Prozess heißt das streitige Verfahren vor einem Gericht, das durch eine Klage (im Falle des Strafprozesses durch eine Anklage) eingeleitet wird und darauf zielt, die Rechtslage durch eine verbindliche Entscheidung (ein Gerichtsurteil oder einen Gerichtsbeschluss) zu klären.
Im Strafprozess wird unter Prozess ein rechtlich geordneter, von Lage zu Lage sich entwickelnder Vorgang zur Gewinnung einer richterlichen Entscheidung über ein materielles Rechtsverhältnis verstanden.[1]
Der Begriff „streitiges“ Verfahren bezieht sich auf die Abgrenzung zu „nichtstreitigen“ Verfahren, die ebenfalls von Gerichten durchgeführt werden; zu den letzteren zählen z. B. Verfahren, die die Eintragung von grundstücksbezogenen Rechten in das Grundbuch betreffen. Sie zählen zum Bereich der freiwilligen Gerichtsbarkeit, für den ein eigenes Verfahrensrecht gilt. Das deutsche Recht kennt kein einheitliches Prozessrecht. „Gerichtsverfahren“ ist also ein weiter gefasster, allgemeinerer Begriff als „Prozess“.
Die verschiedenen Gerichtszweige haben jeweils ihre eigenen Prozessordnungen.Inhaltsverzeichnis
1Differenzierung
2 Siehe auch
3 Literatur
4 Einzelnachweise Differenzierung[Bearbeiten]
Als Aktivprozess bezeichnet man ein Gerichtsverfahren aus der Perspektive des Klägers. Dieser hat den Prozess initiiert. Dagegen führt der Beklagte einen Passivprozess – er hat den Prozess nicht angestrebt, sondern „erleidet” ihn.
Siehe auch[Bearbeiten]Hauptverhandlung – nach deutschem Strafprozessrecht der Kernbestandteil jedes Strafverfahrens
Rubrum
Aktivlegitimation
PassivlegitimationLiteratur[Bearbeiten] Erich Theodor Garlichs: Passivprozesse des Testamentsvollstreckers. Hartung-Gorre, Konstanz 1996.
 Stephan Meder, Christoph Sorge: Prozeß. In: Gert Ueding (Hrsg.): Historisches Wörterbuch der Rhetorik. Bd. 10 (2011), WBG, Darmstadt 1992ff., Sp. 975–993.
Uwe Schultz (Hrsg.): Grosse Prozesse. Recht und Gerechtigkeit in der Geschichte. Verlag C. H. Beck, München 1996, ISBN 3-406-40522-3.Einzelnachweise[Bearbeiten]↑ Meyer-Goßner StPO Einl Rn. 2
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Normdaten (Sachbegriff): GND: 4047577-3 (AKS)  | | Anmerkung: GND: „Ohne HZ nur für das Gerichtsverfahren“.
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Die Abkürzung ZPO bedeutet:Pinehouse Lake, IATA-Code des Flughafens in Saskatchewan, Kanada
Zivilprozessordnung, in verschiedenen Ländern
Zwischenprüfungsordnung im Hochschulwesen (in der Regel ZwPrO abgekürzt)Siehe auch:
&#160;Wiktionary: ZPO&#160;– Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, ÜbersetzungenDiese Seite ist eine Begriffsklärung zur Unterscheidung mehrerer mit demselben Wort bezeichneter Begriffe.
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Im deutschen Strafrecht versteht man unter Vollrausch eine Straftat nach §&#160;323a Strafgesetzbuch (StGB). Demnach macht sich strafbar, wer sich in einen Rausch versetzt, in diesem Zustand eine Straftat begeht, deswegen aber nicht bestraft werden kann, weil er infolge des Rausches schuldunfähig ist.Inhaltsverzeichnis
1 Problemstellung
2 Lösung im deutschen Strafrecht
3 Umgangssprachliche Bedeutung
4 LiteraturProblemstellung[Bearbeiten]
Ein starker Rausch kann dazu führen, dass ein Straftäter das Unrecht seiner Tat nicht einsehen oder nicht mehr nach dieser Einsicht handeln kann. Er ist dann schuldunfähig und kann wegen der Straftat selbst (der „Rauschtat“) nicht bestraft werden (§&#160;20 StGB).
Hat der Täter den Rausch vorsätzlich herbeigeführt, um straffrei auszugehen, kann ihm unter Umständen trotzdem eine strafrechtliche Schuld mittels der Rechtsfigur der actio libera in causa zugewiesen werden. Sie ist allerdings an enge Voraussetzungen geknüpft. Zudem ist umstritten, ob sie mit dem Rechtsgrundsatz zu vereinbaren ist, dass Strafe Schuld voraussetzt („nulla poena sine culpa“, „keine Strafe ohne Schuld“).
Lösung im deutschen Strafrecht[Bearbeiten]
Um eine Strafbarkeit auch von Rauschtaten zu ermöglichen, wurde durch Gesetz vom 24. November 1933 der Straftatbestand des Vollrausches in das StGB aufgenommen. Nach mehreren Umnummerierungen findet er sich heute in §&#160;323a. Die deutsche Rechtsprechung geht heute sogar noch über diese Vorschrift hinaus und straft nicht nur wegen Vollrausches, sondern wegen der im Zustand der Schuldunfähigkeit begangenen Tat nach der Rechtsfigur der sog. actio libera in causa, ohne dass das Strafgesetzbuch für eine solche Ausnahme von § 20 StGB eine gesetzliche Grundlage enthielte.
Unter Strafe gestellt ist nach § 323a StGB nicht direkt das Verhalten des Schuldunfähigen (die Rauschtat), sondern das Verhalten, welches zur Schuldunfähigkeit geführt hat (das Sich-Berauschen). Die Begehung einer anderen Straftat im Zustand der rauschbedingten Schuldunfähigkeit ist nur eine sog. objektive Bedingung der Strafbarkeit.
Unter dieser Bedingung ist sowohl das vorsätzliche als auch das fahrlässige Sich-Berauschen unter Strafe gestellt. Es ist dabei unerheblich, ob der Rausch durch Alkohol oder durch andere berauschende Mittel herbeigeführt wird, wobei hier dann auch ein Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz vorliegen kann, welches aber rechtlich nicht mehr mit dem Vollrausch verknüpft ist.
Das Strafmaß beträgt Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahre oder Geldstrafe, darf dabei jedoch nicht höher sein als das Strafmaß der Rauschtat. Ferner wird die Tat nur auf Antrag, mit Ermächtigung oder auf Strafverlangen hin verfolgt, wenn gleiches auch für die Rauschtat vorgegeben ist.
Zum österreichischen Recht siehe Rauschtat.
Umgangssprachliche Bedeutung[Bearbeiten]
Umgangssprachlich versteht man unter einem Vollrausch einen fortgeschrittenen Rauschzustand, in dem der Berauschte so weit die Kontrolle über sich selbst verliert, dass er sich später nicht mehr an die Erlebnisse während des Rausches erinnern kann („Filmriss“).
Literatur[Bearbeiten]Kristian Kühl: Strafgesetzbuch. Kommentar. 25., neu bearbeitete Auflag, des von Eduard Dreher und Hermann Maassen begründet und von Karl Lackner, seit der 21. Auflage neben ihm von Kristian Kühl, seit der 25. Auflage von diesem allein fortgeführten Werkes. Beck Juristischer Verlag, München 2004, ISBN 3-406-52295-5.
Herbert Tröndle: Strafgesetzbuch und Nebengesetze. (Mit den Änderungen durch das 35. StrÄndG und das Sexualdelikte-Änderungsgesetz) (=Beck'sche Kurz-Kommentare. Bd. 10). 53., neu bearbeitete Auflage des von Otto Schwarz begründeten, in der 23. bis 37. Auflage von Eduard Dreher bearbeiteten Werkes. Beck Juristischer Verlag, München 2005, ISBN 3-406-53900-9.
Wolfgang Joecks: Strafgesetzbuch. Studienkommentar. = Studienkommentar StGB. 6. Auflage. Beck Juristischer Verlag, München 2005, ISBN 3-406-53845-2.
Adolf Schönke: Strafgesetzbuch. Kommentar. 27., neu bearbeitete Auflage. Beck Juristischer Verlag, München 2006, ISBN 3-406-51729-3.
Johannes Wessels: Strafrecht Besonderer Teil. Band 1: Straftaten gegen Persönlichkeits- und Gemeinschaftswerte (= Schwerpunkte. Bd. 8, 1). 29., neu bearbeitete Auflage. Müller, Heidelberg 2005, ISBN 3-8114-7328-X.
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Abkürzung: H:NA
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GlossarVerhalten im NotfallNeuen Artikel anlegenJeden Tag werden in der Wikipedia hunderte neue Artikel angelegt. Diese Anleitung soll aufzeigen, wie auch du einen Artikel anlegen kannst.
Das Wichtigste vorab: In der Wikipedia dürfen nur Inhalte stehen, dierelevant sind für eine Enzyklopädie,
zu denen woanders schon nachprüfbar veröffentlicht wurde
und die dann von dir selbst als Autor in Form eines Artikels zusammengefasst werden.Die folgenden Hinweise sollen dir verdeutlichen, wie ein guter Artikel entworfen werden kann, und vermeiden, dass du in die falsche Richtung arbeitest. Sei aber unbesorgt: Wikipedia verlangt nicht, dass dein erster Artikel gleich alle wünschenswerten Anforderungen ab der ersten Version erfüllt. Du solltest aber schon Verantwortung für Deine Texte übernehmen und an einer Verbesserung mitwirken. Das Wiki-Prinzip beruht darauf, dass einer anfängt und viele mitarbeiten und verbessern, deshalb sei mutig und lege neue Artikel an. Je vollständiger, desto besser, aber auch kleine Pflanzen wachsen. Falls du Hilfe brauchst, wende dich gerne an das Mentorenprogramm oder frage einfach andere Nutzer um Rat und Hilfe. Die folgenden Hinweise sollen helfen, deine Mühen nicht ins Leere laufen zu lassen und dir eine Löschdiskussion zu ersparen (siehe unten).
Bitte nimm dir für das Verfassen eines Artikels Zeit: Ausführliche Tipps zu Aufbau, Stil und Literaturwahl findest du unter Wikipedia:Wie schreibe ich gute Artikel, Hilfen zur Formatierung des Artikels sind unter Hilfe:Textgestaltung, Wikipedia:Formatierung sowie Wikipedia:Formatvorlage aufgeführt und unter Wikipedia:Artikel werden die Mindestanforderungen an einen Artikel, die du beachten solltest, beschrieben.
Diese Anleitung geht davon aus, dass du dir bereits ein Artikelthema ausgesucht hast. Falls das nicht der Fall ist, können die Artikelwünsche Ideen geben. Anstatt einen neuen Artikel anzulegen, kannst du auch bisherige Artikel verbessern. Wenn du das Erstellen oder Bearbeiten von Artikeln erst einmal ausprobieren möchtest, nutze bitte die „Spielwiese“ –&#160;Hilfe zum Bearbeiten findest du unter Hilfe:Seite bearbeiten, als Neuling solltest du auch auf Wikipedia:Starthilfe und Wikipedia:Tutorial vorbeischauen.Tutorial für neue Autoren •Hilfe zum Bearbeiten •Häufige Fragen •Alle Hilfeseiten •Fragen stellen •Feste Ansprechpartner •Grundprinzipien •Richtlinien
Schritt 1: Artikelnamen überprüfen
Besteht der Artikel möglicherweise bereits unter einem anderen Namen (Lemma)?
Gib in das untenstehende Eingabefeld den Artikelnamen ein und klicke anschließend auf den Button „Volltextsuche“, um ähnliche Artikel aufzuspüren. Es kommt häufig vor, dass es zu einem Begriff zwei oder mehr gebräuchliche Wörter gibt, die synonym verwendet werden. Diesen Fall kann man mit Weiterleitungen lösen. Man sollte identische Inhalte nicht mehrfach unter verschiedenen Titeln speichern. Siehe dazu auch die Namenskonventionen.
Wenn Du sehen möchtest, ob schon ein anderer Benutzer am gleichen Thema arbeitet, kannst Du im Ergebnis der Volltext-Suche zusätzlich „Benutzer“ ankreuzen und erhältst dann auch Ergebnisse aus dem Benutzernamensraum (Hilfe zur Suchfunktion).
Main
Benutzer</form>
Schritt 2: Relevanz überprüfen
Es gibt Inhalte, die in der Wikipedia nicht erwünscht sind. Dazu zählen zum Beispiel reine Wörterbucheinträge oder Werbung in Artikeln: Bitte lies dir durch, was Wikipedia nicht ist. Manchmal kann es auch zu Interessenkonflikten kommen. Diese treten insbesondere in Zusammenhang mit einer Darstellung der eigenen Person oder Firma auf.
Bitte prüfe unbedingt anhand der Relevanzkriterien, ob dein Thema enzyklopädisch relevant ist! Viele Artikel werden gelöscht, weil ihre Themen für Wikipedia nicht relevant sind.
Wenn du dir unsicher bist, ob die Relevanz gegeben ist oder der Artikel überhaupt in die Wikipedia gehört, kannst du einfach beim Relevanzcheck nachfragen. Die Leute dort können dir am besten helfen, wenn du zusätzlich zur Frage (kurz und stichpunktartig) Gründe angibst, warum du meinst, dass der Gegenstand in einem Lexikon beschrieben werden sollte. Mach das bitte, bevor du den Artikel schreibst!
Bedenke, dass nach den Löschregeln auch geänderte Relevanzkriterien als neues Argument für eine Löschung gelten. Es gibt demnach keinen „Bestandsschutz“. Die Verfahren, nach denen sich diese Regeln ändern können, sind nicht genau festgelegt.
Schritt 3: Belege sammeln
In der Wikipedia besteht eine Belegpflicht; das heißt, alle nicht-trivialen Aussagen, die in einem Artikel stehen, müssen mit reputablen Quellen belegt sein! Als Enzyklopädie ist Wikipedia darauf bedacht, nur bereits bekanntes Wissen an den Leser zu bringen. Gleichzeitig muss der Inhalt eines Artikels aus zuverlässiger Hand überprüfbar sein. Deshalb empfiehlt es sich, schon vor dem Schreiben mögliche Belege (Fachliteratur, Qualitätszeitungen usw.) zu sammeln. Die verwendete Literatur sollte in einer Bibliothek auffindbar sein. Näheres steht auf Wikipedia:Belege.
Schritt 4: Artikeltitel (Lemma) und Erstellungsort (Namensraum) wählen
Wenn die Relevanz gegeben ist, geht es an das Artikelschreiben. Zuerst musst du dir ein geeignetes Lemma suchen, unter dem der Artikel abgespeichert wird. Das ist dann der Titel des Artikels. Dabei helfen die Namenskonventionen weiter. Insbesondere solltest du beachten, dass Wikipedia Groß- und Kleinschreibung unterscheidet.
Es gibt zwei Möglichkeiten, einen Artikel anzulegen, bzw. vorzubereiten:
Im Benutzernamensraum vorbereitenAls angemeldeter Nutzer kannst du den Artikel zunächst ungestört im Benutzernamensraum vorbereiten, um ihn dann später in den Artikelnamensraum zu verschieben. So läufst du nicht Gefahr, dass der Artikel direkt zu Beginn gelöscht wird, wenn du noch nicht fertig bist, und du hast genug Zeit, um Einzelheiten zu verbessern, bevor der Artikel für alle Leser sichtbar wird. Diese Methode ist für neue, noch nicht sehr erfahrene Nutzer sinnvoll, aber auch langjährige Wikipedianer nutzen diese Möglichkeit, zum Beispiel, wenn sie zu wenig Zeit haben, um sofort einen brauchbaren Artikel zu erstellen und so immer wieder mal daran arbeiten können.Um einen Artikel im Benutzernamensraum vorzubereiten, kannst Du den folgenden Kasten nutzen.
Bevor du auf Unterseite erstellen klickst, kannst du in das Eingabefeld statt des Wortes Artikelentwurf auch einen anderen von dir gewünschten Seitennamen eintragen. Wenn dein Artikelentwurf beispielsweise Mein Artikel heißen soll, muss im Eingabefeld stehen: Spezial:Meine Benutzerseite/Mein Artikel. Der Teil Spezial:Meine Benutzerseite/ bleibt unverändert stehen, er wird beim Erstellen der Seite automatisch ausgewertet. Danach kannst du mit Schritt 5 weitermachen.
</form>Du darfst das ausprobieren. Die Seite wird nur vorbereitet. Erst wenn du sie dann noch speicherst, wird sie tatsächlich erstellt.Siehe ausführlich auch unter Hilfe:Artikelentwurf.
Direkt im Artikelnamensraum erstellenEs ist natürlich auch möglich, den Artikel direkt im Artikelnamensraum zu erstellen. Beachte dabei aber bitte, dass der Artikel bei dieser Methode auch schon zu Beginn den grundlegenden Qualitätsstandards entsprechen sollte, da sonst die Gefahr besteht, dass er gelöscht wird, bevor er überhaupt fertig ist. Bei dieser Methode besteht also nicht die Möglichkeit, grundlegende Strukturen des Artikels erst über längere Zeit aufzubauen, aber natürlich wird auch nicht erwartet, dass er von Anfang an einwandfrei ist. Du brauchst also nicht besorgt zu sein, wenn du zu Beginn noch nicht alle Informationen im Artikel untergebracht hast.Um einen Artikel sofort im Artikelnamensraum anzulegen, gib im folgenden Kasten den Titel des Artikels ein und klicke auf die Schaltfläche. Danach kannst du mit Schritt 5 weitermachen:
</form>Hinweis: Du brauchst nicht jedes Mal auf diese Seite zu kommen, wenn du zukünftig weitere Artikel anlegen willst. Du kannst stattdessen auch ganz einfach das Lemma deines Artikels im Suchfeld (auf jeder Seite oben; meist rechts) eingeben und bei den Suchergebnissen anschließend auf „erstellen“ klicken, oder du öffnest einen roten Link zu einem nicht vorhandenen Artikel, der dich ebenso auf das Bearbeitungsfenster weiterleitet.
Schritt 5: Artikel schreiben
Mediendatei abspielen
Videoanleitung zum Erstellen von Artikeln (englisch). Für weitere Videos in deutscher Sprache siehe Commons:Wikimedia Deutschland Screencasts
Siehe auch: Wikipedia:Tutorial, Wikipedia:Wie schreibe ich gute Artikel und Wikipedia:Wie gute Artikel aussehen
Folgendes solltest du bei der Erstellung eines Artikels beachten:Beim Schreiben des Artikels solltest du dir Zeit nehmen. Achte bitte darauf, dass das Lemma richtig und möglichst allgemein definiert wird (siehe dazu Wikipedia:Namenskonventionen).
Jeder Artikel muss in erster Linie unseren Grundprinzipien und Richtlinien entsprechen, einen neutralen Standpunkt haben und die enzyklopädische Relevanz sollte aus dem Artikel hervorgehen (siehe auch Wikipedia:Themenbereiche zu den Richtlinien bestimmter Fachbereiche). Die Mindestanforderungen findest du unter Wikipedia:Artikel.
Bitte gib im Artikel per Fußnote Belege an (siehe dazu Hilfe:Einzelnachweise) –&#160;die Harvard-Zitation ist in der Wikipedia unüblich.
Beachte bei allen deinen Arbeiten bitte auch, dass das Kopieren urheberrechtlich geschützter Werke verboten ist!
Ein Gerüst zur Erstellung eines neuen Artikels zu bestimmten Fachbereichen geben dir die Formatvorlagen (siehe Navigationsboxen weiter unten – dort findest du u.&#160;a. Mustervorlagen für Artikel aus bestimmten Themengebieten). Einige Anhaltspunkte gibt dir auch die Anleitung „Wie schreibe ich gute Artikel“ (inhaltlich) bzw. „Wie gute Artikel aussehen“ (formal).
Unter Hilfe:Textgestaltung, Wikipedia:Formatierung und Hilfe:Wikisyntax findest du außerdem Hilfen und Regeln zur Formatierung des Artikels in Wikitext (der auf Wikipedia verwendeten Auszeichnungssprache).Wenn du neu bei Wikipedia bist und noch nicht viel Erfahrung mit dem Bearbeiten hast, werden dir folgende Seiten weiterhelfen:Wikipedia:Starthilfe – Übersicht über wichtige Hilfeseiten für neue Autoren
Hilfe:Seite bearbeiten – alles zum Bearbeiten einer Seite
Wikipedia:Tutorial – Tutorial für neue Autoren zum SelbstlernenWenn du trotzdem noch Fragen zur Wikipedia hast, die unter Hilfe:FAQ nicht geklärt wurden, kannst diese unter Wikipedia:Fragen zur Wikipedia stellen.
Im Folgenden findest du bestehende Formatvorlagen und Richtlinien zu bestimmten Themengebieten – möchtest du einen neuen Artikel in einem dieser Bereiche erstellen, solltest du sie beachten:
AusklappenPersonen, Gruppen, Unternehmen, Institutionen, Vereine
BiografienBiografien (allgemein)&#160;· Biografien (Religion)&#160;· Gott (Ägypten)&#160;· Musiker&#160;· Pharao (Ägypten)&#160;· RaumfahrerPersonenFamiliennamen&#160;· VornamenOrganisationenFluggesellschaften&#160;· Gericht&#160;· Partei&#160;· Regimentsgeschichte&#160;· Sparkasse (Deutschland)&#160;· Sportvereine&#160;· Universitäten und Hochschulen&#160;· Unternehmen (allgemein)&#160;· Verein&#160;· Verein ÖsterreichRichtlinien: lebende Personen&#160;· Wirtschaft&#160;· Schulen&#160;· StudentenverbindungenAusklappenGeisteswissenschaften, Religion, Kunst, Kultur
Kunst, KulturBands&#160;· Charts&#160;· Comics&#160;· Fernsehserien&#160;· Filme&#160;· Literatur&#160;· Musikalben&#160;· Musikinstrumente&#160;· Opern&#160;· Sprachen&#160;· Stilepochen&#160;· Theaterstücke&#160;· TraktatReligionBistum&#160;· Konfession&#160;· ReligionRichtlinien: bildende Kunst&#160;· Comics&#160;· Film und Fernsehen&#160;· Fiktives&#160;· musikalische Werke&#160;· literarische Werke&#160;· GeschichteAusklappenNaturwissenschaften, Medizin
BiologieLebende Organismen&#160;· Fossile Organismen&#160;· Viren&#160;· Bakterien&#160;· Bakterielle Erreger&#160;· Pilze&#160;· PferderassenChemieChemikalien&#160;· Chemische Elemente&#160;· Mineralien&#160;· StoffgruppeMedizinAntibiotikum&#160;· Arzneistoff&#160;· Muskel&#160;· Krankheiten&#160;· UntersuchungMathematikMathematikAstronomieAstronomisches Objekt&#160;· GalaxieRichtlinien: Biologie&#160;· Chemie&#160;· Physik&#160;· Medizin&#160;· HundeAusklappenGeografie, Topografie, Politik
Politik, StaatenBezirke in Österreich&#160;· Bezirke in der Schweiz&#160;· Bundesstaat (USA)&#160;· County (USA)&#160;· Flagge&#160;· Gemeinden in Deutschland&#160;· Gemeinden in Schweden&#160;· Gesetz&#160;· Kantone in der Schweiz&#160;· Landkreise&#160;· Orte in Frankreich&#160;· Orte/Gemeinden in Österreich&#160;· Orte in Polen&#160;· Orte in Portugal&#160;· Orte in der Schweiz&#160;· Orte in der Türkei&#160;· Orte in Ungarn&#160;· Orte in den USA&#160;· Staaten&#160;· WährungenGeografieBerge und andere Erhebungen&#160;· Flüsse&#160;· Inseln&#160;· Pass (Gebirge)&#160;· Seen&#160;· WeinbaugebieteRichtlinien: Berge und Gebirge&#160;· SüdosteuropaAusklappenPlanen, Bauen, Transport
BauwerkeBauwerk (Architektur)&#160;· Burg&#160;· Krankenhaus&#160;· Platz&#160;· Sakralbauten in Orten&#160;· SchutzhütteTransportBahnstrecke&#160;· Bootsklasse&#160;· Eisenbahntriebfahrzeuge&#160;· Flughafen&#160;· Schiffe&#160;· Schifffahrtskanal&#160;· Schiffslisten&#160;· Sojus-Mission&#160;· Straßen&#160;· STS-MissionenRichtlinien: Bahn&#160;· BibliothekenAusklappenSonstigesBegriffsklärungen&#160;· Chronik&#160;· Jahreseinträge&#160;· Monatseinträge&#160;· TageseinträgeRichtlinien: Begriffsklärungen&#160;· Computerspiele&#160;· E-Sport&#160;· Software&#160;· Websites
Alle Infoboxen finden sich in dieser KategorieSchritt 6: Vorschau und Zusammenfassung
Vorschaubutton und Zeile mit „Zusammenfassung und Quellen:“Bevor du den Artikel mit Artikel speichern erstellst, überprüfe mit Hilfe des Buttons Vorschau zeigen, ob der Artikel deiner Vorstellung entspricht. Jedes Abspeichern ist nämlich als eine Version des Artikels in der Versionsgeschichte sichtbar.
Unter der Textbox befindet sich ein weiteres Eingabefeld für die Zusammenfassung, in der du kurz eingibst, wovon dein Artikel handelt und, gegebenenfalls, womit du ihn belegst.
Mit dem Speichern der Seite versicherst du, dass du den Beitrag selbst verfasst hast und dass er keine fremden Rechte verletzt. Du willigst damit auch ein, ihn unter der Creative Commons Attribution/Share-Alike Lizenz 3.0 und der GNU-Lizenz für freie Dokumentation zu veröffentlichen. Falls du den Text nicht selbst verfasst hast, muss er unter den Nutzungsbedingungen verfügbar sein und du stimmst zu, notwendigen Lizenzanforderungen zu folgen. Du stimmst einer Autorennennung mindestens durch URL oder Verweis auf den Artikel zu. Wenn du nicht möchtest, dass dein Text weiterbearbeitet und weiterverbreitet wird, dann speichere ihn nicht!Schritt 7: Einordnung
Solltest du den Artikel in deinem Benutzernamensraum vorbereiten, diesen Schritt bitte erst nach dem Verschieben durchführen.Es ist hilfreich, den Artikel in die passenden Kategorien einzusortieren. Da das Kategoriensystem hierarchisch angeordnet ist, reicht es für den Anfang aus, den neuen Artikel in eine Hauptkategorie einzusortieren. So werden die Artikel schnell von erfahreneren Wikipedianern (zum Beispiel im Rahmen einer Redaktion) gefunden, die sich des Artikels dann annehmen werden. Hilfe dazu findest du unter Hilfe:Kategorien
Verlinke den neu erstellten Artikel ggf. in einem bestehenden Artikel mit Themenbezug.
Suche nach Artikeln über das gleiche Thema in anderer Sprache und verlinke sie auf Wikidata –&#160;siehe dazu Hilfe:Interwiki.
In Personenartikeln ist es nötig, die Vorlage:Personendaten am Ende einzufügen, um so Metadaten hinzuzufügen –&#160;siehe dazu Hilfe:Personendaten.
Unter Wikipedia:Wikifizieren findest du abschließend eine Checkliste mit häufig gemachten Fehlern sowie weiteren Kleinigkeiten, die oft zu einem Eintrag auf den Seiten der Qualitätssicherung führen –&#160;versuche am besten, diese Probleme schon vorher zu lösen. Mit dem Auto-Reviewer (ein externes Tool) lässt sich der Artikel außerdem automatisch auf häufige Fehler untersuchen.Schritt 8: Beobachte den Artikel
Neue Artikel werden im Rahmen der Eingangskontrolle recht schnell nach dem Speichern von erfahrenen Benutzern gesehen. Wahrscheinlich haben diese sofort etwas zu verbessern; bei Mängeln wird er in die Qualitätssicherung eingetragen oder sogar zur Löschung vorgeschlagen. Falls er zur Schnelllöschung vorgeschlagen wird, hast du wahrscheinlich etwas ziemlich falsch gemacht. Vielleicht wird im Rahmen der Löschdiskussion auch schlicht die Relevanz angezweifelt und diskutiert.
Es kann daher vorteilhaft sein, auf solche Änderungen schnell reagieren zu können. Du solltest daher nach dem Speichern des Artikels den Artikel regelmäßig auf Änderungen überprüfen –&#160;als angemeldeter Nutzer kannst du das über die Beobachtungs-Funktion machen. Wenn ein Benutzer deinen Artikel zur Löschung vorschlägt, kannst du so versuchen, rechtzeitig die nötigen Verbesserungen vorzunehmen. An dieser Stelle merkst du vielleicht auch, warum es sinnvoll sein kann, einen Artikel erst im Benutzernamensraum vorzubereiten (siehe Schritt 4).
Wenn es hart auf hart kommt und der Artikel gelöscht wird, dann reg dich bitte nicht darüber auf und sei nicht enttäuscht. Wahrscheinlich hast du einfach versehentlich einen Fehler gemacht, oder der Artikel ist in sehr ähnlicher Form bereits vorhanden. Das ist nicht weiter schlimm und passiert fast jedem Neuling. Wenn du dennoch der Meinung bist, dass „dein“ Artikel unrechtmäßig gelöscht wurde, dann frage freundlich den Administrator, der nach der Löschdiskussion den Artikel gelöscht hat, und gehe dabei von guten Absichten aus –&#160;im Ernstfall kannst du auch die Löschprüfung anrufen. Sollte der Artikel ohne Löschdiskussion gelöscht worden sein, so kannst du durch Doppelklick des Rotlinks oberhalb des dann freien Lemmas erkennen, welcher Admin wann den Artikel gelöscht hat und welchen Grund er dafür angab. Bei Schnelllöschungen kommt es zudem häufig vor, dass der Artikel im aktuellen Zustand einfach noch nicht gut genug war, grundsätzlich aber durchaus relevant wäre; in diesem Fall kannst du den Artikel in deinem Benutzernamensraum vorbereiten und anschließend erneut in den Artikelnamensraum verschieben.
Verzweifle aber nicht und bleib mutig –&#160;auch wenn es hier öfters etwas ruppig zugeht, werden die Wikipedianer dir als Neuling zur Seite stehen und dich bei deinen ersten Schritten unterstützen. Wenn du einen festen Ansprechpartner haben möchtest, kannst du gerne das Mentorenprogramm in Anspruch nehmen. Weitere Hilfe findest du unter Wikipedia:Starthilfe.
Siehe auchWikipedia:Handbuch – gegliederte Übersicht über wichtige Themengebiete.
Wikipedia:Tutorial – Tutorial für neue Autoren.
Wikipedia:Formatvorlage/Musterartikel – Musterartikel mit Erläuterungen.
Wikipedia:Mentorenprogramm – feste Ansprechpartner für neue Nutzer.
Wikipedia:Fragen von Neulingen – hier kannst du deine Fragen stellen.
Wikipedia-Lehrbuch – „Lehrbuch“ für ein Grundverständnis von Wikipedia.
Wikipedia:Übersetzungen – falls du einen Artikel aus einer anderen Sprache ins Deutsche übersetzen möchtest.<!–NewPP limit report
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Parteigutachten bezeichnet die Untersuchung und sachverständige Beurteilung eines Sachverhalts durch einen Gutachter im Auftrag einer Partei anstatt des Gerichts. Aus diesem Grund handelt es sich bei dem Parteigutachten, auch Privatgutachten genannt, nicht um ein Beweismittel im Sinne der Zivilprozessordnung.
Als Beweismittel im Sinne der Zivilprozessordnung kann ein Sachverständigengutachten nur dann vom Gericht bei der Beweiswürdigung im Rahmen der Urteilsfindung herangezogen werden, wenn es im Prozess von einem gerichtlich bestellten Sachverständigen erstellt wurde.
Ein Parteigutachten dient regelmäßig dazu, dem Auftraggeber einen genaueren Sachvortrag im Verfahren zu ermöglichen und insbesondere, soweit schon vorliegend, Fehler und Schwächen in Gutachten gerichtlich bestellter Sachverständiger aufzudecken und zu rügen. Nicht selten führt dies, soweit die Rüge vom Gericht gehört wird, zur Beauftragung eines weiteren gerichtlich bestellten Sachverständigen, fälschlicherweise oft als Gegengutachter oder Obergutachter bezeichnet. Unter Umständen kann der Parteigutachter im weiteren Verfahren als Zeuge im Prozess vernommen werden.
In den anderen Prozessordnungen (Strafprozess, Verwaltungsprozess) gilt dieser Grundsatz entsprechend.
Wird vor einem Prozess ein Gutachten von einer der streitenden Parteien bei einem Sachverständigen eingeholt, so kann dieses Gutachten im (eventuell folgenden) Prozess bei Gericht Verwertung finden, sofern beide Parteien zustimmen. Der Gegenpartei steht es jedoch frei, den Antrag zu stellen, ein Gegengutachten bei einem gerichtlich bestellten Sachverständigen einzuholen.
Einseitige, also nicht objektiv urteilende Gutachten nennt man Gefälligkeitsgutachten.Bitte den Hinweis zu Rechtsthemen beachten!
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Das Vorbringen oder der Vortrag einer Prozesspartei (Parteivortrag) stellt die Gesamtheit der Behauptungen dar, die eine Partei im Prozess vorbringt. Man unterscheidet zwischen Rechtsansichten und Tatsachenbehauptungen. Nach § 291 ZPO bedürfen gerichtsbekannte offenkundige Tatsachen keines Beweises §&#160;291. Der Vortrag von Tatsachen ist vor allem im Zivilprozess von Bedeutung. Das Zivilgericht hat den tatsächlichen Sachverhalt nicht von Amts wegen aufzuklären, sondern den Tatsachenvortrag der Parteien zugrunde zu legen (Verhandlungsgrundsatz oder Beibringungsgrundsatz) und hierüber gegebenenfalls Beweis zu erheben (vgl. näher hierzu Relationstechnik).Inhaltsverzeichnis
1 Die Rechtslage im deutschen Zivilprozess
2 Wahrheitspflicht der Parteien
3 Wahrheitspflicht des Rechtsanwalts
4 Erklärungspflicht4.1 Zugestandenes Vorbringen
4.2 Bestrittenes Vorbringen
4.3 Fehlende Erklärung
5 Nichtwissen
6 Substantiiertes Vorbringen
7 Literatur
8 Siehe auch
9 EinzelnachweiseDie Rechtslage im deutschen Zivilprozess[Bearbeiten]
Die Zivilprozessordnung (ZPO) regelt die Erklärungs- und Vortragspflichten der Parteien näher in §&#160;138.
Wahrheitspflicht der Parteien[Bearbeiten]
Dieser enthält zunächst in § 138 Abs. 1 die Normierung der Wahrheitspflicht der Partei. (Die Parteien haben ihre Erklärungen über tatsächliche Umstände vollständig und der Wahrheit gemäß abzugeben). Soweit hier auch ein vollständiger Vortrag gefordert wird, meint dies nicht, dass die Partei verpflichtet wäre, alles vorzutragen, was zur Sache gehören könnte. Die Pflicht zur Vollständigkeit ist vielmehr ein Unterfall der Wahrheitspflicht und meint, dass die Erklärung der Partei nicht durch Auslassungen unwahr werden darf. Im Übrigen ist unvollständiges oder unsubstantiiertes Vorbringen nur insoweit sanktioniert, als dass es regelmäßig die Aussichten der Partei, im Prozess zu obsiegen, schmälern wird.
Wahrheitspflicht des Rechtsanwalts[Bearbeiten]
Der Rechtsanwalt ist zur Wahrheit im Zivilprozess verpflichtet. Er darf zugunsten seines Mandanten weder unwahre Tatsachen vortragen noch wahre Tatsachen verschweigen, sofern dies zu einer unwahren Sachverhaltsdarstellung führt. Ebenfalls untersagt ist ihm das Bestreiten wahrer Tatsachen. Seine Wahrheitspflicht ergibt sich aus seiner Stellung als Organ der Rechtspflege (§ 1 BRAO). Danach ist er verpflichtet, an der Verwirklichung und Aufrechterhaltung der Rechtspflege mitzuwirken, was ihm Unwahrheiten vor Gericht wegen der Gefahr von Fehlurteilen verbietet. Wenn er gleichwohl Unwahrheiten vorträgt und die Gegenseite dadurch den Prozess verliert, haftet er dieser auf Schadensersatz. Dies ist ein Fall der sogenannten Dritthaftung, weil der Anwalt hier nicht seinem Mandanten, sondern einem Nichtmandanten (Dritten) haftet.
Erklärungspflicht[Bearbeiten]
In § 138 Abs. 2 und 3 wird sodann die Erklärungspflicht jeder Partei näher dargelegt. Hierbei bestimmt Abs. 2, dass jede Partei sich über die von dem Gegner behaupteten Tatsachen zu erklären hat. Diese Erklärung kann dabei grundsätzlich dahingehen, dass das gegnerische Vorbringen entweder zugestanden oder bestritten wird.
Zugestandenes Vorbringen[Bearbeiten]
Gesteht der Gegner eine Tatsachenbehauptung der anderen Partei zu, so liegt insoweit ein unstreitiger Vortrag vor. Bedeutsam ist hierbei, dass das Gericht an das unstreitige Parteivorbringen gebunden ist. Es darf über Fragen, die zwischen den Parteien eines Zivilprozesses nicht in Streit stehen, keinen Beweis erheben. Selbst wenn das Gericht aus anderen Gründen von der Unrichtigkeit des unstreitigen Vorbringens überzeugt ist, muss es dennoch seine rechtliche Würdigung an dem unstreitigen Sachvortrag der Parteien ausrichten.
Die Regelungen über den unstreitigen Vortrag sind eine direkte Folge dessen, dass es im Zivilprozess gerade keine Amtsaufklärungspflicht gibt. Das Gegenteil gilt etwa im Strafprozess: Hier kommt dem Gericht nach §&#160;244 Abs. 2 StPO eine umfassende Pflicht zur Sachverhaltsaufklärung zu. Das Gericht wäre deswegen daran gehindert, ein Geständnis des Angeklagten ungeprüft seiner Verurteilung zu Grunde zu legen, weil der Sachverhalt zwischen Verteidigung und Staatsanwaltschaft unstreitig sei.
Bestrittenes Vorbringen[Bearbeiten]
Bestreitet eine Partei das Vorbringen der anderen, so ist zunächst zu prüfen, ob eine der Parteien für das jeweilige Vorbringen Beweis angeboten, also ein Beweismittel benannt hat, durch welches das bestrittene (oder: streitige) Vorbringen bewiesen werden soll. Hier kommen alle auch aus anderen Verfahrensordnungen bekannten Beweismittel, wie der Zeugenbeweis, der Beweis durch Sachverständigengutachten, gerichtlichen Augenschein oder Urkunden in Betracht. Ist zu einer für die Entscheidung erheblichen Tatsache ein Beweis angeboten worden, so muss das Gericht diesen Beweis erheben. Erachtet es nach durchgeführter Beweiserhebung das Vorbringen für bewiesen, kann und muss das Gericht dieses Vorbringen seinem Urteil auch dann zu Grunde legen, wenn die Gegenseite an ihrem Bestreiten festhält. Gelingt der Beweis nicht, oder fehlt es von vornherein an einem Beweisangebot, so muss das Gericht fragen, welche der Parteien für den streitigen Umstand beweispflichtig wäre, und die Tatsache, dass eine Aufklärung nicht möglich war, zum Nachteil ebendieser Partei werten.
Fehlende Erklärung[Bearbeiten]
§ 138 Abs. 3 bestimmt die Folge, die sich aus einem Verstoß gegen die Pflicht zur vollständigen Erklärung gemäß § 138 Abs. 2 ergibt: In diesem Falle ist nämlich das gegnerische Vorbringen wie zugestandenes Vorbringen zu behandeln. Man spricht hier von der Geständnisfiktion. Zu beachten ist jedoch, dass es hier nicht zwingend eines ausdrücklichen Bestreitens bedarf. Aus einer Gesamtbetrachtungsweise des übrigen Parteivorbringens, bei dem auch zeitlich vorhergehendes Vorbringen zu berücksichtigen ist, kann sich vielmehr auch ein konkludentes Bestreiten ergeben, so dass hieraus trotz fehlender expliziter Erklärung eben nicht die Behandlung des gegnerischen Vorbringens als zugestandenes Vorbringen folgt. Ferner reicht für die Annahme einer Geständnisfiktion nicht schon das lediglich fehlende Bestreiten aus. Vielmehr muss laut Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts ein konkludent geäußerter Geständniswille gegeben sein.[1]
Nichtwissen[Bearbeiten]
Im Rahmen des Vorbringens einer Partei können Umstände behauptet werden, welche die Gegenseite weder zugestehen möchte, noch substantiiert bestreiten kann. Ein Beispiel wäre das Vorbringen eines als Kläger auftretenden Vermieters, der zur Begründung seiner Räumungsklage ausführt, andere Mieter hätten sich über den Beklagten beschwert, weil dieser die Hausordnung nicht einhalte. Der Beklagte kann nicht wissen, ob sich andere Mieter gegenüber dem Vermieter beschwert haben. Im Rahmen seiner Wahrheitspflicht (s.o.) kann er sich also allenfalls darüber erklären, ob er die Hausordnung eingehalten hat, zu dem Verhalten der anderen Mieter aber nichts sagen. In diesem Falle kann er sich über das klägerische Vorbringen mit Nichtwissen erklären. Die Erklärung mit Nichtwissen wird allgemein als Bestreiten mit Nichtwissen bezeichnet, obschon es sich hierbei streng genommen nicht um ein Bestreiten sondern um die Angabe von Ungewissheit handelt. Allerdings sind die Rechtsfolgen der Erklärung mit Nichtwissen dieselben wie diejenigen eines Bestreitens: Der Sachverhalt, über den sich eine Partei zulässigerweise mit Nichtwissen erklärt hat, ist kein unstreitiges Vorbringen, so dass entweder Beweis erhoben oder nach den Regeln der Beweislast entschieden werden muss.
Für die Erklärung mit Nichtwissen bestimmt § 138 Abs. 4 ZPO, dass sich eine Partei zulässigerweise nur über solche Tatsachen mit Nichtwissen erklären darf, die weder ihre eigenen Handlungen betreffen, noch Gegenstand ihrer eigenen Wahrnehmung gewesen sind. In dem bereits erwähnten Beispiel darf sich also der im Prozess als Beklagter auftretende Mieter über die Äußerungen der anderen Mietern mit Nichtwissen erklären. Sein eigenes Verhalten muss er aber entweder zugestehen oder mit einer konkreten Behauptung (es ist unrichtig, dass der Beklagte nachts gelärmt habe, vielmehr hat er ab 22 Uhr stets vermieden, lauter als mit Zimmerlautstärke Radio zu hören oder sonst seine Mitmieter durch Lärm zu belästigen) bestreiten. Bestreitet eine Partei dagegen unzulässigerweise mit Nichtwissen, so gilt das Vorbringen somit zwar als formal streitig und wird als solches im Urteilstatbestand auch dargestellt, jedoch wird die jeweilige Tatsache im Verfahren aufgrund der Unzulässigkeit im Rahmen der Entscheidungsfindung als unstreitig zugrundegelegt, da sie insofern gemäß der Regelung des § 138 Abs. 3 ZPO als zugestanden angesehen wird.
Substantiiertes Vorbringen[Bearbeiten]
Der Begriff des substantiierten Vorbringens formuliert abstrakt die Frage danach, wie genau und wie detailliert eine Partei ihren Tatsachenvortrag im Einzelfall ausgestalten muss. Grundsätzlich richtet sich die Substantiierungslast nach dem Vortrag, welcher bestritten wird. Pauschales Vorbringen etwa darf der Gegner ebenfalls pauschal Bestreiten. Macht die eine Seite hingegen konkrete Angaben, reicht ein pauschales Bestreiten nicht mehr aus, ein solches gilt vielmehr als Nichtbestreiten mit der Folge des § 138 III ZPO. Die andere Partei muss vielmehr ebenfalls, gemessen am Maßstab des zu bestreitenden Vortrags, konkret vortragen. Kommt sie dem nicht nach, erfolgt überdies bereits im Tatbestand der gerichtlichen Entscheidung keine streitige Darstellung dieser Tatsachen.
Literatur[Bearbeiten]Frank Lindenberg: Wahrheitspflicht und Dritthaftung des Rechtsanwalts im Zivilverfahren. Deutscher Anwaltverlag, Bonn 2002, ISBN 3-8240-5214-8Siehe auch[Bearbeiten]Darlegungslast
Gutachten
Relationstechnik
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Einzelnachweise[Bearbeiten]↑ BVerfG, Beschluss vom 6.2.2001 – 1 BvR 1030/00, RN 20ff<!–NewPP limit report
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Der unbestimmte Rechtsbegriff bezeichnet im deutschen Recht ein Merkmal innerhalb eines gesetzlichen Tatbestands[1] oder einer sonstigen Rechtsquelle, das vom Gesetzgeber mit einem mehrdeutigen Inhalt versehen wird und dessen objektiver Sinn sich deshalb nicht sofort erschließt. Vor der Rechtsanwendung bedarf der unbestimmte Rechtsbegriff der Auslegung, um seinen rechtlich maßgeblichen Inhalt zu ermitteln. Eine Rechtsnorm, die dagegen auf Rechtsfolgenseite mehrere Entscheidungen ermöglicht, eröffnet dem Rechtsanwender einen Ermessensspielraum. Enthält eine Vorschrift einen unbestimmten Rechtsbegriff und eröffnet außerdem einen Ermessensspielraum, spricht man von einer Koppelungsvorschrift.Inhaltsverzeichnis
1 Allgemeines
2 Auslegung
3 Beispiele
4 Nicht abschließende Aufzählung
5 Generalklauseln
6 Anwendung6.1 Auslegung durch die Gerichte im Regelfall
6.2 Auslegung durch die Behörde (Beurteilungsspielraum)
7 Unbestimmter Rechtsbegriff und rechtsstaatliches Bestimmtheitsgebot
8 Rechtssicherheit
9 Beispiele für unbestimmte Rechtsbegriffe
10 Literatur
11 EinzelnachweiseAllgemeines[Bearbeiten]
Das Gebot hinreichender Bestimmtheit der Gesetze wird vom Rechtsstaatsprinzip aufgestellt (Art.&#160;20 Abs. 3 GG). Dennoch ist der Gesetzgeber deshalb nicht gezwungen, jeweils einen Tatbestand mit genau erfassbaren Maßstäben zu beschreiben.[2] Im Hinblick auf die Vielschichtigkeit mancher Lebenssachverhalte ist die Verwendung wertausfüllungsbedürftiger Begriffe oftmals unvermeidbar.[3] Dass sich der Gesetzgeber eines unbestimmten Rechtsbegriffs bedient, ist daher verfassungsrechtlich nicht zu beanstanden.[4] Verfassungsrechtlich ist die Option, ob der Gesetzgeber mit bestimmten oder unbestimmten Rechtsbegriffen arbeitet, unbedenklich. Ob nämlich der Gesetzgeber bei der Festlegung eines gesetzlichen Tatbestands „sich eines Begriffs bedient, der einen Kreis von Sachverhalten deckt, oder eng umschriebene Tatbestandsmerkmale aufstellt, liegt in seinem Ermessen.“[5]
Der unbestimmte Rechtsbegriff ist eine Art des Rechtsbegriffs, gesetzestechnisch ist der bestimmte Rechtsbegriff das Gegenteil. Da der Gesetzgeber auch häufig die Gelegenheit ergreift, mit präzisen und umfassenden Legaldefinitionen bestimmte Worte zu beschreiben, ist der unbestimmte Rechtsbegriff nicht etwa Ausdruck der legislativen Unsicherheit bei der Tatbestandserfassung für ein bestimmtes Sachgebiet. Vielmehr kommt es dem Gesetzgeber darauf an, künftige konkrete Entwicklungen in der Alltagspraxis nicht von vorneherein durch eine zu genau festgelegte gesetzliche Regelung auszuschließen und/oder der Rechtsprechung und Literatur die Subsumtion eines Einzelfalls unter die Begriffe bzw. die Konkretisierung der unbestimmten Begriffe zu überlassen.
