Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Architekt (Begriffsklärung) aufgeführt.
Der Architekt (griech. ἀρχιτέκτων architékton, „Oberster Handwerker, Baukünstler, Baumeister“, aus ἀρχή arché, „Anfang, Ursprung, Grundlage, das Erste“ und τέχνη techne, „Kunst, Handwerk“) befasst sich mit der technischen, wirtschaftlichen, funktionalen und gestalterischen Planung und Errichtung oder Änderung von Gebäuden und Bauwerken vorwiegend des Hochbaues. Seine Kernkompetenz ist das über das Bauen hinausgehende Schaffen von Architektur.
Architekt am Reißbrett, 1970Inhaltsverzeichnis
1 Überblick
2 Geschichte
3 Arbeitsfelder
4 Arbeitsweise4.1 Architekturbüros
4.2 Arbeit in anderen Bereichen
5 Deutschland5.1 Ausbildung
5.2 Berufsbezeichnung
5.3 Berufsverbände
5.4 Arbeitsmarkt und wirtschaftliche Situation
6 Österreich6.1 Berufsbezeichnung
6.2 Verbände
7 Schweiz7.1 Ausbildung
7.2 Berufsbezeichnung
7.3 Verbände
8 Spanien
9 Japan
10 Siehe auch
11 Literatur
12 Weblinks
13 EinzelnachweiseÜberblick[Bearbeiten]
Darstellung eines Architekten, abgezeichnet von Eugène Viollet-le-Duc
Das Berufsbild des Architekten ist nicht eindeutig definier- und abgrenzbar, länderweise verschieden und ständig in Bewegung. Die Spannweite der Tätigkeitsbereiche reicht von der „Baukunst“, die sich dem Entwurf und der Architekturtheorie widmet, über Ingenieurtätigkeiten und das technische Entwerfen von Gebäuden bis hin zur Bauleitung, bei der Bauplanung und -ausführung koordiniert werden und deren Augenmerk vor allem auf Terminen, Qualität und Baukosten liegt.
Dem Berufsfeld zwischen Baukunst aktuellen oder historischen Zuschnitts auf der einen und angewandter Technik auf der anderen Seite entsprechen auch die möglichen Ausbildungswege wie Universitäten (vor allem Technische Universitäten / Technische Hochschulen), Fachhochschulen, Kunstakademien und Berufsakademien, aber auch Colleges und technische Mittelschulen. Die Schwerpunkte der Ausbildung werden traditionell unterschiedlich gesetzt: bei Kunstakademien wird vor allem Wert auf den gestalterischen Aspekt gelegt, an Universitäten wird bei der Ausbildung ein besonderes Augenmerk auf Theorie und Wissenschaft gelegt, an Fachhochschulen wird auf wissenschaftlicher Grundlage anwendungsorientierter als an den Unis ausgebildet und an Berufsakademien wird praxisnah, aber weniger breit gefächert ausgebildet als an einer Hochschule. Die meisten Institutionen haben inzwischen ein individuelles Ausbildungsprofil mit ganz eigenen Studienschwerpunkten.
Geschichte[Bearbeiten]
Darstellung eines Architekten im Mittelalter
Der Beruf des Architekten ist traditionell generalistisch angelegt: die Baumeister vergangener Zeiten erstellten in Personalunion den Entwurf und die Statik und beaufsichtigen den Bauablauf. Je nach Epoche kamen sie aus ganz verschiedenen Klassen und Berufszweigen, zum Beispiel waren sie im Römischen Reich meistens Militäringenieure (vgl. Vitruv), im Frühmittelalter oft Kleriker, im Spätmittelalter aus dem Handwerk, in der Renaissance Künstler, Bildhauer oder Wissenschaftler.
Die aus dem Steinmetzhandwerk und der Bauhüttentradition hervorgegangenen mittelalterlichen Baumeister werden in zeitgenössischen Quellen als Werkmeister oder magister operis bezeichnet. Nach der Gesellenprüfung als Steinmetz absolvierten sie eine zusätzliche Ausbildung und waren nach der Meisterprüfung befähigt als Architekt zu arbeiten (siehe Werkmeisterbücher).
Architekt, 1893
Erst im 19. Jahrhundert, im Zuge des ökonomischen und technischen Fortschritts durch die Industrialisierung, bildete sich der Beruf des Architekten als eigene akademische Disziplin heraus. Es gab enorme Fortschritte in der Bautechnologie, neue Bauaufgaben (Geschosswohnungen, Feuerwachen, Schulen) ergaben sich. Es entstanden Architekturschulen und -akademien. Die dort im Regelfall kürzer ausgebildeten Baumeister führten weiterhin ihre auf die Umsetzung spezialisierten Bauunternehmungen, die akademischen Architekten spezialisierten sich auf den Entwurf von Gebäuden.
Zunehmend bildeten sich die Fachdisziplinen Architektur und Bauingenieurwesen heraus. Die Architekten beschäftigten sich schwerpunktmäßig mit der Gestaltung der Bauwerke des Hochbaus, die Bauingenieure erbrachten nun sämtliche Leistungen für die Bauwerke des Tief- und Ingenieurbaues und planten das Tragwerk für Hochbauten, ebenso wurden sie oft in der Bauleitung für Hochbauten tätig. Die Komplexität der Aufgaben nahm seitdem kontinuierlich weiter zu, so dass sich im 20. Jahrhundert weitere Fachdisziplinen etablierten: Städtebau, Landschaftsarchitektur, Innenarchitektur, Bauphysik etc.
Gegen Ende des 20. Jahrhunderts kamen Berufe hinzu, die viele Aufgaben des klassischen Architekten übernahmen. Baumanagement und Facilitymanagement übernahmen die Koordination der Bauausführung, große Unternehmen boten komplette Planungs- und Ausführungspakete an, so dass sich traditionelle Aufgabenfelder der Architekten verlagerten. In manchen Bereichen ist auch in Deutschland ein Rückzug der Architekten auf den Aspekt des Entwerfens zu beobachten, wie dies in den USA zum Beispiel schon weit verbreitet ist.
Der Trend zur Spezialisierung macht heute auch vor dem an sich generalistisch angelegten Architektenberuf nicht halt. Neben dem Architekten, der sich hauptsächlich mit Hochbau beschäftigt, gibt es in Deutschland noch die Berufsgruppen der Landschaftsarchitekten, Innenarchitekten und Städtebauarchitekten. Weiterhin findet in den einzelnen Büros eine zunehmende Spezialisierung auf bestimmte Bauaufgaben (Verwaltungs- und Gewerbebau, Kulturbau, Wohnungsbau etc.) oder auf bestimmte Leistungsphasen der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (z. B. Entwurf, Ausführungsplanung, Ausschreibung oder Bauleitung) statt. Überdies lässt sich eine weitere Spezialisierung auf bestimmte Nischen feststellen, wie z. B. das ökologische Bauen oder die Sanierung von Altbauten beobachten.
Arbeitsfelder[Bearbeiten]
Übliche Arbeitsfelder, die von Architekten (je nach Land, Büro und Qualifikation in unterschiedlichem Maße) abgedeckt werden:Während des gesamten Bauprozesses:Projektsteuerung
Koordination der Planungsbeteiligten, Behörden und Ausführenden
Vertreter des Bauherren gegenüber Planungsbeteiligten, Behörden und Ausführenden
In der Bauplanungsphase:Grundlagenermittlung, Vorplanung
Entwurfsplanung von Gebäuden und Bauwerken vorwiegend des Hochbaues (siehe auch Wettbewerb (Architektur))
Genehmigungsplanung (in der Schweiz als Baueingabe, in Österreich als Einreichplan bezeichnet)
Ausführungsplanung; Koordination zwischen den verschiedenen Fachplanern wie z. B. Haustechnik, Tragwerksplanung oder Brandschutzgutachtern
Ausschreibung und Vergabe: Vorbereitung und Mitwirkung bei der Vergabe von Bauleistungen, Herbeiführung der erforderlichen Verträge
Während der Bauausführung:Baumanagement: Kostenkontrolle, Terminkontrolle
Bauleitung (auch Objektüberwachung oder Bauüberwachung)
Nach der Fertigstellung, in der Baunutzungsphase:Objektbetreuung und Dokumentation (HOAI)
Assetmanagement, Immobilienmanagement, Gebäude- oder Facilitymanagement
Weitere Arbeitsfelder:Aufgaben in der öffentlichen Verwaltung (Bauamt)
Forschung / Lehre: Architekturtheorie, Bauforschung, Bauökonomie
Spezialgebiete: Architekturdarstellung, Modellbau
Energieberatung: Umsetzung von Energieeinsparverordnung, EEWärmeG, Erneuerbare-Energien-Gesetz, Fördermittel durch KfW usw.Arbeitsweise[Bearbeiten]
So umfassend die Inhalte der Disziplin Architektur sind, so vielfältig und komplex ist auch die Arbeit des Architekten. Nach wie vor arbeiten die meisten freiberuflichen wie auch angestellten Architekten in kleinen, mittleren bis großen Architekturbüros für Bauentwurf, Bauplanung oder Bauleitung. Je nach Größe und Spezialisierung haben die Büros zum Teil eigene Abteilungen mit weiteren Fachplanern integriert wie etwa Labortechniker, Lichtplaner, Küchenplaner, Bauphysiker oder wie Spezialisten für Modellbau, Rendering/Visualisierung oder Public Relation. Durch den sich seit Jahren verändernden Markt sind jedoch immer mehr Architekten auch gewerblich tätig oder nehmen Funktionen als Gutachter oder Berater ein. Innenarchitekten, Stadtplaner und Landschaftsarchitekten (Freiraumplaner) sind keine Fachplaner, sondern Fachrichtungen des Berufsbildes Architektur.
Architekturbüros[Bearbeiten]
Architekturbüro 1967
Abgesehen von kleineren Bauvorhaben wie Einfamilien- oder Zweifamilienhäusern ist der Planungsprozess meist stark arbeitsteilig organisiert. Dies betrifft nicht nur die Arbeit innerhalb der Architekturbüros, sondern auch die Zusammenarbeit mit den externen Projektbeteiligten.
Nur noch wenige Architekten bearbeiten das komplette Leistungsspektrum der deutschen HOAI mit allen Leistungsphasen. Vielmehr befassen sich die Mitarbeiter mittlerer und größerer Büros i. d. R. schwerpunktmäßig mit Teilbereichen des Planungsprozesses, wie z. B. dem Entwurf, der Ausführungsplanung, der Ausschreibung und Vergabe von Bauaufträgen oder der Bauleitung. Auch eine Spezialisierung von Architekturbüros auf die jeweiligen Leistungsphasen 1 bis 5 (Entwurf, Genehmigung und Planung) oder die Leistungsphasen 6 bis 9 (wirtschaftliche und bauliche Umsetzung) ist inzwischen weit verbreitet.
Da bei jedem Bauvorhaben die Arbeit verschiedener Fachingenieure wie Statiker und Haustechniker, bei größeren Projekten zunehmend auch weiterer Experten wie Verkehrsplaner, Fassaden- und Landschaftsplaner oder Facilitymanager, integriert werden muss, ist beim Architekten ein hohes Maß an Kommunikations- und Koordinationsfähigkeit sowie gleichzeitig Einfühlungs- und Durchsetzungsvermögen gefordert. Da Architektur immer auch an den Aspekt der Wirtschaftlichkeit gekoppelt ist, ist auch wirtschaftliches Denken und Handeln vom Architekten gefordert. Auf dem sich verändernden und insgesamt schrumpfenden Markt sind unter hohem Wettbewerbsdruck in zunehmendem Maße Qualitäten in der Projektpräsentation gegenüber privaten und öffentlichen Bauherren erforderlich.
Je nach Arbeitsschwerpunkt des einzelnen Architekten sind verschiedene Qualifikationen gefordert. Benötigt der Entwurfsarchitekt vor allem herausragende Fähigkeiten konzeptioneller und darstellerischer Art, sind beim Ausführungsplaner ebenso gestalterische wie auch technisch-konstruktive und rechtliche Kenntnisse (Baurecht, Umweltschutz usw.) gefragt. In der Bauleitung sind vor allem organisatorische Fähigkeiten und detaillierte Kenntnisse des Bauablaufes und der Bauausführung durch Baumeister und Handwerker erforderlich.
Diese Spezialisierung ist jedoch nicht so zu verstehen, dass die an einem Bauvorhaben beteiligten Architekten isoliert voneinander arbeiten. Die verschiedenen Projektphasen sind stark miteinander verzahnt und voneinander abhängig. Ein Grundverständnis für den gesamten Planungsprozess ist daher auch für den Spezialisten unerlässlich, ebenso wie die Kooperation mit dem Bauingenieur und bei größeren Projekten mit dem Geodäten, weiteren Spezialisten und den zuständigen Ämtern.
Eines von mehreren CAD-Programmen
Die digitale Revolution der letzten Jahrzehnte hat natürlich erst recht nicht vor planenden Berufen wie dem Architekten haltgemacht. Zwar werden im Planungsprozess immer noch traditionelle Mittel wie Skizzen oder Modellbau angewandt. Die endgültige Planung und Darstellung von Projekten wird allerdings inzwischen fast ausschließlich mit Hilfe von CAD-Programmen am Computer erstellt. So ist die Beherrschung von mindestens einem CAD-Programm heute für Architekten unerlässlich. Oft werden aber auch Erfahrungen mit verschiedenen Programmen sowohl in der zwei- als auch dreidimensionalen Darstellung erwartet, die bei Entwicklungs- und Zeitreihen bisweilen sogar in die vierte Dimension geht.
Mehr Informationen zu den verfügbaren CAD-Programmen sowie spezialisierten Programmen für den Architekten findet sich in den Artikeln CAD und Liste von CAD-Programmen.
Aufgrund der mittlerweile stark schwankenden Auftragslage und des infolgedessen ungleichmäßigen Arbeitsaufkommens innerhalb der meisten Architekturbüros sind je nach Organisation flexible Arbeitszeiten unverzichtbar. Vor wichtigen Terminen, wie z. B. Abgaben von Wettbewerben, Bauanträgen oder Bauherren-Präsentationen, sind daher oft Überstunden sowie Arbeit am Wochenende unerlässlich. Bei vielen Großprojekten muss darüber hinaus der verantwortliche Architekt oder eine von ihm befugte Person ständig erreichbar sein.
Arbeit in anderen Bereichen[Bearbeiten]
Architekten sind auch außerhalb ihres klassischen Betätigungsfeldes beschäftigt. Dies können die Projektsteuerung auf Seite des Bauherren sein oder eine Tätigkeit in der Bau- und Immobilienwirtschaft. Auch Tätigkeiten als Technische Sachverständige, Gutachter oder Berater (z.B. im Bereich Brandschutz oder Energie) sind üblich. Weitere interdisziplinäre Schnittstellen gibt es mit den Bereichen Produktdesign, Industrialdesign, Kunst, Film & Theater, Multimedia, Werbung und Kommunikationsdesign.
Deutschland[Bearbeiten]
Ausbildung[Bearbeiten]
Studentenarbeitsplätze
Die Ausbildung zum Architekten ist in Deutschland (und Österreich/Schweiz) im Rahmen eines Architekturstudiums möglich und kann im Bundesgebiet an insgesamt 64 Hochschulen erfolgen (Stand 2015), die Zulassungsvoraussetzungen sind je nach Land und Hochschule sehr unterschiedlich.[1] Ergänzend ist auch der zweite Bildungsweg über ein oder mehrere Handwerke und Praxis z.B. im Architekturbüro möglich. Die Architektenkammer entscheidet, wer sich Architekt nennen darf, wer vorlagenberechtigt ist und damit z.B. Bauanträge einreichen darf.
Ein konsekutives Bachelor-Master-Studium dauert i.d.R. zehn Semester bzw. fünf Jahre einschließlich der Master-Arbeit. Bei einigen Hochschulen ist ein Praxissemester in den Studienablauf integriert. Die durchschnittliche Studiendauer liegt jedoch oft über der theoretischen Regelstudienzeit.
Das Bachelor-Studium an den Hochschulen dauert mindestens sechs bis acht Semester und schließt mit dem akademischen Grad „Bachelor“ ab. Der Bachelorabschluss wird in der Regel zwischen dem Ende des 5. Fachsemesters bis Ende des 7. Fachsemesters abgelegt, wobei der Durchschnitt bei 6 Semestern liegt. Zirka 6.000 Studentinnen und Studenten legten im Jahr 2010 erfolgreich die Abschlussprüfung ab.[1]
Auch müssen oft Praktika vor Aufnahme des Studiums und während des Studiums von bis zu sechs Monaten nachgewiesen werden. Architekt ist man erst dann, wenn man in der Architektenkammer eingetragen ist. Dazu muss man mindestens zwei Jahre Berufserfahrung vorweisen können. Der Bachelor-Abschluss wird jedoch teilweise von den deutschen Architektenkammern als nicht berufsqualifizierend angesehen, weshalb man trotz erfolgreichen Abschlusses nicht die Berufsbezeichnung „Architekt“ führen darf. Vorteile dieses Abschlusses sollen in dem modularen Studienaufbau und der höheren internationalen Vergleichbarkeit liegen. Als Weiterbildung für Bachelor-Absolventen ist ein Master-Studium möglich und für Absolventen eines Master-Studiums und für Diplom-Absolventen die Promotion.
Der auslaufende Diplomstudiengang mit dem Abschluss Diplom-Ingenieur (Univ., FH) bzw. Ingenieur (Fachschule-FS) dauert normalerweise als Regelstudienzeit an einer Universität neun Semester, an einer Kunstakademie zehn Semester, an einer Fachhochschule acht Semester.
Berufsbezeichnung[Bearbeiten]
In Deutschland darf sich nur Architekt nennen, wer in die Architektenliste einer Architektenkammer eingetragen ist. Dafür benötigt man regelmäßig neben dem abgeschlossenen Architekturstudium eine Berufserfahrung von mindestens zwei Jahren. Details dazu regeln die Architektengesetze der jeweiligen Bundesländer und die Satzungen der Architektenkammern.
Die Berufsbezeichnung Architekt berechtigt zur Einreichung eines Bauantrages und ist somit fast zwangsläufig für die Arbeit als selbständiger Architekt (Freier Architekt) erforderlich. Die Kammern verstehen sich als Interessenvertretung aller Architekten. Das heißt aber auch umgekehrt, dass die Interessen der großen Zahl der nichtselbständigen, in Architekturbüros tätigen, die nicht in die Kammer eingetragen sind – insbesondere der Absolventen – nur sehr bedingt durch die Kammern vertreten werden.
Berufsverbände[Bearbeiten]
Im Bund Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure sind 20.000 Architekten und Ingenieure des Bauwesens organisiert. Der Verband deutscher Architekten (VDA) ist ein weiterer Interessenverband der deutschen Architekten, Innenarchitekten und Landschaftsarchitekten. Im Verband Deutscher Architekten- und Ingenieurvereine (DAI) sind 33 lokale Architekten- und Ingenieur-Vereine mit ca. 4000 Mitgliedern organisiert.[2]
Eine Vereinigung freiberuflich tätiger Architekten in Deutschland ist der Bund Deutscher Architekten (BDA), der nach eigenen Angaben rund 5000 Mitglieder hat.[3] Die Vereinigung Angestellter Architekten e.V. (VAA) ist ein Berufsverband, der die Interessen angestellter Architekten in der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen und in der Öffentlichkeit vertritt.
Arbeitsmarkt und wirtschaftliche Situation[Bearbeiten]Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Näheres ist eventuell auf der Diskussionsseite oder in der Versionsgeschichte angegeben. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung.
Laut Bundesarchitektenkammer gab es 2014 rund 126.000 eingetragene Architekten, davon 31 % weiblich und 107.000 im Hochbau tätig. Die Architektenschaft arbeitet je zu ca. 48 % als Freischaffend oder Angestellt bzw. Beamtlich, ca. 3 % ist Baugewerblich tätig.[4][1] Der Berufsstand befindet sich seit Mitte der 1990er Jahre jedoch in einer schweren Krise, in der sich die wirtschaftliche Situation der Architekten in Deutschland verschlechtert. Häufig wird der Beruf des Architekten dem sog. Akademischen Prekariat zugeordnet, also einer Gruppe, die trotz Studium weit unterdurchschnittliche Einkommen erzielt.
Als sehr kapitalintensive, auf Investitionen der freien Wirtschaft und der öffentlichen Hand angewiesene Branche wurde die Bauwirtschaft in besonders starkem Maße von der Wirtschaftskrise der späten 1990er und frühen 2000er Jahre und der prekären Finanzlage der öffentlichen Kassen getroffen. Infolgedessen hatte die Mehrheit der deutschen Architekturbüros mit erheblichem Auftragsmangel zu kämpfen. Zahlreiche Büros haben diese Krise nicht überstanden.
Das Berufsbild des Architekten ist seit Jahren Veränderungen unterworfen. Viele einst klassische Betätigungsfelder – von der konzeptionellen Entwicklung von Großprojekten über die Ausführungsplanung bis zur Bauleitung – werden inzwischen von Projektentwicklern, Baukonzernen oder anderen Konkurrenten angeboten. Infolgedessen hat sich das Betätigungsfeld solcher Architekturbüros, die nicht in der Lage sind, auf diese Entwicklung in angemessener Weise zu reagieren, in den letzten Jahren mehr und mehr eingeengt.
