Das Architekturrendering oder auch Architekturillustration ist im heutigen Planungs- und Marketingprozess von Architektur, Standorten und Immobilienmarketing nicht wegzudenken und beinhaltet die detailgetreue 3D Visualisierung über eine softwarebasierte fotorealistische Simulation von Geometrie, Materialeigenschaften und Belichtungen innerhalb einer Szene. In der Praxis können mit dem Architekturrendering Innen-, Außen-Ansichten von Gebäuden, Vogelperspektiven auf Objekte, Animationen und auch 360°-Panoramen, erzeugt werden, die realitätstreu ein Projekt illustrieren, wo Grundrisse und Ansichten zu abstrakt und unverständlich wirken.Inhaltsverzeichnis
1 Darstellungsformen1.1 Animation
1.2 Virtuelle Rundgänge
2 Werkzeuge
3 Einsatzbereiche
4 Aufwand
5 Siehe auch
6 Branchenvereinigungen
7 WeblinksDarstellungsformen[Bearbeiten]
Wie auch die professionelle Architekturfotografie fängt die fotorealistische Visualisierung durch das Zusammenspiel von Licht und Schatten die Atmosphäre des Gebäudes ein und erfolgt nach physikalisch korrekten Parametern, maßstabsgetreuen Modellen und detailgenauer Übernahme von Plandaten. Das Architektur-Rendering bietet heute neben der detailgetreuen Abbildung von Gebäuden die technische Grundlage Animation und 360°-Panoramen. Die Darstellungsart kann von abstrakt, stilisiert bis hin zu fotorealistisch reichen.
Animation[Bearbeiten]
Komplexe Infrastrukturprojekte oder schwierig zu kommunizierende Verkehrs- oder Projektabläufe lassen sich mit Hilfe von Architekturanimationen gezielt und einfach verständlich erörtern. Die filmische Umsetzung als Architekturanimation spielt auch eine bedeutende Rolle bei der exklusiven Präsentation von Architekturprojekten. Hier finden die Kurzfilme eine breite Verwendung, die die Vorzüge eines Projektes gezielt vermitteln – Emotionen, Raumgefühl und Licht werden erlebbar gemacht.
Virtuelle Rundgänge[Bearbeiten]
Realitätsnahe 360°-Panoramen werden vor allem für die Online-Vermarktung und für Multimedia-Exposés genutzt, da sie eine interaktive Begehung vor Fertigstellung ermöglichen. Die virtuelle Musterwohnung bietet einen Internet basierten 360°-VR Wohnungsrundgang an. Über Hotspots miteinander verknüpft, entstehen aus den Panorama Ansichten eine virtuelle Onlinebegehung. Um ein Panoramabild zu erstellen, werden unterschiedliche Perspektiven oder Ansichten eines Raums in Hochauflösung gerendert, die anschließend über die 3D-Grafiksoftware miteinander verknüpft werden. Zwar existieren auch eine Reihe von Online-Applikationen, die jedoch einer Bearbeitung über ein professionelles Bildsynthese-Programm qualitativ nicht entsprechen können.
Werkzeuge[Bearbeiten]
Ausgangsbasis für maßstabgerechte Visualisierungen sind CAD-Daten, Grundrisspläne und/ oder Schnitte von Fassaden, die über spezielle 3D-Grafiksoftware wie zum Beispiel mit dem Programm Revit modelliert und anschließend durch einen spezialisierten Architekturillustrator bearbeitet werden. Auf der Grundlage von Skizzen, Plänen oder bereits vorhandenen 3D Modellen entstehen qualitativ hochwertige 3D Visualisierungen. Dies können Innen- oder Außenperspektiven sein, Fotomontagen oder Animationen, Tag- oder Nachtperspektiven. Der Berechnung des Lichtes und der Lichtquellen und Materialeigenschaften, die sich auf Objekte und deren Materialeigenschaften unmittelbar auswirken, und die Berechnung der Lichtverteilung innerhalb einer Szene, die sich durch die indirekte Beleuchtung zwischen Körpern äußert, fällt ein besonderer Stellenwert zu. Software-Produkte des Branchenführers Autodesk, die über integrierte Material- und Objektdatenbanken und u.a. gängige Belichtungsmethoden, wie Ray Tracing und Radiosity verfügen, ermöglichen dabei eine detailgetreue und realistische Integration von vorhandenen Materialstudien, Fotos oder auch Licht- und Sonnenstand.
Einsatzbereiche[Bearbeiten]
Wo Grundrisse und Ansichten zu abstrakt und unverständlich wirken, schaffen 3D Visualisierungen ein realitätsnahes Bild. Die Einsatzbereiche des Renderings bei den Architektur-Visualisierungen erstrecken sich auf verschiedene Projekttypen und Anwendungen. Der Einsatz von Visualisierungen findet u.a als Simulations-Instrument von geplanten Hoch- und Tiefbauten und bietet in der Qualitätssicherung aufwandgünstige Methoden, Problemstellungen frühzeitig zu erkennen und Maßstäbe und Wirkungen eines geplanten Projektes zu erfassen. Es dient nicht zuletzt involvierten Planern, Fachstellen und Behörden zur Kommunikation und Kontrolle. Im Weiteren ermöglichen die Visualisierungen die Orientierung der Öffentlichkeit über öffentliche Bauprojekte. Im Verkauf oder der Vermietung bzw. Sanierung oder Umnutzung einer Liegenschaft oder für Architektur-Wettbewerbe werden auf diese Darstellungsformen zurückgegriffen. Die Einsatz Bereiche des Architektur-Renderings liegen in den folgenden Gebieten:Wohnungsbau
Büro-/Gewerbebau
Öffentlicher Bau
Wettbewerbe
Straßenbau
Bahnbau
Flugzeugbau
Tragwerke/BrückenBei der 3D-Visualisierung werden aus den vorhandenen 3D-Daten für eine jeweils einzustellende Blickrichtung und Beleuchtung optisch korrekte Bilder erzeugt (siehe Bildsynthese). Solche Bilder oder eine komplette Abfolge (also ein Video) werden in allen Kommunikationskanälen eingesetzt – im Exposé, in der Internet-Präsenz, in Pressemitteilungen, in der Außenwerbung wie etwa auf dem Bauschild Verwendung seine Verwendung findet. Auch für Bauanträge oder im Dialog mit Bauämtern haben Architekturvisualisierungen durch die detailgetreue und maßstabsgerechte Umsetzung ins 3D einen hohen Nutzen.
Aufwand[Bearbeiten]
Da jedes Projekt ist einzigartig, was Umfang, Anzahl und Art der zu erstellenden 3D Visualisierungen, Komplexität der Architektur und Qualität des bereitgestellten Materials angeht reicht der Zeitaufwand von nur wenigen Tagen bis hin zu mehreren Wochen. Bei mittelgroßen Bauprojekten, benötigt die Modellierung erfahrungsgemäß bis zu 3 Tagen, während das eigentliche Rendering, inklusive der Rendering Zeit, zur Umrechnung der Materialdaten in Hochauflösung je nach Größe eines Bildes bis zu drei Tage. Im Bereich der Innenvisualisierungen, liegen die Zeiten oft deutlich niedriger, wobei man im Schnitt von 3 Tagen ausgehen kann.
Siehe auch[Bearbeiten]Portal:Architektur und Bauwesen, Architektur
Entwerfen, Planung
Architekturdarstellung
Architekturillustrator
ArchitekturanimationBranchenvereinigungen[Bearbeiten]The American Society of Architectural Illustrators (ASAI)
New York Society of Renderers
The Society of Architectural Illustration (SAI)Weblinks[Bearbeiten]Diskussionsforum für Architekturdarstellung bei tektorum.de — Diskussionen zu Plangrafik, CAAD, 3D Visualisierung, Bildbearbeitung, Handzeichnung und Modellbau
Preisträger des Hugh Ferriss Memorial Prize, der American Society of Architectural Illustrators
Showcase professioneller Architekturrenderings
Beispiele von interaktiven 3D Panoramen<!–NewPP limit report
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Das Architekturforum Aedes in Berlin ist Deutschlands erste private Architekturgalerie, die international in der Kommunikation von Architekturkultur, Stadtgestalt und themenverwandter Inhalte tätig ist.Inhaltsverzeichnis
1 Zielsetzung
2 Geschichte
3 Ausstellungen
4 Weblinks
5 EinzelnachweiseZielsetzung[Bearbeiten]
Aedes – was sowohl lästig (griech.) wie auch Haus oder Tempel (lat.) bedeuten kann – sieht seine Aufgabe darin, Baukultur und Architektur in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses zu rücken sowie architektonische Visionen, nachhaltige urbane Konzepte, Stadtplanung und Landschaftsarchitektur darzustellen und zu vermitteln. In mehr als 350 Ausstellungen und begleitenden Katalogen hat der Verlag Aedes namhafte Architekten und heutige Pritzker-Preisträger wie Zaha Hadid, Thom Mayne, Daniel Libeskind, Frank Gehry oder Rem Koolhaas und ihre Arbeiten vorgestellt, lange bevor sie Weltruhm erlangten. Neben 10-16 Ausstellungen pro Jahr unterstützen begleitende Symposien, Vortragsreihen und Diskussionsabende den Dialog nach außen – sowohl mit dem Fachpublikum als auch mit interessierten Laien.
Geschichte[Bearbeiten]
Gegründet wurde Aedes 1980 in der Grolmanstrasse in Berlin von Kristin Feireiss und Helga Retzer, damalige Leiterin des Berliner Künstlerprogramms des DAAD und Freundin des englischen Künstlers Eduardo Paolozzi. "In memoriam Kongresshalle Berlin" war der Titel der Eröffnungsausstellung in Charlottenburg, die dem Vorbild der 1975 gegründete „Spaced Gallery“ der New Yorker Architektin und Autorin Judith Newman York folgt.
Am 3. Juni 1989 zog die damalige Galerie Aedes in die Stadtbahnbögen am Savignyplatz.
Die zweite viel beachtete Ausstellung im Rahmen Berlins als Kulturstadt Europas 1988 war "Berlin – Denkmal oder Denkmodell", die kurz vor dem Fall der Mauer die Risiken und Chancen einer geteilten Stadt thematisierte. Beteiligt an dieser "offenen Gestaltungskonzeption" der ehemaligen Hauptstadt, die als Wanderausstellung im Rahmen Berlins als Kulturstadt Europas in Kiew, Wien und Paris gezeigt wurde, waren bedeutende deutsche und ausländische Künstler und Architekten wie Daniel Libeskind, Gottfried Böhm, Coop Himmelb(l)au, Rob Krier, Zaha Hadid, Otto Steidle, Franco Stella, Peter Cook, Gustav Peichl, Axel Schultes, Claus Bury und Lebbeus Woods.
Ab 1995 hatte Aedes eine zweite Dependance im Osten, die Kristin Feireiss gemeinsam mit Hans-Jürgen Commerell 1995 unter dem Namen Aedes East in den Hackeschen Höfen in Berlin-Mitte eröffnete, ab 1996 unter Mitwirkung der Kulturwissenschaftlerin Ulla Giesler.
Die Arbeit des Architekturforums wurde mehrfach mit Preisen und Ehrungen ausgezeichnet. 2001 wurde Kristin Feireiss für ihr Engagement bei der Vermittlung von Architektur und die Verstärkung bilateraler Beziehungen mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt.
Seit Juni 2006 befindet sich das Architekturforum Aedes am Pfefferberg im Prenzlauer Berg.
Ausstellungen[Bearbeiten]
Das Architekturforum hat bis heute mehr als 350 Ausstellungen gezeigt. Darunter auch:ArchiAid: Rethinking-Reconstruction zum Wiederaufbau nach dem Tsunami 2011.[1]Weblinks[Bearbeiten]Homepage des ArchitekturforumsEinzelnachweise[Bearbeiten]↑ Das Beste ist Helfen an Ort und Stelle in FAZ vom 3. Dezember 2013, Seite 32<!–NewPP limit report
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Die Architekturpsychologie versucht die Wirkung der gebauten Umwelt (Innenräume, Gebäude, Freiräume, Plätze etc.) auf den Menschen, sein Befinden und Verhalten zu erforschen und darüber hinaus Rückschlüsse für die Planung und Gestaltung von Umwelten zu formulieren.Inhaltsverzeichnis
1 Hauptthemen und fachliche Abgrenzung
2 Praxisrelevanz
3 Interdisziplinarität
4 Geschichte
5 Literatur (Auswahl)
6 Weblinks
7 EinzelnachweiseHauptthemen und fachliche Abgrenzung[Bearbeiten]
Die Architekturpsychologie beschäftigt sich zum einen mit den Wechselwirkungen zwischen dem Menschen und seiner gebauten Umwelt. Sie wird deshalb häufig auch als ein Teilgebiet der Umweltpsychologie (auch: ökologische Psychologie) betrachtet. Jedoch legt die Architekturpsychologie den Schwerpunkt auf die Wirkung von Gebäuden, von Innen- und Außenräumen auf den Menschen in kognitiver, emotionaler und sozialer Hinsicht.
Die Kriterien der Architekturpsychologie überlagern sich über weite Strecken mit jenen der Wohnpsychologie. Während letztere das Hauptaugenmerk auf den menschengerechten Lebensraum und die menschlichen Wohnbedürfnisse legt, erfasst erstere auch weitere Themenfelder, wie beispielsweise: Bürogebäude und Arbeitsräume, Kindergärten und Schulen, Kranken- und Heilanstalten, Museen und Ausstellungsräume, Geschäftsräume und vieles andere mehr.
Praxisrelevanz[Bearbeiten]
Gleichwie ihre Schwesterdisziplin Wohnpsychologie kennzeichnet sich auch die Architekturpsychologie durch eine starke praktische Orientierung und liefert wertvolle wissenschaftliche Grundlagen für Architektur bzw. Innenarchitektur: beginnend bei der Gestaltung von Innenräumen samt Möblierung und Farbgebung, der Konzeption von Gebäuden samt Fassaden und Außenbereichen bis hin zur Planung von städtischen Räumen, Plätzen etc.
Interdisziplinarität[Bearbeiten]
Ein weiteres wesentliches Merkmal bildet der hohe Grad an Interdisziplinarität – nicht nur innerhalb der psychologischen Fächer (z.B. Sozialpsychologie, Entwicklungspsychologie, Wahrnehmungspsychologie, Farbpsychologie, Kognitionspsychologie etc.), sondern auch darüber hinaus mit technischen, planenden Fachgebieten (Architektur, Innenraumgestaltung, Städtebau etc.). Architekturpsychologie bildet deshalb ein wichtiges Bindeglied zwischen der Wissenschaft vom Menschen (Psychologie, Physiologie etc.) und den technischen Wissenschaften.
Geschichte[Bearbeiten]
Ähnlich der Umweltpsychologie weist die Architekturpsychologie eine relativ junge Geschichte auf und entwickelte sich erst nach und nach in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Als ein Pionier auf diesem Gebiet kann neben anderen zumindest für den deutschsprachigen Raum Eduard Geisler genannt werden, der sich in seiner Publikation "Psychologie für Architekten"[1] darum bemüht, psychologische Themen für Planer/innen aufzubereiten. Aus der jüngeren Vergangenheit sind es vor allem Antje Flade mit "Architektur – psychologisch betrachtet"[2] und Peter G. Richter et al. mit "Architekturpsychologie"[3], die diesem Fach grundlegende Impulse geben. Als eine der wichtigsten gegenwärtigen Spezialistinnen ist Rotraut Walden zu nennen, die sich in ihren Forschungsarbeiten und Publikationen mit besonderen architekturpsychologischen Aufgaben wie Schulen, Bürogebäuden[4] oder Kindertagesstätten[5] auseinandersetzt. Besonderes Augenmerk auf die Umwelten von Kindern legt wiederum Andrea Petmecky in "Architektur von Entwicklungsumwelten"[6]. Während Paul Klaus-Dieter Bär in seiner "Architektur-Psychologie"[7] verstärkt die praktische Anwendung bei Beratung und Planung ins Zentrum rückt.
Literatur (Auswahl)[Bearbeiten]Paul Klaus-Dieter Bär Architektur-Psychologie. Psychosoziale Aspekte des Wohnens Psychosozial-Verlag, Giessen 2008, ISBN 9783898067560
Antje Flade Architektur – psychologisch betrachtet Verlag Hans Huber, Bern 2008, ISBN 9783456846125
Eduard Geisler Psychologie für Architekten Deutsche Verlags-Anstalt, Darmstadt 1978
Jürgen Hellbrück, Manfred Fischer Umweltpsychologie Hogrefe Verlag für Psychologie, Göttingen, Bern, 1999, ISBN 3801706214
Lenelies Kruse / Carl F. Graumann / Ernst D. Lantermann (Hg.) Ökologische Psychologie Psychologie Verlags Union, Weinheim 1996, ISBN 3801706214
E.D. Lantermann und V. Linneweber (Hg.) Umweltpsychologie Band 1: Grundlagen, Paradigmen und Methoden der Umweltpsychologie. Hogrefe Verlag für Psychologie, Göttingen Bern Toronto Seattle 2008, ISBN 9783801705954
E.D. Lantermann, V. Linneweber und E. Kals (Hg.), Umweltpsychologie Band 2: Spezifische Umwelten und umweltbezogenes Handeln. Hogrefe Verlag für Psychologie, Göttingen Bern Toronto Seattle 2010, ISBN 9783801705961
Andrea Petmecky, Architektur von Entwicklungsumwelten: Umweltaneignung und Wahrnehmung im Kindergarten Tectum Verlag, Marburg 2008, ISBN 9783828896369
Peter G. Richter (Hg.) Architekturpsychologie Pabst Science Publishers, Lengenrich Berlin 2004, ISBN 3899671198
Rotraut Walden, Simone Kosica (Hg.) Architekturpsychologie für Kindertagesstätten Pabst Science Publishers, Lengerich 2011, ISBN 9783899676433
Rotraut Walden Architekturpsychologie: Schule, Hochschule und Bürogebäude der Zukunft Pabst Science Publishers, Lengerich 2008, ISBN 9783899674262
David V. Canter (Hrsg.) Architekturpsychologie – Theorie, Laboruntersuchungen, Feldarbeit – 9 Forschungsberichte Bertelsmann, 1973Weblinks[Bearbeiten]Riklef Rambow, Artikel: Zur Rolle der Psychologie für Architektur und Stadtplanung – didaktische und konzeptionelle Überlegungen
Peter G. Richter, Architekturpsychologie an der TU Dresden
Rainer Maderthaner, Architekturpsychologie an Universität Wien/TU Wien
Rotraut Walden, u.a. Architekturpsychologin an der Universität Koblenz, Institut für Psychologie
IWAP Institut für Wohn- und Architekturpsychologie, Information zu ArchitekturpsychologieEinzelnachweise[Bearbeiten]↑ Eduard Geisler, Psychologie für Architekten, Deutsche Verlags-Anstalt, Darmstadt 1978
↑ Antje Flade, Architektur – psychologisch betrachtet, Verlag Hans Huber, Bern 2008
↑ Peter G. Richter (Hg.) Architekturpsychologie, Pabst Science Publishers, Lengenrich Berlin 2004
↑ Rotraud Walden, Architekturpsychologie: Schule, Hochschule und Bürogebäude der Zukunft, Pabst Science Publishers, Lengerich 2008
↑ Rotraud Walden, Simone Kosica (Hg.) Architekturpsychologie für Kindertagesstätten, Pabst Science Publishers, Lengerich 2011
↑ Andrea Petmecky, Architektur von Entwicklungsumwelten: Umweltaneignung und Wahrnehmung im Kindergarten, Tectum Verlag, Marburg 2008
↑ Paul Klaus-Dieter Bär, Architektur-Psychologie, Psychosoziale Aspekte des Wohnens, Psychosozial-Verlag, Giessen 2008<!–NewPP limit report
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Ein Architekturillustrator, auch 3D Artist genannt, bezeichnet einen Künstler/in, die realitätsgetreue Abbildungen (Architekturrendering) von Architektur-Projekten entwickeln. Die erstellten Visualisierungen oder auch Architekturanimationen werden heute im Planungs-, Entwicklungs- und Marketing-Prozess verwendet, um Ideen vor dem eigentlichen Abschluss vorzustellen und zu simulieren oder diese an Kunden, Eigentümern, Ausschüssen oder der allgemeinen Öffentlichkeit zu kommunizieren. Architektonische Modelle werden dabei häufig bei Präsentationen, Fundraising-Veranstaltungen, Verkaufsgesprächen und Besprechungen über Genehmigungen verwendet.Inhaltsverzeichnis
1 Inhalte
2 Software
3 Siehe auch
4 Branchenvereinigungen
5 WeblinksInhalte[Bearbeiten]
Architektur Illustratoren werden oft von Marketingagenturen bestellt, um weniger komplexe Konzepte oder Gegenstände in die Realität umsetzen. Der Illustrator modelliert dabei ein Bauwerk in allen relevanten Details in eine visuelle 3D-Darstellungen, die sich im Raum drehen oder animieren lässt. Projekte von größerer Komplexität erfordern meist ein Team, bestehend aus mehreren Illustratoren die die Arbeitsschritte von der Modellierung, Rendering bis hin zur Postproduktion aufteilen, sowie Projektmanagern die diese organisieren und eine genaue Kommunikation der Inhalte zum Auftraggeber gewährleisten.