Auslegung[Bearbeiten]
Bei unbestimmten Begriffen kommt der Auslegung die Aufgabe zu, diesen Begriffen Begriffsinhalte zuzuordnen. Unbestimmte Begriffe enthalten so offene Formulierungen im Gesetz, dass die inhaltliche Bestimmung vom konkreten Sachverhalt abhängt, auf den die Norm angewandt werden soll. Der unbestimmte Rechtsbegriff ist deshalb grundsätzlich für eine Extension zugänglich. Den Behörden steht dabei nur ausnahmsweise ein Beurteilungsspielraum zu.[6] Selbst wenn eine behördliche Auslegung eines unbestimmten Rechtsbegriffs in konkreten Einzelfall vertretbar ist, kann die behördliche Entscheidung durch Gerichte aufgehoben werden, wenn sie zu einer anderen Auslegung gelangen. Unbestimmte Rechtsbegriffe sind somit gerichtlich überprüfbar. Verfassungsrechtlich wurde klargestellt, dass die Konkretisierung unbestimmter Rechtsbegriffe den Gerichten überlassen bleibt.[7] Diese konkrete Bestimmung des Begriffs anhand der fallbezogen zugrundezulegenden Tatsachen wird Fixierung genannt.
Bei der Auslegung unbestimmter Rechtsbegriffe kommen die allgemeinen Auslegungsregeln zur Anwendung. Dabei wird vom Wortsinn der unbestimmten Rechtsnorm ausgegangen (grammatische Auslegung), ihre parlamentarische Entstehungsgeschichte untersucht (historische oder subjektive Auslegung), ihr Sinn und Zweck hinterfragt (teleologische Auslegung) und ihre systematische Stellung im Gesetz geprüft. Die Auslegung kann den Behörden nur ausnahmsweise einen gewissen Beurteilungsspielraum eröffnen, der gerichtlich voll nachprüfbar ist.[8]
Beispiele[Bearbeiten]
Die Versagung einer Erlaubnis für eine Gaststätte ist nach §&#160;4 Abs. 1 GastG davon abhängig, ob der Antragsteller die erforderliche Zuverlässigkeit besitzt. Im Streitfall ist dann gerichtlich zu klären, welche persönlichen Merkmale konkret zur Zuverlässigkeit gehören.
Dass beim Gebäude-Begriff die Merkmale „Fenster“ und „Wände“ fehlen, ist sicherlich keine ungewollte Gesetzeslücke; vielmehr wollte der Gesetzgeber bei dieser Vorschrift möglichst viele Bauwerke (wie fensterlose Lagerhallen) erfassen. Eine präzise abschließende Aufzählung hätte hier dafür gesorgt, dass die architektonische Kreativität zum unerwünschten Ausschluss bestimmter Gebäude beim Gebäudebegriff geführt hätte. Gebäude ist übrigens strafrechtlich in §&#160;306 Abs. 1 Nr. 1 StGB (Brandstiftung) anders als in §&#160;243 Abs. 1 Nr. 1 StGB (Diebstahl) zu verstehen, denn der Gebäudebegriff ist in § 243 StGB wegen der Schutzfunktion enger als in § 306 StGB.[9] Insofern haben bewusste Gesetzeslücken die Aufgabe, offen zu sein für nicht geregelte künftige Sachverhalte. Unbestimmte Rechtsbegriffe werden überwiegend im Tatbestandsbereich verwandt, seltener auf der Rechtsfolgenseite.
Nicht abschließende Aufzählung[Bearbeiten]
Bei der nicht abschließenden Aufzählung will der Gesetzgeber die beispielhaft aufgezählten Fälle in den Tatbestand einbeziehen, lässt jedoch ausdrücklich auch nicht aufgezählte Sachverhalte für eine spätere Extension zu. Es kommt auf die Verwendung bestimmter Schlüsselworte („…, insbesondere…“ oder „dazu gehören…“) an, die auf eine nicht abschließende Aufzählung schließen lassen. Dann ist es den Gerichten überlassen, die in der Norm nicht aufgezählten Tatbestände im Wege der Extension einzubeziehen. Bei einer nicht abschließenden Aufzählung ist der unbestimmte Rechtsbegriff nicht mehr so unbestimmt wie in seiner vagen Extremform, weil einzelne Tatbestände vom Gesetzgeber bereits vorgegeben sind, an denen sich die Rechtsprechung orientieren kann.
Generalklauseln[Bearbeiten]
Generalklauseln sind als offene Rechtsnorm ebenfalls bewusst auslegungsfähig gestaltet. Sie sollen mit der sich ständig ändernden Alltagswirklichkeit Schritt halten (siehe Treu und Glauben), ohne dass die Norm angepasst werden müsste. Auch bei ihnen ist es unmöglich, alle erdenklichen Sachverhalte zu antizipieren oder sich wandelnde Wertmaßstäbe und Anschauungen zu berücksichtigen (siehe gute Sitten).
Generalklauseln werden auch als die „Einbruchstellen“ der Grundrechte in das bürgerliche Recht bezeichnet. Der Richter hat kraft Verfassungsgebots zu prüfen, ob die von ihm anzuwendenden materiellen zivilrechtlichen Vorschriften in der beschriebenen Weise grundrechtlich beeinflusst sind; trifft das zu, dann hat er bei Auslegung und Anwendung dieser Vorschriften die sich hieraus ergebende Modifikation des Privatrechts zu beachten.[10]
Generalklauseln enthalten vom Gesetzgeber beabsichtigte so genannte Delegationslücken (intra legem; innerhalb des Gesetzes), die durch die Rechtsprechung durch Konkretisierung auszufüllen sind. Selbst im Strafrecht sind Generalklauseln und wertausfüllungsbedürftige Rechtsbegriffe verfassungsrechtlich nicht zu beanstanden,[11] wobei das Gebot der Gesetzesbestimmtheit sowohl für den Straftatbestand (Tatbestandsbestimmtheit; nullum crimen sine lege) als auch für die Strafandrohung (nulla poena sine lege) gelte, aber nicht übersteigert werden dürfe. Das Bestimmtheitsgebot verpflichtet den Gesetzgeber, die Voraussetzungen der Strafbarkeit so genau zu umschreiben, dass Tragweite und Anwendungsbereich der Straftatbestände für den Normadressaten schon aus dem Gesetz selbst zu erkennen sind und sich durch Auslegung ermitteln und konkretisieren lassen. Das Grundgesetz will sicherstellen, dass jeder vorhersehen kann, welches Verhalten verboten und mit Strafe bedroht ist, damit er sein Tun oder Unterlassen auf die Strafrechtslage eigenverantwortlich einrichten kann und willkürliche staatliche Reaktionen nicht befürchten muss. Das Verfassungsgebot der Gesetzesbestimmtheit schließt allerdings die Verwendung von Begriffen, die in besonderem Maße der Deutung durch den Richter bedürfen, nicht generell aus. Generalklauseln oder unbestimmte, wertausfüllungsbedürftige Begriffe sind im Strafrecht allerdings nur dann verfassungsrechtlich unbedenklich, wenn die Norm eine zuverlässige Grundlage für ihre Auslegung und Anwendung bietet oder wenn sie eine gefestigte Rechtsprechung übernimmt und damit aus dieser Rechtsprechung hinreichende Bestimmtheit gewinnt.[12]
Der Gesetzgeber darf sich jedoch seines Rechtes, die Schranken der Freiheit zu bestimmen, nicht dadurch begeben, dass er mittels einer vagen Generalklausel die Grenzziehung im Einzelnen dem Ermessen der Verwaltung überlässt (vgl. auch BVerwGE 2, 114).[13]
Anwendung[Bearbeiten]
Auslegung durch die Gerichte im Regelfall[Bearbeiten]
Ungeachtet seiner inhaltlichen Unschärfe gibt es für jeden unbestimmten Rechtsbegriff in jedem konkreten Einzelfall grundsätzlich immer nur genau eine richtige Auslegung. Diese eine richtige Auslegung muss die Verwaltungsbehörde bei der Rechtsanwendung finden und wird durch das Verwaltungsgericht im Rechtsstreit gegebenenfalls überprüft. Die Befugnis, abschließend darüber zu entscheiden, welche Auslegung die richtige ist, liegt daher – wie auch in den meisten anderen Fällen der Rechtsanwendung – bei den Gerichten. Den Gerichten steht in diesem Sinne die Letztentscheidungskompetenz zu.
Auslegung durch die Behörde (Beurteilungsspielraum)[Bearbeiten]
In wenigen Ausnahmefällen ist davon abweichend innerhalb bestimmter Grenzen die Verwaltung abschließend befugt, die richtige Auslegung zu bestimmen. In diesen Fällen steht der Behörde ein Beurteilungsspielraum zu. Das sind vor allem solche Fälle, in denen Behörden Entscheidungen zu treffen haben, die so stark situationsabhängig sind, dass sich diese Situationsgebundenheit im gerichtlichen Verfahren nicht rekonstruieren und nachvollziehen lässt. Ein solcher Beurteilungsspielraum ist insbesondere anerkannt bei bestimmtenPrüfungs- und prüfungsähnlichen Entscheidungen (Staatsexamina, Versetzung in die nächste Klasse, Abitur, u.ä.),
beamtenrechtlichen Beurteilungen,
Prognoseentscheidungen und Risikobeurteilungen insbesondere im Umweltrecht,
Wertungsentscheidungen weisungsfreier, mit Interessenvertretern oder Sachverständigen besetzter Ausschüsse und Gremien.Soweit der Behörde ein Beurteilungsspielraum zusteht, darf das Verwaltungsgericht lediglich prüfen, ob die Entscheidung der Verwaltung sich innerhalb der Grenzen hält, die für die Ausübung dieses Beurteilungsspielraums gezogen sind. Ist das der Fall, muss das Gericht die Entscheidung der Behörde im übrigen akzeptieren.
Der Beurteilungsspielraum hat nichts zu tun mit dem Ermessensspielraum und darf daher nicht mit diesem verwechselt werden. Anders als der Beurteilungsspielraum betrifft der Ermessensspielraum nicht die Auslegung von Rechtsbegriffen, sondern die Entscheidung im Einzelfall für eine von mehreren rechtlich zulässigen Rechtsfolgen. Vergleichbar ist der Ermessenspielraum mit dem Beurteilungsspielraum lediglich insofern, als auch der Ermessensspielraum der Behörde eine gerichtlich nur eingeschränkt überprüfbare Letztentscheidungskompetenz gewährt.
Beurteilungs- und Ermessensspielraum können in ein und derselben Rechtsnorm zusammentreffen (sog. Koppelungsvorschriften), etwa in der Form, dass auf Tatbestandsseite ein unbestimmter Rechtsbegriff vorhanden, und auf der Rechtsfolgenseite Ermessen eröffnet ist.
Unbestimmter Rechtsbegriff und rechtsstaatliches Bestimmtheitsgebot[Bearbeiten]
Im Konflikt zwischen der sprachlichen Unschärfe des unbestimmten Rechtsbegriffs und der Notwendigkeit, dennoch in jedem Einzelfall zu genau einer einzigen zutreffenden Auslegung kommen zu müssen, liegt die besondere Problematik des unbestimmten Rechtsbegriffs. Denn seine Unschärfe und die große Zahl der Interpretationsmöglichkeiten, die diese Unschärfe eröffnet, macht es dem Rechtsanwender – gleichgültig, ob Betroffener, Student der Rechtswissenschaften oder Rechtsanwalt – schwierig vorherzusehen, zu welcher Auslegung Behörde oder Gericht letztlich kommen werden, wie also das betroffene Gesetz letztlich anzuwenden ist.
Im übrigen besteht für unbestimmte Rechtsbegriffe in Rechtsnormen ein praktisches Bedürfnis. Denn Rechtsnormen können naturgemäß nicht jeden Einzelfall, für den sie gelten sollen, vorweg ausdrücklich regeln, sondern sind darauf angewiesen, den Bereich, für den sie gelten sollen, abstrakt zu beschreiben. Abstraktion bringt aber zwangsläufig Unschärfe im Detail mit sich. Der Jurist und Kriminologe Peter-Alexis Albrecht formuliert diese Unverzichtbarbeit von unbestimmten Rechtsbegriffen folgendermaßen: „… Bundesverfassungsgericht und Bundesgerichtshof betonen immer wieder den großen Spielraum, den der Gesetzgeber bei der Formulierung von Strafgesetzen hat. Danach müssen Strafgesetze elastisch genug sein, um der 'Vielgestaltigkeit des Lebens' jederzeit Rechnung tragen zu können. Unbestimmte Rechtsbegriffe, die der Volksmund nicht unzutreffend als ‚Gummiparagraphen‘ bezeichnet, seien unverzichtbar.“ (Albrecht[14])
Dennoch ist man sich darüber einig, dass unbestimmte Rechtsbegriffe eigentlich zu vermeiden sind. Sie räumen dem Exekutivorganen gegebenenfalls Kompetenzen und Machtfülle zu, die sie gar nicht haben sollten und den Verwaltungsapparat aufblähen. Wenn es unbestimmte Rechtsbegriffe doch gibt, dann hat das den Grund, weil der Gesetzgeber Gesetze schafft, die nur aufgrund von Einzelfällen entschieden werden können, so dass gesetzlich nur die abstrakte Formulierung möglich erscheint.
Rechtssicherheit[Bearbeiten]
Unbestimmte Rechtsbegriffe tragen nicht zur Rechtssicherheit bei, solange ihre Ausfüllung durch Rechtsprechung und Literatur noch nicht fortgeschritten ist und damit Unklarheiten im Rechtsverkehr entstehen können, ob ein bestimmter Sachverhalt von einem unbestimmten Rechtsbegriff erfasst wird oder nicht. Das ist jedoch verfassungsrechtlich hinzunehmen, solange ein unbestimmter Rechtsbegriff den rechtsstaatlichen Grundsätzen der Normklarheit und Justitiabilität entspricht.[4]
Beispiele für unbestimmte Rechtsbegriffe[Bearbeiten]
Unbestimmte Rechtsbegriffe sind zum Beispiel:Würde des Menschen, Art.&#160;1 GG
Sittengesetz, Art.&#160;2 GG
Gewissen, Art.&#160;4 GG
Lebensrisiko
Zuverlässigkeit (z.&#160;B. des Gewerbetreibenden, §&#160;35 Gewerbeordnung)
erhebliche Belästigungen (§&#160;5 Abs. 1 Bundes-Immissionsschutzgesetz),
öffentliches Interesse
Härtefall
Eignung
Fahreignung
Erfindung (im Patentrecht)
wichtiger Grund
zum Wohle des Kindes
grob fahrlässig
arglistige Täuschung
Treu und Glauben, §&#160;242 BGB
Dunkelheit
Vertretbarkeit (etwa städtebauliche Vertretbarkeit)
öffentliche und private Belange (etwa: …, die bei der Bauleitplanung gegeneinander abzuwägen sind, §&#160;1 Abs. 7 Baugesetzbuch)
Gemeinwohl
Bedürfnis
Verunstaltung
Unbilligkeit (§&#160;227 Abgabenordnung)
Verunglimpfung
Schwebendes Geschäft
UnverzüglichkeitLiteratur[Bearbeiten]Christian Hufen: Ermessen und unbestimmter Rechtsbegriff, ZJS 2010, 603, pdf-Dok. 82 KB.Einzelnachweise[Bearbeiten]↑ Unbestimmte Rechtsbegriffe. rechtslexikon.net. Abgerufen am 13.&#160;Mai 2014.
↑ BVerfGE 78, 205, 212
↑ BVerfGE 78, 205, 213
↑ a b BVerfGE 21, 73, 79
↑ BVerfGE 21, 73, 79; hier ging es um den unbestimmten Rechtsbegriff „ungesunde Bodenverteilung“
↑ BVerfGE, 103, 142, 156
↑ BVerfG, Beschluss vom 31. Mai 2011, Az: 1 BvR 857/07
↑ Justizministerium NRW, Unbestimmter Rechtsbegriff, Beurteilungsspielraum und Ermessen, Februar 2009, S. 3 (PDF-Datei; 153&#160;kB)
↑ Wilfried Küper/Jan Zopfs, Strafrecht Besonderer Teil: Definitionen mit Erläuterungen, 2015, § 243 Rn. 410
↑ BVerfGE 7, 198 – Lüth; RN 29, S. 6, RN 30 S. 1
↑ BVerfGE 45, 371
↑ BVerfG, Beschluss vom 21. November 2002 – 2 BvR 2202/01, Rn. 4 f.
↑ BVerfGE 6, 32 – Elfes, RN 36, S. 5
↑ Peter-Alexis Albrecht, Die vergessene Freiheit: Strafrechtsprinzipien in der europäischen Sicherheitsdebatte, BWV Verlag (2006), Seite 63
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Dieser Artikel behandelt den deutschen Staat, im engeren Sinn die Bundesrepublik Deutschland; zu weiteren Bedeutungen siehe Deutschland (Begriffsklärung).
Bundesrepublik DeutschlandFlagge
WappenAmtssprache
Deutsch;[1] zudem die anerkannten Minderheitensprachen, teilweise nur regional
Hauptstadt
Berlin
Regierungssitz
de jure: Berlin
de facto: Berlin und Bonn
Staatsform
parlamentarische Bundesrepublik
Regierungssystem
parlamentarische Demokratie
Staatsoberhaupt
Bundespräsident
Joachim Gauck
Regierungschef
Bundeskanzlerin
Angela Merkel
Fläche
357.340,08 (61.)[2] km²
Einwohnerzahl
81.292.428 (31. März 2015)[3]
Bevölkerungsdichte
227 (37.)[4] Einwohner pro km²
Bevölkerungs­entwicklung
▲ +0,5&#160;% (Dez. 2013–Dez. 2014)[5] pro Jahr
BruttoinlandsproduktTotal (nominal)
Total (KKP)
BIP/Einw. (nominal)
BIP/Einw. (KKP)
2013[6]3.636&#160;Mrd.&#160;USD (4.)
3.513&#160;Mrd.&#160;USD (5.)
44.999&#160;USD (18.)
43.475&#160;USD (15.)
Human Development Index
▲ 0,911 (6.) (2014)[7]
Währung
Euro (EUR)
Gründung
1.&#160;Januar 1871: Deutsches Reich (völkerrechtl. 1.&#160;Juli 1867: Norddeutscher Bund)
23.&#160;Mai 1949: Bundesrepublik Deutschland (Grundgesetz)[8]
Siehe Abschnitt „Staatsgründung“.Nationalhymne
Das Lied der Deutschen (dritte Strophe)
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Du kannst den Clip herunterladen oder eine Abspielsoftware herunterladen, um den Clip im Browser abspielen zu können.Nationalfeiertag
3.&#160;Oktober (Tag der Deutschen Einheit)
Zeitzone
UTC+1, MEZ
UTC+2, MESZ (März bis Oktober)
Kfz-Kennzeichen
D
ISO 3166
DE, DEU, 276
Internet-TLD
.de
Telefonvorwahl
+49Deutschland?/i (Vollform: Bundesrepublik Deutschland) ist ein föderal verfasster Staat in Mitteleuropa, der aus den 16 deutschen Ländern gebildet wird. Die Bundesrepublik ist ein freiheitlich-demokratischer und sozialer Rechtsstaat[9] und stellt die jüngste Ausprägung des deutschen Nationalstaates dar.[10] Bundeshauptstadt sowie bevölkerungsreichste deutsche Stadt ist Berlin.
An Deutschland grenzen neun Staaten und naturräumlich im Norden die Gewässer der Nord- und Ostsee, im Süden das Bergland der Alpen. Es liegt in der gemäßigten Klimazone. Mit mehr als 81&#160;Millionen Einwohnern zählt es zu den dicht besiedelten Flächenstaaten und gilt international als das Land mit der dritthöchsten Zahl von Einwanderern.[3][11]
Der Gründung der Bundesrepublik als westdeutschem Teilstaat folgte die Gründung der sozialistischen DDR am 7. Oktober 1949 als ostdeutscher Teilstaat.[12] Seit der Wiedervereinigung beider Landesteile am 3.&#160;Oktober 1990 wird der Tag der Deutschen Einheit begangen. Deutschland ist Gründungsmitglied der Europäischen Union sowie deren bevölkerungsreichstes Land und bildet mit 18 anderen EU-Mitgliedstaaten eine Währungsunion, die Eurozone. Es ist Mitglied der UN, der OECD, der NATO, der G7 und der G20. Die Bundesrepublik gilt als politisch einflussreicher Staat Europas und ist ein gesuchtes Partnerland auf globaler Ebene.[13]
Die Wirtschaft Deutschlands wurde durch das Konzept der Sozialen Marktwirtschaft geprägt. Gemessen am nominalen Bruttoinlandsprodukt ist Deutschland die größte Volkswirtschaft Europas und die viertgrößte der Welt.[6] Im Jahr 2014 war es die drittgrößte Export- und Import­nation.[14] Der Index für menschliche Entwicklung zählt Deutschland zu den sehr hoch entwickelten Ländern.[15] Seine Kultur hat über Jahrtausende vielschichtige und weltbekannte Ausdrucksformen hervorgebracht, etwa in der Kunst und Architektur, der Musik, der Philosophie, der Filmkultur, der Küche, im Sport, in der Wissenschaft und der Gründerkultur. Das UNESCO-Welterbe in Deutschland ist umfänglich, ebenso die Anzahl an geschützten National- und Naturparks.Inhaltsverzeichnis
1 Begriffsgeschichte1.1 Deutsch
1.2 Deutschland
2 Physische Geographie2.1 Geologie
2.2 Relief
2.3 Klima
2.4 Gewässer
2.5 Inseln
2.6 Flora
2.7 Fauna
3 Humangeographie3.1 Liste der Länder
3.2 Gemeinden
3.3 Ballungsgebiete
4 Bevölkerung4.1 Demografie
4.2 Einwanderung
4.3 Sprachen und Dialekte
4.4 Religionen
5 Geschichte5.1 Kurzüberblick
5.2 Urgeschichte, frühe Stämme und Römerzeit
5.3 Völkerwanderung und Frühmittelalter (375–962)
5.4 Vom Ostfrankenreich zum Heiligen Römischen Reich (962–1806)
5.5 Rheinbund, Deutscher Bund, Norddeutscher Bund (1806–1871)
5.6 Deutsches Kaiserreich (1871–1918)
5.7 Weimarer Republik (1919–1933)
5.8 Nationalsozialistische Diktatur (1933–1945)
5.9 Alliierte Besatzung (1945–1949)
5.10 Bundesrepublik Deutschland und DDR (1949–1990)
5.11 Berliner Republik (seit 1990)
6 Politik6.1 Staatsgründung
6.2 Politisches System
6.3 Staatshaushalt
6.4 Staatsgebiet
6.5 Parteienlandschaft
6.6 Außen- und Sicherheitspolitik
6.7 Militär
6.8 Polizei und Nachrichtendienste
7 Recht7.1 Geschichte
7.2 Rechtswesen
8 Wirtschaft8.1 Grundlagen
8.2 Wirtschaftsentwicklung
8.3 Unternehmen
8.4 Informationstechnik und Telekommunikation
8.5 Energie
8.6 Tourismus
9 Verkehr9.1 Straßenverkehr
9.2 Schienenverkehr
9.3 Nahverkehr
9.4 Luftverkehr
9.5 Seeverkehr
10 Kultur10.1 Literatur und Philosophie
10.2 Musik
10.3 Film
10.4 Bildende Kunst
10.5 Architektur
10.6 Kultur- und Baudenkmäler
10.7 Museen
10.8 Feiern und Feste
10.9 Küche
10.10 Mode
11 Gesellschaft11.1 Soziales
11.2 Gesundheit
11.3 Bildung
11.4 Wissenschaft
11.5 Medien
11.6 Sport
12 Siehe auch
13 Gesprochene Version
14 Literatur
15 Weblinks
16 AnmerkungenBegriffsgeschichte
Deutsch
→ Hauptartikel: deutsch (Etymologie)
Im Sachsenspiegel von 1369 steht (auf Mittelniederdeutsch): „Iewelk düdesch lant hevet sinen palenzgreven“ („jegliches deutsche Land hat seinen Pfalzgrafen“)
Die etymologischen Vorformen von „deutsch“ bedeuteten ursprünglich „zum Volk gehörig“, wobei das Adjektiv zunächst die Dialekte des kontinental-westgermanischen Dialektkontinuums bezeichnete.[16] Die Bezeichnung Deutschland wird seit dem 15.&#160;Jahrhundert verwendet, ist in einzelnen Schriftstücken aber schon früher bezeugt.[17] Davor sind nur Wortfügungen des Attributs deutsch mit Land belegt, beispielsweise in der unbestimmten Singularform ein deutsches Land oder der bestimmten Pluralform die deutschen Länder, nicht aber in der bestimmten Singularform das deutsche Land. Gemeint waren vielmehr Länder mit einer Führungsschicht, die sich auf den politischen Herrschaftsanspruch bezog, der durch das (Ost-)Fränkische, später Heilige Römische Reich, als begründet angesehen worden war. In einem Buch von 1487 ist u.&#160;a. von „in teutschen landen lassen machen“ zu lesen.[18]
Die Begriffe wurden als Synonym vor allem für (vor-)staatliche Gebilde verwendet, die in wesentlichen Bereichen des deutschen Sprach- und/oder Herrschaftsgebiets entstanden waren. Das Heilige Römische Reich (lateinisch&#160;Sacrum Imperium Romanum, in der historischen Forschung auch Altes Reich) hatte sich im 10.&#160;Jahrhundert aus dem Ostteil des Fränkischen Reiches entwickelt. Das Reich wurde ursprünglich nur als Imperium bezeichnet. Es kamen bis zum Ende des Mittelalters mehrere Namenszusätze hinzu: „Heilig“ (seit Mitte des 12. Jahrhunderts), „Römisch“ (seit Mitte des 13. Jahrhunderts) und (seit dem ausgehenden 15. Jahrhundert) „Deutscher Nation“ (Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation). Nach der Niederlegung der Reichskrone 1806 dominierten das Kaisertum Österreich, das Königreich Preußen und der Rheinbund das staatliche Geschehen im Vorstellungsraum Deutschlands; nach 1815 folgte als die deutsche Nationalität sichernder Staatenbund der Deutsche Bund unter der Führung Österreichs. Die Konkurrenz mit Preußen um die Vorherrschaft in Deutschland spitzte sich zum deutschen Dualismus zu. Mit dem Deutschen Krieg und der Schlacht bei Königgrätz entschied Preußen ihn 1866 zu seinen Gunsten.
Mit den von Preußen initiierten Staatsformen, die unter dessen Vormachtstellung verfassungsgeschichtlich an die überkommene und den politischen Handlungsträgern vertraute Rechtslage des Deutschen Bundes anknüpften,[19] wurden in zwei Schritten seit 1867 große Teile des deutschen Sprachraums in einem Staat vereinigt. Umfasste der Norddeutsche Bund lediglich die Staaten nördlich der Mainlinie, wurde der Ausdruck Deutschland durch die Reichseinigung und Proklamation des Deutschen Reiches 1871 mit demselben identisch.
Deutschland
Die Reichskrone des Heiligen Römischen Reiches (Sacrum Romanum Imperium). Das Herrschaftsgebiet erhält im späten 15.&#160;Jahrhundert den Zusatz Deutscher Nation (Nationis Germanicæ).
Im Verlauf der Novemberrevolution 1918 am Ende des Ersten Weltkriegs wurde die Abdankung der deutschen Bundesfürsten erzwungen. Nach dem Ende der Monarchie wurde diskutiert, mit der Staatsbezeichnung „Deutsche Republik“ oder „Republik Deutschland“ die ausgerufene Staatsform zu unterstreichen, doch auch die sogenannte Weimarer Republik behielt die offizielle Bezeichnung Deutsches Reich bei.
Die nach dem Zerfall der Habsburgermonarchie entstandene Republik Deutschösterreich strebte 1919 einen Zusammenschluss mit dem Deutschen Reich an, der jedoch wegen des von den Siegermächten verhängten Anschlussverbotes nicht realisiert werden konnte.
Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzten die Hauptsiegermächte den Begriff Deutschland ausschließlich für das von ihnen besetzte Deutsche Reich (ohne Österreich). 1949 wurde die Bundesrepublik Deutschland durch die USA und Großbritannien sowie die Deutsche Demokratische Republik (DDR) durch Einwirken der UdSSR initiiert. Da eine Fortführung des Staatsnamens Deutsches Reich im Parlamentarischen Rat wegen seines „aggressiven Akzents“ abgelehnt wurde, fand stattdessen „Deutschland“ in der Bezeichnung der damals konstituierten Bundesrepublik erstmals namentliche Verwendung;[20] damit sollten die „emotionale Integrationskraft des Namens und sein staatsrechtlicher Gehalt“ aus Kontinuität und der Identität der Bundesrepublik bezeugt werden.[21] Die DDR nutzte das Wort „Deutschland“ zwar nicht direkt im Staatsnamen, jedoch wurde es ausdrücklich als synonymer Begriff für DDR im Artikel&#160;1 der Verfassung von 1949 gebraucht. Später verwendete die DDR fast nur noch das Attribut deutsch beziehungsweise den Namenszusatz „… der DDR“ für staatliche Hoheitsbezeichnungen. Mit der Deutschen Einheit 1990 wurde die deutsche Frage gelöst.[22]
Im Laufe der Jahrhunderte entwickelten sich einige Gebiete unabhängig vom deutschen Machtbereich weiter und lösten sich aus dem Heiligen Römischen Reich heraus. Unter anderem waren dies aufgrund des Westfälischen Friedens 1648 die Niederlande, deren Sprachvarietäten sich u.&#160;a. durch den Buchdruck vom Deutschen getrennt hatten (vgl. Niederländisch (Name)), die Eidgenossenschaft sowie das Elsass und (Nordost-)Lothringen (französisch Moselle). Nach dem Ende des Deutschen Bundes 1866 traten dann Luxemburg, das Herzogtum Limburg, Liechtenstein und Österreich (zuletzt 1945) heraus. Die Gründung des Deutschen Kaiserreichs erfolgte unter Aneignung Elsass-Lothringens, während die Niederlagen in beiden Weltkriegen Gebietsverluste zur Folge hatten. Nach 1919 musste Deutschland neben dem Elsass und Lothringen kleinere Gebiete an Dänemark, Belgien, die Tschechoslowakei und Litauen sowie vor allem die Provinzen Posen und Westpreußen an die neu gegründete Zweite Polnische Republik abtreten. Die restlichen Gebiete östlich der Oder-Neiße-Linie, namentlich Schlesien, Neumark, Hinterpommern und Ostpreußen, kamen ab 1945 unter sowjetische und größtenteils polnische Verwaltung. Sie wurden in deren Staatsgebiete integriert, nachdem damit begonnen worden war, die deutsche Bevölkerung zu vertreiben. 1990 wurde der Anspruch auf die vormaligen deutschen Ostgebiete im Zuge der Wiedervereinigung Deutschlands auch formell mit dem Zwei-plus-Vier-Vertrag aufgegeben.
Trotz der Kontinuität des Begriffes Deutschland vom 15.&#160;Jahrhundert bis in die Gegenwart sowie völkerrechtlicher[23] Identität und staatsrechtlicher Kontinuität seit dem 19.&#160;Jahrhundert bestand de facto bis 1990 keine durchgehende lineare politisch-historische Entwicklung.
Physische Geographie
→ Hauptartikel: Geographie Deutschlands
Topografische
Karte
Lage Deutschlands
in Europa
Die naturräumlichen Großregionen sind von Nord nach Süd Norddeutsches Tiefland, Mittelgebirgszone und Alpenvorland mit Alpen.
Deutschland hat insgesamt neun Nachbarstaaten: Im Norden grenzt Deutschland an Dänemark (auf einer Länge von 67&#160;Kilometern), im Nordosten an Polen (442&#160;Kilometer), im Osten an Tschechien (811&#160;Kilometer), im Südosten an Österreich (815&#160;Kilometer; ohne Grenze im Bodensee), im Süden an die Schweiz (316&#160;Kilometer; mit Grenze der Exklave Büsingen am Hochrhein, aber ohne Grenze im Bodensee), im Südwesten an Frankreich (448&#160;Kilometer), im Westen an Luxemburg (135&#160;Kilometer) und Belgien (156&#160;Kilometer) und im Nordwesten an die Niederlande (567&#160;Kilometer). Die Grenzlänge beträgt insgesamt 3757&#160;Kilometer (ohne Grenze im Bodensee, siehe Kondominium). Damit ist Deutschland das Land mit den meisten europäischen Nachbarstaaten.
Der nördlichste terrestrische Punkt Deutschlands befindet sich auf der Insel Sylt nördlich von List am Ellenbogen. Als nördlichster Festlandspunkt wird einerseits die Spitze der Halbinsel Holnis in der Flensburger Förde, andererseits die Gemeinde Rodenäs im Kreis Nordfriesland gesehen. Den südlichsten Punkt Deutschlands bildet das Haldenwanger Eck südlich von Oberstdorf. Vom Ellenbogen bis zum Haldenwanger Eck sind es etwa 886 Kilometer Luftlinie. Der westlichste Ort Deutschlands liegt im Isenbruch des Selfkant an der Grenze zu den Niederlanden nahe der Maas, der östlichste zwischen Neißeaue-Deschka und Neißeaue-Zentendorf in einer Flussschleife der Lausitzer Neiße. Von Isenbruch bis zur Flussschleife der Neiße sind es rund 636 Kilometer Luftlinie.
Während der wechselvollen Geschichte veränderte sich auch der Mittelpunkt Deutschlands. Die Gemeinden Görlitz, Selfkant, List und Oberstdorf, welche die heutigen geografischen Extrempunkte Deutschlands markieren, sind darüber hinaus im sogenannten Zipfelbund zusammengeschlossen.
Geologie
→ Hauptartikel: Geologie Deutschlands
Vereinfachte Karte der Oberflächengeologie Deutschlands
Deutschland gehört geologisch zu Westeuropa, das heißt zu jenem Teil des Kontinents, der dem präkambrisch konsolidierten „Ur-Europa“ (Osteuropa einschließlich eines Großteils Skandinaviens, vgl. Baltica) erst im Verlauf des Phanerozoikums sukzessive durch Kontinent-Kontinent-Kollisionen (Gebirgsbildungen) angegliedert wurde. Die entsprechenden Krustenprovinzen (Grundgebirgsprovinzen) werden klassisch vereinfachend (Ost-)Avalonia (vgl. kaledonische Gebirgsbildung) und Armorica (vgl. variszische Gebirgsbildung) genannt. Die jüngste Krustenprovinz ist das Alpen-Karpaten-Orogen (vgl. alpidische Gebirgsbildung), an dem Deutschland nur mit dem äußersten Süden Bayerns Anteil hat und das im Gegensatz zu den beiden anderen tektonischen Provinzen ein aktives Orogen darstellt.
Die heutige Oberflächengeologie Deutschlands, das heißt das Muster aus verschieden alten und verschieden aufgebauten Gesteinskomplexen, wie es in Geologischen Karten vielfach abgebildet ist, entstand erst im Verlauf der letzten 30 bis 20 Millionen Jahre im jüngeren Känozoikum und wurde von zwei Ereignissen maßgeblich geprägt: der Alpidischen Gebirgsbildung und dem Quartären Eiszeitalter.
Das Quartäre Eizeitalter zeichnet für die vergleichsweise eintönige Oberflächengeologie Norddeutschlands und des Alpenvorlandes mit ihren Moräne­nablagerungen und sonstigen Begleiterscheinungen großflächiger Vergletscherungen verantwortlich (vgl. glaziale Serie).
Die Oberflächengeologie der Mitte und des überwiegenden Teils des Südens Deutschlands ist das Ergebnis bedeutender bruchtektonischer Hebungen und Senkungen, die auf die Fernwirkung der Alpidischen Gebirgsbildung zurückgehen. Hierbei wurden teils alte (überwiegend Paläozoikum), variszisch gefaltete Grundgebirgskomplexe (Schiefergebirge und Kristallin) aus dem Untergrund herausgehoben und großflächig freigelegt (u.&#160;a. Rheinisches Schiefergebirge, Harz, Erzgebirge), teils sank die Erdkruste ein und bildete Sedimentationsräume, die mehr oder weniger mächtige känozoische Sedimentabfolgen aufnahmen (Oberrheingraben, Niederrheingraben, Hessische Senke, Molassebecken). Eine tektonische Zwischenstellung nehmen die Tafelländer ein, mit ihren ungefalteten mesozoischen Schichtenfolgen, dominiert von Trias und Jura (Thüringer Becken, Süddeutsches Schichtstufenland).
Relief
Die Zugspitze in Bayern ist mit 2962 Metern über Normalhöhennull die höchste Erhebung Deutschlands.
Das geologisch junge Faltengebirge der Alpen ist das einzige Hochgebirge, an dem Deutschland Anteil hat. Die deutschen Alpen, die sich faktisch zur Gänze im Bundesland Bayern befinden, weisen die einzigen Gebirgsgipfel mit mehr als 2000&#160;m&#160;ü.&#160;NHN auf. Der Gipfel der Zugspitze (2962&#160;m&#160;ü.&#160;NHN), den sich Deutschland mit Österreich teilt, ist der höchstgelegene Punkt des Landes.
Die deutschen Mittelgebirge erstrecken sich vom Nordrand der Mittelgebirgsschwelle bis zum Alpenrand und zum Oberrhein mit dem Bodensee. Sie nehmen tendenziell von Nord nach Süd an Höhe und Ausdehnung zu. Höchster Mittelgebirgsgipfel ist der Feldberg im Schwarzwald (1493&#160;m&#160;ü.&#160;NHN), gefolgt vom Großen Arber im Bayerischen Wald (1456&#160;m&#160;ü.&#160;NHN). Gipfel über 1000&#160;m&#160;ü.&#160;NHN besitzen außerdem das Erzgebirge, das Fichtelgebirge, die Schwäbische Alb und als Sonderfall der Harz, der sich recht isoliert als nördlichstes unter den höchsten deutschen Mittelgebirgen mit dem Brocken auf 1141&#160;m&#160;ü.&#160;NHN erhebt. Nördlich der Mittelgebirgsschwelle erreichen nur noch einige Berge innerhalb der eiszeitlichen Endmoränenzüge mehr als 100&#160;m&#160;ü.&#160;NHN, von denen die Heidehöhe in Schraden (Südlicher Landrücken im brandenburgisch-sächsischen Grenzgebiet) mit 201&#160;m&#160;ü.&#160;NN der höchste ist.
Die tiefste begehbare Landesstelle Deutschlands liegt bei 3,54&#160;m&#160;unter&#160;NN in einer Senke bei Neuendorf-Sachsenbande in der Wilstermarsch (Schleswig-Holstein). Eine aktuelle Höhenangabe bezogen auf Normalhöhennull ist noch nicht frei zugänglich. Ebenfalls in diesem Bundesland befindet sich die tiefste Kryptodepression: Sie liegt mit 39,6&#160;m&#160;unter&#160;NN am Grund des Hemmelsdorfer Sees nordöstlich von Lübeck. Der tiefste künstlich geschaffene Geländepunkt liegt bei 267&#160;m&#160;unter&#160;NHN am Grund des Tagebaus Hambach östlich von Jülich in Nordrhein-Westfalen.
Siehe auch: Liste der höchsten Berge in Deutschland&#160;und Liste der Gebirge und Höhenzüge in Deutschland
Klima
Mischwald im Herbst. Deutschland befindet sich in einer gemäßigten Klimazone.
Deutschland gehört vollständig zur gemäßigten Klimazone Mitteleuropas im Bereich der Westwindzone und befindet sich im Übergangsbereich zwischen dem maritimen Klima in Westeuropa und dem kontinentalen Klima in Osteuropa. Das Klima in Deutschland wird unter anderem vom Golfstrom beeinflusst, der das durchschnittliche Temperaturniveau für die Breitenlage ungewöhnlich hoch gestaltet.
Die mittlere Jahresdurchschnittstemperatur, bezogen auf die Normalperiode 1961–1990,[24] beträgt im bundesweiten Gebietsmittel 8,2&#160;°C, die mittleren Monatsdurchschnittstemperaturen liegen zwischen −0,5&#160;°C im Januar und 16,9&#160;°C im Juli. Der mittlere jährliche Niederschlag beträgt 789&#160;Millimeter. Die mittlere monatliche Niederschlagshöhe liegt zwischen 49&#160;Millimeter im Februar und 85&#160;Millimeter im Juni.
Die tiefste jemals in Deutschland gemessene Temperatur betrug −45,9 Grad Celsius; sie wurde am 24.&#160;Dezember 2001 am Funtensee registriert. Die bisher höchste Temperatur betrug 40,3 Grad Celsius und wurde am 5. Juli und 7. August 2015 in Kitzingen erreicht.[25]
Siehe auch: Zeitreihe der Lufttemperatur in Deutschland
Gewässer
Von den sechs Strömen mit den größten Einzugsgebieten entwässern Rhein, Elbe, Weser und Ems über die Nordsee und die Oder über die Ostsee in den Atlantik, während die Donau ins Schwarze Meer fließt und somit hydrographisch dem Mittelmeer zuzurechnen ist. Die Einzugsgebiete dieser beiden Systeme werden durch die europäische Hauptwasserscheide voneinander getrennt.
Der Rhein und Burg Rheinstein in Trechtingshausen
Der in der Schweiz entspringende Rhein dominiert den Südwesten und Westen. Auf 865 Kilometern fließt er durch bzw. an der Grenze zu Deutschland, bevor er über die Niederlande in die Nordsee mündet. Seine wichtigsten deutschen Zuflüsse sind Neckar, Main, Mosel und Ruhr. Der Rhein hat eine große wirtschaftliche Bedeutung und ist eine der am stärksten befahrenen Wasserstraßen Europas. Die Donau entwässert im Süden auf 647 Kilometern fast das gesamte deutsche Alpenvorland und fließt weiter nach Österreich und Südosteuropa. Ihre wichtigsten deutschen Zuflüsse sind Iller, Lech, Isar und Inn. Den Osten Deutschlands durchfließt auf 725 Kilometern die in Tschechien entspringende Elbe. Ihre wichtigsten deutschen Nebenflüsse sind Saale und Havel. Auf 179 Kilometern ist die Oder, wie im weiteren Verlauf auch ihr wichtigster Zufluss, die Neiße, der Grenzfluss zu Polen. Einzig das Einzugsgebiet der 452 Kilometer langen Weser liegt vollständig in Deutschland. Sie speist sich aus den Flüssen Werra und Fulda und entwässert den mittleren Norden. Die Ems durchfließt auf 371 Kilometern den äußersten Nordwesten des Landes. Ihr Einzugsgebiet erstreckt sich auch auf Teile der Niederlande.
Die natürlichen Seen sind überwiegend glazialen Ursprungs. Daher finden sich die meisten der großen Seen im Alpenvorland, in der Holsteinischen Schweiz und in Mecklenburg. Der größte vollständig zum deutschen Staatsgebiet gehörende See ist die Müritz, die Teil der mecklenburgischen Seenplatte ist. Der größte See mit deutschem Anteil ist der Bodensee, an den auch Österreich und die Schweiz grenzen. Im Westen und Osten Deutschlands gibt es viele, durch die Rekultivierung von Braunkohletagebauen oder Industriebrachen entstandene künstliche Seen, so z.&#160;B. das Leipziger Neuseenland oder den Dortmunder Phoenix-See.
Inseln
Die beiden Ostseeinseln Hiddensee und Rügen mit ihrer Boddenlandschaft
Im Wattenmeer, der niederländischen, deutschen und dänischen Nordseeküste unmittelbar vorgelagert liegen die Friesischen Inseln. Während die Nordfriesischen Inseln Festlandsreste sind, die durch Landsenkung und nachfolgende Überflutung von der Küste getrennt wurden, handelt es sich bei den Ostfriesischen Inseln um Barriereinseln, die aus durch küstenparallele Strömungen sowie Wellen- und Gezeitendynamik angespülten Sedimenten entstanden. Das inmitten der Deutschen Bucht gelegene Helgoland ist die am weitesten vom Festland entfernt liegende bewohnte deutsche Insel. Sie geht auf den Aufstieg eines Salzstockes im Untergrund der Nordsee zurück.
Die „Blumeninsel“ Mainau im Bodensee.
Die größten deutschen Inseln in der Ostsee sind (von West nach Ost) Fehmarn, Poel, Hiddensee, Rügen und Usedom. Rügen ist zugleich auch die größte deutsche Insel. Größte Halbinsel ist Fischland-Darß-Zingst. Mit Ausnahme von Fehmarn sind diese Landflächen Teil einer Boddenküste, das heißt einer nacheiszeitlich gefluteten und nachfolgend durch Anlandungs­vorgänge modifizierten Grundmoränen­landschaft.
Die größten und bekanntesten Inseln in Binnengewässern sind Reichenau, Mainau und Lindau im Bodensee sowie die Herreninsel im Chiemsee.
Siehe auch: Liste deutscher Inseln&#160;und Liste deutscher BinneninselnFlora
Die Lüneburger Heide in Niedersachsen
Der Thüringer Wald im Winter. Rund 32 Prozent der deutschen Landfläche sind bewaldet.
Der Naturraum Deutschland liegt in der gemäßigten Klimazone. Seine Flora wäre daher natürlicherweise hauptsächlich von Laub- und Mischwäldern geprägt. Örtlich weist die Flora in Deutschland eine hohe Diversifikation durch Standortfaktoren des Geländeprofils, der Geländehöhe und -geologie sowie der mesoklimatischen Lage auf. Von West nach Ost kennzeichnet die natürliche Vegetation den Übergang vom Westseitenseeklima zum Kontinentalklima. Der Gesamtbestand der in Deutschland wild lebenden Pflanzenarten wird auf 9.500 Arten geschätzt. Dazu kommen rund 14.000 Pilzarten.[26]
Ohne menschlichen Einfluss würde die Vegetation in Deutschland, wie in den meisten Ländern der gemäßigten Breiten, hauptsächlich aus Wald bestehen. Davon ausgenommen wären Gewässer, besonders nährstoffarme oder trockene Standorte wie Felskuppen, Heideniederungen und Moorlandschaften sowie die alpinen (Bayerische Alpen) und subalpinen (Hochschwarzwald, Hochharz und Westerzgebirge) Hochlagen, die äußerst vegetationsarm sind und in ihrem Klima kaltgemäßigt ausgeprägt sind. Die natürlichen Wälder der Ebenen und Hügel wären stark von der Rotbuche geprägt, daneben gäbe es im Bereich der Flüsse und Seen die heute selten gewordenen Auwälder sowie auf trockeneren Standorten Eichen-Buchen-Mischwälder. Die Alpen und Mittelgebirge wären in den tieferen Lagen von Bergmischwäldern sowie Schluchtwäldern und in den höheren Lagen von Nadelwäldern bedeckt. Pionierwald, vor allem aus Birken und Kiefern bestehend, käme dauerhaft nur auf sehr trockenen und nährstoffarmen Standorten wie Sanddünen vor.