Ähnlich Ärzten und Rechtsanwälten haben selbständige Architekten eine Honorarordnung (HOAI), die durch die Kopplung an die Baukosten dynamisiert ist. Viele Büros engagieren je nach Auftragslage Architekten kurzfristig. Dauerhafte Arbeitsverhältnisse bestehen nur zum Teil.Teile dieses Artikels scheinen seit 2009 nicht mehr aktuell zu sein.
Bitte hilf mit, die fehlenden Informationen zu recherchieren und einzufügen.
Wikipedia:WikiProjekt Ereignisse/Vergangenheit/2009
Das Statistische Bundesamt nannte 2008 aus Finanzamtsdaten ein durchschnittliches jährliches Bruttoeinkommen für Architekten von 54.529 Euro, die Bundesarchitektenkammer 2011 von 45.000 Euro. Es ist jedoch zu beachten, dass in dieser Statistik nur in der Kammer offiziell als Architekten eingetragene Berufstätige erfasst sind. [5] Die Mehrheit der in der Branche Tätigen verdient deutlich weniger, die Spanne ist sehr groß.
Österreich[Bearbeiten]
Berufsbezeichnung[Bearbeiten]
Die Berufsbezeichnungen Architekt und Ziviltechniker sind in Österreich geschützt und dürfen gemäß Ziviltechnikergesetz 1993 von Personen, denen eine entsprechende Befugnis nicht verliehen wurde, nicht geführt werden.
Verbände[Bearbeiten]
In Österreich gehören die Architekten gemeinsam mit den Ingenieurkonsulenten zur Gruppe der Ziviltechniker.
Schweiz[Bearbeiten]
Ausbildung[Bearbeiten]
In der Schweiz wird Architektur an verschiedenen Hochschulen im Rahmen eines Architekturstudiums gelehrt.
Berufsbezeichnung[Bearbeiten]
Die Berufsbezeichnung Architekt ist in der Schweiz keineswegs geschützt, daher gibt es zahlreiche Praktiker, die sich so bezeichnen. So sind auch die Anforderungen an die Berufsausübung nicht einheitlich geregelt. Einzig in Kantonen der französischsprachigen Schweiz, im Tessin und in Luzern schreiben die kantonalen Baugesetze die qualitativen Mindestanforderungen an Architekten und Bauingenieure vor. Die akademischen Grade aus dem Erwerb von Hochschuldiplomen sind jedoch gesetzlich geschützt.
Verbände[Bearbeiten]
In der Schweiz ist die Architekturszene in drei Verbände gefasst. Der Bund Schweizer Architekten (BSA), der Schweizerische Ingenieur- und Architektenverein (SIA) und Swiss Engineering STV (ehemals Schweizerischer Technischer Verband) als größter Berufsverband aller Ingenieure und Architekten. Speziell in der Schweiz gibt es auch den Beruf des Hochbauzeichners, welcher eine unterstützende Funktion in einem Architekturbüro übernimmt.
Siehe auch: Liste von Schweizer Architekten
Spanien[Bearbeiten]
In Spanien ist die Berufsbezeichnung Architekt (Arquitecto) wie in Deutschland geschützt und setzt ein Studium der Architektur, sowie die Zugehörigkeit zu einer spanischen Architektenkammer voraus. Neben dem mit dem deutschen Architekt vergleichbaren Arquitecto existiert in Spanien noch eine weitere Berufsgruppe, die entscheidende Aufgaben bei der Gebäudeplanung und -erstellung übernimmt, die der sogenannten Aparejadores oder Arquitectos técnicos. Anders als bei der Arquitectura, welche u. a. auch die entwurflichen, baukünstlerischen und -geschichtlichen Aspekte betrachtet und lehrt, konzentriert sich die vierjährige akademische Arquitectura técnica, auf die technisch-konstruktiven Probleme des Bauens. Der Aparejador ist allerdings kein Arquitecto, sondern ein Ingeniero civil und somit dem Bauingenieur oder anglo-amerikanischen Civil engineer gleichzusetzen. Sein Leistungsbild umfasst vorwiegend die Bereiche der Bauleitung und -überwachung, Ausschreibung, Vergabe und Abstimmung mit den Behörden.
Japan[Bearbeiten]
Die japanische Entsprechung des allgemeinen Begriffs Architekt ist kenchikuka (jap. 建築家), der aus kenchiku ‚Gebäude errichten‘ und ka hier etwa ‚Berufsausübender‘ zusammengesetzt ist.[6] Dieser ist allerdings nicht rechtlich geschützt.
Bauplanung und Bauausführung darf in Japan jedoch nur von staatlich zertifizierten Architekten durchgeführt werden, die als kenchikushi (建築士) bezeichnet werden, wobei shi für ‚Gelehrter‘ steht. Deren rechtlichen Anforderungen sind im Kenchikushi-hō (建築士法, „Architektengesetz“) von 1950 festgelegt. Dieses kennt drei Klassen von Architekten: Architekten 1. Klasse (一級建築士, ikkyū kenchikushi) die jede Art von Gebäuden planen und errichten dürfen, Architekten 2. Klasse (二級建築士, nikyū kenchikushi) für eine begrenzte Art von Gebäuden kleineren Ausmaßes und Holzbau-Architekten (木造建築士, mokuzō kenchikushi) für kleinere Holzgebäude. So dürfen zum Beispiel öffentliche Gebäude wie Schulen, Krankenhäuser, Theater usw. mit einer Grundfläche von mehr als 500 m² oder einer Höhe von mehr als 13 m nur von Architekten 1. Klasse errichtet werden. Diese erhalten ihre Lizenz vom Bauministerium, die beiden anderen Architektenklassen von ihrer jeweiligen Präfektur.[7][8] 1995 gab es 264.398 Architekten 1. Klasse, 566.791 Architekten 2. Klasse und 11.386 Holzbau-Architekten.[8]
Siehe auch[Bearbeiten]
 Portal: Architektur und Bauwesen – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Architektur und Bauwesen
Literatur[Bearbeiten]Günther Binding: Meister der Baukunst. Geschichte des Architekten- und Ingenieurberufes. Primus Verlag, Darmstadt 2004, ISBN 3-89678-497-8.
Kerstin Dörhöfer: Pionierinnen in der Architektur: Eine Baugeschichte der Moderne. Wasmuth, Tübingen 2004, ISBN 3-8030-0639-2.
Werner Durth: Deutsche Architekten. dtv, München 1992, ISBN 3-7828-1141-0.
Mathias Eisenmenger: Der Architekt: Das zukünftige Berufsbild unter Berücksichtigung seiner Verantwortung als Baumeister. kassel university press, Kassel 2007, ISBN 978-3-89958-252-9.
Robert Hodonyi: Von Baustelle zu Baustelle. Ein Streifzug durch die Geschichte des Architektenmotivs in der Literatur. In: Weimarer Beiträge. Zeitschrift für Literaturwissenschaft, Ästhetik und Kulturwissenschaften. 54, H. 4, 2008, S. 589–608.
Ralph Johannes (Hrsg.): Entwerfen. Architektenausbildung in Europa von Vitruv bis Mitte des 20. Jahrhunderts: Geschichte – Theorie – Praxis. Junius Verlag, Hamburg 2009, ISBN 978-3-88506-441-1.
Isabel Kuhl, Kristina Lowis, Sabine Thiel-Siling: 50 Architekten die man kennen sollte. Prestel Verlag, München 2008, ISBN 978-3-7913-4044-9.
Ulrich Pfammatter: Die Erfindung des modernen Architekten: Ursprung und Entwicklung seiner wissenschaftlich-industriellen Ausbildung. Birkhäuser, Basel u. a. 1997, ISBN 3-7643-5473-9.
Hanno Wolfensberger: Architektendämmerung : 10 Abgesänge auf einen Berufsstand. Campus, Frankfurt am Main/ New York 1993, ISBN 3-593-34922-1.
Tanja Kullack: Architektur – eine weibliche Profession. Jovis Verlag, Berlin 2011, ISBN 978-3-86859-114-9.
Ingrid von Kruse: Eminent Architects. Jovis Verlag, Berlin 2011, ISBN 978-3-86859-111-8.
Ulrike Eichhorn: Achitektinnen. Ihr Beruf. Ihr Leben. Edition Eichhorn, Berlin 2013, ISBN 978-3-8442-6702-0.Weblinks[Bearbeiten]
 Commons: Architects – Sammlung von BildernVorlage:Commonscat/Wartung/P 2 fehlt, P 1 ungleich Lemma
  Wikiquote: Architektur – Zitate
 Wikisource: Architektur – Quellen und Volltexte
 Wiktionary: Architekt – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, ÜbersetzungenInterviews mit interdisziplinär tätigen ArchitektenEinzelnachweise[Bearbeiten]↑ a b c Ulrike Eichhorn: Architektinnen. Ihr Beruf. Ihr Leben. Edition Eichhorn, Berlin 2013, ISBN 978-3-8442-6702-0.
↑ dai.org
↑ bda-bund.de
↑ Statistik der Bundesarchitektenkammer – https://www.bak.de/architekten/wirtschaft-arbeitsmarkt/architektenbefragungen/
↑ Bundesarchitektenkammer: Wirtschaft/Arbeitsmarkt; Statistik.
↑ 建築家. In: 世界大百科事典 第2版 bei kotobank.jp. Hitachi Solutions, abgerufen am 12. April 2012 (japanisch). 
↑ 建築士. In: 主要な資格がわかる事典 bei kotobank.jp. Kodansha, abgerufen am 12. April 2012 (japanisch). 
↑ a b  Peter Fenn, Michael O’Shea, Edward Davies (Hrsg.): Dispute Resolution and Conflict Management in Construction: An International Review. Routledge, London 1998, ISBN 0-419-23700-3, S. 339 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
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Das Architekturrendering oder auch Architekturillustration ist im heutigen Planungs- und Marketingprozess von Architektur, Standorten und Immobilienmarketing nicht wegzudenken und beinhaltet die detailgetreue 3D Visualisierung über eine softwarebasierte fotorealistische Simulation von Geometrie, Materialeigenschaften und Belichtungen innerhalb einer Szene. In der Praxis können mit dem Architekturrendering Innen-, Außen-Ansichten von Gebäuden, Vogelperspektiven auf Objekte, Animationen und auch 360°-Panoramen, erzeugt werden, die realitätstreu ein Projekt illustrieren, wo Grundrisse und Ansichten zu abstrakt und unverständlich wirken.Inhaltsverzeichnis
1 Darstellungsformen1.1 Animation
1.2 Virtuelle Rundgänge
2 Werkzeuge
3 Einsatzbereiche
4 Aufwand
5 Siehe auch
6 Branchenvereinigungen
7 WeblinksDarstellungsformen[Bearbeiten]
Wie auch die professionelle Architekturfotografie fängt die fotorealistische Visualisierung durch das Zusammenspiel von Licht und Schatten die Atmosphäre des Gebäudes ein und erfolgt nach physikalisch korrekten Parametern, maßstabsgetreuen Modellen und detailgenauer Übernahme von Plandaten. Das Architektur-Rendering bietet heute neben der detailgetreuen Abbildung von Gebäuden die technische Grundlage Animation und 360°-Panoramen. Die Darstellungsart kann von abstrakt, stilisiert bis hin zu fotorealistisch reichen.
Animation[Bearbeiten]
Komplexe Infrastrukturprojekte oder schwierig zu kommunizierende Verkehrs- oder Projektabläufe lassen sich mit Hilfe von Architekturanimationen gezielt und einfach verständlich erörtern. Die filmische Umsetzung als Architekturanimation spielt auch eine bedeutende Rolle bei der exklusiven Präsentation von Architekturprojekten. Hier finden die Kurzfilme eine breite Verwendung, die die Vorzüge eines Projektes gezielt vermitteln – Emotionen, Raumgefühl und Licht werden erlebbar gemacht.
Virtuelle Rundgänge[Bearbeiten]
Realitätsnahe 360°-Panoramen werden vor allem für die Online-Vermarktung und für Multimedia-Exposés genutzt, da sie eine interaktive Begehung vor Fertigstellung ermöglichen. Die virtuelle Musterwohnung bietet einen Internet basierten 360°-VR Wohnungsrundgang an. Über Hotspots miteinander verknüpft, entstehen aus den Panorama Ansichten eine virtuelle Onlinebegehung. Um ein Panoramabild zu erstellen, werden unterschiedliche Perspektiven oder Ansichten eines Raums in Hochauflösung gerendert, die anschließend über die 3D-Grafiksoftware miteinander verknüpft werden. Zwar existieren auch eine Reihe von Online-Applikationen, die jedoch einer Bearbeitung über ein professionelles Bildsynthese-Programm qualitativ nicht entsprechen können.
Werkzeuge[Bearbeiten]
Ausgangsbasis für maßstabgerechte Visualisierungen sind CAD-Daten, Grundrisspläne und/ oder Schnitte von Fassaden, die über spezielle 3D-Grafiksoftware wie zum Beispiel mit dem Programm Revit modelliert und anschließend durch einen spezialisierten Architekturillustrator bearbeitet werden. Auf der Grundlage von Skizzen, Plänen oder bereits vorhandenen 3D Modellen entstehen qualitativ hochwertige 3D Visualisierungen. Dies können Innen- oder Außenperspektiven sein, Fotomontagen oder Animationen, Tag- oder Nachtperspektiven. Der Berechnung des Lichtes und der Lichtquellen und Materialeigenschaften, die sich auf Objekte und deren Materialeigenschaften unmittelbar auswirken, und die Berechnung der Lichtverteilung innerhalb einer Szene, die sich durch die indirekte Beleuchtung zwischen Körpern äußert, fällt ein besonderer Stellenwert zu. Software-Produkte des Branchenführers Autodesk, die über integrierte Material- und Objektdatenbanken und u.a. gängige Belichtungsmethoden, wie Ray Tracing und Radiosity verfügen, ermöglichen dabei eine detailgetreue und realistische Integration von vorhandenen Materialstudien, Fotos oder auch Licht- und Sonnenstand.
Einsatzbereiche[Bearbeiten]
Wo Grundrisse und Ansichten zu abstrakt und unverständlich wirken, schaffen 3D Visualisierungen ein realitätsnahes Bild. Die Einsatzbereiche des Renderings bei den Architektur-Visualisierungen erstrecken sich auf verschiedene Projekttypen und Anwendungen. Der Einsatz von Visualisierungen findet u.a als Simulations-Instrument von geplanten Hoch- und Tiefbauten und bietet in der Qualitätssicherung aufwandgünstige Methoden, Problemstellungen frühzeitig zu erkennen und Maßstäbe und Wirkungen eines geplanten Projektes zu erfassen. Es dient nicht zuletzt involvierten Planern, Fachstellen und Behörden zur Kommunikation und Kontrolle. Im Weiteren ermöglichen die Visualisierungen die Orientierung der Öffentlichkeit über öffentliche Bauprojekte. Im Verkauf oder der Vermietung bzw. Sanierung oder Umnutzung einer Liegenschaft oder für Architektur-Wettbewerbe werden auf diese Darstellungsformen zurückgegriffen. Die Einsatz Bereiche des Architektur-Renderings liegen in den folgenden Gebieten:Wohnungsbau
Büro-/Gewerbebau
Öffentlicher Bau
Wettbewerbe
Straßenbau
Bahnbau
Flugzeugbau
Tragwerke/BrückenBei der 3D-Visualisierung werden aus den vorhandenen 3D-Daten für eine jeweils einzustellende Blickrichtung und Beleuchtung optisch korrekte Bilder erzeugt (siehe Bildsynthese). Solche Bilder oder eine komplette Abfolge (also ein Video) werden in allen Kommunikationskanälen eingesetzt – im Exposé, in der Internet-Präsenz, in Pressemitteilungen, in der Außenwerbung wie etwa auf dem Bauschild Verwendung seine Verwendung findet. Auch für Bauanträge oder im Dialog mit Bauämtern haben Architekturvisualisierungen durch die detailgetreue und maßstabsgerechte Umsetzung ins 3D einen hohen Nutzen.
Aufwand[Bearbeiten]
Da jedes Projekt ist einzigartig, was Umfang, Anzahl und Art der zu erstellenden 3D Visualisierungen, Komplexität der Architektur und Qualität des bereitgestellten Materials angeht reicht der Zeitaufwand von nur wenigen Tagen bis hin zu mehreren Wochen. Bei mittelgroßen Bauprojekten, benötigt die Modellierung erfahrungsgemäß bis zu 3 Tagen, während das eigentliche Rendering, inklusive der Rendering Zeit, zur Umrechnung der Materialdaten in Hochauflösung je nach Größe eines Bildes bis zu drei Tage. Im Bereich der Innenvisualisierungen, liegen die Zeiten oft deutlich niedriger, wobei man im Schnitt von 3 Tagen ausgehen kann.
Siehe auch[Bearbeiten]Portal:Architektur und Bauwesen, Architektur
Entwerfen, Planung
Architekturdarstellung
Architekturillustrator
ArchitekturanimationBranchenvereinigungen[Bearbeiten]The American Society of Architectural Illustrators (ASAI)
New York Society of Renderers
The Society of Architectural Illustration (SAI)Weblinks[Bearbeiten]Diskussionsforum für Architekturdarstellung bei tektorum.de — Diskussionen zu Plangrafik, CAAD, 3D Visualisierung, Bildbearbeitung, Handzeichnung und Modellbau
Preisträger des Hugh Ferriss Memorial Prize, der American Society of Architectural Illustrators
Showcase professioneller Architekturrenderings
Beispiele von interaktiven 3D Panoramen<!–NewPP limit report
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Das Architekturforum Aedes in Berlin ist Deutschlands erste private Architekturgalerie, die international in der Kommunikation von Architekturkultur, Stadtgestalt und themenverwandter Inhalte tätig ist.Inhaltsverzeichnis
1 Zielsetzung
2 Geschichte
3 Ausstellungen
4 Weblinks
5 EinzelnachweiseZielsetzung[Bearbeiten]
Aedes – was sowohl lästig (griech.) wie auch Haus oder Tempel (lat.) bedeuten kann – sieht seine Aufgabe darin, Baukultur und Architektur in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses zu rücken sowie architektonische Visionen, nachhaltige urbane Konzepte, Stadtplanung und Landschaftsarchitektur darzustellen und zu vermitteln. In mehr als 350 Ausstellungen und begleitenden Katalogen hat der Verlag Aedes namhafte Architekten und heutige Pritzker-Preisträger wie Zaha Hadid, Thom Mayne, Daniel Libeskind, Frank Gehry oder Rem Koolhaas und ihre Arbeiten vorgestellt, lange bevor sie Weltruhm erlangten. Neben 10-16 Ausstellungen pro Jahr unterstützen begleitende Symposien, Vortragsreihen und Diskussionsabende den Dialog nach außen – sowohl mit dem Fachpublikum als auch mit interessierten Laien.
Geschichte[Bearbeiten]
Gegründet wurde Aedes 1980 in der Grolmanstrasse in Berlin von Kristin Feireiss und Helga Retzer, damalige Leiterin des Berliner Künstlerprogramms des DAAD und Freundin des englischen Künstlers Eduardo Paolozzi. "In memoriam Kongresshalle Berlin" war der Titel der Eröffnungsausstellung in Charlottenburg, die dem Vorbild der 1975 gegründete „Spaced Gallery“ der New Yorker Architektin und Autorin Judith Newman York folgt.
Am 3. Juni 1989 zog die damalige Galerie Aedes in die Stadtbahnbögen am Savignyplatz.
Die zweite viel beachtete Ausstellung im Rahmen Berlins als Kulturstadt Europas 1988 war "Berlin – Denkmal oder Denkmodell", die kurz vor dem Fall der Mauer die Risiken und Chancen einer geteilten Stadt thematisierte. Beteiligt an dieser "offenen Gestaltungskonzeption" der ehemaligen Hauptstadt, die als Wanderausstellung im Rahmen Berlins als Kulturstadt Europas in Kiew, Wien und Paris gezeigt wurde, waren bedeutende deutsche und ausländische Künstler und Architekten wie Daniel Libeskind, Gottfried Böhm, Coop Himmelb(l)au, Rob Krier, Zaha Hadid, Otto Steidle, Franco Stella, Peter Cook, Gustav Peichl, Axel Schultes, Claus Bury und Lebbeus Woods.
Ab 1995 hatte Aedes eine zweite Dependance im Osten, die Kristin Feireiss gemeinsam mit Hans-Jürgen Commerell 1995 unter dem Namen Aedes East in den Hackeschen Höfen in Berlin-Mitte eröffnete, ab 1996 unter Mitwirkung der Kulturwissenschaftlerin Ulla Giesler.
Die Arbeit des Architekturforums wurde mehrfach mit Preisen und Ehrungen ausgezeichnet. 2001 wurde Kristin Feireiss für ihr Engagement bei der Vermittlung von Architektur und die Verstärkung bilateraler Beziehungen mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt.
Seit Juni 2006 befindet sich das Architekturforum Aedes am Pfefferberg im Prenzlauer Berg.
