Dieser Artikel behandelt den deutschen Staat, im engeren Sinn die Bundesrepublik Deutschland; zu weiteren Bedeutungen siehe Deutschland (Begriffsklärung).
Bundesrepublik DeutschlandFlagge
WappenAmtssprache
Deutsch;[1] zudem die anerkannten Minderheitensprachen, teilweise nur regional
Hauptstadt
Berlin
Regierungssitz
de jure: Berlin
de facto: Berlin und Bonn
Staatsform
parlamentarische Bundesrepublik
Regierungssystem
parlamentarische Demokratie
Staatsoberhaupt
Bundespräsident
Joachim Gauck
Regierungschef
Bundeskanzlerin
Angela Merkel
Fläche
357.340,08 (61.)[2] km²
Einwohnerzahl
81.292.428 (31. März 2015)[3]
Bevölkerungsdichte
227 (37.)[4] Einwohner pro km²
Bevölkerungs­entwicklung
▲ +0,5 % (Dez. 2013–Dez. 2014)[5] pro Jahr
BruttoinlandsproduktTotal (nominal)
Total (KKP)
BIP/Einw. (nominal)
BIP/Einw. (KKP)
2013[6]3.636 Mrd. USD (4.)
3.513 Mrd. USD (5.)
44.999 USD (18.)
43.475 USD (15.)
Human Development Index
▲ 0,911 (6.) (2014)[7]
Währung
Euro (EUR)
Gründung
1. Januar 1871: Deutsches Reich (völkerrechtl. 1. Juli 1867: Norddeutscher Bund)
23. Mai 1949: Bundesrepublik Deutschland (Grundgesetz)[8]
Siehe Abschnitt „Staatsgründung“.Nationalhymne
Das Lied der Deutschen (dritte Strophe)
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Du kannst den Clip herunterladen oder eine Abspielsoftware herunterladen, um den Clip im Browser abspielen zu können.Nationalfeiertag
3. Oktober (Tag der Deutschen Einheit)
Zeitzone
UTC+1, MEZ
UTC+2, MESZ (März bis Oktober)
Kfz-Kennzeichen
D
ISO 3166
DE, DEU, 276
Internet-TLD
.de
Telefonvorwahl
+49Deutschland?/i (Vollform: Bundesrepublik Deutschland) ist ein föderal verfasster Staat in Mitteleuropa, der aus den 16 deutschen Ländern gebildet wird. Die Bundesrepublik ist ein freiheitlich-demokratischer und sozialer Rechtsstaat[9] und stellt die jüngste Ausprägung des deutschen Nationalstaates dar.[10] Bundeshauptstadt sowie bevölkerungsreichste deutsche Stadt ist Berlin.
An Deutschland grenzen neun Staaten und naturräumlich im Norden die Gewässer der Nord- und Ostsee, im Süden das Bergland der Alpen. Es liegt in der gemäßigten Klimazone. Mit mehr als 81 Millionen Einwohnern zählt es zu den dicht besiedelten Flächenstaaten und gilt international als das Land mit der dritthöchsten Zahl von Einwanderern.[3][11]
Der Gründung der Bundesrepublik als westdeutschem Teilstaat folgte die Gründung der sozialistischen DDR am 7. Oktober 1949 als ostdeutscher Teilstaat.[12] Seit der Wiedervereinigung beider Landesteile am 3. Oktober 1990 wird der Tag der Deutschen Einheit begangen. Deutschland ist Gründungsmitglied der Europäischen Union sowie deren bevölkerungsreichstes Land und bildet mit 18 anderen EU-Mitgliedstaaten eine Währungsunion, die Eurozone. Es ist Mitglied der UN, der OECD, der NATO, der G7 und der G20. Die Bundesrepublik gilt als politisch einflussreicher Staat Europas und ist ein gesuchtes Partnerland auf globaler Ebene.[13]
Die Wirtschaft Deutschlands wurde durch das Konzept der Sozialen Marktwirtschaft geprägt. Gemessen am nominalen Bruttoinlandsprodukt ist Deutschland die größte Volkswirtschaft Europas und die viertgrößte der Welt.[6] Im Jahr 2014 war es die drittgrößte Export- und Import­nation.[14] Der Index für menschliche Entwicklung zählt Deutschland zu den sehr hoch entwickelten Ländern.[15] Seine Kultur hat über Jahrtausende vielschichtige und weltbekannte Ausdrucksformen hervorgebracht, etwa in der Kunst und Architektur, der Musik, der Philosophie, der Filmkultur, der Küche, im Sport, in der Wissenschaft und der Gründerkultur. Das UNESCO-Welterbe in Deutschland ist umfänglich, ebenso die Anzahl an geschützten National- und Naturparks.Inhaltsverzeichnis
1 Begriffsgeschichte1.1 Deutsch
1.2 Deutschland
2 Physische Geographie2.1 Geologie
2.2 Relief
2.3 Klima
2.4 Gewässer
2.5 Inseln
2.6 Flora
2.7 Fauna
3 Humangeographie3.1 Liste der Länder
3.2 Gemeinden
3.3 Ballungsgebiete
4 Bevölkerung4.1 Demografie
4.2 Einwanderung
4.3 Sprachen und Dialekte
4.4 Religionen
5 Geschichte5.1 Kurzüberblick
5.2 Urgeschichte, frühe Stämme und Römerzeit
5.3 Völkerwanderung und Frühmittelalter (375–962)
5.4 Vom Ostfrankenreich zum Heiligen Römischen Reich (962–1806)
5.5 Rheinbund, Deutscher Bund, Norddeutscher Bund (1806–1871)
5.6 Deutsches Kaiserreich (1871–1918)
5.7 Weimarer Republik (1919–1933)
5.8 Nationalsozialistische Diktatur (1933–1945)
5.9 Alliierte Besatzung (1945–1949)
5.10 Bundesrepublik Deutschland und DDR (1949–1990)
5.11 Berliner Republik (seit 1990)
6 Politik6.1 Staatsgründung
6.2 Politisches System
6.3 Staatshaushalt
6.4 Staatsgebiet
6.5 Parteienlandschaft
6.6 Außen- und Sicherheitspolitik
6.7 Militär
6.8 Polizei und Nachrichtendienste
7 Recht7.1 Geschichte
7.2 Rechtswesen
8 Wirtschaft8.1 Grundlagen
8.2 Wirtschaftsentwicklung
8.3 Unternehmen
8.4 Informationstechnik und Telekommunikation
8.5 Energie
8.6 Tourismus
9 Verkehr9.1 Straßenverkehr
9.2 Schienenverkehr
9.3 Nahverkehr
9.4 Luftverkehr
9.5 Seeverkehr
10 Kultur10.1 Literatur und Philosophie
10.2 Musik
10.3 Film
10.4 Bildende Kunst
10.5 Architektur
10.6 Kultur- und Baudenkmäler
10.7 Museen
10.8 Feiern und Feste
10.9 Küche
10.10 Mode
11 Gesellschaft11.1 Soziales
11.2 Gesundheit
11.3 Bildung
11.4 Wissenschaft
11.5 Medien
11.6 Sport
12 Siehe auch
13 Gesprochene Version
14 Literatur
15 Weblinks
16 AnmerkungenBegriffsgeschichte
Deutsch
→ Hauptartikel: deutsch (Etymologie)
Im Sachsenspiegel von 1369 steht (auf Mittelniederdeutsch): „Iewelk düdesch lant hevet sinen palenzgreven“ („jegliches deutsche Land hat seinen Pfalzgrafen“)
Die etymologischen Vorformen von „deutsch“ bedeuteten ursprünglich „zum Volk gehörig“, wobei das Adjektiv zunächst die Dialekte des kontinental-westgermanischen Dialektkontinuums bezeichnete.[16] Die Bezeichnung Deutschland wird seit dem 15. Jahrhundert verwendet, ist in einzelnen Schriftstücken aber schon früher bezeugt.[17] Davor sind nur Wortfügungen des Attributs deutsch mit Land belegt, beispielsweise in der unbestimmten Singularform ein deutsches Land oder der bestimmten Pluralform die deutschen Länder, nicht aber in der bestimmten Singularform das deutsche Land. Gemeint waren vielmehr Länder mit einer Führungsschicht, die sich auf den politischen Herrschaftsanspruch bezog, der durch das (Ost-)Fränkische, später Heilige Römische Reich, als begründet angesehen worden war. In einem Buch von 1487 ist u. a. von „in teutschen landen lassen machen“ zu lesen.[18]
Die Begriffe wurden als Synonym vor allem für (vor-)staatliche Gebilde verwendet, die in wesentlichen Bereichen des deutschen Sprach- und/oder Herrschaftsgebiets entstanden waren. Das Heilige Römische Reich (lateinisch Sacrum Imperium Romanum, in der historischen Forschung auch Altes Reich) hatte sich im 10. Jahrhundert aus dem Ostteil des Fränkischen Reiches entwickelt. Das Reich wurde ursprünglich nur als Imperium bezeichnet. Es kamen bis zum Ende des Mittelalters mehrere Namenszusätze hinzu: „Heilig“ (seit Mitte des 12. Jahrhunderts), „Römisch“ (seit Mitte des 13. Jahrhunderts) und (seit dem ausgehenden 15. Jahrhundert) „Deutscher Nation“ (Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation). Nach der Niederlegung der Reichskrone 1806 dominierten das Kaisertum Österreich, das Königreich Preußen und der Rheinbund das staatliche Geschehen im Vorstellungsraum Deutschlands; nach 1815 folgte als die deutsche Nationalität sichernder Staatenbund der Deutsche Bund unter der Führung Österreichs. Die Konkurrenz mit Preußen um die Vorherrschaft in Deutschland spitzte sich zum deutschen Dualismus zu. Mit dem Deutschen Krieg und der Schlacht bei Königgrätz entschied Preußen ihn 1866 zu seinen Gunsten.
Mit den von Preußen initiierten Staatsformen, die unter dessen Vormachtstellung verfassungsgeschichtlich an die überkommene und den politischen Handlungsträgern vertraute Rechtslage des Deutschen Bundes anknüpften,[19] wurden in zwei Schritten seit 1867 große Teile des deutschen Sprachraums in einem Staat vereinigt. Umfasste der Norddeutsche Bund lediglich die Staaten nördlich der Mainlinie, wurde der Ausdruck Deutschland durch die Reichseinigung und Proklamation des Deutschen Reiches 1871 mit demselben identisch.
Deutschland
Die Reichskrone des Heiligen Römischen Reiches (Sacrum Romanum Imperium). Das Herrschaftsgebiet erhält im späten 15. Jahrhundert den Zusatz Deutscher Nation (Nationis Germanicæ).
Im Verlauf der Novemberrevolution 1918 am Ende des Ersten Weltkriegs wurde die Abdankung der deutschen Bundesfürsten erzwungen. Nach dem Ende der Monarchie wurde diskutiert, mit der Staatsbezeichnung „Deutsche Republik“ oder „Republik Deutschland“ die ausgerufene Staatsform zu unterstreichen, doch auch die sogenannte Weimarer Republik behielt die offizielle Bezeichnung Deutsches Reich bei.
Die nach dem Zerfall der Habsburgermonarchie entstandene Republik Deutschösterreich strebte 1919 einen Zusammenschluss mit dem Deutschen Reich an, der jedoch wegen des von den Siegermächten verhängten Anschlussverbotes nicht realisiert werden konnte.
Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzten die Hauptsiegermächte den Begriff Deutschland ausschließlich für das von ihnen besetzte Deutsche Reich (ohne Österreich). 1949 wurde die Bundesrepublik Deutschland durch die USA und Großbritannien sowie die Deutsche Demokratische Republik (DDR) durch Einwirken der UdSSR initiiert. Da eine Fortführung des Staatsnamens Deutsches Reich im Parlamentarischen Rat wegen seines „aggressiven Akzents“ abgelehnt wurde, fand stattdessen „Deutschland“ in der Bezeichnung der damals konstituierten Bundesrepublik erstmals namentliche Verwendung;[20] damit sollten die „emotionale Integrationskraft des Namens und sein staatsrechtlicher Gehalt“ aus Kontinuität und der Identität der Bundesrepublik bezeugt werden.[21] Die DDR nutzte das Wort „Deutschland“ zwar nicht direkt im Staatsnamen, jedoch wurde es ausdrücklich als synonymer Begriff für DDR im Artikel 1 der Verfassung von 1949 gebraucht. Später verwendete die DDR fast nur noch das Attribut deutsch beziehungsweise den Namenszusatz „… der DDR“ für staatliche Hoheitsbezeichnungen. Mit der Deutschen Einheit 1990 wurde die deutsche Frage gelöst.[22]
Im Laufe der Jahrhunderte entwickelten sich einige Gebiete unabhängig vom deutschen Machtbereich weiter und lösten sich aus dem Heiligen Römischen Reich heraus. Unter anderem waren dies aufgrund des Westfälischen Friedens 1648 die Niederlande, deren Sprachvarietäten sich u. a. durch den Buchdruck vom Deutschen getrennt hatten (vgl. Niederländisch (Name)), die Eidgenossenschaft sowie das Elsass und (Nordost-)Lothringen (französisch Moselle). Nach dem Ende des Deutschen Bundes 1866 traten dann Luxemburg, das Herzogtum Limburg, Liechtenstein und Österreich (zuletzt 1945) heraus. Die Gründung des Deutschen Kaiserreichs erfolgte unter Aneignung Elsass-Lothringens, während die Niederlagen in beiden Weltkriegen Gebietsverluste zur Folge hatten. Nach 1919 musste Deutschland neben dem Elsass und Lothringen kleinere Gebiete an Dänemark, Belgien, die Tschechoslowakei und Litauen sowie vor allem die Provinzen Posen und Westpreußen an die neu gegründete Zweite Polnische Republik abtreten. Die restlichen Gebiete östlich der Oder-Neiße-Linie, namentlich Schlesien, Neumark, Hinterpommern und Ostpreußen, kamen ab 1945 unter sowjetische und größtenteils polnische Verwaltung. Sie wurden in deren Staatsgebiete integriert, nachdem damit begonnen worden war, die deutsche Bevölkerung zu vertreiben. 1990 wurde der Anspruch auf die vormaligen deutschen Ostgebiete im Zuge der Wiedervereinigung Deutschlands auch formell mit dem Zwei-plus-Vier-Vertrag aufgegeben.
Trotz der Kontinuität des Begriffes Deutschland vom 15. Jahrhundert bis in die Gegenwart sowie völkerrechtlicher[23] Identität und staatsrechtlicher Kontinuität seit dem 19. Jahrhundert bestand de facto bis 1990 keine durchgehende lineare politisch-historische Entwicklung.
Physische Geographie
→ Hauptartikel: Geographie Deutschlands
Topografische
Karte
Lage Deutschlands
in Europa
Die naturräumlichen Großregionen sind von Nord nach Süd Norddeutsches Tiefland, Mittelgebirgszone und Alpenvorland mit Alpen.
Deutschland hat insgesamt neun Nachbarstaaten: Im Norden grenzt Deutschland an Dänemark (auf einer Länge von 67 Kilometern), im Nordosten an Polen (442 Kilometer), im Osten an Tschechien (811 Kilometer), im Südosten an Österreich (815 Kilometer; ohne Grenze im Bodensee), im Süden an die Schweiz (316 Kilometer; mit Grenze der Exklave Büsingen am Hochrhein, aber ohne Grenze im Bodensee), im Südwesten an Frankreich (448 Kilometer), im Westen an Luxemburg (135 Kilometer) und Belgien (156 Kilometer) und im Nordwesten an die Niederlande (567 Kilometer). Die Grenzlänge beträgt insgesamt 3757 Kilometer (ohne Grenze im Bodensee, siehe Kondominium). Damit ist Deutschland das Land mit den meisten europäischen Nachbarstaaten.
Der nördlichste terrestrische Punkt Deutschlands befindet sich auf der Insel Sylt nördlich von List am Ellenbogen. Als nördlichster Festlandspunkt wird einerseits die Spitze der Halbinsel Holnis in der Flensburger Förde, andererseits die Gemeinde Rodenäs im Kreis Nordfriesland gesehen. Den südlichsten Punkt Deutschlands bildet das Haldenwanger Eck südlich von Oberstdorf. Vom Ellenbogen bis zum Haldenwanger Eck sind es etwa 886 Kilometer Luftlinie. Der westlichste Ort Deutschlands liegt im Isenbruch des Selfkant an der Grenze zu den Niederlanden nahe der Maas, der östlichste zwischen Neißeaue-Deschka und Neißeaue-Zentendorf in einer Flussschleife der Lausitzer Neiße. Von Isenbruch bis zur Flussschleife der Neiße sind es rund 636 Kilometer Luftlinie.
Während der wechselvollen Geschichte veränderte sich auch der Mittelpunkt Deutschlands. Die Gemeinden Görlitz, Selfkant, List und Oberstdorf, welche die heutigen geografischen Extrempunkte Deutschlands markieren, sind darüber hinaus im sogenannten Zipfelbund zusammengeschlossen.
Geologie
→ Hauptartikel: Geologie Deutschlands
Vereinfachte Karte der Oberflächengeologie Deutschlands
Deutschland gehört geologisch zu Westeuropa, das heißt zu jenem Teil des Kontinents, der dem präkambrisch konsolidierten „Ur-Europa“ (Osteuropa einschließlich eines Großteils Skandinaviens, vgl. Baltica) erst im Verlauf des Phanerozoikums sukzessive durch Kontinent-Kontinent-Kollisionen (Gebirgsbildungen) angegliedert wurde. Die entsprechenden Krustenprovinzen (Grundgebirgsprovinzen) werden klassisch vereinfachend (Ost-)Avalonia (vgl. kaledonische Gebirgsbildung) und Armorica (vgl. variszische Gebirgsbildung) genannt. Die jüngste Krustenprovinz ist das Alpen-Karpaten-Orogen (vgl. alpidische Gebirgsbildung), an dem Deutschland nur mit dem äußersten Süden Bayerns Anteil hat und das im Gegensatz zu den beiden anderen tektonischen Provinzen ein aktives Orogen darstellt.
Die heutige Oberflächengeologie Deutschlands, das heißt das Muster aus verschieden alten und verschieden aufgebauten Gesteinskomplexen, wie es in Geologischen Karten vielfach abgebildet ist, entstand erst im Verlauf der letzten 30 bis 20 Millionen Jahre im jüngeren Känozoikum und wurde von zwei Ereignissen maßgeblich geprägt: der Alpidischen Gebirgsbildung und dem Quartären Eiszeitalter.
Das Quartäre Eizeitalter zeichnet für die vergleichsweise eintönige Oberflächengeologie Norddeutschlands und des Alpenvorlandes mit ihren Moräne­nablagerungen und sonstigen Begleiterscheinungen großflächiger Vergletscherungen verantwortlich (vgl. glaziale Serie).
Die Oberflächengeologie der Mitte und des überwiegenden Teils des Südens Deutschlands ist das Ergebnis bedeutender bruchtektonischer Hebungen und Senkungen, die auf die Fernwirkung der Alpidischen Gebirgsbildung zurückgehen. Hierbei wurden teils alte (überwiegend Paläozoikum), variszisch gefaltete Grundgebirgskomplexe (Schiefergebirge und Kristallin) aus dem Untergrund herausgehoben und großflächig freigelegt (u. a. Rheinisches Schiefergebirge, Harz, Erzgebirge), teils sank die Erdkruste ein und bildete Sedimentationsräume, die mehr oder weniger mächtige känozoische Sedimentabfolgen aufnahmen (Oberrheingraben, Niederrheingraben, Hessische Senke, Molassebecken). Eine tektonische Zwischenstellung nehmen die Tafelländer ein, mit ihren ungefalteten mesozoischen Schichtenfolgen, dominiert von Trias und Jura (Thüringer Becken, Süddeutsches Schichtstufenland).
Relief
Die Zugspitze in Bayern ist mit 2962 Metern über Normalhöhennull die höchste Erhebung Deutschlands.
Das geologisch junge Faltengebirge der Alpen ist das einzige Hochgebirge, an dem Deutschland Anteil hat. Die deutschen Alpen, die sich faktisch zur Gänze im Bundesland Bayern befinden, weisen die einzigen Gebirgsgipfel mit mehr als 2000 m ü. NHN auf. Der Gipfel der Zugspitze (2962 m ü. NHN), den sich Deutschland mit Österreich teilt, ist der höchstgelegene Punkt des Landes.
Die deutschen Mittelgebirge erstrecken sich vom Nordrand der Mittelgebirgsschwelle bis zum Alpenrand und zum Oberrhein mit dem Bodensee. Sie nehmen tendenziell von Nord nach Süd an Höhe und Ausdehnung zu. Höchster Mittelgebirgsgipfel ist der Feldberg im Schwarzwald (1493 m ü. NHN), gefolgt vom Großen Arber im Bayerischen Wald (1456 m ü. NHN). Gipfel über 1000 m ü. NHN besitzen außerdem das Erzgebirge, das Fichtelgebirge, die Schwäbische Alb und als Sonderfall der Harz, der sich recht isoliert als nördlichstes unter den höchsten deutschen Mittelgebirgen mit dem Brocken auf 1141 m ü. NHN erhebt. Nördlich der Mittelgebirgsschwelle erreichen nur noch einige Berge innerhalb der eiszeitlichen Endmoränenzüge mehr als 100 m ü. NHN, von denen die Heidehöhe in Schraden (Südlicher Landrücken im brandenburgisch-sächsischen Grenzgebiet) mit 201 m ü. NN der höchste ist.
Die tiefste begehbare Landesstelle Deutschlands liegt bei 3,54 m unter NN in einer Senke bei Neuendorf-Sachsenbande in der Wilstermarsch (Schleswig-Holstein). Eine aktuelle Höhenangabe bezogen auf Normalhöhennull ist noch nicht frei zugänglich. Ebenfalls in diesem Bundesland befindet sich die tiefste Kryptodepression: Sie liegt mit 39,6 m unter NN am Grund des Hemmelsdorfer Sees nordöstlich von Lübeck. Der tiefste künstlich geschaffene Geländepunkt liegt bei 267 m unter NHN am Grund des Tagebaus Hambach östlich von Jülich in Nordrhein-Westfalen.
Siehe auch: Liste der höchsten Berge in Deutschland und Liste der Gebirge und Höhenzüge in Deutschland
Klima
Mischwald im Herbst. Deutschland befindet sich in einer gemäßigten Klimazone.
Deutschland gehört vollständig zur gemäßigten Klimazone Mitteleuropas im Bereich der Westwindzone und befindet sich im Übergangsbereich zwischen dem maritimen Klima in Westeuropa und dem kontinentalen Klima in Osteuropa. Das Klima in Deutschland wird unter anderem vom Golfstrom beeinflusst, der das durchschnittliche Temperaturniveau für die Breitenlage ungewöhnlich hoch gestaltet.
Die mittlere Jahresdurchschnittstemperatur, bezogen auf die Normalperiode 1961–1990,[24] beträgt im bundesweiten Gebietsmittel 8,2 °C, die mittleren Monatsdurchschnittstemperaturen liegen zwischen −0,5 °C im Januar und 16,9 °C im Juli. Der mittlere jährliche Niederschlag beträgt 789 Millimeter. Die mittlere monatliche Niederschlagshöhe liegt zwischen 49 Millimeter im Februar und 85 Millimeter im Juni.
Die tiefste jemals in Deutschland gemessene Temperatur betrug −45,9 Grad Celsius; sie wurde am 24. Dezember 2001 am Funtensee registriert. Die bisher höchste Temperatur betrug 40,3 Grad Celsius und wurde am 5. Juli und 7. August 2015 in Kitzingen erreicht.[25]
Siehe auch: Zeitreihe der Lufttemperatur in Deutschland
Gewässer
Von den sechs Strömen mit den größten Einzugsgebieten entwässern Rhein, Elbe, Weser und Ems über die Nordsee und die Oder über die Ostsee in den Atlantik, während die Donau ins Schwarze Meer fließt und somit hydrographisch dem Mittelmeer zuzurechnen ist. Die Einzugsgebiete dieser beiden Systeme werden durch die europäische Hauptwasserscheide voneinander getrennt.
Der Rhein und Burg Rheinstein in Trechtingshausen
Der in der Schweiz entspringende Rhein dominiert den Südwesten und Westen. Auf 865 Kilometern fließt er durch bzw. an der Grenze zu Deutschland, bevor er über die Niederlande in die Nordsee mündet. Seine wichtigsten deutschen Zuflüsse sind Neckar, Main, Mosel und Ruhr. Der Rhein hat eine große wirtschaftliche Bedeutung und ist eine der am stärksten befahrenen Wasserstraßen Europas. Die Donau entwässert im Süden auf 647 Kilometern fast das gesamte deutsche Alpenvorland und fließt weiter nach Österreich und Südosteuropa. Ihre wichtigsten deutschen Zuflüsse sind Iller, Lech, Isar und Inn. Den Osten Deutschlands durchfließt auf 725 Kilometern die in Tschechien entspringende Elbe. Ihre wichtigsten deutschen Nebenflüsse sind Saale und Havel. Auf 179 Kilometern ist die Oder, wie im weiteren Verlauf auch ihr wichtigster Zufluss, die Neiße, der Grenzfluss zu Polen. Einzig das Einzugsgebiet der 452 Kilometer langen Weser liegt vollständig in Deutschland. Sie speist sich aus den Flüssen Werra und Fulda und entwässert den mittleren Norden. Die Ems durchfließt auf 371 Kilometern den äußersten Nordwesten des Landes. Ihr Einzugsgebiet erstreckt sich auch auf Teile der Niederlande.
Die natürlichen Seen sind überwiegend glazialen Ursprungs. Daher finden sich die meisten der großen Seen im Alpenvorland, in der Holsteinischen Schweiz und in Mecklenburg. Der größte vollständig zum deutschen Staatsgebiet gehörende See ist die Müritz, die Teil der mecklenburgischen Seenplatte ist. Der größte See mit deutschem Anteil ist der Bodensee, an den auch Österreich und die Schweiz grenzen. Im Westen und Osten Deutschlands gibt es viele, durch die Rekultivierung von Braunkohletagebauen oder Industriebrachen entstandene künstliche Seen, so z. B. das Leipziger Neuseenland oder den Dortmunder Phoenix-See.
Inseln
Die beiden Ostseeinseln Hiddensee und Rügen mit ihrer Boddenlandschaft
Im Wattenmeer, der niederländischen, deutschen und dänischen Nordseeküste unmittelbar vorgelagert liegen die Friesischen Inseln. Während die Nordfriesischen Inseln Festlandsreste sind, die durch Landsenkung und nachfolgende Überflutung von der Küste getrennt wurden, handelt es sich bei den Ostfriesischen Inseln um Barriereinseln, die aus durch küstenparallele Strömungen sowie Wellen- und Gezeitendynamik angespülten Sedimenten entstanden. Das inmitten der Deutschen Bucht gelegene Helgoland ist die am weitesten vom Festland entfernt liegende bewohnte deutsche Insel. Sie geht auf den Aufstieg eines Salzstockes im Untergrund der Nordsee zurück.
Die „Blumeninsel“ Mainau im Bodensee.
Die größten deutschen Inseln in der Ostsee sind (von West nach Ost) Fehmarn, Poel, Hiddensee, Rügen und Usedom. Rügen ist zugleich auch die größte deutsche Insel. Größte Halbinsel ist Fischland-Darß-Zingst. Mit Ausnahme von Fehmarn sind diese Landflächen Teil einer Boddenküste, das heißt einer nacheiszeitlich gefluteten und nachfolgend durch Anlandungs­vorgänge modifizierten Grundmoränen­landschaft.
Die größten und bekanntesten Inseln in Binnengewässern sind Reichenau, Mainau und Lindau im Bodensee sowie die Herreninsel im Chiemsee.
Siehe auch: Liste deutscher Inseln und Liste deutscher BinneninselnFlora
Die Lüneburger Heide in Niedersachsen
Der Thüringer Wald im Winter. Rund 32 Prozent der deutschen Landfläche sind bewaldet.
Der Naturraum Deutschland liegt in der gemäßigten Klimazone. Seine Flora wäre daher natürlicherweise hauptsächlich von Laub- und Mischwäldern geprägt. Örtlich weist die Flora in Deutschland eine hohe Diversifikation durch Standortfaktoren des Geländeprofils, der Geländehöhe und -geologie sowie der mesoklimatischen Lage auf. Von West nach Ost kennzeichnet die natürliche Vegetation den Übergang vom Westseitenseeklima zum Kontinentalklima. Der Gesamtbestand der in Deutschland wild lebenden Pflanzenarten wird auf 9.500 Arten geschätzt. Dazu kommen rund 14.000 Pilzarten.[26]
Ohne menschlichen Einfluss würde die Vegetation in Deutschland, wie in den meisten Ländern der gemäßigten Breiten, hauptsächlich aus Wald bestehen. Davon ausgenommen wären Gewässer, besonders nährstoffarme oder trockene Standorte wie Felskuppen, Heideniederungen und Moorlandschaften sowie die alpinen (Bayerische Alpen) und subalpinen (Hochschwarzwald, Hochharz und Westerzgebirge) Hochlagen, die äußerst vegetationsarm sind und in ihrem Klima kaltgemäßigt ausgeprägt sind. Die natürlichen Wälder der Ebenen und Hügel wären stark von der Rotbuche geprägt, daneben gäbe es im Bereich der Flüsse und Seen die heute selten gewordenen Auwälder sowie auf trockeneren Standorten Eichen-Buchen-Mischwälder. Die Alpen und Mittelgebirge wären in den tieferen Lagen von Bergmischwäldern sowie Schluchtwäldern und in den höheren Lagen von Nadelwäldern bedeckt. Pionierwald, vor allem aus Birken und Kiefern bestehend, käme dauerhaft nur auf sehr trockenen und nährstoffarmen Standorten wie Sanddünen vor.
Derzeit bedeckt der Wald in Deutschland 32,0 Prozent der deutschen Staatsfläche. Damit ist Deutschland eines der waldreichsten Länder in der Europäischen Union. Die aktuelle Baumartenzusammensetzung entspricht nur zum geringen Teil den natürlichen Gegebenheiten und wird hauptsächlich von der Forstwirtschaft bestimmt. Die häufigsten Baumart ist mit 26,0 Prozent Flächenanteil die Gemeine Fichte, gefolgt von der Waldkiefer mit 22,9 Prozent, der Rotbuche mit 15,8 Prozent und den Eichen mit 10,6 Prozent.[27]
Rund die Hälfte der deutschen Staatsfläche wird landwirtschaftlich genutzt. Zum Stichtag 31. Dezember 2014 weist das Statistische Bundesamt für Deutschland eine Landwirtschaftsfläche von 184.607 km² aus. Die deutsche Landwirtschaftsfläche nahm seit 31. Dezember 1992 um 10.505 km² ab.[28] Neben der Nutzung als Dauergrünland wird auf einem Großteil der landwirtschaftlichen Flächen Ackerbau betrieben. Auf den Äckern werden überwiegend Nutzpflanzen angebaut, die ursprünglich nicht natürlich in Deutschland vorkamen. So stammen zum Beispiel Gerste, Hafer, Roggen und Weizen aus dem Nahen Osten und die Kartoffel und der Mais wurden aus Amerika eingeführt. In den Flusstälern, unter anderem von Main, Mosel, Ahr und Rhein, wurde die Landschaft vielfach für den Weinanbau umgestaltet.
Neben den natürlich vorkommenden Pflanzen spielen heute eine Reihe von eingeführten Arten wie die Robinie und das Drüsige Springkraut eine zunehmende Rolle in der Vegetation, insbesondere auf Brach- und Störflächen.
Die Bewahrung der Natur ist in Deutschland öffentliche Aufgabe und dient dem im Art. 20a Grundgesetz verankerten Staatsziel. Ziel des Naturschutzes in Deutschland ist es, Natur und Landschaft zu erhalten (§ 1 Bundesnaturschutzgesetz). Wichtige Gegenstände des Naturschutzes sind Landschaften, Pflanzen und Tiere. Zu den wichtigsten Institutionen geschützter Gebiete und Objekte gehören derzeit unter anderem 16 Nationalparks (siehe Nationalparks in Deutschland, Stand November 2015), 19 Biosphärenreservate, 95 Naturparks sowie tausende von Naturschutzgebieten, Landschaftsschutzgebieten und Naturdenkmälern.
Fauna
Der Seeadler, ein geschützter Greifvogel
Deutschland beherbergt etwa 48.000 nachgewiesene Tierarten, darunter 104 Säugetierarten, 328 Vogelarten und über 30.000 Insektenarten.[29]
Die meisten in Deutschland heimischen Säugetiere leben in den gemäßigten Laubwäldern. Im Wald leben unter vielen anderen verschiedene Marderarten, Dam- und Rothirsche, Rehe, Wildschweine sowie Luchse und Füchse. Biber und Otter sind seltene Bewohner der Flussauen, mit teilweise wieder steigenden Beständen. Andere ehemals in Mitteleuropa lebende Großsäuger wurden ausgerottet: Auerochse (um 1470), Braunbär (1835), Elch (im Mittelalter noch zahlreich), Wildpferd (19. Jahrhundert), Wisent (17./18. Jahrhundert), Wolf (1904). In neuerer Zeit wandern gelegentlich einige Elche und Wölfe aus Polen und Tschechien ein, deren Bestände sich dort wieder vermehren konnten. Im Falle der Wölfe bilden sich sogar schon immer wieder neue Rudel, zunächst im sorbischen Raum, mittlerweile auch weiter westlich, seit um 2000 der erste Nachwuchs geboren wurde. Im März 2010 wurde eine Herde Wisente im Rothaargebirge in Nordrhein-Westfalen angesiedelt.
Rotwild
In hochalpinen Regionen leben Alpensteinbock und Murmeltier. Darüber hinaus ist die Gämse in verschiedenen Mittelgebirgen beheimatet, etwa im Schwarzwald oder auf der Fränkischen Alb.
Zu den bekanntesten in Deutschland lebenden Reptilien zählen Ringelnatter, Kreuzotter und europäische Sumpfschildkröte. Daneben leben noch viele Amphibien wie Salamander, Frösche, Kröten, Unken und Molche in Deutschland, welche jedoch alle auf der Roten Liste bedrohter Tierarten aufgeführt werden.
Von dem Seeadler, mitunter vereinzelt als Vorlage für den stilisierten deutschen Wappenvogel gesehen, gibt es gegenwärtig wieder etwa 500 Paare, vor allem in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Der Steinadler kommt nur noch in den Bayerischen Alpen vor, der ehemals dort heimische Bartgeier wurde ausgerottet, hält aber durch Wiedereinbürgerungen in Schweiz und Österreich auch wieder Einzug in die deutschen Alpen. Die häufigsten Greifvögel in Deutschland sind derzeit Mäusebussard und Turmfalke, dagegen ist der Bestand an Wanderfalken deutlich geringer. Über die Hälfte des Gesamtbestandes an Rotmilanen brütet in Deutschland, der Bestand ist aber aufgrund der intensiven Landwirtschaft rückläufig.
Seehund-Kolonie auf der Nordseeinsel Helgoländer Düne
Demgegenüber steht eine Vielzahl von Vögeln, die als Kulturfolger von der Anwesenheit des Menschen profitieren, insbesondere die in vielen Städten lebenden Stadttauben, Amseln (frühere Waldvögel), Spatzen und Meisen, für deren Überleben auch die Winterfutter-Industrie sorgt, sowie Krähen und Möwen auf Müllkippen. Eine Besonderheit ist die weltweit nördlichste Flamingo-Kolonie im Zwillbrocker Venn.
Der früher in den Flüssen häufig vorkommende Lachs wurde im Zuge der Industrialisierung im 19. Jahrhundert weitgehend ausgerottet, konnte aber in den 1980er-Jahren im Rhein wieder angesiedelt werden. Der letzte Stör wurde 1969 in Deutschland gefangen. In vielen Teichen werden die erst von den Römern eingeführten Karpfen gehalten.
Der an der Nord- und Ostseeküste lebende Seehund wurde zeitweise nahezu ausgerottet, mittlerweile gibt es im Wattenmeer wieder einige tausend Exemplare. Auch die sich wieder ausbreitenden Kegelrobbenbestände in Nordeuropa kehren wieder an die Küsten Deutschlands zurück, nachdem sie dort durch Bejagung vollständig verschwunden waren. Das Wattenmeer ist insbesondere als Rastplatz für zehn bis zwölf Millionen Zugvögel pro Jahr von Bedeutung. Die bekannteste Walart von Nord- und Ostsee ist der Schweinswal, jedoch leben dort noch weitere sieben Walarten, unter anderem Pottwal und Schwertwal, daneben mit dem Gemeinen Delfin auch eine Delfinart.
Zu den lange heimischen Tieren hat sich eine beachtliche Anzahl an Neozoen angesiedelt. Zu den bekanntesten Vertretern gehören Waschbär, Marderhund, Halsbandsittich und Nilgans. Weitere teils invasive Neozoen in Deutschland sind Kanadagans, Nandus, Amerikanischer Flusskrebs, Amerikanischer Ochsenfrosch, Europäisches Mufflon, Sonnenbarsche u. v. m.
Siehe auch: Liste der Neozoen in Deutschland
Humangeographie
Typische Siedlungsstruktur in Nordrhein-Westfalen
→ Hauptartikel: Humangeographie (Deutschland)
In Deutschland werden insgesamt 52 Prozent der Landesfläche landwirtschaftlich genutzt (2009), Wälder bedecken weitere 29,5 Prozent. 14 Prozent werden als Siedlungs- und Verkehrsfläche genutzt (Tendenz weiterhin steigend). Wasserflächen kommen auf 2 Prozent, die restlichen 2,5 Prozent verteilen sich auf sonstige Flächen, zumeist Ödland und auch Tagebaue.
Liste der Länder
→ Hauptartikel: Land (Deutschland)
Die föderal aufgebaute Bundesrepublik besteht aus 16 Gliedstaaten, die offiziell als Länder (Bundesländer) bezeichnet werden. Die Stadtstaaten Berlin und Hamburg bestehen ausschließlich aus den gleichnamigen Gemeinden und sind somit Einheitsgemeinden. Die Freie Hansestadt Bremen wird als Stadtstaat bezeichnet, jedoch besteht das Land aus den Stadtgemeinden Bremen und Bremerhaven und ist somit ein „Zwei-Städte-Staat“. Im Unterschied zu zahlreichen anderen föderal strukturierten Ländern kennt die Bundesrepublik keine bundesunmittelbaren Gebiete.Land
Hauptstadt
Fläche
in km²
Einwohner
Einwohner
pro km²
Baden-Württemberg Baden-Württemberg
Stuttgart
35.751
000000010716644.000000000010.716.644[30]
300
Bayern Bayern
München
70.550
000000012691568.000000000012.691.568[31]
180
Berlin Berlin

892
000000003469849.00000000003.469.849[32]
3.891
Brandenburg Brandenburg
Potsdam
29.655
000000002457872.00000000002.457.872[33]
83
Bremen Bremen
Bremen[34]
419
000000000654774.0000000000654.774[35]
1563
Hamburg Hamburg

755
000000001734272.00000000001.734.272[36]
2.297
Hessen Hessen
Wiesbaden[37]
21.115
000000006093888.00000000006.093.888[38]
289
Mecklenburg-Vorpommern Mecklenburg-Vorpommern
Schwerin
23.211
000000001599138.00000000001.599.138[39]
69
Niedersachsen Niedersachsen
Hannover
47.614
000000007826739.00000000007.826.739[40]
164
Nordrhein-Westfalen Nordrhein-Westfalen
Düsseldorf[41]
34.110
000000017638098.000000000017.638.098[42]
517
Rheinland-Pfalz Rheinland-Pfalz
Mainz[43]
19.854
000000004011582.00000000004.011.582[44]
202
Saarland Saarland
Saarbrücken
2.569
000000000989035.0000000000989.035[45]
385
Sachsen Sachsen
Dresden
18.420
000000004055274.00000000004.055.274[46]
220
Sachsen-Anhalt Sachsen-Anhalt
Magdeburg
20.452
000000002235548.00000000002.235.548[47]
109
Schleswig-Holstein Schleswig-Holstein
Kiel[48]
15.800
000000002830864.00000000002.830.864[49]
179
Thüringen Thüringen
Erfurt[50]
16.173
000000002156759.00000000002.156.759[51]
133
Deutschland Bundesrepublik Deutschland
Berlin
357.340
80.523.746[52]
225
Niedersachsen Niedersachsen
Bremen Bremen
Hamburg Hamburg
Mecklenburg-Vorpommern
Mecklenburg-
Vorpommern
Sachsen-Anhalt
Sachsen-
Anhalt
Sachsen Sachsen
Brandenburg Brandenburg
Berlin Berlin
Thüringen Thüringen
Hessen Hessen
Nordrhein-Westfalen
Nordrhein-
Westfalen
Rheinland-Pfalz
Rheinland-
Pfalz
Bayern Bayern
Baden-Württemberg
Baden-
Württemberg
Saarland Saarland
Schleswig-Holstein
Schleswig-
HolsteinGemeinden
→ Hauptartikel: Gemeinde (Deutschland)
Ortsschild
Die Gemeinden sind die kleinsten selbständigen Gebietskörperschaften der politischen Gebietsgliederung. Sie regeln alle Angelegenheiten der örtlichen Gemeinschaft eigenverantwortlich und haben das Recht der Selbstverwaltung (Art. 28 Abs. 2 GG). Sie sind, ausgenommen die meisten kreisfreien Städte, in Landkreisen und anderen Gemeindeverbänden zusammengefasst.
Kreise und Gemeinden unterliegen dem Kommunalverfassungsrecht des jeweiligen Bundeslandes und sind daher bundesweit ganz unterschiedlich organisiert. Einzig die Kreisstadt als Verwaltungssitz eines Landkreises findet sich deutschlandweit. Die Einheitsgemeinden Berlin und Hamburg sind als Stadtstaaten gleichzeitig auch Länder.
Ballungsgebiete
Karte der Bevölkerungsdichte in Deutschland im Jahr 2006.
Um Ballungs- respektive Verdichtungsgebiete zu veranschaulichen, können Karten zur Bevölkerungsdichte, zu Gemeindegrößen, Agglomerationen und den sogenannten Metropolregionen herangezogen werden.
In Deutschland gibt es beinahe 80 Großstädte, also Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern. Davon haben 13 mehr als 500.000 Einwohner. Eine Besonderheit Deutschlands ist die historisch bedingt überwiegend randlastige, dezentrale Verteilung der Großstädte. Die entlang des Rheins verlaufenden Ballungsräume im Westen und Südwesten Deutschlands bilden dabei den Mittelteil der zentralen europäischen Bevölkerungskonzentration, die mit dem Begriff Blaue Banane umschrieben wird.
Unter Agglomeration versteht man ein größeres zusammenhängendes Siedlungsgebiet oder auch eine weitgehend urbanisierte Fläche. Da Gemeinde- und Siedlungsgrenzen meist erheblich voneinander abweichen, gibt die Betrachtung der Agglomerationen einen authentischeren Aufschluss über Bevölkerungskonzentrationen. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern werden in Deutschland Agglomerationen jedoch nicht statistisch genau definiert und abgegrenzt. Die meisten Agglomerationen sind monozentrisch; das Ruhrgebiet hingegen ist ein klassisches Beispiel für einen polyzentrischen Verdichtungsraum.
Von der Ministerkonferenz für Raumordnung (MKRO) wurden elf sogenannte Europäische Metropolregionen (EMR) festgelegt. Diese gehen über die entsprechenden Agglomerationen weit hinaus. Köln/Düsseldorf/Dortmund/Essen gehören zur Metropolregion Rhein-Ruhr, Dresden/Leipzig zur Metropolregion Mitteldeutschland. Eine weitere ist die Metropolregion Rhein-Neckar um Ludwigshafen/Mannheim/Heidelberg.Bevölkerungsreichste Siedlungsgebiete in Deutschland
BerlinHamburgMünchen
Siedlungsgebiet
Stadt
Agglomeration
Metropolregion
KölnFrankfurt am MainStuttgart1
Berlin
3.400.000
4.400.000
6.000.000
2
Hamburg
1.750.000
2.600.000
4.270.000
3
München
1.450.000
2.000.000
5.200.000
4
Köln
1.045.000
1.900.000
11.690.000
5
Frankfurt am Main
700.000
1.930.000
5.520.000
6
Stuttgart
605.000
1.800.000
5.290.000
7
Düsseldorf
605.000
1.220.000
11.690.000
8
Dortmund
580.000
4.700.000
11.690.000
9
Essen
570.000
4.700.000
11.690.000
10
Bremen
550.000
850.000
2.730.000
11
Leipzig
545.000
1.100.000
2.400.000
12
Dresden
540.000
755.000
2.400.000
13
Hannover
520.000
1.132.000
3.880.000
14
Nürnberg
505.000
1.200.000
3.500.000
Siehe auch: Liste der Groß- und Mittelstädte in Deutschland und Metropolregion#In Deutschland
Bevölkerung
→ Hauptartikel: Deutsche
Demografie
Bevölkerungsaufbau nach Alter im Jahr 2010. Deutschland verzeichnet eine der niedrigsten Geburtenraten der Welt.
→ Hauptartikel: Demografie Deutschlands
Auf Grundlage von Berechnungen des Zensus 2011 lebten am 31. Dezember 2013 in der Bundesrepublik Deutschland offiziell 80.767.463 Einwohner auf einer Fläche von 357.340 Quadratkilometern.[53] Das Land gehört damit zu den dicht besiedelten Flächenstaaten. 18,1 Prozent der Bevölkerung waren im selben Jahr unter 20 Jahre, 24,1 Prozent zwischen 20 und 40 Jahre und 30,7 Prozent waren zwischen 40 und 60 Jahre alt. Im Alter von 60 bis 80 Jahren waren im Jahr 2013 21,7 Prozent der Bevölkerung, der Anteil über 80-Jährigen lag bei 5,4 Prozent.[54] Im Jahr 2010 lag das durchschnittliche Alter der Deutschen bei 43,7 Jahren.[55]
Neben der Familie als der am häufigsten angestrebten und beliebtesten Form des Zusammenlebens sind eine Vielzahl an Lebensmodellen in der deutschen Gesellschaft vertreten.[56] Die Anzahl der lebend geborenen Kinder lag im Jahr 2013 bei 682.069. Dies entspricht einer Geburtenrate von 1,41 Kindern pro Frau bzw. 8,4 Geburten pro 1000 Einwohner und ist die niedrigste Geburtenrate weltweit.[57] Im selben Zeitraum wurden 893.825 Sterbefälle registriert, etwa 11,1 Fälle pro 1000 Einwohner. Etwa 211.000 Kinder wurden demnach weniger geboren als Menschen verstarben.[58] Trotz des jährlich zu verzeichnenden Geburtendefizits lebten im Jahr 2013 in Deutschland etwa 244.000 Menschen mehr als ein Jahr zuvor. Dies ist auf hohe Wanderungsgewinne (+428.607) gegenüber dem Ausland zurückzuführen, die das Geburtendefizit knapp ausgleichen.[59] Als eine der gegenwärtigen Herausforderungen wird demzufolge die Orientierung zu einer familienfreundlichen, kinder- und nachwuchsfördernden Gesellschaft mit Mehrkindfamilien gesehen (Pronatalismus). Bei einer Fortsetzung sehr niedriger Geburtenraten, wie in den vergangenen vier Jahrzehnten, werden für Deutschland weitgehende soziale, ökonomische und geopolitische Problemstellungen vorhergesagt.[60]
Etwa 74 Millionen Personen (92,3 %) in Deutschland besaßen im Jahr 2011 die deutsche Staatsbürgerschaft. Im selben Jahr lebten insgesamt 15 Millionen Personen mit Migrationshintergrund in Deutschland. Dies entspricht knapp 19 % der Bevölkerung. Als Personen mit Migrationshintergrund zählen im Zensus 2011 alle Ausländer sowie alle Deutschen, die nach 1955 auf das Gebiet der heutigen Bundesrepublik Deutschland zugewandert sind oder mindestens einen nach 1955 zugewanderten Elternteil haben. Unter ihnen bilden die Aussiedler bzw. Spätaussiedler die größte Gruppe, gefolgt von Bürgern der Türkei, anderer Staaten der Europäischen Union und des ehemaligen Jugoslawiens.[61] Zwischen 1950 und 2002 wurden insgesamt 4,3 Millionen Menschen, oder im Land geborene oder seit langer Zeit in Deutschland lebende ehemalige Ausländer auf eigenen Antrag eingebürgert.Einwanderung
Einwohnerentwicklung Deutschlands seit 1800. Von 80,3 Millionen Einwohnern des Landes im Jahr 2011 besitzen 6,3 Millionen nicht die deutsche Staatsangehörigkeit.
In Deutschland leben Einwanderer aus praktisch allen Ländern der Welt. Nach Berechnungen aus dem Jahr 2013 machte der Bevölkerungsteil ohne deutsche Staatsangehörigkeit am 31. Dezember 2011 etwa 6,3 Millionen Einwohner aus.[52] Nach Mehrländer/Schultze[62] sprechen einige Faktoren sowie Untersuchungen der Vereinten Nationen aus dem Jahr 2006 dafür,[63] dass Deutschland „de facto bereits seit Längerem“ als Einwanderungsland anzusehen ist.[64][65] 2012 war Deutschland nach den Vereinigten Staaten das OECD-Land mit den zweitmeisten Einwanderern.[64] Wissenschaftler sehen aus demografischen und wirtschaftlichen Gründen die Notwendigkeit für mehr Zuwanderung von gut ausgebildeten Fachkräften und Akademikern, was durch die Schaffung eines ganzheitlichen Einwanderungsgesetzes nach den erfolgreichen Vorbildern in Ländern wie Australien und Kanada erreicht werden könne, mit einer transparenten und an den Fertigkeiten der Zuwanderer orientierten Steuerung.[66] Die Einwanderung mitsamt Familienzusammenführungen dürfe nicht zulasten der Sozialsysteme gehen.[67] Insbesondere Studenten der MINT-Fächer, die mehrheitlich das Land nach einiger Zeit wieder verlassen, sollen stärker an Deutschland gebunden und schneller integriert werden,[68] wofür auch mehr wissenschaftlicher Freiraum nötig sei.[69]
Die größte in Deutschland lebende Einwanderergruppe stellten im Jahr 2010 (vor den Zensuserhebungen 2011) mit 1.629.480 Personen türkische Staatsangehörige (→ Türkeistämmige in Deutschland). Aus Mitgliedstaaten der Europäischen Union leben rund 2,4 Millionen Menschen auf dem Gebiet der Bundesrepublik. Den größten Anteil haben hier Italiener (517.546), Polen (419.435) und Griechen (276.685). Der Anteil der europäischen Staatsbürger aus Nicht-EU-Ländern hatte sich durch Migration insbesondere aus Ex-Jugoslawien (etwa eine Million) und aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion in den 1990er-Jahren erhöht. Ferner leben in Deutschland 824.352 Menschen mit einer asiatischen Staatsangehörigkeit, 271.431 Afrikaner und 215.213 Amerikaner (davon 107.755 aus den Vereinigten Staaten, ohne Expats).[70] 2010 erwarben rund 101.600 Personen die deutsche Staatsbürgerschaft (2006: 124.566) durch Einbürgerung.[71]
Im Jahr 2011 ergibt sich ein Gesamtanteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund im Sinne der amtlichen Statistik (d. h. seit 1949 von außerhalb in das heutige Bundesgebiet eingewanderte Personen und deren Nachkommen; hierbei ist zu beachten, dass Spätaussiedler und Vertriebene, die erst seit bzw. nach 1949 im Bundesgebiet siedeln, im Zensus als Migranten geführt werden, obgleich sie ethnisch der deutschen Diaspora zugehörig sind) von etwa 19 Prozent (15 Millionen Einwohner) und einen Gesamtanteil der Bevölkerung ohne deutsche Staatsangehörigkeit von 8,3 Prozent (6,6 Millionen Einwohner). Der Bevölkerungsanteil von Ausländern und Menschen mit Migrationshintergrund ist regional sehr unterschiedlich, wobei die höchsten Anteile in den Ballungsräumen des Südens erreicht werden, während in den ländlichen Gebieten Ost- und Norddeutschlands nur wenige Migranten leben. 2010 waren Offenbach am Main (25,8 %), Mannheim (23,6 %) und München (23,5 %) die kreisfreien Städte mit den höchsten Ausländeranteilen, während dieser in 43 Landkreisen und zwei kreisfreien Städten in den neuen Ländern bei unter 2 % lag.[72]
Die Zahl der gesamten polnischen Diaspora in Deutschland, die bereits seit dem 19. Jahrhundert existiert („Ruhrpolen“), beläuft sich auf weit über zwei Millionen, wobei die meisten seit Generationen von der einheimischen Bevölkerung assimiliert sind.
Siehe auch: Einwanderung in Deutschland, Blaue Karte EU und Zuwanderungsgesetz
Sprachen und Dialekte
→ Hauptartikel: Deutsche Sprache
Kenntnisse der deutschen Sprache in den Ländern der Europäischen Union. Das Deutsche ist die meistgesprochene Muttersprache in der EU und dort eine von drei Arbeitssprachen.
Die in Deutschland hauptsächlich verbreitete Sprache ist Deutsch (Hochdeutsch), gefolgt von Niederdeutsch mit abweichenden Zahlenangaben über die Gesamtanzahl der aktiven Sprecher von rund 5,5 Millionen Sprechern[73] bis rund elf Millionen, davon ungefähr vier Millionen, die die Sprache gut bis sehr gut beherrschen.[74]
Deutsch wird als Standardsprache im Amtsgebrauch (Amtssprache), in den überregionalen Medien und als Schriftsprache verwendet; als Sprache des Alltags wird es in vielen Regionen fast ausschließlich gesprochen (oft regional leicht eingefärbt). Der Übergang zu den deutschen Dialekten ist fließend. Neben Französisch und Englisch ist Deutsch eine von den drei am häufigsten verwendeten Amts- und Arbeitssprachen der Europäischen Union.
Angestammte nationale Minderheiten sind Dänen (etwa 50.000[75][76][77]), Friesen (Zahlen siehe dort), Sorben (etwa 60.000) und deutsche (autochthone) Roma (offizielle Bezeichnung: „Sinti und Roma“, etwa 70.000). Als Minderheiten- oder Regionalsprachen nach der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen anerkannt sind im Einzelnen: Dänisch (sowohl Reichsdänisch, überwiegend in der Variante Sydslesvigdansk, als auch Sønderjysk), Friesisch (als Minderheitensprache: Nordfriesisch in Schleswig-Holstein, Saterfriesisch in Niedersachsen), Sorbisch (als Minderheitensprache und regional auch als Amtssprache: Obersorbisch in Sachsen, Niedersorbisch in Brandenburg), Romanes (Minderheitensprache der Roma), Niederdeutsch (Regionalsprache in Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern sowie in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt).
Die erste vollständige Bibelübersetzung ins Deutsche, 1534
Partiell besitzen in Schleswig-Holstein die Regional- und Minderheitensprachen Niederdeutsch, Dänisch und Friesisch (siehe Friesisch-Gesetz) den Rang einer Amtssprache in Deutschland. Andere in Deutschland traditionelle (wie beispielsweise die jenische Sprache oder das Jiddisch) oder neue Minderheitensprachen wurden nicht in die Charta aufgenommen.[78] Weitere ehemals verbreitete Sprachen wie Moselromanisch (im 11. Jahrhundert ausgestorben) oder Polabisch (im 18. Jahrhundert ausgestorben) werden heute nicht oder kaum mehr gesprochen.
Die Verwendung von Dialekten wird von manchen Menschen als Makel und als Erschwernis der Verständigung, von anderen als kulturelle Bereicherung empfunden. Norddeutsche verwenden die niederdeutsche Sprache oder regionale Mundarten tendenziell weniger ausgeprägt, wogegen im süddeutschen Sprachraum der Gebrauch des pfälzischen, fränkischen, bairischen, schwäbischen und alemannischen Dialekts selbst in akademischen Kreisen weniger verpönt ist. Da das Standarddeutsche sich aus hochdeutschen (mittel- und oberdeutschen) Sprachformen entwickelt hat und die Dialekte der niederdeutschen Sprache verdrängt hat, sprechen Norddeutsche tendenziell eher ein dialektfreies Deutsch als die Bevölkerung in den südlichen zwei Dritteln des Landes.
Die hannoveranische Lautung ist dem heutigen Standarddeutsch sehr verwandt. (Das Neue Rathaus in Hannover)
Die von Gehörlosen verwendete Deutsche Gebärdensprache ist seit 2002 in Deutschland als eigenständige Sprache anerkannt.
Seit der Einwanderung der Germanen in das heutige Gebiet Deutschlands sind immer wieder neuere Zuwanderer hinzugekommen, die auch ihre jeweiligen Sprachen mitbrachten (zum Beispiel die Römer in den Kolonien Germaniens, die Hunnen während der Völkerwanderung, die Hugenotten seit dem 17. Jahrhundert, die Ruhrpolen im 19. Jahrhundert). Während die Nachkommen der älteren Zuwanderungswellen sich inzwischen sprachlich weitgehend angepasst haben, verwenden diejenigen Zuwanderer, die erst in den vergangenen Jahrzehnten gekommen sind (allen voran die sogenannten Gastarbeiter, aber auch Flüchtlinge), untereinander neben dem Deutschen noch häufig ihre Muttersprache, vor allem Türkisch (etwa zwei Millionen). Daneben ist auch die russische Sprache verbreitet, zum einen unter jüdischen Kontingentflüchtlingen, aber auch unter Russlanddeutschen, zu denen nicht nur deutsche oder ‚plautdietsche‘, sondern auch russische Muttersprachler gehören. Die Angaben zur Anzahl russischer Muttersprachler variieren je nach Quelle stark und liegen bei drei bis vier Millionen. Auch die Zahl der Personen, deren Alltagssprache Polnisch ist, wird relativ hoch vermutet. Hierbei schwankt die Zahl ebenfalls je nach Quelle.
Die an Schulen vorrangig gelehrte Fremdsprache ist Englisch, gefolgt von Französisch und Latein und danach von Russisch. In den letzten Jahren ist außerdem Spanisch sowie in den westlichen Landesteilen von Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen Niederländisch immer beliebter geworden. Die Entscheidung über die unterrichteten Fremdsprachen haben die Schulministerien in den einzelnen Ländern. Weitere Fremdsprachen wie zum Beispiel Chinesisch oder Italienisch können Schüler an manchen Schulen als reguläres Unterrichtsfach oder als Arbeitsgemeinschaft (AG) wählen.[79]
Die wichtigste Verwaltungssprache in Behörden ist Deutsch, aufgrund der hohen Internationalität des Landes gibt es in mehreren Städten und Bundesländern auch Angebote in englischer Sprache, die als globale lingua franca gilt. In manchen Städten ist sie daher auch zur offiziellen Verwaltungssprache erhoben, im Jahr 2015 etwa in Düsseldorf.[80] Die Zugänglichkeit für z. B. Expats und internationale Wissenschaftler auf dem deutschen Arbeitsmarkt soll somit erhöht werden, diese Arbeitskräfte haben meist hohe Einkommen und würden sich eher entscheiden, in Deutschland zu bleiben, wenn sie die Behörden besser verstehen und nutzen können, um später die deutsche Sprache zu erlernen.[81]
Religionen
→ Hauptartikel: Religionen in Deutschland
Martin Luther (1483–1546), Gemälde von Lucas Cranach dem Älteren, 1528
In Deutschland wird Religionsfreiheit als Grundrecht garantiert. Das Verhältnis von Religion und Staat wird durch die Artikel 136 bis 139 der Weimarer Reichsverfassung (WRV) geregelt, die durch Art. 140 GG Bestandteil des Grundgesetzes sind. Danach gilt neben der Religionsfreiheit die weltanschauliche Neutralität des Staates und das Selbstbestimmungsrecht der Religionsgemeinschaften. Auf dieser Basis ist das Verhältnis von Religionsgemeinschaften und Staat partnerschaftlich; es gibt also keine strikte Trennung von Kirche und Staat wie im Laizismus, sondern in vielen sozialen und schulisch-kulturellen Bereichen bestehen Verflechtungen, beispielsweise über kirchliche, aber staatlich mitfinanzierte Trägerschaft von Kindergärten, Schulen, Krankenhäusern oder Pflegeheimen. Ebenso berufen sich einige deutsche Parteien auf die christliche Tradition des Landes. Die christlichen Kirchen besitzen den Status von Amtskirchen und sind Körperschaften des öffentlichen Rechts, aufgrund des geltenden Staatskirchenrechts jedoch sui generis.[82] Durch den verliehenen Körperschaftsstatus sollen den Kirchen und den ihnen insoweit gleichgestellten Religionsgemeinschaften vielmehr bestimmte, dem öffentlichen Recht eigentümliche Gestaltungsmöglichkeiten eingeräumt werden, ohne dass sie dabei aber einer Staatsaufsicht unterliegen; stattdessen wird sowohl der kirchliche Öffentlichkeitsauftrag teilweise in Kirchenverträgen mit den Ländern oder den entsprechenden Regelungen in den Landesverfassungen anerkannt wie auch die besondere, originäre Kirchengewalt rechtlich bekräftigt.[83]
J. A. Ratzinger, Papst Benedikt XVI., 2005 bis 2013 Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche
Wie der größte Teil West- und Mitteleuropas ist das heutige Deutschland in einem bis zur Antike zurückreichenden historischen und kulturellen Kontext christlich-abendländisch, und seit etwa dem 18. Jahrhundert ebenso aufgeklärt-wissenschaftlich geprägt. Dieser Prägung liegen Einflüsse aus der antiken griechischen und römischen Kultur ebenso zugrunde wie jüdische und christliche Traditionen, die sich seit Beginn der Christianisierung Nordwesteuropas, ab etwa dem 4. Jahrhundert, mit germanischen Traditionen vermischt hatten. Das Gebiet des heutigen Deutschland wurde seit dem frühen Mittelalter christianisiert. In der fränkischen Zeit wurde im Reich Karls des Großen die entsprechende Missionierung, teilweise durch Zwangsmaßnahmen abgeschlossen. Im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation begann die christliche Reformation Anfang des 16. Jahrhunderts, angeführt von Martin Luther. Sie prägt die religiöse Landschaft im deutschen Sprachraum bis heute mit.
Das protestantische Ulmer Münster gilt als höchstes Kirchengebäude der Welt.