Derzeit bedeckt der Wald in Deutschland 32,0 Prozent der deutschen Staatsfläche. Damit ist Deutschland eines der waldreichsten Länder in der Europäischen Union. Die aktuelle Baumartenzusammensetzung entspricht nur zum geringen Teil den natürlichen Gegebenheiten und wird hauptsächlich von der Forstwirtschaft bestimmt. Die häufigsten Baumart ist mit 26,0 Prozent Flächenanteil die Gemeine Fichte, gefolgt von der Waldkiefer mit 22,9 Prozent, der Rotbuche mit 15,8 Prozent und den Eichen mit 10,6 Prozent.[27]
Rund die Hälfte der deutschen Staatsfläche wird landwirtschaftlich genutzt. Zum Stichtag 31. Dezember 2014 weist das Statistische Bundesamt für Deutschland eine Landwirtschaftsfläche von 184.607 km² aus. Die deutsche Landwirtschaftsfläche nahm seit 31. Dezember 1992 um 10.505 km² ab.[28] Neben der Nutzung als Dauergrünland wird auf einem Großteil der landwirtschaftlichen Flächen Ackerbau betrieben. Auf den Äckern werden überwiegend Nutzpflanzen angebaut, die ursprünglich nicht natürlich in Deutschland vorkamen. So stammen zum Beispiel Gerste, Hafer, Roggen und Weizen aus dem Nahen Osten und die Kartoffel und der Mais wurden aus Amerika eingeführt. In den Flusstälern, unter anderem von Main, Mosel, Ahr und Rhein, wurde die Landschaft vielfach für den Weinanbau umgestaltet.
Neben den natürlich vorkommenden Pflanzen spielen heute eine Reihe von eingeführten Arten wie die Robinie und das Drüsige Springkraut eine zunehmende Rolle in der Vegetation, insbesondere auf Brach- und Störflächen.
Die Bewahrung der Natur ist in Deutschland öffentliche Aufgabe und dient dem im Art.&#160;20a Grundgesetz verankerten Staatsziel. Ziel des Naturschutzes in Deutschland ist es, Natur und Landschaft zu erhalten (§&#160;1 Bundesnaturschutzgesetz). Wichtige Gegenstände des Naturschutzes sind Landschaften, Pflanzen und Tiere. Zu den wichtigsten Institutionen geschützter Gebiete und Objekte gehören derzeit unter anderem 16 Nationalparks (siehe Nationalparks in Deutschland, Stand November 2015), 19 Biosphärenreservate, 95 Naturparks sowie tausende von Naturschutzgebieten, Landschaftsschutzgebieten und Naturdenkmälern.
Fauna
Der Seeadler, ein geschützter Greifvogel
Deutschland beherbergt etwa 48.000 nachgewiesene Tierarten, darunter 104 Säugetierarten, 328 Vogelarten und über 30.000 Insektenarten.[29]
Die meisten in Deutschland heimischen Säugetiere leben in den gemäßigten Laubwäldern. Im Wald leben unter vielen anderen verschiedene Marderarten, Dam- und Rothirsche, Rehe, Wildschweine sowie Luchse und Füchse. Biber und Otter sind seltene Bewohner der Flussauen, mit teilweise wieder steigenden Beständen. Andere ehemals in Mitteleuropa lebende Großsäuger wurden ausgerottet: Auerochse (um 1470), Braunbär (1835), Elch (im Mittelalter noch zahlreich), Wildpferd (19.&#160;Jahrhundert), Wisent (17./18.&#160;Jahrhundert), Wolf (1904). In neuerer Zeit wandern gelegentlich einige Elche und Wölfe aus Polen und Tschechien ein, deren Bestände sich dort wieder vermehren konnten. Im Falle der Wölfe bilden sich sogar schon immer wieder neue Rudel, zunächst im sorbischen Raum, mittlerweile auch weiter westlich, seit um 2000 der erste Nachwuchs geboren wurde. Im März 2010 wurde eine Herde Wisente im Rothaargebirge in Nordrhein-Westfalen angesiedelt.
Rotwild
In hochalpinen Regionen leben Alpensteinbock und Murmeltier. Darüber hinaus ist die Gämse in verschiedenen Mittelgebirgen beheimatet, etwa im Schwarzwald oder auf der Fränkischen Alb.
Zu den bekanntesten in Deutschland lebenden Reptilien zählen Ringelnatter, Kreuzotter und europäische Sumpfschildkröte. Daneben leben noch viele Amphibien wie Salamander, Frösche, Kröten, Unken und Molche in Deutschland, welche jedoch alle auf der Roten Liste bedrohter Tierarten aufgeführt werden.
Von dem Seeadler, mitunter vereinzelt als Vorlage für den stilisierten deutschen Wappenvogel gesehen, gibt es gegenwärtig wieder etwa 500 Paare, vor allem in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Der Steinadler kommt nur noch in den Bayerischen Alpen vor, der ehemals dort heimische Bartgeier wurde ausgerottet, hält aber durch Wiedereinbürgerungen in Schweiz und Österreich auch wieder Einzug in die deutschen Alpen. Die häufigsten Greifvögel in Deutschland sind derzeit Mäusebussard und Turmfalke, dagegen ist der Bestand an Wanderfalken deutlich geringer. Über die Hälfte des Gesamtbestandes an Rotmilanen brütet in Deutschland, der Bestand ist aber aufgrund der intensiven Landwirtschaft rückläufig.
Seehund-Kolonie auf der Nordseeinsel Helgoländer Düne
Demgegenüber steht eine Vielzahl von Vögeln, die als Kulturfolger von der Anwesenheit des Menschen profitieren, insbesondere die in vielen Städten lebenden Stadttauben, Amseln (frühere Waldvögel), Spatzen und Meisen, für deren Überleben auch die Winterfutter-Industrie sorgt, sowie Krähen und Möwen auf Müllkippen. Eine Besonderheit ist die weltweit nördlichste Flamingo-Kolonie im Zwillbrocker Venn.
Der früher in den Flüssen häufig vorkommende Lachs wurde im Zuge der Industrialisierung im 19.&#160;Jahrhundert weitgehend ausgerottet, konnte aber in den 1980er-Jahren im Rhein wieder angesiedelt werden. Der letzte Stör wurde 1969 in Deutschland gefangen. In vielen Teichen werden die erst von den Römern eingeführten Karpfen gehalten.
Der an der Nord- und Ostseeküste lebende Seehund wurde zeitweise nahezu ausgerottet, mittlerweile gibt es im Wattenmeer wieder einige tausend Exemplare. Auch die sich wieder ausbreitenden Kegelrobbenbestände in Nordeuropa kehren wieder an die Küsten Deutschlands zurück, nachdem sie dort durch Bejagung vollständig verschwunden waren. Das Wattenmeer ist insbesondere als Rastplatz für zehn bis zwölf&#160;Millionen Zugvögel pro Jahr von Bedeutung. Die bekannteste Walart von Nord- und Ostsee ist der Schweinswal, jedoch leben dort noch weitere sieben Walarten, unter anderem Pottwal und Schwertwal, daneben mit dem Gemeinen Delfin auch eine Delfinart.
Zu den lange heimischen Tieren hat sich eine beachtliche Anzahl an Neozoen angesiedelt. Zu den bekanntesten Vertretern gehören Waschbär, Marderhund, Halsbandsittich und Nilgans. Weitere teils invasive Neozoen in Deutschland sind Kanadagans, Nandus, Amerikanischer Flusskrebs, Amerikanischer Ochsenfrosch, Europäisches Mufflon, Sonnenbarsche u.&#160;v.&#160;m.
Siehe auch: Liste der Neozoen in Deutschland
Humangeographie
Typische Siedlungsstruktur in Nordrhein-Westfalen
→ Hauptartikel: Humangeographie (Deutschland)
In Deutschland werden insgesamt 52&#160;Prozent der Landesfläche landwirtschaftlich genutzt (2009), Wälder bedecken weitere 29,5&#160;Prozent. 14&#160;Prozent werden als Siedlungs- und Verkehrsfläche genutzt (Tendenz weiterhin steigend). Wasserflächen kommen auf 2&#160;Prozent, die restlichen 2,5&#160;Prozent verteilen sich auf sonstige Flächen, zumeist Ödland und auch Tagebaue.
Liste der Länder
→ Hauptartikel: Land (Deutschland)
Die föderal aufgebaute Bundesrepublik besteht aus 16 Gliedstaaten, die offiziell als Länder (Bundesländer) bezeichnet werden. Die Stadtstaaten Berlin und Hamburg bestehen ausschließlich aus den gleichnamigen Gemeinden und sind somit Einheitsgemeinden. Die Freie Hansestadt Bremen wird als Stadtstaat bezeichnet, jedoch besteht das Land aus den Stadtgemeinden Bremen und Bremerhaven und ist somit ein „Zwei-Städte-Staat“. Im Unterschied zu zahlreichen anderen föderal strukturierten Ländern kennt die Bundesrepublik keine bundesunmittelbaren Gebiete.Land
Hauptstadt
Fläche
in km²
Einwohner
Einwohner
pro km²
Baden-Württemberg&#160;Baden-Württemberg
Stuttgart
35.751
000000010716644.000000000010.716.644[30]
300
Bayern&#160;Bayern
München
70.550
000000012691568.000000000012.691.568[31]
180
Berlin&#160;Berlin

892
000000003469849.00000000003.469.849[32]
3.891
Brandenburg&#160;Brandenburg
Potsdam
29.655
000000002457872.00000000002.457.872[33]
83
Bremen&#160;Bremen
Bremen[34]
419
000000000654774.0000000000654.774[35]
1563
Hamburg&#160;Hamburg

755
000000001734272.00000000001.734.272[36]
2.297
Hessen&#160;Hessen
Wiesbaden[37]
21.115
000000006093888.00000000006.093.888[38]
289
Mecklenburg-Vorpommern&#160;Mecklenburg-Vorpommern
Schwerin
23.211
000000001599138.00000000001.599.138[39]
69
Niedersachsen&#160;Niedersachsen
Hannover
47.614
000000007826739.00000000007.826.739[40]
164
Nordrhein-Westfalen&#160;Nordrhein-Westfalen
Düsseldorf[41]
34.110
000000017638098.000000000017.638.098[42]
517
Rheinland-Pfalz&#160;Rheinland-Pfalz
Mainz[43]
19.854
000000004011582.00000000004.011.582[44]
202
Saarland&#160;Saarland
Saarbrücken
2.569
000000000989035.0000000000989.035[45]
385
Sachsen&#160;Sachsen
Dresden
18.420
000000004055274.00000000004.055.274[46]
220
Sachsen-Anhalt&#160;Sachsen-Anhalt
Magdeburg
20.452
000000002235548.00000000002.235.548[47]
109
Schleswig-Holstein&#160;Schleswig-Holstein
Kiel[48]
15.800
000000002830864.00000000002.830.864[49]
179
Thüringen&#160;Thüringen
Erfurt[50]
16.173
000000002156759.00000000002.156.759[51]
133
Deutschland Bundesrepublik Deutschland
Berlin
357.340
80.523.746[52]
225
Niedersachsen&#160;Niedersachsen
Bremen&#160;Bremen
Hamburg&#160;Hamburg
Mecklenburg-Vorpommern
Mecklenburg-
Vorpommern
Sachsen-Anhalt
Sachsen-
Anhalt
Sachsen&#160;Sachsen
Brandenburg&#160;Brandenburg
Berlin&#160;Berlin
Thüringen&#160;Thüringen
Hessen&#160;Hessen
Nordrhein-Westfalen
Nordrhein-
Westfalen
Rheinland-Pfalz
Rheinland-
Pfalz
Bayern&#160;Bayern
Baden-Württemberg
Baden-
Württemberg
Saarland&#160;Saarland
Schleswig-Holstein
Schleswig-
HolsteinGemeinden
→ Hauptartikel: Gemeinde (Deutschland)
Ortsschild
Die Gemeinden sind die kleinsten selbständigen Gebietskörperschaften der politischen Gebietsgliederung. Sie regeln alle Angelegenheiten der örtlichen Gemeinschaft eigenverantwortlich und haben das Recht der Selbstverwaltung (Art.&#160;28 Abs.&#160;2 GG). Sie sind, ausgenommen die meisten kreisfreien Städte, in Landkreisen und anderen Gemeindeverbänden zusammengefasst.
Kreise und Gemeinden unterliegen dem Kommunalverfassungsrecht des jeweiligen Bundeslandes und sind daher bundesweit ganz unterschiedlich organisiert. Einzig die Kreisstadt als Verwaltungssitz eines Landkreises findet sich deutschlandweit. Die Einheitsgemeinden Berlin und Hamburg sind als Stadtstaaten gleichzeitig auch Länder.
Ballungsgebiete
Karte der Bevölkerungsdichte in Deutschland im Jahr 2006.
Um Ballungs- respektive Verdichtungsgebiete zu veranschaulichen, können Karten zur Bevölkerungsdichte, zu Gemeindegrößen, Agglomerationen und den sogenannten Metropolregionen herangezogen werden.
In Deutschland gibt es beinahe 80 Großstädte, also Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern. Davon haben 13 mehr als 500.000 Einwohner. Eine Besonderheit Deutschlands ist die historisch bedingt überwiegend randlastige, dezentrale Verteilung der Großstädte. Die entlang des Rheins verlaufenden Ballungsräume im Westen und Südwesten Deutschlands bilden dabei den Mittelteil der zentralen europäischen Bevölkerungskonzentration, die mit dem Begriff Blaue Banane umschrieben wird.
Unter Agglomeration versteht man ein größeres zusammenhängendes Siedlungsgebiet oder auch eine weitgehend urbanisierte Fläche. Da Gemeinde- und Siedlungsgrenzen meist erheblich voneinander abweichen, gibt die Betrachtung der Agglomerationen einen authentischeren Aufschluss über Bevölkerungskonzentrationen. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern werden in Deutschland Agglomerationen jedoch nicht statistisch genau definiert und abgegrenzt. Die meisten Agglomerationen sind monozentrisch; das Ruhrgebiet hingegen ist ein klassisches Beispiel für einen polyzentrischen Verdichtungsraum.
Von der Ministerkonferenz für Raumordnung (MKRO) wurden elf sogenannte Europäische Metropolregionen (EMR) festgelegt. Diese gehen über die entsprechenden Agglomerationen weit hinaus. Köln/Düsseldorf/Dortmund/Essen gehören zur Metropolregion Rhein-Ruhr, Dresden/Leipzig zur Metropolregion Mitteldeutschland. Eine weitere ist die Metropolregion Rhein-Neckar um Ludwigshafen/Mannheim/Heidelberg.Bevölkerungsreichste Siedlungsgebiete in Deutschland
BerlinHamburgMünchen
Siedlungsgebiet
Stadt
Agglomeration
Metropolregion
KölnFrankfurt am MainStuttgart1
Berlin
3.400.000
4.400.000
6.000.000
2
Hamburg
1.750.000
2.600.000
4.270.000
3
München
1.450.000
2.000.000
5.200.000
4
Köln
1.045.000
1.900.000
11.690.000
5
Frankfurt am Main
700.000
1.930.000
5.520.000
6
Stuttgart
605.000
1.800.000
5.290.000
7
Düsseldorf
605.000
1.220.000
11.690.000
8
Dortmund
580.000
4.700.000
11.690.000
9
Essen
570.000
4.700.000
11.690.000
10
Bremen
550.000
850.000
2.730.000
11
Leipzig
545.000
1.100.000
2.400.000
12
Dresden
540.000
755.000
2.400.000
13
Hannover
520.000
1.132.000
3.880.000
14
Nürnberg
505.000
1.200.000
3.500.000
Siehe auch: Liste der Groß- und Mittelstädte in Deutschland&#160;und Metropolregion#In Deutschland
Bevölkerung
→ Hauptartikel: Deutsche
Demografie
Bevölkerungsaufbau nach Alter im Jahr 2010. Deutschland verzeichnet eine der niedrigsten Geburtenraten der Welt.
→ Hauptartikel: Demografie Deutschlands
Auf Grundlage von Berechnungen des Zensus 2011 lebten am 31.&#160;Dezember 2013 in der Bundesrepublik Deutschland offiziell 80.767.463 Einwohner auf einer Fläche von 357.340 Quadratkilometern.[53] Das Land gehört damit zu den dicht besiedelten Flächenstaaten. 18,1&#160;Prozent der Bevölkerung waren im selben Jahr unter 20 Jahre, 24,1&#160;Prozent zwischen 20 und 40 Jahre und 30,7&#160;Prozent waren zwischen 40 und 60 Jahre alt. Im Alter von 60 bis 80 Jahren waren im Jahr 2013 21,7&#160;Prozent der Bevölkerung, der Anteil über 80-Jährigen lag bei 5,4&#160;Prozent.[54] Im Jahr 2010 lag das durchschnittliche Alter der Deutschen bei 43,7 Jahren.[55]
Neben der Familie als der am häufigsten angestrebten und beliebtesten Form des Zusammenlebens sind eine Vielzahl an Lebensmodellen in der deutschen Gesellschaft vertreten.[56] Die Anzahl der lebend geborenen Kinder lag im Jahr 2013 bei 682.069. Dies entspricht einer Geburtenrate von 1,41 Kindern pro Frau bzw. 8,4 Geburten pro 1000 Einwohner und ist die niedrigste Geburtenrate weltweit.[57] Im selben Zeitraum wurden 893.825 Sterbefälle registriert, etwa 11,1 Fälle pro 1000 Einwohner. Etwa 211.000 Kinder wurden demnach weniger geboren als Menschen verstarben.[58] Trotz des jährlich zu verzeichnenden Geburtendefizits lebten im Jahr 2013 in Deutschland etwa 244.000 Menschen mehr als ein Jahr zuvor. Dies ist auf hohe Wanderungsgewinne (+428.607) gegenüber dem Ausland zurückzuführen, die das Geburtendefizit knapp ausgleichen.[59] Als eine der gegenwärtigen Herausforderungen wird demzufolge die Orientierung zu einer familienfreundlichen, kinder- und nachwuchsfördernden Gesellschaft mit Mehrkindfamilien gesehen (Pronatalismus). Bei einer Fortsetzung sehr niedriger Geburtenraten, wie in den vergangenen vier Jahrzehnten, werden für Deutschland weitgehende soziale, ökonomische und geopolitische Problemstellungen vorhergesagt.[60]
Etwa 74 Millionen Personen (92,3&#160;%) in Deutschland besaßen im Jahr 2011 die deutsche Staatsbürgerschaft. Im selben Jahr lebten insgesamt 15 Millionen Personen mit Migrationshintergrund in Deutschland. Dies entspricht knapp 19&#160;% der Bevölkerung. Als Personen mit Migrationshintergrund zählen im Zensus 2011 alle Ausländer sowie alle Deutschen, die nach 1955 auf das Gebiet der heutigen Bundesrepublik Deutschland zugewandert sind oder mindestens einen nach 1955 zugewanderten Elternteil haben. Unter ihnen bilden die Aussiedler bzw. Spätaussiedler die größte Gruppe, gefolgt von Bürgern der Türkei, anderer Staaten der Europäischen Union und des ehemaligen Jugoslawiens.[61] Zwischen 1950 und 2002 wurden insgesamt 4,3&#160;Millionen Menschen, oder im Land geborene oder seit langer Zeit in Deutschland lebende ehemalige Ausländer auf eigenen Antrag eingebürgert.Einwanderung
Einwohnerentwicklung Deutschlands seit 1800. Von 80,3&#160;Millionen Einwohnern des Landes im Jahr 2011 besitzen 6,3&#160;Millionen nicht die deutsche Staatsangehörigkeit.
In Deutschland leben Einwanderer aus praktisch allen Ländern der Welt. Nach Berechnungen aus dem Jahr 2013 machte der Bevölkerungsteil ohne deutsche Staatsangehörigkeit am 31.&#160;Dezember 2011 etwa 6,3&#160;Millionen Einwohner aus.[52] Nach Mehrländer/Schultze[62] sprechen einige Faktoren sowie Untersuchungen der Vereinten Nationen aus dem Jahr 2006 dafür,[63] dass Deutschland „de facto bereits seit Längerem“ als Einwanderungsland anzusehen ist.[64][65] 2012 war Deutschland nach den Vereinigten Staaten das OECD-Land mit den zweitmeisten Einwanderern.[64] Wissenschaftler sehen aus demografischen und wirtschaftlichen Gründen die Notwendigkeit für mehr Zuwanderung von gut ausgebildeten Fachkräften und Akademikern, was durch die Schaffung eines ganzheitlichen Einwanderungsgesetzes nach den erfolgreichen Vorbildern in Ländern wie Australien und Kanada erreicht werden könne, mit einer transparenten und an den Fertigkeiten der Zuwanderer orientierten Steuerung.[66] Die Einwanderung mitsamt Familienzusammenführungen dürfe nicht zulasten der Sozialsysteme gehen.[67] Insbesondere Studenten der MINT-Fächer, die mehrheitlich das Land nach einiger Zeit wieder verlassen, sollen stärker an Deutschland gebunden und schneller integriert werden,[68] wofür auch mehr wissenschaftlicher Freiraum nötig sei.[69]
Die größte in Deutschland lebende Einwanderergruppe stellten im Jahr 2010 (vor den Zensuserhebungen 2011) mit 1.629.480 Personen türkische Staatsangehörige (→&#160;Türkeistämmige in Deutschland). Aus Mitgliedstaaten der Europäischen Union leben rund 2,4&#160;Millionen Menschen auf dem Gebiet der Bundesrepublik. Den größten Anteil haben hier Italiener (517.546), Polen (419.435) und Griechen (276.685). Der Anteil der europäischen Staatsbürger aus Nicht-EU-Ländern hatte sich durch Migration insbesondere aus Ex-Jugoslawien (etwa eine Million) und aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion in den 1990er-Jahren erhöht. Ferner leben in Deutschland 824.352 Menschen mit einer asiatischen Staatsangehörigkeit, 271.431 Afrikaner und 215.213 Amerikaner (davon 107.755 aus den Vereinigten Staaten, ohne Expats).[70] 2010 erwarben rund 101.600 Personen die deutsche Staatsbürgerschaft (2006: 124.566) durch Einbürgerung.[71]
Im Jahr 2011 ergibt sich ein Gesamtanteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund im Sinne der amtlichen Statistik (d.&#160;h. seit 1949 von außerhalb in das heutige Bundesgebiet eingewanderte Personen und deren Nachkommen; hierbei ist zu beachten, dass Spätaussiedler und Vertriebene, die erst seit bzw. nach 1949 im Bundesgebiet siedeln, im Zensus als Migranten geführt werden, obgleich sie ethnisch der deutschen Diaspora zugehörig sind) von etwa 19&#160;Prozent (15&#160;Millionen Einwohner) und einen Gesamtanteil der Bevölkerung ohne deutsche Staatsangehörigkeit von 8,3&#160;Prozent (6,6&#160;Millionen Einwohner). Der Bevölkerungsanteil von Ausländern und Menschen mit Migrationshintergrund ist regional sehr unterschiedlich, wobei die höchsten Anteile in den Ballungsräumen des Südens erreicht werden, während in den ländlichen Gebieten Ost- und Norddeutschlands nur wenige Migranten leben. 2010 waren Offenbach am Main (25,8&#160;%), Mannheim (23,6&#160;%) und München (23,5&#160;%) die kreisfreien Städte mit den höchsten Ausländeranteilen, während dieser in 43 Landkreisen und zwei kreisfreien Städten in den neuen Ländern bei unter 2&#160;% lag.[72]
Die Zahl der gesamten polnischen Diaspora in Deutschland, die bereits seit dem 19.&#160;Jahrhundert existiert („Ruhrpolen“), beläuft sich auf weit über zwei&#160;Millionen, wobei die meisten seit Generationen von der einheimischen Bevölkerung assimiliert sind.
Siehe auch: Einwanderung in Deutschland, Blaue Karte EU und Zuwanderungsgesetz
Sprachen und Dialekte
→ Hauptartikel: Deutsche Sprache
Kenntnisse der deutschen Sprache in den Ländern der Europäischen Union. Das Deutsche ist die meistgesprochene Muttersprache in der EU und dort eine von drei Arbeitssprachen.
Die in Deutschland hauptsächlich verbreitete Sprache ist Deutsch (Hochdeutsch), gefolgt von Niederdeutsch mit abweichenden Zahlenangaben über die Gesamtanzahl der aktiven Sprecher von rund 5,5&#160;Millionen Sprechern[73] bis rund elf Millionen, davon ungefähr vier&#160;Millionen, die die Sprache gut bis sehr gut beherrschen.[74]
Deutsch wird als Standardsprache im Amtsgebrauch (Amtssprache), in den überregionalen Medien und als Schriftsprache verwendet; als Sprache des Alltags wird es in vielen Regionen fast ausschließlich gesprochen (oft regional leicht eingefärbt). Der Übergang zu den deutschen Dialekten ist fließend. Neben Französisch und Englisch ist Deutsch eine von den drei am häufigsten verwendeten Amts- und Arbeitssprachen der Europäischen Union.
Angestammte nationale Minderheiten sind Dänen (etwa 50.000[75][76][77]), Friesen (Zahlen siehe dort), Sorben (etwa 60.000) und deutsche (autochthone) Roma (offizielle Bezeichnung: „Sinti und Roma“, etwa 70.000). Als Minderheiten- oder Regionalsprachen nach der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen anerkannt sind im Einzelnen: Dänisch (sowohl Reichsdänisch, überwiegend in der Variante Sydslesvigdansk, als auch Sønderjysk), Friesisch (als Minderheitensprache: Nordfriesisch in Schleswig-Holstein, Saterfriesisch in Niedersachsen), Sorbisch (als Minderheitensprache und regional auch als Amtssprache: Obersorbisch in Sachsen, Niedersorbisch in Brandenburg), Romanes (Minderheitensprache der Roma), Niederdeutsch (Regionalsprache in Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern sowie in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt).
Die erste vollständige Bibelübersetzung ins Deutsche, 1534
Partiell besitzen in Schleswig-Holstein die Regional- und Minderheitensprachen Niederdeutsch, Dänisch und Friesisch (siehe Friesisch-Gesetz) den Rang einer Amtssprache in Deutschland. Andere in Deutschland traditionelle (wie beispielsweise die jenische Sprache oder das Jiddisch) oder neue Minderheitensprachen wurden nicht in die Charta aufgenommen.[78] Weitere ehemals verbreitete Sprachen wie Moselromanisch (im 11.&#160;Jahrhundert ausgestorben) oder Polabisch (im 18.&#160;Jahrhundert ausgestorben) werden heute nicht oder kaum mehr gesprochen.
Die Verwendung von Dialekten wird von manchen Menschen als Makel und als Erschwernis der Verständigung, von anderen als kulturelle Bereicherung empfunden. Norddeutsche verwenden die niederdeutsche Sprache oder regionale Mundarten tendenziell weniger ausgeprägt, wogegen im süddeutschen Sprachraum der Gebrauch des pfälzischen, fränkischen, bairischen, schwäbischen und alemannischen Dialekts selbst in akademischen Kreisen weniger verpönt ist. Da das Standarddeutsche sich aus hochdeutschen (mittel- und oberdeutschen) Sprachformen entwickelt hat und die Dialekte der niederdeutschen Sprache verdrängt hat, sprechen Norddeutsche tendenziell eher ein dialektfreies Deutsch als die Bevölkerung in den südlichen zwei Dritteln des Landes.
Die hannoveranische Lautung ist dem heutigen Standarddeutsch sehr verwandt. (Das Neue Rathaus in Hannover)
Die von Gehörlosen verwendete Deutsche Gebärdensprache ist seit 2002 in Deutschland als eigenständige Sprache anerkannt.
Seit der Einwanderung der Germanen in das heutige Gebiet Deutschlands sind immer wieder neuere Zuwanderer hinzugekommen, die auch ihre jeweiligen Sprachen mitbrachten (zum Beispiel die Römer in den Kolonien Germaniens, die Hunnen während der Völkerwanderung, die Hugenotten seit dem 17.&#160;Jahrhundert, die Ruhrpolen im 19.&#160;Jahrhundert). Während die Nachkommen der älteren Zuwanderungswellen sich inzwischen sprachlich weitgehend angepasst haben, verwenden diejenigen Zuwanderer, die erst in den vergangenen Jahrzehnten gekommen sind (allen voran die sogenannten Gastarbeiter, aber auch Flüchtlinge), untereinander neben dem Deutschen noch häufig ihre Muttersprache, vor allem Türkisch (etwa zwei&#160;Millionen). Daneben ist auch die russische Sprache verbreitet, zum einen unter jüdischen Kontingentflüchtlingen, aber auch unter Russlanddeutschen, zu denen nicht nur deutsche oder ‚plautdietsche‘, sondern auch russische Muttersprachler gehören. Die Angaben zur Anzahl russischer Muttersprachler variieren je nach Quelle stark und liegen bei drei bis vier&#160;Millionen. Auch die Zahl der Personen, deren Alltagssprache Polnisch ist, wird relativ hoch vermutet. Hierbei schwankt die Zahl ebenfalls je nach Quelle.
Die an Schulen vorrangig gelehrte Fremdsprache ist Englisch, gefolgt von Französisch und Latein und danach von Russisch. In den letzten Jahren ist außerdem Spanisch sowie in den westlichen Landesteilen von Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen Niederländisch immer beliebter geworden. Die Entscheidung über die unterrichteten Fremdsprachen haben die Schulministerien in den einzelnen Ländern. Weitere Fremdsprachen wie zum Beispiel Chinesisch oder Italienisch können Schüler an manchen Schulen als reguläres Unterrichtsfach oder als Arbeitsgemeinschaft (AG) wählen.[79]
Die wichtigste Verwaltungssprache in Behörden ist Deutsch, aufgrund der hohen Internationalität des Landes gibt es in mehreren Städten und Bundesländern auch Angebote in englischer Sprache, die als globale lingua franca gilt. In manchen Städten ist sie daher auch zur offiziellen Verwaltungssprache erhoben, im Jahr 2015 etwa in Düsseldorf.[80] Die Zugänglichkeit für z.&#160;B. Expats und internationale Wissenschaftler auf dem deutschen Arbeitsmarkt soll somit erhöht werden, diese Arbeitskräfte haben meist hohe Einkommen und würden sich eher entscheiden, in Deutschland zu bleiben, wenn sie die Behörden besser verstehen und nutzen können, um später die deutsche Sprache zu erlernen.[81]
Religionen
→ Hauptartikel: Religionen in Deutschland
Martin Luther (1483–1546), Gemälde von Lucas Cranach dem Älteren, 1528
In Deutschland wird Religionsfreiheit als Grundrecht garantiert. Das Verhältnis von Religion und Staat wird durch die Artikel 136 bis 139 der Weimarer Reichsverfassung (WRV) geregelt, die durch Art.&#160;140 GG Bestandteil des Grundgesetzes sind. Danach gilt neben der Religionsfreiheit die weltanschauliche Neutralität des Staates und das Selbstbestimmungsrecht der Religionsgemeinschaften. Auf dieser Basis ist das Verhältnis von Religionsgemeinschaften und Staat partnerschaftlich; es gibt also keine strikte Trennung von Kirche und Staat wie im Laizismus, sondern in vielen sozialen und schulisch-kulturellen Bereichen bestehen Verflechtungen, beispielsweise über kirchliche, aber staatlich mitfinanzierte Trägerschaft von Kindergärten, Schulen, Krankenhäusern oder Pflegeheimen. Ebenso berufen sich einige deutsche Parteien auf die christliche Tradition des Landes. Die christlichen Kirchen besitzen den Status von Amtskirchen und sind Körperschaften des öffentlichen Rechts, aufgrund des geltenden Staatskirchenrechts jedoch sui generis.[82] Durch den verliehenen Körperschaftsstatus sollen den Kirchen und den ihnen insoweit gleichgestellten Religionsgemeinschaften vielmehr bestimmte, dem öffentlichen Recht eigentümliche Gestaltungsmöglichkeiten eingeräumt werden, ohne dass sie dabei aber einer Staatsaufsicht unterliegen; stattdessen wird sowohl der kirchliche Öffentlichkeitsauftrag teilweise in Kirchenverträgen mit den Ländern oder den entsprechenden Regelungen in den Landesverfassungen anerkannt wie auch die besondere, originäre Kirchengewalt rechtlich bekräftigt.[83]
J. A. Ratzinger, Papst Benedikt XVI., 2005 bis 2013 Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche
Wie der größte Teil West- und Mitteleuropas ist das heutige Deutschland in einem bis zur Antike zurückreichenden historischen und kulturellen Kontext christlich-abendländisch, und seit etwa dem 18.&#160;Jahrhundert ebenso aufgeklärt-wissenschaftlich geprägt. Dieser Prägung liegen Einflüsse aus der antiken griechischen und römischen Kultur ebenso zugrunde wie jüdische und christliche Traditionen, die sich seit Beginn der Christianisierung Nordwesteuropas, ab etwa dem 4.&#160;Jahrhundert, mit germanischen Traditionen vermischt hatten. Das Gebiet des heutigen Deutschland wurde seit dem frühen Mittelalter christianisiert. In der fränkischen Zeit wurde im Reich Karls des Großen die entsprechende Missionierung, teilweise durch Zwangsmaßnahmen abgeschlossen. Im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation begann die christliche Reformation Anfang des 16.&#160;Jahrhunderts, angeführt von Martin Luther. Sie prägt die religiöse Landschaft im deutschen Sprachraum bis heute mit.
Das protestantische Ulmer Münster gilt als höchstes Kirchengebäude der Welt.
Etwa 60&#160;Prozent der Bevölkerung gehören einer christlichen Konfession an: römisch-katholische Kirche 29,5&#160;Prozent (tendenziell überwiegend in West- und Süddeutschland),[84][85] Evangelische Kirche in Deutschland (Lutheraner, Reformierte und Unierte) 27,9&#160;Prozent (tendenziell vor allem in Norddeutschland);[84] andere christlichen Kirchen wie orthodoxe und altorientalische Kirchen, die Zeugen Jehovas, die neuapostolische Kirche und Angehörige christlicher Freikirchen insgesamt ca. 3&#160;Prozent.[84] Die Anzahl der Gottesdienstbesucher ist wesentlich geringer als die Anzahl der Kirchenmitglieder. An sogenannten Zählsonntagen besuchten 2,6&#160;Millionen Menschen (oder 3,8&#160;Prozent der deutschen Gesamtbevölkerung) die sonntäglichen katholischen Gottesdienste,[85] und 0,9&#160;Millionen (oder 1,1&#160;Prozent der Gesamtbevölkerung) jene der Evangelischen Kirche (2009).[86]
Circa ein Drittel der Gesamtbevölkerung ist konfessionslos und stellt mit 27 Millionen Personen die größte Bevölkerungsgruppe verglichen mit den einzelnen christlichen Konfessionen. In den neuen Ländern liegt dieser prozentuale Anteil zwischen 67,7&#160;Prozent (Thüringen) und 81,7&#160;Prozent (Sachsen-Anhalt) (Mittelwert 75,4&#160;%).[87] Die DDR hatte eine atheistische Weltanschauung propagiert und vermittelt (siehe Jugendweihe) und den Kirchenaustritt gefördert. Aufgrund langfristiger Prozesse der Säkularisierung und des Wertewandels stieg der Anteil von Konfessionslosen an der Gesamtbevölkerung jedoch auch schon in der alten Bundesrepublik an (1970: 3,9&#160;%; 1987: 11,4&#160;%). Diese Entwicklung setzte sich nach der Wende im vereinten Deutschland fort (1990: 22,4&#160;%; 2004: 34,6&#160;%).[88]Zentralmoschee
Köln
Alte Synagoge
Essen
Islamische Gemeinden haben etwa vier&#160;Millionen Mitglieder&#160;– der Anteil der Muslime an der Gesamtbevölkerung beträgt zwischen 4,6 und 5,2 Prozent – und sind vorwiegend ausländischer Herkunft, davon mittlerweile etwa 45&#160;% deutsche Staatsangehörige.[89] Um für die Vielzahl an islamischen Organisationen einen Dachverband zu erhalten, der für Außenstehende als Ansprechpartner fungieren kann, wurde der Koordinierungsrat der Muslime in Deutschland gegründet.
Die Deutsche Buddhistische Union geht von einer Zahl von 250.000 aktiven Buddhisten in Deutschland aus, die Hälfte davon sind eingewanderte Asiaten. Dies entspricht 0,3&#160;Prozent der Bevölkerung.
Etwa 200.000 Personen sind Juden,[84] davon sind etwa die Hälfte in jüdischen Gemeinden organisiert. Seit den 1990er-Jahren verzeichnen diese einen starken Zuwachs durch Zuwanderer aus den ehemaligen Ostblockstaaten, vor allem aus der Ukraine und aus Russland. Nach Frankreich und dem Vereinigten Königreich hat Deutschland die drittgrößte jüdische Gemeinschaft Europas.
Bestimmte christliche Kirchen sowie die jüdischen Gemeinden erheben von ihren Mitgliedern eine Kirchensteuer, die der Staat gegen eine Aufwandsentschädigung einzieht und an die jeweiligen Kirchen (beziehungsweise an den Zentralrat der Juden in Deutschland) weiterleitet.
Des Weiteren ist der Religionsunterricht laut Grundgesetz fakultatives, aber dennoch ordentliches Unterrichtsfach in den öffentlichen Schulen (mit Ausnahme weniger Länder wie Bremen, Berlin und Brandenburg). Dieser Unterricht wird oft von einem Vertreter einer der beiden großen christlichen Amtskirchen abgehalten.
Geschichte
→ Hauptartikel: Geschichte Deutschlands
Kurzüberblick
Die geschichtliche Entwicklung Deutschlands reicht weit zurück und kann bis zu den Indogermanen in vorantiker Zeit zurückverfolgt werden. Das Land umfasste wechselnde Gebiete und Völker und bildete erst im späten 19. Jahrhundert einen Nationalstaat. Im Verlauf der Völkerwanderung brach das Weströmische Reich im 5. Jahrhundert n. Chr. zusammen. Es etablierten sich germanisch-romanische Nachfolgereiche, wovon das von den Merowingern gegründete Frankenreich das bedeutendste war. Im Frühmittelalter expandierte das Frankenreich unter den Karolingern und umfasste in der Zeit Karls des Großen weite Teile des heutigen Deutschlands, der Benelux-Länder, Frankreichs, Italiens, der Schweiz und Österreichs. Nach dem Zerfall des Karolingerreichs im 9.&#160;Jahrhundert wurde das Ostfrankenreich zur Keimzelle des späteren Deutschlands, ohne dass sich im Mittelalter ein „deutsches Nationalbewusstsein“ entwickelte. Das sich im 10. Jahrhundert formierende römisch-deutsche Reich, das seit dem Spätmittelalter auch als Heiliges Römisches Reich bezeichnet wurde, hatte vielmehr übernationalen Charakter und war letztlich ein überstaatliches Gebilde.[90] Die Herrschaftsgewalt der römisch-deutschen Könige und Kaiser war viel weniger ausgeprägt als in den westeuropäischen Reichen, während die zahlreichen Landesherren eine vergleichsweise starke Stellung innehatten. Dies begründete die Tradition des deutschen Föderalismus, wodurch sich bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches keine herrschaftliche Zentralgewalt durchsetzen konnte. Das Reich wurde in der Frühen Neuzeit durch Reformation, Gegenreformation und den Dreißigjährigen Krieg herausgefordert.
Nach der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches 1806 und der 1813 gegen Napoleon gewonnenen Völkerschlacht bei Leipzig wurde 1815 der Deutsche Bund als lockerer Zusammenschluss gebildet. Während der Revolution 1848/1849 bildete sich mit der Frankfurter Nationalversammlung das erste deutsche Parlament, das jedoch wegen vieler Widerstände nur ein Jahr überdauerte. Der Deutsche Bund bestand bis 1866, als die zunehmenden Spannungen zwischen den deutschen Führungsmächten Österreich und Preußen sich im offenen Machtkampf entluden. Preußen siegte militärisch, so dass 1867 der Norddeutsche Bund unter preußischer Vorherrschaft gebildet wurde. Während des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71 wurde das Deutsche Reich als erster deutscher Nationalstaat gegründet, der aber auch in seinen Grenzgebieten eine Reihe von Minderheiten einschloss. In der „Deutsches Kaiserreich“ genannten Epoche zwischen 1871 und 1918 war Deutschland bundesstaatlich organisiert und verwirklichte eine konstitutionelle Monarchie. Während der Gründerzeit wurde Deutschland zur größten Wirtschaftsmacht Europas. Nach der militärischen Niederlage im Ersten Weltkrieg kam es 1918 zur Novemberrevolution und zur Bildung einer parlamentarisch-demokratischen Republik. Die sogenannte „Weimarer Republik“ hatte trotz „Goldener Zwanziger“ unter innenpolitischer Instabilität zu leiden. Der erste demokratische deutsche Staat ging infolge der Weltwirtschaftskrise und der „Machtergreifung“ durch die Nationalsozialisten unter Führung von Adolf Hitler unter. Es folgte von 1933 bis 1945 die Zeit des Nationalsozialismus, in der Gegner der totalitären und rassistischen Diktatur verfolgt und ermordet wurden, während das Regime die Erweiterung der Grenzen anstrebte. Dies mündete in den von Deutschland begonnenen Zweiten Weltkrieg, Massenmorde (einschließlich des Holocaust) und endete mit der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands am 8. Mai 1945.
Die vier alliierten Siegermächte führten die Aufteilung Deutschlands und Berlins durch: Eine östliche und drei westliche Besatzungszonen wurden gebildet. In den drei Westzonen entstand nach freiheitlich-demokratischem und marktwirtschaftlichem Leitbild mit der Verkündung des Grundgesetzes am 23. Mai 1949 die Bundesrepublik Deutschland,[91] aus der sowjetischen Zone wurde die sozialistische Deutsche Demokratische Republik (DDR). Während des Kalten Krieges blieb Deutschland geteilt, bis es am 9. November 1989 zum Fall der Berliner Mauer kam. Dies war das Resultat der friedlichen Revolution in der DDR und dem damit einhergehenden Zusammenbruch der SED-Diktatur. Am 3. Oktober 1990 kam es schließlich zur deutschen Vereinigung, der Tag der Deutschen Einheit ist seitdem der Nationalfeiertag. Deutschland ist überdies Gründungsmitglied der am 7. Februar 1992 begründeten Europäischen Union und ein Motor der europäischen Integration.
Urgeschichte, frühe Stämme und Römerzeit
Die Himmelsscheibe von Nebra (heutiges Sachsen-Anhalt), ca. 1600&#160;v.&#160;Chr.
Die ältesten Siedlungsbelege auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik Deutschland sind etwa 700.000 Jahre alt, man geht von einer dauerhaften Besiedlung seit rund 500.000 Jahren aus. In Deutschland existieren bedeutende paläoanthropologische Fundstätten: Nach dem Fundort bei Heidelberg wurde die Hominini-Art Homo heidelbergensis und nach dem Neandertal in Mettmann der Homo neanderthalensis, der aus dem Homo heidelbergensis hervorgegangene Neandertaler, benannt. Dieser wurde vor etwa 40.000 Jahren von dem aus Afrika zugewanderten Homo sapiens, dem modernen Menschen, verdrängt.
Die jungpaläolithische Kleinkunst aus dem Aurignacien der Schwäbischen Alb, den Höhlen Geißenklösterle, Hohle Fels, Hohlenstein und der Vogelherdhöhle, sind die ältesten figurativen Kunstwerke der Menschheit.
In der Jungsteinzeit entwickelten sich Ackerbau, Viehzucht und feste Siedlungsplätze. Aus dieser Zeit sind einige bedeutende kulturelle Funde erhalten, wie etwa die Himmelsscheibe von Nebra, die darauf deutet, dass schon um 2000&#160;v.&#160;Chr. in dieser Region Astronomie betrieben wurde.
Karte der germanischen Stämme um 50&#160;n.&#160;Chr. (ohne Skandinavien)
Das heutige Deutschland war schon mit Beginn der Hallstattzeit (1200–1000&#160;v.&#160;Chr.) von Süd- bis Mitteldeutschland keltisch besiedelt. Um 600&#160;v.&#160;Chr. kam es in Norddeutschland zur Herausbildung der Jastorf-Kultur, die als germanische Kultur angesehen wird. Erste schriftliche Erwähnung finden die germanischen Stämme bei antiken griechischen und römischen Autoren seit dem 1. Jahrhundert v. Chr., beginnend wohl mit Poseidonios. Die Germanen selbst waren jedoch eine uneinheitliche Gruppe von verschiedenen Stämmen, die auch kein übergeordnetes Gemeinschaftsgefühl verband. Bereits der Begriff „Germanen“ (lateinisch Germani) ist ein ethnographischer, wenig präziser Sammelbegriff antiker Autoren, die damit auch ein „Barbarenbild“ verbanden.[92] „Germanen“ darf aus methodischen Gründen daher nicht als Begriff für ein einheitliches Volk missverstanden werden.[93] Die Germanen lebten mit den Kelten in Nachbarschaft und in der rheinischen Kontaktzone teilweise auf sich überschneidenden Gebieten. Jahrhundertelang gab es kulturellen und wirtschaftlichen Kontakt, wodurch keltische Lehnwörter in die germanischen Mundarten aufgenommen wurden.
Die römische Porta Nigra in Trier wurde um 180&#160;n.&#160;Chr. errichtet.
Von 58&#160;v.&#160;Chr. bis etwa 455&#160;n.&#160;Chr. gehörten die Gebiete links des Rheins und südlich der Donau zum Römischen Reich, von etwa 80 bis 260&#160;n.&#160;Chr. auch ein Teil Hessens (Wetterau) sowie der größte Teil des heutigen Baden-Württemberg südlich des Limes. Die römisch beherrschten Gebiete im heutigen Deutschland verteilten sich auf die Provinzen Germania superior, Germania inferior und Raetia. In diesem Gebiet gründeten die Römer viele Legionslager, die sich später zu Städten entwickeln konnten. Wichtigste Städte zu römischer Zeit waren Trier, Köln, Augsburg und Mainz (die ältesten Städte Deutschlands). Die Gebiete im heutigen Deutschland, die außerhalb der römischen Herrschaft lagen, bezeichnete das Römische Reich als Magna Germania oder Barbaricum.
