Verwaltungsgerichten, 2010, ISBN 9783631612088, S. 13-14, online
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Erfahrungssätze sind eine Grundlage des mittelbaren Beweises in Gerichts- und Verwaltungsverfahren. Sie erlauben den Schluss von einem oder mehreren bewiesenen Tatsachen (Indizien) auf einen noch zu beweisenden Sachverhalt. Erfahrungssätze können der allgemeinen Lebenserfahrung entstammen, aber auch dem Erfahrungsschatz von Experten.Inhaltsverzeichnis
1 Deterministische und statistische Erfahrungssätze
2 Das Induktionsproblem
3 Siehe auch
4 LiteraturDeterministische und statistische Erfahrungssätze[Bearbeiten]
Erfahrungssätze können deterministischer oder statistischer Natur sein.
Von einem deterministischen Erfahrungssatz spricht man, wenn dieser für alle zu erwartenden Fälle Geltung hat und damit eine eindeutige Stellungnahme erlaubt, wie etwa die Erfahrung, dass Wasser bei null Grad Celsius gefriert (Naturgesetz). Aber auch ein deterministischer Erfahrungssatz kann fehlerhaft sein; er wird diesfalls durch den Nachweis eines einzigen ihm zuwiderlaufenden Geschehens widerlegt. Über lange Zeit unwiderlegt, können deterministische Erfahrungssätze aber zu ausgesprochen sicheren Schlüssen verhelfen.
Statistische Erfahrungssätze hingegen machen nicht eine eindeutige Aussage über alle zu erwartenden Fälle, sondern nur über die statistische Verteilung von in der Vergangenheit beobachteten Geschehensabläufen. So besteht etwa ein der allgemeinen Lebenserfahrung entstammender statistischer Erfahrungssatz dafür, dass ein Autofahrer, der mit seinem Wagen auf den Gehsteig gerät, in den meisten Fällen ein Verschulden trägt. Zweifellos gibt es aber auch Fälle, in denen kein Verschulden vorliegt, etwa im Falle einer plötzlichen Bewusstlosigkeit. Auf statistischen Erfahrungssätzen beruhende Schlüsse sind daher mit einer ebenfalls im Erfahrungssatz ausgedrückten Unsicherheit behaftet.
Das Induktionsproblem[Bearbeiten]
Erfahrungssätze machen genau besehen ausschließlich Aussagen über bekannte Tatsachen. Auf Erfahrungssätze gestützte Schlüsse auf unbekannte Tatsachen (Induktionsschlüsse) sind eigentlich nicht zulässig, denn ein unbekanntes Einzelereignis kann früher gemachten Erfahrungen immer zuwiderlaufen (mehr zum Induktionsproblem).
Dass bei der Beweisführung Induktionsschlüsse aber dennoch zur Anwendung gelangen, liegt daran, dass ein unmittelbarer Beweis für Geschehensabläufe vielfach nicht zu führen ist und ein Beharren darauf oft zu Beweislosigkeit führte.
Das Induktionsproblem führt indessen dazu, dass ein Induktionsschluss immer nur zu einer Hypothese über einen Geschehensablauf führen kann und niemals zu einem sicheren Beweis. Gerade ein auf statistischen Erfahrungssätzen basierender Beweis muss daher bereits durch relativ schwache Indizien, welche die Hypothese als unwahrscheinlich erscheinen lassen, zu widerlegen sein. Mehr kann vom Beweisgegner nicht verlangt werden.
Siehe auch[Bearbeiten]Vermutung
AnscheinsbeweisLiteratur[Bearbeiten]Hans-Joachim Koch, Helmut Rüßmann: Juristische Begründungslehre. Eine Einführung in Grundprobleme der Rechtswissenschaft. Beck, München 1982, ISBN 3-406-03452-7, S. 277ff. (Juristische Schulung. Schriftenreihe 22).
Hanns Prütting: Gegenwartsprobleme der Beweislast. Eine Untersuchung moderner Beweislasttheorien und ihrer Anwendung insbesondere im Arbeitsrecht. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09846-0 (Schriften des Instituts für Arbeits- und Wirtschaftsrecht der Universität zu Köln 46), (Zugleich: Erlangen, Nürnberg, Univ., Habil.-Schr., 1981).
Oliver Rommé: Der Anscheinsbeweis im Gefüge von Beweiswürdigung, Beweismass und Beweislast. Heymann, Köln u. a. 1989, ISBN 3-452-21357-9, S. 7ff. (Prozeßrechtliche Abhandlungen 71), (Zugleich: Saarbrücken, Univ., Diss., 1988).
Bitte den Hinweis zu Rechtsthemen beachten!
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Die Diskussion zu dieser Seite befindet sich hier.Auf dieser Spezialseite kannst du eine ISBN eingeben und erhältst dann eine Liste mit Informations- und Bezugsmöglichkeiten zur gesuchten ISBN. Bindestriche oder Leerzeichen zwischen den Ziffern spielen für die Suche keine Rolle. Siehe auch Wikipedia:Literatur.Suche nach Bezugsquellen für Bücher
ISBN:&#160;&#160;
</form> Wo suchen?Inhaltsverzeichnis1 Inhaltsverzeichnisse und Rezensionen
2 Bibliotheken2.1 Nationalbibliotheken
2.2 Verbünde
2.3 Spezialbibliotheken
3 Buchhandel3.1 Gebrauchtbücher
3.2 Preisvergleichsdienste
4 Buchcommunities und Digitalisierungsprojekte
5 Validierung
6 Andere Wikipedia-Versionen
7 Literatur in der deutschsprachigen Wikipedia
8 Siehe auch
Die folgende Liste enthält Links zu Bibliothekskatalogen, Buchhändlern und anderen Quellen, um dort nach der Publikation mit der ISBN 9783406664175 zu suchen. Wikipedia ist weder mit einem der Anbieter geschäftlich verbunden, noch stellt die Nennung und Reihenfolge eine Wertung dar.