Software[Bearbeiten]
Es werden spezielle Softwarelösungen verwendet werden, um endgültige Versionen eines architektonischen Bauwerks zu erhalten. Darunter zählen hauptsächlich die Programme des Branchenführers Autodesk aber auch Grafikprogramme von Adobe, mit denen Details und Effekte von Visualisierungen im Rahmen einer Postproduktion optimiert werden. Die breite Nutzung erfolgt über die Programme im Bereich der Visualisierungen und wären z.&#160;B. AutoCAD und Revit (Modellierung), 3ds Max (Rendering) und Adobe Photoshop (stilistische Nachbearbeitung und Integration von Elementen, wie Menschen, Hintergründe von Landschaften).
Siehe auch[Bearbeiten]Portal:Architektur und Bauwesen, Architektur
Entwerfen, Planung
Architekturdarstellung
ArchitekturanimationBranchenvereinigungen[Bearbeiten]The American Society of Architectural Illustrators (ASAI)
New York Society of Renderers
The Society of Architectural Illustration (SAI)Weblinks[Bearbeiten]asai.org – Preisträger des Hugh Ferriss Memorial Prize, der American Society of Architectural Illustrators
Showcase kommerzieller Architekturrenderings
Beispiel eines 3D Panoramas<!–NewPP limit report
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Tempietto di Bramante, Rom, 1502
Die Architektur der Renaissance ist die Architektur des Zeitraums zwischen dem frühen 15. und späten 16. Jahrhundert in verschiedenen Regionen Europas, die bewusst ein Wiederbeleben und Weiterentwickeln bestimmter Elemente der Römischen Antike anstrebte. Die klassische griechische Architektur ging der römischen Architektur voraus, wurde aber von den Architekturtheoretikern der Renaissance ignoriert. Stilistisch folgte die Architektur der Renaissance auf die gotische Architektur und wurde abgelöst von der Barock-Architektur. Zuerst in Florenz mit Filippo Brunelleschi als ihrem bedeutendsten Schöpfer entwickelt, breitete sich der Renaissance-Stil schnell auf andere italienische Städte aus. Der Stil gelang zu unterschiedlichen Zeiten und mit unterschiedlicher Wirkung in das europäische Ausland wie Frankreich, Deutschland, England oder Russland.
Der Renaissancestil betont die Symmetrie, die Proportion, die Geometrie und die Anordnung der Bauteile, wie sie in der Architektur des Alten Roms in vielen erhaltenen Bauwerken zu sehen war. Die nach festgelegten Regeln erfolgte Anordnung der Säulen, Pilaster und Lisenen, der Bau von Bögen, Kuppeln, Nischen, auch als Wandnische (Ädikula), ersetzten die komplexen Proportionssysteme und unregelmäßigen Profile gotischer Bauteile und Bauwerke.Inhaltsverzeichnis
1 Geschichte
2 Die Hauptphasen
3 Die Hauptmerkmale der Renaissance-Architektur
4 Die Einflüsse der Entwicklung der Renaissance-Architektur in Italien
5 Entwicklung der Renaissance-Architektur in Italien – Frührenaissance5.1 Brunelleschi
5.2 Michelozzo
5.3 Alberti
6 Die Ausbreitung der Renaissance in Italien
7 Die Hochrenaissance7.1 Bramante
7.2 Sangallo
7.3 Raphael
8 Manierismus8.1 Peruzzi
8.2 Giulio Romano
8.3 Michelangelo
8.4 Giacomo della Porta
8.5 Andrea Palladio
9 Die Entwicklung von der Frührenaissance zum Barock
10 Die Ausbreitung der Renaissance-Architektur außerhalb Italiens10.1 Deutschland
10.2 Frankreich
10.3 Niederlande
10.4 England
10.5 Skandinavien
10.6 Spanien
10.7 Portugal
10.8 Polen
10.9 Ungarn
10.10 Russland
10.11 Kroatien
11 Die Nachwirkung der Architektur der Renaissance
12 Einzelnachweise
13 Quellenschriften
14 Literatur
15 WeblinksGeschichte[Bearbeiten]
Das Wort „Renaissance“ stammt vom italienischen Ausdruck „la rinascita“ für „die Wiedergeburt“. Es wurde in Giorgio Vasaris Vite de' più eccellenti architetti, pittori, et scultori Italiani (Künstler der Renaissance, 1550–1568) erstmals als Ausdruck für eine Kunstepoche verwendet.
Der Ausdruck „Renaissance“ wurde vom französischen Historiker Jules Michelet geprägt, der ihn von Jacob Burckhardt kannte, dessen Buch Die Kultur der Renaissance in Italien von 1860 zum Standardwerk zur Interpretation der italienischen Renaissance wurde.
Der Bildband mit maßstabsgerechten Zeichnungen Édifices de Rome moderne; ou, Recueil des palais, maisons, églises, couvents et autres monuments (Die Bauten des modernen Roms), um 1840 erstmals veröffentlicht, spielte eine bedeutende Rolle für das wiedererstarkte Interesse an diese Periode.[1]
Die Hauptphasen[Bearbeiten]
In der Fachliteratur wird die Renaissance in Italien in drei Phasen gegliedert[2]. Wenn Kunsthistoriker von der Frührenaissance reden, schließen sie die Literatur (z. B. Petrarcas), Malerei und Bildhauerei des 14. Jahrhunderts Italiens mit ein. Letztendlich meint der Begriff „Renaissance“ unter Architekturhistorikern die Periode von 1420 bis ca. 1525, mit später folgenden Ausprägungen im europäischen Ausland.
In der Fachliteratur finden sich folgende Einteilungen:
Die Fassade des Pellerhauses in Nürnberg von 1605 galt bis zu ihrer Zerstörung 1945 als eine der bedeutendsten profanen Renaissancefassaden. Sie kann zur Phase des Manierismus gezählt werden.Renaissance (ca. 1400–1500); besser bekannt als Quattrocento[3] oder auch Frührenaissance[4]
Hochrenaissance (ca.1500–1525)
Manierismus (ca. 1520–1600)Das Quattrocento (Frührenaissance)
Im Quattrocento wurde das grundlegende Konzept der architektonischen Ordnungen entwickelt, und die Regeln sind festgelegt (siehe weiter unten: Hauptmerkmale der Renaissance-Architektur). Die Studien der römischen Bauwerke führten zur Einbeziehung und Übernahme der altrömischen Vorbilder wie der Säulenordnung, der Ornamentik und weiterer Details.
Der Raum als das Element der Architektur wurde anders behandelt als im Mittelalter. Er wurde klar strukturiert durch Proportionssysteme, seine Form in Länge, Breite und Höhe geometrisch definiert, seine Bauteile, etwa Wände durch Pilaster oder Lisenen, rhythmetisiert. Ein frühes Beispiel ist die Basilika di San Lorenzo in Florenz durch Filippo Brunelleschi (1377–1446).[5]
Die Hochrenaissance
Während der Hochrenaissance reiften die Architekturkonzepte aus, immer noch wesentlich von den altrömischen Vorbildern abgeleitet, und wurden mit immer größerer Sicherheit angewendet. Der bekannteste Architekt jener Zeit war Bramante (1444–1514), dem meisterhaft die Neuinterpretation der (römischen) Antike in zeitgenössischer Architektur gelang. Sein Tempietto (1503) verweist deutlich auf die altrömischen Rundtempel. Er hielt sich dabei streng an die antiken Vorbilder, was die Gestaltung der Säulen, der Fassaden usw. betraf. Der von ihm definierte Stil prägte die Architektur im Italien des 16. Jahrhunderts.[6]
Der Manierismus
In der manieristischen Periode experimentierten die Architekten mit den Formen, um die räumlichen Beziehungen künstlerischer und freier herauszuarbeiten. Das Ideal der Renaissance von der Harmonie machte den Weg frei für den spielerischen und auf Wirkung ausgerichteten Umgang mit dem Rhythmus. Der bekannteste Architekt, der als Hauptvertreter des Manierismus gilt, ist Michelangelo (1475–1564), dem die Erfindung der Kolossalordnung zugeschrieben wird. Seine Pilaster für das Kapitol in Rom reichen vom Fuß der Fassade bis zum Dachgesims.[7]
Vor dem 20. Jahrhundert hatte der Ausdruck Manierismus eine abschätzige Bedeutung, heute bezeichnet er die Zeitphase ohne eine Wertung.[8]
Von der Renaissance zum Barock
Als sich der neue Stil über Italien hinaus ausbreitete, verstanden andere europäische Länder den Stil als eine Art Frührenaissance und entwickelten schnell eine veränderte Formensprache, noch bevor sie die ersten Bauten im Renaissancestil errichteten. Jedes Land ließ dabei seine eigenen, regionalen Traditionen in diesen neuen Stil einfließen, und so fanden die dortigen Renaissancebauten höchst unterschiedliche Ausprägungen.
Innerhalb Italiens gestaltete sich der Wandel von der Renaissance-Architektur zum Manierismus als weicher Übergang mit einer breiten Palette des künstlerischen Ausdrucks, wie es an den Werken von Michelangelo, Giulio Romano und Andrea Palladio abzulesen ist. Besonders Romanos Palazzo de Té in Mantua gibt bereits deutliche Gestaltungselemente für den Barock vor.
Außerhalb Italiens war die Barock-Architektur schneller formuliert und in gebauter Form realisiert als der Renaissancestil, wie an signifikanten Bauwerken in Mexiko[9] und den Philippinen.[10] zu erkennen ist.
Die Hauptmerkmale der Renaissance-Architektur[Bearbeiten]
Raphaels unausgeführter Plan für den Petersdom
Augenfällig werden die wesentlichen Gestaltungselemente der römischen Antike von den Renaissancearchitekten übernommen. Aber die Formen und Nutzungen der Gebäude haben sich über die Zeit hin gewandelt, das gilt auch für die Stadtstruktur. So waren die frühesten Bauwerke der Renaissance Kirchen, ein Bautypus, den die alten Römer so nie gebaut haben, denn ihre Tempel dienten nicht als Versammlungsort der Gläubigen. Auch gab es keine Vorbilder für die Gestaltung von weitaus größer gewordenen Städten, mit starker Prägung durch den europaweiten Handel. Freilich gab es kaum Bedarf mehr für öffentliche Bäder, wie sie in den altrömischen Städten gang und gäbe waren. Die alten Ordnungen wurden analysiert und neu und verändert rekonstruiert, um neuen Bestimmungen zu dienen.[11]
Der Grundriss
Die Grundrisse von Renaissancebauten wurden meist rechtwinklig und symmetrisch organisiert, ihre Proportionen üblicherweise durch ein Modul abgeleitet. In der Kirche konnte sich das Modul als Tiefe der Seitenschiffe zeigen oder als ein festgelegtes Maß; dafür sind die zeitgenössischen Längenmaße (Fuß, Elle, etc.) zu beachten. Neu im Entwurf war, dass der Grundriss und die Fassade sich gegenseitig bedingten und nicht losgelöst voneinander betrachtet wurden. Diesen Anspruch formulierte Filippo Brunelleschi als erster, ohne diesem in seinen eigenen Werken immer gerecht zu werden. Der erste Architekt, dem dies gelang, war Alberti mit Sant Andrea in Mantua. Im nichtkirchlichen Bereich setzte Palladio mit seinen Villenentwürfen den Höhepunkt im 16. Jahrhundert.
Sant'Agostino, Rom, Giacomo di Pietrasanta, 1483
Die Fassade
Die Fassaden wurden symmetrisch über ihre vertikale Achse gestaltet. Kirchenfassaden erhielten Ziergiebel, ergänzt mit Pilastern, Bögen und Säulengebälk. Die Fassadengestaltung sollte den Blick des Betrachters auf das Zentrum lenken.
Die erste echte Renaissancefassade war die der Kathedrale von Pienza (1459–1462), die vom Florentiner Architekten Bernardo Gambarelli (genannt Rossellino) mit vermuteter deutlicher Unterstützung von Alberti gestaltet wurde.[12]
Wohnhäuser erhielten meist auskragende Dachgesimse. Die Stadtpaläste der führenden Familien hatten außen eine steinerne Sitzbank, die ringsum geführt wurde, auf der Bittsteller um eine Audienz bei den hochgestellten Hausherren nachsuchten. Mittig befand sich das Eingangsportal, betont durch einen darüber befindlichen Wandschmuck oder Balkon. Die Fassade, meist dreigeschossig, zierte im Erdgeschoss die sogenannte Rustika, ein grober Verputz, der raues Gestein darstellte, darüber im ersten Obergeschoss das piano nobile, das die aufwändigere und feinere Gestaltung erhielt. Darüber befand sich das Mezzaningeschoss, das deutlich weniger aufwendig gestaltet wurde, niedrigere Raumhöhen hatte usw. und den Dienstboten zugedacht war. Das früheste und oft kopierte Beispiel war die Fassade für den Palazzo Rucellai (1446 bis 1451) in Florenz, ein Werk Albertis mit drei Reihen von Pilastern.
Die fünf Ordnungen, aus Vignolas Regole delle cinque ordini d'architetturaSäulen und Pilaster
Die Säulenordnung, bestehend aus der toskanischen, dorischen, ionischen, korinthischen und kompositen Ordnung, wurde von den Alten Römern übernommen. Die Säulen trugen Arkaden, Architrave wurden aber als Pilaster bzw. Lisenen auch mit nur rein dekorativer Funktion eingesetzt, wie beispielsweise am Palazzo Ruccelai. Die Architekten benutzten Säulen und Pilaster als ein feststehendes, geregeltes System. Brunelleschi gestaltete als erster mit Säulen in seinem Ospedale und mit Pilastern in der Alten Sakristei in San Lorenzo (1421–1440).
Die Bögen
Bögen bestanden aus Halbkreisen oder waren aus Kreissegmenten zusammengesetzte Ovale, etwa im Manierismus. Sie trugen Arkaden, gestützt von Pfeilern oder Säulen mit Kapitellen und wurden auch als Fensterabschluss eingesetzt. Die Gestaltung der Bögen korrespondierte mit dem Gebälk aus der Säulenordnung. Alberti setzte erstmals Bögen mit monumentaler Wirkung bei San Andrea in Mantua ein.
Das Gewölbe
Die Gewölbe der Renaissance haben keine Rippen. Sie bestehen aus Halbkugeln oder Kugelsegmenten, im Grundriss basieren sie auf einem Quadrat, während in der Gotik Gewölbe überwiegend auf rechteckigem Grundriss mit Kreuzrippengewölbe ausgeführt wurden. Das Tonnengewölbe wurde durch Alberti wieder in das Architektenvokabular aufgenommen, wie seine Sant´Andrea in Mantua zeigt.
Kuppeln
Der Petersdom in Rom
Die Kuppel wurde häufig als Gestaltungselement eingesetzt, war ihre imposante Wirkung doch für jeden Architekten am erhaltenen Pantheon in Rom spürbar. Im Mittelalter wurden Kuppeln deutlich seltener verwendet, denn das Rippengewölbe war viel einfacher zu bauen. Der Erfolg der Kuppel des Florentiner Doms und die Planung einer Kuppel in Bramantes erstem Plan für den Petersdom und seinem Tempietto machten die Kuppel zu einem wichtigen Gestaltungselement in der Renaissance, zunächst nur für Kirchenbauten. Es war Palladio, der erstmals eine Kuppel in einem Profanbau, der Villa Rotonda, einsetzte.
Die Dächer und Decken
Die Dächer wurden raumseitig geschlossen (abgekoffert), mit flachen Decken oder Gewölben, die meist mit Fresken oder Gemälden bemalt wurden. Die Dachkonstruktion war verdeckt, im Mittelalter war sie meist sichtbar. Die Neigung der Dächer war relativ niedrig (20-35°, meist einem Steigungsverhältnis von 1:3), während nördlich der Alpen wegen der höheren Schneelasten steilere Dächer gebaut wurden.
Die Türen
Die Türen zieren waagerechte Türstürze, quadratische Innenfelder, ergänzt wurden die Türrahmen oben mit dreieckigen oder halbkreisförmigen Ziergiebeln. Öffnungen, die keine Türen haben, wurden mit Bögen versehen, mit oft dekorativ gestaltetem Schlussstein.
Die Fenster
Die Fenster wurden einzeln oder auch paarweise angeordnet, dann aber mit einem darüber befindlichen Bogen zusammengefasst. Die Fenster haben waagerechte Stürze oder einen Bogen. Er wurde dekorativ als Gesims ausgebildet, passend zur verwendeten Säulenart, und auch an den Seiten heruntergeführt. Oberhalb des Fensters sind dreieckige oder halbrunde Giebel zu sehen, teilweise auf einer Geschossebene im Wechsel. Mit großer kunstvoller Wirkung ist die Fenstergestaltung am Palazzo Farnese in Rom (begonnen um 1517) zu bewundern.
Der Innenhof des Palazzo Strozzi, Florenz
Im Manierismus erfuhr das Palladiofenster (auch „Palladiomotiv“ genannt) eine Renaissance in der Architektur; es handelt sich hier um eine Kombination aus drei mit waagerechten Balken abgeschlossenen Fenstern. Auf das mittlere ist dabei ein Bogen gesetzt und als Teil des Fensters ausgebildet. Palladio verwendet es erstmals in der Basilika Palladiana, dem Rathaus von Vicenza. Dieses Fensterensemble wird auch „Serliana“ genannt; Serlio veröffentlichte dies in seinem vierten Buch der Architektur. Er dürfte von seinem Lehrmeister Bramante auf diese Anordnung hingewiesen worden sein, findet es sich doch bereits bei Hadrians Villa. Dieses Motiv wurde gerne im Barock, im Neohistorismus Ende des 19. Jahrhunderts und auch in der Postmoderne eingesetzt.
Die Wände
Außenwände sind meist verputzt oder erhielten eine Verkleidung mit Natursteinplatten, meistens aus Marmor. Die Ecken der Gebäude wurden mit imitiertem Bossenwerk betont. Das Erdgeschoss erhielt eine Rustikaverkleidung, wie im Palazzo Medici Riccardi (1444–1460) in Florenz zu sehen ist.
Innenwände wurden plastisch gegliedert, wobei die Architektur auch nur gemalt angedeutet wird, die herrschende Farbpalette war hell. Repräsentative Räume wurden mit Fresken ausgeschmückt.
Einzelne Baudetails
Gesimse, Friese und die weiteren dekorativen Details wurden mit größter Präzision gestaltet. Das Studium der altrömischen Bauwerke bildete eine der wichtigsten Grundlagen der Architekturtheorie der Renaissance. Die verschiedenen Ordnungen erforderten ein System, um die daraus resultierenden, vielen Details in ihrer Ausführung und ihrer Verwendung zu regeln. Einige Architekten wendeten die klassischen Regeln strenger an als andere, dennoch bildete sich ein einheitlicher Sprachkanon heraus. Gesimse rahmten Türen und Fenster ein, mit besonderen Effekten, wenn die seitlichen Rahmen unterbrochen wurden. Skulpturen wurden in Nischen gestellt oder auf Bodenplatten oder Podeste gestellt. Sie wurden zur Zierde herausgestellt und nur selten Bestandteil der Architektur wie in der Gotik (siehe etwa Regenwasserspeier an Kathedralen).[13]
Die Einflüsse der Entwicklung der Renaissance-Architektur in Italien[Bearbeiten]
Das Italien des 15. Jahrhunderts und besonders die Stadt Florenz gelten als die Wiege der Renaissance. Der neue Stil erwuchs dort nicht langsam, wie die gotische Architektur sich aus der romanischen entwickelte, sondern der Übergang wurde bewusst und abrupt von einzelnen Architekten forciert, die sich auf die ruhmreiche Vergangenheit des alten römischen Reichs beriefen. Die theoretisch begründete Annäherung der Architektur zur längst vergangenen Antike traf günstigerweise mit dem zeitgleichen Fortschritt in Wissenschaft und Bildung zusammen. Die Renaissance erstand so aus einem Gemenge verschiedener Faktoren.
Florenz, Baptisterium San Giovanni
Die Architektur
Italienische Architekten bevorzugten stets Formen, die klar zu definieren waren und ihren künstlerischen Vorstellungen am ehesten entsprachen.[13] Viele romanische Bauwerke der Toskana weisen diese Merkmale auf, wie das Baptisterium von Florenz und der Dom zu Pisa.
Der gotische Baustil hat sich in Italien nicht durchsetzen können. Der Mailänder Dom bildet die große Ausnahme, ist er doch überwiegend ein Werk deutscher Baumeister. Typisch gotische Spitzbogenfenster finden sich jedoch am Dogenpalast in Venedig, am Castel del Monte und am Palazzo Pubblico (Siena) in Siena. Vasari bezeichnete die Gotik als kunstlose Zeit.[14]
Die vorhandenen Bauwerke der römischen Antike, besonders in Rom, zeigten die klassischen Ordnungen und dienten als Inspiration in einer Zeit, als sich auch die Philosophie auf die Antike berief.[13]
Die politische Situation
Im 15. Jahrhundert war Italien in konkurrierende Stadtstaaten zersplittert. Florenz, Venedig und Neapel weiteten ihre Macht aus, indem sie die neue Kunstrichtung förderten und so Florenz durch seine Vorreiterrolle an Einfluss und Bedeutung gewinnen konnte. Über den Krieg zwischen Mailand und Frankreich breitete sich die Renaissance auch dort aus.
Als 1377 der Papst aus seinem Exil in Avignon zurückkehrte, erneuerte er den päpstlichen Hof in Rom und brachte so Wohlstand und Macht in die Stadt zurück, besonders nach dem Konzil von Konstanz von 1417, das die Macht des Papstes stärkte. Erfolgreiche Päpste, etwa Papst Julius II. (1503–1513), trachteten danach, die Macht des Papsttums über Italien und darüber hinaus auszudehnen.[15]
Handel, Wirtschaft
In der Frührenaissance kontrollierte Venedig den Seehandel im vorderen Orient. Die größeren Städte Norditaliens wuchsen durch den Handel mit dem restlichen Europa. Genua profitierte vom Seehandel nach Frankreich und Spanien, Mailand und Turin pflegten intensive Handelsbeziehungen mit Mitteleuropa. Wolle aus England landete in Florenz und wurde dort durch Spinnereien und Webereien zu feinen Stoffen verarbeitet. Durch die Herrschaft über Pisa erhielt Florenz einen Seehafen und konkurrierte nun auch mit Genua.