Zur Sicherung der Grenzen siedelten die Römer befreundete germanische Stämme in den Provinzen an. Außerdem wanderten Siedler aus anderen Teilen des Römischen Reiches, insbesondere aus Italien, ein und wurden westlich des Rheins und südlich der Donau sesshaft. Weitreichende Neuerungen, die auch das deutsche Vokabular beeinflussten, führten die Römer insbesondere in Hausbau, Handwerk, Wein- und Ackerbau sowie Verwaltung und Militär ein. Tacitus’ im Jahr 98 entstandene Schrift Germania ist die älteste völkerkundliche Beschreibung der germanischen Stämme. Mit der Varusschlacht im Teutoburger Wald im Jahr 9 n. Chr. erlitten die Römer durch verbündete Germanen unter Führung des Arminius eine vernichtende Niederlage. Die Bemühungen der Römer zur Errichtung rechtsrheinischer Provinzen bis zur Elbe endeten schließlich.[94]Völkerwanderung und Frühmittelalter (375–962)
→ Hauptartikel: Völkerwanderung&#160;und Frühmittelalter
Die Krönung Karls des Großen, Fresko von Raffael, zwischen 1516 und 1517
Nach dem Einfall der Hunnen 375 und mit dem Niedergang Westroms ab 395 setzte die Völkerwanderung ein, in deren Verlauf die germanischen Stämme immer weiter nach Südwesten zogen (→&#160;Spätantike). Gleichzeitig bildeten sich auf dem Gebiet des heutigen Deutschland mehrere Großstämme heraus, die die kleineren germanischen Stämme der römischen Kaiserzeit verdrängten. Dies sind Franken und Alamannen im Westen, Sachsen im Norden, Bayern im Süden und Thüringer im Osten. In die fast menschenleeren Gebiete des heutigen Ostdeutschlands wanderten im 7.&#160;Jahrhundert bis zur Elbe-Saale-Linie slawische Stämme ein. Weite Teile der Bevölkerung der heutigen ostdeutschen Bundesländer waren daher bis ins hohe Mittelalter slawisch geprägt (Germania Slavica). Erst im Zuge der hochmittelalterlichen Ostsiedlung wurden sie assimiliert und akkulturiert. Der Hauptteil West- und Mitteleuropas und damit auch große Gebiete des heutigen Süd- und Westdeutschlands wurden vom Ende des 6. Jahrhunderts entstandenen Frankenreich eingenommen, das heutige Norddeutschland wurde von den Sachsen und Slawen beherrscht. Alle heute zu Deutschland gehörigen Gebiete des einstigen Frankenreichs lagen im östlichen Teilreich, das seit der Merowingerzeit als Austrien bezeichnet wurde. Eine gewisse Eigenstaatlichkeit Austriens wurde erstmals im Jahre 614 offenbar, als König Chlothar II. das Edictum Chlotharii unterschreiben musste, in dem festgehalten wurde, dass jedes der drei fränkischen Teilreiche (Neustrien, Austrien, Burgund) einem eigenen Hausmeier unterstand.
Die Gebietsaufteilung im Vertrag von Verdun, 843
Mitte des 8. Jahrhunderts trat im Frankenreich mit Pippin dem Jüngeren die Dynastie der Karolinger die Königsnachfolge der Merowinger an. Nach der blutigen Unterwerfung und Zwangsmissionierung der Sachsen, den Eroberungen in Italien, Nordspanien und im östlichen Grenzraum, erstreckte sich das Frankenreich unter Karl dem Großen von den Pyrenäen bis zur Nordsee, dem heutigen Österreich und bis nach Mittelitalien. Das Vielvölkerreich wurde neu organisiert, auf den Gebieten der Kirchenorganisation und der Kultur knüpfte man partiell an römische Traditionen an und trieb eine nachhaltige Kulturförderung voran (sogenannte Karolingische Renaissance bzw. Karolingische Bildungsreform). Auf dem Höhepunkt der fränkischen Macht wurde durch die Theorie der translatio imperii ein Anspruch auf die Nachfolge Roms und die Führungsmacht im westlichen Europa formuliert. Zu Weihnachten 800 ließ sich Karl von Papst Leo III. in Rom zum römischen Kaiser krönen, was zu Auseinandersetzungen mit den byzantinischen Kaisern führte (Zweikaiserproblem). Nach Karls Tod im Jahr 814 kam es zu innerdynastischen Kämpfen unter seinen Nachfolgern. Dies führte im Vertrag von Verdun (843) zur faktischen Dreiteilung des Reiches in das Ostfrankenreich, unter Ludwig (später „Ludwig der Deutschen“ genannt), das Westfrankenreich unter Karl dem Kahlen und dem zwischen ihnen liegenden Königreich Lothars&#160;I., das den Namen Lotharingien erhielt.
Im ostfränkischen Reich bildeten sich im um 900 fünf große Herzogtümer, die meist als (die jüngeren) Stammesherzogtümer bezeichnet werden, da sich ihre Namen in der Regel auf alte westgermanische Großstämme beziehen: das Stammesherzogtum Sachsen, das Stammesherzogtum Baiern, das Herzogtum Schwaben, das Herzogtum Franken und das Herzogtum Lothringen, zu dem auch die Friesen gehörten.
Im 10. Jahrhundert starb das karolingische Herrschergeschlecht sowohl in West- wie auch in Ostfranken aus, beide Reichsteile waren politisch fortan endgültig getrennt. Die siegreiche Schlacht auf dem Lechfeld im Jahre 955, die eine jahrzehntelange Serie der Einfälle von Magyaren beendete, führte zu einem erheblichen Prestigegewinn des ostfränkischen Königs Otto, der seit 951 auch die langobardisch-italienische Königswürde trug, und zur Zuordnung des Erzengels Michael als Schutzpatron der Deutschen.
Vom Ostfrankenreich zum Heiligen Römischen Reich (962–1806)
→ Hauptartikel: Heiliges Römisches Reich
Das Reichsgebiet im 10. Jahrhundert (rot umrandet), später als Heiliges Römisches Reich bekannt (1157 erstmals als Sacrum Imperium belegt)
Der Aachener Dom diente bis 1531 insgesamt 31 deutschen Herrschern als Krönungsstätte.
In der neueren historischen Forschung wird zwar die Bedeutung der Ottonenzeit für die Ausformung des Ostfrankenreichs betont, sie gilt aber nicht mehr als Beginn der eigentlichen „deutschen“ Reichsgeschichte (siehe auch Deutschland im Mittelalter).[95] Der damit verbundene komplexe Prozess zog sich vielmehr mindestens bis ins 11. Jahrhundert hin.[96] Der Terminus regnum Teutonicum („deutsches Königreich“) bzw. regnum Teutonicorum („Königreich der Deutschen“) taucht erst zu Beginn des 11.&#160;Jahrhunderts in den Quellen auf.[97] Es handelte sich aber nie um den offiziellen Reichstitel (Imperium, mit den späteren Zusätzen „Heilig“ und „Römisch“ sowie schließlich „deutscher Nation“), sondern wurde nicht zuletzt von päpstlicher Seite genutzt, um damit die Herrschaftsansprüche der römisch-deutschen Könige zu relativieren.[98]
Durch die 951 von Otto I. angenommene langobardische Königswürde war das Regnum Teutonicorum mit dem Regnum Italiae, auch Regnum Italicum oder Reichsitalien genannt, verbunden. 962 wurde Otto zum Kaiser gekrönt und verband damit den Anspruch der römisch-deutschen Königswürde auf das westliche „römische“ Kaisertum (Reichsidee). Das in der modernen Forschung als römisch-deutsches Reich bezeichnete Imperium nahm unter den Ottonen eine hegemoniale Machtstellung im westlichen Europa ein. 1024 traten die Salier die Königsnachfolge an, die bis zum Ende des Mittelalters stets an eine Wahl durch verschiedene Große des Reichs gekoppelt war. 1033 kam als dritter Reichsteil (neben dem nordalpinen deutschen Reichsteil und Reichsitalien) noch das Königreich Burgund (Arelat) hinzu. Die Verzahnung weltlicher und geistlicher Macht durch das Reichskirchensystem (die Details sind in der neueren Forschung umstritten) führte nun zum Konflikt mit dem reformierten Papsttum (Investiturstreit), der ab etwa 1076 einsetzte, und der mit dem Wormser Konkordat 1122 eine Zwischenlösung erfuhr. Als sein Höhepunkt gilt der sprichwörtlich gewordene Gang nach Canossa 1077. Einen weiteren Höhepunkt erreichte die Auseinandersetzung zwischen Kaiser und Papst in staufischer Zeit. Kaiser Friedrich I. betonte die Würde des Kaisertums und den Honor Imperii, doch musste er in Italien gegenüber den selbstbewussten Stadtstaaten und dem Papsttum schwere Rückschläge hinnehmen. Der schärfste Konflikt zwischen Kaiser und Papst entbrannte unter Friedrichs Enkel Friedrich II. und endete faktisch mit dem Tod des Kaisers 1250 und dem Zusammenbruch der staufischen Königsherrschaft.
In Form der Territorialstaaten verselbstständigten sich faktisch zahlreiche Feudalherrschaften zu Lasten der königlich-kaiserlichen Macht. Diese war aber nie besonders stark ausgeprägt und die mittelalterlichen Könige waren zur effektiven Herrschaftsausübung auf den Konsens mit den Großen des Reiches angewiesen (konsensuale Herrschaft).[99] Kaiser Heinrich VI., ein Sohn Friedrich Barbarossas, war schon Ende des 12. Jahrhunderts mit dem Versuch gescheitert, durch den Erbreichsplan die Erbmonarchie einzuführen. Während sich das Westfrankenreich in einem längeren Prozess zum französischen Zentralstaat entwickelte, blieb das Ostfrankenreich bzw. das Römisch-Deutsche Reich durch Landesherren und das Recht der Königswahl geprägt. Die Machtstellung der Fürsten nahm infolge des Interregnums noch einmal zu. Mitte des 13. Jahrhunderts setzte sich im Heiligen Römischen Reich, eine erst in dieser Zeit aufkommende Bezeichnung, die Auffassung durch, dass einem Kollegium der Kurfürsten, die seit Beginn des 13. Jahrhunderts als eine Gruppe mächtiger Fürsten hervortraten, die Wahl des Königs zustehe. Die Goldene Bulle von 1356 legte endgültig eine kurfürstliche Wahlmonarchie fest, deren politische Grundlage sich durch das Bündnis des Kurvereins von Rhense bereits im Jahr 1338 formiert hatte. Obwohl die Könige und Kaiser wiederholt versuchten, ihre Position zu stärken, blieb das Reich ein supranationaler Verband großer, mittelgroßer und vieler Klein- und Kleinstterritorien sowie Freier Reichsstädte (→&#160;Historisches Territorium).
Das Spätmittelalter (ca. 1250–1500) wird in der neueren Forschung im Gegensatz zur älteren Lehrmeinung nicht mehr als Niedergangszeit begriffen.[100] Die Zeit bis ins späte 14. Jahrhundert war stark vom Wahlkönigtum geprägt: Drei große Familien, die Habsburger, die Luxemburger und die Wittelsbacher, verfügten über den größten Einfluss im Reich und über die größte Hausmacht. Als bedeutendster spätmittelalterlicher römisch-deutscher König gilt Karl IV.[101] Neben Krisen wie der Pest (Schwarze Tod) Mitte des 14. Jahrhunderts, die Agrarkrise und das abendländische Schisma, florierten aber auch die Städte, der Handel und es begann der Übergang in die Renaissance. Im Reich traten die Habsburger das Erbe der Luxemburger an, die 1437 in männlicher Linie ausstarben, und stellten nun bis zum Ende des Reichs fast kontinuierlich die römisch-deutschen Herrscher.
Zu Beginn der Neuzeit verfolgte Kaiser Karl V. aus der Dynastie der Habsburger durch Kaisertum und spanisches Königtum das Konzept einer Universalmonarchie. Er erlangte einen globalen Wirkungsbereich, der neben der Vorherrschaft in Europa auch ein überseeisches spanisches Kolonialreich einschloss.[102] 1517 trat Martin Luther mit der Forderung nach einer grundlegenden Reform der Kirche auf und legte damit das Fundament für die Reformation. Die innerkirchlichen und theologischen Auseinandersetzungen in Verbindung mit einer anti-römischen (anti-päpstlichen) Haltung bestärkten die Reformation, aus der zahlreiche „protestantische“ Konfessionen hervorgingen. Die Gegenreformation war die Reaktion der katholischen Kirche, doch behauptete sich die evangelische Kirche in weiten Teilen des Reiches. Bald bestimmte der Landesherr die Konfession seiner Untertanen (Cuius regio, eius religio), der Augsburger Reichs- und Religionsfrieden von 1555 schaffte einen vorläufigen Ausgleich. Nach dem mit hohen Todesopfern und zahlreichen verheerten Landschaften verbundenen Dreißigjährigen Krieg (1618–1648), der sowohl durch konfessionelle als auch durch habsburgisch-französische Gegensätze ausgelöst worden war, hatte der römisch-deutsche Kaiser infolge der Regelungen des Westfälischen Friedens und des ihm folgenden Jüngsten Reichsabschieds eine deutlich geschwächte, eher auf die Repräsentation des Reichs beschränkte Machtstellung. Die Reichsfürsten gingen gestärkt aus diesem Konflikt hervor, hatten sie mit dem Frieden sogar das Recht erhalten, mit auswärtigen Mächten Verträge abzuschließen. Das Reich wurde dadurch de facto zu einem Staatenbund,[103] de jure blieb es bis zum Ende 1806 ein monarchisch geführtes und ständisch geprägtes Herrschaftsgebilde, in denen die einzelnen Reichsglieder jedoch weitgehend unabhängig agierten. Frankreich hatte im Krieg die Protestanten unterstützt, um Habsburg zu schwächen; es betrieb eine gezielte Expansionspolitik im Grenzraum und besetzte mehrere Reichsterritorien (Reunionspolitik), was erneut zu Spannungen führte. Ab 1663 erörterten Kaiser und Reichsfürsten ihre politischen Angelegenheiten im Reichstag durch ihre Gesandten permanent (Immerwährender Reichstag).
Der politische Aufstieg Preußens im 18. Jahrhundert führte zum Konflikt mit dem Hause Habsburg. Im 17./18.&#160;Jahrhundert entwickelte sich nach französischem Vorbild der Absolutismus, der jedoch anders als dort nicht die königliche Zentralgewalt, sondern einzelne Fürstentümer zu bürokratisch organisierten, frühmodernen Staaten werden ließ. Manche Herrscher, insbesondere König Friedrich II. von Preußen, aber partiell auch seine kaiserlichen Rivalen Maria Theresia, Franz I. und Joseph II., öffneten sich dem philosophischen Zeitgeist (Aufgeklärter Absolutismus).
Dieser Zustand währte bis 1806, als Napoleon I. Mitteleuropa eroberte und das schwache Reichsgebilde zum Einsturz brachte. Der letzte Kaiser des nur noch formell bestehenden Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, Franz II., der erst 1804 auch Kaiser des durch ihn gegründeten österreichischen Vielvölkerstaates geworden war, legte die Reichskrone nieder. Damit erlosch das Reich.Rheinbund, Deutscher Bund, Norddeutscher Bund (1806–1871)
→&#160;Hauptartikel: Rheinbund, Deutscher Bund, Deutsche Revolution 1848/1849 und Norddeutscher Bund und
Der Deutsche Bund 1815–1866
Unter Napoleons Einfluss war zwischen 1801 und 1806 durch den Frieden von Lunéville, den Reichsdeputationshauptschluss und die Rheinbundakte die Anzahl der Staaten im Gebiet des „Alten Reiches“ von etwa 300 auf etwa 60 verringert worden. Teile Deutschlands, vor allem im Westen und Nordwesten, annektierte Frankreich 1790 bis 1793, 1797 bis 1801, 1806, 1808 sowie 1811. Darüber hinaus schuf es sich deutsche Vasallenstaaten, etwa das Königreich Westphalen, das Großherzogtum Berg und das Großherzogtum Frankfurt, deren Throne Napoleon mit Angehörigen seiner Familie besetzte. Kleine und mittlere deutsche Staaten baute Napoleon zu Bündnispartnern auf, indem er ihnen Gebietserweiterungen auf Kosten der bisherigen geistlichen Gebiete, Reichsstädte und anderer reichsunmittelbarer Stände verschaffte. Nutznießer dieses Prozesses waren vor allem Bayern, Württemberg und Baden. Der Sieg über Österreich in der Schlacht von Austerlitz 1805 erlaubte es Napoleon, seinen Einfluss in Deutschland weiter auszubauen.[104] Die vergrößerten Mittelstaaten wurden im Rheinbund vereinigt und standen so als Verbündete zur Verfügung. Im Ergebnis hatte Frankreich damit den bisherigen Rivalen, das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, ausschalten, große Teile seines Territoriums annektieren und das übrige Gebiet im Wesentlichen in drei Teile aufspalten können: Rheinbund, Preußen und Österreich.
Diese Zeit der französischen Vorherrschaft brachte in den Rheinbundstaaten erhebliche Modernisierungsanstöße, so etwa in Bayern unter dem Minister Maximilian von Montgelas.[105] Teils eigenständig blieben die stark beschnittenen Konkurrenten Österreich und Preußen. Auch in Preußen wurden nach der katastrophalen Schlacht bei Jena und Auerstedt 1806 tiefgreifende Reformen unternommen, um den Staat wieder handlungs- und wehrfähig zu machen.
Völkerschlacht bei Leipzig, 1813, Gemälde aus dem Jahr 1815
Ab 1809 regte sich Widerstand gegen die französische Besatzung. Bekannte Vorkämpfer gegen Napoleon und seine Verbündeten waren Andreas Hofer im österreichischen, nun jedoch bayerisch besetzten Tirol und Ferdinand von Schill in Preußen. Dieser Widerstand wurde jedoch zunächst niedergeschlagen.[106] Erst nach Napoleons Niederlage im Russlandfeldzug 1812 konnten Preußen und Österreich 1813 darangehen, im Bündnis mit Russland die französischen Truppen zu vertreiben. In den Befreiungskriegen (1813–1815) entstand ein neues Zusammengehörigkeitsgefühl der Deutschen, zunächst angeführt von Dozenten und Studenten der protestantischen Universitäten, z.&#160;B. im Lützower Freikorps, das auch als Ursprung der Farben Schwarz-Rot-Gold gilt. Die meisten Rheinbundstaaten gingen im Verlauf des Jahres 1813 auf die Seite der Verbündeten über, ein erster großer Erfolg war deren Sieg in der Leipziger Völkerschlacht im Oktober 1813. Weitere Kämpfe folgten bis zur endgültigen Niederlage Napoleons 1815.
Nach der Niederlage Napoleons restaurierte der Wiener Kongress (1814–1815) weitgehend die alten monarchischen Herrschaftsverhältnisse. Im Deutschen Bund, einem von dem Kaisertum Österreich und dem Königreich Preußen dominierten Staatenbund (→&#160;Deutscher Dualismus), organisierten sich 38 Staaten (→&#160;Drittes Deutschland). Der Bundestag, mit Sitz in Frankfurt am Main, bildete das Entscheidungsgremium. 1833/1834 wurde der Deutsche Zollverein geschaffen, in dem Preußen die vorherrschende Macht war.
Borsig Lokomotivfabrik im Berliner „Feuerland“ um 1847. Die einsetzende Industrielle Revolution verursachte einschneidende gesellschaftliche Veränderungen.
In der Ära des Vormärz bewahrte der Hochadel mithilfe einer in den Karlsbader Beschlüssen gipfelnden Repression und Restauration seine Macht. Das wirtschaftlich erstarkende Bürgertum forderte jedoch weiter Teilhabe an der politischen Macht.
Im Oktober 1817 trafen sich Professoren und Studenten zum Wartburgfest. „Höhepunkt“ war die Verbrennung von Werken von Autoren, die gegen einen deutschen Staat waren, wie zum Beispiel August von Kotzebue. Zum später so genannten Hambacher Fest trafen sich 1832 über 30.000 Menschen aus vielen Bevölkerungskreisen und Staaten. Dort wurden die Farben Schwarz-Rot-Gold gehisst, die später zu den Nationalfarben wurden (→&#160;Flagge Deutschlands).
Frankfurter Nationalversammlung, 1848–1849. Das erste frei gewählte Parlament für ganz Deutschland tritt in der Frankfurter Paulskirche zusammen.
Am 1.&#160;März 1848 begann mit der Besetzung des Ständehauses des badischen Landtags in Karlsruhe die Märzrevolution. Durch Aufstände der Bürger mussten viele konservative Politiker ihren Platz räumen, unter ihnen der österreichische Staatskanzler Fürst Metternich, der noch im Wiener Kongress die Monarchie nach Napoleons Abtreten mitrestauriert und die Epoche seitdem geprägt hatte.
Unter dem Druck der revolutionären Ereignisse in Berlin seit dem 6.&#160;März 1848 gab der preußische König Friedrich Wilhelm IV. zunächst nach, machte Zugeständnisse und akzeptierte die Einrichtung der Frankfurter Nationalversammlung. Die von jener ausgearbeitete Paulskirchenverfassung, die Deutschland in eine geeinte konstitutionelle Monarchie umgewandelt hätte, lehnte er jedoch ebenso ab wie die ihm angetragene Kaiserkrone, die er als bürgerliche „Lumpenkrone“ bezeichnete.
Der Maiaufstand vom Mai 1849 wurde niedergeschlagen und endete am 23.&#160;Juli 1849 mit der Einnahme von Rastatt durch preußische Truppen. Die Niederlage der demokratischen Bewegung führte zu Flucht und Auswanderung der „Forty-Eighters“ und zu einer neuen Phase reaktionärer Politik in den deutschen Staaten (Reaktionsära).
Bald nach der gescheiterten Revolution von 1848/49 kam es zur Kollision Preußens mit der Großmacht Österreich um die Vormachtstellung im Deutschen Bund, die zum Preußisch-Österreichischen Krieg (später auch „Deutscher Krieg“) von 1866 führte. Nachdem Preußen diesen Krieg für sich entschieden hatte, kam es zur Auflösung des Deutschen Bundes. Preußen annektierte etliche Gebiete nord- und mitteldeutscher Kriegsgegner, so dass sich die Zahl der deutschen Staaten weiter verringerte.
1867: Der Norddeutsche Bund
1866 wurde der Norddeutsche Bund zunächst als Militärbündnis gegründet. Er bekam 1867 eine Verfassung, die ihn zum Bundesstaat machte. Die Gründung des Bundes als souveränen Gesamtstaat zum 1.&#160;Juli 1867 unter preußischer Führung leitete die sogenannte kleindeutsche Lösung ein. Diese zielte entsprechend der Absicht des späteren gesamtdeutschen Gründervaters Otto von Bismarck auf eine staatliche Einigung deutscher Einzelstaaten unter der Vorherrschaft Preußens ohne die damalige Großmacht Österreich.
Deutsches Kaiserreich (1871–1918)
→ Hauptartikel: Deutsches Kaiserreich
Das Deutsche Reich wurde nach der entscheidenden Niederlage Frankreichs in der Schlacht bei Sedan im Deutsch-Französischen Krieg 1870/1871 ausgerufen. Dies geschah einhergehend mit der Proklamation des preußischen Königs Wilhelm I. vom ehemaligen Amt des Vorsitzenden des Bundesrates zum ersten Deutschen Kaiser am 18. Januar 1871 im Spiegelsaal von Versailles. Damit war der erste deutsche Nationalstaat offiziell begründet.
Die Proklamation des Deutschen Kaiserreichs, Gemälde von Anton von Werner aus dem 19.&#160;Jahrhundert: Reichsgründung im Schloss Versailles, 1871. Bismarck wird erster Reichskanzler.
Mit der Reichsgründung wurden Gebiete eingegliedert, die zuvor nicht oder eine längere Zeit nicht zum einstigen Heiligen Römischen Reich gehört hatten. Dazu zählten Teile von West- und Ostpreußen, das überwiegend polnischsprachige Gebiet Posen und Schleswig. Frankreich trat deutsch- und französischsprachige Teilgebiete der Regionen Lothringen und Elsass ab, welche als „Reichsland Elsaß-Lothringen“ als reichsunmittelbare Gebietskörperschaft ohne Gliedstaatrechte angegliedert wurden (1879 trat für alle reichsländischen Angelegenheiten ein Statthalter an die Stelle des Reichskanzlers).
Otto von Bismarck hatte als preußischer Ministerpräsident auf die Reichsgründung hingewirkt, maßgeblich die Reichsverfassung entworfen und wurde nun erster Reichskanzler. Seine Politik stützte die Macht des monarchischen Staates, war aber in wichtigen Politikfeldern auf Modernisierung ausgelegt und in manchen Fragen ambivalent. Mit dem Reichstag entstand das erste voll funktionsfähige und bindende Parlament Deutschlands. Gegen die katholische Kirche führte er einen sogenannten Kulturkampf, in dessen Folge sogar Bischöfe inhaftiert wurden. Inhaltlich waren die Gesetze unter seiner Federführung (zur Schule, zur Ehe) oft eher liberal. Um die Liberalen im Parlament künftig überstimmen zu können, führte Bismarck bei Reichstagswahlen das demokratische Wahlrecht für alle Männer ein. Nationalliberale waren andererseits lange Zeit Partner Bismarcks. Er bekämpfte die Sozialdemokratie seit 1878 mithilfe der Sozialistengesetze, versuchte aber, die Arbeiter durch eine moderne Sozialgesetzgebung an den Staat zu binden.
Deutsches Kaiserreich, 1871–1918
Seine anfangs aggressive Außenpolitik änderte sich ab der Reichsgründung zu einer Bündnispolitik, die ein defensives Bündnissystem schuf, mit Deutschland als halbhegemonialer Macht in der Mitte Europas. Frankreich wurde isoliert und ermutigt, sich auf seine Kolonien (und nicht auf das verlorene Elsass-Lothringen) zu konzentrieren.
Dem Erwerb eigener Kolonien und später sogenannter Schutzgebiete stand Bismarck aber skeptisch gegenüber. Wirtschaftliche Schwierigkeiten und Kolonialpolitik deutscher Kaufleute führten trotzdem dazu, dass auf der Berliner Kongokonferenz 1884 eine Gruppe Deutscher sich bei der Teilung Afrikas Gebiete zusprach, sodass das Deutsche Reich in den Kreis der Kolonialmächte eintrat, nachdem schon in den frühen 1880er-Jahren deutsche Vereine Territorien in Afrika und Asien erworben hatten.
Im „Dreikaiserjahr“ 1888 kam Wilhelm II. an die Macht. Er zwang Bismarck 1890 zum Rücktritt und forderte für das wirtschaftlich und militärisch aufgestiegene Deutsche Reich die Anerkennung der bisherigen Großmächte, vor allem Englands. Dies wurde oft harsch vorgetragen mit dem Wunsch nach einem ebenbürtigen „Platz an der Sonne“ und drückte sich auch im Erwerb von Kolonien und dem Aufbau einer Flotte aus. Daraus folgten Verstimmungen in England und ein neues Bündnissystem entstand, das statt Frankreich nun Deutschland ausschloss. Das Attentat auf den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand löste im Jahre 1914 den Ersten Weltkrieg aus, nachdem Wilhelm II. seinem Bündnispartner Österreich-Ungarn eine bedingungslose Unterstützungszusage gegeben hatte, als die Donaumonarchie Serbien den Krieg erklärte. Ebenso hatte Frankreich in der Julikrise der russischen Regierung seine Hilfe zugesichert und dafür einen raschen Vormarsch der Russen auf das Deutsche Reich verlangt. Mehr als zwei&#160;Millionen deutsche Soldaten starben im Ersten Weltkrieg, rund 800.000 Zivilisten starben an Hunger.
Weimarer Republik (1919–1933)
→ Hauptartikel: Weimarer Republik
Deutsches Reich 1919–1937
Mit der deutschen Kapitulation 1918 und der Novemberrevolution endete nicht nur der Erste Weltkrieg, sondern auch die Monarchie im Deutschen Reich. Im Vertrag von Versailles wurden erhebliche Gebietsabtretungen, die Alliierte Rheinlandbesetzung und Reparationen auf Grundlage einer ebenfalls festgeschriebenen deutschen Alleinschuld am Krieg bestimmt.
Mit der Ausrufung der Republik wurde am 9.&#160;November 1918 das Kaisertum beendet. Am 30.&#160;November 1918 erhielten erstmals die Frauen mit der Verordnung über die Wahlen zur Verfassungsgebenden deutschen Nationalversammlung (Reichswahlgesetz) aktives und passives Wahlrecht für diese Nationalversammlung.[107] Die Revolutionsregierung aus rechten und linken Sozialdemokraten nannte sich „Rat der Volksbeauftragten“. Nach der Wahl der verfassunggebenden Nationalversammlung trat die Weimarer Verfassung am 14.&#160;August 1919 in Kraft.
Die Kriegsschuldfrage und die Hypothek der Reparationszahlungen belasteten von Beginn an das politische Klima der jungen Republik. Die von rechtsextremen Kräften verbreitete Dolchstoßlegende führte zu politischen Morden und Putschversuchen, von denen die wichtigsten der Kapp-Putsch 1920 und der Hitler-Ludendorff-Putsch 1923 waren. Wichtige Vertreter der demokratischen Kräfte wie Matthias Erzberger und Walther Rathenau wurden von nationalistischen Attentätern ermordet. Der erste Weimarer Reichskanzler, Philipp Scheidemann, überlebte einen Anschlag am Pfingstsonntag 1922 nur knapp. Andererseits gab es mehrere Aufstände von Kommunisten, wie den Ruhraufstand 1920, die Märzkämpfe in Mitteldeutschland 1921 und den Hamburger Aufstand 1923. Unzureichende Reparationsleistungen der Weimarer Republik nahmen Belgien und Frankreich zum Anlass, in den Jahren 1923 bis 1925 auch das Ruhrgebiet zu besetzen.
Philipp Scheidemann ruft vom Reichstagsgebäude am 9.&#160;November 1918 die Republik aus.
In den kurzen „goldenen Zwanzigern“ blühte die Kultur und ab 1924 auch die Konjunktur. Berlin war damals mit über vier&#160;Millionen Einwohnern die drittgrößte Stadt der Erde – nach New York und London – und wurde zu einer der dynamischsten Städte der Welt (siehe Berlin in der Weimarer Republik).
Ein jähes Ende erfuhr die Prosperität 1929 im Gefolge des Schwarzen Donnerstags, als durch den Zusammenbruch der New Yorker Börse die Weltwirtschaftskrise ausgelöst wurde. Zu deren Höhepunkt 1932 gab es in Deutschland mehr als sechs&#160;Millionen Arbeitslose, die größtenteils in Elend lebten. In der Folge fanden extremistische Parteien noch stärkeren Zulauf als zuvor, sodass es für die gemäßigten Parteien zunehmend schwieriger wurde, stabile Regierungen zu bilden. Nach dem Erdrutschsieg der Nationalsozialisten bei der Reichstagswahl 1930 verfügten die Reichskanzler, die in rascher Folge wechselten, über keine parlamentarische Mehrheit mehr. Die sogenannten Präsidialkabinette waren nur noch vom Reichspräsidenten Paul von Hindenburg und dessen Notverordnungen abhängig.
Die Spar- und Deflationspolitik des Reichskanzlers Brüning verschärfte die wirtschaftliche Krise noch weiter. Dessen Nachfolger Franz von Papen (Juni–November 1932) unterstellte die demokratische Regierung Preußens einem Reichskommissar („Preußenschlag“) und ließ Neuwahlen abhalten, bei denen die Nationalsozialisten noch stärker wurden. Reichskanzler Kurt von Schleicher versuchte durch eine „Querfront“ von Gewerkschaften und Teilen der Nationalsozialisten eine Machtübernahme Adolf Hitlers zu verhindern, scheiterte aber an Franz von Papen, der Hindenburg dazu überredete, Hitler trotz starken Widerwillens zum Reichskanzler zu ernennen.
Hitlers Regierung vom 30.&#160;Januar 1933 war zunächst eine Koalition von Nationalsozialisten und Teilen der Konservativen, darunter Franz von Papen und Alfred Hugenberg. Am 27.&#160;Februar kam es zum Reichstagsbrand, dessen Ursache bis heute nicht geklärt ist. Hitler nutzte die Brandstiftung, um die sogenannte Reichstagsbrandverordnung zu verabschieden, die auf unbestimmte Zeit die Grundrechte außer Kraft setzte. Die nun folgenden Massenverhaftungen politischer Gegner, insbesondere von Kommunisten und Sozialdemokraten, prägten das Vorfeld der Reichstagswahl 1933. Trotz erheblicher Stimmengewinne verfehlte die NSDAP auch hier die absolute Mehrheit und ging daher ein Bündnis mit der reaktionär geprägten DNVP ein. Die endgültige Machtübernahme erfolgte fünf Tage später, als der neu zusammengetretene Reichstag mit den Stimmen der bürgerlichen Parteien, allein gegen die Stimmen der SPD, ein Ermächtigungsgesetz verabschiedete, welches Hitlers Regierung das Recht zubilligte, Gesetze auch ohne den Reichstag zu beschließen (siehe auch: Rechtsstaatsverständnis im Nationalsozialismus).Nationalsozialistische Diktatur (1933–1945)
→ Hauptartikel: Deutsches Reich 1933 bis 1945&#160;und Zeit des Nationalsozialismus
Großdeutsches Reich, 1943–1945
Die NSDAP errichtete im Deutschen Reich innerhalb kürzester Zeit einen totalitären Einparteienstaat unter Führung Adolf Hitlers. Missliebige Personen wurden aus allen staatlichen Organisationen entfernt. Es wurden erste Konzentrationslager errichtet, um politische Gegner zu beseitigen, insbesondere Kommunisten, Sozialdemokraten und Gewerkschafter. Eine Reihe von Direktiven sorgte für die völlige Gleichschaltung der öffentlichen Meinung im Sinne der NSDAP. Missliebige Publikationen wurden, beispielsweise in der öffentlichkeitswirksamen Bücherverbrennung, aus dem Verkehr gezogen und der gesamte Kunstbetrieb auf Parteilinie gebracht&#160;– unerwünschte Kunstwerke wurden für „entartet“ erklärt. Innerhalb kürzester Zeit durchdrang die Partei auch das Privatleben, indem die NS-Propaganda des von Joseph Goebbels geleiteten Reichspropagandaministeriums allgegenwärtig wurde und bereits auf Kinder Druck ausgeübt wurde, den Parteiorganisationen beizutreten.
Persönlich sicherte sich Hitler ab, indem er auch innerparteiliche Gegner und ehemalige Weggefährten ermorden ließ. Im angeblichen Röhm-Putsch ließ er am 30.&#160;Juni 1934 den SA-Führer Röhm und eine Reihe innenpolitischer Gegner töten, woraufhin auch die ihm lästig gewordene SA entmachtet wurde. Stattdessen setzte er auf die ihm bedingungslos ergebene SS und die Reichswehr, deren Generalität auf ihn persönlich ihren Treueeid ablegte. Die Gestapo wurde als politische Polizei zur Bekämpfung der politischen und ideologischen Gegner eingesetzt.
Von Beginn an verfolgte Hitler zwei Ziele: einen Angriffs- und Vernichtungskrieg zur Schaffung neuen „Lebensraumes im Osten“ und die Verfolgung der Juden, die mit Diskriminierung, Demütigung und Ausgrenzung begann und später im Holocaust endete. Nachdem sich Hitler der Gefolgschaft des Militärs versichert hatte, begann schon ab 1934 die Ausrichtung der Wirtschaft auf einen bevorstehenden Krieg: Die Rüstungsausgaben wurden innerhalb kürzester Zeit auf gewaltige Summen getrieben. Arbeitsprogramme, eine enthemmt expansive Geldpolitik und Schuldenwirtschaft waren die wirtschaftspolitischen Instrumente hierfür. Die damit verbundene Senkung der Arbeitslosigkeit wurde von der Bevölkerung begrüßt und als Einlösung wirtschaftlicher Versprechen aufgenommen.
Die Lage der deutschen Juden verschlimmerte sich kontinuierlich: 1935 wurden die Nürnberger Rassengesetze verabschiedet, die persönliche Beziehungen zwischen „Ariern“ und Juden als „Rassenschande“ brandmarkten und schwer bestraften. Juden verloren zuerst alle öffentlichen Ämter, wurden willkürlich verfolgt, bestohlen und erpresst und schließlich mit einem völligen Berufsverbot belegt. Unter dem Begriff „Arisierung“ wurden alle jüdischen Unternehmen enteignet. Immer häufiger wurden nun auch Juden in Konzentrationslager eingewiesen. Viele fassten den Entschluss zur Emigration, die meisten aber blieben in Deutschland, weil sie sich als Deutsche fühlten und ihre Heimat nicht verlassen wollten.
Einfahrtsgebäude des Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, Ansicht von innen, 1945
Die rassistische Weltsicht der Nationalsozialisten und ihre Bemühungen zur Schaffung einer „gesunden“ und verbrechensfreien „Volksgemeinschaft“ (vgl. Herrenrasse) betraf daneben zwei weitere als „fremdrassig“ (vgl. Fremdvölkische) geltende Bevölkerungsgruppen in Europa, Roma sowie Angehörige der slawischen Ethnien wie Polen und Russen oder Ukrainer. Nicht als „fremdrassig“, aber als die Gesundheit des „Volkskörpers“ angeblich bedrohende deutsche Bevölkerungsgruppen waren Homosexuelle, Behinderte und die zahlreichen Gruppen der „Asozialen“ von der rassenhygienischen Utopie und also von Repression, Gewalt und Mord betroffen.
Währenddessen feierte das Regime einige Propagandaerfolge. 1935 stimmte das Saarland für eine Rückkehr ins Reich und wurde eingegliedert, 1936 verbesserten die Olympischen Spiele das Ansehen im Ausland, im gleichen Jahr erfolgte die erneute Besetzung des entmilitarisierten Rheinlands. Die aggressive Expansion über die deutschen Grenzen hinaus begann mit dem Anschluss von Österreich im Jahr 1938, der unter dem Jubel großer Teile der Bevölkerung betrieben wurde, woraufhin Deutschland als „Großdeutsches Reich“ bezeichnet wurde (vgl. Großdeutsche Lösung)&#160;– ab dem 26.&#160;Juni 1943 trug das Deutsche Reich hinfort auch offiziell den Namen Großdeutsches Reich. Gemäß dem Münchner Abkommen erreichte Hitler im November 1938 die Annexion des mehrheitlich von Deutschen besiedelten Sudetenlandes.
Erst als Deutschland im März 1939 auch in das restliche Tschechien einmarschierte und es als „Protektorat Böhmen und Mähren“ dem Reichsgebiet zuschlug, ebenso wie das von Litauen rückabgetretene Memelland, erkannten die anderen Staaten den Fehler, den sie mit ihrer Beschwichtigungspolitik (Appeasement-Politik) begangen hatten.
Nachdem Deutschland schließlich am 1.&#160;September 1939 damit begonnen hatte, Polen anzugreifen, erklärten das Vereinigte Königreich und Frankreich Deutschland den Krieg. Der Zweite Weltkrieg forderte in sechs Jahren geschätzte 55 bis 60&#160;Millionen Tote. Mit einer Serie erfolgreicher Aktionen, die als Blitzkrieg in die Geschichte eingingen, gelangen Deutschland zunächst bedeutende militärische Erfolge. Polen wurde im Nichtangriffspakt zwischen Hitler und Stalin aufgeteilt, die Wehrmacht warf anschließend ihre Armeen nach Westen, überfiel die neutralen Staaten Luxemburg, Belgien und Niederlande und besetzte innerhalb von sechs Wochen Frankreich. Zu diesem Zeitpunkt erreichte Hitlers Popularität im Volk seinen Höhepunkt; der Machtbereich des Deutschen Reichs erstreckte sich nun vom Elsass bis nach Krakau.
Mit Kriegsbeginn verschlechterte sich auch das Schicksal der Juden und der anderen verfolgten Minderheiten. Die Ausreise wurde verboten, die Juden wurden in Ghettos gezwungen und mussten den „Judenstern“ tragen, ab Herbst 1939 im besetzten Polen und ab Herbst 1941 im Reich. Bei unzureichender Verpflegung und ständig ausbrechenden Seuchen mussten sie Zwangsarbeit in der Kriegswirtschaft verrichten. Viele von ihnen starben an Entkräftung, Hunger oder Misshandlungen.
Köln am Ende des Bombenkrieges, April 1945
Im Jahre 1941 begann die systematische Ermordung der Juden&#160;– der genaue Zeitpunkt oder ein einzelner Befehl Hitlers dazu ist nicht bekannt. Auf der Wannseekonferenz im Januar 1942 wurden dazu administrativ die Weichen gestellt (sog. Endlösung der Judenfrage). Die mit der Ausführung vor allem beauftragte SS errichtete auf ehemals polnischem oder sowjetischem Gebiet Vernichtungslager, in denen die meisten Opfer, in Viehwaggons herangebracht, sofort vergast wurden. Allein in Auschwitz-Birkenau wurden auf diese Art über eine&#160;Million Menschen ermordet. Insgesamt beläuft sich die wissenschaftlich gesicherte Zahl der ermordeten Juden auf 6,3&#160;Millionen.
Zwischenzeitlich hatte Hitler der Sowjetunion den Krieg erklärt (Russlandfeldzug 1941–1945). Seit Juni 1941 marschierte das Heer scheinbar unaufhaltsam auf Moskau vor und wurde erst im Dezember gestoppt. Nachdem der Kriegsverbündete Japan im selben Monat die amerikanische Marine in Pearl Harbor überfallen hatte, erklärte Deutschland auch den Vereinigten Staaten von Amerika den Krieg. Mangelnde Ressourcen und die Übermacht des Gegners ließen schon bald die Kriegswende eintreten. Als überdeutliches Zeichen dafür wird gemeinhin die erbittert geführte und verlorene Schlacht von Stalingrad angeführt, die in der völligen Aufreibung der deutschen 6.&#160;Armee endete.
Je unvermeidlicher die Niederlage wurde, desto härter wurde die Politik nach innen geführt. Goebbels rief im Berliner Sportpalast 1943 unter frenetischem Jubel des Publikums den „totalen Krieg“ aus, heute ein oft zitiertes Beispiel für die nationalsozialistische Propaganda dieser Zeit (siehe Sportpalastrede). Die gesamte Produktion wurde nun auf den Krieg ausgerichtet, während die deutschen Armeen an fast allen Fronten zurückwichen und zahlreiche deutsche Städte durch den Bombenkrieg zerstört wurden. Erst als die sowjetischen Armeen schon Berlin eingenommen hatten, nahm sich Hitler am 30.&#160;April 1945 in seinem Führerbunker das Leben. Die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht folgte am 8.&#160;Mai. Die Verhaftung der letzten Reichsregierung unter Karl Dönitz in Flensburg-Mürwik erfolgte erst am 23. Mai 1945. Die überlebenden politischen und militärischen Hauptverantwortlichen wurden später in den Nürnberger Prozessen verurteilt. 1988 wurde die letzte Schuldrate für den Zweiten Weltkrieg beglichen.
Alliierte Besatzung (1945–1949)
→ Hauptartikel: Deutschland 1945 bis 1949&#160;und Besatzungszone
Die Teilnehmer der Potsdamer Konferenz, 1945
Deutschland wurde in den Grenzen vom 31. Dezember 1937 aufgeteilt.[108] In einer Zusatzerklärung zur Berliner Erklärung vom 5. Juni 1945[109] legten die vier Siegermächte – USA, UdSSR, Großbritannien und Frankreich[110] – die einzelnen Besatzungszonen fest und übten sodann westlich der Oder-Neiße-Linie die Hoheitsgewalt in ihrer jeweiligen Zone und gemeinsam mittels einer Alliierten Kommandantur über Groß-Berlin aus.[111] Die deutschen Ostgebiete wurden durch die Potsdamer Beschlüsse ausgegliedert und waren mithin nicht mehr dem alliierten Besatzungsrecht unterworfen.[112] Die Vier Mächte bemühten sich anfangs noch um eine gemeinsame Besatzungspolitik. Einig war man sich über eine Demilitarisierung und die sogenannte Entnazifizierung. Aber schon bei der Frage, was man unter einer Demokratie zu verstehen habe, zeigten sich erste Meinungsverschiedenheiten zwischen der Sowjetunion einerseits und den Westmächten andererseits.
Die vier Besatzungszonen gemäß dem Potsdamer Abkommen, das Saarprotektorat und die von der Sowjetunion unter polnische und sowjetische Verwaltung gestellten Ostgebiete
Auf Betreiben Stalins, der die 1921 an Polen verlorenen Gebiete (Ostpolen, Kresy) 1939 bzw. 1944 zurückerobert sowie weitere Gebiete (u.&#160;a. Ostgalizien) der Sowjetunion zugeschlagen hatte, wurden die Ostgebiete des Deutschen Reiches sowie die bis zum Einmarsch der Wehrmacht 1939 Freie Stadt Danzig als Ausgleich unter polnische Verwaltungshoheit gestellt, wobei die spätere Volksrepublik Polen die Verwaltungsgebiete als polnisches Staatsgebiet betrachtete und behandelte. So fielen Hinterpommern, Schlesien, Ostbrandenburg (Neumark) und das südliche Ostpreußen faktisch an Polen, das nördliche Ostpreußen als Gebiet Kaliningrad an die Sowjetunion&#160;– ein Vorgehen, das von den Westmächten auf der Konferenz von Potsdam nur widerstrebend gebilligt wurde. Die meisten deutschen Bewohner im neuen Einflussbereich der Sowjetunion wurden aus ihrer Heimat, die nun in Polen, der Tschechoslowakei usw. lag, vertrieben. Dabei verlor Deutschland ein Viertel seines Gebietes von 1937, und ein Fünftel seiner Bevölkerung wurde zu Flüchtlingen.
In den drei Westzonen wurde im Mai 1949 die Bundesrepublik Deutschland gegründet, nachdem sich die Westalliierten in der Ruhrfrage darauf geeinigt hatten, die für den Wiederaufbau bedeutende Montanindustrie an Rhein und Ruhr unter ein Ruhrstatut zu stellen. In der Sowjetischen Zone (im Westen zunächst Mitteldeutschland genannt) entstand im Oktober 1949 die Deutsche Demokratische Republik. Beide Staaten (wenn auch die DDR nicht mehr in den Grenzen von 1937) unterstrichen die politisch-rechtliche Kontinuität zwischen sich und einem gesamtdeutschen Staat[113] (vgl. Deutsches Reich#Staatsrechtliche Fragen), wovon die DDR später aber abrückte, da damit auch Verpflichtungen verbunden waren, und weil keine Fortsetzung eines kapitalistischen Staates erwünscht war.
Die Republik Österreich wurde in den Grenzen von 1938 wiederhergestellt.[114] Die Grenzziehung der deutschen Bundesländer wurde teilweise durch die Grenzen der Besatzungszonen (vgl. auch Besatzungsfreie Zone) bestimmt, insbesondere zwischen Niedersachsen und Mecklenburg bzw. Sachsen-Anhalt sowie zwischen Thüringen und Hessen, woraus die spätere innerdeutsche Grenze wurde.