Bei den Anbietern bedeutet die Angabe „Suche“, dass ein Link direkt zu einer Seite mit Suchergebnissen führt. Ist dies nicht möglich, erreicht man mit dem Link „Eingabe“ ein Suchformular, wo man die entsprechenden Angaben selbst eintragen muss. Die Direktsuche funktioniert möglicherweise nicht immer mit allen Browsern. Angaben über ein bestimmtes Buch findet man am schnellsten über die Nationalbibliotheken, die umfangreiche Datenbanken mit den Pflichtangaben der Verlage unterhalten, auch über Bücher, die zurzeit weder in den gewöhnlichen Bibliotheken noch bei den Buchhändlern verfügbar sind.Inhaltsverzeichnisse und Rezensionen Suche isbn2toc online vorhandene Inhaltsverzeichnisse (basiert auf den Daten zahlreicher Bibliotheksverbünde)Suche isbn-rez online vorhandene Rezensionen (basiert auf den Daten des Bibliotheksverbunds SWB)Bibliotheken
Nationalbibliotheken Suche Deutsche Nationalbibliothek Suche in der Deutschen NationalbibliothekSuche Österreichische Nationalbibliothek Suche in der Österreichischen NationalbibliothekSuche Schweizerische Nationalbibliothek Suche im HelveticatSuche Nationalbibliothek Luxemburg Suche in der Nationalbibliothek LuxemburgSuche British Library Nationalbibliothek des Vereinigten KönigreichsSuche Bibliothèque nationale de France Nationalbibliothek FrankreichsSuche Königliche Bibliothek der Niederlande Nationalbibliothek der NiederlandeSuche Library of Congress Nationalbibliothek der USASuche National Library of Australia Nationalbibliothek AustraliensSuche Russische Nationalbibliothek Nationalbibliothek RusslandsVerbünde
Die Bibliotheksverbünde umfassen oft nur wissenschaftliche Bibliotheken. Suche WorldCat Weltweite VerbunddatenbankEingabe Karlsruher Virtueller Katalog (KVK) Suche in mehreren Bibliotheksverbünden gleichzeitig möglichEingabe hbz OpenURL Gateway Leitet weiter zu den Besitznachweisen und Diensten (inkl. Fernleihe) von über 420 öffentlichen und wissenschaftlichen Bibliotheken aus ganz DeutschlandEingabe openURL.de Linkliste zu verschiedenen Katalogen Suche Bibliotheksverbund GBV Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Thüringen und Stiftung Preußischer Kulturbesitz Suche HBZ-Verbundkatalog Verbundkatalog der Hochschulbibliotheken Nordrhein-Westfalens und eines großen Teils von Rheinland-Pfalz Suche SWB Online-Katalog Südwestdeutscher Bibliotheksverbund mit über 1000 Bibliotheken der Bundesländer Baden-Württemberg, Sachsen, Saarland und Rheinland-Pfalz Suche BVB BibliotheksVerbund Bayern BibliotheksVerbund BayernSuche KOBV-Verbund Berliner Hochschulen, TU Cottbus, Universität Frankfurt (Oder) (Eingabeformular)Suche HeBIS-Verbundkatalog Hessen und RheinhessenSuche Österreichischer Bibliothekenverbund Wissenschaftliche und administrative Bibliotheken in ÖsterreichSuche Büchereiverband Österreichs Von der Stadt- bis zur Schulbücherei, Einträge dort teilweise ohne ISBN: EingabeformularSuche swissbib Durchsucht die Sammlungen von rund 900 Bibliotheken, Mediotheken und Archiven aus allen Landesteilen der SchweizSuche Netzwerk von Bibliotheken und Informationsstellen in der Schweiz (NEBIS) 80 Bibliotheken von Hochschulen, Fachhochschulen und Forschungsanstalten aus allen SprachregionenEingabe CHVK – Schweizer Virtueller Katalog Meta-Katalog zum Nachweis von Büchern und Zeitschriften und elektronischen Medien in Schweizer BibliothekenSpezialbibliothekenEingabe BBM – Bibliotheksverbund Bistum Mainz Bibliotheksverbund Bistum MainzEingabe Online-Katalog des GIGA-Informationszentrums Suche im Katalog der Bibliotheken des GIGA German Institute of Global and Area Studies und des Fachinformationsverbundes Internationale Beziehungen und LänderkundeEingabe Virtueller Katalog Kunstgeschichte Meta-Suchmaschine über 23 Kunstgeschichts-KatalogeSuche Katalog der Kunst- und Museumsbibliothek der Stadt Köln Eine der größten öffentlichen Kunst- und Museumsbibliotheken der WeltBuchhandel
Durch die Buchpreisbindung gibt es außer den Versandkosten in Deutschland und Österreich im Regelfall keine Preisunterschiede unter den Anbietern von neuen, deutschsprachigen Büchern. In der Schweiz gilt die Buchpreisbindung seit Frühjahr 2007 nicht mehr. Buchhändler aus dem Ausland unterliegen der nationalen Buchpreisbindung nicht, so dass unter Umständen der Online-Kauf im (EU-)Ausland trotz Versandkosten günstiger ist.Suche Verzeichnis lieferbarer Bücher (VLB) Online-Katalog des deutschen Buchhandels mit allen lieferbaren Titeln des deutschen Buchhandels (etwa 500.000). Alle ermittelten Titel kann man in jeder Buchhandlung Deutschlands und acht weiteren Ländern bestellen – in also mehreren tausend Buchhandlungen.Suche Buchkatalog.de Mit Bestellmöglichkeit in vielen BuchhandlungenGebrauchtbücherSuche