In diesem Klima konnte sich eine Familie besonders erfolgreich behaupten, indem sie vom Handel zum lukrativeren Geldverleih überging und das Bankenwesen herausbildete. Die Medici wurden die Chefbanker vieler europäischer Fürsten- und Königshäuser. Florenz beherrschten sie als informelle Macht und steigerten den Wohlstand der Stadt sowie den ihrer Familie. Entlang der Handelsrouten sorgten sie für Sicherheit und stärkten ihre kaufmännischen Interessen, indem sie nicht nur Waren, sondern auch Künstler, Wissenschaftler und Philosophen aussandten.[15]
Sixtus IV. ernennt Platina zum Präfekten der Vatikanischen Bibliothek Fresko von Melozzo da Forlì im Vatikanpalast
Kirche und Religion
In Rom erstarkte das Papsttum wieder, das sich in der Folge als Mittelpunkt des christlichen Lebens herausbildete und dort einen Bauboom von Kirchen und Palästen förderte, wie es sie die tausend Jahre zuvor nicht gegeben hatte. Dieser Boom reichte von der Mitte des 15. Jahrhunderts (Bau der Sixtinischen Kapelle) bis zum Neubau des Petersdoms, dessen Grundsteinlegung um 1503 und Fertigstellung ca. 120 Jahre später bis weit in den Barock reichte.[16]
Im wohlhabenden, republikanischen Florenz diente der Kirchenbau eher bürgerlichen als religiösen Zwecken. Der unvollendete Zustand des Doms schadete dem Ruf der Stadt. Mit unerschütterlicher Zuversicht, ihrer Finanzkraft und neuen technischen Ideen gelang es, die monumentale Kuppel zu vollenden. Der imposante Dom gereichte nicht nur der Jungfrau Maria zur Ehre, sondern seinen Architekten, der Kirche aber auch der Signoria (der Stadtregierung von Florenz), der Handwerksgilden und auch der einzelnen Stadtteile. Der Dom inspirierte die Stadtherren zu weiteren bedeutenden Kirchenbauten.
Vier humanistische Philosophen unter dem Schutz der Medici: Marsilio Ficino, Cristoforo Landino, Angelo Poliziano und Demetrius Chalcondyles. Fresko von Domenico Ghirlandaio.
Philosophie
Der aufkommende Buchdruck, die Wiederentdeckung der antiken Schriften, die sich ausweitenden politischen Kontakte, der europaweite Handel und nicht zuletzt die Entdeckung Amerikas vermehrten das Wissen und die Nachfrage nach Forschungen und umfangreicher Studien.
Die Lektüre der Philosophen, die nicht auf der christlichen Theologie basierten (Platon, Aristoteles u.a.) führten zur Herausbildung des Humanismus, denn dadurch lernten die Humanisten, dass nicht Gott allein das Universum schuf und bestimmte, es war der Mensch, der die Ordnung in der Gesellschaft festlegte.[17]
Das aufkommende Bürgertum
Cosimo I. de’ Medici, Kopf der Medici-Bank, trat als Mäzen auf. Posthumes Porträt von Pontormo.
Im Zeitalter des Humanismus wuchsen die Städte und stärkten deren Position gegenüber den ländlichen Feudalherrn, das Bürgertum etablierte sich selbstbewusst als neue gesellschaftliche Schicht. Dieser Bürgerstolz zeigt sich auch in neuen Gebäudetypen, wie Brunelleschis Ospedale degli Innocenti, welches als erster reiner Renaissancebau gelten kann, der mit seiner eleganten Kolonnade die neue Formensprache formuliert, oder der Laurenziana, die von der Medici-Familie finanzierte Bibliothek, deren mächtiges Vestibül auch heute noch beeindruckt.[18]
Bei einigen wichtigen Kirchenbauten bestimmte nicht die Kirche, sondern die mächtigen Handwerksgilden und Zünfte die Ausgestaltung, repräsentierten diese doch den Wohlstand der Stadt. Die acht Segmente der Kuppel des Florentiner Doms (eigentlich keine Kuppel, sondern ein achteckiges Klostergewölbe) standen unter der jeweiligen Schirmherrschaft eines Stadtteils.[19]
Das Patronat
Viele der Städte in Italien wurden faktisch von einzelnen, mächtigen und reichen Familien dominiert. Diese sahen ihre Aufgabe auch darin, das öffentliche Wohl zu steigern, indem sie Bildungseinrichtungen schufen oder philosophische und wissenschaftliche Diskurse ermöglichten. Ihr universales Vorbild glaubten sie in Platonischen Akademie in Athen zu erkennen. Sie protegierten die berühmtesten Künstler, Wissenschaftler und natürlich auch Architekten ihrer Zeit. Die berühmtesten Familien waren:die Medici in Florenz
die Gonzaga in Mantua
die Sforza in Mailand
die Farnese in Rom
die Malatesta in Rimini.Architektur-Theorien
→ Hauptartikel: Traktat (Architektur)
Während der Renaissance war Architektur nicht nur eine Frage der Praxis, sprich Bautechnik, sondern Gegenstand intensiver theoretischer Diskussionen. Die Erfindung des Buchdrucks forcierte die Verbreitung der neuen Ideen.Die erste Abhandlung über Architektur war De re aedificatoria (Deutsch: Zehn Bücher über die Baukunst) von Leon Battista Alberti um 1450. Sie basierte auf Vitruvs De architectura (Deutsch: Über die Baukunst), ein Manuskript, das 1415 in einer Bibliothek in der Schweiz wiedergefunden wurde. De re aedificatoria war 1485 das erste gedruckte Buch über Architektur.
Sebastiano Serlio (1475–ca. 1554) veröffentlichte den nächsten bedeutenden Text 1537 in Venedig: „Regole generali d'architettura […]“ Heute ist er bekannt als die „Fünf Bücher des Serlio“ (Serlio plante jedoch, sieben Bücher zu schreiben).
1570 veröffentlichte Andrea Palladio (1508–1580) I quattro libri dell'architettura („Die vier Bücher zur Architektur“) in Venedig. Diese Bücher wurden oft nachgedruckt und waren verantwortlich für die Ausbreitung der Ideen der Renaissance in Europa.
Giacomo Barozzi da Vignola, (1507–1573), war als Nachfolger Michelangelos am Bau des Petersdoms beteiligt. Er hinterließ das architekturtheoretische Lehrbuch Regola delle cinque ordini d'architettura (Regeln der fünf Ordnungen der Architektur) von 1562, das bis ins 19. Jahrhundert als das Standardwerk für die Architektenausbildung in Europa galt. So definierte er die Säulenordnung als ein relatives System der einzelnen Bauteile (Kapitell – Säule – Fuß und Höhe – Durchmesser der Säule) zueinander, so dass es sich leicht und regelgerecht anpassen ließ.
Francesco di Giorgio, 1439–1502, Schöpfer der Kirche Madonna di Calcinaio vor Cortona, hinterließ sein Trattato di Archtettura (Traktat der Architektur). Es wurde Mitte des 19. Jahrhunderts in starker Bearbeitung und 1967 werkgetreu transkribiert herausgegeben (in italienischer Sprache). Von der Anlage her diente es ihm und seinen direkten Schülern als Lehrbuch. Es formuliert in knapper präziser Sprache die Ideen der Renaissancearchitektur und gewährt einen Einblick, wie Architekten vor der Erfindung des Buchdrucks studiert und gearbeitet haben. Ungedruckt übte es jedoch nur geringen Einfluss auf die dem Autor nachfolgenden Architektengenerationen aus,Diese Bücher wurden nicht nur von Architekten gelesen, sondern auch von ihren Mäzenen und Bauherren.
Entwicklung der Renaissance-Architektur in Italien – Frührenaissance[Bearbeiten]
Die führenden Architekten des Quattrocento oder der Frührenaissance waren Brunelleschi, Michelozzo und Alberti.
Brunelleschi[Bearbeiten]
Ospedale degli Innocenti in Florenz.
Die Person, der die „Erfindung der Renaissance“ allgemein zugeschrieben wird, ist Filippo Brunelleschi, (1377–1446), doch durch sein umfangreiches Werk ist er als ein Mann des Übergangs von der Gotik zu Renaissance zu sehen.[20]
Anfang des 15. Jahrhunderts experimentierte Brunelleschi mit zeichnerischen Sichtweisen auf die Welt, die zur Entwicklung der Zentralperspektive führte. Er untersuchte regelmäßige geometrische Strukturen wie das achteckige Baptisterium von Florenz und erkannte die geometrischen Zusammenhänge, wie das menschliche Auge den Raum wahrnimmt und wie sich diese zeichnerisch in eine Zeichnung übertragen ließen.
Die Ruinen und erhaltenen Bauwerke des antiken Roms, die Brunelleschi studierte, ließen ihn erkennen, dass ihre Proportionen auf einfache mathematische Verhältnisse fußten, die er für die gotischen Bauwerke ausschloss. Ein Bauelement beherrschte für ihn die Baukunst: der Bogen, gebildet aus einem exakten Halbkreis ist er genau doppelt so breit wie hoch. Der gotische (Spitz-)Bogen war für ihn ins Unbestimmte gestreckt oder gestaucht, ein schlüssiges und auch angewandtes Proportionssystem vermochte er nicht zu erkennen.
Santa Maria del Fiore, der Dom zu Florenz
Das Studium der Architektur Roms verstärkte in ihm das Verständnis, Bauwerke symmetrisch zu gliedern, seine Teile nach einem klaren, definierten, proportionalen System gegenseitig in Beziehung zu setzen. Jedes Bauteil hing proportional von nächstem ab und konnte nicht ohne das andere bestehen.[21] Brunelleschi erfreute sich großer Unterstützung bedeutender und mächtiger Gruppen und Herren, wie die Seidengilde von Florenz und Cosimo de’ Medici.
Der Dom zu Florenz
Die Kirche von San Lorenzo
Brunelleschis erster großer Beitrag für die Architektur war der Bau der Kuppel für die Kathedrale von Florenz, dem Dom. Als der Bau um 1350 nach einem Entwurf von Arnolfo di Cambio begonnen wurde, war den Beteiligten völlig unklar, wie die Vierung mit der geplanten Kuppel geschlossen werden sollte. Der Bürgerstolz protzte vor Zuversicht, die dann erforderliche Technik entwickeln zu können.
Brunelleschi wurde 1420 nach einem Wettbewerb die Bauaufgabe übertragen, und er löste sie höchst innovativ und schlüssig. Er ließ den Tambour höher mauern, um die Seitendächer zu überragen, die Kuppel, eigentlich ein achteckiges Klostergewölbe, ließ er zweischalig bauen, die durch Rippen miteinander verbunden waren. Dadurch wurde die Konstruktion deutlich leichter, die Vermauerung der Segmente in neuartigen Fischgrätmuster erleichterte ihm die Gerüstarbeiten. Das Auge des Pantheons in Rom misst neun Meter im Durchmesser, im Dom zu Florenz acht Meter, die 1435 mit einer Laterne nach Brunelleschis Entwurf geschlossen wurde.
Das von Arnolfo konzipierte Bauwerk ist von seiner Grundriss- und Fassadenkonzeption eine Mischung aus Gotik und Romanik. Die Kuppel mit seinen markanten hellen Rippen lässt diese von der Gestaltung und der Bautechnik her als ein Werk der Gotik erkennen, obwohl der Dom weithin als Geburtsbau der Renaissance gilt.[20]
Das Ospedale degli innocenti
Das Ospedale degli innocenti, ein Findelhaus, gilt als erstes Bauwerk der Renaissance. Brunelleschi entwarf es um 1419, gebaut wurde es bis 1427. Die Fassade zur Straße besteht aus einer Arkade, die von Bögen gehalten wird, die den Proportionsregeln Brunelleschis folgen. Die Bögen werden durch ein kräftiges Gesims verbunden.[22] Das obere Geschoss mit den Fenstern in der Achse des Bogens wurde später hinzugefügt.
Die Kirche San Lorenzo
Die neue architektonische Philosophie wird an den Kirchenbauten von San Lorenzo und Santo Spirito deutlich. Brunelleschi entwarf sie um 1425 und 1428, beide haben das Lateinische Kreuz als Grundriss. Die Grundrisse basieren auf einem Modul, das durch die Breite und Tiefe des Seitenschiffs repräsentiert wird. Das Hauptschiff misst zwei Module. Die gleiche Formel liegt den vertikalen Maßen zugrunde. Bei Santo Spirito wird das Proportionskonzept eingehalten, Querhaus und Chor sind identisch, das Mittelschiff ist die erweiterte Form davon.
Um 1434 entwarf Brunelleschi mit dem Oratorium Santa Maria degli Angeli den ersten Zentralbau. Um ein zentrales Achteck waren an jeder Seite Kapellen angeordnet, an zwei sich gegenüberliegenden jeweils der Eingang und der Altarraum. Dieser Bau blieb zwar unvollendet und ist heute nur rudimentär erhalten, löste aber bei späteren Architekten und Künstlern (Sangallo, Leonardo, u. a.) eine starke Rezeption aus und diente als Vorbild für viele ähnliche Bauten.[23]
Michelozzo[Bearbeiten]
Palazzo Medici Riccardi von Michelozzo
Michelozzo (1396–1472) war ein weiterer Architekt unter dem Patronat der Medici-Familie, sein bekanntestes Werk ist der Palazzo Medici Riccardi, den er im Auftrag von Cosimo de'Medici 1444 entwarf. Ein Jahrzehnt später realisierte er die Villa Medici in Fiesole. Unter seinen weiteren Arbeiten findet sich auch die Bibliothek San Marco. Er begleitete Cosimo ins Exil nach Venedig. Er war einer der ersten Architekten, der ein Bauwerk außerhalb Italien im Renaissancestil realisierte, einen Palast in Dubrovnik.[16]
Der Palazzo Medici Riccardi ist in seinen Details klassisch, was die Art der Fenster und zurückgesetzten Türen anbelangt. Anders als Brunelleschi und Alberti hat dieser Bau keine Säulen, folgt also keiner klassischen Ordnung. Stattdessen trug Michelozzo dem Wunsch seiner Bauherrn Rechnung, indem er die Rustika in verschiedenen Ausführungen über die ganze Fassade zog, gekrönt mit einem über 2,50 Meter auskragenden Dachgesims.[13]
Alberti[Bearbeiten]
Leon Battista Alberti, als Sohn einer exilierten Florentiner Familie in Genua geboren (1402–1472), war ein klassischer Humanist; er verfügte über herausragende Allgemeinbildung und Sprachkenntnisse, wurde als Mann der Kirche päpstlicher Notar (Abbreviatore), verfasste Schriften zu vielen Themen der Mathematik, Philosophie und Malerei. Sein Architekturbuch De re Aedificatoria hatte nachhaltige Wirkung. Er beriet Papst Nikolaus in Architekturfragen sowie weitere Fürsten und Machthaber wie die Medici. Er stellte Untersuchungen an und machte den Menschen zum Maß der Dinge. Dem Architekten gedachte er große soziale Verantwortung zu.[24][25]
Sant’Andrea (Mantua), Die Fassade
Er entwarf eine Reihe von Bauwerken, aber im Gegensatz zu Brunelleschi sah er sich nicht als Architekt, der auf der Baustelle wachte. Ihm genügte die Ausfertigung oder auch nur Anregung baukünstlerischer Entwürfe. Es gelang ihm mit Sant' Andrea in Mantua die Ausformulierung des Kirchenbautypus der Renaissance. Sant' Andrea ist im Grundriss und in seiner Hauptfassade eine Neuinterpretation des Salomonischen Tempels (siehe 1. Buch der Könige, Kapitel 6 und 7). Die Fassade als Motiv dem römischen Triumphbogen nachempfunden, findet sich im Innern wieder: Es gliedert als rhythmisches Joch (rhythmische Travée) die Innenwände des Hauptschiffes. Die Pilaster der Fassade haben weder eine tragende Funktion noch deuten sie die Lage der Innenwände an, sie erfüllen allein proportionale Aufgaben. Sant' Andrea war von Alberti ohne die heutige Vierung mit Kuppel und drei Armen geplant, sie sind spätere Ergänzungen.[26]
Fassade von Santa Maria Novella, 1456–1470
Alberti arbeitete an vier Kirchen, wobei er mit Sant' Andrea als seinem letzten Bau die Reife fand:Santa Maria Novella, 1446–1451. Alberti entwarf die Fassade der gotischen Kirche, die in mehreren Phasen zwischen 1246 und 1350 errichtet worden war. Er orientierte sich dabei an dem Baptisterium und verwendete die gleichen zwei Marmorarten. Zum Verkleiden der Dachsteigung der Seitenschiffe setzte er als erster Schnecken ein, die für spätere Bauten als Vorbild dienten.
San Francesco in Rimini für die Herrscherfamilie Malatesta. Alberti entwarf eine neue Fassade, die der gotischen Kirche vorgebaut wurde. Mit dem Tod des Sigismondo Malatesta 1466 endeten die Bauarbeiten, die Fassade blieb unvollendet.
San Sebastiano in Mantua. Alberti gestaltete die Kirche mit ebenerdiger Krypta in Form des Griechischen Kreuzes. Der Bau wurde in der Folge mehrfach verändert, so dass das ursprüngliche Konzept Albertis nicht sichtbar ist.
Sant' Andrea ab 1470.Ein weiteres Bauwerk Albertis ist der Palazzo Rucellai, für den er die Fassade entwarf. Es ist proportional für fünf Joche durchkomponiert, die Bauherren erweiterten die Fassade um weitere drei Joche, so dass dieses Gebäude nunmehr zwei gleichwertige Eingangsportale hat. Die Fassade unterteilte Alberti mit drei Geschossen durch Gesimse und Pilaster, für die Alberti auch die Kapitelle entwarf.[27]
Die Ausbreitung der Renaissance in Italien[Bearbeiten]
Scuola Grande di San Marco, Venedig.
Im 15. Jahrhundert wurden die verschiedenen Höfe in Italien zu Zentren, die für die Ausbreitung der Renaissance-Philosophie, Kunst und Architektur sorgten. In Mantua entwarf Alberti zwei bedeutende Kirchenbauten für die Familie Gonzaga: Sant Andrea und San Sebastiano. Urbino war ein Machtzentrum, weithin sichtbar mit dem neuen Herzogspalast. In Ferrara, unter der Familie Este, entstanden mehrere neue Paläste wie der Palazzo dei Diamanti und der Palazzo Schifanoia für Borso d’Este. In Mailand schufen die Visconti die Certosa di Pavia, ehe sie von den Sforza vertrieben wurden, die das Castello Sforzesco errichten ließen.[13]
In Venedig erhielt San Zaccaria seine Renaissancefassade unter der Leitung von Antonio Gambello und Mauro Codussi, begonnen um 1480.[28] Giovanni Maria Falconetto, der Veroneser Architekt und Bildhauer, führte die Renaissance-Architektur in Padua mit der Loggia Cornaro im Garten von Alvise Cornaro ein. In Süditalien rief Alfons V. (Aragón), nachdem er das Königreich Neapel eroberte, Renaissancebaumeister zu sich. Die bedeutendsten Beispiele der Renaissance-Architektur sind die Cappella Caracciolo, Bramante gewidmet, und der Palazzo Orsini di Gravina, erbaut von Gabriele d'Angelo zwischen 1513 und 1549.
Die Hochrenaissance[Bearbeiten]
Im ausgehenden 15. und dem frühen 16. Jahrhundert zeigen Architekten wie Bramante, Antonio da Sangallo der Jüngere und andere ihre Meisterschaft darin, den neuen Stil für Kirchen und Stadtpaläste anzuwenden, die sich von ähnlichen Bauwerken der altrömischen Zeit deutlich unterschieden. Der Stil wurde dekorativer, mit aufwändigen Ornamenten versehen, Kuppeln wurden bedeutsam. Diese Phase, als Hochrenaissance bezeichnet, fiel mit dem Wirken so bedeutender Künstler wie Leonardo, Michelangelo und Raphael zusammen.
Bramante[Bearbeiten]
Santa Maria delle Grazie, Mailand
Donato Bramante, (1444–1514), wurde in Urbino geboren, kam über die Malerei zur Architektur und fand mit Ludovico Sforza, Herzog von Mailand einen Mäzen, für den er über 20 Jahre eine Reihe von Bauwerken errichtete. Nach dem Fall Mailands an die Franzosen 1499 reiste Bramante nach Rom, wo er unter dem Patronat des Papstes zu großem Erfolg kam.
Bramantes bedeutendstes Werk in Mailand ist der Anbau der Vierung, des Chors und des Querhauses für die Abteikirche Santa Maria delle Grazie. Der Backsteinbau folgt ganz der Tradition Norditaliens und wurde 1465 als gotischer Bau begonnen. Bramante beendete ihn 1492 im Renaissancestil. Die Bauteile, die Bramante zugeschrieben werden können (in der Literatur teilweise strittig), sind die Kuppel mit seinem Durchmesser von gut 20 Metern, das Eingangsportal und der Chorraum. Die Kuppel erscheint von außen als Kreis und von innen als ein oktogonales Gewölbe.