Bundesrepublik Deutschland und DDR (1949–1990)
→ Hauptartikel: Deutsche Teilung, Geschichte der Bundesrepublik Deutschland (bis 1990)&#160;und Geschichte der Deutschen Demokratischen Republik
Grenzen der Bundesrepublik Deutschland, West-Berlins und der DDR ab 1957
Die Bundesrepublik Deutschland ist der erste Staat auf deutschem Boden, welcher den Namen Deutschland in seinem offiziellen Staatsnamen trägt; weitere Vorschläge bei den Beratungen zum Grundgesetz waren Deutsche Republik, Republik Deutschland, Deutsche Staatengemeinschaft, Union deutscher Länder und schließlich Bund deutscher Länder.[115] Sie wurde am 23.&#160;Mai 1949 in den drei westlichen Besatzungszonen gegründet. An diesem Tag wurde das Grundgesetz als „Provisorium“ (Carlo Schmid) oder „Transitorium“ (Theodor Heuss)[116] für eine Verfassung in Kraft gesetzt. Das Grundgesetz enthielt in der Präambel „(…) Das gesamte Deutsche Volk bleibt aufgefordert, in freier Selbstbestimmung die Einheit und Freiheit Deutschlands zu vollenden“ ein Wiedervereinigungsgebot, das im Zuge der deutschen Vereinigung verwirklicht werden konnte. Bonn wurde am 3.&#160;November 1949 zur vorläufigen Hauptstadt erklärt.
Die Gründung der DDR erfolgte am 7.&#160;Oktober desselben Jahres in der Sowjetischen Besatzungszone. Nach einer Verwaltungsreform 1952 entstanden daraus 14 Bezirke mitsamt Ost-Berlin, das ab 1961 selbst „die Funktion eines Bezirkes“ ausübte.[117]
Während in der DDR eine Planwirtschaft errichtet wurde, entschied sich die Bundesrepublik für die soziale Marktwirtschaft. Die sowjetische Besatzungsmacht sorgte mit hohen Reparationsforderungen (vor allem Demontagen) für schwierige Startbedingungen auf dem Gebiet der DDR.[118] Zwar hatte auch der unter westalliierter Besatzung stehende größere Teil Deutschlands Reparationslasten zu tragen, aber hier wurde mit dem Marshallplan für die westlichen Länder Europas spürbar geholfen, die Kriegsfolgen zu überwinden. Das mit dem Korea-Boom einsetzende „Wirtschaftswunder“ führte zu anhaltend hohen Wachstumsraten, Vollbeschäftigung und Wohlstand.
Durch den Kalten Krieg wurden die Deutschen in Ost und West physisch immer mehr getrennt. Der Eiserne Vorhang zog sich quer durch Mitteleuropa und teilte auch Deutschland. Mit dem Bau der Berliner Mauer 1961 wurde der letzte freie Zugang in den Westen gesperrt.
Konferenzort, an dem 1957 die Römischen Verträge unterzeichnet wurden. Die Bundesrepublik wird Gründungsmitglied der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft.
Mit der Aufhebung des alliierten Besatzungsstatuts wurde die Bundesrepublik Deutschland am 5.&#160;Mai 1955 souverän. Diese Souveränität beschränkte sich auf den Geltungsbereich des Grundgesetzes, das heißt, die Alliierten behielten ein Vorbehaltsrecht über Deutschland als Ganzes und die Viersektorenstadt Berlin ein. Konrad Adenauer, der erste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, verkündete damals: „Heute, fast zehn Jahre nach dem militärischen und politischen Zusammenbruch des Nationalsozialismus, endet für die Bundesrepublik Deutschland die Besatzungszeit.“
Die wichtigsten außenpolitischen Meilensteine dieser Ära waren die Westintegration&#160;– 1955 trat Westdeutschland der NATO bei&#160;– und die Beteiligung am wirtschaftlichen Zusammenschluss in Europa, der mit der Montanunion 1952 begann und durch die Römischen Verträge 1957 einen entscheidenden Schub erhielt. Die DDR wurde im September 1950 Vollmitglied im Rat für Gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) und, nach der gewaltsamen Niederschlagung des Volksaufstandes des 17.&#160;Juni 1953 und dem Aufbau eigener Streitkräfte, auch des Warschauer Pakts.
Die Berliner Mauer (1986) am Bethaniendamm in Kreuzberg (West-Berlin)
In den 1960er-Jahren führten einige politische Affären und das Aufkommen kritischer Ideen insbesondere der Studenten zum Ruf nach einem tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel. Eine 1967 einsetzende Wirtschaftskrise, die studentische 68er-Bewegung und die Wahlerfolge der NPD verstärkten den Eindruck einer politischen Krise. Die 1966 gebildete Große Koalition aus CDU und SPD unter Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger (CDU) verabschiedete eine Reihe grundlegender Gesetzesänderungen (Notstandsgesetze) und versuchte, sich mithilfe der Globalsteuerung an die wirtschaftlich schwierigeren Zeiten anzupassen. Gleichzeitig wurde die deutsche Studentenbewegung der 1960er-Jahre zunehmend mit der außerparlamentarischen Opposition gleichgesetzt.
Mit dem Antritt der sozialliberalen Regierung unter Willy Brandt (SPD) 1969 wurden eine Reihe sozialer, gesellschaftlicher und außenpolitischer Reformen umgesetzt. Die „Neue Ostpolitik“, die auf Verständigung mit Osteuropa setzte und im Kniefall von Warschau einen symbolischen Ausdruck fand, führte zu außenpolitischer Entspannung und brachte Brandt 1971 den Friedensnobelpreis ein. Den Auftakt hatte das Erfurter Gipfeltreffen 1970 gebildet. Diese Politik wurde aber von Konservativen teilweise scharf kritisiert. Brandt überstand im April 1972 ein konstruktives Misstrauensvotum, und die SPD rettete sich in Neuwahlen.
Im Jahr 1973 wurde die Bundesrepublik Deutschland neben der DDR (134.) der 133. Mitgliedstaat der UNO. Dieser Beitritt wurde von der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag mehrheitlich abgelehnt, worauf deren Vorsitzender Rainer Barzel zurücktrat.
Bornholmer Straße im westlichen Teil Berlins. Einen Tag nach dem 9. November 1989 und dem Fall der Mauer bereitet ein Spalier Besuchern aus der DDR einen ersten Empfang.
Brandts zweite Amtszeit (1972–1974) war überschattet von wirtschaftlichen Problemen, zu denen die Ölkrise 1973 sowie inflationäre Tendenzen aufgrund hoher Tarifabschlüsse geführt hatten. Die versprochenen innenpolitischen Reformen waren nicht bezahlbar. Brandt trat nach der Aufdeckung einer Spionageaffäre um seinen Mitarbeiter Günter Guillaume zurück.
Sein Nachfolger Helmut Schmidt (SPD), seit Juni 1974 im Amt, hatte mit steigender Verschuldung und Arbeitslosigkeit, mehreren Wirtschaftskrisen und dem Terror der RAF zu kämpfen. Als Kanzler und Person bei den Deutschen geschätzt, verlor er jedoch den Rückhalt seiner Fraktion, die zunehmend gegen seine Unterstützung des NATO-Doppelbeschlusses opponierte.
Nach dem Auseinanderbrechen der Koalition wurde Helmut Kohl (CDU) nach einem konstruktivem Misstrauensvotum am 1.&#160;Oktober 1982 zum Kanzler gewählt. Er regierte länger als alle seine Vorgänger und gilt als Kanzler der deutschen Einheit. Diese wurde durch die Veränderungen in der Sowjetunion durch Glasnost und Perestroika ermöglicht und maßgeblich von den Massendemonstrationen in der DDR sowie der dortigen Ausreisebewegung vorangetrieben. Am 9.&#160;November 1989 musste die DDR-Führung die Mauer öffnen, nachdem ein Sprecher durch ein Versehen einen Massenansturm auf die Grenzübertrittsstellen ausgelöst hatte.
Bei den ersten freien Wahlen zur Volkskammer am 18.&#160;März 1990 gewann das von der Ost-CDU geführte Parteienbündnis „Allianz für Deutschland“. (Letzter) Ministerpräsident der DDR wurde Lothar de Maizière (CDU). Nun war der Weg frei für die deutsche Wiedervereinigung. Diese fand im Einvernehmen mit den Vertretern der Alliierten im Rahmen der „Zwei-plus-Vier-Gespräche“ statt.
Siehe auch: Deutschlandvertrag&#160;und Pariser Verträge
Berliner Republik (seit 1990)
→ Hauptartikel: Geschichte Deutschlands (seit 1990)
Am 3. Oktober 1990 wurde die deutsche Wiedervereinigung vollzogen. (Deutschlands Außengrenzen seit 1990; innerstaatliche Grenzen zeigen den Stand nach dem 29. Juni 1993)
Laut Art.&#160;1 Absatz 1 des Einigungsvertrags wurden mit dem Wirksamwerden des Beitritts der Deutschen Demokratischen Republik zur Bundesrepublik Deutschland gemäß Art. 23 des Grundgesetzes[119] am 3.&#160;Oktober 1990 die Länder Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen („neue Bundesländer“) Länder der Bundesrepublik Deutschland.[120][121] Dieser Tag wird seitdem mit dem Namen Tag der Deutschen Einheit als deutscher Nationalfeiertag begangen.
Der Zwei-plus-Vier-Vertrag vom 12.&#160;September 1990 regelte die deutsche Frage endgültig: Die Vier Mächte gaben ihre Hoheitsbefugnisse auf, und durch das Inkrafttreten am 15.&#160;März 1991 konnte das wiedervereinigte Deutschland nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges abschließend die volle staatliche Souveränität wiedererlangen. Bis Ende 1994 verließ der Großteil der fremden Militäreinheiten durch den Truppenabzugsvertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Sowjetunion vom 12.&#160;Oktober 1990 das Land&#160;– die noch verbliebenen der Westalliierten haben keinerlei Hoheitsbefugnisse mehr und unterliegen dem NATO-Truppenstatut. Deutschland verpflichtete sich zur Abrüstung auf maximal 370.000 Soldaten. Mit dem am 14.&#160;November 1990 in Warschau unterzeichneten deutsch-polnischen Grenzvertrag erkannte Deutschland die Oder-Neiße-Grenze an; das Territorium östlich davon wurde damit endgültig völkerrechtlich Polen zugesprochen. Das wurde durch eine Politik der Aussöhnung mit den östlichen Nachbarn ergänzt, zuerst 1991 mit Polen, dann 1997 mit der Tschechischen Republik.
Mit einer knappen Mehrheit von 338 zu 320 Stimmen beschloss der Bundestag am 20.&#160;Juni 1991, Bonn als Regierungssitz aufzugeben und Regierung und Parlament nach Berlin zu verlegen. Bonn bleibt aber zweites politisches Machtzentrum Deutschlands: Dort befinden sich nach dem Berlin/Bonn-Gesetz von 1994 die ersten Dienstsitze von sechs Bundesministerien; alle anderen haben ihren Zweitsitz in der Bundesstadt Bonn. Der neue Sitz des Deutschen Bundestags ist das von Grund auf renovierte Reichstagsgebäude in Berlin, in dem am 19.&#160;April 1999 erstmals wieder eine Parlamentssitzung stattfand. Bereits zu West-Berliner Zeiten, bis in die 1970er-Jahre, tagten dort oftmals das Plenum und einige Ausschüsse; auch der Bundespräsident wurde dort von 1954 bis 1969 gewählt. Seit 1999 ist die Bundesregierung in Berlin angesiedelt.
Das Bundeskanzleramt in Berlin. Seit 1999 ist die Bundesregierung in der Hauptstadt angesiedelt.
Die 1990er-Jahre waren nach dem kurzen Boom der Wiedervereinigung von geringer wirtschaftlicher Dynamik, Massenarbeitslosigkeit und wahrgenommenem „Reformstau“ geprägt. Insbesondere in den neuen Bundesländern entwickelte sich die Wirtschaft nicht wie erhofft. Mehrere Reformvorhaben der Bundesregierung scheiterten an der rot-grünen Mehrheit im Bundesrat. Außenpolitisch setzte sich Kohl für eine stärkere Zusammenarbeit im Rahmen der Europäischen Union und zum Beispiel für die EU-Osterweiterung ein. Als 1991 die SFR Jugoslawien zu zerfallen begann, war Deutschland eines der Länder, welches die Anerkennung der Unabhängigkeit von Kroatien und Slowenien durch die westlichen Staaten unterstützte. Eine direkte Teilnahme am Zweiten Golfkrieg zur Befreiung Kuwaits lehnte die Bundesregierung ab. Stattdessen leistete Deutschland finanzielle Unterstützung und ersetzte Marineeinheiten der NATO-Partner im Mittelmeer. Nach Beendigung der Kämpfe half ein Verband der Bundesmarine bei der Räumung von Seeminen im Persischen Golf.
Zum ersten Mal in der Nachkriegsgeschichte kam es in der Folge der Bundestagswahl 1998 zu einem vollständigen Regierungswechsel. Die bisherigen Regierungsparteien CDU/CSU und FDP verloren ihre Bundestagsmehrheit, die bisherigen Oppositionsparteien SPD und Bündnis 90/Die Grünen bildeten die erste rot-grüne Koalition unter Bundeskanzler Gerhard Schröder. Bei der Bundestagswahl 2002 wurde die Bundestagsmehrheit von SPD und Grünen knapp bestätigt.
Die Einführung des Euro als standardmäßige Währung im Jahr 1999. Die Ausgabe von Banknoten wurde im Jahr 2002 vollzogen.
Die rot-grüne Bundesregierung setzte tiefgreifende Veränderungen in der Sozial-, Renten- und Gesundheitspolitik (siehe Agenda 2010) durch. Mit den Einnahmen aus der umstrittenen Ökosteuer gelang es, die Lohnnebenkosten (Rentenversicherungsbeiträge) zu senken. Allgemein erhielt das Thema Ökologie stärkeres Gewicht, beispielsweise mit dem Beginn des Atomausstiegs oder Gesetzesinitiativen zur Reduzierung von Treibhausgasen. Andere Reformen der rot-grünen Regierung waren etwa das Lebenspartnerschaftsgesetz, das neue Staatsbürgerschaftsrecht und das Gewaltschutzgesetz.
Der erste Kampfeinsatz deutscher Soldaten seit dem Zweiten Weltkrieg&#160;– 1999 im Kosovokrieg&#160;– markierte einen Wendepunkt der deutschen Außenpolitik. Nach dem Anschlag auf das World Trade Center in New York 2001 sicherte Bundeskanzler Schröder den Vereinigten Staaten die „uneingeschränkte Solidarität“ zu.[122] Deutschland unterstützte die „Operation Enduring Freedom“ und den Krieg in Afghanistan, beteiligte sich aber nicht am Irakkrieg 2003. Dies führte zu Konflikten vor allem mit den USA, aber zu großen Sympathiebekundungen aus der deutschen Bevölkerung für den „Friedenskanzler“ Schröder. Die Bundeswehr sicherte die Seewege am Horn von Afrika, entsandte ABC-Spürpanzer nach Kuwait und zog gemäß ihren internationalen Verpflichtungen deutsche Soldaten nicht aus NATO-AWACS-Flugzeugen ab. Letzteres erklärte das Bundesverfassungsgericht im Mai 2008 wegen Verletzung der Rechte des Bundestages für verfassungswidrig.[123]
Die Hartz-IV-Gesetzgebung von 2004 hatte das Ziel, den Arbeitsmarkt zu beleben, wurde jedoch von den direkt Betroffenen als sozial ungerecht empfunden. Das führte zu deutschlandweiten Protesten und einer Niederlagenserie für Rot-Grün bei Landtagswahlen (zuletzt in Nordrhein-Westfalen). Deshalb stellte Bundeskanzler Schröder am 1.&#160;Juli 2005 im Bundestag die Vertrauensfrage nach Art.&#160;68 GG&#160;– mit dem Ziel, diese zu verlieren und so vorzeitige Neuwahlen zu erreichen. Daraufhin löste Bundespräsident Horst Köhler den 15. Deutschen Bundestag auf und setzte Bundestagswahlen für den 18.&#160;September 2005 an. Diese Wahl brachte keiner der angestrebten Koalitionen (SPD/Grüne und Union/FDP) eine Mehrheit, und alle Versuche, eine andere Dreiparteienregierung zu bilden, scheiterten. Daher einigten sich CDU/CSU und SPD auf die Bildung einer Großen Koalition unter der Kanzlerschaft von Angela Merkel (CDU), die unter anderem Grundfragen des Staatsaufbaus in der Föderalismusreform neu justierte.
Unterzeichnung des Vertrags von Lissabon im Jahr 2007
Am 27.&#160;September 2009 fand die Wahl zum 17. Deutschen Bundestag statt. Die beiden Unionsparteien und die FDP erreichten zusammen die notwendige Mehrheit für die von beiden Seiten angestrebte Bildung einer schwarz-gelben Koalition. Dies war vor allem aufgrund der Stimmenzuwächse der FDP möglich, da die CDU wiederum an Stimmen verlor.[124] Merkel blieb Bundeskanzlerin. Nachdem die Regierung in der Energiepolitik zunächst eine Laufzeitverlängerung deutscher Kernkraftwerke auf den Weg gebracht und damit den Atomkonsens aufgekündigt hatte, beschloss die Regierung nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima, endgültig aus der Atomenergie auszusteigen und die Energiewende voranzutreiben. Weitere seit der schwarz-gelben Koalition vorangetriebene große innenpolitische Projekte in den 2010er-Jahren sind die Schuldenbremse für ausgeglichene Haushalte, die Reform und Vereinfachung der Einwanderungspolitik für mehr qualifizierte Zuwanderung, die Einführung des generellen Mindestlohnes, der Bürokratieabbau sowie die Beförderung der Informatisierung und die Modernisierung der Wirtschaft als Zukunftsprojekt Industrie 4.0.[125]
Der von Deutschland ratifizierte Vertrag von Lissabon trat im Jahr 2009 in Kraft. Seit 2010 ist Deutschland wichtiger Partner von Stützungsmaßnahmen, um der Staatsschuldenkrise im Euroraum zu begegnen. An der Europäischen Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF), die für eine Übergangszeit bis zum 30.&#160;Juni 2013 als finanzielles Instrument zur Stützung von Staaten der Eurozone eingerichtet war, trägt die Bundesrepublik einen Anteil von rund 28&#160;Prozent der Verbindlichkeiten. Als dauerhaftes, seit dem 1. Juli 2013 alleinzuständiges Instrument des Euro-Rettungsschirms trat am 27. September 2012 das Finanzinstitut Europäischer Stabilitätsmechanismus (ESM) in Kraft. Sein anfängliches Stammkapital beträgt 700&#160;Milliarden Euro, wovon die Bundesrepublik rund 190&#160;Milliarden Euro beizutragen hatte. Im März 2012 hat Deutschland den Europäischen Fiskalpakt mitunterzeichnet, der zur Bekräftigung und Absicherung des EU-Stabilitäts- und Wachstumspaktes ein Bündel von fiskalpolitischen Pflichten vorsieht.[126] Nach der Bundestagswahl 2013 konnte die schwarz-gelbe Koalition nicht fortgesetzt werden, da die FDP aus dem Parlament ausschied, sodass erneut eine Große Koalition zwischen CDU und SPD unter Angela Merkel gebildet wurde. Neben der europäischen Staatsschuldenkrise gehören die seit Juni 2013 schwelende globale Überwachungs- und Spionageaffäre, der Krieg gegen den Terror und die sich seit 2015 verschärfende Flüchtlingskrise in Europa zu den dominierenden außen- und innenpolitischen Themen. Das Krisenmanagement und die Richtungslosigkeit der schwarz-roten Bundesregierung werden Umfragen zufolge von der Bevölkerung kritisch gesehen, einer Befragung von November 2015 zufolge sind mit ihrer Arbeit 57 Prozent wenig oder gar nicht zufrieden.[127]
Politik
→ Hauptartikel: Föderalismus in Deutschland&#160;und Rechtslage Deutschlands nach 1945
Staatsgründung
Sitz des Deutschen Bundestages in Berlin. Davor die Fahne der Einheit, die seit dem 3. Oktober 1990 ununterbrochen weht.
Als Staat und Völkerrechtssubjekt gilt die Bundesrepublik Deutschland nach herrschender Lehre als identisch mit dem 1867 zu einem Bundesstaat umgewandelten Norddeutschen Bund, der ab 1871 den Namen „Deutsches Reich“ führte. Demzufolge besteht der deutsche Staat ohne Unterbrechungen seit dem Jahr 1867. Der Norddeutsche Bund, der 1866 als Militärbündnis gegründet worden war, erhielt zum 1.&#160;Juli 1867 eine Verfassung, die ihn zu einem monarchischen Bundesstaat unter preußischer Führung formte. Auf dieser Verfassung beruhen die nachfolgenden Verfassungen des Deutschen Reiches von 1871 und 1919 sowie das damals noch provisorische Grundgesetz der Bundesrepublik von 1949, ferner gilt sie als Begründungsakt des von der Bundesrepublik noch heute innegehaltenen Völkerrechtssubjekts. Nach der Kaiserproklamation am 18.&#160;Januar 1871&#160;– die historiographisch auch als deutsche Reichsgründung behandelt wurde&#160;– trat am 16.&#160;April 1871 die Verfassung des Deutschen Reiches in Kraft. Damit entstand nach heutigem Verständnis der deutsche Nationalstaat unter Außenvorlassung Österreichs (auch als kleindeutsche Lösung bekannt). In den Jahren 1918 und 1919 erfolgte der Übergang dieses Gebildes in eine neue Staatsform: Am 9.&#160;November 1918 wurde durch den Sozialdemokraten Philipp Scheidemann die „deutsche Republik“ proklamiert, während der Sprecher des Spartakusbundes und spätere Mitgründer der KPD, Karl Liebknecht, kurz darauf eine „freie sozialistische Republik Deutschland“ hochleben ließ. Mit dem Inkrafttreten der Verfassung vom 11.&#160;August 1919 konstituierte sich die erste auf nationalstaatlicher Ebene verwirklichte deutsche Republik.
Das Grundgesetz bildet die rechtliche und politische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland. (Installation der ersten Artikel von 1949)
Die so genannte Weimarer Verfassung galt während der Herrschaft der NSDAP 1933 bis 1945 formell fort, war jedoch materiell überwiegend außer Kraft gesetzt. Im frühen Nachkriegsdeutschland von 1945 bis 1949 galt das Besatzungsrecht der Militärgouverneure und danach bis 1955 das der Hohen Kommissare des Alliierten Kontrollrats (Kontrollratsgesetze). 1949 wurden zwei Verfassungen in Kraft gesetzt. Das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland wurde am 23.&#160;Mai 1949 verkündet und zum 24.&#160;Mai 1949 in Kraft gesetzt, wobei es aufgrund des Geltungsbereichs bis zur deutschen Wiedervereinigung nur provisorischen Charakter besaß. Die erste Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik trat am 7.&#160;Oktober 1949 in Kraft und wurde am 9.&#160;April 1968 durch eine neue Verfassung ersetzt sowie 1974 revidiert. Zum 3.&#160;Oktober 1990 trat die DDR dem Geltungsbereich des Grundgesetzes bei.
Bisher wurden sechs Verfassungen des seit 1871 existierenden Nationalstaats Deutschland in Kraft gesetzt; die Daten ihrer Konstituierung werden unter staatsrechtlichen und ideengeschichtlichen Aspekten als Gründungsakte der jeweiligen deutschen Staatswesen betrachtet. Der 23.&#160;Mai 1949 ist das für die Gegenwart bedeutendste Gründungsdatum, da an diesem Tag die noch heute gültige Verfassung Deutschlands verkündet wurde. Die Bundesrepublik ist mithin die historisch jüngste Ausprägung des deutschen Gesamt- oder Bundesstaates, dessen Geschichte sich bis zur Einführung der bundesrepublikanischen Prinzipien des Grundgesetzes und der freiheitlichen demokratischen Grundordnung in verschiedene Phasen einteilen lässt: Norddeutscher Bund (1867–1871), Deutsches Kaiserreich (1871–1918), Weimarer Republik (1919–1933), nationalsozialistische Herrschaft (1933–1945), „Deutschland als Ganzes“ unter fremder Besatzung, ausgeübt durch den Alliierten Kontrollrat (1945–1949).
Politisches System
→ Hauptartikel: Politisches System der Bundesrepublik Deutschland
Politisches System der Bundesrepublik Deutschland
Die Verfassung der Bundesrepublik ist das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland.[128] Staatsoberhaupt ist der Bundespräsident mit vor allem repräsentativen Aufgaben. Protokollarisch gesehen folgen ihm der Präsident des Deutschen Bundestages, der Bundeskanzler und der jeweils amtierende Präsident des Bundesrates, der nach dem Grundgesetz den Bundespräsidenten vertritt. Hauptstadt und Regierungssitz ist die Stadt Berlin (Art.&#160;22 Absatz&#160;1 GG).
Artikel&#160;20 GG legt verbindlich fest, dass die Bundesrepublik Deutschland als demokratischer, sozialer Bundesstaat föderativ organisiert sein muss. Bei diesem föderalen Rechtsstaat handelt es sich um eine parlamentarische Demokratie. Das Grundgesetz stellt an die Ausgestaltung der Bundesstaatlichkeit auch ganz bestimmte Anforderungen (sogenannte Ewigkeitsgarantie). Das heißt, es existieren zwei Ebenen im politischen System: die Bundesebene, die den Gesamtstaat Deutschland nach außen vertritt, und die Länderebene, die in jedem der 16 Bundesländer einzeln existiert. Jede Ebene besitzt eigene Staatsorgane der Exekutive (ausführende Gewalt), Legislative (gesetzgebende Gewalt) und Judikative (rechtsprechende Gewalt). Die Länder wiederum bestimmen die Ordnung ihrer Städte und Gemeinden; beispielsweise sind fünf Länder wiederum in insgesamt 22 Regierungsbezirke untergliedert. Die Länder haben sich eigene Verfassungen gegeben.
Den deutschen Ländern kommt grundsätzlich Staatsqualität zu, sie sind jedoch beschränkte Völkerrechtssubjekte, die nur mit Einwilligung der Bundesregierung eigene Verträge mit anderen Staaten eingehen dürfen (Art.&#160;32 Abs.&#160;3, Art.&#160;24 Abs.&#160;1 GG).[129] Die Bundesrepublik kann als die staatsrechtliche Verbindung ihrer Bundesländer angesehen werden, ist also Bundesstaat im eigentlichen Sinne. Demnach erhält sie erst durch diese Verbindung selbst Staatscharakter.[130]
Gesetzgebungsorgane des Bundes sind der Deutsche Bundestag und der Bundesrat. Bundesgesetze werden vom Bundestag mit einfacher Mehrheit beschlossen. Sie werden wirksam, wenn der Bundesrat keinen Einspruch eingelegt hat oder, wenn das Gesetz der Zustimmung des Bundesrates bedarf, wenn der Bundesrat dem Gesetz zustimmt (Art.&#160;77 GG). Eine Änderung des Grundgesetzes ist nur mit der Mehrheit von zwei Dritteln der Mitglieder des Bundestages und des Bundesrates möglich (Art.&#160;79 GG). In den Bundesländern entscheiden die Länderparlamente über die Gesetze ihres Landes. Obwohl die Abgeordneten der Parlamente nach dem Grundgesetz nicht weisungsgebunden sind, dominieren in der Praxis Vorentscheidungen in den Parteien die Gesetzgebung.
Joachim Gauck, Bundespräsident seit 2012
Die Kompetenz zur Gesetzgebung liegt vom Grundsatz her bei den Bundesländern, wenn nicht eine Gesetzgebungsbefugnis des Bundes besteht (Art.&#160;70 GG). In Fällen der ausschließlichen Gesetzgebung hat nur der Bund die Gesetzgebungskompetenz (Art.&#160;71 GG), in den Fällen der konkurrierenden Gesetzgebung besteht für die Länder dann eine Gesetzgebungsbefugnis, wenn diese Bereiche nicht durch Bundesgesetz geregelt sind (Art.&#160;72&#160;Abs.&#160;1 GG). Dazu zählen vor allem die in den Artikeln 74, 74a und 105 Abs.&#160;2 GG aufgeführten Gebiete. Der Bund hat hierbei im Sinne des Absatzes&#160;2 soweit aber das Recht, Gesetze zu erlassen, wenn dies zur „Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse im Bundesgebiet oder [zur] Wahrung der Rechts- oder Wirtschaftseinheit im gesamtstaatlichen Interesse […] erforderlich“ ist. Gesetzlich kann seitens des Bundes auch wieder bestimmt werden, dass auf jenen Rechtsgebieten „eine bundesgesetzliche Regelung […] durch Landesrecht ersetzt werden kann“ (Art.&#160;72&#160;Abs.&#160;4 GG).
Die Exekutive wird auf Bundesebene durch die Bundesregierung gebildet, die durch den Bundeskanzler als Regierungschef geleitet wird. Auf der Ebene der Länder leiten die Ministerpräsidenten, in Hamburg und Bremen die Präsidenten des Senats (Hamburg: Erster Bürgermeister; Bremen: Bremer Bürgermeister), in Berlin der Regierende Bürgermeister, die Exekutive. Auch die Länder sind parlamentarische Demokratien und deren Regierungschefs durch die Landtage, Bürgerschaften bzw. das Abgeordnetenhaus von Berlin gewählt. Die Verwaltungen des Bundes und der Länder werden jeweils durch die Fachminister geleitet.
Der Bundeskanzler wird auf Vorschlag des Bundespräsidenten vom Bundestag mit der Mehrheit seiner Mitglieder gewählt (Art.&#160;63 GG), seine Amtszeit endet mit der Wahlperiode des Bundestages (Art.&#160;69 Abs.&#160;2 GG). Vor Ablauf der Wahlperiode des Bundestages kann der Bundeskanzler gegen seinen Willen nur dadurch aus dem Amt scheiden, dass der Bundestag mit der Mehrheit seiner Mitglieder einen Nachfolger wählt (Art.&#160;67 GG, sogenanntes Konstruktives Misstrauensvotum). Die Bundesminister werden auf Vorschlag des Bundeskanzlers ernannt (Art.&#160;64 Abs.&#160;1 GG), sie und der Bundeskanzler bilden die Bundesregierung (Art.&#160;62 GG). Der Bundeskanzler besitzt die Richtlinienkompetenz für die Politik der Bundesregierung (Art.&#160;65 Satz 1 GG). Die Führungsaufgabe in der deutschen „Kanzlerdemokratie“ kommt dem Bundeskanzler beziehungsweise der Bundeskanzlerin zu.[131] Der Kanzler nominiert darüber hinaus den deutschen Kandidaten für das Amt eines EU-Kommissars.
Die Ausübung der staatlichen Befugnisse und die Ausführung der Bundesgesetze obliegt grundsätzlich den Bundesländern, sofern das Grundgesetz keine abweichende Regelung trifft oder zulässt (Art.&#160;30, Art.&#160;83 GG).
Staatshaushalt
→ Hauptartikel: Bundeshaushaltsplan (Deutschland)&#160;und Steuerrecht (Deutschland)
Bundeshaushaltsplan 2011. Die Einzelpläne für Sozialausgaben und Bundesschulden vertilgen allein über die Hälfte der jährlichen Finanzen.
Der Staatshaushalt umfasste 2013 Ausgaben von 1.223,1&#160;Milliarden Euro, dem standen Einnahmen von 1.223,4&#160;Milliarden Euro gegenüber. Daraus ergab sich ein kleiner Haushaltsüberschuss in Höhe von 0,3&#160;Milliarden oder 0,01&#160;Prozent des BIP.[132] 2014 erreichte Deutschland einen höheren Überschuss des Gesamtstaatshaushaltes von 18,0&#160;Mrd.&#160;Euro oder 0,6&#160;Prozent des BIP.[133] Somit erreichte Deutschland 2014 den höchsten Staatsüberschuss seit 14 Jahren.[134] Im 1. Halbjahr 2015 erwirtschaftete Deutschland einen Überschuss des Staatshaushalts von 21,1&#160;Mrd.&#160;Euro oder 1,4&#160;Prozent des BIP.[135]
Die Staatsverschuldung Deutschlands betrug Ende 2013 2,044&#160;Billionen Euro oder 78,1&#160;Prozent des BIP – wobei die deutsche Staatsschuldenquote in den kommenden Jahren deutlich zurückgehen soll.[136]
Deutschland, dessen Staatsanleihen Bundesanleihen genannt werden, erhält von den drei großen Ratingagenturen Standard &amp; Poor’s, Moody’s und Fitch die bestmögliche Bonität mit einem Ratingcode von AAA. Die große Nachfrage nach den als sichere Anlage geltenden Bundesanleihen hat in den letzten Jahren die Zinsen deutlich gesenkt und teilweise sogar negativ werden lassen, was einen Hauptgrund für Deutschlands Haushaltsüberschuss darstellt.[137] Für Neuemissionen von Staatsanleihen ein- und zweijähriger Laufzeit kann Deutschland bereits negative Zinsen verlangen.[138]
Neben verschiedenen Verkehrsteuern (zum Beispiel Umsatzsteuer) erzielt der Staat einen Großteil seiner Einnahmen aus Steuern vom Einkommen und Ertrag: Hierzu zählen die Einkommen-, die Körperschaft- sowie die Gewerbesteuer. Insofern Produkte oder Dienstleistungen der Umsatzsteuer unterliegen, beträgt der Steuersatz in Deutschland 19 (allgemeiner Satz) oder 7&#160;Prozent (ermäßigter Satz, zum Beispiel Lebensmittel etc.). Umgangssprachlich bzw. EU-rechtlich wird die Umsatzsteuer auch Mehrwertsteuer genannt.
Laut einer OECD-Studie aus dem Jahr 2014 haben Deutsche durch die hohen Steuern und weitere Abgaben wie Sozialversicherungsbeiträge die weltweit höchste Abgabenlast, noch vor den skandinavischen Sozialstaaten.[139]
Staatsgebiet
Das Schengener Abkommen garantiert offene Grenzen zu allen Nachbarstaaten und gesicherte Außengrenzen.
Das Staatsgebiet der Bundesrepublik (Bundesgebiet) ergibt sich aus der Gesamtheit der Staatsgebiete ihrer Länder. Seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland wurde ihr Staatsgebiet mehrfach erweitert, vor allem 1957 durch die Eingliederung des Saarlandes, 1990 den Beitritt der DDR einschließlich des Ostteils Berlins und der völkerrechtlich anerkannten Eingliederung West-Berlins, darüber hinaus zwischen 1949 (erste Teilflächen Kehls) und 2002 (Straße N&#160;274 bei Selfkant von den Niederlanden) durch die Rückgabe von Gebieten, die nach dem Zweiten Weltkrieg Großbritannien (Helgoland), die Niederlande (unter anderem Elten), Belgien (unter anderem Mützenich), Luxemburg (ein Gebiet zwischen Vianden und Obersgegen) und Frankreich (Kehl) zunächst als zu ihren Staatsgebieten zugehörig betrachteten, sowie durch mehrere Ausdehnungen der Seegrenzen in Nord- und Ostsee.
Die letzte dieser Ausdehnungen erfolgte mit Wirkung vom 1.&#160;Januar 1995 durch die Proklamation der Bundesregierung über die Ausweitung des deutschen Küstenmeeres vom 19.&#160;Oktober 1994 (BGBl. I S. 3428), womit die Bundesrepublik in der Nordsee die 12-Meilen-Zone vollkommen und in der Ostsee teilweise in Anspruch nimmt, ohne dabei ihren Rechtsanspruch aufzugeben.[140]
Der Verlauf der Bundesgrenze Deutschlands ist heute bis auf Teile des Bodensees festgelegt; noch immer umstritten ist zudem die Deutsch-Niederländische Grenzfrage das Ems-Dollart-Gebiet betreffend, weil beide Nachbarstaaten ihre jeweiligen konträren Rechtsstandpunkte über den Grenzverlauf aufrechterhalten.[141] Innerhalb Deutschlands ist der Verlauf der Ländergrenzen zwischen Schleswig-Holstein, Niedersachsen und eventuell der Freien und Hansestadt Hamburg im Bereich der Unterelbe nie abschließend geklärt worden.[142]
Nicht zum Staatsgebiet gehört die Ausschließliche Wirtschaftszone in Nord- und Ostsee.
Parteienlandschaft
Zweitstimmen der Bundestagswahlen seit 1949 und Bundesregierungen
→ Hauptartikel: Politische Parteien in Deutschland&#160;und Geschichte der Parteien in Deutschland
Das politische Spektrum in Deutschland wird maßgeblich durch die im Deutschen Bundestag vertretenen Parteien geprägt, es sind derzeit in vier Fraktionen fünf Parteien vertreten: CDU/CSU, gemeinsame Fraktion der Unionsparteien (Unionsfraktion); Fraktionen mit einer Partei sind die SPD, Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen. Knapp an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterte bei der Bundestagswahl 2013 die Partei Alternative für Deutschland (AfD), die dagegen in einigen Landtagen (Sachsen, Brandenburg, Thüringen und Hamburg) vertreten ist. Die liberale Freie Demokratische Partei (FDP) ist die Partei mit der längsten Regierungsbeteiligung auf Bundesebene, jedoch seit 2013 nicht mehr im Bundestag vertreten. Sie fasste nach mehreren nachfolgenden Wahlerfolgen wieder in sieben Landtagen Fuß (Stand Dezember 2015).
Nahezu allen einflussreichen Parteien stehen&#160;– mehr oder weniger selbständig&#160;– Jugendorganisationen zur Seite. Die wichtigsten sind die Junge Union (CDU/CSU), die Jusos (SPD), die Jungen Liberalen (FDP), Linksjugend ['solid] (Die Linke) sowie die Grüne Jugend (Bündnis 90/Die Grünen). Weitere politische Vorfeldorganisationen umfassen etwa Schülervertreter, Studentenverbände, Wirtschaftsvereine, Kommunalorganisationen und internationale Verbände.
Die politischen Parteien Deutschlands sind in den Fraktionen des Europäischen Parlaments vertreten. Des Weiteren gibt es parteinahe Stiftungen, welche den politischen Diskurs mitbestimmen, jedoch rechtlich von den Parteien unabhängig sind.
Außen- und Sicherheitspolitik
→ Hauptartikel: Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland
Plenarsaal des Europäischen Parlaments in Brüssel. Deutschland ist einer von 28 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union.
Die wichtigsten Leitlinien deutscher Außenpolitik sind die Westbindung und die europäische Integration. Deutschland hat in Zusammenarbeit mit Frankreich am Aufbau europäischer Organisationen einen entscheidenden Anteil. Die Bundesrepublik ist seit 1950 Mitglied des Europarates und unterschrieb 1957 die Römischen Verträge, den Grundstein für die heutige Europäische Union (EU). Zentraler Aspekt für die Sicherheitspolitik und Ausdruck der Westbindung ist die Mitgliedschaft in der NATO, der die Bundesrepublik 1955 beitrat.
Während des Kalten Krieges war der Spielraum deutscher Außenpolitik begrenzt. Als eines der wichtigsten Ziele galt die Wiedervereinigung. Militäreinsätze im Ausland kamen nicht infrage. Laut Grundgesetz darf sich die Bundeswehr an Angriffskriegen nicht beteiligen, ihre Aufgabe besteht lediglich in der Landes- und Bündnisverteidigung. Durch die von der sozialliberalen Koalition ab 1969 initiierte „Neue Ostpolitik“ unter dem Motto Wandel durch Annäherung, die zunächst von wichtigen Verbündeten sehr skeptisch betrachtet wurde, konnten dennoch eigenständige politische Akzente gesetzt werden. Später wurde diese Politik grundsätzlich auch von der liberalkonservativen Kohl-Regierung seit 1982 fortgesetzt.
Seit 1955 ist Deutschland Mitglied der NATO (Gipfeltreffen in Prag, 2002)
Seit der Wiedervereinigung hat Deutschland seine außenpolitischen Grundsätze erweitert und einen Weg zu größerer internationaler Verantwortung eingeschlagen. So nimmt die Bundeswehr seit 1991 mit Zustimmung des Bundestages und zusammen mit verbündeten Armeen an verschiedenen friedenserhaltenden und -erzwingenden Einsätzen auch außerhalb Deutschlands und des Territoriums der NATO-Verbündeten teil (Out-Of-Area-Einsätze).
Traditionell spielt Deutschland zusammen mit Frankreich eine führende Rolle in der Europäischen Union. Deutschland treibt die Bemühungen voran, über die Wirtschafts- und Währungsunion hinaus ein einheitliches und wirkungsvolles System der europäischen Außen- und Sicherheitspolitik zu schaffen.
Die Bundesrepublik ist Gründungsmitglied der G8 und G20 (G8-Gipfeltreffen in Heiligendamm, 2007).
Weitere außenpolitische Ziele sind die Verwirklichung des Kyoto-Protokolls zum Klimaschutz sowie die weltweite Anerkennung des Internationalen Strafgerichtshofs. Bedeutendes Interesse hat Deutschland auch an einer friedlichen Lösung des Nahostkonflikts. Aufgrund der schwierigen Materie und den Begrenzungen deutscher Politik besteht der Beitrag vor allem in der Bereitstellung informeller Kontaktmöglichkeiten zwischen den beteiligten Parteien.
Die Bundesregierung lehnte den Irakkrieg 2003 ab, da sie die Existenz von Massenvernichtungswaffen bezweifelte, eine diplomatische Lösung bevorzugte und um erhebliche Gefahren für die politische Stabilität des gesamten als fragil eingestuften Raumes fürchtete. Dafür wurde sie von wichtigen Verbündeten stark kritisiert. Zusammen mit den Verbündeten Großbritannien und Frankreich bemüht sich die Bundesrepublik, den Iran im Dialog dazu zu bewegen, auf die Weiterführung seines Kernenergieprogramms zu verzichten.
Die Bundesregierung strebt einen ständigen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen an. Die Durchsetzung dieses Zieles wird jedoch aufgrund des Widerstands anderer, teils verbündeter Staaten erschwert und hat nur geringe Aussicht auf Erfolg. So würden zwar Frankreich und Großbritannien die G4-Staaten (Deutschland, Indien, Japan und Brasilien) grundsätzlich unterstützen; jedoch beziehen die Vereinigten Staaten zu einem deutschen Sitz bisher keine Stellung.
Im Jahr 2006 veröffentlichte das Bundesministerium der Verteidigung ein neues Weißbuch, welches die Einbettung der Bundeswehr in friedenssichernde Maßnahmen auch in entlegenen Regionen der Erde vorsieht.
Militär
→ Hauptartikel: Bundeswehr
Zweisitziger Eurofighter der Luftwaffe
Nach ihrer Gründung 1949 durfte die Bundesrepublik Deutschland zunächst keine eigenen Streitkräfte aufstellen. Unter dem Eindruck des Koreakrieges und der sowjetischen Politik in Osteuropa wurde es der Bundesrepublik im Rahmen der Wiederbewaffnung gestattet, zunächst 1951 den paramilitärischen Bundesgrenzschutz als Grenzpolizei und 1955 Streitkräfte aufzustellen, um der NATO beizutreten. Nach der Wiedervereinigung wurden Teile der Nationalen Volksarmee der DDR in diese Streitkräfte eingegliedert.
Die als Bundeswehr bezeichnete militärische Gesamtorganisation besteht aus den Streitkräften und ihrer Verwaltung. Die Streitkräfte gliedern sich in die Teilstreitkräfte Heer (mit der Elitetruppe KSK), Luftwaffe und Marine sowie die unterstützenden Organisationsbereiche Streitkräftebasis und Zentraler Sanitätsdienst. Nach Ende des Kalten Krieges wurde die Gesamtstärke der Bundeswehr von rund 500.000 bis 2009 schrittweise auf 250.000 Soldaten reduziert. Im Zwei-plus-Vier-Vertrag wurde eine maximale Friedensstärke von 370.000 deutschen Soldaten als völkerrechtlich bindend festgelegt.
Die Bundeswehr distanziert sich in ihrem Selbstverständnis ausdrücklich sowohl von der Wehrmacht der NS-Zeit als auch von der NVA der DDR. Sie sieht ihre Traditionsgrundlagen in der preußischen Heeresreform der Zeit um 1810, den Befreiungskriegen gegen Napoleon Bonaparte, dem militärischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus sowie der eigenen Geschichte.[143] Als bedeutendstes militärisches Zeremoniell gilt der Große Zapfenstreich, dessen historische Wurzeln in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts zurückreichen. Besonders öffentlichkeitswirksam sind ebenso die häufig außerhalb militärischer Anlagen durchgeführten Vereidigungen bzw. Gelöbnisse der Soldaten.
Die Bundeswehr definiert sich als Parlamentsarmee, über deren Einsätze ausschließlich der Bundestag auf Vorschlag der Bundesregierung entscheidet. Damit ist die Bundeswehr die erste Armee eines deutschen Nationalstaates, bei der nicht das Staatsoberhaupt den Oberbefehl führt, sondern die der Volksvertretung verantwortlich ist.[144] Für die Soldaten gilt das Leitbild des „Bürgers in Uniform“.
Soldaten der Bundeswehr während des ISAF-Auslandseinsatzes in Afghanistan
In der Bundeswehr dienten im Mai 2015 rund 180.600 Soldaten und 75.000 zivile Mitarbeiter. Seit 2001 haben auch Frauen uneingeschränkten Zugang zum Dienst in den Streitkräften. Ihr Anteil beträgt 10,6&#160;Prozent der Soldaten (Stand: 2015). Die Bundesrepublik Deutschland gibt im Jahr 2015 32,97&#160;Milliarden Euro für die Bundeswehr aus, was einen Anteil von etwa 1,2&#160;Prozent am Bruttoinlandsprodukt entspricht. Dies liegt unter dem Durchschnitt der NATO-Mitgliedstaaten von 2,3&#160;Prozent. Damit hat Deutschland im Vergleich den siebtgrößten nationalen Verteidigungsetat weltweit.
Im Zuge der verstärkten Teilnahme der Bundeswehr an multinationalen Auslandsmissionen seit 1990 läuft derzeit eine langfristig angesetzte Reform der Streitkräfte, die eine Reduzierung des schweren Geräts (Kampfpanzer, Artillerie) zugunsten leichteren, für globale Einsätze besser geeigneten Materials zum Ziel hat. Im Mai 2015 befanden sich rund 2.700 deutsche Soldaten im Ausland im Einsatz.