abebooks.deSuche Amazon.de Online-Handelsplattform und RezensionenSuche antbo.de Suche über mehrere AntiquariateSuche antikbuch24.de Suche über mehrere AntiquariateSuche antiquariat.deSuche arvelle.de Schwerpunkt im Bereich Belletristik und SachbücherSuche biblio.comSuche biblioman.deSuche Berliner BüchertischSuche bookcrossing.com Netzwerk für kostenlosen Büchertausch („Bookcrossing“)Suche booklooker.de Online-Marktplatz für neue und gebrauchte Bücher, Tonträger und FilmeSuche bookmooch.com Netzwerk für kostenlosen BüchertauschSuche buchfreund.de Suche über mehrere AntiquariateSuche Tauschticket Netzwerk für gebührenpflichtigen BüchertauschSuche hitflip.de Tauschplattform für Bücher und Mediengüter (CDs, DVDs, Hörbücher usw.)Suche jokers.de Allgemeines Sortiment zu reduzierten PreisenSuche terrashop.de Reduzierte Mängelware und ältere AuflagenSuche zvab.com Zentrales Verzeichnis Antiquarischer BücherPreisvergleichsdienste
Neue Bücher deutscher und österreichischer Verlage unterliegen der Buchpreisbindung und dürfen von Händlern in Deutschland und Österreich nur zu dem vom Verlag festgelegten Preis abgegeben werden (nur Händler aus dem Ausland bieten die Bücher evtl. günstiger an). Daher beziehen sich die Preisvergleichsdienste größtenteils nur auf gebrauchte Bücher. Sie geben teilweise die unterschiedlichen Versandkosten an.Suche addall.comSuche BookButler.de Auch in Österreich und der SchweizSuche billigbuch.ch sucht in den online-Buchhandlungen der Schweiz (nur neue Bücher) und listet deren Angebote jeweils nach dem Preis geordnetSuche buch.daistesja.deSuche buchhai.deSuche Buchpreis24.deSuche Buchpreisvergleich.chSuche BuchSuch.chSuche buch.archinform.net Mediendatenbank archINFORMSuche DieBuchSuche.comSuche eurobuch.com Metasuche für antiquarische und neue BücherSuche findmybook.deSuche JustBooks.de Metasuche für neue, gebrauchte und antiquarische Bücher, bezieht auch ausländische, nicht preisgebundene Händler einSuche lalisio.comSuche marelibri.comSuche getprice.deSuche PreisTester.deBuchcommunities und Digitalisierungsprojekte Suche LibraryThing Webseite nach dem Muster sozialer Netzwerke für LesendeSuche Lovelybooks.de Webseite nach dem Muster sozialer Netzwerke für LesendeSuche Google Bücher Volltextsuche in Büchern und Anzeige von Scans in Ausschnitten (ältere, gemeinfreie Bücher sind teilweise auch vollständig einsehbar)Validierung
Die Korrektheit der aktuellen ISBN kann mit diesem Tool geprüft werden. Außerdem werden gegebenenfalls Korrekturvorschläge gemacht, eine Umrechnung zwischen 10stelliger und 13stelliger ISBN vorgenommen und die korrekte Formatierung der ISBN angezeigt.Andere Wikipedia-Versionen
Insbesondere bei fremdsprachigen Büchern kann es sinnvoll sein mit der ISBN-Suche einer anderen Wikipedia zu suchen, da sich die angebotenen Links zwischen den einzelnen Wikipedias unterscheiden. Anhand der ISBN-Gruppennummer kann man schnell die passende Sprache finden.
Die folgenden Wikipedias haben besonders viele Bücherlinks oder sind für den deutschen Kulturraum besonders interessant. Für die Suche auf anderen Wikipedias benutze bitte die Sprachlinks „Andere Sprachen“ auf dieser Seite.Gruppennummer Wikipedia0, 1 Englisch2 Französisch4 Japanisch5 Russisch7, 957, 986 (Taiwan), 962, 988 (Hong Kong) Chinesisch80 Tschechisch und Slowakisch82 Norwegisch: Bokmål und Nynorsk83 Polnisch84, 950, 987 (Argentinien), 956 (Chile), 958 (Kolumbien), 959 (Kuba), 968, 970 (Mexiko), 980 (Venezuela), 9942, 9978 (Ecuador), 9945, 99934 (Dominikanische Republik), 9962 (Panama), 9968, 9977 (Costa Rica), 9972 (Peru), 9974 (Uruguay), 99905, 99954 (Bolivien), 99922, 99939 (Guatemala), 99923 (El Salvador), 99924 (Nicaragua), 99925, 99953 (Paraguay), 99926 (Honduras) SpanischGruppennummer Wikipedia85, 972, 989 (Portugal) Portugiesisch87 Dänisch88 Italienisch89, 9946 Koreanisch90 Niederländisch91 Schwedisch951, 952 Finnisch954 Bulgarisch960, 9963 Griechisch961 Slowenisch963 Ungarisch965 Hebräisch966 Ukrainisch974 Thailändisch975, 9944 Türkisch9949, 9985 Estnisch7, 8, &#8230; Meta
Literatur in der deutschsprachigen WikipediaFür Literaturangaben in Wikipedia-Artikeln beachte bitte Wikipedia:Literatur.Eine Literaturangabe zur ISBN 9783406664175 liefert dieses Tool. (Hinweis: Die Ausgabe des Tools entspricht nicht der vorgeschlagenen Formatierung von Wikipedia:Literatur.)Hilfe zur Erstellung von ISBN-Links innerhalb der Wikipedia findet sich unter Hilfe:Datenbanklinks.Wikipedianer mit Büchern sind in der Wikipedia:Bibliothek gelistet.Bücher, die für die Arbeit an Artikeln abzugeben sind, finden sich in der Wikipedia:Bücherbörse.Tipps und Hilfe in Sachen Literatur bietet die Wikipedia:Bibliotheksrecherche.