In Rom schuf Bramante mit dem Tempietto für das Kloster San Pietro in Montorio die „Vollendung der Renaissance“. Dieser kleine, kreisrunde Bau misst kaum fünf Meter im Durchmesser und ist ein meisterhaftes Spiel mit der Perspektive. Es war das Bauwerk, welches Papst Julius bewog, Bramante mit dem Neubau des Petersdoms zu beauftragen. Bramante gewann den Wettbewerb für den Petersdom und musste sich namhafter Konkurrenz erwehren. Er plante, ähnlich wie Alberti mit San Andrea, ein Langhaus. Seine Nachfolger veränderten seinen Entwurf mehrfach.[13]
Sangallo[Bearbeiten]
The Palazzo Farnese, Rom (1534–1545). Entworfen von Sangallo und vollendet von Michelangelo.
Antonio da Sangallo der Jüngere, (1485–1546), entstammte einer berühmten Architektenfamilie. Sein Onkel Giuliano da Sangallo war einer derjenigen, der ebenfalls einen Entwurf für den Petersdom einreichte, wenn auch erfolglos.[16]
Antonio da Sangallo folgte Raphael nach dessen Tod als Bauleiter von St. Peter. Während seiner Baumeistertätigkeit gelangen nur geringe Fortschritte, zu oft hinderten Geldmangel oder langwierige und dann doch nicht realisierte Umplanungen den Weiterbau. Nach seinem Tod folgte ihm Michelangelo.
Sein Ruhm rührte nicht von St. Peter, sondern eher von seinem Entwurf für den Palazzo Farnese her. Es diente als Vorbild für viele spätere Palastbauten. Es ist proportional ausgewogen, aber inwieweit Michelangelo, der das oberste Stockwerk mit dem dominanten Dachgesims hinzufügte, dazu beitrug, bleibt offen. Die einfache Reihung der Fenster mit dem Wechsel von dreieckigen und runden Giebeln im Piano Nobile (1. Obergeschoss) betonen das Hauptgeschoss, vor dem die beiden anderen zurücktreten.
Raphael[Bearbeiten]
Raphael, (1483–1520), Urbino, ausgebildet unter Perugino in Perugia, bevor er nach Florenz kam. Er war später einige Zeit lang Chefarchitekt (nach dem Tod seines Onkels Bramante) für den Petersdom. Auch entwarf und baute er einige weitere Gebäude, die meisten Bauwerke wurden von anderen vollendet. Das einzige von ihm beendete Bauwerk war der Palazzo Pandolfini in Florenz. Es ist ein zweistöckiger Bau, der als markantes Gestaltungselement die Fensteranordnung des Palazzo Farnese vorwegnimmt (Wechsel der dreieckigen und halbrunden Giebel) sowie die Fassung mit dem Bossenwerk an den Gebäudeecken.[13]
Manierismus[Bearbeiten]
Im Manierismus drifteten die Stilrichtungen in der Architektur weit auseinander, was in den Werken so unterschiedlicher Architekten wie Michelangelo, Giulio Romano, Baldassare Peruzzi und Andrea Palladio abzulesen ist. Der Manierismus leitete den Übergang zum Barock ein.
Palazzo Massimo alle Colonne in Rom.
Peruzzi[Bearbeiten]
Baldassare Peruzzi, (1481–1536), war ein in Siena geborener Architekt, der in Rom arbeitete. Seine Arbeiten bilden die Brücke von der Hochrenaissance zum Manierismus. Seine Villa Farnesina von 1508–1511 ist ein U-förmiger zweigeschossiger Bau, der sich zum Garten mit einer fünfjochigen Loggia öffnet.[13]
Peruzzis bekannteste Arbeit ist der Palazzo Massimo alle Colonne in Rom. Die Straßenfassade folgt dem gekrümmten Straßenverlauf. Im Erdgeschoss markieren sechs Säulen, die inneren vier paarweise angeordnet, den Eingangsbereich. Über dem Piano nobile befinden sich zwei Mezzaningeschosse mit quadratischen Fenstern.[27]
Palazzo Te in Mantua
Giulio Romano[Bearbeiten]
Giulio Romano, (1499–1546), war ein Schüler von Raphael, dem er bei verschiedenen Arbeiten im Vatikan assistierte So malte er die vatikanischen Loggien mit aus. Romano war auch ein hochtalentierter Bildhauer, er arbeitete für den Herzog von Mantua, Federigo Gonzaga, und entwarf für diesen den Palazzo del Te und weitere Gebäude in Mantua. Der Palast ist gemäß den Regeln der Renaissance gestaltet, bereichert mit skulpturalen Effekten, die die Bildhauerhandschrift im Entwurf offenbaren. Er setzte illusionistische Effekte bei den Skulpturen und Freskenmalereien ein und deutete die kommende Verspieltheit des Barock an. Romano starb am 1. November 1546 in Mantua, als er gerade im Begriff war, als neu ernannter Architekt des Petersdoms in Rom die Stadt zu verlassen.[16]
Michelangelo[Bearbeiten]
Michelangelo Buonarroti (1475–1564) wurde von seinen Zeitgenossen „Il divino“ (Ital. für „Der Göttliche“) genannt, so stark wurde sein Wirken für die Bildhauer- und die Malkunst und der Architektur eingeschätzt. Er hinterließ auf diesen drei Gebieten herausragende Werke, von denen hier drei architektonische Arbeiten näher dargestellt werden:die Laurenziana in Florenz
das Kapitol in Rom
der Petersdom in Rom.Das Vestibül der Laurenziana
Die Laurenziana
Michelangelo gestaltete für die Bibliothek, die Teil der Klosteranlage von San Lorenzo in Florenz ist, vor allem das Vestibül. Dieses Treppenhaus führt zum Lesesaal der Bibliothek, die nach Lorenzo I. de’ Medici benannt ist. Michelangelo wurde von Papst Clemens VII., vormals Giulio di Medici, um 1523 beauftragt. Ab 1526 ist seine Planung dokumentiert. Durch den Sacco di Roma ruhten die Bauarbeiten. Um 1555 schrieb Michelangelo einen Brief an Giorgio Vasari, der zusammen mit Bartolomeo Ammanati den Weiterbau leitete, indem er diesem einen neuen Vorschlag unterbreitete. Um 1559 lieferte Michelangelo ein Modell für die Treppe.
Die Treppe dominiert das Treppenhaus derart, dass die Grenzen von Architektur und Bildhauerei fließend erscheinen. Die Treppe strömt wie Lava in den Raum, so Pevsner.[27][29] Der Treppenraum ist deutlich höher als breit, der Abstand der freistehenden Treppenanlage zu den Innenwänden ist zwar so breit wie die seitlichen Läufe, ist aber kaum wahrzunehmen.
Die Treppe führt in drei parallelen Läufen nach zehn Stufen zu einem Zwischenpodest und von dort in sechs Steigungen zum langgestreckten Lesesaal. Die Stufen des mittleren Laufes sind konvex geformt. Die oberste Stufe trifft dort auf das untere Gesims, welches um den gesamten Raum herumläuft. Auf diesem Band unterteilen paarweise angeordnete, toskanische Säulen jeweils drei Felder einer Wand. Dieser Säulenteil wird durch ein Gesims von der dritten Ebene abgetrennt, die anstelle der Säulen Pilaster erhielt. Dort sind auch die Fenster in den Feldern angebracht, die den Treppenraum beleuchten. Auf der Ebene der Säulen sind die Fensterfelder „blind“ ausgeführt. Ein Gesims unter dem Dach bindet die Konstruktion. Unter dem unteren Gesims sind jeweils unterhalb der Säulen flache „Schnecken“ angebracht, die statische Funktionen vortäuschen.[30]
Senatorenpalast
Konservatorenpalast
Das Kapitol
Das Kapitol war im Rom der Kaiserzeit der Platz, auf dem die heimkehrenden Kriegshelden geehrt wurden, hier endeten die Triumphzüge. Durch den Sacco di Roma von 1527 weitgehend verwüstet, beauftragte Papst Paul III Michelangelo 1536 mit der Neugestaltung des Platzes aus Anlass des Besuches von Kaiser Karl V.
Michelangelo fand zwei Gebäude vor: den Senatorenpalast, der größtenteils aus antiken Gebäudeteilen des Tabulariums (Staatsarchiv) bestand (erbaut 78 vor Chr.), und den Konservatorenpalast mit einer Arkade zum Platz hin. Beide Gebäude stehen nicht rechtwinkelig zueinander, der Konservatorenpalast dreht ca. acht Grad aus der Achse hervor. Der Zustand des Platzes lässt sich anhand erhaltener Zeichnungen Maarten van Heemskercks erahnen.
Als erste Maßnahme wurde eine antike Reiterstatue (Markus Aurelius) in der Achse zum Senatorenpalast gestellt, das Postament ist ein Entwurf Michelangelos. Für den Senatorenpalast entwarf Michelangelo eine doppelläufige Treppe, vor die er einen Brunnen stellte. An den Rändern setzte er zwei Risalite, die um etwa vier Grad zur Fassade der seitlichen Nachbarpaläste gedreht waren; so vermittelte er die Unrechtwinkeligkeit der einzelnen Gebäude zueinander. Die Fassade des Senatorenpalastes erhielt unten eine Rustika, das obere Geschoss eine Kolossalfassade mit angedeutetem Mezzaningeschoss.
Der Konservatorenpalast erhielt ebenfalls eine Fassade in Kolossalordnung, nur reicht sie hier vom Erdboden der Arkade bis zum Dachgesims. In der Fassade verrät sich Michelangelo als ein Meister der Proportion und der optischen Täuschung. An den kurzen Fassadenseiten ließ er nur zwei kurze Joche bauen, die Längsseite müsste bei gleichen Maßen neun solcher Felder erhalten. Michelangelo verbreiterte hier die Felder, so dass nur noch sieben davon Platz fanden. Dem Betrachter wird so erschwert, die Schiefstellung der Gebäude zu erkennen.
Michelangelo platzierte ein spiegelgleiches Gebäude, den Palazzo Nuovo, den Konservatoren gegenüber, für das er damals noch keine Nutzung vorsah. Der neue Platz bildete so ein Trapez, für den er ein platzgestaltendes Oval mit auffälliger Pflasterung vorsah. Die freie Seite des Platzes erhielt die Cordonata, die Rampe.
Zu seinen Lebzeiten erlebte Michelangelo die Fertigstellung der Treppe mit dem Brunnen, der Cordonata und den Beginn der Umbauarbeiten für die Fassade des Konservatorenpalastes. Der Bau des Palazzo Nuovo erfolgte im 17. Jahrhundert, die auffällige Pflasterung wurde erst in der Regierungszeit Mussolinis verändert realisiert.
Der Petersdom
Der Petersdom
Der heutige Petersdom ist das Ergebnis von Entwurfsarbeiten einer Reihe bedeutender Architekten. Bramante zeichnete den Siegerentwurf, und 1506 erfolgte die Grundsteinlegung. Ihm folgten Raphael und Peruzzi und Sangallo, die mit mehrfach geforderten umfangreichen Umplanungen und stetem Geldmangel nur geringe Baufortschritte erzielten. Im Dezember 1546 übernahm Michelangelo die Bauleitung, nachdem der Papst seine Baupläne akzeptiert hatte. Er griff Bramantes Ursprungsplan auf und redigierte ihn zu einer klareren einfacheren Struktur; besonders die Seitenarme und Kuppeln erhielten eine neue Gestaltung. Er vereinfachte den Grundriss, indem er über das Hauptquadrat ein gedrehtes Quadrat gleichen Ausmaßes darüber legte, dessen Ecken angerundet wurden. Die von Bramante erbauten Pfeiler ließ er verstärken. Für die Außenfassade entwarf er eine Kolossalordnung, die an den Rundungen und an den Ecken wie ein Band um das Gebäude herumläuft.
Michelangelos Kuppel ist ein architektonisches Meisterwerk und besteht aus zwei verbundenen Schalen, die mit Rippen unterteilt sind, ähnlich der Domkuppel in Florenz. Für die Kuppel wurde ein aufwendiges Präsentationsmodell anfertigt, es wird Giacomo della Porta zugeschrieben, der als Nachfolger Michelangelo dessen Pläne für die Kuppel nochmals veränderte. Von Michelangelo hat sich ein Holzmodell für das Gewölbe der südlichen Apsis erhalten, das ihm half, die von ihm gewählten Proportionen zu überprüfen. Es misst 39 * 79,5 * 47&#160;cm (Innenmaße).[31] Die beiden Kuppelschalen sind nicht proportionsgleich: Die innere umschreibt genau einen Halbkreis, die äußere ist, für das Auge kaum wahrnehmbar leicht überhöht (gestelzter Bogen), sie wirkt dadurch imposanter, was ihm für die Fernwirkung der Kuppel in der Stadtsilhouette vermutlich wichtig war; zudem leiten sie so statische Kräfte besser ab.[32]
Il Gesù, Fassadenentwurf von Giacomo della Porta
Giacomo della Porta[Bearbeiten]
Giacomo della Porta, (ca. 1533–1602), wurde als der Architekt bekannt, der dem Petersdom mit dessen markanten Kuppel die heutige Außenwirkung verschaffte. Er folgte Vignola, seinem Lehrer, im Amt des Chefarchitekten für den Petersdom. Er vollendete auch dessen Kirchenbau für il Gesù. In Weiterentwicklung der Kirchenbauten von Albertis San Andrea, der den antiken Triumphbogen als Vorbild nahm, und Palladios San Giorgio in Venedig, der zwei Fassaden übereinanderlegte, um die Seitenschiffe einzubinden, schuf Porta in seinem Entwurf eine einheitliche, kohärent wirkende Musterfassade. Einige Architekturhistoriker schreiben diesem Entwurf auch eine deutliche Mitwirkung von Vignola und Michelangelo zu; der Grundriss und der Innenraum stammen eindeutig von Vignola, der viele Gestaltungselemente von San Andrea übernahm (Tonnengewölbe, Gliederung der Innenschiffswände).
Della Porta gliederte die Fassade in fünf Joche (Abschnitte), das mittlere birgt das Eingangsportal, die beiden anschließenden, mit kleineren Türen, präsentieren sich als Teil des Hauptschiffs; sie ragen gleich hoch wie das Portaljoch, und alle drei verbindet ein Dreiecksgiebel. Die beiden äußeren Joche deuten die Seitenkapellen, bzw. Seitenschiffe an, sie sind tür- und fensterlos. Sie sind deutlich niedriger und schließen mit den Schnecken, die Alberti in Santa Maria di Novella eingeführt hatte, zum Mittelteil auf. Unterteilt werden die einzelnen Joche mit doppelten Pilastern, gehalten durch ein kraftvoll wirkendes Gesimsband. Die Pilaster, die an die mittlere Eingangstür stoßen, treten als korinthische Säulen etwas aus der Fassade hervor.
Andrea Palladio[Bearbeiten]
Villa Capra, La Rotonda
Andrea Palladio, (1508–1580), gilt als „der einflussreichste Architekt der gesamten Renaissance“.[13] Als Steinmetz ausgebildet, traf er im Alter von knapp dreißig Jahren den Dichter und Humanisten Giangiorgio Trissino, der sein Talent erkannte, ihm die Ausbildung zum Architekten (mehrere Studienreisen) ermöglichte und ihn mit potenziellen Bauherren bekanntmachte. Zusammen mit Daniele Barbaro übersetzten beide sehr frei den Vitruv und steuerten mathematische und geometrische Studien bei. Palladio fertigte dafür alle Illustrationen an. Dies gab ihm das theoretische Rüstzeug, um eine eigene Architektursprache zu finden. Nach ihm ist eine Kunstgattung benannt – der Palladianismus, der im England des 18. Jahrhunderts seinen Anfang nahm.[16] Palladio veränderte den architektonischen Stil von Palästen und Kirchen. Auf Studienreisen nach Rom, die ihm sein Mäzen Tressino ermöglichte, untersuchte er das Kolosseum, das Pantheon und auch den Tempietto von Bramante. In seinen Vier Büchern zur Architektur finden sich davon umfang- und detailreiche Zeichnungen.
Das berühmteste Bauwerk Palladios ist die Villa Capra, oder auch La Rotonda genannt, sie liegt auf einer Anhöhe vor Vicenza. Der zentrale Raum ist kreisrund, („La Rotonda“ = italienisch für „die Runde"), von diesem gehen kreuzförmig vier Flure ab, die zu Außentüren führen. Jeder der verbleibenden Flächen ist mit gleichen Zimmerfluchten gefüllt. Das Mezzanin- und das Untergeschoss ist nur durch Dienstbotentreppen zu erreichen, die in den Ecken der Zimmerfluchten gestellt sind. Jeder der vier Flure führt nach draußen. Die Außentür führt unter einem großen, überdachten Vorbau mit dreieckigem Giebel, der von sechs Säulen getragen (Hexastyl) wird, zu einer Treppenanlage die förmlich zur parkähnlichen Freifläche lädt. Der ganze Bau ist eine Inszenierung, ließ aber einen Johann Wolfgang von Goethe an dessen Wohnwert zweifeln: „Inwendig kann man es wohnbar, aber nicht wöhnlich nennen.“[33][34]
Der Bau ist bis ins kleinste Baudetail proportional komponiert, wenn man die von ihm angefertigten Holzschnitte zugrunde legt, mit vielen Verweisen auf die Vitruvübersetzung. Allerdings weicht der reale Bau von den angegebenen Maßen ab, was Proportionsanalysen erschwert.[35]
Palladio hat über 30 Bauwerken hinterlassen, von seinen Villen ist die Villa Cornaro zu erwähnen, wo er die Gartenfassade mit einer zweigeschossigen Loggia gestaltet, die gemäß den Regeln der Säulenordnung unten ionische und oben korinthische Säulen tragen.[36] Die Regeln der Zentralperspektive wendet er anschaulich in seinem Teatro Olimpico an.
Die Entwicklung von der Frührenaissance zum Barock[Bearbeiten]
In Italien vollziehen sich die Übergänge von der Frührenaissance über die Hochrenaissance und den Manierismus bis zum Barock scheinbar nahtlos. Pevsner deutete die Wandgestaltung von Michelangelos Laurenziana derart, dass er diesen zum „Vater des Barock“ erkor. Präsentierte sich die Renaissance Italiens als eine kontinuierliche Entwicklung, galt das nicht für andere Regionen Europas. Dort ging die Übernahme deutlich langsamer vonstatten; als in Rom die ersten Teile der alten Peterskirche abgebrochen wurden, ließ Heinrich VII. (England) an die Westminster Abbey in bester englischer Gotik die Neue Sakristei bauen.
Als sich der Barock Anfang des 17. Jahrhunderts etablierte, wurden mit dem Queen's House und Banqueting House in Whitehall (London) die ersten reinen Renaissancebauten errichtet. Vorher wurde dort mit unterschiedlichen Stilformen mit Anleihen aus der klassischen Architektur experimentiert. Die Wiederherstellung der Monarchie 1660 wandelte das gesellschaftliche Klima, und der Wandel zum Barock setzte ein. In ähnlicherweise Weise erfolgte in vielen Teilen Europas die Hinwendung zur Renaissance, die Bauwerke Brunelleschis oder Michelozzis galten als klassische Vorbilder, die schnell den regionalen Bedingungen angepasst wurden.[37] Die Ausbreitung des Barock und die Auseinandersetzung mit der als konservativ geltenden Renaissance wurde durch die Religionskonflikte um die Reformation und Gegenreformation bestimmt.[27]
Die Ausbreitung der Renaissance-Architektur außerhalb Italiens[Bearbeiten]
Das 16. Jahrhundert war durch die wirtschaftliche und politische Vormachtstellung Frankreichs und Spanien bestimmt, später drängten auch Holland, England, Deutschland und Russland hervor. Der Renaissancestil wurde hier als Ausdruck der kulturellen Identität gesehen, und die ersten Bauwerke der neuen Art entstanden.
Italienische Architekten waren im Europa des 16. Jahrhunderts begehrt, so zog es Sebastiano Serlio nach Frankreich, Aristotele Fioravanti nach Russland, und Francesco Fiorentino wirkte in Polen. Bald studierten Nicht-Italiener im Ursprungsland der Renaissance und importierten den neuen Stil: Philibert de l’Orme in Frankreich, Juan Bautista de Toledo in Spanien und Inigo Jones in England.[37]
Bücher und Kunstdrucke warben mit Plänen und Zeichnungen für den neuen Stil und verbreiteten sich bis weit nach Nordeuropa. Bekannte Zeichner waren Androuet du Cerceau aus Frankreich oder Hans Vredeman de Vries aus den Niederlanden. Der Deutsche Wendel Dietterlin veröffentlichte seine Architectura um 1598 in Nürnberg, in der die Renaissance sehr frei interpretiert wird.
Das Juleum in Helmstedt
Deutschland[Bearbeiten]
Italienreisende wie der Philosoph Johannes Reuchlin und der Maler Albrecht Dürer, dessen Schriftwechsel mit Raphael sich erhalten haben, importierten die neuen Ideen. Sehr interessiert waren unter den Auftraggebern für neuartige Architektur besonders die um sichtbares Prestige konkurrierenden Fürsten und reiche Kaufleute in größeren Handelsstätten.[38] Als bedeutende Bauten der Renaissance in Deutschland gelten die Fuggerhäuser in Augsburg, die Stadtresidenz Landshut, das Heidelberger Schloss, das Schloss Johannisburg in Aschaffenburg und das Augsburger Rathaus. In Köln realisierte Wilhelm Vernukken ab 1567 den zweigeschossigen Vorbau für das Rathaus. Die Kirche St. Michael in München, errichtet zwischen 1583 und 1597, ist die größte Renaissancekirche nördlich der Alpen und wurde zu einem katholischen Zentrum der Gegenreformation. Der Einfluss der Kirche Il Gesù in Rom ist deutlich erkennbar.