Im Herbst 2014 geriet die Ausrüstung der Bundeswehr in den Fokus öffentlicher Kritik: Zahlreiche Waffen- und Fahrzeugsysteme wurden als nicht ausreichend einsatzbereit eingestuft und die Beschaffungspolitik des Verteidigungsministeriums wurde massiv kritisiert. Um Abhilfe zu schaffen, soll der Militäretat in den Jahren bis 2019 schrittweise auf rund 35 Milliarden Euro erhöht werden.[145] Ebenfalls nicht weiter verfolgt wird seit 2015 das 2013 beschlossene sogenannte dynamische Verfügbarkeitsmanagement, wonach die jeweiligen Verbände bzw. Einheiten der Bundeswehr aus Kostengründen nur über max. 70&#160;% des Sollbestandes an Ausrüstung verfügen und nur im Einsatzfall voll ausgerüstet werden sollten. Eine Vollausstattung der Verbände – zumindest in der Kampftruppe – wird seitdem gefordert;[146] für die Panzertruppe wurde sie bereits beschlossen.[147]
Fregatte Mecklenburg-Vorpommern der Deutschen Marine
Es bestand seit 1956 eine allgemeine Wehrpflicht für Männer, wobei jedoch die zwangsweise Einberufung zum dazugehörigen Grundwehrdienst (GWD) nach 54&#160;Jahren endete. Nach den ersten Freiwilligen kamen am 1.&#160;April 1957 die zum Dienst an der Waffe verpflichteten Rekruten in die Kasernen.[148] Der Grundwehrdienst dauerte zuletzt sechs Monate, was bereits für Grundwehrdienstleistende galt, die zum 1.&#160;Juli 2010 einberufen worden sind. Bislang konnte alternativ als Ersatz ein Zivildienst (Dauer ebenfalls sechs Monate), ein Auslandsjahr (zwölf Monate) oder eine mindestens sechsjährige Mitarbeit im Katastrophen- oder Zivilschutz (z.&#160;B. bei einer Freiwilligen Feuerwehr oder bei anerkannten privaten Hilfsorganisationen) abgeleistet werden. Im Zuge einer grundlegenden Strukturreform mit einer drastischen Reduzierung der Mannstärke wurde u.&#160;a. zwecks umfassender Neuausrichtung der Bundeswehr bestimmt, dass die Wehrpflicht in Deutschland zum 1.&#160;Juli 2011 offiziell ausgesetzt und damit faktisch aufgehoben wurde. Sie bleibt jedoch grundsätzlich im Grundgesetz verankert. Neben den übrigen Bundestagsparteien sprachen sich seit Herbst 2010 auch die Unionsparteien für ihre Abschaffung aus; in der öffentlichen Wahrnehmung war die Wehrpflicht zuletzt nicht mehr unumstritten (→&#160;Wehrgerechtigkeit). Die Bundeswehr wurde somit zur Freiwilligenarmee und der Zivildienst vom neuen Bundesfreiwilligendienst ersetzt. Seitdem können sich junge Männer und Frauen zum Freiwilligen Wehrdienst melden und einen mindestens sieben und maximal 23&#160;Monate dauernden Dienst ableisten. Die seit der Aussetzung der Wehrpflicht 2011 laufende Reform der Streitkräfte sieht eine stetige personelle Stärke von 185.000 Soldaten und 55.000 zivilen Mitarbeitern vor.[149]
Bis 2005 waren auf dem US-Stützpunkt Ramstein und dem Luftwaffenstützpunkt Büchel (beide in Rheinland-Pfalz) noch 150 US-amerikanische Kernwaffen stationiert.[150] Heute lagern noch 20 Sprengköpfe in Büchel, an deren Einsatzplanung Deutschland im Rahmen der nuklearen Teilhabe beteiligt ist.[151]Polizei und Nachrichtendienste
Polizei
→ Hauptartikel: Polizei (Deutschland)&#160;und Bundespolizei (Deutschland)
Polizeihubschrauber im Einsatz für die Bundespolizei (Grenzschutz)
Zuständig für die Innere Sicherheit der Bundesrepublik sind die Polizeien der Länder, welche zum Teil in Vollzugspolizei und Ordnungsbehörden geteilt werden. Dabei übernehmen die Ordnungsbehörden verwaltungstechnische Aufgaben, während die Vollzugspolizei den Großteil der Aufgaben zur Gefahrenabwehr übernimmt. Zur Vollzugspolizei gehören etwa die Schutzpolizei, die Bereitschaftspolizei sowie die Kriminalpolizei. Der Kriminalpolizei steht zudem das Bundeskriminalamt beziehungsweise die einzelnen Landeskriminalämter vor. Das Bundeskriminalamt ist direkt dem Bundesministerium des Innern unterstellt und damit die höchste Ermittlungsbehörde in Deutschland. Zur Bundespolizei gehören unter anderem die Mobile Fahndungseinheit und die Spezialeinheit GSG&#160;9. Auf Landesebene gibt es jeweils mindestens ein Spezialeinsatzkommando (SEK) für besonders heikle Einsätze.
Nachrichtendienste
Für die nachrichtendienstliche Informationsbeschaffung, die Spionageabwehr und den Verfassungsschutz sind in Deutschland drei verschiedene Dienste zuständig. Der Bundesnachrichtendienst (BND) als klassischer Auslandsnachrichtendienst und das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) nebst nachgeordneter Landesbehörden für Verfassungsschutz als Inlandsnachrichtendienst haben keine polizeilichen Befugnisse. Für den Militärischen Abschirmdienst (MAD), den militärischen Nachrichtendienst, wird von der Bundesregierung seit 2010 die Verschmelzung mit dem Verfassungsschutz diskutiert.
Siehe auch: Bundeszollverwaltung, Zollkriminalamt, Zollfahndungsdienst, Wirtschaftskontrolldienst
Recht
Geschichte
→ Hauptartikel: Deutsches Recht (historisch)
Das deutsche Recht hat eine lange, bis in germanische Zeit zurückreichende Tradition. Im Mittelalter wurden bedeutende Rechtssammlungen wie der Sachsenspiegel angelegt, die nicht Recht setzen, sondern vorhandenes Gewohnheitsrecht fixieren sollten. Ab dem 12.&#160;Jahrhundert wurde im Heiligen Römischen Reich zunehmend Römisches Recht angewendet, welches wegen seiner Exaktheit und Universalität als dem einheimischen germanischen Recht überlegen empfunden wurde. Aufgrund seiner staatlichen Zersplitterung kannte das Reich aber, von wenigen Kodifikationen wie der Constitutio Criminalis Carolina abgesehen, kein einheitliches deutsches Recht.
Das 1895 erbaute Reichsgerichtsgebäude in Leipzig wird seit 2002 als Bundesverwaltungsgericht genutzt.
Von nicht zu unterschätzender Bedeutung war die Einrichtung des Reichskammergerichts im Jahr 1495 als Rechtsmittelgericht des Reichs gegen Entscheidungen der Gerichte der einzelnen deutschen Staaten. Allerdings besaßen bestimmte deutsche Staaten das Privilegium de non appellando, also das Privileg, dass gegen Entscheidungen ihrer Gerichte kein Rechtsmittel zum Reichskammergericht gegeben war.
Im 18.&#160;Jahrhundert gaben sich einzelne deutsche Staaten vom Geist der Aufklärung geprägte Gesetzeswerke wie den Codex Maximilianeus Bavaricus Civilis von 1756 und das Allgemeine Landrecht für die Preußischen Staaten von 1794. 1812 wurde in den Deutschen Erblanden der österreichischen Monarchie ein modernes Allgemeines bürgerliches Gesetzbuch (ABGB) in Kraft gesetzt. Die napoleonische Ära brachte die Einführung des wegweisenden Code civil in den von Frankreich annektierten deutschen Gebieten und einigen Rheinbundstaaten, bei der es auch nach der Niederlage Napoleons blieb. Ansonsten wurde in vielen Staaten des Deutschen Bundes weiterhin teilweise noch römisches und germanisches Recht angewendet.
Erst mit Schaffung der staatlichen Einheit im Jahr 1871 war die Voraussetzung für einheitliche Gesetze im Deutschen Reich gegeben. Bereits 1871 wurde das Reichsstrafgesetzbuch verabschiedet, zum 1.&#160;Oktober 1879 traten die Reichsjustizgesetze in Kraft: Gerichtsverfassungsgesetz, Zivilprozessordnung, Strafprozessordnung, Konkursordnung und weitere Einführungs- und Nebengesetze. Zum 1.&#160;Oktober 1879 nahm auch das Reichsgericht als oberstes Gericht des Reichs seine Arbeit auf. Am 1.&#160;Januar 1900 traten schließlich das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) und das Handelsgesetzbuch (HGB) in Kraft und schufen auch auf dem Gebiet des Zivilrechts und des Handelsrechts Rechtseinheit.
Der Nationalsozialismus pervertierte das Recht zum Mittel der Gewaltherrschaft, wofür hier stellvertretend die Terrorurteile des Volksgerichtshofs zu nennen sind. Mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland wurde in Deutschland dann wieder ein Rechtsstaat geschaffen. Auf dem Gebiet der DDR hingegen, wo die Doktrin der „einheitlichen sozialistischen Staatsmacht“ galt und Gewaltenteilung und Unabhängigkeit der Gerichte unbekannt waren, kehrten erst im Zuge der Wende und friedlichen Revolution in der DDR und letztlich mit der Wiederherstellung der staatlichen Einheit im Jahr 1990 wieder rechtsstaatliche Verhältnisse ein.Rechtswesen
→ Hauptartikel: Recht Deutschlands
Ehemalige Richter des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe (1989) in ihren typischen roten Roben
Die Bundesrepublik Deutschland versteht sich als Rechtsstaat (Art.&#160;20, Art.&#160;28 Abs.&#160;1 Satz&#160;1 GG), was bedeutet, dass staatliche Tätigkeit nur durch das Recht begründet werden kann und durch das Recht begrenzt wird. Wer durch die öffentliche Gewalt in seinen Rechten verletzt wird, hat das Recht, bei Gericht um Rechtsschutz hiergegen nachzusuchen (Art.&#160;19 Abs. 4 GG). Die Richter sind unabhängig und unterliegen bei der Rechtsprechung keinerlei Weisungen.
Die Rechtsprechung wird im Wesentlichen von Gerichten der Bundesländer ausgeübt: In Zivilsachen und Strafsachen durch die Amtsgerichte, die Landgerichte und die Oberlandesgerichte (in Berlin Kammergericht genannt), in Arbeitssachen durch die Arbeitsgerichte und die Landesarbeitsgerichte, in Verwaltungsrechtssachen durch die Verwaltungsgerichte und die Oberverwaltungsgerichte (in drei Bundesländern Verwaltungsgerichtshof genannt), in Sozialrechtssachen durch die Sozialgerichte und die Landessozialgerichte und in Finanzgerichtssachen durch die Finanzgerichte. Als Bundesgericht besteht für den gewerblichen Rechtsschutz das Bundespatentgericht. Daneben existieren als Rechtsmittelgerichte die obersten Gerichtshöfe des Bundes (Art.&#160;95 GG): Der Bundesgerichtshof als oberstes Zivil- und Strafgericht, das Bundesarbeitsgericht, das Bundesverwaltungsgericht, das Bundessozialgericht und der Bundesfinanzhof. Für verfassungsrechtliche Streitigkeiten besteht außerdem das Bundesverfassungsgericht (Art.&#160;93 GG), dessen Entscheidungen Gesetzeskraft entfalten können und so andere Gerichte binden.
Zunehmende Bedeutung haben das Europarecht und die Rechtsprechung des Gerichtshofs der Europäischen Union gewonnen. Vor diesem Hintergrund übt die Europäische Union erheblichen Einfluss auf das deutsche Recht aus. Seit dem Vertrag von Lissabon bildet die Bundesrepublik mit den anderen EU-Staaten eine Mitgliedschaft im Staatenverbund der EU, die ihrerseits nun auf der Grundlage eines derivativen Völkerrechtssubjektes fußt.
Wirtschaft
Grundlagen
→ Hauptartikel: Wirtschaft Deutschlands
Containerschiff im Hamburger Hafen. Am Warenwert gemessen ist Deutschland im Jahr 2011 der drittgrößte Exporteur und Importeur der Welt.[152]
Mit einem nominalen Bruttoinlandsprodukt (BIP) von etwa 2,7&#160;Billionen Euro im Jahr 2013 ist Deutschland die größte Volkswirtschaft Europas und viertgrößte der Welt.[6] Gemessen am nominalen BIP pro Kopf steht Deutschland international an 18., in der Europäischen Union an 9.&#160;Stelle.[6] Am Warenwert gemessen war das Land im Jahr 2014 der drittgrößte Importeur und Exporteur der Welt.[14] Deutschland gilt als sehr hochentwickeltes Land, dessen Lebensstandard laut Human Development Index (HDI) gegenwärtig auf dem sechsten Platz von 186 untersuchten Ländern gelistet wird.[15]
Die Gesamtwirtschaftsleistung in Deutschland wird durch rund 2,1&#160;Prozent im primären Sektor (Landwirtschaft), 24,4&#160;Prozent im sekundären Sektor (Industrie) und 73,5&#160;Prozent im tertiären (Dienstleistung) Wirtschaftssektor erbracht. 2014 verzeichnete die Bundesrepublik Deutschland mit durchschnittlich etwa 42,6&#160;Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten einen historischen Höchststand.[153] Die Zahl der Erwerbslosen lag im Jahresdurchschnitt 2014 bei 2,898&#160;Millionen.[154] Deutschland weist gemäß Eurostat im Januar 2015 mit 4,7&#160;% die niedrigste Arbeitslosenquote aller 28 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union auf.[155] Ein wichtiger Faktor zur Schaffung neuer Arbeitsplätze ist das Unternehmer- und Gründertum, worüber unter anderem der jährliche KfW-Gründungsmonitor Auskunft gibt.[156]
Deutschland ist Teil des Europäischen Binnenmarkts. Zusammen mit 18 weiteren EU-Mitgliedstaaten bildet es eine Währungsunion, die Eurozone (blau).
Deutschland weist eine lange Bergbautradition auf und verfügt über verschiedenste Rohstoffvorkommen. Industriegeschichtlich wie wirtschaftlich bedeutend beim Bergbau in Deutschland sind und waren unter anderem Kohle, Edelsalze, Industrieminerale und Baustoffe sowie Silber, Eisen und Zinn. Das Industrieland ist auf globale Rohstoffimporte aller Art spezialisiert.
Das Humanpotenzial mit guter Bildung und die Innovationskultur gelten als entscheidende Voraussetzungen für den weiteren Erfolg der deutschen Wirtschaft.[157] Als weltweit konkurrenzfähigste Branchen der deutschen Industrie gelten die Automobil-, Nutzfahrzeug-, elektrotechnische, Maschinenbau- und Chemieindustrie. Global bedeutend sind auch die Luft- und Raumfahrttechnik und die Versicherungswirtschaft, insbesondere die Rückversicherungen. Eine Vielzahl von weltweit bedeutenden Messeveranstaltungen, Kongresszentren, Ausstellungen sowie eine im internationalen Maßstab bedeutende Museums- und Veranstaltungslandschaft sind wichtige Grundlage von Tourismus und Reiseverkehr von und nach Deutschland.
Wirtschaftspolitisch bedeutend ist Deutschlands Teilnehmerschaft an der Europäischen Union. Das Land ist Gründungsmitglied aller EU-Vorgängerinstitutionen seit den 1950er-Jahren. Mit zusammen rund 500&#160;Millionen Einwohnern erwirtschaftete die EU im Jahr 2011 ein nominales BIP von 17,6&#160;Billionen US-Dollar und bildet somit den größten Binnenmarkt der Welt. Deutschland ist auch Teil der Eurozone, einer Währungsunion mit insgesamt 19 Mitgliedsländern, die etwa 337&#160;Millionen Einwohner umfasst. Offizielles Zahlungsmittel in Deutschland ist der Euro, dessen Währungspolitik von der Europäischen Zentralbank (EZB) gesteuert wird. Der Euro wird international mit anteilig rund 25&#160;% als zweitwichtigste Reservewährung der Welt genutzt und ist gemessen am Bargeldwert die weltgrößte Währung im Umlauf.
Einkommen und Vermögen in Deutschland sind deutlich ungleich verteilt. Die Einkommensungleichheit in Deutschland lag nach Angabe der OECD 2005 knapp unter dem OECD-Durchschnitt.[158] 2008 betrug ein mittleres verfügbares Einkommen 1.252 bei einem Gini-Index von 0,29.[159] Die Vermögensverteilung in Deutschland ist nach Zahlen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) mit einem Gini-Index von 0,799 deutlich stärker konzentriert als die Verteilung der Einkommen. Nach dem Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung von 2013 ist dies eine sehr ungleiche Verteilung, und zwar die stärkste Ungleichverteilung im Euroraum. 2007 besaßen die reichsten 2,5&#160;Prozent der Bevölkerung 45&#160;Prozent des Gesamtvermögens, das reichste Prozent 36&#160;Prozent des Gesamtvermögens. Rund zwei&#160;Drittel der Bevölkerung wiesen 2007 kein oder nur ein sehr geringes Nettovermögen auf.[160]
Siehe auch: Mittelstand
Wirtschaftsentwicklung
Frankfurt am Main ist ein internationales Finanz- und Dienstleistungszentrum sowie Sitz der Europäischen Zentralbank.
Die deutsche Volkswirtschaft verzeichnete über mehrere Jahrzehnte mehr Exporte als jedes andere Land und wurde daher oft mit dem Schlagwort „Exportweltmeister“ bezeichnet.[161] Die Exporte erreichten im Jahr 2011 einen Gesamtwert von 1061,2&#160;Milliarden Euro, während der Warenwert der Importe 902,5 Milliarden Euro betrug. Die Außenhandelsbilanz schloss im selben Jahr mit einem Überschuss von 158,7 Milliarden Euro ab.[162]
Die wichtigsten Handelspartner im Jahr 2010 waren die EU-Mitgliedstaaten (Exporte 60,3&#160;%, Importe 56,3&#160;%), die Volksrepublik China (Exporte 5,6&#160;%, Importe 9,5&#160;%), die Vereinigten Staaten (Exporte 6,8&#160;%, Importe 5,6&#160;%), die Schweiz (Exporte 4,3&#160;%, Importe 4,0&#160;%) und Russische Föderation (Exporte 2,7&#160;%, Importe 3,9&#160;%).[163]
Im Jahre 2006 wurde ein Wirtschaftswachstum von 3,7&#160;Prozent erreicht. Diese positive Entwicklung setzte sich bis Anfang 2008 fort. Deutschland wurde Ende 2008 und 2009 von der internationalen Finanzkrise erfasst, was zu einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts 2009 um −5,6&#160;Prozent führte. Anschließend wuchs die deutsche Volkswirtschaft wieder deutlich um 4,1&#160;Prozent (2010) bzw. 3,6&#160;Prozent (2011) und deutlich moderater in 2012 (0,4&#160;Prozent) bzw. 2013 (0,1&#160;Prozent). 2014 beschleunigte sich das Wirtschaftswachstum wieder auf 1,5&#160;Prozent.[164]
Zwischen 2000 und 2011 lag die jährliche durchschnittliche Inflationsrate bei minimal 0,4&#160;Prozent (2009) und bei maximal 2,6&#160;Prozent (2008).[165] Anfang 2015 rutschte Deutschland im Zuge des deutlich zurückgegangenen Ölpreises erstmals seit 2009 in eine leichte Deflation (−0,3&#160;Prozent).[166]
Siehe auch: Liste der Länder nach Bruttoinlandsprodukt&#160;und Liste der Länder nach Bruttoinlandsprodukt pro Kopf
Unternehmen
Siemens AG in München
Von den 500 weltweit umsatzstärksten Unternehmen haben 32 ihren Hauptsitz in Deutschland. Die Rangfolge der zehn umsatzstärksten Unternehmen mit Hauptsitz in Deutschland: Aufgeführt sind der Hauptsitz, der Umsatz, der Nettogewinn und die Anzahl der Mitarbeiter. Die Zahlen sind in Millionen Euro angegeben, gerundet und beziehen sich auf das Geschäftsjahr 2011.[167] Ohne Rangnummer eingefügt ist die größte Bank gemessen an der Bilanzsumme und die größte Versicherung gemessen an den Beitragseinnahmen.
Volkswagenwerk in Wolfsburg. Die Volkswagen AG ist, gemessen am Umsatz, der größte von 30 im DAX gelisteten Konzernen.
Rang
Name
Hauptsitz
Umsatz
(Mio.&#160;€)
Gewinn
(Mio.&#160;€)
Mitarbeiter
01.
Volkswagen AG
Wolfsburg
159.000
15.800
502.000
02.
E.ON SE
Düsseldorf
113.000
−1.900
79.000
03.
Daimler AG
Stuttgart
107.000
6.000
271.000
04.
Siemens AG
Berlin, München
74.000
6.300
360.000
05.
BASF SE
Ludwigshafen am Rhein
73.000
6.600
111.000
06.
BMW AG
München
69.000
4.900
100.000
07.
Metro AG
Düsseldorf
67.000
740
288.000
08.
Schwarz-Gruppe
Neckarsulm
63.000
k.&#160;A.
315.000
09.
Deutsche Telekom AG
Bonn
59.000
670
235.000
010.
Deutsche Post AG
Bonn
53.000
1.300
471.000
0—
Allianz SE
München
104.000
2.800
141.000
0—
Deutsche Bank AG
Frankfurt am Main
2.160.000
4.300
101.000
Siehe auch: Liste der größten Unternehmen in Deutschland
Informationstechnik und Telekommunikation
Hasso Plattner, Gründer von SAP
Die Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) gilt als wesentlicher Standortfaktor einer Volkswirtschaft. Zur Verbreitung von Informationen und Inhalten dienen u.&#160;a. die technische Bereitstellung von Radio, Fernsehen, Telefonen, Hardware und Software für Computer, Internet, Smartphones, Netzwerken, Satellitensysteme sowie den dazugehörigen Dienstleistungen. Die Digitalisierung der deutschen Wirtschaft wird u.&#160;a. unter dem Projektnamen Industrie 4.0 vorangetrieben.
Das umsatzstärkste in Deutschland tätige Telekommunikationsunternehmen ist die Deutsche Telekom. SAP, die Software AG, Wincor Nixdorf und DATEV zählen zu den bedeutendsten Softwareherstellern der Welt mit Hauptsitz in Deutschland. Im TecDAX sind weitere Unternehmen der Branche wie der Provider United Internet und QSC gelistet. Im Hardwarebereich ist vor allem die Entwicklung von Bedeutung, etwa bei Infineon und FTS. Neben angestammten Unternehmen der IKT-Branche gewinnen neu gegründete innovative StartUps bzw. E-Ventures in Deutschland zunehmend an Bedeutung, vor allem in den Bereichen E-Commerce (Marktplätze wie Scout24, Online-Shops wie Zalando, Reiseportale wie trivago und GetYourGuide), E-Business, E-Learning, soziale Netzwerke (Xing, Partnerbörsen) und weitere Gemeinschaftsplattformen (StartNext im Bereich Crowdfunding etwa). Innovative Gründungen im Bereich der Spitzentechnologien wie der IKT können durch größere Unternehmen, Förderbanken wie die KfW, Inkubatoren wie Rocket Internet und lokale Gründerzentren unterstützt werden.
2012 verfügten 85&#160;Prozent der deutschen Bevölkerung (76&#160;% im EU-Durchschnitt) über einen Internetanschluss; etwa 82&#160;Prozent (72&#160;% EU-Durchschnitt) konnten auf einen Breitbandanschluss zurückgreifen.[168] Insbesondere im ländlichen Raum bzw. in mittleren und kleineren Städten ist die Breitbandversorgung unterdurchschnittlich.[169] In Deutschland insgesamt soll nach Angaben der Bundesregierung bis Ende 2018 eine flächendeckende Versorgung mit mindestens 50 MBit/s erreicht werden.[170]Energie
→ Hauptartikel: Deutsche EnergiewirtschaftPrimärenergieverbrauch in Deutschland[171][172]Energieträger
2010
(%)
2011
(%)
2012
(%)
2013
(%)
Mineralöl
33,4
33,8
33,0
33,0
Erdgas
21,8
20,6
21,5
22,5
Steinkohle
12,0
12,6
12,9
12,7
Erneuerbare Energien
9,9
10,8
11,6
11,8
Braunkohle
10,7
11,7
12,0
11,6
Kernkraft
10,9
8,8
7,9
7,6
Sonstige
1,3
1,7
1,3
0,8
Deutschland war im Jahr 2010 der viertgrößte Produzent an Primärenergie in Europa und wurde auf Rang 24 unter den Energieproduzenten der Welt gelistet.[173]
2012 betrug der Primärenergieverbrauch in Deutschland 13.757 PJ (2005: 14.238 PJ).[174] Daran gemessen ist das Land der zweitgrößte nationale Energieverbraucher in Europa und siebtgrößte in der Welt.
Die Stromversorgung wurde im Jahr 2012 von 1059 Unternehmen mit Hauptsitz in Deutschland gewährleistet.[175] Die fünf größten Energieversorgungsunternehmen gemessen am Umsatz sind E.ON, RWE, EnBW, Vattenfall und die EWE AG.
Erneuerbare Energien wie z.&#160;B. Solarenergie, Windkraft, Biomasse, Geothermie und Wasserkraft lieferten im Jahr 2014 27,8&#160;% der Bruttostromproduktion, 9,9&#160;% des Endenergiebedarfs im Wärmesektor und 5,4&#160;% der Kraftstoffe.[176] Im Rahmen der Energiewende ist geplant, bis 2050 den Anteil der Erneuerbaren Energien am Stromverbrauch auf 80&#160;% zu steigern, den Primärenergieverbrauch im selben Zeitraum verglichen mit dem Jahr 2008 um 50&#160;% zu senken und den Treibhausgasausstoß in Einklang mit den EU-Zielen um 80&#160;% bis 95&#160;% verglichen mit dem Jahr 1990 zu reduzieren.[177] Insgesamt sollen 2050 mindestens 60&#160;% des Energieverbrauchs durch Erneuerbare Energien gedeckt werden.[178]
Zu Geschichte und Verlauf der Energiewende in Deutschland siehe: Energiewende nach Staaten
Tourismus
→ Hauptartikel: Tourismus in Deutschland
Die Welterbestätten in Deutschland sind bedeutende Besuchsziele für Kultur- und Naturtouristen.
Tourismus ist in Deutschland ein wichtiger Wirtschaftszweig. Vom Fremdenverkehr profitieren neben Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe auch der Einzelhandel und die Dienstleister und Anbieter von Freizeit- und Unterhaltungsangeboten in großem Umfang. Deutschland ist mit über 30 Millionen Übernachtungsgästen im Jahr eines der sieben meistbesuchten Länder der Erde.[179]
In Deutschland erzielte der Fremdenverkehr 2012 mit 2,8 Millionen direkt Beschäftigten einen Umsatz von 140 Milliarden Euro. 125,3 Millionen Gäste (101,5 Mio. aus dem Inland, 23,5 Mio. aus dem Ausland) tätigten 351,4 Mio. Übernachtungen (davon 298,5 Mio. durch Inländer und 52,9 Mio. durch Ausländer) in 54.166 Unterkünften mit etwa 2,6 Mio. Betten.[180]
Badetourismus und Wassersport sind an Küsten und Inseln der Nord- und Ostsee von großer Bedeutung, besonders in den Seebädern. Rund um die Kurorte im Binnenland herrscht Kur- und Gesundheitstourismus vor. In den deutschen Gebirgen sind saisonal jeweils Wintersport und Wanderurlaube populär. Fahrradtourismus ist im ganzen Land beliebt. Städtetourismus, Einkaufstourismus und Kulturtourismus nehmen vor allem in den Metropolen und in bedeutenden Altstädten kontinuierlich zu. Kinder- und Jugendreisen sind ebenfalls ein wachsendes Segment, z.&#160;B. in Form von Jugendaustausch. Von herausragender Bedeutung ist der Geschäfts- und Kongresstourismus, da Deutschland u.&#160;a. der international bedeutendste Messestandort ist. Deutschland richtet mehrere Weltleitmessen aus. Die ITB Berlin ist die weltweit führende Tourismusmesse. Zudem gibt es hierzulande überhaupt die größte Dichte an Festivals, was ebenfalls erhebliche Besuchermengen anlockt.
Etwa 4.000 der 11.116 Gemeinden Deutschlands sind in Tourismusverbänden organisiert, 310 davon sind als Heilbäder, Seebäder oder Kurorte anerkannt. Den Gästen stehen unter anderem 6.135 Museen, 366 Theater, 34 Freizeit- und Erlebnisparks, 45.000 Tennisplätze, 648 Golfplätze, 122 National-/Naturparks und Biosphärenreservate, ein Wanderwegnetz von 190.000&#160;km sowie 40.000 Kilometer Radfernwege zur Verfügung. Die deutschen Ferienstraßen runden das Angebot an Reisewegen ab.
Siehe auch: Liste deutscher Kurorte&#160;und Liste deutscher Seebäder
Verkehr
Verkehrswegebündelung im europäischen Korridorkonzept
Aufgrund der dichten Besiedlung und zentralen Lage in Europa besteht in Deutschland ein sehr hohes Verkehrsaufkommen. Insbesondere für den Güterverkehr stellt es ein wichtiges Transitland dar. Durch das Konzept der Transeuropäischen Netze soll Deutschland als Transferraum zwischen dem ersten europäischen Kernwirtschaftsraum, der sogenannten Blauen Banane, und dem Kernwirtschaftsraum in Ostmitteleuropa gefördert werden. Wichtige Projekte in diesen Netzen sind die Eisenbahnachsen Lyon/Genua–Rotterdam/Antwerpen, POS (Paris–Ostfrankreich–Südwestdeutschland), PBKAL (Paris–Brüssel–Köln–Amsterdam–London), Berlin–Palermo und die Magistrale für Europa. Ferner ist Deutschland der westliche Ausgangspunkt einiger Paneuropäischer Verkehrskorridore.
Der Güterverkehr hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stetig von der Schiene auf die Straße verlagert. Als Gegenmaßnahme wurde 2005 eine Autobahnmaut für Lastkraftwagen eingeführt. Im Bereich des Schienenverkehrs wurden in den letzten Jahren von der Deutschen Bahn vor allem unrentable Nebenstrecken sowie Güter- und Rangierbahnhöfe stillgelegt sowie Personenfernverkehrsverbindungen eingestellt. Der Bundesverkehrswegeplan 2015 gilt für den Zeitraum 2016–2030.
Straßenverkehr
Bereits die Römer legten gepflasterte Straßen in Deutschland an, die aber wieder verfielen. Die ersten Chausseen wurden im 18.&#160;Jahrhundert erbaut. Die Erfindung des Automobils gab dem Straßenbau neue Impulse. Die erste Autobahn der Welt wurde 1921 in Deutschland gebaut, die AVUS in Berlin. Der Straßenverkehr hat in der zweiten Hälfte des 20.&#160;Jahrhunderts die Eisenbahn als wichtigsten Verkehrsträger abgelöst. Deutschland besitzt eines der dichtesten Straßennetze der Welt. Das Bundesfernstraßennetz umfasst 12.845&#160;Kilometer Autobahnen (Stand: 2012) und 40.711&#160;Kilometer Bundesstraßen. Weiterhin umfasste das überörtliche Straßennetz 86.597 Kilometer Landesstraßen, 91.520 Kilometer Kreisstraßen und die Gemeindeverbindungsstraßen.
Um die Gefahren und Belastungen des Straßenverkehrs zu reduzieren, wurden in vielen deutschen Städten Fußgängerzonen, verkehrsberuhigte Zonen und Tempo-30-Zonen eingerichtet. Die Anzahl der getöteten Verkehrsteilnehmer nahm seither kontinuierlich ab. Verstarben im Jahr 2006 noch 5094 Menschen im Straßenverkehr, so waren es im Jahr 2011 nur noch 4009.[181] Der Radverkehr spielt in Deutschland eine zunehmend große Rolle, sein Ausbau wird politisch etwa durch den Radverkehrsplan unterstützt.
Siehe auch: Liste der Bundesautobahnen in Deutschland
Schienenverkehr
ICE&#160;3 im Kölner Hauptbahnhof
Deutschland verfügt über ein Eisenbahnnetz von etwa 35.000 Kilometern Länge. Es wird täglich von bis zu etwa 50.000 Personen- und Güterzügen befahren. Im Rahmen der Bahnreform wurden die Staatsbahnen Deutsche Bundesbahn (West) und Deutsche Reichsbahn (Ost) zum 1.&#160;Januar 1994 in das privatwirtschaftliche Unternehmen Deutsche Bahn AG überführt. Es organisiert den Großteil des Eisenbahnverkehrs in Deutschland.
Neben der DB AG befahren rund 350 weitere Eisenbahnverkehrsunternehmen das deutsche Eisenbahnnetz. Während sich der Staat aus dem operativen Betrieb zurückgezogen hat, finanziert er den Großteil des Netzunterhalts und -ausbaus sowie (über Regionalisierungsmittel) weitgehend den Regionalverkehr.
Regional- (Interregio-Express (IRE), Regionalbahn (RB), Regional-Express (RE) und S-Bahnen (S)) und Fernverkehr (Intercity (IC), Eurocity (EC) und Intercity-Express (ICE)) fahren weitgehend nach Taktfahrplan. Für Fernzüge stehen Schnellfahrstrecken in einer Gesamtlänge von etwa 2000 Kilometer zur Verfügung.
Siehe auch: Geschichte der Eisenbahn in Deutschland&#160;und Liste von Eisenbahnstrecken in Deutschland
Nahverkehr
Straßenbahn (Tram) in der Dresdner Altstadt
1881 eröffnete Werner von Siemens in Lichterfelde bei Berlin die erste elektrische Straßenbahn der Welt. Dieses Verkehrsmittel dominierte in der ersten Hälfte des 20.&#160;Jahrhunderts den öffentlichen Nahverkehr der größeren Städte in Deutschland. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden vor allem in Westdeutschland viele Straßenbahnen stillgelegt, andere zu Stadtbahnen mit innerstädtischen Tunnelstrecken umgebaut. Ersetzt wurden sie durch Omnibus-Verkehre, die auch auf dem Land flächendeckend vorhanden sind und nahezu jeden Ort erschließen. Allerdings wurden die Busnetze durch den Bevölkerungsrückgang im ländlichen Raum zuletzt ausgedünnt und häufig durch Rufbus-Systeme ersetzt. Nur in den größten Städten wurden im 20.&#160;Jahrhundert U-Bahnen angelegt und mit S-Bahnen zu einem Schnellbahnnetz für Stadt und Umland kombiniert. Die Verkehrsverbünde ermöglichen es, sämtliche Verkehrsmittel in einer Region mit einem Fahrschein zu einem einheitlichen Preis zu benutzen.
Seit den 1980er-Jahren wurden Radwegnetze in den Städten und auf dem Land angelegt und ausgebaut, sodass heute das Fahrrad wieder eine zunehmende Rolle im Nahverkehr spielt. Im internationalen Vergleich ist auch der öffentliche Nahverkehr in den größeren Städten Deutschlands durch hohe Effektivität und Flächendeckung gekennzeichnet.Luftverkehr
Der Münchner Flughafen „Franz Josef Strauß“
Mit rund 550 Flughäfen und Flugplätzen verfügt Deutschland über eine der größten Dichten an Start- und Landeplätzen weltweit. 16 Flughäfen des Landes bieten internationalen Flugverkehr an.
Der Flughafen Frankfurt am Main ist gemessen an der Anzahl abgefertigter Passagiere (2013: 58,04&#160;Millionen) der größte Deutschlands, der drittgrößte Europas und gemessen am Frachtaufkommen (2013: 2,13&#160;Millionen Tonnen) der größte Flughafen Europas. Die größte deutsche Fluggesellschaft Lufthansa betreibt in Frankfurt, auf dem zweitgrößten deutschen Flughafen in München sowie auf dem drittgrößten deutschen Flughafen in Düsseldorf interkontinentale Drehkreuze. Air Berlin, die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft, betreibt auf ihrem Heimatflughafen in Berlin-Tegel sowie in München, Düsseldorf, Palma de Mallorca und Wien weitere internationale Drehkreuze. Seit dem Jahr 1999 beschäftigen sich Berlin, Brandenburg, der Bund und das Konsortium „Flughafen-Partner für Berlin und Brandenburg“ mit der Errichtung des Flughafens Berlin Brandenburg „Willy Brandt“.[182]
Einen eigenen Weltraumbahnhof (bzw. Raumhafen) für den Verkehr über die Kármán-Linie (100&#160;km) hinaus bis in den Weltraum besitzt Deutschland nicht. Für die Raumfahrt durch z.&#160;B. das DLR muss deshalb meist auf den CSG-Raumhafen in Französisch-Guayana oder das russisch betriebene Kosmodrom Baikonur ausgewichen werden.
Siehe auch: Liste der Verkehrsflughäfen in Deutschland&#160;und Liste deutscher Flugplätze
Seeverkehr
Die Landungsbrücken am Hamburger Hafen
Aufgrund des überproportional hohen Außenhandelsanteils ist Deutschland in erheblicher Weise auf den Seehandel angewiesen. Es verfügt über eine Anzahl moderner Seehäfen, wickelt aber auch große Anteile seines Handels nach Übersee über die Häfen von Nachbarländern, vor allem der Niederlande, ab. Die drei umschlagstärksten Seehäfen in Deutschland sind Hamburg, Wilhelmshaven und die Bremer Häfen. Der JadeWeserPort in Wilhelmshaven ist der einzige Tiefwasserhafen in Deutschland. Die wichtigsten Ostseehäfen sind Rostock und Lübeck. Warnemünde ist der meistfrequentierte Kreuzfahrthafen Deutschlands.[183]
Die wichtigsten Seeschifffahrtsstraßen sind Unterelbe und Unterweser. Der Nord-Ostsee-Kanal ist auch für den Transitverkehr bedeutsam (u.&#160;a. Rendsburg Port). Vor der deutschen Ostseeküste liegt mit der Kadetrinne die meistbefahrene Schiffsroute der Ostsee.
Es gibt in Deutschland ein gut ausgebautes Netz von Wasserstraßen für die Binnenschifffahrt. Die wichtigsten schiffbaren Flüsse sind Rhein, Main, Mosel, Weser und Elbe. Bedeutende Binnenkanäle sind der Mittellandkanal, der Dortmund-Ems-Kanal, der Rhein-Herne-Kanal und der Elbe-Seitenkanal. Der Main-Donau-Kanal überwindet die große europäische Wasserscheide und ermöglicht so einen direkten Schifffahrtsweg von der Nord- und Ostsee zum Schwarzen Meer. Der Komplex der Duisburg-Ruhrorter Häfen ist der umschlagstärkste Binnenhafen Deutschlands und gilt als größter Binnenhafen Europas.Kultur
→ Hauptartikel: Kultur Deutschlands
J. W. von Goethe, 1786
&#160;&#160;(Vorrede aus Faust)
Entschuldige, aber für deinen Browser ist entweder die Nutzung von JavaScript deaktiviert oder er verfügt über keine unterstützte Abspielsoftware.
Du kannst den Clip herunterladen oder eine Abspielsoftware herunterladen, um den Clip im Browser abspielen zu können.Die deutsche Kunst- und Kulturgeschichte, deren Wurzeln bis in die Zeit der Kelten, Germanen und Römer zurückreichen, hat seit dem Mittelalter eine Vielzahl von stil- und epochenprägenden Persönlichkeiten hervorgebracht. In den verschiedensten Disziplinen wurden deutschsprachige Kulturschaffende Wegbereiter neuer geistiger Strömungen und Entwicklungen. Bis heute zählen einige der einflussreichsten deutschen Künstler zu den Protagonisten der westlichen Zivilisation.[184]
Die deutsche Kultur hat sich, da Deutschland lange nicht als Nationalstaat existierte, über Jahrhunderte vor allem über die gemeinsame Sprache definiert. Erst im Laufe des 19.&#160;Jahrhunderts wurde der Begriff auf Kulturbeiträge von Deutschen und auf deutsche Territorien bezogen, was aber der auch zuvor bestandenen deutschen Identität jener Kulturschaffenden nicht abträglich war. Über die neuen Reichsgrenzen hinaus haben dem Land um 1900 viele das Charakteristikum einer deutschen Kulturnation zugeschrieben.[185]
Die Internationalen Filmfestspiele Berlin (Berlinale)
Durch die Verbreitung von Massenmedien im 20.&#160;Jahrhundert hat die Populärkultur in der deutschen Gesellschaft einen hohen Stellenwert erhalten. Die Verbreitung des Internets im 21.&#160;Jahrhundert hat zu einer Differenzierung der Kulturlandschaft geführt und die mannigfaltigen Nischen- und Szenekulturen in ihren Ausprägungen verändert.[186]
Die Kulturpolitik in Deutschland fällt verfassungsgemäß in die Zuständigkeit der Bundesländer. Kulturelle Vielfalt und regionale Identität sollen damit gewährleistet sein. Im Bundeskanzleramt ist der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien zuständig für kulturelle Einrichtungen und Projekte von nationaler und gesamtstaatlicher Bedeutung.[187] Seit dem Vertrag von Maastricht 1993 verfügt die EU über für Kulturschaffende wichtige Kompetenzen im Bereich Urheberrecht.
Der Verbreitung der deutschen Sprache und Kultur in der Welt dienen die Goethe-Institute. Mit insgesamt 158 Standorten, inklusive Verbindungsbüros, ist das Institut im Jahr 2013 in 93 Ländern vertreten.[188]
Laut einer Umfrage in 22 Staaten für die BBC im Jahr 2013 genießt Deutschland international ein hohes Ansehen unter 16 untersuchten Ländern. Durchschnittlich bewerten 59&#160;Prozent der Befragten Deutschlands Einfluss und politisches Wirken als positiv, 15 Prozent haben ein negatives Bild. Damit bestätigt das Land den ersten Platz zum sechsten Mal in Folge seit dem Jahr 2008.[189][190]
Literatur und Philosophie
→ Hauptartikel: Deutschsprachige Literatur&#160;und Deutsche Philosophie
Immanuel Kant, Philosoph
Die bedeutendste Handschrift in der Entwicklung der deutschen Sprache und zugleich das älteste deutsche Buch ist der so genannte Abrogans mit dem Vaterunser des Codex Sangallensis 911 sowie die Übersetzungen Notkers des Deutschen. Sie werden in der Stiftsbibliothek St. Gallen aufbewahrt.
Die deutsche Literatur reicht zurück bis in das Frühmittelalter in dem schon früh die ersten mittelalterlichen Bibliotheken mit Handschriften und Buchmalereien entstanden. Hervorzuheben ist der Minnesang der unter anderem in dem einmaligen Codex Manesse überliefert ist. Als bekanntester Minnesänger gilt Walther von der Vogelweide. Ein Grundstein der deutschen Literatur ist das Versepos des Nibelungenlieds.
Als revolutionär erwies sich am Ausgang des Mittelalters der Buchdruck durch Johannes Gutenberg mit beweglichen Lettern. Sein bedeutendstes Werk war der Druck der Gutenberg-Bibeln. Schließlich konnte Pergament als Beschreibstoff durch das wesentlich günstigere Papier ersetzt werden.
Aus der Zeit vor 1871 stammt der teilweise noch verwendete Begriff vom Land der Dichter und Denker.
Als bedeutendste deutsche Autoren gelten u.&#160;a. Gotthold Ephraim Lessing, Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller sowie die Brüder Grimm. Mit Heinrich Heine, Kurt Tucholsky, Bertolt Brecht, Thomas und Heinrich Mann oder Hannah Arendt stachen zu ihrer Zeit wichtige Literaten hervor.
Die Frankfurter Buchmesse
Im 20.&#160;Jahrhundert waren deutsche Nobelpreisträger für Literatur Theodor Mommsen (1902), Rudolf Eucken (1908), Paul Heyse (1910), Gerhart Hauptmann (1912), Thomas Mann (1929), Hermann Hesse (1946), Heinrich Böll (1972) und Günter Grass (1999), im 21.&#160;Jahrhundert Herta Müller (2009).
Die Frankfurter Buchmesse gilt als bedeutendster Treffpunkt des internationalen Verlagswesens und der Literaturszene. Dort wird jährlich der „beste Roman deutscher Sprache“ mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet. Für Neuerscheinungen ist der Preis der Leipziger Buchmesse von großer Bedeutung.
Zu den einflussreichsten deutschen Philosophen zählen Gottfried Wilhelm Leibniz, Nikolaus von Kues, Immanuel Kant, Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Arthur Schopenhauer, Martin Heidegger und Friedrich Nietzsche. Mehrere bedeutsame philosophische Strömungen gingen von deutschen Philosophen aus: Der Deutsche Idealismus ebenso wie der von Karl Marx und Friedrich Engels begründete Marxismus. Im 20.&#160;Jahrhundert war vor allem die Kritische Theorie der sogenannten Frankfurter Schule von Theodor W. Adorno und Max Horkheimer bedeutsam. In ihrer Nachfolge wurde Jürgen Habermas zu einem der weltweit bekanntesten lebenden Philosophen.
Musik
→ Hauptartikel: Musik in DeutschlandDeutsche Musiker
Ludwig van Beethoven (1770–1827)
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Johann Sebastian Bach, Toccata und Fuge d-Moll BWV 565
Hans Zimmer, Komponist
Rammstein, 2012
Kraftwerk, 2009Deutschland kann auf eine lange und vielseitige Musikgeschichte zurückblicken. Aus ökonomischer Sicht ist das Land der drittgrößte Musikmarkt der Welt.[191]
Die Geschichte der europäischen klassischen Musik wird über weite Strecken von deutschen Komponisten geprägt. Aufgrund der zentralen Lage Deutschlands konnten hier unterschiedliche Musiktraditionen aus ganz Europa zusammenfließen. In der Barockzeit erlebten die Kirchenmusik und der Orgelbau eine große Blüte. Wichtige Barockkomponisten waren u.&#160;a. Heinrich Schütz, Georg Friedrich Händel, Johann Sebastian Bach. Stilbildend für die Wiener Klassik waren aus Deutschland die Komponisten der Mannheimer Schule, Ludwig van Beethoven und Wolfgang Amadeus Mozart, der auch als österreichischer Komponist gilt. Beginnend zur Zeit des Vormärz wurde der begleitete Liedgesang durch Komponisten wie Robert Schumann und Felix Mendelssohn Bartholdy zu einer eigenen Kunstgattung entwickelt. Weitere wichtige deutsche romantische Komponisten waren Johannes Brahms, Richard Wagner und Richard Strauss. Im 20. Jahrhundert erlangten u.&#160;a. die Komponisten Carl Orff und Hanns Eisler Popularität. Nach 1950 war in Westdeutschland die Entwicklung der seriellen und elektronischen Musik durch Komponisten wie Karlheinz Stockhausen bedeutend. In der Neuen Musik hat Werner Henze internationale Bedeutung erlangt. Wichtige zeitgenössische deutsche Komponisten sind z.&#160;B. Wolfgang Rihm sowie der weltweit sehr erfolgreiche Filmmusikkomponist Hans Zimmer.
Siehe auch: Liste deutscher Komponisten klassischer Musik
Die Populäre Musik in Deutschland wurde über große Teile des 20. Jahrhunderts von Schlager und volkstümlicher Musik geprägt. Interpreten des Genres sind u.&#160;a. Helene Fischer, Heino und Max Raabe. Der Ende der 1960er-Jahre entstehende Krautrock hatte Einfluss auf die Entstehung verschiedener Formen der Rockmusik sowie der elektronischen Musik, zu deren Pionieren die deutschen Musiker Kraftwerk, Klaus Schulze und Tangerine Dream zählen. Die als „Neue Deutsche Welle“ bezeichnete Etablierung einer eigenständigen, auch international erfolgreichen deutschen Pop- und Rockmusik fand Anfang der 1980er-Jahre durch Interpreten wie Nena, Hubert Kah und Peter Schilling ihren kommerziellen Höhepunkt. Weitere erfolgreiche Interpreten dieser Zeit sind die Synthpopgruppe Alphaville, Trio, Extrabreit, Joachim Witt, DAF, Ideal, Münchener Freiheit und die Spider Murphy Gang.