Ausstellungen[Bearbeiten]
Das Architekturforum hat bis heute mehr als 350 Ausstellungen gezeigt. Darunter auch:ArchiAid: Rethinking-Reconstruction zum Wiederaufbau nach dem Tsunami 2011.[1]Weblinks[Bearbeiten]Homepage des ArchitekturforumsEinzelnachweise[Bearbeiten]↑ Das Beste ist Helfen an Ort und Stelle in FAZ vom 3. Dezember 2013, Seite 32<!–NewPP limit report
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Architekturkritik ist ein Teilaspekt der Kunstkritik und beschäftigt sich mit der Beurteilung von Architektur. Besonders die Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Architektur ist ein Wesensmerkmal der Architekturkritik.Inhaltsverzeichnis
1 Inhalte
2 Kriterien
3 Geschichte
4 Bekannte Architekturkritiker
5 Auszeichnungen
6 Siehe auch
7 Literatur
8 EinzelnachweiseInhalte[Bearbeiten]
Ein Ziel der Architekturkritik ist, die Ursachen der Fehlleistungen von Architektur aufzuzeigen.[1]
Architekturkritik ist eine Methode der Auseinandersetzung. Unter dem Aspekt von "Unterscheiden und Infragestellen" wird die gebaute Umwelt beurteilt.
Philosophisch gesehen erfolgt die Kritik&#160;:
1. subjektiv, nach persönlichem Geschmack und Empfinden und wird
2. objektiv begründet durch Anwendung gesicherter, messbarer Prinzipien um den Wert (oder Unwert) einer Bauform zu erkennen.
Ziel ist es also, aufgrund dieser beiden Möglichkeiten eine argumentative Position zu finden. Die zeitgenössische Architekturkritik ist meist dogmatisch und belehrend, da der Kritiker durch seine Stellungnahme immer Partei ergreift -bedingt durch seine ästhetischen Auffassungen aus der Kulturepoche der er entstammt. Der Architekturkritiker exponiert sich, indem er zwischen Bauwerk und Betrachter steht und glaubt es -stets von seinem Standpunkt getragen- ," es besser zu wissen" als andere. Die Kritik ist auch Kritik an der Person des Architekten (in seiner Rolle als "Baukünstler"), wenn er mit seinem Werk schockiert und provoziert oder ermüdet und langweilt.
Kriterien[Bearbeiten]
Die Kriterien der Architekturkritik werden von der Architekturtheorie formuliert. Nach Vitruv sind die drei Hauptanforderungen an die Architektur: Firmitas (Festigkeit), Utilitas (Nützlichkeit) und Venustas (Schönheit). Dabei muss allen drei Kategorien gleichermaßen und gleichwertig Rechnung getragen werden.[2]Siehe auch: Abschnitt Wichtige Themen des Lemmas ArchitekturGeschichte[Bearbeiten]
Historische Repräsentationsarchitektur, wie zum Beispiel der Parthenon oder gotische Kathedralen, wurde von Baumeistern und anonymen Handwerkern geschaffen.
Mit dem Humanismus taucht eine neue Konzeption der Architektur als "Freie Kunst" auf und bildet einen neuen Typus: Der Architekt als Künstler, der mit seinem Bauentwurf ästhetischer Mittler für die Wünsche seiner Bauherrschaft wird. Geschichtlich gesehen vertraten Architekt und Bauherr dieselben Wertvorstellungen und damit die Grundlagen der gesamten Repräsentations-Architektur. Wer durch Geburt und (oder) Vermögen privilegiert war, vergrößerte sein Ansehen durch das des Architekten. Umgekehrt bedeutete es – da die Anerkennung eines Kunstwerkes allein von den Herrschenden abhing – für den Architekten gesellschaftlichen Aufstieg, Erfolg und weitere Aufträge. Dieser Kontext bildete die Basis für das Mäzenatentum. Kritik war hier völlig überflüssig, denn man war entweder "i n" oder "o u t".
Im 19. Jahrhundert wandelte sich die Architektur durch den technischen Fortschritt und die Ingenieurwissenschaften: die Spaltung von Entwurf und Bautechnik. Die meisten Architekten schufen weiter Szenarien für den großbürgerlichen Zeitgeschmack, unfähig zur Synthese, setzten sie alles daran, die neuen Eisenkonstruktionen hinter monumentalen Fassaden zu verbergen und reduzierten sich so auf die angreifbare Funktion eines "Stylisten". Die Theorie des "Schönen" wurde auf ein System von Regeln reduziert und wer dem nicht entsprach, war kritisierbar.
Bekannte Architekturkritiker[Bearbeiten]
Siehe auch: Comité Internacional de Críticos de ArquitecturaDieter Bartetzko, Frankfurter Allgemeine Zeitung
Wolfgang Bachmann, Baumeister (Zeitschrift)
Ulrich Conrads, Bauwelt (Zeitschrift)
Ingeborg Flagge, der architekt
Gerhard Matzig, Süddeutsche Zeitung
Roman Hollenstein, Neue Zürcher Zeitung
Hanno Rauterberg, Die ZeitAuszeichnungen[Bearbeiten]BDA-Preis für ArchitekturkritikSiehe auch[Bearbeiten]
&#160;Portal: Architektur und Bauwesen – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Architektur und BauwesenArchitekturtheorie, Architekturgeschichte
Liste von Architekturzeitschriften
Themenheft der Internet-Architekturzeitschrift Wolkenkuckucksheim: Eine Kritik der Architekturkritik (auch als Buch im Waxmann Verlag erschienen: ISBN 3830913044)
Themenheft der Architekturzeitschrift Archithese zum Thema ArchitekturkritikLiteratur[Bearbeiten]Adolf Behne: Architekturkritik in der Zeit und über die Zeit hinaus: Texte 1913–1946. (Herausgegeben von Haila Ochs.) Birkhäuser, Basel, Boston, Berlin 1994.
Ulrich Conrads: Umwelt Stadt. Argumente und Lehrbeispiele für eine humane Architektur. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1974, ISBN 3-499-16885-5
Ulrich Conrads, Eduard Führ, Christian Gänshirt (Hrsg.): Zur Sprache bringen. Kritik der Architekturkritik. Münster: Waxmann, 2003 (ISBN 3-8309-1304-4)
Ingeborg Flagge (Hg.): Streiten für die menschliche Stadt. Texte zur Architekturkritik. Hamburg: Junius, 1997, ISBN 3-88506-276-3
Georg Franck, Dorothea Franck: Architektonische Qualität. Hanser-Verlag, München 2008
Klaus Jan Philipp: Vom Dilettantismus zur Zensur. Zur Geschichte der Architekturkritik. Stuttgart: Deutsche Verlags-Anstalt, 1996, ISBN 3-421-03121-5
Fred F. Stuber: Zur Problematik der Architekturkritik. Theoretische Diplomarbeit. Erster Teil.;Versuch einer umfassenden Publikation eines Bauwerkes. Theoretische Diplomarbeit. Zweiter Teil. Hochschule für Gestaltung, Ulm 1967.
Jürgen Tietz: Was ist gute Architektur? 21 Antworten. Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt, 2006, ISBN 3421034664.Einzelnachweise[Bearbeiten]↑ Günther Binding: Bilderwörterbuch der Architektur. Kröner, 1999, ISBN 3-5201-9403-1.
↑ Vitruv: Zehn Bücher über Architektur. Übersetzt und mit Anmerkungen versehen von Dr. Curt Fensterbusch. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1964, ISBN 3-534-01121-X, S. 45.<!–NewPP limit report
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Tempietto di Bramante, Rom, 1502
Die Architektur der Renaissance ist die Architektur des Zeitraums zwischen dem frühen 15. und späten 16. Jahrhundert in verschiedenen Regionen Europas, die bewusst ein Wiederbeleben und Weiterentwickeln bestimmter Elemente der Römischen Antike anstrebte. Die klassische griechische Architektur ging der römischen Architektur voraus, wurde aber von den Architekturtheoretikern der Renaissance ignoriert. Stilistisch folgte die Architektur der Renaissance auf die gotische Architektur und wurde abgelöst von der Barock-Architektur. Zuerst in Florenz mit Filippo Brunelleschi als ihrem bedeutendsten Schöpfer entwickelt, breitete sich der Renaissance-Stil schnell auf andere italienische Städte aus. Der Stil gelang zu unterschiedlichen Zeiten und mit unterschiedlicher Wirkung in das europäische Ausland wie Frankreich, Deutschland, England oder Russland.
Der Renaissancestil betont die Symmetrie, die Proportion, die Geometrie und die Anordnung der Bauteile, wie sie in der Architektur des Alten Roms in vielen erhaltenen Bauwerken zu sehen war. Die nach festgelegten Regeln erfolgte Anordnung der Säulen, Pilaster und Lisenen, der Bau von Bögen, Kuppeln, Nischen, auch als Wandnische (Ädikula), ersetzten die komplexen Proportionssysteme und unregelmäßigen Profile gotischer Bauteile und Bauwerke.Inhaltsverzeichnis
1 Geschichte
2 Die Hauptphasen
3 Die Hauptmerkmale der Renaissance-Architektur
4 Die Einflüsse der Entwicklung der Renaissance-Architektur in Italien
5 Entwicklung der Renaissance-Architektur in Italien – Frührenaissance5.1 Brunelleschi
5.2 Michelozzo
5.3 Alberti
6 Die Ausbreitung der Renaissance in Italien
7 Die Hochrenaissance7.1 Bramante
7.2 Sangallo
7.3 Raphael
8 Manierismus8.1 Peruzzi
8.2 Giulio Romano
8.3 Michelangelo
8.4 Giacomo della Porta
8.5 Andrea Palladio
9 Die Entwicklung von der Frührenaissance zum Barock
10 Die Ausbreitung der Renaissance-Architektur außerhalb Italiens10.1 Deutschland
10.2 Frankreich
10.3 Niederlande
10.4 England
10.5 Skandinavien
10.6 Spanien
10.7 Portugal
10.8 Polen
10.9 Ungarn
10.10 Russland
10.11 Kroatien
11 Die Nachwirkung der Architektur der Renaissance
12 Einzelnachweise
13 Quellenschriften
14 Literatur
15 WeblinksGeschichte[Bearbeiten]
Das Wort „Renaissance“ stammt vom italienischen Ausdruck „la rinascita“ für „die Wiedergeburt“. Es wurde in Giorgio Vasaris Vite de' più eccellenti architetti, pittori, et scultori Italiani (Künstler der Renaissance, 1550–1568) erstmals als Ausdruck für eine Kunstepoche verwendet.
Der Ausdruck „Renaissance“ wurde vom französischen Historiker Jules Michelet geprägt, der ihn von Jacob Burckhardt kannte, dessen Buch Die Kultur der Renaissance in Italien von 1860 zum Standardwerk zur Interpretation der italienischen Renaissance wurde.
Der Bildband mit maßstabsgerechten Zeichnungen Édifices de Rome moderne; ou, Recueil des palais, maisons, églises, couvents et autres monuments (Die Bauten des modernen Roms), um 1840 erstmals veröffentlicht, spielte eine bedeutende Rolle für das wiedererstarkte Interesse an diese Periode.[1]
Die Hauptphasen[Bearbeiten]
In der Fachliteratur wird die Renaissance in Italien in drei Phasen gegliedert[2]. Wenn Kunsthistoriker von der Frührenaissance reden, schließen sie die Literatur (z. B. Petrarcas), Malerei und Bildhauerei des 14. Jahrhunderts Italiens mit ein. Letztendlich meint der Begriff „Renaissance“ unter Architekturhistorikern die Periode von 1420 bis ca. 1525, mit später folgenden Ausprägungen im europäischen Ausland.
In der Fachliteratur finden sich folgende Einteilungen:
Die Fassade des Pellerhauses in Nürnberg von 1605 galt bis zu ihrer Zerstörung 1945 als eine der bedeutendsten profanen Renaissancefassaden. Sie kann zur Phase des Manierismus gezählt werden.Renaissance (ca. 1400–1500); besser bekannt als Quattrocento[3] oder auch Frührenaissance[4]
Hochrenaissance (ca.1500–1525)
Manierismus (ca. 1520–1600)Das Quattrocento (Frührenaissance)
Im Quattrocento wurde das grundlegende Konzept der architektonischen Ordnungen entwickelt, und die Regeln sind festgelegt (siehe weiter unten: Hauptmerkmale der Renaissance-Architektur). Die Studien der römischen Bauwerke führten zur Einbeziehung und Übernahme der altrömischen Vorbilder wie der Säulenordnung, der Ornamentik und weiterer Details.
Der Raum als das Element der Architektur wurde anders behandelt als im Mittelalter. Er wurde klar strukturiert durch Proportionssysteme, seine Form in Länge, Breite und Höhe geometrisch definiert, seine Bauteile, etwa Wände durch Pilaster oder Lisenen, rhythmetisiert. Ein frühes Beispiel ist die Basilika di San Lorenzo in Florenz durch Filippo Brunelleschi (1377–1446).[5]
Die Hochrenaissance
Während der Hochrenaissance reiften die Architekturkonzepte aus, immer noch wesentlich von den altrömischen Vorbildern abgeleitet, und wurden mit immer größerer Sicherheit angewendet. Der bekannteste Architekt jener Zeit war Bramante (1444–1514), dem meisterhaft die Neuinterpretation der (römischen) Antike in zeitgenössischer Architektur gelang. Sein Tempietto (1503) verweist deutlich auf die altrömischen Rundtempel. Er hielt sich dabei streng an die antiken Vorbilder, was die Gestaltung der Säulen, der Fassaden usw. betraf. Der von ihm definierte Stil prägte die Architektur im Italien des 16. Jahrhunderts.[6]
Der Manierismus
In der manieristischen Periode experimentierten die Architekten mit den Formen, um die räumlichen Beziehungen künstlerischer und freier herauszuarbeiten. Das Ideal der Renaissance von der Harmonie machte den Weg frei für den spielerischen und auf Wirkung ausgerichteten Umgang mit dem Rhythmus. Der bekannteste Architekt, der als Hauptvertreter des Manierismus gilt, ist Michelangelo (1475–1564), dem die Erfindung der Kolossalordnung zugeschrieben wird. Seine Pilaster für das Kapitol in Rom reichen vom Fuß der Fassade bis zum Dachgesims.[7]
Vor dem 20. Jahrhundert hatte der Ausdruck Manierismus eine abschätzige Bedeutung, heute bezeichnet er die Zeitphase ohne eine Wertung.[8]
Von der Renaissance zum Barock
Als sich der neue Stil über Italien hinaus ausbreitete, verstanden andere europäische Länder den Stil als eine Art Frührenaissance und entwickelten schnell eine veränderte Formensprache, noch bevor sie die ersten Bauten im Renaissancestil errichteten. Jedes Land ließ dabei seine eigenen, regionalen Traditionen in diesen neuen Stil einfließen, und so fanden die dortigen Renaissancebauten höchst unterschiedliche Ausprägungen.
Innerhalb Italiens gestaltete sich der Wandel von der Renaissance-Architektur zum Manierismus als weicher Übergang mit einer breiten Palette des künstlerischen Ausdrucks, wie es an den Werken von Michelangelo, Giulio Romano und Andrea Palladio abzulesen ist. Besonders Romanos Palazzo de Té in Mantua gibt bereits deutliche Gestaltungselemente für den Barock vor.
Außerhalb Italiens war die Barock-Architektur schneller formuliert und in gebauter Form realisiert als der Renaissancestil, wie an signifikanten Bauwerken in Mexiko[9] und den Philippinen.[10] zu erkennen ist.
Die Hauptmerkmale der Renaissance-Architektur[Bearbeiten]
Raphaels unausgeführter Plan für den Petersdom
Augenfällig werden die wesentlichen Gestaltungselemente der römischen Antike von den Renaissancearchitekten übernommen. Aber die Formen und Nutzungen der Gebäude haben sich über die Zeit hin gewandelt, das gilt auch für die Stadtstruktur. So waren die frühesten Bauwerke der Renaissance Kirchen, ein Bautypus, den die alten Römer so nie gebaut haben, denn ihre Tempel dienten nicht als Versammlungsort der Gläubigen. Auch gab es keine Vorbilder für die Gestaltung von weitaus größer gewordenen Städten, mit starker Prägung durch den europaweiten Handel. Freilich gab es kaum Bedarf mehr für öffentliche Bäder, wie sie in den altrömischen Städten gang und gäbe waren. Die alten Ordnungen wurden analysiert und neu und verändert rekonstruiert, um neuen Bestimmungen zu dienen.[11]
Der Grundriss
Die Grundrisse von Renaissancebauten wurden meist rechtwinklig und symmetrisch organisiert, ihre Proportionen üblicherweise durch ein Modul abgeleitet. In der Kirche konnte sich das Modul als Tiefe der Seitenschiffe zeigen oder als ein festgelegtes Maß; dafür sind die zeitgenössischen Längenmaße (Fuß, Elle, etc.) zu beachten. Neu im Entwurf war, dass der Grundriss und die Fassade sich gegenseitig bedingten und nicht losgelöst voneinander betrachtet wurden. Diesen Anspruch formulierte Filippo Brunelleschi als erster, ohne diesem in seinen eigenen Werken immer gerecht zu werden. Der erste Architekt, dem dies gelang, war Alberti mit Sant Andrea in Mantua. Im nichtkirchlichen Bereich setzte Palladio mit seinen Villenentwürfen den Höhepunkt im 16. Jahrhundert.
Sant'Agostino, Rom, Giacomo di Pietrasanta, 1483
Die Fassade
Die Fassaden wurden symmetrisch über ihre vertikale Achse gestaltet. Kirchenfassaden erhielten Ziergiebel, ergänzt mit Pilastern, Bögen und Säulengebälk. Die Fassadengestaltung sollte den Blick des Betrachters auf das Zentrum lenken.
Die erste echte Renaissancefassade war die der Kathedrale von Pienza (1459–1462), die vom Florentiner Architekten Bernardo Gambarelli (genannt Rossellino) mit vermuteter deutlicher Unterstützung von Alberti gestaltet wurde.[12]
Wohnhäuser erhielten meist auskragende Dachgesimse. Die Stadtpaläste der führenden Familien hatten außen eine steinerne Sitzbank, die ringsum geführt wurde, auf der Bittsteller um eine Audienz bei den hochgestellten Hausherren nachsuchten. Mittig befand sich das Eingangsportal, betont durch einen darüber befindlichen Wandschmuck oder Balkon. Die Fassade, meist dreigeschossig, zierte im Erdgeschoss die sogenannte Rustika, ein grober Verputz, der raues Gestein darstellte, darüber im ersten Obergeschoss das piano nobile, das die aufwändigere und feinere Gestaltung erhielt. Darüber befand sich das Mezzaningeschoss, das deutlich weniger aufwendig gestaltet wurde, niedrigere Raumhöhen hatte usw. und den Dienstboten zugedacht war. Das früheste und oft kopierte Beispiel war die Fassade für den Palazzo Rucellai (1446 bis 1451) in Florenz, ein Werk Albertis mit drei Reihen von Pilastern.
Die fünf Ordnungen, aus Vignolas Regole delle cinque ordini d'architetturaSäulen und Pilaster
Die Säulenordnung, bestehend aus der toskanischen, dorischen, ionischen, korinthischen und kompositen Ordnung, wurde von den Alten Römern übernommen. Die Säulen trugen Arkaden, Architrave wurden aber als Pilaster bzw. Lisenen auch mit nur rein dekorativer Funktion eingesetzt, wie beispielsweise am Palazzo Ruccelai. Die Architekten benutzten Säulen und Pilaster als ein feststehendes, geregeltes System. Brunelleschi gestaltete als erster mit Säulen in seinem Ospedale und mit Pilastern in der Alten Sakristei in San Lorenzo (1421–1440).
Die Bögen
Bögen bestanden aus Halbkreisen oder waren aus Kreissegmenten zusammengesetzte Ovale, etwa im Manierismus. Sie trugen Arkaden, gestützt von Pfeilern oder Säulen mit Kapitellen und wurden auch als Fensterabschluss eingesetzt. Die Gestaltung der Bögen korrespondierte mit dem Gebälk aus der Säulenordnung. Alberti setzte erstmals Bögen mit monumentaler Wirkung bei San Andrea in Mantua ein.
Das Gewölbe
Die Gewölbe der Renaissance haben keine Rippen. Sie bestehen aus Halbkugeln oder Kugelsegmenten, im Grundriss basieren sie auf einem Quadrat, während in der Gotik Gewölbe überwiegend auf rechteckigem Grundriss mit Kreuzrippengewölbe ausgeführt wurden. Das Tonnengewölbe wurde durch Alberti wieder in das Architektenvokabular aufgenommen, wie seine Sant´Andrea in Mantua zeigt.
Kuppeln
Der Petersdom in Rom
Die Kuppel wurde häufig als Gestaltungselement eingesetzt, war ihre imposante Wirkung doch für jeden Architekten am erhaltenen Pantheon in Rom spürbar. Im Mittelalter wurden Kuppeln deutlich seltener verwendet, denn das Rippengewölbe war viel einfacher zu bauen. Der Erfolg der Kuppel des Florentiner Doms und die Planung einer Kuppel in Bramantes erstem Plan für den Petersdom und seinem Tempietto machten die Kuppel zu einem wichtigen Gestaltungselement in der Renaissance, zunächst nur für Kirchenbauten. Es war Palladio, der erstmals eine Kuppel in einem Profanbau, der Villa Rotonda, einsetzte.