Etwa 60 Prozent der Bevölkerung gehören einer christlichen Konfession an: römisch-katholische Kirche 29,5 Prozent (tendenziell überwiegend in West- und Süddeutschland),[84][85] Evangelische Kirche in Deutschland (Lutheraner, Reformierte und Unierte) 27,9 Prozent (tendenziell vor allem in Norddeutschland);[84] andere christlichen Kirchen wie orthodoxe und altorientalische Kirchen, die Zeugen Jehovas, die neuapostolische Kirche und Angehörige christlicher Freikirchen insgesamt ca. 3 Prozent.[84] Die Anzahl der Gottesdienstbesucher ist wesentlich geringer als die Anzahl der Kirchenmitglieder. An sogenannten Zählsonntagen besuchten 2,6 Millionen Menschen (oder 3,8 Prozent der deutschen Gesamtbevölkerung) die sonntäglichen katholischen Gottesdienste,[85] und 0,9 Millionen (oder 1,1 Prozent der Gesamtbevölkerung) jene der Evangelischen Kirche (2009).[86]
Circa ein Drittel der Gesamtbevölkerung ist konfessionslos und stellt mit 27 Millionen Personen die größte Bevölkerungsgruppe verglichen mit den einzelnen christlichen Konfessionen. In den neuen Ländern liegt dieser prozentuale Anteil zwischen 67,7 Prozent (Thüringen) und 81,7 Prozent (Sachsen-Anhalt) (Mittelwert 75,4 %).[87] Die DDR hatte eine atheistische Weltanschauung propagiert und vermittelt (siehe Jugendweihe) und den Kirchenaustritt gefördert. Aufgrund langfristiger Prozesse der Säkularisierung und des Wertewandels stieg der Anteil von Konfessionslosen an der Gesamtbevölkerung jedoch auch schon in der alten Bundesrepublik an (1970: 3,9 %; 1987: 11,4 %). Diese Entwicklung setzte sich nach der Wende im vereinten Deutschland fort (1990: 22,4 %; 2004: 34,6 %).[88]Zentralmoschee
Köln
Alte Synagoge
Essen
Islamische Gemeinden haben etwa vier Millionen Mitglieder – der Anteil der Muslime an der Gesamtbevölkerung beträgt zwischen 4,6 und 5,2 Prozent – und sind vorwiegend ausländischer Herkunft, davon mittlerweile etwa 45 % deutsche Staatsangehörige.[89] Um für die Vielzahl an islamischen Organisationen einen Dachverband zu erhalten, der für Außenstehende als Ansprechpartner fungieren kann, wurde der Koordinierungsrat der Muslime in Deutschland gegründet.
Die Deutsche Buddhistische Union geht von einer Zahl von 250.000 aktiven Buddhisten in Deutschland aus, die Hälfte davon sind eingewanderte Asiaten. Dies entspricht 0,3 Prozent der Bevölkerung.
Etwa 200.000 Personen sind Juden,[84] davon sind etwa die Hälfte in jüdischen Gemeinden organisiert. Seit den 1990er-Jahren verzeichnen diese einen starken Zuwachs durch Zuwanderer aus den ehemaligen Ostblockstaaten, vor allem aus der Ukraine und aus Russland. Nach Frankreich und dem Vereinigten Königreich hat Deutschland die drittgrößte jüdische Gemeinschaft Europas.
Bestimmte christliche Kirchen sowie die jüdischen Gemeinden erheben von ihren Mitgliedern eine Kirchensteuer, die der Staat gegen eine Aufwandsentschädigung einzieht und an die jeweiligen Kirchen (beziehungsweise an den Zentralrat der Juden in Deutschland) weiterleitet.
Des Weiteren ist der Religionsunterricht laut Grundgesetz fakultatives, aber dennoch ordentliches Unterrichtsfach in den öffentlichen Schulen (mit Ausnahme weniger Länder wie Bremen, Berlin und Brandenburg). Dieser Unterricht wird oft von einem Vertreter einer der beiden großen christlichen Amtskirchen abgehalten.
Geschichte
→ Hauptartikel: Geschichte Deutschlands
Kurzüberblick
Die geschichtliche Entwicklung Deutschlands reicht weit zurück und kann bis zu den Indogermanen in vorantiker Zeit zurückverfolgt werden. Das Land umfasste wechselnde Gebiete und Völker und bildete erst im späten 19. Jahrhundert einen Nationalstaat. Im Verlauf der Völkerwanderung brach das Weströmische Reich im 5. Jahrhundert n. Chr. zusammen. Es etablierten sich germanisch-romanische Nachfolgereiche, wovon das von den Merowingern gegründete Frankenreich das bedeutendste war. Im Frühmittelalter expandierte das Frankenreich unter den Karolingern und umfasste in der Zeit Karls des Großen weite Teile des heutigen Deutschlands, der Benelux-Länder, Frankreichs, Italiens, der Schweiz und Österreichs. Nach dem Zerfall des Karolingerreichs im 9. Jahrhundert wurde das Ostfrankenreich zur Keimzelle des späteren Deutschlands, ohne dass sich im Mittelalter ein „deutsches Nationalbewusstsein“ entwickelte. Das sich im 10. Jahrhundert formierende römisch-deutsche Reich, das seit dem Spätmittelalter auch als Heiliges Römisches Reich bezeichnet wurde, hatte vielmehr übernationalen Charakter und war letztlich ein überstaatliches Gebilde.[90] Die Herrschaftsgewalt der römisch-deutschen Könige und Kaiser war viel weniger ausgeprägt als in den westeuropäischen Reichen, während die zahlreichen Landesherren eine vergleichsweise starke Stellung innehatten. Dies begründete die Tradition des deutschen Föderalismus, wodurch sich bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches keine herrschaftliche Zentralgewalt durchsetzen konnte. Das Reich wurde in der Frühen Neuzeit durch Reformation, Gegenreformation und den Dreißigjährigen Krieg herausgefordert.
Nach der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches 1806 und der 1813 gegen Napoleon gewonnenen Völkerschlacht bei Leipzig wurde 1815 der Deutsche Bund als lockerer Zusammenschluss gebildet. Während der Revolution 1848/1849 bildete sich mit der Frankfurter Nationalversammlung das erste deutsche Parlament, das jedoch wegen vieler Widerstände nur ein Jahr überdauerte. Der Deutsche Bund bestand bis 1866, als die zunehmenden Spannungen zwischen den deutschen Führungsmächten Österreich und Preußen sich im offenen Machtkampf entluden. Preußen siegte militärisch, so dass 1867 der Norddeutsche Bund unter preußischer Vorherrschaft gebildet wurde. Während des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71 wurde das Deutsche Reich als erster deutscher Nationalstaat gegründet, der aber auch in seinen Grenzgebieten eine Reihe von Minderheiten einschloss. In der „Deutsches Kaiserreich“ genannten Epoche zwischen 1871 und 1918 war Deutschland bundesstaatlich organisiert und verwirklichte eine konstitutionelle Monarchie. Während der Gründerzeit wurde Deutschland zur größten Wirtschaftsmacht Europas. Nach der militärischen Niederlage im Ersten Weltkrieg kam es 1918 zur Novemberrevolution und zur Bildung einer parlamentarisch-demokratischen Republik. Die sogenannte „Weimarer Republik“ hatte trotz „Goldener Zwanziger“ unter innenpolitischer Instabilität zu leiden. Der erste demokratische deutsche Staat ging infolge der Weltwirtschaftskrise und der „Machtergreifung“ durch die Nationalsozialisten unter Führung von Adolf Hitler unter. Es folgte von 1933 bis 1945 die Zeit des Nationalsozialismus, in der Gegner der totalitären und rassistischen Diktatur verfolgt und ermordet wurden, während das Regime die Erweiterung der Grenzen anstrebte. Dies mündete in den von Deutschland begonnenen Zweiten Weltkrieg, Massenmorde (einschließlich des Holocaust) und endete mit der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands am 8. Mai 1945.
Die vier alliierten Siegermächte führten die Aufteilung Deutschlands und Berlins durch: Eine östliche und drei westliche Besatzungszonen wurden gebildet. In den drei Westzonen entstand nach freiheitlich-demokratischem und marktwirtschaftlichem Leitbild mit der Verkündung des Grundgesetzes am 23. Mai 1949 die Bundesrepublik Deutschland,[91] aus der sowjetischen Zone wurde die sozialistische Deutsche Demokratische Republik (DDR). Während des Kalten Krieges blieb Deutschland geteilt, bis es am 9. November 1989 zum Fall der Berliner Mauer kam. Dies war das Resultat der friedlichen Revolution in der DDR und dem damit einhergehenden Zusammenbruch der SED-Diktatur. Am 3. Oktober 1990 kam es schließlich zur deutschen Vereinigung, der Tag der Deutschen Einheit ist seitdem der Nationalfeiertag. Deutschland ist überdies Gründungsmitglied der am 7. Februar 1992 begründeten Europäischen Union und ein Motor der europäischen Integration.
Urgeschichte, frühe Stämme und Römerzeit
Die Himmelsscheibe von Nebra (heutiges Sachsen-Anhalt), ca. 1600 v. Chr.
Die ältesten Siedlungsbelege auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik Deutschland sind etwa 700.000 Jahre alt, man geht von einer dauerhaften Besiedlung seit rund 500.000 Jahren aus. In Deutschland existieren bedeutende paläoanthropologische Fundstätten: Nach dem Fundort bei Heidelberg wurde die Hominini-Art Homo heidelbergensis und nach dem Neandertal in Mettmann der Homo neanderthalensis, der aus dem Homo heidelbergensis hervorgegangene Neandertaler, benannt. Dieser wurde vor etwa 40.000 Jahren von dem aus Afrika zugewanderten Homo sapiens, dem modernen Menschen, verdrängt.
Die jungpaläolithische Kleinkunst aus dem Aurignacien der Schwäbischen Alb, den Höhlen Geißenklösterle, Hohle Fels, Hohlenstein und der Vogelherdhöhle, sind die ältesten figurativen Kunstwerke der Menschheit.
In der Jungsteinzeit entwickelten sich Ackerbau, Viehzucht und feste Siedlungsplätze. Aus dieser Zeit sind einige bedeutende kulturelle Funde erhalten, wie etwa die Himmelsscheibe von Nebra, die darauf deutet, dass schon um 2000 v. Chr. in dieser Region Astronomie betrieben wurde.
Karte der germanischen Stämme um 50 n. Chr. (ohne Skandinavien)
Das heutige Deutschland war schon mit Beginn der Hallstattzeit (1200–1000 v. Chr.) von Süd- bis Mitteldeutschland keltisch besiedelt. Um 600 v. Chr. kam es in Norddeutschland zur Herausbildung der Jastorf-Kultur, die als germanische Kultur angesehen wird. Erste schriftliche Erwähnung finden die germanischen Stämme bei antiken griechischen und römischen Autoren seit dem 1. Jahrhundert v. Chr., beginnend wohl mit Poseidonios. Die Germanen selbst waren jedoch eine uneinheitliche Gruppe von verschiedenen Stämmen, die auch kein übergeordnetes Gemeinschaftsgefühl verband. Bereits der Begriff „Germanen“ (lateinisch Germani) ist ein ethnographischer, wenig präziser Sammelbegriff antiker Autoren, die damit auch ein „Barbarenbild“ verbanden.[92] „Germanen“ darf aus methodischen Gründen daher nicht als Begriff für ein einheitliches Volk missverstanden werden.[93] Die Germanen lebten mit den Kelten in Nachbarschaft und in der rheinischen Kontaktzone teilweise auf sich überschneidenden Gebieten. Jahrhundertelang gab es kulturellen und wirtschaftlichen Kontakt, wodurch keltische Lehnwörter in die germanischen Mundarten aufgenommen wurden.
Die römische Porta Nigra in Trier wurde um 180 n. Chr. errichtet.
Von 58 v. Chr. bis etwa 455 n. Chr. gehörten die Gebiete links des Rheins und südlich der Donau zum Römischen Reich, von etwa 80 bis 260 n. Chr. auch ein Teil Hessens (Wetterau) sowie der größte Teil des heutigen Baden-Württemberg südlich des Limes. Die römisch beherrschten Gebiete im heutigen Deutschland verteilten sich auf die Provinzen Germania superior, Germania inferior und Raetia. In diesem Gebiet gründeten die Römer viele Legionslager, die sich später zu Städten entwickeln konnten. Wichtigste Städte zu römischer Zeit waren Trier, Köln, Augsburg und Mainz (die ältesten Städte Deutschlands). Die Gebiete im heutigen Deutschland, die außerhalb der römischen Herrschaft lagen, bezeichnete das Römische Reich als Magna Germania oder Barbaricum.
Zur Sicherung der Grenzen siedelten die Römer befreundete germanische Stämme in den Provinzen an. Außerdem wanderten Siedler aus anderen Teilen des Römischen Reiches, insbesondere aus Italien, ein und wurden westlich des Rheins und südlich der Donau sesshaft. Weitreichende Neuerungen, die auch das deutsche Vokabular beeinflussten, führten die Römer insbesondere in Hausbau, Handwerk, Wein- und Ackerbau sowie Verwaltung und Militär ein. Tacitus’ im Jahr 98 entstandene Schrift Germania ist die älteste völkerkundliche Beschreibung der germanischen Stämme. Mit der Varusschlacht im Teutoburger Wald im Jahr 9 n. Chr. erlitten die Römer durch verbündete Germanen unter Führung des Arminius eine vernichtende Niederlage. Die Bemühungen der Römer zur Errichtung rechtsrheinischer Provinzen bis zur Elbe endeten schließlich.[94]Völkerwanderung und Frühmittelalter (375–962)
→ Hauptartikel: Völkerwanderung und Frühmittelalter
Die Krönung Karls des Großen, Fresko von Raffael, zwischen 1516 und 1517
Nach dem Einfall der Hunnen 375 und mit dem Niedergang Westroms ab 395 setzte die Völkerwanderung ein, in deren Verlauf die germanischen Stämme immer weiter nach Südwesten zogen (→ Spätantike). Gleichzeitig bildeten sich auf dem Gebiet des heutigen Deutschland mehrere Großstämme heraus, die die kleineren germanischen Stämme der römischen Kaiserzeit verdrängten. Dies sind Franken und Alamannen im Westen, Sachsen im Norden, Bayern im Süden und Thüringer im Osten. In die fast menschenleeren Gebiete des heutigen Ostdeutschlands wanderten im 7. Jahrhundert bis zur Elbe-Saale-Linie slawische Stämme ein. Weite Teile der Bevölkerung der heutigen ostdeutschen Bundesländer waren daher bis ins hohe Mittelalter slawisch geprägt (Germania Slavica). Erst im Zuge der hochmittelalterlichen Ostsiedlung wurden sie assimiliert und akkulturiert. Der Hauptteil West- und Mitteleuropas und damit auch große Gebiete des heutigen Süd- und Westdeutschlands wurden vom Ende des 6. Jahrhunderts entstandenen Frankenreich eingenommen, das heutige Norddeutschland wurde von den Sachsen und Slawen beherrscht. Alle heute zu Deutschland gehörigen Gebiete des einstigen Frankenreichs lagen im östlichen Teilreich, das seit der Merowingerzeit als Austrien bezeichnet wurde. Eine gewisse Eigenstaatlichkeit Austriens wurde erstmals im Jahre 614 offenbar, als König Chlothar II. das Edictum Chlotharii unterschreiben musste, in dem festgehalten wurde, dass jedes der drei fränkischen Teilreiche (Neustrien, Austrien, Burgund) einem eigenen Hausmeier unterstand.
Die Gebietsaufteilung im Vertrag von Verdun, 843
Mitte des 8. Jahrhunderts trat im Frankenreich mit Pippin dem Jüngeren die Dynastie der Karolinger die Königsnachfolge der Merowinger an. Nach der blutigen Unterwerfung und Zwangsmissionierung der Sachsen, den Eroberungen in Italien, Nordspanien und im östlichen Grenzraum, erstreckte sich das Frankenreich unter Karl dem Großen von den Pyrenäen bis zur Nordsee, dem heutigen Österreich und bis nach Mittelitalien. Das Vielvölkerreich wurde neu organisiert, auf den Gebieten der Kirchenorganisation und der Kultur knüpfte man partiell an römische Traditionen an und trieb eine nachhaltige Kulturförderung voran (sogenannte Karolingische Renaissance bzw. Karolingische Bildungsreform). Auf dem Höhepunkt der fränkischen Macht wurde durch die Theorie der translatio imperii ein Anspruch auf die Nachfolge Roms und die Führungsmacht im westlichen Europa formuliert. Zu Weihnachten 800 ließ sich Karl von Papst Leo III. in Rom zum römischen Kaiser krönen, was zu Auseinandersetzungen mit den byzantinischen Kaisern führte (Zweikaiserproblem). Nach Karls Tod im Jahr 814 kam es zu innerdynastischen Kämpfen unter seinen Nachfolgern. Dies führte im Vertrag von Verdun (843) zur faktischen Dreiteilung des Reiches in das Ostfrankenreich, unter Ludwig (später „Ludwig der Deutschen“ genannt), das Westfrankenreich unter Karl dem Kahlen und dem zwischen ihnen liegenden Königreich Lothars I., das den Namen Lotharingien erhielt.
Im ostfränkischen Reich bildeten sich im um 900 fünf große Herzogtümer, die meist als (die jüngeren) Stammesherzogtümer bezeichnet werden, da sich ihre Namen in der Regel auf alte westgermanische Großstämme beziehen: das Stammesherzogtum Sachsen, das Stammesherzogtum Baiern, das Herzogtum Schwaben, das Herzogtum Franken und das Herzogtum Lothringen, zu dem auch die Friesen gehörten.
Im 10. Jahrhundert starb das karolingische Herrschergeschlecht sowohl in West- wie auch in Ostfranken aus, beide Reichsteile waren politisch fortan endgültig getrennt. Die siegreiche Schlacht auf dem Lechfeld im Jahre 955, die eine jahrzehntelange Serie der Einfälle von Magyaren beendete, führte zu einem erheblichen Prestigegewinn des ostfränkischen Königs Otto, der seit 951 auch die langobardisch-italienische Königswürde trug, und zur Zuordnung des Erzengels Michael als Schutzpatron der Deutschen.
Vom Ostfrankenreich zum Heiligen Römischen Reich (962–1806)
→ Hauptartikel: Heiliges Römisches Reich
Das Reichsgebiet im 10. Jahrhundert (rot umrandet), später als Heiliges Römisches Reich bekannt (1157 erstmals als Sacrum Imperium belegt)
Der Aachener Dom diente bis 1531 insgesamt 31 deutschen Herrschern als Krönungsstätte.
In der neueren historischen Forschung wird zwar die Bedeutung der Ottonenzeit für die Ausformung des Ostfrankenreichs betont, sie gilt aber nicht mehr als Beginn der eigentlichen „deutschen“ Reichsgeschichte (siehe auch Deutschland im Mittelalter).[95] Der damit verbundene komplexe Prozess zog sich vielmehr mindestens bis ins 11. Jahrhundert hin.[96] Der Terminus regnum Teutonicum („deutsches Königreich“) bzw. regnum Teutonicorum („Königreich der Deutschen“) taucht erst zu Beginn des 11. Jahrhunderts in den Quellen auf.[97] Es handelte sich aber nie um den offiziellen Reichstitel (Imperium, mit den späteren Zusätzen „Heilig“ und „Römisch“ sowie schließlich „deutscher Nation“), sondern wurde nicht zuletzt von päpstlicher Seite genutzt, um damit die Herrschaftsansprüche der römisch-deutschen Könige zu relativieren.[98]
Durch die 951 von Otto I. angenommene langobardische Königswürde war das Regnum Teutonicorum mit dem Regnum Italiae, auch Regnum Italicum oder Reichsitalien genannt, verbunden. 962 wurde Otto zum Kaiser gekrönt und verband damit den Anspruch der römisch-deutschen Königswürde auf das westliche „römische“ Kaisertum (Reichsidee). Das in der modernen Forschung als römisch-deutsches Reich bezeichnete Imperium nahm unter den Ottonen eine hegemoniale Machtstellung im westlichen Europa ein. 1024 traten die Salier die Königsnachfolge an, die bis zum Ende des Mittelalters stets an eine Wahl durch verschiedene Große des Reichs gekoppelt war. 1033 kam als dritter Reichsteil (neben dem nordalpinen deutschen Reichsteil und Reichsitalien) noch das Königreich Burgund (Arelat) hinzu. Die Verzahnung weltlicher und geistlicher Macht durch das Reichskirchensystem (die Details sind in der neueren Forschung umstritten) führte nun zum Konflikt mit dem reformierten Papsttum (Investiturstreit), der ab etwa 1076 einsetzte, und der mit dem Wormser Konkordat 1122 eine Zwischenlösung erfuhr. Als sein Höhepunkt gilt der sprichwörtlich gewordene Gang nach Canossa 1077. Einen weiteren Höhepunkt erreichte die Auseinandersetzung zwischen Kaiser und Papst in staufischer Zeit. Kaiser Friedrich I. betonte die Würde des Kaisertums und den Honor Imperii, doch musste er in Italien gegenüber den selbstbewussten Stadtstaaten und dem Papsttum schwere Rückschläge hinnehmen. Der schärfste Konflikt zwischen Kaiser und Papst entbrannte unter Friedrichs Enkel Friedrich II. und endete faktisch mit dem Tod des Kaisers 1250 und dem Zusammenbruch der staufischen Königsherrschaft.
In Form der Territorialstaaten verselbstständigten sich faktisch zahlreiche Feudalherrschaften zu Lasten der königlich-kaiserlichen Macht. Diese war aber nie besonders stark ausgeprägt und die mittelalterlichen Könige waren zur effektiven Herrschaftsausübung auf den Konsens mit den Großen des Reiches angewiesen (konsensuale Herrschaft).[99] Kaiser Heinrich VI., ein Sohn Friedrich Barbarossas, war schon Ende des 12. Jahrhunderts mit dem Versuch gescheitert, durch den Erbreichsplan die Erbmonarchie einzuführen. Während sich das Westfrankenreich in einem längeren Prozess zum französischen Zentralstaat entwickelte, blieb das Ostfrankenreich bzw. das Römisch-Deutsche Reich durch Landesherren und das Recht der Königswahl geprägt. Die Machtstellung der Fürsten nahm infolge des Interregnums noch einmal zu. Mitte des 13. Jahrhunderts setzte sich im Heiligen Römischen Reich, eine erst in dieser Zeit aufkommende Bezeichnung, die Auffassung durch, dass einem Kollegium der Kurfürsten, die seit Beginn des 13. Jahrhunderts als eine Gruppe mächtiger Fürsten hervortraten, die Wahl des Königs zustehe. Die Goldene Bulle von 1356 legte endgültig eine kurfürstliche Wahlmonarchie fest, deren politische Grundlage sich durch das Bündnis des Kurvereins von Rhense bereits im Jahr 1338 formiert hatte. Obwohl die Könige und Kaiser wiederholt versuchten, ihre Position zu stärken, blieb das Reich ein supranationaler Verband großer, mittelgroßer und vieler Klein- und Kleinstterritorien sowie Freier Reichsstädte (→ Historisches Territorium).
Das Spätmittelalter (ca. 1250–1500) wird in der neueren Forschung im Gegensatz zur älteren Lehrmeinung nicht mehr als Niedergangszeit begriffen.[100] Die Zeit bis ins späte 14. Jahrhundert war stark vom Wahlkönigtum geprägt: Drei große Familien, die Habsburger, die Luxemburger und die Wittelsbacher, verfügten über den größten Einfluss im Reich und über die größte Hausmacht. Als bedeutendster spätmittelalterlicher römisch-deutscher König gilt Karl IV.[101] Neben Krisen wie der Pest (Schwarze Tod) Mitte des 14. Jahrhunderts, die Agrarkrise und das abendländische Schisma, florierten aber auch die Städte, der Handel und es begann der Übergang in die Renaissance. Im Reich traten die Habsburger das Erbe der Luxemburger an, die 1437 in männlicher Linie ausstarben, und stellten nun bis zum Ende des Reichs fast kontinuierlich die römisch-deutschen Herrscher.
Zu Beginn der Neuzeit verfolgte Kaiser Karl V. aus der Dynastie der Habsburger durch Kaisertum und spanisches Königtum das Konzept einer Universalmonarchie. Er erlangte einen globalen Wirkungsbereich, der neben der Vorherrschaft in Europa auch ein überseeisches spanisches Kolonialreich einschloss.[102] 1517 trat Martin Luther mit der Forderung nach einer grundlegenden Reform der Kirche auf und legte damit das Fundament für die Reformation. Die innerkirchlichen und theologischen Auseinandersetzungen in Verbindung mit einer anti-römischen (anti-päpstlichen) Haltung bestärkten die Reformation, aus der zahlreiche „protestantische“ Konfessionen hervorgingen. Die Gegenreformation war die Reaktion der katholischen Kirche, doch behauptete sich die evangelische Kirche in weiten Teilen des Reiches. Bald bestimmte der Landesherr die Konfession seiner Untertanen (Cuius regio, eius religio), der Augsburger Reichs- und Religionsfrieden von 1555 schaffte einen vorläufigen Ausgleich. Nach dem mit hohen Todesopfern und zahlreichen verheerten Landschaften verbundenen Dreißigjährigen Krieg (1618–1648), der sowohl durch konfessionelle als auch durch habsburgisch-französische Gegensätze ausgelöst worden war, hatte der römisch-deutsche Kaiser infolge der Regelungen des Westfälischen Friedens und des ihm folgenden Jüngsten Reichsabschieds eine deutlich geschwächte, eher auf die Repräsentation des Reichs beschränkte Machtstellung. Die Reichsfürsten gingen gestärkt aus diesem Konflikt hervor, hatten sie mit dem Frieden sogar das Recht erhalten, mit auswärtigen Mächten Verträge abzuschließen. Das Reich wurde dadurch de facto zu einem Staatenbund,[103] de jure blieb es bis zum Ende 1806 ein monarchisch geführtes und ständisch geprägtes Herrschaftsgebilde, in denen die einzelnen Reichsglieder jedoch weitgehend unabhängig agierten. Frankreich hatte im Krieg die Protestanten unterstützt, um Habsburg zu schwächen; es betrieb eine gezielte Expansionspolitik im Grenzraum und besetzte mehrere Reichsterritorien (Reunionspolitik), was erneut zu Spannungen führte. Ab 1663 erörterten Kaiser und Reichsfürsten ihre politischen Angelegenheiten im Reichstag durch ihre Gesandten permanent (Immerwährender Reichstag).
Der politische Aufstieg Preußens im 18. Jahrhundert führte zum Konflikt mit dem Hause Habsburg. Im 17./18. Jahrhundert entwickelte sich nach französischem Vorbild der Absolutismus, der jedoch anders als dort nicht die königliche Zentralgewalt, sondern einzelne Fürstentümer zu bürokratisch organisierten, frühmodernen Staaten werden ließ. Manche Herrscher, insbesondere König Friedrich II. von Preußen, aber partiell auch seine kaiserlichen Rivalen Maria Theresia, Franz I. und Joseph II., öffneten sich dem philosophischen Zeitgeist (Aufgeklärter Absolutismus).
Dieser Zustand währte bis 1806, als Napoleon I. Mitteleuropa eroberte und das schwache Reichsgebilde zum Einsturz brachte. Der letzte Kaiser des nur noch formell bestehenden Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, Franz II., der erst 1804 auch Kaiser des durch ihn gegründeten österreichischen Vielvölkerstaates geworden war, legte die Reichskrone nieder. Damit erlosch das Reich.Rheinbund, Deutscher Bund, Norddeutscher Bund (1806–1871)
→ Hauptartikel: Rheinbund, Deutscher Bund, Deutsche Revolution 1848/1849 und Norddeutscher Bund und
Der Deutsche Bund 1815–1866
Unter Napoleons Einfluss war zwischen 1801 und 1806 durch den Frieden von Lunéville, den Reichsdeputationshauptschluss und die Rheinbundakte die Anzahl der Staaten im Gebiet des „Alten Reiches“ von etwa 300 auf etwa 60 verringert worden. Teile Deutschlands, vor allem im Westen und Nordwesten, annektierte Frankreich 1790 bis 1793, 1797 bis 1801, 1806, 1808 sowie 1811. Darüber hinaus schuf es sich deutsche Vasallenstaaten, etwa das Königreich Westphalen, das Großherzogtum Berg und das Großherzogtum Frankfurt, deren Throne Napoleon mit Angehörigen seiner Familie besetzte. Kleine und mittlere deutsche Staaten baute Napoleon zu Bündnispartnern auf, indem er ihnen Gebietserweiterungen auf Kosten der bisherigen geistlichen Gebiete, Reichsstädte und anderer reichsunmittelbarer Stände verschaffte. Nutznießer dieses Prozesses waren vor allem Bayern, Württemberg und Baden. Der Sieg über Österreich in der Schlacht von Austerlitz 1805 erlaubte es Napoleon, seinen Einfluss in Deutschland weiter auszubauen.[104] Die vergrößerten Mittelstaaten wurden im Rheinbund vereinigt und standen so als Verbündete zur Verfügung. Im Ergebnis hatte Frankreich damit den bisherigen Rivalen, das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, ausschalten, große Teile seines Territoriums annektieren und das übrige Gebiet im Wesentlichen in drei Teile aufspalten können: Rheinbund, Preußen und Österreich.
Diese Zeit der französischen Vorherrschaft brachte in den Rheinbundstaaten erhebliche Modernisierungsanstöße, so etwa in Bayern unter dem Minister Maximilian von Montgelas.[105] Teils eigenständig blieben die stark beschnittenen Konkurrenten Österreich und Preußen. Auch in Preußen wurden nach der katastrophalen Schlacht bei Jena und Auerstedt 1806 tiefgreifende Reformen unternommen, um den Staat wieder handlungs- und wehrfähig zu machen.
Völkerschlacht bei Leipzig, 1813, Gemälde aus dem Jahr 1815
Ab 1809 regte sich Widerstand gegen die französische Besatzung. Bekannte Vorkämpfer gegen Napoleon und seine Verbündeten waren Andreas Hofer im österreichischen, nun jedoch bayerisch besetzten Tirol und Ferdinand von Schill in Preußen. Dieser Widerstand wurde jedoch zunächst niedergeschlagen.[106] Erst nach Napoleons Niederlage im Russlandfeldzug 1812 konnten Preußen und Österreich 1813 darangehen, im Bündnis mit Russland die französischen Truppen zu vertreiben. In den Befreiungskriegen (1813–1815) entstand ein neues Zusammengehörigkeitsgefühl der Deutschen, zunächst angeführt von Dozenten und Studenten der protestantischen Universitäten, z. B. im Lützower Freikorps, das auch als Ursprung der Farben Schwarz-Rot-Gold gilt. Die meisten Rheinbundstaaten gingen im Verlauf des Jahres 1813 auf die Seite der Verbündeten über, ein erster großer Erfolg war deren Sieg in der Leipziger Völkerschlacht im Oktober 1813. Weitere Kämpfe folgten bis zur endgültigen Niederlage Napoleons 1815.
Nach der Niederlage Napoleons restaurierte der Wiener Kongress (1814–1815) weitgehend die alten monarchischen Herrschaftsverhältnisse. Im Deutschen Bund, einem von dem Kaisertum Österreich und dem Königreich Preußen dominierten Staatenbund (→ Deutscher Dualismus), organisierten sich 38 Staaten (→ Drittes Deutschland). Der Bundestag, mit Sitz in Frankfurt am Main, bildete das Entscheidungsgremium. 1833/1834 wurde der Deutsche Zollverein geschaffen, in dem Preußen die vorherrschende Macht war.
Borsig Lokomotivfabrik im Berliner „Feuerland“ um 1847. Die einsetzende Industrielle Revolution verursachte einschneidende gesellschaftliche Veränderungen.
In der Ära des Vormärz bewahrte der Hochadel mithilfe einer in den Karlsbader Beschlüssen gipfelnden Repression und Restauration seine Macht. Das wirtschaftlich erstarkende Bürgertum forderte jedoch weiter Teilhabe an der politischen Macht.
Im Oktober 1817 trafen sich Professoren und Studenten zum Wartburgfest. „Höhepunkt“ war die Verbrennung von Werken von Autoren, die gegen einen deutschen Staat waren, wie zum Beispiel August von Kotzebue. Zum später so genannten Hambacher Fest trafen sich 1832 über 30.000 Menschen aus vielen Bevölkerungskreisen und Staaten. Dort wurden die Farben Schwarz-Rot-Gold gehisst, die später zu den Nationalfarben wurden (→ Flagge Deutschlands).
Frankfurter Nationalversammlung, 1848–1849. Das erste frei gewählte Parlament für ganz Deutschland tritt in der Frankfurter Paulskirche zusammen.
Am 1. März 1848 begann mit der Besetzung des Ständehauses des badischen Landtags in Karlsruhe die Märzrevolution. Durch Aufstände der Bürger mussten viele konservative Politiker ihren Platz räumen, unter ihnen der österreichische Staatskanzler Fürst Metternich, der noch im Wiener Kongress die Monarchie nach Napoleons Abtreten mitrestauriert und die Epoche seitdem geprägt hatte.
Unter dem Druck der revolutionären Ereignisse in Berlin seit dem 6. März 1848 gab der preußische König Friedrich Wilhelm IV. zunächst nach, machte Zugeständnisse und akzeptierte die Einrichtung der Frankfurter Nationalversammlung. Die von jener ausgearbeitete Paulskirchenverfassung, die Deutschland in eine geeinte konstitutionelle Monarchie umgewandelt hätte, lehnte er jedoch ebenso ab wie die ihm angetragene Kaiserkrone, die er als bürgerliche „Lumpenkrone“ bezeichnete.
Der Maiaufstand vom Mai 1849 wurde niedergeschlagen und endete am 23. Juli 1849 mit der Einnahme von Rastatt durch preußische Truppen. Die Niederlage der demokratischen Bewegung führte zu Flucht und Auswanderung der „Forty-Eighters“ und zu einer neuen Phase reaktionärer Politik in den deutschen Staaten (Reaktionsära).
Bald nach der gescheiterten Revolution von 1848/49 kam es zur Kollision Preußens mit der Großmacht Österreich um die Vormachtstellung im Deutschen Bund, die zum Preußisch-Österreichischen Krieg (später auch „Deutscher Krieg“) von 1866 führte. Nachdem Preußen diesen Krieg für sich entschieden hatte, kam es zur Auflösung des Deutschen Bundes. Preußen annektierte etliche Gebiete nord- und mitteldeutscher Kriegsgegner, so dass sich die Zahl der deutschen Staaten weiter verringerte.
1867: Der Norddeutsche Bund
1866 wurde der Norddeutsche Bund zunächst als Militärbündnis gegründet. Er bekam 1867 eine Verfassung, die ihn zum Bundesstaat machte. Die Gründung des Bundes als souveränen Gesamtstaat zum 1. Juli 1867 unter preußischer Führung leitete die sogenannte kleindeutsche Lösung ein. Diese zielte entsprechend der Absicht des späteren gesamtdeutschen Gründervaters Otto von Bismarck auf eine staatliche Einigung deutscher Einzelstaaten unter der Vorherrschaft Preußens ohne die damalige Großmacht Österreich.
Deutsches Kaiserreich (1871–1918)
→ Hauptartikel: Deutsches Kaiserreich
Das Deutsche Reich wurde nach der entscheidenden Niederlage Frankreichs in der Schlacht bei Sedan im Deutsch-Französischen Krieg 1870/1871 ausgerufen. Dies geschah einhergehend mit der Proklamation des preußischen Königs Wilhelm I. vom ehemaligen Amt des Vorsitzenden des Bundesrates zum ersten Deutschen Kaiser am 18. Januar 1871 im Spiegelsaal von Versailles. Damit war der erste deutsche Nationalstaat offiziell begründet.
Die Proklamation des Deutschen Kaiserreichs, Gemälde von Anton von Werner aus dem 19. Jahrhundert: Reichsgründung im Schloss Versailles, 1871. Bismarck wird erster Reichskanzler.
Mit der Reichsgründung wurden Gebiete eingegliedert, die zuvor nicht oder eine längere Zeit nicht zum einstigen Heiligen Römischen Reich gehört hatten. Dazu zählten Teile von West- und Ostpreußen, das überwiegend polnischsprachige Gebiet Posen und Schleswig. Frankreich trat deutsch- und französischsprachige Teilgebiete der Regionen Lothringen und Elsass ab, welche als „Reichsland Elsaß-Lothringen“ als reichsunmittelbare Gebietskörperschaft ohne Gliedstaatrechte angegliedert wurden (1879 trat für alle reichsländischen Angelegenheiten ein Statthalter an die Stelle des Reichskanzlers).
Otto von Bismarck hatte als preußischer Ministerpräsident auf die Reichsgründung hingewirkt, maßgeblich die Reichsverfassung entworfen und wurde nun erster Reichskanzler. Seine Politik stützte die Macht des monarchischen Staates, war aber in wichtigen Politikfeldern auf Modernisierung ausgelegt und in manchen Fragen ambivalent. Mit dem Reichstag entstand das erste voll funktionsfähige und bindende Parlament Deutschlands. Gegen die katholische Kirche führte er einen sogenannten Kulturkampf, in dessen Folge sogar Bischöfe inhaftiert wurden. Inhaltlich waren die Gesetze unter seiner Federführung (zur Schule, zur Ehe) oft eher liberal. Um die Liberalen im Parlament künftig überstimmen zu können, führte Bismarck bei Reichstagswahlen das demokratische Wahlrecht für alle Männer ein. Nationalliberale waren andererseits lange Zeit Partner Bismarcks. Er bekämpfte die Sozialdemokratie seit 1878 mithilfe der Sozialistengesetze, versuchte aber, die Arbeiter durch eine moderne Sozialgesetzgebung an den Staat zu binden.
Deutsches Kaiserreich, 1871–1918
Seine anfangs aggressive Außenpolitik änderte sich ab der Reichsgründung zu einer Bündnispolitik, die ein defensives Bündnissystem schuf, mit Deutschland als halbhegemonialer Macht in der Mitte Europas. Frankreich wurde isoliert und ermutigt, sich auf seine Kolonien (und nicht auf das verlorene Elsass-Lothringen) zu konzentrieren.
Dem Erwerb eigener Kolonien und später sogenannter Schutzgebiete stand Bismarck aber skeptisch gegenüber. Wirtschaftliche Schwierigkeiten und Kolonialpolitik deutscher Kaufleute führten trotzdem dazu, dass auf der Berliner Kongokonferenz 1884 eine Gruppe Deutscher sich bei der Teilung Afrikas Gebiete zusprach, sodass das Deutsche Reich in den Kreis der Kolonialmächte eintrat, nachdem schon in den frühen 1880er-Jahren deutsche Vereine Territorien in Afrika und Asien erworben hatten.
Im „Dreikaiserjahr“ 1888 kam Wilhelm II. an die Macht. Er zwang Bismarck 1890 zum Rücktritt und forderte für das wirtschaftlich und militärisch aufgestiegene Deutsche Reich die Anerkennung der bisherigen Großmächte, vor allem Englands. Dies wurde oft harsch vorgetragen mit dem Wunsch nach einem ebenbürtigen „Platz an der Sonne“ und drückte sich auch im Erwerb von Kolonien und dem Aufbau einer Flotte aus. Daraus folgten Verstimmungen in England und ein neues Bündnissystem entstand, das statt Frankreich nun Deutschland ausschloss. Das Attentat auf den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand löste im Jahre 1914 den Ersten Weltkrieg aus, nachdem Wilhelm II. seinem Bündnispartner Österreich-Ungarn eine bedingungslose Unterstützungszusage gegeben hatte, als die Donaumonarchie Serbien den Krieg erklärte. Ebenso hatte Frankreich in der Julikrise der russischen Regierung seine Hilfe zugesichert und dafür einen raschen Vormarsch der Russen auf das Deutsche Reich verlangt. Mehr als zwei Millionen deutsche Soldaten starben im Ersten Weltkrieg, rund 800.000 Zivilisten starben an Hunger.
Weimarer Republik (1919–1933)
→ Hauptartikel: Weimarer Republik
Deutsches Reich 1919–1937
Mit der deutschen Kapitulation 1918 und der Novemberrevolution endete nicht nur der Erste Weltkrieg, sondern auch die Monarchie im Deutschen Reich. Im Vertrag von Versailles wurden erhebliche Gebietsabtretungen, die Alliierte Rheinlandbesetzung und Reparationen auf Grundlage einer ebenfalls festgeschriebenen deutschen Alleinschuld am Krieg bestimmt.
Mit der Ausrufung der Republik wurde am 9. November 1918 das Kaisertum beendet. Am 30. November 1918 erhielten erstmals die Frauen mit der Verordnung über die Wahlen zur Verfassungsgebenden deutschen Nationalversammlung (Reichswahlgesetz) aktives und passives Wahlrecht für diese Nationalversammlung.[107] Die Revolutionsregierung aus rechten und linken Sozialdemokraten nannte sich „Rat der Volksbeauftragten“. Nach der Wahl der verfassunggebenden Nationalversammlung trat die Weimarer Verfassung am 14. August 1919 in Kraft.
Die Kriegsschuldfrage und die Hypothek der Reparationszahlungen belasteten von Beginn an das politische Klima der jungen Republik. Die von rechtsextremen Kräften verbreitete Dolchstoßlegende führte zu politischen Morden und Putschversuchen, von denen die wichtigsten der Kapp-Putsch 1920 und der Hitler-Ludendorff-Putsch 1923 waren. Wichtige Vertreter der demokratischen Kräfte wie Matthias Erzberger und Walther Rathenau wurden von nationalistischen Attentätern ermordet. Der erste Weimarer Reichskanzler, Philipp Scheidemann, überlebte einen Anschlag am Pfingstsonntag 1922 nur knapp. Andererseits gab es mehrere Aufstände von Kommunisten, wie den Ruhraufstand 1920, die Märzkämpfe in Mitteldeutschland 1921 und den Hamburger Aufstand 1923. Unzureichende Reparationsleistungen der Weimarer Republik nahmen Belgien und Frankreich zum Anlass, in den Jahren 1923 bis 1925 auch das Ruhrgebiet zu besetzen.
Philipp Scheidemann ruft vom Reichstagsgebäude am 9. November 1918 die Republik aus.
In den kurzen „goldenen Zwanzigern“ blühte die Kultur und ab 1924 auch die Konjunktur. Berlin war damals mit über vier Millionen Einwohnern die drittgrößte Stadt der Erde – nach New York und London – und wurde zu einer der dynamischsten Städte der Welt (siehe Berlin in der Weimarer Republik).
Ein jähes Ende erfuhr die Prosperität 1929 im Gefolge des Schwarzen Donnerstags, als durch den Zusammenbruch der New Yorker Börse die Weltwirtschaftskrise ausgelöst wurde. Zu deren Höhepunkt 1932 gab es in Deutschland mehr als sechs Millionen Arbeitslose, die größtenteils in Elend lebten. In der Folge fanden extremistische Parteien noch stärkeren Zulauf als zuvor, sodass es für die gemäßigten Parteien zunehmend schwieriger wurde, stabile Regierungen zu bilden. Nach dem Erdrutschsieg der Nationalsozialisten bei der Reichstagswahl 1930 verfügten die Reichskanzler, die in rascher Folge wechselten, über keine parlamentarische Mehrheit mehr. Die sogenannten Präsidialkabinette waren nur noch vom Reichspräsidenten Paul von Hindenburg und dessen Notverordnungen abhängig.
Die Spar- und Deflationspolitik des Reichskanzlers Brüning verschärfte die wirtschaftliche Krise noch weiter. Dessen Nachfolger Franz von Papen (Juni–November 1932) unterstellte die demokratische Regierung Preußens einem Reichskommissar („Preußenschlag“) und ließ Neuwahlen abhalten, bei denen die Nationalsozialisten noch stärker wurden. Reichskanzler Kurt von Schleicher versuchte durch eine „Querfront“ von Gewerkschaften und Teilen der Nationalsozialisten eine Machtübernahme Adolf Hitlers zu verhindern, scheiterte aber an Franz von Papen, der Hindenburg dazu überredete, Hitler trotz starken Widerwillens zum Reichskanzler zu ernennen.
Hitlers Regierung vom 30. Januar 1933 war zunächst eine Koalition von Nationalsozialisten und Teilen der Konservativen, darunter Franz von Papen und Alfred Hugenberg. Am 27. Februar kam es zum Reichstagsbrand, dessen Ursache bis heute nicht geklärt ist. Hitler nutzte die Brandstiftung, um die sogenannte Reichstagsbrandverordnung zu verabschieden, die auf unbestimmte Zeit die Grundrechte außer Kraft setzte. Die nun folgenden Massenverhaftungen politischer Gegner, insbesondere von Kommunisten und Sozialdemokraten, prägten das Vorfeld der Reichstagswahl 1933. Trotz erheblicher Stimmengewinne verfehlte die NSDAP auch hier die absolute Mehrheit und ging daher ein Bündnis mit der reaktionär geprägten DNVP ein. Die endgültige Machtübernahme erfolgte fünf Tage später, als der neu zusammengetretene Reichstag mit den Stimmen der bürgerlichen Parteien, allein gegen die Stimmen der SPD, ein Ermächtigungsgesetz verabschiedete, welches Hitlers Regierung das Recht zubilligte, Gesetze auch ohne den Reichstag zu beschließen (siehe auch: Rechtsstaatsverständnis im Nationalsozialismus).Nationalsozialistische Diktatur (1933–1945)
→ Hauptartikel: Deutsches Reich 1933 bis 1945 und Zeit des Nationalsozialismus
Großdeutsches Reich, 1943–1945
Die NSDAP errichtete im Deutschen Reich innerhalb kürzester Zeit einen totalitären Einparteienstaat unter Führung Adolf Hitlers. Missliebige Personen wurden aus allen staatlichen Organisationen entfernt. Es wurden erste Konzentrationslager errichtet, um politische Gegner zu beseitigen, insbesondere Kommunisten, Sozialdemokraten und Gewerkschafter. Eine Reihe von Direktiven sorgte für die völlige Gleichschaltung der öffentlichen Meinung im Sinne der NSDAP. Missliebige Publikationen wurden, beispielsweise in der öffentlichkeitswirksamen Bücherverbrennung, aus dem Verkehr gezogen und der gesamte Kunstbetrieb auf Parteilinie gebracht – unerwünschte Kunstwerke wurden für „entartet“ erklärt. Innerhalb kürzester Zeit durchdrang die Partei auch das Privatleben, indem die NS-Propaganda des von Joseph Goebbels geleiteten Reichspropagandaministeriums allgegenwärtig wurde und bereits auf Kinder Druck ausgeübt wurde, den Parteiorganisationen beizutreten.
Persönlich sicherte sich Hitler ab, indem er auch innerparteiliche Gegner und ehemalige Weggefährten ermorden ließ. Im angeblichen Röhm-Putsch ließ er am 30. Juni 1934 den SA-Führer Röhm und eine Reihe innenpolitischer Gegner töten, woraufhin auch die ihm lästig gewordene SA entmachtet wurde. Stattdessen setzte er auf die ihm bedingungslos ergebene SS und die Reichswehr, deren Generalität auf ihn persönlich ihren Treueeid ablegte. Die Gestapo wurde als politische Polizei zur Bekämpfung der politischen und ideologischen Gegner eingesetzt.
Von Beginn an verfolgte Hitler zwei Ziele: einen Angriffs- und Vernichtungskrieg zur Schaffung neuen „Lebensraumes im Osten“ und die Verfolgung der Juden, die mit Diskriminierung, Demütigung und Ausgrenzung begann und später im Holocaust endete. Nachdem sich Hitler der Gefolgschaft des Militärs versichert hatte, begann schon ab 1934 die Ausrichtung der Wirtschaft auf einen bevorstehenden Krieg: Die Rüstungsausgaben wurden innerhalb kürzester Zeit auf gewaltige Summen getrieben. Arbeitsprogramme, eine enthemmt expansive Geldpolitik und Schuldenwirtschaft waren die wirtschaftspolitischen Instrumente hierfür. Die damit verbundene Senkung der Arbeitslosigkeit wurde von der Bevölkerung begrüßt und als Einlösung wirtschaftlicher Versprechen aufgenommen.
Die Lage der deutschen Juden verschlimmerte sich kontinuierlich: 1935 wurden die Nürnberger Rassengesetze verabschiedet, die persönliche Beziehungen zwischen „Ariern“ und Juden als „Rassenschande“ brandmarkten und schwer bestraften. Juden verloren zuerst alle öffentlichen Ämter, wurden willkürlich verfolgt, bestohlen und erpresst und schließlich mit einem völligen Berufsverbot belegt. Unter dem Begriff „Arisierung“ wurden alle jüdischen Unternehmen enteignet. Immer häufiger wurden nun auch Juden in Konzentrationslager eingewiesen. Viele fassten den Entschluss zur Emigration, die meisten aber blieben in Deutschland, weil sie sich als Deutsche fühlten und ihre Heimat nicht verlassen wollten.
Einfahrtsgebäude des Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, Ansicht von innen, 1945
Die rassistische Weltsicht der Nationalsozialisten und ihre Bemühungen zur Schaffung einer „gesunden“ und verbrechensfreien „Volksgemeinschaft“ (vgl. Herrenrasse) betraf daneben zwei weitere als „fremdrassig“ (vgl. Fremdvölkische) geltende Bevölkerungsgruppen in Europa, Roma sowie Angehörige der slawischen Ethnien wie Polen und Russen oder Ukrainer. Nicht als „fremdrassig“, aber als die Gesundheit des „Volkskörpers“ angeblich bedrohende deutsche Bevölkerungsgruppen waren Homosexuelle, Behinderte und die zahlreichen Gruppen der „Asozialen“ von der rassenhygienischen Utopie und also von Repression, Gewalt und Mord betroffen.
Währenddessen feierte das Regime einige Propagandaerfolge. 1935 stimmte das Saarland für eine Rückkehr ins Reich und wurde eingegliedert, 1936 verbesserten die Olympischen Spiele das Ansehen im Ausland, im gleichen Jahr erfolgte die erneute Besetzung des entmilitarisierten Rheinlands. Die aggressive Expansion über die deutschen Grenzen hinaus begann mit dem Anschluss von Österreich im Jahr 1938, der unter dem Jubel großer Teile der Bevölkerung betrieben wurde, woraufhin Deutschland als „Großdeutsches Reich“ bezeichnet wurde (vgl. Großdeutsche Lösung) – ab dem 26. Juni 1943 trug das Deutsche Reich hinfort auch offiziell den Namen Großdeutsches Reich. Gemäß dem Münchner Abkommen erreichte Hitler im November 1938 die Annexion des mehrheitlich von Deutschen besiedelten Sudetenlandes.
Erst als Deutschland im März 1939 auch in das restliche Tschechien einmarschierte und es als „Protektorat Böhmen und Mähren“ dem Reichsgebiet zuschlug, ebenso wie das von Litauen rückabgetretene Memelland, erkannten die anderen Staaten den Fehler, den sie mit ihrer Beschwichtigungspolitik (Appeasement-Politik) begangen hatten.
Nachdem Deutschland schließlich am 1. September 1939 damit begonnen hatte, Polen anzugreifen, erklärten das Vereinigte Königreich und Frankreich Deutschland den Krieg. Der Zweite Weltkrieg forderte in sechs Jahren geschätzte 55 bis 60 Millionen Tote. Mit einer Serie erfolgreicher Aktionen, die als Blitzkrieg in die Geschichte eingingen, gelangen Deutschland zunächst bedeutende militärische Erfolge. Polen wurde im Nichtangriffspakt zwischen Hitler und Stalin aufgeteilt, die Wehrmacht warf anschließend ihre Armeen nach Westen, überfiel die neutralen Staaten Luxemburg, Belgien und Niederlande und besetzte innerhalb von sechs Wochen Frankreich. Zu diesem Zeitpunkt erreichte Hitlers Popularität im Volk seinen Höhepunkt; der Machtbereich des Deutschen Reichs erstreckte sich nun vom Elsass bis nach Krakau.
Mit Kriegsbeginn verschlechterte sich auch das Schicksal der Juden und der anderen verfolgten Minderheiten. Die Ausreise wurde verboten, die Juden wurden in Ghettos gezwungen und mussten den „Judenstern“ tragen, ab Herbst 1939 im besetzten Polen und ab Herbst 1941 im Reich. Bei unzureichender Verpflegung und ständig ausbrechenden Seuchen mussten sie Zwangsarbeit in der Kriegswirtschaft verrichten. Viele von ihnen starben an Entkräftung, Hunger oder Misshandlungen.
Köln am Ende des Bombenkrieges, April 1945
Im Jahre 1941 begann die systematische Ermordung der Juden – der genaue Zeitpunkt oder ein einzelner Befehl Hitlers dazu ist nicht bekannt. Auf der Wannseekonferenz im Januar 1942 wurden dazu administrativ die Weichen gestellt (sog. Endlösung der Judenfrage). Die mit der Ausführung vor allem beauftragte SS errichtete auf ehemals polnischem oder sowjetischem Gebiet Vernichtungslager, in denen die meisten Opfer, in Viehwaggons herangebracht, sofort vergast wurden. Allein in Auschwitz-Birkenau wurden auf diese Art über eine Million Menschen ermordet. Insgesamt beläuft sich die wissenschaftlich gesicherte Zahl der ermordeten Juden auf 6,3 Millionen.
Zwischenzeitlich hatte Hitler der Sowjetunion den Krieg erklärt (Russlandfeldzug 1941–1945). Seit Juni 1941 marschierte das Heer scheinbar unaufhaltsam auf Moskau vor und wurde erst im Dezember gestoppt. Nachdem der Kriegsverbündete Japan im selben Monat die amerikanische Marine in Pearl Harbor überfallen hatte, erklärte Deutschland auch den Vereinigten Staaten von Amerika den Krieg. Mangelnde Ressourcen und die Übermacht des Gegners ließen schon bald die Kriegswende eintreten. Als überdeutliches Zeichen dafür wird gemeinhin die erbittert geführte und verlorene Schlacht von Stalingrad angeführt, die in der völligen Aufreibung der deutschen 6. Armee endete.
Je unvermeidlicher die Niederlage wurde, desto härter wurde die Politik nach innen geführt. Goebbels rief im Berliner Sportpalast 1943 unter frenetischem Jubel des Publikums den „totalen Krieg“ aus, heute ein oft zitiertes Beispiel für die nationalsozialistische Propaganda dieser Zeit (siehe Sportpalastrede). Die gesamte Produktion wurde nun auf den Krieg ausgerichtet, während die deutschen Armeen an fast allen Fronten zurückwichen und zahlreiche deutsche Städte durch den Bombenkrieg zerstört wurden. Erst als die sowjetischen Armeen schon Berlin eingenommen hatten, nahm sich Hitler am 30. April 1945 in seinem Führerbunker das Leben. Die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht folgte am 8. Mai. Die Verhaftung der letzten Reichsregierung unter Karl Dönitz in Flensburg-Mürwik erfolgte erst am 23. Mai 1945. Die überlebenden politischen und militärischen Hauptverantwortlichen wurden später in den Nürnberger Prozessen verurteilt. 1988 wurde die letzte Schuldrate für den Zweiten Weltkrieg beglichen.
Alliierte Besatzung (1945–1949)
→ Hauptartikel: Deutschland 1945 bis 1949 und Besatzungszone
Die Teilnehmer der Potsdamer Konferenz, 1945
Deutschland wurde in den Grenzen vom 31. Dezember 1937 aufgeteilt.[108] In einer Zusatzerklärung zur Berliner Erklärung vom 5. Juni 1945[109] legten die vier Siegermächte – USA, UdSSR, Großbritannien und Frankreich[110] – die einzelnen Besatzungszonen fest und übten sodann westlich der Oder-Neiße-Linie die Hoheitsgewalt in ihrer jeweiligen Zone und gemeinsam mittels einer Alliierten Kommandantur über Groß-Berlin aus.[111] Die deutschen Ostgebiete wurden durch die Potsdamer Beschlüsse ausgegliedert und waren mithin nicht mehr dem alliierten Besatzungsrecht unterworfen.[112] Die Vier Mächte bemühten sich anfangs noch um eine gemeinsame Besatzungspolitik. Einig war man sich über eine Demilitarisierung und die sogenannte Entnazifizierung. Aber schon bei der Frage, was man unter einer Demokratie zu verstehen habe, zeigten sich erste Meinungsverschiedenheiten zwischen der Sowjetunion einerseits und den Westmächten andererseits.
Die vier Besatzungszonen gemäß dem Potsdamer Abkommen, das Saarprotektorat und die von der Sowjetunion unter polnische und sowjetische Verwaltung gestellten Ostgebiete
Auf Betreiben Stalins, der die 1921 an Polen verlorenen Gebiete (Ostpolen, Kresy) 1939 bzw. 1944 zurückerobert sowie weitere Gebiete (u. a. Ostgalizien) der Sowjetunion zugeschlagen hatte, wurden die Ostgebiete des Deutschen Reiches sowie die bis zum Einmarsch der Wehrmacht 1939 Freie Stadt Danzig als Ausgleich unter polnische Verwaltungshoheit gestellt, wobei die spätere Volksrepublik Polen die Verwaltungsgebiete als polnisches Staatsgebiet betrachtete und behandelte. So fielen Hinterpommern, Schlesien, Ostbrandenburg (Neumark) und das südliche Ostpreußen faktisch an Polen, das nördliche Ostpreußen als Gebiet Kaliningrad an die Sowjetunion – ein Vorgehen, das von den Westmächten auf der Konferenz von Potsdam nur widerstrebend gebilligt wurde. Die meisten deutschen Bewohner im neuen Einflussbereich der Sowjetunion wurden aus ihrer Heimat, die nun in Polen, der Tschechoslowakei usw. lag, vertrieben. Dabei verlor Deutschland ein Viertel seines Gebietes von 1937, und ein Fünftel seiner Bevölkerung wurde zu Flüchtlingen.
In den drei Westzonen wurde im Mai 1949 die Bundesrepublik Deutschland gegründet, nachdem sich die Westalliierten in der Ruhrfrage darauf geeinigt hatten, die für den Wiederaufbau bedeutende Montanindustrie an Rhein und Ruhr unter ein Ruhrstatut zu stellen. In der Sowjetischen Zone (im Westen zunächst Mitteldeutschland genannt) entstand im Oktober 1949 die Deutsche Demokratische Republik. Beide Staaten (wenn auch die DDR nicht mehr in den Grenzen von 1937) unterstrichen die politisch-rechtliche Kontinuität zwischen sich und einem gesamtdeutschen Staat[113] (vgl. Deutsches Reich#Staatsrechtliche Fragen), wovon die DDR später aber abrückte, da damit auch Verpflichtungen verbunden waren, und weil keine Fortsetzung eines kapitalistischen Staates erwünscht war.
Die Republik Österreich wurde in den Grenzen von 1938 wiederhergestellt.[114] Die Grenzziehung der deutschen Bundesländer wurde teilweise durch die Grenzen der Besatzungszonen (vgl. auch Besatzungsfreie Zone) bestimmt, insbesondere zwischen Niedersachsen und Mecklenburg bzw. Sachsen-Anhalt sowie zwischen Thüringen und Hessen, woraus die spätere innerdeutsche Grenze wurde.
Bundesrepublik Deutschland und DDR (1949–1990)
→ Hauptartikel: Deutsche Teilung, Geschichte der Bundesrepublik Deutschland (bis 1990) und Geschichte der Deutschen Demokratischen Republik
Grenzen der Bundesrepublik Deutschland, West-Berlins und der DDR ab 1957
Die Bundesrepublik Deutschland ist der erste Staat auf deutschem Boden, welcher den Namen Deutschland in seinem offiziellen Staatsnamen trägt; weitere Vorschläge bei den Beratungen zum Grundgesetz waren Deutsche Republik, Republik Deutschland, Deutsche Staatengemeinschaft, Union deutscher Länder und schließlich Bund deutscher Länder.[115] Sie wurde am 23. Mai 1949 in den drei westlichen Besatzungszonen gegründet. An diesem Tag wurde das Grundgesetz als „Provisorium“ (Carlo Schmid) oder „Transitorium“ (Theodor Heuss)[116] für eine Verfassung in Kraft gesetzt. Das Grundgesetz enthielt in der Präambel „(…) Das gesamte Deutsche Volk bleibt aufgefordert, in freier Selbstbestimmung die Einheit und Freiheit Deutschlands zu vollenden“ ein Wiedervereinigungsgebot, das im Zuge der deutschen Vereinigung verwirklicht werden konnte. Bonn wurde am 3. November 1949 zur vorläufigen Hauptstadt erklärt.
Die Gründung der DDR erfolgte am 7. Oktober desselben Jahres in der Sowjetischen Besatzungszone. Nach einer Verwaltungsreform 1952 entstanden daraus 14 Bezirke mitsamt Ost-Berlin, das ab 1961 selbst „die Funktion eines Bezirkes“ ausübte.[117]
Während in der DDR eine Planwirtschaft errichtet wurde, entschied sich die Bundesrepublik für die soziale Marktwirtschaft. Die sowjetische Besatzungsmacht sorgte mit hohen Reparationsforderungen (vor allem Demontagen) für schwierige Startbedingungen auf dem Gebiet der DDR.[118] Zwar hatte auch der unter westalliierter Besatzung stehende größere Teil Deutschlands Reparationslasten zu tragen, aber hier wurde mit dem Marshallplan für die westlichen Länder Europas spürbar geholfen, die Kriegsfolgen zu überwinden. Das mit dem Korea-Boom einsetzende „Wirtschaftswunder“ führte zu anhaltend hohen Wachstumsraten, Vollbeschäftigung und Wohlstand.
Durch den Kalten Krieg wurden die Deutschen in Ost und West physisch immer mehr getrennt. Der Eiserne Vorhang zog sich quer durch Mitteleuropa und teilte auch Deutschland. Mit dem Bau der Berliner Mauer 1961 wurde der letzte freie Zugang in den Westen gesperrt.
Konferenzort, an dem 1957 die Römischen Verträge unterzeichnet wurden. Die Bundesrepublik wird Gründungsmitglied der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft.
