Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Bayern (Begriffsklärung) aufgeführt.
Freistaat BayernFlaggeWappen
Landeshymne: Bayernhymne
Sprache:
Deutsch
Landeshauptstadt:
München
Fläche:
70.550,19 km²
Einwohnerzahl:
12.691.568 (31. Dezember 2014)[1]
Bevölkerungsdichte:
180 Einwohner pro km²
BIP (nominal):
522 Mrd. Euro (2014)[2]
Arbeitslosenquote:
3,3 % (Oktober 2015)[3]
Gründung:
8. Dezember 1946
Staatsform:
parlamentarische Republik, teilsouveräner Gliedstaat der Bundesrepublik Deutschland
Schulden:
(inkl. Gemeinden) 39,117 Mrd. EUR[4] (31. Dezember 2014);
(exkl. Gemeinden) 26,139 Mrd. EUR[5]
(31. Dezember 2013)
ISO 3166-2:
DE-BY
Website:
www.bayern.de
Politik
Regierungschef:
Ministerpräsident
Horst Seehofer (CSU)
Regierende Parteien:
CSU
Sitzverteilung im Landesparlament:
CSU 101
SPD 42
FW 19
Grüne 18
Letzte Wahl:
15. September 2013
Nächste Wahl:
Herbst 2018
Bundesratsstimmgewicht:
6
Der Freistaat Bayern ( [ˈbaɪ̯ɐn]a a, Abkürzung BY) ist eines der 16 Länder der Bundesrepublik Deutschland und liegt im Südosten Deutschlands. Mit rund 70.500 Quadratkilometern ist es das flächenmäßig größte und mit rund 12,7 Millionen Einwohnern nach Nordrhein-Westfalen das zweitbevölkerungsreichste deutsche Bundesland.
Als Binnenland grenzt Bayern an folgende Staaten: im Osten an Tschechien, im Südosten und Süden an Österreich und im Südwesten über den Bodensee an die Schweiz sowie an weitere deutsche Bundesländer. Im einzeln sind dies im Westen Baden-Württemberg, im Nordwesten Hessen, im Norden Thüringen und im Nordosten Sachsen. Die größte Stadt Bayerns ist die Landeshauptstadt München, gefolgt von Nürnberg und Augsburg. Der Freistaat hat im Süden Anteil am Hochgebirge der Ostalpen und dem bis zur Donau reichenden flachen Alpenvorland einschließlich der Schotterebene. Nördlich der Donau bestimmen Mittelgebirge wie etwa das Fichtelgebirge oder die Schichtstufen der Fränkischen und Schwäbischen Alb das Landschaftsbild.
Bayern ist eine parlamentarische Republik mit dem Bayerischen Landtag als Legislative und der Bayerischen Staatsregierung, an deren Spitze der Ministerpräsident als Regierungschef steht, als Exekutive. Grundlage der Politik ist die Verfassung des Freistaates Bayern, gemäß der Bayern ein Volks-, Rechts-, Kultur- und Sozialstaat ist. Die Bezeichnung Freier Volksstaat bzw. Freistaat als monarchiefreie Republiken trugen in Bayern erstmals 1918 zwei Staaten, mit der Ausrufung durch Kurt Eisner am 8. November 1918 der Freie Volksstaat Bayern und der Freistaat Coburg, der sich 1920 mit Bayern vereinigt hat.
Bereits im Jahre 555 n. Chr. soll ein bayerisches Stammesherzogtum existiert haben, welches unter den Merowingern Teil des fränkischen Herrschaftsbereichs wurde. Zwischen 1180 und 1805 wurde Bayern als Territorialherzogtum sowie im Zeitraum 1806 und 1808 als absolute Monarchie von den Wittelsbachern regiert. Durch die Gewährung der Verfassungen von 1808, 1818 und 1848 wurde Bayern konstitutionelle Monarchie. Napoleon Bonaparte erhob 1805 Bayern zum Königreich, die Proklamation des ersten Königs erfolgte am 1. Januar 1806. Damit war die vollkommene Souveränität verbunden.[6] Bayern konnte auf dem Wiener Kongress 1814 als eine der Siegermächte einen großen Teil der Gebietsgewinne behalten; unter anderem kamen das heutige Nordbayern, Teile Schwabens und die neugeschaffene linksrheinische Pfalz zu Bayern. 1918 brach die Wittelsbachermonarchie in der Novemberrevolution zusammen. Nach der Besetzung durch US-amerikanische Truppen wurde Bayern 1949 Teil der neu gegründeten Bundesrepublik. Es begann ein wirtschaftlicher Aufschwung und eine Entwicklung vom Agrarstaat zum modernen Industriestaat.
Bayern liegt fast vollständig im oberdeutschen Sprachraum. Traditionell gliedert es sich in die drei Landesteile Franken (heute die Regierungsbezirke Ober-, Mittel- und Unterfranken), Schwaben (gleichnamiger Regierungsbezirk) und Altbayern (Regierungsbezirke Oberpfalz, Ober- sowie Niederbayern).Inhaltsverzeichnis
1 Etymologie und Schreibweise
2 Geographie2.1 Gebiet und Landschaft
2.2 Gewässer
2.3 Schutzgebiete
2.4 Ausdehnung und Flächennutzung
2.5 Klima
2.6 Flora
2.7 Fauna
3 Geschichte3.1 Teil des Römischen Reiches
3.2 Stammesherzogtum
3.3 Territorialherzogtum
3.4 Königreich
3.5 Frei- bzw. Freier Volksstaat und Räterepublik
3.6 Teil des Großdeutschen Reiches
3.7 Freistaat
4 Bevölkerung4.1 „Vier Stämme Bayerns“
4.2 Religion und Weltanschauung
4.3 Bevölkerungsreichste Städte
4.4 Sprache und Dialekt
5 Politik5.1 Staatsaufbau
5.2 Legislative – Bayerischer Landtag
5.3 Exekutive – Bayerische Staatsregierung
5.4 Wahlrecht
5.5 Direkte Demokratie
5.6 Parteienlandschaft
5.7 Partnerschaften
5.8 Patenschaft
5.9 Staatsverschuldung
5.10 Innere Sicherheit
6 Hoheitliche Symbole
7 Verwaltungsgliederung7.1 Regierungsbezirke und Bezirke
7.2 Planungsregionen
7.3 Landkreise und kreisfreie Städte
7.4 Gemeinden
8 Wirtschaft und Verkehr8.1 Tourismus
8.2 Energie
8.3 Medien
8.4 Verkehr8.4.1 Internationaler Verkehr
8.4.2 Straßen
8.4.3 Schienen-, Flug- und Schiffsverkehr
9 Kultur9.1 Theater, Schauspiel und Oper
9.2 Musik
9.3 Film
9.4 Universitäten und Hochschulen
9.5 Küche
9.6 Volksfeste
9.7 Kartenspieltradition
9.8 Kleidung
9.9 Industriekultur
9.10 Sehenswürdigkeiten
9.11 UNESCO-Welterbe
9.12 Museen
9.13 Bibliotheken und Archive
9.14 Zoologische Gärten, Tierparks, Parkanlagen und Gärten
10 Sport10.1 Ballsportarten
10.2 Wintersport
10.3 Weitere Sportarten
11 Siehe auch
12 Literatur
13 Weblinks
14 EinzelnachweiseEtymologie und Schreibweise[Bearbeiten]
Die allein verwendete Schreibweise des Landesnamens mit „y“ geht auf eine Anordnung von König Ludwig I., König von Bayern, vom 20. Oktober 1825 zurück, mit der die vorher geltende Schreibweise „Baiern“ abgelöst wurde. Diese Anordnung des Königs und seine Vorschrift des „griechischen“ Ypsilons steht im Zusammenhang mit dem Philhellenismus. Bis dahin wurde der Landesname üblicherweise mit „i“ geschrieben, wenngleich es ältere Belege mit einem „y“ gibt.
Der Stamm der einheimischen Bevölkerung Altbayerns (also ohne Franken und bayerisches Schwaben) wird aber weiterhin als die Baiern (in anderen Abschnitten auch Altbayern genannt) bezeichnet.[7] Vgl. auch: Bairisch bzw. Bajuwaren.
Der Begriff Bayern bzw. Baiern ist auf das Volk der Bajuwaren zurückzuführen. Der volle Name der Bajuwaren wird hergeleitet aus einem mutmaßlichen germanischen Kompositum *Bajowarjōz (Plural). Überliefert ist dieser Name als althochdeutsch Beiara, Peigira, latinisiert Baiovarii.[8] Es wird angenommen, dass es sich dabei um ein Endonym handelt. Hinter dem Erstglied Baio steckt das Ethnikon des zuvorbewohnenden keltischen Stammes der Boier, der im althochdeutschen Landschaftsnamen Bēheima ‚Böhmen‘ (germanisch *Bajohaimaz ‚Heim der Boier‘, spätlateinisch dann Boiohaemum) und im onomastischen Anknüpfungspunkte (Baias, Bainaib usw.)[9] erhalten ist. Das Zweitglied -ware bzw. -varii der Bewohnerbezeichnung Bajuwaren stammt aus *warjaz ‚Bewohner‘ (vgl. altnordisch Rómverjar ‚Römer‘, altenglisch burhware ‚Stadtbewohner‘),[10] die noch aus indogermanischer Zeit stammt (vgl. walisisch gwerin ‚Menschenmenge‘). Der Baiernname wird deshalb als ‚Männer aus Böhmen‘ gedeutet. Die Namensdeutung ist allerdings weiterhin umstritten.
Geographie[Bearbeiten]
Landschaft in den Bayerischen Alpen: Ramsau bei Berchtesgaden, im Hintergrund die Reiteralpe
Typische Allgäuer Voralpenlandschaft: Siggenhauser Weiher bei Amtzell (Baden-Württemberg)
Nördlinger Ries vom Goldberg (Baden-Württemberg) aus
Gebiet und Landschaft[Bearbeiten]
Siehe auch: Liste von Bergen in Bayern und Liste der Landschaften in Bayern
Bayern liegt in Süddeutschland und umfasst:die Bayerischen Alpen im Süden
davon nördlich das Alpenvorland bis zur Donau mit den drei großen Seen Oberbayerns
das ostbayerische Mittelgebirge und
die Stufenlandschaft der Schwäbischen und Fränkischen Alb.Die Bayerischen Alpen im äußersten Süden Bayerns gehören den Nördlichen Kalkalpen an. Bayern ist das einzige deutsche Bundesland, das Anteil an den Alpen hat. Meist werden unter den Bayerischen Alpen nur die zwischen den Flüssen Lech und Saalach gelegenen Gebirgsteile verstanden. In diesem engeren Sinn zählen daher die Allgäuer Alpen, auf die sich das bayerische Staatsgebiet erst seit jüngerer Zeit erstreckt, und die Berchtesgadener Alpen nicht zu den Bayerischen Alpen. Er ist nicht mit dem Begriff der Bayerischen Voralpen, die nördlich an das Gebirge angrenzen, zu verwechseln. Letztere umfassen nur den bayerischen Anteil der Voralpen zwischen der Loisach im Westen und dem Inn im Osten. Während die Voralpen nur vereinzelt ausgeprägte Kalkfelswände zeigen, sind die Alpen durch die im Jungpleistozän entstandenen Kare, Seen und die typischen U-Täler durch Gletscher geprägt. Ablagerungen der eiszeitlichen Flüsse sowie vor allem die Gletscher ließen insbesondere im Alpenvorland eine hügelige Landschaft mit Seen und Mooren entstehen. Hier liegen etwa der Chiemgau, das Fünfseenland und der Allgäu.
Während zwischen den Alpen und südlich der Donau das Gelände flach bis hügelig ist, liegen nördlich davon mehrere Gebirge, die eine Höhe von über Tausend Metern erreichen, darunter beispielsweise der Bayerische Wald mit dem Großen Arber als höchsten Berg Ostbayerns und das Fichtelgebirge mit dem Schneeberg als höchsten Berg Frankens. Die Fränkische Alb als geologische Fortsetzung des Schweizer Juras und der Schwäbischen Alb zieht sich um einen Bogen durch den Norden Bayerns und schirmt Teile Frankens von Altbayern ab. Nördlich davon liegen zahlreiche Zeugenberge wie etwa der Hesselberg. Der äußerste Südwesten der Alb grenzt ans Nördlinger Ries, Rest eines während des Ries-Ereignisses vor etwa 14,6 Millionen Jahren entstandenen Einschlagkraters. Das Fränkische Keuper-Lias-Land, in dem etwa Aischgrund, Steigerwald und Frankenhöhe liegen, geht in die Mainfränkische Platten über. Südwestlich davon liegen die Mittelgebirge Odenwald, Spessart und Rhön. Die östliche Hälfte Bayerns wird hingegen von Mittelgebirgen wie dem Bayerischen Wald oder dem Frankenwald geprägt. Hier befindet sich das größte nicht zerschnittene Waldgebiet Mitteleuropas. Teile des Vogtlands liegen in Bayern. Der westliche Teil Unterfrankens als Bestandteil der Tiefebene des Rheins gehört zum Bayerischen Untermain.
Die niedrigste Stelle Bayerns ist mit 100 m der Wasserspiegel des Mains in Kahl am Main (Unterfranken), die höchste auf dem Gipfel der Zugspitze (2962 m), des höchsten deutschen Berges im Wettersteingebirge. Alle 30 höchsten Berggipfel Deutschlands liegen in den Bayerischen Alpen, konzentriert in den Berchtesgadener Alpen, den Allgäuer Alpen und dem Wettersteingebirge.
Der geographische Mittelpunkt Bayerns liegt etwa 500 Meter östlich des Marktes Kipfenberg im Landkreis Eichstätt Lage48.94660711.404567. Historisch betrachteten sich mehrere Orte in Bayern als Mittelpunkt Europas. Seit dem EU-Beitritt Kroatiens am 1. Juli 2013 lag der geographische Mittelpunkt der Europäischen Union im Landkreis Aschaffenburg, im Ortsteil Oberwestern der bayerischen Gemeinde Westerngrund (Lage50.1172869.247768).[11] Durch den Beitritt des französischen Übersee-Départements Mayotte, einer Inselgruppe in Nordwesten Madagaskars, hat er sich nochmals um 500 Meter verschoben (Lage50.680049.151501).
Gewässer[Bearbeiten]
Luftaufnahme des Brombachsees vom Westen aus in Richtung Staudamm. Auf der rechten Bildseite sind Ramsberg und der Bergrücken Schwarzleite zu sehen.
Siehe auch: Liste der Flüsse in Bayern und Liste der Seen in Bayern
Bayerns großer Strom ist die Donau. Sie fließt in der Südhälfte des Landes von West nach Ost, gelangt bei Ulm auf das Landesgebiet und tritt bei Passau nach Österreich über. Ihre größten Nebenflüsse sind (stromabwärts):Iller, Lech, Isar, Inn (von Süden)
Wörnitz, Altmühl, Naab und Regen (von Norden)Die vier südlichen Nebenflüsse entspringen in den Alpen und sind wasserreicher. Inn und Lech führen (wegen des langen Oberlaufs) bei ihrer Mündung meist etwas mehr Wasser als die Donau.
Im Heimatkundeunterricht wird zur Donau vielerorts folgender Merkspruch aufgesagt: „Brigach und Breg bringen die Donau zu weg. Iller, Lech, Isar, Inn, fließen rechts zur Donau hin. Wörnitz, Altmühl, Naab und Regen fließen links dagegen.“
Der größte Teil Frankens wird durch den Main von Ost nach West in den Rhein entwässert. In seinem markant geschwungenen Lauf bildet er das sog. Maindreieck und Mainviereck. Seine größten Nebenflüsse sind die Regnitz und Tauber von links und die Fränkische Saale von rechts. Im Nordosten Oberfrankens entspringen die linken Nebenflüsse der Elbe, die Sächsische Saale und die Eger.
In den Endmoränenlandschaften im südlichen Teil des nördlichen Alpenvorlandes gibt es viele Seen, die teilweise ins Gebirge hineinragen, etwa der Tegernsee, der Starnberger See und der Traunsee. Bayern hat Anteil am Bodensee, dem größten See Mitteleuropas. Der größte See innerhalb Bayerns ist der Chiemsee. Nördlich der Fränkischen Alb wurden die Stauseen des Fränkischen Seenlands gebildet. Sie dienen zur Wasserregulierung Nordbayerns, insbesondere der Wasserversorgung des Main-Donau-Kanals, einer wichtigen Wasserstraße in Nordbayern. In den Alpen wurde 1924 das Walchenseekraftwerk in Betrieb genommen, das das natürliche Gefälle zwischen dem als „Oberbecken“ fungierenden Walchensee und dem „Unterbecken“ Kochelsee zur Stromerzeugung nutzt.
Durch Teile Bayerns führt die Europäische Hauptwasserscheide. Sie trennt die Flusssysteme von Rhein im nördlichen und Donau im südlichen Teil Bayerns.
Entlang dem Nordrand der Alb gibt es etliche Steinerne Rinnen. Die etwa 150 Meter lange und 0,2 Meter hohe Käsrinne bei Heidenheim und die Steinerne Rinne bei Wolfsbronn mit 128 Metern Länge und 1,5 Metern Höhe sind die längsten dieser „wachsenden Bäche“ in Bayern. Siehe auch Liste der Steinernen Rinnen in Bayern.
Schutzgebiete[Bearbeiten]
Bayerns schönste Geotope: Gipskarstquelle Bodenloses Loch
In Bayern liegen der Nationalpark Bayerischer Wald und der Nationalpark Berchtesgaden. Von der UNESCO anerkannte Biosphärenreservate sind das Biosphärenreservat Berchtesgadener Land und das Biosphärenreservat Rhön. Es gibt 18 Naturparke in Bayern, das älteste ist das 1969 gegründete Naturpark Altmühltal.
In Bayern sind 587 Naturschutzgebiete mit einer Gesamtfläche von 158.694,03 Hektar ausgewiesen (Stand: 17. März 2009). Das entspricht einem Anteil von 2,25 Prozent an der Fläche des Bundeslands. Größtes Naturschutzgebiet sind die Allgäuer Hochalpen, kleinstes ist der Drabafelsen. In Bayern sind 698 Landschaftsschutzgebiete mit einer Gesamtfläche von 2.121.991,82 Hektar ausgewiesen (Stand: Mai 2015). Das entspricht einem Anteil von 30,07 Prozent an der Fläche des Bundeslands. In Bayern sind über 2.500 Geotope vom Bayerischen Landesamt für Umwelt ausgewiesen. Siehe dazu Geotope in Bayern. Einhundert besonders sehenswerte sind als Bayerns schönste Geotope ausgewiesen.[12] Zusätzlich sind viele Gebiete als Fauna-Flora-Habitate und Europäisches Vogelschutzgebiet ausgewiesen.
Ausdehnung und Flächennutzung[Bearbeiten]Flächennutzung im Freistaat BayernFlächennutzung
am 31. Dezember 2012
Fläche
(km²)
Anteil
in Prozent
Landwirtschaft
34.703
49,2
Waldgebiete
24.732
35,1
Gebäude und Freiraum
(einschl. Friedhöfe)
4.207
6,0
Verkehr
3.400
4,8
Wasser
1.446
2,0
Flächen anderer Nutzung
(ohne Friedhöfe)
1.394
2,0
Erholung
391
0,6
Abbauland
153
0,2
Betriebsfläche ohne Abbauland
124
0,2
Mít 70.550,19 Quadratkilometern ist Bayern das flächenmäßig größte deutsche Bundesland und hat damit knapp 22.000 Quadratkilometer mehr Fläche als Niedersachsen. Der Freistaat entspricht etwa 19 Prozent der deutschen Staatsfläche. Bayern ist größer als die meisten Staaten Europas, etwa die Niederlande oder Irland.
Das Staatsgebiet Bayerns erstreckt sich von 47° 16′ bis zu 50° 34′ nördlicher Breite und von 8° 58′ bis 13° 50′ östlicher Länge. Bayern erstreckt sich in west-östlicher Richtung über maximal 384, in nord-südlicher über 362 Kilometer. Der südlichst gelegene Ort in Bayern ist Einödsbach, der westlichste Großwelzheim,[13] der nördlichste Weimarschmieden und der östlichste Breitenberg. Die südlichste Stelle Bayerns und ganz Deutschlands ist der Haldenwanger Eck. Die Mitteleuropäische Zeit (MEZ) ist der Ortszeit an der äußersten Westgrenze des Landes um 24 Minuten und 8 Sekunden, an der äußersten Ostgrenze um 4 Minuten und 40 Sekunden voraus.[14]
Die Landesgrenze Bayerns ist insgesamt 2705 Kilometer lang. Bayern grenzt, im Westen beginnend, im Uhrzeigersinn an Baden-Württemberg (829 Kilometer Grenzlänge), Hessen (262 Kilometer), Thüringen (381 Kilometer), Sachsen (41 Kilometer), an die tschechischen Regionen Karlsbad, Pilsen und Südböhmen (357 Kilometer), an die österreichischen Länder Oberösterreich, Salzburg, Tirol und Vorarlberg (816 Kilometer) sowie an den Schweizer Kanton St. Gallen (19 Kilometer), wobei der Grenzverlauf im Bodensee nicht festgelegt ist.
Bis 1990 bildete die Grenze zu Thüringen, Sachsen und der damaligen Tschechoslowakei einen Abschnitt des Eisernen Vorhangs. Sie stellte durch die Grenzsicherungsanlagen eine physisch nahezu unüberwindbare Trennung zwischen der NATO und dem Warschauer Pakt dar. Bei Prex gab es ein Dreiländereck. Nicht zum bayerischen Staatsgebiet und daher nicht zum deutschen Bundesgebiet gehören die in Österreich gelegenen Saalforsten, die im privatrechtlichen Eigentum des Freistaates Bayern stehen. Andererseits gehört der Egerer Stadtwald, der historisch zur böhmischen Stadt Eger (tschechisch. Cheb) gehört, zum bayerischen Staatsgebiet und wird von einer Stiftung verwaltet.
Etwa fünf Sechstel (84,2 Prozent) der Fläche wird land- und forstwirtschaftlich genutzt. 11,5 Prozent sind Siedlungs- und Verkehrsflächen.[14]
Klima[Bearbeiten]
Das Klima geht vom Nordwesten (relativ ausgeglichen) nach Osten ins Kontinentalklima über. An etwa 100 Tagen sind die Temperaturen unter null Grad Celsius, die Westwinde bringen durchschnittlich 700 mm Niederschlag, im Nordstau der Alpen lokal bis 1800 mm pro Jahr. Die mittlere jährliche Sonnenscheindauer beträgt 1600 bis 1900 Stunden.[15] Der wärmste Monat ist meist der Juli, kältester der Januar. Der Föhn beeinflusst das Wetter im gesamten Alpenvorland und kann stellenweise bis an die Fränkische Alb reichen. Der Norden Bayerns ist trockener und wärmer als der Süden;[16] die Region um Würzburg weist die meisten Sonnentage Süddeutschlands auf. Der Klimawandel zeigt sich auch verstärkt in Bayern: Gletscher schmelzen und extreme Wetterlagen, wie etwa das Hochwasser in Mitteleuropa 2013, nehmen zu.
Flora[Bearbeiten]
Bergmischwald im Herbst bei Burgberg, Lkr. Oberallgäu
Bayern wäre von Natur aus hauptsächlich von Wäldern bedeckt. Im Flach- und Hügelland würden buchendominierte Mischwälder vorherrschen, die in den Gebirgen in Bergmischwälder übergehen würden. In den höheren Gebirgslagen würden Fichtenwälder vorkommen und die Flüsse würden von ausgedehnten Auwäldern begleitet. Nur die Gewässer und die Gebirgslagen oberhalb der Waldgrenze sowie Sonderstandorte wie Hochmoore wären natürlicherweise nicht bewaldet. Durch umfangreiche Rodungen für landwirtschaftliche Flächen und Siedlungen hat der Mensch bereits aber im Mittelalter die Waldfläche in Bayern zurückgedrängt. Aktuell sind mit 2,6 Millionen Hektar 36,9 Prozent der bayerischen Landesfläche bewaldet. Damit befindet sich rund ein Viertel der deutschen Wälder in Bayern. Die Baumartenzusammensetzung der Wälder in Bayern ist stark von der forstwirtschaftlichen Nutzung geprägt. Die häufigste Baumart in Bayerns Wälder ist die Gemeine Fichte mit 41,8 Prozent Flächenanteil, gefolgt von der Waldkiefer mit 17,9 Prozent, der Rotbuche mit 13,9 Prozent und den Eichen mit 6,8 Prozent Anteilen.[17] Besonders große Waldgebiete finden sich noch in den Mittelgebirgen in Nord- und Ostbayern, wie zum Beispiel im Spessart, im Fichtelgebirge, im Steigerwald und im Bayerischen Wald, sowie in den Bayerischen Alpen.
Dagegen sind insbesondere die Gegenden mit fruchtbaren Böden im Voralpenland, im Hügelland und in den Flussniederungen von überwiegend landwirtschaftlich genutzten Offenlandschaften mit Wiesen, Äckern und nur wenigen Einzelbäumen und kleineren Wäldern geprägt. Franken weist gebietsweise für Süddeutschland einzigartige Sandlebensräume auf, die als Sandachse Franken geschützt sind.[18] In den Flusstälern entlang von Main und Tauber wurde die Landschaft für den Weinanbau umgestaltet. Weit verbreitet sind Magerrasen, ein extensiv genutztes Grünland an besonders nährstoffarmen, „mageren“ Standorten. Besonders die Südliche Frankenalb mit dem Altmühltal ist gekennzeichnet von solchen Magerrasen. Viele dieser Gebiete sind als Schutzgebiet ausgewiesen.
Fauna[Bearbeiten]
Biberdamm am in diesem Teil des Flusses als Buxbach bezeichneten Banzerbach bei Veitserlbach
In den Wäldern Bayerns leben, wie in anderen Teilen Deutschlands, nur noch relativ wenige Großtierarten. Es gibt hier unter anderem verschiedene Marderarten, Dam- und Rothirsche, Rehe sowie Wildschweine und Füchse. In naturnahen Gebieten wie dem Fichtelgebirge leben Luchse und Auerhähne, aber auch Biber und Otter verbreiten sich wieder. Vereinzelt gibt es Sichtungen von seit längerem in Mitteleuropa ausgerotteten Tieren in Bayern, beispielsweise vom Wolf.[19] In hochalpinen Regionen leben der wieder eingebürgerte Alpensteinbock und das Murmeltier. Seltener ist die Gämse in einigen Mittelgebirgen, wie der der Fränkischen Alb, beheimatet. Der Steinadler kommt in den Bayerischen Alpen vor.
Geschichte[Bearbeiten]
Wappen des Königreichs Bayern
Das bairische Stammesherzogtum
im 8. Jahrhundert
→ Hauptartikel: Urgeschichte Bayerns, Geschichte Bayerns und Königreich Bayern
Teil des Römischen Reiches[Bearbeiten]
Zur Zeit des Kaisers Augustus wurde das keltisch besiedelte Gebiet Altbayerns südlich der Donau Teil des Römischen Reiches. Nach Zusammenbruch der römischen Herrschaft bildete sich das Volk der Bajuwaren. Vermutlich haben sich die Bajuwaren aus verschiedenen Volksgruppen gebildet:aus elbgermanischen Stämmen, insbesondere Markomannen, Narisker und Quaden, sowie ostgermanischen Rugiern
aus Resten der einheimischen keltischen Bevölkerung
aus im Land verbliebenen Römern
aus alemannischen, fränkischen bzw. thüringischen, ostgotischen und langobardischen Volkssplittern
aus Söldnern der römischen GrenztruppenEs wird von einer Stammesbildung der Bajuwaren im eigenen Land, also dem Land zwischen Donau und Alpen ausgegangen.[20]
→ Hauptartikel: Bajuwaren
Stammesherzogtum[Bearbeiten]
Wie bereits oben erwähnt ist für das Jahr 555 n. Chr. die Existenz eines bairischen Stammesherzogtumes mit Sitz in Freising und Regensburg unter den Agilolfingern belegt, das unter den Merowingern Teil des fränkischen Herrschaftsbereichs Austrasien wurde. Der Sieg Karls des Großen über den Bayernherzog Tassilo III. 788 markiert das Ende des sogenannten Älteren Stammesherzogtums. Seit 788 bis zum Beginn des 10. Jahrhunderts gab es keinen baierischen Herzog. Die Karolinger regierten als bayerische Könige oder Unterkönige und setzten zur Herrschaftsausübung bisweilen Statthalter (Präfekten) ein.
Das jüngere Herzogtum Bayern in seiner maximalen Ausdehnung im 10. Jahrhundert
Der Niedergang der Karolinger ermöglichte ein Wiederaufleben der Eigenständigkeit der bayerischen Herzöge im sogenannten Jüngeren Stammesherzogtum. Nach Ende der Herrschaftsperiode der Karolinger kam es erneut dazu, dass die Eigenständigkeit der einzelnen Gebiete allmählich erstarkte. Unterstützt wurde dies durch die Bedrohung von außen durch die Ungarneinfälle ab etwa 862. Markgraf Luitpold von Bayern fiel 907 in der Schlacht von Pressburg in einer Niederlage gegen die Ungarn, jedoch wird das Datum durch den Antritt seines Sohns Arnulf I. als Herzog von Bayern gleichzeitig als Beginn des jüngeren baierischen Stammesherzogtums gesehen. Nach dem endgültigen Sieg Otto I. in der Schlacht auf dem Lechfeld gegen die Ungarn erfolgte eine zweite Welle baierischer Ostsiedlung mit Gewinn von Gebieten im heutigen Niederösterreich, Istrien und der Krain. Der Streit mit den Ottonen führte wieder zu einer starken Abhängigkeit vom deutschen Königtum. 976 wurde der Südosten Bayerns als Teil eines neu geschaffenen Herzogtums Kärnten abgetrennt. Zusätzlich regierte das Geschlecht der Babenberger in der Marcha Orientalis (Ostarrichi) zunehmend unabhängiger vom bayerischen Herzog.
Als am 23. Januar 1002 Otto III. verstarb, erkannte Heinrich II., ein naher Verwandter des verstorbenen Kaisers und Herzog von Bayern, seine Chance selbst König des Heiligen Römischen Reiches zu werden. Der Trauerzug wollte Otto III. in Aachen, der ehemaligen Königspfalz Karls des Großen, beisetzen. Dabei kam der Zug auch durch Bayern. Heinrich II. ließ in Polling den Leichnam unter seine Kontrolle bringen und erzwang die Herausgabe aller Königsinsignien. Durch diese List und Versprechen an andere Fürsten setzte sich Heinrich II. durch. Am 1. November 1007 erreichte Heinrich II. auf der Reichssynode in Frankfurt am Main die Gründung des Bistums Bamberg. Es lag an der Grenze zu den heidnischen Slawen und sollte der Region Schutz vor slawischen Überfällen bieten. Zugleich hoffte Heinrich II. darauf mit Bamberg den christlichen Glauben zu festigen. Nach mittelalterlichem Verständnis sicherte er sich so sein Seelenheil. Heinrich II. stellte beim Papstbesuch Benedikts VIII. sein Bistum unter den Schutz des Papstes und machte es damit für die Bischöfe von Würzburg und Eichstätt, denen Heinrich mit dem Bamberger Bistum Teile ihres Herrschaftsbereiches nahm, unangreifbar. Tatsächlich sollte das Bistum Bamberg noch bis 1802 Bestand haben. Darüber hinaus hatte seit 120 Jahren kein Papst mehr sich nördlich der Alpen aufgehalten. Die Thomaskapelle in der heutigen Alten Hofhaltung wurde von Benedikt VIII. geweiht. Ein deutlicher Gunsterweis, der Heinrichs Herrschaft von Gottes Gnaden betonte. Auch der Heinrichsdom wurde in Bamberg am 6. Mai 1012 in Anwesenheit von 45 Bischöfen eingeweiht. 50 000 mit Stein beladene Ochsenfuhren waren für den Dom notwendig. Doch im Jahr 1080 brannte der Dom auf. Nur wenige Teile blieben erhalten. Der jetzige Bamberger Dom ist der dritte. Die beiden Vorgängerbauten gingen durch Brände verloren. Heinrich II. beschenkte Bamberg mit zahlreichen Ländereien und stiftete zusätzlich Klöster. Nachdem Heinrich II. am 13. Juli 1024 verstarb, verlagerte sich das Zentrum des Heiligen Römischen Reiches mit den Salier-Königen an die Region um Speyer.
Ab 1070 kam es unter den Welfen zu einem Wiedererstarken der Macht der bayerischen Herzöge. Heinrich der Löwe besaß eine fast königliche Machtfülle. Da er den Staufer Friedrich I. militärisch in Italien unterstützt hatte, belehnte Friedrich den Welfen auch mit Bayern. Die Herzogtümer Sachsen und Bayern befanden sich damit in der Hand Heinrichs. Um seine eigenen Kassen durch Zoll aufzufüllen, gründete Heinrich der Löwe auch München. Durch die dort angelegte Brücke wollte er an dem Salzhandel teilhaben. Ob er allerdings in Freising die konkurrierende Brücke tatsächlich in Brand setzte, ist unter Historikern umstritten. Nicht einmal die Jahreszahl für diesen Vorfall gab der Bischof von Freising an. Es ist also gut möglich, dass er lediglich den rechtfertigenden Versuch unternahm, die Macht Heinrichs zurückzudrängen. Am Ende des 12. Jahrhunderts war München nicht größer als der Raum zwischen dem heutigen Rathaus und dem Dom. Zum Schutz vor Angriffen ließ Heinrich der Löwe die erste Stadtmauer erbauen.
Am 11. November 1180 stürzte Friedrich I. Barbarossa in Erfurt auf Betreiben der Fürsten Herzog Heinrich den Löwen, den Herzog von Bayern und Sachsen. Das Herzogtum Bayern wurde durch die Abtrennung der Steiermark und der andechsischen Markgrafschaft Istrien weiter verkleinert. Friedrich I. belehnte nun den Wittelsbacher Otto I. als Herzog von Bayern. Bis 1918 werden sie sich halten können.
Territorialherzogtum[Bearbeiten]
Von 1180 bis 1918 wurde Bayern als Territorialherzogtum von den Wittelsbachern regiert. Es erlebte von 1255 bis 1503 eine Periode zahlreicher Teilungen in Einzelherzogtümer.
In einer kurzen Zeit der Wiedervereinigung erlangte Ludwig IV. 1328 als erster Wittelsbacher die Kaiserwürde, was für Bayern einen neuen Höhepunkt der Macht bedeutete. Ludwig erhielt 1314 nach dem Tod des Luxemburgers Heinrich VII. jedoch nur die Hälfte der Reichsfürstenstimmen. Die Herrschaft Ludwigs IV. als König war damit keineswegs gefestigt. Er brauchte mächtige Verbündete, um sich gegen seinen Rivalen Friedrich von Habsburg durchsetzen zu können. Diese entscheidende Hilfe erlangte er durch die Förderung der ökonomisch starken Städte. Regensburg war zum Beispiel in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts die wichtigste Stadt Bayerns und die zweitgrößte im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. 40 Mal hat Ludwig die wohlhabende Handelsstadt aufgesucht. Denn Regensburg lag für den Handel besonders günstig. Die Donau stellte eine natürliche Ost-Westverbindung dar. Die Steinerne Brücke verband Norden und Süden miteinander. Darüber hinaus war sie die einzige Brücke an der Donau zwischen Ulm und Wien. Die Geschlechtertürme zeugen noch heute vom Selbstbewusstsein der aufstrebenden Patrizier. Tatsächlich beinhalteten sie nur eine Etage und waren damit hauptsächlich ein Statussymbol. Im Mittelalter wurden die Dächer der Geschlechtertürme nicht vollständig abgeschlossen, um sie jederzeit weiter aufstocken zu können. 1322 trug Regensburger Geld zum Sieg Ludwigs in der Schlacht von Mühldorf bei. Ludwigs Rivale Friedrich von Habsburg wurde zweieinhalb Jahre bei Landshut gefangen gehalten. Kurz darauf ließ Ludwig jedoch Friedrich zum Mitkönig erheben und erreichte so kurzzeitig eine Aussöhnung mit ihm feindlich gegenüber stehenden Fürsten. Eine Hauptstadt kannte das Herzogtum Bayern noch nicht. 80 000 km legte Ludwig auf den Sattel zurück. Nur durch sein persönliches Erscheinen konnte er sich vor Ort gegenüber den dortigen Fürsten durchsetzen. Wegen seiner Bemühungen, die kaiserliche Autorität auch in Italien zu stärken, geriet er in Konflikt mit Papst Johannes XXII. Um Ludwig nicht als König des Heiligen Römischen Reiches zu bezeichnen, verwendete der Papst die Bezeichnung "Bavarius" bzw. den Bayern. Ludwig konnte die Hausmacht der Wittelsbacher ganz erheblich erweitern. Doch es sollte sich zeigen, dass die für das Mittelalter doch sehr großen Entfernungen der zerstreuten Wittelsbacher-Gebiete eine effektive Verwaltung erschwerten. Im Hausvertrag von Pavia von 1329 teilte Ludwig daher den Besitz in eine pfälzische Linie mit der Rheinpfalz und der später so genannten Oberpfalz und in eine altbayerische Linie auf.
Nach seinem Tod am 11. Oktober 1347 versuchten seine Söhne zunächst gemeinsam zu regieren. Jedoch gaben sie mit dem Regensburger Vertrag von 1353 diesen Plan auf. Es kam zu einer weiteren Landesteilung. Das kleinste dieser sogenannten Teilherzogtümer war Straubing-Holland. Es umfasste die Gebiete Hennegau, Seeland, Holland, Friesland und Straubing. Da die westlichen Gebiete wesentlich größer und wohlhabender waren als die niederbayerischen, regierten die Herzöge von Straubing-Holland meist in Den Haag. Um jedoch nicht das über 800 km von Den Haag entfernte Straubing an illoyale Fürsten zu verlieren, richteten die Herzöge einen Kurierdienst zwischen Straubing und Den Haag ein. Die Herzogsburg in Straubing war meist nur Verwaltungssitz des sogenannten Vitztumamtes, d. h. der Stellvertreter der abwesenden Herzöge. Der Schriftverkehr der Straubinger Kanzlei nahm in dieser Zeit beträchtlich zu. Durch Urbarbücher gelang es, akkurat die Besitzverhältnisse im Land zu protokollieren und damit die Einnahmequellen zu erweitern. Auch durch die Ausbreitung schriftlicher Gesetze (Rechtssicherheit) konnte der Herzog der Selbstjustiz und den Fehden der Adligen in seinem Territorium vorbeugen. Das trug ganz erheblich zu einer Stärkung der monarchischen Gewalt gegenüber den Fürsten bei. Durch Privilegien, etwa die Erlaubnis, eine Stadtmauer bauen zu dürfen, und den militärischen Schutz der Stadt durch die Herzöge wurden auch die Patrizier, die Händlerfamilien, in Straubing gestärkt. Denn der Boden ist hier besonders fruchtbar. Der Überschuss Getreide und Vieh wurden von den Bauern auf dem 600 m lang angelegten und sogar bereits gepflasterten Marktplatz verkauft. Was an Getreide nicht beim ersten Mal verkauft wurde, wurde in einem Lagerhaus für den späteren Verkauf gelagert, maximal eine Woche. Auch niederländische Händler brachten etwa Hering in die Stammeslande der Herzöge. Gaststätten und Unterkünfte schossen für durchreisende Händler und Pilger aus dem Boden. Der Erfolg der Stadt führte dazu, dass der um 1393 fertiggestellte und 68 Meter hohe Stadtturm nicht mehr ausreichte um die Stadt gänzlich im Überblick zu behalten. Denn der Türmer hatte von dort aus die Pflicht Feuer oder feindliche Soldaten zu melden. Nach dem Aussterben der männlichen Linie der Herzöge von Straubing-Holland erbte der eng mit ihnen verwandte Herzog von Burgund im Jahr 1433 die Provinzen Holland, Seeland, Friesland und die Grafschaft Hennegau. Schon 1429 wurde der niederbayerische Besitz von den Herzögen von Bayern-Landshut, Bayern-Ingolstadt und Bayern-München aufgeteilt. Viele andere von Ludwig IV. hinzugewonnenen Gebiete wie Brandenburg und Tirol, gingen unter seinen Nachfolgern sehr bald wieder verloren. Tirol fiel 1363 an die Habsburger und Brandenburg 1373 an die Luxemburger. Mit der Goldenen Bulle 1356, welche teilweise auch in Nürnberg entstand, ging die Kurfürstenwürde für die altbayerische Linie an die Pfalz verloren. Zum ersten Mal in der Geschichte des Heiligen Römischen Reiches wurde in diesem Dokument festgelegt, dass sieben Kurfürsten den König wählen sollten. Damit war ein Gegenkönigtum, wie es noch Ludwig IV. erlebt hatte ausgeschlossen.Der aus dem mächtigen Luxemburger Geschlecht stammende Kaiser Karl IV. erhielt so zwei Wahlstimmen (Brandenburg und Böhmen). Er verhinderte damit die Wahl eines Wittelsbachers bis in das 18. Jahrhundert hinein. Zudem musste der gewählte König seinen ersten Hoftag in Nürnberg halten. Daran erinnert an der Frauenkirche am Hauptmarkt noch heute der im 16. Jahrhundert angefertigte Männleinslauf. Die Figuren der sieben Kurfürsten umkreisen Karl IV. in der Mitte. 52 Mal hielt sich Karl IV. in Nürnberg auf und genehmigte den Abriss des Judenviertels für einen vom Stadtrat angestrebten großen Platz: dem heutigen Hauptmarkt. Eigentlich zahlten die Juden seit dem Stauferkaiser Friedrich II. an den König damit dieser ihnen militärischen Schutz gewährte. Doch Karl IV. versagte in dieser Funktion. Vom 5. bis 7 Dezember 1349 fiel die Bevölkerung über die Juden her. Viele von ihnen wurden gewaltsam erschlagen oder verbrannt. 562 Menschen starben. An Stelle der Synagoge stiftete Karl IV. die Frauenkirche. Ein eingravierter Davidstern am Boden der Frauenkirche erinnert heute noch an dieses Verbrechen. Während der Pest kam es in vielen Städten zu grausamen Judenpogromen. Hauptgrund war dabei, dass Juden im Unterschied zu der christlichen Bevölkerung nach päpstlichen Recht Kredite aufnehmen durften. Das war auch notwendig. Denn auf den nur schlecht gepflasterten Wegen war man mit seiner Handelsware oft wochenlang unterwegs und Raubüberfällen ausgeliefert. Aufgrund dieses Risikos mussten die Regensburger Juden durchschnittlich 180 % des Wertes ihrer Auszahlung an die Patrizier zurückfordern. Die christlichen Händler häuften dadurch Schulden bei den Juden an. Die Pest war nun eine willkommene Gelegenheit sich durch Mord an den Juden seiner Schulden zu entledigen.
1447 fiel Bayern-Ingolstadt an Bayern-Landshut. Durch Silberminen in Tirol, Salz- und Getreidehandel begünstigt begann in Landshut die Herrschaft der drei sogenannten "Reichen Herzöge": Heinrich XVI. (1393-1450), Ludwig IX. (1450-1479) und Georg der Reiche (1479-1503). 1503 fiel Bayern-Landshut im Landshuter Erbfolgekrieg an Bayern-München. Durch das Primogeniturgesetz von 1506 sollten die Landesteilungen ein Ende finden. Der 1495 zweitgeborene Wittelsbacher Ludwig konnte jedoch einwenden, dass dieses Gesetz nach seiner Geburt in Kraft getreten war und damit für ihn ungültig sei. Durch die Unterstützung der Landstände gegen seinen Bruder Wilhelm IV. konnte er im Rattenberger Vertrag von 1514 und mit Unterstützung des Habsburger-Kaiser Maximilians eine gemeinsame Regierung durchsetzen. 1516 erhielt Ludwig X. ein Viertel des Herzogtums Bayerns. Während seiner Beteiligung an diplomatischen und militärischen Züge Kaiser Maximilians I. in Italien bekam er 1536 im Mantua einen Eindruck von der Palastarchitektur der Renaissance. Dies bewog ihn den Deutschen Bau seiner Landshuter Residenz mit einem italienischen Bau zu ergänzen. Die Residenz war der erste Renaissancepalast nördlich der Alpen und wurde ein wichtiges Zentrum von Gelehrten und Künstlern.
In der Gegenreformation nahm Bayern eine führende Stellung ein und ging aus dem Dreißigjährigen Krieg mit Gebietsgewinnen und dem Aufstieg zum Kurfürstentum hervor: 1620 besiegten die Truppen der Katholischen Liga unter Führung des bayerischen Feldherrn Tilly in der Schlacht am Weißen Berge bei Prag die Protestanten. Anschließend ließ Tilly die Pfalz besetzen. Zum Dank erhielt Maximilian I. 1623 die Kurfürstenwürde und 1628 die von ihm besetzte Oberpfalz als Kriegsentschädigung.
Während des Spanischen und Österreichischen Erbfolgekrieges und im Zuge der Großmachtpolitik Maximilians II. und seines Sohnes Karl Albrecht wurde das absolutistische Bayern vorübergehend von Österreich besetzt. 1705 erhob sich das bayerische Volk gegen die kaiserliche Besatzung. Die bayerische Volkserhebung umfasste weite Gebiete Niederbayerns, das Innviertel und das östliche Oberbayern. Ein Landesdefensionskongress tagte im Dezember 1705 im damals noch bayerischen Braunau am Inn. Erst die Schlacht von Aidenbach am 8. Januar 1706 endete mit der völligen Niederlage der Volkserhebung. Nach dem Aussterben der altbayerischen Linie der Wittelsbacher entstand 1777 das Doppel-Kurfürstentum Kurpfalz-Bayern unter der Regentschaft des Kurfürsten Karl Theodor aus der pfälzischen Linie der Wittelsbacher.
Königreich[Bearbeiten]
Königreich Bayern 1815
Zur Zeit Napoleons stand Bayern anfangs auf der Seite Frankreichs und konnte durch Säkularisation und Mediatisierung große Gebietsgewinne verzeichnen. So fielen Salzburg, Tirol, Vorarlberg sowie das Innviertel vorübergehend an Bayern. Im Frieden von Pressburg, der am 26. Dezember 1805 zwischen Frankreich und dem deutschen Kaiser Franz II. abgeschlossen wurde, wurde das mit Napoleon verbündete Bayern zum Königreich proklamiert. König Maximilians Minister Maximilian Graf von Montgelas gilt dabei als Schöpfer des modernen bayerischen Staates. Das neue Königreich beseitigte alle Relikte der Leibeigenschaft, die das alte Reich hinterlassen hatte. Durch das Religionsedikt von 1803 wurden alle drei christlichen Bekenntnisse gleichberechtigt – Katholiken, Reformierte und Lutheraner. 1807 wurden die ständischen Steuerprivilegien abgeschafft. 1805 wurden alle erblichen und käuflichen Ämter durch die große Dienstespragmatik abgeschafft. Das Münchner Regulativ von 1805 und das Juden-Edikt von 1813 gewährte den Israeliten im neuen Bayern erste Freiheiten. Am 27. August 1807 führte Bayern als erstes Land der Welt eine Pockenimpfung ein. 1812 wurde die bayerische Gendarmerie gegründet. Durch ein neues Strafgesetzbuch, das Anselm von Feuerbach entworfen hatte, wurde 1813 die Folter abgeschafft.
Das Fürstentum Ansbach fiel 1806 durch einen von Napoleon erzwungenen Gebietstausch an das Königreich Bayern, das protestantische Fürstentum Bayreuth wurde 1810 von Napoleon an Bayern verkauft. Durch den rechtzeitigen Wechsel auf die Seite der Gegner Napoleons konnte Bayern auf dem Wiener Kongress 1814 als Siegermacht einen Teil der Gebietsgewinne behalten. Für den Verlust Tirols und der rechtsrheinischen Pfalz wurde es durch wirtschaftlich weiter entwickelte Gebiete um Würzburg und Aschaffenburg entschädigt. Die linksrheinische Pfalz blieb bei Bayern. König Ludwig I. baute die bayerische Hauptstadt München zur Kunst- und Universitätsstadt aus. Wegen einer Affäre mit der Tänzerin Lola Montez musste er 1848 im Zuge der Märzunruhen abdanken. Sein Nachfolger wurde sein Sohn Maximilian II, der 16 Jahre regierte, bevor er am 10. März 1864 starb. Noch am selben Tage wurde Maximilians Sohn Ludwig II. zum König von Bayern proklamiert. Er ging wegen des Baues von Neuschwanstein und anderer Schlösser als Märchenkönig in die Geschichte ein. Im Deutschen Krieg 1866 erlitt Bayern an der Seite Österreichs eine Niederlage gegen Preußen. 1871 wurde es Teil des neu gegründeten Deutschen Reiches, erhielt dabei sogenannte Reservatrechte (eigenes Post-, Eisenbahn- und Heereswesen).
Frei- bzw. Freier Volksstaat und Räterepublik[Bearbeiten]
Im Rahmen der Novemberrevolution wurde die Wittelsbacher Monarchie abgesetzt. In Folge rief am 8. November 1918 Kurt Eisner, Schriftsteller und Journalist, Gründungsmitglied der USPD, Bayern einen Volks- bzw. Freistaat aus, den Freien Volksstaat Bayern. 1919 konnten sozialistische Gruppen für kurze Zeit eine Räterepublik installieren.[21]
Durch eine Volksabstimmung kam 1920 der Freistaat Coburg zu Bayern (Siehe auch → Landkreis Coburg).
Nach der Münchner Räterepublik blieb Bayern eine Hochburg konservativer und nationalistischer Kräfte; sie wurde als „Ordnungszelle des Reiches“ bezeichnet. Am 8. und 9. November 1923, zur Zeit der Weimarer Republik, wurde Bayern Schauplatz des Hitlerputsches.
Teil des Großdeutschen Reiches[Bearbeiten]
In der Zeit des Nationalsozialismus (1933 bis 1945) war Bayern als Verwaltungseinheit weitgehend bedeutungslos. Im Zweiten Weltkrieg erlitten bayerische Städte wie Würzburg, München, Nürnberg oder Augsburg starke Zerstörungen (siehe Luftangriffe auf Nürnberg und Augsburg).
Die Besatzungsmächte leiteten Vertriebene aus Schlesien und dem Sudetenland gezielt in das dünn besiedelte Bayern. Dadurch wuchs die Bevölkerung bis 1949 um ein Viertel.
Freistaat[Bearbeiten]
General Eisenhower stellte mit der Proklamation Nummer 2 vom 28. September 1945 Bayern offiziell als Staat wieder her; die Exekutive lag zwischen 1945 und 1952 in den Händen von US-amerikanischen Militärgouverneuren. Nach der Besetzung durch US-Truppen wurde Bayern Bestandteil der amerikanischen Besatzungszone, während die in der französischen Besatzungszone gelegene Rheinpfalz dem neugebildeten Land Rheinland-Pfalz eingegliedert wurde. Ab dem 30. Juni 1946 tagte in München eine Verfassungsgebende Versammlung. Die neue Verfassung des Freistaates Bayern[22] wurde 1946 mit großer Mehrheit durch das Volk angenommen (Näheres im Artikel Bayerische Verfassungsgeschichte).
1949 wurde Bayern als Land Teil der Bundesrepublik Deutschland. Ein langanhaltender Wirtschaftsaufschwung („Wirtschaftswunder“) trug dazu bei, dass Bayern nicht nur Agrarland blieb, sondern Heimat vieler Industriebetriebe wurde. Von 1962 bis 2008 sowie ab 2013 hatte die CSU die absolute Mehrheit in Bayern inne.
Bevölkerung[Bearbeiten]
Rund 16 Prozent der deutschen Bevölkerung lebt in Bayern. Mit rund 12,6 Millionen Menschen leben im Freistaat 5 Millionen weniger Menschen als im bevölkerungsreicheren Nordrhein-Westfalen und rund 2 Millionen Menschen mehr als im bevölkerungsärmeren Baden-Württemberg. Nach England und Nordrhein-Westfalen ist Bayern die drittbevölkerungsreichste subnationale Entität der Europäischen Union und einer der bevölkerungsreicheren Gliedstaaten in der Westlichen Welt. Bayern hat mehr Einwohner als die meisten mittelgroßen Staaten: Wäre Bayern ein eigenes Land, wäre es bevölkerungsmäßig der 10-bevölkerungsreichste Staat Europas.
Bayerns Bevölkerung wächst kontinuierlich. Seit 1840 hat sich die Einwohnerzahl Bayerns mehr als verdreifacht. Zur Volkszählung 1970 wurden erstmals mehr als 10 Millionen Einwohner gezählt.[23] Rund 50,92 Prozent der Bevölkerung ist weiblich. Von der Gesamtbevölkerung war etwas unter einem Fünftel zwischen 0 und 18 Jahre alt und etwas unter einem Fünftel älter als 65. 2012 gab es im Gebiet des Freistaates Bayern 107.039 Geburten, 125.448 Todesfälle, 845.228 Zuzüge und 753.642 Wegzüge; dies entspricht eines Bevölkerungszunahme von 73.177 Menschen.[23] 2013 entsprach der Ausländeranteil 9,6 Prozent.[24]
Wie in ganz (West-)Deutschland kam es ab den 1950er Jahren vor dem Hintergrund des deutschen Wirtschaftswunders zu Zuwanderung insbesondere aus der Türkei, dem damaligen Jugoslawien und Italien und verstärkt um 1990 nach dem Ende des Kalten Krieges aus ostmitteleuropäischen und osteuropäischen Ländern.
„Vier Stämme Bayerns“[Bearbeiten]
Die ursprünglich ansässige und die unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg zugewanderte deutschböhmische Bevölkerung Bayerns werden traditionell in „Vier Stämme“ (siehe Deutsche Stämme für die Wortherkunft) untergliedert und setzt sich zusammen aus den drei traditionell ansässigen Franken, den Schwaben und den für den Freistaat namensgebenden Altbayern sowie als viertem Stamm den Sudetendeutschen, für die Bayern die Schirmherrschaft übernahm. Unterscheidungsmerkmale der drei ursprünglich ansässigen Stämme sind etwa eigene Dialekte (bairisch, ostfränkisch, alemannisch), eigene Küchen (bayerisch, fränkisch, schwäbisch), eigene Traditionen, Trachten und teilweise Architekturstile. Es werden den einzelnen Stämmen auch unterschiedliche Mentalitäten zugeschrieben, etwa sind laut Bayerischer Staatsregierung die Altbayern weltoffen, beharrlich und musisch begabt, Franken hingegen zeichnen ein ausgeprägter „Gemeinschaftssinn, Organisationstalent, Heiterkeit und ein schnelles Auffassungsvermögen“ aus, während man Schwaben als sparsame Menschen sieht, die einen „Hang zur Untertreibung“ haben.[25] Bei Kabinettsbildungen werden aus Proporzgründen die Ämter nach den Stämmen verteilt. Auch die drei CSU-Ministerposten des Bundeskabinetts Merkel III sind auf die drei Stämme Franken, Baiern und Schwaben verteilt.
Nach 1945 gelangten über zwei Millionen Flüchtlinge und Heimatvertriebene, vor allem als Sudetendeutsche bezeichnete Deutschböhmen, Deutschmährer und Sudetenschlesier, nach Bayern. Die Sudetendeutschen wurden von Franz Josef Strauß als „vierter Stamm“ bezeichnet, wobei die deutschböhmische, -mährische und sudetenschlesische Bevölkerung aus unterschiedlichen Dialekt- und Kulturräumen des deutschen Sprachraumes innerhalb der damaligen Tschechoslowakei stammte und somit heterogen ist.[26] Sinti und Jenische haben ebenfalls eine, staatlich bisher nicht anerkannte, lange Tradition in Bayern.
Bekannt ist vor allem der lange Streit zwischen den Franken und den Altbayern um die angebliche Ungleichbehandlung der Franken durch die Baiern. Franken sei gemäß einer Organisationen in den Parteistrukturen unterrepräsentiert und bekomme weniger Steuermittel. Auch werde sich generell weniger um Belange und Probleme der fränkischen Regierungsbezirke gekümmert.[27][28] Gelegentlich wird auch die Rückgabe von sogenannter Beutekunst, Kunstwerke aus fränkischen Städten und Schatzkammern, die vom Königreich Bayern im 19. Jahrhundert konfisziert und nach München gebracht wurden, gefordert.[29] Viele derartige Kritikpunkte gelten allerdings als gegenstandslos. So sind beispielsweise fränkische Politiker in den Strukturen großer Parteien nicht unterrepräsentiert.[30] Auch ist die Forderung der Rückgabe von Kunstschätzen problematisch, da etwa der Hofer Altar in München und einige Dürer-Gemälde in der Alten Pinakothek nicht geraubt, sondern freiwillig abgegeben wurden.[31]
Religion und Weltanschauung[Bearbeiten]Konfessionszugehörigkeiten der bayerischen Bevölkerung (in Prozent)
1840[32] *
1900[32] *
1933[32] *
1950[32]
1970[33]
2006
2014[34]
römisch-katholisch
71,1
70,5
70,0
71,9
70,4
57,2[35]
52,1
evangelisch
27,4
28,3
28,7
26,5
25,2
21,3[36]
19,4
muslimisch




0,9
2,2jüdisch
1,4
0,9
0,5
0,1
0,1
0,1andere Konfessionen
und Konfessionslose
0,1
0,3
0,8
1,5
3,4
19,2* einschließlich der Region Pfalz
Wieskirche in Oberbayern
Eingang zur Augsburger Synagoge
Bayern ist mit 52,1 % (Stand: 2014) nach dem Saarland das Bundesland mit dem höchsten römisch-katholischen Bevölkerungsanteil in Deutschland.[34] Weiter sind 19,4 % der Bevölkerung evangelisch-lutherisch.[34] Diese beiden Konfessionen verteilen sich ungleich über die Bezirke. So sind Altbayern und Unterfranken überwiegend katholisch, Mittelfranken und Teile Oberfrankens protestantisch geprägt. Sowohl die Markgraftümer Ansbach und Bayreuth als auch die Mehrzahl der freien Reichsstädte (wie etwa Nürnberg oder Rothenburg ob der Tauber) sind lutherisches Kernland und waren Hochburgen der Reformation. Der Anteil der Katholiken und Protestanten hat sich seit 1970 deutlich verringert.
Der bayerische Staat zahlt der römisch-katholischen Kirche jährlich 65 Millionen Euro und der evangelischen Kirche 21 Millionen Euro Staatsdotationen aus dem allgemeinen Haushalt.[37] Die katholischen Pfarreien gehören dem Bistum Würzburg und dem Bistum Eichstätt im Erzbistum Bamberg sowie dem Bistum Regensburg, dem Bistum Passau und dem Bistum Augsburg im Erzbistum München und Freising an. Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern ist eine Gliedkirche der Evangelischen Kirche in Deutschland und gliedert sich in sechs Kirchenkreise Ansbach-Würzburg, Augsburg, Bayreuth, München, Nürnberg und Regensburg.
Jüdische Gemeinden gab es bis zum 19. Jahrhundert vor allem in ländlichen Gebieten Frankens und Schwabens sowie den freien Reichsstädten wie etwa in Nürnberg (Ansiedlungsverbot 1499 bis 1850) und Regensburg. Im wittelsbachischen Altbayern gab es so gut wie keine Juden, seit der Judenemanzipation aber zunehmend in bayerischen Städten. Von fast 200 jüdischen Gemeinden vor dem Holocaust existieren in Bayern noch oder wieder 13 Gemeinden.[38][39]
Von wachsender Bedeutung ist insbesondere in Großstädten der Islam. Viele Moscheegemeinden versuchen, ihre bisherigen Hinterhofmoscheen durch repräsentative Neubauten zu ersetzen. Eine Studie des Bundesministeriums des Innern (BMI) beziffert den Anteil der Muslime an der bayerischen Gesamtbevölkerung im Jahr 2008 auf ungefähr 4 Prozent (etwa 13 Prozent der in Deutschland wohnhaften Muslime).[40]
Wie in vielen Gegenden in Deutschland wächst der Anteil konfessionell ungebundener Einwohner in Bayern. So gibt es einen Humanistischen Verband Bayern, Landesverband im Humanistischen Verbands Deutschlands. Dieser versteht sich als Weltanschauungsgemeinschaft und Interessenvertretung nichtreligiöser Menschen.[41] Der Verband, der im März 2007 eine Zahl von 1.800 Mitgliedern ausgewiesen hatte,[42] ist in Bayern unter anderem Träger des Humanistischen Lebenskundeunterrichts, er betreibt seit 2008 eine Grundschule in freier Trägerschaft[43] sowie über ein Dutzend Kindertagesstätten.[44] Er unterhält ferner ein eigenes Sozialwerk und den Turm der Sinne in Nürnberg.
Besonders in Ballungszentren gibt es kleinere buddhistische, alevitische, bahaiistische und hinduistische Gemeinden, Königreichssäle der Zeugen Jehovas und Kirchen kleinerer christlicher Kirchen wie den Siebenten-Tags-Adventisten. Zuflucht gefunden etwa in München hat die fast ausgestorbene Religionsgemeinschaft der mandäischen Gemeinde. Aufgrund des Konflikts mit dem deutschen Staat wegen der Schulpflicht gerieten die Zwölf Stämme bei Nördlingen negativ in die Schlagzeilen.
Bevölkerungsreichste Städte[Bearbeiten]Bevölkerungsreichste Städte des Freistaates Bayern[45]Stadt
Einwohner am
31. Dez. 2000
Einwohner am
31. Dez. 2012
Veränderung
2000–2012 in Prozent
München, Landeshauptstadt
1.210.223
1.388.308
+14,72
Nürnberg
488.400
495.121
+1,38
Augsburg
254.982
272.699
+6,95
Regensburg
125.676
138.296
+10,04
Ingolstadt
115.722
127.886
+10,51
Würzburg
127.966
124.577
−2,65
Fürth
110.477
118.358
+7,13
Erlangen
100.778
105.412
+4,6
Bayreuth
74.153
71.482
−3,6
Bamberg
69.036
70.863
+2,65
Aschaffenburg
67.592
67.681
+0,13
Landshut
58.746
65.322
+11,19
Kempten (Allgäu)
61.389
64.625
+5,27
Rosenheim
58.908
59.935
+1,74
Neu-Ulm
50.188
53.888
+7,37
Schweinfurt
54.325
52.098
−4,1
Passau
50.536
49.038
−2,96
Freising
40.890
45.227
+10,61
Straubing
44.014
45.099
+2,47
Dachau
38.398
44.822
+16,73
Anmerkung: Alle aufgeführten Städte – außer Neu-Ulm, Freising und Dachau – sind kreisfrei.
Größte Stadt und einzige Millionenstadt sowie einzige Weltstadt des Freistaates Bayern ist die Landeshauptstadt München mit rund 1,4 Millionen Einwohnern. Sie ist deutschlandweit die drittgrößte Stadt und die zwölftgrößte Stadt der Europäischen Union. Sie ist die größte Stadt Deutschlands, die kein Stadtstaat ist. Zudem ist München mit rund 4.800 Einwohnern je Quadratkilometer (Mai 2015) die am dichtesten bevölkerte Gemeinde Deutschlands sowie mit 519 m ü. NN dessen höchstgelegene Großstadt. Nürnberg ist mit seinen rund 500.000 Einwohnern die bayernweit zweitgrößte Stadt und belegt deutschlandweit den 14. Platz. Augsburg belegt den deutschlandweit 23. Platz. In Bayern gibt es insgesamt acht Großstädte. Jüngste Großstadt (mindestens 100.000 Einwohner) Bayerns ist Ingolstadt. Nürnberg bildet zusammen mit Erlangen, Fürth und Schwabach ein ausgeprägtes Städteband. Metropolregionen in Bayern stellen die Metropolregion München, die Metropolregion Nürnberg und das Rhein-Main-Gebiet dar.
Sprache und Dialekt[Bearbeiten]
→ Hauptartikel: Dialekte in Bayern
Amts- und Verkehrssprache ist Deutsch. Zahlreiche weitere Sprachen werden von jenen gesprochen, die aus anderen Sprachregionen kommen bzw. den entsprechenden Migrationshintergrund haben.
In Bayern dominieren Dialekte der oberdeutschen Dialektfamilie. Daneben werden räumlich eng begrenzt mitteldeutsche Mundarten gesprochen.
Die Dialekte in Bayern lassen sich folgenden Dialektgruppen zuordnen (von Nord nach Süd):
Mitteldeutsche Dialekte:Rheinfränkisch als Südhessisch um Aschaffenburg (Unterfranken)
Thüringisch-Obersächsisch als Südostthüringisch in Ludwigsstadt (Landkreis Kronach, Oberfranken)Oberdeutsche Dialekte:Ostfränkisch als Mainfränkisch und Oberfränkisch vor allem in den fränkischen Regierungsbezirken
Bairisch als Nord- und Mittelbairisch, am Rand zu Tirol Südbairisch, vor allem in Altbayern
Alemannisch als Schwäbisch und Niederalemannisch vor allem im Regierungsbezirk SchwabenZwischen diesen Mundarträumen bestehen nicht zu unterschätzende Übergangsgebiete, die sich nicht ohne Bruch einem dieser Gebiete zuordnen lassen. Es existieren bairisch-fränkische (etwa Nürnberg und Umgebung), bairisch-schwäbische (unter anderem Lechrain) und schwäbisch-fränkische (Gebiet um Dinkelsbühl und Hesselberggebiet) Übergangsgebiete, in manchen Orten sogar bairisch-schwäbisch-fränkische Mischdialekte (zum Beispiel Treuchtlingen, Eichstätt).
Die Dialekte sind bei den Einheimischen, besonders außerhalb der großen Städte, sehr verbreitet, wobei in Ballungsgebieten wie München ein Aussterben der Dialekte zu beobachten ist.
Lexikographisch erfasst werden die bairischen Dialekte durch das Bayerische Wörterbuch, die schwäbischen durch das Schwäbische Wörterbuch und die ostfränkischen durch das Ostfränkische Wörterbuch, wozu noch zahlreiche Wörterbücher über Orts- und Regionalmundarten kommen. Areallinguistisch werden die Dialekte Bayerns vom Sprachatlas von Bayerisch-Schwaben, dem Sprachatlas von Mittelfranken, dem Sprachatlas von Niederbayern, dem Sprachatlas von Nordostbayern, dem Sprachatlas von Oberbayern und dem Sprachatlas von Unterfranken aufgearbeitet.
Zahlreiche weitere deutsche und nichtdeutsche Dialekte werden von jenen gesprochen, die aus anderen Dialekt- oder Sprachregionen kommen.
Politik[Bearbeiten]
→ Hauptartikel: Politisches System Bayerns
Staatsaufbau[Bearbeiten]
Siehe auch: Bayerischer Ministerpräsident und Gesetzgebungsverfahren in Bayern
Grundlage der Politik in Bayern ist die durch Volksabstimmung am 1. Dezember 1946 angenommene Verfassung des Freistaates Bayern. Die Verfassung trat am 2. Dezember 1946 in Kraft. Bayern ist demnach Freistaat (Republik) und Volksstaat (Demokratie). Seit dem 1. Januar 2000 existiert nach der Abschaffung des Senats ein parlamentarisches Einkammersystem.
Die gesetzgebende Gewalt liegt beim Bayerischen Landtag, dessen Abgeordnete alle fünf Jahre (bis 1998: alle vier Jahre) gewählt werden. Bis Ende 1999 existierte mit dem Senat eine zweite Kammer, mit der Vertreter sozialer und wirtschaftlicher Interessenverbände ein politisches Gegengewicht zum Landtag schaffen sollten. In einem Volksentscheid wurde am 8. Februar 1998 die Abschaffung dieser Kammer beschlossen. Bis dahin war Bayern das einzige deutsche Land mit einer zweiten Kammer. Sie hatte jedoch nur bedingten Einfluss, weil sie keine Gesetze einbringen durfte, sondern nur das Recht der Mitwirkung besaß.
Die Staatsregierung wird vom Bayerischen Ministerpräsidenten geführt. Er leitet die Geschäfte, bestimmt die Richtlinien der Politik, vertritt Bayern nach außen und ernennt die Staatsminister und -sekretäre.
Das oberste bayerische Gericht ist der Bayerische Verfassungsgerichtshof. Des Weiteren gibt es diverse obere Landesgerichte, darunter drei Oberlandesgerichte in München, Nürnberg und Bamberg, den Bayerischen Verwaltungsgerichtshof, zwei Landesarbeitsgerichte (München und Nürnberg), das Bayerische Landessozialgericht sowie die restliche Judikative. Das Bayerische Oberste Landesgericht als oberstes bayerisches Gericht der ordentlichen Gerichtsbarkeit wurde mit Wirkung zum 1. Juli 2006 aufgelöst.
Außer vom Landtag können in Bayern Gesetze und Verfassungsänderungen durch Volksbegehren und Volksentscheid beschlossen werden. Zwingend notwendig ist ein Volksentscheid bei jeder Änderung der Bayerischen Verfassung.
Legislative – Bayerischer Landtag[Bearbeiten]
→ Hauptartikel: Ergebnisse der Landtagswahlen in der Bundesrepublik Deutschland, Ergebnisse der Landtagswahlen in der Bundesrepublik Deutschland#Landtag in Bayern und Landtagswahlen in Bayern
Bayerischer Landtag
18421910118 42 19 101 Sitzverteilung der 17. Wahlperiode des Bayerischen Landtages seit 2013
Der Bayerische Landtag ist das Landesparlament des Freistaates Bayern. Sie sitzt im Maximilianeum in München. Eine Legislaturperiode dauert fünf Jahre. Im Bayerischen Landtag sind vier Parteien vertreten. Nach der Wahl vom 15. September 2013 ergaben sich folgende Sitzverteilung und Stimmenanteile (insgesamt 180 Sitze):[46]Wahl zum Bayerischen Landtag am 15. September 2013Partei
Stimmenanteil
in Prozent
Sitze
Veränderung gegenüber
2008 in Prozent
Christlich-Soziale Union in Bayern (CSU)
47,7
101
+4,3
Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)
20,6
42
+2,0
Freie Wähler (FW)
9,0
19
−1,2
Bündnis 90/Die Grünen (Grüne)
8,6
18
−0,8
Freie Demokratische Partei Deutschlands (FDP)
3,3