Siehe auchISBN-Suchformular in der WikipediaVorlage:Falsche ISBN

Basisdaten
Titel:
Agrarverfahrensgesetz 1950
Abkürzung:
AgrVG, AgrVG 1950
Typ:
Bundesgesetz
Geltungsbereich:
Republik Österreich
Rechtsmaterie:
Verwaltungsverfahrensrecht
Fundstelle:
BGBl. Nr. 173/1950
Inkrafttretensdatum:
1. September 1950
Letzte Änderung:
9. April 2002, BGBl. I Nr. 57/2002
Bitte beachte den Hinweis zur geltenden Gesetzesfassung!
Das Agrarverfahrensgesetz (AgrVG) regelt das Verwaltungsverfahren der österreichischen Agrarbehörden.Inhaltsverzeichnis
1 Grundsätzliches
2 Form der Bescheiderlassung2.1 Auflage
2.2 Verständigung
2.3 Berufungsfrist
3 Kosten für die Parteien
4 Rechtswirkungen der Bescheide und Vergleiche
5 Abgabenbefreiungen
6 Entscheidungen der BerufungsbehördenGrundsätzliches[Bearbeiten]
Das AgrVG selbst bestimmt, dass für das Verfahren der Agrarbehörden das Allgemeine Verwaltungsverfahrensgesetz (AVG), anzuwenden ist, allerdings mit jenen Änderungen und Ergänzungen, die das AgrVG enthält.
Somit wenden die Agrarbehörden im Wesentlichen – wie die übrigen Behörden der allgemeinen staatlichen Verwaltung in Österreich – das AVG an. Das AgrVG kennt jedoch einige davon abweichende Bestimmungen, die eben nur für das Verfahren der Agrarbehörden gelten.
In diesem Artikel werden nur die wesentlichsten Punkte beschrieben, die das AgrVG abweichend vom AVG regelt.
Form der Bescheiderlassung[Bearbeiten]
Die meisten Bescheide der Agrarbehörden bestehen aus Plänen, Registern, Listen oder Verzeichnissen. Es wäre zwar technisch möglich, aber kaum finanzierbar und zusätzlich überaus aufwendig, sie jeder einzelnen Partei zuzustellen. (Aus solchen Bestandteilen zusammengesetzte Bescheide gelten ausdrücklich als Bescheide im Sinn des AVG, sie enthalten aber weder eine Begründung noch eine Rechtsmittelbelehrung. Zur Rechtsmittelbelehrung nähere Ausführungen im Absatz „Verständigung“.) Während im Geltungsbereich des AVG Bescheide „nur“schriftlich erlassen oder
mündlich verkündetwerden dürfen, sieht das AgrVG daher zusätzlich eine dritte Variante der Bescheiderlassung vor:Auflage zur allgemeinen Einsicht.Auflage[Bearbeiten]
Der Bescheid wird an einem bestimmten Ort (meist das jeweilige Gemeindeamt) aufgelegt und dann für jene Parteien bereitgehalten, die darin Einsicht nehmen wollen. Diese Auflage muss mindestens zwei Wochen dauern. (Üblicherweise setzen die Agrarbehörden die Dauer der Auflage auch mit zwei Wochen fest.) Mit dem ersten Tag der Auflagefrist gilt der Bescheid als offiziell erlassen. Ab diesem Zeitpunkt kann er nur mehr in einem eventuellen Rechtsmittelverfahren abgeändert oder aufgehoben werden.
Verständigung[Bearbeiten]
Die Parteien des Verfahrens erfahren von der Erlassung eines Bescheides durch Auflage in Form einer „Verständigung“. Diese Verständigung muss enthalten:Dauer und
Ort der Auflage und
eine Rechtsmittelbelehrung.Diese Verständigungen werden den Parteien normalerweise rechtzeitig vor Beginn der Auflagefrist zugestellt. Sollte dies nicht möglich sein (weil eine Partei etwa verzogen oder verstorben ist), gilt die Regelung, dass für jede Partei die Auflagefrist frühestens mit dem Tag beginnt, an dem ihr die Verständigung zugestellt wurde.
Berufungsfrist[Bearbeiten]
Gegen nahezu jeden Bescheid der Agrarbehörde I. Instanz kann eine Berufung eingebracht werden. Die Berufungsfrist dauert zwei Wochen. Falls der Bescheid zur allgemeinen Einsicht aufgelegt wurde, beginnt sie erst am Tag nach dem Ende der Auflagefrist. (Beispiel: Die Auflage dauert von einem Montag bis zum zweiten darauf folgenden Montag. Die Berufungsfrist beginnt somit am Dienstag und dauert bis zum zweiten darauf folgenden Dienstag.)
Kosten für die Parteien[Bearbeiten]
Die Verfahrensparteien müssen Kosten tragen fürAmtsräume am Ort des Verfahrens (Kanzleiräume)
Heizung, Strom und Reinigung für diese Räume
Transportmittel für das amtliche Gepäck
einfache Werkzeuge
Messpflöcke
Signalstangen
GrenzsteineKosten, die bei der Agrarbehörde entstehen, also vor allem solche fürdie Bediensteten der Agrarbehörde, die das Verfahren führen
Vermessungsinstrumentebrauchen die Parteien nicht zu bezahlen.