Beim Augsburger Rathaus ist der flämische Einfluss am Giebel deutlich erkennbar. In Norddeutschland sind die neuen Treppengiebel an vielen Bürgerhäusern wie in Stralsund, Lüneburg oder Lübeck und an vielen Bauwerken an der Straße der Weserrenaissance zu sehen. Einige freistehende Schlösser entstanden zur gleichen Zeit: Schloss Güstrow, Schloss Plön, Schloss Glücksburg und der Umbau des Schweriner Schlosses. Sie halten sich meist in ihrer Ornamentik zurück. Kunsthistorisch zählen sie zur nordischen Renaissance.[13][15]
Frankreich[Bearbeiten]
Französische Renaissance: Schloss Chambord (1519–1539)
Frankreich war im 16. Jahrhundert in mehrere Kriege in Norditalien verstrickt, eine Beute war der Renaissancestil, der so Einzug in Frankreich hielt. Im Loiretal entstanden schnell mehrere Burgen und Schlösser, von denen das Schloss Amboise künstlerisch hervorsticht, nicht nur weil Leonardo da Vinci seit ca. 1495 hier seine letzten Lebensjahre verbrachte.[13]
Weitere bedeutende Bauten, die teilweise wegen der langen Bauzeit in anderen Baustilen beendet wurden, sind:Schloss Chambord ab 1519 unter Einbeziehung der älteren Bauteile wie der Rundtürme
Schloss Fontainebleau ab 1528 durch Gilles le Breton
Louvre in Paris, ab 1546 unter Pierre Lescot.[39]Niederlande[Bearbeiten]
Antwerpen, Rathaus (fertiggestellt um 1564)
Wie in der Malerei benötigte die Renaissance-Architektur ihre Zeit, um in den Niederlanden Fuß zu fassen. Das erste bedeutende Bauwerk, das Rathaus von Antwerpen, das um 1564 fertiggestellt war, schuf Cornelis Floris de Vriendt. Es bildete mit seinem mittigen Turm für lange Zeit das Vorbild für viele Rathäuser im nördlichen Europa. Die niederländische Renaissance zeigte auch das Weiterverwenden gotischer Architektur, die nun mit größeren Fenstern dem neuen Stil angepasst wurden.
Im frühen 17. Jahrhundert beeinflusste Hendrick de Keyser maßgeblich die Architektur seines Landes, die geprägt war durch schmale Bürgerhäuser, die Straßenfronten dominierten Treppengiebel, die in der Renaissance und im aufkommenden Barock beibehalten wurden und auch mit Schnecken verziert wurden, die so als Volutengiebel zu bezeichnen sind. Die Steinmetzarbeiten wurden hier eher flach ausgeführt, im Gegensatz zu Italien.[13]
England[Bearbeiten]
Englische Renaissance: Hardwick Hall (1590–1597).
Die Renaissance-Architektur erreichte England in der Regierungszeit von Elisabeth I.; erste Bauten wurden unter starkem Einfluss der niederländischen Abwandlung der Renaissance auf dem Land errichtet. Ein Beispiel dieser Art ist das Longleat House.
Der erste Architekt, der die Renaissance in England zur Blüte brachte, war Inigo Jones. Er hatte in Italien studiert, und die Arbeiten Palladios beeinflussten ihn stark. Nachdem er nach England zurückgekehrt war, schuf er voller Enthusiasmus das Queen’s House bei Greenwich ab 1616 und das Banqueting House bei Whitehall drei Jahre später.[13][40]
Nordische Renaissance: Schloss Frederiksborg (1602–1620)
Skandinavien[Bearbeiten]
Die Renaissance-Architektur, die ihren Weg nach Skandinavien fand, war durch die flämische Architektur beeinflusst, was am Schloss Frederiksborg an den hohen Giebelfeldern abzulesen ist. Sie erreichte Dänemark unter der Regierungszeit von Friedrich II und besonders Christian IV. Durch die zeitgleich entstandenen französischen Schlösser angeregt, entwarfen flämische Architekten Meisterwerke wie das Schloss Kronborg in Helsingør und das Frederiksborg Schloss in Hillerod (1602–1620). Letzterer ist der größte Palast der Renaissance in Skandinavien.
Als sich Gustav I. Wasa als neugewählter König von Schweden daran machte, die protestantische Reformation zu sichern, kam der Bau von Kirchen und Adelspalästen nahezu zum Stillstand. Er konzentrierte sich zwecks Machterhalt darauf, schlossartige Burgen zu bauen. So entstanden zu seiner Zeit das Schloss Gripsholm (1537–1544), das Schloss Kalmar und das Schloss Vadstena; alle erhielten durch umfangreiche Umbauten von Vorgängerbauten ihren heutigen Renaissance-Charakter.
Die Renaissancearchitektur in Norwegen konnte sich aufgrund der Pest nur deutlich langsamer durchsetzen. So wurden nur wenige Bauwerke im neuen Stil errichtet, der bekannteste ist der Rosenkranzturm als Teil der Festung Bergenhus. Weitere sind die Baronie Rosendal in der Region Hardanger sowie die Festung Akershus, die von 1596 bis 1646 von italienischen Festungsbaumeistern von einer Festung zu einem Renaissanceschloss umgebaut wurde. In Finnland haben sich keine nennenswerten Bauwerke der Renaissance erhalten.
Der Escorial, Spanien
Spanien[Bearbeiten]
In Spanien des ausgehenden 15. Jahrhunderts erfolgte die Übernahme der Renaissance mit deutlichen Weiterverwendungen gotischer Formen. Der neue Stil wurde Plateresque genannt, wegen ihrer extrem dekorierten Fassaden, die an die überbordenden Dekorationen der damaligen Silberschmiedearbeiten, die Plateros, erinnern. Die klassische Ordnung wurde übernommen und mit traditionellen und starken maurischen Einflüssen zu einem neuen Ganzen verwoben.
Ab der Mitte des 16. Jahrhunderts gelang es, einen stärkeren Bezug zur römischen Antike herzustellen, mit Anleihen an den Manierismus, wie die Arbeiten der Architekten wie Pedro Machuca, Juan Bautista de Toledo und Juan de Herrera zeigen. Die bekanntesten Beispiele sind der Palast Karl V in Granada und der Escorial.[13]
Gnadenkirche in Évora, Portugal (1530–1540)
Portugal[Bearbeiten]
Wie in Spanien vollzog sich die Übernahme des Renaissancestils in Portugal in Abschnitten. Bauwerke, in gotischem Stil erbaut, wurden mit Stilelementen der Renaissance dekoriert. Dieser Stil wird Manuelinik, (ca. 1490–1535), genannt. Der Torre de Belém, eine gotische Verteidigungsanlage, wurde um eine Loggia im Renaissancestil ergänzt. Das Mosteiro dos Jerónimos (Hyronimus-Kloster) in Lissabon erhielt Portale, Säulen und einen Kreuzgang, die mit Renaissance-Ornamenten dekoriert wurden.
Die ersten reinen Renaissancebauwerke erschienen unter der Regierungszeit Johanns III, wie die Kapelle Nossa Senhora da Conceição in Tomar (1532–1540), die Porta Especiosa an der alten Kathedrale von Coimbra und die Gnadenkirche in Évora (ca. 1530–1540), der Kreuzgang der Kathedrale von Viseu(ca. 1528–1534) und des Convento de Cristo in Tomar (1557–1591). In Lissabon zählt die São Roque-Kathedrale (1565–1587) zur Frührenaissance, das Kloster São Vicente de Fora (1582–1629) zum Manierismus, beide wurden zum Vorbild für Nachfolgebauwerke in den portugiesischen Kolonien.[13]
Innenhof der Wawel-Burg, Krakau
Polen[Bearbeiten]
Die polnische Renaissance-Architektur wird in drei Zeitabschnitte unterteilt: Die erste Periode (1500–1550) wird auch die italienische genannt. Die meisten Renaissancebauwerke wurden von italienischen Architekten errichtet, so der Innenhof der Wawel-Burg und die Sigismund-Kapelle von Francesco Fiorentino und Bartolomeo Berrecci aus Florenz.
In der zweiten Periode (1550–1600) war die Renaissance-Architektur in Polen angekommen; eine Reihe von Bauwerken entstanden, die Anklänge an den Manierismus aufweisen oder den flämischen Einfluss besonders in Pommern zeigen: die Krakauer Tuchhallen, von Santi Gucci Rathäuser von Tarnów, Sandomierz (Umbau eines gotischen Vorgängerbaus), Chelm (zerstört) und am bekanntesten das in Posen.
In der dritten Phase (1600–1650) beherrschten die immer mächtiger werdenden Jesuiten im Zuge der Gegenreformation die Entwicklung und forcierten den manieristischen und barocken Baustil.[41]
Ungarn[Bearbeiten]
Burg Rákóczi in Sárospatak mit Reanissance-Wohnturm[42]
Das Königreich Ungarn war eines der ersten Länder, die von der Renaissance beeinflusst wurden; der Stil erreichte das Land, als König Matthias Corvinus 1476 Beatrix von Aragón, die Tochter des Königs von Neapel, heiratete. Viele italienische Künstler und Handwerker begleiteten die neue Königin in ihre neue Heimat. Die Basilika von Esztergom mit der Bakócz-Kapelle ist ein herausragendes Ergebnis.[43]
Der Facettenpalast im Moskauer Kreml
Russland[Bearbeiten]
Großfürst Ivan III lud eine Reihe italienischer Architekten ein und führte so die Renaissance in Russland ein. Der Renaissancestil wurde mit heimischer Tradition gemischt. 1475–1479 leitete der Bologneser Architekt Aristotele Fioravanti den Neubau der Uspenski-Kathedrale; sie liegt im Moskauer Kreml.
1485 beauftragte Ivan III den Architekten Aloisio da Milano mit dem Bau des Terem-Palastes im Kreml sowie mit dem Bau mehrerer Wehrtürme für die Kremlmauer. Ebenfalls für den Kreml ließ er ab 1492 den Facettenpalast errichten, und zwar unter der Leitung der italienischen Baumeister Marco Ruffo und Pietro Antonio Solari. 1505–1509 ließ Ivan III. zwölf Kirchen durch Aleviz Novyi bauen, darunter die Erzengel-Michael-Kathedrale.
Kathedrale des Heiligen Jakob (Šibenik)
Kroatien[Bearbeiten]
Kroatien war im 15. Jahrhundert in drei souveräne Staaten geteilt. Der nördliche Teil mit Slowenien gehörte zum Königreich Ungarn, Dalmatien, mit Ausnahme des unabhängigen Dubrovnik, stand unter der Herrschaft Venedigs. Die Kathedrale des Heiligen Jakob (Šibenik) wurde ab 1441 noch gotisch durch Giorgio da Sebenico erbaut. Ab 1477 bis 1505 vollendeten italienische Baumeister diese im Renaissancestil. Eine Besonderheit ist das ungewöhnliche Tonnengewölbe, das aus Steinplatten gebaut wurde.[44]
Die Nachwirkung der Architektur der Renaissance[Bearbeiten]
Es gab mehrere „Wiedergeburten“ der Renaissance. So lässt sich der Klassizismus, als Abgrenzung der überladenden Architektur des Barock und des Rokokos, als ein Rückgriff auf die römische und auch griechische Antike begreifen. Die Unterscheidung klassizistischer und Neorenaissance-Bauten ist mitunter schwierig.
In England bewirkte Richard Boyle, 3. Earl of Burlington, (1694–1753) eine erneute intensive Beschäftigung mit Vitruv und Palladio. Er ließ deren Schriften ins Englische übertragen, wofür er Illustrationen neuer englischer Bauwerke anfertigen ließ, deren Bau er größtenteils finanzierte: Das Burlington House ab 1719 diente ihm zunächst als eigenes Wohnhaus in London und beherbergt heute die Royal Academy of Arts. Das Chiswick House, erbaut 1726 bis 1729, heute London, ist eine Neuinterpretation von Palladios La Rotonda. Durch das gemeinsame Studium der Schriften des Plinius mit William Kent entwickelte er den englischen Landschaftsgarten. In der Folge kam es in England zu zahlreichen Nachbauten von Palladios Villen und Paläste.[45]
In Deutschland wurde der Wörlitzer Park maßgebend vom Architekten Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff (1736–1800) gestaltet. Obwohl das Schloss eindeutig klassizistisch ist, sind zahlreiche Nebengebäude nur als Rückgriff auf die Antike und Renaissance und hier besonders Palladio zu verstehen. Die Bogenbrücke, erbaut 1776, scheint direkt aus Palladios „Vier Bücher der Architektur“ entnommen zu sein. In Hamburg, genauer im damals dänischen Altona, baute sich der dänische Architekt Christian Frederik Hansen ein Haus ganz im Stil Palladios. Mitte des 19. Jahrhunderts gestaltete Gottfried Semper in Dresden das Semperforum, so orientiert er sich für die Sempergalerie an Vasaris Uffizien in Florenz.
Monticello in Virginia
In den neu gegründeten USA wurde der spätere dritte Präsident Thomas Jefferson, zunächst Botschafter in Paris, von der Palladio-Rezeption beeinflusst. Er nutzt diese Stellung für Studienreisen in Norditalien. Sein Wohnhaus Monticello in Virginia gestaltet er nach Palladios La Rotonda. Sein architektonisches Mitwirken am Bau des Kapitols und dem Bau des Weißen Hauses in Washington ist dokumentiert. Die Kuppel des Kapitols weist deutlich auf das Vorbild des Petersdoms hin.[46][47]
Im 19. Jahrhundert wurden im Neohistorismus nahezu alle Kunstepochen revitalisiert; auch die Renaissance wurde mit neuen Baumethoden neuinterpretiert. 1841 schuf Charles Barry mit dem Neubau des Reform Club in London eine kleinere Version des Palazzo Farnese. In Paris schuf Charles Garnier zwischen 1860 und 1875 die nach ihm benannte Opéra Garnier.[27]
Piazza d’Italia in New Orleans
In der Postmoderne (ab 1960 zunächst in der Literatur, ab 1980 in der Architektur) wird die Renaissance Teil der zeitgenössischen Architektur. In New Orleans entwarf Charles Willard Moore (1925–1993) mit der Piazza d’Italia eine fröhliche, fast comicartige Neuinterpretation der Renaissance. Weitere Architekten, die sich in ihren Arbeiten mit der Renaissance auseinandersetzten, sind unter anderem Ricardo Bofill, der in 1985 mit seiner Wohnsiedlung in Marne-la-Vallée, Paris, die Renaissance neu dimensionierte, Rob Krier, Phillip Johnson und viele andere. Oswald Mathias Ungers (1926–2007) bezog sich in seinen Entwurf für die Galerie der Gegenwart als Teil der Kunsthalle Hamburg direkt auf Palladios La Rotonda. Die Rotunde in Palladios Gebäudemitte mutiert bei Ungers zu einem Quadrat.
Einzelnachweise[Bearbeiten]↑ Erwin Panofsky, Renaissance and Renascences in Western Art, (New York: Harper and Row, 1960)
↑ Einige Architekturhistoriker wie beispielsweise Sir Banister Fletcher sehen im Barock ebenfalls eine Phase der Architektur der Renaissance.
↑ Der italienische Ausdruck lässt sich als „Vierzehnhundert“ interpretieren und entspricht im Deutschen dem 15. Jahrhundert.
↑ Die Frührenaissance in der Architektur wird auch zur Unterscheidung der Entwicklung in Venedig gebraucht, wo ein fließenderer Übergang von mittelalterlicher und Renaissance-Baukunst als in Florenz zu beobachten ist. Siehe: John McAndrew Venetian Architektur of the Early Renaissance (Cambridge: The MIT Press, 1980).
↑ Howard Saalman. Filippo Brunelleschi: The Buildings. (London: Zwemmer, 1993).
↑ Arnaldo Bruschi. Bramante (London: Thames and Hudson, 1977).
↑ Einige Architekturhistoriker schreiben diese „Erfindung“ der Kolossalordnung Palladio zu, der sie um 1542 bei der Villa Pisani noch ganz dezent einsetzt. Vergleiche: Lionello Puppi, Andrea Palladio, 1982, München, ISBN 3-423-02881-5
↑ Arnold Hauser. Mannerism: The Crisis of the Renaissance and the Origins of Modern Art. (Cambridge: Harvard University Press,1965).
↑ Cathedral of Chihuahua, 1725–1826
↑ Basilica Minore del Santo Niño, gegenwärtiger Zustand 1735–1739
↑ Die Liste der folgenden Gestaltungselemente ist von Banister Fletcher, History of Architektur on the Comparative Method übernommen.
↑ Alberti gestaltete zuvor Kirchenfassaden für Santa Maria di Novella (Florenz) und Tempio MalatestianoSan Francesco (Rimini). Beide Bauwerke entstanden bereits in der Gotik.
↑ a b c d e f g h i j k l m n o Banister Fletcher, History of Architektur on the Comparative Method (first published 1896, current edition 2001, Elsevier Science &amp; Technology ISBN 0-7506-2267-9).
↑ Giorgio Vasari: Künstler der Renaissance, 1997, Köln, ISBN 3-88059-927-0
↑ a b c Andrew Martindale, Man and the Renaissance. 1966, Paul Hamlyn
↑ a b c d e Ilan Rachum, The Renaissance, an Illustrated Encyclopedia. 1979, Octopus, ISBN 0-7064-0857-8
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↑ Helen Gardner, Art Through the Ages, 5th edition, Harcourt, Brace and World.
↑ Agnes Heller, Der Mensch der Renaissance, 1982, Köln-Lövenich, ISBN 3-8147-0015-5
↑ a b Heinrich Klotz, Fillippo Brunelleschi, 1990, Stuttgart, ISBN 3-421-02989-X
↑ Heinrich Klotz, Die Frühwerke Brunelleschis und die mittelalterliche Tradition, 1970, Berlin.
↑ Attilio Pizzipione, Filippo Brunelleschi, 1991, München und Zürich, ISBN 3-7608-8127-0
↑ Giovanni Fanelli, Brunelleschi. 1980, Becocci editore Firenze
↑ Jacob Burckhardt, Die Kultur der Renaissance in Italien, 1997, Frankfurt am Main/Leipzig, ISBN 3-458-33682-6, S. 144.
↑ Anthony Crafton, Leon Battista Alberti – Baumeister der Renaissance, 2002, Berlin, ISBN 3-8270-0169-2
↑ Joseph Rykwert, Leonis Baptiste Alberti. Architectural Design, Vol 49 No 5–6, Holland St, London
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↑ Bernd Evers (Hrsg.), Architekturmodelle der Renaissance. 1995, Berlin, ISBN 3-7913-1396-7, S. 379.
↑ Auf diese beabsichtigte Außenwirkung weisen Pevsner und Gardener hin, schließlich konnte Michelangelo diese an der Florentiner Kuppel und der deutlich unscheinbareren Kuppel des Pantheons studieren.
↑ J. W. Goethe, Reise-Tagebuch 1786. Tagebuch der Italienischen Reise für Frau von Stein. 2 Bände im Schuber, geb., Faksimile und Transkription: Band 1: Faksimile der Handschrift von Goethe, 440 S. mit 6 Federzeichnungen Goethes und 2 Einlegeblättern u. Band 2: Transkription von Wolfgang Albrecht, 154 S., hrsg. von Konrad Scheurmann und Jochen Golz, ISBN 3-8053-2001-9, Eintragung vom 21. September im 9 Kapitel
↑ Manfred Wundram, Thomas Pape, Paolo Marton, Andrea Palladio. Taschen, ISBN 3-8228-0271-9
↑ Rudolf Wittkower: Grundlagen der Architektur im Zeitalter des Humanismus. München 1983; Lionel March, Architectonics in Humanism, 1998, Chichester, S. 246–298; Roger Popp, Die Mittelmaße in der Architektur, 2005, Hamburg, ISBN 3-8300-1973-4, S. 118–127.
↑ Branco Mitrovic and Stephen R. Wassell, Andrea Palladio: Villa Cornaro in Piombino Dese (New York: Acanthus Press, 2006, ISBN 0-926494-36-8)
↑ a b H. W. Janson, F. Anthony: History of Art. Harry N. Abrams, New York 1997, ISBN 0-8109-3442-6.
↑ Schunicht-Rawe, Anne; Lüpkes, Vera (Hrsg.): Handbuch der Renaissance. Deutschland, Niederlande, Belgien, Österreich, Schweiz. Köln 2002.
↑ Fritz Baumgart, Stilgeschichte der Architektur, 1977, Köln, ISBN 3-7701-0715-2.
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↑ Harald Busch, Bernd Lohse, Hans Weigert, Baukunst der Renaissance in Europa. Von Spätgotik bis zum Manierismus. Frankfurt af Main, 1960
Wilfried Koch, Style w architekturze, Warsaw 1996
Tadeusz Broniewski, Historia architektury dla wszystkich Wydawnictwo Ossolineum, 1990
Mieczyslaw Gebarowicz, Studia nad dziejami kultury artystycznej póznego renesansu w Polsce, Torun 1962
↑ Rákóczi Castle Zugriff am 23. Oktober 2006
↑ Image of Bakócz Chapel (1506–1508)
↑ St Jacob’s Cathedral (Memento vom 6. Mai 2009 im Internet Archive)
↑ Jürgen Bracker (Hrsg.): Bauen nach der Natur – Palladio – Die Erben Palladios in Nordeuropa. Osterfildern bei Stuttgart 1997, ISBN 3-7757-0694-1.