−4,7
Die Linke (Linke)
2,1

−2,2
Bayernpartei (BP)
2,1

+1,0
Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP)
2,0

±0,0
Andere
2,6

−0,4
Exekutive – Bayerische Staatsregierung[Bearbeiten]
→ Hauptartikel: Bayerische Staatsregierung
Die Staatsregierung ist die oberste Behörde des Freistaates Bayern. Der vom Landtag gewählte Ministerpräsident beruft und entlässt die Staatsminister und die Staatssekretäre mit Zustimmung des Landtags. Er weist den Staatsministern einen Geschäftsbereich oder eine Sonderaufgabe zu, den diese nach dem Ressortprinzip und den vom Ministerpräsidenten bestimmten Richtlinien der Politik (Richtlinienkompetenz) eigenverantwortlich verwalten. Die Staatssekretäre sind gegenüber ihren Staatsministern weisungsgebunden. Die Bayerische Staatskanzlei unterstützt den Ministerpräsidenten und die Staatsregierung in ihren verfassungsmäßigen Aufgaben. Die verfassungsrechtliche Höchstgrenze der 18 Mitglieder im Kabinett der Staatsregierung wird meist voll ausgeschöpft.
Wahlrecht[Bearbeiten]
Das bayerische Landtagsgebäude (Maximilianeum) in München
Im Vergleich zu Wahlen auf Bundesebene weist das bayerische Wahlrecht mehrere Besonderheiten auf: Direktkandidaten, die in ihrem Wahlbezirk (Stimmkreis) die Wahl gewonnen haben, können nur in den Landtag einziehen, wenn auch ihre Partei die Hürde von fünf Prozent erreicht hat.
Darüber hinaus ergibt sich die Sitzverteilung im Landtag aus der Summe der Erst- und Zweitstimmen. In anderen Bundesländern und bei Bundestagswahlen entscheidet die Erststimme über die Wahl des Direktkandidaten im Wahlbezirk und allein die Zweitstimme bestimmt die Zahl der Sitze im Parlament, was üblicherweise dazu führt, dass Erststimmen häufiger den großen Parteien mit aussichtsreichen Direktkandidaten gegeben werden. Wer bei einer bayerischen Landtagswahl eine kleinere Partei mit beiden Stimmen wählt, verschenkt seine Erststimme also nicht, da beide Stimmen dieser Partei zugutekommen, selbst wenn der entsprechende Stimmkreiskandidat den Einzug in den Landtag nicht schaffen sollte. Zudem besteht bei der Zweitstimme die Möglichkeit diese einem bestimmten Kandidaten einer Partei zu geben, sodass sich die Reihung der Bewerber gegenüber den von den Parteien aufgestellten Listen ändern kann.
Eine weitere Besonderheit findet sich im Kommunalwahlrecht. Es besteht die Möglichkeit des Kumulierens („Häufeln“, bis zu drei Stimmen können für einen Kandidaten abgegeben werden) und des Panaschierens (Stimmen können auf Kandidaten verschiedener Listen verteilt werden).
Direkte Demokratie[Bearbeiten]
→ Hauptartikel: Direkte Demokratie in Bayern und Volksgesetzgebung in Bayern
In Bayern gibt es zahlreiche direktdemokratische Elemente. Neben Volksbegehren und Volksentscheid auf Landesebene wurde am 1. Oktober 1995 durch einen Volksentscheid die direkte Demokratie auf Kommunalebene eingeführt. Das bayerische Verfassungsgericht hat die Regelungen 1997 zwar verschärft (unter anderem durch Einführung eines Abstimmungsquorums), dennoch initiieren die Bayern jährlich rund 100 Bürgerentscheide.
Parteienlandschaft[Bearbeiten]
Die Parteienlandschaft des Freistaat Bayerns als Teil Deutschlands hebt sich von der des Bundes oder der der anderen Bundesländer ab. Bayern ist das einzige Bundesland, in der die CDU mit keinem eigenen Landesverband vertreten ist und nicht bei Wahlen teilnimmt. Stattdessen überlässt sie der CSU als Schwesterpartei den Vortritt. Ungewöhnlich für ein deutsches Flächenland ist, dass die CSU seit 1957 ununterbrochen den Ministerpräsidenten, meist in Verbindung mit der absoluten Mehrheit im Landtag, stellt.
Die SPD weist in Bayern den geringsten Zulauf aller SPD-Landesverbände auf. Sie bildet die größte Oppositionspartei mit zwischen einem Fünftel und einem Drittel der Stimmen bei Landtagswahlen. Die bayerischen Grünen ziehen mit etwas unter zehn Prozent der Stimmen ins Parlament ein. Im Gegensatz zu anderen Bundesländern oder zur Bundesebene ziehen in Bayern die Freien Wähler regelmäßig ins Parlament ein, während Die Linke, die Piratenpartei und die FDP politisch kaum eine Rolle spielen und nur selten bzw. noch nie in den Landtag einzogen.
In Bayern sind mehrere Regionalparteien aktiv. Die Bayernpartei setzt sich für die Möglichkeit einer Volksabstimmung über den Austritt Bayerns aus dem deutschen Staatsverband ein. Während sie in der 1950er und 1960er Jahren in den Landtag und Bundestag einzogen und sie sich von 1962 bis 1966 an der Staatsregierung beteiligten, verlor die Partei nach ihrem Ausscheiden aus dem Landtag an Bedeutung. 2009 gründete sich in Bamberg die Partei für Franken, eine regionale Kleinpartei, die sich unter anderem für eine bessere wirtschaftliche Gleichstellung Frankens innerhalb des Freistaats Bayerns einsetzt.[47]
Partnerschaften[Bearbeiten]
Mit folgenden Partnerregion pflegt der Freistaat Bayern Kontakte:[48]Shandong, Volksrepublik China, seit 1987
Québec, Kanada, seit 1989
Westkap, Südafrika, seit 1995
Gauteng, Südafrika, seit 1995
São Paulo, Brasilien, seit 1997
Kalifornien, Vereinigte Staaten, seit 1998
Guangdong, Volksrepublik China, seit 2004
Karnataka, Indien, seit 2007Patenschaft[Bearbeiten]
Am 5. Juni 1954 übernahmen der Freistaat Bayern und die Bayerische Staatsregierung unter Hans Ehard die Patenschaft für die sudetendeutsche Volksgruppe, die nach der Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei in die Bundesrepublik zogen.
Staatsverschuldung[Bearbeiten]
Schuldenentwicklung in Bayern
Die Staatsverschuldung des Freistaates Bayern entwickelte sich wie auf Bundesebene und in anderen Bundesländern langfristig nach oben. Seit 2011 werden jährlich Schulden getilgt. 1992 lagen die Schulden noch bei rund 15 Milliarden, 2010 wurde ein Höchststand von 29 Milliarden erreicht. 2013 waren es 26 Milliarden Euro Schulden.[49] Die Staatsregierung möchte mittelfristig bis 2030 alle Schulden tilgen.
Innere Sicherheit[Bearbeiten]
→ Hauptartikel: Polizei Bayern
Die bayerische Polizei ist der zweitgrößte Polizeiverband der Bundesrepublik. Im Jahr 2007 wurden in Bayern 666.807 Straftaten statistisch erfasst. 428.766 Fälle (64,3 Prozent) konnten aufgeklärt, 305.711 Tatverdächtige ermittelt werden. Dies stellt die höchste Aufklärungsquote im Bundesgebiet dar. Die bayerische Polizei unterhält mit der Polizeihubschrauberstaffel Bayern außerdem die größte Polizeihubschrauberstaffel einer Landespolizei.
Hoheitliche Symbole[Bearbeiten]
→ Hauptartikel: Bayerisches Staatswappen, Staatsflagge Bayerns und Bayernhymne
Das bayerische Staatswappen besteht aus sechs heraldischen Komponenten: Der goldene Löwe, ursprünglich mit der wittelsbachischen Pfalz am Rhein verbunden, steht für die Oberpfalz, der „fränkische Rechen“ für die drei fränkischen Bezirke, der blaue Panther für die Altbayern und die drei schwarzen Löwen für Schwaben. Das weiß-blaue Herzschild deutet den Gesamtstaat Bayern an, die Volkskrone bezeichnet nach dem Wegfall der Königskrone die Volkssouveränität. Das kleine Staatswappen zeigt die bayerischen Rauten und die Volkskrone. Als Wappenzeichen fungieren die bayerischen Rauten und der fränkische Rechen.
Der Freistaat Bayern besitzt zwei gleichgestellte Staatsflaggen, die weiß-blau gerautete Flagge und die Flagge mit horizontalen Streifen in den Farben Weiß und Blau. Die Rautenflagge hat immer vom Betrachter aus gesehen links oben (heraldisch rechte, obere Ecke) eine angeschnittene, weiße Raute (auch im Wappen) und mindestens 21 (angeschnittene) Rauten. Die gleichen weiß-blauen Rauten sind in vielen Städte- und Kreiswappen in den Gebieten der historischen Kurpfalz zu finden, da die Wittelsbacher auch in der Pfalz begütet waren. Ein Flaggenstreit besteht um die Frankenfahne.
Landeshymne ist das Bayernlied. Die Melodie stammt von Konrad Max Kunz aus dem Jahr 1860. Der Text der ursprünglichen drei Strophen stammt von Michael Öchsner. Seit 1964 wird das Bayernlied offiziell bei feierlich gestalteten staatlichen Veranstaltungen gespielt und seit 1966 offiziell „Hymne“ genannt. Als inoffizielle Hymne Frankens zählt das Frankenlied, das bei offiziellen Anlässen nach dem Deutschlandlied und der Bayernhymne gesungen wird.
Die Bavaria (der latinisierte Ausdruck für Bayern) ist die weibliche Symbolgestalt und weltliche Patronin Bayerns und tritt als personifizierte Allegorie für das Staatsgebilde Bayern in verschiedenen Formen und Ausprägungen auf. Sie stellt damit das säkulare Gegenstück zu Maria als religiöser Patrona Bavariae dar. Der Bayerische Löwe ist Symbolfigur des Freistaats Bayern, unter anderem auf Denkmälern und Auszeichnungen.
Großes Staatswappen
Kleines Staatswappen
Staatsflagge (Rautenflagge)
Staatsflagge (Streifenflagge)
Landessymbol „Freistaat Bayern“
Landessymbol „Freistaat Bayern“ – Franken
Verwaltungsgliederung[Bearbeiten]
→ Hauptartikel: Verwaltungsgliederung BayernsDie bayerischen Regierungsbezirke, deckungsgleich mit den Bezirken
Regierungsbezirke und Bezirke[Bearbeiten]
Das Staatsgebiet des Freistaates Bayern ist für den Bereich der allgemeinen und inneren Verwaltung in Verwaltungssprengel eingeteilt, welche die Bezeichnung Regierungsbezirke (laut Verfassung Kreise) führen. Die Regierungsbezirke werden durch die Regierungen geleitet, denen je ein Regierungspräsident vorsteht, der vom Innenminister ernannt wird. Die Regierungen sind die Mittelbehörden der allgemeinen und inneren Verwaltung und unterstehen dem Staatsministerium des Inneren. Nachstehend sind die Regierungsbezirke sortiert nach dem Amtlichen Gemeindeschlüssel (AGS) und mit den Abkürzungen des Bayerischen Staatsministeriums des Innern.
Geographisch deckungsgleich mit den Regierungsbezirken sind in Bayern die Bezirke gleichen Namens. Anders als die Regierungsbezirke, welche die örtliche Zuständigkeit der Regierungen festlegen, sind die Bezirke kommunale Gebietskörperschaften des öffentlichen Rechts. Der Bezirk ist in Bayern die dritte kommunale Ebene über den Gemeinden (erste Ebene) und Landkreisen (zweite Ebene). Sie sind Selbstverwaltungskörperschaften und haben daher demokratisch gewählte Verwaltungsorgane, den Bezirkstag, der alle fünf Jahre von den Wahlberechtigten des Bezirks direkt gewählt wird und einen Bezirkstagspräsidenten, der aus der Mitte des Bezirkstags gewählt wird. Sie können anders als die Regierungsbezirke Wappen und Flaggen wie eine Gemeinde oder ein Landkreis führen.
Regierungsbezirk
Regierung
Hauptstadt
AGS
Abk.
Fläche
in km²
Einwohner
(31. Dez. 2013)[50]
Einwohner
pro km²
Oberbayern
Regierung von Oberbayern
München
091
OB
17.530,21
4.519.979
258
Niederbayern
Regierung von Niederbayern
Landshut
092
NB
10.328,65
1.197.558
116
Oberpfalz
Regierung der Oberpfalz
Regensburg
093
OPf.
9.690,19
1.082.761
112
Oberfranken
Regierung von Oberfranken
Bayreuth
094
Ofr.
7.231,49
1.055.955
146
Mittelfranken
Regierung von Mittelfranken
Ansbach
095
Mfr.
7.244,89
1.715.195
237
Unterfranken
Regierung von Unterfranken
Würzburg
096
Ufr.
8.531,40
1.298.849
152
Schwaben
Regierung von Schwaben
Augsburg
097
Schw.
9.993,38
1.821.271
182
Freistaat Bayern
Bayerische Staatsregierung
München
09
BY
70.550,19
12.691.568
180Wappen der Bezirke
OberbayernNiederbayernOberpfalzOberfrankenMittelfrankenUnterfrankenSchwaben
Planungsregionen[Bearbeiten]
→ Hauptartikel: Planungsregionen in Bayern
In Bayern gibt es 18 Planungsregionen. Sie sind regionale Planungsräume, in denen nach dem Bayerischen Landesentwicklungsprogramm ausgewogene Lebens- und Wirtschaftsbeziehungen erhalten oder entwickelt werden sollen. Hierzu wird für jede Region ein Regionalplan aufgestellt. Die Region Donau-Iller ist die erste länderübergreifende Planungsregion Deutschlands.Unterfranken:Bayerischer Untermain (1)
Würzburg (2)
Main-Rhön (3)Mittelfranken:Nürnberg (7)
Westmittelfranken (8)Oberfranken:Oberfranken-West (4)
Oberfranken-Ost; (5)Oberpfalz:(Oberfranken-Ost; 5)
Oberpfalz-Nord (6)
Regensburg (11)Niederbayern:(Regensburg; 11)
Donau-Wald (12)
Landshut (13)Schwaben:Augsburg (9)
Donau-Iller; (15)
Allgäu (16)Oberbayern:Ingolstadt (10)
München (14)
Oberland (17)
Südostoberbayern (18)Die Planungsregionen (von Region 15 ist nur der bayerische Teil dargestellt)Landkreise und kreisfreie Städte[Bearbeiten]
Landkreise und kreisfreie Städte in Bayern
→ Hauptartikel: Liste der Landkreise und kreisfreien Städte in Bayern
Die sieben Regierungsbezirke unterteilen sich in 71 Landkreise und 25 kreisfreie Städte. Die Landkreise und die kreisfreien Städte sind kommunale Gebietskörperschaften mit Selbstverwaltungsrecht. Die Landkreise haben als Verwaltungsorgane den Kreistag und den Landrat. Die kreisfreie Stadt handelt durch den Stadtrat und den Oberbürgermeister. Sowohl der Landrat beziehungsweise der Oberbürgermeister als auch der Kreistag beziehungsweise der Stadtrat werden von den Wahlberechtigten auf die Dauer von sechs Jahren gewählt (süddeutsche Ratsverfassung).
Die Landkreise bilden gleichzeitig Sprengel, welche die örtliche Zuständigkeit der Unterbehörden der allgemeinen und inneren Verwaltung festlegen. Anders als auf der Ebene der Regierungsbezirke hat der Staat hier jedoch keine eigenen inneren Behörden errichtet, sondern bedient sich durch Organleihe des Landrates zur Erfüllung der Aufgaben der staatlichen Verwaltung; der Landrat ist insoweit Kreisverwaltungsbehörde. Bei den kreisfreien Städten ist im Gegensatz dazu eine Vollkommunalisierung gegeben, da ihnen die Aufgaben der unteren staatlichen Verwaltungsbehörde zur selbstständigen Erledigung übertragen werden.
Flächengrößter Landkreis Bayerns ist der Landkreis Ansbach (Mittelfranken). Der Landkreis München (Oberbayern) ist mit rund 330.000 Einwohnern der einwohnerstärkste Landkreis des Freistaates. Schwabach (Mittelfranken) ist Bayerns kleinste kreisfreie Stadt.Die 71 Landkreise des Freistaates Bayern mit Kfz-Kennzeichen:
Aichach-Friedberg (AIC, FDB)
Altötting (AÖ)
Amberg-Sulzbach (AS, BUL, ESB, NAB, SUL)
Ansbach (AN, DKB, FEU, ROT)
Aschaffenburg (AB, ALZ)
Augsburg (A)
Bad Kissingen (KG, BRK, HAB)
Bad Tölz-Wolfratshausen (TÖL, WOR)
Bamberg (BA)
Bayreuth (BT, EBS, ESB, KEM, MÜB, PEG)
Berchtesgadener Land (BGL)
Cham (CHA, KÖZ, ROD, WÜM)
Coburg (CO, NEC)
Dachau (DAH)
Deggendorf (DEG)
Dillingen an der Donau (DLG, WER)
Dingolfing-Landau (DGF)
Donau-Ries (DON, NÖ)
Ebersberg (EBE)
Eichstätt (EI)
Erding (ED)
Erlangen-Höchstadt (ERH, HÖS)
Forchheim (FO, EBS, PEG)
Freising (FS)
Freyung-Grafenau (FRG, GRA, WOS)
Fürstenfeldbruck (FFB)
Fürth (FÜ)
Garmisch-Partenkirchen (GAP)
Günzburg (GZ, KRU)
Haßberge (HAS, EBN, GEO, HOH)
Hof (HO, MÜB, NAI, REH, SAN)
Kelheim (KEH, MAI, PAR, RID, ROL)
Kitzingen (KT)
Kronach (KC, SAN)
Kulmbach (KU, EBS, SAN)
Landsberg am Lech (LL)
Landshut (LA, MAI, MAL, ROL, VIB)
Lichtenfels (LIF, STE)
Lindau (Bodensee) (LI)
Main-Spessart (MSP)
Miesbach (MB)
Miltenberg (MIL)
Mühldorf am Inn (MÜ)
München (M, AIB, WOR)
Neuburg-Schrobenhausen (ND, SOB)
Neumarkt in der Oberpfalz (NM, PAR)
Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim (NEA, SEF, UFF)
Neustadt an der Waldnaab (NEW, ESB, VOH)
Neu-Ulm (NU, ILL)
Nürnberger Land (LAU, ESB, HEB, N, PEG)
Oberallgäu (OA)
Ostallgäu (OAL, FÜS, MOD)
Passau (PA)
Pfaffenhofen an der Ilm (PAF)
Regen (REG)
Regensburg (R)
Rhön-Grabfeld (NES, KÖN, MET)
Rosenheim (RO, AIB, WS)
Roth (RH, HIP)
Rottal-Inn (PAN, EG, GRI, VIB)
Schwandorf (SAD, BUL, NAB, NEN, OVI, ROD)
Schweinfurt (SW, GEO)
Starnberg (STA, WOR)
Straubing-Bogen (SR)
Tirschenreuth (TIR, KEM)
Traunstein (TS)
Unterallgäu (MN)
Weilheim-Schongau (WM, SOG)
Weißenburg-Gunzenhausen (WUG, GUN)
Wunsiedel im Fichtelgebirge (WUN, MAK, REH, SEL)
Würzburg (WÜ, OCH)
Die 25 kreisfreien Städte in Bayern mit Kfz-Kennzeichen:
Amberg (AM)
Ansbach (AN)
Aschaffenburg (AB)
Augsburg (A)
Bamberg (BA)
Bayreuth (BT)
Coburg (CO)
Erlangen (ER)
Fürth (FÜ)
Hof (HO)
Ingolstadt (IN)
Kaufbeuren (KF)
Kempten (Allgäu) (KE)
Landshut (LA)
Memmingen (MM)
München (M)
Nürnberg (N)
Passau (PA)
Regensburg (R)
Rosenheim (RO)
Schwabach (SC)
Schweinfurt (SW)
Straubing (SR)
Weiden in der Oberpfalz (WEN)
Würzburg (WÜ)
Gemeinden[Bearbeiten]
Die bayerischen Kommunen und Landkreise. Dunkelgrau sind die gemeindefreien Gebiete markiert. Hinweis: Die wenigen dargestellten Seen (aber nicht der Bodensee) sind ebenfalls gemeindefreie Gebiete
Siehe auch: Liste der Städte und Gemeinden in Bayern, Liste der Märkte in Bayern und Liste der gemeindefreien Gebiete in Bayern
Der Freistaat Bayern besteht aus 2056 politisch selbständigen Gemeinden sowie 201 gemeindefreien Gebieten, meist Seen und Forste (Stand: 1. Januar 2009). Von den 2031 kreisangehörigen Gemeinden sind 987 Mitgliedsgemeinden in 313 Verwaltungsgemeinschaften, 1044 sind Einheitsgemeinden (Stand: 1. Januar 2009).
Die Gemeinden verteilen sich (Stand: 1. Januar 2009) auf 25 kreisfreie Städte, 28 Große Kreisstädte, 262 sonstige Städte, 386 Märkte und 1355 sonstige Gemeinden. Zusätzlich sind 13 Orte zu leistungsfähigen kreisangehörigen Gemeinden ernannt worden, die bestimmte Aufgaben der Bauaufsicht übernehmen. Während kreisfreie Städte die gleichen Aufgaben wie Landkreise übernehmen, haben Große Kreisstädte nur einige Aufgaben, die über die einer „normalen“ kreisangehörigen Gemeinde hinausgehen. Obwohl das Marktrecht heute keine rechtliche Bedeutung hat, können größere kreisangehörige Gemeinden auf deren Antrag auch heute noch von der Bayerischen Staatsregierung offiziell zum „Markt“ erklärt werden. Der Begriff „Marktgemeinde“ ist in Bayern keine offizielle Bezeichnung für eine Kommune. Es kommt dort aber vor, dass der Begriff „Markt“ offizieller Bestandteil des Gemeindenamens ist, zum Beispiel Markt Berolzheim oder Markt Einersheim.
Flächengrößte und einwohnerstärkste Kommune Bayerns ist München, flächenkleinste Kommune ist Buckenhof im Landkreis Erlangen-Höchstadt, einwohnerärmste Kommune ist Chiemsee im Landkreis Rosenheim. Unterhaching ist die einwohnerstärkste Gemeinde Bayerns ohne eigenes Markt- oder Stadtrecht.
Wirtschaft und Verkehr[Bearbeiten]
Das Uptown München ist eines der höchsten Gebäude im Freistaat Bayern
Die Gunvorraffinerie (ehem. Petroplus, Esso) in Ingolstadt
Continental Automotive, Regensburg
Bayern gilt als sehr wirtschaftsstarker und reicher Staat, er hat sich in den letzten Jahrzehnten vom Agrar- zum Technologiestandort entwickelt. Das Bruttoinlandsprodukt betrug 2014 522 Milliarden Euro; das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf betrug 2014 39.691 Euro, der Anteil Bayerns an der deutschen Wirtschaftsleistung betrug 18,0 Prozent.[51] Die wirtschaftlich stärkste Region ist der Großraum München mit Automobilindustrie (BMW, Audi, MAN, Knorr-Bremse), IT-Sektor (Siemens, Nokia Solutions and Networks, Infineon, Microsoft), Medien und Verlagen (ProSiebenSat.1 Media, Kabel Deutschland, Burda Verlag), Rüstungsindustrie (EADS, Krauss-Maffei), Touristik (Museen, Oktoberfest, Kongressen, Messen). Weitere bedeutende Wirtschaftsstandorte in Südbayern sind Augsburg (EADS, Fujitsu Technology Solutions, MAN, KUKA, UPM-Kymmene, Verlagsgruppe Weltbild), Ingolstadt (Audi, Media-Saturn-Holding) und das Bayerische Chemiedreieck zwischen Chiemsee, Inn und Salzach.
In Nordbayern ist die Metropolregion Nürnberg–Fürth–Erlangen (Siemens, Uvex, Ergo Direkt, Solar Millennium, Playmobil) ein wichtiger Standort. Daneben kann der Raum zwischen Aschaffenburg und Würzburg/Schweinfurt sehr gute Wirtschaftsdaten aufweisen, etwa eine Arbeitslosigkeit von durchschnittlich unter sechs Prozent und eine florierende Wirtschaft. Gleiches gilt für Regensburg (Continental Automotive, Maschinenfabrik Reinhausen, BMW, Siemens, Infineon, Osram Opto Semiconductors), das seit Jahren an Wirtschaftskraft zunimmt.
Manche Grenzregionen sind durch Wettbewerbsvorteile in den Nachbarstaaten einesteils und mangelnde Infrastruktur andernteils von Subventionen abhängig. Speziell der Bayerische Wald hatte zu Zeiten des Kalten Krieges durch seine abseitige Lage im Zonenrandgebiet wenig Standortattraktivität besessen. Zwar fiel nach 1990 dort der Eiserne Vorhang zur CSFR, gleichzeitig wurde im wiedervereinigten Deutschland die Zonenrandförderung aufgehoben, und zugleich bot das angrenzende Tschechien – ab 2004 EU-Mitglied – oft bessere Investitionsanreize.
Bayern konnte im Jahr 2006 ein Wirtschaftswachstum von 4,0 Prozent verbuchen. Dieser Wert entsprach 2006 etwa dem Bundesdurchschnitt. Nach zwischenzeitlichem Rückgang des Wachstums 2008 (+0,8 Prozent) und dem Fall in die Rezession im Jahr 2009 (−2,4 Prozent) infolge der weltweiten Finanzkrise erholte sich die Bayerische Wirtschaft wieder und konnte bereits 2010 wieder ein Wirtschaftswachstum von 5,5 Prozent verzeichnen. Im Jahr 2011 erreichte es 6,6 Prozent, 2012: 2,6 Prozent, 2013: 2,7 Prozent und 2014 stieg das Wachstum auf 3,5 Prozent.[52]
Im Vergleich mit dem Bruttoinlandsprodukt der Europäischen Union, ausgedrückt in Kaufkraftstandards, erreichte Bayern 2011 einen Index von 141 (Oberbayern: 168; EU-28: 100; Deutschland: 123; Hamburg: 202).[53] Die Arbeitslosenquote betrug 3,3 % (Oktober 2015)[54]; damit hat Bayern die niedrigste Arbeitslosenquote in Deutschland.[55] Die höchste Arbeitslosenquote Bayerns hat Nürnberg.[56]
Bayern musste immer wieder Werkschließungen und die Verlagerung von Arbeitsplätzen hinnehmen. Mitte der 1980er Jahre begann der Niedergang des Büromaschinenherstellers Triumph-Adler; 2003 löste sich die Grundig-AG auf. Der ehemals weltgrößte Versandhaus-Konzern Quelle GmbH ging im Juni 2009 in Insolvenz und wurde ab Oktober des Jahres aufgelöst. Wichtige Messen befinden sich in Augsburg, München und Nürnberg.Wichtigste Standorte sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung[57]Stadt (Arbeitsort)
sozialvers.
Beschäftigte
30. Juni 2012
Veränderung in Prozent
seit 30. Juni 2007
Pendlersaldo
30. Juni 2012
Arbeitsplatz-
dichte1
München, Landeshauptstadt
733.967
+8,99
+197.245
806
Nürnberg
275.210
+4,77
+88.404
879
Augsburg
130.900
+5,97
+32.004
760
Regensburg
105.142
+8,25
+53.702
1150
Ingolstadt
87.945
+15,25
+36.550
1097
Erlangen
87.262
+14,39
+44.898
1271
Würzburg
80.178
+8,68
+36.570
946
Schweinfurt
52.123
+4,35
+34.054
1646
Bamberg
48.755
+3,76
+24.766
1062
Aschaffenburg
45.956
+8,27
+20.740
1062
1 Sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze pro 1000 Einwohner im Alter zwischen 18 und 64; Zahlen zum 9. Mai 2011 gemäß Zensus 2011.[58]
Tourismus[Bearbeiten]
Eine der bekanntesten Touristenattraktionen Bayerns ist Rothenburg ob der Tauber.
Siehe auch: Liste der Tourismusregionen in Bayern
Der Tourismus gilt aufgrund seines hohen Beitrags zur bayerischen Wirtschaft als „Leitökonomie“. So betrug der Bruttoumsatz der Tourismuswirtschaft 2005 fast 24 Milliarden Euro, die Tagesreisen stellten mit 63 Prozent den größten Anteil davon. Die Beherbergungsindustrie spielt in Bayern mit 13.400 Beherbergungsbetrieben mit mindestens neun Betten und 548.000 Gästebetten eine große Rolle. Das bedeutet, dass sich etwa jeder vierte deutsche Beherbergungsbetrieb in Bayern befindet.[59] Nach Mecklenburg-Vorpommern war Bayern im Jahre 2014 das zweitbeliebteste innerdeutsche Urlaubsziel (gemessen an Reisen ab fünf Tagen Dauer).[60] Touristisch sind neben München besonders die Regionen um die bayerischen Seen und in den Alpen, die kulturhistorisch bedeutende Stadt Augsburg mit der Fuggerei, Stadtmauer, Renaissancebauten, sowie Regensburg mit der Historischen Altstadt als UNESCO-Welterbe seit 2007 stark.
Energie[Bearbeiten]
Kernkraftwerk Isar
Windkraftanlage Ammerfeld
Die 380 kV-Leitung Etzenricht-Hradec überquert die Staatsgrenze zwischen Deutschland und Tschechien. Der Mast im Vordergrund steht in Bayern, der im Hintergrund in Tschechien.
In Bayern sind im Jahr 2013 ungefähr 420 Energieversorger angesiedelt, die in einem oder mehreren Bereichen tätig sind: Circa 350 dieser Versorger engagieren sich in der Stromversorgung, ungefähr 100 wirtschaften im Bereich der Wärme- und Kälteversorgung, etwa 140 befassen sich mit der Erdgas-Sparte.[61]
Die Kernenergie bildet mit 48,7 Prozent den größten Anteil an der Nettostromerzeugung. Auf dem zweiten Platz folgen erneuerbare Energien mit 29,2 Prozent. Beide Anteile sind damit im Vergleich zum bundesweiten Durchschnitt (18 bzw. 21 Prozent) überdurchschnittlich groß. Konventionelle Gase tragen mit 15,5 Prozent zur Nettostromerzeugung bei – dieser Anteil liegt nahezu im Bundesdurchschnitt (14 Prozent). Die Stromerzeugung aus Kohlekraftwerken ist relativ unbedeutend, ihr Anteil beträgt 4,1 Prozent (Bundesweiter Durchschnitt von Braun- und Steinkohle insgesamt 42 Prozent). Einen noch geringeren Anteil besitzen mineralische Öle mit 2,6 Prozent, die bundesweit im Schnitt seltener genutzt werden (Heizöl, Pumpspeicher und andere hier insgesamt 5 Prozent) (Stand: jeweils 2011).[62][63]
An drei Standorten in Bayern befinden sich Kernkraftwerke (KKW Isar, KKW Grafenrheinfeld sowie KKW Gundremmingen), außerdem wird in Garching bei München ein Forschungsreaktor betrieben (FRM II). Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) stellte 2015 fest, dass der Atomausstieg die Versorgungssicherheit in Bayern und Deutschland nicht gefährdet.[64]
Der hohe Anteil erneuerbarer Energien an der Nettostromerzeugung fußt vor allem auf einem bedeutenden Anteil der Wasserkraft: Ihr Anteil an der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien liegt bei 42,1 Prozent. Zweitwichtigster regenerativer Energielieferant ist die Photovoltaik mit 28,4 Prozent am Gesamtanteil der erneuerbaren Energien – dieser Anteil konnte stark wachsen.[65] Ähnlich wichtig ist die Stromerzeugung aus Biomasse mit 26,4 Prozent. Unbedeutend ist die Nutzung der Windenergie – der Beitrag beläuft sich auf 3,1 Prozent (Stand: jeweils 2011).[66]
Im Bundesländervergleich „Erneuerbare Energien“ belegte Bayern im Jahr 2012 den zweiten Platz nach Brandenburg. Bis 2021 sollen erneuerbare Energien dem Bayerischen Energiekonzept (2011) zufolge einen Anteil von 20 Prozent am Endenergieverbrauch und 50 Prozent am Stromverbrauch erreichen.[67] Die bayerische Staatsregierung verhindert mit zuletzt im April 2014 verschärften restriktiven Abstandsregelungen den Ausbau von Windkraft.[68]
Der Primärenergieverbrauch im Land ist recht konstant und lag im Jahr 2010 bei 578,2 Mrd. kWh, nach 556,8 Mrd. kWh im Jahr 2009 und 566,6 Mrd. kWh im Jahr 2008.[69] Dies kann einer steigenden Energieproduktivität zugeschrieben werden, also einer verbesserten wirtschaftlichen Produktivität im Verhältnis zur eingesetzten Energie. Diese ist seit 1995, das als Basisjahr angelegt wird, fast durchgehend gestiegen. Die Jahre 2008 und 2009 fallen hinter den Bestwert im Jahr 2007 zurück.[70]
Die größten Energieverbraucher im Jahr 2010 waren die Privathaushalte, die 29 Prozent des Endenergieverbrauches ausmachten. Die Bereiche Industrie und Verkehr benötigten gleichermaßen 28 Prozent der Endenergie und damit nur geringfügig weniger als die Haushalte. Etwas abgeschlagen war der Bereich Gewerbe, Handel, Dienstleistungen mit insgesamt 15 Prozent am Endenergieverbrauch.[71]
Medien[Bearbeiten]
Bayern ist Sitz mehrerer bedeutender Medienunternehmen, insbesondere in der Landeshauptstadt München. Dort, beziehungsweise im Umland von München, befinden sich etwa öffentlich-rechtliche Medien wie der Bayerische Rundfunk und die Programmdirektion des ARD-Gemeinschaftsprogramms Das Erste und des ZDF-Landesstudios Bayern sowie private Fernseh- und Hörfunkanbieter wie ProSiebenSat.1 Media, Sport1 oder Sky Deutschland. Des Weiteren sind in München etwa 250 ansässige Verlage und große Zeitungen wie etwa die Süddeutsche Zeitung (SZ) angesiedelt Nürnberg bildet einen der größten Verlagsstandorte Deutschland; dort werden beispielsweise das bundesweit erscheinende Sportmagazin Kicker des Nürnberger Olympia-Verlags und die Nürnberger Nachrichten, eine der größten deutschen Regionalzeitungen mit einer Auflage von rund 300.000 Exemplaren, herausgegeben. Im Jahr 2012 bewarb sich Bayern im Rahmen des Bewerbungsverfahrens für neue generische Top Level Domains (gTLD) um die eigene Top Level Domain .bayern.[72] Verantwortlich dafür ist die Bayern Connect GmbH.[73] Am 29. September 2014 erhielt das Unternehmen die gTLD .bayern zugesprochen.[74]
Verkehr[Bearbeiten]
Karte der Flughäfen und Landeplätze in Bayern
Internationaler Verkehr[Bearbeiten]
Im internationalen Straßen- und Bahnverkehr sind die Verbindungen von Deutschland nach Österreich und darüber hinaus nach Italien und Südosteuropa von überragender Bedeutung. Hingegen sind die Verkehrsverbindungen ins benachbarte Tschechien bei weitem nicht von vergleichbarer Relevanz, lediglich die Bundesautobahn 6 wurde nach der politischen Wende in der Tschechischen Republik verwirklicht. Insbesondere die Bahnverbindungen in die Tschechische Republik sind bis heute nicht sehr leistungsfähig. Eine Elektrifizierung wurde bisher auf keiner nach Tschechien führenden Verbindung umgesetzt. Vor dem Zweiten Weltkrieg befand sich in der tschechoslowakischen Stadt Cheb (Eger) ein Bahnknotenpunkt, der mittels Korridorverbindungen im deutschen Binnenverkehr genutzt wurde. Seit seinem Bestehen unterstand er bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges bayerischen beziehungsweise deutschen Bahnverwaltungen. Zu Zeiten des Kalten Krieges besaß die Verbindung von Nürnberg über Cheb nach Prag eine vergleichsweise wichtige Bedeutung. Heute besteht von Nürnberg aus nur noch eine Umsteigeverbindung mit Regionalzügen nach Cheb und nach Furth im Wald, während von München aus mit dem Alex eine Direktverbindung über Regensburg (Richtungswechsel), Schwandorf (erneuter Richtungswechsel) und Furth im Wald nach Prag besteht. Für die Zukunft wird im Rahmen des Projektes Donau-Moldau-Bahn eine Umgehungskurve um Schwandorf und eine Elektrifizierung der Verbindung geplant. Hierdurch soll ein Richtungswechsel wegfallen und die Reisezeit verkürzt werden. Für den Fernverkehr von Nürnberg nach Prag bietet die Deutsche Bahn Fernbusse an.
Straßen[Bearbeiten]
Bayern ist straßenverkehrsmäßig gut erschlossen. Durch Bayern führen unter anderem die Autobahnen A 3, 6, 7, 8, 9 und 70 sowie die seit dem Herbst 2005 fertiggestellte A 71 und die im August 2008 fertiggestellte A 73, die beide Bayern mit Thüringen verbinden. Sternförmig von München aus führen die A 95 nach Garmisch-Partenkirchen, die A 96 über Memmingen nach Lindau, die A 93 über Regensburg nach Hof, die A 92 über Landshut nach Deggendorf und die A 94 in Abschnitten nach Passau. Südlich verbindet ein Stück der A 93 die A 8 mit der Brenner Autobahn. Seit den 1970er Jahren geplant, bisher wegen Streitigkeiten um die Trassenführung nur in Abschnitten fertiggestellt ist die A 94 von München über Altötting nach Passau.
Im Süden wird Bayern überdies gerne als Abkürzung im innerösterreichischen Verkehr benutzt, da aufgrund der geographischen Gegebenheiten der Weg durch die Alpen bei weitem länger ist als von Innsbruck über die A 8 oder von Lofer über die B 21 oder B 305 nach Salzburg („Großes“ bzw. „Kleines Deutsches Eck“).
Schienen-, Flug- und Schiffsverkehr[Bearbeiten]
Flughafen München mit Terminal 1, Terminal 2 und München Airport Center
Bayern verfügt über ein dichtes Streckennetz im Eisenbahnverkehr mit zahlreichen Bahnhöfen. Der Münchener Hauptbahnhof – einer der größten in Deutschland – stellt dabei einen wichtigen Knotenpunkt im transeuropäischen Verkehr dar. Die Städte München und Nürnberg verfügen über U- und S-Bahnen mit einem weiten Einzugsgebiet.
Eines der größten europäischen Drehkreuze für den Flugverkehr ist der Flughafen München „Franz Josef Strauß“. Zwei weitere internationale Verkehrsflughäfen befinden sich in Nürnberg und Memmingen, überdies gibt es zahlreiche Verkehrslandeplätze.
Die meisten Binnenschifffahrten finden auf der Donau, dem Main sowie auf dem Main-Donau-Kanal statt. Hierfür gibt es zahlreiche Güterhäfen.
Kultur[Bearbeiten]
Theater, Schauspiel und Oper[Bearbeiten]
Bayern verfügt über vier Staatstheater. Die Bayerische Staatsoper im Nationaltheater München gilt als das national und international renommierteste Haus in Bayern. Des Weiteren spielen in München das Bayerische Staatsschauspiel, das Residenztheater München, das Bayerische Staatsballett und das Staatstheater am Gärtnerplatz. Als letzte große Neugründung eines Staatstheaters ging 2005 aus den Städtischen Bühnen Nürnberg das Staatstheater Nürnberg hervor.
17 Theater werden von bayerischen Kommunen getragen. Mehrspartenhäuser sind hierbei die Theater in Augsburg, Regensburg, Würzburg und Coburg. Vorwiegend oder ausschließlich Sprechtheater bieten das E.T.A.-Hoffmann-Theater in Bamberg, Das Theater Erlangen, das Stadttheater Fürth und das Stadttheater Ingolstadt sowie in der bayerischen Landeshauptstadt die Münchner Kammerspiele und das Münchner Volkstheater. Die vier Landesbühnen sind in Memmingen, Landshut/Passau/Straubing, Coburg und Dinkelsbühl beheimatet.[75]
Theater für Kinder und Jugendliche bieten neben den Kinder- und Jugendsparten der kommunal geförderten Häuser unter anderem die Schauburg in München oder das Theater Pfütze und das Theater Mummpitz in Nürnberg an. Internationale Bekanntheit erlangte die Augsburger Puppenkiste durch ihre Fernsehproduktionen, das Figurentheater bietet jedoch auch ein Programm für Erwachsene an.
Des Weiteren gibt es eine Vielzahl an freien und privaten Theatern sowie Volks- und Bauerntheatergruppen.[76]
Die von Richard Wagner gegründeten Bayreuther Festspiele sind ein international bedeutendes Festival. Jährlich finden in wechselnden Städten die Bayerischen Theatertage statt.
Musik[Bearbeiten]
Das Bayreuther Festspielhaus auf dem Grünen Hügel
Bayern wird traditionell als die Heimat der Volksmusik, der Jodler und Schuhplattler angesehen. Aus Bayern stammen bekannte Komponisten wie Max Reger, Carl Orff, Wilfried Hiller, Richard Strauss und Christoph Willibald Gluck. Die Regensburger Domspatzen, die Augsburger Domsingknaben, der Tölzer Knabenchor und der Windsbacher Knabenchor sind weltweit bekannte Chöre. Zu den bekanntesten in Bayern beheimateten klassischen Orchestern zählen die Münchner Philharmoniker, das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, die Bamberger Symphoniker, das Bayerische Staatsorchester am Nationaltheater, die Bayerische Kammerphilharmonie in Augsburg, die Münchner Symphoniker, das Münchener Kammerorchester, das Georgische Kammerorchester in Ingolstadt, die Nürnberger Philharmoniker am Staatstheater Nürnberg, die Nürnberger Symphoniker und die Hofer Symphoniker.
Unter den Musikfestspielen herausragend sind die Bayreuther Festspiele und die Münchner Opernfestspiele. Ein weiteres Highlight in der Musikszene sind die Thurn-und-Taxis-Schlossfestspiele, die in Regensburg seit mehreren Jahren unter dem Protektorat von Gloria von Thurn und Taxis gegeben werden. In den letzten Jahren stieg die Zahl der Besucher stetig an. Ebenfalls beachtenswert ist der Münchner Kaiserball sowie der Nürnberger Opernball.
Film[Bearbeiten]
Bayern ist zusammen mit seiner Landeshauptstadt München, dem Bayerischen Rundfunk sowie der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft Gesellschafter der Internationalen Münchner Filmwochen GmbH, die sowohl das alljährliche Filmfest München als auch das Internationale Festival der Filmhochschulen München organisieren.
Universitäten und Hochschulen[Bearbeiten]
Erlanger Schloss: Das 1702 als markgräfliche Residenz fertiggestellte Schloss ging 1817 an die Universität von Erlangen über. In ihm sind heute neben der Aula die Hochschulleitung und ein Teil der Universitätsverwaltung untergebracht.
In Bayern existieren neun staatliche Universitäten des Freistaates, sowie die Universität der Bundeswehr München. Bis 1962 existierten lediglich vier Universitäten in München (LMU, TU), Würzburg und Erlangen (ab 1966 Erlangen-Nürnberg). Zwischen 1962 und 1975 wurden in Regensburg, Augsburg, Bamberg, Bayreuth und Passau fünf weitere durch den Freistaat gegründet. Hinzu kam 1973 noch die neu gegründete Bundeswehruniversität.
Daneben gibt es 18 staatliche Fachhochschulen in Bayern, die zwischen 1971 und 1996 gegründet wurden. Darüber hinaus existiert mit der 1980 gegründeten Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt eine kirchliche Universität, sowie vier weitere private bzw. kirchliche Hochschulen und 10 Kunsthochschulen.
Küche[Bearbeiten]
Durch das Nebeneinander der zwei bayerischen Stämme Altbayern und Franken, dazu kulturelle Teile von Schwaben, ist die bayerische Küche sehr vielfältig:Schweinsbraten, Schweinshaxe, Schäufele (Schweineschulter), Kalbshaxe, Spanferkel
Semmelknödel, Kartoffelknödel oder fränkisch Kloß, Leberknödel und -suppe
Sauerkraut, Krautwickel, Krautspätzle, Krautkrapfen
Leberspätzle(suppe), Speckknödel(suppe), Pfannkuchensuppe (Fädlesuppe)
Weißwurst, Wollwurst, Stockwurst, Regensburger Wurst, Nürnberger Rostbratwurst, Blaue Zipfel
Dampfnudeln, Rohrnudeln, Schmalznudeln, Bayerisch Creme
Bayerischer Kartoffelsalat, Bayerischer Wurstsalat
Obazda oder fränkisch: Gerupfter
Leberkäse
Schwaben und Allgäu: Kässpatzen
Fingernudeln (Schupfnudeln)
Saures LüngerlVolksfeste[Bearbeiten]
Oktoberfest 2007
Volksfeste und Kirchweihen sind in Bayern weit verbreitet. Anfänglich gedachte man damit der Kirchenweihe. Vielerorts gibt es viele Kirchweih-Traditionen, wie etwa das Aufstellen eines Kirchweihbaumes.[77] In größeren Städten wird meist anstatt einer Kirchweih ein Volksfest begangen. Das größte Volksfest der Welt ist das Münchner Oktoberfest (Wiesn) mit 6,3 Millionen Besuchern im Jahr 2014.[78] Weitere große Volksfeste in Bayern sind das Gäubodenvolksfest in Straubing, das Nürnberger Volksfest, das Regensburger Dult, die Fürther Michaeliskirchweih, Fürth und die Erlanger Bergkirchweih.
Kartenspieltradition[Bearbeiten]
Siehe: Schafkopf, Watten
Kleidung[Bearbeiten]
Siehe: Bayerische Tracht
Industriekultur[Bearbeiten]
Mit der Maxhütte (Sulzbach-Rosenberg) verfügt Bayern über eines der bedeutendsten Industriedenkmale Europas. Die technik- und architekturhistorisch einmalige Anlage wird trotz bestehenden Denkmalschutzes teilweise demontiert. Aktuell wird versucht, das Industriedenkmal vor einem endgültigen Abriss zu bewahren.[79]
Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]
Bayern kann auf eine über 1000 Jahre alte Kultur- und Geistesgeschichte zurückblicken. Laut Artikel 3 der Verfassung des Freistaates Bayern ist Bayern ein Kulturstaat. Der Freistaat Bayern fördert in seinem Haushalt 2003 Kunst und Kultur mit jährlich über 500 Millionen Euro, zusätzlich kommen erhebliche Leistungen der bayerischen Kommunen und privater Träger hinzu.
Die ersten Steinbauten in Bayern entstanden in der Römerzeit. Beispielsweise wurde in Weißenburg eine römische Therme ausgegraben. Zeugnisse aus dem Frühmittelalter gibt es nur wenige. Ein Beispiel ist jedoch die Krypta des Bamberger Doms aus der Zeit Heinrichs II. Im Hochmittelalter wurden Würzburg und Regensburg zu wohlhabenden Handelsstädten. In Regensburg entstanden wie in Italien mächtige Geschlechtertürme. Der Regensburger Dom ist ein Hauptwerk der gotischen Architektur in Süddeutschland. Da die Steinerne Brücke lange Zeit die einzige Brücke zwischen Ulm und Wien an der Donau war, führte sie den Handel hierher. Zu den historischen Stadtkernen gehören neben den großen Städten auch Rothenburg ob der Tauber, Dinkelsbühl, Straubing und Nördlingen. Die Stadt Landshut ist für die Martinskirche, den größten Backsteinturm der Welt sowie für die Stadtresidenz mit ihren Renaissancemalereien bekannt. In Augsburg errichteten die Fugger die Fuggerei, die älteste Sozialsiedlung der Welt. Das Rathaus der Stadt gilt als das Paradestück dieser Zeit. Zu den Sehenswürdigkeiten in München gehören das Siegestor und die Antikensammlungen. Unter Ludwig II. entstanden Schloss Neuschwanstein, Schloss Linderhof und Herrenchiemsee. Das Reichsparteitagsgelände aus der Zeit der Nationalsozialisten kann noch heute besichtigt werden.Würzburger ResidenzBamberger DomSchloss Ehrenburg in CoburgNürnberger KaiserburgSteinerne Brücke und Dom in RegensburgWalhalla, Donaustauf bei RegensburgBefreiungshalle, KelheimAugsburger Rathaus und PerlachturmSt. Bartholomä am KönigsseeHintersee in Ramsau bei BerchtesgadenHochofen 3 der Maxhütte (Sulzbach-Rosenberg)Der Kirchturm von St. Martin (Landshut) ist mit 130,60 Metern der höchste Backsteinturm der Welt.Stephansdom in Passau mit der größten Domorgel der Welt
UNESCO-Welterbe[Bearbeiten]
Das Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth, seit dem 30. Juni 2012 eine UNESCO-Weltkulturerbestätte
Zum Welterbe der UNESCO[80] innerhalb Bayerns gehört unter anderem seit 1981 die Würzburger Residenz, ein Schlossbau des süddeutschen Barocks, samt Hofgarten und angrenzendem Residenzplatz. Die bemerkenswert prächtig ausgestattete Wieskirche bei Steingaden wurde 1983 zum Welterbe erklärt. 1993 wurde die Altstadt von Bamberg zum Weltkulturerbe erklärt. Seit dem 15. Juli 2005 gehört der Obergermanisch-Raetische Limes, mit insgesamt 550 Kilometern Länge das längste Bodendenkmal Europas, zum Welterbe. Teil des Welterbes sind mehrere zum Limes gehörende Bauten wie die Thermen in Weißenburg. 2006 wurde die Altstadt von Regensburg mit Altem Rathaus, Dom und Steinerner Brücke aufgenommen, 2012 folgte das Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth. Zu den Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen (Welterbe seit 2011) gehören mehrere in Bayern gelegene urgeschichtlichen Siedlungen.
Zum Weltdokumentenerbe der UNESCO gehören seit 2003 die Bamberger Apokalypse, einer Handschrift des Klosters Reichenau, sowie seit 2013 das Lorscher Arzneibuch. Beide Schriften werden in der Staatsbibliothek Bamberg aufbewahrt. In der Bayerischen Staatsbibliothek in München liegen das 2003 aufgenommene Perikopenbuch Heinrichs II., das 2009 aufgenommene Hohenems-Münchener Handschrift A, das 2003 aufgenommene Evangeliar aus dem Bamberger Dom, das 2003 aufgenommene Evangeliar Ottos III. und das 2005 aufgenommene Bibliotheca Corviniana. Eine Goldene Bulle (aufgenommen 2013) lagert im Bayerischen Hauptstaatsarchiv, eine weitere im Staatsarchiv Nürnberg.
Museen[Bearbeiten]
Der Schriftzug „Eigenthum der deutschen Nation“ über dem Haupteingang des Germanischen Nationalmuseums
Bayern ist mit rund 1150 Museen das museumsreichste Bundesland Deutschlands und einem der museumsreichsten Regionen des Kontinents.[81] Zur vielfältigen Museumslandschaft zählen Sammlungen, Schlösser, Gärten und private Sammlungen. Zu den größten und bekanntesten gehören das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg und das Bayerische Nationalmuseum in München. Größtes naturwissenschaftlich-technisches Museum der Welt ist das Deutsche Museum. Zu den größten und bedeutendsten ihrer Art gehören das seit 1976 bestehende Fränkische Freilandmuseum in Bad Windsheim und das seit 1990 bestehende Fränkische Freilandmuseum in Fladungen. Einen wesentlichen Teil des Gemälde- und Kunstbesitzes des Freistaates Bayern betreuen die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen.
Bibliotheken und Archive[Bearbeiten]
Siehe auch: Staatliche Archive Bayerns und Liste der größten Bibliotheken in Bayern
Größte Bibliothek des Freistaates ist die Bayerische Staatsbibliothek in München. Sie ist die zentrale Landesbibliothek Bayerns und eine der bedeutendsten europäischen Forschungs- und Universalbibliotheken mit internationalem Rang. Mit 10,22 Millionen Medieneinheiten ist sie die drittgrößte Bibliothek Deutschlands und besitzt eine der größten Sammlungen im deutschsprachigen Raum. Größte Universitätsbibliothek ist die Münchner Universitätsbibliothek der Ludwig-Maximilians-Universität. Größte öffentliche Bibliothek ist die Münchner Stadtbibliothek. Größte Bibliothek Bayerns außerhalb Münchens ist die Bibliothek der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Um die Versorgung mit wissenschaftlicher Literatur in allen Regionen zu gewährleisten, existieren zehn staatliche Regionalbibliotheken, die größte ist die Staatsbibliothek Bamberg.
Das Bayerische Hauptstaatsarchiv in München ist das größte bayerische Staatsarchiv und aufgrund der langen staatlichen Existenz Bayerns auch eines der bedeutendsten Archive in Europa. Daneben gibt es noch zahlreiche andere Staatsarchive.
Zoologische Gärten, Tierparks, Parkanlagen und Gärten[Bearbeiten]
Tierpark HellabrunnZoo Augsburg
Zoologischer Garten Hof
Tierpark Hellabrunn, München
Tiergarten Nürnberg
Wildpark Klaushof, Bad Kissingen
Wildpark Poing
Wildpark an den Eichen, Schweinfurt
Tiergarten Straubing
Jura-Zoo, Neumarkt in der Oberpfalz
Wildpark Tambach, Coburg
Bayerwald-Tierpark, Lohberg am Großen ArberSport[Bearbeiten]
Ballsportarten[Bearbeiten]
Die Allianz Arena, Heimstadion des FC Bayern München
Zu den beliebtesten Sportarten gehört der Fußball. Der Bayerische Fußball-Verband zählt rund 1,5 Millionen Mitglieder[82] und ist damit der mitgliederstärkste Verband des Deutschen Fußball-Bunds. International bekannt ist der FC Bayern München, er ist Rekordmeister der Fußball-Bundesliga, der er seit 1965 angehört, und darüber hinaus mehrfacher Gewinner von internationalen Fußballwettbewerben wie der UEFA Champions League. Ebenfalls in der höchsten deutschen Spielklasse spielt seit 2011 der FC Augsburg und seit dem Aufstieg 2015 der FC Ingolstadt 04. Zwei langjährige Erstligisten aus Bayern sind in der 2. Fußball-Bundesliga aktiv: Die SpVgg Greuther Fürth, der TSV 1860 München und der 1. FC Nürnberg. In der 3. Fußball-Liga ist nach dem Abstieg der SpVgg Unterhaching und dem SSV Jahn Regensburg im Jahr 2015 und dem Aufstieg der Würzburger Kickers nur noch ein Verein in der Saison 2015/2016 vertreten.
Im Volleyball sind der mehrmalige deutsche Meister des Frauen-Vereins Roten Raben Vilsbiburg und die Herren-Abteilung von Generali Haching spielen in der obersten Volleyball-Bundesliga aktiv. Die Basketballmannschaft der Brose Baskets aus Bamberg ist die beste bayerische Herrenmannschaft. Neben mehreren Vizemeistertiteln wurden sie 2005, 2007, 2010, 2011, 2012, 2013 und 2015 Deutscher Meister und Pokalsieger 2010, 2011 und 2012. Im Damen-Basketball konnte die in der 1. Bundesliga spielende Mannschaft des TSV Wasserburg in den Jahren 2004 bis 2007 den Deutschen Meistertitel erringen und wurde zudem 2005–2007 Deutscher Pokalsieger.
Leo Löwenherz ist das Maskottchen des TV Großwallstadt
Die Handballabteilung des TV Großwallstadt aus dem Landkreis Miltenberg spielte lange Jahre in der 1. Handball-Bundesliga. Bekannt, wenn auch ebenso nicht mehr erstklassig, sind die Münchener Vereine TSV Milbertshofen und MTSV Schwabing. In der Saison 2011/2012 spielt der HC Erlangen in der 2. Handball-Bundesliga. Im Damenhandball ist der 1. FC Nürnberg das erfolgreichste bayerische Team. In der jüngeren Vergangenheit wurden sie 2005, 2007 und 2008 Deutscher Meister und stießen 2007/2008 bis in die Hauptrunde der EHF Champions League vor.
Jedes Jahr findet in München ein großes Tennisturnier statt, das von BMW gesponsert wird: Die BMW Open. Sie gelten als Eingangstor für spätere Karrieren. Namhafte Tennisspieler der ganzen Welt reisen dorthin, um wichtige ATP-Punkte mitzunehmen. Weibliche Tennisspielerinnen nehmen an den WTA-Wettkämpfen teil. Bekannte Repräsentanten des bayrischen Tennis sind Philipp Kohlschreiber aus Augsburg und David Prinosil aus Amberg. Bayern steht mit 163 Golfplätzen deutschlandweit an der Spitze, Oberbayern hat gemeinsam mit der Metropolregion Hamburg die größte Golfplatzdichte. Es sind 110.000 aktive Golfer registriert.[83]
Im Baseball haben sich in den vergangenen Jahren immer mehr Mannschaften hervorgebracht, die erfolgreich in der 1. und 2. Baseball-Bundesliga spielen. Dazu zählt unter anderem der Deutsche Meister der Saison 2008, 2010 und 2011 aus Regensburg, die Regensburg Legionäre. Zu den weiteren erfolgreichen bayerischen Teams gehören die Gauting Indians, die Ingolstadt Schanzer und die Haar Disciples. Auf Landesverbandsebene gehören unter anderem die Augsburg Gators, die Erlangen White Sox, die Fürth Pirates, die Deggendorf Dragons und die Garching Atomics zu den bayerischen Vereinen. Mit rund 60 angemeldeten Vereinen ist der BBSV, der Bayerische Baseball und Softball Verband, einer der größten in Deutschland. Korbball wird vor allem in Franken gespielt. Wichtige Zentren sind Schweinfurt, Aschaffenburg und Coburg.
Wintersport[Bearbeiten]
Schattenbergschanze in Oberstdorf beim Auftaktspringen zur Vierschanzentournee am 30. Dezember 2006
Speziell im alpinen Raum hat der Wintersport eine traditionell große Bedeutung. Günstige Bedingungen für Ski-Rennlauf finden sich in den Bayerischen Alpen. Die herausragenden Vertreter dieser Sportart sind Mirl Buchner, Heidi Biebl, Rosi Mittermaier, Marina Kiehl, Christa Kinshofer, Martina Ertl-Renz, Hilde Gerg, Maria Höfl-Riesch, Franz Pfnür und Markus Wasmeier. Aus dem Biathlon-Bundesleistungszentrum in Ruhpolding gingen zahlreiche Gewinner internationaler Wettbewerbe hervor, die bekanntesten unter ihnen sind Fritz Fischer, Michael Greis, Uschi Disl, Martina Glagow und Magdalena Neuner. Im Langlauf erreichten Tobias Angerer und Evi Sachenbacher-Stehle bedeutende Resultate.
In Bayern gibt es fünf Eishockey-Vereine in der Deutschen Eishockey Liga; die Augsburger Panther, der ERC Ingolstadt, die Nürnberg Ice Tigers, der EHC Red Bull München und die Straubing Tigers. In der 2. Bundesliga spielen die Starbulls Rosenheim sowie der ESV Kaufbeuren und der SC Riessersee. Weitere, besonders durch ihre Nachwuchsarbeit bekannte Vereine sind die Tölzer Löwen, der TEV Miesbach sowie der EV Füssen.
Vor allem im Gebiet des Oberallgäuer Orts Oberstdorf und in Garmisch-Partenkirchen finden zahlreiche Sportveranstaltungen statt, etwa der Auftakt der Vierschanzentournee oder der Zugspitz-Extremberglauf. In Garmisch fanden die Olympischen Winterspiele 1936 statt. Auch zahlreiche Welt- und Europameisterschaften, etwa im Bereich Rennrodeln, Eiskunstlauf, Curling oder Skiflug, fanden dort statt.
Weitere Sportarten[Bearbeiten]
Nicht zuletzt durch den Dokumentarfilm Am Limit wurden im Bereich des Bergklettern die Sportkletterer Thomas und Alexander Huber einem größeren Publikum ein Begriff. Auch früher waren Bayern unter den weltbesten Gipfelstürmern, unter anderen Johann Grill, Josef Enzensperger, Otto Herzog, Anderl Heckmair oder Toni Schmid.In Bayern haben sich einige Brauchtumssportarten wie Fingerhakeln und Eisstockschießen erhalten, die in organisierten Ligen betrieben werden. Das Sautrogrennen gehört zu den bayerischen Brauchtumssportarten. Besondere Beliebtheit erfreut sich diese Sportart im Süden Bayerns an den Flüssen Donau, Iller, Isar und Lech. In Franken wird anlässlich von Volksfesten in den meist noch vorhandenen örtlichen Dorf- bzw. Löschwasserteichen diesem Sport gehuldigt. Unter größter Belustigung der Zuschauer werden ernste regionale Meisterschaften bestritten.
Der Nürnberger Norisring
Im Bereich des Motorsports gibt es die alljährliche Tourenwagenrennen zur DTM auf dem Norisring in Nürnberg-Dutzendteich. Speedwayrennen gibt es in Landshut, Pocking, Abensberg und Olching, sowie Sandbahnrennen in Mühldorf am Inn, Pfarrkirchen, Vilshofen, Dingolfing und Plattling. In Inzell gibt es internationale Eisspeedwayrennen. Sportschießen wird in den Disziplinen Gewehr, Pistole, Bogen, Wurfscheibe, Laufende Scheibe und Armbrust im gesamten Land ausgeübt. Die Sportschützen stellen mit dem Bayerischen Sportschützenbund (BSSB) den viertgrößten Sportfachverband im Land. Viele bayerische Teilnehmer bei Olympischen Spielen konnten bereits Erfolge erzielen.
Im Tanzsport spielen die Latein- und die Standardformation des RGC Nürnberg tanzen in der zweiten Bundesliga. Im Einzeltanzbereich gibt es sehr viele erfolgreiche Tänzer und Tänzerinnen. Viele Turnvereine haben in Bayern eine lange Tradition. Das Landesleistungszentrum war in Nürnberg, wurde aber mit dem Bundesleistungszentrum in Frankfurt am Main zusammengelegt. Zentren sind Augsburg, Würzburg, Schweinfurt, Nürnberg, Landshut, Passau und Rosenheim. Bayerische Turnerinnen belegten in den 1920er Jahren oftmals weltweit Spitzenplätze.[84]
Seit 2000 gibt es für Kinder eine „Bayerische Kinderturnolympiade“. Austragungsort war vier Mal Neumarkt in der Oberpfalz, im Jahre 2000, 2004, 2008 und 2012.[85] 2012 fand in Neumarkt zudem die 31. Turnerjugend-Festspiele im Rahmen der Kinderturnolympiade statt. Im Jahre 2016 wird die nächste Kinderturnolympiade ausgetragen.
Siehe auch[Bearbeiten]
 Portal: Bayern – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Bayern
Literatur[Bearbeiten]Institut für Bayerische Geschichte: Einführende Bibliographie zur Geschichte Bayerns. (Zusammenstellung grundlegender Literatur und Quellensammlungen; PDF; 51 kB).
Bayerische Bibliographie
Max Spindler (Hrsg.), Gertrud Diepolder: Bayerischer Geschichtsatlas. Bayerischer Schulbuch Verlag, München 1969.
Max Spindler, Alois Schmid (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Geschichte. Beck, München 1971ff. (4 Bände).
Wilhelm Volkert, Richard Bauer: Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte: 1799–1980. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7.
Peter Claus Hartmann: Bayerns Weg in die Gegenwart. Vom Stammesherzogtum zum Freistaat heute. 2. Auflage. Pustet, Regensburg 2004, ISBN 3-7917-1875-4.
Gerald Huber: Kleine Geschichte Niederbayerns. 2. Auflage. Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2010, ISBN 978-3-7917-2048-7.
Gerald Huber: Lecker derbleckt. Eine kleine bairische Wortkunde. Societätsverlag, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-7973-1100-9.
Fritz Koller, Hermann Rumschöttel: Bayern und Salzburg im 19. und 20. Jahrhundert, vom Salzachkreis zur Euregio. Samson, München 2006, ISBN 3-921635-98-5.
Dirk Götschmann: Wirtschaftsgeschichte Bayerns, 19. und 20. Jahrhundert. Pustet, Regensburg 2010, ISBN 978-3-7917-2230-6.
Peter Fassl, Wilhelm Liebhart, Doris Pfister, Wolfgang Wüst (Hrsg.): Bayern, Schwaben und das Reich. Festschrift für Pankraz Fried zum 75. Geburtstag (Augsburger Beiträge zur Landesgeschichte Bayerisch-Schwabens 11) Augsburg 2007, ISBN 978-3-89639-589-4.
Bayerisches Jahrbuch. 86. Jahrgang, K. G. Saur, München 2007, XIII, 611 S., ISBN 978-3-598-23666-2; auch CD-ROM-Ausgabe: ISBN 978-3-598-23667-9 (wichtiges Nachschlagewerk mit Informationen zu mehr als 7.000 Institutionen und ca. 12.500 Personen).
Michael Beer: Bayerns Boom im Bauernland. Landesplanung und Strukturwandel der bayerischen Wirtschaft im ländlichen Raum von 1945 bis 1975. Lulu, Morrisville 2008, ISBN 978-1-4092-0580-7.
Franz X. Bogner: Bayern aus der Luft. Stürtz, Würzburg 2009. ISBN 978-3-8003-4014-9.
Martin Wittmann: Total alles über Bayern / The Complete Bavaria. Folio Verlag, Wien-Bozen 2014. ISBN 978-3-85256-646-7.Weblinks[Bearbeiten]
Weiterführende Informationen in den
Schwesterprojekten von Wikipedia:Commons