Welche Kosten den Parteien sonst noch zur Last fallen (etwa für Wegeausbau und dergleichen), regeln die materiellen Verwaltungsvorschriften.
Rechtswirkungen der Bescheide und Vergleiche[Bearbeiten]
Bescheide, die die Agrarbehörden erlassen, und Vergleiche, die mit ihrer Genehmigung abgeschlossen werden, haben dieselben Rechtswirkungen wie gerichtliche Urteile und Vergleiche, vor allem auch im Hinblick auf die Vollstreckung: Der Bescheid oder Vergleich stellt einen (unmittelbaren) Exekutionstitel dar.
Abgabenbefreiungen[Bearbeiten]
Alle agrarbehördlichen Verfahren sind gebührenfrei. Auch die Eintragungen in das Grundbuch sind kostenlos, die auf Grund der agrarbehördlichen Verfahren notwendig sind. (Ausnahme: Grundbuchseintragungen von Flurbereinigungsübereinkommen und Zuteilungen von [Eigentums-]Rechten im landwirtschaftlichen Siedlungsverfahren.)
Entscheidungen der Berufungsbehörden[Bearbeiten]
Die im Instanzenzug übergeordneten Behörden (Landesagrarsenate und Oberster Agrarsenat) entscheiden mit sogenannten „Erkenntnissen“. Trotz dieser im AgrVG festgelegten Benennung handelt es sich um verwaltungsbehördliche Bescheide.Bitte den Hinweis zu Rechtsthemen beachten!
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Die Artikel Reichsstrafgesetzbuch und Strafgesetzbuch (Deutschland) überschneiden sich thematisch. Hilf mit, die Artikel besser voneinander abzugrenzen oder zusammenzuführen (→&#160;Anleitung). Beteilige dich dazu an der betreffenden&#160;Redundanzdiskussion. Bitte entferne diesen Baustein erst nach vollständiger Abarbeitung der Redundanz und vergiss nicht, den betreffenden Eintrag auf der Redundanzdiskussionsseite mit {{Erledigt|1=~~~~}} zu markieren. Chianti (Diskussion) 20:58, 16. Dez. 2015 (CET)
Basisdaten
Titel:
Strafgesetzbuch
Früherer Titel:
Reichsstrafgesetzbuch
Strafgesetzbuch für das Deutsche Reich
Abkürzung:
StGB
Art:
Bundesgesetz
Geltungsbereich:
Bundesrepublik&#160;Deutschland&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;
Beachte auch §§&#160;3–7, 9 StGB für Auslandstaten
Rechtsmaterie:
Strafrecht
Fundstellennachweis:
450-2
Ursprüngliche Fassung vom:
15. Mai 1871
(RGBl. S.&#160;127)
Inkrafttreten am:
1. Januar 1872
Neubekanntmachung vom:
13. November 1998
(BGBl. I S. 3322)
Letzte Änderung durch:
Art. 5 G vom 10. Dezember 2015
(BGBl. I S. 2218, 2227)
Inkrafttreten der
letzten Änderung:
18. Dezember 2015
(Art. 8 G vom 10. Dezember 2015)
GESTA:
C067
Weblink:
Text des StGB
Bitte den Hinweis zur geltenden Gesetzesfassung beachten.
Das Strafgesetzbuch (StGB, bei nötiger Abgrenzung auch dStGB) regelt in Deutschland die Kernmaterie des materiellen Strafrechts. Während es dazu die Voraussetzungen und Rechtsfolgen strafbaren Handelns bestimmt, ist das Verfahren zur Durchsetzung seiner Normen, das Strafverfahren, durch ein eigenes Gesetzbuch – die Strafprozessordnung – geregelt. Das Strafgesetzbuch wurde am 15. Mai 1871 erlassen (RGBl. 1871 S. 128—203; Strafgesetzbuch für das Deutsche Reich) und ist seit dem 1. Januar 1872 in Kraft und erfuhr seitdem viele Änderungen. Die meisten Änderungen betreffen den Besonderen Teil (§§&#160;80–358 StGB).Inhaltsverzeichnis
1 Geschichte1.1 Vor 1945
1.2 Nach 1945
2 Aufbau2.1 Allgemeiner Teil
2.2 Besonderer Teil
3 Siehe auch
4 Literatur4.1 Kommentare
4.2 Lehrbücher
5 Weblinks
6 EinzelnachweiseGeschichte[Bearbeiten]
Vor 1945[Bearbeiten]
Strafgesetzbuch von 1914
Das heute für die Bundesrepublik Deutschland geltende Strafgesetzbuch wurde 1871 in seiner ursprünglichen Fassung beschlossen und trat am 1.&#160;Januar 1872 als Strafgesetzbuch für das Deutsche Reich in Kraft. Die damalige Fassung stimmte im Wesentlichen mit dem Strafgesetzbuch für den Norddeutschen Bund vom 31. Mai 1870 überein, das seinerseits auf dem Preußischen Strafgesetzbuch von 1851 basiert, dessen Vorarbeiten 1826 begannen.[1] Reformversuche während der Weimarer Republik scheiterten.[1]
Während der Herrschaft des Nationalsozialismus wurde die Bindung des Richters an das Gesetz weitgehend gelöst und ein Analogiegebot eingeführt.[2] Der offensichtlich rechtsstaats­widrige Teil der Änderungen des Strafrechts durch die Nationalsozialisten wurde mit dem Kontrollratsgesetz Nr.&#160;1 vom 20. September 1945 aufgehoben.[2] Wirksam blieb aber z.B. die an „Tätertypen“ ausgerichtete Strafdrohung der Mordparagraphen.