Die Dächer und Decken
Die Dächer wurden raumseitig geschlossen (abgekoffert), mit flachen Decken oder Gewölben, die meist mit Fresken oder Gemälden bemalt wurden. Die Dachkonstruktion war verdeckt, im Mittelalter war sie meist sichtbar. Die Neigung der Dächer war relativ niedrig (20-35°, meist einem Steigungsverhältnis von 1:3), während nördlich der Alpen wegen der höheren Schneelasten steilere Dächer gebaut wurden.
Die Türen
Die Türen zieren waagerechte Türstürze, quadratische Innenfelder, ergänzt wurden die Türrahmen oben mit dreieckigen oder halbkreisförmigen Ziergiebeln. Öffnungen, die keine Türen haben, wurden mit Bögen versehen, mit oft dekorativ gestaltetem Schlussstein.
Die Fenster
Die Fenster wurden einzeln oder auch paarweise angeordnet, dann aber mit einem darüber befindlichen Bogen zusammengefasst. Die Fenster haben waagerechte Stürze oder einen Bogen. Er wurde dekorativ als Gesims ausgebildet, passend zur verwendeten Säulenart, und auch an den Seiten heruntergeführt. Oberhalb des Fensters sind dreieckige oder halbrunde Giebel zu sehen, teilweise auf einer Geschossebene im Wechsel. Mit großer kunstvoller Wirkung ist die Fenstergestaltung am Palazzo Farnese in Rom (begonnen um 1517) zu bewundern.
Der Innenhof des Palazzo Strozzi, Florenz
Im Manierismus erfuhr das Palladiofenster (auch „Palladiomotiv“ genannt) eine Renaissance in der Architektur; es handelt sich hier um eine Kombination aus drei mit waagerechten Balken abgeschlossenen Fenstern. Auf das mittlere ist dabei ein Bogen gesetzt und als Teil des Fensters ausgebildet. Palladio verwendet es erstmals in der Basilika Palladiana, dem Rathaus von Vicenza. Dieses Fensterensemble wird auch „Serliana“ genannt; Serlio veröffentlichte dies in seinem vierten Buch der Architektur. Er dürfte von seinem Lehrmeister Bramante auf diese Anordnung hingewiesen worden sein, findet es sich doch bereits bei Hadrians Villa. Dieses Motiv wurde gerne im Barock, im Neohistorismus Ende des 19. Jahrhunderts und auch in der Postmoderne eingesetzt.
Die Wände
Außenwände sind meist verputzt oder erhielten eine Verkleidung mit Natursteinplatten, meistens aus Marmor. Die Ecken der Gebäude wurden mit imitiertem Bossenwerk betont. Das Erdgeschoss erhielt eine Rustikaverkleidung, wie im Palazzo Medici Riccardi (1444–1460) in Florenz zu sehen ist.
Innenwände wurden plastisch gegliedert, wobei die Architektur auch nur gemalt angedeutet wird, die herrschende Farbpalette war hell. Repräsentative Räume wurden mit Fresken ausgeschmückt.
Einzelne Baudetails
Gesimse, Friese und die weiteren dekorativen Details wurden mit größter Präzision gestaltet. Das Studium der altrömischen Bauwerke bildete eine der wichtigsten Grundlagen der Architekturtheorie der Renaissance. Die verschiedenen Ordnungen erforderten ein System, um die daraus resultierenden, vielen Details in ihrer Ausführung und ihrer Verwendung zu regeln. Einige Architekten wendeten die klassischen Regeln strenger an als andere, dennoch bildete sich ein einheitlicher Sprachkanon heraus. Gesimse rahmten Türen und Fenster ein, mit besonderen Effekten, wenn die seitlichen Rahmen unterbrochen wurden. Skulpturen wurden in Nischen gestellt oder auf Bodenplatten oder Podeste gestellt. Sie wurden zur Zierde herausgestellt und nur selten Bestandteil der Architektur wie in der Gotik (siehe etwa Regenwasserspeier an Kathedralen).[13]
Die Einflüsse der Entwicklung der Renaissance-Architektur in Italien[Bearbeiten]
Das Italien des 15. Jahrhunderts und besonders die Stadt Florenz gelten als die Wiege der Renaissance. Der neue Stil erwuchs dort nicht langsam, wie die gotische Architektur sich aus der romanischen entwickelte, sondern der Übergang wurde bewusst und abrupt von einzelnen Architekten forciert, die sich auf die ruhmreiche Vergangenheit des alten römischen Reichs beriefen. Die theoretisch begründete Annäherung der Architektur zur längst vergangenen Antike traf günstigerweise mit dem zeitgleichen Fortschritt in Wissenschaft und Bildung zusammen. Die Renaissance erstand so aus einem Gemenge verschiedener Faktoren.
Florenz, Baptisterium San Giovanni
Die Architektur
Italienische Architekten bevorzugten stets Formen, die klar zu definieren waren und ihren künstlerischen Vorstellungen am ehesten entsprachen.[13] Viele romanische Bauwerke der Toskana weisen diese Merkmale auf, wie das Baptisterium von Florenz und der Dom zu Pisa.
Der gotische Baustil hat sich in Italien nicht durchsetzen können. Der Mailänder Dom bildet die große Ausnahme, ist er doch überwiegend ein Werk deutscher Baumeister. Typisch gotische Spitzbogenfenster finden sich jedoch am Dogenpalast in Venedig, am Castel del Monte und am Palazzo Pubblico (Siena) in Siena. Vasari bezeichnete die Gotik als kunstlose Zeit.[14]
Die vorhandenen Bauwerke der römischen Antike, besonders in Rom, zeigten die klassischen Ordnungen und dienten als Inspiration in einer Zeit, als sich auch die Philosophie auf die Antike berief.[13]
Die politische Situation
Im 15. Jahrhundert war Italien in konkurrierende Stadtstaaten zersplittert. Florenz, Venedig und Neapel weiteten ihre Macht aus, indem sie die neue Kunstrichtung förderten und so Florenz durch seine Vorreiterrolle an Einfluss und Bedeutung gewinnen konnte. Über den Krieg zwischen Mailand und Frankreich breitete sich die Renaissance auch dort aus.
Als 1377 der Papst aus seinem Exil in Avignon zurückkehrte, erneuerte er den päpstlichen Hof in Rom und brachte so Wohlstand und Macht in die Stadt zurück, besonders nach dem Konzil von Konstanz von 1417, das die Macht des Papstes stärkte. Erfolgreiche Päpste, etwa Papst Julius II. (1503–1513), trachteten danach, die Macht des Papsttums über Italien und darüber hinaus auszudehnen.[15]
Handel, Wirtschaft
In der Frührenaissance kontrollierte Venedig den Seehandel im vorderen Orient. Die größeren Städte Norditaliens wuchsen durch den Handel mit dem restlichen Europa. Genua profitierte vom Seehandel nach Frankreich und Spanien, Mailand und Turin pflegten intensive Handelsbeziehungen mit Mitteleuropa. Wolle aus England landete in Florenz und wurde dort durch Spinnereien und Webereien zu feinen Stoffen verarbeitet. Durch die Herrschaft über Pisa erhielt Florenz einen Seehafen und konkurrierte nun auch mit Genua.
In diesem Klima konnte sich eine Familie besonders erfolgreich behaupten, indem sie vom Handel zum lukrativeren Geldverleih überging und das Bankenwesen herausbildete. Die Medici wurden die Chefbanker vieler europäischer Fürsten- und Königshäuser. Florenz beherrschten sie als informelle Macht und steigerten den Wohlstand der Stadt sowie den ihrer Familie. Entlang der Handelsrouten sorgten sie für Sicherheit und stärkten ihre kaufmännischen Interessen, indem sie nicht nur Waren, sondern auch Künstler, Wissenschaftler und Philosophen aussandten.[15]
Sixtus IV. ernennt Platina zum Präfekten der Vatikanischen Bibliothek Fresko von Melozzo da Forlì im Vatikanpalast
Kirche und Religion
In Rom erstarkte das Papsttum wieder, das sich in der Folge als Mittelpunkt des christlichen Lebens herausbildete und dort einen Bauboom von Kirchen und Palästen förderte, wie es sie die tausend Jahre zuvor nicht gegeben hatte. Dieser Boom reichte von der Mitte des 15. Jahrhunderts (Bau der Sixtinischen Kapelle) bis zum Neubau des Petersdoms, dessen Grundsteinlegung um 1503 und Fertigstellung ca. 120 Jahre später bis weit in den Barock reichte.[16]
Im wohlhabenden, republikanischen Florenz diente der Kirchenbau eher bürgerlichen als religiösen Zwecken. Der unvollendete Zustand des Doms schadete dem Ruf der Stadt. Mit unerschütterlicher Zuversicht, ihrer Finanzkraft und neuen technischen Ideen gelang es, die monumentale Kuppel zu vollenden. Der imposante Dom gereichte nicht nur der Jungfrau Maria zur Ehre, sondern seinen Architekten, der Kirche aber auch der Signoria (der Stadtregierung von Florenz), der Handwerksgilden und auch der einzelnen Stadtteile. Der Dom inspirierte die Stadtherren zu weiteren bedeutenden Kirchenbauten.
Vier humanistische Philosophen unter dem Schutz der Medici: Marsilio Ficino, Cristoforo Landino, Angelo Poliziano und Demetrius Chalcondyles. Fresko von Domenico Ghirlandaio.
Philosophie
Der aufkommende Buchdruck, die Wiederentdeckung der antiken Schriften, die sich ausweitenden politischen Kontakte, der europaweite Handel und nicht zuletzt die Entdeckung Amerikas vermehrten das Wissen und die Nachfrage nach Forschungen und umfangreicher Studien.
Die Lektüre der Philosophen, die nicht auf der christlichen Theologie basierten (Platon, Aristoteles u.a.) führten zur Herausbildung des Humanismus, denn dadurch lernten die Humanisten, dass nicht Gott allein das Universum schuf und bestimmte, es war der Mensch, der die Ordnung in der Gesellschaft festlegte.[17]
Das aufkommende Bürgertum
Cosimo I. de’ Medici, Kopf der Medici-Bank, trat als Mäzen auf. Posthumes Porträt von Pontormo.
Im Zeitalter des Humanismus wuchsen die Städte und stärkten deren Position gegenüber den ländlichen Feudalherrn, das Bürgertum etablierte sich selbstbewusst als neue gesellschaftliche Schicht. Dieser Bürgerstolz zeigt sich auch in neuen Gebäudetypen, wie Brunelleschis Ospedale degli Innocenti, welches als erster reiner Renaissancebau gelten kann, der mit seiner eleganten Kolonnade die neue Formensprache formuliert, oder der Laurenziana, die von der Medici-Familie finanzierte Bibliothek, deren mächtiges Vestibül auch heute noch beeindruckt.[18]
Bei einigen wichtigen Kirchenbauten bestimmte nicht die Kirche, sondern die mächtigen Handwerksgilden und Zünfte die Ausgestaltung, repräsentierten diese doch den Wohlstand der Stadt. Die acht Segmente der Kuppel des Florentiner Doms (eigentlich keine Kuppel, sondern ein achteckiges Klostergewölbe) standen unter der jeweiligen Schirmherrschaft eines Stadtteils.[19]
Das Patronat
Viele der Städte in Italien wurden faktisch von einzelnen, mächtigen und reichen Familien dominiert. Diese sahen ihre Aufgabe auch darin, das öffentliche Wohl zu steigern, indem sie Bildungseinrichtungen schufen oder philosophische und wissenschaftliche Diskurse ermöglichten. Ihr universales Vorbild glaubten sie in Platonischen Akademie in Athen zu erkennen. Sie protegierten die berühmtesten Künstler, Wissenschaftler und natürlich auch Architekten ihrer Zeit. Die berühmtesten Familien waren:die Medici in Florenz
die Gonzaga in Mantua
die Sforza in Mailand
die Farnese in Rom
die Malatesta in Rimini.Architektur-Theorien
→ Hauptartikel: Traktat (Architektur)
Während der Renaissance war Architektur nicht nur eine Frage der Praxis, sprich Bautechnik, sondern Gegenstand intensiver theoretischer Diskussionen. Die Erfindung des Buchdrucks forcierte die Verbreitung der neuen Ideen.Die erste Abhandlung über Architektur war De re aedificatoria (Deutsch: Zehn Bücher über die Baukunst) von Leon Battista Alberti um 1450. Sie basierte auf Vitruvs De architectura (Deutsch: Über die Baukunst), ein Manuskript, das 1415 in einer Bibliothek in der Schweiz wiedergefunden wurde. De re aedificatoria war 1485 das erste gedruckte Buch über Architektur.
Sebastiano Serlio (1475–ca. 1554) veröffentlichte den nächsten bedeutenden Text 1537 in Venedig: „Regole generali d'architettura […]“ Heute ist er bekannt als die „Fünf Bücher des Serlio“ (Serlio plante jedoch, sieben Bücher zu schreiben).
1570 veröffentlichte Andrea Palladio (1508–1580) I quattro libri dell'architettura („Die vier Bücher zur Architektur“) in Venedig. Diese Bücher wurden oft nachgedruckt und waren verantwortlich für die Ausbreitung der Ideen der Renaissance in Europa.
Giacomo Barozzi da Vignola, (1507–1573), war als Nachfolger Michelangelos am Bau des Petersdoms beteiligt. Er hinterließ das architekturtheoretische Lehrbuch Regola delle cinque ordini d'architettura (Regeln der fünf Ordnungen der Architektur) von 1562, das bis ins 19. Jahrhundert als das Standardwerk für die Architektenausbildung in Europa galt. So definierte er die Säulenordnung als ein relatives System der einzelnen Bauteile (Kapitell – Säule – Fuß und Höhe – Durchmesser der Säule) zueinander, so dass es sich leicht und regelgerecht anpassen ließ.
Francesco di Giorgio, 1439–1502, Schöpfer der Kirche Madonna di Calcinaio vor Cortona, hinterließ sein Trattato di Archtettura (Traktat der Architektur). Es wurde Mitte des 19. Jahrhunderts in starker Bearbeitung und 1967 werkgetreu transkribiert herausgegeben (in italienischer Sprache). Von der Anlage her diente es ihm und seinen direkten Schülern als Lehrbuch. Es formuliert in knapper präziser Sprache die Ideen der Renaissancearchitektur und gewährt einen Einblick, wie Architekten vor der Erfindung des Buchdrucks studiert und gearbeitet haben. Ungedruckt übte es jedoch nur geringen Einfluss auf die dem Autor nachfolgenden Architektengenerationen aus,Diese Bücher wurden nicht nur von Architekten gelesen, sondern auch von ihren Mäzenen und Bauherren.
Entwicklung der Renaissance-Architektur in Italien – Frührenaissance[Bearbeiten]
Die führenden Architekten des Quattrocento oder der Frührenaissance waren Brunelleschi, Michelozzo und Alberti.
Brunelleschi[Bearbeiten]
Ospedale degli Innocenti in Florenz.
Die Person, der die „Erfindung der Renaissance“ allgemein zugeschrieben wird, ist Filippo Brunelleschi, (1377–1446), doch durch sein umfangreiches Werk ist er als ein Mann des Übergangs von der Gotik zu Renaissance zu sehen.[20]
Anfang des 15. Jahrhunderts experimentierte Brunelleschi mit zeichnerischen Sichtweisen auf die Welt, die zur Entwicklung der Zentralperspektive führte. Er untersuchte regelmäßige geometrische Strukturen wie das achteckige Baptisterium von Florenz und erkannte die geometrischen Zusammenhänge, wie das menschliche Auge den Raum wahrnimmt und wie sich diese zeichnerisch in eine Zeichnung übertragen ließen.
Die Ruinen und erhaltenen Bauwerke des antiken Roms, die Brunelleschi studierte, ließen ihn erkennen, dass ihre Proportionen auf einfache mathematische Verhältnisse fußten, die er für die gotischen Bauwerke ausschloss. Ein Bauelement beherrschte für ihn die Baukunst: der Bogen, gebildet aus einem exakten Halbkreis ist er genau doppelt so breit wie hoch. Der gotische (Spitz-)Bogen war für ihn ins Unbestimmte gestreckt oder gestaucht, ein schlüssiges und auch angewandtes Proportionssystem vermochte er nicht zu erkennen.
Santa Maria del Fiore, der Dom zu Florenz
Das Studium der Architektur Roms verstärkte in ihm das Verständnis, Bauwerke symmetrisch zu gliedern, seine Teile nach einem klaren, definierten, proportionalen System gegenseitig in Beziehung zu setzen. Jedes Bauteil hing proportional von nächstem ab und konnte nicht ohne das andere bestehen.[21] Brunelleschi erfreute sich großer Unterstützung bedeutender und mächtiger Gruppen und Herren, wie die Seidengilde von Florenz und Cosimo de’ Medici.
Der Dom zu Florenz
Die Kirche von San Lorenzo
Brunelleschis erster großer Beitrag für die Architektur war der Bau der Kuppel für die Kathedrale von Florenz, dem Dom. Als der Bau um 1350 nach einem Entwurf von Arnolfo di Cambio begonnen wurde, war den Beteiligten völlig unklar, wie die Vierung mit der geplanten Kuppel geschlossen werden sollte. Der Bürgerstolz protzte vor Zuversicht, die dann erforderliche Technik entwickeln zu können.
Brunelleschi wurde 1420 nach einem Wettbewerb die Bauaufgabe übertragen, und er löste sie höchst innovativ und schlüssig. Er ließ den Tambour höher mauern, um die Seitendächer zu überragen, die Kuppel, eigentlich ein achteckiges Klostergewölbe, ließ er zweischalig bauen, die durch Rippen miteinander verbunden waren. Dadurch wurde die Konstruktion deutlich leichter, die Vermauerung der Segmente in neuartigen Fischgrätmuster erleichterte ihm die Gerüstarbeiten. Das Auge des Pantheons in Rom misst neun Meter im Durchmesser, im Dom zu Florenz acht Meter, die 1435 mit einer Laterne nach Brunelleschis Entwurf geschlossen wurde.
Das von Arnolfo konzipierte Bauwerk ist von seiner Grundriss- und Fassadenkonzeption eine Mischung aus Gotik und Romanik. Die Kuppel mit seinen markanten hellen Rippen lässt diese von der Gestaltung und der Bautechnik her als ein Werk der Gotik erkennen, obwohl der Dom weithin als Geburtsbau der Renaissance gilt.[20]
Das Ospedale degli innocenti
Das Ospedale degli innocenti, ein Findelhaus, gilt als erstes Bauwerk der Renaissance. Brunelleschi entwarf es um 1419, gebaut wurde es bis 1427. Die Fassade zur Straße besteht aus einer Arkade, die von Bögen gehalten wird, die den Proportionsregeln Brunelleschis folgen. Die Bögen werden durch ein kräftiges Gesims verbunden.[22] Das obere Geschoss mit den Fenstern in der Achse des Bogens wurde später hinzugefügt.
Die Kirche San Lorenzo
Die neue architektonische Philosophie wird an den Kirchenbauten von San Lorenzo und Santo Spirito deutlich. Brunelleschi entwarf sie um 1425 und 1428, beide haben das Lateinische Kreuz als Grundriss. Die Grundrisse basieren auf einem Modul, das durch die Breite und Tiefe des Seitenschiffs repräsentiert wird. Das Hauptschiff misst zwei Module. Die gleiche Formel liegt den vertikalen Maßen zugrunde. Bei Santo Spirito wird das Proportionskonzept eingehalten, Querhaus und Chor sind identisch, das Mittelschiff ist die erweiterte Form davon.