Multimedia-InhalteWiktionary

WörterbucheinträgeWikisource

Quellen und VolltexteWikiquote

ZitateWikinews

NachrichtenWikivoyage

ReiseführerWebsite der Bayerischen Staatsregierung
Offizielles Tourismusportal zum Urlaub in Bayern
Bayerische Landesbibliothek Online
Haus der Bayerischen Geschichte
Detaillierte Karten flächendeckend
Außenwirtschaftsportal Bayern
bavarikon Kunst- und Wissensschätze Bayerns
Literatur über Bayern im Katalog der Deutschen NationalbibliothekEinzelnachweise[Bearbeiten]↑ Bayerisches Landesamt für Statistik: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes, abgerufen am 20. Oktober 2015.
↑ Statistische Ämter des Bundes und der Länder. Berechnungsstand: November 2014/Februar 2015, abgerufen am 17. Juni 2015.
↑ Arbeitslosenquoten im Oktober 2015 – Länder und Kreise. In: statistik.arbeitsagentur.de. Statistik der Bundesagentur für Arbeit, abgerufen am 29. Oktober 2015. 
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↑ Quelle: destatis, Schuldenstand 31. Dezember 2013
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↑ Ludwig Rübekeil: Der Name „Baiovarii“ und seine typologische Nachbarschaft. In: Die Anfänge Bayerns. Von Raetien und Noricum zur frühmittelalterlichen Baiovaria. St. Ottilien, Universität Zurich 2012, S. 152. online
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↑ a b Gebiet, Flächennutzung. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung, abgerufen am 20. Juni 2012. 
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↑ Hans Fischer: Die Geschichte des Turnens in Bayern. Eine historische Begegnung. 3. Auflage, Berlin 1958.
↑ Offizielle Seite der Kinderturnolympiade Neumarkt 2012 (abgerufen am 18. Mai 2012).AusklappenMitgliedstaaten des Deutschen Bundes (1815–1866)
Kaisertum Österreich
Königreiche Bayern •Hannover •Preußen •Sachsen •WürttembergKurfürstentum Hessen (Kassel)Großherzogtümer Baden •Hessen (Darmstadt) •Luxemburg •Mecklenburg-Schwerin •Mecklenburg-Strelitz •Oldenburg •Sachsen-Weimar-EisenachHerzogtümer Anhalt (ab 1863) •Anhalt-Bernburg (bis 1863) •Anhalt-Dessau (bis 1863) •Anhalt-Köthen (bis 1847) •Braunschweig •Holstein •Lauenburg • Limburg (1839-1866) •Nassau •Sachsen-Altenburg (ab 1826) •Sachsen-Coburg-Saalfeld – ab 1826 alsSachsen-Coburg-Gotha •Sachsen-Gotha-Altenburg (bis 1826) •Sachsen-Hildburghausen (bis 1826) •Sachsen-Meiningen •Schleswig (als Kondominium von Österreich und Preußen) (ab 1864)Fürstentümer Hessen-Homburg (ab 1817) •Hohenzollern-Hechingen (bis 1850) •Hohenzollern-Sigmaringen (bis 1850) •Liechtenstein •Lippe •Reuß älterer Linie •Reuß jüngerer Linie (ab 1848) •Reuß-Ebersdorf (bis 1824) •Reuß-Lobenstein (bis 1824) •Reuß-Lobenstein und Ebersdorf (1824–1848) •Reuß-Schleiz (bis 1848) •Schaumburg-Lippe •Schwarzburg-Rudolstadt •Schwarzburg-Sondershausen •Waldeck-PyrmontFreie Städte Bremen •Frankfurt am Main •Hamburg •LübeckMitgliedstaaten des Deutschen Zollvereins (1834–1919) Preußen (ab 1834) (mit den zugehörigen Gebieten:Anhalt-Bernburg (1834–1863),Anhalt-Dessau (1834–1863),Anhalt-Köthen (1834–1847),Anhalt (ab 1863),Waldeck (ab 1834),Lippe (ab 1841),Lauenburg (1865–1876),Schleswig-Holstein (ab 1867)) |Hessen-Darmstadt (ab 1834) |Hessen-Kassel (1834–1866) |Hessen-Homburg (1835–1866) |Bayern (ab 1834) |Württemberg (ab 1834) (mit den zugehörigen Gebieten:Hohenzollern-Hechingen (1834–1850),Hohenzollern-Sigmaringen) (1834–1850) |Sachsen (ab 1834) | Zoll- und Handelsverein der Thüringischen Staaten (ab 1834) (mit den zugehörigen Gebieten:Sachsen-Weimar-Eisenach (ab 1834),Sachsen-Altenburg (ab 1834),Sachsen-Meiningen (ab 1834),Sachsen-Coburg und Gotha (ab 1834),Schwarzburg-Rudolstadt (ab 1834),Schwarzburg-Sondershausen (ab 1834),Reuß-Greiz (ab 1834),Reuß jüngerer Linie (ab 1848),Reuß-Schleiz (1834–1848),Reuß-Lobenstein und Ebersdorf (1834–1848)) |Baden (ab 1835) |Nassau (1835–1866) |Frankfurt (1836–1866) |Braunschweig (ab 1841) |Luxemburg (ab 1842) |Hannover (1854–1866) (mit den zugehörigen Gebieten:Schaumburg-Lippe (ab 1854)) |Oldenburg (ab 1854) |Hamburg (ab 1888) |Bremen (ab 1888) |Lübeck (ab 1868) |Elsaß-Lothringen (ab 1871) |Mecklenburg-Strelitz (ab 1867) |Mecklenburg-Schwerin (ab 1867)AusklappenBundesstaaten des Deutschen Kaiserreichs (1871–1918)
Königreiche Bayern •Preußen •Sachsen •WürttembergFlagge des Deutschen Kaiserreichs
Großherzogtümer Baden •Hessen-Darmstadt •Mecklenburg-Schwerin •Mecklenburg-Strelitz •Oldenburg •Sachsen-Weimar-EisenachHerzogtümer Anhalt •Braunschweig •Sachsen-Altenburg •Sachsen-Coburg und Gotha •Sachsen-MeiningenFürstentümer Lippe •Reuß älterer Linie •Reuß jüngerer Linie •Schaumburg-Lippe •Schwarzburg-Rudolstadt •Schwarzburg-Sondershausen •Waldeck-PyrmontStadtrepubliken Bremen •Hamburg •LübeckReichsland Elsaß-LothringenLänder des Deutschen Reiches (1919–1933)   Anhalt Anhalt | Baden Baden |Bayern | Freistaat Braunschweig Braunschweig |Bremen |Hamburg | Volksstaat Hessen Hessen | Freistaat Lippe Lippe |Lübeck |Mecklenburg-Schwerin |Mecklenburg-Strelitz | Freistaat Oldenburg Oldenburg | Freistaat Preußen Preußen |Sachsen | Freistaat Schaumburg-Lippe Schaumburg-Lippe | Thuringen Thüringen (ab 1920) | Wurttemberg WürttembergSaargebiet (unter Völkerbundsverwaltung 1920-1935)
Volksstaat Reuß Reuß (bis 1920) | Freistaat Sachsen-Altenburg Sachsen-Altenburg (bis 1920) | Freistaat Sachsen-Gotha Sachsen-Gotha (bis 1920) | Freistaat Sachsen-Meiningen Sachsen-Meiningen (bis 1920) | Freistaat Sachsen-Weimar-Eisenach Sachsen-Weimar-Eisenach (bis 1920) | Freistaat Schwarzburg-Rudolstadt Schwarzburg-Rudolstadt (bis 1920) | Freistaat Schwarzburg-Sondershausen Schwarzburg-Sondershausen (bis 1920)
Freistaat Waldeck-Pyrmont Waldeck-Pyrmont (bis 1929)
Länder des Deutschen Reiches (1933–1945)Anhalt | Baden | Bayern | Braunschweig | Bremen | Hamburg | Hessen | Lippe | Lübeck (bis 1937) | Mecklenburg (ab 1934) | Oldenburg | Preußen | Saargebiet (unter Völkerbundsverwaltung 1920-1935) | Sachsen | Schaumburg-Lippe | Thüringen | Württemberg
Länder der Bundesrepublik DeutschlandBaden-Württemberg Baden-Württemberg
Bremen Bremen
Niedersachsen Niedersachsen
Sachsen Sachsen
Bayern Bayern
Hamburg Hamburg
Nordrhein-Westfalen Nordrhein-Westfalen
Sachsen-Anhalt Sachsen-Anhalt
Berlin Berlin
Hessen Hessen
Rheinland-Pfalz Rheinland-Pfalz
Schleswig-Holstein Schleswig-Holstein
Brandenburg Brandenburg
Mecklenburg-Vorpommern Mecklenburg-Vorpommern
Saarland Saarland
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Ehemalige Länder:(Süd-)Baden |Württemberg-Baden |Württemberg-Hohenzollern48.94944444444411.395Koordinaten: 48° 57′ N, 11° 24′ O
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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Gericht (Begriffsklärung) aufgeführt.
Richter, Ankläger und Prozessbeteiligte sitzen zu Gericht (Old Bailey in London, 19. Jahrhundert).
Ein Gericht (abgeleitet von „richten“ / „Recht“; vom Gotischen: raíhts, althochdeutsch, mittelhochdeutsch: reht) ist ein Organ der Rechtsprechung (Judikative).Inhaltsverzeichnis
1 Begriff
2 Deutschland
3 Schweiz
4 Österreich4.1 Historisch
5 Vereinigte Staaten
6 Zitate
7 Siehe auch
8 Einzelnachweise
9 WeblinksBegriff[Bearbeiten]
Recht sprechende Behörden gibt es seit den Anfängen menschlicher Zivilisation. Ursprünglich war die Rechtsprechung in vielen Fällen Aufgabe des Monarchen selbst oder seiner Beauftragten. Im Laufe der Aufklärung setzte sich mit dem Konzept der Gewaltentrennung in Europa und den europäisch beeinflussten Staaten die Überzeugung durch, dass die Rechtsprechung von der Regierungsgewalt unabhängig zu sein hat.
Für den Begriff des Gerichts in modernen Rechtsstaaten ist die Garantie der richterlichen Unabhängigkeit daher zentral. Das schweizerische Bundesgericht hat beispielsweise festgehalten, dass als Gericht im Sinne der Europäischen Menschenrechtskonvention eine Behörde gilt, die nach Gesetz und Recht in einem justizförmigen, fairen Verfahren begründete und bindende Entscheidungen über Streitfragen trifft. Sie braucht nicht in die ordentliche Gerichtsstruktur eingegliedert zu sein, muss jedoch organisatorisch und personell, nach der Art ihrer Ernennung, der Amtsdauer, dem Schutz vor äußeren Beeinflussungen und nach ihrem äußeren Erscheinungsbild sowohl gegenüber anderen Behörden als auch gegenüber den Parteien unabhängig und unparteiisch sein. Nebst den Merkmalen der Unabhängigkeit und Unparteilichkeit gehört zu seinem Wesen, dass ein Gericht die rechtserheblichen Tatsachen selber erhebt, die Rechtssätze auf diesen in einem rechtsstaatlichen Verfahren ermittelten Sachverhalt anwendet und für die Parteien bindende Entscheidungen in der Sache fällt. Es muss über umfassende Kognition in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht verfügen.[1]
Deutschland[Bearbeiten]
Amtsgericht Fürstenfeldbruck
moderner Gerichtssaal im Justizzentrum Aachen
Gerichte in der Bundesrepublik Deutschland sind je nach Gerichtsträger die Bundesgerichte und die Gerichte der Länder. Die Gerichte verwalten sich in ihrer Unabhängigkeit nach dem Prinzip der Gewaltenteilung selbst und sind formell darin nicht Bestandteil der Exekutive.
Der Aufbau der Gerichtsbarkeiten[2] wird durch (verschiedene) Gerichtsverfassungen geregelt. Gerichtsbarkeiten in Deutschland sind die Verfassungsgerichtsbarkeiten (des Bundes und der einzelnen Länder), die Ordentliche Gerichtsbarkeit (für Zivilrecht und für Strafrecht) und die Fachgerichtsbarkeiten, zu denen Arbeitsgerichtsbarkeit, Finanzgerichtsbarkeit, Sozialgerichtsbarkeit und Verwaltungsgerichtsbarkeit gehören. Um die Einheitlichkeit der Rechtsprechung zu wahren, besteht ein Gemeinsamer Senat der obersten Gerichtshöfe des Bundes, der angerufen werden kann, falls ein oberstes Bundesgericht die Absicht hat, von der Entscheidung eines anderen obersten Bundesgerichts abzuweichen.
Dienstgerichtsbarkeit und Ehrengerichtsbarkeit sind Teil der Verwaltungsgerichtsbarkeit.
Besonderheiten ergeben sich im Militärwesen. So können im Verteidigungsfall Wehrstrafgerichte als Bundesgerichte errichtet werden Art.&#160;96 Abs.&#160;2 Grundgesetz, die Recht nach dem Wehrstrafgesetz sprechen. Historisch bestanden sogenannte Standgerichte als Ausnahmegerichte, die gemäß Grundgesetz in der Bundesrepublik Deutschland nach Art.&#160;101 Abs.&#160;1 Satz&#160;1 Grundgesetz unzulässig sind.
Spricht man vom Gerichtsaufbau, bezeichnet der Begriff Gericht eine Behörde (so z.&#160;B. Amtsgericht). Das Gericht kann aber auch als Spruchkörper verstanden werden (z.&#160;B. Einzelrichter, Schwurgericht, Schöffengericht usw.); jedes Gericht ist dann mit mindestens einem Richter besetzt. Behördenleiter sind Gerichtspräsidenten oder aufsichtführende Richter, die einem Präsidium vorstehen (§&#160;21a GVG).
Die Beteiligung von Laien als ehrenamtliche Richter ist im Strafverfahren vorgesehen (dann "Schöffen" genannt), in der Handelsgerichtsbarkeit (dann "Handelsrichter" genannt), sowie in der Arbeits-, Sozial- und Verwaltungsgerichtsbarkeit. Schöffen wirken am Amtsgericht im Schöffengericht, am Landgericht im Schwurgericht und in anderen Strafkammern mit. Eine Besonderheit sind die sogenannten Beamtenbeisitzer in Disziplinarsachen bei Verwaltungsgerichten. Dies sind i.w.S. Schöffen, gehören jedoch einer bestimmten Berufsgruppe an: der Beamtenschaft.
Welches Gericht tätig wird, bestimmt sich nach der Zuständigkeit.
Welcher Spruchkörper (Einzelrichter, Kammer, Senat) zuständig ist, bestimmt sich nach dem anwendbaren Verfahrensgesetz (z.&#160;B. GVG, ZPO) und nach dem Geschäftsverteilungsplan, der von den Gerichten in eigener Verantwortung erstellt wird.
Der Ablauf einer Gerichtsverhandlung ist in verschiedenen Rechtsquellen normiert.
Keine Gerichte im Sinne des Gerichtsverfassungsgesetzes (GVG) sind die sogenannten Seeamtsverhandlungen („Seegerichte“); sie sind behördliche Sachverständigenverfahren der Seeämter.Aufbau von Gerichten und deren AufgabenGerichtsart
Zuständig für
Gerichtsbezeichnungen
Arbeitsgerichtsbarkeit
Streitverfahren aus Arbeits- und Tarifverträgen
Arbeitsgericht (bis 1927 Gewerbegericht)
Landesarbeitsgericht
Bundesarbeitsgericht
Finanzgerichtsbarkeit
Streitverfahren wegen Steuern und Zöllen
Finanzgericht
Bundesfinanzhof
Ordentliche Gerichtsbarkeit
Zivil- und Strafprozess, freiwillige Gerichtsbarkeit
Amtsgericht
Landgericht
Oberlandesgericht
BundesgerichtshofSozialgerichtsbarkeit
Streitverfahren mit Sozialversicherungsträgern und in verschiedenen anderen sozialrechtlichen Fragen
Sozialgericht
Landessozialgericht
Bundessozialgericht
Verfassungsgerichtsbarkeit
Streitverfahren in Verbindung mit dem Grundgesetz bzw. den Landesverfassungen
Bundesverfassungsgericht
Verfassungsgerichte der Länder
Verwaltungsgerichtsbarkeit
Streitverfahren mit der öffentlichen Verwaltung
(Ausnahmen siehe Sozial- und Finanzgerichtsbarkeit)
Verwaltungsgericht
Oberverwaltungsgericht (in einigen Ländern: Verwaltungsgerichtshof)
Bundesverwaltungsgericht
Siehe auch: Liste deutscher Gerichte, Liste historischer deutscher Gerichte, Neutralität des Gerichts
Schweiz[Bearbeiten]
→ Hauptartikel: Rechtssystem der Schweiz
In der Schweiz ist die Rechtspflege in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten und die Organisation der Zivil- und Strafgerichte teilweise kantonal geregelt. Das kantonale Recht bestimmt namentlich, welches kantonale Zivil- und Strafgericht die von der Verfahrensgesetzgebung des Bundes vorgesehenen Funktionen der ersten und zweiten Instanz wahrnimmt. In der Regel bestehen regionale Gerichte als erste Instanz (Bezirks-, Regionalgerichte) und gesamtkantonale Kantons- bzw. Obergerichte als zweite Instanz. Auf Bundesebene bestehen ein erstinstanzliches Patent-, Verwaltungs- und Bundesstrafgericht sowie das Schweizerische Bundesgericht als letztes Berufungsgericht in allen Rechtsgebieten.
Österreich[Bearbeiten]
Siehe: Gerichtsorganisation in Österreich
Historisch[Bearbeiten]
Buchtitel
Gerichtsordnung zur Zeit Karls V.
Ein Gericht war in der Grafschaft Tirol seit dem Spätmittelalter eine territoriale Einheit für Justiz und Verwaltung, vergleichbar den heutigen Bezirkshauptmannschaften und Bezirksgerichten.
Siehe auch: Oberes Gericht
Vereinigte Staaten[Bearbeiten]
Die Gerichtsorganisation in den USA ist durch ihren stark föderativen Charakter gekennzeichnet. Sowohl der Bund als auch die einzelnen Bundesstaaten unterhalten eigene Gerichtsorganisationen und Instanzenzüge, die nicht voneinander abhängig sind. Die Bundesgerichte folgen den Vorgaben der Verfassung der Vereinigten Staaten und sind ausschließlich für Fälle nach Bundesrecht zuständig. Die Gerichte der Bundesstaaten basieren auf der jeweilig geltenden Verfassung und sind nur für die Rechtsbereiche zuständig, die in die Rechtssetzungskompetenz des Bundesstaates fallen.
Zitate[Bearbeiten]„Wo Gericht, da ist auch Ungerechtigkeit.“ (Aus: Krieg und Frieden von Leo Tolstoi, Übersetzung: Werner Bergengruen)
Juristenweisheit: Coram iudice et in alto mari sumus in manu Dei. („Vor dem Richter und auf hoher See sind wir in Gottes Hand.“)
Andere Version: Coram iudice et in alto mari in manu Dei solius sumus. („Vor dem Richter und auf hoher See sind wir allein in Gottes Hand.“)Siehe auch[Bearbeiten]Berggericht, Schiedsgericht, Sportgericht, Militärgericht
Dienstgerichtshof für Richter
Gerichtsorganisation in Liechtenstein
Internationaler Gerichtshof
Jüngstes Gericht (Religion)
TierprozessEinzelnachweise[Bearbeiten]↑ Zur Publikation vorgesehenes Urteil 5C_2/2012 der II. zivilrechtlichen Abteilung vom 17. Dezember 2012, E. 4.2, mit weiteren Nachweisen
↑ Schaubild Übersicht über den Gerichtsaufbau in der Bundesrepublik Deutschland (PDF)Weblinks[Bearbeiten]
&#160;&#160;Wikiquote: Gericht&#160;– Zitate
&#160;Wiktionary: Gericht&#160;– Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, ÜbersetzungenBitte den Hinweis zu Rechtsthemen beachten!
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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zur Landschaftsbezeichnung Schweiz siehe Schweiz (Landschaftsbezeichnung).Schweizerische Eidgenossenschaft
Confédération suisse (französisch)
Confederazione Svizzera (italienisch)
Confederaziun svizra (rätoromanisch)
Confoederatio Helvetica (CH) (lateinisch)
Fahne
WappenWahlspruch: «Unus pro omnibus, omnes pro uno»[1]
Lateinisch für:
«Einer für alle, alle für einen» (dt.)
«Un pour tous, tous pour un» (frz.)
«Uno per tutti, tutti per uno» (ital.)
«In per tuts, tuts per in» (rät.)
Amtssprache
Deutsch, Französisch, Italienisch, Rätoromanisch[2]
Hauptstadt
de jure: keine
de facto: Bern[3]
Regierungssitz
Bern[3]
Staatsform
föderale Republik
Regierungssystem
Direktorialsystem
Staatsoberhaupt
Der Bundesrat bildet de facto das kollektive Staatsoberhaupt:[4]Johann Schneider-Ammann (BP 2016)
Doris Leuthard (VP 2016)
Simonetta Sommaruga
Ueli Maurer
Didier Burkhalter
Alain Berset
Guy Parmelin
Regierungschef
Dieses Amt ist laut Bundesverfassung inexistent.
Fläche
(133. Platz) 41'285[5] km²
Einwohnerzahl
▲ 8'279'700[6] (30.&#160;Juni 2015)
Bevölkerungsdichte
201 Einwohner pro km²
Bevölkerungs­entwicklung
▲ +1,24&#160;%[7] (2014)
BruttoinlandsproduktTotal (nominal)
Total (KKP)
BIP/Einw. (nominal)
BIP/Einw. (KKP)
2011[8]636,0 Mrd. USD (19.)
339,8 Mrd. USD (37.)
81'161&#160;USD (4.)
43'370&#160;USD (9.)
Human Development Index
▲ 0,917 (3.) (2013)
Währung
Schweizer Franken (CHF)
Gründung
1. August 1291 nach Legende als «Ewiger Bund» (Rütlischwur),
12. September 1848 als moderner Bundesstaat in der heutigen Form
Unabhängigkeit
1499 faktische Ablösung vom Heiligen Römischen Reich im Frieden zu Basel,
1648 juristische Trennung vom Heiligen Römischen Reich im Westfälischen Frieden
Nationalhymne
Schweizerpsalm
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Du kannst den Clip herunterladen oder eine Abspielsoftware herunterladen, um den Clip im Browser abspielen zu können.Nationalfeiertag
1. August (Bundesfeiertag)
Zeitzone
UTC+1 MEZ
UTC+2 MESZ (März bis Oktober)
Kfz-Kennzeichen
CH
ISO 3166
CH, CHE
Internet-TLD
.ch
Telefonvorwahl
+41Lage der Schweiz in EuropaAdministrative Gliederung der Schweiz: die 26 Kantone
Reliefkarte der Schweiz
Logo der Bundesbehörden der Schweizerischen EidgenossenschaftDie Schweiz (französisch Suisse [sɥis(ə)], italienisch Svizzera [ˈzviːtːsera], rätoromanisch&#160; Svizra?/i [ˈʒviːtsrɐ] oder [ˈʒviːtsʁɐ], lateinisch Helvetia), amtlich Schweizerische Eidgenossenschaft (französisch Confédération suisse, italienisch Confederazione Svizzera, rätoromanisch&#160;Confederaziun svizra, lateinisch Confoederatio Helvetica), ist ein föderalistischer, demokratischer Staat in Europa.
Die Schweiz grenzt an Deutschland im Norden, an Österreich und Liechtenstein im Osten, an Italien im Süden und an Frankreich im Westen. Die Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft legt keine Hauptstadt fest; der Sitz der Bundesbehörden (Regierung und Parlament) ist die Bundesstadt Bern.
Die Willensnation Schweiz zählt 8,3&#160;Millionen[6] Einwohner, darunter 2,0&#160;Millionen[9] Ausländer (24&#160;Prozent) ohne Schweizer Bürgerrecht. Bezogen auf die Gesamtbevölkerung ab 15&#160;Jahren (mit und ohne Bürgerrecht) weisen 35&#160;Prozent[10] einen Migrationshintergrund auf. Das Land gehört zu den dichter besiedelten Ländern Europas, wobei sich die Bevölkerung im Mittelland, der Beckenzone zwischen Jura und Alpen, konzentriert. Die sechs Grossstädte sind die Wirtschaftszentren Zürich, Genf, Basel, Lausanne, Bern und Winterthur.
Das Land gliedert sich in 26 teilsouveräne Kantone und hat auf Bundesebene&#160;– entsprechend seiner einheimischen Bevölkerung&#160;– insgesamt vier offizielle Amtssprachen: Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch.[11] Sie bilden die Grundlage der vier Landeskulturen und Sprachregionen: Deutschschweiz, Romandie, italienische sowie rätoromanische Schweiz. Das Landeskennzeichen lautet «CH», die Abkürzung für das neutrale lateinische Confoederatio Helvetica, um keine der vier Amtssprachen zu bevorzugen. Die Schweizerische Eidgenossenschaft ging aus den sogenannten Urkantonen Uri, Schwyz und Unterwalden hervor. Als inoffizielles und mythologisiertes Gründungsdokument gilt der Bundesbrief von 1291, die älteste noch erhaltene Bündnisurkunde. Im Westfälischen Frieden von 1648 gelang ihr die Anerkennung ihrer staatsrechtlichen Unabhängigkeit. Der heutige Bundesstaat besteht seit 1848. Der Name Schweiz stammt vom Urkanton Schwyz.
Die nationale Identität und der Zusammenhalt der Schweiz basieren nicht auf einer gemeinsamen Sprache, Ethnie oder Religion, sondern auf interkulturellen Faktoren wie dem Glauben an die direkte Demokratie, einem hohen Mass an lokaler und regionaler Autonomie sowie einer ausgeprägten Kultur der Kompromissbereitschaft bei der politischen Entscheidungsfindung. Die Schweiz wird in dieser Beziehung oft als Vorbild für andere Staaten genannt.[12][13][14]Inhaltsverzeichnis
1 Geographie1.1 Naturräumliche Gliederung
1.2 Geologie1.2.1 Erdbeben
1.3 Gebirge1.3.1 Gletscher
1.3.2 Höhlen
1.4 Gewässer1.4.1 Inseln
1.5 Klima
2 Natur2.1 Flora und Vegetation
2.2 Fauna
2.3 Naturschutz
2.4 Zoologische Gärten
3 Bevölkerung3.1 Städte und Gemeinden
3.2 Schweizer Bürgerrecht
3.3 Demographie3.3.1 Ausländer, Migrationsstatus, Asyl
3.3.2 Auswanderung
3.3.3 Einwanderung
3.4 Sprachen
3.5 Religionen
4 Geschichte4.1 Vorgeschichte
4.2 Alte Eidgenossenschaft
4.3 Helvetische Republik und Restauration
4.4 Sonderbundskrieg
4.5 Moderner Bundesstaat
4.6 Zeitleiste der wichtigsten Ereignisse der Schweizer Geschichte
4.7 Reihenfolge des Eintritts der Kantone in die Eidgenossenschaft
4.8 Namensherkunft
4.9 Mythen
5 Recht
6 Politik6.1 Politisches System
6.2 Staatshaushalt
6.3 Politische Parteien
6.4 Kantone
6.5 Enklaven und Exklave
6.6 Aussenpolitik6.6.1 Verhältnis zwischen der Schweiz und dem Fürstentum Liechtenstein
6.6.2 Die Guten Dienste der Schweiz
6.6.3 Schutzmachtmandate
7 Sicherheit7.1 Schweizer Armee
7.2 Zivilschutzorganisation
7.3 Nachrichtendienst des Bundes NDB
7.4 Grenzwachtkorps
7.5 Polizei
7.6 Feuerwehr
7.7 Luftrettung
8 Gesellschaft8.1 Sozialpolitik
8.2 Gesundheitswesen
8.3 Schulsystem
8.4 Menschenrechte
9 Verkehr9.1 Schienenverkehr
9.2 Nahverkehr
9.3 Strassenverkehr
9.4 Flugverkehr
9.5 Schiffsverkehr
9.6 Bergbahnen
9.7 Langsamverkehr
10 Wirtschaft10.1 Schweizer Franken
10.2 Landwirtschaft
10.3 Rohstoffe und Energieproduktion
10.4 Gewerbe und Industrie
10.5 Dienstleistungen10.5.1 Tourismus
10.5.2 Detailhandel
10.6 Aussenhandel
10.7 Messen
11 Medien und Kommunikation11.1 Presse
11.2 Radio und Fernsehen11.2.1 SRG SSR
11.2.2 Radio
11.2.3 Fernsehen
11.3 Kommunikation
12 Kultur12.1 Bräuche
12.2 Feiertage
12.3 Küche
12.4 UNESCO-Welterbe in der Schweiz
12.5 Architektur
12.6 Kultur- und Baudenkmäler
12.7 Bildende Kunst
12.8 Theater
12.9 Musik
12.10 Film
12.11 Literatur und Philosophie
12.12 Museen
12.13 Eidgenössische Feste
12.14 Landesausstellungen und Gartenschauen
12.15 Diverse Kulturthemen
13 Internationale Organisationen
14 Wissenschaft
15 Sport
16 Siehe auch
17 Literatur
18 Weblinks
19 AnmerkungenGeographie
Satellitenbild der Schweiz
→ Hauptartikel: Geographie der Schweiz
Der Binnenstaat Schweiz liegt zwischen dem 46. und 48. Breitengrad und verfügt über die Quellgebiete von Flüssen, die sich in die Nordsee, das Mittelmeer und das Schwarze Meer ergiessen. Die maximale Nord-Süd-Ausdehnung beträgt 220,1&#160;Kilometer (von Bargen nach Chiasso), die grösste West-Ost-Ausdehnung 348,4&#160;Kilometer (von Chancy nach Val Müstair).[15]
Der höchste Punkt in der Schweiz ist die mit 4'634&#160;m&#160;ü.&#160;M. hohe Dufourspitze, der tiefste Punkt ist das Ufer des Lago Maggiore mit 193&#160;m&#160;ü.&#160;M. Die höchstgelegene Siedlung Juf liegt auf 2'126&#160;m&#160;ü.&#160;M.; die tiefstgelegenen Siedlungen um den Lago Maggiore auf 196&#160;m&#160;ü.&#160;M. Der geographische Mittelpunkt der Schweiz liegt im Kanton Obwalden auf der Älggi-Alp.
Die Schweiz hat eine Grenzlänge von 1'899&#160;Kilometern. Die längste Staatsgrenze ist mit 744&#160;Kilometern diejenige zu Italien im Süden (→&#160;Grenze zwischen Italien und der Schweiz). Im Westen grenzt die Schweiz über 572&#160;Kilometer an Frankreich (→&#160;Grenze zwischen Frankreich und der Schweiz); im Norden an Deutschland über 362&#160;Kilometer, die zum grössten Teil den Rhein entlangführen (→&#160;Grenze zwischen Deutschland und der Schweiz). Im Osten grenzt die Schweiz mit 180&#160;Kilometern an Österreich (→&#160;Grenze zwischen Österreich und der Schweiz) und mit 41&#160;Kilometern an das Fürstentum Liechtenstein (→&#160;Grenze zwischen Liechtenstein und der Schweiz).[16][17]
23,9&#160;Prozent der Fläche der Schweiz sind landwirtschaftliche Nutzfläche, 13&#160;Prozent sind alpwirtschaftliche Flächen. Siedlungsfläche sind 6,8&#160;Prozent, und 25,5&#160;Prozent&#160;– vorwiegend in den Alpen und im Jura&#160;– gelten als unproduktive Naturfläche. Rund 30,8&#160;Prozent sind Wald und Gehölze.[18]
Naturräumliche Gliederung
Landschaftliche Grossräume; die Voralpen sind nicht von den Alpen differenziert (Karte mit einem Gemeindebestand per 1.&#160;Januar 2015)
Die naturräumliche Gliederung der Schweiz
Die Schweiz lässt sich in drei landschaftliche Grossräume einteilen, die grosse Unterschiede aufweisen: den Jura,[19] das dichtbesiedelte Mittelland[20] sowie die Alpen[21] mit den Voralpen.[22] Rund 48&#160;Prozent der Landesfläche gehören zu den Alpen im engeren Sinne, 12&#160;Prozent zu den Voralpen. 30&#160;Prozent werden zum Mittelland gerechnet, und der Jura nimmt die restlichen zehn Prozent der Landesfläche ein.
Das Schweizer Mittelland wird im Nordwesten und Norden geographisch wie auch geologisch durch die langgestreckten Höhenzüge des Juras abgegrenzt. Im Süden gegen die Alpen hin wird meist der an einigen Orten relativ abrupte Anstieg zu Höhen über 1'500&#160;m&#160;ü.&#160;M. als Kriterium für die Abgrenzung verwendet. Die südwestliche Grenze des Schweizer Mittellandes bildet der Genfersee, die nordöstliche der Bodensee zusammen mit dem Rhein. Die Bevölkerungsdichte der Schweiz wird von den sämtlich im Mittelland liegenden Ballungszentren mit den beiden in der Grösse bescheidenen und dennoch wichtigen Weltstädten Zürich und Genf bestimmt. In den typischen Mittellandkantonen Aargau und Zürich steigt die Bevölkerungsdichte auf 600 bis fast 800 Personen pro Quadratkilometer.
Mit Voralpen werden in der Schweiz jene Gebiete bezeichnet, die den Übergang vom leicht hügeligen Schweizer Mittelland zum Gebirgsraum der Alpen markieren und sich durch ihre Erhebungen als Naherholungszone speziell während Zeiten des Hochnebels auszeichnen. Mit den Alpen beschreiben sie einen Bogen zwischen Südwesten und Nordosten der Schweiz.
Die Alpen bilden im «Herzen Europas» eine wichtige Klima- und Wasserscheide mit zusätzlichen alpinen und inneralpinen Wettereffekten, durch die in der Schweiz trotz ihrer geringen Grösse meist mehrere Wetterlagen herrschen. Im Schweizer Alpenbogen liegen bekannte Feriendestinationen für Sommer- und Wintertourismus sowie der einzige Schweizer Nationalpark. Das auch in den Alpen vorhandene Netz des öffentlichen Verkehrs in der Schweiz bekam mit der Albulalinie ein UNESCO-Welterbe, das die Naturerbe der Gebirgslandschaften TektonikArena Sardona und Jungfrau-Aletsch-Bietschhorn ergänzt.
Alpensüdseite ist ein Begriff, der vor allem in Wettervorhersagen verwendet wird, da sich Wetterlage, Klima und Vegetation meist von denjenigen auf der Alpennordseite unterscheiden. Die Alpensüdseite umfasst den Kanton Tessin, die Bündner Südtäler Misox, Calanca, Bergell, Puschlav und Val Müstair sowie das Gebiet südlich des Simplonpasses im Kanton Wallis und gehört naturräumlich zu den Alpen.
Der Schweizer Jura kann grob im Osten und Südosten durch das Schweizer Mittelland, im Norden durch den Hochrhein, im Nordwesten durch die Burgundische Pforte eingegrenzt werden. Der Jura ist ein geologisch junges Faltengebirge mit einer Längenausdehnung von etwa 300&#160;Kilometern und beschreibt einen grossen halbmondförmigen, nach Südosten offenen Bogen. Auf der Linie Besançon–Yverdon beträgt die grösste Breite des Gebirges rund 70&#160;Kilometer. Bei Biel/Bienne ändern die Ketten ihre Richtung immer mehr nach Osten, das Gebirgssystem wird schmaler, und die Zahl der nebeneinanderliegenden Ketten nimmt ab. Die östlichste Jurakette, die Lägernkette, verläuft in exakter West-Ost-Richtung und endet bei Dielsdorf, wo die gebirgsbildenden Schichten unter die Molasse des Schweizer Mittellandes abtauchen.
Siehe auch: Liste der Regionen in der Schweiz
Geologie
Glarner Hauptüberschiebung mit Atlas (rechts) und Tschingelhörnern (links)
Die geologische Struktur der Schweiz ist im Wesentlichen das Ergebnis einer Plattenkollision Afrikas und Europas während der letzten Jahrmillionen. Dieses Phänomen ist bei der Glarner Hauptüberschiebung, einem UNESCO-Weltnaturerbe, besonders deutlich sichtbar.
Geologisch wird die Schweiz in fünf Hauptregionen eingeteilt: Die Alpen (→&#160;Geologie der Alpen) bestehen im Kern aus Granit, der Jura (→&#160;Geologie des Juras) ist ein junges Faltengebirge aus Kalkstein. Zwischen dem Jura und den Alpen liegt das teils flache, teils hügelige Mittelland (→&#160;Geologie des Mittellandes). Dazu kommen noch die Poebene im südlichsten Zipfel des Tessins, dem Mendrisiotto (Mendrisio), sowie die Oberrheinische Tiefebene um Basel, die zum allergrössten Teil ausserhalb der Schweiz liegen.[23]
Die Topografie der heutigen Schweiz wurde während der letzten zwei Millionen Jahre massgebend durch die riesigen Eismassen geprägt und gestaltet, die während der verschiedenen Eiszeiten bis weit ins Mittelland vorgestossen waren.[24]
Erdbeben
Die Schweiz weist im europäischen Vergleich eine mittlere Erdbebengefährdung auf, wobei regionale Unterschiede bestehen: Im Wallis, in Basel, im St.&#160;Galler Rheintal, in Mittelbünden, im Engadin und der Zentralschweiz treten Erdbeben häufiger auf als in anderen Gebieten. Mit einem Erdbeben der Magnitude&#160;6 oder grösser ist alle 60 bis 100 Jahre zu rechnen. Ein Erdbeben dieser Stärke ereignete sich letztmals im Jahr 1946 bei Siders im Wallis. Das Erdbeben, das sich am 18.&#160;Oktober 1356 bei Basel ereignete, ist das stärkste, das in historischer Zeit in Zentraleuropa dokumentiert wurde.[25] Der Schweizerische Erdbebendienst (SED) an der ETH Zürich überwacht die Erdbebenaktivität in der Schweiz sowie im grenznahen Ausland.[26]
Siehe auch: Liste von Erdbeben in der Schweiz
Gebirge
Das Matterhorn in Zermatt (VS)
In der Schweiz gibt es über 3'350 Gipfel über 2'000 Meter Höhe. Die zwölf höchsten Berge der Schweiz liegen alle in den Walliser Alpen. Der höchste Gipfel ist die 4'634&#160;m&#160;ü.&#160;M. hohe Dufourspitze im Monte-Rosa-Massiv. Die Dufourspitze ist damit gleichzeitig der höchste Punkt der Schweiz, allerdings steht das Monte-Rosa Massiv zum Teil auf italienischem Staatsgebiet. Der höchste vollständig auf Schweizer Territorium liegende Berg ist der Dom. Er liegt zwischen Zermatt und Saas-Fee und ist 4'545&#160;m&#160;ü.&#160;M. hoch.
Der wohl bekannteste Berg in den Schweizer Alpen ist das 4'478&#160;m&#160;ü.&#160;M. hohe Matterhorn. Im Berner Oberland bilden der Eiger (3'970&#160;m&#160;ü.&#160;M.), der Mönch (4'107&#160;m&#160;ü.&#160;M.) und die Jungfrau (4'158&#160;m&#160;ü.&#160;M.) eine bekannte und auch aus dem Mittelland sichtbare Gruppe. Markante Punkte der Ostalpen sind der Piz Bernina (4'049&#160;m&#160;ü.&#160;M.), der östlichste Viertausender der Alpen und einziger Viertausender der Ostalpen, sowie der Piz Kesch, ein weiterer Berg mit mehr als 1’500 Metern Prominenz.
In den Voralpen sind die Erhebungen niedriger, jedoch sind die Berge aufgrund ihrer Dominanz und Schartenhöhe nicht weniger imposant. Bekannte Berge sind der Luzerner Hausberg Pilatus (2'132&#160;m&#160;ü.&#160;M.), der Mythen (1'898&#160;m&#160;ü.&#160;M.), die Rigi (1'797&#160;m&#160;ü.&#160;M.) im Kanton Schwyz oder der Säntis (2'502&#160;m&#160;ü.&#160;M.) im Alpstein in der Ostschweiz.
Der höchste Schweizer Jura-Berg ist der Mont Tendre mit 1'679&#160;m&#160;ü.&#160;M. Weitere bedeutende Berge sind Dôle (1'677&#160;m&#160;ü.&#160;M.), Chasseral (1'607&#160;m&#160;ü.&#160;M.), Chasseron (1'607&#160;m&#160;ü.&#160;M.) und Suchet (1'588&#160;m&#160;ü.&#160;M.). Der östlichste Ausläufer des Juras ist der Randen im Kanton Schaffhausen.
Siehe auch: Liste von Bergen in der Schweiz&#160;und Liste von Tälern in der Schweiz
Gletscher
Das Schweizer Hochgebirge wird massgeblich durch die vielen Gletscher dominiert. Der grösste und längste Alpen-Gletscher ist der Grosse Aletschgletscher, gefolgt vom Gornergletscher (nach Fläche).[27] Den letzten Höchststand erreichten die Schweizer Gletscher während der Kleinen Eiszeit, die von Anfang des 15. bis Mitte des 19. Jahrhunderts dauerte. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts ist auch in der Schweiz, wie nahezu weltweit, ein deutlicher Rückgang der Gletscher zu beobachten.[28] Dieser Gletscherschwund hat sich in den letzten Jahrzehnten noch verstärkt.[29] Zwischen 1973 und 2010 nahm die Fläche aller Gletscher der Schweizer Alpen um 28 Prozent auf ca. 940 Quadratkilometer ab.[30]
Siehe auch: Liste der Schweizer Gletscher
Höhlen
Das Hölloch im Kanton Schwyz ist das zweitlängste Höhlensystem Europas und der Lac Souterrain de Saint-Léonard im Kanton Wallis ist der grösste, natürliche unterirdische See in Europa.[31]
Siehe auch: Liste von Höhlen in Europa (Abschnitt Schweiz)
Gewässer
Rheinfall in Neuhausen (SH) und Laufen-Uhwiesen (ZH)
→ Hauptartikel: Hydrographie der Schweiz
In der wasserreichen Schweiz entspringen im Gotthardmassiv mit dem Rhein und der Rhone zwei der längsten Flüsse Europas. Durch die Schweiz verlaufen mehrere europäische Hauptwasserscheiden: Sie trennen die Einzugsgebiete von Nordsee, Mittelmeer und Schwarzem Meer. So fliesst der Rhein mit seinen Zuflüssen in die Nordsee, die Rhone und der Ticino ins Mittelmeer, während das Wasser des Inn über die Donau ins Schwarze Meer gelangt. Eine dreifache Hauptwasserscheide findet sich auf dem Lunghinpass.
Innerhalb der Schweiz hat der Rhein mit 375&#160;Kilometern den längsten Lauf, vor dem Rhein-Zufluss Aare mit 295&#160;Kilometern. Die Rhone fliesst 264&#160;Kilometer innerhalb der Schweiz, während die Reuss als viertgrösster Fluss der Schweiz 158&#160;Kilometer Länge erreicht. Weitere prägende Flüsse sind die Saane im Westen, der Ticino im Süden, die Birs und der Doubs im Nordwesten, die Linth/Limmat und die Thur im Nordosten und der Inn im Südosten. Bei Schaffhausen bildet der Rhein den grössten Wasserfall Mitteleuropas, den Rheinfall.
Zeitweise bestand eine Idee, mittels eines transhelvetischen Kanals zwischen Rhein und Rhone die Nordsee und das Mittelmeer mit einer Wasserstrasse zu verbinden, dieses Projekt wurde aber nie realisiert.
Die Schweiz hat aufgrund ihrer topographischen Struktur und vor allem aufgrund der Vergletscherung während der Eiszeiten rund 1’500 Seen, ein Grossteil davon sind kleinere Bergseen. Insgesamt sind ungefähr vier&#160;Prozent der Oberfläche der Schweiz von Seen bedeckt, diese Summe wird aber hauptsächlich von den grössten Seen der Schweiz bestimmt: Der grösste See der Schweiz ist der Genfersee (580,03&#160;Quadratkilometer) an der französischen Grenze. Er liegt zu knapp 60&#160;Prozent auf Schweizer Boden. Der an Deutschland und Österreich grenzende Bodensee ist mit 536,00&#160;Quadratkilometern etwas kleiner (23,73&#160;Prozent der Uferlänge auf Schweizer Boden). Der Lago Maggiore an der italienischen Grenze (19,28&#160;Prozent auf Schweizer Territorium) bildet mit 193&#160;m&#160;ü.&#160;M. den tiefsten Punkt der Schweiz. Die grössten vollständig in der Schweiz liegenden Seen sind der Neuenburgersee (215,20&#160;Quadratkilometer), der Vierwaldstättersee (113,72&#160;Quadratkilometer) und der Zürichsee (88,17&#160;Quadratkilometer).[32][33]
Siehe auch: Liste der grössten Seen in der Schweiz&#160;und Liste der Flüsse in der Schweiz
Inseln
In den Schweizer Seen und Flüssen liegen zahlreiche grössere und kleinere Inseln. Zu den bekanntesten zählen die Isole di Brissago, die St.&#160;Petersinsel und die Ufenau.
Siehe auch: Liste von Schweizer Inseln
Klima
Klimadiagramm ZürichKlimadiagramm LocarnoKlimadiagramm St.&#160;MoritzNördlich der Alpen herrscht gemässigtes, meistens von ozeanischen Winden geprägtes, mitteleuropäisches Klima, südlich der Alpen ist es eher mediterran. Das Klima ist regional jedoch sehr unterschiedlich, bedingt durch die geographischen Elemente.
Grundsätzlich herrscht vom Jurabogen über Mittelland und Voralpen täglich ein ähnliches Wetter, während inneralpin und in der Südschweiz vollkommen anderes Wetter herrschen kann. Während in der Innerschweiz, in den Alpen und im Tessin die durchschnittliche Niederschlagsmenge bei ungefähr 2'000&#160;Millimeter/Jahr liegt, beträgt sie im trockensten Ort Ackersand im Mattertal nur 521&#160;Millimeter im Jahr. Im Mittelland beträgt die Menge etwa 1'000 bis 1'500&#160;Millimeter pro Jahr. Die Niederschlagsmenge ist im Sommer allgemein ungefähr doppelt so hoch wie im Winter. Primär abhängig von der Höhenlage fällt viel Niederschlag im Winter als Schnee, sodass in den Alpen und Voralpen eine monatelang geschlossene Schneedecke vorhanden ist. Vergleichsweise selten schneit es in den Regionen um Genf und Basel sowie dem Südtessin, hier kann es auch Winter ohne Schneedecke geben.
Die Temperaturen in der Schweiz sind primär abhängig von der Höhenlage. Zudem sind sie in der Tendenz im Westen statistisch leicht höher als im Osten (ca. 1&#160;°C). Generell liegt in den Niederungen die Durchschnittstemperatur im Januar bei rund −1 bis +1&#160;°C. Im wärmsten Monat, dem Juli, liegt sie bei 16 bis 19&#160;°C. Die Jahresmitteltemperaturen betragen ungefähr 7 bis 9&#160;°C. Der durchschnittlich wärmste Ort (mit einer Messstation von MeteoSchweiz) ist Grono mit einem Jahresmittel von 11,7&#160;°C, der kälteste auf dem Jungfraujoch mit −7,9&#160;°C. Absolute Rekorde wurden in Grono mit 41,5&#160;°C am 11.&#160;August 2003 gemessen, beziehungsweise in La Brévine mit −41,8&#160;°C (12.&#160;Januar 1987).[34] Verglichen mit der Höhenlage von Vergleichsorten im Mittelland sind die Temperaturen im Rhonetal, im Rheintal und in der Region Basel durchschnittlich ein bis zwei Grad Celsius wärmer, in der Magadinoebene im Tessin zwei bis drei Grad. Obwohl klimatisch zur Südschweiz zählend, sind die Temperaturen im Engadin um durchschnittlich zehn Grad Celsius kälter. Dies liegt daran, dass das Engadin ein alpines Hochtal ist. Ähnliches gilt für die Seitentäler und das Goms im Wallis.[35][36]
Während Hagel in den Alpen, in der Romandie wie auch im Tessin ein eher seltenes Ereignis ist, war dessen Intensität in der Periode von 1999 bis 2002 vor allem im Emmental, im Laufental wie auch im Toggenburg am höchsten. Es hagelte dort bis zu 60&#160;Minuten im Jahresdurchschnitt. In den anderen Regionen beschränkt sich Hagel auf unter 30&#160;Minuten.
Nebel ist im ganzen Mittelland zu beobachten, die Alpengebiete sind seltener betroffen. Besonders häufig ist der Nebel entlang der Aare, der nördlichen Reuss und im Thurgau, wo er vor allem im Herbst, aber auch im Winter und Frühfrühling über mehrere Wochen auftreten kann. Mit Ausnahme von Hochnebel ist Nebel im Jurabogen und in der Region Basel ein vergleichsweise seltenes Phänomen. Häufig auftretende Winde in der Schweiz sind der milde Föhn beidseits des Alpenkamms und die kalte Bise, von der die Südschweiz oft verschont wird. Die höchste je gemessene Windgeschwindigkeit ist 285 Kilometer pro Stunde (Jungfraujoch, 27.&#160;Februar 1990).
Das Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie (MeteoSchweiz) ist der staatliche Wetterdienst der Schweiz. Weitere bekannte private Wetterdienste sind: SRF Meteo, Meteomedia und MeteoNews. In Davos ist das Institut für Schnee- und Lawinenforschung beheimatet.
Natur
In der Schweiz leben schätzungsweise 40'000 Tierarten, davon sind ca. 30'000 Insekten und nur ca. 83 Säugetierarten. Mindestens 40&#160;Prozent der Tierarten sind gefährdet, besonders Amphibien und Reptilien.[37]
Das Jedermannsrecht gestattet in der Schweiz allen Menschen, sich unter bestimmten Einschränkungen frei in der Natur zu bewegen. Auch das Sammeln von Beeren und Pilzen ist mit Einschränkungen gestattet. In einigen Kantonen darf an bestimmten Gewässern im Rahmen des Freiangelrechts unter gewissen Voraussetzungen ohne Bewilligung gefischt werden, ansonsten ist ein Patent nötig. Die Jagd ist in den nördlichen Kantonen als Revierjagd organisiert, in den meisten übrigen Kantonen als Patentjagd; siehe auch Jagdrecht (Schweiz).
Flora und Vegetation
Die Vegetation im Schweizerischen Nationalpark in Zernez (GR)
Ein Drittel der Landoberfläche der Schweiz ist bewaldet.[38] In den Alpen dominieren Nadelhölzer (Tannen, Fichten, Lärchen und Arven). Die Wälder in den Alpen haben wichtige Funktionen als Lawinen-Bannwald und Hochwasserschutz (der Wald fängt die Regenmenge auf und gibt sie nur langsam wieder ab). Im Mittelland, im Jura und auf der Alpensüdseite unterhalb von 1’000&#160;Metern wachsen Laubmischwälder und Laubwälder. Besonders bekannte Waldgebiete in der Schweiz sind der Aletschwald, der Sihlwald und der Pfynwald sowie die alpinen Urwälder Bödmerenwald (unberührter Kernbereich ca. 150&#160;ha), der Tannenurwald von Lac de Derborence (22&#160;ha) und der Fichtenwald Scatlè[39][40] bei Brigels im Kanton Graubünden (9&#160;ha).[41] Im Tessin gibt es als regionale Besonderheit ausgedehnte Kastanienwälder, die in früheren Zeiten eine Hauptrolle in der Ernährung der Bevölkerung spielten. Ausserdem gedeihen im Süden des Tessins, zum Beispiel am Ufer des Lago Maggiore, einige Palmen (beispielsweise Zwerg- oder Hanfpalmen) als Zierpflanzen in Parks und Gärten sowie an Strassenrändern.[42]
Mehr als ein Drittel der Fläche dient der Landwirtschaft.[18]
Siehe auch: Liste von Gehölzen in der Schweiz
Fauna
In der Schweiz leben circa 83 Säugetierarten[43] in der freien Wildbahn, davon ist der grösste Teil den Fledermäusen und anderen Kleinsäugern zuzuordnen. Alle grossen Raubtiere sind in den letzten hundert Jahren aus der Schweiz verschwunden. Die Wichtigkeit von Räubern in einem gesunden Ökosystem wurde erkannt, und Luchs, Wolf und Bär wurden unter Schutz gestellt. Der Luchs[44] wurde wieder in die Schweiz eingeführt. Der Wolf[45] ist selbständig von Italien und Frankreich her eingewandert. Im Südosten Graubündens sind seit 2005 zudem vereinzelt von Italien herkommende Braunbären, die seit 1910 durch die Jagd verschwunden waren,[46] auf Schweizer Territorium anzutreffen, ohne dass sich jedoch bis anhin eine Population bilden konnte. Am häufigsten zu beobachten ist der Rotfuchs. Er fühlt sich auch in den Schweizer Städten sehr wohl. Dachse bewohnen oft mit Füchsen zusammen dieselbe Wohnhöhle, weshalb sie stark unter der Verfolgung des Fuchses litten. Als weitere Baubewohner gibt es in einigen Alpenregionen Murmeltiere. Neben dem Luchs gibt es in der Schweiz noch vereinzelte Populationen von Wildkatzen im Jura. Fischotter sind seit 1990 aus der Schweiz verschwunden, letzte Spuren fanden sich 1989 am Neuenburgersee.[47] Hauptgrund ist wohl der Zustand der Gewässer und die dadurch reduzierten Fischbestände. Oft in Siedlungen anzutreffen ist der Steinmarder. Sein Verwandter, der Baummarder, ist eher selten und hält Abstand zu Menschen.
Bei den Huftieren sind ebenfalls verschiedene Arten aus der Schweiz verschwunden, so zum Beispiel der Wisent und der Elch. Einige ausgerottete Arten wie der Alpensteinbock wurden mittlerweile wieder angesiedelt; er bevölkert das Hochgebirge der Alpen. Im Unterwallis gibt es zwei Kolonien von Europäischen Mufflons, die aus Frankreich eingewandert sind. Die Gämse ist in den höher gelegenen Regionen der Alpen sowie des Juras sehr häufig. Grösste Hirschart ist momentan der Rothirsch. Kleinste einheimische Hirschart ist das Reh. Das Reh ist auch die häufigste Hirschart und besiedelt Mittelland und Jura. Im zürcherisch-schaffhausischen Grenzgebiet beim Rafzerfeld kommt der Sikahirsch vor. In den Wirren des Zweiten Weltkrieges entkamen einige Tiere aus süddeutschen Gehegen und besiedelten von dort aus die Schweiz. Ebenfalls recht häufig in einigen Gebieten der Nordschweiz ist das Wildschwein. Von den Nagetieren wurde der Biber wieder eingeführt.
In der Schweiz leben zahlreiche Vogelarten.[48] Die Schweizer Seen und Flüsse sind wichtige Rast- und Überwinterungsgebiete für Wasservögel. So überwintern jährlich mehrere Tausend Reiher-, Tafel- und Kolbenenten sowie Blesshühner, Gänsesäger und Haubentaucher in der Schweiz. Von den Greifvögeln sind vor allem der Turmfalke und der Mäusebussard sehr häufig. Aber auch Rot- und Schwarzmilane kommen regelmässig vor. Der Steinadler besiedelt erneut den gesamten Alpenraum. Auch die Bestände von Habicht und Sperber haben sich erholt und sind stabil. Der ausgerottete Bartgeier wurde im Schweizerischen Nationalpark ausgesetzt; 2007 brüteten drei Paare erstmals in der Schweiz.
Von den Raufusshühnern besiedeln Haselhuhn, Alpenschneehuhn, Birkhuhn und Auerhuhn die Schweizer Alpen sowie zum Teil den Jurabogen. Die Bestände des Auerhuhns sind jedoch aufgrund des Alpentourismus sowie der Intensivierung der Forstwirtschaft stark gefährdet. So ist das Auerhuhn bereits aus vielen Gebieten der Voralpen und des nördlichen Juras verschwunden. Naturschutzorganisationen bemühen sich jedoch intensiv um die Erhaltung der Art. Das Steinhuhn besiedelt die Gebiete im Bereich der Waldgrenze. Stark vom Aussterben bedroht sind das Rebhuhn, der Wachtelkönig sowie der Grosse Brachvogel.
In der Schweiz leben Eulenarten wie der Waldkauz, die Waldohreule, der Uhu, der Sperlingskauz sowie Raufusskauz und Schleiereule. In den alten Bergwäldern leben viele Spechtarten. Singvögel sind in der Schweiz zahlreich vertreten. Durch die Ausdehnung des Siedlungsraumes, der Intensivierung der Landwirtschaft auch in immer höheren Bergregionen sowie den Wintertourismus sind viele Vogelarten in der Schweiz gefährdet.
An Reptilien[49] sind vor allem viele Schlangenarten zu nennen, die sich in den sonnigen Südtälern der Alpen wohl fühlen, wie die Aspisviper. In den Hochlagen der Alpen und des Juras lebt zudem die Kreuzotter. Weitaus häufiger und weiter verbreitet sind jedoch ungiftige Schlangen wie die Ringelnatter und die Würfelnatter. Stark verbreitet sind verschiedene Eidechsenarten. Als einzige Schildkrötenart ist in der Schweiz die Europäische Sumpfschildkröte anzutreffen.
Amphibien[50] sind in der Schweiz weit verbreitet. Häufig sind etwa der Grasfrosch, die Erdkröte und der Bergmolch. Deutlich seltener sind hingegen der Laubfrosch, die Geburtshelferkröte und der Alpen-Kammmolch. Das typischste Wirbeltier der Schweiz ist der Alpensalamander&#160;– dessen grösste Populationen und das Zentrum seiner Verbreitung sind die Schweizer Alpen.[51]
2011 waren in den Schweizer Gewässern 65 Fischarten und Unterarten[52] [53] heimisch, davon eine weltweit einmalige Vielfalt an Felchen. [54]
Naturschutz
Schweizerischer Nationalpark mit rätoromanischer Hinweistafel
Ziel des Naturschutzes in der Schweiz ist es, «das heimatliche Landschafts- und Ortsbild, die geschichtlichen Stätten sowie die Natur- und Kulturdenkmäler des Landes zu schonen, zu schützen sowie ihre Erhaltung und Pflege zu fördern».[55] Der Naturschutz ist rechtlich im Bundesgesetz über den Natur- und Heimatschutz (NHG) geregelt. Teilregelungen existieren zudem in der Wald- und Landwirtschaftsgesetzgebung von Bund und Kantonen. Private Organisationen des einheimischen Naturschutzes sind etwa Pro Natura, welche vertraglich über 600 Naturschutzgebiete in der Schweiz mit einer Gesamtfläche von fast 600 km² sichert[56] oder der Schweizer Vogelschutz.[57]
Wichtige Gegenstände des Naturschutzes sind Landschaften, Pflanzen und Tiere. Zu den wichtigsten Institutionen geschützter Gebiete und Objekte gehören derzeit unter anderem der Schweizer Nationalpark, zwei Biosphärenreservate und 165 geschützte Landschaften.[58]
Seit 1987 sind Moore und Hochmoore durch die Bundesverfassung streng geschützt.[59] Das Bundesinventar der Flachmoore von nationaler Bedeutung verzeichnete 2007 1'163 schutzwürdige Moore mit rund 20'000&#160;Hektaren Gesamtfläche und das Bundesinventar der Hochmoore von nationaler Bedeutung umfasst 549 Moore mit einer Gesamtfläche von rund 1'500&#160;Hektaren. Dies entspricht etwa 0,04&#160;% der Landesfläche.[60][61]
Siehe auch: Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung&#160;und Park von nationaler Bedeutung
Zoologische Gärten
Verschiedene Zoos und Tierpärke zeigen den Besuchern einheimische wie auch exotische Tiere. Zu den bekanntesten zoologischen Gärten in der Schweiz gehören der Zoo Basel, der Zoo Zürich mit seiner Masoala-Halle, Knies Kinderzoo sowie der Berner Bärengraben.[62]
Siehe auch: Liste zoologischer Gärten und Aquarien in Europa (Abschnitt Schweiz)
Bevölkerung
Städte und Gemeinden
→ Hauptartikel: Gemeinde (Schweiz), Politische Gemeinde&#160;und Liste der Städte in der Schweiz
Die kleinste politische Einheit bilden die Gemeinden. So zählen auch Städte als Gemeinden.[63] Per 1.&#160;Januar 2015 existierten 2'324 politische Gemeinden.[11] Die Zahl hat in den letzten Jahren durch Gemeindefusionen stark abgenommen.
Die grösste Stadt der Schweiz ist Zürich mit 384'786 Einwohnern (31.&#160;Dezember 2013), die kleinste Gemeinde ist Corippo mit 12 Einwohnern (31.&#160;Dezember 2013). In der Agglomeration Zürich leben rund 1'217'800 Menschen.[64] Weitere Grossstädte sind Genf mit 191'557 (31.&#160;Dezember 2013), Basel mit 174'491 (28.&#160;Februar 2015), Lausanne mit 132'626 (31.&#160;Dezember 2013), die Bundesstadt Bern mit 128'848 (31.&#160;Dezember 2013) sowie Winterthur mit 105'676 (31.&#160;Dezember 2013). Die grössten Städte mit weniger als 100'000 Einwohnern sind Luzern (81'057), St.&#160;Gallen (74'581), Lugano (62'792) und Biel/Bienne (53'031) (alle per 31.&#160;Dezember 2013).
Die flächenmässig grösste politische Gemeinde ist seit dem 1.&#160;Januar 2015 die durch Fusion entstandene Gemeinde Scuol (Kanton Graubünden) mit 438&#160;Quadratkilometern; zuvor war die flächenmässig grösste Gemeinde die ebenfalls durch Fusion entstandene Gemeinde Glarus Süd (Kanton Glarus) mit 430&#160;Quadratkilometern.[65] Die beiden nach Fläche kleinste Gemeinden sind Kaiserstuhl (Kanton Aargau) und Rivaz (Kanton Waadt) mit je 0,32&#160;Quadratkilometern.[66]
Siehe auch: Liste deutscher Bezeichnungen von Schweizer Orten, Liste französischer Bezeichnungen von Schweizer Orten und Liste rätoromanischer Bezeichnungen von Schweizer Orten
Der Schweizer Pass (2010)
Schweizer Bürgerrecht
→ Hauptartikel: Schweizer Bürgerrecht&#160;und Schweizer
Das Schweizer Bürgerrecht ist die gebräuchliche Bezeichnung für die schweizerische Staatsbürgerschaft. Es kann gemäss Art.&#160;37 Abs.&#160;1Vorlage:Art./Wartung/ch-Suche der Bundesverfassung nicht ohne gleichzeitigen Erwerb des Bürgerrechts einer Gemeinde und des Bürgerrechts des Kantons erworben werden. Gemeinde- und Kantonsbürgerrecht vermitteln das Schweizer Bürgerrecht.
Die Gemeinde, deren (Gemeinde-) Bürgerrecht ein Schweizer besitzt, wird Bürgerort (auch Heimatort) genannt.[67]
Der Schweizer Pass und die Identitätskarte dienen dem Nachweis der Staatsbürgerschaft der Schweizerischen Eidgenossenschaft.[68]
Das Staatsangehörigkeitsrecht der Schweiz ist im internationalen Vergleich restriktiv und in den Kantonen bestehen jeweils unterschiedliche Regelungen. Es erhalten&#160;– anders als etwa im Vereinigten Königreich oder in Frankreich&#160;– Kinder von im Land lebenden Ausländern nicht automatisch die Staatsbürgerschaft.[69][70]
Schweizer, die im Ausland leben, werden Auslandschweizer und darüber hinaus als Fünfte Schweiz bezeichnet.[71] Dieser Ausdruck erklärt sich aus den vier Sprachregionen der Schweiz.
Demographie
Bevölkerungsentwicklung[72][73]
Ausländeranteil (2015)
Bevölkerungsdichte (2015)
Beispiel eines Ausländerausweises: fliederfarben&#160;– «L» für Kurzaufenthalter mit bis zu einjährigem Aufenthalt
→ Hauptartikel: Demografie der Schweiz
Seit Beginn des 20.&#160;Jahrhunderts hat sich die Einwohnerzahl mehr als verdoppelt: von 3,3 Millionen (1900) auf 8,3 Millionen[6] (2015). Das Bevölkerungswachstum flachte damit gegenüber 2008 leicht auf 1,1&#160;Prozent ab.[74] Die Bevölkerungszunahme erreichte ihren Höhepunkt zwischen 1950 und 1970. Zu Bevölkerungsrückgängen kam es einzig 1918 als Folge der Spanischen Grippe und in den wirtschaftlichen Rezessionsjahren 1975–1977. Während 2012 insgesamt 148'799 Menschen in die Schweiz einwanderten, verliessen 96'494 das Land.[75]
Das Wachstum der Bevölkerung mit Schweizer Pass ist seit 1981 langsamer und konstanter als jenes der Gesamtbevölkerung verlaufen. Die Entwicklung der ausländischen Wohnbevölkerung erfolgte etwas rascher, aber über die Jahre unregelmässiger&#160;– mit relativ hohen jährlichen Zuwachsraten zwischen 1988 und 1993 von jeweils ungefähr 3&#160;Prozent.
Während die allgemeine Geburtenziffer 1963 noch bei 2,67 lag, nahm sie danach stetig bis auf einen Wert von 1,38 im Jahre 2001 ab. Seither gab es wieder eine moderate Zunahme auf 1,46 im Jahr 2007.[76] Damit ergab sich auch erstmals seit zehn Jahren wieder ein Geburtenüberschuss von Schweizer Staatsangehörigen (+400).[77] 2014 lag die Geburtenziffer bei 1,51 Kindern pro Frau.[78]
Die Lebenserwartung betrug im Jahr 2013 gemäss Bundesamt für Statistik 84,8&#160;Jahre für Frauen und 80,5 für Männer.[79]
Die Bevölkerungsdichte ist im flachen Mittelland mit ca. 450&#160;Personen pro Quadratkilometer auf 30&#160;Prozent des Staatsgebiets sehr hoch,[80] im Alpenland und im Jura naturgemäss dünn. Im Kanton Graubünden, im Alpengebiet gelegen, beträgt die Einwohnerdichte nur einen Bruchteil davon (ca. 27&#160;Personen pro Quadratkilometer).
Siehe auch: Geographie der Schweiz (Abschnitt Wohnbevölkerung)
Ausländer, Migrationsstatus, Asyl
In der Schweiz wird zwischen Ausländern (Bevölkerung ohne Schweizer Bürgerrecht) und der Bevölkerung mit Migrationshintergrund (Bevölkerung mit Schweizer Bürgerrecht sowie ausländischen Wurzeln) unterschieden. Der Begriff Secondo ist die in der Schweiz gebräuchliche Bezeichnung für Ausländer der zweiten Generation.AusländerAusländer sind Personen ohne Schweizer Bürgerrecht (offizielle Bezeichnung für die Staatsangehörigkeit der Schweiz). Die Schweiz verzeichnete am 30.&#160;Juni 2015 mit rund 2'025'600 Einwohnern ohne Schweizer Bürgerrecht einen Ausländeranteil von 24&#160;Prozent.[6][9] Jeder Ausländer erhält einen Ausländerausweis. Seit Beginn des 19. Jahrhunderts war der Ausländeranteil an der schweizerischen Gesamtbevölkerung höher als in andern europäischen Ländern. Gründe dafür sind u.&#160;a. die vielen Grenzregionen, die zentrale Lage in Europa und die geringe Grösse des Landes.[81]
Während der durchschnittliche Anteil an Ausländern im gesamten Land bei 24&#160;Prozent liegt, haben einige Gemeinden einen weit überdurchschnittlich hohen Anteil. Hierzu gehören beispielsweise Lausanne (42&#160;%), Genf, Täsch (je 49&#160;%) Spreitenbach, Pregny-Chambésy (je 52&#160;%), Kreuzlingen (53&#160;%), Paradiso (54&#160;%), Randogne (60&#160;%) und Leysin (61&#160;%).[82][83][84][85][83][86][87]Bevölkerung mit MigrationshintergrundZur Bevölkerung mit Migrationshintergrund zählen Personen, die in die Schweiz als Migranten eingewandert sind; deren unmittelbare (direkte) Nachkommen in der Schweiz geboren wurden; deren Eltern im Ausland geboren wurden. Für die Definition einer Person mit Migrationshintergrund ist die Staatsangehörigkeit unerheblich. Das Bundesamt für Statistik (BFS) hat bei der Wohnbevölkerung ab 15&#160;Jahren in der ganzen Schweiz per Ende 2013 einen Anteil an Personen mit Migrationshintergrund von 34,8&#160;Prozent (2'374'000&#160;Einwohner) ermittelt.[10]AsylDie Schweiz geht den völkerrechtlichen Verpflichtungen gemäss Genfer Flüchtlingskonvention nach. Rechtsgrundlage ist das Asylgesetz (AsylG). Zuständige Bundesbehörde ist das Staatssekretariat für Migration (SEM). 2014 beantragten 23'765&#160;Menschen in der Schweiz Asyl.[88] Von den asylsuchenden Nationalitäten stammte die Mehrheit vornehmlich aus Eritrea, gefolgt von Syrien und Sri Lanka. Asylbewerber und Flüchtlinge erhalten, wie alle anderen Ausländer, einen Ausländerausweis: Den Ausweis «N» erhalten Asylsuchende, «F» vorläufig aufgenommene Ausländer und «S» erhalten Schutzbedürftige.
Auswanderung
Für junge Männer war der Eintritt als Söldner in fremde Kriegsdienste bis in das erste Drittel des 19. Jahrhunderts die häufigste Form der Auswanderung. Ab dem 14. Jahrhundert standen die sogenannten Reisläufer im Dienst des Kaisers, der französischen Könige und von italienischen Städten wie z.&#160;B. Mailand.[89]
Hunger und Armut nach dem Dreissigjährigen Krieg führten zu Ausreisewellen nach Ostpreussen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts führte die kriegsbedingte (→&#160;Napoleonische Kriege) allgemeine Verarmung zu Auswanderungen nach Russland, während in den Hungerjahren 1816–1817 besonders Lateinamerika das Ziel war. Die Landwirtschaftskrisen der 1840er-, 1870er- und 1880er-Jahren, sowie Umstrukturierungsproblemen während der Industrialisierung führten zu Massenauswanderungen in noch nie gekannten Dimensionen nach Übersee, besonders nach Nordamerika und Südamerika. Am Ende des 19. Jahrhunderts war Nordamerika für fast 90&#160;Prozent der Emigranten das Ziel. Zwischen 1851 und 1860 wanderten rund 50'000 Personen nach Übersee aus, in den 1860er- und 1870er-Jahren je 35'000 und zwischen 1881 und 1890 über 90'000. Bis 1930 stabilisierte sich die Zahl der Auswanderer pro Jahrzehnt zwischen 40'000 und 50'000. In einigen Kantonen wurden Arme von den Behörden im grossen Stil zur Auswanderung gedrängt.
Die Auswanderer gründeten in der neuen Welt Kolonien, so entstanden 1803 Nouvelle Vevay in Indiana (heute New Vevay), 1831 New Switzerland in Illinois und 1845 New Glarus in Wisconsin.[90] Der wohl bekannteste Auswanderer war Johann August Sutter. Der als General Sutter bekanntgewordene kalifornische Ländereienbesitzer gründete die Privatkolonie Neu-Helvetien. Auf seinem Land brach 1848 der kalifornische Goldrausch aus.[91]
Gemäss empirischen Daten war die Wanderungsbilanz für das Gebiet der heutigen Schweiz von der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts bis zum Ende des 19. Jahrhunderts stets negativ.[92]
Siehe auch: Liste von Amerikaschweizern
Einwanderung
Heute ist die Schweiz&#160;– wie fast alle wohlhabenden westlichen Staaten der Welt&#160;– ein Einwanderungsland.[93] Zur Zeit der Industrialisierung gab es eine grosse Binnenwanderung[94] vor allem aus den Alpen. Seit dem grossen Wirtschaftswachstum in den 1960er-Jahren wurden Gastarbeiter gezielt angeworben, später erreichten die Schweiz immer wieder Flüchtlingsströme, etwa aus dem ehemaligen Jugoslawien während der Jugoslawienkriege. Aus der Türkei kamen viele Wirtschaftsflüchtlinge nach Westeuropa und damit auch in die Schweiz. In den letzten Jahren verstärkte sich auch die Zuwanderung aus Deutschland in die Schweiz, da hier die Chancen auf einen Arbeitsplatz als grösser empfunden werden.
2013 bildeten die italienischen Staatsbürger mit 15,4&#160;Prozent die grösste Ausländergruppe, gefolgt von den deutschen (15,1&#160;Prozent), portugiesischen (13,1), französischen (5,7), serbischen (4,7), kosovarischen (4,5), spanischen (3,9), türkischen (3,6), mazedonischen (3,2) und britischen (2,1&#160;Prozent) Staatsbürgern. Aus dem übrigen Europa stammen 13,7&#160;Prozent, aus Asien 6,4, aus Afrika 4,3, aus Amerika 4,0 und 0,3&#160;Prozent aus den übrigen Gebieten.[11]
Siehe auch: Liste von Migrationsgruppen in der Schweiz
Sprachen
Sprachgebiete der Schweiz&#160;– Mehrheitsverhältnis nach der BFS-Erhebung 2010; Karte mit einem Gemeindebestand per 1.&#160;Januar 2015Deutsch
(65,6&#160;% der Bevölkerung; 73,3&#160;% der Schweizer)
Französisch
(22,8&#160;% der Bevölkerung; 23,4&#160;% der Schweizer)
Italienisch
(8,4&#160;% der Bevölkerung; 6,1&#160;% der Schweizer)
Rätoromanisch
(0,6&#160;% der Bevölkerung; 0,7&#160;% der Schweizer)
→ Hauptartikel: Sprachen in der Schweiz
Der Art.&#160;4Vorlage:Art./Wartung/ch-Suche der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV) hält seit 1999 fest:«Die Landessprachen sind Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch.»Im Art.&#160;70 Abs.&#160;1 BVVorlage:Art./Wartung/ch-Suche heisst es zudem:«Die Amtssprachen des Bundes sind Deutsch, Französisch und Italienisch. Im Verkehr mit Personen rätoromanischer Sprache ist auch das Rätoromanische Amtssprache des Bundes.»Die Sprecher des Jenischen und des Jiddischen werden seit 1997 von der Schweiz im Rahmen der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen als nationale nicht territoriale «Minderheitsgemeinschaften» betrachtet, ihre Sprachen damit jedoch nicht als nationale Minderheitssprachen anerkannt.[95]
Die Bundesverfassung legt die Sprachgebiete der Schweiz nicht fest. Art.&#160;70 Abs.&#160;2 BVVorlage:Art./Wartung/ch-Suche weist den Kantonen die Kompetenz zu, ihre Amtssprachen zu bestimmen. Dabei müssen sie jedoch sprachliche Minderheiten und die herkömmliche Zusammensetzung der Sprachgebiete beachten. Wer aus einem anderssprachigen Landesteil zuzieht, hat kein Recht darauf, in seiner angestammten Sprache mit den neuen Kantons- und Gemeindebehörden zu verkehren (Territorialitätsprinzip). Unter den mehrsprachigen Kantonen haben nur Bern und Wallis die Sprachgebiete räumlich festgelegt; der mehrsprachige Kanton Freiburg weist die Regelung der Amtssprache den Gemeinden zu. Offiziell per Kantonsverfassung zweisprachig sind die Gemeinden Biel/Bienne, Evilard/Leubringen und Freiburg/Fribourg an der Nahtstelle zwischen Französisch und Deutsch. Auch einige weitere Gemeinden wie die sieben des Schulkreises Murten/Morat sowie solche in der Umgebung von Biel bieten ebenfalls zweisprachige Dienstleistungen und Schulen in beiden Kantonssprachen an, um der französischsprachigen Minderheit entgegenzukommen.[96]
Im Kanton Graubünden gelten gemäss Art.&#160;16 des Bündner Gemeindegesetzes von 2006 Gemeinden als amtlich einsprachig, wenn mindestens 40&#160;Prozent der Einwohner die angestammte Sprache sprechen, und als zweisprachig, wenn mindestens 20&#160;Prozent die angestammte Sprache sprechen. Faktisch kann das bedeuten, dass Romanisch dort zwar die Verwaltungs- und Schulsprache, jedoch Schweizerdeutsch die Verkehrssprache ist. Der Kanton Tessin definiert sich als ganz zum italienischen Sprachgebiet und der Kanton Jura als ganz zum französischen Sprachgebiet zugehörig, obwohl je eine Gemeinde eine deutschsprachige Mehrheit aufweist.
Gemäss einer Erhebung der Bundesbehörden aus dem Jahr 2013 ist Deutsch (rot) mit einem Anteil von 64,9&#160;Prozent an der Gesamtbevölkerung die meistverbreitete Sprache.[11] Im deutschsprachigen Teil der Schweiz werden schweizerdeutsche Dialekte gesprochen, während Geschriebenes in der Regel in Schweizer Hochdeutsch verfasst wird. Dies ist die Bezeichnung für die in der Schweiz gebräuchliche deutsche Schriftsprache. Es handelt sich um die schweizerische Varietät des Standarddeutschen (Hochdeutsch) und unterscheidet sich von diesem in Wortschatz, Wortbildung, Morphologie, Syntax, Orthographie (z.&#160;B. kein «ß») und Aussprache. Diese Besonderheiten werden Helvetismen genannt.[97]
Französisch (violett) wird von 22,6&#160;Prozent der Gesamtbevölkerung gesprochen.[11] Dieser Teil des Landes wird häufig als Romandie, Suisse romande oder Welschland bezeichnet.
Italienisch wird im Kanton Tessin und vier Südtälern des Kantons Graubünden (Grigioni italiano) (grün) gesprochen. Dies gilt für 8,3&#160;Prozent der Gesamtbevölkerung in der Schweiz.[11]
Die vierte Landessprache, Rätoromanisch (gelb), hat einen Anteil von 0,5&#160;Prozent der Gesamtbevölkerung[11] und wird in Graubünden gesprochen, wobei praktisch alle Rätoromanischsprachigen die deutsche Sprache beherrschen. Das Rätoromanisch ist seit dem 19.&#160;Jahrhundert stark gefährdet und wird trotz Fördermassnahmen zunehmend vom Deutschen verdrängt. Seit 1860 haben 51 Gemeinden in Graubünden vom romanischen ins deutsche Sprachgebiet gewechselt. 1938 nahm das stimmberechtigte Volk eine Verfassungsänderung an, wonach das Rätoromanische zur Amtssprache auf Bundesebene erhoben wurde.[98]
Die Zahl der Fahrenden, unter denen die Jenischen neben einer geringeren Anzahl von Sinti und Roma die weit überwiegende Mehrheit bilden, wird bei Volkszählungen nicht erhoben, aber in offiziellen Schätzungen auf 20'000 bis 35'000 angesetzt. Das entspräche einem Anteil von annähernd 0,5&#160;Prozent. Jenische leben in der ganzen Schweiz verstreut und sprechen neben ihrer internen Gruppensprache Jenisch meist eine der Landessprachen. Jiddisch (Westjiddisch) besitzt in der Schweiz eine alte Tradition in den Surbtaler Dörfern Endingen und Lengnau aufgrund der dortigen, heute nur noch marginal existierenden jüdischen Gemeinden. Eine jüngere Tradition hat Jiddisch (Ostjiddisch) in der Stadt Zürich, wo es teilweise in ultraorthodoxen Kreisen gesprochen wird.
Die Gebärdensprachen werden von rund 10'000 in der Schweiz lebenden Personen beherrscht, in der Schweiz wird die Deutschschweizer Gebärdensprache (DSGS), die Langue des signes Suisse romande (LSF-SR, westschweizer Gebärdensprache) und die Lingua dei segni della Svizzera italiana (LIS-SI, Tessiner Gebärdensprache) verwendet.
Durch Zuwanderung bedingt, sprechen mittlerweile 9&#160;Prozent der Einwohner andere Sprachen als die Landessprachen. Von diesen ist das Serbisch-Bosnisch-Kroatische mit 1,5&#160;Prozent am weitesten verbreitet.
Als Fremdsprachen lernen die Schweizer eine zweite Landessprache und Englisch. Es gibt Diskussionen darüber, ob Englisch gleichzeitig mit oder sogar vor der zweiten Landessprache unterrichtet werden soll. Aufgrund von Protesten aus der jeweils anderen Sprachregion und Grundsatzüberlegungen zum Zusammenhalt der Schweiz hat sich ein rein englischer Fremdsprachenunterricht bisher nirgendwo durchsetzen können.[99]
Siehe auch: Schweizerdeutsch, Schweizer Französisch und Schweizer Italienisch
Religionen
→ Hauptartikel: Religionen in der Schweiz
Konfessionsgebiete (2015)
Kloster Einsiedeln (SZ)
Von der Wohnbevölkerung waren Ende 2014 gemäss den Bundesbehörden 38,2&#160;Prozent römisch-katholisch, 26,9&#160;Prozent evangelisch-reformiert, 21,4&#160;Prozent waren konfessionslos, 4,9&#160;Prozent gehörten zu islamischen Gemeinschaften, 7,3&#160;Prozent gehörten zu anderen Religionsgemeinschaften und 1,3&#160;Prozent machten keine Angabe.[11]
Die Religionsfreiheit in der Schweiz ist als verfassungsmässiges Grundrecht verankert. Es ist den Kantonen überlassen, ob sie ausgewählten Religionsgemeinschaften einen besonderen Status als öffentlich-rechtliche Körperschaft[100] und damit als Landeskirche verleihen wollen. In den meisten Kantonen haben die römisch-katholische Kirche und die evangelisch-reformierte Kirche, in vielen Kantonen zusätzlich die christkatholische Kirche und in einigen die jüdischen Gemeinden diesen Status inne. Die christkatholische Kirche ist nur in Teilen der Nordwestschweiz von Bedeutung. In den Westschweizer Kantonen Genf und Neuenburg gibt es keine Landeskirchen, weil dort Kirche und Staat vollständig getrennt sind; sie sind dennoch als «Organisationen von öffentlichem Interesse» anerkannt. In Basel besteht die sogenannte «hinkende Trennung» von Kirche und Staat.
Mit 0,33&#160;Prozent ist der Buddhismus in der Schweiz stärker vertreten als in anderen Ländern Europas. Synagogen, Moscheen (→&#160;Liste von Moscheen in der Schweiz) und buddhistische Tempel existieren in mehreren Orten in der Schweiz.
Historisch gesehen waren die Einwohner der Kantone Zürich, Bern, Basel (ausser Bezirk Arlesheim), Schaffhausen, Appenzell&#160;Ausserrhoden und Waadt noch um 1850 praktisch ausschliesslich reformiert, diejenigen der Kantone Freiburg (ausser Bezirk Murten), Wallis, Jura, Solothurn (ausser Bezirk Bucheggberg), Luzern, Ob- und Nidwalden, Uri, Schwyz, Zug, Appenzell&#160;Innerrhoden und Tessin fast nur katholischen Glaubens. Konfessionell gemischt waren hingegen die Kantone Glarus, Aargau, St.&#160;Gallen, Graubünden und Genf. Die Verteilung der Konfessionen war das Resultat der Anwendung des Territorialprinzips bei der Wahl der Konfession nach den Religionskriegen des 16.&#160;Jahrhunderts; die konfessionell gemischten Kantone wiesen entweder junge Kantonsgrenzen auf (Aargau, St.&#160;Gallen, Genf) oder aber kannten eine althergebrachte gemeindeweise Festlegung (Glarus, Graubünden). Parität, das heisst gleichzeitiges Vorhandensein beider Konfessionen am selben Ort, war die Ausnahme; sie galt etwa im Toggenburg, in Teilen der vormaligen Untertanengebiete der Eidgenossenschaft (Thurgau, Echallens) und in einigen Gemeinden Graubündens und von Glarus.
Eine Volksabstimmung 1919 in Vorarlberg zu Verhandlungen mit der Schweiz über einen Beitritt zur Schweizerischen Eidgenossenschaft ergab zwar eine Zustimmung von gut 80 Prozent, weitere Verhandlungen scheiterten jedoch auch an den Reformierten in der Schweiz, die durch einen zusätzlichen Kanton mit Katholiken ihre damalige Mehrheit verloren hätten.[101]
Niklaus von Flüe gilt als Schutzpatron der Schweiz.
Geschichte
→ Hauptartikel: Geschichte der Schweiz
Vorgeschichte
Die Schweiz in römischer Zeit
Die Schweiz im Frühmittelalter
Das Gebiet der heutigen Schweiz ist seit der Altsteinzeit (Paläolithikum)[102] besiedelt. Spuren der Magdalénien-Kultur finden sich z.&#160;B. im Kesslerloch bei Thayngen. Erst nach der letzten Eiszeit, der sogenannten Würm-Kaltzeit, wurde das Schweizer Mittelland durch die Pfahlbauer [103] dichter besiedelt, besonders die Gebiete um die Seen (→&#160;Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen). Mit dem Beginn der Eisenzeit[104] setzte die keltische[105] Besiedlung des Mittellands ein. Funde bei La Tène im Kanton Neuenburg gaben der gesamten Periode der jüngeren Eisenzeit ihren Namen (→&#160;Latènekultur). Die Kelten pflegten Handelsbeziehungen bis in den griechischen Kulturraum. Vor der Eroberung durch die Römer lebten laut Aufzeichnungen des römischen Feldherrn und Politikers Julius Caesar in seiner Rechtfertigungsschrift für den Gallischen Krieg (→&#160;De bello Gallico) auf dem Gebiet der heutigen Schweiz verschiedene keltische Stämme und Völker: die Helvetier (Mittelland), die Lepontier (Tessin), die Seduner (Wallis, Genfersee) und die Raetier (Ostschweiz). Im Zuge der Ausdehnung des Römischen Reiches (→&#160;Die Schweiz in römischer Zeit)[106] über die Alpen wurde das Gebiet der heutigen Schweiz bis ins 1.&#160;Jahrhundert n.&#160;Chr. ins Römische Reich integriert und die Bevölkerung romanisiert. Die wichtigsten römischen Städte der Schweiz waren Aventicum (Avenches), Augusta Raurica, Vindonissa (Windisch), Colonia Iulia Equestris (Nyon) und Forum Claudii Vallensium (Martigny). In der Spätantike wurde die Schweiz, ausgehend von den städtischen Zentren, christianisiert. Frühe Bischofssitze waren Genf, Augusta Raurica/Basel, Martigny/Sitten, Avenches/Lausanne und Chur.
Nach dem Untergang des Römischen Reiches besiedelten die germanischen Stämme der Burgunder und Alamannen[107] von Norden her kommend das Mittelland und vermischten sich mit der romanisierten Bevölkerung. In den zur Römerzeit stärker besiedelten Gebieten der Westschweiz sowie in den Alpentälern hielten sich romanische Sprachen (später Französisch, Rätoromanisch und Italienisch) und das Christentum, während sich in der Nordschweiz germanische Idiome verbreiteten. Bis 746 unterwarfen die Franken die Burgunder und Alemannen, womit die Schweiz Teil des Fränkischen Reiches[108] wurde. Bei der Teilung dieses Reiches kam das Gebiet der Schweiz zum Ostfrankenreich, dem späteren Heiligen Römischen Reich. Ihr Gebiet gehörte dabei grösstenteils zum Stammesherzogtum Schwaben[109] und zum Königreich Burgund[110] . Bis ins 9.&#160;Jahrhundert wurden auch die Alamannen ausgehend von wichtigen klösterlichen Zentren wie St.&#160;Gallen und Reichenau christianisiert.
In der frühen Geschichte des römisch-deutschen Reichs spielten Adelsgeschlechter aus der Schweiz wie die Habsburger, Kyburger, Lenzburger und Rudolfinger eine wichtige Rolle. Ausserdem waren die Alpenpässe für die deutsche Herrschaft über Italien von grösster Wichtigkeit. So lässt sich erklären, weshalb die deutschen Herrscher immer ein ganz besonderes Augenmerk auf die Talschaften in den Alpen legten und sich bemühten, diese direkt zu beherrschen. Die Bewohner der Talschaften der Innerschweiz sahen diese «Reichsunmittelbarkeit» als Privileg.
Siehe auch: Helvetier, Die Schweiz in römischer Zeit und Die Schweiz im Mittelalter
Alte Eidgenossenschaft
Bundesbrief von 1291
Die territoriale Entwicklung der Alten Eidgenossenschaft bis 1797
Darstellung der Eidgenossenschaft auf dem Frontispitz der Topographia Helvetiae von Matthäus Merian, 1654
Die drei Urkantone oder Waldstätte (Orte) Uri, Schwyz und (bei allerdings unsicherer Lesart) Unterwalden schlossen 1291 nach dem Tod des deutschen Königs Rudolf I. von Habsburg einen Bund zum Schutz ihrer «alten Freiheiten»[111]. Eine diesbezügliche Urkunde, der sogenannte Bundesbrief, ist datiert auf Anfang August 1291. Der Legende nach geschah die Beschwörung dieses Bundes auf dem Rütli. Im 19.&#160;Jahrhundert wurde der 1.&#160;August 1291 als Datum für die «Gründung» der Alten Eidgenossenschaft und damit der 1.&#160;August als Schweizer Nationalfeiertag festgelegt.
Das schlechte Verhältnis zwischen den Eidgenossen und dem Herrscherhaus der Habsburger rührt von der deutschen Königswahl vom 25.&#160;November 1314 her, als der Wittelsbacher Ludwig der Bayer und der Habsburger Friedrich der Schöne gleichzeitig zum deutschen König gewählt wurden. Die Eidgenossen hielten zu Ludwig dem Bayer. Dies und ein Überfall auf das Kloster Einsiedeln bewog Leopold I. von Österreich 1315 zu einem Kriegszug gegen die Eidgenossen, der in der Schlacht am Morgarten unglücklich für ihn endete. Um ihre Selbständigkeit gegenüber Habsburg zu wahren, schlossen sich die Reichsstädte Luzern, Zürich, Glarus, Zug und Bern im 14.&#160;Jahrhundert dem Bund der Waldstätte an. Das resultierende Gebilde wird als die Acht Alten Orte bezeichnet. Die Schlacht am Morgarten ist heute unter Historikern umstritten.[112]
Es folgten weitere Auseinandersetzungen mit dem Haus Habsburg: 1386 bei Sempach (die Lombardei, die ihre wirtschaftlichen Interessen durch die Habsburger gefährdet sah, hatte die eidgenössische Bewaffnung finanziert) und 1388 bei Näfels gelang es den Eidgenossen, habsburgische Ritterheere zu schlagen. 1415 eroberten sie (auf Betreiben von Kaiser Sigismund) die habsburgischen Stammlande im Aargau. Zwischen der Stadt Zürich und den übrigen Eidgenossen kam es wegen der Erbschaft der Grafen von Toggenburg zum Alten Zürichkrieg (1436–1450), in dessen Verlauf sich Zürich mit Habsburg verbündete. In der Schlacht bei St.&#160;Jakob an der Birs wurden die Hilfstruppen der Armagnaken zwar nicht geschlagen, sie zogen sich jedoch angesichts der hohen Verluste wieder zurück. Zürich war schliesslich zur Rückkehr in die Eidgenossenschaft gezwungen. Ein weiterer Krieg brachte Habsburg 1460 um den Thurgau, sodass sich Herzog Sigismund von Tirol am 11.&#160;Juni 1474 in der «Ewigen Richtung» angesichts der Bedrohung durch Herzog Karl den Kühnen von Burgund gezwungen sah, die Alte Eidgenossenschaft als eigenständiges Staatswesen anzuerkennen. 1474 zogen die Eidgenossen auf Wunsch Kaiser Friedrichs III. gegen Karl den Kühnen und zerstörten in den Burgunderkriegen im Verbund mit Lothringen und Habsburg dessen Reich. Bern und Freiburg expandierten in dieser Zeit ins vormals savoyisch und burgundisch kontrollierte Waadtland, das sie bis 1536 ganz eroberten.
Der militärische Sieg über die Burgunder bestärkte die Eidgenossenschaft in ihrem Willen nach Selbständigkeit. Aus diesem Grund widersetzte sie sich der Reichsreform des deutschen Königs und späteren Kaisers Maximilian I. Der Versuch Maximilians, die Eidgenossen im Schwabenkrieg gefügig zu machen, endete 1499 im Frieden zu Basel.[113] Als konkrete Folge schlossen sich 1501 Basel und Schaffhausen dem Eidgenössischen Bund an, der sich zu den Dreizehn Alten Orten weiterentwickelte. Dazu kamen weitere Verbündete, die sogenannten Zugewandten Orte, insbesondere das Wallis und die Drei Bünde, aber auch Monarchien wie die Fürstabtei St.&#160;Gallen oder die Grafschaft Neuenburg. Die Siege in den Burgunderkriegen und im Schwabenkrieg und ihre moderne Infanterietaktik begründeten den Ruf der eidgenössischen Kämpfer und gaben dem Söldnerwesen enormen Auftrieb. Bis ins 19.&#160;Jahrhundert blieb dieses in den ländlichen Regionen der Innerschweiz ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.
Die Expansion der Eidgenossenschaft in Richtung Oberitalien erfolgte zur Sicherung der Alpenpässe. Dadurch wurde die Eidgenossenschaft in die komplizierten italienischen Kriege zwischen Habsburg, Frankreich, Venedig, dem Papst, Spanien und den verschiedenen italienischen Potentaten verwickelt. Aus jener Zeit stammt auch die Schweizergarde, die der Papst Julius II. 1506 gründete. Bis 1513 gelang den Eidgenossen die Eroberung des heutigen Tessins und schliesslich sogar von Mailand, über das sie die Schutzherrschaft ausübten. Nach der Niederlage gegen Frankreich in der Schlacht bei Marignano 1515 endete die militärische Dominanz über Oberitalien. Der politische Mythos der Unbesiegbarkeit der Schweizer war widerlegt, und es offenbarte sich die politische Zerstrittenheit der Orte untereinander. Dadurch wurde ab 1515 eine wirksame Aussenpolitik verhindert, und es begann die Phase des «Stillsitzens» (heute Neutralitätspolitik). Die Dreizehn Orte schlossen 1521 ein Soldbündnis mit Frankreich ab und erhielten dafür Pensionen, Zoll- und Handelsvergünstigungen und politischen Beistand bei inneren und äusseren Konflikten.
Die von Ulrich Zwingli 1519 eingeleitete Reformation in Zürich breitete sich im Mittelland aus und führte zu grossen Spannungen zwischen den verschiedenen Kantonen. Nach dem religiös begründeten Ersten und Zweiten Kappelerkrieg kam es 1531 im Zweiten Kappeler Landfrieden zum Kompromiss: Zürich, Bern, Basel, Schaffhausen und Teile von Graubünden blieben reformiert; die Urkantone, Luzern, Zug, Solothurn und Freiburg blieben katholisch. 1541 setzte Johannes Calvin in Genf die Reformation durch, das durch sein Wirken zum «reformierten Rom» wurde. Trotzdem kam es noch zweimal in den Villmergerkriegen von 1656 und 1712 zu militärischen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Konfessionsgruppen unter den Orten. Die Zwinglianer und Calvinisten vereinigten sich 1536 im Helvetischen Bekenntnis und begründeten damit die reformierte Kirche, die sich über England, Schottland und die Niederlande weltweit verbreitete.
Angesichts der Wirren und Verwüstungen des Dreissigjährigen Krieges beschloss die Eidgenossenschaft 1647 im Defensionale von Wil die «immerwährende bewaffnete Neutralität» und verhielt sich in den Kriegen des 17. und 18.&#160;Jahrhunderts weitgehend neutral. Am 24.&#160;Oktober 1648 erreichten die Schweizer Kantone im Westfälischen Frieden die Anerkennung ihrer Ausgliederung aus dem Heiligen Römischen Reich und wurden somit unabhängig. Die Auslegung des betreffenden Art.&#160;VI IPO bzw. §&#160;61 IPM war umstritten, wurde dann jedoch überwiegend als Anerkennung der völkerrechtlichen Souveränität interpretiert. Im Inneren verhinderte die religiöse Spaltung eine Reform des anachronistischen eidgenössischen Bündnisgeflechts. Besonders die städtischen Kantone konsolidierten im 17. und 18.&#160;Jahrhundert ihre Herrschaft im Inneren im absolutistischen Sinn und entwickelten sich wirtschaftlich teilweise so stark, dass von einer Proto-Industrialisierung gesprochen werden kann. Trotzdem blieb die Eidgenossenschaft als Ganzes hinter den Entwicklungen zurück und wurde in der zeitgenössischen Literatur als rückständig, ungeordnet und überkommen wahrgenommen. Damit kontrastiert die in der Aufklärung in Literatur und Malerei vorherrschende Darstellung der Schweiz als Alpenidyll, Arkadien oder als Ort urtümlicher Demokratie (Rousseau).
Siehe auch: Entstehung und Wachstum der Alten Eidgenossenschaft, Reformation und Gegenreformation in der Schweiz und Liste von Schweizer Schlachten
Helvetische Republik und Restauration
Die Helvetische Republik bis zum Anschluss Graubündens im April 1799
Folgen des Wiener Kongress für die Schweiz
Am 5.&#160;Mai 1798 wurde die Alte Eidgenossenschaft nach kurzer Gegenwehr von Frankreich besetzt und unter der Bezeichnung «Helvetische Republik» als Tochterrepublik seinem Einflussgebiet einverleibt. Die Helvetische Republik war das erste moderne Staatswesen auf Schweizer Gebiet und im Gegensatz zur Tradition als Einheitsstaat stark zentralistisch organisiert. Die bisherigen Unterschiede zwischen Untertanenlande und herrschenden Städten und Orten wurden aufgehoben. Rechtsgleichheit, Schaffung eines einheitlichen Wirtschafts- und Währungsraumes, Glaubens- und Gewissensfreiheit waren nur einige der fortschrittlichen Neuerungen, die damit Eingang in die Schweiz fanden. Als französischer Satellitenstaat wurde die Helvetische Republik jedoch in die Kriegsereignisse der Koalitionskriege hineingezogen und mehrfach Kriegsschauplatz. Nach mehreren Staatsstreichen und der Niederschlagung eines bewaffneten Aufstands verordnete Napoleon Bonaparte 1803 in der Mediationsakte der Schweiz wieder eine föderalistische Verfassung mit autonomen Kantonen. Als Staatsname wurde die Bezeichnung «Schweizerische Eidgenossenschaft» festgelegt. Die ehemaligen Untertanengebiete und die Zugewandten Orte wurden in die neuen Kantone St.&#160;Gallen, Graubünden, Aargau, Thurgau, Tessin und die Waadt umgewandelt.
1815 wurden die inneren und äusseren Grenzen der Schweiz im Wiener Kongress international anerkannt.[114] Zu den 19 Kantonen der Mediationszeit kamen nun noch Neuenburg, Wallis und Genf hinzu, der Kanton Bern erhielt das Gebiet des Fürstbistums Basel. Im Zweiten Pariser Frieden vom 20. November 1815 verordneten die Grossmächte der Schweiz die «immerwährende bewaffnete Neutralität», um ihr Gebiet dem Einfluss Frankreichs zu entziehen. Die Schweiz wurde durch den «Bundesvertrag» wieder zu einem Staatenbund, sodass während der folgenden Epoche der Restauration die Eigenständigkeit der Kantone gegenüber der napoleonischen Zeit wieder grösser war. Der Kanton Jura entstand erst 1979 durch die Abspaltung eines Teils des 1815 zum Kanton Bern geschlagenen Gebiets.
Siehe auch: Helvetische Republik, Mediation, Restauration und Regeneration
Sonderbundskrieg
Streitigkeiten zwischen den liberal-progressiven und den konservativ-katholischen Kantonen Luzern, Schwyz, Uri, Zug, Ob- und Nidwalden, Freiburg und Wallis führten 1847 zum Sonderbundskrieg.[115] Der Bürgerkrieg dauerte vom 3.&#160;November bis zum 29.&#160;November 1847. Die konservativ-katholischen Kantone haben den Krieg verloren. Es war die letzte militärische Auseinandersetzung auf Schweizer Boden. Nach offiziellen Angaben hat der Sonderbundskrieg 150 Menschen das Leben gekostet und rund 400 Verletzte gefordert.
Moderner Bundesstaat
Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 12.&#160;September 1848
Nach der Niederlage der konservativ-katholischen Kantone im Sonderbundskrieg wurde die Schweiz in den modernen Bundesstaat[116] umgewandelt und die Autonomie der Kantone durch die Bundesverfassung von 1848 eingeschränkt. Bern wurde zum Sitz der Bundesbehörden und des Parlaments. Die Bundesverfassung wurde seither zweimal, 1874 und 1999, total revidiert. Am 1.&#160;Januar 1849 wurde die Schweizerische Post (→&#160;Postgeschichte und Briefmarken der Schweiz) gegründet.
In den ersten 25 Jahren seines Bestehens musste der noch junge Bundesstaat wegen kriegerischen Bedrohungen dreimal einen General wählen. Dem erfahrenen und im Sonderbundskrieg umsichtig agierenden General Guillaume-Henri Dufour wurde in den Jahren 1849, 1856 (Neuenburger Handel) und 1859 (Savoyer Handel) von der Bundesversammlung erneut der Oberbefehl über das Schweizer Bundesheer übertragen. General Hans Herzog war während des Deutsch-Französischen Kriegs (1870/71) für den Schutz der Landesgrenzen verantwortlich. Im Februar 1871 überquerten unter den Augen der Schweizer Armee etwa 87'000 Mann der geschlagenen französischen «Bourbaki-Armee» in den Kantonen Neuenburg und Waadt die Grenze und wurden interniert.
Auf Initiative von Henry Dunant erfolgte 1864 in Genf die Gründung des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz.
Während der zweiten Hälfte des 19.&#160;Jahrhunderts wurde die Schweiz von einer starken Welle der Industrialisierung[117] und des Eisenbahnbaus (→&#160;Geschichte der Schweizer Eisenbahn) erfasst. Wie kein anderer nahm der Politiker, Wirtschaftsführer und Eisenbahnunternehmer Alfred Escher Einfluss auf die politische und wirtschaftliche Entwicklung der Schweiz in jener Zeit. Nebst seinen politischen Ämtern war er massgeblich beteiligt bei den Gründungen der Schweizerischen Nordostbahn, dem Eidgenössischen Polytechnikum, der Schweizerischen Kreditanstalt, der Schweizerischen Lebensversicherungs- und Rentenanstalt, der Schweizerische Rückversicherungs-Gesellschaft sowie der Gotthardbahn.
Immer deutlicher zeigten sich die Schattenseiten der Industrialisierung, z.&#160;B. mit der Kinderarbeit. Als erste Kantone erliessen Glarus und Zürich Fabrikgesetze zum Schutze der Arbeiter. 1877 übernahm der Bundesstaat die entsprechende Gesetzgebungskompetenz um die schlimmsten Missstände landesweit zu bekämpfen.
General Guisans Rütlirapport vom 25.&#160;Juli 1940
Auf religiösem und kulturellem Gebiet fand die Konfrontation zwischen dem Liberalismus und dem Konservativismus ihre Fortsetzung im Kulturkampf. Die Integration der Katholiken in den neuen Bundesstaat erfolgte 1891 durch die Wahl von Josef Zemp in den Bundesrat. Er war der erste Katholik in der Bundesregierung. Zuvor war das Gremium seit Gründung des Bundesstaates ausschliesslich mit Vertretern der Liberalen besetzt gewesen. Seither traten die bürgerlichen Parteien mehr oder weniger geschlossen gegen die Arbeiterbewegung an (seit dem Ersten Weltkrieg im «Bürgerblock»). Im Landesstreik von 1918 kam es zur bisher schärfsten Konfrontation zwischen Arbeiterschaft und Bürgertum in der Schweiz. Die Arbeiterbewegung konnte sich politisch auf nationaler Ebene erst nach der Einführung des Proporzwahlverfahrens 1919 etablieren. Aus den Nationalratswahlen 1943 ging die Sozialdemokratische Partei der Schweiz SP als stärkste Fraktion hervor. In der Folge wurde mit Ernst Nobs erstmals ein Sozialdemokrat in den Bundesrat gewählt. Mit der Einführung der Alters- und Hinterbliebenenversicherung AHV 1948 ging eine weitere Forderung aus dem Generalstreik in Erfüllung.
Während des Ersten Weltkriegs (→&#160;Die Schweiz im Ersten Weltkrieg) bewahrte die Schweiz die bewaffnete Neutralität. Unter General Ulrich Wille erfolgte die Grenzbesetzung.
Die Schweiz und das Fürstentum Liechtenstein unterzeichnen 1923 den heute noch gültigen Zollvertrag.
Das Friedensabkommen in der Metall- und Uhrenindustrie zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen läutete 1937 das Zeitalter des Arbeitsfriedens und der Gesamtarbeitsverträge ein. Seitdem sind Streiks in der Schweiz äusserst selten.
Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs (→&#160;Die Schweiz im Zweiten Weltkrieg) berief sich die Schweiz erneut auf die bewaffnete Neutralität und ordnete die allgemeine Mobilmachung der Armee unter dem Oberbefehlshaber General Henri Guisan an. Die Schweizer Armee zog sich mit dem Aktivdienst ins Réduit zurück, um einem deutschen Angriff möglichst harten Widerstand in Gebirgsstellungen entgegenzuhalten. Der Bevölkerung der Schweiz wurde durch die behördlich geförderte Bewegung der «Geistigen Landesverteidigung» ein starker Behauptungswillen gegen den Nationalsozialismus vermittelt. Die Schweiz nahm während der Herrschaft der Nationalsozialisten in Deutschland zeitweise Flüchtlinge auf, wies aber nach einiger Zeit gezielt Juden (→&#160;Judentum in der Schweiz) und vor allem als «politisch Verfolgte» eingestufte Flüchtende zurück. Als Reaktion trat der jüdische Nationalrat David Farbstein 1938 zurück. Am 31.&#160;August 1938 drohte die Schweiz an, das deutsch-schweizerische Sichtvermerksabkommen aufzukündigen, mit dem 1926 ein visafreier Grenzübertritt vereinbart worden war und das nach dem Anschluss Österreichs ohne formellen Vertrag auch dort Anwendung fand. Um die Visafreiheit für «deutschblütige» Staatsangehörige zu erhalten, erklärte sich die deutsche Seite nach mehrtägigen Verhandlungen am 29.&#160;September 1938 bereit, die Reisepässe von Juden besonders zu kennzeichnen.[118] Pässe mit einem Judenstempel berechtigten den Inhaber zum Grenzübertritt nur dann, wenn vorher ein Visum zur Durchreise oder zum Aufenthalt erteilt worden war. Viele Flüchtlinge wurden an den Grenzen zurückgeschickt, manche wurden sogar festgenommen und an deutsche Behörden ausgeliefert. Die ins Land gelassenen Flüchtlinge wurden spätestens nach Kriegsbeginn in Lager interniert. Sie durften sich in keiner Weise politisch äussern. Die Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg wurde in den 1990er-Jahren im Bergier-Bericht kritisch aufgearbeitet.
Homosexuelle Handlungen sind in der Schweiz seit 1942 legal. (→&#160;Geschichte der Homosexualität in der Schweiz).
In der Nachkriegszeit wurden weitere problematische Themen der Vergangenheit aufgegriffen wie die Verfolgung der Jenischen durch das Programm «Kinder der Landstrasse», die Verdingkinder-Problematik, die Administrative Versorgung, die wirtschaftlichen Beziehungen mit dem Apartheid-Staat Südafrika oder die Rolle der Schweizer Banken im Zusammenhang mit Fluchtgeldern von Diktatoren der Dritten Welt. In den späten 1990er-Jahren entfachte ein Streit über die Entschädigung verlorener jüdischer Vermögen bei Schweizer Banken in der Zeit von 1933 bis 1945.
1960 wurde die Schweiz Mitglied der neugegründeten Europäische Freihandelsassoziation (EFTA). Die Schweiz gehörte 1961 zu den Gründungsmitgliedern der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Nach längerer innenpolitischer Auseinandersetzung, die sich hauptsächlich um die Frage der Neutralität drehte, trat die Schweiz 1963 dem Europarat bei und ratifizierte 1974 die Europäische Menschenrechtskonvention. 1970 unternahm der Bundesrat erste Schritte der Schweiz in Richtung EWG, die 1972 in einem Freihandelsabkommen mündeten. 1971 wurde in einer Volksabstimmung das Frauenstimmrecht nach jahrzehntelangem Kampf angenommen. 1973 folgte der Beitritt zur Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE).
Die Jurafrage beschäftigte die Schweiz während Jahrzehnten. Schliesslich wurde 1978 durch die Abspaltung der französischsprachigen Amtsbezirken Delsberg, Ajoie und Freiberge vom Kanton Bern der neue Kanton Jura gegründet.
Das Bundeshaus in Bern
Als erste Frau wurde Elisabeth Kopp 1984 in den Bundesrat gewählt.
Die Armee konnte in der Schweiz bis in die 1990er Jahre eine starke gesellschaftliche Stellung behaupten, da durch ihren Aufbau als Milizarmee eine starke Verflechtung von zivilen und militärischen Führungskadern gegeben war. Bereits in den 1970er-Jahren und verstärkt anlässlich der GSoA-Armeeabschaffungsinitiative 1989 kam es aber auch zu Spannungen zwischen Traditionalisten und Kritikern um die Rolle der Armee in der Gesellschaft. Seit dem Ende des Kalten Krieges nahm der Einfluss der Schweizer Armee auf die Zivilgesellschaft stark ab.