Bekannte Vertreter des Ostrock sind City, Karat, Silly, Keimzeit, Karussell, electra und die Puhdys. Viele der DDR-Bands wurden wegen ihrer Freiheit und Veränderung herbeisehnenden Texte zensiert oder gar verboten, dennoch gelang ihnen dank geheimer Konzerte Ende der 1980er-Jahre erfolgreich der politische Protest gegen das Regime und es kam u.&#160;a. zur Resolution von Rockmusikern und Liedermachern.
Seit der Entstehung in den 1980er-Jahren ist deutschsprachiger Alternative- und Punkrock verbreitet. Zu den erfolgreichsten Vertretern gehören Die Ärzte, Beatsteaks, Nina Hagen und Die Toten Hosen. International populär sind die deutschen Rockbands The Rattles oder The Lords sowie die Hard-Rock-Band Scorpions und Rammstein, bekanntester Vertreter der sogenannten Neuen Deutschen Härte, zu der auch Oomph! und Unheilig gezählt werden. Populären Indie-Rock und -Pop produzieren die Sportfreunde Stiller, Tocotronic, Blumfeld, Selig und Jennifer Rostock. Im Bereich Reggae/Dancehall sind u.&#160;a. Seeed und ihr Sänger Peter Fox sowie die Gruppe Culcha Candela erfolgreich. Erfolgreiche deutschsprachige Hip-Hop-Künstler sind u.&#160;a. Die Fantastischen Vier, Fettes Brot, Marteria, Samy Deluxe, Jan Delay, Blumentopf, Bushido, K.I.Z., Casper, Cro, Sido und Deichkind.
Zu den bekanntesten deutschsprachigen Popmusikern der vergangenen Jahre gehören James Last, Udo Lindenberg, Peter Maffay, Herbert Grönemeyer, Westernhagen, Silbermond, Juli, Ich + Ich, Frida Gold, Tim Bendzko, Andreas Bourani sowie der Sänger Xavier Naidoo. Die englischsprachige Band Reamonn war europaweit populär. 2010 gewann Lena für Deutschland den Eurovision Song Contest. Weltweit erfolgreich waren auch die Produktionen von Frank Farian mit Boney M. und Milli Vanilli, Dieter Bohlen (mit Modern Talking), die Casting-Band No Angels, die Metal-Band Blind Guardian, die Sängerin Sarah Connor, der Violinist David Garrett und die vor allem bei weiblichen Teenagern beliebte Band Tokio Hotel. Auch in der Electro- bzw. Technomusik spielen deutsche Produzenten eine wichtige Rolle, wie z.&#160;B. Mousse T., Paul van Dyk, Scooter, 2raumwohnung, Tomcraft, Moguai, The Disco Boys, Lexy &amp; K-Paul, Kai Tracid, Tiefschwarz, Blank &amp; Jones und Paul Kalkbrenner.
Bis 2010 war die Loveparade eine der weltweit größten Musikveranstaltungen. Deutsche Musikfestivals von überragender Bedeutung sind heute Rock am Ring, das Wacken Open Air, das Fusion Festival, die Berlin Music Week, Hurricane Festival, Southside, SonneMondSterne, Deichbrand, Melt!, Schlossgrabenfest, Summerjam, Nature One, Mayday, Airbeat One, With Full Force und das WGT. Stadtmusikfeste wie die Fête de la Musique oder das Honky Tonk finden in ganz Deutschland statt. Hinzu kommen viele kleinere Festivals, die bestimmte Musikstile, Regionen oder Themen bedienen.
Die internationale Leitmesse zum Thema Musizieren ist die Musikmesse Frankfurt. Ein bedeutender deutscher Musikwettbewerb ist der jährliche Bundesvision Song Contest, der Echo ist der wichtigste Musikpreis im Land. Das in Berlin beheimatete StartUp SoundCloud ist eine der wichtigsten Plattformen für Musiker in aller Welt.[192]
Film
→ Hauptartikel: Deutscher Film&#160;und Fernsehen in Deutschland
Das Filmstudio Babelsberg in Potsdam wurde 1912 gegründet und gilt heute als renommiertes Filmatelier in Europa.
Seit Ende des 19. Jahrhunderts werden in Deutschland Filme produziert. Das Berliner Varieté Wintergarten wurde zum ersten Kino der Geschichte, als die Gebrüder Skladanowsky dort 1895 einen Film vor Publikum vorführten. Das Filmstudio Babelsberg in Potsdam bei Berlin wurde 1912 gegründet und war damit das erste große Filmstudio der Welt&#160;– und ein Vorläufer zu Hollywood. Es produziert heute wieder Filme von internationalem Format und gilt als eines der größten Filmstudios in Europa.[193] Babelsberg wurde zum Synonym für den erfolgreichen populären Film. Unterschiedlichste Genres wurden in dieser Frühphase des Films neu entwickelt. Der 1927 produzierte Film Metropolis von Fritz Lang wurde zum ersten Science-Fiction-Spielfilm. 1930 wurde Der blaue Engel mit Marlene Dietrich zu einem internationalen Erfolg des deutschen Tonfilms.
In der Zeit zwischen 1933 und 1945 wurde der deutsche Film häufig als Propagandamedium eingesetzt. Die zu dieser Zeit entstandenen Filme von Leni Riefenstahl etablierten neue Standards im Bereich des Dokumentarfilms. Verschiedenste Techniken wurden später auch in Werbefilmen umgesetzt. Nach 1945 nahm in Westdeutschland die UFA die Produktion wieder auf; unter anderem wurden Heimatfilme populär. Ab den 1960ern wurden Wallace- und Winnetou-Filme beliebt. Durch die Verbreitung von Fernsehgeräten und der aufkommenden Konkurrenz von Fernsehserien und -Filmen geriet die Kinowirtschaft in eine Krise, der mit dem Neuen Deutschen Film begegnet wurde. Rainer Werner Fassbinder, Wim Wenders, Volker Schlöndorff und Werner Herzog wurden zu den wichtigsten Vertretern des Autorenfilms dieser Zeit. Regisseure wie Konrad Wolf prägten das Filmschaffen in der DDR. Mit Umstellung der Filmförderung konnten in den 1980er-Jahren Großproduktionen wie jene von Bernd Eichinger umgesetzt werden. Seit 1990 wurden Beziehungskomödien vermehrt populär. Nach der Jahrtausendwende fanden vereinzelt Genrefilme ihr Publikum. Das deutsch-türkische Kino bekam Beachtung und verschiedenste Jugendfilme konnten ein Nischenpublikum finden. Einige deutsche Filme waren auch international erfolgreich. Die mit über 100 Millionen Zuschauern erfolgreichste deutsche Kinoproduktion ist die Filmreihe Schulmädchen-Report, die von 1970 bis 1980 in knapp 40 Ländern gezeigt wurde.
Bedeutende deutsche Filmstudios sind Bavaria Film, Constantin Film, MMC und die UFA. Zu den erfolgreichsten deutschen Regisseuren und Filmproduzenten der Neuzeit zählen u.&#160;a. Roland Emmerich, Wolfgang Petersen, Florian Henckel von Donnersmarck, Caroline Link, Wolfgang Becker und Fatih Akın. Weitere profilierte Filmemacher sind auch Til Schweiger, Michael Herbig, Andreas Dresen, Uwe Boll, Dani Levy, Oskar Roehler, Uli Edel und Tom Tykwer.
Insgesamt entstanden bis 2013 mehr als 10.000 Filme unter deutscher Beteiligung.[194] Im Jahr 2011 gab es in Deutschland insgesamt 1671 Lichtspielhäuser mit 4640 Kinosälen. Die Anzahl der Besucher lag bei rund 129,6 Millionen. Von den 532 Erstaufführungen im selben Jahr waren 212 Filme mit vorwiegend deutscher Produktionsbeteiligung, darunter 132 Spiel- sowie 80 Dokumentarfilme. Der Marktanteil deutscher Produktionen betrug 21,8&#160;Prozent (16,8&#160;% im Vorjahr).[195]
Die bedeutendste nationale Auszeichnung ist der Deutsche Filmpreis mit der „Lola“, die jährlich von der Deutschen Filmakademie vergeben wird. Der Europäische Filmpreis „Felix“ wird jedes zweite Jahr in Berlin vergeben. Die als „Berlinale“ bekannten Internationalen Filmfestspiele Berlin werden jedes Jahr im Februar aufgeführt und haben sich als global bedeutendes Ereignis der Filmwelt etabliert, auf Augenhöhe mit den A-Festivals von Cannes und Venedig.
Siehe auch: Liste bedeutender deutscher Filme
Bildende Kunst
C. D. Friedrich
Der Wanderer über
dem Nebelmeer, 1818
Franz Marc
Blaues Pferd
1911
Bedeutende deutsche Renaissancekünstler sind unter anderem Albrecht Altdorfer, Lucas Cranach der Ältere, Matthias Grünewald, Hans Holbein der Jüngere und, der wohl bekannteste unter ihnen, Albrecht Dürer.
Die bedeutendsten aus Deutschland stammenden Barockmeister sind Johann Baptist Zimmermann, die Brüder Asam sowie der in Siegen geborene, aber nach Antwerpen ausgewanderte Peter Paul Rubens.
Bedeutende Romantiker sind neben Caspar David Friedrich die Künstler Philipp Otto Runge, Carl Spitzweg und der Nazarener Philipp Veit. Preußische Maler wie Anton von Werner und Emil Hünten stehen für die Historienmalerei, die Münchner und die Düsseldorfer Malerschule sind international von Bedeutung. Von diesen verlagerte sich der Schwerpunkt der Kunstszene nach Berlin, mit den Impressionisten im Umfeld der Berliner Secession, u.&#160;a. die Impressionisten Max Liebermann, Lovis Corinth, Ernst Oppler und Max Slevogt und anschließend den Expressionisten Max Beckmann, Paul Klee, Gabriele Münter und Otto Dix, sowie den Surrealisten Max Ernst, Hans Richter und Hans Arp. Weiterhin von Bedeutung waren die beiden expressionistischen Künstlergemeinschaften „Brücke“ und „Der Blaue Reiter“.
In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelt sich die Documenta zur führenden Kunstausstellung. Jüngere Künstler dieser Zeit umfassen den vielseitigen Jörg Immendorff, den Aktionskünstler und Konzeptualisten Joseph Beuys und die zu den Neuen Wilden zählenden Markus Lüpertz und Martin Kippenberger.
In den 1960er-Jahren entwickeln sich im Rheinland u.&#160;a. mit Nam June Paik, Wolf Vostell und HA Schult neue Kunstformen wie das Happening, die Videokunst und die Fluxus-Bewegung. Bedeutende Fotokünstler im 20. Jahrhundert waren Helmut Newton, Sigmar Polke, Gunter Sachs sowie Bernd und Hilla Becher, die die Düsseldorfer Photoschule begründeten.
In der DDR war die Leipziger Schule um Werner Tübke, Bernhard Heisig und Wolfgang Mattheuer prägend. Zu den wichtigen zeitgenössischen Künstlern zählen der Neoexpressionist Georg Baselitz, der in der Tradition der Geschichtsmalerei stehende Anselm Kiefer, die den Kapitalistischen Realismus prägenden Sigmar Polke und Gerhard Richter sowie die für Ironie bekannte Rosemarie Trockel. Der die „trügerische Idylle“ darstellende Norbert Bisky, die zur Neuen Leipziger Schule gezählten Neo Rauch und Aris Kalaizis, sowie der auf Historienbilder konzentrierte Daniel Richter sind Beispiele für sehr erfolgreiche Künstler der Nachwendegeneration. Der bislang weltgrößte Kunstfälscher-Prozess wurde Wolfgang Beltracchi gemacht.
Zu den bekanntesten zeitgenössischen deutschen Fotografen zählen Andreas Gursky, Peter Lindbergh, Wolfgang Tillmans, Horst P. Horst und Thomas Ruff.Architektur
→ Hauptartikel: Architektur in Deutschland
Der Kölner Dom und die Hohenzollernbrücke
Bauhaus-Kunstschule in Weimar von 1911, Begründungsort des globalen Modernismus
Deutschland hat eine reiche und vielfältige Architekturgeschichte, die eng verwoben mit der abendländischen Architekturgeschichte der Nachbarländer ist. Grundlage war vor allem die Architektur der römischen Antike, aus der einmalige Bauwerke erhalten sind, wie beispielsweise die Porta Nigra in Trier und das ab 1999 freigelegte Römische Theater Mainz. Einige vorromanische Bauten wie zum Beispiel die Torhalle Lorsch zeigen heute noch die Entwicklung zur Romanik, die im Heiligen Römischen Reich etwa 1030 einsetzt. Die Gotik begann in Frankreich, die ersten gotischen Bauwerke im Heiligen Römischen Reich wurden ab etwa 1230 errichtet, zum Beispiel die Liebfrauenkirche in Trier.
Um etwa 1520 kam die Renaissance aus dem Gebiet des heutigen Italien in das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, als herausragende Beispiele gelten das Augsburger und das Bremer Rathaus. Der Stil des Barock setzte ab 1650 ein. Prominent sind etwa die Werke von Balthasar Neumann, die Wieskirche und das Residenzschloss Ludwigsburg. Etwa 1770 setzt die Stilepoche des Klassizismus ein. Beispiele sind das Brandenburger Tor von Carl Gotthard Langhans, sowie das Alte Museum und das Schloss Charlottenhof in Berlin von Karl Friedrich Schinkel –&#160;einem preußischen Baumeister, der viele Folgegenerationen weltweit beeinflusste, auch durch sein Wirken an der Berliner Bauakademie.
Einige der bekanntesten Bauwerke Deutschlands wurden in der Stilepoche des Historismus (um 1840 bis etwa 1900) gebaut; Beispiele hierfür sind die Dresdner Semperoper, der Berliner Dom und das Schweriner Schloss. Einflussreiche Architekten dieser Epoche waren u.&#160;a. Gottfried Semper, Friedrich August Stüler, Friedrich von Gärtner und die ersten größeren Architekturbüros wie Cremer &amp; Wolffenstein und Schilling &amp; Graebner. Diese Zeit prägte in Folge von Industrialisierung, Gründerzeit und starkem Bevölkerungswachstum architektonisch den überwiegenden Teil Deutschlands. Es entstanden ganze Blockrand-Stadtgebiete für alle Bevölkerungsschichten, wie etwa in Berlin durch den metropolischen Hobrecht-Plan, daneben auch Villenkolonien und dicht bebaute Vorstädte. Es bildeten sich auch regionalspezifische Stile wie die Hannoversche Architekturschule, der Nürnberger Stil, die Semper-Nicolai-Schule im Raum Dresden und der Johann-Albrecht-Stil in Mecklenburg aus. Teilweise gab es schon stilistische Abweichungen von Stadt zu Stadt. Gepflegte Gründerzeitviertel gelten in vielen Städten heute als bevorzugte Wohnlage bzw. Szeneviertel und vereinen das städtische Leben auf sich.[196] Zeitgleich mit der Spätphase des Historismus setzte um 1890 der Jugendstil ein und währte bis etwa 1910, der Begriff entstand in Anlehnung and die ab 1896 erschienene Münchner Zeitschrift Die Jugend. Das bedeutendste Ensemble der Zeit ist die Darmstädter Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe.
Zu Beginn des 20.&#160;Jahrhunderts waren deutsche Architekten Vorreiter der Klassischen Moderne. Vorläufer dazu entwickelte der 1907 gegründete Deutsche Werkbund. Walter Gropius als Begründer der Bauhaus-Schule, Ludwig Mies van der Rohe und das Neue Frankfurt setzten Impulse des Neuen Bauens, die die Architektur bis heute weltweit prägen. Auch die ersten deutschen Hochhäuser entstanden, vor allem in Berlin. Ein weitgehend für Deutschland spezifischer moderner Stil ist der Expressionismus. Eine Begleitbewegung zur modernistischen Bewegung war ab 1904 bis in die frühen 1960er-Jahre die Heimatschutzarchitektur, welche die regionaltypische Architektur vieler Orte pflegte und dabei weiter entwickelte. Bei der Architektur im Nationalsozialismus herrschte oftmals ein monumentaler, autokratischer Stil vor, es entstanden Repräsentativbauten wie das Berliner Olympiastadion. In der Zeit des Wiederaufbaus nach dem Krieg herrschte Pragmatismus vor, es entstanden viele großflächige Einzelbauten und zerstreute Siedlungen, die DDR-Architektur war zunächst durch sozialistischen Klassizismus, später durch industrielle Bauweise wie den Plattenbau geprägt. Die Architekturszene suchte darüber hinaus nach extravaganteren Ausdrucksformen für Solitärbauten. In der Bundesrepublik war das 1972 fertiggestellte postmoderne Olympiastadion in München von Frei Otto und Behnisch ein wichtiges Projekt, das das neue Selbstverständnis deutscher Architektur in die Welt trug. Mit dem 256&#160;m hohen Frankfurter Messeturm entstand 1991 der bis dahin höchste Wolkenkratzer Europas, der 1997 durch den Commerzbank Tower abgelöst wurde, dem bis heute höchsten Hochhaus Deutschlands. Die höchste Struktur auf deutschem Boden ist der 368&#160;m hohe Berliner Fernsehturm, der 1969 eingeweiht wurde.
In den letzten Jahrzehnten hat sich die Entwicklung der Architektur globalisiert, zugleich werden häufig aber auch regionale Bezüge zu historischen Vorbildern oder lokalen Bauweisen hergestellt (auch als neuklassische Architektur bezeichnet).[197] Durch Bewegungen wie den Neuen Urbanismus sind kleinteilige Fassaden mit Mischnutzungen wieder populär, in den Städten vor allem in der typisch urbanen Blockrandbauweise. Auch der Wiederaufbau von durch Krieg oder Abriss zerstörten Kulturdenkmalen ist im 21.&#160;Jahrhundert von Bedeutung, prominente Beispiele sind die Dresdner Frauenkirche samt Neumarkt, das Berliner Stadtschloss, die Potsdamer Mitte mit dem Stadtschloss und das Frankfurter Dom-Römer-Projekt.[198]
Deutsche Architekten und Architekturbüros sind heute weltweit aktiv, zu den renommiertesten des späten 20. und frühen 21. Jahrhunderts gehören u.&#160;a. Hans Kollhoff, GRAFT, Sergei Tchoban, Helmut Jahn, Ole Scheeren, O. M. Ungers, GMP, Ingenhoven, Sauerbruch Hutton, Hadi Teherani und Behnisch Architekten.[199] Deutsche Träger des renommierten Pritzker-Preises sind Gottfried Böhm und Frei Otto. Um die Wahrnehmung der Architektur im In- und Ausland zu befördern, wurde 2007 die Bundesstiftung Baukultur gegründet. Alljährlich werden der Tag der Architektur und der Tag des offenen Denkmals veranstaltet.Kultur- und Baudenkmäler
→ Hauptartikel: Welterbe in Deutschland&#160;und Bau- und Kulturdenkmale in Deutschland
Das Brandenburger Tor in Berlin
Die UNESCO führt 40 deutsche Beiträge zum Welterbe auf, die auf 15 der 16 deutschen Länder verteilt sind.[200] Die Liste wurde mit dem Aachener Dom 1978 eröffnet; jüngster Neuzugang war 2014 das westfälische Kloster Corvey. Es gibt einige Altstädte mit Welterbestatus in Deutschland, dazu gehören Stralsund und Wismar, Bamberg, Goslar, Quedlinburg, Lübeck und Regensburg, die größte mittelalterliche Stadtanlage nördlich der Alpen.[201] Das Dresdner Elbtal hatte den Welterbe-Status von 2004 bis 2009 inne. Zudem führt die UNESCO mit der Grube Messel, den Buchenurwäldern und dem deutschen Wattenmeer drei Weltnaturerbestätten auf.
Neben dem Welterbe zeichnet das Förderprogramm für „National wertvolle Kulturdenkmäler“ unter Schirmherrschaft des Kulturstaatsministers bundesweit besonders bedeutende Denkmäler aus. Von 1950 bis 2007 wurden aus diesem Programm über 500 Kulturdenkmäler mit insgesamt rund 280 Millionen EUR gefördert.[202]
Schloss Neuschwanstein in Schwangau
Besonders hohe Besucherzahlen erreichen Kulturdenkmäler, die eine Vorstellung von deutscher Romantik erwecken. So gehören die Schlösser Neuschwanstein, Schwerin und Heidelberg, die Burg Hohenzollern, die Wartburg, die Walhalla, das Obere Mittelrheintal mit seinen Burgen sowie die mittelalterlichen Altstädte von Rothenburg ob der Tauber und Rüdesheim am Rhein zu den weltweit bekannten touristischen Zielen.
Zunehmender Beliebtheit und Anerkennung erfreuen sich auch Denkmäler und Stadtbilder aus der Zeit der industriellen Revolution, etwa prächtige Ensembles der Bäderarchitektur in den Seebädern an der Ostseeküste, Kurorte im Binnenland oder auch Industriedenkmäler.
Geschlossene historische Stadtbilder sind in den deutschen Großstädten heute selten anzutreffen, da der Zweite Weltkrieg und der Stadtumbau der Nachkriegszeit einen Großteil der Kulturdenkmäler zerstört hat. Ausnahmen sind neben den Welterbestädten die Großstädte Erfurt, Halle, Heidelberg, Schwerin und Wiesbaden. Klein- und Mittelstädte mit weitgehend geschlossenen historischen Stadtbildern sind in Deutschland noch recht häufig anzutreffen, wobei viele einst harmonische Ensembles u.&#160;a. durch Verfall, Abrisse und „Kaputtsanierungen“ mit Fassadenglättungen und Entstuckungen für energetisch ineffiziente Außendämmungen in ihrer Wirkung bedroht sind.[203]
Siehe auch: Liste von Städten mit historischem Stadtkern in Deutschland&#160;und Liste technischer Denkmäler in Deutschland
Museen
→ Hauptartikel: Museen in Deutschland
Die Museumsinsel gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO.
In Deutschland existieren rund 6250 Museen, wozu auch private und öffentliche Sammlungen, Schlösser und Gärten gehören.[204] Berlin, das mit mehr als 170 Museen zu den renommiertesten Museumslandschaften gehört, beherbergt neben der zum Welterbe gehörenden Museumsinsel zahlreiche global bedeutsame Museen und Sammlungen.
Zu den bekanntesten musealen Einrichtungen gehören ebenfalls das Deutsche Museum in München, das weltweit größte naturwissenschaftlich-technische Museum, und das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg mit einer der bedeutendsten Sammlungen zu Kultur und Kunst von der Vor- und Frühgeschichte bis zur unmittelbaren Gegenwart. Die Staatlichen Kunstsammlungen in Dresden beherbergen u.&#160;a. das Grüne Gewölbe, eine historische Sammlung der ehemaligen Schatzkammer der Wettiner Fürsten von der Renaissance bis zum Klassizismus. Das Deutsche Meeresmuseum mit dem Ozeaneum Stralsund ist das größte Meeresmuseum in Deutschland.
Bedingt durch die weltweit längste Tradition im Automobilbau befinden sich in Deutschland einige der größten Fahrzeugsammlungen Europas, wie z.&#160;B. in Stuttgart im Mercedes-Benz Museum und im Porsche-Museum, in München in der BMW Welt und in der Wolfsburger Autostadt. Bedingt durch eine darüber hinaus große Tradition im Bereich der Erfindungen und technischer Innovationen gibt es viele weitere technische Museen in Deutschland.
Siehe auch: Liste deutscher Museen nach Themen
Feiern und Feste
→ Hauptartikel: Feiertage in Deutschland
Weihnachten ist seit Jahrhunderten Bestandteil deutscher Festtagstradition.
Nationalfeiertag ist der Tag der Deutschen Einheit am 3.&#160;Oktober, wie es im Einigungsvertrag über den Beitritt der Deutschen Demokratischen Republik zur Bundesrepublik Deutschland vereinbart wurde.[205] Alle übrigen Feiertage beruhen auf Gesetzen der Länder. Acht von ihnen sind in allen 16 Ländern Feiertage: Karfreitag, Ostermontag, Christi Himmelfahrt, Pfingstmontag, die beiden Weihnachtsfeiertage, Neujahr und der Tag der Arbeit. Der Reformationstag ist in fünf Ländern Feiertag. Wie die Sonntage sind „die staatlich anerkannten Feiertage als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung gesetzlich geschützt“.[206]
Deutschland ist weltweit für sein Weihnachtsbrauchtum bekannt, dazu gehören die traditionellen Weihnachtsmärkte, Weihnachtsbäume, typische Dekorationen wie Adventskalender und Weihnachtspyramiden, sowie kulinarische Spezialitäten wie Stollen, Braten und Lebkuchen. Die Symbolfigur des Weihnachtsmannes fand von Deutschland aus Verbreitung. Eine der größten touristischen Attraktionen ist auch das Oktoberfest in München (mundartlich auch „d’ Wiesn“), das mit fast sieben Millionen Besuchern größte Volksfest der Welt. In Bad Cannstatt findet jedes Jahr das Cannstatter Volksfest (auf dem Cannstatter Wasen), das mit über 4,5 Millionen Besuchern zweitgrößte Volksfest der Welt, statt. Bedeutende Veranstaltungen von Karneval, Fastnacht und Fasching sind unter anderem der Kölner Karneval, die Mainzer Fastnacht, der Düsseldorfer Karneval und die Schwäbisch-alemannische Fastnacht. In Hannover findet alljährlich das größte Schützenfest der Welt statt.
Die Kieler Woche, eine seit Ende des 19. Jahrhunderts in Kiel ausgetragene Segelregatta, ist das größte Segelsportereignis der Welt und zugleich eines der größten Sommerfeste Europas. Die Hanse Sail in Rostock ist eines der größten maritimen Feste und bietet den weltweit größten Auflauf von Traditionsschiffen. Ebenfalls in Norddeutschland finden der jährliche Hamburger Hafengeburtstag und alle zwei Jahre die Cruise Days statt. Höhepunkt dieser Festivitäten ist die sogenannte Parade der Traumschiffe entlang des Hamburger Hafenbeckens.
Zu den überregionalen Veranstaltungen gehören der Internationale Museumstag, der Deutsche Mühlentag, die Fête de la Musique zum Sommeranfang am 21.&#160;Juni, der Tag der Architektur sowie der Tag des offenen Denkmals. In vielen Städten werden regelmäßig Veranstaltungen wie die Lange Nacht der Museen oder Lange Nacht der Kultur durchgeführt.
Küche
→ Hauptartikel: Deutsche Küche
Deutsche Wurst- und Käsespezialitäten
Die Vielfalt der Regionalküchen spiegelt häufig historische Landesgrenzen (wie Anhalt, Baden, Mecklenburg) und die Kulturräume von Dialektvarianten (Franken, Schwaben) wider. Daneben haben Zuwanderer aus verschiedenen Regionen (u.&#160;a. Hugenotten, Italiener, Türken, Ostasiaten) die deutsche Esskultur im Lauf der Zeit mit ihren jeweiligen kulturtypischen Speisen bereichert. Viele deutsche Restaurants erzielen bei Restaurantführern wie dem Guide Michelin und Gault-Millau hohe Bewertungen, sodass Deutschland neben Frankreich und Japan zu den führenden Gastronomienationen der Welt gehört.
Schwarzwälder Kirschtorte
Deutschland ist weltweit bekannt für seine jahrhundertealte Bierbrautradition. Viele Deutsche bevorzugen ein regional hergestelltes Bier, was sich auch im Trend zu Handwerksbrauereien widerspiegelt. Auch deutscher Wein ist im Land und zunehmend darüber hinaus beliebt, insgesamt werden 16 Anbaugebiete für Qualitätswein und 26 Landweine unterschieden. Der Weinbau in Deutschland wurde bereits von den Römern im 2. Jahrhundert an der Mosel begonnen. Aus klimatischen Gründen ist der Weinanbau im Westen und Süden verbreiteter als im Norden und Osten, allen voran in Rheinhessen, der Pfalz, Baden, Württemberg und an der Mosel. Als Erfrischungsgetränke werden überwiegend Wasser, kalorienhaltiger Fruchtsaft bzw. Limonade getrunken. Das beliebteste Heißgetränk ist Kaffee, sein Genuss wurde ab den 1670er-Jahren in deutschen Kaffeehäusern bzw. Cafés kultiviert. Daneben ist auch Tee in allen Altersgruppen und Variationen beliebt, am ältesten in Deutschland ist die ostfriesische Teekultur, die sich seit dem frühen 17. Jahrhundert entwickelte.
In Deutschland findet man eine einmalig große Auswahl an Brotsorten dank vielfältiger Bäckereitraditionen, zudem zahlreiche Wurstvarianten und Käsesorten. Die typischerweise erste Mahlzeit am Tag ist das Frühstück. Traditionell wird mittags die warme Mahlzeit und abends eine Brotmahlzeit eingenommen. Zwischenmahlzeiten wie ein zweites Frühstück bzw. Brunch und am Nachmittag Kaffee mit Backware (mitunter Vesper oder Kaffeezeit genannt) sind weit verbreitet.
Mode
→ Hauptartikel: Modedesign in Deutschland&#160;und Deutsche Trachten
Die Modeindustrie ist ein traditionsreicher Zweig des produzierenden Gewerbes in Deutschland. In rund 1.300 fast ausschließlich mittelständischen Betrieben erzeugen rund 130.000 Beschäftigte einen Umsatz von rund 28 Milliarden Euro. Die Exportquote liegt bei etwa 40&#160;Prozent in der Textilindustrie und 44&#160;Prozent in der Bekleidungsindustrie (2008). Dieser Industriezweig ist damit nach dem Ernährungsgewerbe die zweitgrößte Konsumgüterbranche in Deutschland.[207]
Claudia Schiffer, eines der erfolgreichsten Supermodels aller Zeiten
Deutsche Mode ist für ihre eleganten Linien bekannt, aber auch für ihre unkonventionellen jungen Designs und die große Variation verschiedener Stilrichtungen. Berlin gilt als junges und kreatives Zentrum in der internationalen Modeszene. Die zweimal im Jahr stattfindende Berlin Fashion Week (Berliner Modewoche) ist innerhalb kurzer Zeit zu einer der weltweit wichtigsten Modeveranstaltungen avanciert.[208] Bread &amp; Butter Berlin hat sich als bedeutende Messe für den Markt der Alltagsmode etabliert. In Düsseldorf, dem Modehandelsplatz mit dem größten Umsatz in Deutschland,[209] werden von der Igedo die Ordertage Collection Première Düsseldorf (CPD) für Bestellungen von Großkunden abgehalten. Weitere wichtige Modezentren sind München, Hamburg und Köln. Auch kleinere Städte sind als Standorte großer Marken Zentren für Gestaltung und Produktion.[210]
Weltweit berühmte deutsche Modedesigner sind und waren z.&#160;B. Karl Lagerfeld, Hugo Boss, Wolfgang Joop, Jil Sander, Michael Michalsky, Philipp Plein, Etienne Aigner, Torsten Amft, Dorothee Schumacher, Willy Bogner, Rudolf und Adi Dassler. Zu den etablierten Modemarken aus Deutschland gehören Boss, adidas, Puma, Escada, Joop!, MCM, Bruno Banani, Triumph, Schiesser, Talbot Runhof, Kaviar Gauche, Closed, Reusch, Valisere, Jack Wolfskin, Ulla Popken, Buffalo, Rohde, Zalando, Dr. Martens, P&amp;C, Marc O’Polo, Tom Tailor, s.Oliver, Gerry Weber, Esprit und Wunderkind.
Es gibt zudem eine Reihe von deutschen Models, die es zu internationalem Ruhm gebracht haben, besonders die „Supermodels“ Claudia Schiffer, Heidi Klum, Tatjana Patitz, Nadja Auermann und Manon von Gerkan. Auch Diane Kruger, Eva Padberg, Toni Garrn, Julia Stegner, Nico, Franziska Knuppe, Vanessa Hegelmaier, Evelyn Sharma, sowie die männlichen Models Nico Schwanz und Lars Burmeister sind bzw. waren weltweit gefragt.
Historisch fand in Deutschland die Volkstracht bis ins 20. Jahrhundert eine weite Verbreitung und grenzte sich von der bürgerlichen Kleidung ab. Die traditionelle Tracht wird heute noch in verschiedenen Regionen getragen, meist zu Volksfesten und besonderen Anlässen. Die moderne Trachtenmode geht u.&#160;a. auf die Jagd- und Wanderbekleidung zurück.
Gesellschaft
Kindergarten-Gruppe in Ladenburg, Baden-Württemberg
Deutschland ist ein durch die europäische Aufklärung pluralistisch geprägtes Land. Menschen aus 194 Staaten leben in der Bundesrepublik.[211] Die Bevölkerung zeichnet sich im globalen Rahmen durch einen hohen Bildungsstand, einen überdurchschnittlichen Lebensstandard und eine hohe persönliche Lebenszufriedenheit aus.[212] Laut World Values Survey werden in Deutschland säkular-rationale Werte und ein fortgeschrittenes Maß an persönlicher Selbstentfaltung geschätzt.
Soziales
Deutschland hat eine lange Tradition des gesetzlich beförderten sozialen Ausgleichs. Laut Gini-Index gilt das Land im internationalen Vergleich als Gesellschaft mit geringer Einkommensungleichheit. Der deutsche Staat bietet seinen Bewohnern umfangreiche rechtliche Ansprüche auf Familienförderung und soziale Absicherung. Die Geschichte der Sozialversicherung beginnt im Kaiserreich. Spätere Regierungen haben sie nach und nach erweitert und um zusätzliche soziale Transferleistungen ergänzt, wodurch heute ein großer Teil des Staatshaushalts für Soziales aufgewendet wird.
Die Bundesrepublik Deutschland ist ein kooperativ-föderalistischer Bundesstaat[213] mit einer sozialen Marktwirtschaft (Bundesratsgebäude in Berlin).
Für Arbeitnehmer besteht eine Pflichtmitgliedschaft in der Sozialversicherung, die aus fünf sogenannten Säulen besteht: Krankenversicherung, Unfallversicherung, Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung und Pflegeversicherung. Die soziale Grundsicherung wird in erster Linie durch Beiträge der Versicherten finanziert, die Defizite werden durch Steuergelder ausgeglichen.
2010 gab es in Deutschland 830.000 Euro-Millionäre mit einem Gesamtvermögen von 2.191 Milliarden Euro. Im selben Jahr lebten rund 12,4 Millionen Menschen in relativer Armut oder galten als armutsgefährdet, das entspricht 15,3 Prozent der Bevölkerung.[214] Von der erwerbsfähigen Bevölkerung gelten etwa 2,3 Millionen Einwohner (4&#160;%) als Analphabeten, bis zu 14&#160;% der Bevölkerung sind von funktionalem Analphabetismus betroffen.[215]
Neben den vom Staat organisierten Transferleistungen der Bürger untereinander gibt es noch innerstaatliche Transferleistungen. Durch den Länderfinanzausgleich sind Bundesländer mit hohem Steueraufkommen dazu verpflichtet, einen Teil ihrer Einnahmen an schlechter gestellte Länder abzugeben, damit die Lebensverhältnisse in Deutschland nicht zu weit auseinander gehen. Durch den auf die Einkommenssteuer erhobenen Solidaritätszuschlag sollen die den neuen Bundesländern entstandenen teilungsbedingten Lasten gemildert werden.
Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz soll Benachteiligungen aufgrund von Geschlecht, Rasse, der ethnischen Herkunft, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität (etwa Homosexualität) verhindern. Auf dem Korruptionswahrnehmungsindex (CPI) nahm Deutschland 2012 Rang 13 ein, was einem sehr niedrigen Stand der Korruption entspricht.
Gesundheit
→ Hauptartikel: Gesundheitssystem Deutschlands
Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Das deutsche Gesundheitswesen gehört zu den hoch entwickelten.[216] Wesentliche Kennziffern hierzu sind eine sehr niedrige Rate der Kindersterblichkeit von 3,71 bei 1000 Geburten, eine hohe Lebenserwartung die im Jahr 2009/11 bei 77,9 Jahren für Männer und bei 82,9 für Frauen lag, sowie einen hohen Prozentsatz erfolgreicher Operationen.[217][218]
Das Gesundheitssystem umfasst die Leistungserbringer, also Ärzte, Apotheker, Pflegepersonal usw., den Staat (Bund, Länder, Landkreise und Gemeinden), die Krankenversicherungen, die Unfall-, Pflege- und Rentenversicherung, die Kassenärztlichen Vereinigungen, die Arbeitgeber und Arbeitnehmer und ihre Verbände, weitere im Gesundheitswesen tätige Interessenverbände und nicht zuletzt die Patienten, z.&#160;T. vertreten durch Patientenverbände und Selbsthilfeorganisationen.
Abgesehen von staatlichen Krankenhäusern werden die Versorgungsleistungen weitgehend privat erbracht. Außerhalb der Krankenhäuser dominieren freie Berufe, wie niedergelassene Ärzte und Apotheker, und private Unternehmen, beispielsweise die pharmazeutische und die medizintechnische Industrie. Krankenhäuser werden häufig noch in gemeinnütziger Trägerschaft geführt, zunehmend jedoch privatisiert. Der Staat beteiligt sich als Leistungserbringer nur nachrangig in Form von Gesundheitsämtern, kommunalen Krankenhäusern oder Hochschulkliniken.
Der größte Teil der deutschen Bevölkerung ist in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) versichert, deren Beiträge sich hauptsächlich an der Höhe des Einkommens des Versicherten orientieren. Familienmitglieder sind unter bestimmten Bedingungen beitragsfrei mitversichert. Der Leistungsanspruch ist unabhängig von der Höhe der gezahlten Beiträge. Etwa 10,5&#160;Prozent der Bevölkerung sind privat krankenversichert.[219]
Bildung
→ Hauptartikel: Bildungssystem in Deutschland, Schulsystem in Deutschland&#160;und Liste der Hochschulen in Deutschland
Universität Heidelberg, Deutschlands älteste Universität, gegründet im Jahr 1386.
Das Bildungswesen liegt in der Verantwortung der Länder, wird jedoch durch bundesweite Konferenzen der Kultusminister koordiniert. Je nach Bundesland besteht eine neun- bis dreizehnjährige Schulpflicht. Der Besuch der allgemeinbildenden Schulen dauert mindestens neun Jahre. Danach können weiterführende Schulen bzw. berufsbildende Schulen besucht werden. Die meisten deutschen Bundesländer haben ein gegliedertes Schulsystem mit Hauptschule, Realschule und Gymnasium. Die Hochschulreife wird&#160;– je nach Bundesland&#160;– nach zwölf oder dreizehn Schuljahren erworben.
Praktisch alle jungen Erwachsenen besuchen nach der Schule eine weiterführende Bildungseinrichtung. Auszubildende in Betrieben besuchen in der Regel an ein oder zwei Tagen in der Woche die Berufsschule. Studierende können zwischen universitären und anwendungsorientierten Hochschulen (Fachhochschulen) wählen.
Bildungsgänge im deutschen Bildungssystem
Auch die berufliche Weiterbildung spielt eine große Rolle. Für Arbeitslose stellt die Bundesagentur für Arbeit Weiterbildungsgutscheine bereit. Vor ihrer beruflichen Ausbildung können Jugendliche außerdem sogenannte Freiwilligendienste, wie ein Freiwilliges Soziales Jahr oder ein Freiwilliges Ökologisches Jahr, absolvieren.
Die OECD kritisiert die deutsche Bildungspolitik, da insbesondere die Schulerfolge von Kindern mit Migrationshintergrund unter dem Durchschnitt liegen (PISA-Studien). Entgegen den Reformbemühungen der letzten Jahrzehnte ist es weiterhin statistisch signifikant unwahrscheinlicher, dass Arbeiterkinder das Abitur (Allgemeine Hochschulreife) oder einen Hochschulabschluss erreichen, als Kinder aus den Mittel- oder Oberschichten. Die Ausgaben für Bildung (4,6&#160;% des BIP) liegen im OECD-Vergleich unter dem Durchschnitt. Die schulische Förderung im Grundschulalter gilt als verbesserungswürdig, insbesondere was Betreuungsmöglichkeiten und gezielte Förderung schwächerer Schüler angeht.Wissenschaft
Albert Einstein, 1921
Deutschland ist ein international bedeutender Technologie- und Wissenschaftsstandort. Seit der industriellen Revolution waren deutschsprachige Forscher bei der Gründung empirischer Wissenschaften maßgeblich beteiligt. Insbesondere die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit verschiedenster Industrien wurde durch die kreative Arbeit von Ingenieuren vorangetrieben. Rund 10 Prozent aller weltweit angemeldeten Patente im Jahr 2011 kamen aus Deutschland. Damit steht das Land nach den USA und Japan auf Rang drei der Patententwickler.[220]
In Deutschland sind Universitäten, Technische Universitäten und Fachhochschulen Einrichtungen der Forschung und wissenschaftlichen Lehre. Die (Technischen) Universitäten sind zu Promotions- und Habilitationsverfahren berechtigt. Beide Verfahren sollen Bildung nachweisen und wissenschaftliche Erkenntnisse enthalten. Mit der Einführung internationaler Abschlussbezeichnungen im Zuge des Bologna-Prozess wird die bisherige Trennung in den Bezeichnungen im tertiären, akademischen Bildungsbereich zwischen Fachhochschulen und Universitäten aufgeweicht. Einzelne Hochschuleinrichtungen bilden überhaupt nicht im tertiären Bildungsbereich aus, sondern sind zur postgradualen Bildung oder ausschließlich zur Promotion und Habilitation eingerichtet. Die überwiegende Mehrheit der deutschen Hochschulen sind in öffentlicher Trägerschaft, werden aber in ihrer Forschung über Drittmittel finanziert (Deutsche Forschungsgemeinschaft, Stiftungen, Unternehmen und andere).
Alexander von Humboldt (1769–1859)
Neben den Universitäten gibt es eine größere Anzahl von Forschungsorganisationen, die deutschlandweit und darüber hinaus tätig sind. Dabei wurde in Deutschland ein System der Arbeitsteilung zwischen der außeruniversitären Forschung und den Universitäten aber auch zwischen den Organisationen geschaffen. Die Max-Planck-Gesellschaft verpflichtet sich der Grundlagenforschung. Sie führt 78 Institute in Deutschland und besitzt ein Jahresbudget von 1,3&#160;Milliarden Euro. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist die größte wissenschaftliche Gesellschaft in Deutschland und betreibt 15 sogenannte Großforschungszentren, die fächerübergreifend an wissenschaftlichen Komplexen arbeiten. Die Fraunhofer-Gesellschaft ist die größte Organisation der angewandten Forschung. Sie greift in ihren 56 Instituten Ergebnisse der Grundlagenforschung auf und versucht sie wirtschaftlich zu erschließen. Sie stellt der Wirtschaft die Dienstleistung der Auftragsforschung bereit. Weltweite Bekanntheit erlangte sie durch die Entwicklung des MP3-Audioformats. Sie gehört zu den wichtigsten Patentanmeldern und -besitzern in Deutschland. Die Leibniz-Gemeinschaft ist ein Verbund eigenständiger Forschungseinrichtungen, die sowohl in der Grundlagenforschung als auch in der angewandten Forschung arbeiten.
Europäisches Raumflugkontrollzentrum (ESOC), Kontrollraum der ESA in Darmstadt
Aus Deutschland stammen zahlreiche Forscher aus allen Bereichen der modernen Wissenschaften. Mehr als 100 Nobelpreisträger werden dem Land zugeordnet. Albert Einstein und Max Planck begründeten mit ihren Theorien wichtige Säulen der theoretischen Physik, auf denen beispielsweise Werner Heisenberg und Max Born weiter aufbauen konnten. Wilhelm Conrad Röntgen, der erste Physik-Nobelpreisträger, entdeckte und untersuchte die nach ihm benannte Röntgenstrahlung, die noch heute eine wichtige Rolle unter anderem in der medizinischen Diagnostik und der Werkstoffprüfung spielt. Heinrich Hertz schrieb bedeutende Arbeiten zur elektromagnetischen Strahlung, die für die heutige Telekommunikationstechnik maßgeblich sind. Die Entwicklungen von Nikolaus Otto, Rudolf Diesel, Gottlieb Daimler und Carl Benz haben das Verkehrswesen revolutioniert, die nach ihren Erfindern benannten Bunsenbrenner und Zeppeline sind weltweit ein Begriff. Die deutsche Raumfahrt leistete entscheidende Pionierarbeit im Bereich der Raumfahrt und der Weltraumforschung und besitzt heute mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) eine leistungsfähige Raumfahrtagentur, zudem ist Deutschland das am meisten zur Europäischen Weltraumorganisation (ESA) beitragende Mitgliedsland.[221]
Die chemische Forschung wurde unter anderem von Carl Wilhelm Scheele, Otto Hahn und Justus von Liebig mitgeprägt. Mit ihren erfolgreichen Erfindungen sind Namen wie Johannes Gutenberg, Werner von Siemens, Wernher von Braun, Konrad Zuse und Philipp Reis Bestandteile der technologischen Allgemeinbildung. Auch viele bedeutende Mathematiker wurden in Deutschland geboren, so zum Beispiel Adam Ries, Friedrich Bessel, Richard Dedekind, Carl Friedrich Gauß, David Hilbert, Emmy Noether, Bernhard Riemann, Karl Weierstraß und Johannes Müller (Regiomontanus). Weitere wichtige deutsche Forscher und Wissenschaftler sind der Astronom Johannes Kepler, der Archäologe Heinrich Schliemann, die Biologin Christiane Nüsslein-Volhard, der Universalgelehrte Gottfried Wilhelm Leibniz, der Naturforscher Alexander von Humboldt, der Religionsforscher Max Müller, der Historiker Theodor Mommsen, der Soziologe Max Weber und der Medizinforscher Robert Koch.
Siehe auch: Liste deutscher Erfinder und Entdecker
Medien
→ Hauptartikel: Fernsehen in Deutschland, Liste deutscher Zeitungen&#160;und Liste deutscher Hörfunksender
Die neun Landesrundfunkanstalten der ARD
Deutsche Erfinder und Physiker leisteten einen zentralen Beitrag in der Vorgeschichte des Radios und des Fernsehens. Die Versorgung der Bevölkerung mit Sendungen zu allen Themen erfolgte lange über analog verbreitetes terrestrisches Fernsehen (UHF/VHF), regionale Kabelunternehmen (meist analog) und per Satellit. Seit 2003 erfolgt die Versorgung mit terrestrischem Fernsehen in Ballungsgebieten digital, das heißt über den DVB-T-Standard. Eine komplette Digitalisierung des Fernsehens und des Hörfunks wird umgesetzt. Einige Anbieter bieten ihr Programm auch komplett oder in Teilen über das Internet an, also im Rahmen von (mitunter kostenpflichtigem) IPTV, Streaming bzw. als Internetradio-Angebote.