↑ Baldur Köster, Palladio in Amerika, 1990, München, ISBN 3-7913-1057-7
↑ Martin Warnke (Hrsg.), Politische Architektur in Europa, 1984, Köln, ISBN 3-7701-1532-5, hier der Beitrag von Paul F. Norton, Latrobe-Klassizismus S. 336–352Quellenschriften[Bearbeiten]Leon Battista Alberti: Zehn Bücher über die Baukunst. Darmstadt 1975, ISBN 3-534-07171-9. (um 1450)
Sebastiano Serlio: The Five Books Of Architecture. New York, ISBN 0-486-24349-4. (Nachdruck der englischen Ausgabe von 1611)
Andrea Palladio: Die vier Bücher zur Architektur. Zürich/München 1570, 1983, ISBN 3-7608-8116-5.Literatur[Bearbeiten]Hubertus Günther: Was ist Renaissance? Eine Charakteristik der Architektur zu Beginn der Neuzeit. Darmstadt 2009.
Krista De Jonge, Konrad Ottenheym: Unity and discontinuity. Architectural relations between the Southern and Northern Low Countries 1530 – 1700. Turnhout 2007.
Anne Schunicht-Rawe, Vera Lüpkes (Hrsg.): Handbuch der Renaissance. Deutschland, Niederlande, Belgien, Österreich, Schweiz. Köln 2002.
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Jacob Burckhardt: Die Baukunst der Renaissance in Italien. Nach der Erstausgabe der "Geschichte der Renaissance in Italien" (= Jacob Burckhardt Werke 5). München 2000.Weblinks[Bearbeiten]Renaissance-Architektur in Great Buildings Online<!–NewPP limit report
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In gleichem Maße, wie die Architektur selbst unterschiedlichen Sphären angehört (Baukunst, Technik, Kultur, Umwelt etc.), gliedert sich auch die Architekturtheorie in mindestens drei übergeordnete Bereiche:
1. Architekturtheorie als Theorie des Faches Architektur, als theoretische Fundierung des Handelns und der Rolle der Architekten sowie – wie in jeder anderen akademischen Disziplin auch – der Inhalte und Ausdrucksformen ihrer Profession: Angefangen bei Vitruv als Verfasser des ersten architekturtheoretischen Traktats zur Architektur als Fachgebiet über Alberti, Palladio u.v.a.m. bis hin zu Semper für den Bereich der Alten Architektur sowie fortgesetzt von den Mitbegründern der Neuen Architektur wie Le Corbusier, F.L. Wright, Gropius, Mies van der Rohe etc. über Kahn, Venturi, Rossi u.&#160;v.&#160;a.&#160;m. bis hin zu den Protagonisten der zeitgenössischen Architektur.
2. Architekturtheorie als Theorie der Baukunst, als Teilbereich der Kunstgeschichte und der „allgemeinen Kunsttheorie, der sie als Bestandteil angehört“[1], wobei die Kunsthistoriker ihr Augenmerk eher auf die schon seit längerer Zeit fertiggestellten Bau-Kunstwerke, auf deren Einordnung in stilistische Zusammenhänge sowie auf Querverbindungen zu anderen Kunstgebieten richten.
3. Architekturtheorie als Reflexion über Architektur als Kulturphänomen insgesamt mit all seinen künstlerischen, technologischen, ökonomischen, ökologischen, politischen, gesellschaftlichen, energetischen und ästhetischen Implikationen, als theoretische Auseinandersetzung über Inhalte und Ausdrucksformen ebenso wie über die Auswirkungen der Architektur auf die Umwelt und das Leben der Menschen. Im Zentrum steht dabei das Betrachten und Beurteilen von Konzepten oder bereits fertiggestellten Ergebnissen, das Nachdenken über Architektur als Spiegelbild gesamtgesellschaftlicher Prozesse.Inhaltsverzeichnis
1 Weitere Definitionen
2 Das Wesen der Architektur
3 Themen
4 Maßgebliche Autoren und Werke
5 Sekundärliteratur
6 EinzelnachweiseWeitere Definitionen[Bearbeiten]
„Theorie der Architektur (ist) disziplinunabhängiges oder […] interdisziplinäres Nachdenken über Architektur, zudem Methodenreflektion, Wissenschafts- und Metatheorie der Architektur.“ (Selbstbeschreibung des Lehrstuhls für Architekturtheorie TU Cottbus)
Architekturtheorie fragt nach Ästhetik, Wesen und Bedeutung der Architektur, erforscht deren „ideen- und geistesgeschichtlichen Hintergründe“ und betreibt deren Einordnung in größere historische, kulturelle, soziale und künstlerische Zusammenhänge. Architekturtheorie ist „Teil (der) Kunstliteratur, die sich zwar mit Architektur (befasst), auch Aussagen zum Berufsbild des Architekten und zur Entwurfslehre (trifft), meist aber zunächst im Zusammenhang mit der allgemeinen Kunsttheorie und der Diskussion an den akademischen Institutionen zu begreifen (ist).“ (Zitate aus Selbstbeschreibung des Lehrstuhls der Architekturtheorie am Karlsruher Institut für Kunstgeschichte)
Architekturtheorie ist die „Theorie einer Handlungswissenschaft“, die „anders als naturwissenschaftliche Theorien, die provisorische Schneisen durch noch unerforschtes Gelände legen, […] auf Gründe, Haltungen und Weltanschauungen (verweist), welche das Handeln von Architekten motivieren und leiten .[…] Sie (betrachtet) die gebaute Wirklichkeit im Licht von Verfassererklärungen, Regeln, Traktaten, Dogmen und Doktrinen. Sie sucht auch dort nach Erklärungen und verborgenen Motiven, wo das Bauen scheinbar ganz ohne Theorie oder bekennende Autoren vonstatten geht.[…] Sie interessiert sich für Sachverhalte, die […] über den Horizont unmittelbarer und einmaliger Bezüge hinausführen. Sie fragt nach Ideen, Themen und Topoi, die im Verlauf der Geschichte entdeckt, vergessen und reaktiviert wurden.“ (Zitate aus Selbstbeschreibung des Lehrstuhls für Architekturtheorie RWTH Aachen)
Architekturtheorie ist „einerseits Reflexion der Architektur im Hinblick auf ihre Wirklichkeitspotenziale, das heißt in Hinblick auf ihr Gemachtwerden und Gemachtsein, also auf die praktische Umsetzung und Materialisierung architektonischer Ideen. In diesem Sinne ist Architekturtheorie eine praktische Ästhetik. Andererseits ist Architekturtheorie das kritische Nachdenken über die kulturelle Funktion der Architektur, also über ihre Möglichkeitsbedingungen im großen kulturellen Ganzen, besonders dort, wo sich dieses in einem ständigen Umbauprozess befindet. Wo es um die kulturellen Bedingungen für die Architektur geht, findet die Erweiterung der Architekturtheorie zur Philosophie der Architektur statt.“[2]
Das Wesen der Architektur[Bearbeiten]
Zu den zentralen Aufgaben jeder Architekturtheorie gehört die Definition des Begriffs "Architektur" selbst, die Klärung ihres besonderen Charakters zwischen Bauen und Baukunst. Diese Klärung kann nur im Fadenkreuz historischer und vergleichender Betrachtung erfolgen, denn zum einen hat sich die Bedeutung des Begriffs "Architektur" im Laufe der Geschichte mehrfach geändert (vom Teilbereich der Bildenden Künste bis zum Hochbaugebiet), zum anderen kann der besondere Charakter der Architektur nur in Abgrenzung zu den benachbarten Gebieten Kunst, Wissenschaft, Technik, Design etc. herausgearbeitet werden. "Von den Künsten trennt sie der Graben der Zweckgebundenheit – aber sie kann trotzdem große Kunstwerke hervorbringen. Von dem streng methodischen Vorgehen der Wissenschaft trennt sie das Spontane, Intuitive – aber sie verarbeitet dennoch ständig die neuesten wissenschaftlichen und technischen Errungenschaften. Vom allgemeinen Bauen trennt sie der Qualitäts- und Gestaltungsanspruch – aber sie muß trotzdem alle Gewerke des Bauens perfekt beherrschen. Von der mangelnden Steuerbarkeit der künstlerischen Produktion trennt sie die Notwendigkeit der Auftragsplanung, die nicht allein auf die Zufälle von Kreativität und Originalität vertrauen kann, sondern auf erlernbare gestalterische und ästhetische Qualifikationen zurückgreifen muß. Architektur ist daher per se weder Bauen noch Baukunst sondern die Kunst des Bauens."[3]
Themen[Bearbeiten]
Architekturtheorie kennt viele Protagonisten und nicht selten einander widersprechende Standpunkte. Sie wurde im Laufe der Jahrhunderte sowohl durch individuelle, als auch national-kulturelle Sichtweisen und Eigenarten geprägt. Auch der allgemeine technisch-wissenschaftliche Fortschritt, insbesondere die damit einhergehenden Änderungen und Neuerungen im Bauwesen, hat die Architekturtheorie immer wieder beeinflusst. Dies macht einen vollständigen enzyklopädischen Überblick über die Disziplin nahezu unmöglich. Für einen umfänglichen historischen Abriss sei deshalb ausdrücklich auf die entsprechende Literatur zur Geschichte der Architekturtheorie verwiesen. Im Folgenden werden stichwortartig relevante Teilaspekte, Disziplinen und konzeptionelle Ansätze, die Grundlage architekturtheoretischer Diskurse waren oder immer noch sind, aufgeführt:
Teilaspekte: Proportionslehre, Entwurfslehre, Typologien, Tektonik, Wahrnehmungslehre, Morphologie, Raumtheorie, Gestaltungslehre, Gestalttheorie, etc.
Beteiligte Disziplinen: Das Fachgebiet Architektur, Architektur- und Kunstwissenschaft, Architekturkritik, Kunstgeschichte, Kunsttheorie (als Bestandteil der Ästhetik, die wiederum Teilbereich der Erkenntnistheorie ist), Architekturgeschichte, Kommunikationstheorie, Semiotik, Architektur- und Stadtsoziologie, Ökologie, Umweltwissenschaften, etc.
Konzeptionelle Architekturansätze als Grundlagen architekturtheoretischer Diskurse: Funktionalismus, Konstruktivismus, Rationalismus, Strukturalismus, Poststrukturalismus, Minimalismus, Materialästhetik, Parametrisches Design, Digitales Gestalten, etc.
Maßgebliche Autoren und Werke[Bearbeiten]Dieser Artikel oder Abschnitt bedarf einer Überarbeitung: Statt aktueller bibliographischer Angaben sollten hier Erläuterungen zur Bedeutung der Autoren und Werke stehen, inklusive ihrer Zuordnung zu Themen und Stilepochen. Hilf mit, ihn zu verbessern, und entferne anschließend diese Markierung.Antike
Vitruv: De Architectura libri decem, um 30 v.&#160;Chr.
Deutsch: Zehn Bücher über Architektur, Übersetzt und mit Anmerkungen versehen von Curt Fensterbusch, Primus Verlag, Darmstadt 1996, ISBN 3-89678-005-0.
Spätgotische Sakralbauten
Werkmeisterbücher
15.–17. Jahrhundert
Leon Battista Alberti: De re aedificatoria libri decem. Florenz 1485
Deutsch: Zehn Bücher über die Baukunst, Unveränderter Nachdruck der Ausgabe Wien/Leipzig 1912, Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1991
Filarete: Trattato d'architettura, Mailand 1460
englisch: Filarete's Treatise on Architecture: Being the Treatise by Antonio di Piero Averlino, Known as Filarete. Originally composed in Milan c. 1460 Translated by John R. Spencer. Facsimile ed. 2 vols. New Haven: Yale University Press 1965
Francesco di Giorgio Martini: Trattati di architettura, ingegneria e arte militare. Hrsg. Corrado Maltese, Transkription von Livia Maltese Degrassi, 2 Bde., Mailand 1967
Sebastiano Serlio: Sette libri dell'architettura – Tutte l'opere d'architettura et prospetiva, Venedig 1584
Hans Blum: Qvinqve Colvmnarvm Exacta descriptio atque deliniatio, cum symmetrica earum distributione. Froschauer, Zürich 1550. (Digitalisat)
Andrea Palladio: Quattro libri dell’architettura. Venedig 1570
Deutsch: Die vier Bücher zur Architektur, Deutsche Übersetzung nach der Ausgabe Venedig 1570, Birkhäuser Verlag, 1993, ISBN 3-7643-5561-1.
Vincenzo Scamozzi: L'idea della architettura universale. Venedig 1615, A. Forni (Sala Bolognese) 1982
Nicolas-François Blondel: Cours d'Architecture Civile, Bände 1–5, Paris 1675–1683
18. Jahrhundert
Giovanni Battista Piranesi: Della Magnificenza ed Architettura, de’Romani. Rom 1761; Reprint ed. John Wilton-Ely, in: Giovanni Battista Piranesi, The Polemical Works, 1972
Marc-Antoine Laugier: Essai sur l'architecture, anonym veröffentlicht Paris 1753, personalisiert veröffentlicht Paris 1755
Deutsch: Das Manifest des Klassizismus, Verlag für Architektur Artemis, Zürich 1989, ISBN 3-7608-8124-6.
Edmund Burke: Philosophical Enquiry into the Origin of our Ideas of the Sublime and Beautiful, 1757
Deutsch: Philosophische Untersuchungen über den Ursprung unserer Begriffe vom Erhabenen und Schönen, aus dem Englischen von Friedrich Bassenge, neu eingeleitet und herausgegeben von Werner Strube, 2. Auflage. Hamburg 1989
Anonym: Untersuchungen über den Charakter der Gebäude, über die Verbindung der Baukunst mit den schönen Künsten und über die Wirkungen, welche durch dieselbe hervorgebracht werden sollen. 1785, Reprint m. einer Einf. v. H.-W. Kruft, Nördlingen 1986
Étienne-Louis Boullée: Architecture. Essai sur l’art, 1793
Deutsch: Architektur. Abhandlung über die Kunst, Hrsg. Beat Wyss, Zürich München 1987
Claude-Nicolas Ledoux: L'Architecture considérée sous le rapport de l'art, des moers et de la législation, Paris 1804, Neuauflage in zwei Bänden, ohne Text 1847 unter dem Titel L'Architecture de Claude Nicolas Ledoux
Johann Joachim Winckelmann: Anmerkungen über die Baukunst der Alten, Dresden 1762; Reprint: Baden-Baden, Strasbourg 1964
19. Jahrhundert
Arthur Schopenhauer: Die Welt als Wille und Vorstellung, (Band 1 1819, Band 2 1844) Textkrit. bearb. u. hrsg. v. Wolfgang von Löhneysen [zur Architektur: Bd. 1, § 43–44; Bd. 2, Buch III, Kap. 35&#160;»Zur Ästhetik der Architektur«], 3 Bde. Frankfurt am Main 1986
John Ruskin: The Seven Lamps of Architecture. London 1849, Reprint Dover Verlag 1990, ISBN 0-486-26145-X
Deutsch: Die sieben Leuchter der Baukunst, Dortmund 1994
Heinrich Hübsch: In welchem Style sollen wir bauen?, Karlsruhe 1828
Eugène Viollet-le-Duc: Dictionnaire raisonné de l'architecture française du XIe au XVe siècle. 10 Bände, Paris 1854–1868
Deutsch: Definitionen. Sieben Stichworte aus dem Dictionnaire raisonné de l’architecture mit einem deutsch-französischen Inhaltsverzeichnis der neunbändigen Ausgabe des „Dictionnaire“ von 1869, Birkhäuser Architektur Bibliothek, Basel u. a. 1993
Jean-Nicolas-Louis Durand: Precis des lecons d'architecture donnees a l'Ecole Polytechnique. 2 Bde., Paris 1817–1819; Reprint: Unterschneidheim 1975
Auguste Choisy: Histoire de l'architecture. 2 Bde., Paris 1899; Reprint der Ausgabe von 1899. Genf-Paris 1982
Karl Friedrich Schinkel: Das Architektonische Lehrbuch. dokumentiert in: Goerd Peschken, Das Architektonische Lehrbuch (Karl Friedrich Schinkel. Lebenswerk) München-Berlin 1979
Gottfried Semper: Der Stil in den technischen und tektonischen Künsten oder Praktische Ästhetik, Reprint der Ausgabe von 1860-1863, Mittenwald 1977
Heinrich Wölfflin: Prolegomena zu einer Psychologie der Architektur, Ludwig-Maximilians-Universität München 1886, Nachdruck Gebr. Mann Verlag Berlin 1999
Louis Sullivan: The Tall Office Building Artistically Considered in Lippincott's Magazine 1896
Camillo Sitte: Der Städtebau nach seinen künstlerischen Grundsätzen, 1. Auflage. Wien 1889, Reprint d. Ausg. 1904, Wien 1972
20. Jahrhundert
Adolf Loos: Ornament und Verbrechen, 1908, Nachdruck Prachner, Wien 2000, ISBN 3-85367-059-8.
Paul Scheerbart: Glasarchitektur, Verlag Der Sturm, Berlin 1914; Neuausgabe München 1971
Hermann Sörgel: Architektur-Ästhetik. Theorie der Baukunst. Berlin 1921, Nachdruck Gebr. Mann Verlag, Berlin 1998, ISBN 3-7861-1992-9.
Adolf Behne: Der moderne Zweckbau. Drei Masken Verlag, Berlin 1926, Nachdruck Bauwelt Fundamente Bd. 10, Berlin; Frankfurt 1964, Nachdruck Gebr. Mann Verlag, Berlin 1998
Bruno Taut: Architekturlehre. VSA-Verlag, Hamburg/Westberlin 1977
Le Corbusier: Vers une architecture. Paris 1922
Deutsch: Kommende Baukunst, Leipzig 1923; Ausblick auf eine Architektur, Bauwelt Fundamente Band 2, Birkhäuser 2001
Le Corbusier: Feststellungen. 1929, Bauwelt-Fundamente Bd. 12, Vieweg, Braunschweig 1978
Henry-Russel Hitchcock, Philip Johnson: Der Internationale Stil. Bauwelt Fundamente, Bd. 70, Vieweg, Braunschweig 1985
Emil Kaufmann: Von Ledoux bis Le Corbusier: Ursprünge und Entwicklung der autonomen Architektur. Wien, Passer 1933, Neuauflage Gert Hatje, Stuttgart 1985
Sigfried Giedion: Space, Time &amp; Architecture: The Growth of a New Tradition, 1941
Deutsch: Raum, Zeit und Architektur: Die Entstehung einer neuen Tradition, Birkhäuser Verlag 2000, ISBN 3-7643-5407-0.
Hans Sedlmayr: Verlust der Mitte. Die bildende Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts als Symptom und Symbol der Zeit. Otto Müller Verlag, Salzburg 1998, 11. Aufl., ISBN 3-7013-0537-4.
Martin Heidegger: Bauen, Wohnen, Denken, Vorträge und Aufsätze, Klett-Cotta 1951, ISBN 3-608-91090-5.
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Colin Rowe, Robert Slutzky: Transparency, 1964
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Robert Venturi: Complexity and Contradiction in Architecture, 1966
Deutsch: Komplexität und Widerspruch in der Architektur, Bauwelt Fundamente Band 50, Birkhäuser Verlag 2007.
Louis I. Kahn: Architektur: Stille und Licht (1970), in: Louis I. Kahn: Die Architektur und die Stille. Gespräche und Feststellungen, hrsg. v. Alessandra Latour, Basel; Boston; Berlin 1993
Robert Venturi, Steven Izenour, Denise Scott Brown: Learning from Las Vegas: The Forgotten Symbolism of Architectural Form, 1972, Überarbeitete Fassung The MIT Press 1977
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Christian Norberg-Schulz:Logik der Baukunst. Ullstein Bauweltfundamente 15, Berlin 1965, DNB 453602797.
Vom Sinn des Bauens. Die Architektur des Abendlandes von der Antike bis zur Gegenwart. Ernst Klett, Stuttgart 1979, ISBN 3-88448-002-2.
Genius Loci. Landschaft, Lebensraum, Baukunst. Klett-Cotta, Stuttgart 1982, ISBN 3-608-76157-8.
Christopher Alexander: A Pattern Language. Towns, Buildings, Construction. Oxford University Press, New York 1977, ISBN 0-19-501919-9
Deutsch: Eine Muster-Sprache. Städte, Gebäude, Konstruktion, Wien, Löcker Verlag 1995, ISBN 3-85409-179-6.
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Rem Koolhaas: Delirious New York: A Retroactive Manifesto of Manhattan, 1978
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Roger Scruton: The Aesthetics of Architecture. Princeton University Press 1979
Colin Rowe, Fred Koetter: Collage City, The MIT Press 1984, Birkhäuser Verlag 1997, ISBN 3-7643-5608-1.
Rudolf Arnheim: Die Dynamik der architektonischen Form, DuMont Buchverlag, Köln 1980
Alberto Perez-Gomez: Architecture and the Crisis of Modern Science. MIT Press 1983
Fischer, Fromm, Gruber, Kähler, Weiß: Abschied von der Postmoderne. Bauwelt Fundamente, Bd. 64, Vieweg, Braunschweig 1987
Julius Posener: Vorlesungen zur Geschichte der Neuen Architektur. Arch+-Verlag, Aachen 2003
Reyner Banham: Die Revolution der Architektur. Theorie und Gestaltung im ersten Maschinenzeitalter, Bauwelt Fundamente, Bd. 89, Vieweg, Braunschweig 1990
Günther Fischer: Architektur und Sprache. Grundlagen des architektonischen Ausdrucksystems. Karl Krämer Verlag, Stuttgart 1991
Jacques Derrida: Am Nullpunkt der Verrücktheit – Jetzt die Architektur. In: Wolfgang Welsch, (Hrsg.): Wege aus der Moderne – Schlüsseltexte zur Postmoderne-Diskussion, S. 215–232, Weinheim 1988
Oswald Mathias Ungers: Entwerfen mit Vorstellungsbildern, Metaphern und Analogien. Anmerkungen zu einem morphologischen Konzept. In: Architektur 1951–1990, Stuttgart 1991
Die Thematisierung der Architektur, 1983, herausgegeben von Technische Universität Dortmund und Walter A. Noebel, Niggli Verlag, 2009, ISBN 978-3-7212-0698-2.