Um 1434 entwarf Brunelleschi mit dem Oratorium Santa Maria degli Angeli den ersten Zentralbau. Um ein zentrales Achteck waren an jeder Seite Kapellen angeordnet, an zwei sich gegenüberliegenden jeweils der Eingang und der Altarraum. Dieser Bau blieb zwar unvollendet und ist heute nur rudimentär erhalten, löste aber bei späteren Architekten und Künstlern (Sangallo, Leonardo, u. a.) eine starke Rezeption aus und diente als Vorbild für viele ähnliche Bauten.[23]
Michelozzo[Bearbeiten]
Palazzo Medici Riccardi von Michelozzo
Michelozzo (1396–1472) war ein weiterer Architekt unter dem Patronat der Medici-Familie, sein bekanntestes Werk ist der Palazzo Medici Riccardi, den er im Auftrag von Cosimo de'Medici 1444 entwarf. Ein Jahrzehnt später realisierte er die Villa Medici in Fiesole. Unter seinen weiteren Arbeiten findet sich auch die Bibliothek San Marco. Er begleitete Cosimo ins Exil nach Venedig. Er war einer der ersten Architekten, der ein Bauwerk außerhalb Italien im Renaissancestil realisierte, einen Palast in Dubrovnik.[16]
Der Palazzo Medici Riccardi ist in seinen Details klassisch, was die Art der Fenster und zurückgesetzten Türen anbelangt. Anders als Brunelleschi und Alberti hat dieser Bau keine Säulen, folgt also keiner klassischen Ordnung. Stattdessen trug Michelozzo dem Wunsch seiner Bauherrn Rechnung, indem er die Rustika in verschiedenen Ausführungen über die ganze Fassade zog, gekrönt mit einem über 2,50 Meter auskragenden Dachgesims.[13]
Alberti[Bearbeiten]
Leon Battista Alberti, als Sohn einer exilierten Florentiner Familie in Genua geboren (1402–1472), war ein klassischer Humanist; er verfügte über herausragende Allgemeinbildung und Sprachkenntnisse, wurde als Mann der Kirche päpstlicher Notar (Abbreviatore), verfasste Schriften zu vielen Themen der Mathematik, Philosophie und Malerei. Sein Architekturbuch De re Aedificatoria hatte nachhaltige Wirkung. Er beriet Papst Nikolaus in Architekturfragen sowie weitere Fürsten und Machthaber wie die Medici. Er stellte Untersuchungen an und machte den Menschen zum Maß der Dinge. Dem Architekten gedachte er große soziale Verantwortung zu.[24][25]
Sant’Andrea (Mantua), Die Fassade
Er entwarf eine Reihe von Bauwerken, aber im Gegensatz zu Brunelleschi sah er sich nicht als Architekt, der auf der Baustelle wachte. Ihm genügte die Ausfertigung oder auch nur Anregung baukünstlerischer Entwürfe. Es gelang ihm mit Sant' Andrea in Mantua die Ausformulierung des Kirchenbautypus der Renaissance. Sant' Andrea ist im Grundriss und in seiner Hauptfassade eine Neuinterpretation des Salomonischen Tempels (siehe 1. Buch der Könige, Kapitel 6 und 7). Die Fassade als Motiv dem römischen Triumphbogen nachempfunden, findet sich im Innern wieder: Es gliedert als rhythmisches Joch (rhythmische Travée) die Innenwände des Hauptschiffes. Die Pilaster der Fassade haben weder eine tragende Funktion noch deuten sie die Lage der Innenwände an, sie erfüllen allein proportionale Aufgaben. Sant' Andrea war von Alberti ohne die heutige Vierung mit Kuppel und drei Armen geplant, sie sind spätere Ergänzungen.[26]
Fassade von Santa Maria Novella, 1456–1470
Alberti arbeitete an vier Kirchen, wobei er mit Sant' Andrea als seinem letzten Bau die Reife fand:Santa Maria Novella, 1446–1451. Alberti entwarf die Fassade der gotischen Kirche, die in mehreren Phasen zwischen 1246 und 1350 errichtet worden war. Er orientierte sich dabei an dem Baptisterium und verwendete die gleichen zwei Marmorarten. Zum Verkleiden der Dachsteigung der Seitenschiffe setzte er als erster Schnecken ein, die für spätere Bauten als Vorbild dienten.
San Francesco in Rimini für die Herrscherfamilie Malatesta. Alberti entwarf eine neue Fassade, die der gotischen Kirche vorgebaut wurde. Mit dem Tod des Sigismondo Malatesta 1466 endeten die Bauarbeiten, die Fassade blieb unvollendet.
San Sebastiano in Mantua. Alberti gestaltete die Kirche mit ebenerdiger Krypta in Form des Griechischen Kreuzes. Der Bau wurde in der Folge mehrfach verändert, so dass das ursprüngliche Konzept Albertis nicht sichtbar ist.
Sant' Andrea ab 1470.Ein weiteres Bauwerk Albertis ist der Palazzo Rucellai, für den er die Fassade entwarf. Es ist proportional für fünf Joche durchkomponiert, die Bauherren erweiterten die Fassade um weitere drei Joche, so dass dieses Gebäude nunmehr zwei gleichwertige Eingangsportale hat. Die Fassade unterteilte Alberti mit drei Geschossen durch Gesimse und Pilaster, für die Alberti auch die Kapitelle entwarf.[27]
Die Ausbreitung der Renaissance in Italien[Bearbeiten]
Scuola Grande di San Marco, Venedig.
Im 15. Jahrhundert wurden die verschiedenen Höfe in Italien zu Zentren, die für die Ausbreitung der Renaissance-Philosophie, Kunst und Architektur sorgten. In Mantua entwarf Alberti zwei bedeutende Kirchenbauten für die Familie Gonzaga: Sant Andrea und San Sebastiano. Urbino war ein Machtzentrum, weithin sichtbar mit dem neuen Herzogspalast. In Ferrara, unter der Familie Este, entstanden mehrere neue Paläste wie der Palazzo dei Diamanti und der Palazzo Schifanoia für Borso d’Este. In Mailand schufen die Visconti die Certosa di Pavia, ehe sie von den Sforza vertrieben wurden, die das Castello Sforzesco errichten ließen.[13]
In Venedig erhielt San Zaccaria seine Renaissancefassade unter der Leitung von Antonio Gambello und Mauro Codussi, begonnen um 1480.[28] Giovanni Maria Falconetto, der Veroneser Architekt und Bildhauer, führte die Renaissance-Architektur in Padua mit der Loggia Cornaro im Garten von Alvise Cornaro ein. In Süditalien rief Alfons V. (Aragón), nachdem er das Königreich Neapel eroberte, Renaissancebaumeister zu sich. Die bedeutendsten Beispiele der Renaissance-Architektur sind die Cappella Caracciolo, Bramante gewidmet, und der Palazzo Orsini di Gravina, erbaut von Gabriele d'Angelo zwischen 1513 und 1549.
Die Hochrenaissance[Bearbeiten]
Im ausgehenden 15. und dem frühen 16. Jahrhundert zeigen Architekten wie Bramante, Antonio da Sangallo der Jüngere und andere ihre Meisterschaft darin, den neuen Stil für Kirchen und Stadtpaläste anzuwenden, die sich von ähnlichen Bauwerken der altrömischen Zeit deutlich unterschieden. Der Stil wurde dekorativer, mit aufwändigen Ornamenten versehen, Kuppeln wurden bedeutsam. Diese Phase, als Hochrenaissance bezeichnet, fiel mit dem Wirken so bedeutender Künstler wie Leonardo, Michelangelo und Raphael zusammen.
Bramante[Bearbeiten]
Santa Maria delle Grazie, Mailand
Donato Bramante, (1444–1514), wurde in Urbino geboren, kam über die Malerei zur Architektur und fand mit Ludovico Sforza, Herzog von Mailand einen Mäzen, für den er über 20 Jahre eine Reihe von Bauwerken errichtete. Nach dem Fall Mailands an die Franzosen 1499 reiste Bramante nach Rom, wo er unter dem Patronat des Papstes zu großem Erfolg kam.
Bramantes bedeutendstes Werk in Mailand ist der Anbau der Vierung, des Chors und des Querhauses für die Abteikirche Santa Maria delle Grazie. Der Backsteinbau folgt ganz der Tradition Norditaliens und wurde 1465 als gotischer Bau begonnen. Bramante beendete ihn 1492 im Renaissancestil. Die Bauteile, die Bramante zugeschrieben werden können (in der Literatur teilweise strittig), sind die Kuppel mit seinem Durchmesser von gut 20 Metern, das Eingangsportal und der Chorraum. Die Kuppel erscheint von außen als Kreis und von innen als ein oktogonales Gewölbe.
In Rom schuf Bramante mit dem Tempietto für das Kloster San Pietro in Montorio die „Vollendung der Renaissance“. Dieser kleine, kreisrunde Bau misst kaum fünf Meter im Durchmesser und ist ein meisterhaftes Spiel mit der Perspektive. Es war das Bauwerk, welches Papst Julius bewog, Bramante mit dem Neubau des Petersdoms zu beauftragen. Bramante gewann den Wettbewerb für den Petersdom und musste sich namhafter Konkurrenz erwehren. Er plante, ähnlich wie Alberti mit San Andrea, ein Langhaus. Seine Nachfolger veränderten seinen Entwurf mehrfach.[13]
Sangallo[Bearbeiten]
The Palazzo Farnese, Rom (1534–1545). Entworfen von Sangallo und vollendet von Michelangelo.
Antonio da Sangallo der Jüngere, (1485–1546), entstammte einer berühmten Architektenfamilie. Sein Onkel Giuliano da Sangallo war einer derjenigen, der ebenfalls einen Entwurf für den Petersdom einreichte, wenn auch erfolglos.[16]
Antonio da Sangallo folgte Raphael nach dessen Tod als Bauleiter von St. Peter. Während seiner Baumeistertätigkeit gelangen nur geringe Fortschritte, zu oft hinderten Geldmangel oder langwierige und dann doch nicht realisierte Umplanungen den Weiterbau. Nach seinem Tod folgte ihm Michelangelo.
Sein Ruhm rührte nicht von St. Peter, sondern eher von seinem Entwurf für den Palazzo Farnese her. Es diente als Vorbild für viele spätere Palastbauten. Es ist proportional ausgewogen, aber inwieweit Michelangelo, der das oberste Stockwerk mit dem dominanten Dachgesims hinzufügte, dazu beitrug, bleibt offen. Die einfache Reihung der Fenster mit dem Wechsel von dreieckigen und runden Giebeln im Piano Nobile (1. Obergeschoss) betonen das Hauptgeschoss, vor dem die beiden anderen zurücktreten.
Raphael[Bearbeiten]
Raphael, (1483–1520), Urbino, ausgebildet unter Perugino in Perugia, bevor er nach Florenz kam. Er war später einige Zeit lang Chefarchitekt (nach dem Tod seines Onkels Bramante) für den Petersdom. Auch entwarf und baute er einige weitere Gebäude, die meisten Bauwerke wurden von anderen vollendet. Das einzige von ihm beendete Bauwerk war der Palazzo Pandolfini in Florenz. Es ist ein zweistöckiger Bau, der als markantes Gestaltungselement die Fensteranordnung des Palazzo Farnese vorwegnimmt (Wechsel der dreieckigen und halbrunden Giebel) sowie die Fassung mit dem Bossenwerk an den Gebäudeecken.[13]
Manierismus[Bearbeiten]
Im Manierismus drifteten die Stilrichtungen in der Architektur weit auseinander, was in den Werken so unterschiedlicher Architekten wie Michelangelo, Giulio Romano, Baldassare Peruzzi und Andrea Palladio abzulesen ist. Der Manierismus leitete den Übergang zum Barock ein.
Palazzo Massimo alle Colonne in Rom.
Peruzzi[Bearbeiten]
Baldassare Peruzzi, (1481–1536), war ein in Siena geborener Architekt, der in Rom arbeitete. Seine Arbeiten bilden die Brücke von der Hochrenaissance zum Manierismus. Seine Villa Farnesina von 1508–1511 ist ein U-förmiger zweigeschossiger Bau, der sich zum Garten mit einer fünfjochigen Loggia öffnet.[13]
Peruzzis bekannteste Arbeit ist der Palazzo Massimo alle Colonne in Rom. Die Straßenfassade folgt dem gekrümmten Straßenverlauf. Im Erdgeschoss markieren sechs Säulen, die inneren vier paarweise angeordnet, den Eingangsbereich. Über dem Piano nobile befinden sich zwei Mezzaningeschosse mit quadratischen Fenstern.[27]
Palazzo Te in Mantua
Giulio Romano[Bearbeiten]
Giulio Romano, (1499–1546), war ein Schüler von Raphael, dem er bei verschiedenen Arbeiten im Vatikan assistierte So malte er die vatikanischen Loggien mit aus. Romano war auch ein hochtalentierter Bildhauer, er arbeitete für den Herzog von Mantua, Federigo Gonzaga, und entwarf für diesen den Palazzo del Te und weitere Gebäude in Mantua. Der Palast ist gemäß den Regeln der Renaissance gestaltet, bereichert mit skulpturalen Effekten, die die Bildhauerhandschrift im Entwurf offenbaren. Er setzte illusionistische Effekte bei den Skulpturen und Freskenmalereien ein und deutete die kommende Verspieltheit des Barock an. Romano starb am 1. November 1546 in Mantua, als er gerade im Begriff war, als neu ernannter Architekt des Petersdoms in Rom die Stadt zu verlassen.[16]
Michelangelo[Bearbeiten]
Michelangelo Buonarroti (1475–1564) wurde von seinen Zeitgenossen „Il divino“ (Ital. für „Der Göttliche“) genannt, so stark wurde sein Wirken für die Bildhauer- und die Malkunst und der Architektur eingeschätzt. Er hinterließ auf diesen drei Gebieten herausragende Werke, von denen hier drei architektonische Arbeiten näher dargestellt werden:die Laurenziana in Florenz
das Kapitol in Rom
der Petersdom in Rom.Das Vestibül der Laurenziana
Die Laurenziana
Michelangelo gestaltete für die Bibliothek, die Teil der Klosteranlage von San Lorenzo in Florenz ist, vor allem das Vestibül. Dieses Treppenhaus führt zum Lesesaal der Bibliothek, die nach Lorenzo I. de’ Medici benannt ist. Michelangelo wurde von Papst Clemens VII., vormals Giulio di Medici, um 1523 beauftragt. Ab 1526 ist seine Planung dokumentiert. Durch den Sacco di Roma ruhten die Bauarbeiten. Um 1555 schrieb Michelangelo einen Brief an Giorgio Vasari, der zusammen mit Bartolomeo Ammanati den Weiterbau leitete, indem er diesem einen neuen Vorschlag unterbreitete. Um 1559 lieferte Michelangelo ein Modell für die Treppe.
Die Treppe dominiert das Treppenhaus derart, dass die Grenzen von Architektur und Bildhauerei fließend erscheinen. Die Treppe strömt wie Lava in den Raum, so Pevsner.[27][29] Der Treppenraum ist deutlich höher als breit, der Abstand der freistehenden Treppenanlage zu den Innenwänden ist zwar so breit wie die seitlichen Läufe, ist aber kaum wahrzunehmen.
Die Treppe führt in drei parallelen Läufen nach zehn Stufen zu einem Zwischenpodest und von dort in sechs Steigungen zum langgestreckten Lesesaal. Die Stufen des mittleren Laufes sind konvex geformt. Die oberste Stufe trifft dort auf das untere Gesims, welches um den gesamten Raum herumläuft. Auf diesem Band unterteilen paarweise angeordnete, toskanische Säulen jeweils drei Felder einer Wand. Dieser Säulenteil wird durch ein Gesims von der dritten Ebene abgetrennt, die anstelle der Säulen Pilaster erhielt. Dort sind auch die Fenster in den Feldern angebracht, die den Treppenraum beleuchten. Auf der Ebene der Säulen sind die Fensterfelder „blind“ ausgeführt. Ein Gesims unter dem Dach bindet die Konstruktion. Unter dem unteren Gesims sind jeweils unterhalb der Säulen flache „Schnecken“ angebracht, die statische Funktionen vortäuschen.[30]
Senatorenpalast
Konservatorenpalast
Das Kapitol
Das Kapitol war im Rom der Kaiserzeit der Platz, auf dem die heimkehrenden Kriegshelden geehrt wurden, hier endeten die Triumphzüge. Durch den Sacco di Roma von 1527 weitgehend verwüstet, beauftragte Papst Paul III Michelangelo 1536 mit der Neugestaltung des Platzes aus Anlass des Besuches von Kaiser Karl V.
Michelangelo fand zwei Gebäude vor: den Senatorenpalast, der größtenteils aus antiken Gebäudeteilen des Tabulariums (Staatsarchiv) bestand (erbaut 78 vor Chr.), und den Konservatorenpalast mit einer Arkade zum Platz hin. Beide Gebäude stehen nicht rechtwinkelig zueinander, der Konservatorenpalast dreht ca. acht Grad aus der Achse hervor. Der Zustand des Platzes lässt sich anhand erhaltener Zeichnungen Maarten van Heemskercks erahnen.
Als erste Maßnahme wurde eine antike Reiterstatue (Markus Aurelius) in der Achse zum Senatorenpalast gestellt, das Postament ist ein Entwurf Michelangelos. Für den Senatorenpalast entwarf Michelangelo eine doppelläufige Treppe, vor die er einen Brunnen stellte. An den Rändern setzte er zwei Risalite, die um etwa vier Grad zur Fassade der seitlichen Nachbarpaläste gedreht waren; so vermittelte er die Unrechtwinkeligkeit der einzelnen Gebäude zueinander. Die Fassade des Senatorenpalastes erhielt unten eine Rustika, das obere Geschoss eine Kolossalfassade mit angedeutetem Mezzaningeschoss.
Der Konservatorenpalast erhielt ebenfalls eine Fassade in Kolossalordnung, nur reicht sie hier vom Erdboden der Arkade bis zum Dachgesims. In der Fassade verrät sich Michelangelo als ein Meister der Proportion und der optischen Täuschung. An den kurzen Fassadenseiten ließ er nur zwei kurze Joche bauen, die Längsseite müsste bei gleichen Maßen neun solcher Felder erhalten. Michelangelo verbreiterte hier die Felder, so dass nur noch sieben davon Platz fanden. Dem Betrachter wird so erschwert, die Schiefstellung der Gebäude zu erkennen.
Michelangelo platzierte ein spiegelgleiches Gebäude, den Palazzo Nuovo, den Konservatoren gegenüber, für das er damals noch keine Nutzung vorsah. Der neue Platz bildete so ein Trapez, für den er ein platzgestaltendes Oval mit auffälliger Pflasterung vorsah. Die freie Seite des Platzes erhielt die Cordonata, die Rampe.
Zu seinen Lebzeiten erlebte Michelangelo die Fertigstellung der Treppe mit dem Brunnen, der Cordonata und den Beginn der Umbauarbeiten für die Fassade des Konservatorenpalastes. Der Bau des Palazzo Nuovo erfolgte im 17. Jahrhundert, die auffällige Pflasterung wurde erst in der Regierungszeit Mussolinis verändert realisiert.
Der Petersdom
Der Petersdom
Der heutige Petersdom ist das Ergebnis von Entwurfsarbeiten einer Reihe bedeutender Architekten. Bramante zeichnete den Siegerentwurf, und 1506 erfolgte die Grundsteinlegung. Ihm folgten Raphael und Peruzzi und Sangallo, die mit mehrfach geforderten umfangreichen Umplanungen und stetem Geldmangel nur geringe Baufortschritte erzielten. Im Dezember 1546 übernahm Michelangelo die Bauleitung, nachdem der Papst seine Baupläne akzeptiert hatte. Er griff Bramantes Ursprungsplan auf und redigierte ihn zu einer klareren einfacheren Struktur; besonders die Seitenarme und Kuppeln erhielten eine neue Gestaltung. Er vereinfachte den Grundriss, indem er über das Hauptquadrat ein gedrehtes Quadrat gleichen Ausmaßes darüber legte, dessen Ecken angerundet wurden. Die von Bramante erbauten Pfeiler ließ er verstärken. Für die Außenfassade entwarf er eine Kolossalordnung, die an den Rundungen und an den Ecken wie ein Band um das Gebäude herumläuft.
Michelangelos Kuppel ist ein architektonisches Meisterwerk und besteht aus zwei verbundenen Schalen, die mit Rippen unterteilt sind, ähnlich der Domkuppel in Florenz. Für die Kuppel wurde ein aufwendiges Präsentationsmodell anfertigt, es wird Giacomo della Porta zugeschrieben, der als Nachfolger Michelangelo dessen Pläne für die Kuppel nochmals veränderte. Von Michelangelo hat sich ein Holzmodell für das Gewölbe der südlichen Apsis erhalten, das ihm half, die von ihm gewählten Proportionen zu überprüfen. Es misst 39 * 79,5 * 47&#160;cm (Innenmaße).[31] Die beiden Kuppelschalen sind nicht proportionsgleich: Die innere umschreibt genau einen Halbkreis, die äußere ist, für das Auge kaum wahrnehmbar leicht überhöht (gestelzter Bogen), sie wirkt dadurch imposanter, was ihm für die Fernwirkung der Kuppel in der Stadtsilhouette vermutlich wichtig war; zudem leiten sie so statische Kräfte besser ab.[32]
Il Gesù, Fassadenentwurf von Giacomo della Porta
Giacomo della Porta[Bearbeiten]
Giacomo della Porta, (ca. 1533–1602), wurde als der Architekt bekannt, der dem Petersdom mit dessen markanten Kuppel die heutige Außenwirkung verschaffte. Er folgte Vignola, seinem Lehrer, im Amt des Chefarchitekten für den Petersdom. Er vollendete auch dessen Kirchenbau für il Gesù. In Weiterentwicklung der Kirchenbauten von Albertis San Andrea, der den antiken Triumphbogen als Vorbild nahm, und Palladios San Giorgio in Venedig, der zwei Fassaden übereinanderlegte, um die Seitenschiffe einzubinden, schuf Porta in seinem Entwurf eine einheitliche, kohärent wirkende Musterfassade. Einige Architekturhistoriker schreiben diesem Entwurf auch eine deutliche Mitwirkung von Vignola und Michelangelo zu; der Grundriss und der Innenraum stammen eindeutig von Vignola, der viele Gestaltungselemente von San Andrea übernahm (Tonnengewölbe, Gliederung der Innenschiffswände).