Der von der Regierung angestrebte Beitritt zum Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) scheiterte 1992 an der Urne. Nach dem Jahr 1999 stimmte das Schweizervolk mehreren bilateralen Verträgen mit der Europäischen Union zu. 2005 trat die Schweiz auch den Schengen- und Dublin-Abkommen bei. Die Schweiz trat nach einer positiv ausgegangenen Volksabstimmung am 10.&#160;September 2002 den Vereinten Nationen (UNO) bei.
Siehe auch: Der moderne Schweizer Bundesstaat
Zeitleiste der wichtigsten Ereignisse der Schweizer Geschichte
Reihenfolge des Eintritts der Kantone in die Eidgenossenschaft1291: Kanton Uri&#160;Uri, Kanton Schwyz&#160;Schwyz,Unterwalden
1332: Kanton Luzern&#160;Luzern
1351: Kanton Zürich&#160;Zürich
1352: Kanton Glarus&#160;Glarus, Kanton Zug&#160;Zug
1353: Kanton Bern&#160;Bern
1481: Kanton Freiburg&#160;Freiburg, Kanton Solothurn&#160;Solothurn
1501:Basel, Kanton Schaffhausen&#160;Schaffhausen
1513:Appenzell
1803: Kanton St. Gallen&#160;St.&#160;Gallen, Kanton Graubünden&#160;Graubünden, Kanton Aargau&#160;Aargau, Kanton Thurgau&#160;Thurgau, Kanton Tessin&#160;Tessin, Kanton Waadt&#160;Waadt
1815: Kanton Wallis&#160;Wallis, Kanton Neuenburg&#160;Neuenburg, Kanton Genf&#160;Genf
1979: Kanton Jura&#160;JuraNamensherkunft
Helvetia auf dem 2-Frankenstück
In den Kriegen der alten Eidgenossen gegen die Habsburger spielten die Schwyzer Truppen eine wichtige Rolle. Die Schwyzer hatten zudem eine grosse Bedeutung für das europäische Söldnergeschäft. Nach der Schlacht bei Sempach von 1386 wurde der Name «Swiz» oder «Sweiz» legendär: Die deutschen Chronisten bezeichneten nun alle Eidgenossen so. Das erste schriftliche Zeugnis dafür stellt ein Rechtsdokument des Königs Sigismund aus dem Jahr 1415 dar, in dem von «Schweizern» die Rede ist.[119]
Die Mitglieder der Eidgenossenschaft benutzten diesen Sammelnamen nicht, weil er ihnen missfiel. Im Schwabenkrieg von 1499 wendete sich das Blatt, und die als «Schweizer» beschimpften Eidgenossen fingen in trotzigem Stolz an, sich selbst so zu bezeichnen. Offiziell benutzten sie aber weiterhin den Begriff «Eidgenossen». Erst im 18.&#160;Jahrhundert begann der Chronist Johannes von Müller damit, die Eidgenossen als «schweizerische Eidgenossen» zu bezeichnen. 1803 wurde dieser Begriff in der Mediationsverfassung erstmals amtlich gebraucht.
Der lateinische Name der Schweiz, Confoederatio Helvetica, nimmt Bezug auf den antiken keltischen Stamm der Helvetier, der im Schweizer Mittelland und in Teilen Süddeutschlands siedelte.
Nach dem Ende der Alten Eidgenossenschaft 1798 wurde das neue Schweizer Staatswesen gemäss der gängigen Praxis bei der Namensgebung für französische Tochterrepubliken «Helvetische Republik» genannt. Bei der Neukonstituierung der Schweiz als Staatenbund 1803 wich man jedoch auf die Bezeichnung «Schweizerische Eidgenossenschaft» aus, um sich von der politisch instabilen und zentralistischen Helvetischen Republik abzugrenzen. Der Ausdruck «Confoederatio Helvetica» wurde 1848 anlässlich der Schaffung des Bundesstaates eingeführt. Er findet sich seit 1879 auf Münzen sowie seit 1948 auf dem Siegel der Eidgenossenschaft[120] und liegt dem Landeskürzel «CH» zugrunde. In irischer (an Eilvéis), griechischer (Ελβετία, translit. Elvetia) und rumänischer Sprache (Elveţia) wird der Ausdruck «Helvetia» ebenfalls verwendet.
Mythen
Der Apfelschuss, Fresko von Ernst Stückelberg in der Tellskapelle
Konrad Grob: Der Heldentod Arnold von Winkelrieds bei der Schlacht von Sempach
Die Nationalmythen der Schweiz sind eine Reihe von politischen Mythen und Legenden, die das schweizerische Nationalbewusstsein prägten und durch ihre Identifikationsfunktion entscheidend zum nationalen Zusammenhalt, insbesondere nach der Gründung des Bundesstaates 1848, beitrugen. Zu den Nationalmythen zählen u.&#160;a. die nachfolgenden Personen und Ereignisse:[121]Wilhelm Tell: Der Freiheitskämpfer Wilhelm Tell gilt seit Ende des 19.&#160;Jahrhunderts als der Nationalheld des Landes.[122] Weltbekannt wurde die Figur Tell durch das gleichnamige Bühnendrama von Friedrich Schiller.
Rütlischwur: Der Legende nach schlossen Vertreter von Uri, Schwyz und Unterwalden auf dem Rütli, einer Wiese am Vierwaldstättersee, per Eid einen gegen die Habsburger «bösen Vögte» gerichteten Bund. Diese Geschichte einer ersten Verschwörung vermischte sich ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts mit der Vorstellung, der Bund sei schriftlich gefasst und besiegelt gewesen. Ende des 19. Jahrhunderts wurde eine auf Anfang August 1291 datierte Urkunde vom Bundesrat als «Bundesbrief von 1291» in den Rang eines «Gründungsdokuments» der Eidgenossenschaft erhoben.
Helvetia: Seit dem 17.&#160;Jahrhundert versinnbildlicht Helvetia, eine allegorische Frauenfigur, die Schweiz. Sie gilt als die Identifikationsfigur der Eidgenossenschaft. Noch heute befindet sich das Bildnis der Helvetia auf den Münzen zu ½, 1 und 2 Franken.[123]
Arnold Winkelried: Am 9.&#160;Juli 1386 soll der Legende nach Arnold Winkelried bei der Schlacht von Sempach ein Bündel Lanzen der habsburgischen Ritter gepackt und, sich selbst aufspiessend, den Eidgenossen eine Bresche geöffnet haben. Diese aufopferungsvolle Tat soll der Schlüssel zum eidgenössischen Sieg gegen die Habsburger gewesen sein. Zuvor soll er noch die Worte «Sorget für mein Weib und Kind» gesagt haben. Die erste Erwähnung eines derartigen Helden, allerdings noch ohne Namen, erfolgte erst 1476 in der Zürcher Chronik.[124]
Kappeler Milchsuppe: Im Ersten Kappelerkrieg Ende Juni 1529 marschierten die Zürcher Truppen gegen die Innerschweizer Kantone. Dank der Vermittlung durch die neutralen Orte konnte ein Bruderkrieg unter den Eidgenossen verhindert werden. Während der Verhandlungen kam es der Legende nach zwischen den beiden Heeren zu Fraternisierungserscheinungen. Die Soldaten kochten und assen, genau auf der Grenze zwischen den beiden Kantonen, gemeinsam eine Milchsuppe. Das gemeinsame Mahl hat für die Identitätsfindung der Schweiz einen grossen Symbolwert.[125]Recht
→ Hauptartikel: Recht der Schweiz&#160;und Politisches System der Schweiz (Abschnitt «Judikative»)
[126]
Politik
Politisches System der Schweiz (Bürger, Kantone, Bund, ohne Gemeindeebene)
Offizielles Foto des Bundesrates 2015: Die Exekutive der Schweiz bildet der Bundesrat. Ausserdem abgebildet ist die den Bundesrat unterstützende Bundeskanzlerin Corina Casanova.
Die Politik der Schweiz ist durch das Selbstverständnis als Willensnation geprägt&#160;– die nationale Identität basiert nicht auf einer gemeinsamen Sprache und Kultur, sondern unter anderem auf der gemeinsamen Geschichte, gemeinsamen Mythen, der freiheitlichen, basisdemokratischen und föderalistischen Tradition sowie zum Teil aus dem Gefühl, als neutraler und mehrsprachiger, auf sich selbst gestellter «Kleinstaat» in Europa einen «Sonderfall» zu bilden. Es liegt ein Direktorialsystem vor.
Diese Voraussetzungen haben sich in einem in seiner Gesamtheit einzigartigen politischen System niedergeschlagen, in dem der Föderalismus, erweiterte politische Volksrechte bzw. Elemente der direkten Demokratie, die aussenpolitische Neutralität und innenpolitischer Konsens im Vordergrund stehen.
Siehe auch: Direkte Demokratie in der Schweiz&#160;und Liste der eidgenössischen Volksabstimmungen
Politisches System
→ Hauptartikel: Politisches System der Schweiz
Urform der Schweizer Basisdemokratie: die jährlich stattfindende Landsgemeinde im Kanton Glarus. Hierbei stehen die Stimmberechtigten im «Ring». Neben Glarus kennt heute nur noch der Kanton Appenzell Innerrhoden diese Form der Demokratie.Landsgemeinde (Stimmberechtigte) im Kanton Appenzell InnerrhodenBundeshaus mit Bundesplatz in BernDie Judikative der Schweiz&#160;– das Bundesgericht in Lausanne (VD)Die Schweiz ist ein republikanisch verfasster Bundesstaat. Sie unterscheidet sich von anderen Republiken durchElemente der direkten Demokratie: Das Volk kann über Initiativen und Referenden direkten Einfluss auf die Regierungstätigkeit nehmen. In zwei Kantonen, Appenzell Innerrhoden und Glarus, gibt es noch eine Urform der Schweizer Basisdemokratie: die Landsgemeinde.
den ausgeprägten Föderalismus: Die Kantone sind neben dem Volk der Verfassungsgeber des Bundes und behalten alle Aufgaben, die in der Bundesverfassung nicht explizit dem Bund zugeordnet werden. Ausserdem starke Beteiligung der Kantone in allen Phasen der politischen Willensbildung (Vernehmlassung, Ständerat, Ständemehr)
die Konkordanzdemokratie
ihre selbstdeklarierte NeutralitätSiehe auch: Schweizerische Neutralität&#160;und Neutralität (Internationale Politik)
Wie in Demokratien üblich, ist die Staatsgewalt, gestützt auf die Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft, in drei Säulen gegliedert:Die Legislative (Bundesversammlung) besteht aus zwei Kammern, dem Nationalrat mit 200 Mitgliedern als Vertreter des Volks sowie dem Ständerat mit 46 Mitgliedern als Vertreter der Kantone. Das Schweizer Parlament ist ein sogenanntes Milizparlament: Die National- und Ständeräte üben ihr Mandat (wenigstens nominell) nebenberuflich aus. Die Erneuerungswahlen finden alle vier Jahre statt (→&#160;Schweizer Parlamentswahlen 2011).[127]
Die Exekutive ist der Bundesrat mit der Verwaltung. Er besteht aus sieben gleichberechtigten Mitgliedern (Kollegialitätsprinzip), den so genannten «Bundesräten» (Ministern), die je einem Departement der Bundesverwaltung vorstehen. Die Bundesräte werden vom Parlament gewählt. Für jeweils ein Jahr wird ein Mitglied des Bundesrates von der Bundesversammlung zum Bundespräsidenten gewählt. Er leitet die Sitzungen des Bundesrates und nimmt repräsentative Aufgaben im In- und Ausland wahr, hat aber keine Vorrechte gegenüber dem Restbundesrat. Für gewöhnlich rotiert der Vorsitz auf Grundlage des Amtsalters, die eigentliche Wahl gilt allgemein als Formsache zu dessen Bestätigung; eine Ablehnung durch das Parlament ist dabei allerdings theoretisch möglich. Der Bundespräsident wird während dieses Jahres in der Öffentlichkeit in der Regel als Herr Bundespräsident, Frau Bundespräsidentin angesprochen, nicht mehr als Herr Bundesrat bzw. Frau Bundesrätin. Während des Präsidialjahres nimmt ein Bundesrat seine üblichen Regierungsaufgaben voll wahr.
Die Judikative besteht auf Bundesebene aus dem Bundesgericht mit Sitz in Lausanne und zwei sozialrechtlichen Abteilungen des Bundesgerichts in Luzern (bis 2006: Eidgenössisches Versicherungsgericht) als oberster gerichtlicher Instanz. Als untere eidgenössische Instanzen sind das Bundesstrafgericht in Bellinzona sowie das Bundesverwaltungsgericht und das Bundespatentgericht in St.&#160;Gallen tätig. Gewählt werden die Bundesrichter, die meistens einer Partei angehören, von der Bundesversammlung. Das Strafgericht hat die Arbeit 2004 aufgenommen; das Verwaltungsgericht tat dies 2007.
Ein besonderer Verfassungsgerichtshof wie in anderen Ländern existiert in der Schweiz nicht, doch können alle Gerichte eine (beschränkte) Verfassungsgerichtsbarkeit ausüben. Für das Bundesgericht und die übrigen Gerichte sind nach Art. 190 Bundesverfassung (BV) die Bundesgesetze verbindlich; sie können solche nicht aufheben, für ungültig erklären oder ihnen die Anwendung versagen.[128]
Die Reihenfolge der einzelnen Bundesräte ergibt sich wie folgt: Der Bundespräsident oder die Bundespräsidentin steht zuoberst der Rangliste, gefolgt vom Vizepräsidenten oder der Vizepräsidentin. Danach folgen die Bundesräte in der Reihenfolge des Amtsalters zur Wiederwahl gemäss Anciennitätsprinzip.[129]
Im Rahmen der Bundesratswahl hat die Vereinigte Bundesversammlung am 9.&#160;Dezember 2015 die sieben Bundesräte, den Bundeskanzler, den Bundespräsidenten und den Vizepräsident für das Amtsjahr 2016 wie folgt gewählt:[130]
Der siebenköpfige Bundesrat – de facto das kollektive Staatsoberhaupt
Johann Schneider-Ammann FDP
Bundespräsident 2016
Kanton Bern&#160;Bern
Eidgenössisches Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung WBFDoris Leuthard CVP
Vizepräsidentin 2016
Kanton Aargau&#160;Aargau
Eidgenössisches Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation UVEKSimonetta Sommaruga SPKanton Bern&#160;Bern
Eidgenössisches Justiz- und Polizeidepartement EJPDUeli Maurer SVPKanton Zürich&#160;Zürich
Eidgenössisches Finanzdepartement EFDDidier Burkhalter FDPKanton Neuenburg&#160;Neuenburg
Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten EDAAlain Berset SPKanton Freiburg&#160;Freiburg
Eidgenössisches Departement des Innern EDIGuy Parmelin SVPKanton Waadt&#160;Waadt
Eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport VBS
Walter Thurnherr (CVP) wurde am 9.&#160;Dezember 2015 als Nachfolger von Corina Casanova (CVP) zum Bundeskanzler der Schweizerischen Eidgenossenschaft und somit zum Vorsteher der Schweizerischen Bundeskanzlei (BK) gewählt.[130][131]
Siehe auch: Liste der Schweizer Bundespräsidenten, Liste der Mitglieder des Schweizerischen Bundesrates und Protokollarische Rangordnung in der Schweiz
Staatshaushalt
Zinsen zehnjähriger Staatsanleihen
Der Staatshaushalt umfasste 2009 Ausgaben von umgerechnet 179,5&#160;Milliarden US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 178,5&#160;Milliarden US-Dollar gegenüber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 0,2&#160;Prozent des Bruttoinlandsprodukts.[132]
Die Staatsverschuldung betrug 2009 198,4&#160;Milliarden US-Dollar oder 40,5&#160;Prozent des Bruttoinlandsprodukts.[132]
2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in Prozent des Bruttoinlandsprodukts) im Bereich Gesundheit[133] 10,8&#160;Prozent, im Bereich Bildung[132] 5,8&#160;Prozent im Jahr 2005 und im Bereich Militär[132] 1,0&#160;Prozent im Jahr 2005.
2013 verzeichnete der Bund Einnahmen (Erträge) von 65,0&#160;Milliarden Franken. Die wichtigste Einnahmequelle war die Mehrwertsteuer mit 34,8&#160;Prozent, gefolgt von der direkten Bundessteuer mit 28,3&#160;Prozent, der Verrechnungssteuer (9,1&#160;Prozent), der Mineralölsteuer (7,7&#160;Prozent), von sonstigen Einnahmen (6,4&#160;Prozent), der Tabaksteuer (3,5&#160;Prozent), den Verkehrsabgaben (3,4&#160;Prozent), den Stempelabgaben (3,3&#160;Prozent), weiteren Fiskaleinnahmen (1,9&#160;Prozent) und Einfuhrzöllen (1,6&#160;Prozent).[11]
Der Bund tätigte im Jahr 2013 Ausgaben (Aufwendungen) in Höhe von 63,7 Milliarden Franken für folgende Sektoren: soziale Wohlfahrt (33,1&#160;Prozent), Finanzen und Steuern (15,6&#160;Prozent), Verkehr (12,9&#160;Prozent), Bildung und Forschung (10,8&#160;Prozent), sonstige Ausgaben (9,1&#160;Prozent), Landesverteidigung (7,5&#160;Prozent), Landwirtschaft und Ernährung (5,8&#160;Prozent) sowie Beziehungen zum Ausland (5,2&#160;Prozent).[11]
Die Einnahmen der 26 Kantone beliefen sich 2013 auf 86,6&#160;Milliarden Franken.[134]
Seit 1.&#160;Januar 2011 gilt befristet bis Ende 2017 für die Mehrwertsteuer der reguläre Satz zu 8&#160;Prozent, der reduzierte Satz 2,5&#160;Prozent für alltägliche Güter wie Nahrungsmittel, und der Sondersatz 3,8&#160;Prozent für Beherbergungsleistungen.
Durch die seit 2003[11] in der Verfassung verankerten Schuldenbremse soll der Bund verpflichtet werden, Einnahmen und Ausgaben über den Konjunkturzyklus hinweg im Gleichgewicht zu halten.
Die langfristigen Zinsen für Schweizer Staatsanleihen sind im internationalen Vergleich sehr gering (siehe Grafik rechts).
Politische Parteien
→ Hauptartikel: Politische Parteien in der Schweiz
Die Schweiz hat viele nationale, regionale und lokale politische Parteien.[135] Die Organisation und Finanzierung der Parteien ist gesetzlich weitgehend nicht geregelt. Fünf Parteien sind im Bundesrat vertreten (siehe auch Zauberformel):
← 2011Gesamterneuerungswahlen
des Nationalrates 2015
Wahlbeteiligung: 48,4&#160;%
&#160;%
30
20
10
029,4
18,8
16,4
11,6
7,1
4,6
4,1
1,9
6,1SVP
SP
FDP
CVP
GPS
glp
BDP
EVP
Sonst.
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2011&#160;%p
&#160;&#160;&#160;4
&#160;&#160;&#160;2
&#160;&#160;&#160;0
&#160;&#160;-2
&#160;&#160;-4
+2,8
+0,1
+1,3
-0,7
-1,3
-0,8
-1,3
-0,1
±&#160;0,0SVP
SP
FDP
CVP
GPS
glp
BDP
EVP
Sonst.Expression-Fehler: Unerwartete schließende eckige Klammer
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/TITEL zu langPolitische Partei
Abk.
Einordnung
Ausrichtung
Wähleranteil 2015
in ProzentSchweizerische Volkspartei
SVP
rechts
nationalkonservativ
29,4 ▲Sozialdemokratische Partei der Schweiz
SP
links
sozialdemokratisch
18,8 ▼FDP.Die Liberalen
FDP
Mitte-rechts
liberal
16,4 ▲Christlichdemokratische Volkspartei
CVP
Mitte
christdemokratisch
11,6 ▼Stärkste Partei pro Gemeinde (Gemeindestand 2015, Parteistand 2011)
Laut einer Meinungsumfrage der deutschen Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) aus dem Jahr 2008 haben 21&#160;Prozent der Schweizer Vertrauen in ihre Politiker. Im Vergleich zu anderen Berufsgruppen ist das zwar ein geringer Wert, doch das Vertrauen ist wesentlich höher als im westeuropäischen Durchschnitt mit 13&#160;Prozent.[136]Kantone
Schweizer Kantone
→ Hauptartikel: Kanton (Schweiz)
Die Schweiz besteht aus 26 Kantonen (vor der Totalrevision der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft von 1999: 23 Kantone, wovon drei in je zwei Halbkantone gegliedert waren). Traditionell werden die Kantone auch als Stände, auf kantonaler Ebene auch als Staat (französisch état) bezeichnet.
Die unten stehende Tabelle führt die 26 Kantone mit ihren Eckdaten auf. Dabei sind die Kantone in der Reihenfolge, wie sie in der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft aufgeführt werden, sortiert. Die Einwohnerzahlen datieren auf den 31.&#160;Dezember 2014, die Ausländeranteile auf den 31.&#160;August 2014 und die Arbeitslosenquoten auf den 30.&#160;Juni 2015.Kantone mit ihren EckdatenAbk.
Kanton
Hauptort
Fläche
(km²)
Einwohner
Einwohner
pro km²
Ausländer
(%)[137]
Arbeitslosen-
quote (%)[138]
Amtssprache
ZH
Kanton Zürich&#160;Zürich
Zürich
1'729
1'446'100
836
25,4
3,4
Deutsch
BE
Kanton Bern&#160;Bern
Bern
5'959
1'009'200
169
14,3
2,4
Deutsch, Französisch
LU
Kanton Luzern&#160;Luzern
Luzern
1'493
394'600
264
17,1
1,8
Deutsch
UR
Kanton Uri&#160;Uri
Altdorf
1'077
36'000
33
11,2
0,9
Deutsch
SZ
Kanton Schwyz&#160;Schwyz
Schwyz
908
152'800
168
19,6
1,5
Deutsch
OW
Kanton Obwalden&#160;Obwalden
Sarnen
491
36'800
75
13,9
0,8
Deutsch
NW
Kanton Nidwalden&#160;Nidwalden
Stans
276
42'100
153
13,2
1,0
Deutsch
GL
Kanton Glarus&#160;Glarus
Glarus
685
39'800
58
22,2
2,0
Deutsch
ZG
Kanton Zug&#160;Zug
Zug
239
120'100
503
26,2
2,2
Deutsch
FR
Kanton Freiburg&#160;Freiburg
Freiburg
1'671
303'300
182
21,3
2,6
Französisch, Deutsch
SO
Kanton Solothurn&#160;Solothurn
Solothurn
791
263'700
333
20,4
2,5
Deutsch
BS
Kanton Basel-Stadt&#160;Basel-Stadt
Basel
37
190'500
5149
34,8
3,7
Deutsch
BL
Kanton Basel-Landschaft&#160;Basel-Landschaft
Liestal
518
281'300
543
20,8
2,7
Deutsch
SH
Kanton Schaffhausen&#160;Schaffhausen
Schaffhausen
298
79'400
266
24,8
3,3
Deutsch
AR
Kanton Appenzell Ausserrhoden&#160;Appenzell&#160;Ausserrhoden
Herisau, Trogen1
243
54'100
223
14,9
1,8
Deutsch
AI
Kanton Appenzell Innerrhoden&#160;Appenzell&#160;Innerrhoden
Appenzell
173
15'900
92
10,2
1,0
Deutsch
SG
Kanton St. Gallen&#160;St.&#160;Gallen
St.&#160;Gallen
2'026
495'800
245
23,0
2,3
Deutsch
GR
Kanton Graubünden&#160;Graubünden
Chur
7'105
195'900
28
17,7
1,5
Deutsch, Rätoromanisch, Italienisch
AG
Kanton Aargau&#160;Aargau
Aarau
1'404
645'300
460
23,6
3,0
Deutsch
TG
Kanton Thurgau&#160;Thurgau
Frauenfeld
991
263'700
266
23,7
2,4
Deutsch
TI
Kanton Tessin&#160;Tessin
Bellinzona
2'812
350'400
125
27,8
3,3
Italienisch
VD
Kanton Waadt&#160;Waadt
Lausanne
3'212
761'200
237
32,4
4,8
Französisch
VS
Kanton Wallis&#160;Wallis
Sitten
5'224
331'800
64
22,4
3,6
Französisch, Deutsch
NE
Kanton Neuenburg&#160;Neuenburg
Neuenburg
803
177'300
221
25,2
5,1
Französisch
GE
Kanton Genf&#160;Genf
Genf
282
477'300
1693
37,8
5,4
Französisch
JU
Kanton Jura&#160;Jura
Delsberg
838
72'400
86
13,6
3,8
Französisch
CHSchweizerische Eidgenossenschaft
Bern (Bundesstadt)
41'285
8'236'600
200
23,7
3,1
Deutsch&#160;(65,6&#160;%), Französisch&#160;(22,8&#160;%),
Italienisch&#160;(8,4&#160;%), Rätoromanisch[2]&#160;(0,6&#160;%)
1 Herisau ist Sitz der Regierung und des Parlaments des Kantons Appenzell&#160;Ausserrhoden, der Sitz der kantonalen Gerichte ist Trogen. Die frühere Landsgemeinde wurde abwechslungsweise in Trogen und Hundwil abgehalten. Appenzell&#160;Ausserrhoden hat daher keinen klar definierten Hauptort.Das Haus der Kantone an der Speichergasse in Bern
Die Kantonsregierungen werden&#160;– je nach Kanton&#160;– als Regierungsrat, Regierung, Staatsrat, Standeskommission, Conseil exécutif, Conseil d’État (beide französisch), Consiglio di Stato (italienisch) oder Regenza Governo (rätoromanisch) bezeichnet. Die Kantonsparlamente sind als Einkammernparlamente organisiert und heissen Kantonsrat, Grosser Rat, Landrat, Grand Conseil (frz.), Gran Consiglio (ital.) oder Cussegl grond (rät.).
Die administrative Ebene zwischen Kanton und Gemeinde wird – soweit überhaupt vorkommend – in den meisten Kantonen als Bezirk bezeichnet, in manchen Kantonen als Verwaltungsregion, Verwaltungskreis, Wahlkreis, Amtei, Amt, im französischsprachigen Landesteil district, im italienischen Landesteil distretto, im rätoromanischen Landesteil districts.[139]
Aufgrund des Föderalismus in der Schweiz liegt die Verantwortung für viele staatliche Aufgaben ganz oder teilweise bei den Kantonen, so im Schul-, Gesundheits-, Finanz-, Polizei- und Justizwesen sowie im Verwaltungsrecht. Um diese Aufgaben effizient und nach einheitlichen Grundsätzen zu bewältigen, haben die Kantone zahlreiche interkantonale Konkordate geschlossen. Alle Kantone gehören überdies einer von fünf Regionalkonferenzen an, die ihnen der gegenseitigen Information, der Koordination der Regierungstätigkeiten und der wirkungsvollen Interessenvertretung gegenüber dem Bund dienen. Weiter arbeiten die Kantone im Rahmen der verschiedenen Direktorenkonferenzen (z.&#160;B. Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren oder Schweizerische Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren) zusammen. Die Sekretariate dieser Konferenzen befinden sich im Haus der Kantone in Bern.
Siehe auch: Liste der amtierenden Mitglieder der Schweizer Kantonsregierungen&#160;und Liste der Wappen und Fahnen der Schweizer Kantone
Enklaven und Exklave
Büsingen am Hochrhein wie auch Campione d’Italia sind Enklaven in der Schweiz. Die deutsche Gemeinde Büsingen ist nördlich des Rheins vom Kanton Schaffhausen umgeben, südlich davon grenzt sie an die Kantone Zürich und Thurgau. Das italienische Campione, bekannt für sein Spielcasino, liegt am Luganersee innerhalb des Kantons Tessin.
Lange Zeit funktionale Enklave war das italienische Livigno. Seit der Errichtung einer Passstrasse ist Livigno auch von Italien aus zu erreichen. Um das Leben in der dennoch abgeschiedenen Lage zu attraktivieren, ist die Gemeinde heute ein Italienisches Zollausschlussgebiet, nachdem sie zuvor dem Schweizer Zollgebiet angehörte.
Die Gemeinde Samnaun war lange Zeit eine funktionale Exklave, da die einzige Zufahrtsstrasse bis 1912 über österreichisches Hoheitsgebiet führte. Heute ist die Gemeinde ein Schweizer Zollausschlussgebiet.
Aussenpolitik
Palais des Nations (Völkerbundpalast) in Genf
Allée des Nations (Allee der Nationen) in Genf
→ Hauptartikel: Aussenpolitik der Schweiz
Die Schweiz versteht sich als aussenpolitisch neutral, d.&#160;h. sie beteiligt sich nicht an Kriegen zwischen Staaten. Die Neutralität der Schweiz wurde 1815 am Wiener Kongress anerkannt. Sie ist dauernd und bewaffnet und auch heute noch international ausdrücklich anerkannt.
Die Schweiz ist Mitglied in vielen internationalen Organisationen. Als eines der letzten Länder trat die Schweiz 2002 der UNO bei, ist aber zugleich das erste Land, dessen Volk über den Beitritt abstimmen durfte. Daneben ist die Schweiz in der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), dem Europarat wie auch in der Europäischen Freihandelszone (EFTA) tätig. Die Schweiz nimmt an der Partnerschaft für den Frieden der NATO teil und ratifizierte das Kyoto-Protokoll. Die Schweiz ist Mitglied im UN-Menschenrechtsrat. In der Forschung kooperiert die Schweiz mit einigen europäischen Organisationen. Sie ist Gründungsmitglied sowohl der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) als auch der Europäischen Organisation für Kernforschung (CERN) und stellt mit Genf den Standort der Forschungsanlage. Die Schweiz ist Mitglied des Schengener Abkommens.
Die Schweiz ist weder Mitglied der Europäischen Union (EU) noch des Europäischen Wirtschaftsraumes (EWR); jedoch bestehen wichtige bilaterale Verträge zwischen der Schweiz und der EU. Ein Beitritt zur NATO stünde im Konflikt zur Neutralität der Schweiz.[140]
Siehe auch: Die Schweiz in den Vereinten Nationen, Liste der Auslandsvertretungen der Schweiz und Liste der diplomatischen und konsularischen Vertretungen in der Schweiz
Verhältnis zwischen der Schweiz und dem Fürstentum Liechtenstein
Das Verhältnis zwischen der Schweiz und dem Fürstentum Liechtenstein wird seit 1923 durch einen Zollvertrag (amtlich: «Vertrag zwischen der Schweiz und Liechtenstein über den Anschluss des Fürstentums Liechtenstein an das schweizerische Zollgebiet») geregelt.[141]
Nachdem Österreich den Ersten Weltkrieg verloren hatte und die österreichische Monarchie zusammengebrochen war, löste Fürst Johann&#160;II. 1919 den Zollvertrag von 1852 mit Österreich auf und suchte die Nähe zur Schweiz. Seit der Unterzeichnung des Zollvertrags mit der Schweiz im Jahre 1923 gehört das Fürstentum zum Schweizer Zollgebiet und die Landeswährung ist der Schweizer Franken. Einen offiziellen Währungsvertrag mit der Schweiz schloss Liechtenstein jedoch erst am 19.&#160;Juni 1980 ab.[142] Der Zollvertrag garantiert weiterhin die vollen souveränen Hoheitsrechte Seiner Durchlaucht des Fürsten von Liechtenstein. Durch den Vertrag herrscht bis heute eine enge Partnerschaft zwischen den beiden Staaten.[143]
Die Guten Dienste der Schweiz
In der Schweizer Aussenpolitik haben die Guten Dienste[144] eine lange Tradition. Sie spielen neben den Schutzmachtmandaten eine zentrale Rolle in der schweizerischen Friedenspolitik. Die Guten Dienste der Schweiz beschränken sich heute nicht nur darauf, dass die Schweiz Konfliktparteien ihr Territorium als Verhandlungsort zur Verfügung stellt («Hotelier-Funktion»), sondern sie bietet sich auch als Vermittlerin an (Konfliktmediation).
Siehe auch: Liste der in der Schweiz ausgehandelten oder unterzeichneten internationalen Verträge und Vereinbarungen
Schutzmachtmandate
Die Wahrung fremder Interessen als Schutzmacht ist ein klassisches Element der Guten Dienste und historisch gesehen für die Schweiz von grosser Bedeutung. Die Anfänge der schweizerischen Schutzmachttradition reichen bis ins 19.&#160;Jahrhundert zurück. Die Eidgenossenschaft vertrat im Deutsch-Französischen Krieg von 1870 und 1871 die Interessen des Königreichs Bayern und des Grossherzogtums Baden in Frankreich. Den Grundstein ihrer Reputation als die bedeutendste und wichtigste Schutzmacht der Welt legte die Schweiz in der ersten Hälfte des 20.&#160;Jahrhunderts. So übernahm die Schweiz während des Ersten Weltkriegs 36 Mandate zur Interessenvertretung. Die Schutzmachttätigkeit der Schweiz erreichte im Zweiten Weltkrieg 1943/44 mit 219 Mandaten für 35 Staaten ihren Höhepunkt. Nach Beendigung der Kriegshandlungen ging die Zahl der Mandate rasch wieder zurück. Während des Kalten Krieges nutzten mehrere Länder wieder die Interessenvertretung durch die Schweiz. Die Schweiz ist vor Schweden und Österreich das bedeutendste Land für Schutzmachtmandate. Die wichtigsten Gründe dafür sind die grosse Erfahrung, die neutrale Haltung sowie das ausgedehnte diplomatische Vertretungsnetz. Die Schweiz nimmt zurzeit (Stand August 2015) noch vier diplomatische Mandate wahr:Vereinigte Staaten im Iran (umfassendes Mandat, das auf die Geiselnahme von Teheran in den Jahren 1979 bis 1981 und dem daraus resultierenden Abbruch der diplomatischen Beziehungen zurückgeht)
Iran in Ägypten
Russland in Georgien
Georgien in RusslandNur die Interessenvertretung der Vereinigten Staaten im Iran ist ein umfassendes Mandat. Die übrigen Mandate sind eher formeller Natur.[145]
Nachdem Kuba und die Vereinigten Staaten 2015 wieder direkte diplomatische Beziehungen aufnahmen, erlosch im Juli 2015 nach 54 Jahren das Schutzmachtmandat der Schweiz für die USA in Havanna.[146]
Sicherheit
Schweizer Armee
F/A-18 der Schweizer Luftwaffe
Super Puma
→ Hauptartikel: Schweizer Armee, Die Schweiz im Ersten Weltkrieg&#160;und Die Schweiz im Zweiten Weltkrieg
Die Schweizer Armee[147] ist die bewaffnete Streitmacht der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Sie besteht aus den Teilstreitkräften Heer und Luftwaffe. Das jährliche Budget beträgt rund 4,873&#160;Milliarden Franken (2011).[148]
Die Besonderheit der Schweizer Streitkräfte ist ihr Milizsystem. Berufs- und Zeitsoldaten machen nur etwa 5&#160;Prozent der Armeeangehörigen aus; alle übrigen sind wehrpflichtige Bürger im Alter zwischen 20 und 34 (in speziellen Fällen bis 50) Jahren. Schweizer Bürgern ist es verboten, in einer fremden Armee zu dienen. Davon ausgenommen ist die Schweizergarde des Vatikans, da sie von der Schweiz lediglich als Sicherheitsdienst angesehen wird.
Im Rahmen des Milizsystems bewahren die Angehörigen der Armee ihre persönliche Ausrüstung inklusive persönlicher Waffe (bis 2008 inklusive Taschenmunition) zu Hause auf. Im Zusammenhang mit den Eigenheiten des Milizsystems entstand die früher übliche Redewendung «Die Schweiz hat keine Armee, die Schweiz ist eine Armee». Militärdienstpflichtig sind alle männlichen Schweizer Bürger. Frauen können sich freiwillig für den Militärdienst melden und für sie gelten seit 2007 dieselben körperlichen Anforderungen wie für Männer.[149] Jährlich werden ca. 20'000 Personen in Rekrutenschulen von 18 oder 21 Wochen Dauer zu Soldaten ausgebildet. Die Militärdienstuntauglichen leisten Dienst im Zivilschutz und zahlen überdies eine jährliche Militärpflichtersatzsteuer. Militärdienstverweigerer haben die Möglichkeit, Zivildienst[150] (→&#160;Zivildienst in der Schweiz) zu leisten, sofern sie Gewissensgründe geltend machen und bereit sind, als Tatbeweis anderthalb so viele Diensttage wie Soldaten zu absolvieren. Dienstverweigerung aus anderen (etwa politischen oder persönlichen) Gründen führt zwingend zu einem militärgerichtlichen Verfahren.
Mit der Reform «Armee XXI»&#160;– per Volksabstimmung im Jahre 2003 angenommen&#160;– wird die im vorangehenden Leitbild «Armee&#160;95» vorgesehene Mannschaftsstärke von 400'000 auf ca. 200'000 reduziert. Davon sind 120'000 in aktive Verbände und 80'000 in Reserveeinheiten eingeteilt.
Insgesamt fanden drei Generalmobilmachungen (GMob; auch Kriegsmobilmachung, KMob) zum Schutze der Integrität und der Neutralität der Schweiz statt. Die erste GMob fand anlässlich des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71 statt. Als Reaktion auf den Ausbruch des Ersten Weltkriegs und um einen deutschen oder französischen Durchmarsch durch die Schweiz zu verhindern, wurde auf den 3.&#160;August 1914 die erneute GMob der Armee beschlossen. Die dritte GMob der Armee fand am 1.&#160;September 1939 als Reaktion auf den deutschen Überfall auf Polen statt. Henri Guisan wurde zum General gewählt und entwickelte sich in den Kriegsjahren zur Hauptintegrationsfigur der von den Achsenmächten eingeschlossenen Eidgenossenschaft.
Die heutige Schweiz wurde seit ihrer Gründung 1848 noch nie mit offenen Angriffen feindlicher Kräfte zu Lande konfrontiert. Im Zweiten Weltkrieg kam es jedoch häufig zu Luftraumverletzungen durch deutsche und alliierte Kampfflugzeuge. Beim folgenschwersten Angriff starben bei der Bombardierung von Schaffhausen am 1. April 1944 40 Menschen, 270 wurden zum Teil schwer verletzt (→&#160;Alliierte Bombenabwürfe auf die Schweiz).[151][152]
Da sich die militärische Bedrohungslage im heutigen Europa für die Schweiz geändert hat, wird die Armee immer wieder in Frage gestellt. Besonders die Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA) setzt sich seit Jahren für eine Abschaffung ein&#160;– bislang jedoch erfolglos: zwei Abstimmungen zur Abschaffung der Armee wurden vom Volk deutlich verworfen. Auch die Frage, ob friedenserhaltende Armeeeinsätze im Ausland mit der Neutralität vereinbar sind, ist umstritten.
Siehe auch: Gliederung der Schweizer Armee&#160;und Liste Schweizer Generäle
Zivilschutzorganisation
→ Hauptartikel: Zivilschutzorganisation
Der 1934 gegründete Zivilschutz[153] untersteht dem Eidgenössischen Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport. Er kümmert sich im Katastrophenfall als Einsatzmittel der zweiten Staffel (nach Feuerwehr, Polizei und Gesundheitswesen/Rettungsdienst, aber vor Armeeangehörigen) um den Schutz, die Betreuung und Unterstützung der zivilen Bevölkerung. Ausserdem kümmert sich der Zivilschutz um den Schutz von Kulturgütern, unterstützt die Führungsorgane auf kommunaler und regionaler Ebene und setzt Infrastrukturen wieder instand.
Nachrichtendienst des Bundes NDB
→ Hauptartikel: Schweizer Nachrichtendienste
Der seit dem 1.&#160;Januar 2010 existierende Schweizerische Nachrichtendienst NDB[154] ging aus der Zusammenführung des Dienstes für Analyse und Prävention DAP und des Strategischen Nachrichtendienstes SND hervor. Der NDB ist direkt dem Chef des Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) unterstellt. Der Nachrichtendienst beschafft Informationen mit nachrichtendienstlichen Mitteln, analysiert und wertet diese mit dem Ziel aus, eine führungsrelevante Nachrichtenlage für Entscheidungsträger aller Stufen zu erstellen. Mit seinen operativen und präventiven Leistungen trägt der NDB direkt zum Schutz der Schweiz bei. [155]
Grenzwachtkorps
→ Hauptartikel: Grenzwachtkorps
Das Grenzwachkorps[156] (GWK) ist für den Schutz der Schweizer Grenze verantwortlich. Die uniformierten und bewaffneten Grenzwächter sind Teil der Eidgenössischen Zollverwaltung, die dem Eidgenössischen Finanzdepartement unterstellt ist. Die Angehörigen des Grenzwachtkorps sind an der Grenze sowie auf den Flughäfen von Zürich, Basel-Mülhausen, Genf und Lugano-Agno stationiert; kontrollieren den Personen- und Warenverkehr; bekämpfen den Schmuggel, die grenzüberschreitende Kriminalität, die Schleppertätigkeit und den Menschenhandel.
Siehe auch: Schweizer Zollgebiet
Polizei
→ Hauptartikel: Polizei (Schweiz)
Die Polizeihoheit[157] liegt in der Schweiz bei den Kantonen. Für die Durchsetzung der polizeilichen Gewalt hat jeder Kanton seine eigene Kantonspolizei. In einigen Kantonen wird die polizeiliche Grundversorgung durch Stadt-/Gemeindepolizeien erbracht, so z.&#160;B. durch die Stadtpolizei Zürich. Die jeweilige Kantonspolizei ist auch für die Sicherheit auf den auf ihrem Kantonsgebiet befindlichen Flughafen verantwortlich. Das Bundesamt für Polizei (fedpol) ist für die Koordination zwischen den Kantonspolizeien wie auch für die ausländischen Polizeistellen zuständig.
Die allgemeingültige Notrufnummer der Polizei lautet in der Schweiz 117. Wer die Europäische Notrufnummer 112 wählt, wird automatisch mit der Einsatzzentrale der zuständigen Kantonspolizei verbunden.
Feuerwehr
→ Hauptartikel: Feuerwehr in der Schweiz
In den meisten Kantonen besteht für erwachsene Männer und teilweise auch Frauen eine Feuerwehrpflicht. Eine Feuerwehr[158] zu organisieren, ist in erster Linie Aufgabe der Gemeinden. Allerdings werden immer mehr Ortsfeuerwehren regional fusioniert. Die Feuerwehr in der Schweiz ist über die Notrufnummer 118 erreichbar.
Luftrettung
Rega-Helikopter
Die Schweizerische Rettungsflugwacht (Rega) ist eine selbständige und gemeinnützige private Stiftung und in der Schweiz für die Luftrettung zuständig. Sie arbeitet eng mit den Blaulichtorganisationen Polizei, Feuerwehr und Sanität zusammen. Für alpine Rettungs- und Bergungseinsätze ist die Rega enge Partnerin des Schweizerischen Alpen-Clubs SAC. Im Kanton Wallis ist nicht die Rega, sondern Air Glaciers und Air Zermatt für die Luftrettung zuständig.
Gesellschaft
Sozialpolitik
→ Hauptartikel: Sozialpolitik (Schweiz)
Die Schweiz ist ein sehr gut ausgebauter Sozialstaat.[159] Es existieren mehrere Sozialversicherungen.[160] Diese sind Zwangsversicherungen, das heisst, für die Bewohner besteht eine Versicherungspflicht. Die wichtigsten Sozialversicherungen sind:die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV), die staatliche Rentenversicherung
die Krankenversicherung
die Mutterschaftsversicherung
die Unfallversicherung
die Invalidenversicherung (IV), für Personen, die aufgrund von Behinderungen nicht mehr vollständig erwerbstätig sein können oder Ergänzungsleistungen benötigenDie staatliche Rentenversicherung (AHV), die berufliche Vorsorge (Pensionskasse) wie auch die private Vorsorge werden zusammen als Drei-Säulen-System bezeichnet. Für Erwerbstätige ist eine berufliche Vorsorge, die Pensionskasse, obligatorisch. Diese wird privatwirtschaftlich geregelt und ist Sache des Arbeitgebers. Freiwillig ist dagegen die private Vorsorge in Form von zum Beispiel Lebensversicherungen. Diese werden bis zu einer bestimmten Grenze steuerlich gefördert.
Daneben gibt es die Erwerbsersatzordnung, sodass Militärdienstpflichtige während der Ausübung militärischer Pflichten ein Taggeld bekommen. Obligatorisch ist auch die Arbeitslosenversicherung.
Siehe auch: Sozialversicherung (Schweiz)
Gesundheitswesen
Universitätsspital Basel
→ Hauptartikel: Gesundheitswesen in der Schweiz
In der Schweiz ist jeder Einwohner&#160;– unabhängig von der Staatsangehörigkeit&#160;– aufgrund des Krankenversicherungsgesetzes verpflichtet, sich bei einer Krankenkasse seiner Wahl für die Behandlungskosten bei Krankheit zu versichern («Grundversicherung», «obligatorische Krankenpflegeversicherung»). Die Krankenkassen sind in der Schweiz ausschliesslich privatwirtschaftliche Unternehmen. Sie sind gesetzlich verpflichtet, jeden in die Grundversicherung aufzunehmen, der einen entsprechenden Antrag stellt, sofern er im Tätigkeitsgebiet der Kasse seinen Wohnsitz hat. Die Zahlung der Prämie (Mitgliederbeitrag) ist Sache des Versicherten. Es handelt sich dabei um eine Kopfprämie, d.&#160;h., die Prämie ist einkommensunabhängig, variiert jedoch von Krankenkasse zu Krankenkasse und von Kanton zu Kanton. Einkommensschwachen Personen werden von staatlicher Seite individuelle Prämienverbilligungen gewährt. Die Finanzierung der staatlichen Krankenhäuser erfolgt einerseits durch Einnahmen aus Behandlungen, andererseits durch Zuschüsse der Kantone oder Gemeinden. Die Finanzierung der Privatkrankenhäuser erfolgt dagegen in der Regel nur aus den Behandlungstaxen, die deshalb markant höher sind als bei den staatlichen Krankenhäusern. Die gesetzliche Grundversicherung deckt deswegen die Behandlung in Privatkliniken nicht. Ambulante Behandlungen dagegen werden von der Grundversicherung in der ganzen Schweiz und bei jedem zugelassenen Leistungserbringer gedeckt. Zahnarztbehandlungen werden von den Krankenkassen nicht getragen, von wenigen Ausnahmen abgesehen. Mit den EU-Staaten bestehen Verträge, die die gegenseitige Übernahme der Behandlung bei Notfällen regeln (Formular E111).
Für Behandlungskosten bei Unfällen ist jeder Angestellte durch das Unfallversicherungsgesetz (UVG) obligatorisch versichert. Es gibt einerseits eine selbständige Unfallversicherung des öffentlichen Rechts (Schweizerische Unfallversicherungsanstalt), andererseits bieten auch die meisten privaten Versicherungskonzerne Unfallversicherungen nach UVG an. Es ist Sache des Arbeitgebers, alle Angestellten&#160;– auch bei Freizeitunfällen&#160;– zu versichern. Wer nicht angestellt ist, muss sich selbst gegen Unfall versichern.[161]
Schulsystem
Das Schweizer Bildungssystem (vereinfachte Darstellung)
→ Hauptartikel: Bildungssystem in der Schweiz
Das Schweizer Schulsystem[162] ist ein komplexes Gebilde. Die Obhut des Schulwesens liegt nicht ausschliesslich beim Bund, sondern ist aufgrund des Föderalismus vorwiegend Sache der Kantone.
Der Bund und die Kantone teilen sich die Verantwortung für das Bildungswesen, wobei die Kantone weitgehende Autonomie haben. Auf Bundesebene definiert ist die Garantie auf freie Schulbildung, der Beginn eines Schuljahres im August und die Sicherstellung der Qualitätsanforderungen. In anderen Bereichen haben die Kantone die alleinige Kompetenz in der obligatorischen Schule.
In den weiterführenden Schulen hat der Bund etwas grössere Kompetenzen. Die Kantone sind jedoch weiterhin für die Ausführung zuständig, und ihnen obliegt die Verantwortung.
In der Tertiärstufe sind die Kompetenzen ebenfalls verteilt. Dem Bund obliegt die Regelungskompetenz für die Fachhochschulen (FH) und die beiden Eidgenössischen Technischen Hochschulen (ETH) in Zürich (ETHZ) und Lausanne (EPFL) sowie für die Eidgenössische Hochschule für Sport Magglingen. Bei den Universitäten liegt die Obhut wiederum bei den Kantonen.
Aufgrund dieser Tatsachen kann man entsprechend der Anzahl der Kantone von 26 verschiedenen Schulsystemen in der Schweiz sprechen.
Die Dauer der Primarschule, der Sekundarstufe&#160;I sowie die Anzahl der Ebenen (Leistungsniveau) in der Sekundarstufe&#160;I variiert von Kanton zu Kanton; insgesamt sind es meist neun Jahre. Es gibt auch grosse Differenzen im Schulstoff. Die Lehrmittel (Schulbücher) werden von den Kantonen meistens in eigener Regie erstellt und vertrieben. Nach dem Ende des Obligatoriums sind jedoch alle auf einem ähnlichen Niveau. Nach dem Schulobligatorium hat man die Wahl zwischen einer weiterführenden Schule, die zur Matura führt, oder dem Beginn einer Berufsausbildung, einer Lehre. Die Lehre wird begleitet von einem regelmässigen Besuch einer Berufsschule (→&#160;Berufsfachschule in der Schweiz). Freiwillig ist der parallele Besuch einer Berufsmittelschule (BMS), die mit der Berufsmaturität abgeschlossen wird. Die meisten Schweizer Schüler wählen den Weg einer Lehre. Über die BMS ist der Zugang für ein Studium an einer Fachhochschule möglich. Mit der neuen sogenannten «Passerelle» wird ausserdem, nach Erwerb des Berufsmaturitätszeugnisses (BM-Zeugnis), durch ein zusätzliches Schuljahr und eine Zusatzprüfung der prüfungsfreie Zugang an eine universitäre Hochschule ermöglicht.
Siehe auch: Schweizer Universitäten und Fachhochschulen
Menschenrechte
Originaldokument der ersten Genfer Konvention, 1864
Die Schweiz ist Depositarstaat der Genfer Konventionen. Das zwischenstaatliche Abkommen ist eine essentielle Komponente des humanitären Völkerrechts.
1942 wurde mit der Einführung des Schweizerischen Strafgesetzbuchs die Todesstrafe in der Schweiz in zivilen Strafprozessen abgeschafft. Seit 1999 ist die Todesstrafe auch auf Verfassungsebene verboten.[163]
1974 ratifizierte die Schweiz die Europäische Menschenrechtskonvention.
In der Schweiz gibt es eine nationale Menschenrechtsinstitution und eine nationale Kommission zur Verhütung von Folter. Die Kommission besucht Orte des Freiheitsentzugs. In einer Volksabstimmung wurde eine Verfassungsänderung beschlossen, nach der ausländische Staatsangehörige, die wegen bestimmter Straftaten verurteilt werden, unmittelbar in ihre Heimatländer ausgewiesen werden müssen (siehe Eidgenössische Volksinitiative «Für die Ausschaffung krimineller Ausländer (Ausschaffungsinitiative)»). Das Strafrecht enthielt auch weiterhin keine nach internationalem Recht anerkannte Definition von Folter.[164][165]
Amnesty International übte wiederholt Kritik an der Asylpolitik der Schweiz. Der UN-Ausschuss gegen Folter äusserte 2010 seine Besorgnis darüber, dass das Schweizer Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer gegen das Prinzip des Non-Refoulement (Abschiebungsverbot) verstossen könne. Das Gesetz erlaubt die automatische Ausweisung ausländischer Staatsangehöriger, die als Sicherheitsbedrohung gelten, ohne dass die Betroffenen Rechtsmittel einlegen können. Im gleichen Jahr drückte der UN-Ausschuss für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte seine Besorgnis darüber aus, dass angesichts unzureichender Einrichtungen für die Aufnahme von Asylsuchenden Menschen für unbestimmte Zeit in unterirdischen Zivilschutzanlagen untergebracht werden.
Ab Februar 2010 setzte das Bundesverwaltungsgericht die Überstellung von mehreren Asylsuchenden nach Griechenland im Rahmen der Dublin-II-Verordnung aus, um ein Grundsatzurteil zur Frage der Zulässigkeit dieser Überstellungen nach Griechenland abzuwarten. Das Bundesamt für Migration BFM schob dessen ungeachtet im Jahresverlauf 2010 insgesamt 50 Asylsuchende nach Griechenland ab.
Verkehr
→ Hauptartikel: Transport in der Schweiz
Schienenverkehr
Das Bahnnetz der Schweiz
Die Schweiz hat mit etwa 122 Metern pro Quadratkilometer das dichteste Eisenbahnnetz der Welt (ausgenommen Kleinststaaten wie Vatikanstaat oder Monaco), obwohl zwei Drittel des Landes in sehr gebirgigem Gelände liegen und keinerlei Beitrag zu diesem Rekord leisten. Das Schweizer normalspurige Eisenbahnnetz beträgt 3'778&#160;km und ist komplett elektrifiziert. Die Schmal-, Meter- und Breitspurbahnen haben zusammen eine Länge von 1'766&#160;km, wovon 30&#160;km (1,7&#160;Prozent) nicht elektrifiziert sind. Die Elektrifizierung erfolgte zu 80&#160;Prozent mit AC (Wechsel- und Drehstrom) und zu 20&#160;Prozent mit DC (Gleichstrom).
Mit einer Strecke von 3'007&#160;km betreiben die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) die meisten Eisenbahnlinien. Sie allein befördern jährlich über 300 Millionen Passagiere. Das zweitlängste Streckennetz mit gerade noch 440&#160;km Streckenkilometern betreibt die BLS AG, worauf gleich die meterspurige Rhätische Bahn mit 384 Kilometern folgt, deren Linien ausschliesslich im Kanton Graubünden liegen. Daneben gibt es in der Schweiz weitere 47 Privateisenbahngesellschaften. Als Privatbahnen werden in der Schweiz jene Eisenbahnunternehmen bezeichnet, die privatrechtlich organisiert sind, also in der Regel als Aktiengesellschaften nach Obligationenrecht. In den meisten Fällen sind die Hauptaktionäre die öffentliche Hand.
2007 unternahm jeder Schweizer durchschnittlich 47 Bahnfahrten und legte dabei eine Distanz von 2'103&#160;km zurück; damit ist die Schweiz die weltweit führende Bahnfahrernation.[166]
Im Rahmen der Neuen Eisenbahn-Alpentransversale (NEAT) wurden die Gotthard- und Lötschberg-Basistunnel erstellt, die der verfassungsmässig vorgeschriebenen Verkehrsumlagerung des Transitverkehrs dienen. Der Lötschberg-Basistunnel wurde mit dem Fahrplanwechsel am 9. Dezember 2007 für den regulären Personen- und Güterverkehr in Betrieb genommen, während sich der Gotthardtunnel als längster Tunnel der Welt im Endausbau befindet und voraussichtlich Ende 2016 in Betrieb genommen wird.[167]
Seit 1990 sind mehrere S-Bahnen (→&#160;S-Bahnen in der Schweiz) entstanden, die mittlerweile einen Grossteil des Schienennahverkehrs bewältigen. Um die Fahrpreise möglichst einfach zu gestalten, wurden flächendeckende Tarifverbünde gegründet.[168]
Siehe auch: Schienenverkehr in der Schweiz, Geschichte der Schweizer Eisenbahn und Liste der Schweizer Eisenbahngesellschaften
Nahverkehr
Als Ergänzung zum sehr dichten Schienennetz übernehmen Busse, Trams und Stadtbahnen die Feinerschliessung im öffentlichen Nahverkehr.
Bus: Mehrere Dutzend regionale Verkehrsbetriebe befördern Passagiere in den Städten und auf dem Land. Es gibt kaum einen Ort, der nicht an den öffentlichen Verkehr angeschlossen ist; selbst der Ort Juf (Kanton Graubünden), höchstgelegene Siedlung Europas, wird täglich vom öffentlichen Verkehr erschlossen. In den grösseren Städten werden auch elektrisch angetriebene Trolleybusse eingesetzt. Das gelbe Postauto bildet in vielen ländlichen- und Berggebieten das Rückgrat des öffentlichen Verkehrs.
Siehe auch: Liste der Oberleitungsbussysteme (Abschnitt Schweiz)
Tram: Bis in die 1960er-Jahre verkehrten in vielen Städten und Agglomerationen Trams (Strassenbahnen). Der wachsende Strassenverkehr brauchte mehr Platz und so wurden vielerorts die Trams durch Busse ersetzt. In den sechs Städten Basel, Bern, Genf, Neuenburg, Lausanne und Zürich bestehen noch heute viele Tramlinien.
Siehe auch: Liste von Städten mit Strassenbahnen (Abschnitt Schweiz)
Stadtbahn: Als Ergänzung zu den S-Bahnen, Bus und Trams wurden in den letzten Jahren mehrere Stadtbahnen gebaut oder sind noch in Planung. Die jüngste Stadtbahn ist die Glattalbahn bei Zürich.
U-Bahn: Abgesehen von der Skymetro auf dem Flughafen Zürich ist die Métro Lausanne die einzige städtische U-Bahn der Schweiz.
Strassenverkehr
Das Autobahnnetz der Schweiz
Der Grossteil der Bevölkerung im dicht besiedelten Mittelland wohnt weniger als 10&#160;km von der nächsten Autobahn oder Autostrasse entfernt. Eine grosse Fläche der Schweiz mit einem relativ geringen Bevölkerungsanteil ist demgegenüber durch Hauptstrassen erschlossen, und schliesslich gibt es im Gebirge verschiedene, im Winter meist gesperrte, Verbindungen über Passstrassen (→&#160;Liste der Pässe in der Schweiz) und durch Tunnels (→&#160;Liste der Schweizer Tunnel). 2006 betrug die Gesamtlänge aller Strassen 71'298&#160;km, wovon 1'758&#160;km Autobahnen waren.[169]
Das gut ausgebaute öffentliche Verkehrsnetz macht sich dadurch bemerkbar, dass rund ein Fünftel aller Schweizer Haushalte nicht über ein eigenes Auto verfügt. Dieser Anteil steigt in den Städten auf 43&#160;Prozent,[170] zusätzlich durch den Umstand unterstützt, dass in der Schweiz auch das Carsharing weit verbreitet ist. Im Kanton Graubünden blieb der individuelle Motorfahrzeugverkehr bis zum Jahr 1926 verboten.[171]
Die Benützung des Schweizer Strassennetzes ist für Personenkraftwagen grundsätzlich unentgeltlich. Für die Benützung der Autobahnen mit weiss-grüner Beschilderung besteht in der Schweiz jedoch Vignettenpflicht für Personenkraftwagen, die einmalig für ein Jahr zu entrichtende Nationalstrassenabgabe (40&#160;CHF). Gebühren auf einer der Öffentlichkeit zugänglichen Privatstrasse sind die absolute Ausnahme (bekanntestes Beispiel: der nach Italien führende Tunnel am Grossen Sankt Bernhard).
Für Lastkraftwagen gilt seit dem 1.&#160;Januar 2001 die Leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe (LSVA), die elektronisch erhoben wird und deren Höhe nicht vom Typ der befahrenen Strasse, sondern von der gefahrenen Strecke und von der Emissionskategorie des Fahrzeuges abhängt.[172]Siehe auch: Strassensystem in der Schweiz und in Liechtenstein, Liste der Autobahnen in der Schweiz und Autokennzeichen (Schweiz)
Flugverkehr
Die Schweiz verfügt über drei Landesflughäfen, elf Regionalflugplätze, 44 Flugfelder und fünf zivil mitbenutzte Militärflugplätze.[173] Die grössten Flughäfen und Ausgangspunkte von Langstreckenflügen befinden sich in Kloten (Flughafen Zürich) und Cointrin (Flughafen Genf). Der drittgrösste Flughafen der Schweiz, der Flughafen Basel-Mülhausen, liegt in Hésingue und Saint-Louis auf französischem Boden. Kleine Flughäfen befinden sich ausserdem in Sitten (Flughafen Sion), Bern-Belp (Flughafen Bern-Belp), Lugano-Agno (Flughafen Lugano-Agno) und St.&#160;Gallen-Altenrhein (Flugplatz St.&#160;Gallen-Altenrhein). Der höchstgelegene Flughafen Europas, der Flughafen Engadin, liegt bei Samedan.
Bis zur Nachlassstundung im Oktober 2001 war die Swissair nationale Fluggesellschaft und unterhielt ein weltumspannendes Streckennetz und die Regionalfluggesellschaft Crossair. Die Nachfolgerin Swiss ist seit Juli 2007 eine Tochtergesellschaft der Deutschen Lufthansa AG und weiterhin interkontinental tätig. Weitere Schweizer Fluggesellschaften sind u.&#160;a. die Edelweiss Air, die Etihad Regional und die Helvetic Airways.[174]
Skyguide, eine privatrechtliche Aktiengesellschaft, kümmert sich im Auftrag des Bundesamts für Zivilluftfahrt (BAZL), um die Flugsicherung im Schweizer Luftraum sowie des angrenzenden Luftraumes in Deutschland, Österreich, Frankreich und Italien. Im Schweizer Luftraum umfasst dies sowohl die zivile als auch die militärische Flugsicherung.
Der Lufttransportdienst des Bundes, der u.&#160;a. auch für die beiden Flugzeuge des Bundesrats verantwortlich ist, ist auf dem Flughafen Bern-Belp stationiert.
Siehe auch: Liste der Flughäfen in der Schweiz&#160;und Liste von Flugunfällen (Schweiz)
Schiffsverkehr
DS Unterwalden auf dem Vierwaldstättersee
Die einzigen internationalen Häfen mit Meeresanbindung sind die Schweizerischen Rheinhäfen, die in und bei Basel am Rhein liegen. Zusätzlich betreiben sechs Reedereien insgesamt 44 Hochseeschiffe (Stand 2013) unter Schweizer Flagge (→&#160;Schweizer Hochseeschifffahrt).[175][176]
Dazu kommen die Häfen der Binnenseen, die neben den Fährbetrieben über den Zürichsee und den Bodensee sowie die Erschliessung der Gemeinde Quinten am Walensee einen hohen touristischen Anteil haben.
Einziger Güterverkehr auf den Seen sind normalerweise Kiestransporte mit Ledischiffen. Auf den meisten grösseren Seen und Flüssen verkehren, teilweise nur im Sommerhalbjahr, Ausflugsschiffe. Besonders beliebt bei den Fahrgästen sind die restaurierten und unter Denkmalschutz stehenden Raddampfer.
Siehe auch: Liste schweizerischer Schifffahrtsgesellschaften
Bergbahnen
Bedingt durch die Topographie, existieren in der Schweiz viele Berg-, Standseil- und Luftseilbahnen, die zum einen Teil als öffentlicher Verkehr zur Erschliessung von Siedlungen, zum anderen Teil der touristischen Erschliessung dienen. Die Bahnstation auf dem Jungfraujoch ist der höchstgelegene Bahnhof Europas und die Luftseilbahn auf das Kleine Matterhorn ist die höchstgelegene Bahnstation Europas.[177]
Einige Orte im Schweizer Berggebiet sind aufgrund ihrer Lage nicht oder nur teilweise mit einer Strasse erschlossen. Zu den nur per Eisenbahn oder Seilbahn erreichbaren Orten und Feriensiedlungen gehören in der Schweiz Belalp, Bettmeralp, Braunwald, Fiescheralp, Gimmelwald, Gspon, Landarenca, Lauchernalp, Mürren, Niederrickenbach, Rasa, Riederalp, Schatzalp, Stoos, Wengen, Wirzweli und Zermatt. Für mit dem Auto Anreisende stehen an der jeweils letzten mit dem Auto erreichbaren Bahnstation bzw. an der Talstation Parkplätze oder gar Parkhäuser zur Verfügung, beispielsweise für Mürren und Wengen in Lauterbrunnen, für Zermatt in Täsch.
Siehe auch: Liste der Schweizer Bergbahnen
Langsamverkehr
Signalisation der Fahrradrouten im Veloland Schweiz
SchweizMobil ist das nationale Netzwerk für den Langsamverkehr, insbesondere für Freizeit und Tourismus. Langsamverkehr ist in der Schweiz der offizielle Oberbegriff für das Wandern, Velofahren, Mountainbiken, Skaten und Kanufahren. Das Projekt wurde 1998 lanciert und besteht aus mehreren Teilen. Die Stiftung Veloland Schweiz fördert das Freizeitfahrradfahren in der Schweiz und schuf bis 1998 neun nationale Routen. Weitere Themen sind Mountainbikeland Schweiz, Skatingland Schweiz und Kanuland Schweiz.[178]
Unter dem Namen Wanderland Schweiz sind auch die Wanderwege Teil des Projekts SchweizMobil. Die Schweiz verfügt über ein Netz von einheitlich markierten Wanderwegen von einer Länge von insgesamt 62'441&#160;km, davon 13'880&#160;km Hartbelag und 23'090&#160;km Bergwege (Stand: 2007).[179] Es werden dabei drei Arten von Wanderwegen unterschieden mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad: gelb markierte Wanderwege, weiss-rot-weiss markierte Bergwege sowie die weiss-blau-weiss markierten Alpinen Routen.Wirtschaft
→ Hauptartikel: Wirtschaft der Schweiz&#160;und Swissness
Die Schweiz gehört zu den wohlhabendsten Ländern der Welt. Das allgemeine Preisniveau liegt relativ hoch. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt (→&#160;Liste der Länder nach Bruttoinlandsprodukt) rangierte die Schweiz im Jahr 2013 mit umgerechnet 646 Milliarden US-Dollar an 20. Stelle, beim Bruttoinlandsprodukt pro Kopf mit 80'276 US-Dollar auf dem vierten Platz. Im Global Competitiveness Report 2014-2015 des Weltwirtschaftsforums, das die Wettbewerbsfähigkeit von Ländern misst, rangiert die Schweiz auf dem ersten Platz vor Singapur und den Vereinigten Staaten.[180] Die Wirtschaft[181] der Schweiz gilt als eine der stabilsten Volkswirtschaften der Welt. Als Erfolgsfaktor gilt unter anderem die Preisstabilität. So lag 2008 die Jahresteuerung mit 2,4&#160;Prozent zum ersten Mal seit 1994 über einem Wert von 1,8&#160;Prozent.[182]
2013 gingen 4,338 Millionen Menschen in der Schweiz einer Beschäftigung nach. 3,7&#160;% arbeiteten in der Landwirtschaft (Primärsektor), 23,9&#160;% in der Industrie und im Gewerbe (Sekundärsektor) und 72,4&#160;% im Dienstleistungssektor (Tertiärsektor).[134] Per 30.&#160;Juni 2015 betrug die Arbeitslosenquote 3,1&#160;Prozent.[138]
Die wertvollsten Marken (und Unternehmen) aus der Schweiz sind laut Interbrand: Nescafé (Nestlé), Credit Suisse, UBS und Zurich Insurance Group.[183] Economiesuisse ist der grösste Dachverband der Schweizer Wirtschaft (→&#160;Liste der Wirtschaftsverbände der Schweiz). Der Schweizerische Gewerkschaftsbund ist die grösste Gewerkschaft im Land (→&#160;Liste von Gewerkschaften in der Schweiz).
Siehe auch: Liste der grössten Unternehmen in der Schweiz&#160;und Liste der börsennotierten Schweizer Unternehmen
Schweizer FrankenBanknoten des Schweizer Frankens der aktuellen achten Serie
10&#160;CHF20&#160;CHF50&#160;CHF100&#160;CHF200&#160;CHF1000&#160;CHF
→ Hauptartikel: Schweizer Franken
Der Schweizer Franken (kurz Fr., SFr. und CHF) ist die offizielle Währung der Schweiz. Nach dem US-Dollar, Euro, Pfund und Yen gehört der Schweizer Franken zu den wichtigsten kleineren Währungen der Welt.[184][185][186]
Die Schweizerische Nationalbank SNB führt als unabhängige Zentralbank die Geld- und Währungspolitik der Schweizerischen Eidgenossenschaft und hielt 2013 Währungsreserven von 477,4&#160;Milliarden Franken und einen Goldbestand von 35,6&#160;Milliarden Franken. Der Notenumlauf belief sich auf 65,8&#160;Milliarden Franken.[134]
Landwirtschaft
Die kleingliedrigen Strukturen, das zum Teil ungünstige Gelände, das hohe Lohnniveau und die strengen Vorschriften (Tierhaltung, Landschaftsschutz) wirken sich negativ auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit aus. Mit zunehmender Öffnung des Agrarmarktes (Welthandelsorganisation) gerät die Schweizer Landwirtschaft unter Druck. Der Strukturwandel von vielen Kleinbetrieben in Berg- und Voralpenregionen hin zu wenigen Grossbetrieben im flachen Mittelland hält seit Jahrzehnten an. Zwischen 2000 und 2011 ging die Zahl der Vollzeitbeschäftigten in der Landwirtschaft um 23'280 zurück und betrug im Jahr 2011 nur noch 72'715 (−24&#160;Prozent). Die Zahl der Betriebe sank ebenfalls um 1,8&#160;Prozent, während die Nutzfläche kaum abnahm. Die Landwirtschaft wird vom Bund mit beträchtlichen Mitteln unterstützt (Subventionen bzw. an Auflagen gebundene Direktzahlungen).[187][188][189]
In den gebirgigen Regionen dominieren die Viehzucht und Milchwirtschaft. Im Mittelland dagegen liegt der Schwerpunkt beim Getreide- (Gerste, Hafer, Roggen und Weizen), Kartoffel-, Mais-, Rüben- und zunehmend Rapsanbau. In der Ostschweiz wie auch im Wallis kommt Obstbau dazu. In den Kantonen Wallis, Waadt, Neuenburg und Genf, in der Deutschschweiz, in der Drei-Seen-Region sowie in den Kantonen Aargau, Zürich, Schaffhausen, Graubünden und im Tessin wird Weinbau betrieben.
In der Schweiz dominiert in der Landwirtschaft die integrierte Produktion. Der biologische Anbau beträgt etwa 9&#160;Prozent der Produktion und ist stark im Wachsen. Es gibt keinen Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzensorten, ausser zu Forschungszwecken.
Siehe auch: Weinbau in der Schweiz&#160;und Käseherstellung in der Schweiz
Rohstoffe und Energieproduktion
Staumauer am Lac des Dix (VS)
→ Hauptartikel: Schweizer Energiepolitik
Abgebaut werden in der rohstoffarmen Schweiz Kies, Kalk, Ton, Granit und Salz.
In der Schweiz werden pro Jahr gut fünf Millionen Kubikmeter Holz geerntet. Dies entspricht ca. zwei Dritteln des im Schweizer Wald jährlich nachwachsenden nutzbaren Holzes. Die Schweiz importiert mehr Holz und Holzprodukte, als sie exportiert. Pro Jahr werden gut sechs Millionen Kubikmeter Holz energetisch verwendet, als Karton oder Papier verbraucht, zu Möbeln verarbeitet oder auf dem Bau verwendet.[190]
Ein wichtiger Rohstoff der Schweiz ist die Wasserkraft; die über 500 grösseren und kleineren Speicherkraftwerke und Laufwasserkraftwerke decken rund zwei Drittel des Schweizer Elektrizitätsbedarfs (→&#160;Liste der Speicherseen in der Schweiz).
Die Kernenergie trägt an die inländische Stromproduktion im Zehnjahresdurchschnitt 39 Prozent bei, im Winter bis zu 45 Prozent. Die fünf schweizerischen Kernkraftwerke haben eine Gesamtleistung von 3,2&#160;Gigawatt; ihre jährliche Verfügbarkeit liegt bei rund 90 Prozent (→&#160;Kernenergie nach Ländern (Abschnitt Schweiz)).[191]
Die beiden schweizerischen Erdölraffinerien (Raffinerie Cressier und Raffinerie Collombey) sind an das europäische Erdölpipelinenetz angeschlossen.
Die Schweizer Erdgashandels- und Transportgesellschaft Swissgas beschafft und transportiert Erdgas im Auftrag der vier schweizerischen regionalen Gasverteilgesellschaften Erdgas Ostschweiz, Gasverbund Mittelland, Gaznat und Erdgas Zentralschweiz. 12 Einspeisestellen sind an das europäische Gaspipelinenetz angeschlossen. Die wichtigste Zufuhrleitung ist die Trans-Europa-Naturgas-Pipeline, die von den Niederlanden nach Italien führt. 2012 stammten 41&#160;Prozent des in der Schweiz verbrauchte Erdgases aus der EU, 24&#160;Prozent aus Norwegen und 21&#160;Prozent aus Russland. Die restlichen 12&#160;Prozent stammten aus übrigen Ländern.[192]
Gewerbe und Industrie
Paradeplatz in Zürich mit Credit Suisse und UBS
Der grösste Teil des Bruttoinlandsproduktes wird im sekundären und tertiären Sektor erwirtschaftet. Der Anteil der Wertschöpfung im Industriesektor[193] am gesamten Bruttoinlandsprodukt ging seit 1970 von rund 30&#160;Prozent auf heute noch rund 22&#160;Prozent zurück. Der grösste Rückgang entfiel dabei in die Jahre zwischen 1973 und 1979, in denen der Anteil um rund 6 Prozentpunkte auf unter 24&#160;Prozent sank. Die früher dominante Textilindustrie ist weitgehend verschwunden.
Den kleinen und mittleren Unternehmen (kurz «KMU»; Firmen bis 249 Mitarbeiter) kommt in der Schweizer Wirtschaft eine entscheidende Bedeutung zu. Mehr als 99&#160;Prozent aller Firmen zählen zu den KMU.[194] Sie stellen zwei Drittel aller Arbeitsplätze.[195]
Eine wichtige Rolle spielen internationale Grossfirmen in der Maschinenindustrie wie ABB, in der Nahrungsmittelindustrie wie Nestlé, Lindt&#160;&amp;&#160;Sprüngli (→&#160;Schweizer Schokolade) und Givaudan, in der Pharmaindustrie mit Novartis und Roche, in der Chemieindustrie mit Syngenta sowie in der Uhren- und Luxusgüterindustrie mit Swatch Group und Richemont.[196]
2008 zog die Schweiz mit ihrem Industrieanteil an der Wertschöpfung mit Deutschland gleich und überholte Japan. Dies liegt vor allem daran, dass die Industrie sehr hochwertige Güter produziert wie Medizinaltechnikprodukte, Pharmazeutika, Präzisionsinstrumente oder Luxusuhren. In absoluten Zahlen ist die Industrieproduktion der Schweiz mit rund 100 Milliarden US-Dollar deutlich grösser als diejenige Belgiens, Norwegens oder Schwedens und liegt etwa auf gleicher Höhe mit derjenigen von Taiwan und den Niederlanden. Umgerechnet auf einen Prokopfanteil, liegt die Schweiz weltweit an der Spitze mit rund 12'400 US-Dollar, vor Japan mit 8600 US-Dollar und Deutschland mit 7700 US-Dollar.[197]
Von den 1'035'000 Beschäftigten in der Industrie und im Gewerbe arbeiteten 2013 31,7&#160;% im Baugewerbe, 10,4&#160;% in der Uhren- und Präzisionsinstrumentenindustrie, 9,6&#160;% in der Metallverarbeitung, 9,5&#160;% im Maschinen- und Fahrzeugbau, 6,8&#160;% in der Chemie, 6,4&#160;% im Bereich Nahrung, Getränke und Tabakwaren, 1,4&#160;% in der Textilindustrie sowie 24,2&#160;% in der übrigen Industrie.[134]
Dienstleistungen
Der tertiäre Sektor[198] zählt bei weitem die meisten Erwerbstätigen (72&#160;Prozent). Dominant sind der Handel, das Gesundheits- und Bildungswesen sowie das Banken- (→&#160;Schweizer Bankwesen) und das Versicherungswesen mit u.&#160;a. UBS, Credit Suisse, Zurich, Swiss Life und Swiss Re sowie die Anwaltschaft, wobei Anwälte vielfach auch als Finanzintermediäre tätig sind. In den Jahren nach 2000 siedelten sich Firmen aus dem Bereich des Rohstoffhandels an: Vitol, Glencore, Xstrata, Mercuria Energy Group.
Tourismus
→ Hauptartikel: Tourismus in der Schweiz
Seit etwa 150 Jahren ist der Tourismus ein wichtiger Wirtschaftszweig in der Schweiz. Er wurde begünstigt durch die Alpen, die vielen Seen, die zentrale Lage in Europa, eine stabile Politik, eine sichere Gesellschaft und eine starke Wirtschaft. Zu den beliebtesten Destinationen und meistbesuchten Regionen zählen Zürich, Luzern, Graubünden, Berner Oberland, Wallis, Genf, Waadt, Basel, Tessin, Ostschweiz und Bern. In der Schweiz gab es 2013 insgesamt 5'129 Hotels und Kurbetriebe mit 249'666 Betten und über 25'000 klassierte Ferienwohnungen und Gästezimmer. Weiter gibt es 755 Gruppenunterkünfte, 52 Jugendherbergen, 412 Campingplätze, über 1'000 Bed-and-Breakfast-Betriebe, 29'000 Bahnhöfe und 2'500 Seilbahnen. 210'000 der Schweizer Arbeitnehmer (4 Prozent) in 167'590 Vollzeitstellen arbeiteten im Tourismus.[199] 2012 wurden 34,8 Millionen Hotelübernachtungen verzeichnet. Der Tourismus (nur ausländische Gäste) stand 2012 mit 16 Milliarden Franken (4,6 Prozent) an vierter Stelle der Exporteinnahmen.[200][201] Besonders in den wirtschaftlich schwächeren Bergregionen ist der Tourismus ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. In den Bergkantonen Graubünden und im Wallis beträgt der Anteil am Bruttoinlandprodukt (BIP) bis zu 30 Prozent, schweizweit sind es 2,6 Prozent.[202]
Siehe auch: Liste der Skigebiete in der Schweiz
Detailhandel
Der Schweizer Detailhandel (Einzelhandel) wird durch die beiden genossenschaftlich organisierten Detailhandelsriesen Migros und Coop beherrscht. Die beiden deutschen Detailhandelsketten Aldi (Firmierung in der Schweiz unter Aldi Suisse) und Lidl sind erst spät, Aldi 2005 und Lidl 2009, in den Schweizer Markt eingetreten. Derzeit sind sie daran, ein flächendeckendes Filialnetz aufzubauen. Das grösste Einkaufszentrum des Landes ist das Glattzentrum in Wallisellen im Kanton Zürich.
Siehe auch: Einkaufszentrum (Abschnitt Schweiz)
Aussenhandel
Der wichtigste Handelspartner der Schweiz ist Deutschland, gefolgt von Italien, Frankreich und den Vereinigten Staaten.[203]
Haupthandelspartner (2013)[204]Ausfuhr/Export nach
Anteil
in Prozent
Einfuhr/Import von
Anteil
in Prozent
Deutschland&#160;Deutschland
18,5
Deutschland&#160;Deutschland
28,1
Vereinigte Staaten&#160;Vereinigte Staaten
11,7
Italien&#160;Italien
10,1
Italien&#160;Italien
7,1
Frankreich&#160;Frankreich
8,3
Frankreich&#160;Frankreich
7,1
China Volksrepublik&#160;Volksrepublik China
6,1
Vereinigtes Konigreich&#160;Vereinigtes Königreich
5,2
Vereinigte Staaten&#160;Vereinigte Staaten
6,1
China Volksrepublik&#160;Volksrepublik China
4,1
Osterreich&#160;Österreich
4,3
Hongkong&#160;Hongkong (Sonderverwaltungszone)
3,9
Irland&#160;Irland
3,8
sonstige Länder
42,4
sonstige Länder
33,2Entwicklung des Aussenhandels (in Milliarden US-Dollar und seine Veränderung gegenüber dem Vorjahr in Prozent)[204]
2009
2010
2011
2012
2013
Mrd. USD
&#160;% gg. Vj.
Mrd. USD
&#160;% gg. Vj.
Mrd. USD
&#160;% gg. Vj.
Mrd. USD
&#160;% gg. Vj.
Mrd. USD
&#160;% gg. Vj.
Einfuhr
155,4
−15,3
176,3
13,5
208,2
18,1
197,8
−5,0
200,9
1,6
Ausfuhr
172,5
−14,0
195,6
13,4
234,8
20,0
225,9
−3,8
229,2
1,5
Saldo
17,119,326,628,128,3Die Schweiz ist Mitglied der Internationalen Kakao-Organisation (ICCO).
Messen
Genfer Auto-Salon in den Palexpo-Hallen in Le Grand-Saconnex (GE)
Jährlich finden wichtige internationale und nationale Messen[205] in der Schweiz statt. Die wichtigsten Messen sind:Art Basel, eine der weltweit wichtigsten Kunstmessen
Baselworld, weltweit wichtigste Messe der Uhren- und Schmuckindustrie
Genfer Auto-Salon, eine der weltweit wichtigsten Automobil-Fachmesse in Le Grand-Saconnex
Internationale Messe für Erfindungen in Genf
MUBA, Mustermesse in Basel
OLMA, Schweizer Messe für Landwirtschaft und Ernährung in St.&#160;Gallen
BEA, Ausstellung für Gewerbe, Landwirtschaft und Industrie in Bern
Züspa, Herbstmesse in ZürichMedien und Kommunikation
Erstausgabe der Neuen Zürcher Zeitung vom 12.&#160;Januar 1780
→ Hauptartikel: Medien in der Schweiz
Presse
Zeitungen sind meist lokal und regional ausgerichtet, aber es gibt auch bekannte Zeitungen mit nationaler Verbreitung wie die Neue Zürcher Zeitung (NZZ), die für ihre fundierte Berichterstattung besonders zu internationalen Ereignissen bekannt ist. Die am meisten gelesene Tageszeitung ist die kostenlose Pendlerzeitung 20 Minuten (französisch 20 minutes), vor der Boulevardzeitung Blick und dem Tages-Anzeiger. In der Romandie (französischsprachige Schweiz) ist Le Temps eine überregionale Tageszeitung. Die am meisten gelesenen Tageszeitungen der Romandie sind Le Matin und 24 Heures.
Bekannte Nachrichtenmagazine sind die wöchentlich erscheinenden Formate Die Weltwoche und Die Wochenzeitung. Bekannte französischsprachige Zeitschriften sind L’Hebdo und L’illustré.[206]
Siehe auch: Liste von Schweizer Zeitungen
Radio und Fernsehen
Nebst zahlreichen privaten Anbietern ist die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft SRG SSR die mit Abstand wichtigste und grösste Anbieterin von Radio- und Fernsehprogrammen in der Schweiz.
SRG SSR
Die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft SRG SSR ist ein privater Verein mit öffentlichem Auftrag[207] mit Sitz in Bern und Trägerin des grössten Unternehmens für elektronische Medien des Landes. Die Tätigkeit der SRG stützt sich auf die Schweizerische Bundesverfassung, das Radio- und Fernsehgesetz[208], die Radio- und Fernsehverordnung sowie die Konzession des Bundes[209], welche ihr umfangreiche Aufgaben im Dienste der allgemeinen Öffentlichkeit (Service public) überträgt. Die SRG SSR ist publizistisch als auch organisatorisch unabhängig. Durch ihre UnternehmenseinheitenSchweizer Radio und Fernsehen (SRF)
Radio Télévision Suisse (RTS)
Radiotelevisione Svizzera (RSI)
Radiotelevisiun Svizra Rumantscha (RTR)ist die SRG SSR mit ihren Radio- und Fernsehprogrammen in allen Sprachregionen präsent.
Radio
Die öffentliche SRG&#160;SSR betreibt sechs Radioprogramme in deutscher Sprache (Radio SRF 1, Radio SRF 2 Kultur, Radio SRF 3, Radio SRF 4 News, Radio SRF Virus und Radio SRF Musikwelle). Des Weiteren gibt es vier Programme in französischer (La Première, Espace 2, Couleur 3 und Option Musique), drei in italienischer (Rete Uno, Rete Due Rete Tre), sowie eines in rätoromanischer Sprache (Radio Rumantsch). Ausserdem betreibt die SRG&#160;SSR die Spartenprogramme Radio Swiss Pop, Radio Swiss Classic und Radio Swiss Jazz, die über Satellit und Internet zu empfangen sind. Die Radioprogramme sind durch Rundfunkgebühren finanziert. Radiowerbung ist der SRG&#160;SSR nicht gestattet.
Seit 1983 werden in allen Regionen private, kommerzielle Radiosender betrieben. Hinzu kommt eine grosse Gruppe von nichtkommerziellen Regionalsendern, die komplementäre Programme abseits des Einheitsbreis produzieren. Sie haben sich in der Gruppe Union nicht-kommerzorientierter Lokalradios (UNIKOM) zusammengeschlossen.
Alle SRG-Radioprogramme sowie viele private Radiosender werden nicht nur über UKW, sondern auch über DAB+ ausgestrahlt (→&#160;Liste der DAB-Sender in der Schweiz).[210]
Siehe auch: Liste der Radiosender der Schweiz&#160;und Landessender der Schweiz
Fernsehen
Blick auf den Baukomplex des Schweizer Fernsehens (SRF) in Zürich
Das öffentliche Fernsehangebot der SRG&#160;SSR umfasst sechs Kanäle mit Vollprogramm, je zwei für die drei grossen Sprachregionen (Deutschschweiz SRF&#160;1 und SRF zwei, Westschweiz RTS Un und RTS Deux, italienischsprachige Schweiz RSI LA&#160;1 und RSI LA&#160;2). In der Deutschschweiz wird zusätzlich der Nachrichtenkanal SRF info ausgestrahlt, der die wichtigsten Informationssendungen meist unverschlüsselt wiederholt. Alle sieben Fernsehkanäle werden in HDTV-Qualität (720p) produziert und können über den Satelliten Hotbird empfangen werden. Zur Förderung der rätoromanischen Sprache werden auf SRF&#160;1 täglich kurze Sendungen mit deutschen Untertiteln der Televisiun Rumantscha ausgestrahlt.
Die Fernsehprogramme der SRG&#160;SSR werden durch Rundfunkgebühren und Werbung finanziert.
Private Sender mit nationalem Sendegebiet sind u.&#160;a. 3+, 4+, 5+, Star&#160;TV, Schweiz&#160;5, SSF, S1 und TV24. Daneben existieren viele Lokalsender. Viele deutsche Sender wie RTL, RTL&#160;II, VOX, Sat.1, kabel eins oder ProSieben senden ihre Programme in der deutschsprachigen Schweiz mit speziellen Werbefenstern und einigen wenigen speziell für die Schweiz produzierten Sendungen. Mit Ausnahme von lokalen Programmen können in der Schweiz fast alle deutschen und österreichischen Kanäle sowie französische und italienische Sender empfangen werden.[211]
Siehe auch: Liste von Fernsehsendern (Abschnitt Schweiz)&#160;und Liste der höchsten Fernseh- und Fernmeldetürme in der Schweiz
Kommunikation
Die drei Netzanbieter Swisscom, Sunrise und Orange betreiben je ein eigenes landesweit flächendeckendes GSM-Mobilfunknetz. Der damalige staatliche Telefonmonopolist PTT (Vorgängerin von Swisscom und Die Post) nahm 1978 das analoge NATEL A-Netz in Betrieb. 1983 folgte das NATEL B-Netz und 1987 das NATEL C-Netz. 1998 fiel das staatliche Monopol. Das Wort Natel ist eine Abkürzung für «Nationales Autotelefon» und wird in der Schweiz noch heute als Synonym für Mobilfunk verwendet. Der Bund hält 51,22 Prozent per Ende 2013 an der Swisscom AG.[212]
Siehe auch: Postgeschichte und Briefmarken der Schweiz, Schweizer Mobilfunkmarkt und Telefonvorwahl (Schweiz)
Kultur
Sechseläuten in Zürich
→ Hauptartikel: Kultur der Schweiz
Die Kultur ist von den Nachbarländern beeinflusst, aber über die Jahre hat sich eine eigenständige, schweizerische Kultur entwickelt. Die Aufteilung der Schweiz in mehrere Sprach- und auch Kulturregionen macht es schwierig, von einer einheitlichen Schweizer Kultur zu sprechen. Die drei grösseren Sprachregionen werden von den jeweiligen Nachbarländern sowie von den angelsächsischen Ländern stark beeinflusst, während die rätoromanische Kultur keinen «grossen Bruder» hat.
Bräuche
Brauchtümer sind Teil der kulturellen Vielfalt und des immateriellen Erbes der Schweiz. Sie sind Teil der Volkskultur und stets von lokalem beziehungsweise regionalem Charakter. In einigen Fällen (Fasnacht, Osterbräuche, Weihnachtsbräuche) können sie auch überregional sein. Zu den Bräuchen gehören verschiedene tradierte Ausdrucksformen in Musik, Tanz, Volksdichtung z.&#160;B. an der Basler Fasnacht sowie im traditionellen Handwerk. Ausserdem zählen dazu verschiedene Riten und religiöse Feste.
2008 ratifizierte die Schweiz die UNESCO-Konvention zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes (2003) und die UNESCO-Konvention über den Schutz und die Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen, in dem die Sorge um das Verschwinden und die Vermarktung des Brauchtums zum Ausdruck kommt.[213]
Beispiele von Brauchtum in der Schweiz sind: die Luzerner Fasnacht, die Basler Fasnacht, das Unspunnensteinwerfen in Interlaken, das Sechseläuten in Zürich oder die Fête des Vignerons (Fest der Winzer) in Vevey.[214]
Siehe auch: Liste der lebendigen Traditionen in der Schweiz
Feiertage
→ Hauptartikel: Feiertage in der Schweiz
In der Schweiz ist auf Bundesebene nur der 1.&#160;August als Feiertag für das gesamte Land festgelegt (siehe auch Schweizer Bundesfeiertag). Die Regelung aller anderen Feiertage ist allein Sache der Kantone, die bis zu acht weitere Tage als gesetzliche Ruhetage festlegen können. Aufgrund dieser Tatsache gibt es ausser der Bundesfeier nur noch drei weitere Tage, die ebenfalls in der gesamten Schweiz anerkannt sind: Neujahr, Auffahrt und der erste Weihnachtsfeiertag. In weiten Teilen des Landes werden weiterhin Karfreitag, Ostermontag, Pfingstmontag und der Stephanstag (zweiter Weihnachtsfeiertag) begangen. Die Mehrheit der Feiertage hat einen christlichen Hintergrund. So werden Fronleichnam, Mariä Himmelfahrt, Allerheiligen und Maria Empfängnis nur in den katholischen Kantonen gefeiert, umgekehrt ist der Berchtoldstag (zweiter Neujahrstag) weitgehend auf die protestantischen Kantone beschränkt. Ohne religiösen Bezug ist der Tag der Arbeit, der oft auch als Kampftag der Arbeiterbewegung bezeichnet wird. Daneben gibt es eine Vielzahl lokaler Feiertage wie etwa das Knabenschiessen in Zürich oder der Schmutzige Donnerstag.[215]
Küche
Rösti
Käsefondue
→ Hauptartikel: Schweizer Küche
Die Schweizer Küche verbindet Einflüsse aus der deutschen, der französischen und der norditalienischen Küche. Sie ist jedoch regional sehr unterschiedlich, wobei die Sprachregionen eine Art Grobaufteilung bieten. Viele Gerichte haben allerdings die örtlichen Grenzen überschritten und sind in der ganzen Schweiz beliebt.
Typische Schweizer Gerichte sind Käsefondue, Raclette, Älplermagronen und Rösti. Diese hat auch den Röstigraben definiert. Östlich dieser Grenze gehört Rösti zu den populärsten Nationalgerichten, westlich davon nicht. Das heute weltweit bekannte Birchermüesli wurde um 1900 von einem Schweizer Arzt, Maximilian Bircher-Benner, in Zürich entwickelt. Die Honig-Mandel-Nougat-Schokolade Toblerone wird seit über 100 Jahren nur in Bern hergestellt und von dort aus in über 120 Länder verkauft. Der Cervelat ist die wohl beliebteste Wurst der Schweiz.
Sehr beliebte Schweizer Produkte sind Schweizer Käse sowie Schweizer Schokolade. Zu lokalen Spezialitäten gehören etwa: Basler Läckerli, Vermicelles, Appenzeller Biber, Baiser, die Aargauer Rüeblitorte oder die Zuger Kirschtorte.
In der Schweiz sehr beliebt ist das Süssgetränk Rivella. Das im Aargau produzierte Getränk konnte sich international allerdings bis jetzt nur in den Niederlanden durchsetzen. Auch die Ovomaltine ist eines der beliebtesten Schweizer Getränke. Im Gegensatz zu Rivella hat sich Ovomaltine weltweit verbreitet, mehrheitlich unter dem Namen Ovaltine.
UNESCO-Welterbe in der Schweiz
In der Liste des UNESCO-Welterbes in der Schweiz sind elf Kultur- und Naturgüter als Welterbestätten eingetragen.
Architektur
Museum Tinguely in Basel,
Architekt: Mario Botta
Der wohl bekannteste und bedeutendste Schweizer Architekt ist Le Corbusier. Atelier&#160;5, Mario Botta und Diener &amp; Diener sind weitere bekannte Schweizer Architekten der Gegenwart, die die moderne Architektur im Ausland mitgeprägt haben. Die Architekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron (Herzog&#160;&amp;&#160;de Meuron) haben sich in den vergangenen Jahren unter anderem mit dem Gebäude der Tate Modern in London oder dem Nationalstadion («Vogelnest») in Peking einen Namen gemacht und den Pritzker-Preis erhalten. Peter Zumthor, dessen bekanntester Bau das Thermalbad in Vals ist, ist ebenfalls Pritzker-Preis-Träger. Im Jahr 1928 entstand in Dornach bei Basel das Goetheanum, einer der ersten Stahlbetonbauten, der mit seiner skulpturalen Gestalt bis heute zu den bekannten Bauten des Expressionismus und der Organischen Architektur gezählt wird.[216]
Siehe auch: Architekt (Abschnitt Schweiz), Liste von Schweizer Architekten und Liste der höchsten Bauwerke in der Schweiz
Kultur- und Baudenkmäler
Schloss Chillon in Veytaux (VD)
→ Hauptartikel: Schweizerisches Inventar der Kulturgüter von nationaler und regionaler Bedeutung
Die neutrale Schweiz wurde&#160;– mit Ausnahme der Stadt Schaffhausen (→&#160;Bombardierung Schaffhausens im Zweiten Weltkrieg)&#160;– beinahe vollständig von den grossen zerstörerischen Kriegen der Neuzeit verschont. Deshalb blieb im ganzen Land bis heute viel historische Bausubstanz erhalten.
In den aufstrebenden Städten des 11. und 12.&#160;Jahrhunderts wurde intensiv gebaut. Neue Kirchen entstanden in Städten, Dörfern und Klöstern. Alle fünf Bischofskirchen im Gebiet der Schweiz (Basel, Chur, Genf, Lausanne, Sitten) wurden in der zweiten Hälfte des 12.&#160;Jahrhunderts neu erbaut. Neben dem voll entfalteten Formenrepertoire der Romanik wurde aber bereits deren Ablösung durch die Gotik sichtbar. Der Stil der Romanik findet sich in der Schweiz u.&#160;a. im Basler Münster, in der Kathedrale Unsere Lieben Frau in Sitten, in der Kathedrale St.&#160;Maria Himmelfahrt in Chur und der Kathedrale St.&#160;Peter in Genf. Das Münster zu Allerheiligen in Schaffhausen gilt heute als der grösste romanische Sakralbau der Schweiz.[217]
Im Gebiet der heutigen Schweiz manifestierte sich die Gotik ausserordentlich früh. Die ab 1190 erbaute Kathedrale Notre-Dame in Lausanne gilt heute als eines der bedeutendsten gotischen Bauwerk in der Schweiz.[218]
Die Klosterkirche von Einsiedeln sowie die Stiftskirche in St.&#160;Gallen und die St.&#160;Ursenkathedrale in Solothurn wurden im üppigen Barock erbaut.[219]
Die ältesten Holzhäuser in Europa stehen im Kanton Schwyz. Die Häuser Nideröst (1176) und Bethlehem (1287) wurden als Blockhaus aus qualitativ bestem Fichten-Kernholz noch vor der Gründung der Alten Eidgenossenschaft erbaut. In der Gegend zwischen Arth und dem Muotatal stehen nachweislich über ein Dutzend der uralten Holzhäuser. Gemäss neuen Forschungsergebnissen war es den Hausbesitzern damals möglich, bei einem Umzug in ein Nachbardorf die Häuser in ihre einzelnen Balken zu zerlegen und mitzunehmen. Fachleute sprechen von der mit Abstand ältesten Holzhausgruppe in ganz Europa.[220][221]
Für die Entstehung monumentaler Renaissance-, Barock- und Rokokoschlösser fehlten in der Schweiz die gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen. Einige der wenigen Ausnahmen waren die fürstbischöfliche Residenz in Chur, die bischöfliche Residenz in Pruntrut sowie die Fürstabtei St.&#160;Gallen. Die Schlösser in der Schweiz gehen meist auf mittelalterliche Burgen zurück. In der Zeit zwischen dem 10. und dem 15.&#160;Jahrhundert sind im Gebiet der heutigen Schweiz ca. 2'000 Burgen meist durch edelfreie oder gräfische Familiengruppen, durch den Kleinadel oder Rittersleuten erbaut worden. Die eidgenössischen Orte übten bei der Umgestaltung ihrer als Landvogteien genutzten Schlösser sparsame Zurückhaltung aus. Dadurch blieb wertvolle mittelalterliche Bausubstanz erhalten. Im Gegensatz dazu entfaltete die ländliche und v.&#160;a. die städtische Oberschicht, die sogenannten Patrizier, eine rege private Bautätigkeit bei der Errichtung repräsentativer Landsitze. Zu den bekanntesten Schlössern des Landes zählen heute Schloss Chillon, Schloss Thun, das Wasserschloss Bottmingen, die Habsburg, Schloss Tarasp, Schloss Grandson und Schloss Sargans. Die drei Burgen von Bellinzona gehören zum UNESCO-Welterbe.[222]
Moderne Waffentechniken machten die mittelalterlichen städtischen Befestigungsanlagen im 18.&#160;Jahrhundert nutzlos. Das Schleifen der Stadtbefestigungen in der ersten Hälfte des 19.&#160;Jahrhunderts ging mit Stadterweiterungen im Zuge der beginnenden Industrialisierung einher. Strassen- und besonders der Eisenbahnbau sprengten die Stadtmauern und verdrängten die turmbesetzten Verteidigungsringe und Schanzenanlagen. Einige Orte konnten ihre mittelalterlichen Befestigungsanlagen bewahren, so z.&#160;B. das Städtchen Murten. In anderen Städten blieben nur einzelne wenige Teile der Befestigungen erhalten wie der Zytglogge-Turm in Bern, das Spalentor in Basel oder der Munot in Schaffhausen.[223] In dieser Zeit wurde in Zürich auch die Bahnhofstrasse durch Zuschütten des Fröschengrabens angelegt.
Im jungen Bundesstaat des ausgehenden 19.&#160;Jahrhunderts war die Rückbesinnung auf die eigene Geschichte von grosser Bedeutung. Diese Rückbesinnung führte in der Architektur zur Verwendung historischer Stilelemente und ihre Verschmelzung zu einem neuen Ganzen. Für einige Jahrzehnte hat sich in der Schweiz der Historismus als neuer Baustil durchgesetzt. Zu den bekanntesten Gebäuden dieser Zeit gehört das Bundeshaus in Bern (1852–1902), die Elisabethenkirche in Basel (1857–1864), das Stadthaus in Winterthur (1865–1869), der Hauptbahnhof Zürich (1870–1871), das Historische Museum Bern (1892–1894) sowie das Schweizerische Landesmuseum in Zürich (1897).[224]
Im 20.&#160;Jahrhundert wurden vereinzelt auch Gebäude im neoklassizistischen Stil erstellt, so 1903 das Stadttheater Bern und anfangs der 1930er Jahre der Palais des Nations in Genf. Zwischen 1922 und 1927 entstand in Lausanne das Bundesgerichtsgebäude im klassizistischen Stil.
Die bäuerliche Baukultur hat eine reiche Zahl verschiedener Baustile hervorgebracht, jeweils bestens angepasst an die verschiedenen Landschaften und klimatischen Bedingungen. Die Dörfer der Ostschweiz sind geprägt durch die typischen Riegelbauten, im Wallis dominieren die von der Sonne dunkel gebrannten Blockhäuser (z.&#160;B. in Grimentz), im Berner Mittelland sind die Bauernhäuser mit den weit ausladenden Dächern, den typischen Ründen, überall anzutreffen und die reich mit Sgraffiti geschmückte Häusern gehören unverkennbar in jedes Engadiner Dorf (z.&#160;B. in Ardez). Einen umfassenden Überblick über die verschiedenen Bauernhaustypen der Schweiz bietet das Freilichtmuseum Ballenberg mit seinen mehr als 100 original Exponaten.[225]
2013 kürte der Schweizer Heimatschutz (SHS) 50 herausragende Bauobjekte aus der Zeit zwischen 1960 und 1975 als Zeugen der jüngeren Baukultur, so z.&#160;B. die beiden Grossüberbauungen Telli in Aarau und die Cité du Lignon in Genf. Objekte aus dieser Zeit prägen viele Gemeinden der Schweiz, gelten jedoch häufig immer noch als Bausünden oder Energieschleudern. Eine echte Auseinandersetzung mit der Baukultur dieser Epoche hat noch nicht stattgefunden.[226]
Der Wakkerpreis ist ein seit 1972 durch den Schweizer Heimatschutz verliehener Preis, mit dem politische Gemeinden für beispielhaften Ortsbildschutz ausgezeichnet werden. Die erste Auszeichnung erhielt das Städtchen Stein am Rhein für sein auf mittelalterlichem Grundriss gewachsenes und hervorragend erhalten gebliebenes Stadtbild.[227]
Siehe auch: Liste von Städten mit historischem Stadtkern (Abschnitt Schweiz)&#160;und Liste von Burgen und Schlössern in der Schweiz
Bildende Kunst
Paul Klee: Ad Parnassum, 1932
Im 16.&#160;Jahrhundert hat der Protestantismus die Bildkunst der Schweiz stark beeinflusst. Seither konnten sich einige Schweizer Künstler international durchsetzen. Johann Heinrich Füssli erlangte im 18.&#160;Jahrhundert in England unter dem Namen Henry Fuseli beachtlichen Ruhm mit seinen grotesk-fantastischen Bildern. Aus dem 19.&#160;Jahrhundert sind unter anderem Arnold Böcklin, Albert Anker und Ferdinand Hodler zu nennen. Alberto Giacometti und HR Giger wurden im 20.&#160;Jahrhundert international bekannt. Jean Tinguely hat Menschen mit komplexen bewegenden Skulpturen aus Altmetall fasziniert. Paul Klee wird manchmal als der bedeutendste Maler der Schweiz gefeiert. Die Farbenlehre von Johannes Itten gilt als herausragendes Standardwerk. Sophie Taeuber-Arp gehört als Vertreterin der konkreten, rhythmisch-geometrischen Kunst zu den herausragenden abstrakten Künstlerinnen des 20.&#160;Jahrhunderts.[228]
Siehe auch: Liste von Schweizer Malern und Grafikern
Theater
Das Schauspielhaus Zürich gilt als eines der bedeutendsten deutschsprachigen Theater. Zahlreiche Stücke von Bertolt Brecht erlebten hier ihre Uraufführung. Auch die meisten Stücke von Max Frisch und Friedrich Dürrenmatt wurden hier uraufgeführt. In den Jahren 2002 und 2003 wurde es von den Kritikern der Zeitschrift Theater heute zum Theater des Jahres gewählt.
Das 1891 eröffnete Opernhaus Zürich ist ebenfalls Ort vieler Erst- und Uraufführungen. So sind internationale Opernstars regelmässig Gast auf der Zürcher Opernbühne. Anfänglich wurden auch Sprech- und Musiktheater aufgeführt. Nach der Eröffnung des Schauspielhauses beschränkte sich das Opernhaus jedoch auf Oper, Operette und Ballett.
Weitere Theater von Bedeutung sind das Theater Basel, das Stadttheater Bern sowie das Cabaret Voltaire, der Geburtsort des Dadaismus.[229]
Der seit 1957 jährlich von der Schweizerischen Gesellschaft für Theaterkultur (SGTK) vergebene Hans Reinhart-Ring gilt als die höchste Auszeichnung im Theaterleben der Schweiz.
Siehe auch: Liste deutschsprachiger Theaterbühnen (Abschnitt Schweiz)
Musik
Stephan Eicher
Die Schweiz wird nicht als grosse Musiknationen betrachtet. Im 20.&#160;Jahrhundert jedoch hat sie eine Anzahl von bekannten Komponisten hervorgebracht. Arthur Honegger, Othmar Schoeck und Frank Martin haben es alle zu internationalem Ruhm gebracht. In Luzern findet jährlich ein internationales Musikfestival statt, das Lucerne Festival. Auch in anderen Orten gibt es ähnliche Veranstaltungen. Das Montreux Jazz Festival ist besonders bekannt. Zudem finden jeden Sommer viele Open-Air-Veranstaltungen statt.
Seit den 1950er-Jahren besteht eine lebendige Musikszene aus dem Pop- und Rockbereich. Vor allem seit den späten siebziger Jahren etablierte sich in der Deutschschweiz mehr und mehr die Pop-/Rockmusik mit Dialekttexten (Mundartrock). Heute finden sich Mundarttexte in allen Bereichen der Musik. Besonders erfolgreiche Pop- und Rockmusiker sind etwa DJ BoBo, Polo Hofer, Patrick Nuo, Stephan Eicher, Krokus, Yello, The Young Gods, Gotthard, Sina und Andreas Vollenweider. Viele davon haben in mehreren Ländern Erfolg, einige wie zum Beispiel Polo Hofer, Züri West, Patent Ochsner, Stiller Has und Sina sind aufgrund der Dialekttexte eher an die Schweiz gebunden. Nur wenige Mundart-Interpretationen wie Hemmige von Stephan Eicher oder Nach em Räge schint Sunne wurden auch international bekannt.
Den Eurovision Song Contest (→&#160;Schweiz beim Eurovision Song Contest) gewann die Schweiz zweimal: bei der Erstausgabe 1956 mit Lys Assia sowie 1988 mit Céline Dion. Im Hip-Hop erfolgreich sind zum Beispiel die schweizerdeutsch rappenden Greis, Gimma, Bligg, Wurzel&#160;5 und Sektion Kuchikäschtli, oder die Westschweizer Stress und Sens Unik mit französischen Texten. Bekannt ist die Zürcher Street Parade&#160; mit gegen eine Million Besuchern die weltweit grösste Techno-Veranstaltung.
Die traditionelle Schweizer Volksmusik, die zur Alpenländischen Volksmusik gehört, geniesst einen hohen Stellenwert. Sie wird auch als Ländlermusik bezeichnet. Typisch schweizerische Instrumente sind das Alphorn und das Schwyzerörgeli, aber auch Geige, Bassgeige und Klarinette sind häufig. Im Gegensatz zum übrigen deutschsprachigen Raum bezeichnet Ländler in der Schweiz nicht nur 3/4-taktige Ländlermelodien, sondern eine zu Beginn des 20.&#160;Jahrhunderts aus der Volksmusik des 19.&#160;Jahrhunderts hervorgegangene Tanz- und Unterhaltungsmusik. Instrumentale Schweizer Volksmusik wird in zahlreichen lokalen Gruppen gespielt, die meisten Spieler haben Amateur-Status, einige sind auch schweizweit bekannt, beispielsweise die Streichmusik Alder, Carlo Brunner oder die Swiss Ländler Gamblers. Die Musik ist überwiegend Tanzmusik wie Ländler oder Schottisch, wird jedoch oft auch ohne Tanzgelegenheit gespielt. Blasmusik-Formationen sind im ganzen Land sehr verbreitet. Das Eidgenössische Musikfest gilt als grösstes Blasmusikfestival der Welt. Auch der traditionelle Jodelgesang wird gepflegt.[230]
Die Schweizerische Genossenschaft der Urheber und Verleger von Musik (SUISA) vertritt die Nutzungsrechte aus dem Urheberrecht von Komponisten, Textdichtern und Verlegern von Musikwerken.
Siehe auch: Ländlermusik, Liste Schweizer Komponisten klassischer Musik und Liste von Jazzmusikern in der Schweiz
Film
Die Piazza Grande von Locarno (TI) während der Filmfestspiele
→ Hauptartikel: Schweizer Film