Mit der Aufhebung des alliierten Besatzungsstatuts wurde die Bundesrepublik Deutschland am 5. Mai 1955 souverän. Diese Souveränität beschränkte sich auf den Geltungsbereich des Grundgesetzes, das heißt, die Alliierten behielten ein Vorbehaltsrecht über Deutschland als Ganzes und die Viersektorenstadt Berlin ein. Konrad Adenauer, der erste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, verkündete damals: „Heute, fast zehn Jahre nach dem militärischen und politischen Zusammenbruch des Nationalsozialismus, endet für die Bundesrepublik Deutschland die Besatzungszeit.“
Die wichtigsten außenpolitischen Meilensteine dieser Ära waren die Westintegration – 1955 trat Westdeutschland der NATO bei – und die Beteiligung am wirtschaftlichen Zusammenschluss in Europa, der mit der Montanunion 1952 begann und durch die Römischen Verträge 1957 einen entscheidenden Schub erhielt. Die DDR wurde im September 1950 Vollmitglied im Rat für Gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) und, nach der gewaltsamen Niederschlagung des Volksaufstandes des 17. Juni 1953 und dem Aufbau eigener Streitkräfte, auch des Warschauer Pakts.
Die Berliner Mauer (1986) am Bethaniendamm in Kreuzberg (West-Berlin)
In den 1960er-Jahren führten einige politische Affären und das Aufkommen kritischer Ideen insbesondere der Studenten zum Ruf nach einem tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel. Eine 1967 einsetzende Wirtschaftskrise, die studentische 68er-Bewegung und die Wahlerfolge der NPD verstärkten den Eindruck einer politischen Krise. Die 1966 gebildete Große Koalition aus CDU und SPD unter Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger (CDU) verabschiedete eine Reihe grundlegender Gesetzesänderungen (Notstandsgesetze) und versuchte, sich mithilfe der Globalsteuerung an die wirtschaftlich schwierigeren Zeiten anzupassen. Gleichzeitig wurde die deutsche Studentenbewegung der 1960er-Jahre zunehmend mit der außerparlamentarischen Opposition gleichgesetzt.
Mit dem Antritt der sozialliberalen Regierung unter Willy Brandt (SPD) 1969 wurden eine Reihe sozialer, gesellschaftlicher und außenpolitischer Reformen umgesetzt. Die „Neue Ostpolitik“, die auf Verständigung mit Osteuropa setzte und im Kniefall von Warschau einen symbolischen Ausdruck fand, führte zu außenpolitischer Entspannung und brachte Brandt 1971 den Friedensnobelpreis ein. Den Auftakt hatte das Erfurter Gipfeltreffen 1970 gebildet. Diese Politik wurde aber von Konservativen teilweise scharf kritisiert. Brandt überstand im April 1972 ein konstruktives Misstrauensvotum, und die SPD rettete sich in Neuwahlen.
Im Jahr 1973 wurde die Bundesrepublik Deutschland neben der DDR (134.) der 133. Mitgliedstaat der UNO. Dieser Beitritt wurde von der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag mehrheitlich abgelehnt, worauf deren Vorsitzender Rainer Barzel zurücktrat.
Bornholmer Straße im westlichen Teil Berlins. Einen Tag nach dem 9. November 1989 und dem Fall der Mauer bereitet ein Spalier Besuchern aus der DDR einen ersten Empfang.
Brandts zweite Amtszeit (1972–1974) war überschattet von wirtschaftlichen Problemen, zu denen die Ölkrise 1973 sowie inflationäre Tendenzen aufgrund hoher Tarifabschlüsse geführt hatten. Die versprochenen innenpolitischen Reformen waren nicht bezahlbar. Brandt trat nach der Aufdeckung einer Spionageaffäre um seinen Mitarbeiter Günter Guillaume zurück.
Sein Nachfolger Helmut Schmidt (SPD), seit Juni 1974 im Amt, hatte mit steigender Verschuldung und Arbeitslosigkeit, mehreren Wirtschaftskrisen und dem Terror der RAF zu kämpfen. Als Kanzler und Person bei den Deutschen geschätzt, verlor er jedoch den Rückhalt seiner Fraktion, die zunehmend gegen seine Unterstützung des NATO-Doppelbeschlusses opponierte.
Nach dem Auseinanderbrechen der Koalition wurde Helmut Kohl (CDU) nach einem konstruktivem Misstrauensvotum am 1. Oktober 1982 zum Kanzler gewählt. Er regierte länger als alle seine Vorgänger und gilt als Kanzler der deutschen Einheit. Diese wurde durch die Veränderungen in der Sowjetunion durch Glasnost und Perestroika ermöglicht und maßgeblich von den Massendemonstrationen in der DDR sowie der dortigen Ausreisebewegung vorangetrieben. Am 9. November 1989 musste die DDR-Führung die Mauer öffnen, nachdem ein Sprecher durch ein Versehen einen Massenansturm auf die Grenzübertrittsstellen ausgelöst hatte.
Bei den ersten freien Wahlen zur Volkskammer am 18. März 1990 gewann das von der Ost-CDU geführte Parteienbündnis „Allianz für Deutschland“. (Letzter) Ministerpräsident der DDR wurde Lothar de Maizière (CDU). Nun war der Weg frei für die deutsche Wiedervereinigung. Diese fand im Einvernehmen mit den Vertretern der Alliierten im Rahmen der „Zwei-plus-Vier-Gespräche“ statt.
Siehe auch: Deutschlandvertrag und Pariser Verträge
Berliner Republik (seit 1990)
→ Hauptartikel: Geschichte Deutschlands (seit 1990)
Am 3. Oktober 1990 wurde die deutsche Wiedervereinigung vollzogen. (Deutschlands Außengrenzen seit 1990; innerstaatliche Grenzen zeigen den Stand nach dem 29. Juni 1993)
Laut Art. 1 Absatz 1 des Einigungsvertrags wurden mit dem Wirksamwerden des Beitritts der Deutschen Demokratischen Republik zur Bundesrepublik Deutschland gemäß Art. 23 des Grundgesetzes[119] am 3. Oktober 1990 die Länder Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen („neue Bundesländer“) Länder der Bundesrepublik Deutschland.[120][121] Dieser Tag wird seitdem mit dem Namen Tag der Deutschen Einheit als deutscher Nationalfeiertag begangen.
Der Zwei-plus-Vier-Vertrag vom 12. September 1990 regelte die deutsche Frage endgültig: Die Vier Mächte gaben ihre Hoheitsbefugnisse auf, und durch das Inkrafttreten am 15. März 1991 konnte das wiedervereinigte Deutschland nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges abschließend die volle staatliche Souveränität wiedererlangen. Bis Ende 1994 verließ der Großteil der fremden Militäreinheiten durch den Truppenabzugsvertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Sowjetunion vom 12. Oktober 1990 das Land – die noch verbliebenen der Westalliierten haben keinerlei Hoheitsbefugnisse mehr und unterliegen dem NATO-Truppenstatut. Deutschland verpflichtete sich zur Abrüstung auf maximal 370.000 Soldaten. Mit dem am 14. November 1990 in Warschau unterzeichneten deutsch-polnischen Grenzvertrag erkannte Deutschland die Oder-Neiße-Grenze an; das Territorium östlich davon wurde damit endgültig völkerrechtlich Polen zugesprochen. Das wurde durch eine Politik der Aussöhnung mit den östlichen Nachbarn ergänzt, zuerst 1991 mit Polen, dann 1997 mit der Tschechischen Republik.
Mit einer knappen Mehrheit von 338 zu 320 Stimmen beschloss der Bundestag am 20. Juni 1991, Bonn als Regierungssitz aufzugeben und Regierung und Parlament nach Berlin zu verlegen. Bonn bleibt aber zweites politisches Machtzentrum Deutschlands: Dort befinden sich nach dem Berlin/Bonn-Gesetz von 1994 die ersten Dienstsitze von sechs Bundesministerien; alle anderen haben ihren Zweitsitz in der Bundesstadt Bonn. Der neue Sitz des Deutschen Bundestags ist das von Grund auf renovierte Reichstagsgebäude in Berlin, in dem am 19. April 1999 erstmals wieder eine Parlamentssitzung stattfand. Bereits zu West-Berliner Zeiten, bis in die 1970er-Jahre, tagten dort oftmals das Plenum und einige Ausschüsse; auch der Bundespräsident wurde dort von 1954 bis 1969 gewählt. Seit 1999 ist die Bundesregierung in Berlin angesiedelt.
Das Bundeskanzleramt in Berlin. Seit 1999 ist die Bundesregierung in der Hauptstadt angesiedelt.
Die 1990er-Jahre waren nach dem kurzen Boom der Wiedervereinigung von geringer wirtschaftlicher Dynamik, Massenarbeitslosigkeit und wahrgenommenem „Reformstau“ geprägt. Insbesondere in den neuen Bundesländern entwickelte sich die Wirtschaft nicht wie erhofft. Mehrere Reformvorhaben der Bundesregierung scheiterten an der rot-grünen Mehrheit im Bundesrat. Außenpolitisch setzte sich Kohl für eine stärkere Zusammenarbeit im Rahmen der Europäischen Union und zum Beispiel für die EU-Osterweiterung ein. Als 1991 die SFR Jugoslawien zu zerfallen begann, war Deutschland eines der Länder, welches die Anerkennung der Unabhängigkeit von Kroatien und Slowenien durch die westlichen Staaten unterstützte. Eine direkte Teilnahme am Zweiten Golfkrieg zur Befreiung Kuwaits lehnte die Bundesregierung ab. Stattdessen leistete Deutschland finanzielle Unterstützung und ersetzte Marineeinheiten der NATO-Partner im Mittelmeer. Nach Beendigung der Kämpfe half ein Verband der Bundesmarine bei der Räumung von Seeminen im Persischen Golf.
Zum ersten Mal in der Nachkriegsgeschichte kam es in der Folge der Bundestagswahl 1998 zu einem vollständigen Regierungswechsel. Die bisherigen Regierungsparteien CDU/CSU und FDP verloren ihre Bundestagsmehrheit, die bisherigen Oppositionsparteien SPD und Bündnis 90/Die Grünen bildeten die erste rot-grüne Koalition unter Bundeskanzler Gerhard Schröder. Bei der Bundestagswahl 2002 wurde die Bundestagsmehrheit von SPD und Grünen knapp bestätigt.
Die Einführung des Euro als standardmäßige Währung im Jahr 1999. Die Ausgabe von Banknoten wurde im Jahr 2002 vollzogen.
Die rot-grüne Bundesregierung setzte tiefgreifende Veränderungen in der Sozial-, Renten- und Gesundheitspolitik (siehe Agenda 2010) durch. Mit den Einnahmen aus der umstrittenen Ökosteuer gelang es, die Lohnnebenkosten (Rentenversicherungsbeiträge) zu senken. Allgemein erhielt das Thema Ökologie stärkeres Gewicht, beispielsweise mit dem Beginn des Atomausstiegs oder Gesetzesinitiativen zur Reduzierung von Treibhausgasen. Andere Reformen der rot-grünen Regierung waren etwa das Lebenspartnerschaftsgesetz, das neue Staatsbürgerschaftsrecht und das Gewaltschutzgesetz.
Der erste Kampfeinsatz deutscher Soldaten seit dem Zweiten Weltkrieg – 1999 im Kosovokrieg – markierte einen Wendepunkt der deutschen Außenpolitik. Nach dem Anschlag auf das World Trade Center in New York 2001 sicherte Bundeskanzler Schröder den Vereinigten Staaten die „uneingeschränkte Solidarität“ zu.[122] Deutschland unterstützte die „Operation Enduring Freedom“ und den Krieg in Afghanistan, beteiligte sich aber nicht am Irakkrieg 2003. Dies führte zu Konflikten vor allem mit den USA, aber zu großen Sympathiebekundungen aus der deutschen Bevölkerung für den „Friedenskanzler“ Schröder. Die Bundeswehr sicherte die Seewege am Horn von Afrika, entsandte ABC-Spürpanzer nach Kuwait und zog gemäß ihren internationalen Verpflichtungen deutsche Soldaten nicht aus NATO-AWACS-Flugzeugen ab. Letzteres erklärte das Bundesverfassungsgericht im Mai 2008 wegen Verletzung der Rechte des Bundestages für verfassungswidrig.[123]
Die Hartz-IV-Gesetzgebung von 2004 hatte das Ziel, den Arbeitsmarkt zu beleben, wurde jedoch von den direkt Betroffenen als sozial ungerecht empfunden. Das führte zu deutschlandweiten Protesten und einer Niederlagenserie für Rot-Grün bei Landtagswahlen (zuletzt in Nordrhein-Westfalen). Deshalb stellte Bundeskanzler Schröder am 1. Juli 2005 im Bundestag die Vertrauensfrage nach Art. 68 GG – mit dem Ziel, diese zu verlieren und so vorzeitige Neuwahlen zu erreichen. Daraufhin löste Bundespräsident Horst Köhler den 15. Deutschen Bundestag auf und setzte Bundestagswahlen für den 18. September 2005 an. Diese Wahl brachte keiner der angestrebten Koalitionen (SPD/Grüne und Union/FDP) eine Mehrheit, und alle Versuche, eine andere Dreiparteienregierung zu bilden, scheiterten. Daher einigten sich CDU/CSU und SPD auf die Bildung einer Großen Koalition unter der Kanzlerschaft von Angela Merkel (CDU), die unter anderem Grundfragen des Staatsaufbaus in der Föderalismusreform neu justierte.
Unterzeichnung des Vertrags von Lissabon im Jahr 2007
Am 27. September 2009 fand die Wahl zum 17. Deutschen Bundestag statt. Die beiden Unionsparteien und die FDP erreichten zusammen die notwendige Mehrheit für die von beiden Seiten angestrebte Bildung einer schwarz-gelben Koalition. Dies war vor allem aufgrund der Stimmenzuwächse der FDP möglich, da die CDU wiederum an Stimmen verlor.[124] Merkel blieb Bundeskanzlerin. Nachdem die Regierung in der Energiepolitik zunächst eine Laufzeitverlängerung deutscher Kernkraftwerke auf den Weg gebracht und damit den Atomkonsens aufgekündigt hatte, beschloss die Regierung nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima, endgültig aus der Atomenergie auszusteigen und die Energiewende voranzutreiben. Weitere seit der schwarz-gelben Koalition vorangetriebene große innenpolitische Projekte in den 2010er-Jahren sind die Schuldenbremse für ausgeglichene Haushalte, die Reform und Vereinfachung der Einwanderungspolitik für mehr qualifizierte Zuwanderung, die Einführung des generellen Mindestlohnes, der Bürokratieabbau sowie die Beförderung der Informatisierung und die Modernisierung der Wirtschaft als Zukunftsprojekt Industrie 4.0.[125]
Der von Deutschland ratifizierte Vertrag von Lissabon trat im Jahr 2009 in Kraft. Seit 2010 ist Deutschland wichtiger Partner von Stützungsmaßnahmen, um der Staatsschuldenkrise im Euroraum zu begegnen. An der Europäischen Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF), die für eine Übergangszeit bis zum 30. Juni 2013 als finanzielles Instrument zur Stützung von Staaten der Eurozone eingerichtet war, trägt die Bundesrepublik einen Anteil von rund 28 Prozent der Verbindlichkeiten. Als dauerhaftes, seit dem 1. Juli 2013 alleinzuständiges Instrument des Euro-Rettungsschirms trat am 27. September 2012 das Finanzinstitut Europäischer Stabilitätsmechanismus (ESM) in Kraft. Sein anfängliches Stammkapital beträgt 700 Milliarden Euro, wovon die Bundesrepublik rund 190 Milliarden Euro beizutragen hatte. Im März 2012 hat Deutschland den Europäischen Fiskalpakt mitunterzeichnet, der zur Bekräftigung und Absicherung des EU-Stabilitäts- und Wachstumspaktes ein Bündel von fiskalpolitischen Pflichten vorsieht.[126] Nach der Bundestagswahl 2013 konnte die schwarz-gelbe Koalition nicht fortgesetzt werden, da die FDP aus dem Parlament ausschied, sodass erneut eine Große Koalition zwischen CDU und SPD unter Angela Merkel gebildet wurde. Neben der europäischen Staatsschuldenkrise gehören die seit Juni 2013 schwelende globale Überwachungs- und Spionageaffäre, der Krieg gegen den Terror und die sich seit 2015 verschärfende Flüchtlingskrise in Europa zu den dominierenden außen- und innenpolitischen Themen. Das Krisenmanagement und die Richtungslosigkeit der schwarz-roten Bundesregierung werden Umfragen zufolge von der Bevölkerung kritisch gesehen, einer Befragung von November 2015 zufolge sind mit ihrer Arbeit 57 Prozent wenig oder gar nicht zufrieden.[127]
Politik
→ Hauptartikel: Föderalismus in Deutschland und Rechtslage Deutschlands nach 1945
Staatsgründung
Sitz des Deutschen Bundestages in Berlin. Davor die Fahne der Einheit, die seit dem 3. Oktober 1990 ununterbrochen weht.
Als Staat und Völkerrechtssubjekt gilt die Bundesrepublik Deutschland nach herrschender Lehre als identisch mit dem 1867 zu einem Bundesstaat umgewandelten Norddeutschen Bund, der ab 1871 den Namen „Deutsches Reich“ führte. Demzufolge besteht der deutsche Staat ohne Unterbrechungen seit dem Jahr 1867. Der Norddeutsche Bund, der 1866 als Militärbündnis gegründet worden war, erhielt zum 1. Juli 1867 eine Verfassung, die ihn zu einem monarchischen Bundesstaat unter preußischer Führung formte. Auf dieser Verfassung beruhen die nachfolgenden Verfassungen des Deutschen Reiches von 1871 und 1919 sowie das damals noch provisorische Grundgesetz der Bundesrepublik von 1949, ferner gilt sie als Begründungsakt des von der Bundesrepublik noch heute innegehaltenen Völkerrechtssubjekts. Nach der Kaiserproklamation am 18. Januar 1871 – die historiographisch auch als deutsche Reichsgründung behandelt wurde – trat am 16. April 1871 die Verfassung des Deutschen Reiches in Kraft. Damit entstand nach heutigem Verständnis der deutsche Nationalstaat unter Außenvorlassung Österreichs (auch als kleindeutsche Lösung bekannt). In den Jahren 1918 und 1919 erfolgte der Übergang dieses Gebildes in eine neue Staatsform: Am 9. November 1918 wurde durch den Sozialdemokraten Philipp Scheidemann die „deutsche Republik“ proklamiert, während der Sprecher des Spartakusbundes und spätere Mitgründer der KPD, Karl Liebknecht, kurz darauf eine „freie sozialistische Republik Deutschland“ hochleben ließ. Mit dem Inkrafttreten der Verfassung vom 11. August 1919 konstituierte sich die erste auf nationalstaatlicher Ebene verwirklichte deutsche Republik.
Das Grundgesetz bildet die rechtliche und politische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland. (Installation der ersten Artikel von 1949)
Die so genannte Weimarer Verfassung galt während der Herrschaft der NSDAP 1933 bis 1945 formell fort, war jedoch materiell überwiegend außer Kraft gesetzt. Im frühen Nachkriegsdeutschland von 1945 bis 1949 galt das Besatzungsrecht der Militärgouverneure und danach bis 1955 das der Hohen Kommissare des Alliierten Kontrollrats (Kontrollratsgesetze). 1949 wurden zwei Verfassungen in Kraft gesetzt. Das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland wurde am 23. Mai 1949 verkündet und zum 24. Mai 1949 in Kraft gesetzt, wobei es aufgrund des Geltungsbereichs bis zur deutschen Wiedervereinigung nur provisorischen Charakter besaß. Die erste Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik trat am 7. Oktober 1949 in Kraft und wurde am 9. April 1968 durch eine neue Verfassung ersetzt sowie 1974 revidiert. Zum 3. Oktober 1990 trat die DDR dem Geltungsbereich des Grundgesetzes bei.
Bisher wurden sechs Verfassungen des seit 1871 existierenden Nationalstaats Deutschland in Kraft gesetzt; die Daten ihrer Konstituierung werden unter staatsrechtlichen und ideengeschichtlichen Aspekten als Gründungsakte der jeweiligen deutschen Staatswesen betrachtet. Der 23. Mai 1949 ist das für die Gegenwart bedeutendste Gründungsdatum, da an diesem Tag die noch heute gültige Verfassung Deutschlands verkündet wurde. Die Bundesrepublik ist mithin die historisch jüngste Ausprägung des deutschen Gesamt- oder Bundesstaates, dessen Geschichte sich bis zur Einführung der bundesrepublikanischen Prinzipien des Grundgesetzes und der freiheitlichen demokratischen Grundordnung in verschiedene Phasen einteilen lässt: Norddeutscher Bund (1867–1871), Deutsches Kaiserreich (1871–1918), Weimarer Republik (1919–1933), nationalsozialistische Herrschaft (1933–1945), „Deutschland als Ganzes“ unter fremder Besatzung, ausgeübt durch den Alliierten Kontrollrat (1945–1949).
Politisches System
→ Hauptartikel: Politisches System der Bundesrepublik Deutschland
Politisches System der Bundesrepublik Deutschland
Die Verfassung der Bundesrepublik ist das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland.[128] Staatsoberhaupt ist der Bundespräsident mit vor allem repräsentativen Aufgaben. Protokollarisch gesehen folgen ihm der Präsident des Deutschen Bundestages, der Bundeskanzler und der jeweils amtierende Präsident des Bundesrates, der nach dem Grundgesetz den Bundespräsidenten vertritt. Hauptstadt und Regierungssitz ist die Stadt Berlin (Art. 22 Absatz 1 GG).
Artikel 20 GG legt verbindlich fest, dass die Bundesrepublik Deutschland als demokratischer, sozialer Bundesstaat föderativ organisiert sein muss. Bei diesem föderalen Rechtsstaat handelt es sich um eine parlamentarische Demokratie. Das Grundgesetz stellt an die Ausgestaltung der Bundesstaatlichkeit auch ganz bestimmte Anforderungen (sogenannte Ewigkeitsgarantie). Das heißt, es existieren zwei Ebenen im politischen System: die Bundesebene, die den Gesamtstaat Deutschland nach außen vertritt, und die Länderebene, die in jedem der 16 Bundesländer einzeln existiert. Jede Ebene besitzt eigene Staatsorgane der Exekutive (ausführende Gewalt), Legislative (gesetzgebende Gewalt) und Judikative (rechtsprechende Gewalt). Die Länder wiederum bestimmen die Ordnung ihrer Städte und Gemeinden; beispielsweise sind fünf Länder wiederum in insgesamt 22 Regierungsbezirke untergliedert. Die Länder haben sich eigene Verfassungen gegeben.
Den deutschen Ländern kommt grundsätzlich Staatsqualität zu, sie sind jedoch beschränkte Völkerrechtssubjekte, die nur mit Einwilligung der Bundesregierung eigene Verträge mit anderen Staaten eingehen dürfen (Art. 32 Abs. 3, Art. 24 Abs. 1 GG).[129] Die Bundesrepublik kann als die staatsrechtliche Verbindung ihrer Bundesländer angesehen werden, ist also Bundesstaat im eigentlichen Sinne. Demnach erhält sie erst durch diese Verbindung selbst Staatscharakter.[130]
Gesetzgebungsorgane des Bundes sind der Deutsche Bundestag und der Bundesrat. Bundesgesetze werden vom Bundestag mit einfacher Mehrheit beschlossen. Sie werden wirksam, wenn der Bundesrat keinen Einspruch eingelegt hat oder, wenn das Gesetz der Zustimmung des Bundesrates bedarf, wenn der Bundesrat dem Gesetz zustimmt (Art. 77 GG). Eine Änderung des Grundgesetzes ist nur mit der Mehrheit von zwei Dritteln der Mitglieder des Bundestages und des Bundesrates möglich (Art. 79 GG). In den Bundesländern entscheiden die Länderparlamente über die Gesetze ihres Landes. Obwohl die Abgeordneten der Parlamente nach dem Grundgesetz nicht weisungsgebunden sind, dominieren in der Praxis Vorentscheidungen in den Parteien die Gesetzgebung.
Joachim Gauck, Bundespräsident seit 2012
Die Kompetenz zur Gesetzgebung liegt vom Grundsatz her bei den Bundesländern, wenn nicht eine Gesetzgebungsbefugnis des Bundes besteht (Art. 70 GG). In Fällen der ausschließlichen Gesetzgebung hat nur der Bund die Gesetzgebungskompetenz (Art. 71 GG), in den Fällen der konkurrierenden Gesetzgebung besteht für die Länder dann eine Gesetzgebungsbefugnis, wenn diese Bereiche nicht durch Bundesgesetz geregelt sind (Art. 72 Abs. 1 GG). Dazu zählen vor allem die in den Artikeln 74, 74a und 105 Abs. 2 GG aufgeführten Gebiete. Der Bund hat hierbei im Sinne des Absatzes 2 soweit aber das Recht, Gesetze zu erlassen, wenn dies zur „Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse im Bundesgebiet oder [zur] Wahrung der Rechts- oder Wirtschaftseinheit im gesamtstaatlichen Interesse […] erforderlich“ ist. Gesetzlich kann seitens des Bundes auch wieder bestimmt werden, dass auf jenen Rechtsgebieten „eine bundesgesetzliche Regelung […] durch Landesrecht ersetzt werden kann“ (Art. 72 Abs. 4 GG).
Die Exekutive wird auf Bundesebene durch die Bundesregierung gebildet, die durch den Bundeskanzler als Regierungschef geleitet wird. Auf der Ebene der Länder leiten die Ministerpräsidenten, in Hamburg und Bremen die Präsidenten des Senats (Hamburg: Erster Bürgermeister; Bremen: Bremer Bürgermeister), in Berlin der Regierende Bürgermeister, die Exekutive. Auch die Länder sind parlamentarische Demokratien und deren Regierungschefs durch die Landtage, Bürgerschaften bzw. das Abgeordnetenhaus von Berlin gewählt. Die Verwaltungen des Bundes und der Länder werden jeweils durch die Fachminister geleitet.
Der Bundeskanzler wird auf Vorschlag des Bundespräsidenten vom Bundestag mit der Mehrheit seiner Mitglieder gewählt (Art. 63 GG), seine Amtszeit endet mit der Wahlperiode des Bundestages (Art. 69 Abs. 2 GG). Vor Ablauf der Wahlperiode des Bundestages kann der Bundeskanzler gegen seinen Willen nur dadurch aus dem Amt scheiden, dass der Bundestag mit der Mehrheit seiner Mitglieder einen Nachfolger wählt (Art. 67 GG, sogenanntes Konstruktives Misstrauensvotum). Die Bundesminister werden auf Vorschlag des Bundeskanzlers ernannt (Art. 64 Abs. 1 GG), sie und der Bundeskanzler bilden die Bundesregierung (Art. 62 GG). Der Bundeskanzler besitzt die Richtlinienkompetenz für die Politik der Bundesregierung (Art. 65 Satz 1 GG). Die Führungsaufgabe in der deutschen „Kanzlerdemokratie“ kommt dem Bundeskanzler beziehungsweise der Bundeskanzlerin zu.[131] Der Kanzler nominiert darüber hinaus den deutschen Kandidaten für das Amt eines EU-Kommissars.
Die Ausübung der staatlichen Befugnisse und die Ausführung der Bundesgesetze obliegt grundsätzlich den Bundesländern, sofern das Grundgesetz keine abweichende Regelung trifft oder zulässt (Art. 30, Art. 83 GG).
Staatshaushalt
→ Hauptartikel: Bundeshaushaltsplan (Deutschland) und Steuerrecht (Deutschland)
Bundeshaushaltsplan 2011. Die Einzelpläne für Sozialausgaben und Bundesschulden vertilgen allein über die Hälfte der jährlichen Finanzen.
Der Staatshaushalt umfasste 2013 Ausgaben von 1.223,1 Milliarden Euro, dem standen Einnahmen von 1.223,4 Milliarden Euro gegenüber. Daraus ergab sich ein kleiner Haushaltsüberschuss in Höhe von 0,3 Milliarden oder 0,01 Prozent des BIP.[132] 2014 erreichte Deutschland einen höheren Überschuss des Gesamtstaatshaushaltes von 18,0 Mrd. Euro oder 0,6 Prozent des BIP.[133] Somit erreichte Deutschland 2014 den höchsten Staatsüberschuss seit 14 Jahren.[134] Im 1. Halbjahr 2015 erwirtschaftete Deutschland einen Überschuss des Staatshaushalts von 21,1 Mrd. Euro oder 1,4 Prozent des BIP.[135]
Die Staatsverschuldung Deutschlands betrug Ende 2013 2,044 Billionen Euro oder 78,1 Prozent des BIP – wobei die deutsche Staatsschuldenquote in den kommenden Jahren deutlich zurückgehen soll.[136]
Deutschland, dessen Staatsanleihen Bundesanleihen genannt werden, erhält von den drei großen Ratingagenturen Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch die bestmögliche Bonität mit einem Ratingcode von AAA. Die große Nachfrage nach den als sichere Anlage geltenden Bundesanleihen hat in den letzten Jahren die Zinsen deutlich gesenkt und teilweise sogar negativ werden lassen, was einen Hauptgrund für Deutschlands Haushaltsüberschuss darstellt.[137] Für Neuemissionen von Staatsanleihen ein- und zweijähriger Laufzeit kann Deutschland bereits negative Zinsen verlangen.[138]
Neben verschiedenen Verkehrsteuern (zum Beispiel Umsatzsteuer) erzielt der Staat einen Großteil seiner Einnahmen aus Steuern vom Einkommen und Ertrag: Hierzu zählen die Einkommen-, die Körperschaft- sowie die Gewerbesteuer. Insofern Produkte oder Dienstleistungen der Umsatzsteuer unterliegen, beträgt der Steuersatz in Deutschland 19 (allgemeiner Satz) oder 7 Prozent (ermäßigter Satz, zum Beispiel Lebensmittel etc.). Umgangssprachlich bzw. EU-rechtlich wird die Umsatzsteuer auch Mehrwertsteuer genannt.
Laut einer OECD-Studie aus dem Jahr 2014 haben Deutsche durch die hohen Steuern und weitere Abgaben wie Sozialversicherungsbeiträge die weltweit höchste Abgabenlast, noch vor den skandinavischen Sozialstaaten.[139]
Staatsgebiet
Das Schengener Abkommen garantiert offene Grenzen zu allen Nachbarstaaten und gesicherte Außengrenzen.
Das Staatsgebiet der Bundesrepublik (Bundesgebiet) ergibt sich aus der Gesamtheit der Staatsgebiete ihrer Länder. Seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland wurde ihr Staatsgebiet mehrfach erweitert, vor allem 1957 durch die Eingliederung des Saarlandes, 1990 den Beitritt der DDR einschließlich des Ostteils Berlins und der völkerrechtlich anerkannten Eingliederung West-Berlins, darüber hinaus zwischen 1949 (erste Teilflächen Kehls) und 2002 (Straße N 274 bei Selfkant von den Niederlanden) durch die Rückgabe von Gebieten, die nach dem Zweiten Weltkrieg Großbritannien (Helgoland), die Niederlande (unter anderem Elten), Belgien (unter anderem Mützenich), Luxemburg (ein Gebiet zwischen Vianden und Obersgegen) und Frankreich (Kehl) zunächst als zu ihren Staatsgebieten zugehörig betrachteten, sowie durch mehrere Ausdehnungen der Seegrenzen in Nord- und Ostsee.
Die letzte dieser Ausdehnungen erfolgte mit Wirkung vom 1. Januar 1995 durch die Proklamation der Bundesregierung über die Ausweitung des deutschen Küstenmeeres vom 19. Oktober 1994 (BGBl. I S. 3428), womit die Bundesrepublik in der Nordsee die 12-Meilen-Zone vollkommen und in der Ostsee teilweise in Anspruch nimmt, ohne dabei ihren Rechtsanspruch aufzugeben.[140]
Der Verlauf der Bundesgrenze Deutschlands ist heute bis auf Teile des Bodensees festgelegt; noch immer umstritten ist zudem die Deutsch-Niederländische Grenzfrage das Ems-Dollart-Gebiet betreffend, weil beide Nachbarstaaten ihre jeweiligen konträren Rechtsstandpunkte über den Grenzverlauf aufrechterhalten.[141] Innerhalb Deutschlands ist der Verlauf der Ländergrenzen zwischen Schleswig-Holstein, Niedersachsen und eventuell der Freien und Hansestadt Hamburg im Bereich der Unterelbe nie abschließend geklärt worden.[142]
Nicht zum Staatsgebiet gehört die Ausschließliche Wirtschaftszone in Nord- und Ostsee.
Parteienlandschaft
Zweitstimmen der Bundestagswahlen seit 1949 und Bundesregierungen
→ Hauptartikel: Politische Parteien in Deutschland und Geschichte der Parteien in Deutschland
Das politische Spektrum in Deutschland wird maßgeblich durch die im Deutschen Bundestag vertretenen Parteien geprägt, es sind derzeit in vier Fraktionen fünf Parteien vertreten: CDU/CSU, gemeinsame Fraktion der Unionsparteien (Unionsfraktion); Fraktionen mit einer Partei sind die SPD, Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen. Knapp an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterte bei der Bundestagswahl 2013 die Partei Alternative für Deutschland (AfD), die dagegen in einigen Landtagen (Sachsen, Brandenburg, Thüringen und Hamburg) vertreten ist. Die liberale Freie Demokratische Partei (FDP) ist die Partei mit der längsten Regierungsbeteiligung auf Bundesebene, jedoch seit 2013 nicht mehr im Bundestag vertreten. Sie fasste nach mehreren nachfolgenden Wahlerfolgen wieder in sieben Landtagen Fuß (Stand Dezember 2015).
Nahezu allen einflussreichen Parteien stehen – mehr oder weniger selbständig – Jugendorganisationen zur Seite. Die wichtigsten sind die Junge Union (CDU/CSU), die Jusos (SPD), die Jungen Liberalen (FDP), Linksjugend ['solid] (Die Linke) sowie die Grüne Jugend (Bündnis 90/Die Grünen). Weitere politische Vorfeldorganisationen umfassen etwa Schülervertreter, Studentenverbände, Wirtschaftsvereine, Kommunalorganisationen und internationale Verbände.
Die politischen Parteien Deutschlands sind in den Fraktionen des Europäischen Parlaments vertreten. Des Weiteren gibt es parteinahe Stiftungen, welche den politischen Diskurs mitbestimmen, jedoch rechtlich von den Parteien unabhängig sind.
Außen- und Sicherheitspolitik
→ Hauptartikel: Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland
Plenarsaal des Europäischen Parlaments in Brüssel. Deutschland ist einer von 28 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union.
Die wichtigsten Leitlinien deutscher Außenpolitik sind die Westbindung und die europäische Integration. Deutschland hat in Zusammenarbeit mit Frankreich am Aufbau europäischer Organisationen einen entscheidenden Anteil. Die Bundesrepublik ist seit 1950 Mitglied des Europarates und unterschrieb 1957 die Römischen Verträge, den Grundstein für die heutige Europäische Union (EU). Zentraler Aspekt für die Sicherheitspolitik und Ausdruck der Westbindung ist die Mitgliedschaft in der NATO, der die Bundesrepublik 1955 beitrat.
Während des Kalten Krieges war der Spielraum deutscher Außenpolitik begrenzt. Als eines der wichtigsten Ziele galt die Wiedervereinigung. Militäreinsätze im Ausland kamen nicht infrage. Laut Grundgesetz darf sich die Bundeswehr an Angriffskriegen nicht beteiligen, ihre Aufgabe besteht lediglich in der Landes- und Bündnisverteidigung. Durch die von der sozialliberalen Koalition ab 1969 initiierte „Neue Ostpolitik“ unter dem Motto Wandel durch Annäherung, die zunächst von wichtigen Verbündeten sehr skeptisch betrachtet wurde, konnten dennoch eigenständige politische Akzente gesetzt werden. Später wurde diese Politik grundsätzlich auch von der liberalkonservativen Kohl-Regierung seit 1982 fortgesetzt.
Seit 1955 ist Deutschland Mitglied der NATO (Gipfeltreffen in Prag, 2002)
Seit der Wiedervereinigung hat Deutschland seine außenpolitischen Grundsätze erweitert und einen Weg zu größerer internationaler Verantwortung eingeschlagen. So nimmt die Bundeswehr seit 1991 mit Zustimmung des Bundestages und zusammen mit verbündeten Armeen an verschiedenen friedenserhaltenden und -erzwingenden Einsätzen auch außerhalb Deutschlands und des Territoriums der NATO-Verbündeten teil (Out-Of-Area-Einsätze).
Traditionell spielt Deutschland zusammen mit Frankreich eine führende Rolle in der Europäischen Union. Deutschland treibt die Bemühungen voran, über die Wirtschafts- und Währungsunion hinaus ein einheitliches und wirkungsvolles System der europäischen Außen- und Sicherheitspolitik zu schaffen.
Die Bundesrepublik ist Gründungsmitglied der G8 und G20 (G8-Gipfeltreffen in Heiligendamm, 2007).
Weitere außenpolitische Ziele sind die Verwirklichung des Kyoto-Protokolls zum Klimaschutz sowie die weltweite Anerkennung des Internationalen Strafgerichtshofs. Bedeutendes Interesse hat Deutschland auch an einer friedlichen Lösung des Nahostkonflikts. Aufgrund der schwierigen Materie und den Begrenzungen deutscher Politik besteht der Beitrag vor allem in der Bereitstellung informeller Kontaktmöglichkeiten zwischen den beteiligten Parteien.
Die Bundesregierung lehnte den Irakkrieg 2003 ab, da sie die Existenz von Massenvernichtungswaffen bezweifelte, eine diplomatische Lösung bevorzugte und um erhebliche Gefahren für die politische Stabilität des gesamten als fragil eingestuften Raumes fürchtete. Dafür wurde sie von wichtigen Verbündeten stark kritisiert. Zusammen mit den Verbündeten Großbritannien und Frankreich bemüht sich die Bundesrepublik, den Iran im Dialog dazu zu bewegen, auf die Weiterführung seines Kernenergieprogramms zu verzichten.
Die Bundesregierung strebt einen ständigen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen an. Die Durchsetzung dieses Zieles wird jedoch aufgrund des Widerstands anderer, teils verbündeter Staaten erschwert und hat nur geringe Aussicht auf Erfolg. So würden zwar Frankreich und Großbritannien die G4-Staaten (Deutschland, Indien, Japan und Brasilien) grundsätzlich unterstützen; jedoch beziehen die Vereinigten Staaten zu einem deutschen Sitz bisher keine Stellung.
Im Jahr 2006 veröffentlichte das Bundesministerium der Verteidigung ein neues Weißbuch, welches die Einbettung der Bundeswehr in friedenssichernde Maßnahmen auch in entlegenen Regionen der Erde vorsieht.
Militär
→ Hauptartikel: Bundeswehr
Zweisitziger Eurofighter der Luftwaffe
Nach ihrer Gründung 1949 durfte die Bundesrepublik Deutschland zunächst keine eigenen Streitkräfte aufstellen. Unter dem Eindruck des Koreakrieges und der sowjetischen Politik in Osteuropa wurde es der Bundesrepublik im Rahmen der Wiederbewaffnung gestattet, zunächst 1951 den paramilitärischen Bundesgrenzschutz als Grenzpolizei und 1955 Streitkräfte aufzustellen, um der NATO beizutreten. Nach der Wiedervereinigung wurden Teile der Nationalen Volksarmee der DDR in diese Streitkräfte eingegliedert.
Die als Bundeswehr bezeichnete militärische Gesamtorganisation besteht aus den Streitkräften und ihrer Verwaltung. Die Streitkräfte gliedern sich in die Teilstreitkräfte Heer (mit der Elitetruppe KSK), Luftwaffe und Marine sowie die unterstützenden Organisationsbereiche Streitkräftebasis und Zentraler Sanitätsdienst. Nach Ende des Kalten Krieges wurde die Gesamtstärke der Bundeswehr von rund 500.000 bis 2009 schrittweise auf 250.000 Soldaten reduziert. Im Zwei-plus-Vier-Vertrag wurde eine maximale Friedensstärke von 370.000 deutschen Soldaten als völkerrechtlich bindend festgelegt.
Die Bundeswehr distanziert sich in ihrem Selbstverständnis ausdrücklich sowohl von der Wehrmacht der NS-Zeit als auch von der NVA der DDR. Sie sieht ihre Traditionsgrundlagen in der preußischen Heeresreform der Zeit um 1810, den Befreiungskriegen gegen Napoleon Bonaparte, dem militärischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus sowie der eigenen Geschichte.[143] Als bedeutendstes militärisches Zeremoniell gilt der Große Zapfenstreich, dessen historische Wurzeln in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts zurückreichen. Besonders öffentlichkeitswirksam sind ebenso die häufig außerhalb militärischer Anlagen durchgeführten Vereidigungen bzw. Gelöbnisse der Soldaten.
Die Bundeswehr definiert sich als Parlamentsarmee, über deren Einsätze ausschließlich der Bundestag auf Vorschlag der Bundesregierung entscheidet. Damit ist die Bundeswehr die erste Armee eines deutschen Nationalstaates, bei der nicht das Staatsoberhaupt den Oberbefehl führt, sondern die der Volksvertretung verantwortlich ist.[144] Für die Soldaten gilt das Leitbild des „Bürgers in Uniform“.
Soldaten der Bundeswehr während des ISAF-Auslandseinsatzes in Afghanistan
In der Bundeswehr dienten im Mai 2015 rund 180.600 Soldaten und 75.000 zivile Mitarbeiter. Seit 2001 haben auch Frauen uneingeschränkten Zugang zum Dienst in den Streitkräften. Ihr Anteil beträgt 10,6 Prozent der Soldaten (Stand: 2015). Die Bundesrepublik Deutschland gibt im Jahr 2015 32,97 Milliarden Euro für die Bundeswehr aus, was einen Anteil von etwa 1,2 Prozent am Bruttoinlandsprodukt entspricht. Dies liegt unter dem Durchschnitt der NATO-Mitgliedstaaten von 2,3 Prozent. Damit hat Deutschland im Vergleich den siebtgrößten nationalen Verteidigungsetat weltweit.
Im Zuge der verstärkten Teilnahme der Bundeswehr an multinationalen Auslandsmissionen seit 1990 läuft derzeit eine langfristig angesetzte Reform der Streitkräfte, die eine Reduzierung des schweren Geräts (Kampfpanzer, Artillerie) zugunsten leichteren, für globale Einsätze besser geeigneten Materials zum Ziel hat. Im Mai 2015 befanden sich rund 2.700 deutsche Soldaten im Ausland im Einsatz.
Im Herbst 2014 geriet die Ausrüstung der Bundeswehr in den Fokus öffentlicher Kritik: Zahlreiche Waffen- und Fahrzeugsysteme wurden als nicht ausreichend einsatzbereit eingestuft und die Beschaffungspolitik des Verteidigungsministeriums wurde massiv kritisiert. Um Abhilfe zu schaffen, soll der Militäretat in den Jahren bis 2019 schrittweise auf rund 35 Milliarden Euro erhöht werden.[145] Ebenfalls nicht weiter verfolgt wird seit 2015 das 2013 beschlossene sogenannte dynamische Verfügbarkeitsmanagement, wonach die jeweiligen Verbände bzw. Einheiten der Bundeswehr aus Kostengründen nur über max. 70 % des Sollbestandes an Ausrüstung verfügen und nur im Einsatzfall voll ausgerüstet werden sollten. Eine Vollausstattung der Verbände – zumindest in der Kampftruppe – wird seitdem gefordert;[146] für die Panzertruppe wurde sie bereits beschlossen.[147]
Fregatte Mecklenburg-Vorpommern der Deutschen Marine
Es bestand seit 1956 eine allgemeine Wehrpflicht für Männer, wobei jedoch die zwangsweise Einberufung zum dazugehörigen Grundwehrdienst (GWD) nach 54 Jahren endete. Nach den ersten Freiwilligen kamen am 1. April 1957 die zum Dienst an der Waffe verpflichteten Rekruten in die Kasernen.[148] Der Grundwehrdienst dauerte zuletzt sechs Monate, was bereits für Grundwehrdienstleistende galt, die zum 1. Juli 2010 einberufen worden sind. Bislang konnte alternativ als Ersatz ein Zivildienst (Dauer ebenfalls sechs Monate), ein Auslandsjahr (zwölf Monate) oder eine mindestens sechsjährige Mitarbeit im Katastrophen- oder Zivilschutz (z. B. bei einer Freiwilligen Feuerwehr oder bei anerkannten privaten Hilfsorganisationen) abgeleistet werden. Im Zuge einer grundlegenden Strukturreform mit einer drastischen Reduzierung der Mannstärke wurde u. a. zwecks umfassender Neuausrichtung der Bundeswehr bestimmt, dass die Wehrpflicht in Deutschland zum 1. Juli 2011 offiziell ausgesetzt und damit faktisch aufgehoben wurde. Sie bleibt jedoch grundsätzlich im Grundgesetz verankert. Neben den übrigen Bundestagsparteien sprachen sich seit Herbst 2010 auch die Unionsparteien für ihre Abschaffung aus; in der öffentlichen Wahrnehmung war die Wehrpflicht zuletzt nicht mehr unumstritten (→ Wehrgerechtigkeit). Die Bundeswehr wurde somit zur Freiwilligenarmee und der Zivildienst vom neuen Bundesfreiwilligendienst ersetzt. Seitdem können sich junge Männer und Frauen zum Freiwilligen Wehrdienst melden und einen mindestens sieben und maximal 23 Monate dauernden Dienst ableisten. Die seit der Aussetzung der Wehrpflicht 2011 laufende Reform der Streitkräfte sieht eine stetige personelle Stärke von 185.000 Soldaten und 55.000 zivilen Mitarbeitern vor.[149]
Bis 2005 waren auf dem US-Stützpunkt Ramstein und dem Luftwaffenstützpunkt Büchel (beide in Rheinland-Pfalz) noch 150 US-amerikanische Kernwaffen stationiert.[150] Heute lagern noch 20 Sprengköpfe in Büchel, an deren Einsatzplanung Deutschland im Rahmen der nuklearen Teilhabe beteiligt ist.[151]Polizei und Nachrichtendienste
Polizei
→ Hauptartikel: Polizei (Deutschland) und Bundespolizei (Deutschland)
Polizeihubschrauber im Einsatz für die Bundespolizei (Grenzschutz)
Zuständig für die Innere Sicherheit der Bundesrepublik sind die Polizeien der Länder, welche zum Teil in Vollzugspolizei und Ordnungsbehörden geteilt werden. Dabei übernehmen die Ordnungsbehörden verwaltungstechnische Aufgaben, während die Vollzugspolizei den Großteil der Aufgaben zur Gefahrenabwehr übernimmt. Zur Vollzugspolizei gehören etwa die Schutzpolizei, die Bereitschaftspolizei sowie die Kriminalpolizei. Der Kriminalpolizei steht zudem das Bundeskriminalamt beziehungsweise die einzelnen Landeskriminalämter vor. Das Bundeskriminalamt ist direkt dem Bundesministerium des Innern unterstellt und damit die höchste Ermittlungsbehörde in Deutschland. Zur Bundespolizei gehören unter anderem die Mobile Fahndungseinheit und die Spezialeinheit GSG 9. Auf Landesebene gibt es jeweils mindestens ein Spezialeinsatzkommando (SEK) für besonders heikle Einsätze.
Nachrichtendienste
Für die nachrichtendienstliche Informationsbeschaffung, die Spionageabwehr und den Verfassungsschutz sind in Deutschland drei verschiedene Dienste zuständig. Der Bundesnachrichtendienst (BND) als klassischer Auslandsnachrichtendienst und das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) nebst nachgeordneter Landesbehörden für Verfassungsschutz als Inlandsnachrichtendienst haben keine polizeilichen Befugnisse. Für den Militärischen Abschirmdienst (MAD), den militärischen Nachrichtendienst, wird von der Bundesregierung seit 2010 die Verschmelzung mit dem Verfassungsschutz diskutiert.
Siehe auch: Bundeszollverwaltung, Zollkriminalamt, Zollfahndungsdienst, Wirtschaftskontrolldienst
Recht
Geschichte
→ Hauptartikel: Deutsches Recht (historisch)
Das deutsche Recht hat eine lange, bis in germanische Zeit zurückreichende Tradition. Im Mittelalter wurden bedeutende Rechtssammlungen wie der Sachsenspiegel angelegt, die nicht Recht setzen, sondern vorhandenes Gewohnheitsrecht fixieren sollten. Ab dem 12. Jahrhundert wurde im Heiligen Römischen Reich zunehmend Römisches Recht angewendet, welches wegen seiner Exaktheit und Universalität als dem einheimischen germanischen Recht überlegen empfunden wurde. Aufgrund seiner staatlichen Zersplitterung kannte das Reich aber, von wenigen Kodifikationen wie der Constitutio Criminalis Carolina abgesehen, kein einheitliches deutsches Recht.
Das 1895 erbaute Reichsgerichtsgebäude in Leipzig wird seit 2002 als Bundesverwaltungsgericht genutzt.
Von nicht zu unterschätzender Bedeutung war die Einrichtung des Reichskammergerichts im Jahr 1495 als Rechtsmittelgericht des Reichs gegen Entscheidungen der Gerichte der einzelnen deutschen Staaten. Allerdings besaßen bestimmte deutsche Staaten das Privilegium de non appellando, also das Privileg, dass gegen Entscheidungen ihrer Gerichte kein Rechtsmittel zum Reichskammergericht gegeben war.
Im 18. Jahrhundert gaben sich einzelne deutsche Staaten vom Geist der Aufklärung geprägte Gesetzeswerke wie den Codex Maximilianeus Bavaricus Civilis von 1756 und das Allgemeine Landrecht für die Preußischen Staaten von 1794. 1812 wurde in den Deutschen Erblanden der österreichischen Monarchie ein modernes Allgemeines bürgerliches Gesetzbuch (ABGB) in Kraft gesetzt. Die napoleonische Ära brachte die Einführung des wegweisenden Code civil in den von Frankreich annektierten deutschen Gebieten und einigen Rheinbundstaaten, bei der es auch nach der Niederlage Napoleons blieb. Ansonsten wurde in vielen Staaten des Deutschen Bundes weiterhin teilweise noch römisches und germanisches Recht angewendet.
Erst mit Schaffung der staatlichen Einheit im Jahr 1871 war die Voraussetzung für einheitliche Gesetze im Deutschen Reich gegeben. Bereits 1871 wurde das Reichsstrafgesetzbuch verabschiedet, zum 1. Oktober 1879 traten die Reichsjustizgesetze in Kraft: Gerichtsverfassungsgesetz, Zivilprozessordnung, Strafprozessordnung, Konkursordnung und weitere Einführungs- und Nebengesetze. Zum 1. Oktober 1879 nahm auch das Reichsgericht als oberstes Gericht des Reichs seine Arbeit auf. Am 1. Januar 1900 traten schließlich das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) und das Handelsgesetzbuch (HGB) in Kraft und schufen auch auf dem Gebiet des Zivilrechts und des Handelsrechts Rechtseinheit.
Der Nationalsozialismus pervertierte das Recht zum Mittel der Gewaltherrschaft, wofür hier stellvertretend die Terrorurteile des Volksgerichtshofs zu nennen sind. Mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland wurde in Deutschland dann wieder ein Rechtsstaat geschaffen. Auf dem Gebiet der DDR hingegen, wo die Doktrin der „einheitlichen sozialistischen Staatsmacht“ galt und Gewaltenteilung und Unabhängigkeit der Gerichte unbekannt waren, kehrten erst im Zuge der Wende und friedlichen Revolution in der DDR und letztlich mit der Wiederherstellung der staatlichen Einheit im Jahr 1990 wieder rechtsstaatliche Verhältnisse ein.Rechtswesen
→ Hauptartikel: Recht Deutschlands
Ehemalige Richter des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe (1989) in ihren typischen roten Roben
Die Bundesrepublik Deutschland versteht sich als Rechtsstaat (Art. 20, Art. 28 Abs. 1 Satz 1 GG), was bedeutet, dass staatliche Tätigkeit nur durch das Recht begründet werden kann und durch das Recht begrenzt wird. Wer durch die öffentliche Gewalt in seinen Rechten verletzt wird, hat das Recht, bei Gericht um Rechtsschutz hiergegen nachzusuchen (Art. 19 Abs. 4 GG). Die Richter sind unabhängig und unterliegen bei der Rechtsprechung keinerlei Weisungen.
Die Rechtsprechung wird im Wesentlichen von Gerichten der Bundesländer ausgeübt: In Zivilsachen und Strafsachen durch die Amtsgerichte, die Landgerichte und die Oberlandesgerichte (in Berlin Kammergericht genannt), in Arbeitssachen durch die Arbeitsgerichte und die Landesarbeitsgerichte, in Verwaltungsrechtssachen durch die Verwaltungsgerichte und die Oberverwaltungsgerichte (in drei Bundesländern Verwaltungsgerichtshof genannt), in Sozialrechtssachen durch die Sozialgerichte und die Landessozialgerichte und in Finanzgerichtssachen durch die Finanzgerichte. Als Bundesgericht besteht für den gewerblichen Rechtsschutz das Bundespatentgericht. Daneben existieren als Rechtsmittelgerichte die obersten Gerichtshöfe des Bundes (Art. 95 GG): Der Bundesgerichtshof als oberstes Zivil- und Strafgericht, das Bundesarbeitsgericht, das Bundesverwaltungsgericht, das Bundessozialgericht und der Bundesfinanzhof. Für verfassungsrechtliche Streitigkeiten besteht außerdem das Bundesverfassungsgericht (Art. 93 GG), dessen Entscheidungen Gesetzeskraft entfalten können und so andere Gerichte binden.
Zunehmende Bedeutung haben das Europarecht und die Rechtsprechung des Gerichtshofs der Europäischen Union gewonnen. Vor diesem Hintergrund übt die Europäische Union erheblichen Einfluss auf das deutsche Recht aus. Seit dem Vertrag von Lissabon bildet die Bundesrepublik mit den anderen EU-Staaten eine Mitgliedschaft im Staatenverbund der EU, die ihrerseits nun auf der Grundlage eines derivativen Völkerrechtssubjektes fußt.
Wirtschaft
Grundlagen
→ Hauptartikel: Wirtschaft Deutschlands
Containerschiff im Hamburger Hafen. Am Warenwert gemessen ist Deutschland im Jahr 2011 der drittgrößte Exporteur und Importeur der Welt.[152]
Mit einem nominalen Bruttoinlandsprodukt (BIP) von etwa 2,7 Billionen Euro im Jahr 2013 ist Deutschland die größte Volkswirtschaft Europas und viertgrößte der Welt.[6] Gemessen am nominalen BIP pro Kopf steht Deutschland international an 18., in der Europäischen Union an 9. Stelle.[6] Am Warenwert gemessen war das Land im Jahr 2014 der drittgrößte Importeur und Exporteur der Welt.[14] Deutschland gilt als sehr hochentwickeltes Land, dessen Lebensstandard laut Human Development Index (HDI) gegenwärtig auf dem sechsten Platz von 186 untersuchten Ländern gelistet wird.[15]
Die Gesamtwirtschaftsleistung in Deutschland wird durch rund 2,1 Prozent im primären Sektor (Landwirtschaft), 24,4 Prozent im sekundären Sektor (Industrie) und 73,5 Prozent im tertiären (Dienstleistung) Wirtschaftssektor erbracht. 2014 verzeichnete die Bundesrepublik Deutschland mit durchschnittlich etwa 42,6 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten einen historischen Höchststand.[153] Die Zahl der Erwerbslosen lag im Jahresdurchschnitt 2014 bei 2,898 Millionen.[154] Deutschland weist gemäß Eurostat im Januar 2015 mit 4,7 % die niedrigste Arbeitslosenquote aller 28 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union auf.[155] Ein wichtiger Faktor zur Schaffung neuer Arbeitsplätze ist das Unternehmer- und Gründertum, worüber unter anderem der jährliche KfW-Gründungsmonitor Auskunft gibt.[156]
Deutschland ist Teil des Europäischen Binnenmarkts. Zusammen mit 18 weiteren EU-Mitgliedstaaten bildet es eine Währungsunion, die Eurozone (blau).
Deutschland weist eine lange Bergbautradition auf und verfügt über verschiedenste Rohstoffvorkommen. Industriegeschichtlich wie wirtschaftlich bedeutend beim Bergbau in Deutschland sind und waren unter anderem Kohle, Edelsalze, Industrieminerale und Baustoffe sowie Silber, Eisen und Zinn. Das Industrieland ist auf globale Rohstoffimporte aller Art spezialisiert.
Das Humanpotenzial mit guter Bildung und die Innovationskultur gelten als entscheidende Voraussetzungen für den weiteren Erfolg der deutschen Wirtschaft.[157] Als weltweit konkurrenzfähigste Branchen der deutschen Industrie gelten die Automobil-, Nutzfahrzeug-, elektrotechnische, Maschinenbau- und Chemieindustrie. Global bedeutend sind auch die Luft- und Raumfahrttechnik und die Versicherungswirtschaft, insbesondere die Rückversicherungen. Eine Vielzahl von weltweit bedeutenden Messeveranstaltungen, Kongresszentren, Ausstellungen sowie eine im internationalen Maßstab bedeutende Museums- und Veranstaltungslandschaft sind wichtige Grundlage von Tourismus und Reiseverkehr von und nach Deutschland.
Wirtschaftspolitisch bedeutend ist Deutschlands Teilnehmerschaft an der Europäischen Union. Das Land ist Gründungsmitglied aller EU-Vorgängerinstitutionen seit den 1950er-Jahren. Mit zusammen rund 500 Millionen Einwohnern erwirtschaftete die EU im Jahr 2011 ein nominales BIP von 17,6 Billionen US-Dollar und bildet somit den größten Binnenmarkt der Welt. Deutschland ist auch Teil der Eurozone, einer Währungsunion mit insgesamt 19 Mitgliedsländern, die etwa 337 Millionen Einwohner umfasst. Offizielles Zahlungsmittel in Deutschland ist der Euro, dessen Währungspolitik von der Europäischen Zentralbank (EZB) gesteuert wird. Der Euro wird international mit anteilig rund 25 % als zweitwichtigste Reservewährung der Welt genutzt und ist gemessen am Bargeldwert die weltgrößte Währung im Umlauf.
Einkommen und Vermögen in Deutschland sind deutlich ungleich verteilt. Die Einkommensungleichheit in Deutschland lag nach Angabe der OECD 2005 knapp unter dem OECD-Durchschnitt.[158] 2008 betrug ein mittleres verfügbares Einkommen 1.252 bei einem Gini-Index von 0,29.[159] Die Vermögensverteilung in Deutschland ist nach Zahlen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) mit einem Gini-Index von 0,799 deutlich stärker konzentriert als die Verteilung der Einkommen. Nach dem Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung von 2013 ist dies eine sehr ungleiche Verteilung, und zwar die stärkste Ungleichverteilung im Euroraum. 2007 besaßen die reichsten 2,5 Prozent der Bevölkerung 45 Prozent des Gesamtvermögens, das reichste Prozent 36 Prozent des Gesamtvermögens. Rund zwei Drittel der Bevölkerung wiesen 2007 kein oder nur ein sehr geringes Nettovermögen auf.[160]
Siehe auch: Mittelstand
Wirtschaftsentwicklung
Frankfurt am Main ist ein internationales Finanz- und Dienstleistungszentrum sowie Sitz der Europäischen Zentralbank.
Die deutsche Volkswirtschaft verzeichnete über mehrere Jahrzehnte mehr Exporte als jedes andere Land und wurde daher oft mit dem Schlagwort „Exportweltmeister“ bezeichnet.[161] Die Exporte erreichten im Jahr 2011 einen Gesamtwert von 1061,2 Milliarden Euro, während der Warenwert der Importe 902,5 Milliarden Euro betrug. Die Außenhandelsbilanz schloss im selben Jahr mit einem Überschuss von 158,7 Milliarden Euro ab.[162]
Die wichtigsten Handelspartner im Jahr 2010 waren die EU-Mitgliedstaaten (Exporte 60,3 %, Importe 56,3 %), die Volksrepublik China (Exporte 5,6 %, Importe 9,5 %), die Vereinigten Staaten (Exporte 6,8 %, Importe 5,6 %), die Schweiz (Exporte 4,3 %, Importe 4,0 %) und Russische Föderation (Exporte 2,7 %, Importe 3,9 %).[163]
Im Jahre 2006 wurde ein Wirtschaftswachstum von 3,7 Prozent erreicht. Diese positive Entwicklung setzte sich bis Anfang 2008 fort. Deutschland wurde Ende 2008 und 2009 von der internationalen Finanzkrise erfasst, was zu einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts 2009 um −5,6 Prozent führte. Anschließend wuchs die deutsche Volkswirtschaft wieder deutlich um 4,1 Prozent (2010) bzw. 3,6 Prozent (2011) und deutlich moderater in 2012 (0,4 Prozent) bzw. 2013 (0,1 Prozent). 2014 beschleunigte sich das Wirtschaftswachstum wieder auf 1,5 Prozent.[164]
Zwischen 2000 und 2011 lag die jährliche durchschnittliche Inflationsrate bei minimal 0,4 Prozent (2009) und bei maximal 2,6 Prozent (2008).[165] Anfang 2015 rutschte Deutschland im Zuge des deutlich zurückgegangenen Ölpreises erstmals seit 2009 in eine leichte Deflation (−0,3 Prozent).[166]
Siehe auch: Liste der Länder nach Bruttoinlandsprodukt und Liste der Länder nach Bruttoinlandsprodukt pro Kopf
Unternehmen
Siemens AG in München
Von den 500 weltweit umsatzstärksten Unternehmen haben 32 ihren Hauptsitz in Deutschland. Die Rangfolge der zehn umsatzstärksten Unternehmen mit Hauptsitz in Deutschland: Aufgeführt sind der Hauptsitz, der Umsatz, der Nettogewinn und die Anzahl der Mitarbeiter. Die Zahlen sind in Millionen Euro angegeben, gerundet und beziehen sich auf das Geschäftsjahr 2011.[167] Ohne Rangnummer eingefügt ist die größte Bank gemessen an der Bilanzsumme und die größte Versicherung gemessen an den Beitragseinnahmen.
Volkswagenwerk in Wolfsburg. Die Volkswagen AG ist, gemessen am Umsatz, der größte von 30 im DAX gelisteten Konzernen.
Rang
Name
Hauptsitz
Umsatz
(Mio. €)
Gewinn
(Mio. €)
Mitarbeiter
01.
Volkswagen AG
Wolfsburg
159.000
15.800
502.000
02.