Della Porta gliederte die Fassade in fünf Joche (Abschnitte), das mittlere birgt das Eingangsportal, die beiden anschließenden, mit kleineren Türen, präsentieren sich als Teil des Hauptschiffs; sie ragen gleich hoch wie das Portaljoch, und alle drei verbindet ein Dreiecksgiebel. Die beiden äußeren Joche deuten die Seitenkapellen, bzw. Seitenschiffe an, sie sind tür- und fensterlos. Sie sind deutlich niedriger und schließen mit den Schnecken, die Alberti in Santa Maria di Novella eingeführt hatte, zum Mittelteil auf. Unterteilt werden die einzelnen Joche mit doppelten Pilastern, gehalten durch ein kraftvoll wirkendes Gesimsband. Die Pilaster, die an die mittlere Eingangstür stoßen, treten als korinthische Säulen etwas aus der Fassade hervor.
Andrea Palladio[Bearbeiten]
Villa Capra, La Rotonda
Andrea Palladio, (1508–1580), gilt als „der einflussreichste Architekt der gesamten Renaissance“.[13] Als Steinmetz ausgebildet, traf er im Alter von knapp dreißig Jahren den Dichter und Humanisten Giangiorgio Trissino, der sein Talent erkannte, ihm die Ausbildung zum Architekten (mehrere Studienreisen) ermöglichte und ihn mit potenziellen Bauherren bekanntmachte. Zusammen mit Daniele Barbaro übersetzten beide sehr frei den Vitruv und steuerten mathematische und geometrische Studien bei. Palladio fertigte dafür alle Illustrationen an. Dies gab ihm das theoretische Rüstzeug, um eine eigene Architektursprache zu finden. Nach ihm ist eine Kunstgattung benannt – der Palladianismus, der im England des 18. Jahrhunderts seinen Anfang nahm.[16] Palladio veränderte den architektonischen Stil von Palästen und Kirchen. Auf Studienreisen nach Rom, die ihm sein Mäzen Tressino ermöglichte, untersuchte er das Kolosseum, das Pantheon und auch den Tempietto von Bramante. In seinen Vier Büchern zur Architektur finden sich davon umfang- und detailreiche Zeichnungen.
Das berühmteste Bauwerk Palladios ist die Villa Capra, oder auch La Rotonda genannt, sie liegt auf einer Anhöhe vor Vicenza. Der zentrale Raum ist kreisrund, („La Rotonda“ = italienisch für „die Runde"), von diesem gehen kreuzförmig vier Flure ab, die zu Außentüren führen. Jeder der verbleibenden Flächen ist mit gleichen Zimmerfluchten gefüllt. Das Mezzanin- und das Untergeschoss ist nur durch Dienstbotentreppen zu erreichen, die in den Ecken der Zimmerfluchten gestellt sind. Jeder der vier Flure führt nach draußen. Die Außentür führt unter einem großen, überdachten Vorbau mit dreieckigem Giebel, der von sechs Säulen getragen (Hexastyl) wird, zu einer Treppenanlage die förmlich zur parkähnlichen Freifläche lädt. Der ganze Bau ist eine Inszenierung, ließ aber einen Johann Wolfgang von Goethe an dessen Wohnwert zweifeln: „Inwendig kann man es wohnbar, aber nicht wöhnlich nennen.“[33][34]
Der Bau ist bis ins kleinste Baudetail proportional komponiert, wenn man die von ihm angefertigten Holzschnitte zugrunde legt, mit vielen Verweisen auf die Vitruvübersetzung. Allerdings weicht der reale Bau von den angegebenen Maßen ab, was Proportionsanalysen erschwert.[35]
Palladio hat über 30 Bauwerken hinterlassen, von seinen Villen ist die Villa Cornaro zu erwähnen, wo er die Gartenfassade mit einer zweigeschossigen Loggia gestaltet, die gemäß den Regeln der Säulenordnung unten ionische und oben korinthische Säulen tragen.[36] Die Regeln der Zentralperspektive wendet er anschaulich in seinem Teatro Olimpico an.
Die Entwicklung von der Frührenaissance zum Barock[Bearbeiten]
In Italien vollziehen sich die Übergänge von der Frührenaissance über die Hochrenaissance und den Manierismus bis zum Barock scheinbar nahtlos. Pevsner deutete die Wandgestaltung von Michelangelos Laurenziana derart, dass er diesen zum „Vater des Barock“ erkor. Präsentierte sich die Renaissance Italiens als eine kontinuierliche Entwicklung, galt das nicht für andere Regionen Europas. Dort ging die Übernahme deutlich langsamer vonstatten; als in Rom die ersten Teile der alten Peterskirche abgebrochen wurden, ließ Heinrich VII. (England) an die Westminster Abbey in bester englischer Gotik die Neue Sakristei bauen.
Als sich der Barock Anfang des 17. Jahrhunderts etablierte, wurden mit dem Queen's House und Banqueting House in Whitehall (London) die ersten reinen Renaissancebauten errichtet. Vorher wurde dort mit unterschiedlichen Stilformen mit Anleihen aus der klassischen Architektur experimentiert. Die Wiederherstellung der Monarchie 1660 wandelte das gesellschaftliche Klima, und der Wandel zum Barock setzte ein. In ähnlicherweise Weise erfolgte in vielen Teilen Europas die Hinwendung zur Renaissance, die Bauwerke Brunelleschis oder Michelozzis galten als klassische Vorbilder, die schnell den regionalen Bedingungen angepasst wurden.[37] Die Ausbreitung des Barock und die Auseinandersetzung mit der als konservativ geltenden Renaissance wurde durch die Religionskonflikte um die Reformation und Gegenreformation bestimmt.[27]
Die Ausbreitung der Renaissance-Architektur außerhalb Italiens[Bearbeiten]
Das 16. Jahrhundert war durch die wirtschaftliche und politische Vormachtstellung Frankreichs und Spanien bestimmt, später drängten auch Holland, England, Deutschland und Russland hervor. Der Renaissancestil wurde hier als Ausdruck der kulturellen Identität gesehen, und die ersten Bauwerke der neuen Art entstanden.
Italienische Architekten waren im Europa des 16. Jahrhunderts begehrt, so zog es Sebastiano Serlio nach Frankreich, Aristotele Fioravanti nach Russland, und Francesco Fiorentino wirkte in Polen. Bald studierten Nicht-Italiener im Ursprungsland der Renaissance und importierten den neuen Stil: Philibert de l’Orme in Frankreich, Juan Bautista de Toledo in Spanien und Inigo Jones in England.[37]
Bücher und Kunstdrucke warben mit Plänen und Zeichnungen für den neuen Stil und verbreiteten sich bis weit nach Nordeuropa. Bekannte Zeichner waren Androuet du Cerceau aus Frankreich oder Hans Vredeman de Vries aus den Niederlanden. Der Deutsche Wendel Dietterlin veröffentlichte seine Architectura um 1598 in Nürnberg, in der die Renaissance sehr frei interpretiert wird.
Das Juleum in Helmstedt
Deutschland[Bearbeiten]
Italienreisende wie der Philosoph Johannes Reuchlin und der Maler Albrecht Dürer, dessen Schriftwechsel mit Raphael sich erhalten haben, importierten die neuen Ideen. Sehr interessiert waren unter den Auftraggebern für neuartige Architektur besonders die um sichtbares Prestige konkurrierenden Fürsten und reiche Kaufleute in größeren Handelsstätten.[38] Als bedeutende Bauten der Renaissance in Deutschland gelten die Fuggerhäuser in Augsburg, die Stadtresidenz Landshut, das Heidelberger Schloss, das Schloss Johannisburg in Aschaffenburg und das Augsburger Rathaus. In Köln realisierte Wilhelm Vernukken ab 1567 den zweigeschossigen Vorbau für das Rathaus. Die Kirche St. Michael in München, errichtet zwischen 1583 und 1597, ist die größte Renaissancekirche nördlich der Alpen und wurde zu einem katholischen Zentrum der Gegenreformation. Der Einfluss der Kirche Il Gesù in Rom ist deutlich erkennbar.
Beim Augsburger Rathaus ist der flämische Einfluss am Giebel deutlich erkennbar. In Norddeutschland sind die neuen Treppengiebel an vielen Bürgerhäusern wie in Stralsund, Lüneburg oder Lübeck und an vielen Bauwerken an der Straße der Weserrenaissance zu sehen. Einige freistehende Schlösser entstanden zur gleichen Zeit: Schloss Güstrow, Schloss Plön, Schloss Glücksburg und der Umbau des Schweriner Schlosses. Sie halten sich meist in ihrer Ornamentik zurück. Kunsthistorisch zählen sie zur nordischen Renaissance.[13][15]
Frankreich[Bearbeiten]
Französische Renaissance: Schloss Chambord (1519–1539)
Frankreich war im 16. Jahrhundert in mehrere Kriege in Norditalien verstrickt, eine Beute war der Renaissancestil, der so Einzug in Frankreich hielt. Im Loiretal entstanden schnell mehrere Burgen und Schlösser, von denen das Schloss Amboise künstlerisch hervorsticht, nicht nur weil Leonardo da Vinci seit ca. 1495 hier seine letzten Lebensjahre verbrachte.[13]
Weitere bedeutende Bauten, die teilweise wegen der langen Bauzeit in anderen Baustilen beendet wurden, sind:Schloss Chambord ab 1519 unter Einbeziehung der älteren Bauteile wie der Rundtürme
Schloss Fontainebleau ab 1528 durch Gilles le Breton
Louvre in Paris, ab 1546 unter Pierre Lescot.[39]Niederlande[Bearbeiten]
Antwerpen, Rathaus (fertiggestellt um 1564)
Wie in der Malerei benötigte die Renaissance-Architektur ihre Zeit, um in den Niederlanden Fuß zu fassen. Das erste bedeutende Bauwerk, das Rathaus von Antwerpen, das um 1564 fertiggestellt war, schuf Cornelis Floris de Vriendt. Es bildete mit seinem mittigen Turm für lange Zeit das Vorbild für viele Rathäuser im nördlichen Europa. Die niederländische Renaissance zeigte auch das Weiterverwenden gotischer Architektur, die nun mit größeren Fenstern dem neuen Stil angepasst wurden.
Im frühen 17. Jahrhundert beeinflusste Hendrick de Keyser maßgeblich die Architektur seines Landes, die geprägt war durch schmale Bürgerhäuser, die Straßenfronten dominierten Treppengiebel, die in der Renaissance und im aufkommenden Barock beibehalten wurden und auch mit Schnecken verziert wurden, die so als Volutengiebel zu bezeichnen sind. Die Steinmetzarbeiten wurden hier eher flach ausgeführt, im Gegensatz zu Italien.[13]
England[Bearbeiten]
Englische Renaissance: Hardwick Hall (1590–1597).
Die Renaissance-Architektur erreichte England in der Regierungszeit von Elisabeth I.; erste Bauten wurden unter starkem Einfluss der niederländischen Abwandlung der Renaissance auf dem Land errichtet. Ein Beispiel dieser Art ist das Longleat House.
Der erste Architekt, der die Renaissance in England zur Blüte brachte, war Inigo Jones. Er hatte in Italien studiert, und die Arbeiten Palladios beeinflussten ihn stark. Nachdem er nach England zurückgekehrt war, schuf er voller Enthusiasmus das Queen’s House bei Greenwich ab 1616 und das Banqueting House bei Whitehall drei Jahre später.[13][40]
Nordische Renaissance: Schloss Frederiksborg (1602–1620)
Skandinavien[Bearbeiten]
Die Renaissance-Architektur, die ihren Weg nach Skandinavien fand, war durch die flämische Architektur beeinflusst, was am Schloss Frederiksborg an den hohen Giebelfeldern abzulesen ist. Sie erreichte Dänemark unter der Regierungszeit von Friedrich II und besonders Christian IV. Durch die zeitgleich entstandenen französischen Schlösser angeregt, entwarfen flämische Architekten Meisterwerke wie das Schloss Kronborg in Helsingør und das Frederiksborg Schloss in Hillerod (1602–1620). Letzterer ist der größte Palast der Renaissance in Skandinavien.
Als sich Gustav I. Wasa als neugewählter König von Schweden daran machte, die protestantische Reformation zu sichern, kam der Bau von Kirchen und Adelspalästen nahezu zum Stillstand. Er konzentrierte sich zwecks Machterhalt darauf, schlossartige Burgen zu bauen. So entstanden zu seiner Zeit das Schloss Gripsholm (1537–1544), das Schloss Kalmar und das Schloss Vadstena; alle erhielten durch umfangreiche Umbauten von Vorgängerbauten ihren heutigen Renaissance-Charakter.
Die Renaissancearchitektur in Norwegen konnte sich aufgrund der Pest nur deutlich langsamer durchsetzen. So wurden nur wenige Bauwerke im neuen Stil errichtet, der bekannteste ist der Rosenkranzturm als Teil der Festung Bergenhus. Weitere sind die Baronie Rosendal in der Region Hardanger sowie die Festung Akershus, die von 1596 bis 1646 von italienischen Festungsbaumeistern von einer Festung zu einem Renaissanceschloss umgebaut wurde. In Finnland haben sich keine nennenswerten Bauwerke der Renaissance erhalten.
Der Escorial, Spanien
Spanien[Bearbeiten]
In Spanien des ausgehenden 15. Jahrhunderts erfolgte die Übernahme der Renaissance mit deutlichen Weiterverwendungen gotischer Formen. Der neue Stil wurde Plateresque genannt, wegen ihrer extrem dekorierten Fassaden, die an die überbordenden Dekorationen der damaligen Silberschmiedearbeiten, die Plateros, erinnern. Die klassische Ordnung wurde übernommen und mit traditionellen und starken maurischen Einflüssen zu einem neuen Ganzen verwoben.
Ab der Mitte des 16. Jahrhunderts gelang es, einen stärkeren Bezug zur römischen Antike herzustellen, mit Anleihen an den Manierismus, wie die Arbeiten der Architekten wie Pedro Machuca, Juan Bautista de Toledo und Juan de Herrera zeigen. Die bekanntesten Beispiele sind der Palast Karl V in Granada und der Escorial.[13]
Gnadenkirche in Évora, Portugal (1530–1540)
Portugal[Bearbeiten]
Wie in Spanien vollzog sich die Übernahme des Renaissancestils in Portugal in Abschnitten. Bauwerke, in gotischem Stil erbaut, wurden mit Stilelementen der Renaissance dekoriert. Dieser Stil wird Manuelinik, (ca. 1490–1535), genannt. Der Torre de Belém, eine gotische Verteidigungsanlage, wurde um eine Loggia im Renaissancestil ergänzt. Das Mosteiro dos Jerónimos (Hyronimus-Kloster) in Lissabon erhielt Portale, Säulen und einen Kreuzgang, die mit Renaissance-Ornamenten dekoriert wurden.
Die ersten reinen Renaissancebauwerke erschienen unter der Regierungszeit Johanns III, wie die Kapelle Nossa Senhora da Conceição in Tomar (1532–1540), die Porta Especiosa an der alten Kathedrale von Coimbra und die Gnadenkirche in Évora (ca. 1530–1540), der Kreuzgang der Kathedrale von Viseu(ca. 1528–1534) und des Convento de Cristo in Tomar (1557–1591). In Lissabon zählt die São Roque-Kathedrale (1565–1587) zur Frührenaissance, das Kloster São Vicente de Fora (1582–1629) zum Manierismus, beide wurden zum Vorbild für Nachfolgebauwerke in den portugiesischen Kolonien.[13]
Innenhof der Wawel-Burg, Krakau
Polen[Bearbeiten]
Die polnische Renaissance-Architektur wird in drei Zeitabschnitte unterteilt: Die erste Periode (1500–1550) wird auch die italienische genannt. Die meisten Renaissancebauwerke wurden von italienischen Architekten errichtet, so der Innenhof der Wawel-Burg und die Sigismund-Kapelle von Francesco Fiorentino und Bartolomeo Berrecci aus Florenz.
In der zweiten Periode (1550–1600) war die Renaissance-Architektur in Polen angekommen; eine Reihe von Bauwerken entstanden, die Anklänge an den Manierismus aufweisen oder den flämischen Einfluss besonders in Pommern zeigen: die Krakauer Tuchhallen, von Santi Gucci Rathäuser von Tarnów, Sandomierz (Umbau eines gotischen Vorgängerbaus), Chelm (zerstört) und am bekanntesten das in Posen.
In der dritten Phase (1600–1650) beherrschten die immer mächtiger werdenden Jesuiten im Zuge der Gegenreformation die Entwicklung und forcierten den manieristischen und barocken Baustil.[41]
Ungarn[Bearbeiten]
Burg Rákóczi in Sárospatak mit Reanissance-Wohnturm[42]
Das Königreich Ungarn war eines der ersten Länder, die von der Renaissance beeinflusst wurden; der Stil erreichte das Land, als König Matthias Corvinus 1476 Beatrix von Aragón, die Tochter des Königs von Neapel, heiratete. Viele italienische Künstler und Handwerker begleiteten die neue Königin in ihre neue Heimat. Die Basilika von Esztergom mit der Bakócz-Kapelle ist ein herausragendes Ergebnis.[43]
Der Facettenpalast im Moskauer Kreml
Russland[Bearbeiten]
Großfürst Ivan III lud eine Reihe italienischer Architekten ein und führte so die Renaissance in Russland ein. Der Renaissancestil wurde mit heimischer Tradition gemischt. 1475–1479 leitete der Bologneser Architekt Aristotele Fioravanti den Neubau der Uspenski-Kathedrale; sie liegt im Moskauer Kreml.
1485 beauftragte Ivan III den Architekten Aloisio da Milano mit dem Bau des Terem-Palastes im Kreml sowie mit dem Bau mehrerer Wehrtürme für die Kremlmauer. Ebenfalls für den Kreml ließ er ab 1492 den Facettenpalast errichten, und zwar unter der Leitung der italienischen Baumeister Marco Ruffo und Pietro Antonio Solari. 1505–1509 ließ Ivan III. zwölf Kirchen durch Aleviz Novyi bauen, darunter die Erzengel-Michael-Kathedrale.
Kathedrale des Heiligen Jakob (Šibenik)
Kroatien[Bearbeiten]
Kroatien war im 15. Jahrhundert in drei souveräne Staaten geteilt. Der nördliche Teil mit Slowenien gehörte zum Königreich Ungarn, Dalmatien, mit Ausnahme des unabhängigen Dubrovnik, stand unter der Herrschaft Venedigs. Die Kathedrale des Heiligen Jakob (Šibenik) wurde ab 1441 noch gotisch durch Giorgio da Sebenico erbaut. Ab 1477 bis 1505 vollendeten italienische Baumeister diese im Renaissancestil. Eine Besonderheit ist das ungewöhnliche Tonnengewölbe, das aus Steinplatten gebaut wurde.[44]
Die Nachwirkung der Architektur der Renaissance[Bearbeiten]
Es gab mehrere „Wiedergeburten“ der Renaissance. So lässt sich der Klassizismus, als Abgrenzung der überladenden Architektur des Barock und des Rokokos, als ein Rückgriff auf die römische und auch griechische Antike begreifen. Die Unterscheidung klassizistischer und Neorenaissance-Bauten ist mitunter schwierig.
In England bewirkte Richard Boyle, 3. Earl of Burlington, (1694–1753) eine erneute intensive Beschäftigung mit Vitruv und Palladio. Er ließ deren Schriften ins Englische übertragen, wofür er Illustrationen neuer englischer Bauwerke anfertigen ließ, deren Bau er größtenteils finanzierte: Das Burlington House ab 1719 diente ihm zunächst als eigenes Wohnhaus in London und beherbergt heute die Royal Academy of Arts. Das Chiswick House, erbaut 1726 bis 1729, heute London, ist eine Neuinterpretation von Palladios La Rotonda. Durch das gemeinsame Studium der Schriften des Plinius mit William Kent entwickelte er den englischen Landschaftsgarten. In der Folge kam es in England zu zahlreichen Nachbauten von Palladios Villen und Paläste.[45]
In Deutschland wurde der Wörlitzer Park maßgebend vom Architekten Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff (1736–1800) gestaltet. Obwohl das Schloss eindeutig klassizistisch ist, sind zahlreiche Nebengebäude nur als Rückgriff auf die Antike und Renaissance und hier besonders Palladio zu verstehen. Die Bogenbrücke, erbaut 1776, scheint direkt aus Palladios „Vier Bücher der Architektur“ entnommen zu sein. In Hamburg, genauer im damals dänischen Altona, baute sich der dänische Architekt Christian Frederik Hansen ein Haus ganz im Stil Palladios. Mitte des 19. Jahrhunderts gestaltete Gottfried Semper in Dresden das Semperforum, so orientiert er sich für die Sempergalerie an Vasaris Uffizien in Florenz.