Die Schweiz kann auf eine der jüngsten Filmgeschichten in Europa zurückblicken. Erst in den 1930er-Jahren und nur durch die Einwanderung von ambitionierten Künstlern und Unternehmern konnte eine Schweizer Filmszene überhaupt erst entstehen. Am bedeutsamsten waren in der frühen Tonfilmära bis etwa 1950 die aus Österreich stammenden Lazar Wechsler, der die Praesens-Film gründete, die damals einzige bedeutende Filmproduktionsgesellschaft, und Leopold Lindtberg, der produktivster und erfolgreichster Regisseur der Praesens-Film war, die insgesamt vier Oscars und Auszeichnungen an allen international bedeutsamen Festivals gewann.
Wie in allen europäischen Ländern ist auch in der Schweiz das Filmschaffen heute auf staatliche Filmförderung angewiesen. Die Fördermittel reichen jedoch nur für einen geringen jährlichen Filmausstoss. In der jüngeren Geschichte schafften es daher nur wenige Schweizer Filme zu internationaler Bekanntheit. Mangels konkurrenzfähiger Alternativen sind in allen Sprachgebieten der Schweiz US-amerikanische Filme und Fernsehserien stark verbreitet. Im Kino überwiegen die US-amerikanischen Produktionen. Die Eintrittspreise zählen zu den höchsten Europas.
Der vermutlich bekannteste Film aus Schweizer Produktion ist Die Schweizermacher. Weitere Komödien, die viel Beachtung fanden, sind Beresina oder Die letzten Tage der Schweiz von Daniel Schmid und Gekauftes Glück von Urs Odermatt. Im Gegensatz dazu ist das Werk Höhenfeuer von Fredi M. Murer sehr viel ernster: Es handelt von Inzest in abgelegenen Bergregionen. Ebenfalls in ländlicher Umgebung spielen Kleine Fluchten von Yves Yersin. Einen Oscar gewann 1991 die Reise der Hoffnung von Xavier Koller. Dieser Film handelt von einer kurdischen Familie, die auf der Suche nach einem besseren Leben in die Schweiz flieht. Weitere Erfolge konnten auch verschiedene Filme mit Schweizer Beteiligung verzeichnen. So erhielt die Hauptdarstellerin (Halle Berry) des Films Monster’s Ball des Schweizer Regisseurs Marc Forster für ihre Rolle einen Oscar. Jüngste Erfolge konnte das Schweizer Filmwesen etwa mit «Achtung, fertig, Charlie!», «Mein Name ist Eugen» und «Grounding&#160;– Die letzten Tage der Swissair» erzielen.
Der erfolgreichste Schweizer im internationalen Filmgeschäft ist der Produzent Arthur Cohn, der bereits viermal für einen Oscar nominiert war und dabei drei Oscars in der Kategorie Bester Dokumentarfilm gewonnen hat.
Der Schweizer Filmpreis wird jeweils an den Solothurner Filmtagen Ende Januar verliehen. Alljährlich im August findet zudem das Internationale Filmfestival von Locarno statt, eines der bedeutendsten internationalen Filmfestivals weltweit. Das jüngste Festival ist das Zurich Film Festival, das 2005 zum ersten Mal stattfand.[231]
Siehe auch: Liste Schweizer Filme&#160;und Filmfestivals in der Schweiz
Literatur und Philosophie
Friedrich Dürrenmatt
→ Hauptartikel: Schweizer Literatur&#160;und Philosophie in der Schweiz
Da die Schweiz vier Landessprachen besitzt, werden oft vier Bereiche unterschieden: die Literatur der deutsch-, französisch-, italienischsprachigen und der rätoromanischen Schweiz. Bereits im Mittelalter gab es literarisches Schaffen in verschiedenen Klöstern: Im Kloster Muri entstand um 1250 das älteste deutschsprachige Osterspiel und das erste Weihnachtsspiel etwas später in St.&#160;Gallen. Obwohl die deutschsprachige Schweizer Literatur immer im Schatten Deutschlands stand, gibt es einige Werke, die im ganzen deutschen Sprachraum bekannt sind, darunter jene von Friedrich Glauser, Johanna Spyri, Friedrich Dürrenmatt, Max Frisch, Hermann Hesse, Adolf Muschg, Jeremias Gotthelf, Gottfried Keller und Conrad Ferdinand Meyer.
Geschrieben wird, im Gegensatz zur Musik, wo oft in Mundart gesungen wird, fast ausschliesslich im Schweizer Hochdeutsch.
Bedeutende Literaturveranstaltungen in der Schweiz sind die Solothurner Literaturtage und das Buch- und Literaturfestival Basel.[232][233]
Siehe auch: Liste Schweizer Schriftsteller, Liste von Literaturpreisen (Abschnitt Schweiz) und Literatur der französischsprachigen Schweiz
Museen
Das Schweizerische Landesmuseum in Zürich
Das Schweizerische Landesmuseum hat seinen Hauptsitz in Zürich und beherbergt die grösste kulturgeschichtliche Sammlung der Schweiz. Sie umfasst sämtliche Epochen von der Urgeschichte bis zum 21.&#160;Jahrhundert. Das zweitgrösste historische Museum der Schweiz ist das Historische Museum Bern mit 250'000 Objekten verschiedenster Herkunft. Erwähnenswert sind insbesondere die Burgunderteppiche, die während der Burgunderkriege dem burgundischen Herzog Karl dem Kühnen abgenommen wurden.
Das Kunstmuseum Basel ist das älteste öffentliche Museum in Europa. Seinen Ursprung hat es im Kabinett der Familie Amerbach im 16.&#160;Jahrhundert. Dieses umfasste eine Sammlung weltberühmter Gemälde sowie den Nachlass von Erasmus von Rotterdam. Das Kunsthaus Zürich besitzt die bedeutendste Sammlung von Werken Alberto Giacomettis, dazu die grösste Munch-Sammlung ausserhalb Norwegens. Das Kunstmuseum Bern ist das älteste Kunstmuseum der Schweiz mit einer permanenten Sammlung und beherbergt Werke aus acht Jahrhunderten.
Ein weiteres Museum von Bedeutung ist das Anatomische Museum Basel. Dieses zeigt Originalpräparate und Wachsmodelle von menschlichen Körperbereichen und Organen. Darunter befindet sich das älteste anatomische Präparat der Welt, ein 1543 präpariertes Skelett.
Das meistbesuchte Museum der Schweiz ist das Verkehrshaus in Luzern mit seiner grossen Sammlung an Lokomotiven, Autos, Schiffen und Flugzeugen.
Das Technorama in Winterthur ist das grösste Science Center der Schweiz. Es führt zahlreiche Experimente vor, die den Besuchern technische und naturwissenschaftliche Zusammenhänge näherbringen.
In der Westschweiz thematisieren einige Museen internationale Organisationen. Das Internationale Rotkreuz- und Rothalbmondmuseum in Genf dokumentiert die Geschichte der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung, und das Olympische Museum in Lausanne dokumentiert die neuzeitliche olympische Bewegung seit 1896.[234]
Siehe auch: Liste Schweizer Museen nach Orten
Eidgenössische Feste
→ Hauptartikel: Eidgenössische Feste
Zu den wichtigsten eidgenössischen Festen zählt das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest, das Eidgenössische Jodlerfest, das Eidgenössische Turnfest und das Eidgenössische Feldschiessen.
Der Wunsch nach nationalen Festen kam bereits 1799 während der Zeit der Helvetischen Republik auf. Die Unspunnenfeste von 1805 und 1808 gelten als Vorläufer der eidgenössischen Feste. Das erste eidgenössische Fest war 1824 das Eidgenössische Schützenfest. Im 19. Jahrhundert spielten die aufkommenden, föderalistisch durch Vereine und Verbände organisierten eidgenössischen Feste eine wichtige Rolle beim Aufbau der Willensnation und des Bundesstaates. Die gemeinsamen Feste drücken die Verbundenheit aller Teilnehmer aus, obgleich diese verschiedenen sprachlichen, kulturellen Gruppen oder Konfessionen angehörten.
Heute sind die in regelmässigen Abständen stattfindenden eidgenössischen Feste ein beliebter Treffpunkt für Sportler und Musiker aus allen Landesteilen und bilden für viele Vereine den Höhepunkt in ihrem Vereinsleben.[235]
Landesausstellungen und Gartenschauen
Expo.02 in Biel/Bienne (BE)
→ Hauptartikel: Schweizerische Landesausstellung
Seit Bestehen des Bundesstaates wurden die folgenden sechs Landesausstellungen durchgeführt:1883 in Zürich
1896 in Genf
1914 in Bern (Schweizerische Landesausstellung 1914)
1939 in Zürich (Landi)
1964 in Lausanne (Expo 64)
2002 in Biel/Bienne, Neuenburg, Yverdon-les-Bains und Murten (Expo.02)[236]1991 fanden anlässlich der Feierlichkeiten zum 700 Jahre Jubiläum der Eidgenossenschaft dezentrale Feiern in allen Landesteilen statt, so auch die nationale Forschungsausstellung Heureka in Zürich.
Mit der G59 fand 1959 in Zürich die erste von bisher zwei Gartenbau-Ausstellungen statt. 1980 folgte um Basel die Grün 80.
Diverse Kulturthemen
Appenzeller SennentrachtIn der Schweiz gibt es über 700 verschiedene Trachten (→&#160;Trachten in der Schweiz). Der Dachverband der Trachtenleute ist die Schweizerische Trachtenvereinigung.
Der international bekannte Circus Knie ist der grösste und meistbesuchte Zirkus der Schweiz. Weitere bekannte Zirkusunternehmen sind: Circus Nock, Circus Monti, Circus Conelli.
Der seit 1974 jährlich vergebene Prix Walo ist die wichtigste Auszeichnung im Schweizer Showbusiness. Er gilt als «Schweizer Oscar». Den Preis haben viele bekannte Schweizer Schauspieler, Kabarettisten und Sänger gewonnen.
Das Jassen, ein Kartenspiel der Bézique-Familie, gilt in der Schweiz als Nationalspiel. Mit «französischen» Karten wird westlich der Brünig-Napf-Reuss-Linie, mit «deutschen» Karten östlich davon gespielt.Internationale Organisationen
Palais des Nations in Genf
Das Hauptquartier des IKRK in Genf
Wegen ihrer Neutralität, der politischen Stabilität sowie ihrer humanitären Tradition ist die Schweiz ein beliebter Standort für internationale Organisationen und Verbände aus Politik, Sport, Wissenschaft und Kultur. Besonders viele internationale Organisationen haben sich in Genf, der wohl internationalsten Stadt der Schweiz, niedergelassen.Genf:In Genf befindet sich mit dem Büro der Vereinten Nationen (UNOG) neben New York, Wien und Nairobi einer der vier permanenten Sitze der Vereinten Nationen (UNO). Daneben ist Genf der Hauptsitz mehrerer UNO-Sonderorganisationen und UNO-Nebenorganen. Genf war bereits in der Zwischenkriegszeit Hauptsitz von der Vorgänger-Organisation der UNO, dem Völkerbund.
Welthandelsorganisation (WTO)
Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (UNCTAD)
Internationale Arbeitsorganisation (ILO)
Weltgesundheitsorganisation (WHO)
Hoher Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (UNHCR)
Internationale Organisation für Normung (ISO)
International Electrotechnical Commission (IEC)
Internationale Fernmeldeunion (ITU)
Weltorganisation für Meteorologie (WMO)
Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO)
Europäische Rundfunkunion (EBU)
Internationales Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) und Internationale Föderation der Nationalen Rotkreuz- und Rothalbmondsgesellschaften (IFRK), siehe Internationale Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung
Europäische Organisation für Kernforschung (CERN)
Weltpfadfinderorganisation (WOSM)
Ökumenischer Rat der Kirchen (WCC)
Lutherischer Weltbund (LWF)
Weltverband für Investitionsförderungsagenturen (WAIPA)
Internationale Organisation für Migration (IOM)
Bern:Weltpostverein (UPU)Verwaltungsgebäude des IOC in LausanneLausanne:Lausanne nimmt als Sitz des Internationalen Olympischen Komitees sowie des Internationalen Sportgerichtshofs eine besondere Stellung in der Sportwelt ein. Sie gilt als die Hauptstadt des Sports.
Internationale Eislaufunion (ISU)FIFA-Hauptsitz in ZürichZürich:Fédération Internationale de Football Association (FIFA)
Internationale Eishockey-Föderation (IIHF)
Basel:Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ)
Eurofima
Internationale Handballföderation (IHF)
Oberhofen am Thunersee:Fédération Internationale de Ski (FIS)
Nyon:Union des Associations Européennes de Football (UEFA)
Aigle:Union Cycliste Internationale (UCI)
Cologny:Weltwirtschaftsforum (WEF)
GlandWorld Wide Fund For Nature (WWF)Wissenschaft
ETH Zürich auf dem Hönggerberg
Linearbeschleuniger im CERN bei Meyrin (GE)
Die erste Universität in der Schweiz wurde 1460 in Basel gegründet. Hervorzuheben ist das Wirken des Arztes und Mystikers Paracelsus (Theophrastus Bombastus von Hohenheim). Auf ihn geht die lange Tradition der chemischen und medizinischen Forschung in der Schweiz zurück. Weitere Forschungsschwerpunkte für die Zukunft liegen insbesondere in den Bereichen Nanotechnologie, Informatik, Weltraumforschung und Klimaforschung. Die Wichtigkeit der Wissenschaft für die Schweiz ergibt sich besonders daraus, dass die Schweiz ein rohstoffarmes Land ist.
In der Schweiz forschten zahlreiche Nobelpreisträger wie zum Beispiel der Physiker Albert Einstein. Ein internationaler Forschungsstandort ist die Europäische Organisation für Kernforschung (CERN) in Meyrin im Kanton Genf.
Dem Eidgenössischen Departement des Innern (EDI) zugeordnet, jedoch nicht unterstellt, sind die beiden technischen Hochschulen ETH in Zürich und EPF in Lausanne. Den technischen Hochschulen über den ETH-Bereich angeschlossen sind das Paul Scherrer Institut (PSI), die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa), die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) und die Eawag. Dem EDI angegliedert sind die Swissmedic und das Nationalmuseum. Über das Bundesamt für Kultur (BAK) untersteht dem EDI die Schweizerische Nationalbibliothek.
Innerhalb des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) betreibt das Bundesamt für Veterinärwesen (BVET) das Institut für Virologie und Immunologie (IVI). Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) betreibt die drei Forschungsinstitute der Agroscope.
Das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) betreibt über das Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BABS) das Labor Spiez.
Die meisten übrigen Universitäten und Fachhochschulen werden von den Kantonen, einige Fachhochschulen auch privat betrieben. Für die Koordination zwischen Bund und Kantonen sorgt die Schweizerische Universitätskonferenz. Die Rektorenkonferenz der Schweizer Universitäten vertritt die Interessen der Universitäten gegenüber den Behörden der Kantone und des Bundes.
In der Schweiz existieren diverse Einrichtungen und Stiftungen zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung. Insbesondere zu erwähnen ist dabei der Schweizerische Nationalfonds (SNF).
Die Schweiz ist Mitglied und Gründungsstaat der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Der Schweizer Astronaut Claude Nicollier flog im Rahmen eines Kooperationsprogramms der ESA mit der NASA mit vier verschiedenen Raumfähren viermal ins All.[237]
Siehe auch: Liste der Schweizer Nobelpreisträger&#160;und Liste schweizerischer Erfinder und Entdecker
Sport
Schwingen
Roger Federer
→ Hauptartikel: Sport in der Schweiz
Die gebirgige Topographie des Staats hat das Freizeitverhalten seiner Einwohner nachhaltig beeinflusst. So war Ende des 19. bzw. Anfang des 20.&#160;Jahrhunderts Skifahren eine der beliebtesten Sportarten. Mit dem Wachstum von Touristenresorts in den Bergen hat sich die Bevölkerung schliesslich zu einer eigentlichen Wintersportnation entwickelt. Skifahren, Langlauf und in neuerer Zeit Snowboarden stehen hoch im Kurs. Ebenfalls von den Bergen geprägt wurden die im Sommer praktizierten Sportarten Wandern und Bergsteigen.
In organisierter Form den grössten Zulauf haben in der Schweiz die zahlreichen Turnvereine, von denen in der Regel in jedem Dorf mindestens einer existiert.
Zu den sogenannten «typisch schweizerischen» Sportarten zählen das Schwingen und das Hornussen. Dabei erfreut sich das Schwingen einer anhaltenden Beliebtheit, währenddessen das früher sehr verbreitete Hornussen nur noch eine Randsportart darstellt. Ebenfalls rückläufig ist das früher von der Armee geförderte Schiessen.
Einen hohen Stellenwert geniessen die Teamsportarten, allen voran Fussball, vor Handball, Volleyball und Unihockey (nach aktiver Beteiligung der Bevölkerung) (→&#160;Liste der höchsten Sportligen in der Schweiz). Profisportarten, die von einem Grossteil der Bevölkerung verfolgt werden, sind wiederum Fussball (→&#160;Fussball in der Schweiz) und Eishockey (→&#160;Eishockey in der Schweiz). Die Eishockey National League A gehört zu den stärksten der Welt.
Swiss Olympic ist die Dachorganisation der Schweizer Sportverbände.
Viele bedeutende Weltsportverbände, unter anderem die IIHF, die FIFA, die FIS und die ISU, haben ihren Sitz in der Schweiz. Eine besondere Stellung hat Lausanne, das als Sitz des Internationalen Olympischen Komitees sowie des Internationalen Sportgerichtshofs zuweilen auch als «Sporthauptstadt» bezeichnet wird. Darüber hinaus hat der europäische Fussballverband UEFA seinen Sitz in Nyon (→&#160;Weltsportverbände mit Sitz in der Schweiz).
Die Schweiz brachte zahlreiche erfolgreiche Sportler hervor, insbesondere im Ski- und Bobsport, wo besonders in den 1970er- und 1980er-Jahren Schweizer Sportler die Klassemente anführten. In jüngerer Zeit gelangen Schweizer Sportlern einzigartige Erfolge, v.&#160;a. im Tennis mit Roger Federer, den beiden Grand-Slam-Turnier-Siegern Martina Hingis und Stanislas Wawrinka, der Serienweltmeisterin im Orientierungslauf Simone Niggli-Luder, der Triathletin Natascha Badmann, die sechsmal den Ironman Hawaii gewann oder dem Segel-Syndikat Alinghi.
Die Schweiz und Österreich waren Gastgeberländer der UEFA Fussball-Europameisterschaft 2008, ausserdem fanden im Jahr 1954 die Fussball-Weltmeisterschaften in der Schweiz statt. Das Finalspiel Ungarn–Deutschland ging als Wunder von Bern in die Geschichte ein. 2009 richtete die Schweiz bereits zum zehnten Mal die Eishockey-Weltmeisterschaft aus. Daneben wurden auch eine Vielzahl von Weltmeisterschaften der FIBT in der Schweiz ausgetragen. So fanden in St.&#160;Moritz auf der einzigen Natureisbahn der Welt, dem Olympia Bobrun St.&#160;Moritz–Celerina, bereits zwanzig Mal Bob-Weltmeisterschaften statt. 2014 fanden in Zürich die Leichtathletik-Europameisterschaften statt.
St.&#160;Moritz war Austragungsort der Olympischen Winterspiele 1928 und 1948 (→&#160;Olympische Geschichte der Schweiz).
Im Jahr 2006 fanden 230'000 Sportveranstaltungen in der Schweiz statt mit einem direkten Gesamtumsatz von 1,2&#160;Milliarden Schweizer Franken, davon waren 68 Grosssportveranstaltungen mit einem Umsatz von 355&#160;Millionen Franken.[238] Zu den bedeutendsten regelmässigen Sportveranstaltungen gehören die Leichtathletikmeetings Weltklasse Zürich und Athletissima in Lausanne, die Tennisturniere ATP Basel, ATP Gstaad und WTA Zürich, die Springturniere CSI Zürich und CSIO Schweiz in St.&#160;Gallen, das Eishockeyturnier Spengler Cup in Davos, die Radrundfahrt Tour de Suisse sowie die Skiweltcuprennen in Adelboden (Chuenisbärgli), St.&#160;Moritz, Lenzerheide und Wengen (Lauberhornrennen).[239]
Siehe auch: Schweizer Meister&#160;und Sportler des Jahres (Schweiz)
Siehe auch
&#160;Portal: Schweiz – Überblick über vorhandene Artikel zum Thema «Schweiz»admin.ch
Landschaften mit der Bezeichnung «Schweiz» im NamenLiteraturGeorg Kreis: Schweiz im Historischen Lexikon der Schweiz.
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Peter Dürrenmatt: Schweizer Geschichte. 1. Aufl., Hallwag, Bern 1957.
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Iso Camartin: Schweiz (Reihe Die Deutschen und ihre Nachbarn). C.&#160;H. Beck, München 2008, ISBN 978-3-406-57856-4.
Schweizer Brevier 2009/2010: Die Schweiz in ihrer Vielfalt. Natur, Bevölkerung, Staat, Wirtschaft, Kultur. Hallwag Kümmerly &amp; Frey, Urtenen-Schönbühl 2009, ISBN 978-3-259-05531-1.
Volker Reinhardt: Geschichte der Schweiz. C.&#160;H. Beck, 4. Aufl., München 2010, ISBN 978-3-406-53601-4.
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Diccon Bewes: Swiss Watching. Inside Europe’s Landlocked Island. Nicholas Brealey Publishing, London/Boston 2010, ISBN 978-1-85788-548-4.Weblinks
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Reiseführer
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Portal Swissworld.org (Präsenz Schweiz) – Offizielles Schweizer Informationsportal
Portal ch.ch (Schweizerische Bundeskanzlei) – Schweizer Portal von Bund, Kantonen und Gemeinden
Portal MySwitzerland.com (Schweiz Tourismus)
Portal swissinfo.ch – Schweizer Nachrichten
SRG SSR Timeline, multimediale Chronik der Schweiz seit 1931
Archives Online (Staatsarchiv der Kantone Zürich, Thurgau, Basel-Stadt, Zug und das Archiv für Zeitgeschichte der ETH Zürich)Anmerkungen↑ Dieser Wahlspruch wird de facto als solcher bezeichnet, da er in der Kuppel des Bundeshauses erwähnt wird. Auf rechtlicher Grundlage existiert kein Wahlspruch. Siehe Papier des Bundesgerichtes: La devise traditionnelle «Un pour tous, tous pour un» ne repose sur aucun fondement constitutionnel ou légal.
↑ a b Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (Art. 70 Abs. 1 BV). Die Bundesbehörden der Schweizerischen Eidgenossenschaft (admin.ch), abgerufen am 1.&#160;Januar 2015 (Rätoromanisch besitzt (seit 1938) mit den anderen Amtssprachen des Bundes den Status einer Landessprache gemäss Art. 4 BV.).&#160;
↑ a b Siehe auch: Hauptstadtfrage der Schweiz
↑ Die Schweiz hat kein eindeutig bestimmtes Regierungs- oder Staatsoberhaupt. Grundsätzlich ist die Bundesversammlung unter dem Vorbehalt der Rechte von Volk und Ständen die oberste Macht im schweizerischen Staat (Art. 148 Abs. 1 der Schweizerischen Bundesverfassung), der Nationalratspräsident gilt demzufolge im Volksmund als der «höchste Schweizer». Aufgaben eines Staatsoberhauptes (zum Beispiel bei Empfängen für ausländische Staatsoberhäupter) nimmt der Bundespräsident als primus inter pares wahr, der zwar gemäss der protokollarischen Rangordnung das höchste Amt der Schweiz ausübt, aber kein Staatsoberhaupt ist. Der Gesamtbundesrat als Kollektiv erscheint zudem aufgrund seiner Stellung de facto auch als Staatsoberhaupt.
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↑ Denkmalpflege Schweiz
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↑ Ernst Lichtenhahn: Musik im Historischen Lexikon der Schweiz
↑ Pierre Lachat: Film im Historischen Lexikon der Schweiz
↑ Manfred Gsteiger / AH: Literaturwissenschaft im Historischen Lexikon der Schweiz
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Politische Gliederung EuropasSouveräne Staaten:
Albanien&#160;| Andorra&#160;| Belgien&#160;| Bosnien und Herzegowina&#160;| Bulgarien&#160;| Dänemark2&#160;| Deutschland&#160;| Estland&#160;| Finnland&#160;| Frankreich2&#160;| Griechenland&#160;| Irland&#160;| Island&#160;| Italien2&#160;| Kasachstan1&#160;| Kroatien&#160;| Lettland&#160;| Liechtenstein&#160;| Litauen&#160;| Luxemburg&#160;| Malta&#160;| Mazedonien&#160;| Moldawien&#160;| Monaco&#160;| Montenegro&#160;| Niederlande2&#160;| Norwegen2&#160;| Österreich&#160;| Polen&#160;| Portugal2&#160;| Rumänien&#160;| Russland1&#160;| San Marino&#160;| Schweden&#160;| Schweiz&#160;| Serbien&#160;| Slowakei&#160;| Slowenien&#160;| Spanien2&#160;| Tschechien&#160;| Türkei1&#160;| Ukraine&#160;| Ungarn&#160;| Vatikanstadt&#160;| Vereinigtes Königreich2&#160;| Weißrussland
Sonstige Gebiete:
Färöer&#160;| Gibraltar&#160;| Guernsey&#160;| Isle of Man&#160;| Jersey
Umstrittene Gebiete:
Kosovo&#160;| Transnistrien
1&#160;Liegt größtenteils in Asien.&#160; 2&#160;Hat zusätzliche Gebiete außerhalb Europas.
Mitgliedstaaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD)Australien&#160;| Belgien&#160;| Chile&#160;| Dänemark&#160;| Deutschland&#160;| Estland&#160;| Finnland&#160;| Frankreich&#160;| Griechenland&#160;| Irland&#160;| Island&#160;| Israel&#160;| Italien&#160;| Japan&#160;| Kanada&#160;| Luxemburg&#160;| Mexiko&#160;| Neuseeland&#160;| Niederlande&#160;| Norwegen&#160;| Österreich&#160;| Polen&#160;| Portugal&#160;| Schweden&#160;| Schweiz&#160;| Südkorea&#160;| Slowakei&#160;| Slowenien&#160;| Spanien&#160;| Tschechien&#160;| Türkei&#160;| Ungarn&#160;| Vereinigte&#160;Staaten&#160;| Vereinigtes&#160;Königreich
Teilnehmerstaaten der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE)Albanien&#160;| Andorra&#160;| Armenien&#160;| Aserbaidschan&#160;| Belgien&#160;| Bosnien und Herzegowina&#160;| Bulgarien&#160;| Dänemark&#160;| Deutschland&#160;| Estland&#160;| Finnland&#160;| Frankreich&#160;| Georgien&#160;| Griechenland&#160;| Irland&#160;| Island&#160;| Italien&#160;| Kanada&#160;| Kasachstan&#160;| Kirgisistan&#160;| Kroatien&#160;| Lettland&#160;| Liechtenstein&#160;| Litauen&#160;| Luxemburg&#160;| Malta&#160;| Mazedonien&#160;| Moldawien&#160;| Monaco&#160;| Mongolei&#160;| Montenegro&#160;| Niederlande&#160;| Norwegen&#160;| Österreich&#160;| Polen&#160;| Portugal&#160;| Rumänien&#160;| Russland&#160;| San&#160;Marino&#160;| Schweden&#160;| Schweiz&#160;| Serbien&#160;| Slowakei&#160;| Slowenien&#160;| Spanien&#160;| Tadschikistan&#160;| Tschechien&#160;| Türkei&#160;| Turkmenistan&#160;| Ukraine&#160;| Ungarn&#160;| Usbekistan&#160;| Vatikanstadt&#160;| Vereinigtes&#160;Königreich&#160;| Vereinigte&#160;Staaten&#160;| Weißrussland&#160;| Republik&#160;Zypern
Partnerstaaten: Afghanistan&#160;| Australien&#160;| Ägypten&#160;| Algerien&#160;| Israel&#160;| Japan&#160;| Jordanien&#160;| Marokko&#160;| Tunesien&#160;| Südkorea&#160;| Thailand
Mitgliedstaaten der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA)Island&#160;| Liechtenstein&#160;| Norwegen&#160;| SchweizNormdaten&#160;(Geografikum): GND: 4053881-3 (AKS) | LCCN: n79062978 | VIAF: 159363991
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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Gesetz (Begriffsklärung) aufgeführt.
Unter Gesetz versteht man einerseits inhaltlich (materiell) alle abstrakt-generellen Rechtsnormen, die menschliches Verhalten regeln und andererseits formell jeden im verfassungsmäßig vorgesehenen Gesetzgebungsverfahren zustande gekommenen Willensakt der Gesetzgebungsorgane eines Staates.
§
Das ParagraphenzeichenInhaltsverzeichnis
1 Allgemeines
2 Begriff
3 Geschichte
4 Arten
5 Gesetze im formellen und materiellen Sinn5.1 Gesetz im materiellen Sinn
5.2 Gesetz im formellen Sinn
5.3 Unterschiede
6 Gesetzgebung
7 Systematik und Inhalt eines Gesetzes
8 Rangfolge (Normenhierarchie)
9 Zahl der Gesetze
10 International
11 Weblinks
12 EinzelnachweiseAllgemeines[Bearbeiten]
Der Gesetzesbegriff ist immer mit der politischen Struktur der jeweiligen Gemeinschaft verbunden, für welche das Gesetz gilt.[1] Auch Gesetze selbst benutzen das Wort Gesetz, ohne es zu präzisieren. So ist in Art.&#160;2 Abs. 2 GG ein förmliches Gesetz, in Art.&#160;3 Abs. 1 GG jedoch ein materielles Gesetz gemeint. Der Blick in ein bestimmtes Gesetz erfordert genaue Kenntnis der verfassungsrechtlichen Gesetzgebungskompetenzen (Art.&#160;70 ff., Art.&#160;105 GG), woraus sich ergibt, ob eine bestimmte Regelungsmaterie durch Bundes- oder/und Landesrecht angeordnet werden kann. Das gilt meist auch international bei dezentral organisierten Staaten. Da die Gerichte bei der Kontrolle der Exekutive an das Gesetz gebunden sind (Art.&#160;20 Abs. 3 GG), dürfen sie ihren Entscheidungen nur materielles Recht (Verfassungsrecht, förmliche Gesetze, Rechtsverordnungen, autonome Satzungen und auch Gewohnheitsrecht) zugrunde legen.[2]
Begriff[Bearbeiten]
Nach der Wortherkunft bezeichnet der Begriff „Gesetz“ etwas Gesetztes, etwas Festgelegtes. Ein Gesetz ist also im eigentlichen Sinn des Wortes eine Festlegung von Regeln. Daher bezeichnet man den Gesetzgebungsvorgang auch als Rechtsetzung – im Gegensatz zur Rechtsprechung. Laut Duden ist das Gesetz „eine vom Staat festgesetzte, rechtlich bindende Vorschrift“.[3] Von dem Verb „setzen“ leitet sich der Begriff „Satzung“ ab.
Geschichte[Bearbeiten]
→ Hauptartikel: Rechtsgeschichte
Als älteste überlieferte Rechtssammlung gilt der Codex Ur-Nammu, der auf etwa 2100 v. Chr. datiert wird. Um 450 v. Chr. wurde in Rom mit den Zwölftafelgesetzen die erste auf allgemeine Regelungen ausgerichtete Kodifikation geschaffen.[4] Das römische Recht war in der ausgehenden Spätantike (533/534 n. Chr.) im Corpus Iuris Civilis aufgezeichnet worden. Der Begriff des Gesetzes wurde in der Antike von Platon und Aristoteles geprägt (Nomoi als Tugend), für Aristoteles war die Allgemeinheit das Wesensmerkmal eines Gesetzes. Nach weitgehend unbestrittener Ansicht kam es in vielen griechischen Gemeinwesen des Mutterlandes, Kleinasiens, Siziliens und der Magna Graecia im 6. Jahrhundert zu einer Feststellung des Rechtes durch schriftliche Fixierung der Gesetze, die öffentlich gemacht und dadurch allgemein zugänglich wurden.[5]
Arten[Bearbeiten]
Nicht nur Gesetze, die als solche bezeichnet werden (Bürgerliches Gesetzbuch), sondern auch andere Rechtsnormen haben Gesetzescharakter. Die Rechtsverordnung befreit ein vorgeschaltetes, abstrakteres Gesetz von technischen Details und entlastet es von fallspezifischen Anordnungen. Die Ermächtigung zur Rechtsverordnung ist die Übertragung rechtsetzender Gewalt durch die Legislative auf die Exekutive bis hinunter auf Behördenebene (Art.&#160;80 Abs. 1 GG). Allgemeine Verwaltungsvorschriften und sonstige Anweisungen, durch die eine vorgesetzte Behörde verwaltungsintern auf ein einheitliches Verfahren oder eine bestimmte Ermessensausübung, aber auch auf eine bestimmte Gesetzesauslegung und -anwendung durch die ihr nachgeordneten Behörden hinwirkt, sind jedoch keine Gesetze im Sinne des Art.&#160;20 Abs. 3 GG und des Art.&#160;97 Abs. 1 GG.[6] Die Gerichte sind an das Gesetz gebunden und dürfen ihren Entscheidungen also nur materielles Recht – Verfassungsrecht, förmliche Gesetze, Rechtsverordnungen, autonome Satzungen und auch Gewohnheitsrecht – zugrunde legen.
Im Regelfall sind Gesetze auf Dauer angelegt. Es gibt jedoch auch Gesetze, die nur zeitlich befristet gelten sollen. Es handelt sich um Zeitgesetze, die bewusst vom Gesetzgeber nur für einen bestimmten Zeitraum erlassen werden und danach ihre Wirksamkeit verlieren (wie etwa die jährlichen Haushaltsgesetze, Steueränderungsgesetze).
Gesetze im formellen und materiellen Sinn[Bearbeiten]
Die rechtswissenschaftliche Terminologie unterscheidet zwischen dem Gesetz im formellen Sinne und dem Gesetz im materiellen Sinne. Dieses Begriffspaar darf nicht mit dem Begriffspaar „formelles Recht“ und „materielles Recht“ verwechselt werden.
Gesetz im materiellen Sinn[Bearbeiten]
→ Hauptartikel: Materielles Recht
Gesetz im materiellen Sinn (auch: materielles Gesetz) ist jede generell-abstrakte Regelung mit Außenwirkung (Rechtsnorm).
Das ist jede Maßnahme eines Trägers öffentlicher Gewalt, die darauf gerichtet ist, in einer unbestimmten Vielzahl von Einzelfällen bestimmte Rechtsfolgen herbeizuführen, die sich nicht ausschließlich innerhalb dieses Trägers öffentlicher Gewalt auswirken und in diesem Sinne sogenannte Außenwirkung entfalten.
Gesetz im materiellen Sinne ist daher beispielsweise die 16. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (BImSchG), die kommunale Abwassergebührensatzung oder die ordnungsbehördliche Verordnung über die Benutzung öffentlicher Straßen. Kein Gesetz im materiellen Sinne ist dagegen eine Verwaltungsvorschrift, da sich ihre Rechtswirkungen auf den Innenbereich des erlassenden Trägers öffentlicher Gewalt beschränken. Ebenso wenig Gesetz im materiellen Sinne ist die Baugenehmigung, da sie Rechtsfolgen nicht für eine unbestimmte Vielzahl von Einzelfällen, sondern allein für einen einzigen ganz bestimmten Lebenssachverhalt (nämlich ein individuelles Bauvorhaben) entfaltet. Auch die DIN-Norm ist kein Gesetz. Weder ist das Deutsche Institut für Normung ein Träger öffentlicher Gewalt noch ist die DIN-Norm darauf gerichtet, aus sich heraus Rechtsfolgen irgendwelcher Art herbeizuführen.
Gesetz im formellen Sinn[Bearbeiten]
→ Hauptartikel: Formelles Recht
Gesetz im formellen Sinn (auch: formelles Gesetz, Parlamentsgesetz) ist jede Maßnahme, die in einem Verfahren zustande gekommen ist, das von Verfassungswegen für den Erlass von Gesetzen vorgesehen ist, von den in der Verfassung dazu bestimmten Organen erlassen worden ist und die in der Verfassung für Gesetze bestimmte Form hat. Gesetz im formellen Sinn ist daher regelmäßig nur diejenige Maßnahme, die vom Parlament in einem Gesetzgebungsverfahren beschlossen und im Gesetzblatt bekannt gemacht worden ist. Beispiele: Das Bürgerliche Gesetzbuch ist daher ein formelles Gesetz, nicht aber die 16. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes.
Unterschiede[Bearbeiten]
Die beiden Begriffe sind nicht deckungsgleich. Das Gesetz im formellen Sinn kann, aber muss nicht zwingend auch ein Gesetz im materiellen Sinn sein. So dürfte beispielsweise das Magnetschwebebahnbedarfsgesetz, das ausschließlich die Feststellung enthielt, dass Bedarf für eine Magnetschwebebahnverbindung von Hamburg nach Berlin bestehe, kaum als materielles Gesetz anzusehen sein, weil es nicht eine unbestimmte Vielzahl von Einzelfällen, sondern einen ganz individuellen Lebenssachverhalt betraf. Umgekehrt ist nicht jedes Gesetz im materiellen Sinn auch ein Gesetz im formellen Sinn. Letzteres gilt für Verordnungen und Satzungen seitens der öffentlichen Verwaltung.Beispiele
Sowohl formelle als auch materielle Gesetze sind das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) oder das Straßenverkehrsgesetz (StVG).
Nur materielle Gesetze sind die Straßenverkehrsordnung (StVO) (erlassen vom Bundesverkehrsministerium auf Grundlage des StVG) oder eine kommunale Hundesteuersatzung (erlassen von der Gemeinde auf Grundlage des Kommunalabgabengesetzes des jeweiligen Bundeslandes).
Nur formelle Gesetze sind das Haushaltsgesetz (Art.&#160;110 Abs.&#160;2 Grundgesetz) oder §&#160;2 Abs.&#160;1 Berlin/BonnG: Sitz des Deutschen Bundestages ist die Bundeshauptstadt Berlin.Gesetzgebung[Bearbeiten]
→ Hauptartikel: Gesetzgebung
Die Gesetzgebungsverfahren in Demokratien unterscheiden sich nur gering. Meist wird in den zuständigen Parlamenten oder Abgeordnetenhäusern ein Gesetzesantrag eingebracht (Gesetzesinitiative), welcher von parteiübergreifenden Fachgremien ausgearbeitet und anschließend zur Abstimmung vorgelegt wird. Damit ein Gesetz rechtswirksam ist, muss ein festgelegter Verfahrensweg eingehalten werden.
Die Gesetzgebung ist der Legislative vorbehalten. Sie kann die Exekutive ermächtigen, untergesetzliche Normen – Rechtsverordnungen und Satzungen – zu erlassen. Je nach Ausformung der Demokratie sind plebiszitäre Elemente („Volksgesetzgebung“) denkbar.
Systematik und Inhalt eines Gesetzes[Bearbeiten]
International und in Deutschland hat sich der Gesetzgeber für eine numerisch gegliederte Einteilung eines Gesetzes entschieden, die mit Paragrafen oder Artikeln bezeichnet wird. In dieser Form werden dann gesetzliche Bestimmungen im Einzelnen zitiert (z. B. §&#160;266 BGB). Dabei beginnen die meisten Gesetze häufig mit der Abgrenzung ihres Geltungsbereichs, der durch eine Legaldefinition der verwendeten Begriffe näher beschrieben werden kann. Weitere Untergliederungen in detaillierte Sachgebiete können Abschnitte, Titel und Untertitel sein. Gesetze bedienen sich einer Gesetzessprache, die oft nicht mit der Umgangssprache übereinstimmt. Nach § 42 Abs. 5 Satz 1 GGO müssen Gesetze sprachlich richtig und möglichst für jedermann verständlich gefasst sein. Wer Rechtsvorschriften formuliert, muss sie sprachlich so genau fassen, wie es nach der Eigenart der zu ordnenden Lebenssachverhalte mit Rücksicht auf den Normzweck möglich ist. Die Betroffenen sollen auf Grund der gesetzlichen Regelung in der Lage sein, den rechtlichen Rahmen ohne juristische Beratung zu erkennen und ihr Verhalten entsprechend auszurichten. Aber auch Juristen müssen häufig im Wege der Auslegung den Gesetzesinhalt klären, auch dann, wenn der Gesetzgeber bewusste oder unbewusste Gesetzeslücken hinterlassen hat. Der systematische Aufbau eines Gesetzes beinhaltet Normen, die durch Verbote, Gebote und Kannvorschriften kodifiziert werden. Gesetze befassen sich zunächst mit dem Tatbestand, an den die Rechtsfolge anknüpft.
Auch heute noch ist die Veröffentlichung eines Gesetzes in offiziellen Publikationen (Bundesgesetzblatt, Bundesblatt, etc.) die Rechtsgrundlage für die deklaratorische Rechtswirksamkeit eines Gesetzes, während die konstitutive Rechtswirksamkeit mit seinem Inkrafttreten beginnt. Die Regelung des Inkrafttretens gehört zu den Schlussbestimmungen eines Gesetzes. Der Grundsatz Nulla poena sine lege ("Keine Strafe ohne Gesetz") verbietet die Rückwirkung von Strafvorschriften, so dass solche nur vom Tag des Inkrafttretens an für die Zukunft gelten können.
Rangfolge (Normenhierarchie)[Bearbeiten]
→ Hauptartikel: Normenhierarchie
Zwischen verschiedenen (materiellen) Gesetzen besteht eine Rangfolge in der Weise, dass das jeweils untergeordnete Gesetz den inhaltlichen Vorgaben des übergeordneten Gesetzes, auf dem es beruht, entsprechen muss (sogenannte Normenhierarchie). Im innerstaatlichen Recht steht die Verfassung an der Spitze; in ihr die Normen, die mit der sogenannten Ewigkeitsgarantie ausgestattet sind. Unter der Verfassung stehen die formellen Gesetze (so genannte einfache Gesetze), hierunter die Verordnungen und Satzungen. Recht, das den übergeordneten Normen nicht entspricht, ist üblicherweise nichtig (zur Ausnahme in der Schweiz bezüglich Bundesgesetzen siehe im Artikel Verfassungsgerichtsbarkeit unter Schweiz). In Deutschland kann bei nachkonstitutionellen Gesetzen im formellen Sinne die Nichtigkeit nur vom Bundesverfassungsgericht bzw. dem zuständigen Landesverfassungsgericht ausgesprochen werden (Verwerfungsmonopol).
Zahl der Gesetze[Bearbeiten]
In der Bundesrepublik Deutschland gab es im Jahr 2003 insgesamt 2.197 Bundesgesetze mit 45.511 Paragraphen und 3.131 Bundesrechtsverordnungen.[7] Am 31. Dezember 2009 umfasste das deutsche Bundesrecht 1.924 Gesetze und 3.440 Verordnungen mit insgesamt 76.382 Artikeln und Paragraphen (Angaben nach Fundstellennachweis A, ohne Änderungsvorschriften und Normen zu völkerrechtlichen Vereinbarungen).[8] Hinzu kommen die Gesetze und Rechtsverordnungen der 16 Länder.
31,5&#160;% aller deutschen Gesetze beruhen der Bundestagsverwaltung zufolge auf EU-Vorgaben. Dabei ist die Verteilung innerhalb der Ressorts jedoch sehr unterschiedlich. Während im Innenministerium 23&#160;% aller Gesetze durch die EU veranlasst waren, kam das Wirtschaftsressort auf 38&#160;%.[9]
Auf Ebene der Europäischen Union (EU) bestanden im Jahr 2011 etwa 32.000 Rechtsakte. Davon waren insgesamt 1.844 Richtlinien oder Rahmengesetze sowie 8.471 Verordnungen.[10]
International[Bearbeiten]
In anderen Ländern mit rechtsstaatlicher Verfassung erfüllen Gesetze (engl. law/act/bill, franz. loi, ital. legge, griech. Νόμος, nomos) materiell und formell dieselben Voraussetzungen. Sie beruhen allerdings auf unterschiedlichen Rechtskreisen. Zum deutschen Rechtskreis gehören Österreich, die Schweiz, Liechtenstein, Luxemburg sowie Griechenland. Das französische Recht basiert auf dem Code civil, das angelsächsische (insbesondere Großbritannien und die USA) auf dem Common Law, das islamische fußt auf der Scharia. Wo unterschiedliche Rechtskreise und Gesetzesnormen bei Auslandsberührung kollidieren, kommt das Internationale Privatrecht zum Einsatz.
Weblinks[Bearbeiten]
&#160;&#160;Wikiquote: Gesetz&#160;– Zitate
&#160;Wiktionary: Gesetz&#160;– Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungenhttp://www.gesetze-im-internet.de nahezu das komplette aktuelle deutsche Bundesrecht, Herausgeber: Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz in Zusammenarbeit mit juris
http://www.buzer.de nahezu das komplette aktuelle deutsche Bundesrecht, alle Änderungsvorschriften seit 2006, Synopsen zu jeder Änderung, vollständig verlinkt, Herausgeber: buzer.de
http://www.dejure.org sämtliche Gesetze des deutschen Bundesrechts und sämtliche gerichtliche Entscheidungen, Herausgeber: dejure.orgEinzelnachweise[Bearbeiten]↑ Gregor Kirchhof, Die Allgemeinheit des Gesetzes, 2009, S. 67
↑ BVerfG, Urteil vom 31. Mai 1988, Az: 1 BvR 520/83, Rdn. 37
↑ Duden, Deutsches Universalwörterbuch, 6. Auflage 2006
↑ Gregor Kirchhof, a.a.O., S. 70
↑ Karl-Joachim Hölkeskamp, Schiedsrichter, Gesetzgeber und Gesetzgebung im archaischen Griechenland, 1999, S. 11
↑ BVerfGE 78, 214, 227
↑ Bundestagsdrucksache 15/1233 vom 25. Juni 2003 (PDF; 169&#160;kB).
↑ Pressemitteilung vom 19. Januar 2009.
↑ Frankfurter Allgemeine vom 3. September 2009, EU macht weniger Gesetze als angenommen
↑ https://www.bpb.de/dialog/europawahlblog-2014/182740/regelt-die-eu-zu-viel
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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Geheimnis (Begriffsklärung) aufgeführt.
Geheimnisse (Gemälde von Karl Witkowski)
Ein Geheimnis ist eine meist sensible Information, die einem oder mehreren Eigentümern zugeordnet ist. Es soll einer fremden Personengruppe, für die es von Interesse ist/sein könnte, nicht bekannt oder einsehbar sein. Die entsprechende Information wird häufig absichtlich in einem kleinen Kreis Eingeweihter gehalten. Sie kann durch äußere Umstände auch vollkommen verloren gehen. Im politischen Bereich wird für den Begriff auch der aus dem Angelsächsischen re-importierte Ausdruck klandestin (ursprünglich von lateinisch clandestinus ‚heimlich‘, ‚geheim‘) verwendet. Als Gegenbegriffe gelten Öffentlichkeit, Transparenz und Informationsfreiheit.
Im Kontext eines Mysteriums bezeichnet „Geheimnis“ ein Ereignis, das rational nicht erklärbar scheint oder einen Vorgang, dessen Hintergründe aufgrund des Wirkens bestimmter „eingeweihter“ Personengruppen (z. B. Priester, Schamanen, Magier, Sagenfiguren) für den gewöhnlichen Betrachter erwartungsgemäß und absichtsvoller Weise unklar bleiben.Inhaltsverzeichnis
1 Beispiele
2 Siehe auch
3 Literatur
4 WeblinksBeispiele[Bearbeiten]Das Amtsgeheimnis ist ein Geheimnis, das sich auf einen bestimmten, nachvollziehbaren Personenkreis von Amtsträgern und Mitarbeitern einer Behörde beschränkt. Die Mitglieder dieses Kreises unterliegen der Schweigepflicht.
Das Bankgeheimnis bezeichnet Verschwiegenheitspflicht und Recht der Auskunftsverweigerung von Banken gegenüber Dritten über die Vermögensverhältnisse ihrer Kunden.
Als Beichtgeheimnis bezeichnet man die pflichtmäßige Verschwiegenheit des Geistlichen in Bezug auf alles, was ihm in der Beichte anvertraut wird.
Ein Betriebsgeheimnis war früher ein in speziellen Berufen gehütete Arbeitsweise oder Fertigungsverfahren, die aus Gründen der Ökonomie (Beschränkung der Anzahl der Berufsausübenden) und auch Plagiatsvergehen berufsfremden Personen nicht zugänglich gemacht werden sollten. Berufsgeheimnisse wurden allerdings gegen entsprechende Bezahlungen häufig durchbrochen (Zauberkünstler). Heute versteht man darunter die Pflicht des Arbeitnehmers, über Dinge zu schweigen, die er während der Ausübung seiner Tätigkeit erfahren hat.
Das Briefgeheimnis ist ein in der Verfassung demokratischer Staaten garantiertes Grundrecht, das die Unverletzlichkeit von Postsendungen garantiert.
Das Datengeheimnis schützt personenbezogene Daten vor Missbrauch, es wird durch den Datenschutz gewährleistet.
Das Fernmeldegeheimnis ist ein Verbot des unbefugten Abhörens, Unterdrückens, Verwertens oder Entstellens, von Fernmelde- (Fernschreib-, Fernsprech-, Funk- und Telegrafen-) Botschaften. Das Fernmeldegeheimnis ist in vielen Staaten verfassungsrechtlich geschützt und wird ergänzt durch das Briefgeheimnis und das Postgeheimnis.
Das Militärgeheimnis ist ein Geheimnis im militärischen Bereich.
Ein offenes Geheimnis oder auch öffentliches Geheimnis ist eine Information, die von interessierten Kreisen hätte geheim gehalten werden sollen, aber bereits allgemein bekannt ist.
Das persönliche Geheimnis ist ausschließlich einem Menschen bekannt. Manche Geheimnisse werden 'mit ins Grab genommen'.
Das Redaktionsgeheimnis ist die mit dem Grundrecht der Pressefreiheit mitgeschützte Vertraulichkeit der Arbeit von Zeitungsredaktionen und Zeitschriftenredaktionen.
Das Sozialgeheimnis ist ein besonderes Amtsgeheimnis im Bereich des Sozialrechts.
Staatsgeheimnisse sind für die Sicherheit eines Staates relevante Tatsachen, die, gelängen sie an die Öffentlichkeit, den politischen und wirtschaftlichen Interessen des Staates schweren Schaden zufügen könnten.
Das Statistikgeheimnis ist ein Amtsgeheimnis im Bereich der Statistischen Ämter über die Herkunft der von ihnen erhobenen Daten.
Das Steuergeheimnis hindert die Finanzbehörde daran, Erkenntnisse, die sie bei der Steuererhebung gewinnen, an Dritte weiterzugeben.
Eine Verschwiegenheitspflicht haben auch Angehörige heilbehandelnder Berufe, wie Ärzte, Zahnärzte, Apotheker oder Angehörige eines anderen Heilberufs, der eine staatlich geregelte Ausbildung erfordert – z. B. Krankenpfleger/-schwestern und Rettungsassistenten und deren Helfer (also z. B. Sanitäter und Rettungssanitäter). Diese Aufzählung ist abschließend und umfasst z. B. keine Heilpraktiker. Ebenso sind Rechtsanwälte sowie deren Mitarbeiter zur Verschwiegenheit verpflichtet. Auskünfte gegenüber Behörden unterliegen einer speziellen Regelung.
Der Schutz der Vertraulichkeit des Wortes schützt das nicht-öffentlich gesprochene Wort insbesondere vor geheimen Aufzeichnungen.
Ähnliches gilt für das Meldegeheimnis (§&#160;7Vorlage:§/Wartung/buzer BMG).
Piloten waren Seefahrer mit besonderen nautischen Fähigkeiten. Die portugiesische Krone verfolgte lange eine strikte Geheimhaltungspolitik (Política de Sigilo nas Navegações): Sie verbot ihren Piloten, außerhalb Portugals ihre Dienste anzubieten, und drohte ihnen für diesen Fall Strafverfolgung an. Die Piloten verpflichteten sich vor Beginn ihrer Ausbildung zu dieser Geheimhaltung.Siehe auch[Bearbeiten]Arkanprinzip
Geheimdienst
Geheimpolitik
Geheimhaltungsstufe
Geheimtür und Geheimgang
National Clandestine ServiceLiteratur[Bearbeiten]Hans-Jürgen Breith: Patente und Gebrauchsmuster für Staatsgeheimnisse. Peter Lang Verlag, München u. Frankfurt 2002, ISBN 978-3-631-39848-7.
Oliver Hochadel: Geheimsache Wissenschaft. In: Der Standard, Forschung Spezial – Journal für Wissenschaft, Technologie und Entwicklung, Wien, H. 24, Dezember 2008, S. 13 (online).
Thomas Marxhausen: Geheimnis, in: Historisch-kritisches Wörterbuch des Marxismus, Bd. 5, Argument-Verlag, Hamburg, 2001, Sp. 48-53.
Albert Spitznagel: Geheimnis und Geheimhaltung. Erscheinungsformen, Funktionen, Konsequenzen. Hogrefe, Göttingen 1998, ISBN 3-8017-0990-6.
Alfred W. Kumm: Staatsgeheimnisschutz und Patentschutz von geheimen Erfindungen. Rückblick, kritische Lage und Ausblick. Bock und Herchen, Bad Honnef 1980, ISBN 3-88347-047-3.Weblinks[Bearbeiten]
&#160;Wiktionary: Geheimnis&#160;– Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
&#160;Wiktionary: klandestin&#160;– Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
&#160;Commons: Geheimhaltung&#160;– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
&#160;&#160;Wikiquote: Geheimnis&#160;– Zitate
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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Klage (Begriffsklärung) aufgeführt.
Die Klage ist im Zivilprozess die Verfahrenseinleitung, also der Antrag auf gerichtliche Entscheidung, durch den Kläger gegen den Beklagten. Auch in den Verfahren vor den Verwaltungs-, Sozial-, Arbeits- und Finanzgerichten bezeichnet man den das Verfahren einleitenden Antrag auf gerichtliche Entscheidung als Klage. Im Strafverfahren wird die von der Staatsanwaltschaft zu erhebende öffentliche Klage vor einem Gericht auch Anklage genannt.Inhaltsverzeichnis
1 Deutschland1.1 Inhalt der Klageschrift gemäß § 253 ZPO in Verbindung mit § 130 ZPO
1.2 Klagevoraussetzungen
2 Österreich
3 Siehe auch
4 WeblinksDeutschland[Bearbeiten]
Die Klage wird durch einen Schriftsatz an das Gericht (im Verfahren vor den Amtsgerichten auch zur Niederschrift des Urkundsbeamten) und dessen Zustellung an den Beklagten erhoben (§&#160;253 Abs.&#160;1 ZPO). An Stelle einer Klage kann auch ein Antrag auf Durchführung eines gerichtlichen Mahnverfahrens oder ein Antrag auf einstweiligen Rechtsschutz gestellt werden. Ferner kann eine Klage dadurch erhoben werden, dass der Kläger einen Antrag auf Prozesskostenhilfe stellt und zugleich eine Klageschrift bei Gericht einreicht.
Die Klageschrift muss in mehrfacher Abschrift (zumeist dreifach) bei Gericht eingereicht werden. Eine Ausgabe ist für die Gerichtsakte. Darüber hinaus werden dem Beklagten und seinem Prozessbevollmächtigten die weiteren Exemplare zugestellt.
Inhalt der Klageschrift gemäß § 253 ZPO in Verbindung mit § 130 ZPO[Bearbeiten]
Muss-Vorschriften:Bezeichnung der Parteien;
Bezeichnung des örtlich und sachlich zuständigen Gerichts;
Angabe des Streitgegenstands (Klagegrund und Klageantrag);
eigenhändige Unterschrift des Klägers bzw. Prozessbevollmächtigten.Die Abteilung des zuständigen Gerichts muss nicht genannt werden, es sei denn, dass vor der Kammer für Handelssachen des Landgerichts verhandelt werden soll. Die Zuweisung der Klage an die jeweiligen Abteilungen ist Sache der Postverteilerstelle des Gerichts und richtet sich nach dem jeweiligen Geschäftsverteilungsplan.
Wie genau der Klagegrund in der Klageschrift dargestellt sein muss, ist streitig. Es wird sowohl vertreten, dass der Streitgegenstand individualisierbar sein müsse, als auch, dass der Klageantrag substantiiert dargelegt werden müsse. Jedenfalls wird für die Zulässigkeit der Klage keine Schlüssigkeit des klägerischen Vorbringens verlangt.
Soll-Vorschriften:Angaben über den Wert des Streitgegenstandes zwecks Bestimmung der sachlichen Zuständigkeit §&#160;253;
Erklärung zur Besetzung des Gerichts §&#160;253 (in der Praxis entbehrlich, da im Gegensatz zur früher geltenden Rechtslage der Einzelrichter ipso iure zuständig ist);
Anträge, welche der Kläger in der Sitzung zu stellen beabsichtigt;
Bezeichnung der Beweismittel §&#160;130Für den Kläger ist es tunlich, die seinen Klageantrag begründenden Tatsachen bereits in der Klageschrift und nicht erst in der mündlichen Verhandlung schlüssig vorzutragen und möglichst schon die Beweismittel zu nennen, weil das Gericht, wenn sich durch eine verspätete Beibringung eine Verzögerung des Verfahren ergäbe und die Verzögerung auf grober Nachlässigkeit des Klägers beruht, das entsprechende Angriffs- oder Verteidigungsmittel zurückweisen kann (Präklusion). Eine Präklusion berührt nicht die Zulässigkeit der Klage. Der Kläger läuft aber Gefahr, dass seine Klage als unbegründet abgewiesen wird. Ist die Klage in der Klageschrift nicht schlüssig vorgetragen, liegt bei Säumnis des Beklagten, auch wenn der Kläger in der mündlichen Verhandlung die Klage durch weiteres tatsächliches Vorbringen schlüssig macht, ein Erlasshinderungsgrund für ein Versäumnisurteil vor.
Einen Antrag, im Falle der Nichtanzeige der Verteidigungsbereitschaft durch den Beklagten ein Versäumnisurteil zu erlassen, empfiehlt sich bereits in der Klageschrift zu stellen. Anträge die Kostentragungspflicht und die Sicherheitsleistung wegen vorläufiger Vollstreckbarkeit betreffend, sind nicht erforderlich, weil das Gericht darüber von Amts wegen erkennt.
Rechtsausführungen sind in der Klageschrift rechtlich gesehen nicht erforderlich, weil es Aufgabe des Gerichts ist, aus dem vorgetragenen Sachverhalt die entsprechenden rechtlichen Schlüsse zu ziehen und daher über Rechtsfragen durch die Parteien bzw. ihre Prozessbevollmächtigten nicht belehrt werden muss („iura novit curia“; lat. „das Gericht kennt das Gesetz“). In der Praxis sind rechtliche Ausführungen in der Klageschrift je nach Sachverhalt dennoch die Regel.
Für Klagen im Sozialrecht gilt die Formvorschrift des §&#160;92 SGG.
Klagevoraussetzungen[Bearbeiten]
Die bei Gericht anhängige Klage wird nur zugestellt, wenn die deutsche Gerichtsbarkeit zur Entscheidung berufen ist. Außerdem muss die Klageschrift in der Gerichtssprache (= Deutsch, teilweise auch Sorbisch) verfasst sein. Der Kläger hat insbesondere Vorschuss für die Gerichtskosten zu leisten. Soweit eine Güteverhandlung vor einem Schlichter oder Friedensrichter obligatorisch ist, ist ein Nachweis über deren Durchführung als Zustellungsvoraussetzung zu erbringen. Ist das Gericht in 1. Instanz nicht sachlich zuständig, leidet die Klageschrift an Einreichungsmängeln wie einer fehlenden Unterschrift oder fehlt die Postulationsfähigkeit, so wird die anhängige Klage ebenfalls dem Beklagten nicht zugestellt.
Österreich[Bearbeiten]
In Österreich stellt sich – im Sinne des oben gewährten, kursorischen Grobüberblicks über die deutsche Rechtslage – die Situation ähnlich dar. Die Klage ist auch hier der verfahrenseinleitende Schriftsatz im „klassischen“ Zivilprozess – also der erste Schriftsatz, mit dem vor allem der Streitgegenstand und die Verfahrensparteien determiniert werden und mit dem der Kläger (zunächst dem Gericht gegenüber) kundtut, was er aus welchem Grund vom Beklagten begehrt (z.&#160;B. verkürzt: Zahlung von 400,00&#160;€, weil der Beklagte kausal, rechtswidrig und schuldhaft dem Kläger einen Schaden in dieser Höhe verursacht hat). Im Gerichtsakt – betreffend dieses Verfahren – hat die Klage auch folgerichtig die ON (Ordnungsnummer) 1.
Die Norm, in der die Klage unmittelbar geregelt ist, ist §&#160;226&#160;ZPO, doch haben auch andere Normen zentrale Bedeutung für die Klage.
Siehe auch[Bearbeiten]Anklage für die Verfahrenseinleitung in einem StrafverfahrenWeblinks[Bearbeiten]
&#160;Wiktionary: Klage&#160;– Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, ÜbersetzungenArbeitsgerichtsbarkeit in Bayern: Klageschrift
NRW-Justiz: Klageschrift
Bitte den Hinweis zu Rechtsthemen beachten!
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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Österreich (Begriffsklärung) aufgeführt.
Republik ÖsterreichFlagge
WappenAmtssprache
Deutsch[1]
– regionale Amtssprachen: Kroatisch, Slowenisch, Ungarisch
– anerkannte Minderheitssprachen: u.&#160;a. österreichische Gebärdensprache
Hauptstadt
Wien
Staatsform
Bundesrepublik
Regierungssystem
semipräsidentielle repräsentative Demokratie
Staatsoberhaupt
Bundespräsident
Heinz Fischer
Regierungschef
Bundeskanzler
Werner Faymann
Fläche
(112. Platz) 83.878,99[2] km²
Einwohnerzahl
(93.) 8.579.747 (1. Jänner 2015) [3]
Bevölkerungsdichte
(78.) 102 Einwohner pro km²
Bevölkerungs­entwicklung
▲ +0,91&#160;%[4] (2014)
BruttoinlandsproduktTotal (nominal)
Total (KKP)
BIP/Einw. (nominal)
BIP/Einw. (KKP)
2013[5]415.4 Milliarden USD (27.)
361.4 Milliarden USD (37.)
48.957 USD (11.)
42.597 USD (11.)
Human Development Index
▲ 0,881 (21.) (2013)[6]
Währung
Euro (EUR)
Gründung
0976: Markgrafschaft Ostarrichi
1156: Herzogtum Österreich
1453: Erzherzogtum Österreich
1804: Kaisertum Österreich
1867: Doppelmonarchie Österreich-Ungarn
1918: Erste Republik
1934: Bundesstaat Österreich („Ständestaat“)
1938: Ostmark bzw. Alpen- und Donau-Reichsgaue
1945 (27. April): Zweite Republik
(souverän ab 27. Juli 1955, Inkrafttreten des am 15. Mai 1955 geschlossenen Staatsvertrags)Nationalhymne
Land der Berge, Land am Strome
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Du kannst den Clip herunterladen oder eine Abspielsoftware herunterladen, um den Clip im Browser abspielen zu können.Nationalfeiertag
26. Oktober
(1955: Beschluss des Neutralitätsgesetzes)
Zeitzone
UTC+1 MEZ
UTC+2 MESZ
(Ende März bis Ende Oktober)
Kfz-Kennzeichen
A
ISO 3166
AT, AUT, 040
Internet-TLD
.at
Telefonvorwahl
+43
Österreich (amtlich Republik Österreich) ist ein mitteleuropäischer Binnenstaat mit rund 8,5 Millionen Einwohnern. Die angrenzenden Staaten sind Deutschland und Tschechien im Norden, Slowenien und Italien im Süden, die Slowakei und Ungarn im Osten sowie die Schweiz und Liechtenstein im Westen.
Österreich ist ein demokratischer und föderaler Bundesstaat, im Besonderen eine semipräsidentielle Republik, entstanden nach dem Ersten Weltkrieg als Deutschösterreich und wiedererrichtet nach dem Zweiten Weltkrieg in seiner heutigen Form. Seine neun Bundesländer sind: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg und Wien. Wien ist zugleich Bundeshauptstadt. Österreich ist Gründungsmitglied der 1961 errichteten Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sowie seit 1995 ein Land der Europäischen Union.
Das Land wird von der Böhmischen Masse und der Thaya im Norden, den Karawanken und dem Steirischen Hügelland im Süden, der Pannonischen Tiefebene im Osten und dem Rhein und dem Bodensee im Westen begrenzt. Mehr als 62 Prozent seiner Staatsfläche wird von alpinem Hochgebirge gebildet.
Blick auf den Großglockner, den höchsten Berg Österreichs, von Heiligenblut aus
Der Neusiedler See (hier bei Podersdorf am See) bildet mit der ungarischen Seite ein UNESCO-Welterbe
Gletscher im Ötztal
Der Begriff Österreich ist in seiner althochdeutschen Form Ostarrichi erstmals aus dem Jahr 996 überliefert. Zudem war die lateinische Form Austria in Verwendung. 1156 wurde Österreich im Heiligen Römischen Reich ein eigenständiges Herzogtum. Nach dem Aussterben des Geschlechts der Babenberger 1246 setzte sich das Haus Habsburg im Kampf um die Herrschaft in Österreich durch. Das als Österreich bezeichnete Gebiet umfasste seitdem die gesamte Habsburgermonarchie sowie später das 1804 konstituierte Kaisertum Österreich und die österreichische Reichshälfte der 1867 errichteten Doppelmonarchie Österreich-Ungarn.
Die heutige Republik entstand ab 1918, nach dem für Österreich-Ungarn verlorenen Ersten Weltkrieg, als die Siegermächte die Vereinigung Deutschösterreichs mit der Weimarer Republik verhinderten. Vom sogenannten „Anschluss“ 1938 an, dem Wechsel von der Ständestaatsdiktatur in die nationalsozialistische, war Österreich bis 1945 Teil des Deutschen Reiches. Von den Siegern des Zweiten Weltkriegs neuerlich als eigenständiger Staat errichtet, erklärte Österreich nach dem Ende der Besatzung 1955 seine dauernde Neutralität und trat den Vereinten Nationen bei. 1995 wurde Österreich Mitglied der Europäischen Union.Inhaltsverzeichnis
1 Geographie1.1 Berge
1.2 Seen
1.3 Flüsse
1.4 Verwaltungsgliederung1.4.1 Städte und Ballungsräume
1.4.2 Exklaven und Enklaven
2 Natur2.1 Fauna und Flora2.1.1 Flora
2.1.2 Fauna
2.2 Katastrophen2.2.1 Erdbeben
3 Klima3.1 Lufttemperatur
3.2 Niederschlag
4 Bevölkerung4.1 Bevölkerungsentwicklung
4.2 Bevölkerungsbewegung
4.3 Prognose
4.4 Lebenserwartung
4.5 Sprache
4.6 Religionen
4.7 Identität
5 Gesellschaft5.1 Kriminalität
5.2 Gleichberechtigung der Geschlechter
5.3 Menschenrechte
6 Geschichte6.1 Urgeschichte bis 15 v. Chr.
6.2 Römische Provinz und Völkerwanderung 15 v. Chr. bis 700 n. Chr.
6.3 Frankenreich und Heiliges Römisches Reich 700–1806
6.4 Kaisertum Österreich (1804–1867) und Doppelmonarchie Österreich-Ungarn (1867–1918)
6.5 Gründung der Republik 1918
6.6 Erste Republik (1918–1933)
6.7 Austrofaschistischer Ständestaat (1933–1938)
6.8 Teil des Deutschen Reiches (1938–1945)
6.9 Nachkriegszeit und Zweite Republik
6.10 Gegenwart
7 Politik7.1 Politisches System7.1.1 Bund
7.1.2 Land
7.2 Kammern
7.3 Politische Parteien
7.4 Rechtswesen7.4.1 Bundesverfassungsrecht
7.4.2 Privatrecht
7.4.3 Strafrecht
7.4.4 Europarecht
7.4.5 Gerichtsbarkeit
7.5 Staatshaushalt
7.6 Außen- und Sicherheitspolitik
7.7 Militär
7.8 Regionale Zusammenarbeit
7.9 Klimaschutzpolitik
8 Wirtschaft8.1 Finanzwirtschaft
8.2 Bergbau
8.3 Land- und Forstwirtschaft
8.4 Tourismus
8.5 Industrie
8.6 Dienstleistungen
8.7 Bruttosozialprodukt
8.8 Arbeitslosigkeit
8.9 Wirtschaftskennzahlen
8.10 Vermögensverteilung
9 Infrastruktur9.1 Verkehr9.1.1 Straßenverkehr9.1.1.1 Radverkehr
9.1.2 Schienenverkehr
9.1.3 Schifffahrt
9.1.4 Luftfahrt
9.2 Energieversorgung9.2.1 Elektrische Energie
9.2.2 Gas- und Ölversorgung
9.3 Schule und Ausbildung
9.4 Notrufdienste9.4.1 Feuerwehr
9.4.2 Polizei
9.4.3 Rettung
9.5 Wetterdienst
9.6 Medien
9.7 Kommunikation
10 Kultur10.1 Bräuche
10.2 Feiertage und Feste
10.3 Musik
10.4 Theater
10.5 Kabarett
10.6 Film
10.7 Literatur
10.8 Bildende Kunst
10.9 Wissenschaft und Technik
10.10 Küche
11 Sport11.1 Wintersport
11.2 Sommersport
11.3 Vereinssport11.3.1 International erfolgreiche Vereine aus Österreich
11.4 Internationale Sportveranstaltungen
12 Siehe auch
13 Literatur
14 Weblinks
15 EinzelnachweiseGeographie[Bearbeiten]
→ Hauptartikel: Geographie ÖsterreichsWienBregenzInnsbruckGrazSalzburgLinzSt. PöltenKlagenfurtEisenstadtWolfsbergVillachWelsSteyrDornbirnFeldkirchKremsWiener NeustadtLeobenGroßglocknerDEUTSCHLANDITALIENTSCHECHIENSLOWENIENUNGARNNeusiedler SeeBodenseeÖsterreich erstreckt sich in west-östlicher Richtung über maximal 575, in nord-südlicher über 294 Kilometer.
Etwa 60&#160;% des Staatsgebietes sind gebirgig und haben Anteil an den Ostalpen (vor allem Tiroler Zentralalpen, Hohe Tauern und Niedere Tauern, Nördliche Kalkalpen, Südliche Kalkalpen und Wienerwald). Deshalb wird das Land umgangssprachlich auch Alpenrepublik genannt. Nördlich der Donau liegt in Ober- und Niederösterreich das Granit- und Gneisplateau, Teil des alten Rumpfgebirges der Böhmischen Masse, dessen Ausläufer bis nach Tschechien und Bayern reichen; jenseits der Ostgrenze schließen die Kleinen Karpaten an.
Die großen Ebenen liegen im Osten entlang der Donau, vor allem das Alpenvorland und das Wiener Becken mit dem Marchfeld, sowie in der südlichen Steiermark. Die Südsteiermark wird wegen ihrer Landschaftsähnlichkeit zur Toskana auch Steirische Toskana genannt.
Das Burgenland östlich des Alpen-Karpaten-Bogens läuft in die Pannonische Tiefebene aus und weist sowohl landschaftlich als auch klimatisch eine starke Ähnlichkeit zum östlichen Nachbarn Ungarn auf, zu dem es bis 1921 gehörte.
Von der Gesamtfläche Österreichs mit 83.879 Quadratkilometern[2] entfällt etwa ein Viertel auf Tief- und Hügelländer. Nur 32&#160;% liegen tiefer als 500 Meter, 43&#160;% der Landesfläche sind bewaldet.Die fünf Großlandschaften Österreichs
Ostalpen (52.600 km², 62,8&#160;% der Staatsfläche)
Alpen- und Karpatenvorland (9.500 km², 11,3&#160;%)
Vorland im Osten, Randgebiet des Pannonischen Tieflands (9.500 km², 11,3&#160;%)
Granit- und Gneisplateau, Mittelgebirgsland der Böhmischen Masse (8.500 km², 10,2&#160;%)
Wiener Becken (3.700&#160;km², 4,4&#160;%)Tiefster Punkt: Hedwighof (Gemeinde Apetlon – Burgenland) 114 Meter Seehöhe
Siehe auch: Geologie Österreichs&#160;und Österreichische Grenzübergänge in die Nachbarstaaten
Berge[Bearbeiten]
Die höchsten Berge in Österreich sind Dreitausender und befinden sich in den Ostalpen. Mit 3798 Metern ist der Großglockner in den Hohen Tauern der höchste Berg. Es gibt mit Nebengipfeln fast 1000 Dreitausender in Österreich.[7]
Die Gebirgslandschaft ist von großer Bedeutung für den Tourismus, es gibt viele Wintersportgebiete, im Sommer bieten sich Möglichkeiten zum Bergwandern und Klettern.
Siehe auch: Liste der höchsten Berge in Österreich
Seen[Bearbeiten]
Der größte See ist der Neusiedler See im Burgenland, der mit ca. 77&#160;% seiner Gesamtfläche von 315 km² in Österreich liegt (der Rest gehört zu Ungarn), gefolgt vom Attersee mit 46 km² und dem Traunsee mit 24 km² in Oberösterreich. Auch der Bodensee mit seinen 536 km² am Dreiländereck mit Deutschland (Freistaat Bayern und Land Baden-Württemberg) und der Schweiz liegt zu einem kleinen Anteil auf österreichischem Staatsgebiet. Allerdings sind die Staatsgrenzen auf dem Bodensee nicht exakt bestimmt.
Für den Sommertourismus in Österreich haben die Seen neben den Bergen große Bedeutung, insbesondere die Kärntner Seen und jene des Salzkammerguts. Die bekanntesten sind der Wörthersee, der Millstätter See, der Ossiacher See und der Weißensee in Kärnten. Weitere bekannte Seen sind Mondsee und Wolfgangsee an der Grenze zwischen Salzburg und Oberösterreich.
Siehe auch: Liste der Seen in Österreich
Flüsse[Bearbeiten]
Ein großer Teil Österreichs wird direkt über die Donau zum Schwarzen Meer entwässert, rund ein Drittel im Südosten über die Mur, Drau, und folglich dann wieder über die Donau zum Schwarzen Meer, kleine Gebiete im Westen über den Rhein (2366 km²) in den Atlantik und im Norden über die Elbe (918 km²) zur Nordsee.
Die großen Nebenflüsse der Donau (von Westen nach Osten):Lech, Isar und Inn münden in Bayern in die Donau. Sie entwässern Tirol, die in den Inn mündende Salzach entwässert Salzburg (ausgenommen den Lungau und Teile des Pongaus).
Traun, Enns, Ybbs, Erlauf, Pielach, Traisen, Wienfluss und Fischa entwässern die südlich der Donau (=&#160;rechtsufrig) gelegenen Gebiete Oberösterreichs, der Steiermark, Niederösterreichs und Wiens.
Große und Kleine Mühl, Rodl, Gusen und Aist, Kamp, Göllersbach und Rußbach sowie Thaya an der Nord- und March an der Ostgrenze entwässern die nördlich der Donau (=&#160;linksufrig) gelegenen Gebiete Ober- und Niederösterreichs.Die Mur entwässert den Salzburger Lungau und die Steiermark, sie mündet in Kroatien in die Drau, die wiederum Kärnten und Osttirol entwässert. Die Drau mündet in Kroatien an der Grenze zu Serbien in die Donau.
Der Rhein entwässert die größten Teile Vorarlbergs, durchfließt den Bodensee und mündet in die Nordsee.
Die Lainsitz ist zwar aufgrund ihrer Größe nicht von Bedeutung, ist jedoch der einzige österreichische Fluss, der von Niederösterreich über Tschechien zur Elbe entwässert.
Siehe auch: Liste von Flüssen in Österreich
Verwaltungsgliederung[Bearbeiten]
Österreich besteht aus neun Bundesländern, Wien als Bundeshauptstadt ist eines davon. Die Länder gliedern sich in 80 Bezirke, darunter ist die Gemeindeebene. Insgesamt gibt es 2100 Gemeinden, davon sind 15 Statutarstädte, welche die Bezirksverwaltung selbst ausüben (Stand 1. Mai 2015).Karte der neun österreichischen Bundesländer und Nachbarstaaten
Bundesländer mit ihren Eckdaten[8]Abk.
Bundesland
Gründung
Hauptstadt
Bevölkerung
1.&#160;Jänner 2015
Fläche
km²
Einwohner
pro km²
Ausländer-
anteil
1. Jänner 2015
Städte
1. Mai 2015
Gemeinden
(insgesamt)
1. Mai 2015
B
Burgenland&#160;Burgenland
1921
Eisenstadt
288.229
000000000003965.00000000003.965
73
073!7,3&#160;%
13
171
K
Karnten&#160;Kärnten
1919
Klagenfurt am Wörthersee
557.371
000000000009536.00000000009.536
58
087!8,7&#160;%
17
132
N
Niederosterreich&#160;Niederösterreich
1919
St.&#160;Pölten
1.636.287
000000000019178.000000000019.178
85
083!8,3&#160;%
76
573
O
Oberosterreich&#160;Oberösterreich
1919
Linz
1.436.791
000000000011982.000000000011.982
120
101!10,1&#160;%
32
442
S
Salzburg&#160;Salzburg
1919
Salzburg
538.258
000000000007154.00000000007.154
75
145!14,5&#160;%
11
119
St
Steiermark&#160;Steiermark
1919
Graz
1.221.014
000000000016401.000000000016.401
74
087!8,7&#160;%
35
287
T
Tirol&#160;Tirol
1919
Innsbruck
728.537
000000000012648.000000000012.648
58
131!13,1&#160;%
11
279
V
Vorarlberg&#160;Vorarlberg
1919
Bregenz
378.490
000000000002601.00000000002.601
145
150!15,0&#160;%
5
96
W
Wien&#160;Wien
1920/1922
Wien
1.794.770
Fehler im Ausdruck: Nicht erkanntes Satzzeichen „“Fehler im Ausdruck: Nicht erkanntes Satzzeichen „“[9] 414,87
4326
256!25,6&#160;%
1
1 (bzw. 23)1
1 Wien gliedert sich in 23 Gemeindebezirke.
Städte und Ballungsräume[Bearbeiten]
Wien an der Donau
Graz ist nach Wien die zweitgrößte Stadt Österreichs.
Salzburg ist kulturell, z.&#160;B. wegen der Salzburger Festspiele, sehr bedeutend.
Das Kleinwalsertal in Vorarlberg
Das mit Abstand größte Siedlungsgebiet in Österreich ist die Metropolregion Wien mit einer Einwohnerzahl von 2,4&#160;Millionen. (Stand 2008). Damit konzentriert sich mehr als ein Viertel der Bevölkerung des Staates in der Hauptstadtregion.
Weitere größere Stadtregionen umgeben die Landeshauptstädte Graz (Steiermark), Linz (Oberösterreich), Salzburg (Salzburg) und Innsbruck (Tirol). Zu den wichtigeren Städten zählen weiters (von West nach Ost) Feldkirch, Dornbirn und Bregenz (Vorarlberg), Villach und Klagenfurt (Kärnten), Wels (Oberösterreich), St.&#160;Pölten und Wiener Neustadt (Niederösterreich). Insgesamt besitzen 201 Gemeinden sehr unterschiedlicher Größe das Recht, sich Stadt zu nennen (Stadtrecht); nur bei den 15 Statutarstädten ist dies von verwaltungsrechtlicher Bedeutung. Ein großes Problem, vor allem in wirtschaftlich schwachen Gegenden, ist die Abwanderung (Landflucht) der ländlichen Bevölkerung in die städtischen Ballungsräume.
Städte und Ballungsräume siehe: Liste der Städte in Österreich
Exklaven und Enklaven[Bearbeiten]
Auf österreichischem Staatsgebiet findet sich mit dem Kleinwalsertal eine funktionale Enklave Deutschlands. Das Kleinwalsertal gehört zwar zu Vorarlberg und grenzt geographisch direkt an dieses, ist aber aufgrund der topografischen Lage auf Straßen nur über Deutschland zu erreichen. Eine weitere funktionale Enklave Deutschlands ist die Gemeinde Jungholz in Tirol, die von Österreich aus nicht erreichbar und nur durch den 1636 Meter hohen Sorgschrofen mit Österreich verbunden ist. Die Saalforste sind österreichisches Staatsgebiet, stehen aber privatrechtlich im Eigentum des Freistaates Bayern.
Im Gegensatz zu ähnlichen funktionellen und geografischen Enklaven, wie das Kleinwalsertal oder Jungholz, ist Hinterriß kein Zollanschlussgebiet zu Deutschland.
Eine funktionale Enklave Österreichs bestand früher auf schweizerischem Staatsgebiet. Die Schweizer Gemeinde Samnaun war lange Zeit auf dem Straßenweg nicht aus der Schweiz, sondern nur über Österreich (Tirol) zu erreichen. Dies führte dazu, dass die rätoromanische Sprache im 19. Jahrhundert aufgegeben und stattdessen ein dem Tirolerischen ähnlicher Dialekt angenommen wurde. Mittlerweile gibt es zwar eine Schweizer Straße nach Samnaun, doch besteht nach wie vor eine einst errichtete Zollfreizone. Einen ähnlichen Status wie Samnaun hatte bis 1980 die Gemeinde Spiss im österreichisch-schweizerischen Grenzgebiet. Sie war lange Zeit nur über Samnaun erreichbar und hatte mit starker Abwanderung zu kämpfen, weil sie im Gegensatz zu anderen Enklaven kaum wirtschaftliche Entfaltungsmöglichkeit bot.
Zudem bildet innerösterreichisch der Bezirk Lienz eine Exklave des Bundeslands Tirol.
Natur[Bearbeiten]
Aufgrund der verschiedenartigen Topographie in Österreich kommt sowohl in der Flora als auch in der Fauna eine große Anzahl von Arten vor. Um diese zu schützen, wurden in den letzten Jahrzehnten sechs Nationalparks und zahlreiche Naturparks verschiedener Kategorien errichtet. Auch bei den UNESCO-Welterbegütern sind zahlreiche Flächen nicht nur als Kulturerbe, sondern auch als Naturerbe ausgewiesen.
Fauna und Flora[Bearbeiten]
Flora[Bearbeiten]
Das Edelweiß tritt nur im alpinen Gebiet auf.
Die Eigentliche Österreich-Königskerze wächst vor allem im östlichen Flachland.
Österreich gehört zum Großteil der mitteleuropäischen Florenregion an, nur das östliche Niederösterreich, Wien und das nördliche Burgenland sowie einige inneralpische Trockentäler als Exklaven, zählen zur pannonischen Florenprovinz, die wiederum den westlichsten Teil der südsibirisch-pontisch-pannonischen Florenregion darstellt. Beide Regionen sind Teil des holarktischen Florenreiches.[10] In den alpinen Gebieten weicht die Flora so stark ab, dass sie einer eigenen alpischen Unterflorenregion zugerechnet wird. In einigen klimatisch warmen Gebieten ist ein deutlicher submediterraner Einfluss erkennbar.[11]
In Österreich wachsen 3165 Vollstatus-Gefäßpflanzen-Arten, dazu kommen rund 600 häufige auftretende kultivierte und eingebürgerte sowie ausgestorbene Arten. Inklusive Unterarten treten in Österreich 3428 Elementar-Gefäßpflanzen-Taxa auf, dies sind beispielsweise um rund 300 Elementar-Taxa mehr als im flächenmäßig ungefähr viereinviertelmal so großen Nachbarland Deutschland. Begründet ist diese relative Artenvielfalt darin, dass Österreich einen Anteil an mehreren sehr verschiedenen Groß-Naturräumen hat: dem Pannonischen Gebiet, der Böhmischen Masse, der Flora der Alpen, den Kärntner Becken- und Tallandschaften, dem nördlichen und südöstlichen Alpenvorland sowie dem Rheintal.[11]
1187 Pflanzenarten (40,2&#160;%) stehen auf der Roten Liste. Zudem wachsen in Österreich einige hochgradig seltene Endemiten wie etwa das Dickwurzel-Löffelkraut.
Insbesondere das Edelweiß, der Glocken-Enzian und die Aurikel gelten als nationale Symbole&#160;– wiewohl sie nicht für ganz Österreich typisch sind und nur im Alpengebiet auftreten&#160;– und sind auf österreichischen Münzen abgebildet.
Fauna[Bearbeiten]
Gams in den Leoganger Steinbergen
Ungefähr 45.870 Tierarten kommen in Österreich vor, wovon 98,6&#160;% wirbellose Tiere sind. 10.882 Arten wurden bisher auf eine mögliche Bestandsgefährdung bewertet, daraus resultierend wurden 2804 Spezies auf die nationale Rote Liste gefährdeter Arten gesetzt.[12]
Die Verbreitung der Tiere ist von den naturräumlichen Gegebenheiten abhängig. Im Alpenraum sind Gämsen, Hirsche und Greifvögel vertreten, in der Donauebene, im Vorarlberger Rheintal und am Neusiedler See leben Storch und Reiher. Historisch waren Eurasischer Luchs, Braunbär und Waldrapp ebenfalls präsent, seit den 1960er Jahren wird verstärkt versucht, diese Arten wieder anzusiedeln.
Katastrophen[Bearbeiten]
Erdbeben[Bearbeiten]
Österreich liegt in einem geologisch aktiven Gebiet. Im Osten und Südosten Österreichs sind heiße Quellen ein Indiz für andauernde vulkanische Aktivität. Es ist nicht verwunderlich, dass es auch immer wieder zu Erdbeben kommt. Durchschnittlich werden pro Jahr 600 Erdbeben in Österreich registriert, von denen mehr als die Hälfte durch Sprengungen verursacht werden. 30 bis 60 Beben werden von der Bevölkerung wahrgenommen.[13] Beben, die Gebäudeschäden verursachen, kommen in unregelmäßigen Abständen vor. Durchschnittlich und stark gerundet ereignen sich alle drei Jahre ein Erdbeben mit leichten Gebäudeschäden, alle 15 bis 30 Jahre mit mittleren Gebäudeschäden und alle 75 bis 100 Jahre ein Erdbeben, das auch vereinzelt zu schweren Gebäudeschäden führen kann.
Erdbeben kommen in Österreich in bestimmten Regionen vor. Solche mit einer Epizentralintensität von über Grad 7 sind selten, es sind aber mehrere Erdbeben dieser Klasse bekannt. Meistens ereignen sich Erdbeben im Wiener Becken, Mürztal und dem Inntal. Indirekt ist der südliche Teil von Kärnten durch Erschütterungen jenseits der Grenze in Italien und Slowenien gefährdet.[13]
Zeitpunkt (UTC)
Br.
(°)
Lä.
(°)
z
M
Io
Ort
St
dR
(km)
1201-05-04 10
47,05
13,62
8
6,1
9
Katschberg, K
A
20
1267-05-08 02
47,51
15,45
8
5,4
8
Kindberg, St
A1348-01-25 16
46,40
13,40
8
6,8
10
Friaul
I1571-11-01 00
47,27
11,39Innsbruck, T
A1572-01-04 18:45
47,27
11,39
6
5,2
8
Innsbruck, T
A1590-09-15 17
48,26
16,07
6
5,2
8
Riederberg, NÖ
A1590-09-15 23:50
48,26
16,07
6
5,75
9
Riederberg, NÖ
A
10
1670-07-17 01:15
47,28
11,51
6
5,2
8
Hall, T
A1689-12-22 01
47,27
11,39
6
5,2
8
Innsbruck, T
A1690-12-04 14:45
46,40
13,50
8
6,1
9
Friaul
I1712-04-10 00
47,82
16,24
7
4,0
6
Wr. Neustadt, NÖ
A
5
1766-08-05 00
47,81
16,61
6
4,6
7
St. Margharethen, B
A1766-08-16 00
47,81
16,61
16
4,6
7
St. Margharethen, B
A1767-11-21 00
46,89
14,33
8
4,8
7
Straßburg, K
A1768-02-27 01:45
47,82
16,24
9
5,0
7
Wr. Neustadt, NÖ
A1794-02-06 12:18
47,38
15,09
8
4,7
7
Leoben, St
A1810-07-18 00
47,58
14,46
6
4,5
6
Admont, St
A1820-07-17 06:30
47,35
11,71
6
4,5
7
Schwaz, T
A1837-03-14 15:40
47,61
15,67
8
4,7
7
Mürzzuschlag, St
A1841-07-13 12:30
47,82
16,24
7
4,0
6
Wr. Neustadt, NÖ
A1857-12-25 01:30
46,59
14,02
7
4,6
7
Rosegg, K
A1876-07-17 12:17
48,00
15,17
8
4,4
6-7
Scheibbs, NÖ
A1885-04-30 23:15
47,51
15,45
8
5,0
7
Kindberg, St
A1886-11-28 22:30
47,32
10,84
8
5,1
7-8
Nassereith, T
A1888-04-12 05:10
47,78
16,54
8
4,6
7
Siegendorf, B
A1910-07-13 08:32
47,32
10,84
8
4,8
7
Nassereith, T
A1916-05-01 10:24
47,17
14,66
7
4,7
7
Judenburg, St
A1927-07-25 20:35
47,53
15,49
11
5,1
7
Wartberg, St
A1927-10-08 19:49
47,53
15,49
11
5,1
7
Wartberg, St
A1930-10-07 23:27
47,36
10,66
9
5,3
7-8
Namlos, T
A1936-10-03 15:48
47,07
14,70
8
5,0
7
Obdach, St
A1938-11-08 03:12
47,96
16,40
10
5,0
7
Ebreichsdorf, NÖ
A1939-09-18 00:14
47,77
15,91
10
5,0
7
Puchberg, NÖ
A1972-04-16 10:10
47,71
16,18
10
5,3
7-8
Seebenstein/Pitten, NÖ
A1976-05-06 20:00
46,25
13,22
10
6,5
10
Friaul
ILegende:
Abkürzung
Erklärung
dR
Unsicherheitsradius
Io
Epizentralintensität gemäß EMS-98
M
Magnitude (Richter)
St
Staat
z
Erdbebentiefe (km)
Klima[Bearbeiten]
→ Hauptartikel: Klima in Österreich
Das Klima in Österreich lässt sich nach der deskriptiven Klassifikation den warmgemäßigten Regenklimaten der feucht-kühlgemäßigten Zone zuordnen. Im Westen und Norden Österreichs herrscht ozeanisch beeinflusstes, oft von feuchten Westwinden geprägtes Klima vor. Im Osten überwiegt hingegen pannonisch-kontinentaleres, niederschlagsarmes Klima mit heißen Sommern und kalten Wintern. Besonders in den Südalpen ist der Einfluss niederschlagsreicher Tiefdruckgebiete aus dem Mittelmeerraum spürbar.[14]
Tatsächlich ist das regionale Klima Österreichs von der alpinen Topografie stark überprägt. Häufig bestehen innerhalb kurzer Entfernungen und geringer Seehöhenunterschiede beträchtliche klimatische Unterschiede. Mit zunehmender Seehöhe sind zunächst boreales und Tundrenklima, in den Gipfelbereichen sogar polares Klima anzutreffen. Nicht nur der Alpenhauptkamm fungiert als Klimascheide. Sonnenreiche Föhntäler (z.&#160;B. Inntal) stehen nebelanfälligen Beckenlandschaften (z.&#160;B. Klagenfurter Becken), niederschlagsreiche Gebirgsränder (z.&#160;B. Bregenzerwald) stehen inneralpinen Trockentälern (z.&#160;B. Ötztaler Alpen) gegenüber.
Lufttemperatur[Bearbeiten]
Mittlere jährliche Lufttemperatur in Österreich[15]
Der Gesamtbereich des Jahresmittels der Lufttemperatur reicht in Österreich von über 11 °C in den inneren Bezirken Wiens bis unter −9 °C auf dem Gipfel des Großglockners. In den dicht besiedelten Niederungen liegt es größtenteils zwischen 8 °C und 10 °C. Das Flächenmittel beträgt 6,0 °C. Die Null-Grad-Isotherme liegt im Jahresmittel in einer Seehöhe von etwa 2200 m. In abgeschlossenen Becken, Tälern und Mulden unter 800 bis 1200 m Seehöhe treten im Winterhalbjahr häufig Temperaturzunahmen mit der Höhe auf (Temperaturinversion).
Während im Großteil Österreichs Jänner und Juli im Durchschnitt der kälteste und wärmste Monat des Jahres sind, trifft dies im Hochgebirge auf den Februar und August zu. Das langjährige Jännermittel der Lufttemperatur liegt in den Flachlandschaften des Ostens zwischen 0 °C und −2 °C und sinkt in rund 1000 m Seehöhe −4 °C bis −6 °C. Der tiefste Wert im Bereich der höchsten Gipfel ist rund −15&#160;°C. Im Juli schwanken die langjährigen Mittelwerte im Osten zwischen 18 °C und 20 °C und in 1000 m zwischen 13 °C und 15 °C. Am Großglockner wird auch im Hochsommer im Mittel die Nullgradgrenze nicht überschritten.[14][15]
Niederschlag[Bearbeiten]
Mittlere jährliche Niederschlagssumme in Österreich[15]
Bei den häufigen West- bis Nordwestlagen liegen der Bregenzerwald und die gesamten Nördlichen Kalkalpen im Luv. Ähnliches gilt für die Gebirge an der Südgrenze Österreichs, die bei Anströmung aus dem Mittelmeerraum intensive Stauniederschläge erhalten. Gemeinsam mit den zentralalpinen Hohen Tauern erreichen die gemessenen Jahresniederschlagssummen in den genannten Regionen im langjährigen Durchschnitt um 2000 mm, vereinzelt an die 3000 mm. Im Gegensatz dazu erhalten das östliche Waldviertel, das Weinviertel, das Wiener Becken und das Nordburgenland weniger als 600 mm Niederschlag im Laufe eines Jahres. Als niederschlagsärmster Ort Österreichs kann Retz mit knapp unter 450 mm genannt werden.
Das Flächenmittel Österreichs beträgt etwa 1100&#160;mm für das Jahr. Auf das Sommerhalbjahr (April bis September) entfallen etwas mehr als 60&#160;% der Jahressumme, auf das Winterhalbjahr (Oktober bis März) dementsprechend etwas weniger als 40&#160;%. Diese Niederschlagsverteilung erweist sich in Hinblick auf die Vegetationsentwicklung als sehr günstig. Während im überwiegenden Großteil des Landes der niederschlagsreichste Monat konvektionsbedingt (Schauer und Gewitter) auf den Juni oder Juli fällt, bildet das Kärntner Lesachtal die einzige Ausnahme: Mit einem primären Niederschlagsmaximum im Oktober ist es dem mediterranen Niederschlagsklima zuzurechnen.
Der Schneereichtum ist hauptsächlich von der Seehöhe sowie von der Lage des Gebietes relativ zu den Hauptströmungsrichtungen abhängig und variiert dementsprechend stark. Während im österreichischen Flächenmittel im durchschnittlichen Jahr etwa 3,3&#160;m Neuschnee fallen, sind es bei Krems nur 0,3 m, am Sonnblick hingegen 22&#160;m.[14][15]
Bevölkerung[Bearbeiten]
→ Hauptartikel: Demografie Österreichs&#160;und Gesellschaftsstruktur der österreichischen Bevölkerung
Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]
&#160;Jahresdurchschnittsbevölkerung laut Statistik Austria&#160;1934 bis 2015
Datum
Einwohner
1939
000000006653000.00000000006.653.000
1951
000000006933905.00000000006.933.905
1961
000000007073807.00000000007.073.807
1971
000000007491526.00000000007.491.526
1981
000000007555338.00000000007.555.338
1985
000000007564984.00000000007.564.984
1988
000000007697000.00000000007.697.000
1990
000000007677850.00000000007.677.850
1991
000000007755000.00000000007.755.000
1995
000000007948278.00000000007.948.278
2000
000000008011566.00000000008.011.566
2001
000000008043000.00000000008.043.000
2005
000000008225278.00000000008.225.278
2006
000000008267948.00000000008.267.948
2007
000000008300954.00000000008.300.954
2008
000000008336549.00000000008.336.549
2009
000000008363040.00000000008.363.040
2010
000000008387742.00000000008.387.742
2011
000000008430558.00000000008.430.558
2012
000000008440465.00000000008.440.465
2013
000000008488511.00000000008.488.511
2014
000000008507786.00000000008.507.786
2015
000000008579747.00000000008.579.747
1527 bis 1930
Datum
Einwohner
1527!um 1527
000000001500000.00000000001.500.000
1600!um 1600
000000001800000.00000000001.800.000
1700!um 1700
000000002100000.00000000002.100.000
1754
000000002728000.00000000002.728.000
1780
000000002970000.00000000002.970.000
1790
000000003046000.00000000003.046.000
1800
000000003064000.00000000003.064.000
1810
000000003054000.00000000003.054.000
1821
000000003202000.00000000003.202.000
1830
000000003476500.00000000003.476.500
1840
000000003649700.00000000003.649.700
1850
000000003879700.00000000003.879.700
1857
000000004075500.00000000004.075.500
1870
000000004520000.00000000004.520.000
1880
000000004963528.00000000004.963.528
1890
000000005417360.00000000005.417.360
1900
000000006003845.00000000006.003.845
1910
000000006648310.00000000006.648.310
1913
000000006767000.00000000006.767.000
1919
000000006420000.00000000006.420.000
1923
000000006535000.00000000006.535.000
1930
000000006684000.00000000006.684.000
1934
000000006760044.00000000006.760.044Die erste Volkszählung, die heutigen Kriterien entspricht, fand in Österreich-Ungarn 1869/70 statt (Liste der Volkszählungen in Österreich). Seit damals stieg die Einwohnerzahl auf dem Gebiet des heutigen Österreich bis zur letzten Zählung vor Beginn des Ersten Weltkrieges, die 1913 stattfand, stetig an. Die Bevölkerungszunahme war zu einem beträchtlichen Teil auf die Binnenwanderung aus den Kronländern zurückzuführen.
Nach dem Ersten Weltkrieg, 1919, war die Bevölkerung wegen Kriegsverlusten und Rückwanderung in die ehemaligen Kronländer um 347.000 Personen zurückgegangen. Danach stieg die Einwohnerzahl bis 1935 wieder kontinuierlich an. Bis 1939, als nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich die letzte Zählung vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges stattfand, war die Bevölkerung auf 6,65 Millionen zurückgegangen, da eine starke Auswanderung als Folge politischer und rassischer Verfolgung stattfand. Als 1946 auf Basis der ausgegebenen Lebensmittelmarken die ersten Einwohnerzahlen nach Kriegsende ermittelt wurden, ergab sich eine Einwohnerzahl von rund 7 Millionen, was einen neuen Höchststand ausmachte. Die hohen Kriegsverluste waren durch Flüchtlingszustrom überkompensiert worden.
Bis 1953 waren Flüchtlinge und Displaced Persons großteils in ihre Heimat zurückgekehrt oder weitergewandert, weshalb die Einwohnerzahl auf 6,93 Millionen zurückging.
Danach ließen hohe Geburtenüberschüsse die Einwohnerzahl auf einen neuen Höchststand im Jahr 1974 anwachsen, als 7,6 Millionen Personen in Österreich lebten. Nach einer Phase der Stagnation begann die Einwohnerzahl Österreichs ab Ende der 1980er Jahre erneut merklich zu steigen&#160;– diesmal aufgrund verstärkter Zuwanderung, etwa wegen der Jugoslawienkriege. Zu Jahresbeginn 2012 erreichte Österreich einen Bevölkerungsstand von 8,44 Millionen.[16]
Im Durchschnitt des Jahres 2013 lebten rund 1,63 Millionen Personen (19,4&#160;%) mit Migrationshintergrund in Österreich. Der Anteil der Bewohner mit Migrationshintergrund in Wien betrug 2013 38,5&#160;%.[17]
Bevölkerungsbewegung[Bearbeiten]
Siehe auch: Auslandsösterreicher&#160;und Gesellschaft in Österreich
Als Österreich noch Auswanderungsland war: Österreichisch-Ungarische Passagiere auf einem Schiff in die Vereinigten Staaten Anfang des 20.&#160;Jahrhunderts.
Das heutige Bundesgebiet und insbesondere Wien waren schon in den fünfzig Jahren vor dem Ersten Weltkrieg Ziel vieler Zuwanderer aus anderen Teilen der Österreichisch-Ungarischen Monarchie, besonders aus Böhmen und Mähren. Diese Zuwanderung bewirkte, dass Wien 1910 mehr als zwei Millionen Einwohner hatte. Im Ersten Weltkrieg flüchteten Bewohner Galiziens (darunter viele jüdischer Religion) vor der russischen Armee nach Wien.
Mit dem Zerfall Österreich-Ungarns und der Gründung der Tschechoslowakei 1918 wanderten hunderttausende Tschechen in ihre Heimat zurück. Aus dem neuen, kleinen Österreich wanderten dann bis zum Zweiten Weltkrieg in der Regel jährlich mehr Österreicher aus, als Ausländer einwanderten. 1938/39 gab es eine Flüchtlingswelle: Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich mussten viele Menschen, auch seit 1933 aus Deutschland gekommene, Österreich verlassen, darunter 140.000 jüdische Österreicher.
Politisch bedingte Einwanderungswellen gab esum 1920 aus Ungarn (wegen bürgerkriegsartiger Auseinandersetzungen)
1933 bis 1937 aus dem Deutschen Reich (wegen der NS-Diktatur)
1956 aus Ungarn (nach der Niederschlagung des ungarischen Volksaufstandes durch die Sowjets)
1968 aus der Tschechoslowakei nach dem Ende des Prager Frühlings
1993 bis 1995 wegen des BosnienkriegesSeit dem Beginn des starken Wirtschafts- und Wohlstandswachstums, das Österreich ab den 1950er-Jahren zu einem wohlhabenden Land machte, hat sich die Wanderungsbilanz umgedreht: Gastarbeiter wurden gezielt angeworben. So wurde mit der Türkei im Jahr 1964 ein Anwerbeabkommen für Arbeitskräfte abgeschlossen. Ein ähnlicher Vertrag wurde 1966 mit Jugoslawien abgeschlossen.[18]
Später erreichten Österreich immer wieder Flüchtlingsströme, etwa während der Jugoslawienkriege nach dem Zerfall dieses Staates. Aus der Türkei kamen viele Wirtschaftsflüchtlinge nach Europa und damit auch nach Österreich.
2014 lebten rund 1,714 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund (Zuwanderer der 1. oder 2. Generation) in Österreich, das waren 20,4&#160;% der Gesamtbevölkerung. Die Zahl der ausländischen Wohnbevölkerung lag Anfang 2015 bei 1,146 Millionen Personen, das waren 13,3&#160;% der Bevölkerung.[19]
Die Wanderungsbilanz Österreichs ist insgesamt deutlich positiv. So lag etwa 2014 die Zuwanderung nach Österreich um 73.324 Personen höher als die Abwanderung aus Österreich. Diese Zahl steigt seit dem Jahr 2009 deutlich; davor ist sie allerdings auch deutlich gefallen. Die positive Wanderungsbilanz ist auf die Bevölkerungsbewegungen von Nicht-Österreichern zurückzuführen, denn der Wanderungssaldo österreichischer Staatsbürger ist im langjährigen Trend leicht negativ (2014: −5.419 Personen). Der Bevölkerungsgewinn geht in erster Linie auf Zuzüge aus der EU zurück (2014: 67&#160;% der Zuzüge aus der EU).[20]
Die Zahl der Asylanträge stieg von 11.012 Anträgen im Jahr 2010 auf 28.064 im Jahr 2014, nachdem sie seit 2002 fast jedes Jahr gefallen war.[21] Experten des Innenministeriums prognostizieren für 2015 einen Anstieg auf bis zu 80.000.[22]
Prognose[Bearbeiten]
Laut Prognosen der Bundesanstalt Statistik Österreich würden sich Geburten und Sterbefälle in Österreich noch für etwa 20 Jahre die Waage halten, danach die Geburten- voraussichtlich unter den Sterbezahlen liegen, was zu einem höheren Altersdurchschnitt führen würde. Durch Zuwanderung würde die Bevölkerung bis zum Jahr 2050 allerdings auf rund 9,5 Millionen anwachsen.[23]
Nur in Wien, als einzigem der neun Bundesländer, würde der Altersdurchschnitt niedriger und das Bevölkerungswachstum höher sein als im Bundesdurchschnitt. Die neueste Prognose geht von einem dreimal schnelleren Wachstum für Wien aus, als angenommen (24&#160;% statt 7&#160;%). So könnte Wien 2031 wieder eine Zwei-Millionen-Stadt werden. Daraus würden sich Probleme in der sozialen Infrastruktur und im Wohnbau ergeben, wo bereits 2013 eine jährliche Bauleistung von 10.000 Wohneinheiten nötig sein wird.
Lebenserwartung[Bearbeiten]
Die durchschnittliche Lebenserwartung in Österreich betrug 2011 bei den Frauen 83,4&#160;Jahre und bei den Männern 78,1 Jahre (1971: Frauen 75,7 Jahre, Männer 73,3 Jahre). Die Säuglingssterblichkeit beträgt 0,36&#160;%.[24]
Die Selbstmordrate in Österreich ist relativ hoch: Etwa 400.000 Einwohner sind generell von Depression betroffen, etwa 15.000 pro Jahr versuchen, sich das Leben zu nehmen; die Zahl der Suizidenten ist in Österreich mehr als doppelt so hoch wie die der Verkehrstoten: Alle sechs Stunden stirbt ein Österreicher durch eigene Hand.[25] Die tatsächlichen Selbstmorde beliefen sich im Jahr 2009 auf 1273.[26]
Siehe auch: Gesundheitssystem in Österreich
Sprache[Bearbeiten]
Zweisprachige Ortstafel in Oberwart
(ungarisch: Felsőőr) im Burgenland
→ Hauptartikel: Österreichisches Deutsch&#160;und Minderheitensprachen in Österreich
Deutsch ist laut Artikel 8 der Bundesverfassung (Bundes-Verfassungsgesetz (B-VG) aus 1920) die Staatssprache der Republik Österreich. Das österreichische Deutsch – eine hochsprachliche nationale Standardvarietät der plurizentrischen deutschen Sprache – ist Muttersprache von etwa 88,6&#160;% der österreichischen Staatsbürger.[27] Sowohl für die Behörden als auch für den Schulunterricht ist das Österreichische Wörterbuch bindend.
Österreichisches Deutsch unterscheidet sich in Wortschatz und Aussprache, aber auch durch grammatikalische Besonderheiten vom Hochdeutschen in Deutschland. Das Österreichische Wörterbuch, in dem der Wortschatz zusammengefasst ist, wurde 1951 vom Unterrichtsministerium initiiert und steht seitdem als amtliches Regelwerk über dem Duden.
Vielfach wird im täglichen Leben neben der Hochsprache einer der vielen oberdeutschen Dialekte gesprochen, die zu den Mundartfamilien des Alemannischen (gesprochen in Vorarlberg sowie dem Tiroler Außerfern) und Bairischen (gesprochen in allen Bundesländern mit Ausnahme Vorarlbergs) gehören. Sieben Millionen Österreicher sprechen einen mittel- oder südbairischen Dialekt bzw. eine von diesen Dialekten beeinflusste Umgangssprache. Regionale Dialekte sind außerdem mit Ausdrücken aus benachbarten nichtdeutschen Sprachen durchwoben (so hatte vor allem Tschechisch – neben anderen Sprachen – einen Einfluss auf den Wiener Dialekt). Auch die Verwendung französischer Begriffe am Wiener Hof hatte Einfluss auf einige, vor allem früher benutzte Begriffe (z.&#160;B.: „Trottoir“ für Gehsteig).
Die autochthonen Volksgruppen der Kroaten im Burgenland, der Kärntner Slowenen, der Slowenen in der Steiermark und der Ungarn in Österreich haben Anspruch auf muttersprachlichen Schulunterricht und Behördenverkehr. Burgenlandkroatisch und Slowenisch sind zusätzliche Amtssprachen in den Verwaltungs- und Gerichtsbezirken der Steiermark, des Burgenlandes und Kärntens mit kroatischer oder slowenischer bzw. gemischter Bevölkerung. Weiters ist in einigen Gemeinden des Burgenlandes Ungarisch neben Deutsch gleichberechtigte Amtssprache.
Auch Romanes, die Sprache der Volksgruppe der Roma, ist eine staatlich anerkannte Minderheitensprache. Ebenso verhält es sich mit Tschechisch und Slowakisch. Die österreichische Gebärdensprache ist verfassungsrechtlich anerkannt.
Siehe auch: Slowenen in Österreich, Burgenlandkroaten, Burgenlandungarn, Burgenlandroma, Roma in Österreich sowie Tschechen in Wien.
Religionen[Bearbeiten]Übersicht: Religionsgemeinschaften in Österreich 1951 bis 2014[28][29][30]Jahr
Gesamt-
bevölkerung[31]
Katholiken[32]
Anteil
evangelische Kirchen
Anteil
Islam
Anteil
konfessionslos
Anteil
andere /
unbekannt
Anteil
1951
6.933.905
6.170.084
89,0&#160;%
429.493
6,2&#160;%