E.ON SE
Düsseldorf
113.000
−1.900
79.000
03.
Daimler AG
Stuttgart
107.000
6.000
271.000
04.
Siemens AG
Berlin, München
74.000
6.300
360.000
05.
BASF SE
Ludwigshafen am Rhein
73.000
6.600
111.000
06.
BMW AG
München
69.000
4.900
100.000
07.
Metro AG
Düsseldorf
67.000
740
288.000
08.
Schwarz-Gruppe
Neckarsulm
63.000
k. A.
315.000
09.
Deutsche Telekom AG
Bonn
59.000
670
235.000
010.
Deutsche Post AG
Bonn
53.000
1.300
471.000
0—
Allianz SE
München
104.000
2.800
141.000
0—
Deutsche Bank AG
Frankfurt am Main
2.160.000
4.300
101.000
Siehe auch: Liste der größten Unternehmen in Deutschland
Informationstechnik und Telekommunikation
Hasso Plattner, Gründer von SAP
Die Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) gilt als wesentlicher Standortfaktor einer Volkswirtschaft. Zur Verbreitung von Informationen und Inhalten dienen u. a. die technische Bereitstellung von Radio, Fernsehen, Telefonen, Hardware und Software für Computer, Internet, Smartphones, Netzwerken, Satellitensysteme sowie den dazugehörigen Dienstleistungen. Die Digitalisierung der deutschen Wirtschaft wird u. a. unter dem Projektnamen Industrie 4.0 vorangetrieben.
Das umsatzstärkste in Deutschland tätige Telekommunikationsunternehmen ist die Deutsche Telekom. SAP, die Software AG, Wincor Nixdorf und DATEV zählen zu den bedeutendsten Softwareherstellern der Welt mit Hauptsitz in Deutschland. Im TecDAX sind weitere Unternehmen der Branche wie der Provider United Internet und QSC gelistet. Im Hardwarebereich ist vor allem die Entwicklung von Bedeutung, etwa bei Infineon und FTS. Neben angestammten Unternehmen der IKT-Branche gewinnen neu gegründete innovative StartUps bzw. E-Ventures in Deutschland zunehmend an Bedeutung, vor allem in den Bereichen E-Commerce (Marktplätze wie Scout24, Online-Shops wie Zalando, Reiseportale wie trivago und GetYourGuide), E-Business, E-Learning, soziale Netzwerke (Xing, Partnerbörsen) und weitere Gemeinschaftsplattformen (StartNext im Bereich Crowdfunding etwa). Innovative Gründungen im Bereich der Spitzentechnologien wie der IKT können durch größere Unternehmen, Förderbanken wie die KfW, Inkubatoren wie Rocket Internet und lokale Gründerzentren unterstützt werden.
2012 verfügten 85 Prozent der deutschen Bevölkerung (76 % im EU-Durchschnitt) über einen Internetanschluss; etwa 82 Prozent (72 % EU-Durchschnitt) konnten auf einen Breitbandanschluss zurückgreifen.[168] Insbesondere im ländlichen Raum bzw. in mittleren und kleineren Städten ist die Breitbandversorgung unterdurchschnittlich.[169] In Deutschland insgesamt soll nach Angaben der Bundesregierung bis Ende 2018 eine flächendeckende Versorgung mit mindestens 50 MBit/s erreicht werden.[170]Energie
→ Hauptartikel: Deutsche EnergiewirtschaftPrimärenergieverbrauch in Deutschland[171][172]Energieträger
2010
(%)
2011
(%)
2012
(%)
2013
(%)
Mineralöl
33,4
33,8
33,0
33,0
Erdgas
21,8
20,6
21,5
22,5
Steinkohle
12,0
12,6
12,9
12,7
Erneuerbare Energien
9,9
10,8
11,6
11,8
Braunkohle
10,7
11,7
12,0
11,6
Kernkraft
10,9
8,8
7,9
7,6
Sonstige
1,3
1,7
1,3
0,8
Deutschland war im Jahr 2010 der viertgrößte Produzent an Primärenergie in Europa und wurde auf Rang 24 unter den Energieproduzenten der Welt gelistet.[173]
2012 betrug der Primärenergieverbrauch in Deutschland 13.757 PJ (2005: 14.238 PJ).[174] Daran gemessen ist das Land der zweitgrößte nationale Energieverbraucher in Europa und siebtgrößte in der Welt.
Die Stromversorgung wurde im Jahr 2012 von 1059 Unternehmen mit Hauptsitz in Deutschland gewährleistet.[175] Die fünf größten Energieversorgungsunternehmen gemessen am Umsatz sind E.ON, RWE, EnBW, Vattenfall und die EWE AG.
Erneuerbare Energien wie z. B. Solarenergie, Windkraft, Biomasse, Geothermie und Wasserkraft lieferten im Jahr 2014 27,8 % der Bruttostromproduktion, 9,9 % des Endenergiebedarfs im Wärmesektor und 5,4 % der Kraftstoffe.[176] Im Rahmen der Energiewende ist geplant, bis 2050 den Anteil der Erneuerbaren Energien am Stromverbrauch auf 80 % zu steigern, den Primärenergieverbrauch im selben Zeitraum verglichen mit dem Jahr 2008 um 50 % zu senken und den Treibhausgasausstoß in Einklang mit den EU-Zielen um 80 % bis 95 % verglichen mit dem Jahr 1990 zu reduzieren.[177] Insgesamt sollen 2050 mindestens 60 % des Energieverbrauchs durch Erneuerbare Energien gedeckt werden.[178]
Zu Geschichte und Verlauf der Energiewende in Deutschland siehe: Energiewende nach Staaten
Tourismus
→ Hauptartikel: Tourismus in Deutschland
Die Welterbestätten in Deutschland sind bedeutende Besuchsziele für Kultur- und Naturtouristen.
Tourismus ist in Deutschland ein wichtiger Wirtschaftszweig. Vom Fremdenverkehr profitieren neben Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe auch der Einzelhandel und die Dienstleister und Anbieter von Freizeit- und Unterhaltungsangeboten in großem Umfang. Deutschland ist mit über 30 Millionen Übernachtungsgästen im Jahr eines der sieben meistbesuchten Länder der Erde.[179]
In Deutschland erzielte der Fremdenverkehr 2012 mit 2,8 Millionen direkt Beschäftigten einen Umsatz von 140 Milliarden Euro. 125,3 Millionen Gäste (101,5 Mio. aus dem Inland, 23,5 Mio. aus dem Ausland) tätigten 351,4 Mio. Übernachtungen (davon 298,5 Mio. durch Inländer und 52,9 Mio. durch Ausländer) in 54.166 Unterkünften mit etwa 2,6 Mio. Betten.[180]
Badetourismus und Wassersport sind an Küsten und Inseln der Nord- und Ostsee von großer Bedeutung, besonders in den Seebädern. Rund um die Kurorte im Binnenland herrscht Kur- und Gesundheitstourismus vor. In den deutschen Gebirgen sind saisonal jeweils Wintersport und Wanderurlaube populär. Fahrradtourismus ist im ganzen Land beliebt. Städtetourismus, Einkaufstourismus und Kulturtourismus nehmen vor allem in den Metropolen und in bedeutenden Altstädten kontinuierlich zu. Kinder- und Jugendreisen sind ebenfalls ein wachsendes Segment, z. B. in Form von Jugendaustausch. Von herausragender Bedeutung ist der Geschäfts- und Kongresstourismus, da Deutschland u. a. der international bedeutendste Messestandort ist. Deutschland richtet mehrere Weltleitmessen aus. Die ITB Berlin ist die weltweit führende Tourismusmesse. Zudem gibt es hierzulande überhaupt die größte Dichte an Festivals, was ebenfalls erhebliche Besuchermengen anlockt.
Etwa 4.000 der 11.116 Gemeinden Deutschlands sind in Tourismusverbänden organisiert, 310 davon sind als Heilbäder, Seebäder oder Kurorte anerkannt. Den Gästen stehen unter anderem 6.135 Museen, 366 Theater, 34 Freizeit- und Erlebnisparks, 45.000 Tennisplätze, 648 Golfplätze, 122 National-/Naturparks und Biosphärenreservate, ein Wanderwegnetz von 190.000 km sowie 40.000 Kilometer Radfernwege zur Verfügung. Die deutschen Ferienstraßen runden das Angebot an Reisewegen ab.
Siehe auch: Liste deutscher Kurorte und Liste deutscher Seebäder
Verkehr
Verkehrswegebündelung im europäischen Korridorkonzept
Aufgrund der dichten Besiedlung und zentralen Lage in Europa besteht in Deutschland ein sehr hohes Verkehrsaufkommen. Insbesondere für den Güterverkehr stellt es ein wichtiges Transitland dar. Durch das Konzept der Transeuropäischen Netze soll Deutschland als Transferraum zwischen dem ersten europäischen Kernwirtschaftsraum, der sogenannten Blauen Banane, und dem Kernwirtschaftsraum in Ostmitteleuropa gefördert werden. Wichtige Projekte in diesen Netzen sind die Eisenbahnachsen Lyon/Genua–Rotterdam/Antwerpen, POS (Paris–Ostfrankreich–Südwestdeutschland), PBKAL (Paris–Brüssel–Köln–Amsterdam–London), Berlin–Palermo und die Magistrale für Europa. Ferner ist Deutschland der westliche Ausgangspunkt einiger Paneuropäischer Verkehrskorridore.
Der Güterverkehr hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stetig von der Schiene auf die Straße verlagert. Als Gegenmaßnahme wurde 2005 eine Autobahnmaut für Lastkraftwagen eingeführt. Im Bereich des Schienenverkehrs wurden in den letzten Jahren von der Deutschen Bahn vor allem unrentable Nebenstrecken sowie Güter- und Rangierbahnhöfe stillgelegt sowie Personenfernverkehrsverbindungen eingestellt. Der Bundesverkehrswegeplan 2015 gilt für den Zeitraum 2016–2030.
Straßenverkehr
Bereits die Römer legten gepflasterte Straßen in Deutschland an, die aber wieder verfielen. Die ersten Chausseen wurden im 18. Jahrhundert erbaut. Die Erfindung des Automobils gab dem Straßenbau neue Impulse. Die erste Autobahn der Welt wurde 1921 in Deutschland gebaut, die AVUS in Berlin. Der Straßenverkehr hat in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Eisenbahn als wichtigsten Verkehrsträger abgelöst. Deutschland besitzt eines der dichtesten Straßennetze der Welt. Das Bundesfernstraßennetz umfasst 12.845 Kilometer Autobahnen (Stand: 2012) und 40.711 Kilometer Bundesstraßen. Weiterhin umfasste das überörtliche Straßennetz 86.597 Kilometer Landesstraßen, 91.520 Kilometer Kreisstraßen und die Gemeindeverbindungsstraßen.
Um die Gefahren und Belastungen des Straßenverkehrs zu reduzieren, wurden in vielen deutschen Städten Fußgängerzonen, verkehrsberuhigte Zonen und Tempo-30-Zonen eingerichtet. Die Anzahl der getöteten Verkehrsteilnehmer nahm seither kontinuierlich ab. Verstarben im Jahr 2006 noch 5094 Menschen im Straßenverkehr, so waren es im Jahr 2011 nur noch 4009.[181] Der Radverkehr spielt in Deutschland eine zunehmend große Rolle, sein Ausbau wird politisch etwa durch den Radverkehrsplan unterstützt.
Siehe auch: Liste der Bundesautobahnen in Deutschland
Schienenverkehr
ICE 3 im Kölner Hauptbahnhof
Deutschland verfügt über ein Eisenbahnnetz von etwa 35.000 Kilometern Länge. Es wird täglich von bis zu etwa 50.000 Personen- und Güterzügen befahren. Im Rahmen der Bahnreform wurden die Staatsbahnen Deutsche Bundesbahn (West) und Deutsche Reichsbahn (Ost) zum 1. Januar 1994 in das privatwirtschaftliche Unternehmen Deutsche Bahn AG überführt. Es organisiert den Großteil des Eisenbahnverkehrs in Deutschland.
Neben der DB AG befahren rund 350 weitere Eisenbahnverkehrsunternehmen das deutsche Eisenbahnnetz. Während sich der Staat aus dem operativen Betrieb zurückgezogen hat, finanziert er den Großteil des Netzunterhalts und -ausbaus sowie (über Regionalisierungsmittel) weitgehend den Regionalverkehr.
Regional- (Interregio-Express (IRE), Regionalbahn (RB), Regional-Express (RE) und S-Bahnen (S)) und Fernverkehr (Intercity (IC), Eurocity (EC) und Intercity-Express (ICE)) fahren weitgehend nach Taktfahrplan. Für Fernzüge stehen Schnellfahrstrecken in einer Gesamtlänge von etwa 2000 Kilometer zur Verfügung.
Siehe auch: Geschichte der Eisenbahn in Deutschland und Liste von Eisenbahnstrecken in Deutschland
Nahverkehr
Straßenbahn (Tram) in der Dresdner Altstadt
1881 eröffnete Werner von Siemens in Lichterfelde bei Berlin die erste elektrische Straßenbahn der Welt. Dieses Verkehrsmittel dominierte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts den öffentlichen Nahverkehr der größeren Städte in Deutschland. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden vor allem in Westdeutschland viele Straßenbahnen stillgelegt, andere zu Stadtbahnen mit innerstädtischen Tunnelstrecken umgebaut. Ersetzt wurden sie durch Omnibus-Verkehre, die auch auf dem Land flächendeckend vorhanden sind und nahezu jeden Ort erschließen. Allerdings wurden die Busnetze durch den Bevölkerungsrückgang im ländlichen Raum zuletzt ausgedünnt und häufig durch Rufbus-Systeme ersetzt. Nur in den größten Städten wurden im 20. Jahrhundert U-Bahnen angelegt und mit S-Bahnen zu einem Schnellbahnnetz für Stadt und Umland kombiniert. Die Verkehrsverbünde ermöglichen es, sämtliche Verkehrsmittel in einer Region mit einem Fahrschein zu einem einheitlichen Preis zu benutzen.
Seit den 1980er-Jahren wurden Radwegnetze in den Städten und auf dem Land angelegt und ausgebaut, sodass heute das Fahrrad wieder eine zunehmende Rolle im Nahverkehr spielt. Im internationalen Vergleich ist auch der öffentliche Nahverkehr in den größeren Städten Deutschlands durch hohe Effektivität und Flächendeckung gekennzeichnet.Luftverkehr
Der Münchner Flughafen „Franz Josef Strauß“
Mit rund 550 Flughäfen und Flugplätzen verfügt Deutschland über eine der größten Dichten an Start- und Landeplätzen weltweit. 16 Flughäfen des Landes bieten internationalen Flugverkehr an.
Der Flughafen Frankfurt am Main ist gemessen an der Anzahl abgefertigter Passagiere (2013: 58,04 Millionen) der größte Deutschlands, der drittgrößte Europas und gemessen am Frachtaufkommen (2013: 2,13 Millionen Tonnen) der größte Flughafen Europas. Die größte deutsche Fluggesellschaft Lufthansa betreibt in Frankfurt, auf dem zweitgrößten deutschen Flughafen in München sowie auf dem drittgrößten deutschen Flughafen in Düsseldorf interkontinentale Drehkreuze. Air Berlin, die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft, betreibt auf ihrem Heimatflughafen in Berlin-Tegel sowie in München, Düsseldorf, Palma de Mallorca und Wien weitere internationale Drehkreuze. Seit dem Jahr 1999 beschäftigen sich Berlin, Brandenburg, der Bund und das Konsortium „Flughafen-Partner für Berlin und Brandenburg“ mit der Errichtung des Flughafens Berlin Brandenburg „Willy Brandt“.[182]
Einen eigenen Weltraumbahnhof (bzw. Raumhafen) für den Verkehr über die Kármán-Linie (100 km) hinaus bis in den Weltraum besitzt Deutschland nicht. Für die Raumfahrt durch z. B. das DLR muss deshalb meist auf den CSG-Raumhafen in Französisch-Guayana oder das russisch betriebene Kosmodrom Baikonur ausgewichen werden.
Siehe auch: Liste der Verkehrsflughäfen in Deutschland und Liste deutscher Flugplätze
Seeverkehr
Die Landungsbrücken am Hamburger Hafen
Aufgrund des überproportional hohen Außenhandelsanteils ist Deutschland in erheblicher Weise auf den Seehandel angewiesen. Es verfügt über eine Anzahl moderner Seehäfen, wickelt aber auch große Anteile seines Handels nach Übersee über die Häfen von Nachbarländern, vor allem der Niederlande, ab. Die drei umschlagstärksten Seehäfen in Deutschland sind Hamburg, Wilhelmshaven und die Bremer Häfen. Der JadeWeserPort in Wilhelmshaven ist der einzige Tiefwasserhafen in Deutschland. Die wichtigsten Ostseehäfen sind Rostock und Lübeck. Warnemünde ist der meistfrequentierte Kreuzfahrthafen Deutschlands.[183]
Die wichtigsten Seeschifffahrtsstraßen sind Unterelbe und Unterweser. Der Nord-Ostsee-Kanal ist auch für den Transitverkehr bedeutsam (u. a. Rendsburg Port). Vor der deutschen Ostseeküste liegt mit der Kadetrinne die meistbefahrene Schiffsroute der Ostsee.
Es gibt in Deutschland ein gut ausgebautes Netz von Wasserstraßen für die Binnenschifffahrt. Die wichtigsten schiffbaren Flüsse sind Rhein, Main, Mosel, Weser und Elbe. Bedeutende Binnenkanäle sind der Mittellandkanal, der Dortmund-Ems-Kanal, der Rhein-Herne-Kanal und der Elbe-Seitenkanal. Der Main-Donau-Kanal überwindet die große europäische Wasserscheide und ermöglicht so einen direkten Schifffahrtsweg von der Nord- und Ostsee zum Schwarzen Meer. Der Komplex der Duisburg-Ruhrorter Häfen ist der umschlagstärkste Binnenhafen Deutschlands und gilt als größter Binnenhafen Europas.Kultur
→ Hauptartikel: Kultur Deutschlands
J. W. von Goethe, 1786
  (Vorrede aus Faust)
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Du kannst den Clip herunterladen oder eine Abspielsoftware herunterladen, um den Clip im Browser abspielen zu können.Die deutsche Kunst- und Kulturgeschichte, deren Wurzeln bis in die Zeit der Kelten, Germanen und Römer zurückreichen, hat seit dem Mittelalter eine Vielzahl von stil- und epochenprägenden Persönlichkeiten hervorgebracht. In den verschiedensten Disziplinen wurden deutschsprachige Kulturschaffende Wegbereiter neuer geistiger Strömungen und Entwicklungen. Bis heute zählen einige der einflussreichsten deutschen Künstler zu den Protagonisten der westlichen Zivilisation.[184]
Die deutsche Kultur hat sich, da Deutschland lange nicht als Nationalstaat existierte, über Jahrhunderte vor allem über die gemeinsame Sprache definiert. Erst im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde der Begriff auf Kulturbeiträge von Deutschen und auf deutsche Territorien bezogen, was aber der auch zuvor bestandenen deutschen Identität jener Kulturschaffenden nicht abträglich war. Über die neuen Reichsgrenzen hinaus haben dem Land um 1900 viele das Charakteristikum einer deutschen Kulturnation zugeschrieben.[185]
Die Internationalen Filmfestspiele Berlin (Berlinale)
Durch die Verbreitung von Massenmedien im 20. Jahrhundert hat die Populärkultur in der deutschen Gesellschaft einen hohen Stellenwert erhalten. Die Verbreitung des Internets im 21. Jahrhundert hat zu einer Differenzierung der Kulturlandschaft geführt und die mannigfaltigen Nischen- und Szenekulturen in ihren Ausprägungen verändert.[186]
Die Kulturpolitik in Deutschland fällt verfassungsgemäß in die Zuständigkeit der Bundesländer. Kulturelle Vielfalt und regionale Identität sollen damit gewährleistet sein. Im Bundeskanzleramt ist der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien zuständig für kulturelle Einrichtungen und Projekte von nationaler und gesamtstaatlicher Bedeutung.[187] Seit dem Vertrag von Maastricht 1993 verfügt die EU über für Kulturschaffende wichtige Kompetenzen im Bereich Urheberrecht.
Der Verbreitung der deutschen Sprache und Kultur in der Welt dienen die Goethe-Institute. Mit insgesamt 158 Standorten, inklusive Verbindungsbüros, ist das Institut im Jahr 2013 in 93 Ländern vertreten.[188]
Laut einer Umfrage in 22 Staaten für die BBC im Jahr 2013 genießt Deutschland international ein hohes Ansehen unter 16 untersuchten Ländern. Durchschnittlich bewerten 59 Prozent der Befragten Deutschlands Einfluss und politisches Wirken als positiv, 15 Prozent haben ein negatives Bild. Damit bestätigt das Land den ersten Platz zum sechsten Mal in Folge seit dem Jahr 2008.[189][190]
Literatur und Philosophie
→ Hauptartikel: Deutschsprachige Literatur und Deutsche Philosophie
Immanuel Kant, Philosoph
Die bedeutendste Handschrift in der Entwicklung der deutschen Sprache und zugleich das älteste deutsche Buch ist der so genannte Abrogans mit dem Vaterunser des Codex Sangallensis 911 sowie die Übersetzungen Notkers des Deutschen. Sie werden in der Stiftsbibliothek St. Gallen aufbewahrt.
Die deutsche Literatur reicht zurück bis in das Frühmittelalter in dem schon früh die ersten mittelalterlichen Bibliotheken mit Handschriften und Buchmalereien entstanden. Hervorzuheben ist der Minnesang der unter anderem in dem einmaligen Codex Manesse überliefert ist. Als bekanntester Minnesänger gilt Walther von der Vogelweide. Ein Grundstein der deutschen Literatur ist das Versepos des Nibelungenlieds.
Als revolutionär erwies sich am Ausgang des Mittelalters der Buchdruck durch Johannes Gutenberg mit beweglichen Lettern. Sein bedeutendstes Werk war der Druck der Gutenberg-Bibeln. Schließlich konnte Pergament als Beschreibstoff durch das wesentlich günstigere Papier ersetzt werden.
Aus der Zeit vor 1871 stammt der teilweise noch verwendete Begriff vom Land der Dichter und Denker.
Als bedeutendste deutsche Autoren gelten u. a. Gotthold Ephraim Lessing, Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller sowie die Brüder Grimm. Mit Heinrich Heine, Kurt Tucholsky, Bertolt Brecht, Thomas und Heinrich Mann oder Hannah Arendt stachen zu ihrer Zeit wichtige Literaten hervor.
Die Frankfurter Buchmesse
Im 20. Jahrhundert waren deutsche Nobelpreisträger für Literatur Theodor Mommsen (1902), Rudolf Eucken (1908), Paul Heyse (1910), Gerhart Hauptmann (1912), Thomas Mann (1929), Hermann Hesse (1946), Heinrich Böll (1972) und Günter Grass (1999), im 21. Jahrhundert Herta Müller (2009).
Die Frankfurter Buchmesse gilt als bedeutendster Treffpunkt des internationalen Verlagswesens und der Literaturszene. Dort wird jährlich der „beste Roman deutscher Sprache“ mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet. Für Neuerscheinungen ist der Preis der Leipziger Buchmesse von großer Bedeutung.
Zu den einflussreichsten deutschen Philosophen zählen Gottfried Wilhelm Leibniz, Nikolaus von Kues, Immanuel Kant, Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Arthur Schopenhauer, Martin Heidegger und Friedrich Nietzsche. Mehrere bedeutsame philosophische Strömungen gingen von deutschen Philosophen aus: Der Deutsche Idealismus ebenso wie der von Karl Marx und Friedrich Engels begründete Marxismus. Im 20. Jahrhundert war vor allem die Kritische Theorie der sogenannten Frankfurter Schule von Theodor W. Adorno und Max Horkheimer bedeutsam. In ihrer Nachfolge wurde Jürgen Habermas zu einem der weltweit bekanntesten lebenden Philosophen.
Musik
→ Hauptartikel: Musik in DeutschlandDeutsche Musiker
Ludwig van Beethoven (1770–1827)
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Johann Sebastian Bach, Toccata und Fuge d-Moll BWV 565
Hans Zimmer, Komponist
Rammstein, 2012
Kraftwerk, 2009Deutschland kann auf eine lange und vielseitige Musikgeschichte zurückblicken. Aus ökonomischer Sicht ist das Land der drittgrößte Musikmarkt der Welt.[191]
Die Geschichte der europäischen klassischen Musik wird über weite Strecken von deutschen Komponisten geprägt. Aufgrund der zentralen Lage Deutschlands konnten hier unterschiedliche Musiktraditionen aus ganz Europa zusammenfließen. In der Barockzeit erlebten die Kirchenmusik und der Orgelbau eine große Blüte. Wichtige Barockkomponisten waren u. a. Heinrich Schütz, Georg Friedrich Händel, Johann Sebastian Bach. Stilbildend für die Wiener Klassik waren aus Deutschland die Komponisten der Mannheimer Schule, Ludwig van Beethoven und Wolfgang Amadeus Mozart, der auch als österreichischer Komponist gilt. Beginnend zur Zeit des Vormärz wurde der begleitete Liedgesang durch Komponisten wie Robert Schumann und Felix Mendelssohn Bartholdy zu einer eigenen Kunstgattung entwickelt. Weitere wichtige deutsche romantische Komponisten waren Johannes Brahms, Richard Wagner und Richard Strauss. Im 20. Jahrhundert erlangten u. a. die Komponisten Carl Orff und Hanns Eisler Popularität. Nach 1950 war in Westdeutschland die Entwicklung der seriellen und elektronischen Musik durch Komponisten wie Karlheinz Stockhausen bedeutend. In der Neuen Musik hat Werner Henze internationale Bedeutung erlangt. Wichtige zeitgenössische deutsche Komponisten sind z. B. Wolfgang Rihm sowie der weltweit sehr erfolgreiche Filmmusikkomponist Hans Zimmer.
Siehe auch: Liste deutscher Komponisten klassischer Musik
Die Populäre Musik in Deutschland wurde über große Teile des 20. Jahrhunderts von Schlager und volkstümlicher Musik geprägt. Interpreten des Genres sind u. a. Helene Fischer, Heino und Max Raabe. Der Ende der 1960er-Jahre entstehende Krautrock hatte Einfluss auf die Entstehung verschiedener Formen der Rockmusik sowie der elektronischen Musik, zu deren Pionieren die deutschen Musiker Kraftwerk, Klaus Schulze und Tangerine Dream zählen. Die als „Neue Deutsche Welle“ bezeichnete Etablierung einer eigenständigen, auch international erfolgreichen deutschen Pop- und Rockmusik fand Anfang der 1980er-Jahre durch Interpreten wie Nena, Hubert Kah und Peter Schilling ihren kommerziellen Höhepunkt. Weitere erfolgreiche Interpreten dieser Zeit sind die Synthpopgruppe Alphaville, Trio, Extrabreit, Joachim Witt, DAF, Ideal, Münchener Freiheit und die Spider Murphy Gang.
Bekannte Vertreter des Ostrock sind City, Karat, Silly, Keimzeit, Karussell, electra und die Puhdys. Viele der DDR-Bands wurden wegen ihrer Freiheit und Veränderung herbeisehnenden Texte zensiert oder gar verboten, dennoch gelang ihnen dank geheimer Konzerte Ende der 1980er-Jahre erfolgreich der politische Protest gegen das Regime und es kam u. a. zur Resolution von Rockmusikern und Liedermachern.
Seit der Entstehung in den 1980er-Jahren ist deutschsprachiger Alternative- und Punkrock verbreitet. Zu den erfolgreichsten Vertretern gehören Die Ärzte, Beatsteaks, Nina Hagen und Die Toten Hosen. International populär sind die deutschen Rockbands The Rattles oder The Lords sowie die Hard-Rock-Band Scorpions und Rammstein, bekanntester Vertreter der sogenannten Neuen Deutschen Härte, zu der auch Oomph! und Unheilig gezählt werden. Populären Indie-Rock und -Pop produzieren die Sportfreunde Stiller, Tocotronic, Blumfeld, Selig und Jennifer Rostock. Im Bereich Reggae/Dancehall sind u. a. Seeed und ihr Sänger Peter Fox sowie die Gruppe Culcha Candela erfolgreich. Erfolgreiche deutschsprachige Hip-Hop-Künstler sind u. a. Die Fantastischen Vier, Fettes Brot, Marteria, Samy Deluxe, Jan Delay, Blumentopf, Bushido, K.I.Z., Casper, Cro, Sido und Deichkind.
Zu den bekanntesten deutschsprachigen Popmusikern der vergangenen Jahre gehören James Last, Udo Lindenberg, Peter Maffay, Herbert Grönemeyer, Westernhagen, Silbermond, Juli, Ich + Ich, Frida Gold, Tim Bendzko, Andreas Bourani sowie der Sänger Xavier Naidoo. Die englischsprachige Band Reamonn war europaweit populär. 2010 gewann Lena für Deutschland den Eurovision Song Contest. Weltweit erfolgreich waren auch die Produktionen von Frank Farian mit Boney M. und Milli Vanilli, Dieter Bohlen (mit Modern Talking), die Casting-Band No Angels, die Metal-Band Blind Guardian, die Sängerin Sarah Connor, der Violinist David Garrett und die vor allem bei weiblichen Teenagern beliebte Band Tokio Hotel. Auch in der Electro- bzw. Technomusik spielen deutsche Produzenten eine wichtige Rolle, wie z. B. Mousse T., Paul van Dyk, Scooter, 2raumwohnung, Tomcraft, Moguai, The Disco Boys, Lexy & K-Paul, Kai Tracid, Tiefschwarz, Blank & Jones und Paul Kalkbrenner.
Bis 2010 war die Loveparade eine der weltweit größten Musikveranstaltungen. Deutsche Musikfestivals von überragender Bedeutung sind heute Rock am Ring, das Wacken Open Air, das Fusion Festival, die Berlin Music Week, Hurricane Festival, Southside, SonneMondSterne, Deichbrand, Melt!, Schlossgrabenfest, Summerjam, Nature One, Mayday, Airbeat One, With Full Force und das WGT. Stadtmusikfeste wie die Fête de la Musique oder das Honky Tonk finden in ganz Deutschland statt. Hinzu kommen viele kleinere Festivals, die bestimmte Musikstile, Regionen oder Themen bedienen.
Die internationale Leitmesse zum Thema Musizieren ist die Musikmesse Frankfurt. Ein bedeutender deutscher Musikwettbewerb ist der jährliche Bundesvision Song Contest, der Echo ist der wichtigste Musikpreis im Land. Das in Berlin beheimatete StartUp SoundCloud ist eine der wichtigsten Plattformen für Musiker in aller Welt.[192]
Film
→ Hauptartikel: Deutscher Film und Fernsehen in Deutschland
Das Filmstudio Babelsberg in Potsdam wurde 1912 gegründet und gilt heute als renommiertes Filmatelier in Europa.
Seit Ende des 19. Jahrhunderts werden in Deutschland Filme produziert. Das Berliner Varieté Wintergarten wurde zum ersten Kino der Geschichte, als die Gebrüder Skladanowsky dort 1895 einen Film vor Publikum vorführten. Das Filmstudio Babelsberg in Potsdam bei Berlin wurde 1912 gegründet und war damit das erste große Filmstudio der Welt – und ein Vorläufer zu Hollywood. Es produziert heute wieder Filme von internationalem Format und gilt als eines der größten Filmstudios in Europa.[193] Babelsberg wurde zum Synonym für den erfolgreichen populären Film. Unterschiedlichste Genres wurden in dieser Frühphase des Films neu entwickelt. Der 1927 produzierte Film Metropolis von Fritz Lang wurde zum ersten Science-Fiction-Spielfilm. 1930 wurde Der blaue Engel mit Marlene Dietrich zu einem internationalen Erfolg des deutschen Tonfilms.
In der Zeit zwischen 1933 und 1945 wurde der deutsche Film häufig als Propagandamedium eingesetzt. Die zu dieser Zeit entstandenen Filme von Leni Riefenstahl etablierten neue Standards im Bereich des Dokumentarfilms. Verschiedenste Techniken wurden später auch in Werbefilmen umgesetzt. Nach 1945 nahm in Westdeutschland die UFA die Produktion wieder auf; unter anderem wurden Heimatfilme populär. Ab den 1960ern wurden Wallace- und Winnetou-Filme beliebt. Durch die Verbreitung von Fernsehgeräten und der aufkommenden Konkurrenz von Fernsehserien und -Filmen geriet die Kinowirtschaft in eine Krise, der mit dem Neuen Deutschen Film begegnet wurde. Rainer Werner Fassbinder, Wim Wenders, Volker Schlöndorff und Werner Herzog wurden zu den wichtigsten Vertretern des Autorenfilms dieser Zeit. Regisseure wie Konrad Wolf prägten das Filmschaffen in der DDR. Mit Umstellung der Filmförderung konnten in den 1980er-Jahren Großproduktionen wie jene von Bernd Eichinger umgesetzt werden. Seit 1990 wurden Beziehungskomödien vermehrt populär. Nach der Jahrtausendwende fanden vereinzelt Genrefilme ihr Publikum. Das deutsch-türkische Kino bekam Beachtung und verschiedenste Jugendfilme konnten ein Nischenpublikum finden. Einige deutsche Filme waren auch international erfolgreich. Die mit über 100 Millionen Zuschauern erfolgreichste deutsche Kinoproduktion ist die Filmreihe Schulmädchen-Report, die von 1970 bis 1980 in knapp 40 Ländern gezeigt wurde.
Bedeutende deutsche Filmstudios sind Bavaria Film, Constantin Film, MMC und die UFA. Zu den erfolgreichsten deutschen Regisseuren und Filmproduzenten der Neuzeit zählen u. a. Roland Emmerich, Wolfgang Petersen, Florian Henckel von Donnersmarck, Caroline Link, Wolfgang Becker und Fatih Akın. Weitere profilierte Filmemacher sind auch Til Schweiger, Michael Herbig, Andreas Dresen, Uwe Boll, Dani Levy, Oskar Roehler, Uli Edel und Tom Tykwer.
Insgesamt entstanden bis 2013 mehr als 10.000 Filme unter deutscher Beteiligung.[194] Im Jahr 2011 gab es in Deutschland insgesamt 1671 Lichtspielhäuser mit 4640 Kinosälen. Die Anzahl der Besucher lag bei rund 129,6 Millionen. Von den 532 Erstaufführungen im selben Jahr waren 212 Filme mit vorwiegend deutscher Produktionsbeteiligung, darunter 132 Spiel- sowie 80 Dokumentarfilme. Der Marktanteil deutscher Produktionen betrug 21,8 Prozent (16,8 % im Vorjahr).[195]
Die bedeutendste nationale Auszeichnung ist der Deutsche Filmpreis mit der „Lola“, die jährlich von der Deutschen Filmakademie vergeben wird. Der Europäische Filmpreis „Felix“ wird jedes zweite Jahr in Berlin vergeben. Die als „Berlinale“ bekannten Internationalen Filmfestspiele Berlin werden jedes Jahr im Februar aufgeführt und haben sich als global bedeutendes Ereignis der Filmwelt etabliert, auf Augenhöhe mit den A-Festivals von Cannes und Venedig.
Siehe auch: Liste bedeutender deutscher Filme
Bildende Kunst
C. D. Friedrich
Der Wanderer über
dem Nebelmeer, 1818
Franz Marc
Blaues Pferd
1911
Bedeutende deutsche Renaissancekünstler sind unter anderem Albrecht Altdorfer, Lucas Cranach der Ältere, Matthias Grünewald, Hans Holbein der Jüngere und, der wohl bekannteste unter ihnen, Albrecht Dürer.
Die bedeutendsten aus Deutschland stammenden Barockmeister sind Johann Baptist Zimmermann, die Brüder Asam sowie der in Siegen geborene, aber nach Antwerpen ausgewanderte Peter Paul Rubens.
Bedeutende Romantiker sind neben Caspar David Friedrich die Künstler Philipp Otto Runge, Carl Spitzweg und der Nazarener Philipp Veit. Preußische Maler wie Anton von Werner und Emil Hünten stehen für die Historienmalerei, die Münchner und die Düsseldorfer Malerschule sind international von Bedeutung. Von diesen verlagerte sich der Schwerpunkt der Kunstszene nach Berlin, mit den Impressionisten im Umfeld der Berliner Secession, u. a. die Impressionisten Max Liebermann, Lovis Corinth, Ernst Oppler und Max Slevogt und anschließend den Expressionisten Max Beckmann, Paul Klee, Gabriele Münter und Otto Dix, sowie den Surrealisten Max Ernst, Hans Richter und Hans Arp. Weiterhin von Bedeutung waren die beiden expressionistischen Künstlergemeinschaften „Brücke“ und „Der Blaue Reiter“.
In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelt sich die Documenta zur führenden Kunstausstellung. Jüngere Künstler dieser Zeit umfassen den vielseitigen Jörg Immendorff, den Aktionskünstler und Konzeptualisten Joseph Beuys und die zu den Neuen Wilden zählenden Markus Lüpertz und Martin Kippenberger.
In den 1960er-Jahren entwickeln sich im Rheinland u. a. mit Nam June Paik, Wolf Vostell und HA Schult neue Kunstformen wie das Happening, die Videokunst und die Fluxus-Bewegung. Bedeutende Fotokünstler im 20. Jahrhundert waren Helmut Newton, Sigmar Polke, Gunter Sachs sowie Bernd und Hilla Becher, die die Düsseldorfer Photoschule begründeten.
In der DDR war die Leipziger Schule um Werner Tübke, Bernhard Heisig und Wolfgang Mattheuer prägend. Zu den wichtigen zeitgenössischen Künstlern zählen der Neoexpressionist Georg Baselitz, der in der Tradition der Geschichtsmalerei stehende Anselm Kiefer, die den Kapitalistischen Realismus prägenden Sigmar Polke und Gerhard Richter sowie die für Ironie bekannte Rosemarie Trockel. Der die „trügerische Idylle“ darstellende Norbert Bisky, die zur Neuen Leipziger Schule gezählten Neo Rauch und Aris Kalaizis, sowie der auf Historienbilder konzentrierte Daniel Richter sind Beispiele für sehr erfolgreiche Künstler der Nachwendegeneration. Der bislang weltgrößte Kunstfälscher-Prozess wurde Wolfgang Beltracchi gemacht.
Zu den bekanntesten zeitgenössischen deutschen Fotografen zählen Andreas Gursky, Peter Lindbergh, Wolfgang Tillmans, Horst P. Horst und Thomas Ruff.Architektur
→ Hauptartikel: Architektur in Deutschland
Der Kölner Dom und die Hohenzollernbrücke
Bauhaus-Kunstschule in Weimar von 1911, Begründungsort des globalen Modernismus
Deutschland hat eine reiche und vielfältige Architekturgeschichte, die eng verwoben mit der abendländischen Architekturgeschichte der Nachbarländer ist. Grundlage war vor allem die Architektur der römischen Antike, aus der einmalige Bauwerke erhalten sind, wie beispielsweise die Porta Nigra in Trier und das ab 1999 freigelegte Römische Theater Mainz. Einige vorromanische Bauten wie zum Beispiel die Torhalle Lorsch zeigen heute noch die Entwicklung zur Romanik, die im Heiligen Römischen Reich etwa 1030 einsetzt. Die Gotik begann in Frankreich, die ersten gotischen Bauwerke im Heiligen Römischen Reich wurden ab etwa 1230 errichtet, zum Beispiel die Liebfrauenkirche in Trier.
Um etwa 1520 kam die Renaissance aus dem Gebiet des heutigen Italien in das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, als herausragende Beispiele gelten das Augsburger und das Bremer Rathaus. Der Stil des Barock setzte ab 1650 ein. Prominent sind etwa die Werke von Balthasar Neumann, die Wieskirche und das Residenzschloss Ludwigsburg. Etwa 1770 setzt die Stilepoche des Klassizismus ein. Beispiele sind das Brandenburger Tor von Carl Gotthard Langhans, sowie das Alte Museum und das Schloss Charlottenhof in Berlin von Karl Friedrich Schinkel – einem preußischen Baumeister, der viele Folgegenerationen weltweit beeinflusste, auch durch sein Wirken an der Berliner Bauakademie.
Einige der bekanntesten Bauwerke Deutschlands wurden in der Stilepoche des Historismus (um 1840 bis etwa 1900) gebaut; Beispiele hierfür sind die Dresdner Semperoper, der Berliner Dom und das Schweriner Schloss. Einflussreiche Architekten dieser Epoche waren u. a. Gottfried Semper, Friedrich August Stüler, Friedrich von Gärtner und die ersten größeren Architekturbüros wie Cremer & Wolffenstein und Schilling & Graebner. Diese Zeit prägte in Folge von Industrialisierung, Gründerzeit und starkem Bevölkerungswachstum architektonisch den überwiegenden Teil Deutschlands. Es entstanden ganze Blockrand-Stadtgebiete für alle Bevölkerungsschichten, wie etwa in Berlin durch den metropolischen Hobrecht-Plan, daneben auch Villenkolonien und dicht bebaute Vorstädte. Es bildeten sich auch regionalspezifische Stile wie die Hannoversche Architekturschule, der Nürnberger Stil, die Semper-Nicolai-Schule im Raum Dresden und der Johann-Albrecht-Stil in Mecklenburg aus. Teilweise gab es schon stilistische Abweichungen von Stadt zu Stadt. Gepflegte Gründerzeitviertel gelten in vielen Städten heute als bevorzugte Wohnlage bzw. Szeneviertel und vereinen das städtische Leben auf sich.[196] Zeitgleich mit der Spätphase des Historismus setzte um 1890 der Jugendstil ein und währte bis etwa 1910, der Begriff entstand in Anlehnung and die ab 1896 erschienene Münchner Zeitschrift Die Jugend. Das bedeutendste Ensemble der Zeit ist die Darmstädter Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren deutsche Architekten Vorreiter der Klassischen Moderne. Vorläufer dazu entwickelte der 1907 gegründete Deutsche Werkbund. Walter Gropius als Begründer der Bauhaus-Schule, Ludwig Mies van der Rohe und das Neue Frankfurt setzten Impulse des Neuen Bauens, die die Architektur bis heute weltweit prägen. Auch die ersten deutschen Hochhäuser entstanden, vor allem in Berlin. Ein weitgehend für Deutschland spezifischer moderner Stil ist der Expressionismus. Eine Begleitbewegung zur modernistischen Bewegung war ab 1904 bis in die frühen 1960er-Jahre die Heimatschutzarchitektur, welche die regionaltypische Architektur vieler Orte pflegte und dabei weiter entwickelte. Bei der Architektur im Nationalsozialismus herrschte oftmals ein monumentaler, autokratischer Stil vor, es entstanden Repräsentativbauten wie das Berliner Olympiastadion. In der Zeit des Wiederaufbaus nach dem Krieg herrschte Pragmatismus vor, es entstanden viele großflächige Einzelbauten und zerstreute Siedlungen, die DDR-Architektur war zunächst durch sozialistischen Klassizismus, später durch industrielle Bauweise wie den Plattenbau geprägt. Die Architekturszene suchte darüber hinaus nach extravaganteren Ausdrucksformen für Solitärbauten. In der Bundesrepublik war das 1972 fertiggestellte postmoderne Olympiastadion in München von Frei Otto und Behnisch ein wichtiges Projekt, das das neue Selbstverständnis deutscher Architektur in die Welt trug. Mit dem 256 m hohen Frankfurter Messeturm entstand 1991 der bis dahin höchste Wolkenkratzer Europas, der 1997 durch den Commerzbank Tower abgelöst wurde, dem bis heute höchsten Hochhaus Deutschlands. Die höchste Struktur auf deutschem Boden ist der 368 m hohe Berliner Fernsehturm, der 1969 eingeweiht wurde.
In den letzten Jahrzehnten hat sich die Entwicklung der Architektur globalisiert, zugleich werden häufig aber auch regionale Bezüge zu historischen Vorbildern oder lokalen Bauweisen hergestellt (auch als neuklassische Architektur bezeichnet).[197] Durch Bewegungen wie den Neuen Urbanismus sind kleinteilige Fassaden mit Mischnutzungen wieder populär, in den Städten vor allem in der typisch urbanen Blockrandbauweise. Auch der Wiederaufbau von durch Krieg oder Abriss zerstörten Kulturdenkmalen ist im 21. Jahrhundert von Bedeutung, prominente Beispiele sind die Dresdner Frauenkirche samt Neumarkt, das Berliner Stadtschloss, die Potsdamer Mitte mit dem Stadtschloss und das Frankfurter Dom-Römer-Projekt.[198]
Deutsche Architekten und Architekturbüros sind heute weltweit aktiv, zu den renommiertesten des späten 20. und frühen 21. Jahrhunderts gehören u. a. Hans Kollhoff, GRAFT, Sergei Tchoban, Helmut Jahn, Ole Scheeren, O. M. Ungers, GMP, Ingenhoven, Sauerbruch Hutton, Hadi Teherani und Behnisch Architekten.[199] Deutsche Träger des renommierten Pritzker-Preises sind Gottfried Böhm und Frei Otto. Um die Wahrnehmung der Architektur im In- und Ausland zu befördern, wurde 2007 die Bundesstiftung Baukultur gegründet. Alljährlich werden der Tag der Architektur und der Tag des offenen Denkmals veranstaltet.Kultur- und Baudenkmäler
→ Hauptartikel: Welterbe in Deutschland und Bau- und Kulturdenkmale in Deutschland
Das Brandenburger Tor in Berlin
Die UNESCO führt 40 deutsche Beiträge zum Welterbe auf, die auf 15 der 16 deutschen Länder verteilt sind.[200] Die Liste wurde mit dem Aachener Dom 1978 eröffnet; jüngster Neuzugang war 2014 das westfälische Kloster Corvey. Es gibt einige Altstädte mit Welterbestatus in Deutschland, dazu gehören Stralsund und Wismar, Bamberg, Goslar, Quedlinburg, Lübeck und Regensburg, die größte mittelalterliche Stadtanlage nördlich der Alpen.[201] Das Dresdner Elbtal hatte den Welterbe-Status von 2004 bis 2009 inne. Zudem führt die UNESCO mit der Grube Messel, den Buchenurwäldern und dem deutschen Wattenmeer drei Weltnaturerbestätten auf.
Neben dem Welterbe zeichnet das Förderprogramm für „National wertvolle Kulturdenkmäler“ unter Schirmherrschaft des Kulturstaatsministers bundesweit besonders bedeutende Denkmäler aus. Von 1950 bis 2007 wurden aus diesem Programm über 500 Kulturdenkmäler mit insgesamt rund 280 Millionen EUR gefördert.[202]
Schloss Neuschwanstein in Schwangau
Besonders hohe Besucherzahlen erreichen Kulturdenkmäler, die eine Vorstellung von deutscher Romantik erwecken. So gehören die Schlösser Neuschwanstein, Schwerin und Heidelberg, die Burg Hohenzollern, die Wartburg, die Walhalla, das Obere Mittelrheintal mit seinen Burgen sowie die mittelalterlichen Altstädte von Rothenburg ob der Tauber und Rüdesheim am Rhein zu den weltweit bekannten touristischen Zielen.
Zunehmender Beliebtheit und Anerkennung erfreuen sich auch Denkmäler und Stadtbilder aus der Zeit der industriellen Revolution, etwa prächtige Ensembles der Bäderarchitektur in den Seebädern an der Ostseeküste, Kurorte im Binnenland oder auch Industriedenkmäler.
Geschlossene historische Stadtbilder sind in den deutschen Großstädten heute selten anzutreffen, da der Zweite Weltkrieg und der Stadtumbau der Nachkriegszeit einen Großteil der Kulturdenkmäler zerstört hat. Ausnahmen sind neben den Welterbestädten die Großstädte Erfurt, Halle, Heidelberg, Schwerin und Wiesbaden. Klein- und Mittelstädte mit weitgehend geschlossenen historischen Stadtbildern sind in Deutschland noch recht häufig anzutreffen, wobei viele einst harmonische Ensembles u. a. durch Verfall, Abrisse und „Kaputtsanierungen“ mit Fassadenglättungen und Entstuckungen für energetisch ineffiziente Außendämmungen in ihrer Wirkung bedroht sind.[203]
Siehe auch: Liste von Städten mit historischem Stadtkern in Deutschland und Liste technischer Denkmäler in Deutschland
Museen
→ Hauptartikel: Museen in Deutschland
Die Museumsinsel gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO.
In Deutschland existieren rund 6250 Museen, wozu auch private und öffentliche Sammlungen, Schlösser und Gärten gehören.[204] Berlin, das mit mehr als 170 Museen zu den renommiertesten Museumslandschaften gehört, beherbergt neben der zum Welterbe gehörenden Museumsinsel zahlreiche global bedeutsame Museen und Sammlungen.
Zu den bekanntesten musealen Einrichtungen gehören ebenfalls das Deutsche Museum in München, das weltweit größte naturwissenschaftlich-technische Museum, und das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg mit einer der bedeutendsten Sammlungen zu Kultur und Kunst von der Vor- und Frühgeschichte bis zur unmittelbaren Gegenwart. Die Staatlichen Kunstsammlungen in Dresden beherbergen u. a. das Grüne Gewölbe, eine historische Sammlung der ehemaligen Schatzkammer der Wettiner Fürsten von der Renaissance bis zum Klassizismus. Das Deutsche Meeresmuseum mit dem Ozeaneum Stralsund ist das größte Meeresmuseum in Deutschland.
Bedingt durch die weltweit längste Tradition im Automobilbau befinden sich in Deutschland einige der größten Fahrzeugsammlungen Europas, wie z. B. in Stuttgart im Mercedes-Benz Museum und im Porsche-Museum, in München in der BMW Welt und in der Wolfsburger Autostadt. Bedingt durch eine darüber hinaus große Tradition im Bereich der Erfindungen und technischer Innovationen gibt es viele weitere technische Museen in Deutschland.
Siehe auch: Liste deutscher Museen nach Themen
Feiern und Feste
→ Hauptartikel: Feiertage in Deutschland
Weihnachten ist seit Jahrhunderten Bestandteil deutscher Festtagstradition.
Nationalfeiertag ist der Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober, wie es im Einigungsvertrag über den Beitritt der Deutschen Demokratischen Republik zur Bundesrepublik Deutschland vereinbart wurde.[205] Alle übrigen Feiertage beruhen auf Gesetzen der Länder. Acht von ihnen sind in allen 16 Ländern Feiertage: Karfreitag, Ostermontag, Christi Himmelfahrt, Pfingstmontag, die beiden Weihnachtsfeiertage, Neujahr und der Tag der Arbeit. Der Reformationstag ist in fünf Ländern Feiertag. Wie die Sonntage sind „die staatlich anerkannten Feiertage als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung gesetzlich geschützt“.[206]
Deutschland ist weltweit für sein Weihnachtsbrauchtum bekannt, dazu gehören die traditionellen Weihnachtsmärkte, Weihnachtsbäume, typische Dekorationen wie Adventskalender und Weihnachtspyramiden, sowie kulinarische Spezialitäten wie Stollen, Braten und Lebkuchen. Die Symbolfigur des Weihnachtsmannes fand von Deutschland aus Verbreitung. Eine der größten touristischen Attraktionen ist auch das Oktoberfest in München (mundartlich auch „d’ Wiesn“), das mit fast sieben Millionen Besuchern größte Volksfest der Welt. In Bad Cannstatt findet jedes Jahr das Cannstatter Volksfest (auf dem Cannstatter Wasen), das mit über 4,5 Millionen Besuchern zweitgrößte Volksfest der Welt, statt. Bedeutende Veranstaltungen von Karneval, Fastnacht und Fasching sind unter anderem der Kölner Karneval, die Mainzer Fastnacht, der Düsseldorfer Karneval und die Schwäbisch-alemannische Fastnacht. In Hannover findet alljährlich das größte Schützenfest der Welt statt.
Die Kieler Woche, eine seit Ende des 19. Jahrhunderts in Kiel ausgetragene Segelregatta, ist das größte Segelsportereignis der Welt und zugleich eines der größten Sommerfeste Europas. Die Hanse Sail in Rostock ist eines der größten maritimen Feste und bietet den weltweit größten Auflauf von Traditionsschiffen. Ebenfalls in Norddeutschland finden der jährliche Hamburger Hafengeburtstag und alle zwei Jahre die Cruise Days statt. Höhepunkt dieser Festivitäten ist die sogenannte Parade der Traumschiffe entlang des Hamburger Hafenbeckens.
Zu den überregionalen Veranstaltungen gehören der Internationale Museumstag, der Deutsche Mühlentag, die Fête de la Musique zum Sommeranfang am 21. Juni, der Tag der Architektur sowie der Tag des offenen Denkmals. In vielen Städten werden regelmäßig Veranstaltungen wie die Lange Nacht der Museen oder Lange Nacht der Kultur durchgeführt.
Küche
→ Hauptartikel: Deutsche Küche
Deutsche Wurst- und Käsespezialitäten
Die Vielfalt der Regionalküchen spiegelt häufig historische Landesgrenzen (wie Anhalt, Baden, Mecklenburg) und die Kulturräume von Dialektvarianten (Franken, Schwaben) wider. Daneben haben Zuwanderer aus verschiedenen Regionen (u. a. Hugenotten, Italiener, Türken, Ostasiaten) die deutsche Esskultur im Lauf der Zeit mit ihren jeweiligen kulturtypischen Speisen bereichert. Viele deutsche Restaurants erzielen bei Restaurantführern wie dem Guide Michelin und Gault-Millau hohe Bewertungen, sodass Deutschland neben Frankreich und Japan zu den führenden Gastronomienationen der Welt gehört.
Schwarzwälder Kirschtorte
Deutschland ist weltweit bekannt für seine jahrhundertealte Bierbrautradition. Viele Deutsche bevorzugen ein regional hergestelltes Bier, was sich auch im Trend zu Handwerksbrauereien widerspiegelt. Auch deutscher Wein ist im Land und zunehmend darüber hinaus beliebt, insgesamt werden 16 Anbaugebiete für Qualitätswein und 26 Landweine unterschieden. Der Weinbau in Deutschland wurde bereits von den Römern im 2. Jahrhundert an der Mosel begonnen. Aus klimatischen Gründen ist der Weinanbau im Westen und Süden verbreiteter als im Norden und Osten, allen voran in Rheinhessen, der Pfalz, Baden, Württemberg und an der Mosel. Als Erfrischungsgetränke werden überwiegend Wasser, kalorienhaltiger Fruchtsaft bzw. Limonade getrunken. Das beliebteste Heißgetränk ist Kaffee, sein Genuss wurde ab den 1670er-Jahren in deutschen Kaffeehäusern bzw. Cafés kultiviert. Daneben ist auch Tee in allen Altersgruppen und Variationen beliebt, am ältesten in Deutschland ist die ostfriesische Teekultur, die sich seit dem frühen 17. Jahrhundert entwickelte.
In Deutschland findet man eine einmalig große Auswahl an Brotsorten dank vielfältiger Bäckereitraditionen, zudem zahlreiche Wurstvarianten und Käsesorten. Die typischerweise erste Mahlzeit am Tag ist das Frühstück. Traditionell wird mittags die warme Mahlzeit und abends eine Brotmahlzeit eingenommen. Zwischenmahlzeiten wie ein zweites Frühstück bzw. Brunch und am Nachmittag Kaffee mit Backware (mitunter Vesper oder Kaffeezeit genannt) sind weit verbreitet.
Mode
→ Hauptartikel: Modedesign in Deutschland und Deutsche Trachten
Die Modeindustrie ist ein traditionsreicher Zweig des produzierenden Gewerbes in Deutschland. In rund 1.300 fast ausschließlich mittelständischen Betrieben erzeugen rund 130.000 Beschäftigte einen Umsatz von rund 28 Milliarden Euro. Die Exportquote liegt bei etwa 40 Prozent in der Textilindustrie und 44 Prozent in der Bekleidungsindustrie (2008). Dieser Industriezweig ist damit nach dem Ernährungsgewerbe die zweitgrößte Konsumgüterbranche in Deutschland.[207]
Claudia Schiffer, eines der erfolgreichsten Supermodels aller Zeiten
Deutsche Mode ist für ihre eleganten Linien bekannt, aber auch für ihre unkonventionellen jungen Designs und die große Variation verschiedener Stilrichtungen. Berlin gilt als junges und kreatives Zentrum in der internationalen Modeszene. Die zweimal im Jahr stattfindende Berlin Fashion Week (Berliner Modewoche) ist innerhalb kurzer Zeit zu einer der weltweit wichtigsten Modeveranstaltungen avanciert.[208] Bread & Butter Berlin hat sich als bedeutende Messe für den Markt der Alltagsmode etabliert. In Düsseldorf, dem Modehandelsplatz mit dem größten Umsatz in Deutschland,[209] werden von der Igedo die Ordertage Collection Première Düsseldorf (CPD) für Bestellungen von Großkunden abgehalten. Weitere wichtige Modezentren sind München, Hamburg und Köln. Auch kleinere Städte sind als Standorte großer Marken Zentren für Gestaltung und Produktion.[210]
Weltweit berühmte deutsche Modedesigner sind und waren z. B. Karl Lagerfeld, Hugo Boss, Wolfgang Joop, Jil Sander, Michael Michalsky, Philipp Plein, Etienne Aigner, Torsten Amft, Dorothee Schumacher, Willy Bogner, Rudolf und Adi Dassler. Zu den etablierten Modemarken aus Deutschland gehören Boss, adidas, Puma, Escada, Joop!, MCM, Bruno Banani, Triumph, Schiesser, Talbot Runhof, Kaviar Gauche, Closed, Reusch, Valisere, Jack Wolfskin, Ulla Popken, Buffalo, Rohde, Zalando, Dr. Martens, P&C, Marc O’Polo, Tom Tailor, s.Oliver, Gerry Weber, Esprit und Wunderkind.
Es gibt zudem eine Reihe von deutschen Models, die es zu internationalem Ruhm gebracht haben, besonders die „Supermodels“ Claudia Schiffer, Heidi Klum, Tatjana Patitz, Nadja Auermann und Manon von Gerkan. Auch Diane Kruger, Eva Padberg, Toni Garrn, Julia Stegner, Nico, Franziska Knuppe, Vanessa Hegelmaier, Evelyn Sharma, sowie die männlichen Models Nico Schwanz und Lars Burmeister sind bzw. waren weltweit gefragt.
Historisch fand in Deutschland die Volkstracht bis ins 20. Jahrhundert eine weite Verbreitung und grenzte sich von der bürgerlichen Kleidung ab. Die traditionelle Tracht wird heute noch in verschiedenen Regionen getragen, meist zu Volksfesten und besonderen Anlässen. Die moderne Trachtenmode geht u. a. auf die Jagd- und Wanderbekleidung zurück.
Gesellschaft
Kindergarten-Gruppe in Ladenburg, Baden-Württemberg
Deutschland ist ein durch die europäische Aufklärung pluralistisch geprägtes Land. Menschen aus 194 Staaten leben in der Bundesrepublik.[211] Die Bevölkerung zeichnet sich im globalen Rahmen durch einen hohen Bildungsstand, einen überdurchschnittlichen Lebensstandard und eine hohe persönliche Lebenszufriedenheit aus.[212] Laut World Values Survey werden in Deutschland säkular-rationale Werte und ein fortgeschrittenes Maß an persönlicher Selbstentfaltung geschätzt.
Soziales
Deutschland hat eine lange Tradition des gesetzlich beförderten sozialen Ausgleichs. Laut Gini-Index gilt das Land im internationalen Vergleich als Gesellschaft mit geringer Einkommensungleichheit. Der deutsche Staat bietet seinen Bewohnern umfangreiche rechtliche Ansprüche auf Familienförderung und soziale Absicherung. Die Geschichte der Sozialversicherung beginnt im Kaiserreich. Spätere Regierungen haben sie nach und nach erweitert und um zusätzliche soziale Transferleistungen ergänzt, wodurch heute ein großer Teil des Staatshaushalts für Soziales aufgewendet wird.
Die Bundesrepublik Deutschland ist ein kooperativ-föderalistischer Bundesstaat[213] mit einer sozialen Marktwirtschaft (Bundesratsgebäude in Berlin).
Für Arbeitnehmer besteht eine Pflichtmitgliedschaft in der Sozialversicherung, die aus fünf sogenannten Säulen besteht: Krankenversicherung, Unfallversicherung, Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung und Pflegeversicherung. Die soziale Grundsicherung wird in erster Linie durch Beiträge der Versicherten finanziert, die Defizite werden durch Steuergelder ausgeglichen.
2010 gab es in Deutschland 830.000 Euro-Millionäre mit einem Gesamtvermögen von 2.191 Milliarden Euro. Im selben Jahr lebten rund 12,4 Millionen Menschen in relativer Armut oder galten als armutsgefährdet, das entspricht 15,3 Prozent der Bevölkerung.[214] Von der erwerbsfähigen Bevölkerung gelten etwa 2,3 Millionen Einwohner (4 %) als Analphabeten, bis zu 14 % der Bevölkerung sind von funktionalem Analphabetismus betroffen.[215]
Neben den vom Staat organisierten Transferleistungen der Bürger untereinander gibt es noch innerstaatliche Transferleistungen. Durch den Länderfinanzausgleich sind Bundesländer mit hohem Steueraufkommen dazu verpflichtet, einen Teil ihrer Einnahmen an schlechter gestellte Länder abzugeben, damit die Lebensverhältnisse in Deutschland nicht zu weit auseinander gehen. Durch den auf die Einkommenssteuer erhobenen Solidaritätszuschlag sollen die den neuen Bundesländern entstandenen teilungsbedingten Lasten gemildert werden.
Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz soll Benachteiligungen aufgrund von Geschlecht, Rasse, der ethnischen Herkunft, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität (etwa Homosexualität) verhindern. Auf dem Korruptionswahrnehmungsindex (CPI) nahm Deutschland 2012 Rang 13 ein, was einem sehr niedrigen Stand der Korruption entspricht.