Heinrich Klotz: Die zweite Moderne. Verlag C.&#160;H. Beck, München 1996
Jürgen Pahl: Architekturtheorie des 20. Jahrhunderts. Prestel Verlag 1999
21. Jahrhundert
Michael Wilkens: Architektur als Komposition. Birkhäuser 2000, ISBN 3-7643-6330-4.
Derrick de Kerckhove: Die Architektur der Intelligenz – Wie die Vernetzung der Welt unsere Wahrnehmung verändert. Birkhäuser Verlag 2001, ISBN 3-7643-6488-2.
Fritz Neumeyer: "Der Klang der Steine. Nietzsches Architekturen." Mann Verlag 2001, ISBN 978-3-7861-2418-4.
Eduard Heinrich Führ: Denken im Bestand: zur Praxis der Architekturtheorie. Materialverlag, Hamburg 2004, ISBN 3-932395-77-8.
Wolfgang Meisenheimer: Das Denken des Leibes und der architektonische Raum. Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 2006, ISBN 3-88375-841-8.
Steven Holl, Juhani Pallasmaa, Alberto Perez-Gomez: Questions of Perception: Phenomenology of Architecture, William Stout Publishers, 2006, ISBN 0-9746214-7-1.
Margitta Buchert, Carl Zillich (Hrsg.): Performativ? Architektur und Kunst. Jovis 2006, ISBN 3-939633-14-3.
Stephan Trüby: Exit-Architektur. Design zwischen Krieg und Frieden, Springer Verlag, Wien/New York 2008, ISBN 978-3-211-71906-0.
Jörg H. Gleiter: Architekturtheorie heute. Transcript Verlag, Bielefeld 2008, ISBN 978-3-89942-879-7.
Georg Franck, Dorothea Franck: Architektonische Qualität, Hanser-Verlag, München 2008.
Ákos Moravánszky, Ole W. Fischer: Precisions – Architektur zwischen Wissenschaft und Kunst. JOVIS Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-939633-42-6.
Günther Fischer: Vitruv NEU oder Was ist Architektur?. Bauwelt Fundamente Band 141, Birkhäuser, Basel 2009, ISBN 978-3-7643-8805-8
Fritz Neumeyer, Hans Kollhoff: "Das architektonische Argument: Texte zur Baukunst." Gta Verlag 2010, ISBN 978-3-856762-72-8.
Peter Zumthor: "Architektur denken." Birkhäuser Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-034605-55-7.
Ákos Moravánszky, Albert Kirchengast: Experiments – Architektur zwischen Wissenschaft und Kunst. JOVIS Verlag, Berlin 2011, ISBN 978-3-86859-040-1.
Günther Fischer: "Leon Battista Alberti". Sein Leben und seine Architekturtheorie. Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 2012, ISBN 978-3-534-25603-7
Günther Fischer: "Architekturtheorie für Architekten". Die theoretischen Grundlagen des Faches Architektur. Birkhäuser, Basel 2014, ISBN 978-3-03821-505-9
Quellensammlungen
Ulrich Conrads (Hrsg.): Programme und Manifeste zur Architektur des 20. Jahrhunderts. Bauwelt Fundamente Band 1, Berlin: Ullstein-Verlag, 1964
Fritz Neumeyer, (Hrsg.): Quellentexte zur Architekturtheorie. Prestel Verlag, München 2002
Gerd de Bruyn und Stephan Trüby (Hrsg.): architektur_theorie.doc. Texte seit 1960, Birkhäuser Verlag, Basel 2003
Bernd Elvers und Christof Thoenes (Hrsg.): Architekturtheorie von der Renaissance bis zur Gegenwart. Taschen Verlag, Köln 2003, ISBN 3-8228-5082-9.
Akos Moravánszky (Hrsg.): K.M. Gyöngy (Assistent): Architekturtheorie im 20. Jahrhundert: Eine kritische Anthologie, Springer Verlag, Wien 2003, ISBN 3-211-83743-4.
Vittorio Magnago Lampugnani, Ruth Hanisch, Ulrich Maximilian Schumann und Wolfgang Sonne (Hrsg.): Architekturtheorie 20. Jahrhundert. Positionen – Programme – Manifeste, Hatje Cantz Verlag, Ostfildern 2004
Thomas Friedrich, Jörg H. Gleiter (Hrsg.): Einfühlung und phänomenologische Reduktion Grundlagentexte zu Architektur, Design und Kunst, LIT Verlag, Münster 2009, ISBN 978-3-8258-9366-8.
Susanne Hauser, Christa Kamleithner, Roland Meyer (Hrsg.): Architekturwissen. Grundlagentexte aus den Kulturwissenschaften. Bd. 1: Zur Ästhetik des sozialen Raumes, transcript-Verlag, Bielefeld 2011, ISBN 978-3-8376-1551-7.
Susanne Hauser, Christa Kamleithner, Roland Meyer (Hrsg.): Architekturwissen. Grundlagentexte aus den Kulturwissenschaften. Bd. 2: Zur Logistik des sozialen Raumes, transcript-Verlag, Bielefeld 2013, ISBN 978-3-8376-1568-5.Sekundärliteratur[Bearbeiten]Geschichte der Architekturtheorie
Georg Germann: Einführung in die Geschichte der Architekturtheorie. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1980, ISBN 3-534-08148-X
Hanno-Walter Kruft: Geschichte der Architekturtheorie. Von der Antike bis zur Gegenwart. 5. Auflage. C.&#160;H. Beck, München 2004, ISBN 3-406-34903-X.
Kari Jormakka: Geschichte der Architekturtheorie. Institut für Architekturwissenschaften: Architekturtheorie, Technische Universität Wien, Edition Selene 2007, ISBN 978-3-85266-197-1.Einzelnachweise[Bearbeiten]↑ Hanno-Walter Kruft: Geschichte der Architekturtheorie, S. 12
↑ Jörg H. Gleiter: Architekturtheorie heute. S. 8.
↑ Günther Fischer: "Architekturtheorie für Architekten". Die theoretischen Grundlagen des Faches Architektur, S. 60.<!–NewPP limit report
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Zeitgenössische Visualisierung eines Architekturprojekts mit Hilfe des Computers
Unter Architekturdarstellung versteht man die visuelle Darstellung einer gebauten oder geplanten Architektur. Während der Entwurfsphase eines Gebäudes und im Rahmen von Architekturwettbewerben dient die Architekturdarstellung der ästhetischen und meist dreidimensionalen Überprüfung und Präsentation der geplanten Idee. Bei dreidimensionalen Darstellungen in grafischer Form spricht man auch von Visualisierung.
Die Darstellung kann in verschiedenen Formen und Medien erfolgen. Die klassische Form ist die Architekturzeichnung und das Modell. Früher wurde beides stets per Hand angefertigt. Heute kommen jedoch immer häufiger aufwendige Visualisierungen und Computersimulationen zum Einsatz. Anfänglich wurden computergenerierte Zeichnungen auf Papier ausgedruckt, mittlerweile spielen Präsentationen digitaler Daten direkt am Computer (zum Beispiel mit Powerpoint), virtuelle Kamerafahrten und Animationen eine immer wichtigere Rolle.Inhaltsverzeichnis
1 Darstellungsformen1.1 Skizzen
1.2 Zeichnungen
1.3 Zeichnerische Visualisierungen
1.4 Computerunterstützte Visualisierungen1.4.1 3D Modell
1.4.2 Rendering
1.4.3 Bildbearbeitung
1.4.4 Animationen
2 Medien2.1 Papier
2.2 Modell
2.3 Computerunterstützte Präsentation
3 Siehe auch
4 WeblinksDarstellungsformen[Bearbeiten]
Skizzen[Bearbeiten]
Beispiel einer Architekturskizze
Das einfachste Mittel der Architekturdarstellung ist eine Skizze, eine schnelle Strichgrafik, die in einer zumeist perspektivischen Darstellung ein Projekt oder eine Idee darstellt. Wobei die Skizze oft nur zur schnellen Überprüfung der eigene Idee dient. Blei-, Filz, Kreidestift, Feder oder Kugelschreiber sind die gebräuchlichsten Zeichenmedien. Siehe auch Croquis.
Zeichnungen[Bearbeiten]
Entwurfszeichnung "Torwärterhaus", Berlin, Architekt Ludwig Persius
→ Hauptartikel: Zeichnung (Architektur)
Als Architekturzeichnung bezeichnet man die zeichnerische Darstellung eines Entwurfs. Der Architekt benutzt diese Zeichnungen als Arbeits- und Entwurfswerkzeuge, um seine Ideen zu entwickeln, zu artikulieren und schließlich zu präsentieren. Eine sprachliche Umschreibung wäre sehr viel unpräziser.
Für Präsentationen werden zusätzliche, aufwändigere Darstellungsweisen verwendet: Perspektive, Zeichnung (Kunst), Collage, Malerei, Grafik und verschiedene Mischtechniken. Diese Techniken ermöglichen spezifische Aussagen hervorzuschälen und andere Eigenschaften auszublenden. Selten ist das originalgetreue Abbilden die Absicht, sondern eher eine Interpretation oder das Vermitteln eines bestimmten Ausdrucks.
Zeichnerische Visualisierungen[Bearbeiten]
Wettbewerbszeichnung für das "Narkomtiazhprom"-Gebäude auf dem Roten Platz in Moskau (Perspektive)
Die Visualisierung ist schon sehr alt, denn schon immer hat es die Bauherren interessiert ihre Gebäude vor der Entstehung zu sehen. Bekannte Architekten der Moderne, welche die Darstellung revolutionierten: z.&#160;B. von Frank Lloyd Wright, Otto Wagner und Helmut Jacoby. Einige namhafte Architekten erhoben die Visualisierung ihrer Entwürfe zu einer eigenen Ausdrucksform, die für ihr Werk charakteristisch ist. Dazu zählen unter anderen Étienne-Louis Boullée, Otto Wagner, Antonio Sant’Elia, Leon Krier, Rob Krier, Aldo Rossi und Zaha Hadid.
Computerunterstützte Visualisierungen[Bearbeiten]
Simples 3D Modell
→ Hauptartikel: Computergrafik
In den letzten Jahren wurden die traditionellen, analogen Illustrationsmethoden, zunehmend durch den Einsatz des Computers verdrängt. Dies bietet viele Vorteile, wie eine schnelle Verarbeitung und die Möglichkeit ein photorealistisches Bild zu erzeugen.
3D Modell[Bearbeiten]
Seit den 90er Jahren kann das Modell eines Gebäudes dreidimensional im virtuellen Raum erzeugt werden. Mit Hilfe von CAD-Technik lässt sich daraus neben den Bauzeichnungen unmittelbar eine perspektivische Darstellung generieren. Siehe dazu auch Modell (Architektur)#Computermodelle.
Rendering[Bearbeiten]
→ Hauptartikel: Architekturrendering
Photorealistisch gerenderte und nachbearbeitete Darstellung
Die virtuellen Modelle können mit spezieller 3D-Grafiksoftware weiterbearbeitet und gerendert werden. Dabei wird in der Software (z.B. Cinema 4D oder Studio Max 3D) das virtuelle Modell mit Texturen belegt. Anschließend wird eine Perspektive gewählt und diese in einer hohen Auflösung „gerendert“, also in ein zweidimensionales Abbildung konvertiert. Heute weitverbreitet ist die sogenannte "photorealistische Darstellung", bei der realitätsnahe Bilder erzeugt werden. In der Praxis können Innen-, Außen-Ansichten und sog. Vogelperspektiven erzeugt, die realitätstreu alle Größen-Berechnungen und Umfeld-Informationen beinhalten.
Ein Haupt-Aspekt des Renderings (dt.: berechnen) oder auch Bildsynthese, ist die Berechnung des Lichts und der Lichtquellen, die auf Objekte und deren Materialeigenschaften sich unmittelbar auswirken. Hier fällt ein besonderer Stellenwert der Simulation des Aussehens von Oberflächen, beeinflusst durch deren Materialeigenschaften (Shading) und die Berechnung der Lichtverteilung innerhalb der Szene, die sich unter anderem durch die indirekte Beleuchtung zwischen Körpern äußert, zu.
Bildbearbeitung[Bearbeiten]
In das Foto werden mittels einer Bildbearbeitungssoftware (z.B. Photoshop) Fotos von Maßstabs-bildenden Elementen (Menschen, Autos usw.) integriert und farblich und perspektivisch so angepasst, dass ein räumlicher Eindruck entsteht. Im Gegensatz zu den handwerklichen Illustration besteht hier die Möglichkeit der nachträglichen, einfachen Korrektur und Anpassung.
Animationen[Bearbeiten]
→ Hauptartikel: Architekturanimation
Noch einen Schritt weiter geht die Animation, bei der auf Grundlage von CAD-Daten Filme erstellt werden. So ist es möglich, schon vor dem ersten Spatenstich virtuell durch das Gebäude zu gehen. Neben Kamerafahrten werden so auch Material- und Lichtsimulationen, individuelle Energie- und Akustiksimulationen und Aufbausimulationen möglich. Die Grenzen der Darstellung sind heute nicht mehr handwerklich bedingt, sondern eine Frage des effektiven Einsatzes der richtigen Mittel und somit letztendlich auch eine Kostenfrage.
Medien[Bearbeiten]
Papier[Bearbeiten]
Heute werden die einzelnen Zeichnungen mit Hilfe von Layout-Software zusammengestellt, angeordnet und grafisch gestaltet, so dass schließlich ein fertiger Präsentationsplan entsteht. Dieser wird mit Hilfe von Plottern oder Druckern (Tintenstrahl- oder Laserverfahren) in Farbe oder monochrom aufs Papier gebracht.
Modell[Bearbeiten]
Physisches Modell
Siehe Hauptartikel Modell (Architektur)
Besonders anschaulich wird die räumliche Konzeption eines Entwurfes durch ein Modell zum Ausdruck gebracht. Dabei werden die einzelnen Elemente aus den Bauzeichnungen maßstabsgetreu in ein geeignetes Material übertragen. Wichtig ist bei diesen Modellen nicht unbedingt eine hohe Detailtreue sondern vor Allem die Darstellung der zentralen Ideen und des Konzeptes, des Entwurfs.
Computerunterstützte Präsentation[Bearbeiten]
Eine echte Alternative stellen inzwischen Beamer-Präsentationen dar. Die Zeichnungen werden dann nicht mehr ausgedruckt, sondern mithilfe eines Projektors an die Wand gestrahlt. Vorteile sind die Größe der Darstellung bei Präsentationen vor vielen Menschen und die Möglichkeit, Videosequenzen und Ton/ Musik einzubinden. Ein großer Nachteil ist dabei sicherlich die extreme Flüchtigkeit der Bildinformationen, die eine hohe Konzentration bei den Zuschauern erfordert und eine anschließende Diskussion über den Entwurf erheblich erschwert.
Siehe auch[Bearbeiten]Portal:Architektur und Bauwesen, Architektur
Entwerfen, Planung
Museum für ArchitekturzeichnungWeblinks[Bearbeiten]
&#160;Commons: Architectural drawings&#160;– Sammlung von Bildern, Videos und AudiodateienVorlage:Commonscat/Wartung/P 2 fehlt, P 1 ungleich Lemma
&#160;Commons: Architectural visualisation drawings&#160;– Sammlung von Bildern, Videos und AudiodateienVorlage:Commonscat/Wartung/P 2 fehlt, P 1 ungleich LemmaDiskussionsforum für Architekturdarstellung bei tektorum.de — Diskussionen zu Plangrafik, CAAD, 3D Visualisierung, Bildbearbeitung, Handzeichnung und Modellbau<!–NewPP limit report
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Computergenerierte Architekturanimationen prägen zunehmend die Darstellungspraxis der Architektur. Die computergenerierte Animation in der Architektur ist ein Darstellungsmodus, der sowohl innerhalb des Entwurfsprozesses als auch für die Präsentation und Kommunikation verwendet wird. Architekturanimationen sind meist ein Kurzfilm, der Szenenfolgen von computergenerierten Bildern, der sog. Computer Generated Imagery (Abk.: CGI) von Gebäuden, Umgebung und anderen Elementen, wie Menschen und Fahrzeugen enthält. Sie basieren in der Praxis auf dem Architekturrendering, welches von Architekturillustratoren mithilfe von 3D-Grafiksoftware entwickelt und verarbeitet wird. Sie enthalten Szenerien mit integrierten Umgebungsdaten, die eine virtuelle Wirklichkeit noch vor dem Projektabschluss gestalten und innerhalb des Entwurfsprozesses wie auch in der Präsentationsphase heute einen hohen Stellenwert haben. Architekturanimationen dienen damit sowohl der Kommunikation innerhalb des Bauablaufs gegenüber Entwicklern und Bauherren, als auch der Vermarktung eines Projekts bei Investoren oder Käufern.Inhaltsverzeichnis
1 Entwicklung der Animation
2 Verwendung und Verbreitung
3 Architekturvisualisierungen im Vergleich zum Film
4 Zukunftsthemen in der Architekturvisualisierung und -Animation
5 Siehe auch
6 Literatur
7 Weblinks
8 EinzelnachweiseEntwicklung der Animation[Bearbeiten]
„Die computergenerierte Animation hat sich aus den ersten Werkzeugen des Computer Aided Design entwickelt (CAD), welche zunächst die herkömmliche Zeichnung in Planform analog imitierten, um schließlich von der zweidimensionalen planbehafteten Darstellungsform in eine dreidimensionale Modellstruktur überzugehen. Durch die schnelle Entwicklung des CAAD (engl.Computer-aided architectural design), insbesondere durch Integration von Oberflächentexturen und Lichtsteuerung, begann die Entwicklung hin zu einer photorealistischen, computergenerierten Architekturdarstellung.Von dort aus folgte der Schritt zur Animation, welche zunächst als Folge von Einzelbildern verstanden wurde.“[1] Anders als das Architekturrendering, welches aus einem einzigen Bild des Modells besteht, beinhaltet eine Architekturanimation eine Serie von mehreren hundert bis mehreren tausend Einzelbildern, die zusammengesetzt animierte Szenenfolgen bilden.
Verwendung und Verbreitung[Bearbeiten]
Heute ist die Architekturanimation sowohl im planerischen, wie auch im kommerziellen Bereich verbreitet. Erstellt werden professionelle Computeranimationen und Renderings von 3-D-Visualisierungs-und Rendering-Dienstleistern, die deren bewährtes Darstellungs-Know How aus der architektonischen Plandarstellung und aus dem Grafikdesign ableiten. Mit der Weiterentwicklung der zweidimensionalen Darstellung hin zu einer dreidimensionalen Projektion bieten etablierte Softwareanbieter Visualisierungsprogramme, die mit Kameratools und Renderengines ausgestattet sind und die Architekturvisualisierung mit dem Medium Film kombinierbar machen. Wegen eines hohen Zeit- und Renderingaufwands, der nötig ist um Einzelbilder zu qualitativ hochwertigen Szenen zu verarbeiten, setzt die Umsetzung einer Animation in der Architektur neben einem hohen Fachwissen und Spezialisierungsgrad, die notwendige Hard- und Software, sowie ein interdisziplinäres Team, bestehend aus Architekten, Kommunikationsexperten, 3-D-Illustratoren und Animatoren voraus.
Architekturvisualisierungen im Vergleich zum Film[Bearbeiten]
Laut dem Forschungsprojekt Designing Spaces, der Hochschule für Gestaltung und Kunst der Fachhochschule Nordwestschweiz, zeigt die aktuelle Anwendungspraxis im Architekturbereich, dass bei der Erstellung von Architekturanimationen ein Entwicklungsbedarf besteht, da sich laut den Autoren die Architekturanimation aus dem Computer Aided Architectural Design CAAD entwickelt hat, ohne sich mit den Möglichkeiten des Films näher auseinanderzusetzen.[2] Die Berufsgruppe der Visualisierer, erstellen Filme, um eine Raumvorstellung scheinbar objektiv und als vermeintliche Wirklichkeit darzustellen, woraus sich ein Forschungsbedarf ergibt, der einen transdisziplinären Blick auf die neuen Möglichkeiten der Raumdarstellung sucht und den spezifischen Blickwinkel der filmischen Kompetenz in den Bereich der Architekturanimation einfließen lässt.[3] Die Studie befasst sich im Einzelnen detailliert mit den Sehkonventionen im filmischen Raum, die in der Architektur-Animation noch unzureichend beachtet werden.[4]
Zukunftsthemen in der Architekturvisualisierung und -Animation[Bearbeiten]
Architektur-Animationen werden heute von Architekten, Entwicklern und Vermarktungsunternehmen im Immobilienbereich verwendet, welche mit zunehmendem Bedarf auch Computeranimationen in ihrem Marketingprogrammen aufgenommen haben.[5] Investoren und Käufer überzeugen sich eher von einer realitätsgetreuen Abbildung eines Projekts, als durch einfache Grundrisse oder Zeichnungen.