264.014
3,8&#160;%
70.314
1,0&#160;%
1961
7.073.807
6.295.075
89,0&#160;%
438.663
6,2&#160;%


266.009
3,8&#160;%
74.060
1,0&#160;%
1971
7.491.526
6.548.316
87,4&#160;%
447.070
6,0&#160;%
022.267
0,3&#160;%
321.218
4,3&#160;%
152.655
2,0&#160;%
1981
7.555.338
6.372.645
84,3&#160;%
423.162
5,6&#160;%
076.939
1,0&#160;%
452.039
6,0&#160;%
230.553
3,0&#160;%
1991
7.795.786
6.081.454
78,0&#160;%
389.800
5,0&#160;%
158.766
2,0&#160;%
672.251
8,6&#160;%
494.596
6,4&#160;%
2001
8.032.926
5.915.421
73,6&#160;%
376.150
4,7&#160;%
338.988
4,2&#160;%
963.263
12,0&#160;%
439.104
5,5&#160;%
2011
8.408.121
5.403.722
64,3&#160;%
319.752
[33]
3,8&#160;%
515.914
2009[34]
6,2&#160;%
[34]
2012
8.451.860
5.359.151
63,4&#160;%
325.905
[35]
3,9&#160;%
2013
8.504.850
5.308.515
62,4&#160;%
313.352
3,7&#160;%
2014
8.579.747
5.265.757
[36]
61,4&#160;%
309.158
[35]
3,6&#160;%Die Basilika von Mariazell, Österreichs bedeutendster katholischer Pilgerort
Nach Ergebnissen der Volkszählung von 2001[37] bekannten sich 73,6&#160;% der Bevölkerung zur römisch-katholischen und 4,7&#160;% zu einer der evangelischen Kirchen (Protestantismus; überwiegend Augsburger Bekenntnis, seltener Helvetisches Bekenntnis). Etwa 180.000 Christen, das sind 2,2&#160;% der österreichischen Bevölkerung, waren Mitglieder orthodoxer Kirchen. Zur Altkatholischen Kirche bekannten sich etwa 15.000&#160;Gläubige, das sind rund 0,2&#160;% der Bevölkerung. Wie auch in Deutschland sind die Mitgliederzahlen der Volkskirchen rückläufig, Ende 2014 betrug der Anteil der Katholiken mit 5,266 Millionen von 8,573 Millionen nur mehr 61,4&#160;% und hat damit den Zwei-Drittel-Anteil an der österreichischen Bevölkerung unterschritten. Relativ war der Rückgang bei den kleineren evangelischen Kirchen größer, nur noch 3,8&#160;% bekannten sich im Jahre 2011 als Mitglied zu einer der evangelischen Kirchen.[38]
Die größte nicht-christliche Glaubensgemeinschaft in Österreich ist der Islam. Bei der Volkszählung von 2001 bekannten sich rund 340.000 Personen, das sind 4,3&#160;%, zum muslimischen Glauben&#160;– nach Angaben des Integrationsfonds waren es im Jahr 2009 515.914 Gläubige, was einem Anteil von 6,2&#160;% an der Gesamtbevölkerung entspricht. Der Islam in Österreich ist seit 1912 anerkannte Religionsgemeinschaft.
Der Wiener Stadttempel, die einzige erhaltene historische Synagoge Wiens, ist Zentrum der Israelitischen Kultusgemeinde
Zum Judentum bekennen sich etwa 8.140 Menschen. Die überwiegende Mehrheit davon, rund 7.000, lebt in Wien. Nach Angaben der Israelitischen Kultusgemeinde Wien sind es österreichweit 15.000.
Zum Buddhismus, der in Österreich 1983 als Religionsgemeinschaft anerkannt wurde, bekennen sich etwas über 10.000 Menschen. Zum Hinduismus, der in Österreich als „eingetragene religiöse Bekenntnisgemeinschaft“ gilt, bekennen sich laut Volkszählung 2001 3.629 Personen.
20.000 Personen sind aktive Mitglieder der Zeugen Jehovas. Ihre gesetzliche Anerkennung als Religionsgemeinschaft wurde 2009 beschlossen.
Etwa 12&#160;% der Bevölkerung (rund eine Million Personen) gehören nach der letzten Erhebung im Jahr 2001 keiner der in Österreich gesetzlich anerkannten Religionsgemeinschaften an. Schätzungen zufolge liegt die Zahl der Atheisten und Agnostiker mit 18&#160;% bis 26&#160;% (1.471.500 bis 2.125.500 Personen) heute jedoch weitaus höher.[39]
Siehe auch:Geschichte des Christentums in Österreich, Anerkannte Religionsgemeinschaften in Österreich, Religionsfreiheit in Österreich
Römisch-katholische Kirche in Österreich, Evangelische Kirche A.B. in Österreich, Evangelische Kirche H.B. in Österreich, Evangelische Kirche A. u. H. B. in Österreich, Altkatholische Kirche Österreichs, Baptisten in Österreich, Evangelisch-methodistische Kirche in Österreich, Judentum in Österreich, Buddhismus in Österreich, Hinduismus in ÖsterreichIdentität[Bearbeiten]
→ Hauptartikel: Österreichische Identität
Aufgrund von politischen, sprachlich-kulturellen und ideologischen Bedingungen, derentwegen Österreich seit dem Mittelalter als Teil einer deutschen Identität aufgefasst wurde, vollzog sich die abschließende Entwicklung eines eigenständigen österreichischen Nationalbewusstseins erst nach dem Zweiten Weltkrieg.[40] Bis Anfang des 19. Jahrhunderts existierte kein nationales Identitätsbewusstsein im modernen Sinn. Während für die „unteren“ Bevölkerungsschichten nur lokale Bindungen eine Rolle spielten, lagen bei den Eliten verschiedene, kaum miteinander konkurrierende Identitätsebenen in Gemengelage.[41]
Der Begriff „österreichische Nation“ hat sich als Bezeichnung für kollektive kulturelle, soziale, historische, sprachliche und ethnische Identitäten, die sich auf dem Gebiet der Republik Österreich entwickelt und die zu einem Zusammengehörigkeitsgefühl der österreichischen Bevölkerung geführt haben, eingebürgert. Erste österreichische Wir-Identitäten entstanden bereits im Frühmittelalter. Zur Zeit der Habsburgermonarchie bis 1918 konzentrierte sich die kollektive Identifikation hauptsächlich auf die Dynastie beziehungsweise den Monarchen sowie auf kulturelle Eigenschaften, die als deutsch empfunden wurden. In diesem Zusammenhang sieht Ernst Bruckmüller den Ansatz für die Entwicklung „zweier deutscher Nationen“.[42] Dieses Dilemma führte nach dem Zusammenbruch der Monarchie schließlich zu einer „fundamentalen kollektiven Identitätskrise“,[43] die als Mitgrund für das Scheitern der Ersten Republik verstanden wird und die schließlich auch zum „Anschluss“ an das Deutsche Reich 1938 führte.
Bald nach dem „Anschluss“ und während des Krieges begann sich jedoch in manchen Gesellschaftsteilen eine österreichische Identität zu entwickeln, die vor allem durch Oppositionshaltungen zum NS-Regime und im Hinblick auf die Kriegsniederlagen zu erklären ist. Eine wichtige Identifikationsrolle bildete daher der österreichische Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Mit Bezugnahme auf diesen Sinneswandel prägte der Berliner Politologe Richard Löwenthal den Spruch: „Die Österreicher wollten Deutsche werden – bis sie es dann wurden.“[44]
Auf breiter Basis entwickelte sich das österreichische Nationalbewusstsein jedoch erst nach dem Kriegsende. Dazu trugen auch politische und gesellschaftliche Erfolge wie der Abschluss des Staatsvertrages und der Wirtschaftsaufschwung der 1960er Jahre bei. Heute ist das Vorhandensein einer österreichischen Nation, beziehungsweise eines österreichischen Volkes, überwiegend anerkannt.[45]
Gesellschaft[Bearbeiten]
Kriminalität[Bearbeiten]
Die polizeilich registrierte Kriminalität in Österreich war 2012 im europäischen Vergleich eher unterdurchschnittlich,[46] zudem signifikant gesunken[47] und sank bis 2014 weiter.[48] Überdurchschnittlich ist dagegen die Gefangenenrate, im Vergleich mit Deutschland und der Schweiz werden deutlich häufiger Freiheitsstrafen verhängt.[49] Der hohe Anteil an ausländischen Tatverdächtigen und Inhaftierten wird von den Medien besonders thematisiert,[50][51] von Kriminologen jedoch entdramatisiert.[52]
Gleichberechtigung der Geschlechter[Bearbeiten]
In der Verfassung ist die Gleichberechtigung von Männern und Frauen festgeschrieben. Historisch entstandene Ausnahmen sind die Wehrpflicht, die nur für Männer gilt, und die Pensionsregelung. Frauen dürfen in Österreich derzeit noch fünf Jahre früher in Altersruhestand gehen als Männer (Ausnahme: Beamtenruhestand). Da dies laut Urteil des österreichischen Verfassungsgerichtshofes dem Gleichheitsgrundsatz widerspricht, wurde beschlossen, das Pensionsantrittsalter der Frauen bis zum Jahr 2033 schrittweise an jenes der Männer (65 Jahre) anzupassen.
In fast allen Bereichen ist das Durchschnittsgehalt von Frauen geringer als das Durchschnittsgehalt von Männern (Ausnahme: Beamte). Dies ist einerseits auf eine unvollständige Umsetzung der Gleichbehandlung in der wirtschaftlichen Praxis zurückzuführen und andererseits darauf, dass viele Frauen früher in Ruhestand gehen, einer Teilzeitarbeit nachgehen oder sich der Kindererziehung widmen und daher Aufstiegschancen nicht wahrnehmen. Die außerfamiliäre Kinderbetreuung ist auf Grund des Föderalismus sehr unterschiedlich und in Teilen des Landes mit der vollen Berufstätigkeit beider Elternteile nicht vereinbar. In leitenden Positionen sind zumeist Männer vertreten. Die Tariflöhne in Österreich sind für beide Geschlechter gleich. In Österreich nutzen nur 2 von 100 Männern die Möglichkeit der Väterkarenz zur Kinderbetreuung.
Menschenrechte[Bearbeiten]
Die Menschenrechtskonvention steht in Österreich im Verfassungsrang.
Geschichte[Bearbeiten]
→ Hauptartikel: Geschichte Österreichs
Urgeschichte bis 15 v. Chr.[Bearbeiten]
Die Venus von Willendorf ist aus dem Jungpaläolithikum und eine der ältesten Figuren der Welt (Naturhistorisches Museum, Wien)
→ Hauptartikel: Urgeschichte Österreichs
Die ältesten Spuren der Anwesenheit von Menschen in Österreich gehören dem Mittelpaläolithikum, der Zeit der Neandertaler, an. Der Fundort mit den ältesten Spuren ist die Repolusthöhle in der Steiermark. Viele weitere Fundstellen liegen in Niederösterreich, die bekanntesten befinden sich in der Wachau – darunter auch die Fundorte der beiden ältesten österreichischen Kunstwerke, die figürlichen Frauendarstellungen der sogenannten Venus vom Galgenberg und der Venus von Willendorf.
Nach der schrittweisen Besiedelung aller Regionen Österreichs in der Jungsteinzeit, und damit des Übergangs von bis dahin bestehenden Kulturen der Jäger, Sammler und Fischer zu bäuerlichen Dorfkulturen, steht die Kupfersteinzeit im Zeichen der Erschließung von Rohstoffvorkommen, vor allem Kupfer. Aus dieser Zeit stammt der Fund der berühmten Gletschermumie Ötzi im österreichisch-italienischen Grenzgebiet.
Während der Bronzezeit zwischen dem 3. und dem 1. Jahrtausend vor Christus wurden immer größere Handelszentren und auch Befestigungen, vorwiegend in Rohstoff-Abbaugebieten, errichtet. Im Umkreis von Hallstatt begann die systematische Gewinnung von Salz. Nach diesem Ort ist auch die ältere Periode der Eisenzeit, die Hallstattzeit, benannt. Die jüngere Eisenzeit, auch La-Tène-Zeit genannt, steht im Zeichen der Kelten, welche im Süden und Osten des heutigen Österreich das erste Staatsgebilde errichteten – der Westen wurde zu dieser Zeit von Rätern besiedelt.
Römische Provinz und Völkerwanderung 15 v. Chr. bis 700 n. Chr.[Bearbeiten]
Römisches Heidentor bei Petronell-Carnuntum
Römische Provinzen und Orte auf dem Gebiet des heutigen Österreichs
Der größte Teil des heutigen österreichischen Staatsgebiets wurde um 15 v.&#160;Chr. vom Römischen Reich besetzt. Der römische Kaiser Claudius richtete während seiner Herrschaft (41–54 n.&#160;Chr.) die römische Provinz Regnum Noricum ein, deren Grenzen einen Großteil des heutigen Österreich umfassten. Die östlich von Vindobona (dem heutigen Wien) gelegene Stadt Carnuntum war die größte römische Stadt, weitere wichtige Orte waren Virunum (nördlich des heutigen Klagenfurt) und Teurnia (nahe Spittal an der Drau).
Nach der Ausbreitung des Christentums im 2. Jahrhundert n.&#160;Chr. begann der langsame Niedergang des römischen Reiches im Zuge der Völkerwanderung. Nach kontinuierlicher Bedrängung der Provinz Noricum durch die Goten und andere germanische Völker begann ab dem 6. Jahrhundert die Besiedlung durch die Bajuwaren und, im heutigen Vorarlberg, durch die Alamannen, sowie im Osten und Süden durch Slawen und Awaren. Im nördlichen Alpenraum hatte sich ab Mitte des 6. Jahrhunderts das baierische Stammesherzogtum gebildet, dessen Herrscher aus dem Geschlecht der Agilolfinger stammten.
Frankenreich und Heiliges Römisches Reich 700–1806[Bearbeiten]
Rudolf IV. aus dem Hause Habsburg gründete das Erzherzogtum Österreich sowie 1365 die Universität Wien
Weite Gebiete des heutigen Österreich gehörten im späten 8. Jahrhundert zum baierischen Stammesherzogtum im Fränkischen Reich Karls des Großen. Im folgenden Ostfrankenreich war in der Region des heutigen Niederösterreich seit 856 eine Marcha orientalis den Karolingern unterstellt. Diese Grenzmark im Südosten des Reiches wurde zur Keimzelle des späteren Österreich. Dieses Gebiet ging 907 allerdings an die Ungarn verloren. Erst nach der Schlacht auf dem Lechfeld 955 konnte das ostfränkische Reich wieder nach Osten expandieren, und es entstanden neue Herzogtümer und Markgrafschaften. Damit begann auch eine weitere Welle bajuwarischer (baierischer) Siedlungstätigkeit.
Im Jahr 976 entstand die älteste Ländereinheit auf dem Boden der heutigen Republik Österreich in der Form des selbständigen Herzogtums Kärnten.
Im selben Jahr wurde die Marcha Orientalis, eine östliche Grenzmark des Bayrischen Herzogtums, von Kaiser Otto&#160;II. dem Grafen Luitpold, dem Stammvater der später „Babenberger“ genannten Dynastie, übertragen. Die älteste bekannte schriftliche Nennung des Namens Ostarrichi stammt aus einem in Bruchsal verfassten Dokument vom 1.&#160;November 996. Darin ist eine Schenkung Kaiser Ottos&#160;III. an den Bischof von Freising in Neuhofen an der Ybbs in der gewöhnlich Ostarrichi genannten Region („regione vulgari vocabulo Ostarrichi“) festgehalten. Diese Urkunde wird heute im Bayerischen Hauptstaatsarchiv in München aufbewahrt. Aussprache und Schreibweise wandelten sich später zu Österreich. Das Gebiet wurde auch als Ostland (lat. Austria) oder Osterland bekannt.
Die seit 976 bestehende Markgrafschaft Österreich wurde am 8. September 1156 von Kaiser Friedrich&#160;I. (Barbarossa) auf dem Hoftag in Kreuzhof bei Regensburg zu einem eigenständigen, von Bayern unabhängigen Herzogtum Österreich erhoben. Damit beginnt die eigentliche Geschichte Österreichs als selbständiges Territorium innerhalb des Heiligen Römischen Reiches.
Den Babenbergern folgte 1251 Ottokar II. Přemysl aus dem Geschlecht der Přemysliden, der 1282 von den Habsburgern abgelöst wurde, die ihr Herzogtum Österreich durch das gefälschte Privilegium Maius (maius = größer, Komparativ zu lat. magnus = groß) zum Erzherzogtum Österreich machten, um ihren besonderen Rang zu betonen. Sie dehnten ihr Herrschaftsgebiet bis 1526 weiter aus und wurden zum Machtfaktor im Heiligen Römischen Reich. Schon die späten Babenberger hatten die Steiermark mit Österreich verbinden können, die Habsburger schufen davon ausgehend mit der Erwerbung Kärntens, Tirols, Krains und anderer Gebiete einen Länderkomplex in den Ostalpen, der Herrschaft zu Österreich genannt wurde. Ab 1438 besaß die Dynastie fast durchgehend die römisch-deutsche Königs- und die damit verbundene Kaiserwürde. Ein Teil des Herrschaftsgebiets waren die Vorlande oder auch Vorderösterreich genannt.
Zweite Wiener Türkenbelagerung von 1683, die erfolgreich abgewehrt wurde und Österreich zu einer bedeutenden Größe machte
Kaiserin Maria Theresia im Kreise ihrer Familie, bei Schloss Schönbrunn
Die Reformation der Kirche konnte sich anfangs schnell durchsetzen, wurde aber im Laufe des 17. Jahrhunderts zurückgedrängt, was von den damaligen Habsburgern als wichtigste Aufgabe gesehen wurde.
Vom späten 15. Jahrhundert bis 1690 waren die habsburgischen Länder ständigen Angriffen des Osmanischen Reichs ausgesetzt, das von Ungarn aus westwärts strebte. Nach der Abwehr der Zweiten Wiener Türkenbelagerung von 1683 wurden die kriegerischen Erfolge, unter anderem des Prinzen Eugen von Savoyen, im Kampf gegen die Türken im Frieden von Karlowitz und im Frieden von Passarowitz bestätigt, darüber hinausgehende Erwerbungen wurden im Frieden von Belgrad jedoch wieder rückgängig gemacht.
1713 wurde mit der Pragmatischen Sanktion erstmals ein für alle habsburgischen Länder gleichermaßen gültiges Grundgesetz in Kraft gesetzt. Es wurde (erstmals) festgelegt, dass nach dem absehbaren Aussterben der Herrscherdynastie in männlicher Linie die Erbfolge über die weibliche Linie zu erfolgen habe. Daraus ergab sich, dass die Tochter Kaiser Karls&#160;VI., Maria Theresia, ihm als Monarchin der Habsburgischen Erblande folgen konnte und damit den Töchtern seines älteren Bruders Joseph vorgezogen wurde. Im Österreichischen Erbfolgekrieg konnte Maria Theresia, die mit Franz&#160;I. Stephan von Lothringen das neue Haus Habsburg-Lothringen begründete, die Erbländer großteils für sich behaupten. Als Preußen und Russland im 18. Jahrhundert Polen aufteilten, erhielt Österreich Galizien zugesprochen.
Franz II. gründete 1804 das Kaisertum Österreich und nahm als Franz&#160;I. den Titel Kaiser von Österreich an, um die Gleichrangigkeit mit dem neuen französischen Kaiser zu wahren. 1806 legte er dann unter dem Druck Napoleons die Kaiserkrone des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation nieder, womit dieses zu bestehen aufhörte.
Kaisertum Österreich (1804–1867) und Doppelmonarchie Österreich-Ungarn (1867–1918)[Bearbeiten]
Unter der Herrschaft von Kaiser Franz Joseph&#160;I. erlebte Österreich eine Blütezeit der Künste und Wissenschaften
Das neue Kaisertum Österreich war ein Vielvölkerstaat, in dem außer Deutsch auch Ungarisch, Italienisch, Tschechisch, Polnisch, Ukrainisch, Rumänisch, Kroatisch, Serbisch, Slowakisch und Slowenisch gesprochen wurde. Mit seinen vormals zum Heiligen Römischen Reich gehörenden Gebieten gehörte es ab 1815 zum Deutschen Bund, in dessen Bundesversammlung der österreichische Gesandte den Vorsitz führte. Salzburg fiel im Jahr 1816, nach mehrmaligem Besitzwechsel, als Herzogtum an das Kaisertum Österreich, nachdem es seit 1328 ein eigenständiges geistliches Reichsfürstentum (Erzstift Salzburg) gewesen war.
Leitender Politiker des österreichischen Biedermeiers war der Außenminister und spätere Staatskanzler Metternich. Ihm ging es darum, die Bevölkerung mit Zensur und Spitzelsystem zu kontrollieren, um mittels Restauration die alte Ordnung, die absolute Monarchie zu erhalten. Die gleichen Ziele hatten zu dem Zeitpunkt Preußen und Russland; gemeinsam gründeten diese drei Monarchien die Heilige Allianz. Andererseits fand in dieser Epoche auch die Industrialisierung Österreichs statt. 1837 verkehrte zwischen Floridsdorf bei Wien und Deutsch-Wagram die erste Dampfeisenbahn, erstes Teilstück der Nordbahn.
In der Revolution des Jahres 1848 strebten die Völker der Monarchie nach Demokratie und Unabhängigkeit, Staatskanzler Metternich wurde verjagt. Nur die k.&#160;k. Armee unter Radetzky, Jelačić und Windisch-Graetz und die Hilfe der russischen Armee sicherten der Monarchie das Überleben. Am 2. Dezember 1848 löste auf Wunsch der Dynastie der 18-jährige Franz Joseph den kranken Kaiser Ferdinand&#160;I. auf dem Thron ab. Der unerfahrene neue Herrscher hielt 1849 Gericht über die aufständischen Ungarn und ließ ein Dutzend der höchsten ungarischen Heerführer hinrichten. 1851 hob er im Silvesterpatent die von ihm selbst oktroyierte Verfassung auf. Seine Popularität war in den ersten 20 Jahren seiner Regierung ausgesprochen gering.
Im Kampf um die Vormachtstellung im Deutschen Bund (Deutscher Dualismus) erzwang Preußen unter Bismarck eine Entscheidung im Sinn der kleindeutschen Lösung ohne Österreich. Im Deutschen Krieg 1866 unterlag Österreich, das den Deutschen Bund anführte, den Preußen in der Schlacht bei Königgrätz. Der Deutsche Bund löste sich auf und Österreich spielte im weiteren deutschen Einigungsprozess keine Rolle mehr.
Bereits 1859 hatte Österreich nach der Schlacht von Solferino die Vorherrschaft in Norditalien verloren. Mit der Niederlage im Deutschen Krieg musste es 1866 auch noch Venetien an das mit Preußen verbündete Italien abtreten.
Der durch die Niederlagen politisch geschwächte Kaiser musste im Inneren tiefgreifende Reformen durchführen und seine (neo-)absolutistische Regierungsweise aufgeben. Gegen seinen zähen Widerstand erreichten seine Berater die Umwandlung in eine konstitutionelle Monarchie: mit dem auf das unzweckmäßige Oktoberdiplom 1860 folgenden Februarpatent 1861, mit dem der Reichsrat als Parlament geschaffen wurde.
Der mit Ungarn erzielte Ausgleich von 1867 beendete den Boykott des Staates durch die magyarische Aristokratie und führte zur Umwandlung des bisherigen Einheitsstaates in die österreichisch-ungarische Doppelmonarchie, eine Realunion. In Cisleithanien (ein Begriff der Bürokraten- und Juristensprache), der inoffiziell meist Österreich genannten westlichen Reichshälfte, wurde dies durch die sogenannte Dezemberverfassung 1867, die bis 1918 in Kraft blieb, effektuiert.
Die durch den Ausgleich erfolgte Begünstigung der Magyaren, die in der Innenpolitik nun von Österreich weitestgehend unabhängig wurden, gegenüber den anderen Völkern der Monarchie heizte die Nationalitätenkonflikte weiter an. Während die Bestrebungen der tschechischen Nationalbewegung um einen Österreichisch-Tschechischen Ausgleich scheiterten, konkurrierten die slowakische Nationalbewegung und in geringerem Maße die von kroatischen Intellektuellen angeführte Illyrische Bewegung, die von Russland unterstützt wurde, mit der Magyarisierungspolitik der ungarischen Regierung.
Österreich-Ungarn um 1899
In Österreich führten die nationalen Wünsche der einzelnen Völker zu einer politisch überaus schwierigen Situation. Im Reichsrat, dessen Männerwahlrecht sukzessive demokratisiert wurde, bestanden von den 1880er Jahren an nur kurzlebige Zweckbündnisse; tschechische Abgeordnete betrieben Obstruktionspolitik. Der Reichsrat wurde vom Kaiser deshalb oft Monate lang vertagt. Die k.k. Regierungen wechselten häufig, Beobachter sprachen von Fortwursteln statt zielgerichteter Politik.
Nach dem erzwungenen Rückzug aus Deutschland und Italien hatten der Kaiser und seine außenpolitischen Berater Südosteuropa als neues Einflussgebiet erkoren. Mit der 1908 erfolgten Annexion des 1878 mit Zustimmung des Berliner Kongresses besetzten Bosnien, die die Bosnische Annexionskrise auslöste, wurde Habsburg für viele politische Aktivisten auf dem Balkan zum Feind, der den nationalen Zusammenschluss behinderte. Außerdem trat die Monarchie dort in Konkurrenz zu Russland, das sich als Schirmherr aller Slawen bezeichnete.
Nach dem Attentat von Sarajevo führten die Altersschwäche des 84-jährigen Kaisers, die Selbstüberschätzung der sogenannten „Kriegspartei“ in Wien und Budapest (aus späterer Sicht eine Clique von Kriegstreibern) und die parlamentslose Regierungssituation im Juli 1914 zur Kriegserklärung an Serbien, aus der auf Grund der „Automatik“ der europäischen Beistandspakte binnen einer Woche der später Erster Weltkrieg genannte Große Krieg entstand. Die Niederlage der Doppelmonarchie, die im Herbst 1918 unausweichlich wurde, führte zu ihrem Ende. Mit 31. Oktober 1918 trat das Königreich Ungarn aus der Realunion mit Österreich aus. Parallel dazu teilte sich Cisleithanien ohne Mitwirkung von Kaiser, k.k. Regierung oder Reichsrat auf: in die neuen Staaten Deutschösterreich und Tschechoslowakei; in Gebiete, die sich mit solchen außerhalb Österreich-Ungarns zu den neuen Staaten Polen und SHS-Staat konstituierten und in solche, die auf Grund des Ausgangs des Krieges anderen Nachbarstaaten (Italien, Rumänien) einverleibt wurden.
Gründung der Republik 1918[Bearbeiten]
Siehe auch: Deutschösterreich
Das Republikdenkmal mit Büsten der drei Sozialdemokraten Jakob Reumann, Victor Adler und Ferdinand Hanusch
Am 21. Oktober 1918 – Kriegsende und Zerfall der Monarchie waren bereits abzusehen, das Land hätte für einen weiteren Kriegswinter keine Ressourcen mehr gehabt – traten die Reichsratsabgeordneten der deutschsprachigen Gebiete (sie bezeichneten sich selbst als Deutsche) einschließlich jener Böhmens, Mährens und Österreichisch-Schlesiens zum ersten Mal als Provisorische Nationalversammlung für Deutschösterreich zusammen; den Vorsitz hatte der Sozialdemokrat Karl Seitz abwechselnd mit dem Christlichsozialen Johann Nepomuk Hauser und dem Großdeutschen Franz Dinghofer. Ihr Vollzugsausschuss wurde Staatsrat genannt und bestellte am 30.&#160;Oktober 1918 die erste Regierung Deutschösterreichs, deren Minister nach angelsächsischem Vorbild die Bezeichnung „Staatssekretär“ trugen; erster Staatskanzler wurde Karl Renner, der 1945 bei der Gründung der Zweiten Republik neuerlich eine wichtige Rolle spielen sollte. Erster provisorischer Außenminister war Victor Adler. Auf dem vorwiegend von Menschen mit deutscher Muttersprache bewohnten Gebiet Altösterreichs entstand so ein neuer Staat.
Der Kaiser versuchte Anfang November 1918, den deutschösterreichischen Staatsrat in die Waffenstillstandsentscheidungen einzubeziehen. Der Staatsrat entschied jedoch, die Monarchie, die den Krieg begonnen habe, müsse ihn auch beenden. Der Waffenstillstand zwischen Österreich und Italien vom 3. November 1918 (die ungarischen Truppen hatten die Front bereits Ende Oktober, zum Austritt Ungarns aus der Realunion mit Österreich, verlassen) wurde somit noch von Kaiser Karl&#160;I. verantwortet. Kritik wie im Deutschen Reich, wo die zivilen Verhandler des Waffenstillstands später von rechtsgerichteten Politikern als „Novemberverbrecher“ geschmäht wurden, war daher nicht möglich.
Mitglieder der k. k. Regierung, des Ministeriums Lammasch, und des Kabinetts Renner, das die Republik vorbereitete und den Zusammenprall der alten mit der neuen Staatsordnung vermeiden wollte, arbeiteten gemeinsam die Erklärung aus, mit der Karl&#160;I. am 11.&#160;November 1918 auf „jeden Anteil an den Staatsgeschäften“ verzichtete. Dies war zwar juristisch keine Abdankung, die Entscheidung über die Staatsform war damit aber de facto gefallen. Am 12. November wurde von der Provisorischen Nationalversammlung formell beschlossen, dass der Staat Deutschösterreich eine demokratische Republik und Teil der deutschen Republik sei.
Die neue Republik Österreich wurde Rechtsnachfolger von Österreich-Ungarn und musste im Vertrag von Saint-Germain erhebliche Gebiete abtreten
Erste Republik (1918–1933)[Bearbeiten]
Von der Nationalversammlung beanspruchtes Staatsgebiet der Republik Deutschösterreich (1918–1919)
In der Republik waren erstmals auch alle Frauen wahlberechtigt. In den Koalitionsregierungen 1918–1920 (siehe Staatsregierung Renner&#160;I bis Renner&#160;III und Mayr&#160;I) entstanden bedeutende Sozialgesetze (etwa Schaffung der Arbeiterkammer als gesetzliche Interessensvertretung der Arbeiter und Angestellten, Acht-Stunden-Tag, Sozialversicherung). Der Adel wurde im April 1919 abgeschafft, Mitglieder der Familie Habsburg-Lothringen durften nur in Österreich bleiben, wenn sie sich als Bürger der Republik bekannten und jeden Herrschaftsanspruch aufgaben. „Der ehemalige Träger der Krone“ (wie er im Gesetz hieß) wurde, da er die Abdankung verweigerte, auf Dauer des Landes verwiesen, war aber zuvor bereits in die Schweiz ausgereist, um der drohenden Internierung zu entgehen. Die Habsburg-Lothringenschen „Familienfonds“, quasi Stiftungsvermögen zugunsten selbst einkommensloser Habsburger, wurden als Staatseigentum erklärt, individuelles Privatvermögen nicht angetastet.
Im Vertrag von Saint-Germain wurde 1919 der Staatsname „Republik Österreich“ vorgeschrieben und der laut Verfassung vorgesehene Beitritt zur neuen Deutschen Republik durch die Verpflichtung zur Unabhängigkeit verhindert. Dieses „Anschlussverbot“ war außerdem durch Artikel&#160;80 des Versailler Vertrags bewirkt, welches das Deutsche Reich zur Achtung der Unabhängigkeit Österreichs verpflichtete.
Einige Gebiete, in denen die Mehrheit der Bevölkerung Deutsch sprach (Sudetenland, Südmähren, Südtirol), durften zudem wegen des entgegenstehenden Willens der Siegermächte nicht zu Österreich gelangen. Der Kärntner Abwehrkampf gegen die Truppen des Königreichs SHS mobilisierte hingegen die internationale Öffentlichkeit und führte auf Wunsch der Siegermächte zur Volksabstimmung in Südkärnten am 10. Oktober 1920, die eindeutig für die Zugehörigkeit des Abstimmungsgebietes südlich der Drau zur Republik Österreich ausging.
Am 21. Oktober 1919, als der Friedensvertrag in Kraft trat, wurde der Name in „Republik Österreich“ geändert und 1920 das neue österreichische Bundes-Verfassungsgesetz (B-VG) beschlossen, in dem unter anderem Wien als eigenes Bundesland definiert wird. (Das B-VG gilt in der Fassung von 1929, mit der das Amt des Bundespräsidenten gestärkt wurde, im Wesentlichen bis heute). Im Jahr 1921 wurde das Burgenland, der überwiegend deutsch besiedelte Teil Westungarns, als selbstständiges Land im Bund in die Republik aufgenommen. Für die natürliche Hauptstadt des Gebietes, Ödenburg (Sopron), wurde auf ungarischen Wunsch, der von Italien unterstützt wurde, die Volksabstimmung 1921 im Burgenland durchgeführt, wobei sich die Mehrheit für Ungarn entschied. In den zeitgenössischen österreichischen und ungarischen Darstellungen dieser Volksabstimmung waren zahlreiche Divergenzen zu bemerken. Die Bundesregierung stellten seit Herbst 1920 die Christlichsozialen und ihre Unterstützer vom rechten Flügel (siehe Bundesregierung Mayr&#160;II usw.). Die Sozialdemokraten, Mehrheitspartei im „Roten Wien“, waren nun auf Bundesebene in scharfer Opposition.
Die Hyperinflation der frühen zwanziger Jahre wurde 1925 durch die Einführung der Schillingwährung beendet. Die konservative Regierung sorgte dafür, dass der Schilling stabil blieb; er wurde als Alpendollar bezeichnet. Kehrseite dieser kargen Wirtschaftspolitik war, dass in der 1929 einsetzenden Weltwirtschaftskrise kaum staatliche Maßnahmen zur Bekämpfung der enorm hohen Arbeitslosigkeit vorgesehen waren.
Politische Wehrverbände (Republikanischer Schutzbund, Freiheitsbund) zogen Männer an, die als Sozialdemokraten einen Umsturz fürchteten oder in Heimwehren als Rechte die Demokratisierung ablehnten. 1927 wurde in Schattendorf im Burgenland auf waffenlos demonstrierende Schutzbündler gefeuert. Ein Invalider und ein Kind kamen zu Tode. Die Nachricht vom Schattendorfer Urteil, in dem die Täter freigesprochen wurden, führte am Tag darauf, dem 15.&#160;Juli 1927, zur Eskalation im Wiener Justizpalastbrand. Die völlig überforderte Polizei schoss in äußerster Brutalität wahllos in die große Menschenmenge und machte dann Jagd auf flüchtende Demonstranten. Bei der sogenannten Julirevolte waren 89&#160;Tote zu beklagen, davon vier Polizisten. Bundeskanzler Prälat Ignaz Seipel („Keine Milde!“) verteidigte im Parlament das skandalöse Vorgehen der Polizei.
In den folgenden Jahren führten die schlechte Wirtschaftslage und politische Auseinandersetzungen Österreich immer tiefer in eine Krise. Der Austromarxismus sprach vom Endziel Diktatur des Proletariats und machte damit allen Konservativen Angst; allerdings wollte man dieses Ziel auf demokratischem Weg erreichen. Auf der rechten Seite des Parteienspektrums machte sich teilweise die Auffassung breit, die Demokratie sei zur Lösung der Probleme des Landes nicht geeignet. Benito Mussolini war dafür Vorbild.
Einer der christlichsozialen Politiker, die diese Haltung vertraten (es gab auch christlichsoziale Demokraten wie Leopold Kunschak), war Bundeskanzler Engelbert Dollfuß. Als der Nationalrat nach dem Rücktritt aller drei Präsidenten (wegen einer Streitfrage um eine Abstimmung) auseinanderging, verhinderte er im März 1933, auf Grund dieser Geschäftsordnungskrise, das Wiederzusammentreten mit Polizeigewalt und verkündete die „Selbstausschaltung des Parlaments“. Eine von mehr als einer Million Menschen unterzeichnete Petition an Bundespräsident Miklas, für die Wiederherstellung des verfassungsmäßigen Zustandes zu sorgen, blieb erfolglos, obwohl Miklas die Verfassungswidrigkeit von Dollfuß’ Vorgehen klar war.
Austrofaschistischer Ständestaat (1933–1938)[Bearbeiten]
→ Hauptartikel: Ständestaat (Österreich)&#160;und Austrofaschismus
Dollfuß nützte das nach wie vor gültige Kriegswirtschaftliche Ermächtigungsgesetz von 1917, um fortan eigenmächtig Gesetze durch Verordnungen der Bundesregierung zu ändern oder einzuführen. Am 12.&#160;Februar 1934 fanden die bis dahin schwelenden Auseinandersetzungen zwischen den regierenden Christlichsozialen (Vaterländische Front) und den oppositionellen Sozialdemokraten im Österreichischen Bürgerkrieg ihren gewaltsamen Höhepunkt. Die Regierung setzte das Bundesheer und seine Kanonen ein. Es folgten einige Todesurteile gegen Schutzbündler, die Absetzung des Wiener Bürgermeisters und das Verbot der Sozialdemokratischen Partei und ihrer Vorfeldorganisationen. Dollfuß proklamierte hierauf am 1. Mai 1934 in der autoritären „Maiverfassung“ den Bundesstaat Österreich auf ständischer Grundlage (Ständestaat).[53] Es handelte sich um eine Diktatur, die schon damals (z.&#160;B. in einem Privatbrief von Bundespräsident Miklas, wie Friedrich Heer berichtet), mit dem Begriff Austrofaschismus bezeichnet wurde.
Wenige Wochen danach kam es zum Juliputsch von Anhängern der in Österreich seit 1933 verbotenen NSDAP. Einigen Putschisten gelang es am 25.&#160;Juli 1934, in das Bundeskanzleramt vorzudringen, wo Dollfuß so schwer verletzt wurde, dass er kurz darauf, da ihm medizinische Hilfe verweigert wurde, im Amt verstarb. Der Putschversuch wurde innerhalb weniger Stunden niedergeschlagen. Neuer Bundeskanzler wurde Kurt Schuschnigg.
Die Politik des Ständestaates zielte darauf, Österreich als den „besseren deutschen Staat“ darzustellen. In der Tat war Österreich vor dem Anschluss an das Deutsche Reich die um vieles mildere Diktatur: Zahlreiche von den Nationalsozialisten verfolgte Menschen, vor allem Schauspieler und Schriftsteller, suchten 1934–1938 in Österreich Zuflucht. Im äußeren Erscheinungsbild kopierte das Regime (dies wurde später Konkurrenzfaschismus genannt) Elemente aus dem faschistischen Italien und aus dem nationalsozialistischen Deutschland: Aufmärsche mit einem Fahnenmeer, die Einheitsorganisation Vaterländische Front, das Führerprinzip, das Verbot der Parteien.
Hatte Adolf Hitler beim Juliputsch noch den Unbeteiligten gespielt, weil Mussolini Österreich damals noch unabhängig erhalten wollte, so verstärkte sich der Druck des Deutschen Reiches auf Österreich nach 1934 von Jahr zu Jahr. Schuschnigg wurde bei Treffen von Hitler eingeschüchtert und erpresst, nationale (= deutschnationale) Minister in seine Regierung aufzunehmen. Als der Kanzler im März 1938 in einem Verzweiflungsakt eine Volksabstimmung über die Unabhängigkeit Österreichs ankündigte, erzwang Göring durch telefonische Drohungen von Bundespräsident Miklas die Einsetzung einer nationalsozialistischen Regierung unter Arthur Seyß-Inquart. Parallel zu deren Amtsantritt am 12. März 1938 fand der längst vorbereitete Einmarsch der deutschen Truppen (Unternehmen Otto) statt. Zu diesem Zeitpunkt hatten mancherorts, z.&#160;B. in Graz, die einheimischen Nationalsozialisten bereits die Macht ergriffen. Am 13.&#160;März 1938 erließ Hitler, von der Begeisterung seiner österreichischen Anhänger motiviert, das ursprünglich von ihm nicht für diesen Zeitpunkt vorgesehene Anschlussgesetz. Sofort begann der Terror gegen jüdische Österreicher, der auch in sogenannten „Arisierungen“, das heißt dem Raub an jüdischem Eigentum, seinen Ausdruck fand.
Adolf Hitler verkündet vom Balkon der Hofburg den jubelnden Massen auf dem Heldenplatz den Anschluss Österreichs am 15. März 1938
Teil des Deutschen Reiches (1938–1945)[Bearbeiten]
Befreiung des KZ Mauthausen am&#160;6.&#160;Mai&#160;1945
→ Hauptartikel: Österreich in der Zeit des Nationalsozialismus
Die gravierendste Folge des „Anschlusses“ war der sofort einsetzende Terror gegen jüdische Österreicher, der später im Massenmord gipfelte. Aus rassischen oder politischen Gründen unerwünschte Menschen flüchteten, sofern sie nicht sehr bald im KZ landeten, zu Zehntausenden ins Ausland.
Österreich blieb im Reich zunächst als Land erhalten, am 14.&#160;April 1939 wurden dann aber die ehemaligen Bundesländer und Wien durch das „Ostmarkgesetz“ zu nationalsozialistischen Reichsgauen umgebildet, der Name Österreich sollte verschwinden: So wurde das zunächst Land Österreich genannte Gebiet kurz darauf als Ostmark und ab 1942 schließlich als Alpen- und Donau-Reichsgaue bezeichnet. Dabei wurde das Burgenland zwischen den Gauen Niederdonau und Steiermark aufgeteilt, Osttirol an den Gau Kärnten angeschlossen und der steirische Teil des Salzkammerguts zum Gau Oberdonau geschlagen. Wiens Fläche wurde auf Kosten des Umlandes verdreifacht (Groß-Wien).
Der gebürtige Österreicher Adolf Hitler führte nach seinem beruflichen Scheitern in seinem Heimatland und seiner politischen Karriere in Deutschland Österreich in die nationalsozialistische Willkürherrschaft und ließ in der Folge alle Hinweise auf eine Eigenständigkeit des Landes tilgen. An Hitlers Politik und Verbrechen beteiligten sich zahlreiche Österreicher mit großer Intensität: Bekannte Täter wie Arthur Seyß-Inquart, Adolf Eichmann, Ernst Kaltenbrunner und Alexander Löhr waren Österreicher. Aber auch unter den KZ-Aufsehern, SS-Männern und Gestapo-Mitarbeitern waren viele Österreicher tätig: Obwohl sie nur 8&#160;% der Bevölkerung des Großdeutschen Reiches ausmachten, waren 14&#160;% der SS-Mitglieder, 40&#160;% der KZ-Aufseher und 70&#160;% von Adolf Eichmanns Stab österreichischer Abstammung.[54]
1938 wurde das Doppellagersystem Mauthausen/Gusen errichtet, welches das KZ Mauthausen und KZ Gusen umfasste. Im Laufe der Jahre wurde diesem Lagersystem ein Netz von Außenstellen angeschlossen, das sich über ganz Österreich erstreckte. Aus ganz Europa wurden in diesen Konzentrationslagern Zwangsarbeiter unter unmenschlichen Bedingungen u.&#160;a. in der Rüstungsproduktion und im Straßenbau eingesetzt. Allein in Mauthausen kamen etwa 100.000 Häftlinge ums Leben.
Der Zweite Weltkrieg in Europa endete schließlich mit der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht am 8. Mai 1945 (vgl. Chronologie des Zweiten Weltkrieges).
Nachkriegszeit und Zweite Republik[Bearbeiten]
→ Hauptartikel: Besetztes Nachkriegsösterreich
Mit dem Kriegsende 1945, der Niederlage des Großdeutschen Reiches, wurde Österreich als unabhängiger Staat wiederhergestellt. Dies hatten die späteren Siegermächte bereits 1943 in der Moskauer Deklaration angekündigt. Bereits am 27.&#160;April trat die provisorische Staatsregierung mit Karl Renner als Staatskanzler zusammen und proklamierte die Wiedererrichtung der Republik. Bald darauf wurde die Bundesverfassung vom 1.&#160;Oktober 1920 in der Fassung von 1929 durch das Verfassungsüberleitungsgesetz wieder in Geltung gesetzt. Ausnahme waren Bestimmungen, die die Umwandlung des Bundesrates in einen Länder- und Ständerat vorsahen. Österreich gewann damit den Status einer gewaltenteilenden, repräsentativen, parlamentarischen und föderalistischen Demokratie zurück.
Eines der ersten von der provisorischen Staatsregierung erlassenen Gesetze war das Verbotsgesetz, mit dem die NSDAP, ihre Wehrverbände sowie sämtliche Organisationen, die mit ihr zusammenhängen, aufgelöst und verboten wurden.
Die Volkswahl des Bundespräsidenten wurde, wie schon 1932, sistiert und Karl Renner von der Bundesversammlung einstimmig zum Staatsoberhaupt gewählt.
Nach Renners Tod wurde Theodor Körner als Kandidat der SPÖ am 27.&#160;Mai 1951 zum Bundespräsidenten gewählt. Dies war somit die erste Volkswahl eines Staatsoberhauptes in der österreichischen Geschichte. Von 1945 bis 1947 wurde Österreich nach dem Willen der Besatzungsmächte durch eine Allparteienregierung (ÖVP, SPÖ, KPÖ) mit Leopold Figl als Bundeskanzler regiert. Ab 19.&#160;November 1947 bildeten ÖVP und SPÖ eine große Koalition. Diese wurde bis 1966 weitergeführt.
Österreich wurde nach dem Krieg bis 1955 in vier alliierte Besatzungszonen aufgeteilt
Bis 1955 war Österreich, wie auch Nachkriegs-Deutschland, in Besatzungszonen aufgeteilt. Die größte Zone war die sowjetische, zu der Oberösterreich nördlich der Donau (Mühlviertel), Niederösterreich in den Grenzen von 1937 (d.&#160;h. vor der Errichtung Groß-Wiens), das wieder errichtete Burgenland und in Wien die Bezirke 2, 4, 10, 20, 21 und 22 gehörten. Von der Sowjetunion wurden als Deutsches Eigentum beschlagnahmte Betriebe in einem USIA genannten Konzern zusammengefasst, was gemäß den Beschlüssen der Potsdamer Konferenz Teil der von Österreich zu leistenden Reparationen war. Unter den Österreichern, sowohl der Bevölkerung wie auch der Politik, war nach 1945 und bis weit in die folgenden Jahrzehnte hinein die Ansicht weit verbreitet, Österreich sei (wie in der Moskauer Deklaration 1943 formuliert) „erstes Opfer Hitlers“ gewesen, womit die Mitschuld am Zweiten Weltkrieg und am Holocaust heruntergespielt oder geleugnet werden sollte. Der überwiegende Teil rechtfertigte sich später damit, es sei ihm nichts anderes übrig geblieben.[55] Eine Folge dieser „Opferthese“ war die bis heute nur sehr schleppend durchgeführte Restitution geraubten Vermögens.
Mit der Unterzeichnung des österreichischen Staatsvertrages am 15. Mai 1955 durch Leopold Figl für die Bundesregierung Raab I und durch Vertreter der vier Siegermächte und mit dem formal davon unabhängigen (also im Staatsvertrag nicht verankerten) Bekenntnis zur Neutralität sowie der Verpflichtung, keinen erneuten Anschluss an Deutschland anzustreben, erlangte die Republik am 27.&#160;Juli 1955 ihre volle Souveränität.
Am 26. Oktober 1955, nach dem Abzug der Besatzungssoldaten, erfolgte vom Nationalrat der Beschluss über die immerwährende Neutralität Österreichs; dieser Tag ist seit 1965 österreichischer Nationalfeiertag. Die Neutralität (heute besser: Bündnisfreiheit) ist eine militärische und bedeutete von Anfang an keine Äquidistanz zu den Wertesystemen von West und Ost.[56] Bedingt durch die Neutralität konnten aber sowohl mit den westlichen Ländern als auch mit den damaligen Ostblockländern gute kulturelle und wirtschaftliche Bande geknüpft werden, was dem Land in der Zeit des Wiederaufbaues noch lange half.
Am 14. Dezember 1955 trat Österreich der UNO bei und war 1973/74 sowie 1991/92 Mitglied des Sicherheitsrates (siehe: Österreich in den Vereinten Nationen). Bereits 1956/57 nahm die IAEO, die Internationale Atomenergieorganisation, ihren Sitz in Wien, 1969 kam die Organisation der Vereinten Nationen für industrielle Entwicklung (UNIDO) dazu, später folgten weitere UN-Agenturen. Für die Periode 2009 / 2010 wurde Österreich wieder als nichtständiges Mitglied in den Sicherheitsrat gewählt.[57]
Den Konflikt mit Italien wegen des mehrheitlich deutschsprachigen Südtirol, das bis 1918 zur österreichischen Reichshälfte gehört hatte und von Italien nach dem Ersten Weltkrieg annektiert worden war, brachte Österreich in den 1960er Jahren vor die UNO. Die in der Folge (1969) für die Südtiroler Bevölkerung erreichte Autonomieregelung hat sich bewährt und wurde seither noch weiter ausgebaut.
1966 bis 1970 war die Bundesregierung Klaus II die erste Alleinregierung der Zweiten Republik, gestellt von der christdemokratischen ÖVP unter Josef Klaus. 1970–1983 folgten sozialistische Alleinregierungen unter Bruno Kreisky (siehe Bundesregierung Kreisky&#160;I bis Kreisky&#160;IV). Bedeutend für Österreich war in dieser Zeit die weit gespannte Außenpolitik Kreiskys, die unter anderem durch den Bau der Wiener UNO-City und die Internationalisierung der Palästinenserfrage, die Kreisky erstmals vor die UNO brachte, symbolisiert wurde.
1978 fand die Volksabstimmung über die von der Regierung Kreisky befürwortete Inbetriebnahme des Kernkraftwerks Zwentendorf statt; sie ging negativ aus. Österreich produziert bis heute keine Kernenergie und lehnt dies auch für die Zukunft ab.
UNO-City in Wien, der dritte Amtssitz der Vereinten Nationen
1979 wurde Wien nach der Fertigstellung seiner UNO-City offiziell dritter Amtssitz der Vereinten Nationen neben New York und Genf. Unabhängig davon siedelte sich die OPEC in Wien an.
1983 fädelte der abtretende Bruno Kreisky eine kleine Koalition der Sozialdemokraten (SPÖ) mit der damals nationalliberalen FPÖ (Freiheitliche Partei) ein; die FPÖ hatte ihm durch Stillhalten bereits 1970 an die Macht verholfen (siehe Bundesregierung Sinowatz). Nach der Wahl des Rechtspolitikers Jörg Haider zum Parteiobmann der FPÖ 1986 wurde die Koalition von der SPÖ auf Betreiben Franz Vranitzkys beendet.
Der Zerfall des Ostblocks 1989/90 ließ den Eisernen Vorhang verschwinden, der die Entwicklung Ostösterreichs 1945–1989 beeinträchtigt hatte.
1987 bis 1999 bildeten die Sozialdemokraten (SPÖ) „große Koalitionen“ mit der christdemokratischen ÖVP (siehe Bundesregierung Vranitzky&#160;I bis Vranitzky&#160;V und Bundesregierung Klima). In diesen Zeitraum fiel der Beitritt Österreichs zur Europäischen Union (1995), für den sich insbesondere Alois Mock und Vranitzky eingesetzt hatten. Bei der Volksabstimmung 1994 stimmten zwei Drittel der Teilnehmer dafür.
Siehe auch: Zweite Republik
Gegenwart[Bearbeiten]
Nationalratswahl 2013
Endergebnis inklusive Briefwahlstimmen[58]
(74,9&#160;% Wahlbeteiligung, 1,9&#160;% ungültige Stimmen)
&#160;%
30
20
10
0
26,82
(-2,44)23,99
(-1,99)20,51
(+2,97)12,42
(+1,99)5,73
(n.&#160;k.)
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Alternative_Farbe4,96
(+2,87)3,53
(-7,17)1,03
(+0,27)1,02
(-2,21)
SPÖ
ÖVP
FPÖ
GRÜNE
FRANK
NEOSf
BZÖ
KPÖ
Sonst.
2008