Gesundheit
→ Hauptartikel: Gesundheitssystem Deutschlands
Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Das deutsche Gesundheitswesen gehört zu den hoch entwickelten.[216] Wesentliche Kennziffern hierzu sind eine sehr niedrige Rate der Kindersterblichkeit von 3,71 bei 1000 Geburten, eine hohe Lebenserwartung die im Jahr 2009/11 bei 77,9 Jahren für Männer und bei 82,9 für Frauen lag, sowie einen hohen Prozentsatz erfolgreicher Operationen.[217][218]
Das Gesundheitssystem umfasst die Leistungserbringer, also Ärzte, Apotheker, Pflegepersonal usw., den Staat (Bund, Länder, Landkreise und Gemeinden), die Krankenversicherungen, die Unfall-, Pflege- und Rentenversicherung, die Kassenärztlichen Vereinigungen, die Arbeitgeber und Arbeitnehmer und ihre Verbände, weitere im Gesundheitswesen tätige Interessenverbände und nicht zuletzt die Patienten, z. T. vertreten durch Patientenverbände und Selbsthilfeorganisationen.
Abgesehen von staatlichen Krankenhäusern werden die Versorgungsleistungen weitgehend privat erbracht. Außerhalb der Krankenhäuser dominieren freie Berufe, wie niedergelassene Ärzte und Apotheker, und private Unternehmen, beispielsweise die pharmazeutische und die medizintechnische Industrie. Krankenhäuser werden häufig noch in gemeinnütziger Trägerschaft geführt, zunehmend jedoch privatisiert. Der Staat beteiligt sich als Leistungserbringer nur nachrangig in Form von Gesundheitsämtern, kommunalen Krankenhäusern oder Hochschulkliniken.
Der größte Teil der deutschen Bevölkerung ist in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) versichert, deren Beiträge sich hauptsächlich an der Höhe des Einkommens des Versicherten orientieren. Familienmitglieder sind unter bestimmten Bedingungen beitragsfrei mitversichert. Der Leistungsanspruch ist unabhängig von der Höhe der gezahlten Beiträge. Etwa 10,5 Prozent der Bevölkerung sind privat krankenversichert.[219]
Bildung
→ Hauptartikel: Bildungssystem in Deutschland, Schulsystem in Deutschland und Liste der Hochschulen in Deutschland
Universität Heidelberg, Deutschlands älteste Universität, gegründet im Jahr 1386.
Das Bildungswesen liegt in der Verantwortung der Länder, wird jedoch durch bundesweite Konferenzen der Kultusminister koordiniert. Je nach Bundesland besteht eine neun- bis dreizehnjährige Schulpflicht. Der Besuch der allgemeinbildenden Schulen dauert mindestens neun Jahre. Danach können weiterführende Schulen bzw. berufsbildende Schulen besucht werden. Die meisten deutschen Bundesländer haben ein gegliedertes Schulsystem mit Hauptschule, Realschule und Gymnasium. Die Hochschulreife wird – je nach Bundesland – nach zwölf oder dreizehn Schuljahren erworben.
Praktisch alle jungen Erwachsenen besuchen nach der Schule eine weiterführende Bildungseinrichtung. Auszubildende in Betrieben besuchen in der Regel an ein oder zwei Tagen in der Woche die Berufsschule. Studierende können zwischen universitären und anwendungsorientierten Hochschulen (Fachhochschulen) wählen.
Bildungsgänge im deutschen Bildungssystem
Auch die berufliche Weiterbildung spielt eine große Rolle. Für Arbeitslose stellt die Bundesagentur für Arbeit Weiterbildungsgutscheine bereit. Vor ihrer beruflichen Ausbildung können Jugendliche außerdem sogenannte Freiwilligendienste, wie ein Freiwilliges Soziales Jahr oder ein Freiwilliges Ökologisches Jahr, absolvieren.
Die OECD kritisiert die deutsche Bildungspolitik, da insbesondere die Schulerfolge von Kindern mit Migrationshintergrund unter dem Durchschnitt liegen (PISA-Studien). Entgegen den Reformbemühungen der letzten Jahrzehnte ist es weiterhin statistisch signifikant unwahrscheinlicher, dass Arbeiterkinder das Abitur (Allgemeine Hochschulreife) oder einen Hochschulabschluss erreichen, als Kinder aus den Mittel- oder Oberschichten. Die Ausgaben für Bildung (4,6 % des BIP) liegen im OECD-Vergleich unter dem Durchschnitt. Die schulische Förderung im Grundschulalter gilt als verbesserungswürdig, insbesondere was Betreuungsmöglichkeiten und gezielte Förderung schwächerer Schüler angeht.Wissenschaft
Albert Einstein, 1921
Deutschland ist ein international bedeutender Technologie- und Wissenschaftsstandort. Seit der industriellen Revolution waren deutschsprachige Forscher bei der Gründung empirischer Wissenschaften maßgeblich beteiligt. Insbesondere die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit verschiedenster Industrien wurde durch die kreative Arbeit von Ingenieuren vorangetrieben. Rund 10 Prozent aller weltweit angemeldeten Patente im Jahr 2011 kamen aus Deutschland. Damit steht das Land nach den USA und Japan auf Rang drei der Patententwickler.[220]
In Deutschland sind Universitäten, Technische Universitäten und Fachhochschulen Einrichtungen der Forschung und wissenschaftlichen Lehre. Die (Technischen) Universitäten sind zu Promotions- und Habilitationsverfahren berechtigt. Beide Verfahren sollen Bildung nachweisen und wissenschaftliche Erkenntnisse enthalten. Mit der Einführung internationaler Abschlussbezeichnungen im Zuge des Bologna-Prozess wird die bisherige Trennung in den Bezeichnungen im tertiären, akademischen Bildungsbereich zwischen Fachhochschulen und Universitäten aufgeweicht. Einzelne Hochschuleinrichtungen bilden überhaupt nicht im tertiären Bildungsbereich aus, sondern sind zur postgradualen Bildung oder ausschließlich zur Promotion und Habilitation eingerichtet. Die überwiegende Mehrheit der deutschen Hochschulen sind in öffentlicher Trägerschaft, werden aber in ihrer Forschung über Drittmittel finanziert (Deutsche Forschungsgemeinschaft, Stiftungen, Unternehmen und andere).
Alexander von Humboldt (1769–1859)
Neben den Universitäten gibt es eine größere Anzahl von Forschungsorganisationen, die deutschlandweit und darüber hinaus tätig sind. Dabei wurde in Deutschland ein System der Arbeitsteilung zwischen der außeruniversitären Forschung und den Universitäten aber auch zwischen den Organisationen geschaffen. Die Max-Planck-Gesellschaft verpflichtet sich der Grundlagenforschung. Sie führt 78 Institute in Deutschland und besitzt ein Jahresbudget von 1,3 Milliarden Euro. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist die größte wissenschaftliche Gesellschaft in Deutschland und betreibt 15 sogenannte Großforschungszentren, die fächerübergreifend an wissenschaftlichen Komplexen arbeiten. Die Fraunhofer-Gesellschaft ist die größte Organisation der angewandten Forschung. Sie greift in ihren 56 Instituten Ergebnisse der Grundlagenforschung auf und versucht sie wirtschaftlich zu erschließen. Sie stellt der Wirtschaft die Dienstleistung der Auftragsforschung bereit. Weltweite Bekanntheit erlangte sie durch die Entwicklung des MP3-Audioformats. Sie gehört zu den wichtigsten Patentanmeldern und -besitzern in Deutschland. Die Leibniz-Gemeinschaft ist ein Verbund eigenständiger Forschungseinrichtungen, die sowohl in der Grundlagenforschung als auch in der angewandten Forschung arbeiten.
Europäisches Raumflugkontrollzentrum (ESOC), Kontrollraum der ESA in Darmstadt
Aus Deutschland stammen zahlreiche Forscher aus allen Bereichen der modernen Wissenschaften. Mehr als 100 Nobelpreisträger werden dem Land zugeordnet. Albert Einstein und Max Planck begründeten mit ihren Theorien wichtige Säulen der theoretischen Physik, auf denen beispielsweise Werner Heisenberg und Max Born weiter aufbauen konnten. Wilhelm Conrad Röntgen, der erste Physik-Nobelpreisträger, entdeckte und untersuchte die nach ihm benannte Röntgenstrahlung, die noch heute eine wichtige Rolle unter anderem in der medizinischen Diagnostik und der Werkstoffprüfung spielt. Heinrich Hertz schrieb bedeutende Arbeiten zur elektromagnetischen Strahlung, die für die heutige Telekommunikationstechnik maßgeblich sind. Die Entwicklungen von Nikolaus Otto, Rudolf Diesel, Gottlieb Daimler und Carl Benz haben das Verkehrswesen revolutioniert, die nach ihren Erfindern benannten Bunsenbrenner und Zeppeline sind weltweit ein Begriff. Die deutsche Raumfahrt leistete entscheidende Pionierarbeit im Bereich der Raumfahrt und der Weltraumforschung und besitzt heute mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) eine leistungsfähige Raumfahrtagentur, zudem ist Deutschland das am meisten zur Europäischen Weltraumorganisation (ESA) beitragende Mitgliedsland.[221]
Die chemische Forschung wurde unter anderem von Carl Wilhelm Scheele, Otto Hahn und Justus von Liebig mitgeprägt. Mit ihren erfolgreichen Erfindungen sind Namen wie Johannes Gutenberg, Werner von Siemens, Wernher von Braun, Konrad Zuse und Philipp Reis Bestandteile der technologischen Allgemeinbildung. Auch viele bedeutende Mathematiker wurden in Deutschland geboren, so zum Beispiel Adam Ries, Friedrich Bessel, Richard Dedekind, Carl Friedrich Gauß, David Hilbert, Emmy Noether, Bernhard Riemann, Karl Weierstraß und Johannes Müller (Regiomontanus). Weitere wichtige deutsche Forscher und Wissenschaftler sind der Astronom Johannes Kepler, der Archäologe Heinrich Schliemann, die Biologin Christiane Nüsslein-Volhard, der Universalgelehrte Gottfried Wilhelm Leibniz, der Naturforscher Alexander von Humboldt, der Religionsforscher Max Müller, der Historiker Theodor Mommsen, der Soziologe Max Weber und der Medizinforscher Robert Koch.
Siehe auch: Liste deutscher Erfinder und Entdecker
Medien
→ Hauptartikel: Fernsehen in Deutschland, Liste deutscher Zeitungen und Liste deutscher Hörfunksender
Die neun Landesrundfunkanstalten der ARD
Deutsche Erfinder und Physiker leisteten einen zentralen Beitrag in der Vorgeschichte des Radios und des Fernsehens. Die Versorgung der Bevölkerung mit Sendungen zu allen Themen erfolgte lange über analog verbreitetes terrestrisches Fernsehen (UHF/VHF), regionale Kabelunternehmen (meist analog) und per Satellit. Seit 2003 erfolgt die Versorgung mit terrestrischem Fernsehen in Ballungsgebieten digital, das heißt über den DVB-T-Standard. Eine komplette Digitalisierung des Fernsehens und des Hörfunks wird umgesetzt. Einige Anbieter bieten ihr Programm auch komplett oder in Teilen über das Internet an, also im Rahmen von (mitunter kostenpflichtigem) IPTV, Streaming bzw. als Internetradio-Angebote.
Deutschland hat ein vom Gesetzgeber gewolltes duales Rundfunksystem, das heißt neben dem gebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunk existieren zahlreiche private Rundfunkanbieter, deren Programme meist werbefinanziert sind.
Beim Fernsehen in Deutschland gibt es neben dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen, dem unter anderem die Sender des ZDF und der ARD wie die global sendende Deutsche Welle angehören, auch privatrechtliche Fernsehanbieter. Zu ihnen gehören unter anderem die ProSiebenSat.1-Gruppe, die RTL Group, die Tele München Gruppe sowie regionale Anbieter. Neben frei empfangbaren Fernsehsendern existieren außerdem digitale Bezahlfernsehangebote von Kabelnetzbetreibern sowie der Bezahlfernsehsender Sky.
Unternehmenssitz von Bertelsmann in Gütersloh
Die Hörfunklandschaft Deutschlands ist stark von Regionalsendern geprägt, die meist nur in einem oder einigen aneinander grenzenden Bundesländern senden. Diese Radioprogramme sind oft öffentlich-rechtlich dominiert und werden von den jeweiligen Landesrundfunkanstalten, wie dem Westdeutschen Rundfunk (WDR) oder dem Bayerischen Rundfunk (BR), aber auch von privaten Radioanbietern ausgestrahlt.
Die deutschsprachige Presselandschaft ist vielfältig und bietet ihr Informationsangebot in gedruckter Form, im Internet und auf mobilen Endgeräten an. Zu den meistgelesenen überregionalen Tageszeitungen gehören die Bild, die Frankfurter Allgemeine Zeitung, Die Welt, die Süddeutsche Zeitung, das Handelsblatt sowie die Wochenzeitung Die Zeit. Charakteristisch für das regionale und lokale Presseangebot ist jedoch der sogenannte Ein-Zeitungs-Kreis, d. h. in vielen Regionen gibt es nur eine tägliche Lokalzeitung und damit ein Monopol.[222] Nachrichtenmagazine, die wöchentlich erscheinen, sind unter anderem Der Spiegel, der Focus und die Zeitschrift Stern.
Der Nutzung von sozialen Medien, Blogs, Videoportalen, Mediatheken, Streaming-Diensten, Gaming-Plattformen oder der Internet-Enzyklopädie Wikipedia kommt ebenfalls eine bedeutende Rolle zu.[223] Online-Angebote sind insbesondere bei Jugendlichen beliebt.[224]
Zu den größten international tätigen Medienunternehmen mit Sitz in Deutschland gehören der Bertelsmann-Konzern, die Axel Springer SE und die ProSiebenSat.1 Media AG. Die dpa zählt zu den weltweit bedeutendsten Nachrichtenagenturen.Sport
Die deutsche Fußballnationalmannschaft nach ihrem Sieg im Endspiel bei der WM 2014 in Brasilien, der den vierten Weltmeistertitel nach 1954, ’74 und ’90 bedeutete. Fußball ist der populärste Zuschauer- und Vereinssport in Deutschland.
2009/10 waren etwa 27,8 Millionen Deutsche in 91.000 Turn- und Sportvereinen organisiert.[225] Die überwiegende Anzahl der Sportvereine ist im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) zusammengefasst.
Die am häufigsten betriebene Sportart in Deutschland ist Fußball. Rund 6,8 Millionen Mitglieder und ungefähr 172.000 Mannschaften sind im Jahr 2012 im Deutschen Fußball-Bund organisiert,[226] der die Fußball-Weltmeisterschaften 1974 und 2006 ausrichtete und weltweit einer der größten und erfolgreichsten Sportfachverbände ist. Die deutsche Fußballnationalmannschaft wurde 1954, 1974, 1990 und 2014 Fußballweltmeister. Deutschland ist bisher das einzige Land, das im Fußball sowohl bei den Frauen als auch den Männern Europa- und Weltmeister werden konnte. Das größte Stadion, ausgelegt für internationale Begegnungen, ist das Olympiastadion (74.224 Plätze) in Berlin. Der Signal Iduna Park in Dortmund ist für Fußballspiele auf Bundesliga-Ebene mit über 80.500 Plätzen (davon 24.454 Stehplätze) das Stadion mit der größten Zahl genehmigter Zuschauerplätze.
Die Handball-Bundesliga wird oft als die beste Spielklasse der Welt angesehen, die Herren-Nationalmannschaft wurde 2007 zum dritten Mal Weltmeister. Etwa 830.000 aktive Mitglieder gehören rund 4500 Vereinen an (Stand: 2011).[227] Der Dachverband des deutschen Handballs ist der Deutsche Handballbund.
Volleyball und die Variante Beachvolleyball wurden in den 1990ern zum beliebten Breitensport, der Deutsche Volleyball-Verband zählt im Jahr 2012 rund 455.000 Mitglieder.[228]
Dirk Nowitzki
NBA-Meister
Sebastian Vettel
Formel-1-Weltmeister
Basketball und Eishockey werden stetig beliebter und nehmen in Bezug auf Zuschauerzahlen und Medienpräsenz einen höheren Stellenwert ein. Im Basketball ist der Deutsche Dirk Nowitzki, der 2007 zum MVP (wertvollster Spieler) in der nordamerikanischen Profiliga NBA gewählt wurde und 2011 als erster Deutscher mit den Dallas Mavericks den NBA-Titel gewann, einer der besten Spieler der Welt.[229]
Beim Motorsport richtet sich das öffentliche Interesse besonders auf die Formel 1 und die DTM, in denen deutsche Fahrer und Konstrukteure Spitzenerfolge erzielen konnten. Michael Schumacher ist mit sieben Weltmeistertiteln der bisher erfolgreichste Formel-1-Fahrer und Sebastian Vettel der bisher jüngste Weltmeister in der Formel-1-Geschichte. Im Rallyesport gelangte Weltmeister Walter Röhrl zu Weltruhm. Das renommierte 24-Stunden-Rennen von Le Mans wurde bereits vielfach von den Konstrukteuren Porsche und Audi gewonnen, das Audi Sport Team Joest ist seit 2011 Titelträger. Der Motorradsport, in dem sich das Hauptaugenmerk auf die Straßen-WM bzw. MotoGP richtet, hat deutsche Weltmeister wie Anton Mang, Dirk Raudies, Stefan Bradl und Sandro Cortese hervorgebracht.
Auch im Boxen kann Deutschland auf Erfolge zurückblicken. Zu den herausragenden Boxern gehören Max Schmeling, Henry Maske, Felix Sturm, Robert Stieglitz, Sebastian Sylvester, Jürgen Brähmer, Regina Halmich und die Kickboxerin Christine Theiss. Die ukrainischen Klitschko-Brüder sowie die armenischstämmigen Arthur Abraham und Susianna Kentikian wurden mehrfache Weltmeister in ihren Gewichtsklassen und durchlebten ihre Profikarrieren vollständig in deutschen Boxställen.
Biathletin Magdalena Neuner
Wintersport hat eine lange Tradition in Deutschland. Im Bobsport, Rennrodeln, Biathlon, Langlauf und Eisschnelllauf konnten deutsche Sportler regelmäßig Medaillen bei Welt- und Europameisterschaften sowie bei den Olympischen Spielen gewinnen. Weitere populäre Wintersportarten sind das Skispringen, mit Sven Hannawald und Jens Weißflog als besonders erfolgreichen Sportlern, sowie verschiedene alpine Skisportarten. Katarina Witt zählt mit zwei Olympiasiegen im Eiskunstlauf zu den größten Sportlern ihrer Disziplin.
Das Deutsche Reich war Austragungsort der Olympischen Sommerspiele 1936 in Berlin und der Olympischen Winterspiele im Jahr 1936 in Garmisch-Partenkirchen, die Bundesrepublik Deutschland ebenso für die Sommerspiele 1972. Des Weiteren bewarb sich Berlin erfolglos für Olympische Sommerspiele 2000. Im ewigen Medaillenspiegel der Olympischen Spiele nimmt Deutschland mit 400 Goldmedaillen den dritten Platz ein.[230]
Die Beliebtheit des Radsports hing in der Vergangenheit in starkem Maße von den aktuellen Erfolgen deutscher Fahrer ab. Rudi Altig (in den 1960er-Jahren) und Jan Ullrich gehörten zu den erfolgreichsten Radsportlern ihrer Zeit. Im Hallenradsport ist Deutschland die führende Nation gemessen an der Anzahl gewonnener Weltmeistertitel. Mit über 70 Prozent der gewonnenen WM-Titel ist Deutschland – die DDR eingeschlossen – führend in den Disziplinen Radball und Kunstradfahren.
Im Hockey wurde Deutschlands Herrenmannschaft 2002 und 2006 Weltmeister sowie 1972, 1992, 2008 und 2012 Olympiasieger. Die Damen wurden 2004 Olympiasieger und 1976 und 1981 Weltmeister. Beide Mannschaften sind führend im Hallenhockey. Tennis erlebte in den 1980er- und 1990er-Jahren durch die Erfolge der deutschen Sportler Boris Becker, Steffi Graf und Michael Stich eine seitdem nicht wieder erreichte Popularität.
Zu den ältesten Sportarten zählt das Sportschießen. Der Deutsche Schützenbund hat etwa 1,4 Millionen Mitglieder. Insgesamt gibt es deutschlandweit rund sechs Millionen Sportschützen.[231] Große Erfolge konnten deutsche Sportler auch in weiteren Sportarten wie Fechten, Reiten, Ringen, Rudern, Kanusport, der Leichtathletik und im Schwimmsport erreichen. Im Tischtennis zählt Timo Boll, im Golf Martin Kaymer und Bernhard Langer zu den besten Spielern der Welt. Der Deutsche Golf-Verband zählt mit 635.000 Golfspielern im Jahr 2014 zu den zehn größten Verbänden des deutschen Sports.[232]
Siehe auch
 Portal: Deutschland – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema DeutschlandWir sind das Volk, Wir sind ein Volk
BRD
Nationale Symbole für DeutschlandGesprochene Version
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LiteraturMargarete Graf: Schnellkurs Deutschland. DuMont, Köln 2007, ISBN 978-3-8321-7760-7.
Neil MacGregor: Deutschland. Erinnerungen einer Nation. C.H. Beck, München 2015, ISBN 978-3-406-67920-9.
Axel Schildt, Detlef Siegfried: Deutsche Kulturgeschichte: Die Bundesrepublik von 1945 bis zur Gegenwart. Carl Hanser Verlag, München 2009, ISBN 978-3-446-23414-7.
Enzyklopädie deutscher Geschichte. Hrsg. von Lothar Gall. In Verbindung mit Peter Blickle, Elisabeth Fehrenbach, Johannes Fried, Klaus Hildebrand, Karl Heinrich Kaufhold, Horst Möller, Otto Gerhard Oexle, Klaus Tenfelde. R. Oldenbourg Verlag, München 1988 ff.Weblinks
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 Wikisource: Teutschland – Artikel in Zedlers Universal-Lexicon (1745)deutschland.de – crossmediales, mehrsprachiges Deutschland-Portal
bundesrepublik.org – Deutschland von Bürger zu Bürger
destatis.de – Zahlen, Daten, Fakten über Deutschland vom Statistischen Bundesamt
Deutschland in Karten und Nationalatlas aktuell – Überblick über die gesellschaftliche Situation, Leibniz-Institut für Länderkunde (IfL)
Datenbank inhaltlich erschlossener Literatur zur gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Situation in/im Deutschland
CIA World Factbook: Deutschland (englisch) – Dossier des CIA über Deutschland
Handbuch Tatsachen über Deutschland – aktuelle Informationen über DeutschlandLinkkatalog zum Thema Deutschland bei DMOZ
Geschichte der Bundesrepublik Deutschland auf dem Informationsportal zur politischen Bildung
Goethe-Institut – Artikelsammlung zur Gesellschaft in DeutschlandAnmerkungen↑ § 23 Absatz 1 Verwaltungsverfahrensgesetz (Bund).
Die Frage, ob unter deutsch rechtlich ausschließlich die hochdeutsche oder auch die niederdeutsche Sprache subsumiert wird, wird juristisch uneinheitlich beantwortet: Während der BGH in einer Entscheidung zu Gebrauchsmustereinreichung beim Deutschen Patent- und Markenamt in plattdeutscher Sprache das Niederdeutsche einer Fremdsprache gleichstellt („Niederdeutsche (plattdeutsche) Anmeldeunterlagen sind im Sinn des § 4a Abs. 1 Satz 1 GebrMG nicht in deutscher Sprache abgefaßt.“ – BGH-Beschluss vom 19. November 2002, Az. X ZB 23/01), ist nach dem Kommentar von Foerster/Friedersen/Rohde zu § 82a des Landesverwaltungsgesetzes Schleswig-Holstein unter Verweis auf Entscheidungen höherer Gerichte zu § 184 des Gerichtsverfassungsgesetzes seit 1927 (OLG Oldenburg, 10. Oktober 1927 – K 48, HRR 1928, 392) unter dem Begriff deutsche Sprache sowohl Hochdeutsch wie auch Niederdeutsch zu verstehen.
↑ Statistische Ämter des Bundes und der Länder: Gebiet und Bevölkerung – Fläche und Bevölkerung, Stand: 31. Dezember 2013. Abgerufen am 12. November 2014.
↑ a b Bevölkerung: Deutschland, Stichtag zum Quartalsende, Geschlecht. Statistisches Bundesamt, 7. Dezember 2015, abgerufen am 7. Dezember 2015.  Dazu: Bevölkerung auf Grundlage des Zensus 2011, ebda.
↑ GENESIS-Online Datenbank; Bevölkerungsdichte ungerundet: 81.292.428 Einwohner/357.340,08 km² = 227,493 Einwohner pro km². Berechnet am 7. Dezember 2015.
↑ Bevölkerungsstand – Veränderung zum Vorjahr. Statistisches Bundesamt, 24. September 2015, abgerufen am 24. September 2015. 
↑ a b c d Internationaler Währungsfonds: World Economic Outlook Database, Stand: Oktober 2014. Abgerufen am 16. Dezember 2014.
↑ Human Development Report Office: Germany – Country Profile: Human Development Indicators. Abgerufen am 26. Januar 2015.
↑ Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zum Grundlagenvertrag (Urteil vom 31. Juli 1973, Absatz-Nr. 54 – 2 BvF 1/73 – BVerfGE 36, S. 1 ff.: „[…] Mit der Errichtung der Bundesrepublik Deutschland wurde nicht ein neuer westdeutscher Staat gegründet, sondern ein Teil Deutschlands neu organisiert. […]“)
↑ Bundeszentrale für politische Bildung: Grundlagen. Abgerufen am 7. Mai 2013.
↑ Zum ordnungspolitischen Nationalstaatsbegriff siehe statt aller mit weiteren Nachweisen Hans F. Zacher, Sozialer Einschluß und Ausschluß im Zeichen von Nationalisierung und Internationalisierung, in: Hans Günter Hockerts (Hrsg.): Koordinaten deutscher Geschichte in der Epoche des Ost-West-Konflikts, Oldenbourg, München 2004 (Schriften des Historischen Kollegs: Kolloquien; 55), ISBN 3-486-56768-3, S. 103–152, hier S. 105 f., 141: Die Konstituierung der Bundesrepublik Deutschland als Nationalstaat, aber „nur unter Inkaufnahme von Widersprüchen“, sowie der Charakter des vereinigten Deutschland als Nationalstaat.
↑ UN Department of Economic and Social Affairs: International Migration Report 2013 (PDF; 428 kB), Stand: 2013. Abgerufen am 10. Dezember 2015.
↑ Steffen Alisch, Die DDR von Stalin bis Gorbatschow: der sowjetisierte deutsche Teilstaat 1949 bis 1990, in: Hans-Peter Schwarz (Hg.), Die Bundesrepublik Deutschland. Eine Bilanz nach 60 Jahren. Böhlau, Köln 2008, S. 135 ff.
↑ Hans Kundnani: Germany as a Geo-economic Power (PDF; 267 kB), Center for Strategic and International Studies, 2011. Abgerufen am 20. Juni 2013.
↑ a b Statistisches Bundesamt: Top 20 Exportländer 2014; vgl. dazu Außenhandel, Stand 2015. Abgerufen am 27. August 2015.
↑ a b Vgl. Bericht über die menschliche Entwicklung 2013. Hrsg. Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP), S. 238 ff., abgerufen am 2. April 2013 (PDF; 6,2 MB). 
↑ Wilhelm Schmidt, Geschichte der deutschen Sprache. Ein Lehrbuch für das germanistische Studium. 7., verbesserte Aufl., Stuttgart/Leipzig 1996, S. 80 f.
↑ In der Frankfurter Übersetzung der Goldenen Bulle (um 1365) heißt es Dutschelant.
↑ Wolfenbütteler Digitale Bibliothek: Johann von Cube, Basel 1487, S. 6 (zweite Sp., unterer Bereich). Abgerufen am 7. Januar 2013.
↑ Bardo Fassbender: Auswärtige Zuständigkeiten bundesstaatlicher Gliedstaaten: Die Entstehung des Prinzips der dynamischen Verweisung im Zeitalter der Gründung des Deutschen Reiches (1866–1871), JöR, N.F. Bd. 53 (2005), S. 207, hier S. 270 f.
↑ „Mit dem Wort Deutschland geben wir dem Ganzen ein gewisses Pathos…“, zit. nach Theodor Heuss, späterer Bundespräsident, in den Beratungen des Parlamentarischen Rates, 1948.
↑ Helmut Berschin, Deutschlandbegriff im sprachlichen Wandel, in: Werner Weidenfeld/Karl-Rudolf Korte (Hrsg.): Handbuch zur deutschen Einheit 1949–1989–1999, Campus Verlag, Frankfurt a.M./New York 1999, S. 217–225, hier S. 220.
↑ Heinrich August Winkler: Die deutsche Frage ist gelöst, die europäische Frage ist offen. 60 Jahre Bundesrepublik: Rückblick und Ausblick, in: GWU 60, 2009, Heft 9, S. 490–494. Vgl. zur offiziellen Kurzform der amtlichen Staatsbezeichnung die Mitteilung der Bundesregierung an den Generalsekretär der Vereinten Nationen vom 3. Oktober 1990, dass die Bundesrepublik Deutschland ab diesem Zeitpunkt im Rahmen der UN unter dem Namen ‚Deutschland‘ auftreten werde (s. hierzu Multilateral Treaties Deposited with the Secretary General 1996, S. 9 Anm. 13).
↑ Christoph Möllers bezeichnet die völkerrechtliche Identität seit 1866/1867 als „mittlerweile allgemeine Ansicht“ (Staat als Argument, München 2000, S. 163).
↑ Klimadaten: Gebietsmittelwerte von Deutschland. Abgerufen am 7. Januar 2013.
↑ Wetterrekorde Deutschland, wetterdienst.de, abgerufen am 23. November 2015.
↑ Bundesamt für Naturschutz (Hrsg.): Artenschutzreport 2015 – Tiere und Pflanzen in Deutschland, S. 13.
↑ Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (Hrsg.): Der Wald in Deutschland – Ausgewählte Ergebnisse der dritten Bundeswaldinventur.
↑ Statistisches Bundesamt. Abgerufen am 17. Dezember 2015.
↑ Bundesamt für Naturschutz (Hrsg.): Artenschutzreport 2015 – Tiere und Pflanzen in Deutschland, S. 13 f.
↑ Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden Baden-Württembergs 2014 (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen) (Hilfe dazu).
↑ Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom Oktober 2015 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
↑ Stand vom 31. Dezember 2014, Fortgeschriebene Bevölkerungszahlen vom 31. Dezember 2014 des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg, abgerufen am 26. September 2015 (PDF-Datei) (Hilfe dazu).
↑ Bevölkerung im Land Brandenburg nach amtsfreien Gemeinden, Ämtern und Gemeinden 31. Dezember 2014 (XLS-Datei; 83 KB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen) (Hilfe dazu).
↑ konkludent durch die Ernennung der bisherigen Stadtregierung der Stadt Bremen zur neuen Landesregierung bei Wiedergründung des Landes aus der Stadt Bremen, dem Landgebiet Bremen (heute auch Teil der Stadt Bremen), dem Stadtkreis Wesermünde samt der Stadt Bremerhaven (heute komplett Bremerhaven) am 21. Januar 1947 (rückwirkend zum 1. Januar) durch Proklamation Nr. 3 der US-amerikanischen Militärregierung; de facto als Regierungssitz (Senat) (siehe Rathaus Bremen: Senatskanzlei) und Sitz des Parlaments (siehe Bremische Bürgerschaft) sowie anderer oberster Landesorgane
↑ Bevölkerungsstand und Bevölkerungsbewegung am 31.12.2013. Statistisches Landesamt Bremen, abgerufen am 16. September 2014.  (Hilfe dazu)
↑ Amtliche Bevölkerungszahl von Hamburg am 31. Dezember 2012 (PDF; 293 kB)
↑ durch Organisationsverfügung Nr. 1 der US-amerikanischen Militärregierung vom 12. Oktober 1945
↑ Bevölkerung der hessischen Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
↑ Statistisches Landesamt M-V – Bevölkerungsentwicklung der Kreise und Gemeinden 2014 (XLS-Datei) (Einwohnerzahlen in Fortschreibung des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
↑ Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, 100 Bevölkerungsfortschreibung – Basis Zensus 2011, Stand 31. Dezember 2014 (Hilfe dazu).
↑ durch ein Memorandum der britischen Militärregierung vom 1. August 1946, wenige Tage vor der Verordnung Nr. 46 zur Verschmelzung der Provinzen Nordrhein und Westfalen vom 23. August 1946 zum neuen Land Nordrhein-Westfalen (siehe Landeshauptstadt Düsseldorf: Geburt und Heranwachsen einer Landeshauptstadt; Kurt Düwell: „Operation Marriage“ – Die britische Geburtshilfe bei der Gründung Nordrhein-Westfalens, Redemanuskript, Düsseldorf 2006, S. 1 (PDF; 91 kB))
↑ Amtliche Bevölkerungszahlen auf Basis des Zensus vom 9. Mai 2011. Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW), abgerufen am 23. September 2015.  (Hilfe dazu)
↑ durch Entscheidung des Landtages vom 16. Mai 1950
↑ Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Anzahl der Einwohner in den Kommunen am 31. Dezember 2014; (Hilfe dazu).
↑ Saarland.de – Amtliche Einwohnerzahlen Stand 31.12.2014 (PDF; 0,03 MB) (Hilfe dazu).
↑ Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2014 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
↑ Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, Bevölkerung der Gemeinden – Stand: 31. Dezember 2014 (PDF) (Fortschreibung) (Hilfe dazu).
↑ durch Verordnung Nr. 46 der britischen Militärregierung vom 16. August 1946 (Kieler Erinnerungstag: 23. August 1946)
↑ Statistikamt Nord – Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein 4. Quartal 2014 (XLSX-Datei) (Fortschreibung auf Basis des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
↑ nach Artikel 44 III der Verfassung des Freistaats Thüringen
↑ Bevölkerung der Gemeinden vom Thüringer Landesamt für Statistik (Hilfe dazu).
↑ a b Statistisches Bundesamt: 80,5 Millionen Einwohner am Jahresende 2012 – Bevölkerungszunahme durch hohe Zuwanderung, Pressemitteilung Nr. 283 vom 27. August 2013. Abgerufen am 4. November 2013.
↑ Gebiet und Bevölkerung – Fläche und Bevölkerung. Statistische Ämter des Bundes und der Länder, 4. November 2014, abgerufen am 14. November 2014. 
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↑ Der Durchschnittsdeutsche ist 43,7 Jahre, Ärzte Zeitung online. Abgerufen am 6. Januar 2013.
↑ German Missions in the United States: Society. Abgerufen am 2. Januar 2013.
↑ Pressemitteilung des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitutes (HWWI), 29. Mai 2015 (PDF), abgerufen am 29. Mai 2015.
↑ Statistisches Bundesamt: Statistische Wochenberichte – Bevölkerung, Soziales und Arbeit – Monatszahlen (PDF; 255 kB), Stand: 14. November 2014. Abgerufen am 14. November 2014.
↑ Statistisches Bundesamt: Bevölkerung
↑ Kinderlosigkeit ist das wirkliche Problem Europas, Die Welt vom 21. Dezember 2012. Abgerufen am 9. Januar 2013.
↑ Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung: Ungenutzte Potenziale – Zur Lage der Integration in Deutschland (PDF; 3,1 MB), ISBN 978-3-9812473-1-2, S. 26 f.
↑ Ursula Mehrländer, Günther Schultze (1998): Einwanderungskonzept für die Bundesrepublik Deutschland: Fakten, Argumente, Vorschläge, Bonn 1992 (Gesprächskreis Arbeit und Soziales; 7), FES-Library (online). Abgerufen am 24. Juli 2013.
↑ UN Department of Economic and Social Affairs: International Migration 2006 (PDF; 619 kB), Stand: 2006. Abgerufen am 31. Mai 2013.
↑ a b Flora Wisdorff: Deutschland ist zweitbeliebtestes Einwanderungsland. Welt Online, 20. Mai 2014. Abgerufen am 20. Mai 2014.
↑ Kathrin Kissau: Das Integrationspotential des Internet für Migranten, 1. Aufl., VS Verlag, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-531-15991-1, S. 25.
↑ Vorbild Kanada: Deutschland soll bei Einwanderung Punkte einführen, Die Welt vom 23. November 2012.
↑  Uwe Schünemann: Denkfabrik: Zuwanderung darf Sozialsysteme nicht belasten. In: Wirtschaftswoche. 16. Oktober 2010 („Zwischen 1971 und 2000 ist die Zahl der Ausländer in Deutschland von drei Millionen auf ca. 7,5 Millionen gestiegen. Die Zahl der erwerbstätigen Ausländer blieb aber bei etwa zwei Millionen stehen. Im Jahr des Anwerbestopps 1973 waren 65 Prozent der Ausländer sozialversicherungspflichtig beschäftigt, ein Jahrzehnt später waren es nur noch 38 Prozent. Ein Großteil der Zuwanderung nach Deutschland erfolgte seit dem Anwerbestopp – meist über die Familienzusammenführung oder ungeregelt – zulasten der Sozialsysteme.“).
↑ MINT-Absolventen: Unis und Unternehmen wollen ausländische Studenten ködern, Spiegel Online, 6. Mai 2014. Abgerufen am 26. April 2015.
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↑ Es beherrschen Niederdeutsch gut bis sehr gut: 27 Prozent der Bevölkerung Schleswig-Holsteins, 23 Prozent der Mecklenburg-Vorpommerns, 14 Prozent der Niedersachsens, 10 Prozent der Nordrhein-Westfalens und je 5 Prozent der Brandenburgs und Sachsen-Anhalts, zusammen ca. 4 Millionen – nicht inbegriffen sind Hamburg und Bremen sowie die rund 200.000 Sprecher des Plautdietschen, die überwiegend außerhalb der Erhebungsgebiete wohnen. Vorlesung „Niederdeutsch in Geschichte und Gegenwart“ – Niederdeutsch heute: Eine Bestandsaufnahme (Frerk Möller: Plattdeutsch im 21. Jahrhundert. Bestandsaufnahme und Perspektiven. Leer 2008 (PDF; 1,9 MB), S. 22 f.). Abgerufen am 6. Januar 2013.
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↑ Vgl. dazu Karl-Hermann Kästner, Die Entwicklung des Staatskirchenrechts seit 1961, in: Jahrbuch des öffentlichen Rechts der Gegenwart, hrsg. von Gerhard Leibholz. Neue Folge Bd. 27, Mohr Siebeck, Tübingen 1978, S. 280 f.; Götz Klostermann, Der Öffentlichkeitsauftrag der Kirchen – Rechtsgrundlagen im kirchlichen und staatlichen Recht (= Jus Ecclesiasticum; Bd. 64), Mohr Siebeck, Tübingen 2000, S. 11 ff., 79; Michael Meyer-Blanck, Birgit Weyel, Studien- und Arbeitsbuch Praktische Theologie, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2008, S. 204.
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↑ Werner Weidenfeld, Karl-Rudolf Korte (Hrsg.): Handbuch zur deutschen Einheit 1949–1989–1999. Aktualisierte Neuausgabe, Campus Verlag, Frankfurt a.M. 1999, ISBN 3-593-36240-6, S. 86 f.
↑ Walter Pohl: Die Germanen (Enzyklopädie deutscher Geschichte, Band 57). 2. Aufl., München 2004, S. 3 ff.
↑ Walter Pohl: Die Germanen. Enzyklopädie deutscher Geschichte, Bd. 57, 2. Aufl. 2004, S. 3 f. und 10.
↑ Ernst Baltrusch (Hrsg.): 2000 Jahre Varusschlacht. Geschichte – Archäologie – Legenden. Berlin [u. a.] 2012; Reinhard Wolters: Die Schlacht im Teutoburger Wald. Arminius, Varus und das römische Germanien. München 2008.
↑ Zur Einordnung der ottonischen Geschichte allgemein Hagen Keller, Gerd Althoff: Die Zeit der späten Karolinger und der Ottonen. Stuttgart 2008, S. 18 ff.
↑ Zu den unterschiedlichen Forschungsansätzen siehe Joachim Ehlers, Die Entstehung des Deutschen Reiches. 4. Aufl., München 2012; vgl. allgemein auch Johannes Fried, Der Weg in die Geschichte. Berlin 1994, speziell S. 9 ff. und 853 ff. Grundlegend ist Carlrichard Brühl, Deutschland – Frankreich. Die Geburt zweier Völker. 2. Aufl., Köln/Wien 1995.
↑ Vgl. Carlrichard Brühl: Die Geburt zweier Völker. Köln [u. a.] 2001, S. 69 ff.; Carlrichard Brühl, Deutschland – Frankreich. Die Geburt zweier Völker. 2. Aufl., Köln/Wien 1995, S. 205 ff.
↑ Vgl. Joachim Ehlers: Die Entstehung des Deutschen Reiches. 4. Aufl., München 2012, S. 46–48.
↑ Bernd Schneidmüller: Konsensuale Herrschaft. Ein Essay über Formen und Konzepte politischer Ordnung im Mittelalter. In: Paul-Joachim Heinig (Hrsg.): Reich, Regionen und Europa in Mittelalter und Neuzeit. Festschrift für Peter Moraw. Berlin 2000, S. 53–87.
↑ Bernd Schneidmüller: Konsens – Territorialisierung – Eigennutz. Vom Umgang mit spätmittelalterlicher Geschichte. In: Frühmittelalterliche Studien 39, 2005, S. 225–246.
↑ Zur politischen Geschichte siehe ausführlich Heinz Thomas: Deutsche Geschichte des Spätmittelalters. Stuttgart 1983.
↑ Alfred Kohler: Karl V. 1500–1558. Eine Biographie. München 1999.
↑ William W. Hagen: Deutsche Geschichte in Dokumenten und Bildern, Band 2: Vom Absolutismus bis Napoleon, 1648–1815. PDF, S. 5, abgerufen im Portal germanhistorydocs.ghi-dc.org am 11. Januar 2014.
↑ Heinrich August Winkler: Der lange Weg nach Westen. Deutsche Geschichte vom Ende des Alten Reiches bis zum Untergang der Weimarer Republik. C.H. Beck, München 2000, ISBN 978-3-406-46001-2, S. 49.
↑ Heinrich August Winkler: Der lange Weg nach Westen. Deutsche Geschichte vom Ende des Alten Reiches bis zum Untergang der Weimarer Republik. München 2000, S. 51 ff.
↑ Thomas Nipperdey: Deutsche Geschichte 1800–1866. Bürgerwelt und starker Staat. München 1983, S. 24 f.
↑ Gleiches aktives und passives Wahlrecht, unabhängig vom Einkommen, galt hinfort nicht nur bei den Wahlen zum Deutschen Reichstag, sondern auch zum Parlament im Land Preußen, wo zuvor ein Dreiklassenwahlrecht, und dies nur für Männer, gegolten hatte.
↑ Zu diesem Stichtag sowie den damit verbundenen völkerrechtlichen Konsequenzen siehe Daniel-Erasmus Khan, Die deutschen Staatsgrenzen. Rechtshistorische Grundlagen und offene Rechtsfragen. Mohr Siebeck, Tübingen 2004, Teil II Kap. III (Fn 26 f.), S. 98–101.
↑ Feststellung seitens der Regierungen des Vereinigten Königreichs, der Vereinigten Staaten von Amerika und der Union der Sozialistischen Sowjet-Republiken sowie der Provisorischen Regierung der Französischen Republik über die Besatzungszonen in Deutschland vom 5. Juni 1945, in: documentArchiv.de
↑ Frankreich stellte 1945 noch keine anerkannte Siegermacht dar, sondern stand vor der Herausforderung, seinen Anspruch auf einen Großmachtstatus fortzuführen (so Jörn Leonhard, in: ders., Rolf G. Renner [Hrsg.]: Koloniale Vergangenheiten – (post-)imperiale Gegenwart, Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2010, S. 102 f.).
↑ Feststellung seitens der Regierungen des Vereinigten Königreichs, der Vereinigten Staaten von Amerika und der Union der Sozialistischen Sowjet-Republiken sowie der Provisorischen Regierung der Französischen Republik über das Kontrollverfahren in Deutschland vom 5. Juni 1945, in: documentArchiv.de
↑ Vgl. dazu Kay Hailbronner, in: Graf Vitzthum (Hrsg.), Völkerrecht, 4. Aufl. 2007, 3. Abschn., Rn 196.
↑ Zum Anspruch der DDR vgl. Uwe Andersen, Wichard Woyke (Hrsg.): Handwörterbuch des politischen Systems der Bundesrepublik Deutschland. 5. Auflage, Leske + Budrich, Opladen 2003, ISBN 3-8100-3865-2, S. 127.
↑ Vgl. Andreas Zimmermann, Staatennachfolge in völkerrechtliche Verträge, S. 49.
↑ Vgl. hierzu Ute Röding-Lange: Bezeichnungen für ‘Deutschland’ in der Zeit der „Wende“, Königshausen & Neumann, 1997, S. 76, 79 f.; Wolf D. Gruner, Die deutsche Frage als Thema der europäischen Politik im 19. und 20. Jahrhundert, in: Jürgen Elvert, Friederike Krüger (Hg.): Deutschland 1949–1989. Von der Zweistaatlichkeit zur Einheit (HMRG, Beiheft 49), Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2003, S. 17–55, hier S. 19; Ulrich Ammon: Die deutsche Sprache in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Das Problem der nationalen Varietäten, de Gruyter, Berlin/New York 1995, S. 319.
↑ Im damaligen Sinne eines „Durchgangsstadium[s] für einen künftigen, wieder gesamtdeutschen Staat“, vgl. Klaus Hornung, Von der Bonner zur Berliner Republik (PDF; 33 kB) und Uwe Andersen/Wichard Woyke (Hg.), Handwörterbuch des politischen Systems der Bundesrepublik Deutschland, 5., aktual. Aufl., Leske + Budrich, Opladen 2003 (Bundeszentrale für politische Bildung, 2003).
↑ Erlass des Staatsrates der DDR vom 7. September 1961 (GBl. SDr. 341, S. 3)
↑ Werner Abelshauser: Deutsche Wirtschaftsgeschichte seit 1945. C.H. Beck, München 2004, Kapitel „Die Reparationsfrage“, S. 75–84.
↑ Artikel 23 Satz 2 GG a.F.
↑ Bundesministerium der Justiz: Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik über die Herstellung der Einheit Deutschlands – Einigungsvertrag – vom 31. August 1990 (BGBl. 1990 II S. 889). Abgerufen am 7. Januar 2013.
↑ Vgl. das Schreiben des deutschen Vertreters bei den UN vom 17. Dezember 1990 an den UN-Generalsekretär: „As a consequence of the accession of the German Democratic Republic to the Federal Republic of Germany, the former German Democratic Republic has ceased to exist as of October 3rd 1990, whereas the Federal Republic of Germany continues to exist as an identical subject of international law …“; ZaöRV 53 (1993), S. 1095.
↑ Günther Heydemann: Zwischen Konsens, Krise und Konflikt. Der 11. September 2001 und seine Auswirkungen auf die deutsch-amerikanischen Beziehungen. In: Klaus Hildebrand, Udo Wengst, Andreas Wirsching (Hrsg.): Geschichtswissenschaft und Zeiterkenntnis. Von der Aufklärung bis zur Gegenwart. Festschrift für Horst Möller. Oldenbourg, München 2008, S. 437–452, hier S. 439. Abgerufen am 7. Januar 2013.
↑ Bundesverfassungsgericht: Urteil des BVerfG, Az. 2 BvE 1/03. Abgerufen am 7. Januar 2013.
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↑ Regierungserklärung von Kanzlerin Merkel zu den politischen Hauptprojekten, tagesschau.de, 29. Januar 2014.
↑ Weg für ESM-Rettungsschirm endgültig frei, Meldung vom 27. September 2012 auf Welt Online. Abgerufen am 7. Januar 2013.
↑ Wie zufrieden sind Sie mit der Arbeit der Bundesregierung?, Statista-Befragung, abgerufen am 30. November 2015.
↑ Dieter Hesselberger, Das Grundgesetz. Kommentar für die politische Bildung, 9. Auflage, Hermann Luchterhand Verlag, Neuwied 1995, S. 50.
↑ Herdegen, § 8, Rn 30 (Abschnitt „Bundesstaat“): „Die Gliedstaaten verfügen – nur – insoweit über eine (partielle und abgeleitete) Völkerrechtssubjektivität, als ihnen durch die Bundesverfassung Kompetenzen in auswärtigen Angelegenheiten eingeräumt werden.“
Ipsen, § 5, Rn 21 (Abschnitt „Gliedstaaten von Bundesstaaten und Staatenbund“): „Ihre Völkerrechtssubjektivität [also die der Gliedstaaten in einem Bundesstaat] unterscheidet sich vielmehr von der des Bundes dadurch, dass sie von der Völkerrechtssubjektivität des jeweiligen Bundesstaates abgeleitet [= derivativ] und nicht originär ist.“
↑ Vgl. Dieter Hesselberger, Das Grundgesetz, 13. Aufl., Art. 20, Rn 1, 7; Avenarius, Die Rechtsordnung, 3. Aufl., S. 23 f.
↑ Christian Schramek, Politische Führung in supranationalen Mehrebenensystemen: die Europäische Union, in: Martin Sebaldt, Henrik Gast (Hrsg.): Politische Führung in westlichen Regierungssystemen. Theorie und Praxis im internationalen Vergleich, VS Verlag, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-531-17068-8, S. 307; vgl. dazu Henrik Gast, Politische Führung in der Kanzlerdemokratie: die Bundesrepublik Deutschland, ebd., S. 95 f.
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↑ Dazu Daniel-Erasmus Khan, Die deutschen Staatsgrenzen, Tübingen 2004, S. 583 f.
↑ Daniel-Erasmus Khan, Die deutschen Staatsgrenzen, Tübingen 2004, S. 437.
↑ Für diesen Bereich haben die Länder durch Verwaltungsabkommen und Staatsverträge Verwaltungs- und Gerichtszuständigkeiten geregelt, die Gebietshoheit ist damit aber nicht geklärt.
Beispiele für solche Verträge sind das (Verwaltungs-)Abkommen über die wasserschutzpolizeilichen Zuständigkeiten auf der Elbe zwischen den Ländern Niedersachsen, Schleswig-Holstein und der Freien und Hansestadt Hamburg von 1974, der Staatsvertrag zwischen der Freien Hansestadt Bremen, der Freien und Hansestadt Hamburg sowie den Ländern Niedersachsen und Schleswig-Holstein über die gerichtliche Zuständigkeit in Binnenschiffahrtssachen von 1983 oder der Staatsvertrag zwischen der Freien und Hansestadt Hamburg und den Ländern Niedersachsen und Schleswig-Holstein über die Regelung der Gerichtszugehörigkeit des Küstengewässers der Nordsee und der Elbmündung von 2001. Zu den rechtlichen und geschichtlichen Aspekten siehe Rainer Lagoni: Ländergrenzen in der Elbemündung und der Deutschen Bucht, Berlin 1982, ISBN 3-428-05240-4.
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↑ ARD/ZDF-Onlinestudie 2014 (Pressemitteilung), 5. September 2014, abgerufen am 1. September 2015. Siehe auch die detaillierte Statistik aus der Studie.
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↑ Deutscher Fußball-Bund: Mitglieder-Statistik, Stand: April 2012. Abgerufen am 2. Januar 2013.
↑ Deutscher Handballbund: Das Unternehmen Handball stellt sich vor, Stand: 2011. Abgerufen am 2. Januar 2013.
↑ Deutscher Volleyball-Verband, DVV Vereinsstatistik 1982–2012
↑ Ehrung: Nowitzki zum MVP gewählt, Spiegel Online, 11. Mai 2007. Abgerufen am 2. Januar 2013.
↑ Ewiger Medaillenspiegel auf Süddeutsche.de. Abgerufen am 2. Januar 2013.
↑ DSB: Deutscher Schützenbund. Abgerufen am 2. Januar 2013.
↑ Deutscher Golf VerbandDeutsche StaatssystemeStaatsbezeichnung:
Vor der Reichsgründung: Norddeutscher Bund Flagge des Norddeutschen Bundes
Deutsches Reich: Deutsches Kaiserreich Flagge des Deutschen Kaiserreichs | Weimarer Republik Flagge der Weimarer Republik | Nationalsozialistisches Deutschland Flagge des Deutschen Reiches von 1935 bis 1945 | Alliierte Verwaltung Erkennungsflagge für deutsche Handelsschiffe in den Jahren 1946 bis 1950
Während der deutschen Teilung (1949–1990): Bundesrepublik Deutschland Bundesdienstflagge | Deutsche Demokratische Republik Flagge der DDR
Seit 1990: Bundesrepublik Deutschland Flagge Deutschlands
Direkte Demokratie in DeutschlandPolitische Instrumente:  Volksabstimmung | Volksinitiative | Antrag auf ein Volksbegehren | Volksbegehren | Volksentscheid | Einwohnerantrag | Bürgerbegehren | Bürgerentscheid
Landesregelungen:  Baden-Württemberg | Bayern | Berlin | Brandenburg | Bremen | Hamburg | Hessen | Mecklenburg-Vorpommern | Niedersachsen | Nordrhein-Westfalen | Rheinland-Pfalz | Saarland | Sachsen | Sachsen-Anhalt | Schleswig-Holstein | Thüringen
Abstimmungen:  Liste der Plebiszite in Deutschland
Politische Gliederung EuropasSouveräne Staaten:
Albanien | Andorra | Belgien | Bosnien und Herzegowina | Bulgarien | Dänemark2 | Deutschland | Estland | Finnland | Frankreich2 | Griechenland | Irland | Island | Italien2 | Kasachstan1 | Kroatien | Lettland | Liechtenstein | Litauen | Luxemburg | Malta | Mazedonien | Moldawien | Monaco | Montenegro | Niederlande2 | Norwegen2 | Österreich | Polen | Portugal2 | Rumänien | Russland1 | San Marino | Schweden | Schweiz | Serbien | Slowakei | Slowenien | Spanien2 | Tschechien | Türkei1 | Ukraine | Ungarn | Vatikanstadt | Vereinigtes Königreich2 | Weißrussland
Sonstige Gebiete:
Färöer | Gibraltar | Guernsey | Isle of Man | Jersey
Umstrittene Gebiete:
Kosovo | Transnistrien
1 Liegt größtenteils in Asien.  2 Hat zusätzliche Gebiete außerhalb Europas.
Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU)Belgien | Bulgarien | Dänemark | Deutschland | Estland | Finnland | Frankreich | Griechenland | Irland | Italien | Kroatien | Lettland | Litauen | Luxemburg | Malta | Niederlande | Österreich | Polen | Portugal | Rumänien | Schweden | Slowakei | Slowenien | Spanien | Tschechien | Ungarn | Vereinigtes Königreich | Zypern
G7-StaatenG6: Deutschland | Frankreich | Vereinigtes Königreich | Italien | Japan | Vereinigte Staaten
G7: Kanada | (G8: Russland – Mitgliedschaft suspendiert)
Mitgliedstaaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD)Australien | Belgien | Chile | Dänemark | Deutschland | Estland | Finnland | Frankreich | Griechenland | Irland | Island | Israel | Italien | Japan | Kanada | Luxemburg | Mexiko | Neuseeland | Niederlande | Norwegen | Österreich | Polen | Portugal | Schweden | Schweiz | Südkorea | Slowakei | Slowenien | Spanien | Tschechien | Türkei | Ungarn | Vereinigte Staaten | Vereinigtes Königreich
Teilnehmerstaaten der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE)Albanien | Andorra | Armenien | Aserbaidschan | Belgien | Bosnien und Herzegowina | Bulgarien | Dänemark | Deutschland | Estland | Finnland | Frankreich | Georgien | Griechenland | Irland | Island | Italien | Kanada | Kasachstan | Kirgisistan | Kroatien | Lettland | Liechtenstein | Litauen | Luxemburg | Malta | Mazedonien | Moldawien | Monaco | Mongolei | Montenegro | Niederlande | Norwegen | Österreich | Polen | Portugal | Rumänien | Russland | San Marino | Schweden | Schweiz | Serbien | Slowakei | Slowenien | Spanien | Tadschikistan | Tschechien | Türkei | Turkmenistan | Ukraine | Ungarn | Usbekistan | Vatikanstadt | Vereinigtes Königreich | Vereinigte Staaten | Weißrussland | Republik Zypern
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Die Rechtswissenschaft oder Jurisprudenz (von lateinisch iuris prudentia) befasst sich mit der Auslegung, der systematischen und begrifflichen Durchdringung gegenwärtiger und geschichtlicher juristischer Texte und sonstiger rechtlicher Quellen. Eine sachgerechte Deutung juristischer Texte schließt eine wissenschaftliche Beschäftigung mit der Entstehung und der Anwendung von Rechtsquellen und Normen ein. Grundlegend für diese Arbeit ist ein Verständnis der Rechtsgeschichte, Rechtsphilosophie, Rechtstheorie, Rechtspolitik und Rechtssoziologie. Die vorgenannten Disziplinen werden zusammen mit der Rechtsdogmatik und Methodenlehre auch im Plural als Rechtswissenschaften bezeichnet.
Eine klassische Definition dessen, was Rechtswissenschaft ist, gibt der römische Jurist Ulpian: Rechtswissenschaft ist die Kenntnis der menschlichen und göttlichen Dinge, die Wissenschaft vom Gerechten und Ungerechten. „Iuris prudentia est divinarum atque humanarum rerum notitia, iusti atque iniusti scientia“ (Domitius Ulpianus: Ulpian primo libro reg., Digesten 1,1,10,2). Das „Göttliche“ im Sinne des kanonischen Rechts ist an deutschen Universitäten zwar erst lange nach der Aufklärung, aber in der Gegenwart dennoch endgültig als Pflichtfach aus den rechtswissenschaftlichen Lehrplänen entfernt worden.
In Deutschland findet sich noch heute der Pluralbegriff Jura (lat. „die Rechte“), die Singular-Form Jus oder das lateinische Ius ist eher in Österreich und der Schweiz gebräuchlich.
Neben dem weltlichen Recht und seiner Rechtswissenschaft gibt es noch religiös begründete Rechtswissenschaften. Das christliche Recht wird im deutschen Sprachraum oft als Kirchenrecht bezeichnet. Das Recht der katholischen Kirche ist das kanonische Recht. Mit dem Recht des Islam (Scharia) beschäftigt sich die islamische Rechtswissenschaft (Fiqh). Neben der Theologie, Medizin und Philosophie ist die Rechtswissenschaft eine der klassischen Universitäts­disziplinen.Inhaltsverzeichnis
1 Wissenschaftstheoretische Einordnung der Rechtswissenschaft
2 Disziplinen
3 Geschichte und Funktion der Rechtswissenschaft
4 Studium und Juristenausbildung
5 Grenzen, Defizite und Prinzipien der Rechtswissenschaft
6 Siehe auch
7 Literatur7.1 Aktuelle Abhandlungen
7.2 Historische Abhandlungen
8 Weblinks
9 Einzelnachweise und FußnotenWissenschaftstheoretische Einordnung der Rechtswissenschaft[Bearbeiten]
Die Rechtswissenschaft ist eine hermeneutische Disziplin. Die durch die Philosophie der Hermeneutik gewonnene Erkenntnis über die Bedingungen der Möglichkeit von Sinnverstehen wendet sie als juristische Methode auf die Exegese juristischer Texte an. Ihre Sonderstellung gegenüber den übrigen Geisteswissenschaften leitet sie, soweit sie sich mit dem geltenden Recht beschäftigt, aus der Allgemeinverbindlichkeit von Gesetzes­texten ab, welche sie in Bezug auf konkrete Lebenssachverhalte in der Rechtsprechung anzuwenden hat. Unter diesem Blickwinkel lässt sich die Rechtswissenschaft im Idealfall auch als Erforschung von Modellen für die Vermeidung und Lösung gesellschaftlicher und zwischenmenschlicher Konflikte verstehen.
Die hermeneutische Methode unterscheidet sie anderseits von den empirischen Wissenschaften, wie der Naturwissenschaft, der Medizin, der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, deren Ziel nicht das Verstehen von Texten ist, sondern die Erforschung von natürlichen oder sozialen Regelmäßigkeiten, welche durch Erfahrung und Beobachtung überprüfbar sind. Die Rechtswissenschaft beschäftigt sich wie die anderen Textwissenschaften (Philologie, Theologie) nicht mit objektiven Erkenntnissen über sinnlich erfahrbare Erscheinungen.[1] Dies bleibt Nebenzweigen der Rechtswissenschaft vorbehalten, wie etwa der Rechtsphilosophie, der Rechtssoziologie und der Kriminologie.
Disziplinen[Bearbeiten]
Die Teilgebiete der Rechtswissenschaft lassen sich zusammenfassen zu den exegetischen Fächern und den nicht-exegetischen Fächern (historische, philosophische oder empirische Fächer). Bei den exegetischen Fächern steht die Rechtsdogmatik ganz im Vordergrund. Bei den exegetischen nicht-dogmatischen Fächern werden insbesondere die Digestenexegese und die Exegese deutschrechtlicher Quellen betrieben. Selten werden z.&#160;B. keilschriftrechtliche Quellen (Codex Hammurapi) ausgelegt.
Die nichtexegetischen juristischen Grundlagenfächer sind oft zugleich Disziplinen von Nachbarwissenschaften, so etwa die Rechtsphilosophie, die Rechtsgeschichte und die Rechtssoziologie.
In neuerer Zeit beschäftigt sich die Rechtswissenschaft viel mit der rechtlichen Methodik und der Lehre von der Gesetzesauslegung. Weil für die juristische Exegese eine juristische Methodenlehre von Bedeutung ist, wird diese oftmals gesondert gelehrt.
Dabei hat insbesondere die Rechtsphilosophie in der Rechtswissenschaft und im Rechtsstudium, im Vergleich zu Hochmittelalter und Renaissance, erheblich an Stellenwert verloren. Die Kriminologie, welche sich unter anderem mit empirischer Forschung beschäftigt, hat an den Hochschulen ebenfalls einen eher geringen Stellenwert.
Ein Überblick über die wichtigsten Rechtsgebiete ist im Artikel Recht enthalten.
Geschichte und Funktion der Rechtswissenschaft[Bearbeiten]
Während sich die Rechtsgeschichte mit der historischen Entwicklung des Rechts selbst beschäftigt, lässt sich auch untersuchen, wie sich die Wissenschaft vom Recht im Verlauf der Geschichte entwickelt hat.