Basierend auf einem Architekturrendering[6] kann neben einer umfangreichen Animation auch ein einfacher Rundgang (engl. 3D Walk-Through) und Panorama entwickelt werden[7] Abgesehen vom Marketing wird die Architekturvisualisierung und –Animation, mit der sich fortschreitenden Entwicklung, in folgenden Bereichen an Bedeutung zunehmen:Stadtplanung
Landschaftsplanung
Restaurierung von Baudenkmalen
Produktdesign und Ingenieurwesen
GIS (Geoinformationssysteme)
Bildung
Simulation und Restaurierung von Kulturdenkmalen und antiker Architektur
Virtuelles Einrichten und ShoppingSiehe auch[Bearbeiten]Architekturrendering
Computeranimation
Architekturillustrator
ArchitekturdarstellungLiteratur[Bearbeiten]
Schmitt, Gerhard (1999), Basis and Future of CAAD, Basel u.a. Schmitt, Gerhard, (1993) Architectura et Machina, Wiesbaden. Engeli, Maia (2000), Digital Stories – The Poetics of Communication, Basel u.a. Garcia Alvarado, Rodrigo; Monedero Isorna, Javier (2005), The fragmented Eye. Cinematographic Techniques for Architectural Animation, in: 22nd eCAAD Conference Proceedings, Copenhagen 15.–18. Nov., 366–373. Garcia Alvarado, Rodrigo; Alvarez, Gino; Parra, Juan Carlos; Navarro, Sergio (2005), Filmic Development of Architectural
Weblinks[Bearbeiten]Bartlett-School, Faculty of the built Environment
Beispiele von professionellen Architekturvisualisierungen
Informationen zum Forschungsbericht "Designing Spaces"
Beispiele von interaktiven 3D PanoramenEinzelnachweise[Bearbeiten]↑ Hochschule für Gestaltung und Kunst der Fachhochschule Nordwestschweiz, Institut für Design-und Kunstforschung, Forschungsbericht der Studie Designing Spaces, Abschn. 3.2.1. Computergenerierte Animationen in der Architektur
↑ Hochschule für Gestaltung und Kunst der Fachhochschule Nordwestschweiz, Institut für Design-und Kunstforschung, Forschungsbericht der Studie Designing Spaces, Abschn. 3.1.
↑ Zusammenfassung des letzten Absatzes im Forschungsbericht der Studie Designing Spaces, Abschn. 3.2.1., Computergenerierte Animationen in der Architektur, Hochschule für Gestaltung und Kunst der Fachhochschule Nordwestschweiz, Institut für Design-und Kunstforschung
↑ Hochschule für Gestaltung und Kunst der Fachhochschule Nordwestschweiz, Institut für Design-und Kunstforschung, Forschungsbericht der Studie Designing Spaces, Abschn. 3.2.2.
↑ Architectural Animation becomes Alive, Marc Aurel Schnabel
↑ Showcase von kommerziell umgesetzten 3D Architekturvisualisierungen
↑ Beispiele von interaktiven 3D Panoramen<!–NewPP limit report
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Architekturzentren, Architekturmuseen und Architekturforen sind kulturelle Einrichtungen die das Ziel haben, Wissen über Architektur, Städtebau und Baukultur einer breiten Bevölkerung zu vermitteln. Dafür bedienen sie sich unterschiedlicher Mittel wie Ausstellungen, Vorträge, Podiumsdiskussionen, Exkursionen und weitere. Häufig bieten sie auch spezielle Programme für Kinder, Schulen und Kindergärten an. Die Architekturpädagogik als Teilbereich der Kunstpädagogik liefert den wissenschaftlichen Hintergrund dieser Wissensvermittlung.Inhaltsverzeichnis
1 Zentren und Museen in Deutschland
2 Zentren und Museen in der Schweiz
3 Zentren und Museen in Österreich
4 Zentren und Museen in Rest-EuropaZentren und Museen in Deutschland[Bearbeiten]Augsburg: Architekturmuseum Schwaben
Berlin:Architekturmuseum der Technischen Universität Berlin
Architekturforum Aedes
DAZ — Deutsches Architektur Zentrum
Museum für Architekturzeichnung
Bremen: b.zb — Bremer Zentrum für Baukultur
Frankfurt am Main: DAM — Deutsches Architekturmuseum
Freiburg im Breisgau: Architekturforum
Gelsenkirchen: Europäisches Haus der Stadtkultur
Hamburg: AC — Architektur Centrum
Kassel: Kasseler Architekturzentrum
Köln: Haus der Architektur Köln
Konstanz: Architekturforum KonstanzKreuzlingen
Lübeck: ArchitekturForumLübeck e.V.
München: AM — Architekturmuseum der Technischen Universität München in der Pinakothek der Moderne
München: Architekturgalerie München
Wiesbaden: WAZ — Wiesbadener ArchitekturzentrumArchitekturzentren setzen oftmals die Ziele der Initiative Architektur und Baukultur auf lokaler Ebene um. Sie haben sich zum Ziel gesetzt, die gesellschaftliche Wertschätzung der Baukultur zu erhöhen.
Zentren und Museen in der Schweiz[Bearbeiten]S AM Schweizerisches Architekturmuseum in Basel
Architektur Forum Bern
Architektur Forum Ostschweiz in St. Gallen
Architekturforum Zürich
Architektur Forum Zürcher Oberland
Forum Architektur Winterthur
Architektur Forum Obersee in Rapperswil
Architekturforum Schwyz in LachenZentren und Museen in Österreich[Bearbeiten]architekturstiftung
Tirol: aut. architektur und tirol in Innsbruck
Steiermark: hda – Haus der Architektur in Graz
Oberösterreich: afo architekturforum oberösterreich – Architekturforum Oberösterreich in Linz
Vorarlberg: vai — Vorarlberger Architektur Institut in Dornbirn
Wien: Architekturzentrum Wien
Niederösterreich: ORTE in Krems
Kärnten: Architektur Haus Kärnten in Klagenfurt
Burgenland: Architektur Raum Burgenland in Eisenstadt
Salzburg: Initiative ArchitekturZentren und Museen in Rest-Europa[Bearbeiten]
In den Niederlanden und bald auch in Frankreich gibt es ein nationales Zentrum, das die nationale Architektur sammelt und dokumentiert und aktuelle Diskurse übergreifend thematisiert. Auf lokaler Ebene gibt es dann kleine Zentren, die näher am Bürger sind, die sich mit konkreten Fragestellungen vor Ort auseinandersetzen. Die Neubauten und Anstrengungen in Frankreich und Großbritannien zeigen, welch große Bedeutung man den Architekturzentren beimisst. Sie werden als wichtiger Baustein und Beitrag für die Verbesserung der Baukultur gesehen.Architecture Forum/Europäisches Architekturforum, gegr. 1999, virtueller Sitz am Berlage Institut Rotterdam, gefördert durch die EU-Kommission
Nederlands Architectuurinstituut (NAI) in Rotterdam (Niederlande)
Cité de l’architecture et du patrimoine in Paris (Frankreich)
V&amp;A and RIBA Architecture Gallery in London (Großbritannien)
Arkitekturmuseet in Stockholm (Schweden)
Finnisches Architekturmuseum in Helsinki<!–NewPP limit report
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Bei der Architektursoziologie handelt es sich um eine spezielle Soziologie, deren Gegenstand die gesellschaftliche Bedeutung der Architektur ist.Inhaltsverzeichnis
1 Gegenstände und Aspekte der Architektursoziologie
2 Kultursoziologie
3 Klassiker der Architektursoziologie
4 Artefaktsoziologie
5 Raum- und Stadtsoziologie
6 Berufssoziologie, Intellektuellensoziologie, Soziologie der Utopie
7 Wirtschafts- und politische Soziologie
8 Aktuelle Tendenzen und Theorieansätze
9 Forscher
10 Literatur
11 WeblinksGegenstände und Aspekte der Architektursoziologie[Bearbeiten]
Die Architektur (und generell die gebaute Umwelt) ist in Bezug auf jede Gesellschaft bedeutsam: sie ist omnipräsent, unentrinnbar, zumeist auf Expressivität und damit auf gesellschaftliche Kommunikation angelegt. Zugleich schafft sie je konkrete, materielle Räume, in denen die sozialen Interaktionen ablaufen, umgibt unseren Körper permanent, evoziert und lenkt seine Bewegungen und Blicke. Architektur wird nicht nur visuell, sondern auch körperlich wahrgenommen; sie hat nicht nur eine Expressivität und Affektivität, sondern ist auch unser alltägliches Lebensmilieu. Sie prägt unsere Raumvorstellungen, hält Generationen und ganze verschwundene Gesellschaften präsent und macht die Subsysteme der Gesellschaft sichtbar. Als Kunst hat sie oft eine besondere Affektivität, eine Faszinationskraft.
In all dem ist sie soziologisch höchst relevant; und all dies gilt für vor- und nichtmoderne (nahezu) ebenso wie für moderne Gesellschaften. Die Architektursoziologie dreht sich um diese gebaute Gestalt der Gesellschaft, um die Architektur in städtebaulichen Dimensionen bis hin zur Innenarchitektur, in historischer oder zeitgenössischer Perspektive.
In einem zweiten Sinn wäre die Architektursoziologie eine Architektensoziologie: ihr geht es eher um den Beruf und das besondere Wissen des Architekten, um Architekturpolitik und Bauwirtschaft.
Die Architektur ist ein komplexer Gegenstand. Entsprechend gibt es verschiedene Aspekte oder verschiedene Subdisziplinen, die sich für die Architektur interessieren; und verschiedene Denkansätze, von denen aus man die Architektur einer Gesellschaft beobachten kann.
Kultursoziologie[Bearbeiten]
In der Architektursoziologie als Kultursoziologie kommt primär die Phänomenalität des Gebauten in den Blick: oder, mit Simmel gesprochen, die "Haut" der Gesellschaft.
In der Moderne unterscheidet sich die gebaute Gestalt hinsichtlich der sozialen Sphären (Wohnarchitektur; Konsumarchitektur, Mobilitätsarchitektur, politische und religiöse Architektur). Es gibt viele verschiedene Bautypen (Fabriken, Gefängnisse, Theater- und Kinobauten etc.), die je Gegenstände einer architektursoziologischen Beobachtung werden können – z.B. in Hinsicht auf die gesellschaftsdiagnostische Frage, inwiefern eine bestimmte Architektur je einen Aspekt der Struktur dieser Gesellschaft – oder die gesamte Gesellschaftsstruktur wie in der Analyse der höfischen Gesellschaft von Norbert Elias – 'ausdrückt', betont oder überhaupt erst präsent und wirkmächtig macht. Die Analyse der je konkreten Architektur hätte dabei an allen Aspekten anzusetzen: nicht nur am Grundriss, sondern auch an der Formensprache, der Dimension, den Materialien, der Bauweise, der Ausstattung und ebenso an den begleitenden Diskursen.
Klassiker der Architektursoziologie[Bearbeiten]
Solche architektursoziologischen Analysen der gebauten Gestalt der Gesellschaft finden sich – allerdings stets implizit, nicht als solche ausgewiesen – schon bei den Klassikern der Soziologie: unter anderem bei Marcel Mauss (die doppelte Architektur der Eskimos), Walter Benjamin (Passagen als Geburtsstätten der Konsumgesellschaft), Norbert Elias (höfische Wohnstrukturen als Anzeiger der höfischen Gesellschaftsstruktur), Michel Foucault (Gefängnisse und andere Architekturen als Geburtsstätten der Disziplinargesellschaft) sowie bei Ernst Bloch, Siegfried Kracauer, Pierre Bourdieu, Maurice Halbwachs, oder Karel Teige.
Artefaktsoziologie[Bearbeiten]
Von der Techniksoziologie her gibt es Ansätze zu einer Soziologie der Artefakte, die allerdings zunächst bezogen ist auf technische Dinge, während die Architektur keineswegs in der Technik aufgeht. Die Perspektive einer Architektursoziologie als Artefaktsoziologie wäre die Frage nach der 'Interaktion' zwischen Architektur und Akteur, also die Frage, inwiefern eine ganz konkrete Architektur je bestimmte Handlungsweisen, Bewegungsweisen, Wahrnehmungsweisen nahelegt und ermöglicht, und andere verunmöglicht. Man hätte dann weniger die visuelle Gestalt, als die Konditionierung des Körpers im Blick.
Raum- und Stadtsoziologie[Bearbeiten]
Der Begriff sozialer Raum wird bei Pierre Bourdieu und anderen Soziologen in einem abstrakteren Sinne gebraucht, wie auch in der Raumsoziologie, die von Georg Simmel begründet wurde. Unter anderem Michel Foucault (andere Räume, Heterotopien), Dieter Läpple, Martina Löw und Markus Schroer haben das Thema der Raumsoziologie aufgegriffen (siehe dort).
Von Georg Simmel aus entfaltet sich auch die Stadtsoziologie, aus dessen Frage nach der spezifischen Lebensweise und Mentalität der Großstädter (Die Großstädte und das Geistesleben, 1903). Die Stadtsoziologie befasst sich seither vor allem mit städtischen Sozialstrukturen (im Gegensatz zur Gemeinde auf dem Land), mit Segregationsprozessen, Verstädterung und Schrumpfung von Städten. Dabei steht die Architektur bislang eher nicht im Vordergrund; vielmehr geht es um soziale Interaktionen in der Stadt. Jüngst entfaltet sich aber gegenüber dieser (das Großstadtleben generell analysierenden) Forschungsrichtung eine Beobachtung der „Differenz der Städte“ (Martina Löw, Helmuth Berking), die auch an deren Architektur anknüpfen wird.
Berufssoziologie, Intellektuellensoziologie, Soziologie der Utopie[Bearbeiten]
Es geht hier auch um eine Wissens- und eine Intellektuellensoziologie der Architekten. Beim beruflichen Aspekt geht es um die Soziologie des Architekten (Professionssoziologie) als einer kreativen, akademisch institutionalisierten Disziplin (v.a. Florent Champy, Oliver Schmidtke) sowie um Fragen des Status des Architekten in der Gesellschaft. Ein weiterer Aspekt des komplexen Gegenstandes Architektur ist die Intellektuellensoziologie der Architekten: die Frage, in welcher Rolle sie sich selbst in der Gesellschaft engagieren, und dies vor dem Hintergrund eines veritablen sozialtechnischen Anspruchs, den sie spätestens im 20. Jahrhundert formulieren. Es ging aus der Sicht der Avantgarde um nichts Geringeres als um die Alternative von „Baukunst oder Revolution“ (Le Corbusier, Vers une architecture, 1923): um die Ordnung der Gesellschaft. In Analogie zur wissenssoziologischen Frage nach dem sozialen Standort eines Denkens (Karl Mannheim) und den frei schwebenden Intellektuellen wäre auch für die Architekten die Standortverbundenheit herauszuarbeiten. Ebenso wären architektonische Utopien zu befragen: auf die historische Einbettung, die Kritik an der Gesellschaft, auf die Lösungsvorschläge, auf die Wirkmächtigkeit.
Wirtschafts- und politische Soziologie[Bearbeiten]
Die Soziologie hat sich ebenso für Fragen der Baupolitik und der Bauwirtschaft zu interessieren: ist doch der Bausektor von den investierten Mitteln her (neben dem Krieg) nicht nur, aber auch ein Gebiet der „unproduktiven Verausgabung“ (Georges Bataille): staatliche Bauvorhaben sagen als Gesellschaftsprojekte über diese selbst etwas aus.
Aktuelle Tendenzen und Theorieansätze[Bearbeiten]
Aktuell ist eine explizite Neubegründung der Architektursoziologie, auch mit einem stärkeren soziologietheoretischen, forschungsleitenden Interesse, zu beobachten. Aus verschiedenen Theorieansätzen und Interessenschwerpunkten heraus (der multiparadigmatischen Wissenschaft Soziologie entsprechend) werden so verschiedene Sichtweisen auf die Relation von Architektur und Gesellschaft ermöglicht. Es sind mindestens zu nennen: die Gender Studies, der zivilisationstheoretische Ansatz von Norbert Elias, der dispositivtheoretische Ansatz von Michel Foucault, der Ansatz der Kritischen Theorie und des historischen Materialismus, der symbolische Ansatz von Pierre Bourdieu, der Ansatz der Cultural Studies, die Soziale Morphologie (Émile Durkheim, Marcel Mauss, Maurice Halbwachs) oder die Entfaltung der französischen 'Lebenssoziologie' (Deleuze, Castoriadis) für die Architektursoziologie. Eine mögliche Sichtweise ist auch die Philosophische Anthropologie mit ihrer Berücksichtigung des Körpers; eine wieder andere die Systemtheorie im Blick auf die Kommunikationsmedien der Gesellschaft; oder der Ansatz an der symbolischen Interaktion zwischen den sozial handelnden Menschen mittels der Gestaltung von Räumen.
Forscher[Bearbeiten]In Deutschland sind aus einer eher stadtsoziologischen Richtung u.a. Gerhard Grohs, Harald Bodenschatz, Herbert Schubert, Uwe-Jens Walther und Bernhard Schäfers zu nennen; einen Beitrag aus stadtsoziologischer Perspektive lieferte auch Christine Hannemann mit ihrer Arbeit "Die Platte" zum industrialisierten Wohnungsbau in der DDR.
aus einer eher kultursoziologischen und gesellschaftstheoretischen Richtung forschen u. a. Walter Prigge, Michael Makropoulos, Joachim Fischer, Heike Delitz sowie Thomas Gieryn, Paul Jones und Richard Sennett im angloamerikanischen Raum.
Davon unterschieden ist der Beitrag der Gender Studies, u. a. von Kerstin Dörhöfer, Ulla Terlinden, Susanne Frank, Katharina Weresch, Barbara Zibell.
Die systemtheoretische Untersuchung des Architektursystems verfolgt Dirk Baecker.
Ein Einstieg in die sich gerade erst etablierende Disziplin schlug auch der Berliner Architekturkritiker und Theologe Dieter Hoffmann-Axthelm vor.
aus raumsoziologischer Perspektive kommen zu architektursoziologischen Analysen Martina Löw, Silke Steets, Markus Schroer.
Zur Soziologie der Landschaftsarchitektur sind Ulf Jacob und Stefan Kauffmann zu nennen.Literatur[Bearbeiten]Dirk Baecker: Die Dekonstruktion der Schachtel. Innen und außen in der Architektur. In: Niklas Luhmann, Frederick Bunsen, Ders.: Unbeobachtbare Welt. Über Kunst und Architektur. Bielefeld 1990, 67–104.
Florent Champy: Sociologie de l'architecture. Paris 2001.
Heike Delitz: Architektur als Medium des Sozialen. Ein Vorschlag zur Neubegründung der Architektursoziologie. In: Sociologia Internationalis Bd. 43, 1–2/2005, 1–25.
Heike Delitz: Die Architektur der Gesellschaft. Architektur und Architekturtheorie im Blick der Soziologie. In: Wolkenkuckucksheim – Cloud-Cuckoo-Land – Vozdushnyi zamok. Internationale ZS für Theorie und Wissenschaft der Architektur, 10. Jg. H. 1 (Sept. 2006): From Outer Space: Architekturtheorie außerhalb der Disziplin.
Heike Delitz: Architektursoziologie. Reihe Einsichten. Themen der Soziologie. Bielefeld 2009.
Heike Delitz: Gebaute Gesellschaft. Architektur als Medium des Sozialen. Frankfurt/M. 2010.
Joachim Fischer: Die Bedeutung der Philosophischen Anthropologie für die Architektursoziologie. In: K.-S. Rehberg (Hg.): Soziale Ungleichheit – Kulturelle Unterschiede. Verhandlungen des 32. Kongresses der DGS in München 2004. Frankfurt/New York 2006, CD-Rom, 3417–3429.
Joachim Fischer, Joachim Fischer (Hg.): Die Architektur der Gesellschaft. Theorien für die Architektursoziologie. Bielefeld 2009, ISBN 978-3-8376-1137-3.
Joachim Fischer, Michael Makropoulos (Hg.): Potsdamer Platz. Soziologische Theorien zu einem Ort der Moderne. München 2004.
Peter Gleichmann: Soziologie als Synthese. Zivilisationstheoretische Schriften über Architektur, Wissen und Gewalt. Hg. v. H.-P. Waldhoff, Wiesbaden 2006.
Thomas Gieryn: What Buildings do. In: Theory and Society, Jg. 31 (2002), 35–74.
Martin Ludwig Hofmann: Architektur und Disziplin. Über die Formbarkeit menschlicher Existenz in der Moderne. Frankfurt am Main 2000.
Dieter Hoffmann-Axthelm: Die dritte Stadt. Frankfurt 1993, ISBN 3-518-11796-3.
Paul Jones: Sociology of Architecture. Constructing Identities. Liverpool 2009.
Kollektiv: Themenheft Architektur der Gesellschaft. In: Aus Politik und Zeitgeschichte 25/2009 (15. Juni).
Bernhard Schäfers: Architektursoziologie. 2. durchg. Aufl., Wiesbaden (VS) 2006, ISBN 978-3-531-15030-7.
Oliver Schmidtke: Architektur als professionalisierte Praxis. Soziologische Fallrekonstruktionen zur Professionalisierungsbedürftigkeit der Architektur. Weilerswist 2006.
Herbert Schubert: Empirische Architektursoziologie. In: Die alte Stadt 1/2005, 1-27.
Richard Sennett: Fleisch und Stein. Der Körper und die Stadt in der westlichen Zivilisation. Frankfurt/M. 1997.
Hans Peter Thurn, Architektursoziologie. Zur Situation einer interdisziplinären Forschungsrichtung in der BRD. In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 1972, Jg. 24, S. 301-341.Weblinks[Bearbeiten]www.architektur-soziologie Arbeitsgemeinschaft Architektursoziologie in der Deutschen Gesellschaft für Soziologie
archinoah.de Studienarbeiten der Architektursoziologie<!–NewPP limit report
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