2013

Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
f Wahlbündnis aus NEOS und LIF, Vergleichswert 2008: LIF
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/KEINFEHLER-Parameter angegebenSeit der Öffnung der Grenzen des früheren Ostblocks 1989/90 liegt Österreich nicht mehr an der Ostgrenze des kapitalistisch ausgerichteten Europas. Österreich wurde einer der stärksten Investoren in den Reformländern. In der ersten Hälfte der 1990er Jahre wurden Menschen aus den einander bekriegenden jugoslawischen Nationalitäten verstärkt in Österreich aufgenommen.
Nach dem Ende des Kalten Krieges 1991 und insbesondere nach dem EU-Beitritt 1995 wurde die Neutralitätspolitik alten Stils für Österreich obsolet. Der Begriff Neutralität ist aufgrund der unterzeichneten EU-Verträge im Wesentlichen auf Bündnisfreiheit reduziert und hat hauptsächlich identitätspolitische Bedeutung; de facto hat Österreich als Vollmitglied der EU, die eine gemeinsame Verteidigungspolitik anpeilt, diesem Vorhaben zugestimmt und kann daher nicht mehr neutral oder bündnisfrei sein.
Österreich hatte in der zweiten Hälfte 1998 sowie in der ersten Hälfte 2006 die Präsidentschaft des Rats der Europäischen Union inne. 1999 wurde der Euro als Buchgeld eingeführt, ab 1.&#160;Jänner 2002 ersetzte der Euro auch als Bargeld den Schilling. Österreich unterzeichnete 1995 das Schengener Abkommen und beseitigte 1997 die Grenzkontrollen zu Deutschland und Italien.
Die SPÖ-ÖVP-Koalitionsregierungen 1986–2000 wurden 2000–2006 von Regierungen der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) mit der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) abgelöst (siehe Bundesregierung Schüssel&#160;I und Schüssel&#160;II). Die damals 14 anderen EU-Mitgliedstaaten reagierten auf die Regierungsbeteiligung der von ihnen als rechtsradikal eingeschätzten FPÖ mit einer vorübergehenden bilateralen Kontaktsperre auf Regierungsebene („EU-Sanktionen“). Nach der Spaltung der FPÖ 2005 wurde das neugegründete Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ) Regierungspartner.
2007/2008 war nach Neuwahlen wiederum eine SPÖ-ÖVP-Koalition tätig (siehe Bundesregierung Gusenbauer). Nach der Erweiterung des Schengenraums Ende 2007 um Tschechien, die Slowakei, Ungarn und Slowenien bzw. Ende 2008 um die Schweiz und Ende 2011 um Liechtenstein ist Österreich völlig von Schengenstaaten umgeben.
Von der ÖVP ausgelöste vorgezogene Nationalratswahlen im September 2008 führten zu einer Neuauflage der rot-schwarzen Koalition (Bundesregierung Faymann) unter den neuen Parteichefs Werner Faymann (SPÖ) und Josef Pröll (ÖVP).[59] Nach dem Rücktritt Josef Prölls folgte ihm 2011 Michael Spindelegger als Vizekanzler.[60]
Nach einer 2007 in Kraft getretenen Verlängerung der Legislaturperiode des Nationalrats von vier auf fünf Jahre wurde der Nationalrat 2013 erstmals fünf Jahre nach der vorangegangenen Wahl gewählt. Bei dieser Wahl wurden die bisherigen Regierungsparteien SPÖ und ÖVP mit Verlusten wiederum stärkste und zweitstärkste Partei (zusammen 99 von 183 Mandaten im Nationalrat). FPÖ und die Grünen verzeichnen Zugewinne. Das BZÖ schaffte den Wiedereinzug in den Nationalrat mit 3,5&#160;% nicht, neu zogen aber die NEOS ein.
Siehe auch: Österreich 2015
Politik[Bearbeiten]
→ Hauptartikel: Politisches System Österreichs
Politisches System[Bearbeiten]
Präsidentschaftskanzlei im Leopoldinischen Trakt der Hofburg
Bundeskanzleramt am Ballhausplatz
Das Parlament in Wien ist Sitz des Nationalrates und des Bundesrates
Österreich ist nach der Bundesverfassung von 1920 in der Fassung von 1929, die 1945 wieder in Kraft gesetzt wurde, eine föderale, parlamentarisch-demokratische Republik, bestehend aus neun Bundesländern. Staatsoberhaupt ist der Bundespräsident, der (aufgrund der Verfassungsnovelle 1929) seit 1951 für sechs Jahre direkt vom Volk gewählt wird; eine einmalige Wiederwahl ist zulässig.
Da Österreich ein Bundesstaat ist, sind sowohl die Gesetzgebung als auch die Verwaltung zwischen Bund und (Bundes-)Ländern geteilt.
Bund[Bearbeiten]
Die Bundesgesetzgebung üben der Nationalrat und der Bundesrat in der Regel gemeinsam aus (Zweikammersystem).
Der Nationalrat, mit seinen 183 Abgeordneten, ist die dominierende Kammer und wird nach dem allgemeinen, gleichen, unmittelbaren und geheimen Wahlrecht von allen über 16-jährigen Staatsbürgern nach den Grundsätzen der Verhältniswahl gewählt. Seine Gesetzgebungsperiode dauert fünf Jahre, wenn sie nicht vom Nationalrat selbst oder von Bundespräsident und Bundesregierung durch Auflösung verkürzt wird, um frühere Neuwahlen zu ermöglichen. Eine 4-Prozent-Hürde verhindert eine zu große Zersplitterung der Parteienlandschaft im Nationalrat. Die Mitglieder des Nationalrats besitzen ein freies Mandat und genießen berufliche und außerberufliche Immunität.
Der Bundesrat wird von den einzelnen Landtagen (den Parlamenten der Bundesländer) nach der Bevölkerungszahl beschickt und vertritt dadurch im Sinne des bundesstaatlichen Prinzips die Interessen der Länder in der Bundesgesetzgebung. Er besitzt in den überwiegenden Fällen nur ein aufschiebendes Vetorecht, das durch einen Beharrungsbeschluss des Nationalrates überstimmt werden kann. Nur in Fällen, in denen in die Rechte der Bundesländer eingegriffen wird, besitzt der Bundesrat ein absolutes Vetorecht. Da der Bundesrat nach Parteienproporz beschickt wird, wird häufig kritisiert, dass dort nicht nach Länder-, sondern nach Parteieninteressen abgestimmt werde. Die Mitglieder des Bundesrats besitzen ein freies Mandat und genießen berufliche und außerberufliche Immunität.
Regierungschef ist auf Bundesebene der Bundeskanzler, der vom Bundespräsidenten ernannt wird. Üblicherweise wird nach einer Nationalratswahl der Spitzenkandidat der stimmenstärksten Partei mit der Regierungsbildung beauftragt. Dies ist aber keine Verfassungsregel. In der Folge wird die Bundesregierung, das sind Bundeskanzler, Vizekanzler und alle sonstigen Bundesminister als Kollegialorgan, vom Bundespräsidenten auf Vorschlag des Bundeskanzlers ernannt (wobei der Bundespräsident Vorschläge auch ablehnen kann). Die Bundesregierung bzw. ihre Mitglieder sind vom Vertrauen des Nationalrats abhängig (politische Verantwortlichkeit), weshalb Minderheitsregierungen bisher nur in Ausnahmefällen ernannt wurden.
Land[Bearbeiten]
Die Landesgesetzgebung in den Bundesländern übt der jeweilige Landtag aus (Einkammersystem). Er wird von den über 16-jährigen Landesbürgern aufgrund des gleichen, unmittelbaren, persönlichen, freien und geheimen Wahlrechts nach den Grundsätzen der Verhältniswahl gewählt. Die Mitglieder der Landtage besitzen ein freies Mandat und genießen berufliche und außerberufliche Immunität.
Der Landtag wählt die Landesregierung, die aus dem Landeshauptmann (in den Medien manchmal als „Landesfürst“ bezeichnet), der erforderlichen Zahl von Stellvertretern und weiteren Mitgliedern (Landesräten) besteht. Die Landesregierung ist dem Landtag politisch verantwortlich.
Kammern[Bearbeiten]
Eine Besonderheit des politischen Systems in Österreich sind öffentlich-rechtliche Interessenvertretungen mit Pflichtmitgliedschaft, gesetzlich als Kammern bezeichnet, die oft durch privatrechtliche Vereine ergänzt werden. Als „große Kammern“ gelten die Wirtschaftskammer Österreich, die Kammer für Arbeiter und Angestellte (seit 1920) und die Landwirtschaftskammer. Dazu kommen als Vereine Industriellenvereinigung, Österreichischer Gewerkschaftsbund und Bauernbund. Wird ein Gesetzentwurf als Regierungsvorlage ausgearbeitet, so erfolgt ein Begutachtungsverfahren, bei dem die Kammern Änderungsvorschläge usw. einbringen.
Die großen Interessenvertretungen werden als Sozialpartner bezeichnet, wenn sie gemeinsam nach Kompromissen in Streitfragen suchen; dadurch sind Streiks in Österreich sehr selten geworden. Gelegentlich werden sie als nicht gewählte Nebenregierung bezeichnet, Österreich wird als Kammerstaat kritisiert. SPÖ und ÖVP haben die Kammern 2007 in Verfassungsrang gehoben, um Änderungen zu erschweren.
Politische Parteien[Bearbeiten]
Wahl-Ergebnisse in Österreich seit 1945, als Hintergrundfarben die Regierungskoalitionen
→ Hauptartikel: Liste der politischen Parteien in Österreich
Seit der Gründung der Republik Österreich wird die Politik von zwei großen Parteien, der christlich-konservativen Volkspartei ÖVP (bis 1934 Christlichsoziale Partei, 1934–1938 Vaterländische Front) sowie der sozialdemokratischen SPÖ (seit 1991, vorher seit 1945 Sozialistische Partei Österreichs bzw. bis 1934 Sozialdemokratische Arbeiterpartei Österreichs), geprägt. Beide entstanden schon während der Monarchie und wurden nach der Befreiung Wiens am Ende des Zweiten Weltkrieges im April 1945 neu beziehungsweise wieder gegründet. 1945–1966 und 1986–1999 regierten diese beiden Parteien trotz ihrer weltanschaulichen Gegensätze in einer Großen Koalition. Die positiven Auswirkungen dieser Kooperation wurden unter dem Begriff der Sozialpartnerschaft, die negativen als parteipolitischer Proporz thematisiert.
Drittes, bis in die 1990er Jahre wesentlich kleineres parteipolitisches Kontinuum ist das deutschnationale Lager, welches sich in der ersten Republik vor allem in der Großdeutschen Volkspartei, in der zweiten Republik im VdU (Verband der Unabhängigen), danach in der FPÖ, der Freiheitlichen Partei Österreichs, sammelte. In den ersten Jahren der Zweiten Republik spielte auch die Kommunistische Partei Österreichs (KPÖ) eine Rolle in der Politik des Landes, seit den 1960er Jahren ist sie jedoch als Kleinstpartei auf Bundesebene bedeutungslos. Bei regionalen Wahlen, beispielsweise in Graz, erreicht sie aber auch heute noch nennenswerte Stimmanteile.
In den 1980er Jahren brach das starre, manchmal auch als hyperstabil bezeichnete Parteiensystem (mit einer der höchsten Dichten an Parteimitgliedern weltweit) auf: einerseits durch den Auftritt der Grünen auf der linken Seite des Parteienspektrums, andererseits durch die Neupositionierung der FPÖ als rechtspopulistische Partei. Von ihr spaltete sich 1993 das Liberale Forum ab, das allerdings bald wieder von der politischen Bühne verschwand. Im Jahr 2005 erlebte die FPÖ mit der Gründung des Bündnisses Zukunft Österreich (BZÖ) ihre zweite Spaltung. Bei der Nationalratswahl in Österreich 2008 erreichten FPÖ und BZÖ in Summe etwa die Stärke der SPÖ, kamen aber weder für SPÖ noch ÖVP als Koalitionspartner in Frage. Die Parteienförderung in Österreich („Demokratiekosten“) ist im internationalen Vergleich, bezogen auf die Einwohnerzahl, nach Japan die zweithöchste – 2014 betrug sie insgesamt 205 Millionen Euro.
Siehe auch: Wahlen in Österreich
Rechtswesen[Bearbeiten]
Bundesverfassungsrecht[Bearbeiten]
Seit 2012 Sitz des Verfassungsgerichtshofes: Wien 1., Freyung 8
Der Verwaltungsgerichtshof Österreichs befindet sich in der Böhmischen Hofkanzlei am Wiener Judenplatz
Der Oberste Gerichtshof befindet sich im Justizpalast
Das Palais Trautson, Sitz des Justizministeriums
Das österreichische Bundesverfassungsrecht ist zersplittert, da es im Gegensatz zu anderen Staaten kein Inkorporationsgebot gibt, dem zufolge sämtliche nach Inkrafttreten der Verfassung beschlossenen Änderungen oder Ergänzungen ausschließlich direkt in die Verfassungsurkunde selbst aufzunehmen wären und nicht in gesonderten Verfassungsgesetzen erlassen werden dürften. Verfassungsregeln finden sich daher in Österreich nicht nur im Bundes-Verfassungsgesetz selbst, sondern auch in vielen anderen Verfassungsgesetzen und in einfachen Gesetzen enthaltenen Verfassungsbestimmungen.
Vom 1. Juli 2003 bis 31. Jänner 2005 tagte ein Verfassungskonvent („Österreich-Konvent“), der Vorschläge für eine Reform der österreichischen Bundesverfassung erarbeitete. Der Vorsitzende Franz Fiedler erarbeitete einen eigenen Schlussbericht, da über die zukünftige Kompetenzverteilung zwischen Bund und Ländern keine Einigung erzielt wurde.
Zentrales Verfassungsdokument istdas Bundes-Verfassungsgesetz (vom 1.&#160;Oktober 1920) in der Fassung von 1929 (B-VG) mit den seither ergangenen Novellen, das den „Kern“ des Bundesverfassungsrechts bildet.[61]Ein Grundrechtskatalog fehlt im B-VG. Er wird durch mehrere in Verfassungsrang stehende Rechtstexte gebildet:das Staatsgrundgesetz über die allgemeinen Rechte der Staatsbürger vom 21.&#160;Dezember 1867, RGBl. 142/1867, in Verfassungsrang gemäß Art. 149 Abs.&#160;1 B-VG,[62] und
die Europäische Menschenrechtskonvention (EMRK) vom 4.&#160;November 1950, ratifiziert 1958 (BGBl. Nr. 210/1958), in Verfassungsrang seit 1964 (BGBl. Nr. 59/1964).[63]Weitere wichtige Bundesverfassungsgesetze (BVG; zur Unterscheidung von der ursprünglichen Verfassung, dem B-VG, ohne Bindestrich geschrieben) sind:das Verbotsgesetz 1947, das nationalsozialistische „Wiederbetätigung“ gerichtlich strafbar macht (am 8. Mai 1945, StGBl. Nr. 13/1945, erstmals publiziert),[64]
das Finanz-Verfassungsgesetz vom 21.&#160;Jänner 1948, BGBl. Nr. 45/1948, in der geltenden Fassung, das den Finanzausgleich zwischen „dem Bund und den übrigen Gebietskörperschaften“ (Originaltitel) regelt,[65]
das Neutralitätsgesetz vom 26. Oktober 1955, BGBl. Nr. 211/1955,[66]
der per 1. Jänner 1995 vom Parlament genehmigte EU-Beitrittsvertrag (BGBl. Nr. 45/1995),[67]
weitere Ratifizierungen von EU-Verträgen.Daneben bestehen noch mehr als 1.300 rein formelle Verfassungsgesetze und in einfachen Gesetzen als Verfassungsbestimmung bezeichnete Rechtsregeln (diese sichern sonst verfassungswidrige Ausnahmeregelungen ab) sowie Staatsverträge in Verfassungsrang. Am 4. Jänner 2008 wurde das Erste Bundesverfassungsrechtsbereinigungsgesetz (BVRBG), BGBl. I Nr. 2/2008, publiziert. Damit wurden 71 Bundesverfassungsgesetze, 167 Verfassungsbestimmungen und 6 verfassungsändernde Staatsverträge außer Kraft gesetzt oder als nicht mehr geltend festgestellt, außerdem 24 Bundesverfassungsgesetze zu einfachen Bundesgesetzen heruntergestuft und 225 weitere Bestimmungen ihres Verfassungsranges entkleidet.
Privatrecht[Bearbeiten]
Die zentrale Privatrechtskodifikation Österreichs, das Allgemeine Bürgerliche Gesetzbuch (ABGB) vom 1.&#160;Juni 1811 (in Kraft getreten am 1.&#160;Jänner 1812), ist eine Naturrechtskodifikation, die 1914–1916 unter Einfluss der Historischen Rechtsschule tiefgreifend novelliert wurde. Weit reichende Änderungen erfolgten dann erst wieder ab 1970, insbesondere im Familienrecht. Große Bereiche des Privatrechts sind allerdings außerhalb des ABGB geregelt, wobei viele dieser Sondergesetze im Zuge des „Anschlusses“ an Deutschland 1938 in Österreich eingeführt wurden und nach 1945 in gegebenenfalls entnazifierter Fassung beibehalten wurden; so etwa das Ehegesetz (EheG), das Unternehmensgesetzbuch (UGB) und das Aktiengesetz (AktG).
Strafrecht[Bearbeiten]
Das Österreichische Strafrecht ist in modernen Kodifikationen wie etwa dem Strafgesetzbuch (StGB) vom 23.&#160;Jänner 1974 oder der Strafprozessordnung (StPO) vom 31.&#160;Dezember 1975, 2004 mit Gültigkeitsbeginn 1. Jänner 2008 durchgreifend geändert, geregelt. Das StGB kennt außer Strafen auch „vorbeugende Maßnahmen“. Sowohl Strafen als auch Maßnahmen dürfen nur wegen einer Tat verhängt werden, die schon zur Zeit ihrer Begehung mit Strafe bedroht war (Verwirklichung des Rückwirkungsverbotes im Strafrecht:Nulla poena sine lege, §&#160;1 StGB). Die Todesstrafe ist im ordentlichen Verfahren seit 1950, im außerordentlichen Verfahren seit 1968 abgeschafft.
Europarecht[Bearbeiten]
1995 erfolgte die Übernahme des Acquis communautaire, des gemeinsamen Rechtsbestandes der EU, der durch die seit dem EU-Beitritt unter Mitwirkung Österreichs erlassenen EG-Richtlinien (Rahmengesetze) und EU-Verordnungen (direkt anwendbare Gesetze) sowie durch Letztentscheidungen des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) ständig weiterentwickelt wird. Im Zweifelsfall hat das Gemeinschaftsrecht Vorrang. Betroffen sind insbesondere Wirtschafts-, Unternehmens- und Kapitalrecht, lediglich bei den Baugesetzen der Verfassung, zu deren Änderung eine Volksabstimmung notwendig ist, wird von der Höherrangigkeit österreichischen Rechts ausgegangen. Österreich hat – wie insgesamt 17 von 27 Mitgliedstaaten – den EU-Verfassungsvertrag ratifiziert; da die nötige Einstimmigkeit aller Mitgliedsstaaten dafür nicht zu erreichen war, wurde im Herbst 2007 der Vertrag von Lissabon abgeschlossen, der die wesentlichsten „Verfassungsbestimmungen“ enthält, ohne sie als solche zu bezeichnen, und der auf Symbole der Staatlichkeit der EU verzichtet. Auch diesen hat Österreich ratifiziert.
Gerichtsbarkeit[Bearbeiten]
Die Gerichtsbarkeit ist in Österreich überwiegend Angelegenheit des Bundes. Sie wird in Zivilrechts- und Strafrechtssachen von Bezirksgerichten, Landesgerichten, Oberlandesgerichten und dem Obersten Gerichtshof (OGH) als höchster Instanz wahrgenommen, die alle Gerichte des Bundes sind. Die Verwaltungsgerichtsbarkeit ist seit 1. Jänner 2014 zweistufig organisiert und wird von elf Verwaltungsgerichten, von denen jedes Land ein Gericht (Landesverwaltungsgericht) und der Bund zwei Gerichte (Bundesverwaltungsgericht und Bundesfinanzgericht) betreibt, und dem Verwaltungsgerichtshof (VwGH) ausgeübt. Für die Verfassungsgerichtsbarkeit gibt es mit dem Verfassungsgerichtshof (VfGH) nur ein einziges Gericht. Soweit zu den Kompetenzen der EU zählende Materien betroffen sind, ist gemäß dem EU-Vertrag der Europäische Gerichtshof (EuGH) die Letztinstanz über den österreichischen Gerichten; in menschenrechtlichen Fragen laut Europäischer Menschenrechtskonvention der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR).
Siehe auch: Justizanstalt
Staatshaushalt[Bearbeiten]
Jahr
Staats-
verschuldung
Haushalts-
saldo
1995
68,0&#160;%
−6,1&#160;%
1996
68,0&#160;%
−4,4&#160;%
1997
63,2&#160;%
−2,4&#160;%
1998
63,6&#160;%
−2,7&#160;%
1999
66,4&#160;%
−2,6&#160;%
2000
65,9&#160;%
−2,0&#160;%
2001
66,5&#160;%
−0,6&#160;%
2002
66,3&#160;%
−1,3&#160;%
2003
65,5&#160;%
−1,8&#160;%
2004
64,8&#160;%
−4,8&#160;%
2005
68,3&#160;%
−2,5&#160;%
2006
67,0&#160;%
−2,5&#160;%
2007
64,8&#160;%
−1,3&#160;%
2008
68,5&#160;%
−1,4&#160;%
2009
79,7&#160;%
−5,3&#160;%
2010
82,4&#160;%
−4,5&#160;%
2011
82,1&#160;%
−2,6&#160;%
2012
81,5&#160;%
−2,2&#160;%
2013
80,9&#160;%
−1,3&#160;%
2014
84,5&#160;%
−2,4&#160;%
In&#160;% des BIP;
Quelle: Statistik Austria[68][69]
Die Verschuldung des Gesamtstaates einschließlich Sozialversicherung erreichte im März 2011 ihren bisher höchsten Stand mit 210,3 Milliarden Euro. Im Jahr 2008 hatte die Gesamtstaatsverschuldung noch 176,8 Milliarden Euro betragen. Dieser sprunghafte Anstieg ist vor allem auf die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise und den damit verbundenen staatlichen Hilfs- und Rettungspaketen für den Finanzsektor und auf Wirtschaftsförderungen zurückzuführen.
Die Staatsverschuldung Österreichs sank zwischen 2001 und 2007 von 66,8&#160;% auf 60,2&#160;% des BIPs. Dennoch wurde das Maastricht-Ziel von höchstens 60&#160;% niemals seit 1992&#160;– vor dem Beitritt zur EU 1995&#160;– erreicht. Im Zuge der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise stieg die Verschuldung Österreichs auf knapp 85&#160;% an.
2011 wurde eine sogenannte Schuldenbremse im Bundeshaushaltsgesetz beschlossen, die konkrete Beschränkungen für das Haushaltssaldo in den Jahren 2012 bis 2016 vorschreibt und ab 2017 das strukturelle Defizit auf 0,45&#160;% des BIP beschränkt.[70]
Außen- und Sicherheitspolitik[Bearbeiten]
Metternich prägte Österreichs Außenpolitik und beeinflusste Europa für viele Jahre im 19. Jahrhundert
Österreichisches Außenministerium am Wiener Minoritenplatz
→ Hauptartikel: Außenpolitik Österreichs
Seit dem Beitritt von Tschechien, der Slowakei, Ungarns und Sloweniens zur EU im Jahr 2004 ist Österreich, mit Ausnahme der Schweiz und Liechtensteins, nur von anderen Mitgliedsstaaten der EU umgeben. Seine Sicherheitspolitik konzentriert sich daher auf Terrorabwehr und auf internationale Einsätze des Heeres im Rahmen der EU und der UNO.
Im Kalten Krieg sah Österreich sich an der Schnittstelle zweier einander gegenüberstehender Machtblöcke – der Westmächte und des Ostblocks. Gemäß der Neutralität, die der Sowjetunion zur Erlangung des Österreichischen Staatsvertrages im Jahr 1955 zugesichert worden war, verhielt sich Österreich beiden Machtblöcken gegenüber formell neutral, obwohl es der Sowjetunion gegenüber von Anfang an eine westliche Ausprägung von Demokratie, Wirtschaft und Politik betont hatte.
Die Außenpolitik des Landes trug oft zur Stabilität der Region und zur kooperativen Neugestaltung der Ost-West-Beziehungen bei. Wien wurde als internationaler Konferenzort attraktiv, da man weder in einem NATO-Land noch im Gebiet des Warschauer Paktes tagte. Dieses Konzept wurde allerdings mit dem Fall des Eisernen Vorhanges 1989 obsolet.
Österreich trat 1995 der EU bei; innenpolitisch wurde argumentiert, man gehe „als neutrales Land in die EU“. (Dass man gegenüber anderen EU-Mitgliedstaaten schwerlich neutral sein kann, wurde öffentlich nicht erörtert.) Später hat sich Österreich dazu entschlossen, die Petersberg-Aufgaben und weitere Beschlüsse im Rahmen der europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik (ESVP) sowie der gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik (GASP) der EU mitzutragen und lediglich explizit militärische Bündnisse zu vermeiden.
Im Jahr 2008 wurde daher mit dem neuen Artikel 23&#160;f (seit 2010: Artikel 23&#160;j) Bundes-Verfassungsgesetz eine rechtliche Grundlage zur Teilnahme an friedenserhaltenden Maßnahmen beschlossen. Das 1955 wieder eingerichtete Bundesheer nimmt somit am NATO-Programm Partnerschaft für den Frieden teil, das keine Beistandspflicht enthält. In der Westeuropäischen Union (dem militärischen Beistandspakt der EU) hat Österreich wie das bündnisfreie Schweden Beobachterstatus. Die weiteren Entwicklungen rund um ESVP und GASP in der EU sind offen und könnten zu weiteren Herausforderungen an bündnisfreie EU-Staaten wie Österreich oder Schweden führen.
Österreich trat im Jahr 1955 den Vereinten Nationen bei. Wien wurde 1980 nach New York und Genf dritter Amtssitz des Sekretariats der Vereinten Nationen (ein weiterer Sitz wurde später in Nairobi, Kenia, errichtet) und misst diesem außenpolitischen Element traditionell großen Stellenwert bei. 1972–1981 war der später umstrittene österreichische Ex-Außenminister Kurt Waldheim Generalsekretär der Vereinten Nationen. 2009 und 2010 hatte Österreich einen nicht-ständigen Sitz im Weltsicherheitsrat inne. Insgesamt dienten bisher über 50.000 Österreicher unter der UN-Flagge als Soldaten, Militärbeobachter, Zivilpolizisten und zivile Experten in aller Welt. Neben den UN-Dienststellen bestehen in Wien Amtssitze weiterer internationaler Organisationen. Dazu gehören die Internationale Atomenergieorganisation (IAEO, seit 1957 in Wien), die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), der Sitz der 1960 in Bagdad gegründeten OPEC (Organization of the Petroleum Exporting Countries) sowie diverse Nichtregierungsorganisationen (NGOs).
Die formelle Aufhebung des 1955 beschlossenen Bundesverfassungsgesetzes über die immerwährende Neutralität erfordert eine Zweidrittelmehrheit im Nationalrat, deren Zustandekommen als generell unwahrscheinlich gilt, da das Neutralitätsgesetz aus historischen Gründen Symbolcharakter hat. Im In- wie im Ausland ist daher vielen Beobachtern nicht klar, dass Österreich heute zwar nach wie vor militärisch bündnisfrei ist und Stützpunkte fremder Armeen auf seinem Gebiet nicht zulässt, die klassische Neutralität aber nicht mehr besteht. Die Bundesregierungen der letzten Jahrzehnte wählten nämlich den Weg, Einschränkungen der Neutralitätsbestimmungen nicht im Neutralitätsgesetz vorzunehmen, sondern dazu andere, unauffälligere Bundesverfassungsgesetze beschließen zu lassen.
Die Ressortzuständigkeit für die Außenpolitik liegt in der österreichischen Regierung beim Bundesministerium für Europa, Integration und Äußeres. Derzeitiger Amtsinhaber ist Sebastian Kurz.
Militär[Bearbeiten]
Steyr Ulan des Bundesheeres
Das Bundesheer besteht aus etwa 35.000 Mann im Präsenzstand und rund 30.000 Mann der Miliz. Der Präsenzdienst dauerte bis zum 1. Jänner 2006 acht Monate und seither sechs Monate. Das Militärbudget zählte 2013 mit 0,88&#160;% des BIP – rund 2,160 Milliarden Euro – zu den relativ gesehen geringsten der Welt.[71]
Die militärische Landesverteidigung fußt auf der allgemeinen Wehrpflicht aller männlichen Staatsbürger im Alter von 17 bis 50 Jahren. Frauen können einen freiwilligen Wehrdienst ableisten. Seit 1975 können Wehrpflichtige, die einen Wehrdienst aus Gewissensgründen ablehnen, einen Wehrersatzdienst ableisten. Dieser dauert seit dem 1. Jänner 2006 neun Monate und kann auch im Auslandsdienst als Friedensdienst, Gedenkdienst oder Sozialdienst abgeleistet werden, wobei er jedoch zehn bis elf Monate dauert.
Regionale Zusammenarbeit[Bearbeiten]
Die Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino ist ein erfolgreiches Beispiel regionaler Zusammenarbeit
Die regionale Zusammenarbeit der Europaregionen ist eine länderübergreifende Kooperation mit den Nachbarstaaten, vor allem auf wirtschaftlicher Ebene. Die Europäische Union sowie die österreichische Bundesregierung und die jeweiligen Landesregierungen erhoffen sich neben dem Aspekt der länderübergreifenden Zusammenarbeit auch eine Stärkung der potenziell schwächeren Randregionen.
Europaregionen mit österreichischer Beteiligung sind: Euregio Bodensee, Raetia Nova euroregion/Nova Raetia, Europaregion Tirol–Südtirol–Trentino, Europaregion Adria–Alpe–Pannonia, Euregio Steiermark–Slowenien/Graz–Maribor, Euregio West/Nyugat Pannónia, Centrope, Euregio Weinviertel–Südmähren–Westslowakei/Pomoraví–Záhorie–Weinviertel euroregion, Euroregion Silva Nortica, Europaregion Donau-Moldau, Euregio Bayerischer Wald&#160;– Böhmerwald&#160;– Unterer Inn/Euroregion Šumava-Bavorský les, Euregio Unterer Inn, Inn-Salzach-Euregio, EuRegio Salzburg – Berchtesgadener Land – Traunstein, Euregio Inntal, Euregio Zugspitze-Wetterstein-Karwendel und die Euregio via salina.
Klimaschutzpolitik[Bearbeiten]
Der Tauernwindpark in Oberzeiring, Steiermark
Im März 2007 wurde vom Ministerrat die Österreichische Klimastrategie beschlossen, um bis 2012 die Ziele des Kyoto-Protokolls zu erreichen, die dem Klimawandel, von dem der Alpenraum in besonderem Maße betroffen ist, entgegenwirken sollen.
Einer der wichtigsten Bestandteile des Umweltschutzes ist der Klimaschutz. Deshalb ist es für das Lebensministerium als zuständige Einrichtung der Bundesregierung eine der wichtigsten Aufgaben, die Klimastrategie durchzusetzen.
Das Umweltbundesamt ist die Fachstelle der Republik Österreich für Umweltschutz und Umweltkontrolle. In dieser Eigenschaft unterstützt das Umweltbundesamt die Bundesregierung bei der Durchsetzung der Klimastrategie.
klima:aktiv ist die Initiative des Lebensministeriums für aktiven Klimaschutz und Teil der Österreichischen Klimastrategie. Eine Vielzahl von klima:aktiv-Programmen gibt aktiv Impulse für Angebot und Nachfrage nach klimaschonenden Technologien und Dienstleistungen.
Der Austrian Council on Climate Change (ACCC) ist der Österreichische Klimabeirat. Der ACCC stellt sich besonders als Informationsportal der nationalen und internationalen Klimapolitik und -forschung dar in Kooperation mit dem Lebensministerium und dem Umweltbundesamt.
Das Klimabündnis Österreich hat das Ziel, die indigenen Völker zu unterstützen. Das Klimabündnis Österreich besteht aus Gemeinden und Städten, allen neun Bundesländern, Schulen, Bildungseinrichtungen und Betrieben sowie der COICA, einem Zusammenschluss indianischer Organisationen im Amazonasraum.
Die erneuerbaren Energien waren in Österreich seit Jahrzehnten das Rückgrat der Stromerzeugung. Bis 1997 kamen zwei Drittel der Stromerzeugung aus der Wasserkraft. Bis zum Jahre 2010 soll die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien eine Quote von 78,1&#160;% erreichen. Der Anteil des Ökostroms sollte bis zum Jahre 2010 auf 10&#160;% erhöht werden.[72] Diese Zielvorgaben sind aus heutiger Sicht jedoch unrealistisch, da der Ökostromanteil kontinuierlich sinkt.[73][74][75] Die EU (Abteilung DG Tren) hat daher ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Österreich aufgrund des sinkenden Ökostromanteils eröffnet.[76]
Wirtschaft[Bearbeiten]
Börse in Wien
→ Hauptartikel: Wirtschaft Österreichs
In Österreich waren 2011 4.167.164 Personen in 706.817 Arbeitsstätten beschäftigt.[77] Die größte Börse in Österreich ist die CEE Stock Exchange Group mit deren Tochtergesellschaft Wiener Börse, deren für Österreich bedeutendster Index ist der ATX.
Finanzwirtschaft[Bearbeiten]
Die österreichischen Banken haben sich seit 1989 in den Ländern des früheren Ostblocks stark engagiert und zählen dort zu den wichtigsten Kreditgebern. Seit im September 2008 die internationale Finanzkrise schlagend geworden ist, werden das von österreichischer Seite eingegangene Kreditrisiko und die damit verbundenen Auswirkungen auf das Verhältnis zwischen Staatsschulden und wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit des Landes daher besonders kritisch betrachtet:
Bergbau[Bearbeiten]
Erzberg
Der Bergbau hat in den letzten Jahrzehnten an Bedeutung verloren. So wurden der Bleibergbau (Bad Bleiberg) eingestellt, wie auch die meisten Eisenerz- und Braunkohle-Bergbaue. Von Bedeutung sind noch der Abbau von Salz (Salinen Austria AG, 1.336&#160;Tonnen Steinsalz, 764.189&#160;Tonnen Sudsalz, alle Angaben für 2006), Eisenerz (2.091.995&#160;Tonnen Eisenerz und Eisenglimmer, fast ausschließlich vom Erzberg), Magnesit (769.188&#160;Tonnen) Wolframerz (400.000&#160;Tonnen 2006) sowie die Förderung von Erdöl (856.270&#160;Tonnen) und Erdgas (1,76 Mrd.&#160;m³). Die Förderung von Braunkohle findet nur mehr an einem Standort statt (7.854&#160;Tonnen 2006 im Vergleich zu 3,7&#160;Millionen&#160;Tonnen 1970). Der Großteil der rund 5000 im Bergbau Beschäftigten arbeitet jedoch im Bereich der Stein-, Schotter- und Sandgruben.[78]
Land- und Forstwirtschaft[Bearbeiten]
Etwa 85&#160;% der Fläche Österreichs werden land- (45&#160;%) und forstwirtschaftlich (40&#160;%) genutzt. (1988)
Österreich hat eine sehr kleinstrukturierte Landwirtschaft. Diese versucht sich verstärkt auf Qualitätsprodukte zu spezialisieren, da aufgrund der EU-Erweiterung der Konkurrenzdruck weiter zunimmt. Die österreichischen Bauern setzen verstärkt auf ökologische Landwirtschaft: Im Jahr 2008 bearbeiten 20.000 Biobauern ca. 15&#160;% der landwirtschaftlichen Fläche Österreichs.[79] Mit einem Gesamtanteil von knapp 10&#160;% hat Österreich die höchste Dichte von biologischen landwirtschaftlichen Betrieben in der Europäischen Union. Das landwirtschaftlich wichtigste Gebiet im Anbau von Feldfrüchten ist das Marchfeld in der Nähe von Wien.
Wein ist ein wichtiges landwirtschaftliches Exportprodukt Österreichs. Der Hauptabnehmer des Weines ist, neben der Schweiz und den USA, zu zwei Dritteln Deutschland. Im Jahr 1985 wurde der Weinbau durch den Glykolwein-Skandal zwar stark in Mitleidenschaft gezogen, in der Zwischenzeit haben die Weinbauern ihre Qualitätsweine jedoch wieder so stark verbessert, dass wesentlich mehr Wein exportiert werden kann als vergleichsweise vor dem Skandal.
Durch die großen Waldflächen ist auch die Forstwirtschaft ein bedeutender Faktor, die auch die verarbeitende Holz- und Papierindustrie dementsprechend beliefert. Holz als Rohstoff wird vor allem in den südeuropäischen Raum exportiert.
Jagd und Fischerei dagegen sind eher unbedeutend und werden meist nur für den heimischen Markt oder als Hobby betrieben.
Tourismus[Bearbeiten]
→ Hauptartikel: Tourismus in Österreich
Der Tourismus stellt in Österreich einen wichtigen Wirtschaftszweig dar. 2011 wurde eine direkte Wertschöpfung von 16,46 Milliarden Euro aus dem Tourismus erzielt, das entspricht 5,5&#160;% des Bruttoinlandsprodukts. Mit indirekten Wertschöpfungseffekten kam der Bereich auf 22,06 Milliarden, 7,3&#160;% des BIP.[80] Der Fremdenverkehr verteilt sich gleichmäßig auf die Sommer- und Wintersaison, bedeutende Sparten sind auch Kultur-, Städte- sowie der Kur-, Wellness- und Tagungstourismus.
Industrie[Bearbeiten]
Kristalle von Swarovski
EX/C 525 des bekannten österreichischen Motorradherstellers KTM
Österreich verfügt über eine moderne und leistungsfähige Industrie. Die Verstaatlichte Industrie wurde großteils privatisiert (OMV AG, Voestalpine AG, VA Technologie AG, Steyr Daimler Puch AG, Austria Metall AG). Steyr Daimler Puch wurde an den Magna-Konzern verkauft, VA Tech an die Siemens AG, die Jenbacher Werke an General Electric.
Dienstleistungen[Bearbeiten]
Die Dienstleistungen machen in Österreich den größten Anteil der Wirtschaftsleistungen aus. Dieser wird vor allem durch den Tourismus, den Handel und die Banken erzielt. Die österreichischen Banken profitieren noch heute vom sehr strengen österreichischen Bankgeheimnis. Nach dem EU-Beitritt wurde die Anonymität der Sparkonten abgeschafft. Aufrecht bleibt aber, dass Konten durch Behörden nicht ohne ausdrückliche richterliche Anordnung geöffnet werden dürfen.
Siehe auch: Tourismus in Österreich&#160;und Liste österreichischer Eisenbahngesellschaften
Bruttosozialprodukt[Bearbeiten]
Das Bruttosozialprodukt Österreichs betrug im Jahr 2011 419,2 Mrd. Euro. Das kaufkraftbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) wurde im Jahr 2011 mit 352,0 Mrd. Euro beziffert, das entspricht einem BIP von 41.822 Euro pro Einwohner.Anteile am Bruttosozialprodukt und der Erwerbstätigkeit
Bruttosozialprodukt
Beschäftigte
Industrie
33&#160;%
27&#160;%
Landwirtschaft
2&#160;%
1&#160;%
Dienstleistungen
65&#160;%
68&#160;%
Arbeitslosigkeit[Bearbeiten]
Entwicklung der Anzahl der Beschäftigten und Arbeitslosen in Österreich von 1946 bis 2012[81]
Per Ende Mai 2015 lag die Zahl der Arbeitslosen (vorgemerkte Arbeitslose und Schulungsteilnehmer) bei 395.518 Personen. 330.326 Arbeitslose waren beim AMS gemeldet, 65.192 Personen ohne Job besuchten eine Schulung des AMS. Die Arbeitslosenquote betrug 8,6 Prozent. Die vom Wifo um jahreszeitliche Schwankungen korrigierte erweiterte Quote inklusive Schulungsteilnehmer lag bei 10,7 Prozent. Das ist die höchste jemals in Österreich gemessene Arbeitslosigkeit, wobei in Ostösterreich die Zuwächse stärker ausfallen als im Westen. Fast jeder Vierte der vorgemerkten Arbeitslosen war über 50 Jahre alt. Überdurchschnittlich stark stieg die Arbeitslosigkeit bei Ausländern. Das AMS prognostiziert für die nächsten Jahre weiter steigende Zahlen.[82]Wirtschaftskennzahlen[Bearbeiten]
Die wichtigen Wirtschaftskennzahlen Bruttoinlandsprodukt, Inflation, Haushaltssaldo und Außenhandel entwickelten sich in den letzten Jahren folgendermaßen:
Veränderung des Bruttoinlandsprodukts (BIP), real
in&#160;% gegenüber dem Vorjahr
Jahr
1998
1999
2000
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
Veränderung
in&#160;% gg. Vj.
3,6
3,3
3,7
0,5
1,6
0,8
2,5
2,5
3,6
3,7
2,2
−3,9
1,3*
Quelle: Eurostat[83]
* = geschätzt
Entwicklung des BIP (nominal)
absolut (in Mrd. Euro)
je Einwohner (in Tsd. Euro)
Jahr
2005
2006
2007
2008
2009
Jahr
2005
2006
2007
2008
2009
BIP in Mrd. Euro
239
252
267
278
272
BIP je Einw.
(in Tsd. Euro)
29,6
31,1
32,8
34,0
32,8
Quelle: Eurostat[83]
Entwicklung der Inflationsrate
in&#160;% gegenüber dem Vorjahr
Entwicklung des Haushaltssaldos
in&#160;% des BIP
(„minus“ = Defizit im Staatshaushalt)
Jahr
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
Jahr
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
Inflations-
rate
1,3
2,0
2,1
1,7
2,2
3,2
0,4
Haushalts-
saldo
−1,4
−4,4
−1,7
−1,5
−0,4
−0,5
−3,5
Quelle: Eurostat[83]
Haupthandelspartner (2008)
Ausfuhr in&#160;% nach
Einfuhr in&#160;% von
Deutschland
29,8
Deutschland
40,6
Italien
8,6
Italien
6,9
Vereinigte Staaten
4,4
Schweiz
4,2
Schweiz
3,8
Volksrepublik China
4,2
Frankreich
3,8
Tschechien
3,5
sonstige Länder
49,6
sonstige Länder
40,6
alle EU-Länder zusammen
72,7
alle EU-Länder zusammen
73,6
Quelle: gtai[84]
Entwicklung des Außenhandels
in Mrd. Euro und seine Veränderung gegenüber dem Vorjahr in&#160;%2003
2004
2005
2006
2007
2008Mrd.
Euro
ggü. Vj.
Mrd.
Euro
ggü. Vj.
Mrd.
Euro
ggü. Vj.
Mrd.
Euro
ggü. Vj.
Mrd.
Euro
ggü. Vj.
Mrd.
Euro
ggü. Vj.
Einfuhr
80,9
+ 5,0&#160;%
91,1
+ 12,5&#160;%
96,5
+ 5,9&#160;%
104,2
+ 8,0&#160;%
114,2
+ 9,6&#160;%
119,6
+ 4,7&#160;%
Ausfuhr
78,9
+ 1,9&#160;%
89,8
+ 13,9&#160;%
94,7
+ 5,4&#160;%
103,7
+ 9,5&#160;%
114,7
+ 10,5&#160;%
117,5
+ 2,5&#160;%
Saldo
−2,1−1,2−1,8−0,5−0,4−2,0Quelle: gtai[84]
Vermögensverteilung[Bearbeiten]
→ Hauptartikel: Vermögensverteilung in Österreich
Trotz ausgewogener Einkommensverteilung sind die Vermögen in Österreich stark ungleich verteilt, so dass die Österreicher im Durchschnitt weniger Nettovermögen besitzen als Griechen oder Spanier. Der Grund dafür ist, dass international gesehen relativ viele Menschen zur Miete und nur 60 Prozent im Eigentum wohnen, in Wien nur 18&#160;%.[85] Der Immobilienbesitz jedoch stellt den Großteil des Vermögens dar, denn er ist doppelt so viel wert wie die Unternehmensbeteiligungen und dreimal so groß wie die Finanzvermögen.[86] Der größte Wohnungseigentümer in Österreich (und Europa) ist mit 220.000 Gemeindewohnungen die Stadt Wien.[87] Sie ist nach den Österreichischen Bundesforsten auch der zweitgrößte Grundbesitzer.[88]
Infrastruktur[Bearbeiten]
Verkehr[Bearbeiten]
Brenner-Autobahn mit der Europabrücke bei Patsch
Die Verkehrsinfrastruktur ist geprägt einerseits durch die Lage in den Alpen und andererseits durch die zentrale Lage in Mitteleuropa. Dies gilt für Straßen- und Bahnverbindungen gleichermaßen. Die logistische Erschließung der Alpen erfordert viele Tunnel- und Brückenbauten, die extremen Witterungsbedingungen standhalten müssen. Durch die zentrale Lage und die schmale Form gilt Österreich als typisches Transitland, vor allem in Nord-Süd- und Nord-Südost-Richtung, durch die Öffnung des Eisernen Vorhangs auch in Ost-Westrichtung. Das bedeutet oft eine wesentlich größere Dimensionierung der Verkehrswege, auch in ökologisch sensiblen Gebieten, was oft zu Widerständen der Bevölkerung führt.
Um diese Gratwanderung zwischen Ökonomie und Ökologie zu bewältigen, wurden oft Maßnahmen bei den Kraftfahrzeugen getroffen. Es wurde in Österreich beispielsweise vergleichsweise früh gesetzlich vorgeschrieben, in jedem Kraftfahrzeug einen Katalysator einzubauen. Ebenso wurden auf bestimmten Strecken nur lärmarme LKW zugelassen.
Die folgende Tabelle zeigt die Verteilung der im Personenverkehr zurückgelegten Kilometer in Österreich, aufgeteilt auf die verschiedenen Verkehrsträger (Zahlen von 2007):Modal Split (Personenkilometer) in Österreich 2007[89]Verkehrsmittel
Bus
Bahn
Pkw
ÖPNV
Fahrrad
Einsp. Kfz
Zu Fuß
Anteil
9&#160;%
9&#160;%
70&#160;%
4&#160;%
3&#160;%
1&#160;%
4&#160;%
Mit 81 Verkehrstoten pro Million Einwohner im Jahr liegt die Verkehrssicherheit in Österreich EU-weit im Mittelfeld, deutlich hinter Ländern wie Deutschland oder der Schweiz.[90]
Straßenverkehr[Bearbeiten]
Süd Autobahn (A&#160;2)
Das österreichische Straßennetz umfasst (Stand: 1. Jänner 2010):[91]002.185&#160;km Autobahnen und Schnellstraßen
009.959&#160;km Landesstraßen B (früher Bundesstraßen)
023.680&#160;km Landesstraßen L
078.766&#160;km Gemeindestraßen
114.590&#160;km SummeSiehe auch: Straßensystem in Österreich&#160;und Liste der Autobahnen und Schnellstraßen in ÖsterreichRechtliche Rahmenbedingungen
In Österreich gilt generell eine Geschwindigkeitsbeschränkung von 130&#160;km/h auf Autobahnen, 100&#160;km/h auf Freilandstraßen und 50&#160;km/h in Ortsgebieten
Das Straßennetz ist größtenteils in öffentlicher Hand. Auf Autobahnen und Schnellstraßen werden Personenkraftwagen mit Mautvignetten und die LKW kilometerabhängig (Go-Box) durch die ASFINAG bemautet.
Seit 2008 ist vom 1.&#160;November bis 15.&#160;April bei winterlichen Verhältnissen Winterausrüstung (M&amp;S-Reifen, Mitführen von Schneeketten etc.) vorgeschrieben.[92]
Lichtpflicht (Licht am Tag): Nur für einspurige Kfz. Vom 15.&#160;November 2005 bis 31.&#160;Dezember 2007 galt auch für mehrspurige Kraftfahrzeuge das Abblendlicht bzw. Tagfahrlicht tagsüber einzuschalten.Siehe auch: Straßenverkehrsordnung 1960&#160;und Kfz-Kennzeichen (Österreich)
Radverkehr[Bearbeiten]
Der Anteil des Radverkehrs am gesamten Verkehrsaufkommen ist in Österreich mit rund 7&#160;% im europäischen Mittelfeld (zum Vergleich: Niederlande 27&#160;%, Deutschland 10&#160;%, Schweiz 9&#160;%). Im Masterplan Radfahren 2015-2025 des österreichischen Umweltministeriums wird als Ziel angegeben, den Radverkehrsanteil im Modal Split bis 2025 auf 13&#160;% zu steigern. Als „Umsetzungsschwerpunkte“ werden angegeben: klimaaktiv mobil Radverkehrsoffensive, Radfahrfreundliche Rahmenbedingungen, Informationssysteme und Bewusstseinsbildung, Optimierung der Verknüpfung mit anderen Verkehrsmitteln, Wirtschaftsfaktor Radfahren und Radfahren als Gesundheitsförderung. Als Maßnahmen vorgesehen sind unter anderem Einrichtung einer bundesweiten Radverkehrskoordination, einer Informationsplattform, einer Investitionsoffensive, einer radfahrfreundlichen Verkehrsorganisation, Beratungs- und Förderprogrammen für Mobilitätsmanagement, über eine Verbesserung der Kombination von Fahrrad und öffentlichem Verkehr und dem Ausbau von Radverleihsystemen bis zu Bewusstseinsbildung für den Radverkehr.[93]
ÖBB Railjet
Siehe auch: Liste von Radwanderwegen in Österreich
Schienenverkehr[Bearbeiten]
Die Semmeringbahn galt zum Zeitpunkt ihrer Errichtung 1854 als technologisches Meisterwerk
→ Hauptartikel: Geschichte der Eisenbahn in Österreich
Der größte Teil der Eisenbahnstrecken wird von den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) betrieben, der größten österreichischen Eisenbahngesellschaft. Ein geringerer Teil sind nicht bundeseigene Eisenbahnen, teilweise privat, teilweise im Besitz der Bundesländer.
Die wichtigste Bahnverbindung Österreichs, die Westbahn, wird seit 1990 zwischen Wien und Salzburg zur Hochleistungsstrecke ausgebaut. Schlüsselstellen hierbei sind der Wienerwaldtunnel (die Verbindung zwischen Wien und St. Pölten) und der Lainzer Tunnel (die Wiener Verbindung der Westbahn mit der Süd- und Donauländebahn). Auch die Südbahn wird entsprechend ausgebaut. Der dazu vorgesehene Bau des Semmeringbasistunnels wurde nach jahrelangen Einsprüchen der niederösterreichischen Landesregierung 2012 begonnen,[94] ist aber rechtlich noch immer umstritten. Der Koralmtunnel in Kärnten, eine neue Bahnverbindung zwischen Graz und Klagenfurt, ebenfalls Bestandteil der neuen Südbahnstrecke, ist seit 2009 im Vortrieb.
S-Bahnen gibt es derzeit in den Regionen rund um Wien, Salzburg, die Steiermark, Tirol und Kärnten. Weitere Netze, wie beispielsweise in Linz und in Vorarlberg, sind in Planung.
Wien ist die einzige österreichische Stadt mit einem klassischen U-Bahn-Netz. Straßenbahnen gibt es in den Städten Wien, Gmunden, Graz, Innsbruck und Linz. Die Dorfbahn Serfaus, eine unterirdische Luftkissenschwebebahn in Serfaus in Tirol, wird manchmal auch als kleinste U-Bahn der Welt bezeichnet.
Schifffahrt[Bearbeiten]
Passagierschiff Wachau (Erste Donau-Dampfschiffahrts-Gesellschaft) vor der Ruine Hinterhaus
Die bedeutendste Schifffahrtsstraße, sowohl für den Passagier- als auch für den Güterverkehr, ist die Donau (siehe Donauschifffahrt). Der Personenschiffsverkehr, der bereits in der Habsburgermonarchie mit der DDSG als damals größter Binnenreederei der Welt forciert wurde, dient heute hauptsächlich dem Tourismus (z.&#160;B. DDSG Blue Danube) und findet auch auf dem Inn und auf den größeren Seen statt. Mit dem Twin City Liner, der Wien mit Preßburg verbindet, existiert seit kurzem auch eine für Berufspendler interessante Verbindung. Meist werden die Gewässer nur im Sommerhalbjahr befahren.
Im Güterverkehr wird fast ausschließlich die Donau genutzt, die durch den Bau des Main-Donau-Kanals wesentlich aufgewertet wurde und so viel Transitverkehr von der Nordsee bis ans Schwarze Meer aufnehmen kann. Hauptsächlich werden Schüttgüter befördert. Die österreichischen Güterhäfen sind Linz, Enns, Krems und Wien.
Siehe auch: Österreichische Handelsmarine
Luftfahrt[Bearbeiten]
Flughafen Wien
→ Hauptartikel: Luftfahrt in ÖsterreichEntfernungen (Luftlinie)Wien ↔ Bregenz
505&#160;km
Wien ↔ Bratislava (SK)
55&#160;km
Wien ↔ Mailand (I)
630&#160;km
Wien ↔ Rom (I)
760&#160;km
Wien ↔ Prag (CZ)
250&#160;km
Wien ↔ Berlin (D)
530&#160;km
Wien ↔ Zürich (CH)
594&#160;km
Wien ↔ Budapest (H)
255&#160;km
Wien ↔ Warschau (PL)
561&#160;km
Wien ↔ Paris (F)
1035&#160;km
Wien ↔ Kiew (UA)
1054&#160;km
Wien ↔ London (UK)
1237&#160;km
Wien ↔ Moskau (RUS)
1672&#160;km
Wien ↔ Salzburg
270&#160;km
Salzburg ↔ München (D)
115&#160;km
Bregenz ↔ Paris (F)
568&#160;km
Graz ↔ Marburg (SLO)
55&#160;km
Villach ↔ Triest (I)
109&#160;km
Flughafen Graz
Die Fluggesellschaft mit den meisten Verbindungen von Wien aus ist die Austrian Airlines Group. Mit NIKI besitzt Österreich seit 2003 auch eine von Wien aus operierende Billigfluggesellschaft. Daneben ist InterSky eine regionale österreichische Billigfluglinie, die von Friedrichshafen (Deutschland) aus fliegt. Andere regionale Fluggesellschaften mit Sitz in Österreich sind Welcome Air und Air Alps.
Wichtigster Flughafen ist der Flughafen Wien / VIE, daneben haben Graz (Flughafen Graz-Thalerhof / GRZ), Linz (Flughafen Linz-Hörsching / LNZ), Klagenfurt (Flughafen Klagenfurt / KLU), Salzburg (Salzburg Airport W. A. Mozart / SZG) und Innsbruck (Flughafen Innsbruck / INN) internationale Verbindungen. Für das Bundesland Vorarlberg stehen die internationalen Flughäfen Altenrhein&#160;(CH) und Friedrichshafen&#160;(D) zur Verfügung.
Von regionaler Bedeutung sind 49 Flugplätze, von denen 31 über keine asphaltierte Landebahn verfügen und von den 18 asphaltierten nur vier eine Landebahn mit über 914&#160;Meter Länge besitzen. Geschichtlich bedeutsam ist davon der Flugplatz Wiener Neustadt, aber auch der aufgelassene Flughafen Wien Aspern. Sie waren die ersten Flugfelder Österreichs, wobei der Flughafen Aspern von seiner Eröffnung 1912 bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 als größter und modernster Flughafen Europas galt. Zudem existieren noch mehrere Flugplätze der Österreichischen Luftstreitkräfte wie beispielsweise in Wiener Neustadt, Zeltweg, Aigen/Ennstal, Langenlebarn/Tulln.
In Österreich wird die Kontrolle für den oberen Luftraum (ab 28.500&#160;Fuß / 9200&#160;Meter) als Teil des Projekts Single European Sky von derzeit acht mitteleuropäischen Staaten (Österreich, Bosnien und Herzegowina, Tschechien, Kroatien, Ungarn, Italien, Slowenien und Slowakei) zusammengefasst.[95] Dieses CEATS (Central European Air Traffic Services) genannte Programm sieht ein Kontrollzentrum für den gesamten mitteleuropäischen oberen Luftraum (CEATS Upper Area Control Centre, CEATS UAC) vor, das in Fischamend östlich von Wien Schwechat zu finden sein wird. Die nationalen Belange der Flugsicherung und Zivilluftfahrt erfüllt die staatliche Austro Control Gesellschaft für Zivilluftfahrt&#160;m.b.H. mit Sitz in Wien.Boeing 777-200ER der Austrian AirlinesAirbus A321-200 von NIKIDer Tower der Austro Control am Flughafen Wien
Energieversorgung[Bearbeiten]
→ Hauptartikel: Österreichische Energiewirtschaft
Elektrische Energie[Bearbeiten]
→ Hauptartikel: Energiewende nach Staaten#Österreich
Die Kölnbreinsperre der Maltakraftwerke&#160;– der größte Speicher Österreichs
Elektrische Energie wird überwiegend aus Wasserkraft (knapp unter 60&#160;%), sowohl aus Laufkraftwerken an der Donau, der Enns, Drau und vielen kleineren Laufkraftwerken als auch aus Speicherkraftwerken wie dem Kraftwerk Kaprun oder den Maltakraftwerken gewonnen. Zur Deckung von Spitzenlast werden zusätzlich zu den Speicherkraftwerken auch Gasturbinenkraftwerke betrieben.
Insbesondere im Osten Österreichs wird zudem die Windenergie stark ausgebaut. Ende 2014 waren insgesamt 1.016 Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 2.095&#160;MW in Betrieb. Das Regelarbeitsvermögen dieser Anlagen liegt bei jährlich mehr als 4,5&#160;TWh, was etwa 7,2&#160;% des österreichischen Strombedarfs entspricht. Der größte Teil dieser Anlagen steht mit jeweils rund 960&#160;MW in den Bundesländern Niederösterreich und Burgenland.[96] Strom aus Kernkraftwerken wird aufgrund des Atomsperrgesetzes nicht hergestellt. In den 1970er Jahren wurde zwar das Kernkraftwerk Zwentendorf errichtet, es ging aber nach einer Volksabstimmung 1978 nie in Betrieb.
Die Verteilung erfolgt hauptsächlich durch neun Landesgesellschaften, die auch die letzte Meile zum Endverbraucher haben. Daneben gibt es einige kleinere Versorger, die meist auch im Besitz der öffentlichen Hand sind.
Gas- und Ölversorgung[Bearbeiten]
Die Erdgas-Hochdruckleitung Linz–Bad Leonfelden am Linzer Hafen
Bei der Erdgasversorgung ist Österreich weitgehend vom Ausland abhängig. Zwar gibt es auch in Österreich Erdgasvorkommen, hauptsächlich im Marchfeld und Weinviertel, wo sich auch unterirdische Pufferspeicher als Sicherheitslager befinden, doch tragen diese nur rund 20&#160;% des Jahreserdgasverbrauchs Österreichs bei. Die Hauptversorgung erfolgt aus Russland (70&#160;% der Importe), aus dem Österreich seit 1968 als erstes europäisches Land westlich des Eisernen Vorhangs sein Erdgas bezieht. Fünf große Erdgaspipelines durchqueren Österreich, die auch große Teile West- und Mitteleuropas mit Erdgas versorgen.
Hauptimportländer für Erdöl waren 2011 Kasachstan mit 29&#160;%, Nigeria mit 17,1&#160;% und Russland mit 16,1&#160;% Anteil am Gesamtimport.[97] Die einzige Raffinerie befindet sich in Schwechat und wird von der OMV AG betrieben. Die weltgrößte Binnenraffinerie wird außerdem von der Transalpinen Ölleitung und in weiterer Folge von der Adria-Wien Pipeline gespeist.
Schule und Ausbildung[Bearbeiten]
Öffentliches Gymnasium der Stiftung Theresianische Akademie
Hauptgebäude der Universität Wien
→ Hauptartikel: Bildungssystem in Österreich
In Österreich wird das Schulwesen größtenteils durch den Bund geregelt. Abgesehen von Schulversuchen sind deshalb sowohl Schultypen als auch Lehrpläne österreichweit einheitlich. In Österreich besteht Unterrichtspflicht für alle Kinder, die sich in Österreich dauernd aufhalten. Diese beginnt mit dem auf die Vollendung des sechsten Lebensjahres folgenden September. Die allgemeine Unterrichtspflicht dauert neun Schuljahre. Es existiert eine im Verhältnis zur Zahl öffentlicher Schulen geringe Anzahl an Privatschulen. Jene mit Öffentlichkeitsrecht stellen staatsgültige Zeugnisse aus, die Schüler der Schulen ohne Öffentlichkeitsrecht legen Prüfungen vor staatlichen Prüfungskommissionen ab.
Auf die vierjährige Grundschule, die in Österreich Volksschule heißt, folgt – was in den letzten Jahren gelegentlich als unvorteilhaft kritisiert wird – bereits für zehnjährige Schüler eine wesentliche Entscheidung. Sie besuchen entweder die vierjährige Hauptschule/Neue Mittelschule oder das achtjährige Gymnasium mit abschließender Matura. Nach der achten Schulstufe kann jedoch in eine Berufsbildende höhere Schule (BHS) oder in einen einjährigen Polytechnischen Lehrgang gewechselt bzw. von der Hauptschule kommend fortgesetzt werden.
Staatliche Universitäten gibt es in Österreich in der Bundeshauptstadt Wien (8), in den Landeshauptstädten Graz (4), Linz (4), Salzburg (3), Innsbruck (3) und Klagenfurt am Wörthersee sowie in Leoben und Krems. Seit einigen Jahren sind außerdem Privatuniversitäten mit z.&#160;T. großer Spezialisierung auch an anderen Orten lizenziert worden. Die Fachhochschule ist eine alternative akademische Ausbildungsform, die in Österreich seit 1994 existiert. Die OECD kritisiert, dass Österreich im internationalen Vergleich zu wenige Akademiker ausbildet und kommt nach ihrer Definition auf 27,6&#160;%. Nach EU-Kriterien liegt der Akademikeranteil allerdings über dem EU-Schnitt, bei 34,6&#160;%.[98]
Siehe auch: Liste der Universitäten in Österreich
Notrufdienste[Bearbeiten]
Feuerwehr[Bearbeiten]
Steyr-Löschfahrzeuge
→ Hauptartikel: Feuerwehr in Österreich
Das österreichische Feuerwehrsystem basiert fast vollständig auf Freiwilligen Feuerwehren. Nur in den sechs größten Städten wird der Brandschutz von Berufsfeuerwehren wahrgenommen. In manchen Betrieben wird auch behördlich eine Betriebsfeuerwehr vorgeschrieben. Der Brandschutz fällt in die Kompetenz der einzelnen Bundesländer, während der Katastrophenschutz Kompetenz des Bundes ist, er wird aber neben dem Bundesheer über den Katastrophenhilfsdienst ebenfalls von den Feuerwehren wahrgenommen.Polizei[Bearbeiten]
→ Hauptartikel: Polizei (Österreich)
Der Bereich öffentliche Sicherheit fällt in Österreich in die Gesetzgebungshoheit des Bundes. Auch in der Vollziehung ist die Sicherheitspolizei überwiegend in der Hand des Bundesministers für Inneres. Eine Ausnahme bilden die örtlichen Sicherheitswachen, die von manchen Gemeinden eingerichtet werden dürfen. Österreichweit wurde 2005 die für ländliche Gebiete zuständige Bundesgendarmerie mit den in den Städten vorhandenen Bundessicherheitswachekorps und den Kriminalbeamtenkorps zum neuen Wachkörper Bundespolizei zusammengelegt. Ziel dieser Maßnahme war, Zweigleisigkeiten in der Organisation zu beseitigen und die Effizienz zu erhöhen. Die Gemeindesicherheitswachen waren von dieser Maßnahme jedoch nicht betroffen.
Rettung[Bearbeiten]
→ Hauptartikel: Rettungsdienst#Rettungsdienst in Österreich
Das Rettungswesen fällt in Österreich in die Kompetenz der Gemeinden, die Anforderung des verantwortlichen Rettungsdienstes erfolgt jedoch bundeseinheitlich über die Notrufnummer 144. Wo dieser Notruf eintrifft ist jedoch schon in den einzelnen Bundesländern verschieden. Außer in der Hauptstadt Wien haben bisher nur die Bundesländer Niederösterreich und Tirol mit einer landesweiten Alarmzentrale (144 Notruf Niederösterreich / Leitstelle Tirol) direkt Zugriff auf alle einzelnen Hilfsorganisationen im ganzen Land.
Als Hilfsorganisationen unterhalten neben dem in ganz Österreich arbeitenden Roten Kreuz andere Hilfsorganisationen wie der Arbeiter-Samariter-Bund, die Johanniter-Unfall-Hilfe, der Malteser Hospitaldienst Austria und das Grüne Kreuz Rettungswachen.
Siehe auch: Flugrettung in Österreich&#160;und Telefonvorwahl (Österreich)
Wetterdienst[Bearbeiten]
Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik auf der Hohen Warte
Wetterstationen befinden sich übers ganze Land verteilt, in größeren Städten und in allen Landeshauptstädten. Die nationale Einrichtung für meteorologische und geophysikalische Dienste ist die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) mit mehreren Zweigstellen in den Bundesländern. Die aktuellen Wetterdaten und Wetterentwicklungen lassen sich, auf Internetseiten gesammelt, für viele Orte abrufen und außerdem über Radio und Fernsehen verfolgen. In Zukunft soll außerdem ein zuverlässiger Unwetterwarndienst im Internet angeboten werden. Zusätzlich gibt es noch die Flugwetterdienste oder spezielle Systeme, wie das Blitzortungssystem ALDIS, die auch mit der ZAMG zusammenarbeiten und Daten austauschen.
Zusätzlich zu den Wetterdiensten gibt es in den meisten Bundesländern bedingt durch die alpinen Lagen Lawinenwarndienste, die Informationen der meist örtlich eingerichteten Lawinenkommissionen weitergeben.
Ein weiterer Dienst, der in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewinnt, ist der Hochwasserwarndienst, der vor bevorstehenden Hochwasserereignissen die betroffene Bevölkerung warnt. Er ist bei den jeweiligen Landesregierungen angesiedelt.
Medien[Bearbeiten]
ORF-Zentrum Küniglberg in Wien
Entnahmebeutel für Sonntagszeitungen neben Straßen und Gehsteigen
→ Hauptartikel: Medien in Österreich
Die österreichische Medienlandschaft zeichnet sich durch hohes Ausmaß an Konzentration auf wenige Unternehmenskonglomerate und durch starken Staatseinfluss auf die den Radio- und Fernsehmarkt beherrschende öffentlich-rechtliche Radio- und Fernsehanstalt Österreichs aus.[99]
Öffentlich-rechtlich ist der Österreichische Rundfunk (ORF) mit den Kanälen ORF&#160;eins und ORF&#160;2 sowie ORF&#160;SPORT&#160;+ und ORF&#160;III. Die wichtigsten Privatsender in Österreich sind ATV, Puls&#160;4, ServusTV, sixx&#160;Austria, gotv sowie ProSieben Austria, Sat.1 Österreich, Kabel eins Austria und das kostenpflichtige Programm Sky Austria. Am 1.&#160;Dezember 2011 kam ATV2 dazu.
Der ORF betreibt drei österreichweit sowie neun regional je Bundesland ausgesendete Radiokanäle Ö2. Bundesweite Radiosender sind: Der Kultur- und Informationskanal Ö1, der U-Musik-Sender Ö3 sowie der alternative Radiosender FM4. Die wichtigsten und beliebtesten privaten Radiosender sind KroneHit, Energy 104,2 in Wien, Radio Soundportal sowie die österreichweite Antenne-Radiokette mit Antenne Steiermark, Antenne Vorarlberg, Antenne Kärnten und Antenne Salzburg.
Der „Mediamil-Komplex“, die Kombination des „Zeitungsriesen“ Mediaprint mit der Verlagsgruppe News,[100] gibt die auflagenstärkste Tageszeitung Österreichs, die Kronen Zeitung, die Printmedien NEWS, Profil und Format sowie die Tageszeitung Kurier heraus und ist somit die mächtigste Mediengruppe des Landes. Weitere Tageszeitungen sind beispielsweise Der Standard, Die Presse, Salzburger Nachrichten, Tiroler Tageszeitung, Vorarlberger Nachrichten, Kleine Zeitung, Österreich und die von Montag bis Freitag erscheinende Gratiszeitung Heute.
Siehe auch: Liste der österreichischen Fernsehsender
Siehe auch: Liste der Hörfunksender in Österreich
Siehe auch: Liste österreichischer Zeitungen&#160;und Liste österreichischer Journalisten
Siehe auch: Geschichte der Wochenschau in Österreich
Siehe auch: Österreichische Mobilfunkgesellschaften
Kommunikation[Bearbeiten]
Richtfunkstation der Telekom Austria auf dem Hochkar in den Göstlinger Alpen
Trotz der schwierigen topografischen Bedingungen besitzt Österreich ein gut ausgebautes Telekommunikationsnetz. Es besteht praktisch eine restlose Netzabdeckung im gesamten Bundesgebiet von Festnetz-, Mobiltelefonie und modernen Datendiensten. Zu den größten Anbietern zählen die A1&#160;Telekom Austria, Drei (mit Orange), T-Mobile Austria, UPC Austria und Tele2. Durch die hohe Dichte an Anbietern, sind die Tarife in Österreich relativ günstig im Vergleich zu anderen Ländern.
Die überraschend lückenlose Netzabdeckung in Österreich begründet sich zum Teil darin, dass das Land für Mobilfunkanbieter ideale Voraussetzungen für Technologie- und Marktstudien bietet. Neue Technologien im Bereich Mobilfunk und Datenübertragung werden oftmals initial in Österreich eingeführt. Die Resonanz der Bevölkerung gilt als Maßstab für den Erfolg der Technologie in anderen Ländern, in welchen ein derartiger „Feldversuch“ eine weitaus größere finanzielle Belastung erzeugen würde.
Highspeedinternet ist fast überall in Österreich möglich. Der größte österreichweite Netzbetreiber ist die Telekom Austria, gefolgt von Tele2UTA und UPC. Regionale Datennetze existieren in Ballungsgebieten und häufig auch in Gemeinden oder größeren Gebietsverbänden.
Siehe auch: Telefonvorwahl (Österreich)
Kultur[Bearbeiten]
Europäische Kulturhauptstädte in Österreich
Graz (2003)Linz (2009)→ Hauptartikel: Österreichische Kultur
Im 18. und 19. Jahrhundert war Wien ein Zentrum des Musiklebens. Bis heute bestehen viele Opernhäuser, Theater und Orchester sowie Traditionen wie das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker und zahlreiche Festspiele. Darüber hinaus gibt es eine vitale Kabarettszene. Auf kulinarischem Gebiet haben die Wiener Kaffeehauskultur, der Heurige sowie zahlreiche landestypische Gerichte eine lange Tradition. 2003 war Graz europäische Kulturhauptstadt, 2009 Linz. Zur Verbreitung der österreichischen Kultur im Ausland dient das Österreichische Kulturforum. Acht Bauten oder Landschaften Österreichs gehören zum UNESCO-Welterbe.
Bräuche[Bearbeiten]
Trachtenmusikkapelle mit dem Mariapfarrer Samson
Regionale Bräuche werden von Vereinen in ganz Österreich aufrechterhalten. Bräuche umfassen vor allem Musik, Tanz, Theater, Dichtung, Schnitzerei und Stickarbeiten. Eine große Anzahl von lokalen Bräuchen und Riten steht in Zusammenhang mit den Jahreszeiten (z.&#160;B. Aperschnalzen, Glöckler, Kathreintanz, Kufenstechen, Mariä Lichtmess, Fasching).
Eine lange Tradition hat in Österreich neben der Musik und den Tänzen die traditionsreiche Textilindustrie. Stickerei findet in der Verzierung von Trachten Verwendung wie bei Dirndl und Loden.Feiertage und Feste[Bearbeiten]
Christkindlmarkt zur Weihnachtszeit bei der Stille-Nacht-Kapelle in Oberndorf bei Salzburg
→ Hauptartikel: Feiertage in Österreich
Aufgrund der stark katholisch geprägten Geschichte sind die meisten Feiertage auf Bundes- sowie Landesebene religiöse Feiertage, wobei in den einzelnen Bundesländern die Namenstage der Landespatrone als Landesfeiertage begangen werden. Eine Ausnahme davon ist Kärnten, wo die Volksabstimmung von 1920 auch zum gesetzlichen Landesfeiertag erklärt wurde. Zusammen mit allen Sonntagen gelten die Feiertage als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung.
Gemeinsame Feiertage sind Neujahr, Heilige Drei Könige, Karfreitag (nur für Angehörige evangelischer Religionen), Ostermontag, 1.&#160;Mai, Christi Himmelfahrt, Pfingstmontag, Fronleichnam, Mariä Himmelfahrt, Allerheiligen, Mariä Empfängnis, Christtag und Stephanitag. Der Heilige Abend und Silvester sind keine Feiertage, aber durch kollektivvertragliche Regelungen arbeitsfrei oder teilweise arbeitsfrei. Der Nationalfeiertag findet am 26. Oktober statt, dem Tag der gesetzlichen Beschlussfassung der immerwährenden Neutralität im Jahre 1955. Länderspezifische Feiertage mit eingerechnet hat 2013 jedes Bundesland 14 gesetzliche Feiertage außer Kärnten (15 mit dem Tag der Volksabstimmung).
Zudem steht es jeder religiösen Gemeinde frei, ihre eigenen Feiertage zu begehen und Angehörige lassen ihre Arbeit an dem Tag ruhen. So feiern etwa die israelitischen Kultusgemeinden Jom Kippur unabhängig davon, dass es nicht als gesetzlicher Feiertag gilt.
Neben den religiös motivierten Feiertagen gibt es eine Vielzahl lokaler Feste. So haben im Sommer besonders im ländlichen Raum Zeltfeste Tradition. Auch regelmäßig stattfindende Musikfestivals der Hoch- und populären Kultur besitzen ein bestimmtes Ausmaß an Festcharakter. Einen hohen Stellenwert in der Festkultur nimmt die Ballsaison ein, die mit den Maturabällen der Mittleren Schulen oft schon im November beginnt, und wiederholt finden auch noch nach Aschermittwoch Vereinsbälle statt. Als ein Höhepunkt der Ballsaison ist besonders der traditionelle Wiener Opernball zu sehen.
Musik[Bearbeiten]
Wolfgang Amadeus Mozart
Johann Strauss (Sohn)
Gustav Mahler
Komponisten der klassischen und der romantischen Epoche sind etwa Wolfgang Amadeus Mozart aus Salzburg und der aus Bonn gebürtige Ludwig van Beethoven, die beide in Wien wirkten, außerdem Joseph Haydn, Franz Schubert, Anton Bruckner, Franz Liszt oder der als „Walzerkönig“ titulierte Johann Strauss (Sohn).
Die Musik des 20. Jahrhunderts revolutionierten Gustav Mahler und die Komponisten der „Neuen Wiener Schule“ Arnold Schönberg, Alban Berg und Anton Webern, aber auch Josef Matthias Hauer, der die tatsächliche Erfindung der 12-Ton-Musik für sich in Anspruch nimmt, sowie Ernst Krenek oder Egon Wellesz. Dieser Tradition großer Komponisten aus dem Gebiet der k.&#160;u.&#160;k. Monarchie folgten international bedeutende Dirigenten wie Arthur Nikisch, Felix Weingartner, Franz Schalk, Erich Kleiber, Karl Böhm, Hans Rosbaud, Herbert von Karajan, Michael Gielen, Nikolaus Harnoncourt und Franz Welser-Möst. Auf dem Gebiet der zeitgenössischen Musik konnten sich György Ligeti, Friedrich Cerha oder Georg Friedrich Haas, H.&#160;K.&#160;Gruber und Bernhard Lang etablieren.
In der „leichten Muse“ hat das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker lange Tradition. Es wird im Rundfunk und Fernsehen in mehr als 40 Staaten übertragen; gespielt werden dabei Walzer, Polkas und Märsche, regelmäßig solche von Johann Strauß (Sohn).
Die Operette ist eine in Österreich sehr ernst genommene Kunstform, und die k.&#160;u.&#160;k. Monarchie mit ihren Nachfolgestaaten hat die Mehrzahl ihrer bekanntesten Vertreter hervorgebracht: Johann Strauß, Karl Millöcker, Oscar Straus, Edmund Eysler, Nico Dostal, Fred Raymond, Robert Stolz stammen aus dem Territorium des heutigen Österreich, Franz von Suppé, Franz Lehár, Emmerich Kálmán, Leo Fall, Paul Abraham, Ralph Benatzky aus anderen Teilen der ehemaligen Monarchie.
Im populären Musiksektor sind Bands und Einzelinterpreten aus dem speziellen österreichischen Genre Austropop äußerst erfolgreich, dabei besonders Interpreten wie Wolfgang Ambros, Georg Danzer, Rainhard Fendrich und Stefanie Werger sowie die Band S.T.S. International sehr erfolgreich war Falco (bürgerlich: Johann Hölzel) unter anderem mit Rock Me Amadeus. Eine erfolgreiche Österreicherin auf dem Chartsektor war Christina Stürmer. Udo Jürgens galt als Ikone auf dem Gebiet des deutschsprachigen Chansons, er gewann 1966 den Eurovision Song Contest, diesen Erfolg wiederholte Conchita Wurst im Jahr 2014.
Joe Zawinul (Freiburg im Breisgau, 2007)
Joe Zawinul, der gemeinsam mit dem US-Amerikaner Miles Davis die Stilrichtung des Electric Jazz entwickelte, gilt als der bislang einzige europäische Musiker, der in der Geschichte des Jazz von stilprägender Bedeutung war. Seine Gruppe Weather Report zählt in Fachkreisen und beim Publikum als die bedeutendste Jazzformation der 1970er und 1980er Jahre.
Großer Beliebtheit erfreut sich sowohl die Volksmusik mit ihren regionalen Formen als auch die volkstümliche Musik. Vertreter des letzteren Genres finden in der erfolgreichen Fernsehproduktion Musikantenstadl ein internationales Publikum.
Neben dem Mainstream entwickelten sich im populären Musikbereich auch zahlreiche alternative Musikgruppen, die auch europaweit szenebekannt sind. Dazu zählen beispielsweise die Linzer Electroswing-Band Parov Stelar, die Linzer Hip-Hopper Texta, das Downtempo-Duo Kruder &amp; Dorfmeister, die Songwriterin Soap&amp;Skin oder die Metal-Bands Belphegor aus Salzburg, L’Âme Immortelle oder Summoning.[101]Theater[Bearbeiten]
Das Burgtheater in Wien ist eine der ersten deutschsprachigen Bühnen
Das Theater als Kunstform findet in Österreich viel Anklang und auch viel öffentliche Förderung: von der Wiener Staatsoper, einem der angesehensten Musiktheater der Welt, und vom Burgtheater, als eine der besten deutschsprachigen Bühnen bezeichnet, bis zum Bauerntheater im Dorf.
Zu den ständig bespielten Bühnen in Wien, Salzburg, Graz, Innsbruck, Linz, Klagenfurt, Bregenz und St.&#160;Pölten kommen Theater- und Opernfestivals von den Bregenzer Festspielen und den Salzburger Festspielen bis zu den Seespielen in Mörbisch im Burgenland. In Wien besteht dazu eine vielfältige Szene an Kabaretts, Kleinbühnen, Kellertheatern und der Alternativkultur gewidmeten Spielstätten.
In St. Pölten wurde, nachdem es 1986 zur Landeshauptstadt erhoben worden war, ebenfalls ein Theater, das Festspielhaus St.&#160;Pölten errichtet. In Wien wurde die Musicalbühne Theater an der Wien aus Anlass des Mozartjahrs 2006 zum Operntheater umgestaltet und ist seither das dritte große Opernhaus in der Stadt; weiters wurde bis 2008 das Ronacher-Theater zur Musicalbühne ausgebaut. In Linz wurde 2012 ein neues Musiktheater eröffnet.
Die österreichische Theaterliteratur der letzten Jahrzehnte umfasst u.&#160;a. Peter Handkes mittlerweile legendäre „Publikumsbeschimpfung“, Wolfgang Bauers Aufreger „Silvester oder das Massaker im Hotel Sacher“, Fritz Hochwälders NS-Aufarbeitung „Der Himbeerpflücker“ und Thomas Bernhards Drama „Heldenplatz“, in dem er katholisch-reaktionäre Züge des Österreich von 1988 mit dem enthusiastischen Empfang Hitlers auf dem Wiener Heldenplatz 1938 vergleicht. Als dieses Stück 1988 unter der Regie von Claus Peymann am Burgtheater Premiere hatte, inszenierten konservative Kreise den bis heute größten Theaterskandal seit 1945.
Aus Österreich stammen international bekannte Schauspieler: Christoph Waltz, Arnold Schwarzenegger, Romy Schneider, Oskar Werner, Curd Jürgens, Maria Schell, O.&#160;W. Fischer, Paula Wessely und ihre Tochter Christiane Hörbiger, Maximilian Schell, Senta Berger und Klaus Maria Brandauer. Unter den auch im Ausland geschätzten Regisseuren sind Max Reinhardt und Martin Kušej zu nennen.
Als Kabarettisten wurden Karl Farkas und Helmut Qualtinger zu „Klassikern“.
Eine für das Theater in Österreich sehr wesentliche Gegebenheit ist der ständige personelle und kulturelle Austausch unter den Theatern des deutschsprachigen Raumes, insbesondere mit Deutschland. Dadurch werden für die großen Talente Österreichs die beschränkten Karrierechancen im Heimatland kompensiert.Kabarett[Bearbeiten]
→ Hauptartikel: Geschichte des Kabaretts in Österreich
Film[Bearbeiten]
→ Hauptartikel: Kino und Film in Österreich
Bekannte Filmregisseure aus Österreich sind Barbara Albert, Franz Antel, Ruth Beckermann, Dieter Berner, Robert Dornhelm, Florian Flicker, Nikolaus Geyrhalter, Michael Glawogger, Wolfgang Glück, Michael Haneke, Jessica Hausner, Michael Kreihsl, Fritz Lang, Bady Minck, Franz Novotny, Peter Patzak, Otto Preminger, Stefan Ruzowitzky, Anja Salomonowitz, Hubert Sauper, Ulrich Seidl, Götz Spielmann, Josef von Sternberg, Erich von Stroheim, Hans Weingartner, Virgil Widrich, Billy Wilder.
Siehe auch: Filmfestivals in Österreich&#160;und Österreichische Filmgeschichte
Literatur[Bearbeiten]
Bertha Freifrau von Suttner war die erste weibliche Friedensnobelpreisträgerin
→ Hauptartikel: Österreichische Literatur
Namhafte Autorinnen und Autoren des 19. und 20. Jahrhunderts waren Franz Grillparzer, Ferdinand Raimund, Johann Nestroy, Leopold von Sacher-Masoch, Adalbert Stifter, die 1905 mit dem Friedensnobelpreis geehrte Bertha von Suttner, Marie von Ebner-Eschenbach, Peter Rosegger, Peter Altenberg, Hugo von Hofmannsthal, Rainer Maria Rilke, Georg Trakl, Franz Kafka, Karl Kraus, Ödön von Horváth, Joseph Roth, Stefan Zweig, Robert Musil, Gustav Meyrink, Franz Werfel, Egon Erwin Kisch, Alfred Kubin, Fritz von Herzmanovsky-Orlando, Leo Perutz, Alfred Polgar, Vicki Baum, Alexander Lernet-Holenia, Heimito von Doderer, Franz Theodor Csokor, Ingeborg Bachmann, Christine Lavant, Friedrich Torberg, Fritz Hochwälder, Jörg Mauthe, Thomas Bernhard, Ernst Jandl, H.&#160;C.&#160;Artmann, Hilde Spiel, Albert Drach, Wolfgang Bauer, Johannes Mario Simmel, Gert Jonke, Gertrud Fussenegger, Gernot Wolfgruber und Franz Innerhofer.
Wichtige lebende Schriftsteller sind die 2004 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnete Elfriede Jelinek, Peter Handke, Felix Mitterer, Friederike Mayröcker (Büchnerpreis 2001), Christoph Ransmayr, Barbara Frischmuth, Alois Brandstetter, Peter Rosei, Norbert Gstrein, Eva Menasse, Robert Menasse, Wolf Haas, Bettina Balàka, Arno Geiger, Josef Winkler (Büchnerpreis 2008), Gerhard Roth und Daniel Kehlmann.
Auf Slowenisch schreiben u.&#160;a. Gustav Januš, Janko Ferk und Florjan Lipuš, der von Peter Handke ins Deutsche übersetzt wurde.
Bildende Kunst[Bearbeiten]
„Der Kuß“ von Gustav Klimt ist eines der bekanntesten Werke eines österreichischen Künstlers
Bedeutende Maler oder Graphiker sind:Ferdinand Georg Waldmüller, Gustav Klimt, Koloman Moser, Oskar Kokoschka, Egon Schiele, Alfred Kubin, Raoul Hausmann, Arnulf Rainer, Gottfried Helnwein, Franz West.Einen Höhepunkt erreichte die Malerei in Österreich um 1900, als Wien ein Zentrum des Jugendstils wurde.
In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstand die Wiener Schule des Phantastischen Realismus als eine späte Strömung des Surrealismus. In dieses Umfeld gehört auch Friedensreich Hundertwasser mit seinen eher abstrakt-dekorativen Bildern. Ein eigenständiges Phänomen ist der Aktionismus der 1960er Jahre, der sich im Grenzbereich von Theater und Malerei entwickelt hat. Wichtige Vertreter dieser Bewegung sind Günter Brus, Otto Muehl, Rudolf Schwarzkogler und Hermann Nitsch.
Bedeutende Bildhauer oder Skulptoren waren Niclas Gerhaert van Leyden, Franz Xaver Messerschmidt, Fritz Wotruba, Alfred Hrdlicka und Bruno Gironcoli.Wissenschaft und Technik[Bearbeiten]
Sigmund Freud, der Begründer der Psychoanalyse
Erwin Schrödinger auf der 1000-Schilling-Banknote (1983)
Österreich war in den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts eine bedeutende Wissenschaftsnation. Es brachte Denker und Forscher hervor wie:die Begründer der Quantenphysik Wolfgang Pauli und Erwin Schrödinger
den Mathematiker Kurt Gödel
die Chemiker Carl Josef Bayer, Max Ferdinand Perutz und Theodor Wagner-Jauregg
den Begründer der Psychoanalyse Sigmund Freud
die Psychiater Julius Wagner-Jauregg, Alfred Adler und Viktor Frankl
die Ärzte der Wiener Medizinischen Schule
die Philosophen des Wiener Kreises und Ludwig Wittgenstein
den Begründer der modernen empirischen Sozialforschung Paul Felix Lazarsfeld
den Vater der Tierpsychologie Konrad Lorenz
den Philosophen Karl Popper
den Automobilbauer Ferdinand Porsche
die Erfinder Viktor Kaplan und Josef Ressel
die Wegbereiter der Thermodynamik Josef Stefan und Ludwig Boltzmann
den Entdecker der Benzol-Struktur Johann Josef Loschmidt
den Entdecker der Blutgruppen Karl Landsteiner
den Retter der Mütter Ignaz Semmelweis
sowie die Ökonomen Carl Menger, Friedrich August von Hayek und Eugen Böhm von BawerkDie Kernphysikerin Lise Meitner entwickelte gemeinsam mit Otto Frisch die erste theoretische Erklärung der Kernspaltung.
Das wissenschaftliche Niveau dieser Zeit wurde im Nationalsozialismus zerstört. Nach 1945 wurden nur sehr wenige exilierte Wissenschaftler, später als Koryphäen ihrer Fächer anerkannt, zur Rückkehr nach Österreich eingeladen. Das Begabtenreservoir in Böhmen, Mähren und Ungarn, das der österreichischen Wissenschaft lang zur Verfügung gestanden war, wurde wegen des Eisernen Vorhangs nicht mehr nutzbar.
In den 1950er Jahren wurde von den Ingenieuren der voestalpine das sogenannte Linz-Donawitz-Verfahren entwickelt, das die Stahlproduktion weltweit revolutionierte. Hervorzuheben sind auch die Geländefahrzeuge Haflinger und Pinzgauer, die in der Steyr Daimler Puch AG konstruiert wurden, sowie das Steyr AUG, ein Sturmgewehr, das in vielen Armeen der Welt und sogar vom US-Heimatschutzministerium eingesetzt wird.
Die in Österreich entwickelte Glock-Pistole ist eine weltweit verbreitete Polizeipistole (Österreich, Deutschland, USA)
Wirtschaftlich sehr erfolgreich haben sich Unternehmen in der produkt- bzw. anwendungsbezogenen Forschung stark spezialisiert und sind heute in der Technik weltweit erfolgreich, z.&#160;B. Glock, Rosenbauer und Wienerberger.
Zwischen 1971 und 2013 bestand in Österreich ein eigenes Wissenschaftsministerium. Die Österreichische Akademie der Wissenschaften, das Austrian Institute of Technology, die Forschungsgesellschaft Joanneum Research und andere vom Staat geförderte Institutionen stimulieren und koordinieren wissenschaftliche Forschung. Seit den neunziger Jahren sind private Universitäten zugelassen.
1874 entdeckte der Astronom Johann Palisa einen Asteroiden und benannte ihn nach seinem Heimatland (Asteroid Austria).
Siehe auch: Liste der österreichischen Nobelpreisträger
Küche[Bearbeiten]
Wiener Schnitzel
Sachertorte
Weinbau im steierischen Sausal
→ Hauptartikel: Österreichische Küche
Bedingt durch die österreichische Geschichte, haben vor allem Kochkünste aus Ungarn, Böhmen, Italien und Frankreich Einfluss auf heute typisch österreichische Gerichte gehabt. Vervielfältigt wird das Angebot durch traditionelle regionale Kochkunst aus den Bundesländern. Typische Gerichte sind das Wiener Schnitzel, Backhendl, Brathendl, Gulasch und Fischgerichte wie Karpfen und Forelle. Weltweite Bekanntheit haben Süßspeisen erlangt, so zum Beispiel die Sacher-Torte, der Apfelstrudel und der Kaiserschmarrn.
Die Essenseinnahme erfolgte bis vor wenigen Jahren vorwiegend zu Hause. Heute essen – vor allem in den größeren Städten – viele Menschen häufig in Gaststätten, Restaurants, Kaffeehäusern, an Würstelständen und Döner-Imbissen, in Filialen von Fastfoodketten oder auf der Straße oder in öffentlichen Verkehrsmitteln. Sich ausbreitender Hedonismus führte seit den achtziger Jahren zu verstärkter Publikation gastronomischer Führer, Tipps und Rangreihungen, zu Medienberichten über Neueröffnungen von Lokalen und zu mehr gastronomiebezogenen Fernsehsendungen als jemals zuvor. Davon erfasste Lokale sind einige Zeit „in“ und erreichen überdurchschnittliche Gästefrequenz. Davon erfasste Gastronomen erreichen beachtliche Medienpräsenz und -prominenz, beispielsweise Sissy Sonnleitner, Reinhard Gerer, Toni Mörwald und Heinz Reitbauer. Der steirische Koch Johann Lafer ist vor allem in deutschen Fernsehsendungen stark präsent.
Traditionell gepflegte Kaffeevariationen bilden das Sortiment der Kaffeehäuser, die sich nach dem Muster des Wiener Kaffeehauses heute in ganz Österreich finden. Die ersten Kaffeehäuser wurden in Wien kurz nach dem Jahr 1683 eingerichtet. Heute sind sie zumeist Café-Restaurants, in denen die Kaffeehaustradition mit dem Angebot des „bürgerlichen Speisehauses“ kombiniert wird.
Große Tradition hat der Weinanbau, der in Wien, Niederösterreich, der Steiermark und dem Burgenland betrieben wird. Innereuropäisch und auch in Übersee erfreut sich der österreichische Wein großer Beliebtheit, und auch im Land selbst wird mit knapp 40 Liter pro Kopf und Jahr gern Wein getrunken. War zuvor hauptsächlich Massenproduktion (im „Doppler“, der Zweiliterflasche) üblich, so haben sich in den letzten dreißig Jahren viele Winzer auf die Produktion von Qualitätsweinen spezialisiert, die bei internationalen Blindverkostungen hervorragend abschneiden. Im Zuge dieser Entwicklung wurde österreichischen Rotweinen wesentlich mehr Beachtung geschenkt als früher. In den Weinbau treibenden Bundesländern hat sich im 19. Jahrhundert eine Heurigenkultur entwickelt, die bis heute für unkomplizierte, informelle Gastronomie steht und auch bei Touristen beliebt ist. Hier dominiert beim Speiseangebot das kalte und warme Buffet, beim Weinangebot der junge Wein der letzten Ernte.
Bier wird medial kaum beachtet, ist aber als Alltagsgetränk in Österreich sehr wichtig. Mit knapp 109 Litern Verbrauch pro Kopf und Jahr und mit 140 Brauereien&#160;– darunter überregionale Traditionsmarken wie Stiegl, Gösser, Hirter und Ottakringer&#160;– darf sich Österreich als Biernation bezeichnen.
Sport[Bearbeiten]
Siehe auch: Sport in Österreich
Wintersport[Bearbeiten]
Innsbruck ist Landeshauptstadt von Tirol und dreifacher Austragungsort olympischer Winterspiele (1964, 1976 und 2012 (YOG))
Aufgrund seiner Geographie zählt Österreich in zahlreichen Wintersportarten zur Weltspitze, wie etwa in alpinen Ski-Bewerben, im Skispringen oder im Snowboarden. Der Wintersport genießt in Österreich einen hohen Stellenwert und dessen Fernsehübertragungen, vor allem jene der Ski-Alpin-Bewerbe, erreichen weite Teile der Bevölkerung. Bekannte Ski-Sportler der letzten Jahre sind z.&#160;B. Marcel Hirscher, Benjamin Raich, Anna Fenninger, Marlies Schild und Hannes Reichelt. An erfolgreichen Skifahrern der Vergangenheit wären Toni Sailer, Karl Schranz, Franz Klammer, Stephan Eberharter, Annemarie Moser-Pröll, Petra Kronberger, Hermann Maier, Renate Götschl oder Michaela Dorfmeister hervorzuheben. So war z.&#160;B. Fernsehmoderator Armin Assinger einst Skirennläufer, auch Schlager-Star Hansi Hinterseer fuhr früher Slalomhänge hinab. Auch die ehemalige Ski-Rennläuferin Alexandra Meissnitzer und der Ex-Skirennläufer Hans Knauß sind nach ihrer Karriere als Co-Fernsehmoderatoren tätig.
Weitere erfolgreiche Wintersportler sind beispielsweise die Rodler Wolfgang und Andreas Linger und das österreichische Skisprung-Team um Gregor Schlierenzauer, Thomas Morgenstern und Andreas Kofler, das in den letzten Jahren zahlreiche Olympia- und Weltcup-Siege für sich verbuchen konnte. Nicht mehr aktive Skisprung-Größen wie Anton Innauer, Hubert Neuper oder auch Andreas Goldberger sind heute als Trainer und oft auch als Co-Fernsehmoderatoren tätig. Der ehemalige Rodler Markus Prock ist jetzt als Manager für aktive Wintersportler tätig.
Sommersport[Bearbeiten]
Auch im Sommersport, bzw. ganzjährig ausübbaren Sportarten kann Österreich immer wieder nennenswerte Erfolge für sich verbuchen, doch erreichen diese, bis auf den Fußball, bei weitem nicht die Reichweite des Wintersports, gemessen am Interesse der Bevölkerung. Bei Erfolgen im Zuge von Großereignissen wie den Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften gelangen diese Sportarten naturgemäß dennoch ins mediale Rampenlicht. Derartige Sportarten, in welchen Österreicher regelmäßig zu den potenziellen Sieganwärtern zählen, sind vor allem der Segelsport (Roman Hagara, Hans-Peter Steinacher), Judo (Peter Seisenbacher, Ludwig Paischer, Sabrina Filzmoser, Claudia Heill), Triathlon (Kate Allen), Boxen (Marcos Nader, Hans Orsolics),Schwimmen (Mirna Jukić, Markus Rogan, Dinko Jukić), Beachvolleyball (Europameister 2003 und 2007) sowie die Formel&#160;1 (Ex-Rennfahrer Niki Lauda, Jochen Rindt, Gerhard Berger und der Rennstall Red Bull Racing).
Im Jahr 1988 konnte Peter Seisenbacher als erster Judoka seinen Olympiasieg in Judo wiederholen. Im Jahr 2003 holte Werner Schlager den Weltmeistertitel im Tischtennis, 1996 wurde Thomas Muster als erster Österreicher überhaupt Nummer 1 der Tennisweltrangliste, nachdem er ein Jahr zuvor den Titel von Paris&#160;– die French Open, ein Grand-Slam-Turnier&#160;– gewonnen hatte. Im Dezember 2005 erschwamm Markus Rogan bei der Kurzbahn-Schwimm-EM über 200-m-Rücken einen neuen Weltrekord, den ersten für Österreich seit 1912. Bei der Kurzbahn-WM 2008 schwamm er über dieselbe Strecke erneut Weltrekord und wurde damit Österreichs erster Schwimmweltmeister überhaupt.
Die Austrian Golf Open ist ein Golfturnier der PGA European Tour genannten Turnierserie.
Vereinssport[Bearbeiten]
Der Vereinssport besitzt in Österreich einen sehr hohen Stellenwert. In manchen Gemeinden und Städten sind mehr als die Hälfte der Einwohner in Vereinen sportlich aktiv. Vor allem der Fußball besitzt, besonders in Wien, lange Tradition, aber auch weniger bekannte Sportarten stoßen mancherorts auf regen Zulauf. So zählt Österreich beispielsweise im Faustball (besonders Vereine aus Oberösterreich) zur Weltspitze und wurde 2007 erstmals Herren-Weltmeister, hat außerdem eine der besten American-Football-Ligen weltweit, und manche der an der Donau oder an größeren Seen gelegenen Gemeinden haben eigene Wassersportvereine.
Hypo Niederösterreich zählt im Frauenhandball zurzeit ebenso zur europäischen Spitze wie die Vikings Vienna im American Football. Größte Erfolge im Fußball in jüngerer Vergangenheit waren das Erreichen des Finale im UEFA-Cup durch den SV Austria Salzburg 1994 sowie die drei Endspielteilnahmen im Europacup der Cupsieger durch die Wiener Austria 1978 und SK Rapid Wien in den Jahren 1985 und 1996.
International erfolgreiche Vereine aus Österreich[Bearbeiten]American Football: Vikings Vienna, Swarco Raiders Tirol, Graz Giants
Eishockey: VEU Feldkirch
Faustball: FG Grieskirchen/Pötting, Union Arnreit
Fußball: SK Rapid Wien, FK Austria Wien, First Vienna FC 1894, SV Austria Salzburg, SK Sturm Graz
Handball: Hypo Niederösterreich, HC Linz AG, UHK West Wien
Hockey: AHTC, SV Arminen, WAC, HC Wels
Tischtennis: SVS Niederösterreich, Linz AG Froschberg
Volleyball: HotVolleys WienInternationale Sportveranstaltungen[Bearbeiten]
Das Ernst-Happel-Stadion in Wien beim ersten Auftritt der österreichischen Nationalmannschaft bei der Fußball-Europameisterschaft 2008
Österreich war bisher zweimal Veranstalter Olympischer Spiele (beide Male Olympische Winterspiele in Innsbruck, 1964 und 1976). Insgesamt holten österreichische Sportler 51 Gold-, 52 Silber- und 66 Bronzemedaillen in der Geschichte Olympischer Winterspiele sowie 26 Gold-, 38 Silber- und 40 Bronzemedaillen bei Olympischen Sommerspielen (Stand: 2005).
Bei den Olympischen Winterspielen 2006 in Turin gewann das österreichische Team neun Gold-, sieben Silber- und sieben Bronzemedaillen. Bei den Olympischen Sommerspielen 2004 wurden zwei Goldmedaillen (durch Roman Hagara und Hans-Peter Steinacher im Tornado-Segeln sowie Kate Allen im Triathlon), vier Silber- sowie eine Bronzemedaille erkämpft.
Die Eishockey-Weltmeisterschaft fand 1964 in Innsbruck statt, 1967, 1977, 1987, 1996 und 2005 in Wien. Die Schwimmeuropameisterschaften fanden 1950, 1974 und 1995 in Wien statt. Die ersten Eiskunstlauf-Europameisterschaften der Sportgeschichte fanden 1892 in Wien statt, bis zum Jahr 2000 fanden acht weitere Europameisterschaften in Wien statt, die EM 1981 in Innsbruck.
Vom 7. bis 29. Juni 2008 war Österreich gemeinsam mit der Schweiz Veranstalter der Fußball-Europameisterschaft 2008. Die auf Österreich entfallenden Spiele fanden in Wien, Salzburg, Innsbruck und Klagenfurt statt, das Finale war in Wien.
Siehe auch: Olympische Geschichte Österreichs&#160;und Liste der größten Stadien in Österreich
Siehe auch[Bearbeiten]
&#160;Portal: Österreich – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Österreich
Literatur[Bearbeiten]Österreichische Nationalbibliothek: Österreichische Bibliographie: Verzeichnis der österreichischen Neuerscheinungen. Wien 1946–2002. Seit 2003 Online-Ausgabe.
Ingeborg Auer u.&#160;a.: ÖKLIM – Digitaler Klimaatlas Österreichs. In: Christa Hammerl u.&#160;a. (Hrsg.): Die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik 1851–2001. Leykam, Wien 2001, ISBN 3-7011-7437-7.
Richard und Maria Bamberger, Ernst Bruckmüller, Karl Gutkas (Hrsg.): Österreich-Lexikon. Verlagsgemeinschaft Österreich-Lexikon, Wien 2004, ISBN 3-85498-385-9 – Fortgeführt als Online-Ausgabe.
Ernst Bruckmüller: Sozialgeschichte Österreichs. Oldenbourg, Wien 2000.
Harald Fidler: Österreichs Medienwelt von A–Z. Das komplette Lexikon mit 1000 Stichwörtern von Abzockfernsehen bis Zeitungssterben. Falter, Wien 2008, ISBN 978-3-85439-415-0.
Friedrich Heer: Der Kampf um die österreichische Identität. Böhlau, Wien 2001, ISBN 3-205-99333-0.
Erwin Ringel: Die österreichische Seele: Zehn Reden über Medizin, Politik, Kunst und Religion. Neuauflage. Kremayr &amp; Scheriau, Wien 2005, ISBN 3-218-00761-5.
Robert und Melita Sedlaczek: Das österreichische Deutsch. Wie wir uns von unserem großen Nachbarn unterscheiden. Ueberreuter, München 2004, ISBN 3-8000-7075-8.
Helmut Seel, Josef Scheipl: Das österreichische Bildungswesen am Übergang ins 21. Jahrhundert. Leykam, Graz 2004, ISBN 3-7011-7388-5.
Geschichte
Peter Berger: Kurze Geschichte Österreichs im 20. Jahrhundert. 2. verb. Auflage. Facultas Universitätsverlag, Wien 2008, ISBN 978-3-7089-0354-5.
Karl Vocelka: Geschichte Österreichs. Kultur – Gesellschaft – Politik. Heyne, München 2002, ISBN 3-453-21622-9.
Herwig Wolfram (Hrsg.): Österreichische Geschichte. 14 Bände. Ueberreuter, Wien 1994–2006.Weblinks[Bearbeiten]
Weiterführende Informationen in den
Schwesterprojekten von Wikipedia:Commons