Die Frage, was Recht ist, wurde über die Jahrhunderte immer wieder unterschiedlich beantwortet. Anfangs wurde Recht gleichgesetzt mit den herrschenden Moralvorstellungen (vgl. auch Naturrecht). Später dominierte die Vorstellung, als Recht könne nur eine Regel verstanden werden, die von einer Körperschaft oder Person (i.&#160;d.&#160;R. dem „Herrscher“) erlassen wurde, die auch die Autorität zu ihrem Erlass und zur Durchsetzung hatte (Rechtspositivismus). Die historische Rechtsschule betonte demgegenüber zu Anfang des 19.&#160;Jahrhunderts wieder die gesellschaftliche und geschichtliche Verankerung des Rechts. Aus diesen und anderen Vorstellungen haben sich die heute üblichen Rechtssysteme entwickelt.
Hier sind wiederum vor allem zwei Arten von Rechtssystemen zu unterscheiden, nämlich die des kodifizierten, abstrakt definierten Rechts, und die des Fallrechts (Common Law).
Das kodifizierte Recht hat sich im Wesentlichen aus dem römischen Recht entwickelt. So war es Kaiser Justinian, der als Erster das römische Recht im Corpus Iuris Civilis zusammenstellte und damit zugleich im gesamten Römischen Reich vereinheitlichte. Auch wenn im kodifizierten Recht frühere Entscheidungen berücksichtigt werden, hat letztlich immer das Gesetzbuch und der Gesetzestext – gegebenenfalls auch Gewohnheitsrecht – die höchste Autorität. Der wichtige Bereich des Zivilrechts wurde von Napoleon überarbeitet und im Code civil neu kodifiziert. Dieser ist seitdem im französischsprachigen Raum, den ehemaligen französischen Kolonien und weiteren Ländern verbreitet. Daneben steht die deutsche Rechtstradition, die auf dem Boden des gemeinen Rechts in der Kodifikation des Bürgerlichen Gesetzbuchs Ausdruck gefunden und ebenfalls über Deutschland hinaus ausgestrahlt hat.
Im Gegensatz dazu steht die Entwicklung der englischen Rechtstradition des Common Law. Das Recht ist hier im Grundsatz nicht kodifiziert, sondern wird von der Rechtsprechung auf Grund von Präjudizien weiterentwickelt. Dieses Rechtssystem wurde auch in den USA und anderen ehemaligen britischen Kolonien übernommen und weiterentwickelt. So gibt es in den USA eine Schule des legal realism, nach der allein das Recht ist, was die Gerichte als Recht anwenden und vollstrecken werden. Eine andere Besonderheit des US-amerikanischen Rechts ist die große Bedeutung der Schwurgerichte (vgl. Jury).
Stattdessen hat die Rechtswissenschaft beispielsweise in Deutschland eine eigenständige Funktion im Verhältnis zu Rechtsprechung. Die rechtswissenschaftliche Literatur ist ein (wirksamer und anerkannter) „Rechtsbildungsfaktor“ (zumindest im Arbeitsrecht).[2] Dies kann auch aus den Worten des Bundesverfassungsgerichtes, dass „[d]ie Gerichte […] bei unzureichenden gesetzlichen Vorgaben das materielle Recht mit den anerkannten Methoden der Rechtsfindung aus den allgemeinen Rechtsgrundlagen ableiten [müssen], die für das betreffende Rechtsverhältnis maßgeblich sind“,[3] geschlossen werden.[2]
Studium und Juristenausbildung[Bearbeiten]
→ Hauptartikel: Juristenausbildung in Deutschland, Juristenausbildung in Österreich&#160;und Juristenausbildung in der Schweiz
Zentraler Bestandteil der juristischen Ausbildung ist in vielen Rechtskreisen das Studium der Rechtswissenschaft an einer Hochschule.
In Österreich und der Schweiz wird das rechtswissenschaftliche Studium Jus genannt, da das kanonische Recht keinen verpflichtenden Inhalt des Studiums mehr darstellt.
Der Begriff Rechtswissenschaft bezeichnet die Wissenschaft eines Rechts (weltlich oder kirchlich). Rechtswissenschaften bedeutet hingegen, die Wissenschaft oder das Studium beider Rechte; des kanonischen und weltlichen Rechts. Der in Deutschland umgangssprachlich gebrauchte Begriff Jura für das Studium der Rechtswissenschaft ist – akademisch betrachtet – irreführend: Jura kommt von lat. iura, dem Plural von ius. Also auch hier wieder die Unterscheidung zwischen einem und beiden Rechten. Somit müsste „Rechtswissenschaft“ in Deutschland – wie in Österreich und der Schweiz richtigerweise als „Jus“ bezeichnet werden und die Rechtswissenschaften inklusive des kanonischen Rechts als Jura, wobei auch diese Theorie nicht der Realität entspricht, da „Rechtswissenschaften“ als Synonym für die breitgefächerte Materie – und unabhängig vom kanonischen Recht – verwendet wird.
Grenzen, Defizite und Prinzipien der Rechtswissenschaft[Bearbeiten]
Versteht man die Rechtswissenschaft als Wissenschaft vom geltenden Recht, so konzentriert sie sich dabei im Wesentlichen auf die Interpretation von Gesetzen und der aus den Gesetzen abgeleiteten Rechtsprechung und will daraus eine Erkenntnis über das geltende Recht gewinnen. Dies findet seine Grenzen zum einen in der Menge der Rechtsnormen und zum anderen in der fehlenden Kenntnis der tatsächlichen Wirkungen der Rechtsnormen.
In einem modernen, hochkomplexen Staat gibt es jedoch eine nicht mehr überschaubare Menge von Rechtsnormen. Es gibt in Deutschland mehr als 5.000 Gesetze und Verordnungen des Bundes,[4] zu denen die Gesetze und Verordnungen der 16 Bundesländer und die Rechtsverordnungen und Satzungen der Bezirke, Kreise, Verwaltungsgemeinschaften und Gemeinden hinzukommen. Hinzu kommen eine große Anzahl von Verwaltungsrichtlinien (wie z.&#160;B. die TA Luft, die TA Lärm) und von Ausschüssen und Verbänden geschaffene Normen, die faktisch ebenfalls Gesetzeskraft haben (wie z.&#160;B. die VOB, die DIN-Normen, die zahlreichen Richtlinien und Empfehlungen der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) und der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) für den Straßenbau, die LAGA usw.). Da viele dieser Normen sehr spezifische und hochtechnische Sachverhalte regeln, sind sie zum Teil nur von Spezialisten vollständig verständlich. Das steht in einem Spannungsfeld zum grundsätzlichen Ziel der Rechtswissenschaft, wonach es einem jeden möglich sein soll, sein Handeln an ihm verständlichen Rechtsnormen auszurichten.
Alle Rechtsnormen müssen einigen grundlegenden Prinzipien genügen. Dazu gehören das Prinzip „Keine Strafe ohne Gesetz“ (nulla poena sine lege), "Keine Strafe ohne Schuld" (nulla poena sine culpa) sowie die Grundsätze der Verhältnismäßigkeit oder der Einhaltung von Treu und Glauben. Zu den rechtsstaatlichen Grundsätzen ([5]) gehört ferner das Verbot der Rückwirkung zum Nachteil des Bürgers, wenngleich von diesem Prinzip Durchbrechungen anerkannt sind.
Kritisiert wird, dass die Rechtswissenschaft die Auswirkungen der Rechtsnormen in der Realität nur durch die Sicht der staatlichen Rechtsprechung erkennt, da sie so gut wie keinerlei rechtstatsächliche Forschungen betreibt. Da nur ein vergleichsweise winziger Teil der alltäglichen Rechtsanwendung zu Auseinandersetzungen vor Gericht führt, gelangt ein großer Teil des rechtlich relevanten menschlichen Verhaltens nicht zur Aufmerksamkeit der Rechtswissenschaft, auch wenn das Verhalten nicht mit der juristischen Theorie übereinstimmen sollte. Nicht zur Kenntnis der öffentlichen Gerichtsbarkeit gelangen ferner die Streitigkeiten, die aufgrund der wirtschaftlichen oder sozialen Machtverhältnisse außergerichtlich geregelt werden sowie solche Bereiche insbesondere der Wirtschaft, in denen Streitigkeiten bewusst von staatlichen Gerichten ferngehalten und allenfalls von Schiedsgerichten entschieden werden, die weder ihre Verfahren noch ihre Entscheidungen publik machen. Das Studium der Rechtsprechung vermittelt somit nur einen winzigen Ausschnitt aus der Wirklichkeit der Rechtsanwendung.
Versteht man unter dem geltenden Recht nicht nur die Summe der Normen, die das menschliche Verhalten in einem bestimmten Gebiet zu regeln beabsichtigen, sondern auch ihre Rechtsfolgen, also die tatsächlichen Auswirkungen dieser Normen bzw. die Art und Weise, wie diese Normen von den Betroffenen verstanden und angewendet werden, muss man zu dem Ergebnis kommen, dass die Rechtswissenschaft nur die Oberfläche des geltenden Rechts zu erkennen vermag und gelegentlich auch falsche Schlüsse daraus zieht.
Siehe auch[Bearbeiten]
&#160;Portal: Recht – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema RechtListe von RechtswissenschaftlernLiteratur[Bearbeiten]
Aktuelle Abhandlungen[Bearbeiten]Karl Engisch: Einführung in das juristische Denken. 11. Auflage. Kohlhammer, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-17-021414-9.
Reinhold Zippelius: Rechtsphilosophie. 6. Auflage. C.H. Beck, München 2011, ISBN 978-3-406-61191-9.
Wissenschaftsrat: Perspektiven der Rechtswissenschaft in Deutschland. Situation, Analysen, Empfehlungen (Drs.&#160;2558-12; PDF; 483&#160;kB), November 2012.
Kristian Kühl, Hermann Reichold, Michael Ronellenfitsch: Einführung in die Rechtswissenschaft – Rechtssystem und Rechtstechnik. C.H. Beck, München 2011, ISBN 978-3-406-36575-1.
Julian Krüper (Hrsg.): Grundlagen des Rechts. Nomos, Baden-Baden 2011, ISBN 978-3-8329-4741-5.
Olaf Muthorst: Grundlagen der Rechtswissenschaft – Methode, Begriff, System. C.H. Beck, München 2011, ISBN 978-3-406-61974-8.Historische Abhandlungen[Bearbeiten]Aristoteles: De re publica Atheniensium (Politik und Staat der Athener). Artemis, Zürich u. a. 1955.
Platon: Nomoi. Akademischer Verlag, Berlin 1992.
Platon: Politeia (Der Staat). Kröner, Stuttgart 1973.
Thomas von Aquin: Summa contra gentiles. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt.
Niccolo Machiavelli: Der Fürst. Kröner, Stuttgart 1978.
Cesare Beccaria: Dei delitti e delle pene. Des Herrn Marquis von Beccaria unsterbliches Werk von Verbrechen und Strafen. Scientia, Aalen 1990.
Jean-Jacques Rousseau: Contract social. Reclam, Stuttgart.
Charles de Montesquieu: Vom Geist der Gesetze. Reclam, Stuttgart 1976.
Jean Bodin: Über den Staat. Sechs Bücher über den Staat. Reclam, Stuttgart 1986.
Friedrich Carl von Savigny: Vom Beruf unserer Zeit für Gesetzgebung und Rechtswissenschaft. Olms, Hildesheim 1967.
Alexander Hamilton, James Madison, John Jay: Die Federalist-Artikel. Schöningh (UTB), Paderborn 1994.
Thomas Hobbes: Leviathan. Reclam, Stuttgart 1984.
Georg W. F. Hegel: Grundlinien der Philosophie des Rechts oder Naturrecht und Staatswissenschaft im Grundrisse. Reclam, Stuttgart 1970.
Wilhelm von Humboldt: Ideen zu einem Versuch, die Grenzen der Wirksamkeit des Staates zu bestimmen. (1792; erstmals publiziert 1851) Reclam, Stuttgart 2002.
Julius Hermann von Kirchmann: Die Werthlosigkeit der Jurisprudenz als Wissenschaft. Eine Rede aus dem Jahr 1847. Hrsg. von Gottfried Neeße. Kohlhammer, Stuttgart u. a. 1988.
Rudolf von Jhering: Der Zweck im Recht. Olms, Hildesheim 1970.
Rudolf von Jhering: Der Kampf ums Recht. 8. Auflage. Klostermann, Frankfurt am Main 2003.
Gustav Radbruch: Rechtsphilosophie. K. F. Koehler, Stuttgart 1973.
Hans Kelsen: Reine Rechtslehre. Einleitung in die rechtswissenschaftliche Problematik. Franz Deuticke, Wien 1985.
Georg Jellinek: Allgemeine Staatslehre. 3. Auflage. Julius Springer, Berlin 1929.
Carl Schmitt: Verfassungslehre. 8. Auflage. Berlin: Akademischer Verlag, 1993.
Rudolf Smend: Verfassung und Verfassungsrecht. Duncker &amp; Humblot, Berlin u. a. 1928.
John Rawls: Eine Theorie der Gerechtigkeit. 7. Auflage. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1993.Weblinks[Bearbeiten]
&#160;Wiktionary: Rechtswissenschaft&#160;– Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
&#160;&#160;Wikiquote: Rechtswissenschaft&#160;– Zitate
&#160;Wikibooks: Regal:Rechtswissenschaft&#160;– Lern- und Lehrmaterialien
&#160;Wikisource: Rechtswissenschaft&#160;– Quellen und VolltexteWebsite der Virtuellen Fachbibliothek RechtEinzelnachweise und Fußnoten[Bearbeiten]↑ Vgl. den Vortrag „Die Wertlosigkeit der Jurisprudenz als Wissenschaft“, 1848.
↑ a b &#160;Reinhard Richardi (Bearbeiter), Reinhard Richardi, Hellmut Wißmann, Otfried Wlotzke, Hartmut Oetker (Hrsg.): Münchener Handbuch zum Arbeitsrecht. 3.&#160;Auflage. Band 1, C.H. Beck, München 2010, ISBN 978-3-406-55553-4, §&#160;6 Staatliche Rechtsetzung und Rechtswissenschaft Rn. 35.
↑ BVerfG, Beschluss vom 26.&#160;Juni 1991, Az.: 1 BvR 779/85 =&#160;BVerfGE 84, 212&#160;(226) =&#160;NJW 1991, S.&#160;2549 (2550) – Zulässigkeit und Grenzen der Aussperrung; auch a.&#160;a.&#160;O.: „Zudem war der Beschluß des Großen Senats auf so erhebliche Kritik gestoßen, daß der unveränderte Fortbestand dieser Rechtsprechung nicht gesichert erscheinen konnte.“
↑ Überblick bei juris (BMJ) zu wesentlichen Gesetzen
↑ siehe auch Rechtsstaat (Deutschland) (Wort- und Begriffsgeschichte).
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Objektivität (von lateinisch obiectum, dem Partizip Perfekt Passiv von obicere: das Entgegengeworfene, der Vorwurf oder der Gegenwurf) bezeichnet die Unabhängigkeit der Beurteilung oder Beschreibung einer Sache, eines Ereignisses oder eines Sachverhalts vom Beobachter beziehungsweise vom Subjekt. Die Möglichkeit eines neutralen Standpunktes, der Objektivität ermöglicht, wird verneint.[1] Objektivität ist ein Ideal der Philosophie und der Wissenschaften. Da man davon ausgeht, dass jede Sichtweise subjektiv ist, werden wissenschaftlich verwertbare Ergebnisse an bestimmten, anerkannten Methoden und Standards des Forschens gemessen.Inhaltsverzeichnis
1 Begriffsgeschichte
2 Objektivität in der Philosophie2.1 Objektivität und Erkenntnistheorie2.1.1 René Descartes
2.1.2 John Locke
2.1.3 Berkeley und Hume
2.1.4 Alexander Baumgarten
2.1.5 Kant
2.2 Intersubjektive Objektivität2.2.1 Charles Sanders Peirce
2.2.2 Max Weber
2.2.3 Karl Popper
2.2.4 Jürgen Habermas
2.2.5 Niklas Luhmann
2.2.6 Ernst von Glasersfeld
2.2.7 Harding und Haraway
3 Objektivität der Geistes- bzw. Kulturwissenschaften3.1 Der hermeneutische Rahmen
3.2 Hermeneutische Objektivität
3.3 Hermeneutik und Empirie
4 Objektivität der Naturwissenschaften
5 Objektivität der Medien
6 Siehe auch
7 Literatur
8 Weblinks
9 QuellenBegriffsgeschichte[Bearbeiten]
Der Begriff der Objektivität unterliegt wie alle philosophischen Begriffe einem historisch schwankenden Sprachgebrauch. Der Sprachgebrauch 'objektiv' hat sich sogar von einer bestimmten Bedeutung in deren Gegenteil verwandelt. Als im 14. Jahrhundert bei Philosophen wie Duns Scotus und Wilhelm von Ockham die Eigenschaft 'objektiv' auftauchte, stand das&#160;»esse objektive«&#160;- im Unterschied zur modernen Auffassung – für die Beurteilung eines Gegenstandes oder Sachverhaltes, die sich aus den praktischen und kulturell erworbenen Kenntnissen eines Menschen ergab. In diesem Sinne galt&#160;»esse objektive«&#160;als gesicherte Aussage über Fakten.[2] Dieses Erkennen wurde als 'intuitive Erkenntnis' bezeichnet[3]. Die 'intuitive Erkenntnis' tauchte in etwas gewandelter Weise bei Edmund Husserl in seiner Idee der 'Wesensschau' wieder auf.
Der Beginn des modernen Sprachgebrauchs von 'Objektivität' wird der Zeit der Aufklärungsphilosophie zugerechnet. Mit Kants Transzendentalphilosophie wurde Objektivität zum ersten Leitprinzip der Philosophie und der Wissenschaften überhaupt. 'Objektiv' war für Kant das, was der Verstand mit Hilfe der ihm ohne jede Erfahrung, d.&#160;h. apriorisch vorhanden, bereits innewohnenden Kategorien und Begriffe nach bestimmten Methoden erkannte. So werde absolut verlässliches Wissen erworben. Mit Kants Analyse ('Kritik') der 'reinen Vernunft' wurden Philosophen und Wissenschaftlern in ihrem Wunsch bestärkt, dass objektive Erkenntnisse erreichbar seien. Bereits Platon hatte unter Voraussetzung von unveränderlichen Ideen, die jedem zugänglich seien, behauptet, dass Menschen sichere Kenntnisse über die ständig sich verändernden sinnlichen Gegenstände möglich sind. Weitestgehend unbeachtet blieben Zeitgenossen Kants wie Johann August Heinrich Ulrich und Johann Christian Lossius –– die von sensualistischen Sichten ausgingen und Kants Begründung der Objektivität durch apriorische Kategorien und Begriffe nicht teilten.
Im Laufe des 19. Jahrhunderts zeigte sich, dass die Probleme mit der transzendentalphilosophischen Objektivität mit der Verbreitung materialistischer und marxistischer Philosophien, zusammen mit den Forschungsergebnissen in Physik, Physiologie und Psychologie massiv zunahmen. Die Philosophen Karl August Traugott Vogt, Jakob Moleschott, Ludwig Büchner und Heinrich Czolbe veröffentlichten ihre materialistischen Auffassungen, die objektive Erkenntnisse in Frage stellten. Aber auch Naturwissenschaftler wie Richard Avenarius mit seiner dem Kantischen Ansatz widersprechenden Kritik der reinen Erfahrung und Ernst Mach mit Die Analyse der Empfindungen und das Verhältnis des Physischen zum Psychischen verwarfen Objektivität, weil sie sich nicht aus dem sinnlich Erfahrbaren (Empirie) ableiten lasse. Husserls und Roman Ingardens Ideen für eine 'starke' Objektivität im Sinne Kants gegen diese materialistischen Ansätze erwiesen sich nicht als Ausweg.
Mit der Jahrhundertwende meldeten sich Philosophen und Wissenschaftler u.&#160;a. Friedrich Nietzsche, Fritz Mauthner, Hartwig Kuhlenbeck (1897–1984), Richard Wahle (1857–1935), Werner Heisenberg und der frühe Michel Foucault zu Wort: Sie hielten rationalistische Objektivität und objektives Wissen für unmöglich und rieten davon ab, entsprechende Ideen weiter zu verfolgen.[4]
Sprachwissenschaftler stellten für die Gegenwart fest, dass Philosophie- und Wissenschaftshistoriker ungeachtet des Sprachgebrauchs den Begriff „Objektivität“ häufig so verwenden, als ob er keinen historischen Veränderungen unterliege. „Die begriffsgeschichtliche Wörterbucharbeit der letzten Jahrzehnte hat … das traditionelle Selbstbild des philosophischen Denkens in einem Maße erschüttert, das bis heute noch kaum wahrgenommen worden ist.“ Heute werden Begriffe nicht mehr an 'reinen Ideen' gemessen, sondern an ihrem Sprachgebrauch.[5]
In pragmatischen, psychologischen und naturwissenschaftlichen Bereichen schließt man Objektivität inzwischen aus, ohne darauf zu verzichten, den Begriff weiterhin zu verwenden. Seine Bedeutung wird einem anderen Verständnis angepasst. Objektivität soll durch Beachtung gesellschaftlicher Übereinkünfte und Normen begründet werden. Man bezeichnet dies auch als intersubjektive Objektivität. Davon gehen auch die gegenwärtigen Diskurstheorien aus. Es wird daher gefordert, wissenschaftliche Ergebnisse und Erfahrungen von Fachleuten immer wieder zu hinterfragen. Auch neurobiologische Forschungsergebnisse lassen den Schluss zu, dass Objektivität Illusion ist. Im Gehirn des Menschen entsteht kein Abbild der Welt, wie Philosophen seit Jahrhunderten in ihren Erkenntnistheorien voraussetzten. Laien und Wissenschaftler konstruieren – durch neuronale Prozesse und Aktivitäten im Gehirn veranlasst – ihr Weltbild.[6] Wissenschaftler haben – wie Laien auch – individuelle Sichten, die ihre Arbeitsweise und ihre Forschungsergebnisse beeinflussen. Die Fragen zu klären, wie dies geschieht und welche Folgen dies für die Wissenschaften haben kann, haben Philosophen wie z. B. George Berkeley und David Hume schon vor 300 Jahren als ihre Aufgabe angesehen und ihre Beiträge dazu veröffentlicht.[7]
Objektivität in der Philosophie[Bearbeiten]
Die Brisanz des Begriffes nahm mit den Erkenntnistheorien der Aufklärungszeit zu. Einige Philosophen gingen davon aus, dass sie Fundamente für Objektivität legen können, indem sie "mentale Prozesse oder die Aktivität des Vorstellens oder Darstellens" bei Menschen untersuchten.[8] Andere beschränkten sich darauf festzustellen, dass Menschen aus sinnlichen Reizerlebnissen das konstituieren, was sie glauben zu wissen. Wie dies geschähe, könne im Einzelnen nicht beobachtet werden.[9]
Objektivität und Erkenntnistheorie[Bearbeiten]
Spätestens das Ereignis der Reformation (1517) hatte für viele erlebbar eine bis dahin dominante Sicherheit und Einheit von Glauben und Wissen in Frage gestellt. Diese schon im 13. Jahrhundert durch Philosophen und Theologen des Klerus, sowie durch Juristen und Mediziner eingeleitete Ernüchterung hatte weitreichende Folgen. Philosophen – damals noch ein Sammelbegriff für Geistes- und Naturwissenschaftler – konnten sich für die Zuverlässigkeit ihrer Forschungsergebnisse, nicht mehr unbestritten auf die scholastische Metaphysik, die überlieferte Autorität renommierter Gelehrter bzw. auf Gott als Garanten berufen.[10]
Francis Bacon hatte 1620 mit seinem "Novum Organum scientiarum", ("Neues Werkzeug der Kenntnisse"), für die Wissenschaften gefordert, dass sie im Unterschied zur herkömmlichen Praxis frei von scholastisch-dogmatischen Prinzipien des Denkens bzw. der Vernunft vorangehen und dass ihre Forschungsergebnisse experimentell nachprüfbar sein sollten.[11]
René Descartes[Bearbeiten]
René Descartes folgte mit Ideen für wissenschaftliche Methoden (Discours de la méthode, 1637) und deren Begründung durch seine Erkenntnistheorie (Meditationes de prima philosophia,1641). Wenn Gelehrte sich an seinen Methoden und seiner Erkenntnistheorie orientierten, sollte Objektivität i. S. von 'so ist die Welt beschaffen' möglich sein. Descartes behauptete dazu eine grundlegende Zweiteilung der Welt in 'Etwas, das ausgedehnt ist' (res extensa) und in 'Etwas, das denkt' (res cogitans). Das Denken, genauer der Verstand verarbeite Repräsentationen des 'Ausgedehnten', die ihm über die Sinne direkt zugänglich seien, mit Hilfe 'apriorischer Ideen' ('ideae innatae').[12] Diese 'apriorischen Ideen' erkenne der Mensch 'klar und deutlich'. Objektivität ergab sich so für ihn aus dem selbstgewissen Denken, bzw. aus dem Vermögen, diese 'ideae innatae' auf das Ausgedehnte anzuwenden.[13] Philosophen entwickelten in den folgenden Jahrhunderten unter den Bezeichnungen 'Erkenntnistheorie' bzw. 'Epistemologie' variierende Antworten auf die Probleme, die der Cartesianische Vorschlag aufwarf[14]
John Locke[Bearbeiten]
John Locke widerlegte in seinem Hauptwerk Ein Versuch über den menschlichen Verstand, 1690 in London erschienen, Descartes Behauptung, dass wissenschaftliche Objektivität sich durch Denken bzw. Vernunft allein begründen ließe. Apriorische Ideen seien sowohl unerkennbar als auch für den Erwerb von Wissen unnötig. Das menschliche Bewusstsein sei bei der Geburt wie ein weißes Blatt Papier (Tabula rasa), auf das die Erfahrung erst schreibe. Ausgangspunkt jeder Erkenntnis sei die sinnliche Wahrnehmung, bzw. die Erfahrung, die auch für einfache Ideen sorge, die anlässlich sinnlicher Ereignisse abstrahiert werden. Dieses Verfahren wird auch Induktion genannt. Die Erkenntnis entstehe daher aus der Erfahrung, der Abstraktion einfacher Ideen und dem Vermögen der Vernunft, Wahrnehmungen zu Abbildern, komplexen Ideen und Begriffen zu verarbeiten. Objektivität ließ sich so nicht begründen. Wissenschaftler, so Locke, sollten stattdessen Hypothesen als Leitgedanken ihrer Forschung bilden und benutzen. Objektivität gäbe es nur in den abstrakten Wissenschaften, wie der Mathematik, wo sinnliche Phänomene keine Rolle spielten.[15]
Berkeley und Hume[Bearbeiten]
George Berkeley und David Hume hielten Objektivität für unerreichbar. Das was Menschen körperlich wahrnehmen ('perzipieren') und ausschließlich Gegenstand des Denkens ist, ließe sich mit der 'ausgedehnten Welt' nicht abgleichen.[16] Von diesen beiden Aufklärern wurde kein eigentlicher, erkenntnistheoretischer Beitrag geleistet. Sie beschäftigten sich mit epistemologischen Themen. Beide verwarfen die Behauptung Lockes, dass 'einfache Vorstellungen' abstrahiert werden können, als reine Spekulation.[17] Beide gingen davon aus, dass Menschen nur Vorstellungen ('perceptions') haben, die durch Sinnesreize und Veränderungen der Organlagen('sensations') hervorgerufen werden. Diese Vorstellungen werden nach einfachen Prinzipien der menschlichen Natur zu komplexen Vorstellungen verbunden und daraus Schlussfolgerungen (Wissen) gezogen. Diese Art 'Wissen' betrachteten sie stets als vorläufig und irrtumsträchtig. Hume empfahl daher den Gelehrten seine moderate skeptische Methode: "Ich beginne mit klaren und sich aus der Sache ergebenden Grundannahmen, gehe behutsam und jeden Schritt sichernd weiter, überdenke immer wieder meine Schlussfolgerungen und prüfe die sich daraus ergebenden Schlussfolgerungen sehr genau. … ich halte dies für die einzige Methode, durch die ich hoffen kann, Zutreffendes herauszufinden und einigermaßen dauerhafte und begründete Aussagen machen zu können.”[18]
Alexander Baumgarten[Bearbeiten]
Die Mehrheit der deutschen Aufklärungsphilosophen behauptete, dass Objektivität durch exaktes Definieren von Begriffen aus apriorischen Ideen möglich sei. Alexander Gottlieb Baumgarten, ein Schüler Christian Wolffs schlug vor, den Begriff 'Objektivität' nicht mehr – wie Descartes – als mentale Eigenschaft des Erkennenden zu verwenden. Der Begriff 'Objektivität' sollte stattdessen als eine vom Erkennenden unabhängige Eigenschaft von Ereignissen, Aussagen oder Einstellungen sein, der mit 'Wahrheit' bedeutungsgleich wurde.[19] Unter 'Begriffen' verstand Baumgarten Sachen, die körperlich nicht wahrnehmbar sind. Er definierte jeden Begriff und setzte definierte Begriffe in Beziehung zueinander. Auf diese Weise entstand – wie in der Mathematik – ein geschlossenes System, das widerspruchsfrei und in diesem Sinne objektiv war. Es sollte widerspruchsfreie, d.&#160;h. objektive Aussagen über Ereignisse und sinnliche Gegenstände ermöglichen.[20] Baumgartens 'Metaphysik' wurde im 18. Jahrhundert als die am weitesten verbreitete Textgrundlage philosophischer Vorlesungen an deutschen Universitäten von Philosophieprofessoren benutzt. Kant verwendete sie fast vierzig Jahre lang als Grundlage für seine Vorlesungen über Metaphysik, Anthropologie und Religion.[21]
Kant[Bearbeiten]
Die erste deutsche Übersetzung von Humes Enquiry of Human Understanding erschien 1755, von Johann Georg Sulzer unter dem Titel Philosophische Versuche über die menschliche Erkenntnis verfasst.[22] Immanuel Kant fühlte sich durch Hume aus seinem "dogmatischen Schlummer geweckt"[23] und schrieb seine Kritik der reinen Vernunft, mit der er Grundlagen für ein objektives, wissenschaftliches Forschen aufzeigen wollte. Er begegnete damit, dem – wie er urteilte – Humeschen Skeptizismus, um diesen für alle Zeiten aus der Philosophie auszuschließen. Kant akzeptierte die sinnlichen Wahrnehmungen als Beginn allen Erkennens. Er begründete die Objektivität der Erkenntnis durch die Behauptung, dass jedem Erkennenden formale mentale Eigenschaften zur Verfügung stehen, wie die Anschauungsformen von Raum und Zeit, den Kategorien und Begriffen des Verstandes, die vor jeder Erfahrung gegeben seien und die er deshalb als 'apriorisch' charakterisierte. Da man bei diesen mentalen Eigenschaften den Eindruck habe, dass die allen Menschen zu Verfügung stehen, nannte er sie 'transzendental', d.&#160;h. scheinbar außerhalb des Subjektiven gültig und daher auch scheinbar objektiv. Er fügte eine transzendentale Methodenlehre hinzu, die den richtigen Gebrauch dieser Eigenschaften verbürgen sollte. Diese Methodenlehre erst begründete die allgemeine Gültigkeit der 'transzendentalphilosophischen Erkenntnisse'. Allgemeingültigkeit war schließlich – neben den spontanen apriorischen Hervorbringungen des Verstandes – bei Kant das ausschlaggebende Kennzeichen der objektiven Gültigkeit von Aussagen und Begriffen. Interpretatoren gingen davon aus, dass er damit 'intersubjektive Objektivität' gemeint habe.[24]
Intersubjektive Objektivität[Bearbeiten]
Charles Sanders Peirce[Bearbeiten]
Nach dem semiotischen Modell von Charles Sanders Peirce ist Objektivität die Zielvorstellung einer 'wahren Gesamttheorie der Realität', die nie fassbar ist, weil Menschen es immer mit 'Zeichen' zu tun haben und nicht mit der Realität. Ein Zeichen ist etwas, das für etwas anderes steht und für jemanden eine Bedeutung hat. Zeichen, bzw. Interpretationen können Menschen nicht aufheben. Sie werden spontan vom Verstand hervorgebracht, sie werden kommuniziert und bei Bedarf weiter verändert. Dies wiederholt sich endlos. Menschen brechen den prinzipiell unendlichen Interpretationsprozess ab, wenn sie handeln. Eine Gesamttheorie, bzw. Objektivität sei höchstens als gemeinsame, intersubjektive Leistung denkbar.[25]
Max Weber[Bearbeiten]
Für den Soziologen Max Weber, der in seinem berühmten Aufsatz von 1904 seinem eigenen Selbstverständnis nach auf Marx und Nietzsche antwortet, gibt es „keine schlechthin ‚objektive‘ wissenschaftliche Analyse des Kulturlebens oder … der ‚sozialen Erscheinungen‘“. Erkenntnis von Kulturvorgängen geschehe in der „individuell geartete[n] Wirklichkeit des Lebens“ in Abhängigkeit von „Wertideen“ und sei „stets eine Erkenntnis unter spezifisch besonderten Gesichtspunkten“.[26]
Karl Popper[Bearbeiten]
Popper der Begründer des Kritischen Rationalismus, verteidigte den Begriff der Objektivität.[27] Er kritisierte zwar die klassische Sichtweise zum Begriff der Objektivität, nach der Wissen und Erkenntnis durch Begründungsmethoden seine Objektivität erhalte und die Objektivität für die Richtigkeit und Zuverlässigkeit des Wissens garantieren könne. Aber er wies darauf hin, dass Objektivität zumindest im Sinne von intersubjektiver Überprüfbarkeit möglich sei. Später erweiterte er seine Sicht und sprach sich für Objektivität im Sinn von 'so ist die Welt' aus, denn auch wenn eine Annahme nicht begründet werden könne, könne sie dennoch wahr sein und mit der Wirklichkeit übereinstimmen. Wenn sie tatsächlich wahr sei, dann könne sie nicht nur intersubjektiv überprüft werden, sondern auch ihre Konsequenzen wären objektiv zutreffend. Er übernahm Churchills Beispiel der Sonne: Man könne die zutreffende Annahme, dass sie extrem heiß und daher für Lebewesen tödlich sei, nicht nur überprüfen, sondern wer in die Sonne fliege, der erleide auch objektiv den Tod. Popper blieb damit im unhintergehbaren Zirkel des kulturell erworbenen Wissens und verwendete für dessen Einordnung und dem Umgang damit den Glauben an die Evolution und die Objektivität.[28]
Jürgen Habermas[Bearbeiten]
Habermas hält Objektivität für unmöglich. Sie sei auch nicht wünschenswert, da die Wissenschaften durch erreichte Objektivität eine „spezifische Lebensbedeutsamkeit" einbüßten“.[29] Er setzt die Offenlegung „erkenntnisleitender Interessen“[17] an die Stelle der Objektivität. Beispielhaft vorgeführt wird das von Hans-Ulrich Wehler in der Einleitung seiner „Deutsche[n] Gesellschaftsgeschichte“.[30]
Niklas Luhmann[Bearbeiten]
Für Niklas Luhmann sind Objektivität und Subjektivität keine Gegensätze, sondern ähnliche Begriffe in verschiedenartigen Systemen. Objektiv ist, was sich im Kommunikationssystem (= Gesellschaft) bewährt, subjektiv ist, was sich im einzelnen Bewusstseinssystem (grob gesprochen: im Kopf eines Menschen) bewährt. Bewusstseinssysteme können dann „subjektiv das für objektiv halten, was sich in der Kommunikation bewährt, während die Kommunikation ihrerseits Nicht-Zustimmungsfähiges als subjektiv marginalisiert“.[31]
Ernst von Glasersfeld[Bearbeiten]
Nach Ernst von Glasersfeld, einem Vertreter des Radikalen Konstruktivismus, ist alle Wahrnehmung und jede Erkenntnis subjektiv. Intersubjektiv wird eine Erkenntnis dann, wenn auch andere Menschen diese Erkenntnis erfolgreich anwenden. Da auch deren Erkenntnis aber subjektiv ist, wird damit keine Objektivität gewonnen, sondern eben nur Intersubjektivität. Damit ist aber auch keine Erkenntnis der Realität, 'so wie sie ist', möglich. Von Glasersfeld beansprucht daher, die in erkenntnistheoretischen Konzepten für Objektivität vorausgesetzte Trennung von Objekt und Subjekt – wie bei Descartes – überwunden zu haben.[32]
Harding und Haraway[Bearbeiten]
Die Feministinnen des Poststrukturalismus Sandra Harding und Donna Haraway unterscheiden zwei Arten von Objektivität: die "schwache" und die "strenge". Die 'schwache Objektivität' ist die traditionelle, männlich dominierte Objektivität der Wissenschaften. Um eine 'strenge Objektivität' zu erreichen, müssten Forscher und Forscherinnen den Standpunkt ihrer eigenen sozialen Gruppenzugehörigkeit in die wissenschaftliche Arbeit bewusst mit einbeziehen. Es sei davon auszugehen, dass Gruppen, die beherrscht werden, zu besseren Objektivierungen kommen.[33]
Objektivität der Geistes- bzw. Kulturwissenschaften[Bearbeiten]
Allgemeine Aussagen über den gegenwärtigen Stand, bzw. Standard von Objektivität sind angesichts der Fülle von Interpretationen nur unter Vorbehalt möglich. Darauf verweisen neue Bezeichnungen, wie z. B. Objektivierung, Objektivation und deren Pluralbildungen. Es ist von 'Objektivitäten' die Rede und außerdem hat jede Wissenschaft ihre spezifischen Vorstellungen von und Umgangsweisen mit Objektivität, die ständigen Veränderungen unterworfen sind und individuell benutzt werden. Objektivität wird daneben als Eigenschaft von Einstellung bzw. Verhalten verstanden: 'objektiv' hat hier dann die Mitbedeutung von 'neutral' oder 'sachlich'.
Objektivität ist in den vorwiegend empirisch orientierten Wissenschaften, die es auch in traditionellen Geisteswissenschaften gibt, inhaltlich und zeitlich begrenzt. Jede einzelne Wissenschaft fasst ihre Objektivität, indem sie Kriterien bestimmt, die in dieser gemeinsam akzeptiert sind. Sie sind einerseits allgemeiner Art und werden andererseits für konkrete Forschungsprojekte detailliert bestimmt. Dies trifft z.&#160;B. für Testtheorien und andere Verfahren der Datenerhebung bzw. experimentelle Vorgehensweisen in den Naturwissenschaften und Kulturwissenschaften zu. In den jeweiligen Geistes- bzw. Kulturwissenschaften werden gemeinsam akzeptierte theoretische Rahmen gesetzt, innerhalb deren längerfristig wissenschaftsspezifische 'Objektivitäten' entwickelt werden. Dies gilt z.&#160;B. für den Rahmen der Hermeneutik. Es ist außerdem feststellbar, dass in den Geistes- bzw. Kulturwissenschaften über mögliche Objektivierungen verhandelt wird. D.&#160;h. es wird daran gearbeitet subjektive Erlebnisse und Zustände zum Gegenstand objektiver Untersuchungen zu machen und so zu objektivieren.
Der hermeneutische Rahmen[Bearbeiten]
Hans Georg Gadamer veröffentlichte im letzten Jahrhundert "Wahrheit und Methode", einen philosophischen Beitrag, in dem er den Begriff 'Verstehen' als Grundvoraussetzung allgemein geteilter Objektivität in den Mittelpunkt der Betrachtung stellte. Dieser Ansatz fand Eingang in die Theorien der geistes- und kulturwissenschaftlichen Forschungen.
Auch Otto Friedrich Bollnow ein Zeitgenosse Gadamers hielt Hermeneutik für den Ansatz, mit dem die Geisteswissenschaften ein objektives Profil entwickeln konnten, das auch die ausgeprägte Beziehung dieser Wissenschaften zum menschlichen Leben mit einschloss. Bollnow verband dabei Objektivität mit Wahrheit und ging davon aus, dass sich in den Geisteswissenschaften Allgemeingültigkeit nicht mit gleicher Strenge wie in den Naturwissenschaften erreichen ließe.
Erreichbar aber seiein immer tieferes Eindringen in die Sache.
die eigene erforschte Wahrheit für einen anderen Menschen offen und nachvollziehbar zu machen. Bollnow nannte dies 'Übersubjektivität'.
die Veränderung des Subjektes durch die erkannte Wahrheit der Sache.[34]Hermeneutische Objektivität[Bearbeiten]
Für die Germanistik, Literaturwissenschaft und Komparatistik ergab sich daraus, das objektiv i. S. von allgemeingültig "sich auf Bedeutungen und Werte erstreckt, so … dass diese in einer gegebenen Gemeinschaft verstanden, diskutiert, angenommen oder verworfen werden können."[35] Subjektivität schließt Objektivität mit ein, solange sie sich an der Sache orientiert.[36]
Einen inhaltlich vergleichbaren und umfassenden Rahmen machte Erich Weniger für die geisteswissenschaftliche Pädagogik geltend, als er feststellte, dass Objektivität hier immer die Befangenheit bzw. den Standpunkt des Forschers deutlich macht. Erst diese Befangenheit ermöglicht wahre Objektivität.[37]
Der Historiker Leopold von Ranke wollte 'die Dinge reden lassen und sie so zeigen, wie sie waren'. Schon Jakob Burckhardt hielt die Objektivität der Geschichtswissenschaft für fragwürdig. Historiker sind sich heute darin einig, dass sie Vergangenes, nicht objektiv rekonstruieren können. Es gibt keine vereinzelten beobachtbaren Tatsachen in der Geschichtsschreibung, mit denen experimentiert werden könne. Eine empirische Geschichtswissenschaft bleibt daher eine Illusion. Dagegen setzt man hier im Rahmen der Hermeneutik auf die Objektivität des Geschichtsforschers, die immer auch dessen jeweilige Interpretation mit einschließt. Betont wird, dass erst Quelle, Vorwissen, Interpretation zusammen ein objektives Bild ergeben.[38]
Die relative Objektivität des hermeneutischen Rahmens 'Verstehen' bzw. 'Verständnis' rief Kritik hervor. Die Gefahr sei groß, dass die Wissenschaften sich zu "Instrumentierungen" der Herrschaftsausübung von ausgebildeten Weltanschauungen verändern.[39]
Hermeneutik und Empirie[Bearbeiten]
Der Sozialwissenschaftler Max Weber wendete sich gegen die Vermischung von Objektivität und Parteilichkeit und betonte die Pflicht zur Deutlichkeit.[40] Von Sozialwissenschaftlern wird erwartet, dass sie nach wissenschaftlicher Integrität und Objektivität streben und sich den bestmöglichen Standards in Forschung, Lehre und sonstiger beruflicher Praxis verpflichten.[41] Im Dienst der Objektivität sozialwissenschaftlicher Forschungen werden so u. a. Arbeitsprogramme entwickelt, die vielfältige Formen sozialen Handelns unter den Bedingungen von (aktuellen) Modernisierungsprozessen untersuchen und versuchen den (je typischen) Sinn dieser Handlungsformen zu verstehen. Dabei werden folgende Gütekriterien angewendet: Durchführungsobjektivität, Auswertungsobjektivität und Interpretationsobjektivität, die jeweils durch den Grad der Übereinstimmung von Messergebnissen und Interpretationen abgeglichen werden.[42] Nach ähnlichen Kriterien wird forschend in der empirischen Psychologie und empirischen Pädagogik verfahren.
In der Psychologie wird die wechselhafte Natur der psychischen Phänomene unter strikten Kriterien experimenteller Situationen beobachtet, um so Objektivität im Sinne von Allgemeingültigem zu erhalten. Auf diese Weise werde die Sicht auf komplexe Zusammenhänge verstellt und das Allgemeine nur sehr eingeschränkt gültig. In der Psychiatrie gäbe es nur eine scheinbare Objektivität der angewandten Behandlungsmethoden. Therapie sei stets ein Konstrukt für einen ganz bestimmten Patienten und trotz allen Wissens, bzw. objektiver Kriterien sei nicht zu klären, warum Patienten gesund werden.[43]
Objektivität der Naturwissenschaften[Bearbeiten]
Zurzeit ist keine Veröffentlichung bekannt, die aus naturwissenschaftlicher Perspektive die von Philosophen behauptete Bedeutung von 'Verstehen' im Zusammenhang mit naturwissenschaftlichen Diskursen thematisierte. Wissenschaftstheoretische Hinweise auf 'tief sitzende Denkstile eines bestimmten Denkkollektivs' – wie z. B. Ludwik Fleck sie lieferte – scheinen bisher überwiegend verhallt. Wissenschaftliche Erkenntnisse der Physik und Chemie beziehen sich stets auf Experimente. Hier ein Beispiel aus der Chemie: "Der Wissenschaftler macht seine Experimente … Er tritt unvoreingenommen an die Natur heran (blank page) und fasst die Ergebnisse der Experimente zu Gesetzen zusammen. Ein Beispiel wäre die chemische Synthese. Es werden mehrere chemische Verbindungen Syntheseschritten unterworfen, und das Ergebnis der Synthese wird mit einem analytischen Gerät (z. B. Kernresonanzspektrometer, NMR) untersucht. Man erhält ein bestimmtes Signal. Die Synthese wird mehrfach wiederholt, und man erhält jedes Mal das gleiche Spektrum. Eine derartige wiederholte Wahrnehmung wird Beobachtung genannt. Die Beobachtung wird dann als allgemeingültiger Satz formuliert: 'Wenn Substanz A und Substanz B unter den Bedingungen XY zusammengegeben werden, entsteht C'. Dieser Satz gilt … für alle späteren möglichen Experimente unter entsprechenden Bedingungen."[44]
Die so gewonnenen empirischen Daten werden ausgewertet und auf allgemein beschreibbare Vorgänge untersucht. Die quantitativen Messergebnisse werden nach mathematischen Zusammenhängen der gemessenen Größen bewertet. Die Mathematik gilt als das wichtigste Instrument zur Beschreibung der Natur und ist Bestandteil der meisten Theorien. Das Quantitative wird von Naturwissenschaftlern als Begriffsform verwendet; sie ist eine Methode, die auf Messung und Formalisierung des Beobachteten beruht. Naturwissenschaftler gehen mehrheitlich davon aus, dass die von ihnen verwendeten 'Begriffe und Gesetze' der Interpretation ihrer Arbeitsergebnisse 'naturgegebenen Bestandteilen unserer Welt.", entsprechen.[45]
Wenn experimentelle Ergebnisse – unabhängig überprüft – sich bestätigen, so ist ihre Objektivität bewiesen. Darüber hinaus werden philosophische Konzepte empfohlen, die Forscher als Rahmen für ihre naturwissenschaftlichen Forschungen nützen können, wenn sie ihre Aussagen bewerten, einordnen bzw. zu Theorien ausarbeiten möchten. Popper, Kuhn, Feyerabend und Lakatos werden als mögliche Ideengeber genannt.[46]
Die Aussage: "Alle wissenschaftlichen Erkenntnisse beruhen nur auf Glauben." erregte vor einigen Jahren Aufsehen in der Presse, als zwei physikalisch qualifizierte Fachjournalisten das Buch Was zu bezweifeln war veröffentlichten.[47] Philipp Frank – ein österreichischer Philosoph, Mathematiker und Physiker – benannte ähnliches: Das, was Physiker experimentell wahrnehmen, entspricht, so Frank, keiner außerhalb ihrer Wahrnehmungen existierenden Wirklichkeit. Die ältere Behauptung Werner Heisenbergs von 1930, dass der Beobachter eines Experimentes immer nur sich selber im Kontext des Experimentes beobachten könne und so Objektivität fragwürdig werde, wird damit wieder aufgegriffen. Wenn dies zutrifft, dann fehlt auch für die Naturwissenschaften – wie für die Geistes- u. Kulturwissenschaften beschrieben – eine wichtige Bedingung für Objektivität: nämlich die Unabhängigkeit vom Subjekt.[48]
Objektivität der Medien[Bearbeiten]
Medienforscher sind sich inzwischen einig, dass es in der Berichterstattung immer zu einer Verzerrung der Realität kommt. Es wäre ein Irrtum davon auszugehen, dass es sich bei Dokumentationen um 'abbildliche Reproduktionen von hochgradiger Objektivität' handelte. Bildungsmedien – wie die vom FWU (Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht) – produzierten werden seit den 1960/70er Jahren kritisch reflektiert und mit entsprechendem Begleitmaterial zur Verfügung gestellt. Seit der Verbreitung digitaler Medien setzt man auf die Pluralisierung und Demokratisierung der Wissenschaftsentwicklung, um mit qualitativen Kriterien der Kulturwissenschaften, die Aspekte der Wissensgewinnung (Epistemologie) mit einbeziehen, die Objektivität von Medien angemessen zu sichern.[49]
Repräsentationen von Wirklichkeit erwecken im Medium 'Fernsehen' beim Zuschauer den Eindruck von Objektivität. Dies mache es nötig, Forschungsprojekte zu initiieren und zu unterstützen, die den Einfluss der Fernsehsendungen auf die Gesellschaft untersuchen. Ohne derartige Bemühungen verliere der multimediale Journalismus zunehmend an Sinn, Originalität und Objektivität.
Objektivität ist auch ein Ideal von Internet-Dokumentationen. Objektivität einer Internet-Enzyklopädie z. B. bedeute, "dem Benutzer des Lexikons durch das Angebot von Fakten die Bildung eines eigenen Urteils zu ermöglichen…"[50]
Siehe auch[Bearbeiten]Empirismus
Idealismus
Marxismus
Materialismus
Positivismus
Realismus (Philosophie)
Sensualismus
Subjektivität
Subjektivismus
WertfreiheitLiteratur[Bearbeiten]Matthias Adam: Theoriebeladenheit und Objektivität: Zur Rolle der Beobachtung in den Naturwissenschaften. Frankfurt am Main 2002.
Niklas Bender (Hrsg.): Objektivität und literarische Objektivierung seit 1750. Tübingen 2010.
Lorraine Daston, Peter Gallison: Objektivität. Frankfurt a.M., 2007. ISBN 978-3-518-58486-6. (Amerikan. Orig.: Objectivity. Brooklyn, NY: Zone Books, 2007.)
Donald Davidson: Subjektiv, intersubjektiv, objektiv, Frankfurt am Main: Suhrkamp 2004, ISBN 3-518-58387-5.
Gerhard Ernst: Die Objektivität der Moral. Münster 2008.
Michael Gebauer und Thomas Nagel: Die Grenzen der Objektivität: Philosophische Vorlesungen. Stuttgart 1991.
Julia Franziska Hänni: Vom Gefühl am Grund der Rechtsfindung.: Rechtsmethodik, Objektivität und Emotionalität in der Rechtsanwendung. Berlin 2011.
Reinhart Koselleck, Wolfgang J. Mommsen, Jörn Rüsen (Hrsg.): Objektivität und Parteilichkeit. Theorie der Geschichte, Band 1. München 1977.
Franz von Kutschera: Die falsche Objektivität. Berlin 1993.
Marek B. Majorek: Objektivität: Ein Erkenntnisideal auf dem Prüfstand. Rudolf Steiners Geisteswissenschaft als ein Ausweg aus der Sackgasse. Tübingen/Basel 2002.
Gunnar Myrdal: Objektivität in der Sozialforschung. Frankfurt am Main 1971.
Hans-Dieter Radecke und Lorenz Teufel: Was zu bezweifeln war: Die Lüge von der objektiven Wissenschaft. München 2010.
Richard Rorty und Joachim Schulte: Solidarität oder Objektivität? Stuttgart 1988.
Friederike Rese, David Espinet u. Michael Steinmann (Hrsg.): Gegenständlichkeit und Objektivität. Tübingen 2011.
Walter M. Sprondel (Hrsg.): Die Objektivität der Ordnungen und ihre kommunikative Konstruktion: Für Thomas Luckmann. Frankfurt am Main 1994.
Christian Thiel: objektiv/Objektivität. In: Jürgen Mittelstraß (Hrsg.), Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie, Bd. 2 (H-O), Mannheim/Wien/Zürich 1984.
Stefan Wehmeier, Howard Nothhaft, Rene Seidenglanz (Hrsg.): Günter Bentele: Objektivität und Glaubwürdigkeit: Medienrealität rekonstruiert. Wiesbaden 2008.
Crispin Wright und Wolfram Karl Köck: Wahrheit und Objektivität. Frankfurt am Main 2001.Weblinks[Bearbeiten]
&#160;&#160;Wikiquote: Objektivität&#160;– ZitateDwayne H. Mulder:&#160;Eintrag in der Internet Encyclopedia of PhilosophyQuellen[Bearbeiten]↑ Zweifel und Gewissheit: Skeptische Debatten im Mittelalter, S. 158
↑ Vgl. Kurt Flasch: Das philosophische Denken im Mittelalter. Stuttgart 1986, S. 433 u. 449.
↑ Intuitve Erkenntnis im Wiki-Artikel Duns Scotus
↑ Quellen für die bisherige Darstellung: Lorraine Daston, Peter Gallison: Objektivität. Frankfurt a.M., 2007, S. 29. – Barbara Ventarola: Irrealisierung und Objektivität bei Borges. In: Niklas Bender (Hg.) Objektivität und literarische Objektivierung seit 1750. Books on Demand 2010, S. 181-183. – Rudolf Eisler: 'Objektivität' im Wörterbuch der philosophischen Begriffe. 1904. Johannes Hirschberger: Geschichte der Philosophie. Freiburg 1980, Band II, S. 487-492. – Karl Vorländer: Geschichte der Philosophie, Band 2. Leipzig 1919, S. 482-492.
↑ Ralf Konersmann: Wörter und Sachen. In: Ernst Müller (Hrsg.): Begriffsgeschichte im Umbruch. Zeitschrift: Archiv für Begriffsgeschichte. Hamburg 2009, S. 24f.
↑ Wissenschaftliche „Regeln und Gesetze sind lediglich Hypothesen, die nicht bewiesen, jedoch falsifiziert werden können“, schrieb der Neurophysiologe Peter Marx unter Berufung auf Karl Popper. Peter Marx: Objektivität des Gutachters – Eine notwendige Illusion? In der Zeitschrift: Der medizinische Sachverständige. Stuttgart, Ausgabe Juni 2012, S. 218 ff.
↑ „Alle Wissenschaften … sind ja doch Gegenstände menschlicher Erkenntnis; das auf sie bezügliche Urteil ist Sache menschlicher Kräfte und Fähigkeiten.“ David Hume: Traktat über die menschliche Natur. Übersetzt von Theodor Lipps. Berlin 2004, S. 12. – George Berkeley, neu übersetzt und hrsg. von Günter Gawlick und Lothar Kreimendahl: Eine Abhandlung über die Principien der menschlichen Erkenntnis. Stuttgart 2005.
↑ Richard Rorty: Der Spiegel der Natur. Frankfurt am Main, 6. Auflage, 2008, S.13f.
↑ Vgl. Johannes Hirschberger: Geschichte der Philosophie. Band II, S. 226f.
↑ Vgl. Kurt Flasch: Das philosophische Denken im Mittelalter. Stuttgart (Reclam) 1986, S. 246- 254, 559, 563-567.
↑ Franz Bacon: Neues Organon. Berlin 1870, S. 73-81. bei zeno.org
↑ Zu Descartes Zeiten war noch nicht bekannt, dass Sinnesreize als elektrische Impulse ins Gehirn weitergeleitet und dort auf weitgehend noch unbekannte Weise in menschliche Wahrnehmungen umgewandelt werden.
↑ Descartes bezeichnete diesen Vorgang auch als Intuition. "Unter Intuition verstehe ich … ein so müheloses und deutlich bestimmtes Begreifen des reinen und aufmerksamen Geistes, dass über das, was wir erkennen, gar kein Zweifel zurückbleibt …" Springmeyer, Gäbe, Zekl und René Descartes: Regeln zur Ausrichtung der Erkenntniskraft. Hamburg (Meiner) 1973, S.17f.
↑ Erkenntnistheorie Descartes
↑ Passend zu seinem empirischen Philosophieren verwendete er für sein Hauptwerk folgendes Zitat Ciceros als Motto: "Wie schön ist es, lieber sein Nichtwissen einzugestehen, als dergleichen herauszuschwätzen und sich selbst zu missfallen."– Locke empfahl als Mittel für das Gespräch mit anderen Philosophen: "Wenn Philosophen das, was sie unterstellen, zum Maßstab für die Behauptungen anderer machen, … dann muss man sich das ansehen, was sie unterstellen." Of seeing all things in God. An Examination of P. Malebranche’s Opinion (1693). Section 1. -John Lockes Erkenntnistheorie
↑ Wie es zu der Überzeugung von einer konstanten Außenwelt kommt.
↑ Berkeley schrieb die Behauptung, dass Menschen angeblich abstrahieren können, einem irrtümlichen Gebrauch von Wörtern zu. Vgl. Gawlick, Günter; Kreimendahl, Lothar und George Berkeley: Eine Abhandlung über die Prinzipien menschlicher Erkenntnis. Stuttgart (Reclam) 2005, §6ff. Aufgerufen September 2014.
↑ David Hume: Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand. XII,4. – Humes Erkenntnistheorie
↑ Vgl. Christian Thiel: Objektivität. 1984 S. 1052f.
↑ Per Definition sind immer die Aussagen wahr, denen nicht widersprochen werden kann, bzw. die keinen Widerspruch enthalten. Vgl. zur Metaphysik Baumgartens: Johann August Eberhard und Georg Friedrich Meier: Alexander Gottlieb Baumgartens Metaphysik. Halle 1766, Neue vermehrte Auflage 1783. Datenbank der Uni Greifswald. Aufgerufen September 2014.
↑ Auf eingefügten leeren Seiten von Kants persönlicher Kopie der Kritik der reinen Vernunft finden sich viele vorbereitende Notizen anhand von Baumgartens Text. Vgl. Lothar Kreimendahl, Günter Gawlick und Alexander Gottlieb Baumgarten: Metaphysik/Metaphysica. Forschungen und Materialien zur deutschen Aufklärung. Abteilung I: Texte zur Philosophie der deutschen Aufklärung. Stuttgart 2010. Abstract.
↑ In: David Hume: Vermischte Schriften über die Handlung, die Manufacturen und die andern Quellen des Reichthums und der Macht eines Staats, 2. Band, Hamburg und Leipzig (Grund &amp; Holle) 1755.
↑ Immanuel Kant: Ausgabe der Preußischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 1900ff, IV, 257. Prolegomena
↑ Vgl. Johannes Keienburg: Immanuel Kant und die Öffentlichkeit der Vernunft. Berlin 2011, da ibs. S. 103 ff und 184-190.
↑ Hermann Deuser: Naturwissenschaft, Pragmatismus und Religionsphilosophie: Charles S. Peirce' Allgemeine Semiotik. Spiegel der Forschung. 13.Jg./Nr.2, 1996,11f. – Andreas Wolf: Der Wahrheitsbegriff in der Zeichentheorie von Ch. S. Peirce. In Oliver Jahraus und Nina Ort (Hg.): Bewußtsein – Kommunikation – Zeichen: Wechselwirkungen zwischen Luhmannscher Systemtheorie und Peircescher Zeichentheorie. Berlin 2001, S. 153-166. – Ralph Schumacher: Peirce, Charles Sanders. Online-Wörterbuch Philosophie. Das Ullstein-Philosophielexikon im Internet. Aufgerufen September 2014. – Peirces Philosophie
↑ Max Weber: Die „Objektivität“ sozialwissenschaftlicher und sozialpolitischer Erkenntnis. In: Schriften zur Wissenschaftslehre. Reclam, Stuttgart 1991. S. 49; ISBN 3-15-008748-1
↑ K.R.Popper: Objektive Erkenntnis. Ein evolutionärer Entwurf Hamburg 1974²
↑ „In der Auseinandersetzung mit seiner Umwelt eignet sich der Mensch empirisches Wissen an und verdichtet es zu einer Theorie, um mit einer geringeren Menge an Information seine Handlungen richtig steuern zu können.“ Karl Popper: Objektive Erkenntnis. Hamburg 1993. – Vgl. Karl-Heinz Brodbeck: Der Zirkel des Wissens. Vom gesellschaftlichen Prozess der Täuschung. Aachen 2002, S. 164-173.
↑ Jürgen Habermas: Erkenntnis und Interesse. In: Jürgen Habermas: Technik und Wissenschaft als „Ideologie“. 4. Auflage. Edition 287, Suhrkamp, Frankfurt [1965 Merkur] 1970, Seite 150 f.
↑ Hans-Ulrich Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte, Erster Band. C.H.Beck, München 1989. S.12ff.&#160;; ISBN 3-406-32261-1
↑ Niklas Luhmann: Die Religion der Gesellschaft. Suhrkamp, Frankfurt 2002. S.19; ISBN 3-518-29181-5
↑ Ernst von Glasersfeld: Objektivität; in: Leon R. Tsvasman (Hrsg.): Das große Lexikon Medien und Kommunikation. Kompendium interdisziplinärer Konzepte. Würzburg 2006. ISBN 3-89913-515-6
↑ Sandra Harding: Das Geschlecht des Wissens. Frauen denken die Wissenschaft neu. Campus Verlag, Frankfurt/M. [1991] 1994, ISBN 3-593-35049-1, S. 165-168. – Feministische Standpunkttheorie.
↑ Vgl. Otto Friedrich Bollnow: Die Objektivität der Geisteswissenschaften und die Frage nach dem Wesen der Wahrheit. Zeitschrift für philosophische Forschung, 16. Jg. 1962, S. 3-25.
↑ Beat Sitter-Liver, Rainer J. Schweizer: Der Einspruch der Geisteswissenschaften: ausgewählte Schriften von Saint-Paul. Fribourg (Academic Press) 2002, S. 56.
↑ Gabriele Klappenecker: Offenheit für die Fülle der Erscheinungen: das Werk Otto Friedrich Bollnows und seine Bedeutung für eine phänomenologisch orientierte Religionspädagogik. Stuttgart (W. Kohlhammer Verlag) 2007, S. 321.
↑ Eva Matthes: Geisteswissenschaftliche Pädagogik: Ein Lehrbuch. Berlin (Gruyter/ Oldenbourg Verlag) 2011, S. 46.
↑ Vgl. Hans-Walter Hedinger: Subjektivität und Geschichtswissenschaft: Grundzüge einer Historik. Reihe: Historische Forschungen. Berlin (Duncker und Humblot) 1969, S. 254-256; 495f. – Ferner: Otto Gerhard Oexle: Geschichtswissenschaft im Zeichen des Historismus: Studien zu Problemgeschichten der Moderne. Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft. Göttingen (Vandenhoeck &amp; Ruprecht) 1996.