Deutschland hat ein vom Gesetzgeber gewolltes duales Rundfunksystem, das heißt neben dem gebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunk existieren zahlreiche private Rundfunkanbieter, deren Programme meist werbefinanziert sind.
Beim Fernsehen in Deutschland gibt es neben dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen, dem unter anderem die Sender des ZDF und der ARD wie die global sendende Deutsche Welle angehören, auch privatrechtliche Fernsehanbieter. Zu ihnen gehören unter anderem die ProSiebenSat.1-Gruppe, die RTL Group, die Tele München Gruppe sowie regionale Anbieter. Neben frei empfangbaren Fernsehsendern existieren außerdem digitale Bezahlfernsehangebote von Kabelnetzbetreibern sowie der Bezahlfernsehsender Sky.
Unternehmenssitz von Bertelsmann in Gütersloh
Die Hörfunklandschaft Deutschlands ist stark von Regionalsendern geprägt, die meist nur in einem oder einigen aneinander grenzenden Bundesländern senden. Diese Radioprogramme sind oft öffentlich-rechtlich dominiert und werden von den jeweiligen Landesrundfunkanstalten, wie dem Westdeutschen Rundfunk (WDR) oder dem Bayerischen Rundfunk (BR), aber auch von privaten Radioanbietern ausgestrahlt.
Die deutschsprachige Presselandschaft ist vielfältig und bietet ihr Informationsangebot in gedruckter Form, im Internet und auf mobilen Endgeräten an. Zu den meistgelesenen überregionalen Tageszeitungen gehören die Bild, die Frankfurter Allgemeine Zeitung, Die Welt, die Süddeutsche Zeitung, das Handelsblatt sowie die Wochenzeitung Die Zeit. Charakteristisch für das regionale und lokale Presseangebot ist jedoch der sogenannte Ein-Zeitungs-Kreis, d.&#160;h. in vielen Regionen gibt es nur eine tägliche Lokalzeitung und damit ein Monopol.[222] Nachrichtenmagazine, die wöchentlich erscheinen, sind unter anderem Der Spiegel, der Focus und die Zeitschrift Stern.
Der Nutzung von sozialen Medien, Blogs, Videoportalen, Mediatheken, Streaming-Diensten, Gaming-Plattformen oder der Internet-Enzyklopädie Wikipedia kommt ebenfalls eine bedeutende Rolle zu.[223] Online-Angebote sind insbesondere bei Jugendlichen beliebt.[224]
Zu den größten international tätigen Medienunternehmen mit Sitz in Deutschland gehören der Bertelsmann-Konzern, die Axel Springer SE und die ProSiebenSat.1 Media AG. Die dpa zählt zu den weltweit bedeutendsten Nachrichtenagenturen.Sport
Die deutsche Fußballnationalmannschaft nach ihrem Sieg im Endspiel bei der WM 2014 in Brasilien, der den vierten Weltmeistertitel nach 1954, ’74 und ’90 bedeutete. Fußball ist der populärste Zuschauer- und Vereinssport in Deutschland.
2009/10 waren etwa 27,8&#160;Millionen Deutsche in 91.000 Turn- und Sportvereinen organisiert.[225] Die überwiegende Anzahl der Sportvereine ist im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) zusammengefasst.
Die am häufigsten betriebene Sportart in Deutschland ist Fußball. Rund 6,8&#160;Millionen Mitglieder und ungefähr 172.000 Mannschaften sind im Jahr 2012 im Deutschen Fußball-Bund organisiert,[226] der die Fußball-Weltmeisterschaften 1974 und 2006 ausrichtete und weltweit einer der größten und erfolgreichsten Sportfachverbände ist. Die deutsche Fußballnationalmannschaft wurde 1954, 1974, 1990 und 2014 Fußballweltmeister. Deutschland ist bisher das einzige Land, das im Fußball sowohl bei den Frauen als auch den Männern Europa- und Weltmeister werden konnte. Das größte Stadion, ausgelegt für internationale Begegnungen, ist das Olympiastadion (74.224 Plätze) in Berlin. Der Signal Iduna Park in Dortmund ist für Fußballspiele auf Bundesliga-Ebene mit über 80.500 Plätzen (davon 24.454 Stehplätze) das Stadion mit der größten Zahl genehmigter Zuschauerplätze.
Die Handball-Bundesliga wird oft als die beste Spielklasse der Welt angesehen, die Herren-Nationalmannschaft wurde 2007 zum dritten Mal Weltmeister. Etwa 830.000 aktive Mitglieder gehören rund 4500 Vereinen an (Stand: 2011).[227] Der Dachverband des deutschen Handballs ist der Deutsche Handballbund.
Volleyball und die Variante Beachvolleyball wurden in den 1990ern zum beliebten Breitensport, der Deutsche Volleyball-Verband zählt im Jahr 2012 rund 455.000 Mitglieder.[228]
Dirk Nowitzki
NBA-Meister
Sebastian Vettel
Formel-1-Weltmeister
Basketball und Eishockey werden stetig beliebter und nehmen in Bezug auf Zuschauerzahlen und Medienpräsenz einen höheren Stellenwert ein. Im Basketball ist der Deutsche Dirk Nowitzki, der 2007 zum MVP (wertvollster Spieler) in der nordamerikanischen Profiliga NBA gewählt wurde und 2011 als erster Deutscher mit den Dallas Mavericks den NBA-Titel gewann, einer der besten Spieler der Welt.[229]
Beim Motorsport richtet sich das öffentliche Interesse besonders auf die Formel&#160;1 und die DTM, in denen deutsche Fahrer und Konstrukteure Spitzenerfolge erzielen konnten. Michael Schumacher ist mit sieben Weltmeistertiteln der bisher erfolgreichste Formel-1-Fahrer und Sebastian Vettel der bisher jüngste Weltmeister in der Formel-1-Geschichte. Im Rallyesport gelangte Weltmeister Walter Röhrl zu Weltruhm. Das renommierte 24-Stunden-Rennen von Le Mans wurde bereits vielfach von den Konstrukteuren Porsche und Audi gewonnen, das Audi Sport Team Joest ist seit 2011 Titelträger. Der Motorradsport, in dem sich das Hauptaugenmerk auf die Straßen-WM bzw. MotoGP richtet, hat deutsche Weltmeister wie Anton Mang, Dirk Raudies, Stefan Bradl und Sandro Cortese hervorgebracht.
Auch im Boxen kann Deutschland auf Erfolge zurückblicken. Zu den herausragenden Boxern gehören Max Schmeling, Henry Maske, Felix Sturm, Robert Stieglitz, Sebastian Sylvester, Jürgen Brähmer, Regina Halmich und die Kickboxerin Christine Theiss. Die ukrainischen Klitschko-Brüder sowie die armenischstämmigen Arthur Abraham und Susianna Kentikian wurden mehrfache Weltmeister in ihren Gewichtsklassen und durchlebten ihre Profikarrieren vollständig in deutschen Boxställen.
Biathletin Magdalena Neuner
Wintersport hat eine lange Tradition in Deutschland. Im Bobsport, Rennrodeln, Biathlon, Langlauf und Eisschnelllauf konnten deutsche Sportler regelmäßig Medaillen bei Welt- und Europameisterschaften sowie bei den Olympischen Spielen gewinnen. Weitere populäre Wintersportarten sind das Skispringen, mit Sven Hannawald und Jens Weißflog als besonders erfolgreichen Sportlern, sowie verschiedene alpine Skisportarten. Katarina Witt zählt mit zwei Olympiasiegen im Eiskunstlauf zu den größten Sportlern ihrer Disziplin.
Das Deutsche Reich war Austragungsort der Olympischen Sommerspiele 1936 in Berlin und der Olympischen Winterspiele im Jahr 1936 in Garmisch-Partenkirchen, die Bundesrepublik Deutschland ebenso für die Sommerspiele 1972. Des Weiteren bewarb sich Berlin erfolglos für Olympische Sommerspiele 2000. Im ewigen Medaillenspiegel der Olympischen Spiele nimmt Deutschland mit 400 Goldmedaillen den dritten Platz ein.[230]
Die Beliebtheit des Radsports hing in der Vergangenheit in starkem Maße von den aktuellen Erfolgen deutscher Fahrer ab. Rudi Altig (in den 1960er-Jahren) und Jan Ullrich gehörten zu den erfolgreichsten Radsportlern ihrer Zeit. Im Hallenradsport ist Deutschland die führende Nation gemessen an der Anzahl gewonnener Weltmeistertitel. Mit über 70&#160;Prozent der gewonnenen WM-Titel ist Deutschland – die DDR eingeschlossen – führend in den Disziplinen Radball und Kunstradfahren.
Im Hockey wurde Deutschlands Herrenmannschaft 2002 und 2006 Weltmeister sowie 1972, 1992, 2008 und 2012 Olympiasieger. Die Damen wurden 2004 Olympiasieger und 1976 und 1981 Weltmeister. Beide Mannschaften sind führend im Hallenhockey. Tennis erlebte in den 1980er- und 1990er-Jahren durch die Erfolge der deutschen Sportler Boris Becker, Steffi Graf und Michael Stich eine seitdem nicht wieder erreichte Popularität.
Zu den ältesten Sportarten zählt das Sportschießen. Der Deutsche Schützenbund hat etwa 1,4&#160;Millionen Mitglieder. Insgesamt gibt es deutschlandweit rund sechs&#160;Millionen Sportschützen.[231] Große Erfolge konnten deutsche Sportler auch in weiteren Sportarten wie Fechten, Reiten, Ringen, Rudern, Kanusport, der Leichtathletik und im Schwimmsport erreichen. Im Tischtennis zählt Timo Boll, im Golf Martin Kaymer und Bernhard Langer zu den besten Spielern der Welt. Der Deutsche Golf-Verband zählt mit 635.000 Golfspielern im Jahr 2014 zu den zehn größten Verbänden des deutschen Sports.[232]
Siehe auch
&#160;Portal: Deutschland – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema DeutschlandWir sind das Volk, Wir sind ein Volk
BRD
Nationale Symbole für DeutschlandGesprochene Version
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LiteraturMargarete Graf: Schnellkurs Deutschland. DuMont, Köln 2007, ISBN 978-3-8321-7760-7.
Neil MacGregor: Deutschland. Erinnerungen einer Nation. C.H. Beck, München 2015, ISBN 978-3-406-67920-9.
Axel Schildt, Detlef Siegfried: Deutsche Kulturgeschichte: Die Bundesrepublik von 1945 bis zur Gegenwart. Carl Hanser Verlag, München 2009, ISBN 978-3-446-23414-7.
Enzyklopädie deutscher Geschichte. Hrsg. von Lothar Gall. In Verbindung mit Peter Blickle, Elisabeth Fehrenbach, Johannes Fried, Klaus Hildebrand, Karl Heinrich Kaufhold, Horst Möller, Otto Gerhard Oexle, Klaus Tenfelde. R. Oldenbourg Verlag, München 1988&#160;ff.Weblinks
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&#160;Wikimedia-Atlas: Deutschland&#160;– geographische und historische Karten
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bundesrepublik.org&#160;– Deutschland von Bürger zu Bürger
destatis.de&#160;– Zahlen, Daten, Fakten über Deutschland vom Statistischen Bundesamt
Deutschland in Karten&#160;und&#160;Nationalatlas aktuell&#160;– Überblick über die gesellschaftliche Situation, Leibniz-Institut für Länderkunde (IfL)
Datenbank inhaltlich erschlossener Literatur zur gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Situation in/im Deutschland
CIA World Factbook: Deutschland (englisch) – Dossier des CIA über Deutschland
Handbuch Tatsachen über Deutschland – aktuelle Informationen über DeutschlandLinkkatalog zum Thema Deutschland bei DMOZ
Geschichte der Bundesrepublik Deutschland auf dem Informationsportal zur politischen Bildung
Goethe-Institut – Artikelsammlung zur Gesellschaft in DeutschlandAnmerkungen↑ §&#160;23 Absatz&#160;1 Verwaltungsverfahrensgesetz (Bund).
Die Frage, ob unter deutsch rechtlich ausschließlich die hochdeutsche oder auch die niederdeutsche Sprache subsumiert wird, wird juristisch uneinheitlich beantwortet: Während der BGH in einer Entscheidung zu Gebrauchsmustereinreichung beim Deutschen Patent- und Markenamt in plattdeutscher Sprache das Niederdeutsche einer Fremdsprache gleichstellt („Niederdeutsche (plattdeutsche) Anmeldeunterlagen sind im Sinn des §&#160;4a Abs.&#160;1 Satz&#160;1 GebrMG nicht in deutscher Sprache abgefaßt.“ – BGH-Beschluss vom 19.&#160;November 2002, Az. X ZB 23/01), ist nach dem Kommentar von Foerster/Friedersen/Rohde zu §&#160;82a des Landesverwaltungsgesetzes Schleswig-Holstein unter Verweis auf Entscheidungen höherer Gerichte zu §&#160;184 des Gerichtsverfassungsgesetzes seit 1927 (OLG Oldenburg, 10.&#160;Oktober 1927 – K 48, HRR 1928, 392) unter dem Begriff deutsche Sprache sowohl Hochdeutsch wie auch Niederdeutsch zu verstehen.
↑ Statistische Ämter des Bundes und der Länder: Gebiet und Bevölkerung – Fläche und Bevölkerung, Stand: 31.&#160;Dezember 2013. Abgerufen am 12.&#160;November 2014.
↑ a b Bevölkerung: Deutschland, Stichtag zum Quartalsende, Geschlecht. Statistisches Bundesamt, 7.&#160;Dezember 2015, abgerufen am 7.&#160;Dezember 2015.&#160; Dazu: Bevölkerung auf Grundlage des Zensus 2011, ebda.
↑ GENESIS-Online Datenbank; Bevölkerungsdichte ungerundet: 81.292.428 Einwohner/357.340,08&#160;km² = 227,493 Einwohner pro km². Berechnet am 7.&#160;Dezember 2015.
↑ Bevölkerungsstand – Veränderung zum Vorjahr. Statistisches Bundesamt, 24.&#160;September 2015, abgerufen am 24.&#160;September 2015.&#160;
↑ a b c d Internationaler Währungsfonds: World Economic Outlook Database, Stand: Oktober 2014. Abgerufen am 16. Dezember 2014.
↑ Human Development Report Office: Germany – Country Profile: Human Development Indicators. Abgerufen am 26.&#160;Januar 2015.
↑ Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zum Grundlagenvertrag (Urteil vom 31.&#160;Juli 1973, Absatz-Nr. 54 – 2 BvF 1/73 – BVerfGE 36, S.&#160;1&#160;ff.: „[…] Mit der Errichtung der Bundesrepublik Deutschland wurde nicht ein neuer westdeutscher Staat gegründet, sondern ein Teil Deutschlands neu organisiert. […]“)
↑ Bundeszentrale für politische Bildung: Grundlagen. Abgerufen am 7.&#160;Mai 2013.
↑ Zum ordnungspolitischen Nationalstaatsbegriff siehe statt aller mit weiteren Nachweisen Hans F. Zacher, Sozialer Einschluß und Ausschluß im Zeichen von Nationalisierung und Internationalisierung, in: Hans Günter Hockerts (Hrsg.): Koordinaten deutscher Geschichte in der Epoche des Ost-West-Konflikts, Oldenbourg, München 2004 (Schriften des Historischen Kollegs: Kolloquien; 55), ISBN 3-486-56768-3, S. 103–152, hier S. 105&#160;f., 141: Die Konstituierung der Bundesrepublik Deutschland als Nationalstaat, aber „nur unter Inkaufnahme von Widersprüchen“, sowie der Charakter des vereinigten Deutschland als Nationalstaat.
↑ UN Department of Economic and Social Affairs: International Migration Report 2013 (PDF; 428&#160;kB), Stand: 2013. Abgerufen am 10.&#160;Dezember 2015.
↑ Steffen Alisch, Die DDR von Stalin bis Gorbatschow: der sowjetisierte deutsche Teilstaat 1949 bis 1990, in: Hans-Peter Schwarz (Hg.), Die Bundesrepublik Deutschland. Eine Bilanz nach 60 Jahren. Böhlau, Köln 2008, S. 135&#160;ff.
↑ Hans Kundnani: Germany as a Geo-economic Power (PDF; 267&#160;kB), Center for Strategic and International Studies, 2011. Abgerufen am 20.&#160;Juni 2013.
↑ a b Statistisches Bundesamt: Top 20 Exportländer 2014; vgl. dazu Außenhandel, Stand 2015. Abgerufen am 27. August 2015.
↑ a b Vgl. Bericht über die menschliche Entwicklung 2013. Hrsg. Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP), S. 238&#160;ff., abgerufen am 2.&#160;April 2013 (PDF; 6,2&#160;MB).&#160;
↑ Wilhelm Schmidt, Geschichte der deutschen Sprache. Ein Lehrbuch für das germanistische Studium. 7., verbesserte Aufl., Stuttgart/Leipzig 1996, S.&#160;80&#160;f.
↑ In der Frankfurter Übersetzung der Goldenen Bulle (um 1365) heißt es Dutschelant.
↑ Wolfenbütteler Digitale Bibliothek: Johann von Cube, Basel 1487, S.&#160;6 (zweite Sp., unterer Bereich). Abgerufen am 7.&#160;Januar 2013.
↑ Bardo Fassbender: Auswärtige Zuständigkeiten bundesstaatlicher Gliedstaaten: Die Entstehung des Prinzips der dynamischen Verweisung im Zeitalter der Gründung des Deutschen Reiches (1866–1871), JöR, N.F. Bd. 53 (2005), S. 207, hier S. 270&#160;f.
↑ „Mit dem Wort Deutschland geben wir dem Ganzen ein gewisses Pathos…“, zit. nach Theodor Heuss, späterer Bundespräsident, in den Beratungen des Parlamentarischen Rates, 1948.
↑ Helmut Berschin, Deutschlandbegriff im sprachlichen Wandel, in: Werner Weidenfeld/Karl-Rudolf Korte (Hrsg.): Handbuch zur deutschen Einheit 1949–1989–1999, Campus Verlag, Frankfurt a.M./New York 1999, S.&#160;217–225, hier S. 220.
↑ Heinrich August Winkler: Die deutsche Frage ist gelöst, die europäische Frage ist offen. 60 Jahre Bundesrepublik: Rückblick und Ausblick, in: GWU 60, 2009, Heft 9, S. 490–494. Vgl. zur offiziellen Kurzform der amtlichen Staatsbezeichnung die Mitteilung der Bundesregierung an den Generalsekretär der Vereinten Nationen vom 3.&#160;Oktober 1990, dass die Bundesrepublik Deutschland ab diesem Zeitpunkt im Rahmen der UN unter dem Namen ‚Deutschland‘ auftreten werde (s. hierzu Multilateral Treaties Deposited with the Secretary General 1996, S.&#160;9 Anm.&#160;13).
↑ Christoph Möllers bezeichnet die völkerrechtliche Identität seit 1866/1867 als „mittlerweile allgemeine Ansicht“ (Staat als Argument, München 2000, S.&#160;163).
↑ Klimadaten: Gebietsmittelwerte von Deutschland. Abgerufen am 7. Januar 2013.
↑ Wetterrekorde Deutschland, wetterdienst.de, abgerufen am 23. November 2015.
↑ Bundesamt für Naturschutz (Hrsg.): Artenschutzreport 2015 – Tiere und Pflanzen in Deutschland, S. 13.
↑ Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (Hrsg.): Der Wald in Deutschland – Ausgewählte Ergebnisse der dritten Bundeswaldinventur.
↑ Statistisches Bundesamt. Abgerufen am 17. Dezember 2015.
↑ Bundesamt für Naturschutz (Hrsg.): Artenschutzreport 2015 – Tiere und Pflanzen in Deutschland, S. 13&#160;f.
↑ Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden Baden-Württembergs 2014 (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen)&#160;(Hilfe dazu).
↑ Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom Oktober 2015 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011)&#160;(Hilfe dazu).
↑ Stand vom 31.&#160;Dezember&#160;2014, Fortgeschriebene Bevölkerungszahlen vom 31.&#160;Dezember&#160;2014 des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg, abgerufen am 26.&#160;September&#160;2015 (PDF-Datei)&#160;(Hilfe dazu).
↑ Bevölkerung im Land Brandenburg nach amtsfreien Gemeinden, Ämtern und Gemeinden 31. Dezember 2014 (XLS-Datei; 83 KB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen)&#160;(Hilfe dazu).
↑ konkludent durch die Ernennung der bisherigen Stadtregierung der Stadt Bremen zur neuen Landesregierung bei Wiedergründung des Landes aus der Stadt Bremen, dem Landgebiet Bremen (heute auch Teil der Stadt Bremen), dem Stadtkreis Wesermünde samt der Stadt Bremerhaven (heute komplett Bremerhaven) am 21.&#160;Januar 1947 (rückwirkend zum 1.&#160;Januar) durch Proklamation Nr.&#160;3 der US-amerikanischen Militärregierung; de facto als Regierungssitz (Senat) (siehe Rathaus Bremen: Senatskanzlei) und Sitz des Parlaments (siehe Bremische Bürgerschaft) sowie anderer oberster Landesorgane
↑ Bevölkerungsstand und Bevölkerungsbewegung am 31.12.2013. Statistisches Landesamt Bremen, abgerufen am 16.&#160;September 2014.&#160;&#160;(Hilfe dazu)
↑ Amtliche Bevölkerungszahl von Hamburg am 31. Dezember 2012 (PDF; 293&#160;kB)
↑ durch Organisationsverfügung Nr.&#160;1 der US-amerikanischen Militärregierung vom 12.&#160;Oktober 1945
↑ Bevölkerung der hessischen Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011)&#160;(Hilfe dazu).
↑ Statistisches Landesamt M-V – Bevölkerungsentwicklung der Kreise und Gemeinden 2014 (XLS-Datei) (Einwohnerzahlen in Fortschreibung des Zensus 2011)&#160;(Hilfe dazu).
↑ Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, 100 Bevölkerungsfortschreibung – Basis Zensus 2011, Stand 31. Dezember 2014&#160;(Hilfe dazu).
↑ durch ein Memorandum der britischen Militärregierung vom 1.&#160;August 1946, wenige Tage vor der Verordnung Nr.&#160;46 zur Verschmelzung der Provinzen Nordrhein und Westfalen vom 23.&#160;August 1946 zum neuen Land Nordrhein-Westfalen (siehe Landeshauptstadt Düsseldorf: Geburt und Heranwachsen einer Landeshauptstadt; Kurt Düwell: „Operation Marriage“ – Die britische Geburtshilfe bei der Gründung Nordrhein-Westfalens, Redemanuskript, Düsseldorf 2006, S.&#160;1 (PDF; 91&#160;kB))
↑ Amtliche Bevölkerungszahlen auf Basis des Zensus vom 9. Mai 2011. Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW), abgerufen am 23.&#160;September 2015.&#160;&#160;(Hilfe dazu)
↑ durch Entscheidung des Landtages vom 16.&#160;Mai 1950
↑ Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Anzahl der Einwohner in den Kommunen am 31. Dezember 2014; (Hilfe dazu).
↑ Saarland.de – Amtliche Einwohnerzahlen Stand 31.12.2014 (PDF; 0,03 MB)&#160;(Hilfe dazu).
↑ Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2014 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011)&#160;(Hilfe dazu).
↑ Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, Bevölkerung der Gemeinden – Stand: 31. Dezember 2014 (PDF) (Fortschreibung)&#160;(Hilfe dazu).
↑ durch Verordnung Nr.&#160;46 der britischen Militärregierung vom 16.&#160;August 1946 (Kieler Erinnerungstag: 23.&#160;August 1946)
↑ Statistikamt Nord – Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein 4. Quartal 2014 (XLSX-Datei) (Fortschreibung auf Basis des Zensus 2011)&#160;(Hilfe dazu).
↑ nach Artikel 44 III der Verfassung des Freistaats Thüringen
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↑ &#160;Uwe Schünemann: Denkfabrik: Zuwanderung darf Sozialsysteme nicht belasten. In: Wirtschaftswoche. 16.&#160;Oktober 2010 („Zwischen 1971 und 2000 ist die Zahl der Ausländer in Deutschland von drei Millionen auf ca. 7,5 Millionen gestiegen. Die Zahl der erwerbstätigen Ausländer blieb aber bei etwa zwei Millionen stehen. Im Jahr des Anwerbestopps 1973 waren 65 Prozent der Ausländer sozialversicherungspflichtig beschäftigt, ein Jahrzehnt später waren es nur noch 38 Prozent. Ein Großteil der Zuwanderung nach Deutschland erfolgte seit dem Anwerbestopp – meist über die Familienzusammenführung oder ungeregelt – zulasten der Sozialsysteme.“).
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↑ Es beherrschen Niederdeutsch gut bis sehr gut: 27&#160;Prozent der Bevölkerung Schleswig-Holsteins, 23&#160;Prozent der Mecklenburg-Vorpommerns, 14&#160;Prozent der Niedersachsens, 10&#160;Prozent der Nordrhein-Westfalens und je 5&#160;Prozent der Brandenburgs und Sachsen-Anhalts, zusammen ca. 4&#160;Millionen – nicht inbegriffen sind Hamburg und Bremen sowie die rund 200.000 Sprecher des Plautdietschen, die überwiegend außerhalb der Erhebungsgebiete wohnen. Vorlesung „Niederdeutsch in Geschichte und Gegenwart“ – Niederdeutsch heute: Eine Bestandsaufnahme (Frerk Möller: Plattdeutsch im 21.&#160;Jahrhundert. Bestandsaufnahme und Perspektiven. Leer 2008 (PDF; 1,9&#160;MB), S. 22&#160;f.). Abgerufen am 6. Januar 2013.
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↑ Englisch muss unsere Verwaltungssprache werden, Die Welt vom 15. Dezember 2014.
↑ Stefano Testa Bappenheim, Die Haftpflicht und die religiösen Institute in Deutschland, Lit Verlag, Münster 2006, S.&#160;31.
↑ Vgl. dazu Karl-Hermann Kästner, Die Entwicklung des Staatskirchenrechts seit 1961, in: Jahrbuch des öffentlichen Rechts der Gegenwart, hrsg. von Gerhard Leibholz. Neue Folge Bd. 27, Mohr Siebeck, Tübingen 1978, S.&#160;280&#160;f.; Götz Klostermann, Der Öffentlichkeitsauftrag der Kirchen – Rechtsgrundlagen im kirchlichen und staatlichen Recht (=&#160;Jus Ecclesiasticum; Bd. 64), Mohr Siebeck, Tübingen 2000, S.&#160;11&#160;ff., 79; Michael Meyer-Blanck, Birgit Weyel, Studien- und Arbeitsbuch Praktische Theologie, Vandenhoeck &amp; Ruprecht, Göttingen 2008, S.&#160;204.
↑ a b c d Daten von REMID
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↑ Werner Weidenfeld, Karl-Rudolf Korte (Hrsg.): Handbuch zur deutschen Einheit 1949–1989–1999. Aktualisierte Neuausgabe, Campus Verlag, Frankfurt a.M. 1999, ISBN 3-593-36240-6, S. 86&#160;f.
↑ Walter Pohl: Die Germanen (Enzyklopädie deutscher Geschichte, Band 57). 2. Aufl., München 2004, S. 3&#160;ff.
↑ Walter Pohl: Die Germanen. Enzyklopädie deutscher Geschichte, Bd. 57, 2. Aufl. 2004, S. 3&#160;f. und 10.
↑ Ernst Baltrusch (Hrsg.): 2000 Jahre Varusschlacht. Geschichte – Archäologie – Legenden. Berlin [u.&#160;a.] 2012; Reinhard Wolters: Die Schlacht im Teutoburger Wald. Arminius, Varus und das römische Germanien. München 2008.
↑ Zur Einordnung der ottonischen Geschichte allgemein Hagen Keller, Gerd Althoff: Die Zeit der späten Karolinger und der Ottonen. Stuttgart 2008, S. 18&#160;ff.
↑ Zu den unterschiedlichen Forschungsansätzen siehe Joachim Ehlers, Die Entstehung des Deutschen Reiches. 4. Aufl., München 2012; vgl. allgemein auch Johannes Fried, Der Weg in die Geschichte. Berlin 1994, speziell S. 9&#160;ff. und 853&#160;ff. Grundlegend ist Carlrichard Brühl, Deutschland – Frankreich. Die Geburt zweier Völker. 2. Aufl., Köln/Wien 1995.
↑ Vgl. Carlrichard Brühl: Die Geburt zweier Völker. Köln [u.&#160;a.] 2001, S. 69&#160;ff.; Carlrichard Brühl, Deutschland – Frankreich. Die Geburt zweier Völker. 2. Aufl., Köln/Wien 1995, S. 205&#160;ff.
↑ Vgl. Joachim Ehlers: Die Entstehung des Deutschen Reiches. 4. Aufl., München 2012, S. 46–48.
↑ Bernd Schneidmüller: Konsensuale Herrschaft. Ein Essay über Formen und Konzepte politischer Ordnung im Mittelalter. In: Paul-Joachim Heinig (Hrsg.): Reich, Regionen und Europa in Mittelalter und Neuzeit. Festschrift für Peter Moraw. Berlin 2000, S. 53–87.
↑ Bernd Schneidmüller: Konsens – Territorialisierung – Eigennutz. Vom Umgang mit spätmittelalterlicher Geschichte. In: Frühmittelalterliche Studien 39, 2005, S. 225–246.
↑ Zur politischen Geschichte siehe ausführlich Heinz Thomas: Deutsche Geschichte des Spätmittelalters. Stuttgart 1983.
↑ Alfred Kohler: Karl V. 1500–1558. Eine Biographie. München 1999.
↑ William W. Hagen: Deutsche Geschichte in Dokumenten und Bildern, Band 2: Vom Absolutismus bis Napoleon, 1648–1815. PDF, S. 5, abgerufen im Portal germanhistorydocs.ghi-dc.org am 11. Januar 2014.
↑ Heinrich August Winkler: Der lange Weg nach Westen. Deutsche Geschichte vom Ende des Alten Reiches bis zum Untergang der Weimarer Republik. C.H. Beck, München 2000, ISBN 978-3-406-46001-2, S.&#160;49.
↑ Heinrich August Winkler: Der lange Weg nach Westen. Deutsche Geschichte vom Ende des Alten Reiches bis zum Untergang der Weimarer Republik. München 2000, S.&#160;51&#160;ff.
↑ Thomas Nipperdey: Deutsche Geschichte 1800–1866. Bürgerwelt und starker Staat. München 1983, S.&#160;24&#160;f.
↑ Gleiches aktives und passives Wahlrecht, unabhängig vom Einkommen, galt hinfort nicht nur bei den Wahlen zum Deutschen Reichstag, sondern auch zum Parlament im Land Preußen, wo zuvor ein Dreiklassenwahlrecht, und dies nur für Männer, gegolten hatte.
↑ Zu diesem Stichtag sowie den damit verbundenen völkerrechtlichen Konsequenzen siehe Daniel-Erasmus Khan, Die deutschen Staatsgrenzen. Rechtshistorische Grundlagen und offene Rechtsfragen. Mohr Siebeck, Tübingen 2004, Teil II Kap. III (Fn 26&#160;f.), S.&#160;98–101.
↑ Feststellung seitens der Regierungen des Vereinigten Königreichs, der Vereinigten Staaten von Amerika und der Union der Sozialistischen Sowjet-Republiken sowie der Provisorischen Regierung der Französischen Republik über die Besatzungszonen in Deutschland vom 5. Juni 1945, in: documentArchiv.de
↑ Frankreich stellte 1945 noch keine anerkannte Siegermacht dar, sondern stand vor der Herausforderung, seinen Anspruch auf einen Großmachtstatus fortzuführen (so Jörn Leonhard, in: ders., Rolf G. Renner [Hrsg.]: Koloniale Vergangenheiten – (post-)imperiale Gegenwart, Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2010, S. 102 f.).
↑ Feststellung seitens der Regierungen des Vereinigten Königreichs, der Vereinigten Staaten von Amerika und der Union der Sozialistischen Sowjet-Republiken sowie der Provisorischen Regierung der Französischen Republik über das Kontrollverfahren in Deutschland vom 5. Juni 1945, in: documentArchiv.de
↑ Vgl. dazu Kay Hailbronner, in: Graf Vitzthum (Hrsg.), Völkerrecht, 4.&#160;Aufl. 2007, 3.&#160;Abschn., Rn 196.
↑ Zum Anspruch der DDR vgl. Uwe Andersen, Wichard Woyke (Hrsg.): Handwörterbuch des politischen Systems der Bundesrepublik Deutschland. 5. Auflage, Leske + Budrich, Opladen 2003, ISBN 3-8100-3865-2, S. 127.
↑ Vgl. Andreas Zimmermann, Staatennachfolge in völkerrechtliche Verträge, S.&#160;49.
↑ Vgl. hierzu Ute Röding-Lange: Bezeichnungen für ‘Deutschland’ in der Zeit der „Wende“, Königshausen &amp; Neumann, 1997, S. 76, 79&#160;f.; Wolf D. Gruner, Die deutsche Frage als Thema der europäischen Politik im 19. und 20. Jahrhundert, in: Jürgen Elvert, Friederike Krüger (Hg.): Deutschland 1949–1989. Von der Zweistaatlichkeit zur Einheit (HMRG, Beiheft 49), Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2003, S. 17–55, hier S. 19; Ulrich Ammon: Die deutsche Sprache in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Das Problem der nationalen Varietäten, de Gruyter, Berlin/New York 1995, S. 319.
↑ Im damaligen Sinne eines „Durchgangsstadium[s] für einen künftigen, wieder gesamtdeutschen Staat“, vgl. Klaus Hornung, Von der Bonner zur Berliner Republik (PDF; 33&#160;kB) und Uwe Andersen/Wichard Woyke (Hg.), Handwörterbuch des politischen Systems der Bundesrepublik Deutschland, 5., aktual. Aufl., Leske + Budrich, Opladen 2003 (Bundeszentrale für politische Bildung, 2003).
↑ Erlass des Staatsrates der DDR vom 7.&#160;September 1961 (GBl. SDr. 341, S.&#160;3)
↑ Werner Abelshauser: Deutsche Wirtschaftsgeschichte seit 1945. C.H. Beck, München 2004, Kapitel „Die Reparationsfrage“, S. 75–84.
↑ Artikel 23 Satz 2 GG a.F.
↑ Bundesministerium der Justiz: Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik über die Herstellung der Einheit Deutschlands – Einigungsvertrag – vom 31. August 1990 (BGBl. 1990 II S.&#160;889). Abgerufen am 7. Januar 2013.
↑ Vgl. das Schreiben des deutschen Vertreters bei den UN vom 17.&#160;Dezember 1990 an den UN-Generalsekretär: „As a consequence of the accession of the German Democratic Republic to the Federal Republic of Germany, the former German Democratic Republic has ceased to exist as of October 3rd 1990, whereas the Federal Republic of Germany continues to exist as an identical subject of international law …“; ZaöRV 53 (1993), S.&#160;1095.
↑ Günther Heydemann: Zwischen Konsens, Krise und Konflikt. Der 11. September 2001 und seine Auswirkungen auf die deutsch-amerikanischen Beziehungen. In: Klaus Hildebrand, Udo Wengst, Andreas Wirsching (Hrsg.): Geschichtswissenschaft und Zeiterkenntnis. Von der Aufklärung bis zur Gegenwart. Festschrift für Horst Möller. Oldenbourg, München 2008, S. 437–452, hier S. 439. Abgerufen am 7. Januar 2013.
↑ Bundesverfassungsgericht: Urteil des BVerfG, Az. 2 BvE 1/03. Abgerufen am 7. Januar 2013.
↑ Bundestagswahl: FDP macht Merkel zur Kanzlerin von Schwarz-Gelb, t-online.de vom 27.&#160;September 2009. Abgerufen am 7.&#160;Januar 2013.
↑ Regierungserklärung von Kanzlerin Merkel zu den politischen Hauptprojekten, tagesschau.de, 29. Januar 2014.
↑ Weg für ESM-Rettungsschirm endgültig frei, Meldung vom 27. September 2012 auf Welt Online. Abgerufen am 7. Januar 2013.
↑ Wie zufrieden sind Sie mit der Arbeit der Bundesregierung?, Statista-Befragung, abgerufen am 30. November 2015.
↑ Dieter Hesselberger, Das Grundgesetz. Kommentar für die politische Bildung, 9.&#160;Auflage, Hermann Luchterhand Verlag, Neuwied 1995, S.&#160;50.
↑ Herdegen, §&#160;8, Rn&#160;30 (Abschnitt „Bundesstaat“): „Die Gliedstaaten verfügen&#160;– nur&#160;– insoweit über eine (partielle und abgeleitete) Völkerrechtssubjektivität, als ihnen durch die Bundesverfassung Kompetenzen in auswärtigen Angelegenheiten eingeräumt werden.“
Ipsen, §&#160;5, Rn 21 (Abschnitt „Gliedstaaten von Bundesstaaten und Staatenbund“): „Ihre Völkerrechtssubjektivität [also die der Gliedstaaten in einem Bundesstaat] unterscheidet sich vielmehr von der des Bundes dadurch, dass sie von der Völkerrechtssubjektivität des jeweiligen Bundesstaates abgeleitet [=&#160;derivativ] und nicht originär ist.“
↑ Vgl. Dieter Hesselberger, Das Grundgesetz, 13.&#160;Aufl., Art.&#160;20, Rn&#160;1, 7; Avenarius, Die Rechtsordnung, 3.&#160;Aufl., S.&#160;23&#160;f.
↑ Christian Schramek, Politische Führung in supranationalen Mehrebenensystemen: die Europäische Union, in: Martin Sebaldt, Henrik Gast (Hrsg.): Politische Führung in westlichen Regierungssystemen. Theorie und Praxis im internationalen Vergleich, VS Verlag, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-531-17068-8, S.&#160;307; vgl. dazu Henrik Gast, Politische Führung in der Kanzlerdemokratie: die Bundesrepublik Deutschland, ebd., S.&#160;95&#160;f.
↑ Bundesregierung: Deutscher Staatshaushalt 2013 ausgeglichen, veröffentlicht am 25.&#160;Februar 2014. Abgerufen am 16.&#160;Mai 2014.
↑ Statistisches Bundesamt: Staat erzielte im Jahr 2014 Überschuss von 18 Milliarden Euro Pressemitteilung Nr. 062 vom 24. Februar 2015, abgerufen am 24. Februar 2015.
↑ tz.de: Deutsche Wirtschaft 2014 um 1,6 Prozent gewachsen, abgerufen am 24. Februar 2015.
↑ Staat macht im ersten Halbjahr 21,1 Milliarden Euro Plus, Welt Online, 25.&#160;August 2015. Abgerufen am 25.&#160;August 2015.
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↑ Dazu Daniel-Erasmus Khan, Die deutschen Staatsgrenzen, Tübingen 2004, S. 583&#160;f.
↑ Daniel-Erasmus Khan, Die deutschen Staatsgrenzen, Tübingen 2004, S. 437.
↑ Für diesen Bereich haben die Länder durch Verwaltungsabkommen und Staatsverträge Verwaltungs- und Gerichtszuständigkeiten geregelt, die Gebietshoheit ist damit aber nicht geklärt.
Beispiele für solche Verträge sind das (Verwaltungs-)Abkommen über die wasserschutzpolizeilichen Zuständigkeiten auf der Elbe zwischen den Ländern Niedersachsen, Schleswig-Holstein und der Freien und Hansestadt Hamburg von 1974, der Staatsvertrag zwischen der Freien Hansestadt Bremen, der Freien und Hansestadt Hamburg sowie den Ländern Niedersachsen und Schleswig-Holstein über die gerichtliche Zuständigkeit in Binnenschiffahrtssachen von 1983 oder der Staatsvertrag zwischen der Freien und Hansestadt Hamburg und den Ländern Niedersachsen und Schleswig-Holstein über die Regelung der Gerichtszugehörigkeit des Küstengewässers der Nordsee und der Elbmündung von 2001. Zu den rechtlichen und geschichtlichen Aspekten siehe Rainer Lagoni: Ländergrenzen in der Elbemündung und der Deutschen Bucht, Berlin 1982, ISBN 3-428-05240-4.
↑ Traditionsverständnis der Bundeswehr, Presse- und Informationsstab BMVg, abgerufen am 30. Juli 2014.
↑ Informationen zur Funktion der Bundeswehr als Parlamentsarmee auf mitmischen.de, abgerufen am 18. September 2014.
↑ FAZ-Bericht über Erhöhung des Etats, 17. März 2015.
↑ Thorsten Jungholt: Wo sind die Nachtsichtbrillen? – Bundeswehr: Wehrbeauftragter Bartels fordert Milliarden-Investitionen, Welt Online, 21. Mai 2015. Abgerufen am 9.&#160;Juni 2015.
↑ Bundeswehr rüstet sich mit mehr Kampfpanzern aus, Artikel auf Spiegel Online vom 10. April 2015.
↑ Hans Ehlert: Anfänge westdeutscher Sicherheitspolitik: 1945–1956, Bd.&#160;3. Die NATO-Option, hrsg. vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt, Oldenbourg, München 1993, ISBN 3-486-51691-4, S.&#160;826&#160;ff.
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↑ USA haben Nuklear-Arsenal in Ramstein geräumt, Spiegel Online, 9.&#160;Juli 2007. Abgerufen am 6.&#160;Januar 2013.
↑ Näheres siehe Welthandel/Tabellen und Grafiken.
↑ Zahl der Erwerbstätigen erreicht neuen Höchststand, Welt Online, 6.&#160;Januar 2015. Abgerufen am 1. Februar 2015.
↑ So wenig Erwerbslose wie seit der Wiedervereinigung nicht, Der Tagesspiegel vom 7. Januar 2013.
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↑ Gestiegene Vermögensungleichheit in Deutschland, Wochenbericht des DIW Berlin Nr. 4/2009 (PDF; 276&#160;kB), S.&#160;59. Abgerufen am 7. Januar 2013.
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↑ Deutscher Golf VerbandDeutsche StaatssystemeStaatsbezeichnung:
Vor der Reichsgründung: Norddeutscher Bund Flagge des Norddeutschen Bundes
Deutsches Reich: Deutsches Kaiserreich Flagge des Deutschen Kaiserreichs&#160;| Weimarer Republik Flagge der Weimarer Republik&#160;| Nationalsozialistisches Deutschland Flagge des Deutschen Reiches von 1935 bis 1945&#160;| Alliierte Verwaltung Erkennungsflagge für deutsche Handelsschiffe in den Jahren 1946 bis 1950
Während der deutschen Teilung (1949–1990): Bundesrepublik Deutschland Bundesdienstflagge&#160;| Deutsche Demokratische Republik Flagge der DDR
Seit 1990: Bundesrepublik Deutschland Flagge Deutschlands
Direkte Demokratie in DeutschlandPolitische Instrumente:&#160; Volksabstimmung&#160;| Volksinitiative&#160;| Antrag auf ein Volksbegehren&#160;| Volksbegehren&#160;| Volksentscheid&#160;| Einwohnerantrag&#160;| Bürgerbegehren&#160;| Bürgerentscheid
Landesregelungen:&#160; Baden-Württemberg&#160;| Bayern&#160;| Berlin&#160;| Brandenburg&#160;| Bremen&#160;| Hamburg&#160;| Hessen&#160;| Mecklenburg-Vorpommern&#160;| Niedersachsen&#160;| Nordrhein-Westfalen&#160;| Rheinland-Pfalz&#160;| Saarland&#160;| Sachsen&#160;| Sachsen-Anhalt&#160;| Schleswig-Holstein&#160;| Thüringen
Abstimmungen:&#160; Liste der Plebiszite in Deutschland
Politische Gliederung EuropasSouveräne Staaten:
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Sonstige Gebiete:
Färöer&#160;| Gibraltar&#160;| Guernsey&#160;| Isle of Man&#160;| Jersey
Umstrittene Gebiete:
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1&#160;Liegt größtenteils in Asien.&#160; 2&#160;Hat zusätzliche Gebiete außerhalb Europas.
Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU)Belgien&#160;| Bulgarien&#160;| Dänemark&#160;| Deutschland&#160;| Estland&#160;| Finnland&#160;| Frankreich&#160;| Griechenland&#160;| Irland&#160;| Italien&#160;| Kroatien&#160;| Lettland&#160;| Litauen&#160;| Luxemburg&#160;| Malta&#160;| Niederlande&#160;| Österreich&#160;| Polen&#160;| Portugal&#160;| Rumänien&#160;| Schweden&#160;| Slowakei&#160;| Slowenien&#160;| Spanien&#160;| Tschechien&#160;| Ungarn&#160;| Vereinigtes&#160;Königreich&#160;| Zypern
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G7: Kanada&#160;| (G8: Russland – Mitgliedschaft suspendiert)
Mitgliedstaaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD)Australien&#160;| Belgien&#160;| Chile&#160;| Dänemark&#160;| Deutschland&#160;| Estland&#160;| Finnland&#160;| Frankreich&#160;| Griechenland&#160;| Irland&#160;| Island&#160;| Israel&#160;| Italien&#160;| Japan&#160;| Kanada&#160;| Luxemburg&#160;| Mexiko&#160;| Neuseeland&#160;| Niederlande&#160;| Norwegen&#160;| Österreich&#160;| Polen&#160;| Portugal&#160;| Schweden&#160;| Schweiz&#160;| Südkorea&#160;| Slowakei&#160;| Slowenien&#160;| Spanien&#160;| Tschechien&#160;| Türkei&#160;| Ungarn&#160;| Vereinigte&#160;Staaten&#160;| Vereinigtes&#160;Königreich
Teilnehmerstaaten der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE)Albanien&#160;| Andorra&#160;| Armenien&#160;| Aserbaidschan&#160;| Belgien&#160;| Bosnien und Herzegowina&#160;| Bulgarien&#160;| Dänemark&#160;| Deutschland&#160;| Estland&#160;| Finnland&#160;| Frankreich&#160;| Georgien&#160;| Griechenland&#160;| Irland&#160;| Island&#160;| Italien&#160;| Kanada&#160;| Kasachstan&#160;| Kirgisistan&#160;| Kroatien&#160;| Lettland&#160;| Liechtenstein&#160;| Litauen&#160;| Luxemburg&#160;| Malta&#160;| Mazedonien&#160;| Moldawien&#160;| Monaco&#160;| Mongolei&#160;| Montenegro&#160;| Niederlande&#160;| Norwegen&#160;| Österreich&#160;| Polen&#160;| Portugal&#160;| Rumänien&#160;| Russland&#160;| San&#160;Marino&#160;| Schweden&#160;| Schweiz&#160;| Serbien&#160;| Slowakei&#160;| Slowenien&#160;| Spanien&#160;| Tadschikistan&#160;| Tschechien&#160;| Türkei&#160;| Turkmenistan&#160;| Ukraine&#160;| Ungarn&#160;| Usbekistan&#160;| Vatikanstadt&#160;| Vereinigtes&#160;Königreich&#160;| Vereinigte&#160;Staaten&#160;| Weißrussland&#160;| Republik&#160;Zypern
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