Nach 1945[Bearbeiten]
Dieses Strafgesetzbuch unterlag nach 1945 vielen Novellierungen, mit denen der Gesetzgeber auf den rechts- und kriminalpolitischen Wandel, auf gesellschaftliche Wertvorstellungen, erkennbar gewordene Strafbarkeitslücken, aber auch auf wissenschaftliche und technische Neuerungen reagierte.
Das Strafgesetzbuch wurde auf Grundlage von Artikel 10 des Dritten Strafrechtsänderungsgesetzes vom 4. August 1953 (BGBl. I S. 735, 750) unter dem Titel Strafgesetzbuch neugekanntgemacht.
Als solche Beispiele für „neuartige“ Delikte sind etwa zu nennen: Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, Computerbetrug, Geldwäsche, Vorenthaltung von Sozialversicherungsbeiträgen. Der Abschaffung der Todesstrafe durch den Art. 102 GG (Grundgesetz) folgend, wurde diese aus dem Mordparagraphen (§ 211) 1953 entfernt. Gleichfalls fiel der § 13 weg, welcher bestimmte, dass die Todesstrafe durch Enthaupten zu vollziehen ist. Insbesondere ist in der Geschichte des Strafgesetzbuches unter anderem das 1. Gesetz zur Reform des Strafrechts (1 StrRG) vom 25.&#160;Juni 1969 zu nennen. Im Allgemeinen Teil (AT) wurden statt Zuchthaus, Gefängnis, Einschließung und Haft eine einheitliche Freiheitsstrafe eingeführt und Ehrenstrafen abgeschafft. Des Weiteren zu nennen ist das 2. Gesetz zur Reform des Strafrechts (2 StrRG) vom 4. Juli&#160;1969 mit Wirkung zum 1. Januar 1975, das unter anderem einen neuen Allgemeinen Teil schuf, die Mindestdauer der Freiheitsstrafe auf einen Monat anhob, die Verwarnung mit Strafvorbehalt sowie das Tagessatzsystem für die Geldstrafe einführte und das Maßregelsystem neugestaltete.[3] Mit dem 6. Strafrechtsreformgesetz, das am 1.&#160;April 1998 in Kraft trat, wurde unter anderem der Strafrahmen bei Vermögensdelikten verringert und bei Körperverletzungsdelikten erhöht.
Aufbau[Bearbeiten]
Das Strafgesetzbuch ist in zwei Hauptabschnitte unterteilt:
Allgemeiner Teil[Bearbeiten]
Der Allgemeine Teil des Strafgesetzbuches enthält die Lehre vom Verbrechen und dessen Rechtsfolgen, und allgemeine Vorschriften zur Beurteilung der Straftat.
Hier ist Grundsätzliches geregelt, wie zum BeispielGeltungsbereich des Gesetzes
Gesetzliche Definitionen
(Vorsatz und Fahrlässigkeit) und Schuldfähigkeit
Täterschaft und Teilnahme (Täter, mittelbarer Täter, Mittäter, Anstiftung, Beihilfe)
Rechtfertigungsgründe (Notwehr, Nothilfe)
Sanktionenrecht (Geldstrafe, Freiheitsstrafe, sonstige Maßnahmen)
VerjährungBesonderer Teil[Bearbeiten]
Dieser enthält die einzelnen Straftatbestände, geordnet nach geschützten Rechtsinteressen (sog. Rechtsgütern), zum BeispielStraftaten gegen den demokratischen Rechtsstaat
Straftaten gegen die öffentliche Ordnung (Landfriedensbruch u.&#160;a.)
Straftaten gegen die Rechtspflege (Meineid, uneidliche Falschaussage u.&#160;a.)
Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung (Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, sexueller Kindesmissbrauch, Menschenhandel u.&#160;a.)
Straftaten gegen die persönliche Ehre (Beleidigung, üble Nachrede u.&#160;a.)
Straftaten gegen das Leben und die körperliche Unversehrtheit (Mord, Totschlag, Körperverletzung u.&#160;a.)
Straftaten gegen die persönliche Freiheit
Vermögensdelikte (Diebstahl, Betrug u.&#160;a.)
Straftaten gegen die Umwelt (Gewässerverunreinigung, unerlaubter Umgang mit Abfällen u.&#160;a.) (siehe auch Umweltstrafrecht)
Straßenverkehrsdelikte und sonstige gemeingefährliche Straftaten (Brandstiftung, unterlassene Hilfeleistung u.&#160;a.)
Straftaten im Amt (Bestechlichkeit, Rechtsbeugung u.&#160;a.).Das Strafgesetzbuch umfasst nicht sämtliche Straftatbestände. Verschiedene Delikte sind auch in anderen Gesetzen mit entsprechenden Strafbestimmungen enthalten, z.&#160;B.für Steuerdelikte in der Abgabenordnung
für Rauschgiftdelikte im Betäubungsmittelgesetz und im Arzneimittelgesetz
für spezifische Verkehrsdelikte im Straßenverkehrsgesetz
für Waffendelikte im Waffengesetz und Kriegswaffenkontrollgesetz
für Wettbewerbsdelikte und Verbraucherschutz im Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb sowie im Wirtschaftsstrafgesetz 1954
für Delikte der Angehörigen der Bundeswehr in diesem Kontext im Wehrstrafgesetz
für Kriegsverbrechen im Völkerstrafgesetzbuch.
für Urheberrechtsdelikte im UrheberrechtsgesetzDiese werden als das Nebenstrafrecht bezeichnet.
Siehe auch[Bearbeiten]Liste der Tatbestände des deutschen Strafgesetzbuches
Auslandsgeltung des deutschen StrafrechtsLiteratur[Bearbeiten]Dieser Abschnitt bedarf einer Überarbeitung. Näheres ist auf der Diskussionsseite angegeben. Hilf mit, ihn zu verbessern, und entferne anschließend diese Markierung.