↑ Frithjof Rodi und Otto Friedrich Bollnow: Dilthey-Jahrbuch VIII/1992-1993.: Für Philosophie und Geschichte der Geisteswissenschaften. Göttingen (Vandenhoeck &amp; Ruprecht) 1993.
↑ Vgl. Max Weber: Gesammelte Aufsätze zur Wissenschaftslehre. Hrsg. von Johannes Winckelmann. Tübingen 61985, S. 146-148. zeno.org
↑ Aus dem Kodex der Deutschen Gesellschaft für Soziologie.
↑ Gütekriterien – Vgl. a. Krankl, Christian (2008): Das Objektivitätsproblem der Soziologie. Max Webers kulturwissenschaftliche Konzeption der soziologischen Erkenntnis. Universität Wien 2008. – Beck, Ulrich: Objektivität und Normativität: Die Theorie-Praxis-Debatte in der modernen deutschen und amerikanischen Soziologie. Wiesbaden (Springer VS) 1974.
↑ Martin Heinze: Störenfried Subjektivität: Subjektivität und Objektivität als Begriffe psychiatrischen Denkens. Würzburg (Königshausen &amp; Neumann) 1996, S. 8-10; 18-21.
↑ Edzard Han: Die Notwendigkeit einer Philosophie der Chemie. In: Nikolaos Psarros: Philosophie der Chemie: Bestandsaufnahme und Ausblick. Würzburg (Königshausen &amp; Neumann) 1996, S. 62.
↑ Vgl. Nicolaos Psarros: Die Chemie als Gegenstand philosophischer Reflexion. In: Ders.: Philosophie der Chemie: Bestandsaufnahme und Ausblick. Würzburg (Königshausen &amp; Neumann) 1996, S. 111.
↑ Vgl. Thomas Wilhelm: Ausgewählte Probleme der Didaktik der Physik. Augsburg (Skript Uni Augsburg) 2010. Physik
↑ Hans-Dieter Radecke und Lorenz Teufel: Was zu bezweifeln war. Die Lüge von der objektiven Wissenschaft. München (Droemer Verlag) 2010. Zur Sicherung der Objektivität von Wikipedia hier eine Kritik: "Die beiden Autoren studierten zwar u.a. Physik, aber sie sind keine Wissenschaftler, sondern Journalisten. Mit dem Buch bemühen sie sich, dem Leser zu vermitteln, dass es keine objektive Wahrheit gibt. Wenn auch die Grundaussage – ohne Glauben gibt es kein Wissen – richtig sein mag, ihre Argumentation ist oft widersprüchlich und die Schlussfolgerungen sind nicht immer nachvollziehbar." Bertram Köhler, 26. August 2010.
↑ Vgl. Walter Schulz: Philosophie in der veränderten Welt. Stuttgart (Klett-Cotta) 2001, S.43. –. Bruno Thüring behauptet für die neue Wissenschaftsforschung, dass Wissenschaftler stets von implizitem Wissen ausgehen. Ders.: Die Gravitation und die philosophischen Grundlagen der Physik. Schriften zur Foerderung der Beziehungen zwischen Philosophie und Einzelwissenschaften. Berlin (Duncker &amp; Humblot) 1967. – Werner Rammert: Technik – Handeln – Wissen: Zu einer pragmatistischen Technik- und Sozialtheorie. Wiesbaden (Springer-Verlag) 2007.
↑ Susanne Popp, Michael Sauer, Bettina Alavi, Marko Demantowsky, Gerhard Paul: Zeitgeschichte – Medien – Historische Bildung. Beihefte zur Zeitschrift für Geschichtsdidaktik. Göttingen (Vandenhoeck &amp; Ruprecht) 2010, S. 281.
↑ Vgl. zu diesem Abschnitt: Joachim-Felix Leonhard (Hg.): Medienwissenschaft: ein Handbuch zur Entwicklung der Medien und Kommunikationsformen. Reihe: Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft. Berlin (Walter de Gruyter) 2001, S. Teil 2: S. 1610; Teil 3: S.1816ff; 2837; 2299.<!–NewPP limit report
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Begründung: Formell und sachlich falscher Einleitungstext.Ein Behandlungsfehler liegt vor, wenn eine medizinische Behandlung nicht nach den zum Zeitpunkt der Behandlung bestehenden, allgemein anerkannten fachlichen Standards erfolgt, soweit nicht etwas anderes vereinbart ist (§&#160;630a BGB).
Ein Behandlungsfehler ist als grob zu bewerten, wenn der Arzt eindeutig gegen bewährte ärztliche Behandlungsregeln oder gesicherte medizinische Erkenntnisse verstoßen und einen Fehler begangen hat, der aus objektiver Sicht nicht mehr verständlich erscheint, weil er einem Arzt schlechterdings nicht unterlaufen darf.[1]
Gesicherte medizinische Erkenntnisse sind dabei nicht nur die Erkenntnisse, die Eingang in Leitlinien, Richtlinien oder anderweitige ausdrückliche Handlungsanweisungen gefunden haben. Hierzu zählen vielmehr auch die elementaren medizinischen Grundregeln, die im jeweiligen Fachgebiet vorausgesetzt werden.[2]
Behandlungsfehler können aus einem Tun oder aus einem Unterlassen resultieren. Sie können zur Folge haben, dass der Behandelnde zivil-, ordnungs- oder strafrechtlich haften muss.Inhaltsverzeichnis
1 Kunstfehler
2 Definition des Fehlers
3 Fehlerarten
4 Ursachen
5 Grenzen der Therapiefreiheit
6 Informierung des Patienten
7 Häufigkeit7.1 Deutschland
7.2 Vereinigte Staaten
8 Klärungsmöglichkeiten
9 Selbständiges Beweisverfahren
10 Schlichtungsstellen
11 Sozialrecht
12 Zivilrecht12.1 Schadensersatz
12.2 Schmerzensgeld
12.3 Beweislast
12.4 Beweislastumkehr12.4.1 Grober Behandlungsfehler
12.5 Beweiserleichterung
12.6 Verjährung
13 Strafrecht
14 Standesrecht
15 Berufsrecht
16 Literatur
17 Weblinks
18 EinzelnachweiseKunstfehler[Bearbeiten]
Behandlungsfehler werden umgangssprachlich häufig als Kunstfehler bezeichnet, weil die ärztliche Behandlung nicht nach den Regeln der (ärztlichen) Kunst (lat. lege artis, engl. state of the art) erfolgt ist. Die ursprüngliche Erläuterung geht auf Rudolf Virchow zurück, der den Begriff des Kunstfehlers als die Gesundheitsschädigung eines Patienten aus Mangel an gehöriger Aufmerksamkeit oder Vorsicht und zuwider allgemein anerkannter Regeln der Heilkunde definiert hat.[3]
Definition des Fehlers[Bearbeiten]
Ein Fehler beinhaltet einen unerwünschten Unterschied zwischen beobachteten, gemessenen oder berechneten Zuständen oder Vorgängen einerseits und wahren, festgelegten oder theoretisch korrekten Zuständen oder Vorgängen andererseits. Das Institute of Medicine (IOM)[4] definiert Fehler als „Versagen eines Plans oder Nutzung eines falschen Plans zum Erreichen eines Zieles“. Man unterscheidet Fehler nach ihrer Ursache oder nach dem Ereignis ihres Eintretens, aber auch nach dem Fehlerverhalten (vgl. DIN 44.300).[5]
Fehlerarten[Bearbeiten]
Der Fehler kann rein medizinischen Charakters sein, sich aber auch auf organisatorische Maßnahmen und auf fehlerhaftes Verhalten nachgeordneter oder zuarbeitender Personen beziehen. Einen ärztlichen Behandlungsfehler kann auch die fehlende oder unrichtige sowie unverständliche oder unvollständige Sicherungsaufklärung (therapeutische Aufklärung) des Patienten über das eigene Verhalten in der Therapie darstellen.
Welche die richtige Behandlung gewesen wäre, kann durch ärztliche Gutachten geklärt werden. Dabei kann die Orientierung an medizinischen Leitlinien, die auf der Basis der evidenzbasierten Medizin verfasst werden, hilfreich sein. Solche Leitlinien sind aber nicht in jedem Fall mit dem wissenschaftlichen Standard gleichzusetzen.[6] Die medizinische Begutachtung hat sowohl die Therapiefreiheit, als auch unterschiedliche Lehrmeinungen zu dem jeweiligen Behandlungszeitpunkt zu berücksichtigen.[7]
Der Behandelnde schuldet dem Patienten eine fehlerfreie Behandlung nach Dienstvertragsrecht, jedoch nicht unbedingt die Heilung. Ein Behandlungsfehler kann für den Behandelnden zivil- und strafrechtliche Folgen haben. Einschränkungen im Medizinrecht gibt es z. B. in der zahnärztlichen Implantologie. Hier sollte genau unterschieden werden, ob der Dienstvertrag (z. B. medizinische Beratung), der Werkvertrag für zahntechnische Leistung oder bei Materialversagen das Medizinproduktegesetz zur Anwendung kommen.[8]
Nicht jeder therapeutische Misserfolg ist ein Behandlungsfehler – Beschwerden können auch bekannte Nebenwirkungen oder Komplikationen sein. Oftmals ist es schwierig, die Folgen der Krankheit selbst und die Folgen der Fehlbehandlung zu unterscheiden.[9]
Ursachen[Bearbeiten]
Die Ursachen von Behandlungsfehlern sind vielschichtig und zahlreich. Neben allgemein menschlichen Unzulänglichkeiten rücken zunehmend die äußeren Bedingungen in den Blickpunkt, die das Risiko von Behandlungsfehlern erhöhen. Als Faktoren werden zum Beispiel angegeben:Mangelnde „Fehlerkultur“. Behandlungsfehler wurden tabuisiert und als individuelles Versagen gebrandmarkt, statt sie zu analysieren und über Ursachen und Vermeidungsstrategien zu sprechen.
Verwechslungsmöglichkeiten, zum Beispiel bei Medikamenten mit ähnlichem Namen und/oder ähnlicher Verpackung, Rechts-links-Verwechslungen, Verwechseln von Patienten.
Kommunikationsfehler zwischen den Behandelnden.
Arbeitsbelastung.
Unklarheit über die Verantwortlichkeiten.Das Bemühen[10][11][12][13] um eine zunehmende Patientensicherheit wurde durch die durch das Patientenrechtegesetz vorgenommenen Änderungen weiter gestärkt.[14]
Grenzen der Therapiefreiheit[Bearbeiten]
Dem Arzt steht die freie Wahl der Therapie zu. Bei mehreren Therapiealternativen ist der Patient unter Einbeziehung der jeweiligen Risiken aufzuklären. Auch hier besteht die Einwilligungsvoraussetzung des Patienten für die gewählte Therapie. Die Therapiefreiheit ist jedoch eingeschränkt. Bei mehreren risikogleichen Möglichkeiten ist die Therapie mit der größtmöglichen Erfolgsaussicht und bei mehreren gleichwertigen Möglichkeiten hat er diejenige mit dem geringsten Risiko auszuwählen, sonst kann die Behandlung als fehlerhaft eingestuft werden. In der Gesetzlichen Krankenversicherung ist ferner das Wirtschaftlichkeitsgebot gemäß § 12 SGB V zu berücksichtigen, da Gesetzlich Versicherte lediglich Anspruch auf ausreichende, zweckmäßige, wirtschaftliche und das Maß des Notwendigen nicht überschreitende Leistungen haben.
Alternative Behandlungsmethoden dürfen nur dann angewendet werden, wenn dadurch kein Schaden entsteht, der bei Anwendung wissenschaftlich anerkannter Heilmethoden vermieden worden wäre. Das Bundesverfassungsgericht entschied 2005, dass die gesetzliche Krankenversicherung bei Schwerkranken auch alternative Heilmethoden bezahlen muss, wenn diese einen begründete Hoffnung auf Heilung bietet oder eine spürbare Verbesserung des Krankheitsverlaufes besteht – sofern die Schulmedizin keine Therapiemöglichkeit mehr sieht. In dem Verfahren befanden die Verfassungsrichter das 1997 gefällte Urteil des Bundessozialgerichts „mit der grundsätzlich garantierten allgemeinen Handlungsfreiheit, dem Sozialprinzip und dem Grundrecht auf Leben als nicht vereinbar“.[15]
Informierung des Patienten[Bearbeiten]
Im Fall eines Behandlungsfehlers ist der Patient von dem Behandelnden darüber auf Nachfrage oder zur Abwendung gesundheitlicher Gefahren zu informieren. In Deutschland wird diese Informationspflicht nunmehr in §&#160;630c Abs. 2 Satz 2 BGB geregelt. Das Aktionsbündnis Patientensicherheit hat hierzu eine Broschüre herausgegeben, die Ärzten und Pflegepersonal die Ängste und Unsicherheiten in puncto Information überwinden helfen soll. Dort heißt es:„Bei unerwünschten Ereignissen und Behandlungsfehlern sind eine gute Kommunikation und ein professioneller Umgang mit den Betroffenen und Beteiligten ethisch geboten. Dies ist Kernbestandteil einer fortschrittlichen Sicherheitskultur. Patienten und Angehörige sowie beteiligte Mitarbeiter erwarten zu Recht ein ehrliches, faires, auf Schadensbegrenzung und künftige Schadensverhütung gerichtetes Handeln der Verantwortlichen.“
– Reden ist Gold (PDF; 870&#160;kB)Häufigkeit[Bearbeiten]
Deutschland[Bearbeiten]
Bei der Bundesärztekammer (BÄK) werden jährlich die Beschwerden bei den verschiedenen Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen für Arzthaftpflichtfragen zusammengefasst und seit 2006 bundesweit einheitlich publiziert.
Die Zahl der Anträge belief sich 2013 auf 12.232, und zeigt eine dauerhafte langsame Zunahme von 10.280 im Jahre 2006. [16][17]
Bei 7.922 Entscheidungen, die 2013 getroffen wurden, wurde in 1.864 Fällen (23,5&#160;%) ein Behandlungsfehler mit resultierendem Schaden festgestellt (2006: 1.562), dazu kamen 379 festgestellte Behandlungsfehler ohne Kausalität zum geltend gemachten Schaden (4,8&#160;%; 2006: 422 Fälle). In etwa 90% akzeptierten beide Partien die Entscheidung und auch bei einer darauf folgenden rechtlichen Auseinandersetzung seien die Entscheidungen "überwiegend bestätigt" worden.
Im Bereich der ambulanten Behandlungen wurden 2.385 Entscheidungen bei 672 Millionen Behandlungskontakten getroffen. Die Fehlerschwerpunkte lagen in der Diagnostik, besonders bei den bildgebenden Verfahren. 2013 wurden für den stationären Bereich 6.498 Anträge gestellt, die vorwiegend Behandlungsfehler im OP oder bei invasiven Verfahren betrafen. Davon entfielen 2.148 Anträge auf die Unfallchirurgie und Orthopädie, gefolgt von der Allgemeinchirurgie mit 1.081 Anträgen, Innere Medizin, Gynäkologie und Neurochirurgie. Die häufigsten anerkannten Behandlungsfehler im Krankenhaus betrafen die Behandlung von:Hüftgelenkverschleiß mit 73 anerkannten Behandlungsfehlern (und 161.276 stationären Behandlungsfällen im Jahr 2012)
Knochenbrüchen des Unterschenkels und des oberen Sprunggelenkes mit 64 Fehlern bei 136.007 Fällen
Kniegelenksverschleiß mit 57 Fehlern bei 196.528 Fällen
Unterarmbruch mit 45 Fehlern bei 134.554 Fällen
Oberschenkelbruch mit 43 Fehlern bei 166.859 Fällen
Oberarmbruch und Schulterbruch mit 40 Fehlern bei 111.323 FällenDiese Angaben sind wie die des MDK der Krankenkassen unvollständig, da es kein Register für Behandlungsfälle gibt.[18] Zudem bleiben viele Behandlungsfehler unerkannt. Durch das ungleich verteilte Fachwissen können viele Patienten gar nicht wissen oder merken und ahne es erst Jahre später, dass sie (vielleicht) falsch behandelt wurden. Eine Untersuchung darauf findet dann üblicherweise nicht statt. Auch liegen keine Zahlen über Fälle vor, in denen sich Ärzte und Patienten ohne Schlichtungsstelle auf eine Schadensregulierung geeinigt hatten.
Seit der Veröffentlichung des Berichts «To Err is Human» [19] durch das Institute of Medicine der US-amerikanischen National Academy of Sciences im Jahre 1999 hat das Thema Medizinische Risiken, Fehler und Patientensicherheit im internationalen Schrifttum zunehmendes Interesse erlangt.[20][21]
Die Medizinischen Dienste der Krankenversicherung (MDK) führten 2012 12.483 Behandlungsfehler-Begutachtungen durch. Dabei stellten sie in 31,5&#160;% der Fälle (2011 waren es 32,1&#160;% von 12.686 Fällen[22]) einen Behandlungsfehler fest. In 21,7% der Fälle konnte zudem die Schadenskausalität nachgewiesen werden.[23] Der MDK wird eingeschaltet, wenn sich ein Versicherter mit dem Verdacht auf einen Behandlungsfehler an die Krankenkasse wendet. Der festgestellte Anteil fehlerhafter Behandlungen bezieht sich auf die dem MDK vorgelegten Verdachtsfälle. Die Bewertung, ob in einem konkreten Fall ein Behandlungsfehler vorliegt, erfolgt auf der Basis der Patienten- bzw. Krankenunterlagen sowie möglichst aufgrund eines zusätzlichen persönlichen Gedächtnisprotokolls des Patienten.[24]
Auswahl der durch den MDK 2011 und 2012 bundesweit festgestellten zehn häufigsten Behandlungsfehler:
Art
Anzahl 2011
Anzahl 2012
Kniegelenksarthrose
159
131
Hüftgelenksarthrose
140
152
Zahnkaries
134
124
Oberschenkelbruch
111
105
Pulpitis
108
156
Unterschenkelbruch
85
81
Dekubitus
81Rückenschmerzen
&#160;
58
sonst. Zahnkrankheiten
73
66
Unterarmbruch
67Sonst. Bandscheibenschäden
&#160;
50
Bandscheibenschäden
58
50
Die Bundeszahnärztekammer kritisiert, dass die Anzahl der Behandlungsfehler nicht ins Verhältnis zu der Anzahl der tatsächlichen Behandlungsfällen gestellt wird. Ohne Bezug zur Gesamtzahl der Behandlungsfälle seien die vom MDK veröffentlichten absoluten Zahlen der Behandlungsfehler nicht aussagekräftig und ließen keine Rückschlüsse auf die relative Häufigkeit von Behandlungsfehlern und damit die Behandlungsqualität insgesamt zu. Kritisiert wird darüber hinaus, dass nicht in jedem Fall sicher auf einen Behandlungsfehler geschlossen werden könne, die Etikettierung eines Schadensereignisses als Behandlungsfehler vielmehr auch dem Ermessensspielraum des Gutachters unterliege, da die Begutachtung durch den MDK nur auf Grundlage der Behandlungsunterlagen und Gedächtnisprotokolle des Patienten erfolge.[25]
Vereinigte Staaten[Bearbeiten]
Statistiken der Vereinigten Staaten von 1984 belegen in Schätzungen, dass 44.000 bis 98.000 Menschen jährlich in Krankenhäusern aufgrund von Behandlungsfehlern gestorben sind.[26] Die „Centers for Disease Control and Prevention“ berichten derzeit von 75.000 Patienten, die pro Jahr allein in Krankenhäusern, aufgrund von Infektionen, den Tod erlitten. Dies stellt eine von vielen Ursachen dar und betrifft nur eine einzige Behandlungssituation.[27] In der Studie „A New, Evidence-based Estimate of Patient Harms Associated with Hospital Care“ von John T. James, PhD[28], wurden 400.000 unnötige Todesfälle jährlich in Krankenhäusern geschätzt. Weniger als ein Viertel der Behandlungen erfolgen in Krankenhäusern. Rechnet man alle Pflegeeinrichtungen dazu, sind die Zahlen höher.
In einer weiteren Studie wurde festgestellt, dass in den Jahren 2000 bis 2002 unter den 37 Millionen Krankenhauseinweisungen über 1.140.000 Vorfälle mit Gefährdung der Patientensicherheit aufgetreten sind. Die mit medizinischen Fehlern verbundenen Krankenhauskosten wurden allein im Oktober 2008 auf 324 Millionen Dollar geschätzt. [29]
Jährlich werden zwischen 15.000 und 19.000 Klagen aufgrund von Kunstfehlern eingereicht.[30] Dabei muss man von Schätzungen ausgehen, da die statistischen Ergebnisse bezüglich der Behandlungsfehler vermutlich schlecht dokumentiert und wissentlich verfälscht werden.
Klärungsmöglichkeiten[Bearbeiten]Außergerichtliche Klärung
Direkte Verhandlung zwischen dem Patienten oder seinem Vertreter und der Haftpflichtversicherung des Arztes
Schlichtungsstellen und Gutachterkommissionen der Ärztekammern und Zahnärztekammern
Medizinischer Dienst der Krankenversicherung (MDK)
Gutachterwesen im zahnärztlichen Bereich für gesetzlich Versicherte
Gerichtliche Klärung
Zivilgerichte
Strafanzeige bei Polizei oder StaatsanwaltschaftSelbständiges Beweisverfahren[Bearbeiten]
Ein Selbständiges Beweisverfahren kann durchgeführt werden, wenn die Beweiserhebung durch Verlust der Beweismittel gefährdet ist (§&#160;485 Abs.&#160;3 ZPO). Dies kann im Falle eines Behandlungsfehlers notwendig sein, um den Befund zu sichern, bevor durch weitere erforderliche Behandlungsmaßnahmen der Zustand verändert werden könnte (deshalb frühere Bezeichnung Beweissicherungsverfahren). Im Beweisverfahren kann der Beweis durch einen gerichtlich bestellten Gutachter geführt werden. Privatgutachten sind dagegen vor Gericht nicht als Beweismittel zugelassen, sondern nur als qualifizierter Parteivortrag.
Schlichtungsstellen[Bearbeiten]
Beim Verdacht eines Behandlungsfehlers kann ein medizinisches Privatgutachten weiterhelfen. Eine weitere Möglichkeit, um klären zu lassen, ob die ärztliche Behandlung fachgerecht ausgeführt wurde, bieten die Schlichtungsstellen. Das Verfahren kommt jedoch nur in Gang, wenn der beschuldigte Arzt bzw. die beschuldigte Institution dem Schlichtungsverfahren zustimmt. Zur Prüfung von Beschwerden und Haftungsfragen hat die Ärzteschaft in Deutschland Gutachterkommissionen [31] und Schlichtungsstellen bei den Landesärztekammern und den Landeszahnärztekammern eingerichtet. Die Kosten eines von der Schlichtungsstelle beigezogenen Gutachters und die jeweils geltende Verfahrenspauschale trägt der Versicherer des Arztes bzw. der Krankenhausträger. Der antragstellende Patient muss lediglich seine Kosten einschließlich der Kosten seines Rechtsvertreters und seine eventuellen Reisekosten tragen. Es liegt im Ermessen des in Anspruch genommen Arztes, dem vom Patienten beantragten Schlichtungsverfahren zuzustimmen.
Sozialrecht[Bearbeiten]
Die Krankenkassen sollen die Versicherten bei der Verfolgung von Schadensersatzansprüchen unterstützen (§&#160;66 SGB V), etwa indem die medizinischen Unterlagen beim Arzt angefordert werden und einem Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) zur Prüfung vorgelegt werden. Sollte sich der Verdacht eines Behandlungsfehlers bestätigen, wird hierüber ein schriftliches Gutachten erstellt, das dem Versicherten kostenfrei zur Verfügung gestellt wird. Im zahnärztlichen Bereich können nach den Gutachterverfahren in der vertragszahnärztlichen Versorgung Mängelgutachten erstellt werden.[32]
Zivilrecht[Bearbeiten]
Der Behandlungsfehler ist nach deutschem Zivilrecht eine Verletzung der Pflichten aus dem Behandlungsvertrag (§&#160;630a ff BGB). Der Behandelnde muss nach §&#160;280 BGB Schadensersatz leisten, wenn er die Pflichtverletzung zu vertreten hat und die Pflichtverletzung ursächlich für den Schaden ist. Bei der Beeinträchtigung immaterieller Rechtsgüter (Körperverletzung) kommt nach §&#160;253 Abs. 2 BGB auch ein Anspruch auf Schmerzensgeld in Betracht. Der Behandlungsfehler ist zugleich eine unerlaubte Handlung (Delikt nach §&#160;823 Abs.&#160;1, 2 BGB), die ebenfalls zu Ersatzansprüchen des Patienten führen kann. Daneben kommen bei Klinikärzten Ansprüche gegen das Krankenhaus in Betracht, für das der Arzt als sog. Gehilfe gehandelt haben kann.
Der Behandelnde ist nach §&#160;630f BGB verpflichtet, alle wesentlichen Maßnahmen und deren Ergebnisse aufzuzeichnen, insbesondere die Anamnese, Diagnosen, Untersuchungen, Untersuchungsergebnisse, Befunde, Therapien und ihre Wirkungen, Eingriffe und ihre Wirkungen, Einwilligungen und Aufklärungen. Diese Dokumentation kann die spätere Aufklärung eines Verdachts auf einen Behandlungsfehler erleichtern.
Schadensersatz[Bearbeiten]
Der materielle Schadensersatz umfasst häufig den Verdienstausfall des Patienten oder auch dessen Haushaltsführungsschaden. Auch Fahrtkosten naher Angehöriger zu Krankenhausbesuchen können geltend gemacht werden. Häufig fallen bei den Patienten später auch weitere Kosten für Medikamente, Verbandmaterial oder Physiotherapie an.
Der Schadensersatzanspruch des geschädigten Patienten umfasst die notwendigen Heilbehandlungskosten, soweit der Patient sie selbst getragen hat. Soweit die Krankenkasse die Kosten getragen, kann diese den auf sie übergegangen Anspruch im Regresswege geltend machen.
Schmerzensgeld[Bearbeiten]
Zusätzlich kann der Arzt Schmerzensgeld schulden. Anhaltswerte kann die Celler Schmerzensgeldtabelle des Oberlandesgericht Celle geben. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs dürfen für ein angemessenes Schmerzensgeld (§&#160;253 BGB) grundsätzlich alle in Betracht kommenden Umstände eines Falles berücksichtigt werden, darunter der Grad des Verschuldens des Schädigers, die Dauer von Schmerzen, Einschränkungen des Lebens und die wirtschaftlichen Verhältnisse des Schädigers als auch des Geschädigten usw. Im internationalen Vergleich ist jedoch die Höhe der ausgeurteilten Schmerzensgelder gering. Das Schmerzensgeld hat sowohl Ausgleichs- als auch Genugtuungsfunktion, es ist übertragbar und vererblich. Der Klageantrag auf Zahlung von Schmerzensgeld ist einer der wenigen Fälle, in denen ein unbestimmter Antrag zulässig ist. Die Höhe des Schmerzensgeldes kann in das Ermessen des Gerichts gestellt werden.[33] Eine Zusammenstellung findet sich in der Beck’schen Schmerzensgeldtabelle.[34]
Beweislast[Bearbeiten]
Die objektive Beweislast für einen Behandlungsfehler liegt beim Kläger, also dem Patienten bzw. dessen Erben. Ebenfalls muss der Kläger beweisen, dass der Behandlungsfehler einen Schaden verursacht hat. Der heute im Zivilrecht gebräuchliche Ausdruck Arzthaftung betont diese Frage nach der Kausalität: Nicht jeder Fehler des Arztes begründet eine Schadenersatzpflicht; vielmehr muss auf diesen Fehler ein konkreter Schaden zurückzuführen sein. Die Kausalitätsproblematik ist ein Schwerpunkt vieler Schadensersatzprozesse im Bereich des Arzthaftungsrechts.
Beweislastumkehr[Bearbeiten]
Zu einer Beweislastumkehr kann der Kläger jedoch gelangen, wenn es ihm nachzuweisen gelingt, dass dem von ihm geltend gemachten Schaden ein grober Behandlungsfehler zu Grunde liegt.
Grober Behandlungsfehler[Bearbeiten]
Ein grober Behandlungsfehler wird von der Rechtsprechung angenommen, wenn:„[…]der Arzt eindeutig gegen bewährte ärztliche Behandlungsregeln oder gesicherte medizinische Erkenntnisse verstoßen und einen Fehler begangen hat, der aus objektiver Sicht nicht mehr verständlich erscheint, weil er einem Arzt schlechterdings nicht unterlaufen darf“
– Fortführung von BGH, Urteil vom 11. Juni 1996[35]Die Feststellung eines groben Behandlungsfehlers ist eine Rechtsfrage, d.&#160;h. sie wird vom Gericht und nicht vom medizinischen Sachverständigen getroffen. Das Gutachten eines Sachverständigen kann laut BGH dafür lediglich Entscheidungsgründe liefern.[36]
Beim Vorliegen eines groben Behandlungsfehlers wird die Ursächlichkeit des groben Fehlers für den Schaden widerleglich vermutet.[37]
Eine Beweiserleichterung kann sich auch dann ergeben, wenn Beweismittel nicht ordnungsgemäß gelagert wurden. Ebenso können unvollständige oder verfälschte Dokumentationen, einschließlich nachgetragener Änderungen oder angeblich verlorene Dokumente sowie ein ungesicherter oder unregistrierter Zugang zu Änderungsmöglichkeiten in Datenbanken der Fallakten zur Beweislastumkehr führen. Ebenso bewertet werden verbrannte und nicht rekonstruierte, sondern weggeworfene Dokumentationen. Beispielsweise hat das Oberlandesgericht Hamm in seinem Urteil vom 12. Dezember 2001[38] grobe Verstöße eines Essener Klinik-Pathologen gegen die Befundsicherungspflicht als groben Behandlungsfehler gewertet und die Beweislast daher umgekehrt.
Auch Versäumnisse im Rahmen der ärztlichen Sicherungsaufklärung (therapeutische Aufklärung) können einen groben Behandlungsfehler darstellen. Dann wäre auch hier von einer objektiven Beweislastumkehr auszugehen ist.„[…] Eine Verletzung der Pflicht des behandelnden Arztes zur therapeutischen Aufklärung (Sicherungsaufklärung), die als grober Behandlungsfehler zu werten ist, führt regelmäßig zu einer Umkehr der objektiven Beweislast für den ursächlichen Zusammenhang zwischen dem Behandlungsfehler und dem Gesundheitsschaden, wenn sie geeignet ist, den eingetretenen Schaden zu verursachen; eine Wahrscheinlichkeit für ein Ergebnis einer Kontrolluntersuchung ist in einem solchen Fall nicht erforderlich […] Eine Umkehr der Beweislast ist schon dann anzunehmen, wenn der grobe Behandlungsfehler geeignet ist, den eingetretenen Schaden zu verursachen; nahelegen oder wahrscheinlich machen muß der Fehler den Schaden dagegen nicht“
– Fortführung von BGH, Urteil vom 27. April 2004[39]Weitere typische Bedingungen für eine richterliche Anordnung der Beweislastumkehr sind:unterlassene Befunderhebung[40]
offensichtlich falsche Behandlung, also grobe Behandlungsfehler und auch Medikationsfehler
Keimübertragung durch Infektion in einem beherrschbaren Bereich[41][42]
Verwendung fehlerhafter Geräte, falsche oder nicht dokumentierte Geräteeinstellungen oder unterlassene Gerätewartung (abgelaufene Prüfzeichenfristen).Ein Arzt haftet jedoch nicht zwangsläufig für einen groben Behandlungsfehler, wenn der Patient eine dringend notwendige anschließende Behandlung durch einen anderen Mediziner verweigert (OLG Koblenz). [43] Der Patient ist demnach zur Mitwirkung verpflichtet, wenn er damit den Schaden – auch bei einem groben Behandlungsfehler – mindern kann (Schadensminderungspflicht).
Beweiserleichterung[Bearbeiten]
Der Arzt unterliegt einer Dokumentationspflicht bezüglich seiner erhobenen Befunde, der Diagnosen und der unternommenen oder veranlassten Behandlungen. Eine unterlassenen Dokumentation bildet selbst noch keine eigenständige Anspruchsgrundlage in einem Kunstfehlerprozess. Das Gericht kann aus der Nichtdokumentation einer aufzeichnungsbedürftigen Maßnahme schließen, dass die Maßnahme unterblieben ist, was zur Beweiserleichterung für den Patienten führen kann.[44]
Ähnliche Erleichterungen gewährt die Rechtsprechung für den Nachweis des Verschuldens; im Rahmen der vertraglichen Haftung wird das Vertretenmüssen ohnehin kraft Gesetzes vermutet.
Verjährung[Bearbeiten]
Der Schadensersatzanspruch kann mit Eintritt der Verjährung nicht mehr durchgesetzt werden. Die Schadensersatzansprüche wegen Behandlungsfehlern unterliegen der regelmäßigen dreijährigen Verjährungsfrist. Die dreijährige Verjährungsfrist beginnt mit dem Schluss des Jahres, in dem der Anspruch entstanden ist und der Gläubiger von den Anspruch begründenden Umständen und der Person des Schuldners Kenntnis erlangt oder ohne grobe Fahrlässigkeit erlangen müsste, § 195 i.V.m. § 199 Abs. 1 BGB. Für den Bereich der Arzthaftung vermittelt regelmäßig nicht schon die Kenntnis vom Behandlungsmisserfolg oder einer Behandlungskomplikation die Kenntnis vom Behandlungsfehler. Dem Patienten müssen vielmehr diejenigen Behandlungstatsachen positiv bekannt geworden sein, die – im Blick auf den Behandlungsfehler – ein ärztliches Fehlverhalten und – im Blick auf die Schadenskausalität – eine ursächliche Verknüpfung der Schadensfolge mit dem Behandlungsfehler bei objektiver Betrachtung nahelegen.[45]
Strafrecht[Bearbeiten]
Nach der Rechtsprechung ist selbst jede fehlerfreie Heilbehandlung eine tatbestandliche Körperverletzung (§&#160;223 StGB), die jedoch nicht strafbar ist, solange sie mit wirksamer Einwilligung des Patienten durchgeführt wird. Unumstritten ist das für fehlerhafte Behandlungen. Weil in sie der Patient nicht eingewilligt hat, ist die Tat auch rechtswidrig. Im Strafprozess ist der Patient gegebenenfalls Nebenkläger oder Zeuge. Stirbt der Patient an den Folgen des Behandlungsfehlers, kommt fahrlässige Tötung oder ausnahmsweise gar Totschlag in Betracht. Hat der Behandelnde tatbestandsmäßig, rechtswidrig und schuldhaft gehandelt und kann das bewiesen werden, so kann er für die Tat verurteilt werden.
Standesrecht[Bearbeiten]
Zudem können Behandlungsfehler standesrechtliche Folgen haben. Darüber entscheiden die Ärztekammern, [46] Zahnärztekammern oder die zuständigen Berufsgerichte auf der Grundlage der jeweiligen Berufsordnungen oder die Kassen(zahn)ärztlichen Vereinigungen im Rahmen ihrer Disziplinarordnungen.[47][48]
Berufsrecht[Bearbeiten]
In besonders schweren Fällen kann der Zulassungsausschuss gemäß §§ 26, 27 Zulassungsverordnung für Vertrags(zahn)ärzte das teilweise oder vollständige Ruhen der Zulassung als Vertrags(zahn-)arzt oder die Entziehung der Zulassung[49] [50] anordnen. Als ultima ratio kann die zuständige Landesregierung den Entzug der Approbation verfügen, was einem Berufsverbot gleichkommt.
Literatur[Bearbeiten]Preventing Medication Errors. Committee on Identifying and Preventing Medication Errors and the Board on Health Care Services. Hg. Philip Aspden et al. National Academies Press, Washington, D.C., 2007. ISBN 978-0-309-10147-9.
Medication Errors. Hg. Michael R. Cohen. 2. Auflage. American Pharmacists Association, Washington, D.C., 2007. ISBN 978-1-58212-092-8.
Martin Lindner: Irren ist ärztlich. In: Bild der Wissenschaft. 2/2004, S. 18–23, ISSN&#160;0006-2375
Stefanie Bachstein: Du hättest leben können. Verlagsgruppe Lübbe, 3.Aufl. 2007, ISBN 3-404-61480-1. Vorwort von Prof. Dr. med. Thomas H. Loew, Uniklinik Regensburg. Das Buch von Stefanie Bachstein zeigt die Traumatisierung beider Seiten, die der Ärztin und die der Betroffenen nach einem tödlichen Behandlungsfehler. Das Buch erhielt im Rahmen des Publizistikpreises 2004 der Stiftung Gesundheit Hamburg, eine besondere Erwähnung. Infos u. Leseprobe (Brief an die Ärztin) unter www.stefanie-bachstein.de
Michael Imhof: Ärztliche Behandlungsfehler – Was tun? Ein Ratgeber für Patienten, Angehörige und medizinisches Personal, Schulz-Kirchner Verlag, Idstein 2011 ISBN 978-3-8248-0867-0
Herbert Pröpper, Johann Neu: Ein außergerichtlicher Weg zur Einigung. Arbeit und Ergebnisse der Norddeutschen Schlichtungsstelle für Arzthaftpflichtfragen. Hamburger Ärzteblatt 1/2012, S. 12–17
Marina Tamm: Der Haftungsumfang bei ärztlichem Fehlverhalten und Rechtsdurchsetzungsfragen im Arzthaftungsrecht; JURA 2009, 81
Bente Vibeke Heinig: Zur Häufigkeit und Charakteristik der Behandlungsfehlervorwürfe aus dem Institut für Rechtsmedizin der Universitätsmedizin Greifswald 1996 – 2008; Dissertation., 2015.Weblinks[Bearbeiten]
&#160;Wiktionary: Behandlungsfehler&#160;– Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, ÜbersetzungenDas ÄZQ – Kompetenzzentrum von BÄK und KBV für Leitlinien, Patienteninformation, Patientensicherheit und ärztliches Qualitätsmanagement
WHO-Programm „Safe Surgery saves Lives“ (25. Juni 2008, Washington DC)
Zahnärztliche Zentralstelle Qualitätssicherung ZZQ im Institut der Deutschen Zahnärzte IDZ
Publikationsreihe "Arzt und Arzthaftung"Einzelnachweise[Bearbeiten]↑ BGH, Urteil vom 25. Oktober 2011 – VI ZR 139/10
↑ BGH, Urteil vom 20. September 2011 – VI ZR 55/09
↑ G. Heberer und L. Schweiberer, Indikation zur Operation (PDF; 1,8&#160;MB), Springer Verlag 2. Auflage (1981) ISBN 3-540-10385-6
↑ Institute of Medicine
↑ Bundesärztekammer, Glossar Qualitätssicherung
↑ Leitlinien sind nicht dem medizinischen Standard gleichzusetzen, Dtsch Arztebl 2008; 105(37): A-1937 / B-1665 / C-1629
↑ BDIZ (Hrsg.) Gutachterhandbuch Implantologie 1. Auflage 2002 ISBN 3-929851-90-3- Breisach: Med. Verl.-und Informationsdienste 2002
↑ K. Müller: Haftungsproblematik Kap. 5.2.+5.3. Oktober 2003 in: Aktueller Stand der zahnärztlichen Implantologie, Hrsg. H.J. Hartmann Spitta Verlag 2000, ISBN 3-921883-23-7
↑ Martin Hansis, Leitender Arzt beim Medizinischen Dienst der Spitzenverbände der Krankenkassen in Deutsches Ärzteblatt, S. 453 (2002)
↑ Broschüre: Aus Fehlern lernen, Deutsches Ärzteblatt (PDF; 452&#160;kB)
↑ Mediziner wollen aus Behandlungsfehlern besser lernen.
↑ Jeder Fehler zählt: Fehlerberichts- und Lernsysteme für Ärzte.
↑ Jeder Zahn zählt: Fehlerberichts- und Lernsysteme für Zahnärzte.
↑ Aktionsbündnis Patientensicherheit
↑ Bundesverfassungsgericht – Urteil vom 6. Dezember 2005 (AktZ.:1 BvR 347/98)
↑ Medizin in Deutschland – Fast 3.900 Behandlungsfehler bundesweit. In: Süddeutsche Zeitung vom 18. April 2007
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↑ Jennifer Litters: Weiterhin viele Behandlungsfehler – Hüfte und Knie: Hier gibt es die meisten OP-Pannen.&#160;In: Focus Online. Abgerufen am 11. November 2014.&#160;
↑ Kohn LT, Corrigan JM, Donaldson MS (eds.) To err is human. Building a safer health system. Washington, DC: National Academy Press, 1999.
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↑ Reducing error. Improving Safety. Schwerpunktheft Br Med J 2000;320(7237).
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↑ ebd. S. 4 f
↑ Bundeszahnärztekammer, Behandlungsfehler-Begutachtung in Beziehung zu den tatsächlichen Behandlungsfällen auswerten (PDF; 96&#160;kB)
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↑ John T. James: A New, Evidence-based Estimate of Patient Harms Associated with Hospital Care. In: Journal of Patient Safety. 9, Nr.&#160;3,September 2013, S.&#160;122–128. doi:10.1097/PTS.0b013e3182948a69. Abgerufen am 23. April 2015.
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↑ Bundesärztekammer: Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen bei den Ärztekammern
↑ Anlagen 6, 9, 10a, 10b, 12 und 14 zum Bundesmanteltarifvertrag – Zahnärzte (BMV-Z), zum Beispiel § 4 der Anlage 12
↑ BGH, ständige Rechtsprechung, Senatsbeschluss vom 30. September 2003 – VI ZR 78/03 – VersR 2004, 219
↑ Beck’sche Schmerzensgeldtabelle online
↑ BGH, Urteil vom 11, Juni 1996, Az. VI ZR 172/95, Volltext = VersR 1996, 1148
↑ Jurion: BGH, 21. Juli 1998, VI ZR 15/98
↑ BGH, Urteil vom 25. Oktober 2011, Az.&#160;VI&#160;ZR&#160;139/10, Volltext
↑ OLG Hamm, Urteil vom 12. Dezember 2001, Az. 3 U 119/00.
↑ BGH, Urteil vom 27. April 2004, Az.&#160;VI&#160;ZR&#160;34/03, Volltext = VersR 2004, 909
↑ BGH Urteil vom 28. Juni 1988 (VI R 217/87)
↑ BGH Urteil, in VersR 1991, 467 ff.
↑ BGH Urteil, NJW 2007,1682 ff.
↑ OLG Koblenz (Beschlüsse vom 27. Juni und 27. August 2012; Az.: 5 U 1510/11), abgerufen am 14. September 2012
↑ Jurion: BGH VI ZR 170/88
↑ BGH, Urteil vom 31. Oktober 2000, VI ZR 198/99, veröffentlicht in BGHZ 145, 358
↑ Bayerische Landesärztekammer, Heilberufe-Kammergesetz (PDF; 235&#160;kB)
↑ KZV Baden-Württemberg Disziplinarordnung
↑ KV Nordrhein Disziplinarordnung (PDF; 42&#160;kB)
↑ Zulassungsordnung Zahnärzte
↑ Zulassungsordnung Ärzte
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ISBN:&#160;&#160;
</form> Wo suchen?Inhaltsverzeichnis1 Inhaltsverzeichnisse und Rezensionen
2 Bibliotheken2.1 Nationalbibliotheken
2.2 Verbünde
2.3 Spezialbibliotheken
3 Buchhandel3.1 Gebrauchtbücher
3.2 Preisvergleichsdienste
4 Buchcommunities und Digitalisierungsprojekte
5 Validierung
6 Andere Wikipedia-Versionen
7 Literatur in der deutschsprachigen Wikipedia
8 Siehe auch
Die folgende Liste enthält Links zu Bibliothekskatalogen, Buchhändlern und anderen Quellen, um dort nach der Publikation mit der ISBN 9783816787587 zu suchen. Wikipedia ist weder mit einem der Anbieter geschäftlich verbunden, noch stellt die Nennung und Reihenfolge eine Wertung dar.
Bei den Anbietern bedeutet die Angabe „Suche“, dass ein Link direkt zu einer Seite mit Suchergebnissen führt. Ist dies nicht möglich, erreicht man mit dem Link „Eingabe“ ein Suchformular, wo man die entsprechenden Angaben selbst eintragen muss. Die Direktsuche funktioniert möglicherweise nicht immer mit allen Browsern. Angaben über ein bestimmtes Buch findet man am schnellsten über die Nationalbibliotheken, die umfangreiche Datenbanken mit den Pflichtangaben der Verlage unterhalten, auch über Bücher, die zurzeit weder in den gewöhnlichen Bibliotheken noch bei den Buchhändlern verfügbar sind.Inhaltsverzeichnisse und Rezensionen Suche isbn2toc online vorhandene Inhaltsverzeichnisse (basiert auf den Daten zahlreicher Bibliotheksverbünde)Suche isbn-rez online vorhandene Rezensionen (basiert auf den Daten des Bibliotheksverbunds SWB)Bibliotheken
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Die Bibliotheksverbünde umfassen oft nur wissenschaftliche Bibliotheken. Suche WorldCat Weltweite VerbunddatenbankEingabe Karlsruher Virtueller Katalog (KVK) Suche in mehreren Bibliotheksverbünden gleichzeitig möglichEingabe hbz OpenURL Gateway Leitet weiter zu den Besitznachweisen und Diensten (inkl. Fernleihe) von über 420 öffentlichen und wissenschaftlichen Bibliotheken aus ganz DeutschlandEingabe openURL.de Linkliste zu verschiedenen Katalogen Suche Bibliotheksverbund GBV Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Thüringen und Stiftung Preußischer Kulturbesitz Suche HBZ-Verbundkatalog Verbundkatalog der Hochschulbibliotheken Nordrhein-Westfalens und eines großen Teils von Rheinland-Pfalz Suche SWB Online-Katalog Südwestdeutscher Bibliotheksverbund mit über 1000 Bibliotheken der Bundesländer Baden-Württemberg, Sachsen, Saarland und Rheinland-Pfalz Suche BVB BibliotheksVerbund Bayern BibliotheksVerbund BayernSuche KOBV-Verbund Berliner Hochschulen, TU Cottbus, Universität Frankfurt (Oder) (Eingabeformular)Suche HeBIS-Verbundkatalog Hessen und RheinhessenSuche Österreichischer Bibliothekenverbund Wissenschaftliche und administrative Bibliotheken in ÖsterreichSuche Büchereiverband Österreichs Von der Stadt- bis zur Schulbücherei, Einträge dort teilweise ohne ISBN: EingabeformularSuche swissbib Durchsucht die Sammlungen von rund 900 Bibliotheken, Mediotheken und Archiven aus allen Landesteilen der SchweizSuche Netzwerk von Bibliotheken und Informationsstellen in der Schweiz (NEBIS) 80 Bibliotheken von Hochschulen, Fachhochschulen und Forschungsanstalten aus allen SprachregionenEingabe CHVK – Schweizer Virtueller Katalog Meta-Katalog zum Nachweis von Büchern und Zeitschriften und elektronischen Medien in Schweizer BibliothekenSpezialbibliothekenEingabe BBM – Bibliotheksverbund Bistum Mainz Bibliotheksverbund Bistum MainzEingabe Online-Katalog des GIGA-Informationszentrums Suche im Katalog der Bibliotheken des GIGA German Institute of Global and Area Studies und des Fachinformationsverbundes Internationale Beziehungen und LänderkundeEingabe Virtueller Katalog Kunstgeschichte Meta-Suchmaschine über 23 Kunstgeschichts-KatalogeSuche Katalog der Kunst- und Museumsbibliothek der Stadt Köln Eine der größten öffentlichen Kunst- und Museumsbibliotheken der WeltBuchhandel
Durch die Buchpreisbindung gibt es außer den Versandkosten in Deutschland und Österreich im Regelfall keine Preisunterschiede unter den Anbietern von neuen, deutschsprachigen Büchern. In der Schweiz gilt die Buchpreisbindung seit Frühjahr 2007 nicht mehr. Buchhändler aus dem Ausland unterliegen der nationalen Buchpreisbindung nicht, so dass unter Umständen der Online-Kauf im (EU-)Ausland trotz Versandkosten günstiger ist.Suche Verzeichnis lieferbarer Bücher (VLB) Online-Katalog des deutschen Buchhandels mit allen lieferbaren Titeln des deutschen Buchhandels (etwa 500.000). Alle ermittelten Titel kann man in jeder Buchhandlung Deutschlands und acht weiteren Ländern bestellen – in also mehreren tausend Buchhandlungen.Suche Buchkatalog.de Mit Bestellmöglichkeit in vielen BuchhandlungenGebrauchtbücherSuche abebooks.deSuche Amazon.de Online-Handelsplattform und RezensionenSuche antbo.de Suche über mehrere AntiquariateSuche antikbuch24.de Suche über mehrere AntiquariateSuche antiquariat.deSuche arvelle.de Schwerpunkt im Bereich Belletristik und SachbücherSuche biblio.comSuche biblioman.deSuche Berliner BüchertischSuche bookcrossing.com Netzwerk für kostenlosen Büchertausch („Bookcrossing“)Suche booklooker.de Online-Marktplatz für neue und gebrauchte Bücher, Tonträger und FilmeSuche bookmooch.com Netzwerk für kostenlosen BüchertauschSuche buchfreund.de Suche über mehrere AntiquariateSuche Tauschticket Netzwerk für gebührenpflichtigen BüchertauschSuche hitflip.de Tauschplattform für Bücher und Mediengüter (CDs, DVDs, Hörbücher usw.)Suche jokers.de Allgemeines Sortiment zu reduzierten PreisenSuche terrashop.de Reduzierte Mängelware und ältere AuflagenSuche zvab.com Zentrales Verzeichnis Antiquarischer BücherPreisvergleichsdienste
Neue Bücher deutscher und österreichischer Verlage unterliegen der Buchpreisbindung und dürfen von Händlern in Deutschland und Österreich nur zu dem vom Verlag festgelegten Preis abgegeben werden (nur Händler aus dem Ausland bieten die Bücher evtl. günstiger an). Daher beziehen sich die Preisvergleichsdienste größtenteils nur auf gebrauchte Bücher. Sie geben teilweise die unterschiedlichen Versandkosten an.Suche addall.comSuche BookButler.de Auch in Österreich und der SchweizSuche billigbuch.ch sucht in den online-Buchhandlungen der Schweiz (nur neue Bücher) und listet deren Angebote jeweils nach dem Preis geordnetSuche buch.daistesja.deSuche buchhai.deSuche Buchpreis24.deSuche Buchpreisvergleich.chSuche BuchSuch.chSuche buch.archinform.net Mediendatenbank archINFORMSuche DieBuchSuche.comSuche eurobuch.com Metasuche für antiquarische und neue BücherSuche findmybook.deSuche JustBooks.de Metasuche für neue, gebrauchte und antiquarische Bücher, bezieht auch ausländische, nicht preisgebundene Händler einSuche lalisio.comSuche marelibri.comSuche getprice.deSuche PreisTester.deBuchcommunities und Digitalisierungsprojekte Suche LibraryThing Webseite nach dem Muster sozialer Netzwerke für LesendeSuche Lovelybooks.de Webseite nach dem Muster sozialer Netzwerke für LesendeSuche Google Bücher Volltextsuche in Büchern und Anzeige von Scans in Ausschnitten (ältere, gemeinfreie Bücher sind teilweise auch vollständig einsehbar)Validierung
Die Korrektheit der aktuellen ISBN kann mit diesem Tool geprüft werden. Außerdem werden gegebenenfalls Korrekturvorschläge gemacht, eine Umrechnung zwischen 10stelliger und 13stelliger ISBN vorgenommen und die korrekte Formatierung der ISBN angezeigt.Andere Wikipedia-Versionen
Insbesondere bei fremdsprachigen Büchern kann es sinnvoll sein mit der ISBN-Suche einer anderen Wikipedia zu suchen, da sich die angebotenen Links zwischen den einzelnen Wikipedias unterscheiden. Anhand der ISBN-Gruppennummer kann man schnell die passende Sprache finden.
Die folgenden Wikipedias haben besonders viele Bücherlinks oder sind für den deutschen Kulturraum besonders interessant. Für die Suche auf anderen Wikipedias benutze bitte die Sprachlinks „Andere Sprachen“ auf dieser Seite.Gruppennummer Wikipedia0, 1 Englisch2 Französisch4 Japanisch5 Russisch7, 957, 986 (Taiwan), 962, 988 (Hong Kong) Chinesisch80 Tschechisch und Slowakisch82 Norwegisch: Bokmål und Nynorsk83 Polnisch84, 950, 987 (Argentinien), 956 (Chile), 958 (Kolumbien), 959 (Kuba), 968, 970 (Mexiko), 980 (Venezuela), 9942, 9978 (Ecuador), 9945, 99934 (Dominikanische Republik), 9962 (Panama), 9968, 9977 (Costa Rica), 9972 (Peru), 9974 (Uruguay), 99905, 99954 (Bolivien), 99922, 99939 (Guatemala), 99923 (El Salvador), 99924 (Nicaragua), 99925, 99953 (Paraguay), 99926 (Honduras) SpanischGruppennummer Wikipedia85, 972, 989 (Portugal) Portugiesisch87 Dänisch88 Italienisch89, 9946 Koreanisch90 Niederländisch91 Schwedisch951, 952 Finnisch954 Bulgarisch960, 9963 Griechisch961 Slowenisch963 Ungarisch965 Hebräisch966 Ukrainisch974 Thailändisch975, 9944 Türkisch9949, 9985 Estnisch7, 8, &#8230; Meta
Literatur in der deutschsprachigen WikipediaFür Literaturangaben in Wikipedia-Artikeln beachte bitte Wikipedia:Literatur.Eine Literaturangabe zur ISBN 9783816787587 liefert dieses Tool. (Hinweis: Die Ausgabe des Tools entspricht nicht der vorgeschlagenen Formatierung von Wikipedia:Literatur.)Hilfe zur Erstellung von ISBN-Links innerhalb der Wikipedia findet sich unter Hilfe:Datenbanklinks.Wikipedianer mit Büchern sind in der Wikipedia:Bibliothek gelistet.Bücher, die für die Arbeit an Artikeln abzugeben sind, finden sich in der Wikipedia:Bücherbörse.Tipps und Hilfe in Sachen Literatur bietet die Wikipedia:Bibliotheksrecherche.
Siehe auchISBN-Suchformular in der WikipediaVorlage:Falsche ISBN

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ISBN:&#160;&#160;
</form> Wo suchen?Inhaltsverzeichnis1 Inhaltsverzeichnisse und Rezensionen
2 Bibliotheken2.1 Nationalbibliotheken
2.2 Verbünde
2.3 Spezialbibliotheken
3 Buchhandel3.1 Gebrauchtbücher
3.2 Preisvergleichsdienste
4 Buchcommunities und Digitalisierungsprojekte
5 Validierung
6 Andere Wikipedia-Versionen
7 Literatur in der deutschsprachigen Wikipedia
8 Siehe auch
Die folgende Liste enthält Links zu Bibliothekskatalogen, Buchhändlern und anderen Quellen, um dort nach der Publikation mit der ISBN 9783816789376 zu suchen. Wikipedia ist weder mit einem der Anbieter geschäftlich verbunden, noch stellt die Nennung und Reihenfolge eine Wertung dar.
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Durch die Buchpreisbindung gibt es außer den Versandkosten in Deutschland und Österreich im Regelfall keine Preisunterschiede unter den Anbietern von neuen, deutschsprachigen Büchern. In der Schweiz gilt die Buchpreisbindung seit Frühjahr 2007 nicht mehr. Buchhändler aus dem Ausland unterliegen der nationalen Buchpreisbindung nicht, so dass unter Umständen der Online-Kauf im (EU-)Ausland trotz Versandkosten günstiger ist.Suche Verzeichnis lieferbarer Bücher (VLB) Online-Katalog des deutschen Buchhandels mit allen lieferbaren Titeln des deutschen Buchhandels (etwa 500.000). Alle ermittelten Titel kann man in jeder Buchhandlung Deutschlands und acht weiteren Ländern bestellen – in also mehreren tausend Buchhandlungen.Suche Buchkatalog.de Mit Bestellmöglichkeit in vielen BuchhandlungenGebrauchtbücherSuche abebooks.deSuche Amazon.de Online-Handelsplattform und RezensionenSuche antbo.de Suche über mehrere AntiquariateSuche antikbuch24.de Suche über mehrere AntiquariateSuche antiquariat.deSuche arvelle.de Schwerpunkt im Bereich Belletristik und SachbücherSuche biblio.comSuche biblioman.deSuche Berliner BüchertischSuche bookcrossing.com Netzwerk für kostenlosen Büchertausch („Bookcrossing“)Suche booklooker.de Online-Marktplatz für neue und gebrauchte Bücher, Tonträger und FilmeSuche bookmooch.com Netzwerk für kostenlosen BüchertauschSuche buchfreund.de Suche über mehrere AntiquariateSuche Tauschticket Netzwerk für gebührenpflichtigen BüchertauschSuche hitflip.de Tauschplattform für Bücher und Mediengüter (CDs, DVDs, Hörbücher usw.)Suche jokers.de Allgemeines Sortiment zu reduzierten PreisenSuche terrashop.de Reduzierte Mängelware und ältere AuflagenSuche zvab.com Zentrales Verzeichnis Antiquarischer BücherPreisvergleichsdienste
Neue Bücher deutscher und österreichischer Verlage unterliegen der Buchpreisbindung und dürfen von Händlern in Deutschland und Österreich nur zu dem vom Verlag festgelegten Preis abgegeben werden (nur Händler aus dem Ausland bieten die Bücher evtl. günstiger an). Daher beziehen sich die Preisvergleichsdienste größtenteils nur auf gebrauchte Bücher. Sie geben teilweise die unterschiedlichen Versandkosten an.Suche addall.comSuche BookButler.de Auch in Österreich und der SchweizSuche billigbuch.ch sucht in den online-Buchhandlungen der Schweiz (nur neue Bücher) und listet deren Angebote jeweils nach dem Preis geordnetSuche buch.daistesja.deSuche buchhai.deSuche Buchpreis24.deSuche Buchpreisvergleich.chSuche BuchSuch.chSuche buch.archinform.net Mediendatenbank archINFORMSuche DieBuchSuche.comSuche eurobuch.com Metasuche für antiquarische und neue BücherSuche findmybook.deSuche JustBooks.de Metasuche für neue, gebrauchte und antiquarische Bücher, bezieht auch ausländische, nicht preisgebundene Händler einSuche lalisio.comSuche marelibri.comSuche getprice.deSuche PreisTester.deBuchcommunities und Digitalisierungsprojekte Suche LibraryThing Webseite nach dem Muster sozialer Netzwerke für LesendeSuche Lovelybooks.de Webseite nach dem Muster sozialer Netzwerke für LesendeSuche Google Bücher Volltextsuche in Büchern und Anzeige von Scans in Ausschnitten (ältere, gemeinfreie Bücher sind teilweise auch vollständig einsehbar)Validierung
Die Korrektheit der aktuellen ISBN kann mit diesem Tool geprüft werden. Außerdem werden gegebenenfalls Korrekturvorschläge gemacht, eine Umrechnung zwischen 10stelliger und 13stelliger ISBN vorgenommen und die korrekte Formatierung der ISBN angezeigt.Andere Wikipedia-Versionen
Insbesondere bei fremdsprachigen Büchern kann es sinnvoll sein mit der ISBN-Suche einer anderen Wikipedia zu suchen, da sich die angebotenen Links zwischen den einzelnen Wikipedias unterscheiden. Anhand der ISBN-Gruppennummer kann man schnell die passende Sprache finden.
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Literatur in der deutschsprachigen WikipediaFür Literaturangaben in Wikipedia-Artikeln beachte bitte Wikipedia:Literatur.Eine Literaturangabe zur ISBN 9783816789376 liefert dieses Tool. (Hinweis: Die Ausgabe des Tools entspricht nicht der vorgeschlagenen Formatierung von Wikipedia:Literatur.)Hilfe zur Erstellung von ISBN-Links innerhalb der Wikipedia findet sich unter Hilfe:Datenbanklinks.Wikipedianer mit Büchern sind in der Wikipedia:Bibliothek gelistet.Bücher, die für die Arbeit an Artikeln abzugeben sind, finden sich in der Wikipedia:Bücherbörse.Tipps und Hilfe in Sachen Literatur bietet die Wikipedia:Bibliotheksrecherche.
Siehe auchISBN-Suchformular in der WikipediaVorlage:Falsche ISBN

Dieser Artikel oder Absatz stellt die Situation in Deutschland dar. Hilf mit, die Situation in anderen Staaten zu schildern.