Multimedia-InhalteWiktionary

WörterbucheinträgeWikisource

Quellen und VolltexteWikiquote

ZitateWikinews

NachrichtenWikivoyage

Reiseführer
&#160;Wikimedia-Atlas: Österreich&#160;– geographische und historische Karten
Einzelnachweise[Bearbeiten]↑ Bundes-Verfassungsgesetz – Artikel 8, Bundeskanzleramt, aufgerufen am 5. Oktober 2011.
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↑ Statistik Austria: Wanderungen mit dem Ausland (Außenwanderungen) 2005–2014 nach Staatsangehörigkeit
↑ Statistik Austria: Asylanträge 2000–2014 nach Staatsangehörigkeit
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↑ (Vertragsverletzungsverfahren NR. 2004/4322 betreffend der Richtlinie 2001/77/EG).
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↑ Arbeitsmarktlage seit 1946, Arbeitsmarktservice
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↑ Was Österreicher wirklich so „arm“ macht. Wer Ungleichheit beseitigen will, muss Eigentum fördern. Die Presse, abgerufen am 2. Juni 2015.
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↑ Akademiker: Je nach Definition liegt Österreich über EU-Schnitt und News auf ORF.at.
↑ Harald Fidler: Österreichs Medienwelt von A bis Z, Falter Verlag, Wien 2008, ISBN 978-3-85439-415-0.
↑ Fidler: a. a. O., S. 271.
↑ Für eine Handvoll Klicks, Story in The Gap, Ausgabe August 2011.
Politische Gliederung EuropasSouveräne Staaten:
Albanien&#160;| Andorra&#160;| Belgien&#160;| Bosnien und Herzegowina&#160;| Bulgarien&#160;| Dänemark2&#160;| Deutschland&#160;| Estland&#160;| Finnland&#160;| Frankreich2&#160;| Griechenland&#160;| Irland&#160;| Island&#160;| Italien2&#160;| Kasachstan1&#160;| Kroatien&#160;| Lettland&#160;| Liechtenstein&#160;| Litauen&#160;| Luxemburg&#160;| Malta&#160;| Mazedonien&#160;| Moldawien&#160;| Monaco&#160;| Montenegro&#160;| Niederlande2&#160;| Norwegen2&#160;| Österreich&#160;| Polen&#160;| Portugal2&#160;| Rumänien&#160;| Russland1&#160;| San Marino&#160;| Schweden&#160;| Schweiz&#160;| Serbien&#160;| Slowakei&#160;| Slowenien&#160;| Spanien2&#160;| Tschechien&#160;| Türkei1&#160;| Ukraine&#160;| Ungarn&#160;| Vatikanstadt&#160;| Vereinigtes Königreich2&#160;| Weißrussland
Sonstige Gebiete:
Färöer&#160;| Gibraltar&#160;| Guernsey&#160;| Isle of Man&#160;| Jersey
Umstrittene Gebiete:
Kosovo&#160;| Transnistrien
1&#160;Liegt größtenteils in Asien.&#160; 2&#160;Hat zusätzliche Gebiete außerhalb Europas.
Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU)Belgien&#160;| Bulgarien&#160;| Dänemark&#160;| Deutschland&#160;| Estland&#160;| Finnland&#160;| Frankreich&#160;| Griechenland&#160;| Irland&#160;| Italien&#160;| Kroatien&#160;| Lettland&#160;| Litauen&#160;| Luxemburg&#160;| Malta&#160;| Niederlande&#160;| Österreich&#160;| Polen&#160;| Portugal&#160;| Rumänien&#160;| Schweden&#160;| Slowakei&#160;| Slowenien&#160;| Spanien&#160;| Tschechien&#160;| Ungarn&#160;| Vereinigtes&#160;Königreich&#160;| ZypernOsterreich&#160;
Verwaltungsgliederungssystem ÖsterreichsGebietskörperschaften: Bund&#160;| (Bundes-)Länder&#160;(Liste)&#160;| Gemeinden&#160;(Listen)
Verwaltungseinheiten, hierarchisch:
Bund&#160;| (Bundes-)Länder&#160;| (politische)&#160;Bezirke&#160;| (politische)&#160;Gemeinden,&#160;Ortsgemeinden&#160;| Katastralgemeinden&#160;• Ortschaften&#160;(Fraktionen)&#160;| Sonderfälle: Statutarstädte&#160;• Wiener Gemeindebezirke
Mitgliedstaaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD)Australien&#160;| Belgien&#160;| Chile&#160;| Dänemark&#160;| Deutschland&#160;| Estland&#160;| Finnland&#160;| Frankreich&#160;| Griechenland&#160;| Irland&#160;| Island&#160;| Israel&#160;| Italien&#160;| Japan&#160;| Kanada&#160;| Luxemburg&#160;| Mexiko&#160;| Neuseeland&#160;| Niederlande&#160;| Norwegen&#160;| Österreich&#160;| Polen&#160;| Portugal&#160;| Schweden&#160;| Schweiz&#160;| Südkorea&#160;| Slowakei&#160;| Slowenien&#160;| Spanien&#160;| Tschechien&#160;| Türkei&#160;| Ungarn&#160;| Vereinigte&#160;Staaten&#160;| Vereinigtes&#160;Königreich
Teilnehmerstaaten der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE)Albanien&#160;| Andorra&#160;| Armenien&#160;| Aserbaidschan&#160;| Belgien&#160;| Bosnien und Herzegowina&#160;| Bulgarien&#160;| Dänemark&#160;| Deutschland&#160;| Estland&#160;| Finnland&#160;| Frankreich&#160;| Georgien&#160;| Griechenland&#160;| Irland&#160;| Island&#160;| Italien&#160;| Kanada&#160;| Kasachstan&#160;| Kirgisistan&#160;| Kroatien&#160;| Lettland&#160;| Liechtenstein&#160;| Litauen&#160;| Luxemburg&#160;| Malta&#160;| Mazedonien&#160;| Moldawien&#160;| Monaco&#160;| Mongolei&#160;| Montenegro&#160;| Niederlande&#160;| Norwegen&#160;| Österreich&#160;| Polen&#160;| Portugal&#160;| Rumänien&#160;| Russland&#160;| San&#160;Marino&#160;| Schweden&#160;| Schweiz&#160;| Serbien&#160;| Slowakei&#160;| Slowenien&#160;| Spanien&#160;| Tadschikistan&#160;| Tschechien&#160;| Türkei&#160;| Turkmenistan&#160;| Ukraine&#160;| Ungarn&#160;| Usbekistan&#160;| Vatikanstadt&#160;| Vereinigtes&#160;Königreich&#160;| Vereinigte&#160;Staaten&#160;| Weißrussland&#160;| Republik&#160;Zypern
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Eine Frau gibt ihren Stimmzettel beim zweiten Wahlgang der Präsidentschaftswahl in Frankreich 2007 ab
Demokratie (altgriechisch&#160;δημοκρατία „Herrschaft des Staatsvolkes“, von δῆμος dēmos ‚Staatsvolk‘ und -kratie: κρατία kratía ‚Herrschaft‘) bezeichnet Herrschaftsformen, politische Ordnungen oder politische Systeme, in denen Macht und Regierung vom Volk ausgehen, indem dieses – entweder unmittelbar oder durch Auswahl entscheidungstragender Repräsentanten – an allen Entscheidungen, die die Allgemeinheit verbindlich betreffen, beteiligt ist.[1] In demokratischen Staaten und politischen Systemen geht die Regierung durch politische Wahlen aus dem Volk hervor. Typische Merkmale einer Demokratie sind freie Wahlen, das Mehrheitsprinzip, die Akzeptanz einer politischen Opposition, Verfassungsmäßigkeit, Schutz der Grundrechte, Schutz der Bürgerrechte und Achtung der Menschenrechte. Da die Herrschaft durch die Allgemeinheit ausgeübt wird, sind Meinungs- und Pressefreiheit zur politischen Willensbildung unerlässlich.
„Demokratie“ ist in den meisten demokratischen Ländern formell ein tragendes Verfassungsprinzip, so in Deutschland (Art. 20 Abs. 1 GG), Österreich (Artikel&#160;1 B-VG) und der Schweiz (Präambel der schweizerischen Bundesverfassung). Dies ist auch in vielen Staaten der Fall, deren demokratischer Charakter umstritten ist, wie beispielsweise im vorrevolutionären Libyen durch das Grüne Buch (dort: „Die Lösung des Demokratie-Problems“, 1975).
Moderne Monarchien sind mit dem Demokratiebegriff in vielerlei Hinsicht vereinbar geworden – so haben sich Staatsformen wie die parlamentarische Monarchie herausgebildet, die entscheidende Elemente einer Demokratie in sich vereinen. Viele der existierenden Demokratien sind außerdem Republiken.Inhaltsverzeichnis
1 Etymologie
2 Demokratietheorien2.1 Legitimation der Demokratie
2.2 Die Kultivierungsbedürftigkeit demokratischer Entscheidungen
3 Wesentliche Merkmale der Demokratie
4 Die demokratische Entscheidung
5 Geschichte5.1 Antike5.1.1 Griechische Stadtstaaten
5.1.2 Aristoteles’ politisches Denken
5.1.3 Römische Republik
5.2 Mittelalter und Neuzeit
6 Demokratieformen6.1 Direkte Demokratie
6.2 Repräsentative Demokratie
6.3 Demarchie
6.4 Mischformen6.4.1 Plebiszitäre Demokratie
6.4.2 Rätedemokratie
6.5 Präsidentielle und parlamentarische Regierungssysteme
6.6 Mehrheitsdemokratie, Konkordanzdemokratie und Konsensdemokratie
6.7 Scheindemokratie und Defekte Demokratie
7 Wirkungen und Probleme der Demokratie7.1 Gesamtgesellschaftliche Perspektive7.1.1 Ausschluss von demokratischen Wahlen
7.2 Friedensfunktion
7.3 Wirtschaftswachstum
7.4 Demokratie und Rechtsstaat
7.5 Vermeintlich irrationale und ignorante Wähler
7.6 Lobbyarbeit
7.7 Kurzfristigkeit
7.8 Medien
7.9 Mehrheitsprinzip
7.10 Philosophische Kritik
7.11 Politische Instabilität
7.12 Selbstüberforderung
8 Siehe auch
9 Literatur9.1 Einführung und Geschichte im Überblick
9.2 Geschichte der griechischen Demokratie
9.3 Demokratietheorien im Vergleich
9.4 Aktuell diskutierte Arbeiten und Themen
10 Weblinks
11 AnmerkungenEtymologie
Das Wort „Demokratie“ ist im antiken Griechenland entstanden und bedeutete dort die direkte Volksherrschaft. Der Begriff „Volk“ wurde in jener Zeit sehr eng gefasst, da mit diesem nur einer äußerst begrenzten Gruppe von Bürgern politische Partizipationsrechte eingeräumt wurden. So konnten in einer griechischen Polis nur freie Männer an Volksversammlungen teilnehmen. Die Abkehr vom Grundgedanken der Demokratie wurde Ochlokratie („Herrschaft des Pöbels“) genannt.[2]
Demokratietheorien
→ Hauptartikel: Demokratietheorie
Zweck und Funktionsweise der Demokratie werden in verschiedenen Demokratietheorien diskutiert. Normative Demokratietheorien beinhalten eine bestimmte Vorstellung von Demokratie und befürworten jeweils unterschiedliche Demokratieformen wie direkte Demokratie, repräsentative Demokratie, partizipatorische Demokratie, Demarchie, Radikaldemokratie oder Basisdemokratie.
Legitimation der Demokratie
Eine wichtige Legitimationstheorie der Demokratie gründet sich auf das Ideal einer „Volksherrschaft“, die auf der Zustimmung und Mitwirkung der Mehrheit der Bürger beruhen solle. Theoretisch kann man eine Begründung dafür in folgender Überlegung suchen: Die Ordnung der politischen Gemeinschaft solle sich auf Gerechtigkeit gründen. Die letzte Grundlage, zu der alles Bemühen um Gerechtigkeitseinsicht vordringen kann, ist das, was das individuelle Gewissen nach bestmöglichem Vernunftgebrauch für gut und gerecht befindet. Daher gilt jeder als eine dem anderen gleich zu achtende moralische Instanz, wie Kant feststellte. Dies führt „für den Bereich des Staates und des Rechts zu dem demokratischen Anspruch, dass alle in einem freien Wettbewerb der Überzeugungen auch über die Fragen des Rechts und der Gerechtigkeit mitbestimmen und mitentscheiden sollten“.[3]
Diesen Gedanken folgend gilt heute die Demokratie im westlichen Verständnis für die einzige legitime Staatsordnung (siehe auch Demokratismus).[4] Oft wird dabei Demokratie kurzerhand mit Rechtsstaatlichkeit gleichgesetzt, obwohl sie staatstheoretisch nicht notwendig (und oft auch tatsächlich nicht) mit dieser verbunden ist.[5] Die Einschätzung der Demokratie als der „(einzig) richtigen Staatsform“ hat zu dem sogenannten Demokratisierungsprozess geführt.[6] Dabei wird unterschieden zwischen der Demokratisierung von „oben“ und von „unten“; das heißt, die Demokratie wird entweder durch eine Revolution des Volkes von innen heraus eingeführt, oder aber das Land wird durch eine fremde Macht von außen „demokratisiert“.[7] Letzteres kann als abgeschwächte Form zum Beispiel durch Demokratieförderung, oder aber auch durch die gewaltsame „Befreiung“ eines Landes (wie es beispielsweise bei der Entnazifizierung oder in Afghanistan und dem Irak der Fall war) geschehen.[8]
Aus der Sicht der politikwissenschaftlichen Souveränitätstheorie ist die Demokratie ein politisches System, in dem das Volk der souveräne Träger der Staatsgewalt ist.[9] Je nachdem, ob der verbindliche Volkswille unmittelbar durch die Bürger oder durch gewählte Repräsentanten gebildet wird, unterscheidet man unmittelbare und repräsentative Demokratien. Parlamentarische Demokratien, die unter Wahrung der Volkssouveränität ein erbliches Staatsoberhaupt[10] mit im wesentlichen repräsentativen Funktionen haben (wie z.&#160;B. Großbritannien oder Belgien) zählt man, staatstheoretisch zutreffend, zu den Demokratien, bezeichnet sie aber auch, unter Verwendung des inzwischen gewandelten Begriffs der Monarchie, als parlamentarische Monarchien.[11]
Vereinzelt hat man zwischen Demokratien und Nicht-Demokratien danach entschieden, ob ein Volk über seine Staatsform selbst entscheiden kann, oder sie ihm aufgezwungen wird.[12]
Nach Ansicht des Kritischen Rationalismus bedürfen auch die Legitimationstheorien einer kritischen Überprüfung, insbesondere auf Fehler, die sie anfällig für totalitäre Tendenzen machen. Diese Fehler ähnelten der fehlerhaften erkenntnistheoretischen Annahme autoritativer Quellen der Erkenntnis und ihrer Begründung. Sie gründeten sich letztlich auf eine unkritische Antwort auf die Frage „Wer soll herrschen?“. Die üblichen Demokratietheorien setzten diese Frage als staatsphilosophische Grundposition voraus und behaupteten, darauf die Antwort geben zu können: „Das Volk soll herrschen“ oder „Die Mehrheit soll herrschen“. Nach Karl Popper, dem Begründer des Kritischen Rationalismus, sei diese Frage falsch gestellt und auch die Antwort sei falsch, weil weder das Volk noch die Mehrheit, sondern die Regierung in einer Demokratie tatsächlich herrsche oder überhaupt herrschen könne. Diese Frage müsse ersetzt werden durch die bessere Frage, wie eine Tyrannis vermieden werden könne und wie der Staat so gestaltet und die Gewalten so geteilt und kontrolliert werden könnten, dass Herrscher keinen zu großen Schaden anrichten könnten und unblutig abgesetzt werden könnten. Handlungen von Regierungen sind nach dieser Theorie nicht grundsätzlich legitimiert und können sich nicht über die Moral stellen. Weder das Volk, noch die Regierung, seien oder sollten demnach souverän sein; die Regierung müsse Minderheiten auch gegen den Willen von Mehrheiten schützen, und das Volk müsse die Regierung gegen ihren Willen bei Wahlen zur Verantwortung ziehen. Die demokratische Wahl ist nach dieser Ansicht keine souveräne Auswahl und Legitimation einer neuen Regierung, die am besten fähig ist, den Willen des Volkes oder der Mehrheit durchzusetzen, sondern sie ist ein Volksgericht über die bestehende Regierung, bei dem Bürger darüber entscheiden, ob sie tüchtig genug ist und ob ihre Handlungen moralisch vertretbar sind. Die Theorie der Mehrheitsherrschaft müsse durch die Theorie der Entlassungsgewalt der Mehrheit ersetzt werden. Daraus zieht Popper auch praktische Konsequenzen, z.&#160;B. behauptet er die moralische Überlegenheit des Mehrheitswahlrechts und der Zweiparteiendemokratie gegenüber dem Verhältniswahlrecht und der Mehrparteiendemokratie, während die Souveränitäts- und Legitimationstheorien üblicherweise zu der entgegengesetzten Ansicht neigen.[13]
Die Kultivierungsbedürftigkeit demokratischer Entscheidungen
Die Demokratie bedarf mehrfacher Strukturierung, um effektiv und anpassungsfähig als freiheitliches und bürgernahes politisches System zu funktionieren,[14] schon deshalb, damit nicht durch einen Mehrheitsabsolutismus ein Teil der Gemeinschaft durch einen anderen unterdrückt wird. Erwägungen dieser Art spielten bereits in den Vorüberlegungen zur Verfassung der USA eine Rolle. Später vertieften Alexis de Tocqeville und John Stuart Mill diese Überlegungen.[15]
Der Freiheitsgewährleistung dienen rechtsstaatliche Bindungen der Staatsgewalt, insbesondere Grundrechte und eine rechtsstaatliche Strukturierung der Entscheidungsverfahren durch Rollenverteilungen, rechtsstaatliche Verfahrensgrundsätze und Kontrollen.
Einer Kultivierung des politischen Handelns dient auch die Dezentralisation der Entscheidungskompetenzen in Verbindung mit dem Subsidiaritätsprinzip: Grundlage ist die föderative Gliederung eines Staates in Länder und die Gliederung der Länder in Selbstverwaltungskörperschaften bis hin zu den Gemeinden. In diesem gegliederten Gemeinwesen sollen nach dem altüberkommenen Subsidiaritätsprinzip die nachgeordneten politischen Einheiten alles erledigen, was sie besser oder ebenso gut besorgen können wie die übergeordneten. Dadurch sollen die kleineren Gemeinschaften und deren Mitglieder ein Höchstmaß an Selbstbestimmung und Verantwortung für ihren eigenen Lebensbereich erhalten; insgesamt soll auf diese Weise für Bürgernähe gesorgt werden. Die demokratische Dezentralisation der politischen Gemeinwesen dient also insbesondere deren Vermenschlichung; doch findet sie im „Allzumenschlichen“ auch gewisse Grenzen.[16]
Es wird auch argumentiert, dass eine weitestgehende Umsetzung des Prinzips der Subsidiarität Grundvoraussetzung einer Demokratie ist. Nach dem Historiker Peter Jósika sollte jegliche demokratische Selbstbestimmung und Staatlichkeit immer von der Gemeinde als kleinste und bürgernaheste politische Einheit ausgehen. Demnach sollten Gemeinden jederzeit selbst über ihre Zugehörigkeit zu einem größeren politischen Gemeinwesen (z.&#160;B. einem Staat, einer Region, einer Provinz, einem Kanton oder einem Bundesland) entscheiden können. Jósika verweist diesbezüglich insbesondere auf das politische Modell der Schweiz, wo Gemeinden traditionell als Ausgangspunkt des demokratischen Staatswesens fungieren, über umfangreiche Autonomie verfügen und somit auch jederzeit ihre Kantonszugehörigkeit wechseln können. Er kritisiert die Mehrheit der heutigen Nationalstaaten in diesem Zusammenhang als zentralistisch und daher bürgerfern sowie undemokratisch.[17]
In einer territorialen Gliederung liegt zugleich eine föderative („vertikale“) Gewaltenteilung. Gleichermaßen erhebt sich die Forderung nach einer Gewaltenkontrolle durch eine „horizontale“, organisatorische Teilung der Regelungskompetenzen, aber auch (etwa bei Aristoteles) nach einer Ausbalancierung der gesellschaftlichen „Vermögen“ und Mächte. Solche Forderungen reichen in die Antike zurück und wurden teils von Aristoteles, teils von Polybios vertreten.[18] Das Prinzip der horizontalen Gewaltenteilung fand seine bekannteste, neuzeitliche Ausformung durch John Locke und Montesquieu.[19]
Eine repräsentative Willensbildung soll nicht nur der Funktionsfähigkeit, sondern auch der Rationalität demokratischen Handelns dienen. Darauf, dass die Demokratie durch eine repräsentative Verfassung zu kultivieren sei, wies vor allem Jean Louis de Lolme hin:[20] Wenn das Volk durch von ihm bestellte Repräsentanten an den politischen Entscheidungen teilnehme, könne man ihm nicht, wie etwa der altrömischen Volksversammlung, von heiligen Hühnern etwas vorschwatzen. Vielmehr lägen die Entscheidungen dann in den Händen einer überschaubaren Anzahl politisch informierter und engagierter Persönlichkeiten. Deren Verhandlungen spielten sich in einem geordneten Verfahren ab.[21] So gewährleistet (kann man hinzufügen) die Gliederung der Volksvertretung in Regierungspartei und Opposition, dass die Willensbildung der Repräsentanten wenigstens der äußeren Form nach als Austausch von Argumenten und nicht als solidarische Zustimmung strukturiert wird. Zudem baute de Lolme auf die Kontrolle durch eine informierte öffentliche Meinung.[22] Dass die moderne repräsentative Demokratie trotz aller Bemühungen um ihre Kultivierung stark mit oligarchischen Komponenten durchsetzt ist,[23] bleibt gleichwohl unbestritten.
Wesentliche Merkmale der Demokratie
Ein Staat gilt als demokratisch, wenn die folgenden Kriterien zutreffen:Es gibt einen Demos (das Volk), welcher politische Entscheidungen in kollektiven Prozeduren (Wahlen oder Abstimmungen) trifft.
Das Volk ist der souveräne Träger der Staatsgewalt (Volkssouveränität). Es gibt sich selbst (meist durch eine Verfassung) ein politisches System (verfassungsgebende Gewalt).
Es gibt ein Territorium, in dem die Entscheidungen innenpolitisch angewendet werden und in dem der Demos angesiedelt ist: das Staatsgebiet. Weil dieses im Regelfall mit der Heimat des Demos korrespondiert, stimmen Demos und Reichweite des demokratischen Prozesses überein. Kolonien von Demokratien werden selbst nicht als demokratisch betrachtet, wenn sie vom demokratischen Mutterland regiert werden. (Demos und Territorium stimmen nicht überein.).Umgekehrt gilt jedoch: Ist die Bevölkerung (auch deutlich) größer als der Demos und somit das Territorium und die Bevölkerung ebenfalls divergieren, wird im Allgemeinen trotzdem von einer Demokratie gesprochen (Ausländerproblematik bei Wahlen).
Es gibt für politische Normen eine Entscheidungsfindungsprozedur, die entweder direkt (als Referendum) oder indirekt (über die Wahl eines vertretenden Parlamentes) funktioniert. Diese Prozedur wird vom Demos bereits dadurch als legitimiert betrachtet, dass sein Ergebnis „akzeptiert“ wird. In einer repräsentativen Demokratie wird die politische Legitimität der Repräsentanten aus der Bereitschaft der Bevölkerung abgeleitet, die Entscheidungen des Staates (auch die der Regierung und der Gerichte) entgegen individuellen Vorzügen und Interessen zu akzeptieren oder hinzunehmen. Dies ist deshalb wichtig, weil demokratische Wahlen immer Gewinner und Verlierer haben. Zumindest muss die Prozedur geeignet sein, Regierungswechsel herbeizuführen, sofern eine ausreichende Unterstützung dafür existiert. Scheinwahlen, die ein existierendes Regime nur bestätigen können, sind nicht demokratisch.
Im Fall von Nationalstaaten müssen diese souverän sein: Demokratische Wahlen sind nutzlos, wenn eine Autorität von außen das Ergebnis überstimmen kann. Ausnahmen kann es im Falle der Suzeränität geben (Beispiel Island).
Ein unverzichtbares Merkmal einer Demokratie ist schließlich, dass durch wiederkehrende, verbindlich festgelegte Verfahren die Regierung ohne Revolution wechseln kann. In vorwiegend direkt-demokratischen Systemen entscheidet das Volk zum Beispiel mittels Volksabstimmungen und kooperativer Planung in Sachfragen selbst. In repräsentativen Demokratien werden hierzu von den Bürgern Repräsentanten gewählt (oder in der Vergangenheit auch per Los bestimmt), die die Herrschaft ausüben sollen.Obwohl die Staatsform der Demokratie dies per Definition nicht unbedingt miteinschließt, wird sie im äußeren, modernen, vor allem westlich geprägten Bild meist mit einer gewissen Form der Rechtsstaatlichkeit verbunden (siehe auch entsprechender Abschnitt). Mindestens zu nennen sind dabei:Garantie der Grundrechte jedes Einzelnen gegenüber dem Staat, gegenüber gesellschaftlichen Gruppen (insbesondere religiösen Gemeinschaften) und gegenüber anderen Einzelpersonen.
Gewaltenteilung zwischen den Staatsorganen Regierung (Exekutive), Parlament (Legislative) und Gerichten (Judikative).
Meinungs-, Presse- und Rundfunkfreiheit.Die demokratische Entscheidung
Damit eine Wahl in repräsentativen Demokratien, bzw. eine Abstimmung in direkten Demokratien demokratischen Mindeststandards entspricht, müssen neben dem Mehrheits- oder Konsensprinzip weitere Kriterien erfüllt sein. Die konkrete Ausprägung dieser Kriterien hängt vom jeweiligen Wahlverfahren ab.Allgemeine Wahl: Jeder Wahlberechtigte darf an Wahlen und Abstimmungen teilnehmen (aktives Wahlrecht) und besitzt ein passives Wahlrecht.
Gleiche Wahl: Jeder Wahlberechtigte hat gleich viele Stimmen.
Freie Wahl: Es darf kein Zwang auf die Wähler ausgeübt werden.
Unmittelbare Wahl: Bei einer Personenwahl wird die Stimme unmittelbar einem Kandidaten gegeben.
Geheime Wahl: Um die freie Wahl zu sichern, wird häufig geheim abgestimmt. Dabei sollte auch hinreichend viel Zeit für die Entscheidung zur Verfügung stehen.Als Ergebnis der Freiheit, zu kandidieren (passives Wahlrecht), kann es zur Situation kommen, dass nur ein Kandidat zur Wahl steht. Eine echte Entscheidung kann freilich nur getroffen werden, wenn es mehrere Alternativen gibt. Dennoch gilt aber auch eine Abstimmung mit nur einer Alternative als demokratisch, sofern die anderen Demokratiekriterien gewahrt bleiben.
Eine Demokratie setzt die Einhaltung der Grundrechte voraus. Insbesondere gilt dies für dieMeinungsfreiheit und Pressefreiheit: Der politischen Entscheidung sollte ein freier Austausch der Meinungen und Standpunkte vorausgehen.
Organisationsfreiheit: Damit ist die Freiheit gemeint, frei Parteien und Organisationen zu bilden.
Rezipientenfreiheit: Im Idealfall sollte jeder Teilnehmer wissen und verstehen, was er entscheidet. Da Wissen und Verstehen aber nur schwer überprüfbar sind, gilt als Demokratiekriterium der freie Zugang zu allen Informationen, die für die Entscheidung maßgeblich sind.Geschichte
Die Geschichte der Demokratie ist eng verknüpft mit der Entwicklung der Idee des Naturrechts, die wiederum eng verwandt ist mit dem Begriff der Menschenrechte. Ihre Wurzeln finden sich bereits in den akephalen (herrschaftsfreien) traditionellen Gesellschaften (z.&#160;B. Jäger und Sammler-Gemeinschaften), die von dem Soziologen Thomas Wagner als „egalitäre Konsensdemokratie“ bezeichnet wurden.
Antike
Kleisthenes von Athen, „Vater der attischen Demokratie“.
Ausgehend von den Naturrechten wurde die Idee der Gleichberechtigung der Freien entwickelt, die sich in den frühen Ansätzen demokratischer Gesellschaften wiederfindet. Die Mitgestaltungsbefugnisse eines Menschen hingen zunächst vom Status der Person ab: Nur freie Bürger hatten diese Rechte inne – was Sklaven, Frauen und Nicht-Bürger (z.&#160;B. Ausländer) ausschloss.
Griechische Stadtstaaten
Als frühestes Beispiel einer Demokratie in der Geschichte wird die antike Attische Demokratie angesehen, die nach heftigem Ringen des Adels und der Reichen mit dem einfachen Volk errichtet wurde. Sie gewährte allen männlichen Vollbürgern der Stadt Athen ab dem 30.Lebensjahr Mitbestimmung in der Regierung. Ausgeschlossen blieben Frauen, Zugezogene, unter 30 jährige und Zehntausende von Sklaven. Die Anzahl der Vollbürger betrug etwa 30.000 bis 40.000 Männer, das waren rund 10&#160;% der Gesamtbevölkerung. Bei wichtigen Entscheidungen, z.&#160;B. über Krieg und Frieden, mussten mindestens 6.000 anwesend sein. Beamte (z.&#160;B. die Archonten) wurden ursprünglich durch das Los bestimmt – abgesehen von den Strategen, welche für die Armee zuständig waren und im Krieg eine große Rolle spielten. Da sie allerdings eine große Verantwortung trugen, wurden sie nach einer Niederlage z.&#160;T. durch das Scherbengericht für 10 Jahre aus Attika verbannt.
Diese antike Staatsform war nicht unumstritten, gewährte sie doch beispielsweise den Bürgern das Recht, Mitbürger, die als gefährlich für die Demokratie angesehen wurden, mit Hilfe des sogenannten Scherbengerichts (Ostrakismos) in die Verbannung zu schicken. Auch waren die Beschlüsse der Volksversammlung leicht beeinflussbar. Demagogen spielten nicht selten eine fatale Rolle in der Politik Athens.
Auch in anderen Poleis des attischen Seebunds wurden Demokratien eingerichtet, die aber vor allem dafür sorgen sollten, dass die Interessen Athens gewahrt wurden.
Der Althistoriker Christian Meier erklärte die Einführung der Demokratie durch die antiken Griechen folgendermaßen: Demokratie sei die Antwort auf die Frage gewesen, wie es der Politik gelingen könne, auch die Herrschaft selbst zum Gegenstand von Politik zu machen. Aufgrund der Unzufriedenheit breiter Bevölkerungsschichten im griechischen Mutterland in spätarchaischer Zeit (7. und 6. Jahrhundert v. Chr.) und des Vorhandenseins unabhängigen und öffentlichen politischen Denkens, kam es zuerst zur Vorstufe der Demokratie, der Isonomie. Nicht zuletzt auf Grund der Erfolge der freien griechischen Poleis während der Perserkriege wurde diese Entwicklung beschleunigt und fand ihren Endpunkt in der attischen Demokratie, in der die Bürger in Athen die Möglichkeit bekamen, in einer auf breiteren Schichten basierenden politischen Ordnung mitzuwirken.[24]
Aristoteles’ politisches Denken
(Erste) Staatsformenlehre nach AristotelesZahl der
Herrschenden
Zum Nutzen
aller
Zum Nutzen der
Regierenden
Einer
Monarchie
Tyrannis
Einige
Aristokratie
Oligarchie
Alle
Politie
DemokratieAristoteles verwendet den Begriff Demokratie in seinem Werk Πολιτικά (Politik) zunächst negativ, um die Herrschaft der freigeborenen Armen zu bezeichnen. Diese nach seiner Auffassung verfehlte Staatsform würde nicht das Wohl der Allgemeinheit, sondern nur das Wohl des herrschenden Teils der Bevölkerung (eben der Armen) verfolgen. Allerdings lehnt er die Beteiligung des einfachen Volkes – in gemäßigter Form – nicht strikt ab, wie etwa noch sein Lehrer Platon dies tat, wovon seine „Summierungstheorie“ ein Zeugnis abgibt. Im Rahmen seiner sogenannten zweiten Staatsformenlehre liefert Aristoteles darüber hinaus eine differenzierte Theorie der Demokratie und ihrer Formen.
Letztendlich aber plädiert er für eine Form der Mischverfassung zwischen Demokratie und Oligarchie als stabilster und gerechter Staatsform: für die sogenannte Politie. In ihr hat das Volk über die Wahl der Beamten und die Kontrolle ihrer Amtsführung seinen rechtmäßigen Anteil an der Regierung, die insgesamt zum allgemeinen Wohl und nicht zu Lasten eines Teils des Staates (z.&#160;B. der Wohlhabenden) ausgeübt werde.
Als Grundlage der demokratischen Staatsform bezeichnete Aristoteles die Freiheit (Pol. VI). Da die Freiheit wichtigste Eigenschaft der Demokratie sei, wollten sich Demokraten am liebsten nicht regieren lassen, oder dann doch nur abwechslungsweise. Zur Freiheit gehöre also, dass man abwechselnd regiere und regiert werde: „Alle Ämter werden aus allen besetzt, alle herrschen über jeden und jeder abwechslungsweise über alle“. Diese Ämter würden durch Los besetzt, vorzugsweise alle, jedoch diese, die nicht besonderer Erfahrung oder Kenntnisse bedürften. Die Ämter seien alle kurzfristiger Natur und dürften – abgesehen von Kriegsämtern – nur wenige Male besetzt werden.
Nach Aristoteles gibt es für die Freiheit drei Bedingungen:Autonomia (altgriechisch&#160;αὐτονομία, „Autonomie, Selbstgesetzgebung“, aus αὐτός autós „derselbe“ und νόμος nómos „Gesetz“): In einer Demokratie hat also jeder Anteil am Gesetz, und zwar insofern, als das Zustandekommen des Gesetzes persönliche und direkte Anteilnahme verlangt. Man gibt sich selber eine Regel, und zwar nach dem, was man für gut erkannt, und hält sich dran.
Autochthonia („Selberdigkeit“, von altgriechisch&#160;αὐτόχθων autóchthon „eingeboren, aus demselben Land“, aus αὐτός autós „derselbe“, und χθών chthon „Erde“): Gemeint ist, dass das Volk alteingesessen, bodenständig und eingeboren sein solle. Mischung wird als Qualitätsminderung betrachtet.
Autarkia (altgriechisch&#160;αὐτάρκεια „Autarkie, Selbstversorgung“, aus αὐτός autós „derselbe“ und ἄρκος árkos „Abwehr, Burg“): Gemeint ist die vollständige Versorgung aus dem Eigenen und die Abwehr fremder Götter, Waren und Dinge, die identisch gesehen werden und Abhängigkeiten brächten, mithin im Widerspruch zur Freiheit ständen und das freie Wachsen der eigenen Kultur beeinträchtigten. Aristoteles sagte: Der Anfang aller Kultur ist Verzicht (ergänze: auf das Nicht-Eigene).Römische Republik
S.P.Q.R.: Senatus Populusque Romanus („Senat und Volk von Rom“), das Hoheitszeichen der Römischen Republik
Auch die Römische Republik verwirklichte bis zur schrittweisen, kontinuierlichen Ablösung durch den Prinzipat eine Gesellschaft mit rudimentären demokratischen Elementen, basierend auf der Idee der Gleichberechtigung der Freien bei der Wahl der republikanischen Magistrate, wenn auch das oligarchische Prinzip bestimmend war. Bei der Wahl der Konsuln war es so, dass aufgrund des Systems der Comitia Centuriata die Stimme eines Reichen deutlich mehr zählte als die eines Armen. Andererseits vertritt der Historiker Fergus Millar einen anderen Standpunkt und interpretiert die Römische Republik vielmehr als eine Art direkt-demokratisches Staatswesen. Die historisch bedeutendere Leistung Roms dürfte allerdings die Etablierung einer frühen Form eines Rechtsstaats sein – ein Konzept, das ebenfalls eng mit unserem heutigen Demokratieverständnis zusammenhängt.
Bei Marcus Tullius Cicero wird der Begriff der Demokratie als civitas popularis „romanisiert“ (De re publica, I), womit die spätrepublikanische Bezeichnung der Parteiung der „Popularen“ zum Namensgeber der entsprechenden Verfassungsform wird. Nach Cicero besticht diese Herrschaftsform durch die Freiheit, welche die Bürger in ihr genießen, wobei er diese aber auch stets durch die Gefahr der Zügellosigkeit der Masse bedroht sieht.
Mittelalter und Neuzeit
Mit dem Untergang des Römischen Reiches verschwand die demokratische Idee aber nicht vollständig von der politischen Bühne Europas. In verschiedenen Ländern stand man in der Tradition der germanischen Volksversammlung, dem Thing, die über Umwege den Grundstein für neuzeitliche Parlamente bildete:England: Thing (Folcgemot) → seit dem 7. Jh. Witenagemot → ab 1066 Curia Regis → 17. Jh., namentlich ab 1707 Britisches Parlament
Island: Althing ab 930, das älteste heute noch bestehende Parlament der Welt
Faröer: Løgting, eines der ältesten Parlamente seit ca. 900
Isle of Man: Tynwald, das älteste durchgängig aktive Parlament der Welt, bis 979 rückverfolgbar
Schweiz: Ding → Fürstenherrschaft → 1291 Gründung der Eidgenossenschaft zum Schutz der „alten Freiheiten“
Deutschland: Ding → Femegerichte und freie Reichsstädte mit Bürgerräten
Dänemark, Schweden, Norwegen: Thing bis ca. 12. Jahrhundert, ab da an Königsherrschaft. Heute heißen die Parlamente wieder Ting (Storting, Folketing)Eine neue Qualität der demokratischen Bewegung setzte aber erst mit der Entstehung des britischen Unterhauses (House of Commons) im 13. Jahrhundert ein. Dieses anfangs rudimentäre Parlament hatte nur sehr wenige Rechte und war der Macht des Monarchen fast schutzlos ausgeliefert. Mit der Entwicklung der absoluten Monarchie verringerten sich die Einflussmöglichkeiten sogar noch. Erst mit dem englischen Bürgerkrieg entstand im 17. Jahrhundert mit dem besagten Unterhaus eine Volksvertretung mit umfangreichen Rechten. Das bedeutendste Dokument des Parlamentarismus ist die Bill of Rights von 1689, in der das nach England eingeladene neue Königspaar Wilhelm und Maria dem Parlament Immunität, Verfügung über die Finanzen und Recht auf Zusammentretung ohne Aufforderung des Königs zugestand, und damit die Grundrechte eines modernen Parlaments schuf. Die erste neuzeitliche Demokratie war entstanden. Es gab Abgeordnete, wie John Lilburne, der im Gegensatz zum System der attischen Demokratie, die Abschaffung von Sklaverei, Leibeigenschaft, dafür aber ein allgemeines und gleiches Wahlrecht für alle Männer forderten, die als „frei geboren“ gelten sollten. Lilburne war Wortführer der sogenannten Levellers („Gleichmacher“). Diese Sichtweisen stießen jedoch auf den Widerstand der Oberschicht. So wurde er unter der Herrschaft Oliver Cromwells jahrelang inhaftiert. Wie bereits die antiken Herrscher, so betrachtete auch die Oberschicht alle demokratischen Bewegungen mit größtem Misstrauen und warf ihnen aus Angst vor dem Verlust ihrer Privilegien vor, den Pöbel an die Macht bringen zu wollen.
1755 schrieb Pasquale Paoli eine Verfassung für Korsika.[25] Es handelt sich dabei um eine Mischverfassung nach antikem Vorbild mit demokratischen Elementen, die sich auch aus regionalen Traditionen Korsikas speisten. Sie ist damit die erste moderne Verfassung weltweit.[26]
1762 veröffentlichte Jean-Jacques Rousseau seine Idee vom Gesellschaftsvertrag (Du contract Social; ou Principes du Droit Politique) und etablierte mit dieser Vertragstheorie die identitäre Demokratie, die Herrscher und Beherrschte gleichsetzt. Das so entstandene Prinzip der Volkssouveränität basiert auf dem Gemeinwillen, der volonté générale. Auch die von John Locke und Charles Montesquieu etablierte Gewaltenteilung in Legislative, Judikative und Exekutive wird als elementarer Bestandteil eines modernen demokratischen Rechtsstaates betrachtet.
Zu dieser Zeit hatten sich in Nordamerika 5 Indianerstämme zum Bund der Irokesen zusammengeschlossen und sich eine Räteverfassung gegeben. Benjamin Franklin und andere amerikanische Staatsmänner ließen sich hinsichtlich der Ausgestaltung der amerikanischen Verfassung unter anderem von den Irokesen anregen.[27]
Die Vorarbeiten dieser Philosophen, das Vorbild des englischen Parlamentarismus und auch das Vorbild der irokesischen Verfassung fanden Berücksichtigung, als mit der Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika 1787 der erste moderne demokratische Staat entstand. Polen-Litauen gab sich als mit der Verfassung vom 3. Mai 1791 eine demokratische Staatsordnung. Dabei wurde mit der Einführung der „Landbotenkammer“ das politische Mitspracherecht, das bis dahin auf den Adel beschränkt war, auf das wohlhabende Bürgertum ausgedehnt. Diese Prozesse inspirierten die Französische Revolution und führten zu einer schrittweisen Demokratisierung anderer europäischer Länder, wobei der englische Parlamentarismus besondere Erwähnung verdient.
Zahlreiche der heute in Europa anzutreffenden demokratischen Regierungsformen basieren auf landesspezifischen aristokratischen Vorläufermodellen. Die herrschenden Schichten Adel, Kirchenvertreter und wohlhabendes Bürgertum nahmen im Mittelalter und der frühen Neuzeit in den Landständen ihre politischen Rechte gegenüber dem Herrscher im Sinne ihrer Standesinteressen wahr. Das betraf insbesondere Territorial- und Grenzkonflikte, Kriegsdienste und Steuererhebung, Fragen der Gewaltenteilung und der Herrscherwahl (siehe auch Ständeordnung). Die weitere neuzeitliche Entwicklung der Demokratie in Europa im 17. und 18. Jahrhundert ist eng mit dem Republikanismus verbunden. Unter Revolutionären der amerikanischen und französischen Revolution gab es durchaus Bedenken, ob Demokratie im Sinne einer Beteiligung des gesamten Volkes an der Macht stabil bleiben könne oder sich zu einer Pöbelherrschaft entwickeln würde. Auch war die Demokratie in dieser Zeit der Skepsis ausgesetzt, ob sie in großen Flächenstaaten, die sich von den antiken Demokratien auch dadurch unterschieden, dass sich die Bürger untereinander nicht persönlich kannten, überhaupt verwirklicht werden könne. Ein weiteres Problem wurde in den im Vergleich zu antiken Demokratien größeren sozialen und kulturellen Unterschieden in der Bevölkerung gesehen.[28]
Nach den Berichten von Freedom House, einer amerikanischen Organisation, die die Entwicklung der Demokratie weltweit beobachtet, gab es im Jahre 1900 weltweit 55 souveräne Staaten, von denen keiner eine Demokratie war. Dies liegt daran, dass die freiheitlich verfassten Staaten dieses Jahres kein passives Wahlrecht für Frauen kannten, was nach den Kriterien von Freedom House eine Grundvoraussetzung für eine Demokratie ist. Im Jahr 1950 gab es unter den nunmehr 80 souveränen Staaten immerhin schon 22 Demokratien. Für 1999 zählt Freedom House 192 souveräne Staaten und fast die Hälfte, 85 Staaten, zu den Demokratien. Entscheidend für diese Einstufung sind zwei Kriterien: politische Rechte (political rights) und Bürgerfreiheiten (civil liberties), die in diesen Ländern Mindeststandards genügen. Unter den hinzugekommenen Staaten sind viele junge Demokratien, die erst in den letzten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts in Osteuropa, Asien und Lateinamerika entstanden sind.
Demokratieformen
Demokratie ist eine wandelbare Herrschaftsform. Im Laufe der Geschichte und in der politikwissenschaftlichen Theorie hat sie sehr unterschiedliche Ausgestaltungen erfahren.
Direkte Demokratie
→ Hauptartikel: Direkte Demokratie
Abstimmung einer Landsgemeinde im Schweizer Kanton Glarus, 2006 – eine immer noch praktizierte Form der direkten Demokratie
In der unmittelbaren bzw. direkten Demokratie nimmt das Volk unmittelbar und unvertretbar durch Abstimmungen über Sachfragen am Staatsgeschehen teil. Das ausgeprägteste direktdemokratische System besteht in der Schweiz.
In vielen Staaten wird das politische System durch einzelne Elemente direkter oder plebiszitärer Demokratie ergänzt.
In weiten Teilen der 68er- und Alternativbewegungen war statt direkter Demokratie der Begriff „Basisdemokratie“ üblich. Direkte Demokratie oder zumindest die Einführung von mehr plebiszitären Elementen auf Bundes- und Landesebene galten als erklärte Ziele.
Repräsentative Demokratie
→ Hauptartikel: Repräsentative Demokratie
Plenarsaal eines Parlaments (hier: Deutscher Bundestag) – typisches Organ einer repräsentativen Demokratie
In der Repräsentativen Demokratie sind Repräsentanten des Volkes für eine begrenzte Zeit zur Machtausübung autorisiert. Nach Ablauf dieser Periode muss über die Zusammensetzung der Volksvertretung durch Wahl neu entschieden werden. Die Periode beträgt üblicherweise mehrere Jahre. In vielen Staaten hat sich ein Zeitraum von 4 bis 8 Jahren eingebürgert. Repräsentiert wird das Volk nicht nur in den gesetzgebenden Organen (Parlament, Rat) sondern auch in den gesetzesausführenden Organen (Regierung, Verwaltung). Letztere werden gelegentlich nicht vom Volk direkt gewählt, sondern indirekt über Volksvertreter.
Bei Wahlen als politischer Beteiligungsform geht die Staatsgewalt insoweit vom Volke aus, als dieses die Repräsentanten wählt (Personen oder Parteien), die die politischen Entscheidungen für die Zeit der nächsten Wahlperiode treffen. Beim reinen Verhältniswahlrecht kann der Wähler eine Partei benennen, die seinen politischen Vorstellungen am nächsten kommt. Im Parlament sind die Parteien dann mit der Stärke vertreten, die ihrem Stimmenanteil entspricht. Beim reinen Mehrheitswahlrecht zieht aus jedem Wahlkreis derjenige Bewerber ins Parlament ein, der dort die meisten Stimmen auf sich vereint. Auch verschiedene Mischformen kommen vor.
Demarchie
→ Hauptartikel: Demarchie
In der Demarchie werden Volksvertreter und Regierung nicht vom Volk gewählt, sondern per Zufallsauswahl aus dem Volk bestimmt. Die Demarchie ist vom Charakter her zwischen direkter und repräsentativer Demokratie einzuordnen. Dies wird deutlich, wenn man einerseits Entscheidungen in der Demarchie als über eine Stichprobe ermittelte Volksmeinung ansieht, was der direkten Demokratie entspricht. Andererseits kann man die per Zufallsauswahl Ermittelten im Sinne der repräsentativen Demokratie als Repräsentanten des Volkes ansehen, die nur auf andere Weise bestimmt wurden.
Mischformen
Plebiszitäre Demokratie
Die meisten modernen Demokratien sind repräsentative Demokratien mit direktdemokratischen Elementen auf nationaler und/oder kommunaler Ebene. Das Volk trifft sowohl Personal- als auch Sachentscheidungen (Plebiszite). Eine solche Mischform nennt man plebiszitäre Demokratie. Die Gewichtung der repräsentativen und direktdemokratischen Elemente kann dabei von Staat zu Staat unterschiedlich ausfallen. Deshalb unterscheidet man weiter zwischen halbdirekter, gemischter und bedingt repräsentativer Demokratie.
Der Begriff plebiszitäre Demokratie[29] wird daneben auch als Sammelbezeichnung für alle volksunmittelbaren Abstimmungen (Sachentscheidungen) verwendet. In der Schweiz ist der Begriff insofern gleichbedeutend mit Volksrechte.
Die Schweiz ist auf nationaler, kantonaler und kommunaler Ebene eine plebiszitäre Demokratie, wobei auf nationaler und in den meisten Kantonen auch auf kantonaler Ebene und in größeren Städten auf kommunaler Ebene ein Parlament legislativ tätig ist, und das Volk bei Parlamentsentscheiden nur über Verfassungsänderungen und über Gesetzesänderungen abstimmt. Zusätzlich gibt es für das Volk noch das Recht der Verfassungsinitiative, bei dem eine Anzahl Bürger eine Änderung der Verfassung vorschlagen kann, über die abgestimmt werden muss. Zudem kann mit genügend Unterschriften eine Volksabstimmung über ein vom Parlament beschlossenes Gesetz erzwungen werden. Einige kleine Kantone haben statt des Parlaments die Landsgemeinde. Auf kommunaler Ebene gibt es in kleineren Orten keine Volksvertretung, sondern Entscheide, die direkt in einer Bürgerversammlung diskutiert und abgestimmt werden.
Rätedemokratie
→ Hauptartikel: Räterepublik
Das Rätesystem stellt eine weitere Mischform zwischen direkter und repräsentativer Demokratie dar.
Präsidentielle und parlamentarische RegierungssystemeRegierungssysteme der WeltRepublikanische Staatsform:
präsidentielles Regierungssystem
semipräsidentielles Regierungssystem
parlamentarisches Regierungssystem
parlamentsgebundene Exekutivgewalt
EinparteiensystemMonarchische Staatsform:
parlamentarische Monarchie
konstitutionelle Monarchie
absolute Monarchieverfassungsmäßige Regierung gestürzt
(de facto meist Militärdiktaturen)
sonstige Systeme
oder unklare politische SituationenStand: 2012
Um den Bestand einer Demokratie nicht durch Machtkonzentration zu gefährden, werden üblicherweise nach dem Prinzip der Gewaltenteilung die Gesetzgebung und die Regierung voneinander getrennt. In der Praxis sind beide nicht unabhängig voneinander zu sehen (etwa über Parteizugehörigkeiten): Die Fraktion, die in der Volksvertretung die Mehrheit hat, stellt in der Praxis meist auch die Regierung. Das Gewaltenteilungsprinzip wird dadurch teilweise durchbrochen (siehe auch Fraktionsdisziplin). Der Unterschied zwischen einem eher präsidentiell und einem eher parlamentarisch ausgerichteten Regierungssystem liegt im Ausmaß der Abhängigkeit der Regierung von der Volksvertretung.Präsidentielle Systeme (etwa die USA) zeichnen sich durch eine starke Stellung des Regierungschefs gegenüber dem Parlament aus. Er ist gleichzeitig Staatsoberhaupt und dem Parlament gegenüber nicht verantwortlich, wiewohl es meist eine Möglichkeit für ein Amtsenthebungsverfahren gibt.
In parlamentarischen Systemen hat sich die Regierung gegenüber dem Parlament zu verantworten. Dieses regiert daher in gewisser Weise mit. Es kann beispielsweise die Regierung unter bestimmten Voraussetzungen entlassen oder eine neue einsetzen (so etwa in Deutschland).
Semipräsidentielle Systeme sind eine Mischform. Staatspräsident und Regierungschef (Ministerpräsident) sind zwei unterschiedliche Personen mit gleichmäßig verteilter Macht (so etwa in Frankreich). Während die Regierung auch hier dem Parlament gegenüber verantwortlich ist, ist der direkt gewählte Staatspräsident in seinem Aufgabenbereich weitgehend unabhängig in seiner Machtausübung.Der Unterschied der Systeme wird beim Zustimmungserfordernis für bestimmte Entscheidungen deutlich: in den USA etwa kann der Präsident frei einen Militäreinsatz befehlen, in Deutschland benötigt der Bundeskanzler (Regierungschef) hierfür ein positives Votum des Parlamentes (→&#160;Prinzip der Parlamentsarmee).
In präsidentiell orientierten Systemen wird der Präsident häufig direkt durch das Volk gewählt, um die starke Machtstellung durch stärkere Nähe zum Souverän besser zu legitimieren. Der Gewählte kann politische Opponenten auf seine hervorgehobene demokratische Legitimation und Machtfülle verweisen. In einer parlamentarischen Demokratie wird die Regierung meist vom Parlament gewählt und kann vom Parlament durch ein Misstrauensvotum auch wieder abgesetzt werden. Umgekehrt kann häufig auch das Parlament durch die Regierung aufgelöst werden.
Mehrheitsdemokratie, Konkordanzdemokratie und Konsensdemokratie
In Mehrheitsdemokratien wird die Regierung aus Parteien zusammengesetzt, die gemeinsam im Parlament die Mehrheit haben. Damit hat die Regierung gute Chancen, ihr politisches Programm beim Parlament durchzusetzen. Bei einem Regierungswechsel kann jedoch eine entgegengesetzte Politik eingeschlagen werden. Großbritannien und die Vereinigten Staaten von Amerika sind Beispiele für Mehrheitsdemokratien.
In einer Konkordanzdemokratie werden öffentliche Ämter nach Proporz oder Parität verteilt. Alle größeren Parteien und wichtigen Interessengruppen sind an der Entscheidungsfindung beteiligt und die Entscheidung ist praktisch immer ein Kompromiss. Der Entscheidungsprozess braucht mehr Zeit und große Veränderungen sind kaum möglich, andererseits sind die Verhältnisse auch über längere Zeit stabil und es werden keine politischen Entscheide bei einem Regierungswechsel umgestürzt. Die Schweiz ist ein Beispiel für eine Konkordanzdemokratie. Die Abgrenzung von Konkordanz- und Konsensdemokratie ist schwierig und variiert sehr stark je nach Autor.
Konsensdemokratien zeigen gemeinhin eine ausgeprägte Machtteilung in der Exekutive, ein gleichberechtigtes Zwei-Kammern-System, die Nutzung des Verhältniswahlrechts und eine starre, nur durch Zweidrittelmehrheit zu ändernde Verfassung. Deutschland wird daher als Konsensdemokratie gesehen.
Scheindemokratie und Defekte Demokratie
→ Hauptartikel: Scheindemokratie
Gegenwärtig stellt sich kaum ein Staat der Welt nach außen nicht als demokratisch dar. Der Begriff „Demokratie“ wird oftmals bereits im Staatsnamen geführt. Dennoch weisen zahlreiche Staaten, obwohl sie sich als Demokratien darstellen und benennen, Defizite in der Verwirklichung wesentlicher demokratischer Elemente und Grundrechte (beispielsweise freie, gleiche und geheime Wahlen oder Abstimmungen, Meinungs- und Pressefreiheit) auf. Solche Staaten und politischen Systeme, die sich zwar den Anschein einer Demokratie geben, den etablierten Ansprüchen an eine Demokratie aber nicht genügen, werden als Scheindemokratie bezeichnet. Demokratiemessungen versuchen den tatsächlichen Demokratisierungsgrad eines Staates oder politischen Systems zu erfassen.Demokratie-Index des The Economists von 2012: je grüner, desto „demokratischer“, je roter, desto autoritärer ist der Staat→ Hauptartikel: Defekte Demokratie
Als defekte Demokratie werden in der vergleichenden Politikwissenschaft politische Systeme bezeichnet, in denen zwar demokratische Wahlen stattfinden, die jedoch gemessen an den normativen Grundlagen liberaler Demokratien (Teilhaberechte, Freiheitsrechte, Gewaltenkontrolle etc.) verschiedene Defekte aufweisen. Man unterscheidet innerhalb der Defekten Demokratien: Exklusive Demokratie, Illiberale Demokratie, Delegative Demokratie und Enklavendemokratie. Das Konzept der defekten Demokratie ist in der Politikwissenschaft umstritten.
Wirkungen und Probleme der Demokratie
Demokratische Strukturen haben sich in vielen Staaten durchgesetzt, ebenso in einigen Kirchen, zum Beispiel in Presbyterianische Kirchen, der Evangelisch-methodistische Kirche und Schweizer Landeskirchen (in der Schweiz werden sogar katholische Pfarrer von der Gemeinde gewählt).
Gesamtgesellschaftliche Perspektive
Der demokratische Gedanke bedarf einer Verwirklichung in der Gesellschaft. In Demokratien kann ein wesentlicher, wenn nicht der entscheidende Prozess der politischen Meinungs- und Willensbildung bei den Bürgern verortet werden. Dies entspricht schon dem Demokratieverständnis der Antike, als Marktplatz, Agora oder Forum bedeutende Orte der politischen Meinungsbildung waren. Aber auch entsprechend zahlreichen demokratietheoretischen Überlegungen der Gegenwart wird einer zivilgesellschaftlich verankerten politischen Öffentlichkeit zentrale Bedeutung als Bedingung funktionsfähiger Demokratie zugemessen.[30]
Eine besondere Situation ergibt sich in jenen Staaten, die einen abrupten Wechsel zur Demokratie vollziehen, wie dieses zum Beispiel 1918, 1945 und 1990 in Deutschland erfolgt ist (Demokratisierung). Es zeigen sich in solchen Fällen über die oben genannten Einflüsse hinaus Nachwirkungen der abgelegten Systeme, die auf Grund der damit einhergehenden sozialen und ökonomischen Verwerfungen zu signifikanten Akzeptanzproblemen führen können. Die vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Daten ergeben für die Bundesrepublik Deutschland eine abnehmende Akzeptanz der Demokratie. Die Zahl derer, die in den alten Bundesländern eine andere Staatsform als die Demokratie besser finden, ist im Zeitraum von 2000 bis 2005 von 9&#160;% auf 17&#160;% gestiegen, in Ostdeutschland von 27&#160;% auf 41&#160;%. Hierbei stehen Arbeitslose und Arbeiter der Demokratie am Kritischsten gegenüber (Quelle: Datenreport 2006). Auch andere Untersuchungen, wie etwa die im November 2006 bekannt gewordene Studie Vom Rand zur Mitte[31] über den Rechtsextremismus in Deutschland, deuten den gleichen Sachverhalt an. Globalisierung, Sozialabbau und Zuwanderung haben dazu geführt, dass das Zutrauen der Europäer in die Demokratie schwindet. Die Euphorie von 1989, dem welthistorischen Durchbruch des demokratischen Gedankens, ist verflogen. In den Mühen der Ebene wächst der Wunsch nach Umkehr zu alten Ordnungen und Gewissheiten. Die Wertordnung des Westens hat in den neuen osteuropäischen EU-Mitgliedstaaten die einstige Strahlkraft verloren. Und auch im alten Westen wachsen Zweifel an der freiheitlichen Verfassung und an den Vorzügen der Demokratie.[32] Die von der Mehrzahl der Printmedien nach Auffassung von Kritikern verfälscht dargestellten Schlüsse aus diesen empirischen Befunden sehen nach deren Auffassung darüber hinweg, dass es sich bei diesen Ergebnissen um Urteile über die real existierende Demokratie handelt und deshalb nicht zwangsläufig eine Ablehnung der verfassungsgemäß vorgesehenen Demokratie unterstellt werden kann.[33] Dieses selbstkritisch zu erkennen sei den meisten Medien nicht möglich, da sie selbst einem Politikverständnis aus vordemokratischer Zeit verhaftet seien. Durch Schlagzeilen und Leitartikel fördere die Presse eine Politik, die sich den Strömungen der Wirtschaft annähert.[34] Als Rechtfertigung würden häufig Effizienzargumente angeführt: „So wie die (Politiker) versuchen, den Staat zu lenken, könnte nicht ein Unternehmen zum Erfolg kommen.“ Hierbei würde übersehen, dass demokratisch verfasste Staaten auf die Herbeiführung eines Konsenses in oft langwierigen Abstimmungs- und Verhandlungsprozessen angewiesen sind. Insofern ist eine allein an der Geschwindigkeit und Effizienz orientierte Kritik an parlamentarischen Abläufen und die Rufe nach schnellen Expertenrunden zutiefst undemokratisch. Der Parteienforscher Franz Walter fasst die vorherrschende Haltung der Medien so zusammen: Der Siegeszug der Mediendemokratie habe „einen neoautoritären, planierenden Zug in die Politik gebracht“.[35]
Ein weiterer Maßstab für die demokratische Qualität des Staates ist sein Verständnis vom Menschen als Empfänger von Leistungen. Dass die staatlichen Verwaltungen kein Selbstzweck sind, sondern den Menschen dienen sollen, ist ein traditioneller Bestandteil der europäischen und speziell der deutschen Verwaltungskultur. Dennoch haben sich an vielen Stellen der Verwaltungen noch obrigkeitliche Vorstellungen erhalten, die mit dem Verständnis von Demokratie und Rechtsstaat unvereinbar sind, weil sie nicht von den Wirkungen auf die Menschen her konzipiert sind. Ein weiterer Grund hierfür ist die zunehmende Korruptionsanfälligkeit, die ihre Ursachen u.&#160;a. im allgemeinen Vorteilsdenken und schlechten Verdienstmöglichkeiten hat.[36]
Trotz diverser Schwächen der Demokratie ergibt sich vor dem Hintergrund vergangener und gegenwärtiger Faschismen und anderer totalitärer bzw. autoritärer Systeme eine positive Bilanz demokratischer Systeme, die entscheidend und nach Hermann Broch geradezu als Voraussetzung für die Entwicklung der Humanität gewirkt haben und noch wirken. Ein dauerhafter Bestand der Demokratie ist nach Broch jedoch erst dann gewährleistet, wenn sie sich zu einer Zivilreligion entwickelt hat.[37] Eine solche Zivilreligion wird auch von dem einflussreichen Politikwissenschaftler Benjamin R. Barber gefordert: „Wir brauchen eine Art weltweite Zivilreligion, also das, was wir auf US-amerikanischer Ebene bereits haben. Wir brauchen einen Zivilglauben, der Blut und lokale Zugehörigkeit übersteigt und es den Menschen ermöglicht, sich rund um gemeinsame Prinzipien zu organisieren“.[38]
Ausschluss von demokratischen Wahlen
Das Wahlrecht ist als Bürgerrecht teilweise aberkennbar. Beispielsweise dürfen Strafgefangene in manchen US-Staaten nicht wählen.
Dieses Recht hängt nicht an der Zugehörigkeit zur realen Bevölkerung sondern an der Staatsbürgerschaft. Frauen haben mittlerweile in anerkannten Demokratien ein Wahlrecht. In der Schweiz gibt es das Frauenwahlrecht allerdings erst seit 1971, Appenzell Innerrhoden führte es auf kantonaler Ebene als letzter Kanton und aufgrund eines entsprechenden Bundesgerichtsurteils erst 1990 ein (siehe auch: Frauenstimmrecht in der Schweiz). Ausländer, die die Staatsbürgerschaft nicht besitzen, dürfen sich auch gegenwärtig üblicherweise nicht an demokratischen Wahlen des Landes, in dem sie leben, beteiligen (weder passiv noch aktiv). Einige demokratische Staaten haben sehr hohe Ausländerquoten, zum Beispiel hat Luxemburg eine Ausländerquote von 43,5&#160;%, die Schweiz 21,7&#160;%, Spanien 12,3&#160;%, Österreich 10,3&#160;% und Deutschland 8,8&#160;% (Stand 2010). Allerdings gibt es Ausnahmefälle, in denen das Ausländerwahlrecht gewährt wird: In einigen Schweizer Kantonen und Gemeinden sind Ausländer stimmberechtigt. Auch dürfen EU-Bürger in EU-Staaten an politischen Wahlen auf kommunaler Ebene grundsätzlich teilnehmen – auch wenn sie Staatsbürger eines anderen EU-Staates sind.
Friedensfunktion
→ Hauptartikel: Demokratischer Frieden
Eine politikwissenschaftliche These ist die Idee des demokratischen Friedens. Sie besagt, dass Demokratien in der Geschichte bisher kaum Kriege gegeneinander geführt haben und wertet dies als positive Eigenschaft des demokratischen Systems. Allerdings kann zumindest die athenische Demokratie nicht als Beispiel für diese These herangezogen werden (wenngleich sie keine Demokratie im modernen Sinne war). Nach Kant sollen Demokratien deshalb vergleichsweise friedlich sein, da ihre Wähler sich ungern selber in einen Krieg schickten.[39] Dies wird jedoch von verschiedenen Friedens- und Konfliktforschern bestritten, denn einige empirische Untersuchungen ziehen diese These in Zweifel. Es konnte bislang nicht nachgewiesen werden, dass Demokratien insgesamt weniger Kriege führen als undemokratische Staaten. Gerade gegenüber Nicht-Demokratien wird die Verbreitung demokratischer Strukturen oft als Kriegsgrund angegeben. Untereinander aber führen Demokratien tatsächlich in signifikant geringerem Umfang Kriege, als dies zwischen in anderer Staatsform verfassten Nationen der Fall ist.[40]
Wirtschaftswachstum
Zum Zusammenhang zwischen Demokratie und Wirtschaftswachstum liegen Forschungen aus mehreren Jahrzehnten vor. Studien aus den 1980er Jahren kamen zu dem Schluss, dass einige Indikatoren politischer Freiheit statistisch signifikante positive Effekte auf Wachstum haben. Studien aus den 1990er Jahren kamen zu widersprüchlichen Ergebnissen. So kommt Barro (1996) zum Schluss, dass Demokratie und Wirtschaftswachstum nicht kausal miteinander in Verbindung stehen, sondern durch dritte Faktoren wie Humankapital gemeinsam beeinflusst werden. Rodrik (1997) stellt fest, dass es keinen starken, deterministischen Zusammenhang zwischen Demokratie und Wachstum gebe, wenn man andere Faktoren konstant hält.[41]
Mehrere Argumente werden in diesem Zusammenhang geäußert: Erstens erlaubten es Demokratien, unfähige, ineffiziente und korrupte Regierungen abzuwählen, wodurch auf lange Sicht die Qualität der Regierung höher sei. Autoritäre Regime könnten zufällig hochwertige Regierungen stellen, doch wenn sie es nicht tun, sei es schwerer, sie wieder loszuwerden. Laut Sen (2000) müssen die Regierenden in einer Demokratie auf die Wünsche der Wähler hören, wenn sie Kritik ausgesetzt sind und Unterstützung in Wahlen erlangen wollen.[41]
Auf der anderen Seite wird argumentiert, dass Interessengruppen durch Lobbyismus um Macht und Renten die Demokratie lähmen und für den Entwicklungsprozess bedeutsame Entscheidungen verhindern können. So argumentiert der ehemalige Premierminister von Singapur Lee Kuan Yew, dass das beachtliche Wachstum seines Landes in den letzten 30 Jahren angeblich nicht ohne die strengen Einschränkungen von politischen Rechten möglich gewesen wäre. Andere haben auf die erfolgreichen Wirtschaftsreformen der Volksrepublik China verwiesen und sie mit dem wirtschaftlich weniger erfolgreichen, aber demokratischeren Russland verglichen. Auch herrsche in manchen Demokratien (beispielsweise in Lateinamerika) eine ähnliche Machtstruktur wie in autoritären Regimes.[41]
Als weiteres Argument gegen die Auffassung, dass Demokratie wachstumsförderlich sei, ist, dass Demokratie Investitionen unterminieren könnte, indem sie Wünsche nach unmittelbarem Konsum deutlich ansteigen ließe.[42]
So kann der Schluss gezogen werden, dass eine Demokratisierung (z.&#160;B. politische Rechte, Bürgerrechte oder freie Presse) eine verbesserte Regierung nicht zwangsweise nach sich zieht. Rivera-Batiz (2002) bestätigt aus einer Analyse empirischer Daten zu 115 Ländern 1960–1990, dass Demokratie ein signifikanter Bestimmungsfaktor der totalen Faktorproduktivität nur dann ist, wenn demokratische Institutionen mit einer höheren Governance-Qualität (z.&#160;B. wenig Korruption, sichere Eigentumsrechte) einhergehen.[41]
Demokratie und RechtsstaatDieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Näheres ist eventuell auf der Diskussionsseite oder in der Versionsgeschichte angegeben. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung.
Die wesentlichen zwei Funktionen zur Erreichung und Wahrung von Freiheit und Sicherheit sind Demokratie (Selbstherrschaft des Volkes durch (Ab-)Wahl seiner Regierung) und Rechtsstaatlichkeit: Nicht Willkür, sondern nachprüfbare Anwendung schriftlich niedergelegter Gesetze soll Macht an den Bürgerwillen binden und durch Gerichte überprüfbar machen.
Es ist unstrittig, dass Mehrheiten in einer Demokratie Gesetze verabschieden und deren Durchsetzung veranlassen können, die Minderheitenrechte verletzen oder sogar dem Rechtsgedanken an sich zuwiderhandeln; Demokratie als äußere Form schützt nicht vor Entgleisungen, bewahrt nicht davor, dass die Mehrheit eine Minderheit unterdrückt oder zum Krieg ruft.
Es wurde in Philosophie und Staatstheorie oft diskutiert (mehr als abstraktes Denkmodell denn als Empfehlung für die Praxis): Wenn die Rechtsstaatlichkeit als gesichert angesehen werden könnte – ob dann Demokratie noch ein zwingendes Staatselement sein müsse?
Als sicher wird angesehen, dass Demokratie allein keinen Zustand der Freiheit und Sicherheit herstellen kann, weil das Misstrauen aller gegen alle durch die formalen Bestimmungen von Wahl, Regierungsbildung usw. allein nicht beseitigt werden kann. Nur das Vertrauen in die Institutionen kann gegenseitiges Misstrauen abbauen und allseitiges Vertrauen wachsen lassen.
Rechtsstaatlichkeit schafft Institutionen und Verfahren, die ihrerseits Vertrauen bilden und Macht an Recht binden. Demokratie als Sphäre der Politik lebt vom Meinungsstreit; der Rechtsstaat mit seinen Rechtsstreitigkeiten lebt vom Glauben an die Legitimität des Gesetzes und von der Treue gegenüber Recht und Verfassung.
Für wirtschaftliche Entscheidungen spielen die Beständigkeit der Rechtsordnung und die Vorhersehbarkeit bestimmter Entwicklungen (z.&#160;B. Steuergesetzgebung) eine große Rolle; Investoren suchen für langjährige und kapitalintensive Unternehmungen gerne eine Umgebung, die als berechenbar und sicher angesehen werden kann.
Dies führt nicht selten dazu, dass Rechtssicherheit völlig losgelöst von Demokratie akzeptiert wird. So ist das Engagement deutscher Unternehmen im vormals burischen Südafrika (Rassentrennung, Apartheid) oder im post-maoistischen China (kapitalistische Reformen bei totalem Herrschaftsanspruch der kommunistischen Partei) immer wieder kritisiert worden.In diesem Artikel oder Abschnitt&#160;fehlen folgende wichtige Informationen: Es fehlt die Kritik von Plato, Aristoteles, Tocqueville, Madison –Katach 06:11, 5. Okt. 2010 (CEST)
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Vermeintlich irrationale und ignorante Wähler
Seit Milton Friedman haben Ökonomen die Effizienz der Demokratie stark kritisiert. Die Kritik basiert auf der Annahme des ignoranten bzw. irrationalen Wählers. Argumentiert wird, dass Wähler bezüglich vieler politischer Themen, insbesondere ökonomischer, schlecht informiert seien und auch in ihnen besser bekannten Feldern systematischen Verzerrungen unterliegen würden. Bezüglich Ursachen und Folgen der Ignoranz von Wählern prägte Anthony Downs bereits 1957 die Idee der rationalen Ignoranz. In seinem Modell wägen Wähler den Kosten und den Nutzen der politischen Informationsbeschaffung und Wahlbeteiligung ab, was aus einer gesellschaftlichen Perspektive des Gemeinwohls wegen fehlendem Einfluss auf das Ergebnis zu irrationalen politischen Entscheidungen oder auch Nichtwählen führt.[43] Mancur Olson (1965) benennt die Tendenz in der Demokratie von handlungsfähigen, gut organisierten Interessengruppen zur politischen Einflussnahme (besonders sogenannter „privilegierter Gruppen“ von geringer Größe und mit Sonderinteressen wie z.&#160;B. Milchbauern, Stahlproduzenten oder Pilotengewerkschaften), die sich daraus ergibt, was Einzelne bereit sind dafür oder dagegen einzusetzen. Die große Mehrheit der Wähler entwickelt rationale Ignoranz, da der Einzelne nur zu einem jeweils sehr geringen Teil von einer rationalen Politik persönlich profitieren kann oder eine irrationale Politik finanzieren würde (z.&#160;B. Agrarsubvention) und sich daher nicht organisiert. Es kommt daher gar nicht erst zu einer Politik, die den Interessen der verschiedenen Mehrheiten als Ganzes am besten dient.[44] Daniel Kahneman, Amos Tversky (1982) und andere Vertreter der Verhaltensökonomik zeigten, dass Menschen eine Tendenz zum Status quo aufweisen, was in demokratischen Wahlen gesamtgesellschaftlich positive politische Reformen behindern könnte.
Empirische Befunde zur Ignoranz von Wählern gibt es seit Jahrzehnten. Häufig interessieren sich Wähler (allerdings von Land zu Land unterschiedlich stark ausgeprägt) wenig oder gar nicht für Politik und wissen auf vielen wichtigen Feldern nicht, wofür einzelne Parteien stehen. Nur 29&#160;% der erwachsenen US-Amerikaner kennen den Namen ihres Kongressabgeordneten, nur 24&#160;% kennen den 1. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten. Da Wähler nicht egoistisch wählen, sondern mit Blick auf das soziale Wohl, könnte diese Ignoranz über Politikzusammenhänge zum Problem werden.[45]
Der Ökonom Donald Wittman (1997) hat versucht, diese Kritik zu entkräften. Er argumentiert, dass Demokratie effizient sei, solange Wähler rational, Wahlen wettbewerblich, und politische Transaktionskosten gering sind. Mangelnde Information führe nicht zu Verzerrungen, da sich unter der Prämisse des rationalen Wählers Fehler im Durchschnitt ausgleichen würden.[46]
Laut manchen empirischen Befunden sind Wähler jedoch häufig irrational. Das Problem sei also nicht mangelnde Information, sondern systematisch verfehlte Interpretation von Informationen. So gibt es Nachweise für systematische Meinungsverschiedenheiten zwischen Experten und Laien. Beispielsweise halten Laien Paracelsus Grundsatz „Allein die Menge macht das Gift“ deutlich öfter für falsch als Naturwissenschaftler, und im Vergleich zu Wirtschaftswissenschaftlern unterschätzen Laien den Nutzen des Handels. Zweitens lassen sich auch innerhalb der Öffentlichkeit sich widersprechende Meinungen finden. So glauben etwa die Hälfte der US-Bürger, dass Gott die Menschen erschaffen habe oder dass Astrologie wissenschaftliche Erkenntnisse liefert. Wären die Bürger rational und wahrheitssuchend, könnten sich solche fundamentalen Meinungsunterschiede innerhalb der Bevölkerung nicht ergeben.[45][47]
Joseph Schumpeter schrieb zum Verhalten der Menschen im Bezug auf politische Angelegenheiten:“Thus the typical citizen drops down to a lower level of mental performance as soon as he enters the political field. He argues and analyzes in a way which he would readily recognize as infantile within the sphere of his real interests.”
„So fällt der typische Bürger auf eine tiefere Stufe der gedanklichen Leistung, sobald er das politische Gebiet betritt. Er argumentiert und analysiert auf eine Art und Weise, die er innerhalb der Sphäre seiner Interessen bereitwillig als infantil anerkennen würde.“
– Joseph A. Schumpeter: Capitalism, Socialism and Democracy[48]Zur Lösung der Demokratieprobleme gibt es seitens Bryan Caplan den Ansatz, mehr Entscheidungen aus der öffentlichen in die private Sphäre zu verlagern. Robin Hanson schlägt eine Futarchie vor, in der mehr Entscheidungen auf Prognosemärkten getroffen werden. Der Philosoph Jason Brennan befürwortet eine moderate Epistokratie, in der das Wahlrecht ausreichend kompetenten Bürgern vorbehalten wird.
Lobbyarbeit
→ Hauptartikel: Lobbyismus
Anne O. Krueger (1974) kritisierte, dass in Demokratien Unternehmen Ressourcen von ihrem produktiven Gebrauch in Lobbyarbeit umlenken, um Politische Renten zu erhalten, beispielsweise in Form von Protektionismus.
Kurzfristigkeit
Modernen Demokratien wird auch kurzfristiges Denken vorgeworfen. Speziell kritisiert werden institutionelle Mängel mit ökologischen Problemen umzugehen, die meist langfristig sind. Im Zentrum der Kritik stehen die kurzen Entscheidungshorizonte. So werden Entscheidungen meist nach 4 bis 5 Jahren bewertet (Ende der „Legislaturperiode“). Deshalb – so die Kritik – würden Entscheidungen, die sich anfänglich negativ auswirken und erst später Vorteile entfalten würden, meist nicht getroffen.[49]
Medien
→ Hauptartikel: Vierte Gewalt&#160;und Mediendemokratie
Die Medien gelten für eine funktionsfähige und freiheitliche Demokratie als essentiell. Sie erfüllen entscheidende Funktionen wie Kontrolle der politischen Abläufe und Informationsvermittlung. Oft wird die Presse daher als „vierte Gewalt“ bezeichnet. Damit diese Funktionen wahrgenommen und objektiv ausgeführt werden können, müssen die Medien jedoch unabhängig sein.
Da Massenmedien meinungsbildend wirken, können sie Einfluss auf die Bevölkerung, und damit auf die Politik, nehmen. Dies kann auch problematische Gestalt annehmen, wenn z.&#160;B. Medien das politische Klima und die politischen Entscheidungen in einem Land bestimmen („Mediendemokratie“). Andererseits können politische Akteure auch Einfluss auf die Medien nehmen und so die Wählenden manipulieren. Des Weiteren wird die Motivation der Medien kritisiert. Die Profitorientierung der Medien führt oft zum Primat der Einschaltquoten über sachlicher Berichterstattung und investigativem Journalismus. „Skandalisierung, Dramatisierung und Personalisierung lassen Argumente und politische Positionen zurücktreten.“[50]
Mehrheitsprinzip
Die Demokratie kann die Freiheit des Individuums unterdrücken, ähnlich wie in Diktaturen. Mehrheitsentscheidungen können zur Benachteiligung von Individuen führen, die nicht zu dieser Mehrheit gehören. Alexis de Tocqueville bezeichnete diese Problematik als „Diktatur der Mehrheit“.[51]
Zudem kritisiert die partizipatorische Demokratietheorie, dass zu wenig Mitentscheidungs- und Selbstverwirklichungsmöglichkeiten in der modernen Demokratie gegeben sind. Deshalb stellt das Grundprinzip des Minderheitenschutzes, das Teil des wichtigen Freiheitskonzeptes des Pluralismus ist, den Ausgleich gegenüber dem Mehrheitsprinzip dar. Im real-politischen Kontext wird dieser beispielsweise durch die sogenannte Ständemehr in der Schweiz dargestellt: Neben der Mehrheit der Stimmen muss auch die Mehrheit der Kantone (Stände) eine Verfassungsänderung befürworten (bei Gesetzesänderungen gilt das einfache Volksmehr).
Philosophische Kritik
→ Hauptartikel: Staatsformenlehre (Aristoteles)
Aristoteles zählt die Demokratie in seiner Staatsformenlehre zu einer der drei „entarteten“ Verfassungen, in denen die Regierenden nur ihrem Eigennutz dienen. So beschreibt er die Demokratie als eine Herrschaft der vielen Freien und Armen zur Lasten der Tüchtigen und Wohlhabenden, da diese aufgrund ihrer Mehrheit die Politik bestimmen.[52]
Zu beachten ist dabei aber, dass er dabei im heutigen Verständnis eher auf die Ochlokratie anspielte (die Entartung der Demokratie durch Herrschaft des Pöbels) und nicht auf unser Verständnis von Demokratie.
Politische Instabilität
Neuerdings wird Demokratie dafür kritisiert, zu wenig politische Stabilität aufzuweisen. Dies sei dadurch zu erklären, dass häufig wechselnde Regierungen den institutionellen und rechtlichen Rahmen schnell veränderten. Unter anderem soll sich dieser Umstand negativ auf das Wirtschaftswachstum auswirken, da ökonomische Investitionen einen kalkulierbaren politischen Rahmen bevorzugen.[53] Manche politischen Analysen kommen deshalb zu dem Schluss, dass Demokratie für die ökonomische Entwicklung wenig entwickelter Länder unpassend ist.[54]
Auf der anderen Seite betonen andere politische Analysen, dass Demokratien sich zwar verändern, jedoch nicht so drastisch wie z.&#160;B. Diktaturen.[55] Gestützt wird diese Aussage auch dadurch, dass Demokratie Mehrheitsentscheidungen benötigt und deshalb meist zu einem Kompromiss neigt.
Selbstüberforderung
Politische Akteure überbieten sich im Wahlkampf häufig mit Versprechungen, um die Stimmen der Wählenden zu gewinnen. Überzogene Versprechungen können jedoch selten umgesetzt werden. Zusätzlich vermeiden es politische Akteure ihre Versprechungen zu korrigieren, da sie Verlust von Wählerstimmen befürchten. „Die Demokratie steht so immer in der Gefahr, sich selbst zu überfordern, die Bürgerinnen und Bürger zu enttäuschen und deshalb Vertrauen und Zustimmung zu verlieren.“[50]
Siehe auchDemokratieindex
Demokratieförderung
Demokratismus
Demokratiedefizit
Postdemokratie
Sozialistische Demokratie
Liste der Staatsformen
Demokratiemessung
Straße der Demokratie
Synkratie
Libertäre Demokratie
Soziale Demokratie
WertedemokratieLiteratur
Einführung und Geschichte im Überblick&#160;Luciano Canfora: Eine kurze Geschichte der Demokratie. Von Athen bis zur Europäischen Union. Papyrossa, Köln 2006 (Originaltitel: La democrazia. Storia di un'ideologia, übersetzt von Rita Seuß), ISBN 3-89438-350-X (Umstrittene Überblicksdarstellung).
&#160;Werner Conze, Reinhart Koselleck, Hans Maier, Christian Meier, Hans Leo Reimann: Demokratie. In: Otto Brunner, Werner Conze, Reinhart Koselleck (Hrsg.): Geschichtliche Grundbegriffe. Historisches Lexikon zur politisch-sozialen Sprache in Deutschland. Band 1, Klett-Cotta, Stuttgart 1972, ISBN 3-12-903850-7, S.&#160;821–899 (Grundlegende Erläuterung des Demokratiebegriffs von der Antike bis in die Moderne, einschließlich Literaturangaben).
&#160;Robert Alan Dahl: On Democracy. Yale University Press, New Haven/London 2000, ISBN 0-300-08455-2.
&#160;Robert Alan Dahl: Politische Gleichheit. Ein Ideal? Hamburger Edition, Hamburg 2006 (Originaltitel: On political equality, übersetzt von Barbara Steckhan, Thomas Wollermann, Gabriele Gockel), ISBN 3-936096-72-4.
&#160;David Held: Models of Democracy. 3&#160;Auflage. Polity Press, Cambridge/Malden 2006, ISBN 0-7456-3146-0.
&#160;Maria Kreiner: Demokratie als Idee. Eine Einführung (= UTB. Band 3883). UVK/UTB, Konstanz/München 2013, ISBN 3-8252-3883-0 (Lehrbuch, das die Idee der Demokratie von der Philosophie der Antike bis zur Moderne anschaulich und anhand von Originaltexten zwölf exponierter Denker der Ideengeschichte aufarbeitet.).
&#160;Karl Mittermaier, Meinhard Mair: Demokratie. Die Geschichte einer politischen Idee von Platon bis heute. WBG, Darmstadt 2013, ISBN 3-534-80181-4.
&#160;Paul Nolte: Was ist Demokratie? Geschichte und Gegenwart (= Beck’sche Reihe. Band 6028). C.H. Beck, München 2012, ISBN 3-406-63028-6.
&#160;Hans Vorländer: Demokratie. Geschichte, Formen, Theorien (= Beck’sche Reihe. Band 2311). 2.&#160;Auflage. C.H. Beck, München 2010, ISBN 3-406-48011-X (Knappe Einführung in die Thematik).Geschichte der griechischen Demokratie&#160;Jochen Bleicken: Die athenische Demokratie (= UTB. 1330). 4.&#160;Auflage. Schöningh, Paderborn 1995, ISBN 3-8252-1330-7, DNB 944856179 (Standardwerk zur athenischen Demokratie.).
Harald Haarmann: Mythos Demokratie: Antike Herrschaftsmodelle im Spannungsfeld von Egalitätsprinzip und Eliteprinzip. Peter-Lang-Ed., Frankfurt am Main 2013, ISBN 3-631-62599-5.
Konrad H. Kinzl (Hrsg.): Demokratia. Der Weg zur Demokratie bei den Griechen. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1995, ISBN 3-534-09216-3.
Christian Meier: Die Entstehung des Politischen bei den Griechen. Frankfurt a.M. 1980. (Grundlegende Darstellung zur Entwicklung der politischen Ideen im 6. und 5. Jahrhundert v.&#160;Chr.)Demokratietheorien im VergleichOliver Flügel, Reinhard Heil, Andreas Hetzel: Die Rückkehr des Politischen. Demokratietheorien heute. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2004, ISBN 3-534-17435-6, Leseprobe.
Richard Saage: Demokratietheorien. Historischer Prozess – Theoretische Entwicklung – Soziotechnische Bedingungen. Eine Einführung. Mit einleitendem Essay von Walter Euchner: Zur Notwendigkeit einer Ideengeschichte der Demokratie. Wiesbaden 2005, ISBN 3-531-14722-6.
Giovanni Sartori: Demokratietheorie. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1992, ISBN 3-534-11493-0.
Manfred G. Schmidt: Demokratietheorien. Eine Einführung. Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-531-16054-2 (Inhaltsverzeichnis).Aktuell diskutierte Arbeiten und ThemenWolfgang Abendroth: Zum Begriff des demokratischen und sozialen Rechtsstaates im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland. In: Ders.: Antagonistische Gesellschaft und politische Demokratie. Neuwied 1967, S. 109–138.
Jörg Bergstedt: Demokratie. Die Herrschaft des Volkes. Eine Abrechnung. SeitenHieb Verlag, Reiskirchen 2006, ISBN 978-3-86747-004-9.
Bryan Caplan: The Myth of the Rational Voter: Why Democracies Choose Bad Policies. Princeton, NJ: Princeton University Press, 2007, ISBN 0-691-13873-7.
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Johannes Heinrichs: Revolution der Demokratie. Eine Realutopie für die schweigende Mehrheit. Maas, Berlin 2003, ISBN 3-929010-92-5.
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Informationen zur politischen Bildung, Heft 284 (Demokratie)
Andreas Suter, Georg Kreis: Demokratie im Historischen Lexikon der Schweiz
Demokratie auf dem UNESCO Bildungsserver
Demokratie auf dem Informationsportal zur politischen BildungAnmerkungen↑ Vgl. Dieter Fuchs: Demokratie. In: Dieter Fuchs/Edeltraud Roller (Hrsg.): Lexikon Politik. Hundert Grundbegriffe. Reclam, Stuttgart 2009, S.&#160;38-43.
↑ Zur antiken Begriffsentwicklung vgl. Christian Meier: Demokratie I. In: Otto Brunner, Werner Conze, Reinhart Koselleck (Hrsg.): Geschichtliche Grundbegriffe. Band 1, Stuttgart 1972, S. 821ff.; Christian Meier: Die Entstehung des Politischen bei den Griechen. Frankfurt a.M. 1980, S. 281ff.
↑ Reinhold Zippelius, Wege und Irrwege zur Gerechtigkeit, Akademieabhandl. Mainz, 2003 (ISBN 3-515-08357-X), S. 6 ff., 8; ähnlich Rechtsphilosophie, 6. Aufl., §&#160;11 II 4
↑ Dalibor Truhlar: Demokratismus – Philosophie der demokratischen Weltanschauung. Peter Lang, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-631-55818-X.
↑ Gregor Husi/Marcel Meier Kressig: Der Geist des Demokratismus. Modernisierung als Verwirklichung von Freiheit, Gleichheit und Sicherheit. Westfälisches Dampfboot, Münster 1998, ISBN 3-89691-440-5.
↑ Wilhelm Hennis: Demokratisierung. Zur Problematik eines Begriffs. In: Martin Greiffenhagen: Demokratisierung in Staat und Gesellschaft, München 1973, S. 61.
↑ Fritz Vilmar: Strategien der Demokratisierung. 1973, Band I, S. 102.
↑ Vgl. Otfried Höffe: Wirtschaftsbürger, Staatsbürger, Weltbürger. Politische Ethik im Zeitalter der Globalisierung. C.H. Beck, München 2004, S. 10; vgl. auch ebda., S. 93.
↑ Peter Graf Kielmansegg: Volkssouveränität. Eine Untersuchung der Bedingungen demokratischer Legitimität. Stuttgart 1977.
↑ Reinhold Zippelius, Allgemeine Staatslehre, 16. Aufl., §&#160;31 III a.E.
↑ Vgl. Zippelius, a.a.O., §&#160;20 III.
↑ Tobias Friske: Staatsform Monarchie. Was unterscheidet eine Monarchie heute noch von einer Republik?, Magisterarbeit (überarbeitete Fassung), Universität Freiburg 2007 (Volltext).
↑ Sir Karl Popper: Zur Theorie der Demokratie, in: Der Spiegel 32/1987 vom 3. August 1987.
↑ Reinhold Zippelius, Das Wesen des Rechts, 6. Aufl., Kap. 3&#160;b, 11; ders., Allgemeine Staatslehre, §§&#160;17 III 5, 23 I 2, II 2, 30 I 1, II, 31.
↑ Reinhold Zippelius, Geschichte der Staatsideen, 10. Aufl., 2003, Kap. 13&#160;f.
↑ Zippelius, Allgemeine Staatslehre, 16. Aufl., §&#160;23 III 3.
↑ Peter Josika: Ein Europa der Regionen- Was die Schweiz kann, kann auch Europa, IL-Verlag, Basel 2014, ISBN 978-3-906240-10-7.
↑ Zippelius, Geschichte der Staatsideen, Kap. 3&#160;a, 4&#160;d.
↑ Zippelius, Geschichte der Staatsideen, Kap. 14.
↑ Jean Louis de Lolme, La Constitution de l’Angleterre, 1771, englisch The Constituion of England, 1775, 4. (engl.) Auflage 1784 (Baseler Ausgabe 1792); dazu Zippelius, Recht und Gerechtigkeit in der offenen Gesellschaft, 2. Aufl. 1996, Kap. 17.
↑ de Lolme, a.a.O., Buch 2 Kap. VIII.
↑ de Lolme, a.a.O., Buch 2 Kap. XII.
↑ Zippelius, Allgemeine Staatslehre, §&#160;23 II 3.
↑ Christian Meier: Die Entstehung des Politischen bei den Griechen. Frankfurt a.M. 1980, besonders S. 51&#160;ff.
↑ Der vollständige Text der Verfassung findet sich auf Französisch in Wikisource.
↑ Daniel Eisenmenger: “Die vergessene Verfassung Korsikas von 1755 – der gescheiterte Versuch einer modernen Nationsbildung”, in: GWU 61 (2010), H. 7/8, S. 430–446.
↑ Heinz Lippuner: Demokratie aus indianischer Hand? Unsere Bundesverfassung und das Great Law of Peace der Irokesen-Konföderation. Aus: Kleine Schriften des Museumsvereins Schaffhausen, 99/5.
↑ Hans Vorländer: Demokratie. Geschichte, Formen, Theorien. C.H. Beck, München 2003, S.&#160;50&#160;ff.
↑ Jörg-Detlef Kühne, in: Ergänzbares Lexikon des Rechts, Gruppe 5 – Staats- und Verfassungsrecht (Stand: 1996), ISBN 3-472-10700-6.
↑ Hans Vorländer: Demokratie. Geschichte, Formen, Theorien. C.H. Beck, München 2003, S.&#160;115&#160;f.
↑ Oliver Decker, Elmar Brähler (unter Mitarbeit von Norman Geißler): Vom Rand zur Mitte. Rechtsextreme Einstellungen und ihre Einflussfaktoren in Deutschland. Hrsg. von der Friedrich-Ebert-Stiftung, Forum Berlin, 2006 (PDF).
↑ Werner A. Perger: Stunde der Rattenfänger. In: Die Zeit vom 18. Januar 2009. Zeit-Archiv
↑ Till Bastian, in: Publik-Forum, Nr. 23 vom 1. Dezember 2006.
↑ „Demokratie erweist sich in diesem Fall, ganz im Gegensatz zur Theorie, als Modernisierungsnachteil – in der komplexen Welt moderner Gesellschaften geht etwas nur dann schnell, wenn keine Rücksicht auf etwaige Nachteile für eventuell Betroffene genommen werden muss. So einfach ist das.“ (Harald Welzer: Auf dem Müllhaufen der Geschichte, Spiegel Online, 29. November 2008)
↑ Wolfgang Storz, in: Publik-Forum, Nr. 6 vom 23. März 2007.
↑ Zukunft des öffentlichen Dienstes – öffentlicher Dienst der Zukunft, Bericht der von der Landesregierung Nordrhein-Westfalen eingesetzten Kommission, Düsseldorf 2003.
↑ Das Menschenrecht Hermann Brochs (PDF; 107&#160;kB)
↑ Barber, in: Amin Pongs (Hg.), In welcher Welt wollen wir leben? Natürlichkeit und Demokratie in Zeiten der Globalisierung, Bd. 1, München 2003, S. 260.
↑ Immanuel Kant: Zum ewigen Frieden. 1795.
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↑ a b c d Rivero-Batiz, F. (2002): Democracy, Governance and Economic Growth: Theory and Evidence. Review of Development Economics, Vol. 6, Nr. 2, S. 225–247 (PDF; 99&#160;kB).
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↑ a b Hanson, Robin (2007): Shall We Vote on Values, But Bet on Beliefs? (PDF; 248&#160;kB).
↑ Bryan Caplan, From Friedman to Wittman: The Transformation of Chicago Political Economy, 2005 (PDF).
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↑ Dennis Meadwos: World Resources Forum 2009, Davos.
↑ a b Hans Vorländer: Demokratie, Informationen zur politischen Bildung (Heft 284), 2004.
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↑ 1. Staatsformenlehre
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↑ Jared Diamonds, How Societies fail and sometimes suceed, 2005 (Memento vom 30. Mai 2011 im Internet Archive).Normdaten&#160;(Sachbegriff): GND: 4011413-2 (AKS)
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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Architekt (Begriffsklärung) aufgeführt.
Der Architekt (griech. ἀρχιτέκτων architékton, „Oberster Handwerker, Baukünstler, Baumeister“, aus ἀρχή arché, „Anfang, Ursprung, Grundlage, das Erste“ und τέχνη techne, „Kunst, Handwerk“) befasst sich mit der technischen, wirtschaftlichen, funktionalen und gestalterischen Planung und Errichtung oder Änderung von Gebäuden und Bauwerken vorwiegend des Hochbaues. Seine Kernkompetenz ist das über das Bauen hinausgehende Schaffen von Architektur.
Architekt am Reißbrett, 1970Inhaltsverzeichnis
1 Überblick
2 Geschichte
3 Arbeitsfelder
4 Arbeitsweise4.1 Architekturbüros
4.2 Arbeit in anderen Bereichen
5 Deutschland5.1 Ausbildung
5.2 Berufsbezeichnung
5.3 Berufsverbände
5.4 Arbeitsmarkt und wirtschaftliche Situation
6 Österreich6.1 Berufsbezeichnung
6.2 Verbände
7 Schweiz7.1 Ausbildung
7.2 Berufsbezeichnung
7.3 Verbände
8 Spanien
9 Japan
10 Siehe auch
11 Literatur
12 Weblinks
13 EinzelnachweiseÜberblick[Bearbeiten]
Darstellung eines Architekten, abgezeichnet von Eugène Viollet-le-Duc
Das Berufsbild des Architekten ist nicht eindeutig definier- und abgrenzbar, länderweise verschieden und ständig in Bewegung. Die Spannweite der Tätigkeitsbereiche reicht von der „Baukunst“, die sich dem Entwurf und der Architekturtheorie widmet, über Ingenieurtätigkeiten und das technische Entwerfen von Gebäuden bis hin zur Bauleitung, bei der Bauplanung und -ausführung koordiniert werden und deren Augenmerk vor allem auf Terminen, Qualität und Baukosten liegt.
Dem Berufsfeld zwischen Baukunst aktuellen oder historischen Zuschnitts auf der einen und angewandter Technik auf der anderen Seite entsprechen auch die möglichen Ausbildungswege wie Universitäten (vor allem Technische Universitäten / Technische Hochschulen), Fachhochschulen, Kunstakademien und Berufsakademien, aber auch Colleges und technische Mittelschulen. Die Schwerpunkte der Ausbildung werden traditionell unterschiedlich gesetzt: bei Kunstakademien wird vor allem Wert auf den gestalterischen Aspekt gelegt, an Universitäten wird bei der Ausbildung ein besonderes Augenmerk auf Theorie und Wissenschaft gelegt, an Fachhochschulen wird auf wissenschaftlicher Grundlage anwendungsorientierter als an den Unis ausgebildet und an Berufsakademien wird praxisnah, aber weniger breit gefächert ausgebildet als an einer Hochschule. Die meisten Institutionen haben inzwischen ein individuelles Ausbildungsprofil mit ganz eigenen Studienschwerpunkten.
Geschichte[Bearbeiten]
Darstellung eines Architekten im Mittelalter
Der Beruf des Architekten ist traditionell generalistisch angelegt: die Baumeister vergangener Zeiten erstellten in Personalunion den Entwurf und die Statik und beaufsichtigen den Bauablauf. Je nach Epoche kamen sie aus ganz verschiedenen Klassen und Berufszweigen, zum Beispiel waren sie im Römischen Reich meistens Militäringenieure (vgl. Vitruv), im Frühmittelalter oft Kleriker, im Spätmittelalter aus dem Handwerk, in der Renaissance Künstler, Bildhauer oder Wissenschaftler.
Die aus dem Steinmetzhandwerk und der Bauhüttentradition hervorgegangenen mittelalterlichen Baumeister werden in zeitgenössischen Quellen als Werkmeister oder magister operis bezeichnet. Nach der Gesellenprüfung als Steinmetz absolvierten sie eine zusätzliche Ausbildung und waren nach der Meisterprüfung befähigt als Architekt zu arbeiten (siehe Werkmeisterbücher).
Architekt, 1893
Erst im 19. Jahrhundert, im Zuge des ökonomischen und technischen Fortschritts durch die Industrialisierung, bildete sich der Beruf des Architekten als eigene akademische Disziplin heraus. Es gab enorme Fortschritte in der Bautechnologie, neue Bauaufgaben (Geschosswohnungen, Feuerwachen, Schulen) ergaben sich. Es entstanden Architekturschulen und -akademien. Die dort im Regelfall kürzer ausgebildeten Baumeister führten weiterhin ihre auf die Umsetzung spezialisierten Bauunternehmungen, die akademischen Architekten spezialisierten sich auf den Entwurf von Gebäuden.
Zunehmend bildeten sich die Fachdisziplinen Architektur und Bauingenieurwesen heraus. Die Architekten beschäftigten sich schwerpunktmäßig mit der Gestaltung der Bauwerke des Hochbaus, die Bauingenieure erbrachten nun sämtliche Leistungen für die Bauwerke des Tief- und Ingenieurbaues und planten das Tragwerk für Hochbauten, ebenso wurden sie oft in der Bauleitung für Hochbauten tätig. Die Komplexität der Aufgaben nahm seitdem kontinuierlich weiter zu, so dass sich im 20. Jahrhundert weitere Fachdisziplinen etablierten: Städtebau, Landschaftsarchitektur, Innenarchitektur, Bauphysik etc.
Gegen Ende des 20. Jahrhunderts kamen Berufe hinzu, die viele Aufgaben des klassischen Architekten übernahmen. Baumanagement und Facilitymanagement übernahmen die Koordination der Bauausführung, große Unternehmen boten komplette Planungs- und Ausführungspakete an, so dass sich traditionelle Aufgabenfelder der Architekten verlagerten. In manchen Bereichen ist auch in Deutschland ein Rückzug der Architekten auf den Aspekt des Entwerfens zu beobachten, wie dies in den USA zum Beispiel schon weit verbreitet ist.
Der Trend zur Spezialisierung macht heute auch vor dem an sich generalistisch angelegten Architektenberuf nicht halt. Neben dem Architekten, der sich hauptsächlich mit Hochbau beschäftigt, gibt es in Deutschland noch die Berufsgruppen der Landschaftsarchitekten, Innenarchitekten und Städtebauarchitekten. Weiterhin findet in den einzelnen Büros eine zunehmende Spezialisierung auf bestimmte Bauaufgaben (Verwaltungs- und Gewerbebau, Kulturbau, Wohnungsbau etc.) oder auf bestimmte Leistungsphasen der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (z.&#160;B. Entwurf, Ausführungsplanung, Ausschreibung oder Bauleitung) statt. Überdies lässt sich eine weitere Spezialisierung auf bestimmte Nischen feststellen, wie z.&#160;B. das ökologische Bauen oder die Sanierung von Altbauten beobachten.
Arbeitsfelder[Bearbeiten]
Übliche Arbeitsfelder, die von Architekten (je nach Land, Büro und Qualifikation in unterschiedlichem Maße) abgedeckt werden:Während des gesamten Bauprozesses:Projektsteuerung
Koordination der Planungsbeteiligten, Behörden und Ausführenden
Vertreter des Bauherren gegenüber Planungsbeteiligten, Behörden und Ausführenden
In der Bauplanungsphase:Grundlagenermittlung, Vorplanung
Entwurfsplanung von Gebäuden und Bauwerken vorwiegend des Hochbaues (siehe auch Wettbewerb (Architektur))
Genehmigungsplanung (in der Schweiz als Baueingabe, in Österreich als Einreichplan bezeichnet)
Ausführungsplanung; Koordination zwischen den verschiedenen Fachplanern wie z.&#160;B. Haustechnik, Tragwerksplanung oder Brandschutzgutachtern
Ausschreibung und Vergabe: Vorbereitung und Mitwirkung bei der Vergabe von Bauleistungen, Herbeiführung der erforderlichen Verträge
Während der Bauausführung:Baumanagement: Kostenkontrolle, Terminkontrolle
Bauleitung (auch Objektüberwachung oder Bauüberwachung)
Nach der Fertigstellung, in der Baunutzungsphase:Objektbetreuung und Dokumentation (HOAI)
Assetmanagement, Immobilienmanagement, Gebäude- oder Facilitymanagement
Weitere Arbeitsfelder:Aufgaben in der öffentlichen Verwaltung (Bauamt)
Forschung / Lehre: Architekturtheorie, Bauforschung, Bauökonomie
Spezialgebiete: Architekturdarstellung, Modellbau
Energieberatung: Umsetzung von Energieeinsparverordnung, EEWärmeG, Erneuerbare-Energien-Gesetz, Fördermittel durch KfW usw.Arbeitsweise[Bearbeiten]
So umfassend die Inhalte der Disziplin Architektur sind, so vielfältig und komplex ist auch die Arbeit des Architekten. Nach wie vor arbeiten die meisten freiberuflichen wie auch angestellten Architekten in kleinen, mittleren bis großen Architekturbüros für Bauentwurf, Bauplanung oder Bauleitung. Je nach Größe und Spezialisierung haben die Büros zum Teil eigene Abteilungen mit weiteren Fachplanern integriert wie etwa Labortechniker, Lichtplaner, Küchenplaner, Bauphysiker oder wie Spezialisten für Modellbau, Rendering/Visualisierung oder Public Relation. Durch den sich seit Jahren verändernden Markt sind jedoch immer mehr Architekten auch gewerblich tätig oder nehmen Funktionen als Gutachter oder Berater ein. Innenarchitekten, Stadtplaner und Landschaftsarchitekten (Freiraumplaner) sind keine Fachplaner, sondern Fachrichtungen des Berufsbildes Architektur.
Architekturbüros[Bearbeiten]
Architekturbüro 1967
Abgesehen von kleineren Bauvorhaben wie Einfamilien- oder Zweifamilienhäusern ist der Planungsprozess meist stark arbeitsteilig organisiert. Dies betrifft nicht nur die Arbeit innerhalb der Architekturbüros, sondern auch die Zusammenarbeit mit den externen Projektbeteiligten.
Nur noch wenige Architekten bearbeiten das komplette Leistungsspektrum der deutschen HOAI mit allen Leistungsphasen. Vielmehr befassen sich die Mitarbeiter mittlerer und größerer Büros i. d. R. schwerpunktmäßig mit Teilbereichen des Planungsprozesses, wie z.&#160;B. dem Entwurf, der Ausführungsplanung, der Ausschreibung und Vergabe von Bauaufträgen oder der Bauleitung. Auch eine Spezialisierung von Architekturbüros auf die jeweiligen Leistungsphasen 1 bis 5 (Entwurf, Genehmigung und Planung) oder die Leistungsphasen 6 bis 9 (wirtschaftliche und bauliche Umsetzung) ist inzwischen weit verbreitet.
Da bei jedem Bauvorhaben die Arbeit verschiedener Fachingenieure wie Statiker und Haustechniker, bei größeren Projekten zunehmend auch weiterer Experten wie Verkehrsplaner, Fassaden- und Landschaftsplaner oder Facilitymanager, integriert werden muss, ist beim Architekten ein hohes Maß an Kommunikations- und Koordinationsfähigkeit sowie gleichzeitig Einfühlungs- und Durchsetzungsvermögen gefordert. Da Architektur immer auch an den Aspekt der Wirtschaftlichkeit gekoppelt ist, ist auch wirtschaftliches Denken und Handeln vom Architekten gefordert. Auf dem sich verändernden und insgesamt schrumpfenden Markt sind unter hohem Wettbewerbsdruck in zunehmendem Maße Qualitäten in der Projektpräsentation gegenüber privaten und öffentlichen Bauherren erforderlich.
Je nach Arbeitsschwerpunkt des einzelnen Architekten sind verschiedene Qualifikationen gefordert. Benötigt der Entwurfsarchitekt vor allem herausragende Fähigkeiten konzeptioneller und darstellerischer Art, sind beim Ausführungsplaner ebenso gestalterische wie auch technisch-konstruktive und rechtliche Kenntnisse (Baurecht, Umweltschutz usw.) gefragt. In der Bauleitung sind vor allem organisatorische Fähigkeiten und detaillierte Kenntnisse des Bauablaufes und der Bauausführung durch Baumeister und Handwerker erforderlich.
Diese Spezialisierung ist jedoch nicht so zu verstehen, dass die an einem Bauvorhaben beteiligten Architekten isoliert voneinander arbeiten. Die verschiedenen Projektphasen sind stark miteinander verzahnt und voneinander abhängig. Ein Grundverständnis für den gesamten Planungsprozess ist daher auch für den Spezialisten unerlässlich, ebenso wie die Kooperation mit dem Bauingenieur und bei größeren Projekten mit dem Geodäten, weiteren Spezialisten und den zuständigen Ämtern.
Eines von mehreren CAD-Programmen
Die digitale Revolution der letzten Jahrzehnte hat natürlich erst recht nicht vor planenden Berufen wie dem Architekten haltgemacht. Zwar werden im Planungsprozess immer noch traditionelle Mittel wie Skizzen oder Modellbau angewandt. Die endgültige Planung und Darstellung von Projekten wird allerdings inzwischen fast ausschließlich mit Hilfe von CAD-Programmen am Computer erstellt. So ist die Beherrschung von mindestens einem CAD-Programm heute für Architekten unerlässlich. Oft werden aber auch Erfahrungen mit verschiedenen Programmen sowohl in der zwei- als auch dreidimensionalen Darstellung erwartet, die bei Entwicklungs- und Zeitreihen bisweilen sogar in die vierte Dimension geht.
Mehr Informationen zu den verfügbaren CAD-Programmen sowie spezialisierten Programmen für den Architekten findet sich in den Artikeln CAD und Liste von CAD-Programmen.
Aufgrund der mittlerweile stark schwankenden Auftragslage und des infolgedessen ungleichmäßigen Arbeitsaufkommens innerhalb der meisten Architekturbüros sind je nach Organisation flexible Arbeitszeiten unverzichtbar. Vor wichtigen Terminen, wie z.&#160;B. Abgaben von Wettbewerben, Bauanträgen oder Bauherren-Präsentationen, sind daher oft Überstunden sowie Arbeit am Wochenende unerlässlich. Bei vielen Großprojekten muss darüber hinaus der verantwortliche Architekt oder eine von ihm befugte Person ständig erreichbar sein.
Arbeit in anderen Bereichen[Bearbeiten]
Architekten sind auch außerhalb ihres klassischen Betätigungsfeldes beschäftigt. Dies können die Projektsteuerung auf Seite des Bauherren sein oder eine Tätigkeit in der Bau- und Immobilienwirtschaft. Auch Tätigkeiten als Technische Sachverständige, Gutachter oder Berater (z.B. im Bereich Brandschutz oder Energie) sind üblich. Weitere interdisziplinäre Schnittstellen gibt es mit den Bereichen Produktdesign, Industrialdesign, Kunst, Film &amp; Theater, Multimedia, Werbung und Kommunikationsdesign.
Deutschland[Bearbeiten]
Ausbildung[Bearbeiten]
Studentenarbeitsplätze
Die Ausbildung zum Architekten ist in Deutschland (und Österreich/Schweiz) im Rahmen eines Architekturstudiums möglich und kann im Bundesgebiet an insgesamt 64 Hochschulen erfolgen (Stand 2015), die Zulassungsvoraussetzungen sind je nach Land und Hochschule sehr unterschiedlich.[1] Ergänzend ist auch der zweite Bildungsweg über ein oder mehrere Handwerke und Praxis z.B. im Architekturbüro möglich. Die Architektenkammer entscheidet, wer sich Architekt nennen darf, wer vorlagenberechtigt ist und damit z.B. Bauanträge einreichen darf.
Ein konsekutives Bachelor-Master-Studium dauert i.d.R. zehn Semester bzw. fünf Jahre einschließlich der Master-Arbeit. Bei einigen Hochschulen ist ein Praxissemester in den Studienablauf integriert. Die durchschnittliche Studiendauer liegt jedoch oft über der theoretischen Regelstudienzeit.
Das Bachelor-Studium an den Hochschulen dauert mindestens sechs bis acht Semester und schließt mit dem akademischen Grad „Bachelor“ ab. Der Bachelorabschluss wird in der Regel zwischen dem Ende des 5. Fachsemesters bis Ende des 7. Fachsemesters abgelegt, wobei der Durchschnitt bei 6 Semestern liegt. Zirka 6.000 Studentinnen und Studenten legten im Jahr 2010 erfolgreich die Abschlussprüfung ab.[1]
Auch müssen oft Praktika vor Aufnahme des Studiums und während des Studiums von bis zu sechs Monaten nachgewiesen werden. Architekt ist man erst dann, wenn man in der Architektenkammer eingetragen ist. Dazu muss man mindestens zwei Jahre Berufserfahrung vorweisen können. Der Bachelor-Abschluss wird jedoch teilweise von den deutschen Architektenkammern als nicht berufsqualifizierend angesehen, weshalb man trotz erfolgreichen Abschlusses nicht die Berufsbezeichnung „Architekt“ führen darf. Vorteile dieses Abschlusses sollen in dem modularen Studienaufbau und der höheren internationalen Vergleichbarkeit liegen. Als Weiterbildung für Bachelor-Absolventen ist ein Master-Studium möglich und für Absolventen eines Master-Studiums und für Diplom-Absolventen die Promotion.
Der auslaufende Diplomstudiengang mit dem Abschluss Diplom-Ingenieur (Univ., FH) bzw. Ingenieur (Fachschule-FS) dauert normalerweise als Regelstudienzeit an einer Universität neun Semester, an einer Kunstakademie zehn Semester, an einer Fachhochschule acht Semester.
Berufsbezeichnung[Bearbeiten]
In Deutschland darf sich nur Architekt nennen, wer in die Architektenliste einer Architektenkammer eingetragen ist. Dafür benötigt man regelmäßig neben dem abgeschlossenen Architekturstudium eine Berufserfahrung von mindestens zwei Jahren. Details dazu regeln die Architektengesetze der jeweiligen Bundesländer und die Satzungen der Architektenkammern.
Die Berufsbezeichnung Architekt berechtigt zur Einreichung eines Bauantrages und ist somit fast zwangsläufig für die Arbeit als selbständiger Architekt (Freier Architekt) erforderlich. Die Kammern verstehen sich als Interessenvertretung aller Architekten. Das heißt aber auch umgekehrt, dass die Interessen der großen Zahl der nichtselbständigen, in Architekturbüros tätigen, die nicht in die Kammer eingetragen sind – insbesondere der Absolventen – nur sehr bedingt durch die Kammern vertreten werden.
Berufsverbände[Bearbeiten]
Im Bund Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure sind 20.000 Architekten und Ingenieure des Bauwesens organisiert. Der Verband deutscher Architekten (VDA) ist ein weiterer Interessenverband der deutschen Architekten, Innenarchitekten und Landschaftsarchitekten. Im Verband Deutscher Architekten- und Ingenieurvereine (DAI) sind 33 lokale Architekten- und Ingenieur-Vereine mit ca. 4000 Mitgliedern organisiert.[2]
Eine Vereinigung freiberuflich tätiger Architekten in Deutschland ist der Bund Deutscher Architekten (BDA), der nach eigenen Angaben rund 5000 Mitglieder hat.[3] Die Vereinigung Angestellter Architekten e.V. (VAA) ist ein Berufsverband, der die Interessen angestellter Architekten in der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen und in der Öffentlichkeit vertritt.
Arbeitsmarkt und wirtschaftliche Situation[Bearbeiten]Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Näheres ist eventuell auf der Diskussionsseite oder in der Versionsgeschichte angegeben. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung.
Laut Bundesarchitektenkammer gab es 2014 rund 126.000 eingetragene Architekten, davon 31&#160;% weiblich und 107.000 im Hochbau tätig. Die Architektenschaft arbeitet je zu ca. 48&#160;% als Freischaffend oder Angestellt bzw. Beamtlich, ca. 3&#160;% ist Baugewerblich tätig.[4][1] Der Berufsstand befindet sich seit Mitte der 1990er Jahre jedoch in einer schweren Krise, in der sich die wirtschaftliche Situation der Architekten in Deutschland verschlechtert. Häufig wird der Beruf des Architekten dem sog. Akademischen Prekariat zugeordnet, also einer Gruppe, die trotz Studium weit unterdurchschnittliche Einkommen erzielt.
Als sehr kapitalintensive, auf Investitionen der freien Wirtschaft und der öffentlichen Hand angewiesene Branche wurde die Bauwirtschaft in besonders starkem Maße von der Wirtschaftskrise der späten 1990er und frühen 2000er Jahre und der prekären Finanzlage der öffentlichen Kassen getroffen. Infolgedessen hatte die Mehrheit der deutschen Architekturbüros mit erheblichem Auftragsmangel zu kämpfen. Zahlreiche Büros haben diese Krise nicht überstanden.
Das Berufsbild des Architekten ist seit Jahren Veränderungen unterworfen. Viele einst klassische Betätigungsfelder – von der konzeptionellen Entwicklung von Großprojekten über die Ausführungsplanung bis zur Bauleitung – werden inzwischen von Projektentwicklern, Baukonzernen oder anderen Konkurrenten angeboten. Infolgedessen hat sich das Betätigungsfeld solcher Architekturbüros, die nicht in der Lage sind, auf diese Entwicklung in angemessener Weise zu reagieren, in den letzten Jahren mehr und mehr eingeengt.
Ähnlich Ärzten und Rechtsanwälten haben selbständige Architekten eine Honorarordnung (HOAI), die durch die Kopplung an die Baukosten dynamisiert ist. Viele Büros engagieren je nach Auftragslage Architekten kurzfristig. Dauerhafte Arbeitsverhältnisse bestehen nur zum Teil.Teile dieses Artikels scheinen seit 2009 nicht mehr aktuell zu sein.
Bitte hilf mit, die fehlenden Informationen zu recherchieren und einzufügen.
Wikipedia:WikiProjekt Ereignisse/Vergangenheit/2009
Das Statistische Bundesamt nannte 2008 aus Finanzamtsdaten ein durchschnittliches jährliches Bruttoeinkommen für Architekten von 54.529 Euro, die Bundesarchitektenkammer 2011 von 45.000 Euro. Es ist jedoch zu beachten, dass in dieser Statistik nur in der Kammer offiziell als Architekten eingetragene Berufstätige erfasst sind. [5] Die Mehrheit der in der Branche Tätigen verdient deutlich weniger, die Spanne ist sehr groß.
Österreich[Bearbeiten]
Berufsbezeichnung[Bearbeiten]
Die Berufsbezeichnungen Architekt und Ziviltechniker sind in Österreich geschützt und dürfen gemäß Ziviltechnikergesetz 1993 von Personen, denen eine entsprechende Befugnis nicht verliehen wurde, nicht geführt werden.
Verbände[Bearbeiten]
In Österreich gehören die Architekten gemeinsam mit den Ingenieurkonsulenten zur Gruppe der Ziviltechniker.
Schweiz[Bearbeiten]
Ausbildung[Bearbeiten]
In der Schweiz wird Architektur an verschiedenen Hochschulen im Rahmen eines Architekturstudiums gelehrt.
Berufsbezeichnung[Bearbeiten]
Die Berufsbezeichnung Architekt ist in der Schweiz keineswegs geschützt, daher gibt es zahlreiche Praktiker, die sich so bezeichnen. So sind auch die Anforderungen an die Berufsausübung nicht einheitlich geregelt. Einzig in Kantonen der französischsprachigen Schweiz, im Tessin und in Luzern schreiben die kantonalen Baugesetze die qualitativen Mindestanforderungen an Architekten und Bauingenieure vor. Die akademischen Grade aus dem Erwerb von Hochschuldiplomen sind jedoch gesetzlich geschützt.
Verbände[Bearbeiten]
In der Schweiz ist die Architekturszene in drei Verbände gefasst. Der Bund Schweizer Architekten (BSA), der Schweizerische Ingenieur- und Architektenverein (SIA) und Swiss Engineering STV (ehemals Schweizerischer Technischer Verband) als größter Berufsverband aller Ingenieure und Architekten. Speziell in der Schweiz gibt es auch den Beruf des Hochbauzeichners, welcher eine unterstützende Funktion in einem Architekturbüro übernimmt.
Siehe auch: Liste von Schweizer Architekten
Spanien[Bearbeiten]
In Spanien ist die Berufsbezeichnung Architekt (Arquitecto) wie in Deutschland geschützt und setzt ein Studium der Architektur, sowie die Zugehörigkeit zu einer spanischen Architektenkammer voraus. Neben dem mit dem deutschen Architekt vergleichbaren Arquitecto existiert in Spanien noch eine weitere Berufsgruppe, die entscheidende Aufgaben bei der Gebäudeplanung und -erstellung übernimmt, die der sogenannten Aparejadores oder Arquitectos técnicos. Anders als bei der Arquitectura, welche u. a. auch die entwurflichen, baukünstlerischen und -geschichtlichen Aspekte betrachtet und lehrt, konzentriert sich die vierjährige akademische Arquitectura técnica, auf die technisch-konstruktiven Probleme des Bauens. Der Aparejador ist allerdings kein Arquitecto, sondern ein Ingeniero civil und somit dem Bauingenieur oder anglo-amerikanischen Civil engineer gleichzusetzen. Sein Leistungsbild umfasst vorwiegend die Bereiche der Bauleitung und -überwachung, Ausschreibung, Vergabe und Abstimmung mit den Behörden.
Japan[Bearbeiten]
Die japanische Entsprechung des allgemeinen Begriffs Architekt ist kenchikuka (jap. 建築家), der aus kenchiku ‚Gebäude errichten‘ und ka hier etwa ‚Berufsausübender‘ zusammengesetzt ist.[6] Dieser ist allerdings nicht rechtlich geschützt.
Bauplanung und Bauausführung darf in Japan jedoch nur von staatlich zertifizierten Architekten durchgeführt werden, die als kenchikushi (建築士) bezeichnet werden, wobei shi für ‚Gelehrter‘ steht. Deren rechtlichen Anforderungen sind im Kenchikushi-hō (建築士法, „Architektengesetz“) von 1950 festgelegt. Dieses kennt drei Klassen von Architekten: Architekten 1. Klasse (一級建築士, ikkyū kenchikushi) die jede Art von Gebäuden planen und errichten dürfen, Architekten 2. Klasse (二級建築士, nikyū kenchikushi) für eine begrenzte Art von Gebäuden kleineren Ausmaßes und Holzbau-Architekten (木造建築士, mokuzō kenchikushi) für kleinere Holzgebäude. So dürfen zum Beispiel öffentliche Gebäude wie Schulen, Krankenhäuser, Theater usw. mit einer Grundfläche von mehr als 500&#160;m² oder einer Höhe von mehr als 13&#160;m nur von Architekten 1. Klasse errichtet werden. Diese erhalten ihre Lizenz vom Bauministerium, die beiden anderen Architektenklassen von ihrer jeweiligen Präfektur.[7][8] 1995 gab es 264.398 Architekten 1. Klasse, 566.791 Architekten 2. Klasse und 11.386 Holzbau-Architekten.[8]
Siehe auch[Bearbeiten]
&#160;Portal: Architektur und Bauwesen – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Architektur und Bauwesen
Literatur[Bearbeiten]Günther Binding: Meister der Baukunst. Geschichte des Architekten- und Ingenieurberufes. Primus Verlag, Darmstadt 2004, ISBN 3-89678-497-8.
Kerstin Dörhöfer: Pionierinnen in der Architektur: Eine Baugeschichte der Moderne. Wasmuth, Tübingen 2004, ISBN 3-8030-0639-2.
Werner Durth: Deutsche Architekten. dtv, München 1992, ISBN 3-7828-1141-0.
Mathias Eisenmenger: Der Architekt: Das zukünftige Berufsbild unter Berücksichtigung seiner Verantwortung als Baumeister. kassel university press, Kassel 2007, ISBN 978-3-89958-252-9.
Robert Hodonyi: Von Baustelle zu Baustelle. Ein Streifzug durch die Geschichte des Architektenmotivs in der Literatur. In: Weimarer Beiträge. Zeitschrift für Literaturwissenschaft, Ästhetik und Kulturwissenschaften. 54, H. 4, 2008, S. 589–608.
Ralph Johannes (Hrsg.): Entwerfen. Architektenausbildung in Europa von Vitruv bis Mitte des 20. Jahrhunderts: Geschichte – Theorie – Praxis. Junius Verlag, Hamburg 2009, ISBN 978-3-88506-441-1.
Isabel Kuhl, Kristina Lowis, Sabine Thiel-Siling: 50 Architekten die man kennen sollte. Prestel Verlag, München 2008, ISBN 978-3-7913-4044-9.
Ulrich Pfammatter: Die Erfindung des modernen Architekten: Ursprung und Entwicklung seiner wissenschaftlich-industriellen Ausbildung. Birkhäuser, Basel u. a. 1997, ISBN 3-7643-5473-9.
Hanno Wolfensberger: Architektendämmerung&#160;: 10 Abgesänge auf einen Berufsstand. Campus, Frankfurt am Main/ New York 1993, ISBN 3-593-34922-1.
Tanja Kullack: Architektur – eine weibliche Profession. Jovis Verlag, Berlin 2011, ISBN 978-3-86859-114-9.
Ingrid von Kruse: Eminent Architects. Jovis Verlag, Berlin 2011, ISBN 978-3-86859-111-8.
Ulrike Eichhorn: Achitektinnen. Ihr Beruf. Ihr Leben. Edition Eichhorn, Berlin 2013, ISBN 978-3-8442-6702-0.Weblinks[Bearbeiten]
&#160;Commons: Architects&#160;– Sammlung von BildernVorlage:Commonscat/Wartung/P 2 fehlt, P 1 ungleich Lemma
&#160;&#160;Wikiquote: Architektur&#160;– Zitate
&#160;Wikisource: Architektur&#160;– Quellen und Volltexte
&#160;Wiktionary: Architekt&#160;– Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, ÜbersetzungenInterviews mit interdisziplinär tätigen ArchitektenEinzelnachweise[Bearbeiten]↑ a b c Ulrike Eichhorn: Architektinnen. Ihr Beruf. Ihr Leben. Edition Eichhorn, Berlin 2013, ISBN 978-3-8442-6702-0.
↑ dai.org
↑ bda-bund.de
↑ Statistik der Bundesarchitektenkammer – https://www.bak.de/architekten/wirtschaft-arbeitsmarkt/architektenbefragungen/
↑ Bundesarchitektenkammer: Wirtschaft/Arbeitsmarkt; Statistik.
↑ 建築家. In: 世界大百科事典 第2版 bei kotobank.jp. Hitachi Solutions, abgerufen am 12.&#160;April 2012 (japanisch).&#160;
↑ 建築士. In: 主要な資格がわかる事典 bei kotobank.jp. Kodansha, abgerufen am 12.&#160;April 2012 (japanisch).&#160;
↑ a b &#160;Peter Fenn, Michael O’Shea, Edward Davies (Hrsg.): Dispute Resolution and Conflict Management in Construction: An International Review. Routledge, London 1998, ISBN 0-419-23700-3, S.&#160;339 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
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