Kommentare[Bearbeiten]Thomas Fischer: Strafgesetzbuch und Nebengesetze. 62.&#160;Auflage. C.&#160;H.&#160;Beck, München 2015, ISBN 978-3-406-66884-5.
Wolfgang Joecks: Studienkommentar StGB&#160;: Strafgesetzbuch. 11.&#160;Auflage. C.&#160;H.&#160;Beck, München 2014, ISBN 978-3-406-67338-2.
Wolfgang Joecks, Klaus Miebach (Hrsg.): Münchener Kommentar zum Strafgesetzbuch. C.&#160;H.&#160;Beck, München ab 2003 ISBN 978-3-406-48831-3.
Urs Kindhäuser: Strafgesetzbuch&#160;: Lehr- und Praxiskommentar. 6.&#160;Auflage. Nomos Baden-Baden 2015, ISBN 978-3-8487-1757-6.
Urs Kindhäuser, Ulfrid Neumann, Hans-Ullrich Paeffgen (Hrsg.): Strafgesetzbuch. 4.&#160;Auflage. Nomos, Baden-Baden 2013, ISBN 978-3-8329-6661-4. (genannt: Nomos-Kommentar)
Kristian Kühl: Strafgesetzbuch&#160;: StGB&#160;: Kommentar. 28.&#160;Auflage. C.&#160;H.&#160;Beck, München 2014, ISBN 978-3-406-65227-1. (genannt: Lackner/Kühl)
Heinrich Wilhelm Laufhütte, Ruth Rissing-van Saan, Klaus Tiedemann (Hrsg.): Strafgesetzbuch. Leipziger Kommentar&#160;: Großkommentar. 12.&#160;Auflage. de Gruyter Recht, Berlin ab 2006. (z.&#160;B. Band 1 ISBN 978-3-89949-231-6)
Hans-Joachim Rudolphi, Jürgen Wolter (Hrsg.): Systematischer Kommentar zum Strafgesetzbuch (SK-StGB). Loseblattwerke Luchterhand, ISBN 978-3-472-60110-4.
Adolf Schönke, Horst Schröder (Begr.): Strafgesetzbuch. Kommentar. 29.&#160;Auflage. C.&#160;H.&#160;Beck, München 2014, ISBN 978-3-406-65226-4.Lehrbücher[Bearbeiten]
Allgemeiner Teil:Walter Gropp: Strafrecht Allgemeiner Teil. 3. Aufl. Berlin/Heidelberg 2005.
Volker Krey, Robert Esser: Deutsches Strafrecht Allgemeiner Teil. 4. Aufl. 2011, ISBN 978-3-17-021949-6.
Kristian Kühl: Strafrecht Allgemeiner Teil. 7. Aufl. 2012, ISBN 978-3-8006-4494-0.
Harro Otto: Grundkurs Strafrecht – Allgemeine Strafrechtslehre. 7. Aufl. 2004, ISBN 3-89949-139-4.
Rudolf Rengier: Strafrecht Allgemeiner Teil. 7. Aufl. Verlag C.H. Beck, München 2015, ISBN 978-3-406-68026-7.
Claus Roxin: Strafrecht Allgemeiner Teil. Bd. I, 4. Aufl. 2006, ISBN 3-406-53071-0; Bd. II, 2003, ISBN 3-406-43868-7
Rolf Schmidt: Strafrecht Allgemeiner Teil. 14. Aufl. Rolf Schmidt, Grasberg 2015, ISBN 978-3-86651-150-7.
Johannes Wessels, Werner Beulke: Strafrecht, Allgemeiner Teil. 45. Aufl. 2015, ISBN 978-3-8114-4034-0.Besonderer Teil:Volker Krey, Manfred Heinrich: Strafrecht Besonderer Teil. Bd.&#160;1. 16. Aufl. 2015, ISBN 978-3-17-029884-2.
Volker Krey, Uwe Hellmann: Strafrecht Besonderer Teil. Bd.&#160;2. 17. Aufl. Kohlhammer, Stuttgart 2015, ISBN 978-3-17-029876-7.
Harro Otto: Grundkurs Strafrecht – Die einzelnen Delikte. 7. Aufl. De Gruyter Recht, Berlin 2005, ISBN 3-89949-228-5.
Rudolf Rengier: Strafrecht Besonderer Teil I. 17. Aufl. Verlag C.H. Beck, 2015, ISBN 978-3-406-67474-7.
Rudolf Rengier: Strafrecht Besonderer Teil II. 16. Aufl. Verlag C.H. Beck, 2015, ISBN 978-3-406-67475-4.
Rolf Schmidt, Klaus Priebe: Strafrecht Besonderer Teil I. 14. Aufl. Rolf Schmidt, Grasberg 2015, ISBN 978-3-86651-151-4.
Rolf Schmidt, Klaus Priebe: Strafrecht Besonderer Teil II. 14. Aufl. Rolf Schmidt, Grasberg 2015, ISBN 978-3-86651-152-1.
Johannes Wessels, Michael Hettinger: Strafrecht Besonderer Teil/1. 38. Aufl. 2014, ISBN 978-3-8114-9357-5.