Bürgerbeteiligung bezeichnet (in Deutschland) die Beteiligung („Partizipation“) der Bürger an einzelnen politischen Entscheidungen und Planungsprozessen (Bürgerkommune). Bürgerbeteiligung ist ein ständiges geschichtliches Streben im Versuch, höhere Formen zur Organisation von Kooperation zu erreichen.[1]
Der Begriff ist (in Deutschland) in der Theorie (noch) nicht scharf abgegrenzt und wird (auch in der Praxis) für eine Vielzahl unterschiedlicher Verfahren verwendet. Insbesondere wird (noch) oft diskutiert, ob direktdemokratische Entscheidungsverfahren wie der Bürgerentscheid in den Begriff Bürgerbeteiligung einbezogen werden müssen.[2] Im engeren Wortsinn sind üblicherweise mit dem Begriff Bürgerbeteiligung direktdemokratische Verfahren oft (noch) nicht mitgemeint, in einem weiteren Wortsinn hingegen gehören diese Verfahren zur Bedeutung des Begriffs dazu.[3][4] In einigen Quellen ist diese Zugehörigkeit unbestritten.Direkte Demokratie ist mit Bürgerbeteiligung zutiefst verbunden – sie setzt auf Partizipation und Kompetenz der Bürger
– Georg Kohler[5]
Direkte Demokratie und Bürgerbeteiligung: Zwei Seiten einer Medaille
– Fabian Reidinger[6]Vor Allem auf der kommunalen Ebene wird Bürgerbeteiligung im engeren Wortsinn vergleichsweise oft praktiziert. Seltener kommt sie im engeren Wortsinn auf der Ebene der Länder und des Bundes zur Anwendung. Auf europäischer Ebene gibt es seit einigen Jahren vielfache Bestrebungen, Bürgerbeteiligung zu formalisieren und fest in die politischen Verfahren zu integrieren, wie durch die vom Europäischen Parlament beschlossene „Bürger-Agora“.[7] Bürgerbeteiligung kann auf die Teilnahme der Gesamtheit der Bürgerschaft ausgerichtet sein oder auch nur auf bestimmte Gruppen, so etwa Jugendliche oder Einwohner eines Stadtviertels.Inhaltsverzeichnis
1 Spektrum der Bürgerbeteiligung
2 Bürgerbeteiligung – formell und informell2.1 Formell2.1.1 Direktdemokratische Beteiligungsverfahren
2.1.2 Bauleitplanung
2.2 Informelle Bürgerbeteiligung
3 Zielorientierung von Politik und Verwaltung
4 Entwicklung der Bürgerbeteiligung4.1 Deutschland
4.2 Österreich
4.3 Schweiz
4.4 Europa
4.5 International4.5.1 Referenden, Volksinitiativen
5 Methoden der Bürgerbeteiligung
6 Nutzen, Probleme und Auswege, weitere Entwicklung6.1 Kritik und weitere Entwicklung
6.2 Von Kontrolle, Protesten zu Beteiligung
6.3 Stellung der Kommunen, ihre Stärkung
7 Literatur
8 Weblinks
9 EinzelnachweiseSpektrum der Bürgerbeteiligung[Bearbeiten]
Ebenen der Bürgerbeteiligung[8]
➚ Zunehmender Grad der Beteiligung
&#160;
&#160; ermächtigen &#160;(engl. empower)
&#160;
&#160; kooperieren &#160;(engl. cooperate)
&#160;
&#160; einbeziehen &#160;(engl. involve)
&#160;
&#160; konsultieren &#160; Rat einholen
(engl. consult)
&#160;
&#160; informieren &#160;(engl. inform)
Ebenen der Bürgerbeteiligung mit zunehmendem Bürgereinfluss – vom Informieren zum Ermächtigen
Bürgerbeteiligung wird als „Spektrum“ dargestellt und in Verfahren mit wachsender Einflussnahme der Bürgerschaft gegliedert,[8] mit zunehmenden „Graden“/„Stufen“ der Beteiligung. Das Spektrum reicht von der Information bis zum Empowerment – vom Informieren zum Ermächtigen. Beim Empowerment gilt als Ziel, die letzte Entscheidung in die Hände der Bürgerschaft zu legen und es gibt das Versprechen, all genau das einzuführen, was die Bürger entschieden haben. Ausgewogene und objektive Informationen sind die Grundlage der Bürgerbeteiligung. Nachfolgend kann die Öffentlichkeit um Rat gebeten werden, ihre Einwände als Analyse, Alternative oder andere Entscheidungen vorzutragen. Strukturierte Bürgerbeteiligung bezieht alle Bestrebungen und Bedenken der Bürger ein und stellt sicher, dass im Beteiligungsverfahren alles verstanden und berücksichtigt wird. Bei einer weiterentwickelten Form der Bürgerbeteiligung handeln Politik/Verwaltung als Partner der Bürger, die zusammen als Bündnis an Alternativen arbeiten und eine bevorzugte gemeinsame Lösung finden. (vgl. Kooperation)
Empowerment als weitreichendste Form der Bürgerbeteiligung entspricht in dieser Einteilung der größten Einflussnahme, Mitbestimmung der Bürger –&#160;vgl. Demokratie (altgr. Δημοκρατία „Herrschaft des Volkes“, von δῆμος dēmos ‚Volk‘ und -kratie: κρατία kratía ‚Herrschaft‘):Demokratie – Staatsform, in welcher das „Volk“ (griech. demos), d.h. die Gesamtheit der vollberechtigten Bürger, nicht ein Einzelner oder eine kleine Gruppe Mächtiger, die Staatsgewalt innehat. In der Vormoderne war die Demokratie eine Ausnahmeerscheinung die Mitbestimmungsrechte waren … beschränkt … und galten als Privileg spezieller Gruppen. Erst die moderne Demokratie, die sich nach der Amerikanischen und Französischen Revolution durchzusetzen begann, gewährte die Politischen Rechte als [Bestandteil] der Menschenrechte, deren Garantie eine der Hauptaufgaben des demokratischen Staates wurde.
– Georg Kreis, Andreas Suter[9]Noch heutzutage wird ein „Ehernes Gesetz der Oligarchie“ bei parteipolitisch geprägter Demokratie und Bürgerbeteiligung beschrieben, eine „Repräsentations- und damit auch Partizipationslücke“ – „Es besteht die Gefahr, dass [die] Interessen [der Wähler, Nichtwähler und Partei[en]mitglieder] nicht mehr durch die gewählten Politiker repräsentiert werden. Eine Repräsentations- und damit auch Partizipationslücke zwischen Bevölkerung und Politik wird sichtbar“.[10]Zunehmender Grad der Beteiligung / Ebenen der Bürgerbeteiligung [8]
vom Informieren zum Ermächtigen (Empowerment)
Informieren
(engl. inform)
Konsultieren
(engl. consult)
Einbeziehen
(engl. involve)
Kooperieren
(engl. cooperate)
Ermächtigen
(engl. empower)
Ziele der Beteiligung
Ausgewogene und objektive Informationen, um die Öffentlichkeit zu unterstützen im Verständnis der Probleme, Alternativen, Möglichkeiten und/oder Lösungen.
Einholen von Feedback der Öffentlichkeit zu Analyse, Alternativen und/oder Entscheidungen.
Direkte Zusammenarbeit mit der Öffentlichkeit während des gesamten Prozesses, um sicherzustellen, dass die öffentlichen Anliegen und Erwartungen konsequent verstanden und berücksichtigt werden.
Partnerschaft mit der Öffentlichkeit in jedem Aspekt der Entscheidung/en, einschließlich der Entwicklung von Alternativen und Auswahl bevorzugter Lösung/en.
Endgültige Entscheide in den Händen der Öffentlichkeit.
Versprechen an die&#160;Gesellschaft
Wir halten Sie auf dem Laufenden.
Wir halten Sie auf dem Laufenden, hören Ihnen zu, anerkennen Ihre Anliegen und Erwartungen, und teilen Ihnen mit, wie Ihr Input die Entscheidung/en beeinflusst hat.
Wir arbeiten mit Ihnen, um sicherzustellen, dass Ihre Anliegen und Wünsche direkt in die entwickelten Alternativen einbezogen werden und geben Ihnen Rechenschaft darüber, wie Ihr Input die Entscheidung/en beeinflusst hat.
Wir suchen Ihren Rat und Kreativität bei Formulierung von Lösungen und integrieren Ihre Ratschläge und Empfehlungen in die Entscheidungen (so weit wie möglich).
Wir setzen das um, was Sie entschieden haben.
Bürgerbeteiligung – formell und informell[Bearbeiten]
&#160; Ziele der Bürgermitwirkung[11]
&#160;
formell
informell
100&#160;%
&#160; 4. Entscheiden
&#160; 4. Kooperation

&#160; 3. Einvernehmen/
&#160; &#160; &#160; Benehmen
&#160; 3. Mitgestaltung

&#160; 2. Anhören
&#160; 2. Konsultation
0&#160;%
&#160; 1. Informieren
&#160; 1. Informieren
Grad der Mitwirkung
Bei der Bürgerbeteiligung werden unterschiedliche Rechte mit abgestufter Intensität der Mitwirkung gewährt.
Hinsichtlich der Verbindlichkeit der Bürgerbeteiligung werden zwei Arten von Beteiligungsverfahren unterschieden: Einerseits die gesetzlich vorgeschriebenen oder formellen Beteiligungsverfahren (auch verfasste Beteiligung genannt) und andererseits die freiwillige Bürgerbeteiligung (informelle Beteiligung). Bei der formellen und informellen Bürgermitwirkung schlägt der Städtetag Baden-Württemberg zur Einteilung der Intensität von Bürgerbeteiligung eine vierstufige Gliederung vor und stellt den wachsenden Einfluss von Bürgern dar.[11] Bei formellen Beteiligungsverfahren in höchster Vollendung entscheidet die Bürgerschaft; informelle Verfahren streben Kooperation als bestmögliches Ziel an. Der Gesetzgeber kann Reglungen treffen, dass bestimmte Vorstufen nicht überschritten werden. (vgl. Finanzvorbehalt)[12] Dann wird die Bürgerschaft ggf. nur angehört (vgl. Anhörung) oder um Rat gebeten (Konsultation).
Bei der Initiative unterscheidet man zwischen einer Beteiligung im Top-down-Verfahren (der erste Schritt wird von der Exekutive oder der kommunalen Verwaltung unternommen) sowie einer Mitwirkung der Bürger bei einem Bottom-up-Verfahren (Bürger ergreifen von sich aus die Handlungsinitiative).[13] (vgl. bottom-up ‘pull’ rather than top-down ‘push’&#160;: Vorschläge „von unten“ werden befördert (‘pull’) anstatt „von oben“ Anweisungen des Magagements durchzudrücken (‘push’) aus neuen Sicherheitskonzepten der Erdgas- und Erdöl-Produzenten)[14][15] und (vgl. Community Organizing, deutsch&#160;Gemeinwesenorganisierung, umgangssprachlich: Das Organisieren der Bürger vor Ort).
Formell[Bearbeiten]
Direktdemokratische Beteiligungsverfahren[Bearbeiten]
→ Hauptartikel: Direkte Demokratie in Deutschland
Die Bürger einer Kommune haben das (verbriefte) Recht, auf direktdemokratische Weise Bürgeranträge (in einigen Ländern auch „Einwohneranträge“ genannt) zu stellen sowie mit Hilfe eines Bürgerbegehrens Bürgerentscheide herbeizuführen, durch die der Wille der Bürgermehrheit auch gegen den Stadt- bzw. Gemeinderat und die Verwaltung durchgesetzt werden kann. Hierbei handelt es sich um Instrumente einer Bottom-up-Politik.
Andreas Gross und Bruno Kaufmann beurteilen und vergleichen die Güte direktdemokratischer Verfahren in europäischen Staaten (2002) wie folgt:[16]Die Avantgardisten: Liechtenstein, Schweiz
Die Demokraten: Italien, Slowenien, Lettland, Irland, Dänemark, Litauen und die Slowakei
Die Vorsichtigen: Frankreich, Spanien, Österreich, Schweden, Norwegen und Ungarn
Die Ängstlichen: Polen, Großbritannien, Finnland, Estland, Belgien, Island, Luxemburg, Bundesrepublik Deutschland, Griechenland und Tschechien
Die Hoffnungslosen: Rumänien, Portugal, Bulgarien, MaltaBauleitplanung[Bearbeiten]
→ Hauptartikel: Bauleitplanung
Die Bauleitplanung ist ein durch Gesetze und andere Rechtsvorschriften geregeltes, von der Verwaltung initiiertes Top-down-Verfahren der formellen Bürgerbeteiligung, in welches Bottom-up-Elemente (unaufgefordert eingebrachte Bürgeranregungen) integriert werden können. Von den Beteiligten (Bürgern, Verbänden, anderen Behörden) werden Stellungnahmen, Einwände, Bedenken oder Anregungen formuliert und dem Vorhabenträger übermittelt. Dieser ist verpflichtet, im Rahmen der so genannten Abwägung auf alle vorgebrachten Stellungnahmen einzugehen. Er muss ihre Relevanz für das Verfahren prüfen und sie entsprechend berücksichtigen. (Siehe auch oben: „Konsultieren“, „Involvieren“)
Die Bürgerbeteiligung (Öffentlichkeitsbeteiligung) an der Bauleitplanung wird durch ein Bundesgesetz, und zwar §&#160;3 Baugesetzbuch (BauGB) geregelt. Dort ist eine zweistufige Bürgerbeteiligung vorgesehen. Sie wird unterteilt in eine frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung, bei der häufig öffentliche Veranstaltungen zur Bürgerinformation durchgeführt werden, und eine öffentliche Auslegung, die meist im Planungsamt stattfindet. Die frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung wird mit einem ersten Entwurf durchgeführt, häufig parallel zur Behördenbeteiligung. Die öffentliche Auslegung ist der letzte Schritt vor der Abwägung und dem Ratsbeschluss.
Durch die Beteiligung der Öffentlichkeit soll jedermann die Möglichkeit haben, seine Interessen und Rechtspositionen im Bauleitplanverfahren oder der in deren Planungsverfahren (wie Planfeststellung oder Raumordnung) zu wahren. Der Gesetzgeber geht hierbei davon aus, dass eine möglichst frühzeitige Bürgerbeteiligung die Akzeptanz und die Qualität der Bauleitplanung erhöht.
In der ersten Phase der Bürgerbeteiligung ist die Öffentlichkeit „möglichst frühzeitig über die allgemeinen Ziele und Zwecke der Planung, sich wesentlich unterscheidende Lösungen, die für die Neugestaltung oder Entwicklung eines Gebiets in Betracht kommen, und die voraussichtlichen Auswirkungen der Planung öffentlich zu unterrichten; ihr ist Gelegenheit zur Äußerung und Erörterung zu geben.“ Die planende Kommune entscheidet selbst, in welcher Form diese Beteiligung durchgeführt wird. Weit verbreitete Beteiligungsformen sind Bürgerversammlungen und Planaushänge an öffentlich zugänglichen Orten (Rathaus, Verwaltungsgebäude, Sparkassen). Zunehmend wird das Internet für die vereinfachte und beschleunigte Durchführung von Beteiligungsverfahren eingesetzt e-Partizipation. Hierzu stehen entsprechende private und öffentliche Dienstleistungsangebote zur Verfügung, z. B. Beteiligungsserver. Es ist nicht zulässig, die Öffentlichkeitsbeteiligung ausschließlich über das Internet durchzuführen (OLG Lüneburg). Auch Behörden und Träger öffentlicher Belange dürfen im Rahmen der frühzeitigen Beteiligung (§4(1) BauGB) lediglich ergänzend über das Internet informiert werden.
Durch die frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung und meistens parallel hierzu durchgeführte Beteiligung von Behörden und (auch privaten) Unternehmen der Daseinsvorsorge, die als Träger öffentlicher Belange gelten, gewinnt die Planung verbindlicheren Charakter und wird schließlich als Planentwurf bezeichnet, dem auch bereits eine rechtliche Verbindlichkeit zukommen kann. Hierzu ist jedoch die zweite Phase der Bürgerbeteiligung Voraussetzung.„Die Entwürfe der Bauleitpläne sind mit der Begründung und den nach Einschätzung der Gemeinde wesentlichen, bereits vorliegenden umweltbezogenen Stellungnahmen für die Dauer eines Monats öffentlich auszulegen. Ort und Dauer der Auslegung sowie Angaben dazu, welche Arten umweltbezogener Informationen verfügbar sind, sind mindestens eine Woche vorher ortsüblich bekannt zu machen; dabei ist darauf hinzuweisen, dass Stellungnahmen während der Auslegungsfrist abgegeben werden können und dass nicht fristgerecht abgegebene Stellungnahmen bei der Beschlussfassung über den Bauleitplan unberücksichtigt bleiben können.“Die Stellungnahmen bilden den Kern des Abwägungsmaterials, welches die Kommune in dem für das Bauleitplanverfahren zentralen Vorgang der Abwägung zu prüfen hat. Die (formell) fehlerhafte Durchführung dieses Vorgangs kann zur Nichtigkeit des Bauleitplanes führen. Die Öffentlichkeit wird über die Beteiligungsverfahren durch ortsübliche Bekanntmachungen informiert. Diese erfolgen häufig in kommunalen Amtsblättern oder durch Veröffentlichungen in lokalen Tageszeitungen. (Siehe auch „Informieren“ oben.)
Informelle Bürgerbeteiligung[Bearbeiten]
Bei der informellen (nicht gesetzlich vorgeschriebenen) Bürgerbeteiligung ist eine Vielzahl an Formen zu beobachten, die von der einfachen Bürgerversammlung über moderierte Veranstaltungen wie die Zukunftswerkstatt bis hin zu aufwändigen Beteiligungsverfahren wie Lokale Agenda 21 oder Lebensqualität durch Nähe reichen. Auch im Rahmen von Stadtmarketing kann es zu groß angelegter Bürgerbeteiligung kommen.
Während bei der formellen Bürgerbeteiligung die Kommunikation zwischen Beteiligtem und Behörde direkt stattfindet, legt die freiwillige Bürgerbeteiligung in aller Regel ein wesentlich größeres Gewicht auf diskursive Verfahren. Die Bürgerschaft soll miteinander über ein Thema „ins Gespräch“ kommen, Argumente und Ideen austauschen und so gemeinsam Lösungen entwickeln. In solchen Verfahren übernimmt die Verwaltung häufig eine beratende Funktion, in dem sie ihr Fachwissen zur Thematik neutral einbringt, ohne den Diskurs inhaltlich zu bestimmen. Diese diskursiven Ansätze haben den großen Vorteil, dass die Ideen und Gedanken der Beteiligten öffentlich sichtbar sind, während bei der formellen Bürgerbeteiligung der einzelne Bürger mit der – für den einzelnen oftmals übermächtig erscheinenden – Verwaltung „alleine gelassen“ wird. Ausschlaggebend für den Erfolg der freiwilligen Bürgerbeteiligung ist die Herstellung von Relevanz. So sollte das Thema des Verfahrens etwas sein, dass für die Zielgruppe von Interesse ist. Zugleich müssen die Beteiligten wissen, dass die von ihnen erarbeiteten Ergebnisse in die tatsächlich getroffenen Entscheidungen von Politik und Verwaltung einfließen. Werden diese Voraussetzungen nicht erfüllt, sind viele Menschen nicht bereit, Zeit in die Beteiligung an dem Verfahren zu investieren. Die freiwillige Bürgerbeteiligung richtet sich in der kommunalen Praxis auf alle denkbaren kommunalpolitischen Themen. Dies reicht von der Beteiligung an den wichtigsten kommunalen Plänen wie Haushaltsplan oder Flächennutzungsplan über Bereichspläne bis hin zu einzelnen Bauprojekten oder Aktivitäten zur Kriminalprävention oder zum Umweltschutz.
Das Bürgerpanel beruht auf einer repräsentativen Stichprobe der Wahlberechtigten, die zu lokalpolitischen Fragen schriftlich oder per Internet befragt werden. Aber auch Bürger, die nicht zur Stichprobe gehören, können einen Fragebogen ausfüllen, der dann auch ausgewertet wird.[17] Ziel ist effektiver Dialog zwischen Bürgern und Politik.
Zielorientierung von Politik und Verwaltung[Bearbeiten]
Typologie von Basiszielen des öffentlichen Handelns[18]1. Legitimation
2. Leistung
a) institutionell /
organisatorisch
1.a &#160;"Rechtlichkeit"
2.a &#160;"Effizienz"
Konsistenz
Regeltreue
juristische Richtigkeit
Gleichbehandlung
Sparsamkeit
Wirtschaftlichkeit
Fachexpertise
Speditivität[19]
b) individuell /
&#160; &#160; plebiszitär
1.b &#160;"Demokratie"
2.b &#160;"Flexibilität"
Partizipation
öffentliche Diskussion
Volksmeinung
Stimmmehrheiten
„Bürgernähe“
Informalität
Interaktiver Vollzugsstil
Persönliche Behandlung
Bürgernähe und Partizipation zu gestalten unterliegt vielfältigen rechtlichen Vorgaben und gesellschaftlichen Einflüssen. So hat die Politik die Pflicht, die aktive Teilnahme der Bürger am politischen Leben zu fördern und für eine ständige lebendige Verbindung zwischen dem Volk und den Staatsorganen zu sorgen.[20]
Die Zielorientierung der öffentlichen Verwaltungen wird in vier Bereiche gegliedert. Das administrative Handeln wird durch Gesetze und den wachsenden Anspruch der Bürger auf Recht bestimmt. Die Verwaltung unterliegt dem Innovationsdruck durch das Neue Steuerungsmodell, einer Organisationslehre zur Steigerung der Effizienz. Die Akzeptanz von Entscheidungen wird durch zunehmende Erwartungen geprägt, die Bürgerschaft zu beteiligen (Verwaltungsfelder der Rechtlichkeit und Demokratie). Bei den Einwohnern soll die Verwaltung individuell und flexibel handeln sowie bürgernah sein.[18]
„Die Legitimität ist „diskursiv“ geworden. Sie kommt häufig nur im Wege der wechselseitigen Überzeugung und des Aushandelns zustande“, stellt der Deutsche Städtetag fest. In den Thesen zur Weiterentwicklung lokaler Demokratie wird erklärt, dass bewährte Formen der repräsentativen Demokratie vor Ort und direktdemokratische Formen der Bürgerbeteiligung wichtige Elemente einer lebendigen lokalen Demokratie seien und in eine ergänzende Beziehung zueinander gebracht werden müssen.[21]
Die Enquete-Kommission „Bürgerbeteiligung“ legte dem Landtag Rheinland-Pfalz einen Schlussbericht ihrer dreijährigen Beratungen vor.[22] In der Diskussion über Bürgerbeteiligung werden Prinzipien des Empowerments (dtsch: Bemächtigung) als kollektiver Prozess der Selbstbemächtigung angestimmt.[23] Bei der Suche zum Verständnis von Wahlverdrossenheit und Bürgerbeteiligung streben Annäherungen zum psychologischen Begriff der Selbstwirksamkeitserwartung von Bürgern.[24] (vgl. Demokratie)
Entwicklung der Bürgerbeteiligung[Bearbeiten]
Im deutschsprachigen Raum wurden erste verbindliche Projekte der Bürgerbeteiligung zu Beginn des Jahrtausends als Handbücher und Leitlinien vorgelegt. Sie sind recht jung und werden kommunal oder regional erprobt. Sie harren zumeist auf Bewährung im Einzelfall (Stand 2013). Die Direkte Demokratie in der Schweiz geht einen eigenen Weg; das österreichische Bundesland Vorarlberg beschloss eine Landesrichtlinie.
Deutschland[Bearbeiten]
Im April 2013 empfahl der Deutsche Städtetag den Kommunen, sich mit der lokalen Beteiligungs- und Planungskultur systematisch zu befassen und einen Lagebericht zu erstellen. Als mögliche Konsequenz wird die Weiterentwickelung von Leitlinien und kommunalen Satzungen angeraten;[25] nachfolgend werden Thesen zur Weiterentwicklung lokaler Demokratie vorgelegt.[21] In einer vorläufigen Liste nennt das Netzwerk Bürgerbeteiligung der Stiftung Mitarbeit einige Dutzend deutsche Städte mit geplanten oder verbindlichen kommunalen Regeln zur Bürgerbeteiligung (Stand Herbst 2015).[26]
Der konkreten Umsetzung von Bürgerbeteiligung nähern sich ein Handbuch vom einstigen Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung,[27] bei Großprojekten[28] das «Gesetz für Verbesserung der Öffentlichkeitsbeteiligung und Vereinheitlichung von Planfeststellungsverfahren» (PlVereinhG)[29] von Mai 2013 sowie erste kommunale Ratsbeschlüsse über Leitlinien zur Bürgerbeteiligung u.a. von Bonn,[30] Darmstadt,[31] Gießen,[32] Görlitz,[33] Heidelberg,[34] Heilbronn,[35] Karlsruhe,[36] Kiel,[37] Landau in der Pfalz,[38] Leipzig,[39] Nürtingen,[40] Pforzheim,[41] Soest,[42] Überlingen,[43] der Gemeinde Weyarn[44] und Wolfsburg.[45]
Wegen nationaler Vorgaben sind bestimmte Themen von der Bürgerbeteiligung ausgeschlossen, so die Finanzen, der Haushalt und die Gehälter. Der Finanzvorbehalt[12] verwehrt den Bürgern die Abstimmungen, obwohl „fast alles, was man in der Politik macht und entscheidet, finanziell relevant ist.“[46][47]
In tiefenpsychologisch geführten Interviews einer Bremer Studie äußern Politik, Verwaltung und Bürgerschaft ganz unterschiedliche Vorstellungen und Erwartungen über Bürgerbeteiligung. Es gibt drei Wertemuster. Führungspersonal aus Politik und Verwaltung betrachtet Bürger als eigennützig und nicht ausreichend kompetent, Interessen des Allgemeinwohls zu vertreten. Bürger sollen zwar angehört werden, aber nicht mitentscheiden. Für Bürgerbeteiligung – aber in geregelten Verfahren – sprechen sich andere Teile von Politik und Verwaltung aus. Die dritte überwiegend bürgerliche Gruppe hat das Gefühl ausgegrenzt zu sein. Politik über ihre Köpfe hinweg wird abgelehnt; sie wollen mitmachen und mitreden, Teil der Politik sein.[24][48]
Österreich[Bearbeiten]
Neben lokal engagierten Projekten gibt es Partizipation und nachhaltige Entwicklung Europa als eine Initiative des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft,[49] Bürgerbeteiligung in Österreich zu entwickeln.
Leitlinien der Bürgerbeteiligung liegen u.a. vor von der Landeshauptstadt Graz.[50] Die Vorarlberger Landesregierung legte das Handbuch Bürgerbeteiligung für Land und Gemeinden vor,[51] die Stadt Wien das Praxisbuch zur Bürgerbeteiligung.[52]
Das im Westen von Österreich gelegene Bundesland Vorarlberg verankerte Elemente der partizipativen Demokratie in der Landesverfassung im Jahr 2013. In einem ersten Schritt werden „Bürgerräte“ in einem einfachen, kostengünstigen und rasch umsetzbaren Verfahren (vgl. Kurzform einer Planungszelle) Vorschläge zu bestimmten Fragestellungen erarbeiten. Diese werden nachfolgend in einem „Bürgercafe“ und einer „Resonanzgruppe“ von Politik, Verwaltung, Fachinstitutionen und der BürgerInnenschaft hinsichtlich möglicher Konsequenzen beraten.[53] Einzelheiten regelt eine Landesrichtlinie.[54]
Schweiz[Bearbeiten]
Strukturierte Formen der Bürgerbeteiligung, als Dialog- und Beteiligungsforen – darunter auch nach deutschem oder niederländischem Vorbild[55] – wie z.B. das PubliForum,[56] die Regionale Partizipation zur Standortsuche für radioaktive Abfälle,[57] Nextzürich[58] oder Dialog Chur West[59] werden in der Schweiz eher selten angewandt, da die Beteiligung dort rechtlich verbindliche Formen aufweist – als ausgebaute politische Rechte der (sogenannten) direkten Demokratie.
So werden durch die schweizerische Bundesverfassung Volksentscheide auf Bundesebene garantiert, genauso wie durch kantonale Verfassungen auf Ebene der Kantone und Gemeinden. Zusammen mit dem Vernehmlassungsverfahren, bei dem jeder in den Gesetzgebungsprozessen, wie u.a. auch in der frühen Projektplanung, seine Einwände und v.a. konstruktive Beiträge einbringen kann, führt das zu Transparenz, Streben nach Einvernehmen und Interessenausgleich – sogenannte Konkordanz.[60]
Dadurch werden die unterschiedlichsten Interessen, u.a. etwa bei Infrastrukturmaßnahmen (siehe u.v.a./z.B. NEAT[61][62]), eingebracht, aufeinander abgestimmt und laufend weiterentwickelt. Dabei werden Einschränkungen, Ausgrenzungen von Abstimmungsthemen, wie Finanzvorbehalt – im Gegensatz zu Deutschland – in der Schweiz so gut wie nie angewandt.[46]
Europa[Bearbeiten]
Öffentlichkeitsbeteiligung bei Umweltangelegenheiten wurde erstmals im völkerrechtlichen Vertrag der Aarhus-Konvention beschlossen und dann von der europäischen Richtlinie 2003/35/EG sowie in den nationalen Gesetzgebungen umgesetzt. Darin werden jeder Person Rechte im Umweltschutz zugeschrieben. Als Beteiligung entstand so in Deutschland, als Umsetzung der EU-Richtlinie, das Recht auf Information, die Gelegenheit zur Äußerung[63] und der erweitertete Zugang zu Gerichten. Einzelheiten regeln das Öffentlichkeitsbeteiligungsgesetz, das Umweltinformationsgesetz, die Umweltverträglichkeitsprüfung u.a.[64]
Verhaltenskodex für die Bürgerbeteiligung im Entscheidungsprozess
Matrix zur Bürgerbeteiligung im politischen Prozess[65]
Beteiligungsebenen
und Einfluss der Bürgerschaft
Kreislauf der sechs Phasen
eines politischen Prozesses
Partnerschaft&#160;
Agenda‑Setting

Ausarbeitung
&#160;
&#160;

&#160;

&#160;
&#160;Neuformulierung&#160;

&#160;Entscheidung&#160;
&#160;

&#160;

&#160;
&#160;
Überwachung

Umsetzung
&#160;Dialog
Beratung
Information
(ausführliche Darstellung der Matrix zum Verhaltenskodex:&#160;&#160;&#160;
vgl. Nichtregierungsorganisation: Verhaltenskodex für die Bürgerbeteiligung)&#160;&#160;&#160;
Seit dem Europarechtsanpassungsgesetz Bau von 2004 wird die Bürgerbeteiligung im deutschen Planungsrecht wegen der europäischen Richtlinie 2003/35/EG als „Öffentlichkeitsbeteiligung“ (englisch public participation) bezeichnet. In der kommunalen Praxis hat sich dieser Begriff nicht durchgesetzt; hier wird weiterhin von Bürgerbeteiligung gesprochen.
Die Konferenz der internationalen Nichtregierungsorganisationen (INGOs) vom Europarat verabschiedete 2009 einen Verhaltenskodex für die Bürgerbeteiligung im Entscheidungsprozess.[65] Darin wird die Beteiligung der Bürgerschaft auf verschiedenen Ebenen im Kreislauf eines politischen Prozesses beschrieben.
Im Vertrag von Lissabon (2007/09) wurde die Europäische Bürgerinitiative (EBI) beschlossen, ein demokratisches Instrument der politischen Teilhabe in der Europäischen Union. Die Europäische Kommission erläutert das Verfahren auf ihrem Web: ec.europa.eu/citizens-initiative.[66] Im April 2012 eingeführt, entspricht sie aber eher noch einer Petition als schon einer Volksinitiative – so blieb die erste erfolgreich organisierte europäische Bürgerinitiative Right2Water (deutsch: Wasser ist ein Menschenrecht!) praktisch ohne Konsequenzen, wie die Europäische Kommission entschied.[67]International[Bearbeiten]
Gemäss Andreas Gross und Bruno Kaufmann ist in einer wachsenden Zahl von Nationen der Nutzen von Bürgerbeteiligung anerkannt und als Bürgerrecht gesetzlich verankert. Sie berichten weiter, dass weltweit etwa die Hälfte aller Staaten Volksentscheide zulässt und dass sich, im Vergleich zum vorhergehenden Jahrzehnt, in der letzten Dekade des vergangenen Jahrhunderts die Zahl der nationalen Volksabstimmungen nahezu verdoppelt hat – die meisten davon in Europa (248 von 405, allein 115 in der Schweiz).[16]
Referenden, Volksinitiativen[Bearbeiten]
Siehe auch: Volksinitiative (Schweiz), Volksinitiative (Deutschland) und Volksbegehren (Österreich)
Nationale Referenden und Volksinitiativen sind Bestandteile der Direkten Demokratie und werden – in ziemlich unterschiedlichen Auffassungen – weltweit durchgeführt. In Großbritannien, Österreich, Kanada und Südafrika ist das sehr selten. Bis zu fünfzehn dieser Beteiligungsverfahren gab es in Brasilien, Frankreich, Polen und Schweden, so eine Untersuchung in ausgewählten Ländern seit 1949.[68] Deutlich häufiger fanden sie in Dänemark, Irland, Australien und Italien statt (bis zu 72). Regelmäßig werden sie in Neuseeland (113) und der Schweiz (584) angewandt. Bürger in Deutschland (auf Bundesebene, im Gegensatz zu den Bundesländern), Indien, Japan und den USA wurden von diesen direkt-demokratischen Verfahren bisher vom Gesetzgeber ausgeschlossen (Stand März 2013). (vgl. Liste von Referenden in den Ländern Europas)
Methoden der Bürgerbeteiligung[Bearbeiten]
Zur Umsetzung von Bürgerbeteiligung bei politischen Entscheidungs- und Planungsprozessen wurden in der vergangenen Jahrzehnten eine große Bandbreite von Methoden und Instrumente („Formate“) entwickelt, wobei fortlaufend neue hinzutreten. Oftmals kommen auch Methoden die für Konferenzen oder Workshops entwickelt wurden erfolgreich in der Bürgerbeteiligung zum Einsatz – wie etwa die Themenzentrierte Interaktion (TZI).[69] Jedes Format hat dabei seine individuellen Vor- und Nachteile, so dass nicht jedes Verfahren automatisch für jede Zielsetzung oder Zielgruppe geeignet ist. Weiterhin spielt das politisch-rechtliche und sozio-kulturelle Umfeld eine wichtige Rolle. So können Formate die bspw. in einem Land regelmäßig und erfolgreich angewandt werden in einem anderen Umfeld scheitern. Seit Ende der 1990er Jahre spielt, als heute selbstverständliches Arbeitsinstrument, die Nutzung des Internets eine zunehmend bedeutende Rolle in der Bürgerbeteiligung. Zunehmend wird auch die rechtliche Verbindlichkeit diskutiert – von unverbindlich (heute z.B. in Deutschland die Regel), über "politische" Verbindlichkeit, die auf einem (einmaligen) Versprechen beruht, bis zu rechtlich garantierter Verbindlichkeit.
Nachfolgend eine Liste von Methoden der Bürgerbeteiligung:
unverbindlich (u.a. auch „informell“), ohne rechtliche Verankerung, darunter auch "politisch verbindlich", Entscheide bleiben der Exekutive, Legislative vorbehalten
verbindlich („formell“, de iure), mit politischen Rechten garantiert – siehe auch Ermächtigung (Empowerment) oben
Anhörung, öffentliche Gesetzeskonsultation
Bürgerenergiegenossenschaft
Bürgerforen, Bürgerversammlung, Einwohnerfragestunde,
Bürgerhaushalt
Bürgerpanel (vgl. Paneldaten und repräsentative Bürgerbefragung)
Charrette-Verfahren
Folkehøring, Zukunftswerkstatt, Zukunftskonferenz
Ideenwettbewerb
Einsatz von Liquid Democracy-Tools (LiquidFriesland)
Mediation
öffentliche Auslegung von Plänen
Open Space, OpenSpace-Online
Petition
Planning for Real
Planungszelle
World-Café
Referendum, Volksentscheid, Volksinitiative – in Deutschland auch unterteilt in Bürger-/Volksentscheid, Bürger-/Volksinitiative (auch „Begehren“, Bürger-/Volksbegehren)
Bemerkung: es gibt (immer noch) auch Bürger-/Volksentscheide, die (noch) nicht mit entsprechenden politischen Rechten garantiert sind
Nutzen, Probleme und Auswege, weitere Entwicklung[Bearbeiten]
Kritik und weitere Entwicklung[Bearbeiten]
Vor allem die (in der Regel) mangelnde, eher noch nicht vorhandene Ermächtigung (empowerment) mancher Verfahren führt zu ihrer Kritik:Sie heißen Schlichtung, Mediation, Runde Tische, Bürgerdialog, Konsensforum, Dialogtag und so fort. Einerlei, welch freundliche Begriffe gewählt werden, das ihnen gemeinsame Merkmal ist, dass Bürgerlnnen- und Protestbewegungen in Entscheidungsprozesse von umstrittenen Bauvorhaben und politischen Plänen mithineingezogen werden – ohne etwas mitentscheiden zu können.
– Michael Wilk[70]Kritisiert werden im weiteren (noch) nicht, oder ungenügend, vorhandene Transparenz, Einbezug „aller“ (Verfahren, die nur einer kleinen Gruppe offen sind), Verbindlichkeit (Ermächtigung, empowerment, siehe auch[70]), Zuverlässigkeit, Beständigkeit (einmalige Verfahren, in der Regel „von oben“ eingesetzt) der Verfahren und Prozesse, Beteiligung/Partizipation/Teilhabe auch an Entwicklung der Verfahren und Prozesse („Beteiligung an Beteiligung“). Diskutiert und vorgeschlagen werden Maßnahmen, die zu mehr Beteiligung („Mehr Beteiligung“) führen sollen und praktische Wege und Schritte dazu.[71]
Von Kontrolle, Protesten zu Beteiligung[Bearbeiten]
Der Politikwissenschaftler Rainer Jogschies wies 1984 im Hinblick auf die Bauleitplanung in seiner Fallstudie Bürgerbeteiligung an der Stadtplanung darauf hin, dass entgegen einer weitverbreiteten Annahme die formalisierte Partizipation nicht dem politischen Willen zu erweiterter Partizipation zuzuschreiben sei, sondern im seinerzeitigen Gesetzgebungsverfahren zum Städtebauförderungsgesetz eingeführt worden sei, um als „Einschränkung des möglichen Machtmissbrauchs“ der Planer zu fungieren.[72] Der Rechtsrahmen sei also nicht unbedingt demokratieförderlich, da er vorrangig der „individualen Schutzfunktion“ und damit dem Rechtsstaatsprinzip diene.[73] Diese einige Jahrzehnte zurückliegende Einschätzung weicht zunehmend einem Willen zum Austausch mit dem Volk. Die Zusammenarbeit mit einer interessierten Bürgerschaft wird sowohl durch einen Einblick in die Bedürfnisse und Meinungen unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen als auch das Wissen der Menschen vor Ort genutzt. Durch Kommunikation werden widerstreitende Interessen ausgeglichen und Stolpersteine bei der Planung von Vorhaben erkannt.[74]
Das Phänomen des sog. „Wutbürgers“ (z.B. Stuttgart 21) weist darauf hin, dass in Teilen der deutschen Gesellschaft die Konfliktbereitschaft und damit das Bedürfnis und die Fähigkeit, eigene Interessen „gegen die ‚Obrigkeit‘ durchzusetzen“, stark zugenommen haben. Geschichtlich neuere Partizipationsmodelle wie – unter vielen anderen (siehe „Methoden der Bürgerbeteiligung“) – die von Peter Dienel in den 70ern entwickelte, durch citizens' committees / juries inspirierte, Planungszelle, versuch(t)en dem entgegenzuwirken, die – u.U., wie bei z.B. den Planungszellen, ein paar (wenige) ausgewählten (siehe auch „Kritik und weitere Entwicklung“ oben) – Menschen zu konsultieren, einbeziehen („consult“, „involve“). Dies scheint heute nicht mehr zu genügen (siehe auch „Kritik und weitere Entwicklung“ oben):Elemente der direkten Demokratie scheinen die Durchführung von Grossprojekten (z.B. NEAT) entgegen üblicherweise geäusserten Befürchtungen (z.B. Stuttgart 21) eher zu erleichtern als zu erschweren. Dabei ist es freilich nicht die Volksabstimmung an sich, die dies bewirkt, sondern der Zwang für die Regierenden, ihre Projekte der Bevölkerung verständlich zu machen und um Unterstützung zu werben, sowie die sich daraus ergebende öffentliche Diskussion mit den Gegnern des Projekts, in der sich die jeweiligen Argumente bewähren müssen.
Dieser Zwang ist dort, wo Referenden möglich sind, gegeben, während man sich im rein parlamentarischen System dieser Aufgabe entziehen kann.
– Gebhard Kirchgässner[62]Stellung der Kommunen, ihre Stärkung[Bearbeiten]
Einige der Einzelprojekte zur Bürgerbeteiligung in Deutschland fokussier(t)en die Kommune als „Schule der Demokratie“. Dies ist – gemäß Wolfgang und Mathias König – problematisch; denn bei dieser Metapher wird die staatsrechtliche Stellung der kommunalen repräsentativen Demokratie „verdreht“ (vgl. Subsidiarität). Diese historischen „Wurzeln“ der Demokratie in Deutschland liegen nämlich – im Gegensatz zum amerikanischen „Community-Gedanken“ – nachweislich nicht in der Kommune. Von seiner staatsrechtlich-historischen Tradition ist der hoheitliche Charakter der kommunalen Gebietsverwaltung vielmehr ein Beleg der Untertanengesellschaft und nicht die Idee einer demokratischen Bürgergesellschaft. So ist Bürgerbeteiligung in der Kommune von einem „doppelten Doppelcharakter“[75] geprägt: Erstens schwankt „Bürgerbeteiligung“ zwischen einem rein helfenden Beteiligungsverständnis (klassisches Ehrenamt) und einem „ernsten“ partizipatorischen Anspruch. Zweitens stellt sich besonders bei der partizipatorischen Bürgerbeteiligungsvariante die Frage, inwieweit Kommunen überhaupt Beteiligungsverfahren selbst verankern können, weil die Rahmengesetzgebung dem Landesgesetzgeber unterliegt.[46]
Hier setzen weitere Bestrebungen an, die Kommunen zu stärken, um ihnen mehr Aufgaben und Kompetenzen zu übertragen, einschließlich finanzieller Belange. In einer – u.a. auch von Karl-Martin Hentschel – vorgeschlagenen Dezentralisierung der Entscheidungskompetenzen und der Finanzmittel in Deutschland (Stand 2014). So sollen auch bei den Verhandlungen über die Föderalismusreform im Rahmen der Neugestaltung des Länderfinanzausgleichs die demokratischen Repräsentanten der Kommunen und der Länderparlamente in einer gleichberechtigten Partnerschaft beteiligt werden[76][77] („Beteiligung an Prozessen der Beteiligung“[71]).
Literatur[Bearbeiten]Jörg Sommer (Hg.): "Kursbuch Bürgerbeteiligung", Berlin, 2015 Seite zum Buch mit Auflistung aller Autoren und Beiträge
Christian Weiß: Planen und Beteiligen. Welche Vorteile Unternehmen und Kommunen durch eine frühzeitige Beteiligung der Bürger haben. In: Der Betriebswirt Nr. 3/2014 Download des Artikels
Michael Wilk, Bernd Sahler (Hrsg.): Strategische Einbindung, Von Mediationen, Schlichtungen, Runden Tischen … und wie die Protestbewegungen manipuliert werden, in: Beiträge wieder die Beteiligung, Verlag Edition AV, Lich/Hessen 2014
Nils Jonas, Kay-Uwe Kärsten: Auf dem Weg zu einer&#160;»strukturierten Bürgerbeteiligung«&#160;– Potsdam wagt Schritt für Schritt ein Modellprojekt, netzwerk-buergerbeteiligung.de, 10. April 2014, auch als PDF
Grüne Bundestagsfraktion: Öffentlichkeit beteiligen. Planungsrechtliche Beteiligungsmöglichkeiten heute und in der Perspektive. Berlin 2013. Download PDF
Christian Büttner: Wenn Bürgerbegehren und Bürgerbeteiligung aufeinander treffen: Der Konflikt um den Giersberg in Kirchzarten, netzwerk-buergerbeteiligung.de, 4. Juli 2013, auch als PDF
Andreas Meinicke: Politische Legitimation durch Online-Bürgerbeteiligung? Blog "Kommune 2.0" (andreasmeinicke.wordpress.com), 2012, Download PDFWeblinks[Bearbeiten]buergerbeteiligung.uni-wuppertal.de – Forschungsstelle Bürgerbeteiligung des Institut für Demokratie- und Partizipationsforschung|Instituts für Demokratie- und Partizipationsforschung (IDPF) an der Bergischen Universität Wuppertal
buergergesellschaft.de – Modelle und Methoden der Bürger(innen)beteiligung von A bis Z (mit Beispielen)
mehr-demokratie.de – Arbeitskreis Bürgerbeteiligung von Mehr Demokratie
mitarbeit.de – Stiftung Mitarbeitwegweiser-buergergesellschaft.de – Wegweiser Bürgergesellschaft – umfassende Seite mit vielen praktischen Tipps, ein Projekt der Stiftung Mitarbeit
netzwerk-buergerbeteiligung.de – Netzwerk Bürgerbeteiligung
partizipation.at – Öffentlichkeitsbeteiligung – Themen, Methoden, Praxisbeispiele
politische-bildung.de – Bürgerbeteiligung – Direkte Demokratie auf dem Informationsportal zur politischen Bildung der Bundeszentrale und der Landeszentralen für politische Bildung
stadtteilarbeit.de – portal: bürgerbeteiligung – Grundgedanken, Methoden, Literatur &amp; LinksEinzelnachweise[Bearbeiten]↑ &#160;Martin A. Nowak: Five rules for the evolution of cooperation. In: Science. 314, Nr.&#160;5805, 2006-12-08, S.&#160;1560–1563, doi:10.1126/science.1133755, PMC 3279745 (freier Volltext).
↑ Forschungsstelle Bürgerbeteiligung und direkte Demokratie: forschungsstelle-direkte-demokratie.info, Philipps-Universität Marburg (in neueren Ansätzen ist man aber schon auch dort weiter)
↑ Sarah Händel: „Bürgerbeteiligung als Motor kommunaler Entwicklung“ – Hat die direkte Demokratie ihren Platz? Bericht zur Tagung der Stiftung Mitarbeit in Loccum, September 2012, mehr-demokratie.de, 30. September 2012
↑ Claudine Nierth: Können sich partizipative und direkte Demokratie sinnvoll ergänzen?, buergergesellschaft.de, 28. September 2012, als PDF
↑ … Was man die schweizerische politische Kultur … nennt, ist mit der Bürgerbeteiligung … zutiefst verbunden. Die direkte Demokratie setzt … auf die Partizipation und die Kompetenz der Bürger. [Sie] kann nur funktionieren, wenn die Bürger über die entsprechenden Fähigkeiten des …Politisierens verfügen. … Der Gemeinsinn ist eine Ressource, die man bei den meisten Menschen findet – da sind sich die Soziologen einig. Die politische Kultur der Schweiz, deren Institutionen in der Bürgerbereitschaft [dem „Milizsystem“] verankert sind, ist ein Sonderfall. Viele Vorteile der Schweiz hängen mit diesem System zusammen. … Nehmen Sie eine Bewegung wie Pegida in Dresden oder die Bürgerproteste im Zusammenhang mit dem Umbau des Bahnhofs in Stuttgart: Unser auf Partizipation und Politisierung der Staatsbürger setzendes System hätte solches Unbehagen viel früher aufkommen lassen, das Bürgerinteresse wäre früher einbezogen worden. Es ist kein Zufall, dass eine breite Pegida-Bewegung bei uns nicht vorkommt. … Aber: Unser System ist unter Druck geraten. Die hochmoderne Zivilisation, in der wir heute leben, stellt all jene Dinge infrage, die die Schweiz ausmachen. Das „Milizprinzip“ gehört dazu. Eine Reform kann gelingen oder nicht. Ich hoffe es, bin aber skeptisch. … Wichtig ist die Diskussion darüber: Was hält uns als Gesellschaft zusammen? Was bedeutet uns die direkte Demokratie? Georg Kohler in: Die direkte Demokratie muss mehr sein als ein Ventil, DerBund.ch/Newsnet, 14. Januar 2015
↑ Fabian Reidinger: Direkte Demokratie und Bürgerbeteiligung: Zwei Seiten einer Medaille, netzwerk-buergerbeteiligung.de, 4. Juli 2013, auch als PDF
↑ Ausführung des Haushaltsplans des Europäischen Parlaments für 2007. Antrag auf Mittelübertragung C16 – Haushaltsjahr 2007. In: Generaldirektion Interne Politikbereiche an den Haushaltsausschuss. Europäisches Parlament, 24.&#160;September 2007, S. 4 – 7, abgerufen am 12.&#160;Mai 2014 (PDF 212 kB, Dokument CM\686272DE.doc): „Zitat: Überblick über das Agora-Projekt. Ziel des Agora-Projekts ist die Begründung einer neuen Allianz zwischen dem Projekt Europa und den EU-Bürgern durch Einführung eines strukturierten Dialogs zwischen der europäischen Zivilgesellschaft (vertreten durch berufsständische Organisationen, Verbände oder Gewerkschaften) und dem Parlament.“&#160;
↑ a b c (International Association for Public Participation 2006: 35) zitiert nach Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatMariska Wouters, Ned Hardie-Boys, Carla Wilson: Evaluating public input in National Park Management Plan reviews. Facilitators and barriers to meaningful participation in statutory processes. In: Science for conservation 308. Publishing Team, Department of Conservation, Wellington, New Zealand, Mai 2011, S. 17, abgerufen am 17.&#160;Juni 2014 (PDF 415 kB, englisch, ISBN 978-0-478-14872-5).&#160; – Diese Publikation wurde in drei Teilen veröffentlicht: 1, 2 und 3.
↑ Georg Kreis, Andreas Suter: Demokratie im Historischen Lexikon der Schweiz
↑ Christiane Bender, Elmar Wiesendahl: "Ehernes Gesetz der Oligarchie": Ist Demokratie möglich? In: Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ), Jahrgang 61, 44-45/2011. Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), 31.&#160;Oktober 2011, S. 19 – 24, abgerufen am 16.&#160;Februar 2015 (PDF, 1,5 MB).&#160;
↑ a b AG Bürgermitwirkung: Hinweise und Empfehlungen zur Bürgermitwirkung in der Kommunalpolitik. In: Städtetag Baden-Württemberg. vhw – Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung e. V., 25.&#160;Juni 2012, S. 62, abgerufen am 4.&#160;Juli 2014 (PDF 3,64 MB).&#160;
↑ a b Christian Waldhoff: Der Finanzvorbehalt. In: Perspektiven und Grenzen „Direkter Demokratie“. Ralf Thomas Baus, Tobias Montag, 19.&#160;Dezember 2012, S. 71 – 78, abgerufen am 7.&#160;Juli 2014 (PDF 123 kB).&#160;
↑ Thomas Prorok, Karoline Mitterer, Nikola Hochholdinger, Anita Haindl: Struktur, Steuerung und Finanzierung von kommunalen Aufgaben in Stadtregionen. Österreichischer Städtetag 2013 – Endbericht. KDZ – Zentrum für Verwaltungsforschung, 13.&#160;Mai 2013, abgerufen am 15.&#160;Dezember 2015 (PDF, 2,03 MB, Seite 76).&#160;
↑ &#160;Patrick Hudson: Implementing a safety culture in a major multi-national. In: Safety Science. 45, Nr.&#160;6, Juli 2007, S.&#160;697–722, doi:10.1016/j.ssci.2007.04.005. (PDF 832 kB, online lesen) HSE Kulturleiter (engl. HSE Culture ladder, „Hudson Ladder“
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↑ Gesetz zur Verbesserung der Öffentlichkeitsbeteiligung und Vereinheitlichung von Planfeststellungsverfahren (PlVereinhG). Basisinformationen über den Vorgang. In: Dokumentations- und Informationssystem. Deutscher Bundestag, 7.&#160;Juni 2013, abgerufen am 9.&#160;Juli 2014 (Der Link zum Gesetzestext im Bundesgesetzblatt wird unter Verkündung angegeben. Das PlVereinhG trat am 7. Juni 2013 in Kraft. Es gibt laufende Änderungen des PlVereinhG Vorlage:§§/Wartung/buzer.).&#160;
↑ Arbeitsgruppe Leitlinien Bürgerbeteiligung Bonn: Leitlinien Bürgerbeteiligung Bonn. In: Ratsbeschluss. Bundesstadt Bonn, 27.&#160;März 2014, abgerufen am 16.&#160;April 2014.&#160;
↑ Arbeitskreis Bürgerbeteiligung zur Erarbeitung von Leitlinien zur Bürgerbeteiligung für die Wissenschaftsstadt Darmstadt: Leitlinien zur Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger in der Wissenschaftsstadt Darmstadt. Damit alle mitmachen können. Wissenschaftsstadt Darmstadt, 2015, abgerufen am Oktober 2015 (Die Stadtverordnetenversammlung hat die Leitlinien zur Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger an städtischen Planungen und Vorhaben am 19.&#160;März 2015 beschlossen.).&#160;
↑ Die Stadtverordnetenversammlung hat Bürgerbeteiligungssatzung beschlossen. Universitätsstadt Gießen, abgerufen am 20.&#160;Oktober 2015 (Die Stadtverordnetenversammlung der Universitätsstadt Gießen hat am Donnerstag, den 19. März 2015, die Leitlinien für eine strukturierte Bürgerbeteiligung und eine entsprechende Satzung beschlossen.).&#160;
↑ Bürgerschaftliche Beteiligung. Beschluss und Ergänzende Informationen. Stadt Görlitz, 25.&#160;Juni 2015, abgerufen am 22.&#160;Oktober 2015 (Am 25. Juni 2015 wurde vom Stadtrat die Satzung „Bürgerschaftliche Beteiligung in der Stadt Görlitz“ verabschiedet. (PDF, 50 kB)).&#160;
↑ Bürgerbeteiligung. Gemeinsam die Stadt weiterentwickeln. Stadt Heidelberg, abgerufen am 8.&#160;Dezember 2013.&#160;
↑ Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatLeitlinien für eine mitgestaltende Bürgerbeteiligung in Heilbronn. Stadt Heilbronn, Januar 2014, abgerufen am 4.&#160;Juli 2014 (Die Leitlinien beschloss der Gemeinderat im Januar 2014 einstimmig.).&#160;
↑ Bürgerbeteiligung. Konzept zur systematischen Bürgerbeteiligung. Stadt Karlsruhe, 24.&#160;April 2012, abgerufen am 20.&#160;Oktober 2015 (Der Gemeinderat Karlruhe hat am 24. April 2012 ein Konzept zur systematischen Bürgerbeteiligung beschlossen. (PDF, 254 kB)).&#160;
↑ Beteiligung der Öffentlichkeit. Landeshauptstadt Kiel, 22.&#160;August 2013, abgerufen am 22.&#160;Oktober 2015 (Die Ratsversammlung der Landeshauptstadt Kiel hat am 22. August 2013 das sogenannte Eckpunktepapier zur BürgerInnen-Kommune beschlossen.).&#160;
↑ Landauer Weg der Bürgerbeteiligung. Leitlinie für Bürgerbeteiligung in Landau in der Pfalz. Landau in der Pfalz, 21.&#160;Mai 2015, abgerufen am 22.&#160;Oktober 2015 (Am 23. Juni 2015 hat der Landauer Stadtrat einstimmig die&#160;»Leitlinie für Bürgerbeteiligung in Landau in der Pfalz«&#160;beschlossen. (PDF, 350 kB)).&#160;
↑ Leitlinien zur Bürgerbeteiligung. Stadt Leipzig, 18.&#160;Juli 2012, abgerufen am 9.&#160;Dezember 2013.&#160;
↑ Bürgerbeteiligüng in Nürtingen. Version 6-Endfassung; Stand 31.07.13. In: AG Bürgerbeteiligung. Stadt Nürtingen, 13.&#160;Juli 2014, abgerufen am 23.&#160;Juli 2014 (PDF 1&#160;MB, Die Endfassung dieses Konzeptes wurde am 23. Juli 2013 vom Gemeinderat verabschiedet. – Beteiligungsplattform der Stadt Nürtingen).&#160;
↑ Leitfaden Bürgerbeteiligung Pforzheim. Informelle Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung in Pforzheim. Stadt Pforzheim, Stadtplanung + Kommunikation, 26.&#160;Februar 2014, abgerufen am 4.&#160;Juli 2014 (Der Leitfaden zur Bürgerbeteiligung in Pforzheim wurde am 1.&#160;April 2014 (einstimmig) vom Gemeinderat beschlossen.).&#160;
↑ Bürgerbeteiligung. -&#160;Bringen Sie sich in die politischen Entscheidungsprozesse ein. Stadt Soest, abgerufen am 24.&#160;Oktober 2015 (Der Rat der Stadt hat am 17.&#160;Juni 2015 die »Leitlinien für Bürgerbeteiligung bei der Stadtverwaltung Soest« verabschiedet. (PDF, 136&#160;kB)).&#160;
↑ Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatSpielregeln für Bürgerbeteiligung in Überlingen. Acht Schritte zur Bürgerbeteiligung. Überlingen am Bodensee, 27.05.2015, abgerufen am 23.&#160;Oktober 2015 (In seiner Sitzung am 13. Mai 2015 der Gemeinderat einstimmig acht konkrete Schritte zur Bürgerbeteiligung beschlossen. (PDF, 118 kB)).&#160;
↑ Satzung zur Weiterführung der Bürgerbeteiligung (Bürgerbeteiligungssatzung). Gemeinderat Weyarn, 4.&#160;Juli 2013, abgerufen am 7.&#160;Juli 2014 (PDF 46 kB, Weyarner Weg der Bürgerbeteiligung).&#160;
↑ Stadt Wolfsburg: Konzept BürgermitWirkung Wolfsburg. In: Ratsbeschluss. Bundesstadt Wolfsburg, 1.&#160;Oktober 2014, abgerufen am 10.&#160;Juni 2015.&#160;
↑ a b c Uwe Serdült: Protokoll. In: 21. Sitzung der Enquete-Kommission 16/2 „Bürgerbeteiligung“ – Öffentliche Sitzung. Landtag Rheinland-Pfalz, 6.&#160;Dezember 2013, S. 5, abgerufen am 23.&#160;Februar 2014 (PDF, 512 kB).&#160;
↑ Uwe Serdült: Enquete-Kommission 16/2 „Bürgerbeteiligung“, Anhörung am 6. Dezember 2013. In: Vorlage 16/2-253 (schriftliche Stellungnahme). Landtag Rheinland-Pfalz, 6.&#160;Dezember 2013, S. 4, abgerufen am 25.&#160;Februar 2014 (PDF, 214 kB).&#160; Aus Vorlagen der Enquete-Kommission 16/2, Phase 3: Beteiligungsverfahren
↑ Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-Format»Verständigung darüber, was Bürgerbeteiligung bedeutet«. Drei Fragen an Marie Hoppe (Interview). In: mitarbeiten (3/2015) – Informationen der Stiftung Mitarbeit. Stiftung Mitarbeit, Oktober 2015, S. 2, abgerufen am 17.&#160;Oktober 2015.&#160; (Video des Interviews)
↑ Partizipation und nachhaltige Entwicklung Europa. Initiative des Lebensministeriums. Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft, abgerufen am 9.&#160;Dezember 2013.&#160;
↑ Erarbeitung von Leitlinien für die BürgerInnenbeteiligung. Beschluss des Grazer Gemeinderats. Landeshauptstadt Graz, 15.&#160;Mai 2014, abgerufen am 4.&#160;Juli 2014 (Die Erprobungsphase der Leitlinien (PDF 638 kB) beginnt im Herbst 2014 und dauert ein Jahr.).&#160;
↑ Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatBüro für Zukunftsfragen, Kerstin Arbter und Akteure: Handbuch Bürgerbeteiligung für Land und Gemeinden. In: Büro für Zukunftsfragen. Amt der Vorarlberger Landesregierung, September 2012, abgerufen am 14.&#160;April 2014 (PDF, 7,6 MB).&#160; aus vorarlberg.at&#160;» Büro für Zukunftsfragen&#160;» Bürgerschaftliches Engagement und Bürgerbeteiligung&#160;» Bürgerbeteiligung
↑ Praxisbuch Partizipation. Gemeinsam die Stadt entwickeln. In: Werkstattbericht Nr. 127. Magistrat der Stadt Wien, Magistratsabteilung 18 – Stadtentwicklung und Stadtplanung, 2012, abgerufen am 8.&#160;Dezember 2013 (PDF, 14,47 MB, ISBN 978-3-902576-64-4).&#160;
↑ Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatManfred Hellrigl: Tätigkeitsbericht des Bundesrates. In: Parlamentsdirektion des Bundesrats. Republik Österreich, Juni 2013, S. 12 – 14, abgerufen am 27.&#160;Juli 2014 (PDF 4 MB): „Das Land bekennt sich zur direkten Demokratie in Form von Volksbegehren, Volksabstimmungen und Volksbefragungen und fördert auch andere Formen der partizipativen Demokratie. (Art. 1 (4), LGBl. Nr. 7 / 11. April 2013)“&#160;
↑ Richtlinie der Vorarlberger Landesregierung zur Einberufung und Durchführung von Bürgerräten. In: Autor (Werk) N. N. www.vorarlberg.at, 31.&#160;Januar 2013, abgerufen am 27.&#160;Juli 2014 (PDF 107 kB).&#160;
↑ u.a. über den Lehrstuhl Kees Christiaanse an der ETH Zürich – christiaanse.arch.ethz.ch
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↑ Markus Nollert: Nextzürich – eine neue partizipative Form in der Stadtentwicklung, NSL Newsletter
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↑ Peter Füglistaler: 20 Jahre NEAT-Abstimmung, BAV-News, Nr.3, September 2012
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↑ Adrian Reinert: Jahrbuch 2005. Stiftung MITARBEIT, Bonn, 2005, abgerufen am 17.&#160;April 2014 (PDF, 7,24 MB): „Die Themenzentrierte Interaktion (TZI) zählt heute zu den meistverbreiteten Gruppenarbeitsverfahren. Im Mittelpunkt der Methode steht das Handeln im Spannungsfeld von Individuum, Gruppe, Aufgabe und Umfeld.“&#160;
↑ a b Michael Wilk im Vorwort zu: Michael Wilk, Bernd Sahler (Hrsg.): Strategische Einbindung – Von Mediationen, Schlichtungen, runden Tischen … und wie Protestbewegungen manipuliert werden – Beiträge wider die Beteiligung, zitiert auf scharf-links.de
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↑ Wolfgang König, Mathias König: Bürgerbeteiligung in der Kommune verbindlich verankern. Der&#160;»doppelte Doppelcharakter«&#160;von Bürgerbeteiligung in der Kommune und seine Konsequenzen. In: eNewsletter 01/2014. Netzwerk Bürgerbeteiligung, 10.&#160;April 2014, abgerufen am 23.&#160;Juni 2014 (PDF, 456 kB).&#160;
↑ Mehr Demokratie: Arbeitskreis Föderalismus/Dezentrale Demokratie – mehr-demokratie.de/ak_foederalismus.html, initiiert von Karl-Martin Hentschel
↑ Karl-Martin Hentschel: Die Kommunen zuerst! –&#160;"Mehr Demokratie" hat einen Arbeitskreis für dezentrale Demokratie gegründet. Er soll eine Strategie erarbeiten, um die Kommunen ins Zentrum der Demokratie zu rücken. Warum ist das so wichtig?, mdmagazin 04/14, S.&#160;8 (PDF, auf mehr-demokratie.de)<!–NewPP limit report
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