Monticello in Virginia
In den neu gegründeten USA wurde der spätere dritte Präsident Thomas Jefferson, zunächst Botschafter in Paris, von der Palladio-Rezeption beeinflusst. Er nutzt diese Stellung für Studienreisen in Norditalien. Sein Wohnhaus Monticello in Virginia gestaltet er nach Palladios La Rotonda. Sein architektonisches Mitwirken am Bau des Kapitols und dem Bau des Weißen Hauses in Washington ist dokumentiert. Die Kuppel des Kapitols weist deutlich auf das Vorbild des Petersdoms hin.[46][47]
Im 19. Jahrhundert wurden im Neohistorismus nahezu alle Kunstepochen revitalisiert; auch die Renaissance wurde mit neuen Baumethoden neuinterpretiert. 1841 schuf Charles Barry mit dem Neubau des Reform Club in London eine kleinere Version des Palazzo Farnese. In Paris schuf Charles Garnier zwischen 1860 und 1875 die nach ihm benannte Opéra Garnier.[27]
Piazza d’Italia in New Orleans
In der Postmoderne (ab 1960 zunächst in der Literatur, ab 1980 in der Architektur) wird die Renaissance Teil der zeitgenössischen Architektur. In New Orleans entwarf Charles Willard Moore (1925–1993) mit der Piazza d’Italia eine fröhliche, fast comicartige Neuinterpretation der Renaissance. Weitere Architekten, die sich in ihren Arbeiten mit der Renaissance auseinandersetzten, sind unter anderem Ricardo Bofill, der in 1985 mit seiner Wohnsiedlung in Marne-la-Vallée, Paris, die Renaissance neu dimensionierte, Rob Krier, Phillip Johnson und viele andere. Oswald Mathias Ungers (1926–2007) bezog sich in seinen Entwurf für die Galerie der Gegenwart als Teil der Kunsthalle Hamburg direkt auf Palladios La Rotonda. Die Rotunde in Palladios Gebäudemitte mutiert bei Ungers zu einem Quadrat.
Einzelnachweise[Bearbeiten]↑ Erwin Panofsky, Renaissance and Renascences in Western Art, (New York: Harper and Row, 1960)
↑ Einige Architekturhistoriker wie beispielsweise Sir Banister Fletcher sehen im Barock ebenfalls eine Phase der Architektur der Renaissance.
↑ Der italienische Ausdruck lässt sich als „Vierzehnhundert“ interpretieren und entspricht im Deutschen dem 15. Jahrhundert.
↑ Die Frührenaissance in der Architektur wird auch zur Unterscheidung der Entwicklung in Venedig gebraucht, wo ein fließenderer Übergang von mittelalterlicher und Renaissance-Baukunst als in Florenz zu beobachten ist. Siehe: John McAndrew Venetian Architektur of the Early Renaissance (Cambridge: The MIT Press, 1980).
↑ Howard Saalman. Filippo Brunelleschi: The Buildings. (London: Zwemmer, 1993).
↑ Arnaldo Bruschi. Bramante (London: Thames and Hudson, 1977).
↑ Einige Architekturhistoriker schreiben diese „Erfindung“ der Kolossalordnung Palladio zu, der sie um 1542 bei der Villa Pisani noch ganz dezent einsetzt. Vergleiche: Lionello Puppi, Andrea Palladio, 1982, München, ISBN 3-423-02881-5
↑ Arnold Hauser. Mannerism: The Crisis of the Renaissance and the Origins of Modern Art. (Cambridge: Harvard University Press,1965).
↑ Cathedral of Chihuahua, 1725–1826
↑ Basilica Minore del Santo Niño, gegenwärtiger Zustand 1735–1739
↑ Die Liste der folgenden Gestaltungselemente ist von Banister Fletcher, History of Architektur on the Comparative Method übernommen.
↑ Alberti gestaltete zuvor Kirchenfassaden für Santa Maria di Novella (Florenz) und Tempio MalatestianoSan Francesco (Rimini). Beide Bauwerke entstanden bereits in der Gotik.
↑ a b c d e f g h i j k l m n o Banister Fletcher, History of Architektur on the Comparative Method (first published 1896, current edition 2001, Elsevier Science &amp; Technology ISBN 0-7506-2267-9).
↑ Giorgio Vasari: Künstler der Renaissance, 1997, Köln, ISBN 3-88059-927-0
↑ a b c Andrew Martindale, Man and the Renaissance. 1966, Paul Hamlyn
↑ a b c d e Ilan Rachum, The Renaissance, an Illustrated Encyclopedia. 1979, Octopus, ISBN 0-7064-0857-8
↑ J.R.Hale, Renaissance Europe, 1480–1520. 1971, Fontana ISBN 0-00-632435-5
↑ Helen Gardner, Art Through the Ages, 5th edition, Harcourt, Brace and World.
↑ Agnes Heller, Der Mensch der Renaissance, 1982, Köln-Lövenich, ISBN 3-8147-0015-5
↑ a b Heinrich Klotz, Fillippo Brunelleschi, 1990, Stuttgart, ISBN 3-421-02989-X
↑ Heinrich Klotz, Die Frühwerke Brunelleschis und die mittelalterliche Tradition, 1970, Berlin.
↑ Attilio Pizzipione, Filippo Brunelleschi, 1991, München und Zürich, ISBN 3-7608-8127-0
↑ Giovanni Fanelli, Brunelleschi. 1980, Becocci editore Firenze
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↑ Joseph Rykwert, Leonis Baptiste Alberti. Architectural Design, Vol 49 No 5–6, Holland St, London
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↑ Auf diese beabsichtigte Außenwirkung weisen Pevsner und Gardener hin, schließlich konnte Michelangelo diese an der Florentiner Kuppel und der deutlich unscheinbareren Kuppel des Pantheons studieren.
↑ J. W. Goethe, Reise-Tagebuch 1786. Tagebuch der Italienischen Reise für Frau von Stein. 2 Bände im Schuber, geb., Faksimile und Transkription: Band 1: Faksimile der Handschrift von Goethe, 440 S. mit 6 Federzeichnungen Goethes und 2 Einlegeblättern u. Band 2: Transkription von Wolfgang Albrecht, 154 S., hrsg. von Konrad Scheurmann und Jochen Golz, ISBN 3-8053-2001-9, Eintragung vom 21. September im 9 Kapitel
↑ Manfred Wundram, Thomas Pape, Paolo Marton, Andrea Palladio. Taschen, ISBN 3-8228-0271-9
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↑ Image of Bakócz Chapel (1506–1508)
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↑ Baldur Köster, Palladio in Amerika, 1990, München, ISBN 3-7913-1057-7
↑ Martin Warnke (Hrsg.), Politische Architektur in Europa, 1984, Köln, ISBN 3-7701-1532-5, hier der Beitrag von Paul F. Norton, Latrobe-Klassizismus S. 336–352Quellenschriften[Bearbeiten]Leon Battista Alberti: Zehn Bücher über die Baukunst. Darmstadt 1975, ISBN 3-534-07171-9. (um 1450)
Sebastiano Serlio: The Five Books Of Architecture. New York, ISBN 0-486-24349-4. (Nachdruck der englischen Ausgabe von 1611)
Andrea Palladio: Die vier Bücher zur Architektur. Zürich/München 1570, 1983, ISBN 3-7608-8116-5.Literatur[Bearbeiten]Hubertus Günther: Was ist Renaissance? Eine Charakteristik der Architektur zu Beginn der Neuzeit. Darmstadt 2009.
Krista De Jonge, Konrad Ottenheym: Unity and discontinuity. Architectural relations between the Southern and Northern Low Countries 1530 – 1700. Turnhout 2007.
Anne Schunicht-Rawe, Vera Lüpkes (Hrsg.): Handbuch der Renaissance. Deutschland, Niederlande, Belgien, Österreich, Schweiz. Köln 2002.
Jean Guillaume (Hrsg.): Architecture et vie sociale. L´organisation intérieure des grandes demeures à la fin du moyen âge et la renaissance. Actes du colloque tenu à Tours du 6 au 10 juin 1988. Paris 1994.
Rudolf Wittkower: Grundlagen der Architektur im Zeitalter des Humanismus. dtv-wissenschaft, München 1983, ISBN 3-423-04412-8.
Nikolaus Pevsner: An Outline of European Architecture. Pelican, Harmondsworth, Middlesex, England 1964.
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Robert Erich Wolf, Ronald Millen: Renaissance and Mannerist Art. Harry N. Abrams, 1968.
Jacob Burckhardt: Die Baukunst der Renaissance in Italien. Nach der Erstausgabe der "Geschichte der Renaissance in Italien" (= Jacob Burckhardt Werke 5). München 2000.Weblinks[Bearbeiten]Renaissance-Architektur in Great Buildings Online<!–NewPP limit report
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Außenansicht des Architekturmuseums, 2011
Das Architekturmuseum der Technischen Universität Berlin ist eine Sammlung von Architekturzeichnungen überwiegend preußischer Architekten des 19. und 20. Jahrhunderts.Inhaltsverzeichnis
1 Geschichte
2 Bestand
3 Ausstellung
4 Onlineangebot
5 WeblinksGeschichte[Bearbeiten]
Das Architekturmuseum wurde 1885/86 an der Technischen Hochschule Berlin gegründet und ist eine der ältesten Einrichtungen dieser Art in Europa. Nach verschiedenen organisatorischen Veränderungen und entsprechenden Umbenennungen (1932: „Architektur-Archiv der TH Berlin“, ca. 1950: „Plansammlung der Architekturfakultät“, 1972: „Plansammlung der Universitätsbibliothek der Technischen Universität Berlin“) führt die Einrichtung seit 2007 wieder den Namen „Architekturmuseum“.
Bestand[Bearbeiten]
Fotobeispiel: Treppenhalle des OLG Düsseldorf (1910)Architektur des 19. und frühen 20. Jahrhunderts („Altbestand“)
Historische Fotografien
Ehemalige Bestände des Berliner Architektenvereins
Größere Einzelnachlässe und -teilnachlässe:
Gustav Allinger (1891–1974), Erwin Albert Barth (1880–1933), Erich Blunck (1872–1950), Karl Böttcher (Architekt) (1904–1992), Carl von Diebitsch (1819–1869), Gerhard Graubner (1899–1970), Herta Hammerbacher (1900–1985), Hermann Jansen (1869–1945), Otto Kohtz (1880–1956), Paul Lehmgrübner (1855–1916), Carl Johann Lüdecke (1826–1894), Werner March (1894–1976), Hermann Mattern (1902–1971), Alfred Messel (1853–1909), Karl Wilhelm Ochs (1896–1988), Helmut Ollk, Hans Poelzig (1869–1936), Martin Punitzer (1889–1949), Ernst Sagebiel (1892–1970), Paul Schwebes (1902–1978), Hans Simon (Architekt) (1909–1982).Ausstellung[Bearbeiten]2011: Architekturbilder. 125 Jahre Architekturmuseum der TU Berlin, Bauakademie-Provisorium, BerlinOnlineangebot[Bearbeiten]
Seit 2002 wird der Sammlungsbestand digital erfasst. Zurzeit (2009) sind ca. 90&#160;% des Bestandes digital verzeichnet – 110.000 Datensätze – und können auch online recherchiert werden. Bis auf wenige Ausnahmen kann ein Digitalisat des Originals online eingesehen werden. Die Bestände des Architekturmuseums können außerdem über das BAM-Portal recherchiert werden.
Weblinks[Bearbeiten]
&#160;Commons: Architekturmuseum der Technischen Universität Berlin&#160;– Sammlung von Bildern, Videos und AudiodateienInformationen zu Architekturmuseum TU Berlin in der Deutschen Digitalen Bibliothek (DDB)Informationen zu Architekturmuseum TU Berlin im Portal SPK digital der Stiftung Preußischer Kulturbesitz
Architekturmuseum der TU Berlin
Eintrag in der Berliner Landesdenkmalliste: Institut für Architektur52.51361111111113.323888888889Koordinaten: 52°&#160;30′&#160;49″&#160;N, 13°&#160;19′&#160;26″&#160;O
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Bei der Architektursoziologie handelt es sich um eine spezielle Soziologie, deren Gegenstand die gesellschaftliche Bedeutung der Architektur ist.Inhaltsverzeichnis
1 Gegenstände und Aspekte der Architektursoziologie
2 Kultursoziologie
3 Klassiker der Architektursoziologie
4 Artefaktsoziologie
5 Raum- und Stadtsoziologie
6 Berufssoziologie, Intellektuellensoziologie, Soziologie der Utopie
7 Wirtschafts- und politische Soziologie
8 Aktuelle Tendenzen und Theorieansätze
9 Forscher
10 Literatur
11 WeblinksGegenstände und Aspekte der Architektursoziologie[Bearbeiten]
Die Architektur (und generell die gebaute Umwelt) ist in Bezug auf jede Gesellschaft bedeutsam: sie ist omnipräsent, unentrinnbar, zumeist auf Expressivität und damit auf gesellschaftliche Kommunikation angelegt. Zugleich schafft sie je konkrete, materielle Räume, in denen die sozialen Interaktionen ablaufen, umgibt unseren Körper permanent, evoziert und lenkt seine Bewegungen und Blicke. Architektur wird nicht nur visuell, sondern auch körperlich wahrgenommen; sie hat nicht nur eine Expressivität und Affektivität, sondern ist auch unser alltägliches Lebensmilieu. Sie prägt unsere Raumvorstellungen, hält Generationen und ganze verschwundene Gesellschaften präsent und macht die Subsysteme der Gesellschaft sichtbar. Als Kunst hat sie oft eine besondere Affektivität, eine Faszinationskraft.
In all dem ist sie soziologisch höchst relevant; und all dies gilt für vor- und nichtmoderne (nahezu) ebenso wie für moderne Gesellschaften. Die Architektursoziologie dreht sich um diese gebaute Gestalt der Gesellschaft, um die Architektur in städtebaulichen Dimensionen bis hin zur Innenarchitektur, in historischer oder zeitgenössischer Perspektive.
In einem zweiten Sinn wäre die Architektursoziologie eine Architektensoziologie: ihr geht es eher um den Beruf und das besondere Wissen des Architekten, um Architekturpolitik und Bauwirtschaft.
Die Architektur ist ein komplexer Gegenstand. Entsprechend gibt es verschiedene Aspekte oder verschiedene Subdisziplinen, die sich für die Architektur interessieren; und verschiedene Denkansätze, von denen aus man die Architektur einer Gesellschaft beobachten kann.
Kultursoziologie[Bearbeiten]
In der Architektursoziologie als Kultursoziologie kommt primär die Phänomenalität des Gebauten in den Blick: oder, mit Simmel gesprochen, die "Haut" der Gesellschaft.
In der Moderne unterscheidet sich die gebaute Gestalt hinsichtlich der sozialen Sphären (Wohnarchitektur; Konsumarchitektur, Mobilitätsarchitektur, politische und religiöse Architektur). Es gibt viele verschiedene Bautypen (Fabriken, Gefängnisse, Theater- und Kinobauten etc.), die je Gegenstände einer architektursoziologischen Beobachtung werden können – z.B. in Hinsicht auf die gesellschaftsdiagnostische Frage, inwiefern eine bestimmte Architektur je einen Aspekt der Struktur dieser Gesellschaft – oder die gesamte Gesellschaftsstruktur wie in der Analyse der höfischen Gesellschaft von Norbert Elias – 'ausdrückt', betont oder überhaupt erst präsent und wirkmächtig macht. Die Analyse der je konkreten Architektur hätte dabei an allen Aspekten anzusetzen: nicht nur am Grundriss, sondern auch an der Formensprache, der Dimension, den Materialien, der Bauweise, der Ausstattung und ebenso an den begleitenden Diskursen.
Klassiker der Architektursoziologie[Bearbeiten]
Solche architektursoziologischen Analysen der gebauten Gestalt der Gesellschaft finden sich – allerdings stets implizit, nicht als solche ausgewiesen – schon bei den Klassikern der Soziologie: unter anderem bei Marcel Mauss (die doppelte Architektur der Eskimos), Walter Benjamin (Passagen als Geburtsstätten der Konsumgesellschaft), Norbert Elias (höfische Wohnstrukturen als Anzeiger der höfischen Gesellschaftsstruktur), Michel Foucault (Gefängnisse und andere Architekturen als Geburtsstätten der Disziplinargesellschaft) sowie bei Ernst Bloch, Siegfried Kracauer, Pierre Bourdieu, Maurice Halbwachs, oder Karel Teige.
Artefaktsoziologie[Bearbeiten]
Von der Techniksoziologie her gibt es Ansätze zu einer Soziologie der Artefakte, die allerdings zunächst bezogen ist auf technische Dinge, während die Architektur keineswegs in der Technik aufgeht. Die Perspektive einer Architektursoziologie als Artefaktsoziologie wäre die Frage nach der 'Interaktion' zwischen Architektur und Akteur, also die Frage, inwiefern eine ganz konkrete Architektur je bestimmte Handlungsweisen, Bewegungsweisen, Wahrnehmungsweisen nahelegt und ermöglicht, und andere verunmöglicht. Man hätte dann weniger die visuelle Gestalt, als die Konditionierung des Körpers im Blick.
Raum- und Stadtsoziologie[Bearbeiten]
Der Begriff sozialer Raum wird bei Pierre Bourdieu und anderen Soziologen in einem abstrakteren Sinne gebraucht, wie auch in der Raumsoziologie, die von Georg Simmel begründet wurde. Unter anderem Michel Foucault (andere Räume, Heterotopien), Dieter Läpple, Martina Löw und Markus Schroer haben das Thema der Raumsoziologie aufgegriffen (siehe dort).
Von Georg Simmel aus entfaltet sich auch die Stadtsoziologie, aus dessen Frage nach der spezifischen Lebensweise und Mentalität der Großstädter (Die Großstädte und das Geistesleben, 1903). Die Stadtsoziologie befasst sich seither vor allem mit städtischen Sozialstrukturen (im Gegensatz zur Gemeinde auf dem Land), mit Segregationsprozessen, Verstädterung und Schrumpfung von Städten. Dabei steht die Architektur bislang eher nicht im Vordergrund; vielmehr geht es um soziale Interaktionen in der Stadt. Jüngst entfaltet sich aber gegenüber dieser (das Großstadtleben generell analysierenden) Forschungsrichtung eine Beobachtung der „Differenz der Städte“ (Martina Löw, Helmuth Berking), die auch an deren Architektur anknüpfen wird.
Berufssoziologie, Intellektuellensoziologie, Soziologie der Utopie[Bearbeiten]
Es geht hier auch um eine Wissens- und eine Intellektuellensoziologie der Architekten. Beim beruflichen Aspekt geht es um die Soziologie des Architekten (Professionssoziologie) als einer kreativen, akademisch institutionalisierten Disziplin (v.a. Florent Champy, Oliver Schmidtke) sowie um Fragen des Status des Architekten in der Gesellschaft. Ein weiterer Aspekt des komplexen Gegenstandes Architektur ist die Intellektuellensoziologie der Architekten: die Frage, in welcher Rolle sie sich selbst in der Gesellschaft engagieren, und dies vor dem Hintergrund eines veritablen sozialtechnischen Anspruchs, den sie spätestens im 20. Jahrhundert formulieren. Es ging aus der Sicht der Avantgarde um nichts Geringeres als um die Alternative von „Baukunst oder Revolution“ (Le Corbusier, Vers une architecture, 1923): um die Ordnung der Gesellschaft. In Analogie zur wissenssoziologischen Frage nach dem sozialen Standort eines Denkens (Karl Mannheim) und den frei schwebenden Intellektuellen wäre auch für die Architekten die Standortverbundenheit herauszuarbeiten. Ebenso wären architektonische Utopien zu befragen: auf die historische Einbettung, die Kritik an der Gesellschaft, auf die Lösungsvorschläge, auf die Wirkmächtigkeit.
Wirtschafts- und politische Soziologie[Bearbeiten]
Die Soziologie hat sich ebenso für Fragen der Baupolitik und der Bauwirtschaft zu interessieren: ist doch der Bausektor von den investierten Mitteln her (neben dem Krieg) nicht nur, aber auch ein Gebiet der „unproduktiven Verausgabung“ (Georges Bataille): staatliche Bauvorhaben sagen als Gesellschaftsprojekte über diese selbst etwas aus.
Aktuelle Tendenzen und Theorieansätze[Bearbeiten]
Aktuell ist eine explizite Neubegründung der Architektursoziologie, auch mit einem stärkeren soziologietheoretischen, forschungsleitenden Interesse, zu beobachten. Aus verschiedenen Theorieansätzen und Interessenschwerpunkten heraus (der multiparadigmatischen Wissenschaft Soziologie entsprechend) werden so verschiedene Sichtweisen auf die Relation von Architektur und Gesellschaft ermöglicht. Es sind mindestens zu nennen: die Gender Studies, der zivilisationstheoretische Ansatz von Norbert Elias, der dispositivtheoretische Ansatz von Michel Foucault, der Ansatz der Kritischen Theorie und des historischen Materialismus, der symbolische Ansatz von Pierre Bourdieu, der Ansatz der Cultural Studies, die Soziale Morphologie (Émile Durkheim, Marcel Mauss, Maurice Halbwachs) oder die Entfaltung der französischen 'Lebenssoziologie' (Deleuze, Castoriadis) für die Architektursoziologie. Eine mögliche Sichtweise ist auch die Philosophische Anthropologie mit ihrer Berücksichtigung des Körpers; eine wieder andere die Systemtheorie im Blick auf die Kommunikationsmedien der Gesellschaft; oder der Ansatz an der symbolischen Interaktion zwischen den sozial handelnden Menschen mittels der Gestaltung von Räumen.