Johannes Wessels, Thomas Hillenkamp: Strafrecht Besonderer Teil/2. 37. Aufl. 2014, ISBN 978-3-8114-9358-2.Weblinks[Bearbeiten]Text des StGB
Strafgesetzbuch für das Deutsche Reich vom 15. Mai 1871. Historisch-synoptische Edition. 1871–2009 (PDF; 4,4&#160;MB) – sämtliche Fassungen seit dem Inkrafttreten mit Geltungszeitraum und SynopsenEinzelnachweise[Bearbeiten]↑ a b Fischer, StGB, 58. Aufl. 2011, Einleitung Rn. 3
↑ a b Fischer, StGB, 58. Aufl. 2011, Einleitung Rn. 4
↑ Tröndle: Strafgesetzbuch. Beck, München 2011, ISBN 978-3-406-60892-6, S. 2.
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Dieser Artikel oder Abschnitt bedarf einer Überarbeitung. Näheres ist auf der Diskussionsseite angegeben. Hilf mit, ihn zu verbessern, und entferne anschließend diese Markierung.
Die Bestellung ist die förmliche Übertragung einer bestimmten Funktion z. B. in Gesellschaften und Körperschaften des öffentlichen Rechts.
Obwohl sie dieser ähnelt, ist sie nicht mit einer Ernennung oder einer Berufung zu verwechseln.
Bestellung bei Gesellschaften[Bearbeiten]
Beispiele für Bestellung bei Gesellschaften:Bestellung des Vorstands eines Vereins gemäß §&#160;27 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB)
Bestellung des Aufsichtsrats, des Vorstands und des Abschlussprüfers gemäß §&#160;30 Aktiengesetz (AktG)Bestellung bei Körperschaften des öffentlichen Rechts[Bearbeiten]
Die Bestellung dient als Verfahren für die Besetzung öffentlicher Ämter oder Funktionen. Somit wird oft ein Einfluss in die Selbstverwaltung von außen genommen.
Beispiele für Bestellung bei Körperschaften des öffentlichen Rechts:Bestellung des Rektors gemäß § 82 Sächsisches HSG
Bestellung zum Notar gemäß §&#160;1 Bundesnotarordnung (BNotO)
Bestellung zum Steuerberater gemäß §§&#160;40&#160;ff. Steuerberatungsgesetz (StBerG)Bestellung bei anderen Organisationen[Bearbeiten]
Auch in anderen Organisationen (z. B. zur Arbeitssicherheit in Betrieben) werden bestimmte Funktionen durch Bestellung besetzt.
Beispiele für Bestellung bei anderen Organisationen oder zu anderen Zwecken:Bestellung zum Betriebsarzt, zur Fachkraft für Arbeitssicherheit oder zum Sicherheitsbeauftragten gemäß Arbeitssicherheitsgesetz
Bestellung zum Strahlenschutzbeauftragten gemäß Strahlenschutzverordnung oder Röntgenverordnung
Bestellung zum Brandschutzbeauftragten, zum Datenschutzbeauftragten, zur Gleichstellungsbeauftragten
Bestellung eines Sachverständigen, eines Vormunds, eines Schiedsrichters im Rechtswesen
Bestellung zum Mitglied eines Gremiums, Ausschusses etc.
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Bund Deutscher Schiedsmänner und SchiedsfrauenD
Dilatorisch
Dringlichkeit in einstweiligen VerfügungsverfahrenE
Effektiver Rechtsschutz
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Einspruch
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Entscheidung (Gericht)
Entscheidungserheblichkeit
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Erfahrungssatz
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Formelles RechtG
Gebührenstreitwert
Gerichtstag
Gograf
GüterichterH
Handakte
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Im Namen des Volkes
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Indizienbeweis
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Iudex a quo
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Richterliche Selbstbeschränkung
Rubrum
Ruhen des VerfahrensS
Sachverständiger
Schiedsrichter (Rechtswesen)
Schriftsatz (Recht)
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Singularzulassung
Sistierung (Prozessrecht)
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Spruchreife
Sprungrevision
Stattgabe
Statthaftigkeit
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Strengbeweis
SuperrevisionT
Tenor (Urteil)
TrennbarkeitsformelU
Unbestimmter Rechtsbegriff
Uneidliche Vernehmung
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Unzulässigkeit
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Urteil (Recht)V
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Verfahrensrecht
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Vernehmung
Versagungsgegenklage
Verweisung (Recht)
Von Amts wegen
Vorführung (Gericht)
Vorläufiger RechtsschutzW
Wiedereinsetzung in den vorigen StandZ
Zeugnisverweigerungsrecht
Zuführung (Recht)
Zugänglichmachungsverordnung
Zulässigkeit
Zusammenhangszuständigkeit
Zusatztatsache
Zustellung (Deutschland)
Zustellungsbevollmächtigter
Zwangsmittel

Die medizinische Tauglichkeit ist die Erfüllung körperlicher und gesundheitlicher Voraussetzungen eines Menschen für bestimmte Tätigkeiten. Diese wird durch ein ärztliches Gutachten attestiert. Während es z. B. im Schuldienst bei Lehrern darauf ankommt, dass sie keine Verbreiter von ansteckenden Infektionskrankheiten wie zum Beispiel Tuberkulose werden, kommt es bei Piloten eher auf physische und psychische Belastbarkeit und den Ausschluss von Erkrankungen an, die die sichere Durchführung des Fluges gefährden könnten.
Eine ärztliche Bestätigung für eine medizinische Tauglichkeit wird beispielsweise benötigt für:Berufskraftfahrer: Fahrtauglichkeitsuntersuchung
Fliegerärztliches Tauglichkeitszeugnis für Piloten
Taucher: Tauchtauglichkeitsuntersuchung
Träger von schweren Atemschutzgeräten: Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen
Seediensttauglichkeit medizinisches Tauglichkeitszeugnis für seefahrendes Personal
Triebfahrzeugführer
Tauglichkeitsgrad, Tauglichkeit für den Wehrdienst (Deutschland)<!–NewPP limit report
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