Forscher[Bearbeiten]In Deutschland sind aus einer eher stadtsoziologischen Richtung u.a. Gerhard Grohs, Harald Bodenschatz, Herbert Schubert, Uwe-Jens Walther und Bernhard Schäfers zu nennen; einen Beitrag aus stadtsoziologischer Perspektive lieferte auch Christine Hannemann mit ihrer Arbeit "Die Platte" zum industrialisierten Wohnungsbau in der DDR.
aus einer eher kultursoziologischen und gesellschaftstheoretischen Richtung forschen u. a. Walter Prigge, Michael Makropoulos, Joachim Fischer, Heike Delitz sowie Thomas Gieryn, Paul Jones und Richard Sennett im angloamerikanischen Raum.
Davon unterschieden ist der Beitrag der Gender Studies, u. a. von Kerstin Dörhöfer, Ulla Terlinden, Susanne Frank, Katharina Weresch, Barbara Zibell.
Die systemtheoretische Untersuchung des Architektursystems verfolgt Dirk Baecker.
Ein Einstieg in die sich gerade erst etablierende Disziplin schlug auch der Berliner Architekturkritiker und Theologe Dieter Hoffmann-Axthelm vor.
aus raumsoziologischer Perspektive kommen zu architektursoziologischen Analysen Martina Löw, Silke Steets, Markus Schroer.
Zur Soziologie der Landschaftsarchitektur sind Ulf Jacob und Stefan Kauffmann zu nennen.Literatur[Bearbeiten]Dirk Baecker: Die Dekonstruktion der Schachtel. Innen und außen in der Architektur. In: Niklas Luhmann, Frederick Bunsen, Ders.: Unbeobachtbare Welt. Über Kunst und Architektur. Bielefeld 1990, 67–104.
Florent Champy: Sociologie de l'architecture. Paris 2001.
Heike Delitz: Architektur als Medium des Sozialen. Ein Vorschlag zur Neubegründung der Architektursoziologie. In: Sociologia Internationalis Bd. 43, 1–2/2005, 1–25.
Heike Delitz: Die Architektur der Gesellschaft. Architektur und Architekturtheorie im Blick der Soziologie. In: Wolkenkuckucksheim – Cloud-Cuckoo-Land – Vozdushnyi zamok. Internationale ZS für Theorie und Wissenschaft der Architektur, 10. Jg. H. 1 (Sept. 2006): From Outer Space: Architekturtheorie außerhalb der Disziplin.
Heike Delitz: Architektursoziologie. Reihe Einsichten. Themen der Soziologie. Bielefeld 2009.
Heike Delitz: Gebaute Gesellschaft. Architektur als Medium des Sozialen. Frankfurt/M. 2010.
Joachim Fischer: Die Bedeutung der Philosophischen Anthropologie für die Architektursoziologie. In: K.-S. Rehberg (Hg.): Soziale Ungleichheit – Kulturelle Unterschiede. Verhandlungen des 32. Kongresses der DGS in München 2004. Frankfurt/New York 2006, CD-Rom, 3417–3429.
Joachim Fischer, Joachim Fischer (Hg.): Die Architektur der Gesellschaft. Theorien für die Architektursoziologie. Bielefeld 2009, ISBN 978-3-8376-1137-3.
Joachim Fischer, Michael Makropoulos (Hg.): Potsdamer Platz. Soziologische Theorien zu einem Ort der Moderne. München 2004.
Peter Gleichmann: Soziologie als Synthese. Zivilisationstheoretische Schriften über Architektur, Wissen und Gewalt. Hg. v. H.-P. Waldhoff, Wiesbaden 2006.
Thomas Gieryn: What Buildings do. In: Theory and Society, Jg. 31 (2002), 35–74.
Martin Ludwig Hofmann: Architektur und Disziplin. Über die Formbarkeit menschlicher Existenz in der Moderne. Frankfurt am Main 2000.
Dieter Hoffmann-Axthelm: Die dritte Stadt. Frankfurt 1993, ISBN 3-518-11796-3.
Paul Jones: Sociology of Architecture. Constructing Identities. Liverpool 2009.
Kollektiv: Themenheft Architektur der Gesellschaft. In: Aus Politik und Zeitgeschichte 25/2009 (15. Juni).
Bernhard Schäfers: Architektursoziologie. 2. durchg. Aufl., Wiesbaden (VS) 2006, ISBN 978-3-531-15030-7.
Oliver Schmidtke: Architektur als professionalisierte Praxis. Soziologische Fallrekonstruktionen zur Professionalisierungsbedürftigkeit der Architektur. Weilerswist 2006.
Herbert Schubert: Empirische Architektursoziologie. In: Die alte Stadt 1/2005, 1-27.
Richard Sennett: Fleisch und Stein. Der Körper und die Stadt in der westlichen Zivilisation. Frankfurt/M. 1997.
Hans Peter Thurn, Architektursoziologie. Zur Situation einer interdisziplinären Forschungsrichtung in der BRD. In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 1972, Jg. 24, S. 301-341.Weblinks[Bearbeiten]www.architektur-soziologie Arbeitsgemeinschaft Architektursoziologie in der Deutschen Gesellschaft für Soziologie
archinoah.de Studienarbeiten der Architektursoziologie<!–NewPP limit report
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Dieser Artikel beschäftigt sich mit Methodik und Gebiet des Faches Architekturgeschichte, zur Geschichte der Architekturstile in chronologischer Reihenfolge vergleiche den Artikel Geschichte der Architektur
Die Architekturgeschichte ist der Teil der Kulturwissenschaften, der sich mit vorwiegend kunstwissenschaftlicher und in zweiter Linie mit ingenieurwissenschaftlicher und soziologischer Methodik mit der historischen Dimension der Architektur beschäftigt.Inhaltsverzeichnis
1 Gebiet
2 Interesse
3 Methodik
4 Der Diskurs um Methodik und Abgrenzung
5 Geschichte
6 Architekturgeschichte als Studienfach
7 Anwendungsgebiete
8 Literatur
9 Weblinks
10 EinzelnachweiseGebiet[Bearbeiten]
Architekturgeschichte erforscht die Geschichte der Architektur, also der Bauwerke, der Architekturtheorie und des Diskurses um Architektur, wie auch des Städtebaus und der Siedlungsgeschichte. Denn auch wenn die Stadtbaugeschichte ein eigener Zweig der Architekturgeschichte ist, so kann eine Architekturgeschichte doch nie ohne die städtebauliche Dimension auskommen.
Interesse[Bearbeiten]
Da jede Zeit, jedes Land und jede Region ihre eigene Ausformung von Architektur hat, möchte die Architekturgeschichte diesem Phänomen auf die Spur kommen. Sie bestimmt die jeweiligen personenbezogenen, örtlichen und zeitlichen Faktoren, die bei der Errichtung eines Bauwerks, oder, auf höherer Ebene, im Charakter einer Periode oder Epoche hineinspielen. Ziel dabei ist, den kulturgeschichtlichen Stellenwert der Architektur innerhalb des gesellschaftlichen Kontextes zu verstehen. Seit den 1980er Jahren hat sich dabei zunächst innerhalb der Denkmalpflege und bald auch darüber hinaus der Gedanke durchgesetzt, alle Epochen, und so auch die der Moderne und Nachkriegsmoderne objektiviert zu sehen, und nicht etwa eine von ihnen zu diskriminieren, indem man ihr die Geschichtlichkeit abspricht.[1][2]
Methodik[Bearbeiten]
Wie die Architektur in ihrer alltäglichen Praxis und ihrer gesellschaftlichen Wahrnehmung sich in einer Mittlerrolle zwischen Kunst und Funktion befindet, wendet auch die Architekturgeschichte sowohl Methoden der Kunstwissenschaft, wie auch der Technik, der Technikgeschichte und der Soziologie an. Konkret kann kein Bauwerk untersucht werden, ohne dass der künstlerische Aspekt, zum Beispiel die Gestaltung der Gliederung, die Kombination der Materialien etc. zusammen mit dem technischen Aspekt gesehen wird. Zu den technischen Aspekten gehören etwa Tragwerkstechnik, Materialherstellung, -verfügbarkeit und -beschaffenheit. Insbesondere die Konstruktionstechniken bilden ein zentrales Unterscheidungsmerkmal der verschiedenen Zeiten, hängt mit ihnen doch immer auch die konkrete Ausbildung der Bauwerke zusammen. Diese Methodik ist eine der Moderne, sie ist jedoch ebenso bei Vitruv oder Andrea Palladio anzutreffen.
Die Arbeitsweise des Architekturhistorikers lässt sich daher wie folgt beschreiben:
Häufig geht die Architekturgeschichte zunächst von einer Bauanalyse aus, ohne den historischen Kontext unmittelbar zu berühren. Das heißt, dass man zunächst beschreibt und beurteilt, wie an Bauten mit Material, Konstruktion, Funktion, Raum, Dekoration, Farbe etc. umgegangen wird. In dieser Phase spielt die „Historische Bauforschung“ eine bedeutende Rolle.[3] Sie leistet die zeichnerische und photographische Dokumentation eines Gebäudes mit allen seinen Teilen und bedient sich ferner diverser analytischer Methoden der Datierung.
Der zweite Schritt, der manchmal auch vorher erfolgt, ist die Suche nach Schriftquellen und sonstigen Aussagen zu dem Gebäude, z.&#160;B. in Bauämtern und anderen Archiven, die Befragung von Zeitzeugen und Bewohnern. Auch die Lektüre einschlägiger Publikationen gehört dazu. Schließlich muss das Umfeld analysiert werden, in dem das Bauwerk steht.[4]
Die Ergebnisse der beiden Schritte werden in einen örtlichen, persönlichen und historischen Kontext gebracht: Der Zusammenhang der Bauherrenintention und seiner sozialen Stellung etc., ebenso die Architektenpersönlichkeit und schließlich die Zusammenhänge, in denen Materialien und Techniken jeweils stehen. Das Bauwerk kann so schließlich in seinen Bezügen verstanden werden, die zu seiner spezifischen Ausprägung führten. Die Zusammenschau vieler solcher Einzelanalysen führt zum Verständnis der Bezüge, in denen eine Periode oder Epoche der Architekturgeschichte mit ihrer spezifischen Ausprägung steht.
Der Diskurs um Methodik und Abgrenzung[Bearbeiten]
Architekturgeschichte entspricht einer gesellschaftlichen Aufgabe. Zur inhaltliche Abgrenzung und Methodik haben jedoch sowohl Fachvertreter wie auch Vertreter benachbarter Disziplinen unterschiedliche Auffassungen geäußert.
Ein Hintergrund der Auseinandersetzung ist der Streit, ob Architektur eine Kunst oder eine Ingenieurleistung ist. Die Zuordnung zur (Bau-)Kunst oder zum Ingenieurwesen führt dazu, dass das Fach entweder der Kunstgeschichte oder der Technikgeschichte bzw. konkret dem jüngeren Fach der Bautechnikgeschichte zugeordnet wird.[5] 2005 wurde bei einer der Einführungsreden des Kunsthistorikertages die Meinung geäußert, Architekturgeschichte solle sich nicht als eigenes Fach benennen. Hier bestand von Seiten meinungsführender Kunsthistoriker die Auffassung, Architekturgeschichte könne sich auf die Untersuchung von künstlerischen Aspekten beschränken und sei von der Kunstgeschichte daher nicht zu trennen. Aus der Architektenschaft gibt es den Einwand, Architekturgeschichte sei kein eigenes Fachgebiet, sondern Teil der Architektur. Der Kölner Kirchenbaumeister Rudolf Schwarz vertrat 1953 die Auffassung, Architekten sollten sich mit der Architekturgeschichte keine “überzählige Geisteswissenschaft ins Bett” legen lassen.[6] Schwarz glaubte, Architekten selbst sollten die Architekturgeschichte erforschen, und wollte keine Vertiefung in einer akademischen Geisteswissenschaft.
Entgegen dieser Vielzahl von gegensätzlichen Positionen vertritt die hier gegebene Definition die Auffassung, dass Architekturgeschichte ein eigenständiges komplexes Fach mit einem anspruchsvollen methodischen Repertoire ist. Architekturgeschichte bemüht sich, technische, künstlerische, kulturhistorische und biographische Aspekte zu berücksichtigen, um zu einem angemessenen Verständnis des Kulturphänomens Architektur zu gelangen.
Geschichte[Bearbeiten]
Man könnte bereits den antiken Architekten Vitruv mit seinem Buch "De Architectura" oder etwa die Renaissanceliteraten Alberti und Palladio als Architekturhistoriker bezeichnen, wobei jedoch der Unterschied zur modernen Architekturgeschichte des 19. und 20.&#160;Jahrhunderts ins Auge fällt: Die älteren Theoretiker haben ihre Werke hauptsächlich im Sinne einer Sammlung von Mustern gesehen, die sie interpretieren, um darauf ihre eigene Architekturtheorie zu stützen.
Die Anfänge der architekturgeschichtlichen Forschung[7] liegen jedenfalls im Interesse der italienischen Renaissancearchitekten an der antiken Architektur besonders der Stadt Rom, die sie zeichneten, vermaßen und analysierten, um Vorbilder für ihre eigenen Werke zu gewinnen. Im 18. Jahrhundert suchten europäische Bildungsreisende im Zuge ihrer Grand Tour die Kunststätten Italiens auf und beschrieben die dortigen architektonischen Meisterwerke, wobei sich das Augenmerk vornehmlich auf Antike und Neuzeit als vorbildliche Stilepochen konzentrierte. Im Kontext der Wiederentdeckung antiker Architektur (wie Pompeji in den 1750ern, oder Troja um 1830), wurde antike Architektur über den bisherigen Kanon hinaus greifbar. Vereinzelt traten aber auch schon die großen Kathedralen des Mittelalters nördlich der Alpen in den Blick, die als Objekte der lokalen oder nationalen Geschichte und als technische Meisterwerke bewundert werden. In Frankreich, England und Deutschland sah man den „gotischen“ Stil als nationale Errungenschaft an. Nachdem mit dem Ende des Klassizismus die Antike als einzige Norm der Kunst abgelöst war, führte die Suche nach historischen Vorbildern für das Kunstschaffen der Gegenwart zu einer intensiveren Beschäftigung mit der Architektur aller Zeiten und Völker. Im Zuge des Aufblühens der Geschichtswissenschaft und der akademischen Kunstgeschichte im 19. Jahrhundert wurden Stilkategorien (vgl. Stilkunde) für die Analyse der Architekturgeschichte ausgebildet. Die Abgrenzung der Stilepochen untereinander entwickelt sich jedoch erst im Laufe der Zeit. „Gotik“ und „Romanik“ sind Begriffe aus der Architekturgeschichte, die sich in der gesamten Stilgeschichte verbreitet haben. Die Erforschung der nationalen Kunstdenkmäler wurde in Angriff genommen, parallel zu den Anfängen der Denkmalpflege. Aus der Restaurierungstätigkeit der Architekten (z.B. Viollet-le-Duc) an den mittelalterlichen Kathedralen ergaben sich viele Erkenntnisse zur Baugeschichte. Orts- und regionalgeschichtliche Forschungen durch Geschichtsvereine (Vorreiter ist England mit seinen Archaeological Societies, in Frankreich folgen die Societés Archéologiques diesem Vorbild) stehen neben den ersten Überblicksdarstellungen (z.B. Franz Kugler, Geschichte der Baukunst. Stuttgart 1856–1859). Die Lehre an den Architektenschulen richtete sich zunehmend historisch aus. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wandte man sich mehr und mehr vernachlässigten und missachteten Epochen wie dem Barock zu. Dabei stand das Forschungsinteresse stets in einem Zusammenhang mit den ästhetischen Vorurteilen der jeweiligen Gegenwart. Die städtebaulichen Aufgaben der Gründerzeit weckten das Interesse an der Stadtgeschichte und historischen Stadtplanung. Auch die Moderne und die folgenden Strömungen stellen sich trotz der radikalen stilistischen Neuerungen nie außerhalb der Rezeption historischer Baukonzepte.
Vitruv schrieb als Architekt für Architekten. Moderne Architekturgeschichte erforscht Architektur als Kulturphänomen für die Allgemeinheit. Sie geht dabei über eine reine Baukunde und Baudenkmalforschung hinaus und findet in fächerübergreifenden Ansätzen wie Urbanistik, Raumordnung und Landschaftsplanung Anwendung. Längst auch erfasst sie die Bautätigkeit aller Kulturen in globaler Perspektive.
Architekturgeschichte als Studienfach[Bearbeiten]
Architekturgeschichte wird in der Regel nicht als eigenes Fach studiert, sondern stattdessen eine Kombination aus Fächern, die zum Verständnis der besonderen Arbeitsweise der Architekturgeschichte dienen, wie etwa Kunstgeschichte, Architektur, Denkmalpflege. Auch Klassische Archäologie ist als ein Studium von Architekturhistorikern häufig.
Anwendungsgebiete[Bearbeiten]
Herausforderung Architekturgeschichte: Berlin, Neue Schönhauser Straße. Der geknickte Straßenverlauf durch die Entstehung parallel zur Befestigung Memhardts 1658-62, die niedrigeren Häuser Mitte des 19. Jahrh., die höheren aus Historismus und der Reformarchitektur um 1900, so das „Volkskaffeehaus“ von Alfred Messel, 1890. Haus rechts von 1887, 1929 überformt. Darüber Hochhaus am Alexanderplatz, 1970, Kollektiv Roland Korn.[8]
Eine Person, die Architekturgeschichte professionell und mit kritischem Methodenbewusstsein betreibt, nennt sich Architekturhistoriker. Architekturgeschichte hat vielfältige Anwendungsgebiete, von denen drei jedoch die häufigsten sind: Architektur, Denkmalpflege und Stadtführungen.
Architekten verwenden die Architekturgeschichte, um für aktuelle Projekte Anregungen zu finden, die Bewältigung ähnlicher Probleme zu vergleichen oder ein Bauwerk mit seinem Umfeld abzustimmen, d.h. es entweder einzupassen oder abzusetzen. Im Falle der bewusst gewählten Anpassung handelt es sich letztlich um einen Fall der Stadtbildpflege oder Denkmalpflege.
In der Denkmalpflege zielt die Erforschung der Architekturgeschichte zunächst auf eine Bewertung der Bauten eines Gebietes, um zu bestimmen, welche einen so hohen kulturhistorischen Wert haben, dass sie mit wissenschaftlicher Begründung als Baudenkmal eingetragen werden müssen (Phase der Inventarisation). Die architekturhistorische Erforschung eingetragener Denkmäler dient ihrem Schutz. So muss einerseits durch die Bauforschung ein Gebäude in seinen Teilen (wie vorher in der Phase der Inventarisation als Ganzes) bewertet werden, um zu entscheiden, welche unbedingt, welche bedingt und welche überhaupt nicht schützenswert sind (Phase der Begleitung einer Baumaßnahme). Andererseits dienen die architekturgeschichtlichen Publikationen der Denkmalpflege zur öffentlichen Vermittlung der Baudenkmäler. Diese Publikationen tragen mit dem Mittel der Überzeugung zu ihrem Schutz bei.
Im Bereich Tourismus und Stadtführungen ist die Architekturgeschichte einer Stadt oder eines Gebiets das eindringlichste Mittel, seinen Charakter und seine Identität zu erklären.
Literatur[Bearbeiten]Richard Strobel und Felicitas Buch: Ortsanalyse. Zur Erfassung und Bewertung historischer Bereiche. Arbeitshefte des Landesdenkmalamts Baden-Württemberg. Theiss, Stuttgart 1986.
Michael Petzet, Gert Mader: Praktische Denkmalpflege. Kohlhammer, Stuttgart, Berlin und Köln 1993.
Norbert Huse: Unbequeme Baudenkmale. C.H. Beck, München 1997 (Dieses Buch entwickelt ein von der Denkmalpflege angeregtes, differenziertes Bild verschiedener Aspekte der Architekturgeschichte).
Robert Suckale: Kunst in Deutschland. Von Karl dem Großen bis Heute. Monte von DuMont, Köln 1998.
David Watkin: The rise of architectural history. Architectural, London 1980.
Hans Ibelings: "Europäische Architektur seit 1890", JOVIS Verlag Berlin 2011, ISBN 978-3-86859-038-8
Pavlos Lefas: "Architecture – A Historical Perspective", JOVIS Verlag Berlin 2014, ISBN 978-3-86859-315-0Weblinks[Bearbeiten]
&#160;Wiktionary: Architekturgeschichte&#160;– Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, ÜbersetzungenSociety of Architectural Historians
Kolldewey-Gesellschaft, Vereinigung für Baugeschichtliche ForschungEinzelnachweise[Bearbeiten]↑ Norbert Huse: Unbequeme Baudenkmale. C.H. Beck, München 1997
↑ Roman Hillmann: Anti-Modernism and Architectural Rhetoric: The Case of Prince Charles, in: Edinburgh Architectural Research, Vol. 29, 2004, pp.67-71.
↑ Michael Petzet, Gert Mader: Praktische Denkmalpflege. Kohlhammer, Stuttgart, Berlin und Köln 1993.
↑ Richard Strobel und Felicitas Buch: Ortsanalyse. Zur Erfassung und Bewertung historischer Bereiche. Arbeitshefte des Landesdenkmalamts Baden-Württemberg. Theiss, Stuttgart 1986
↑ Rezension zum Dritten Internationalen Kongress zur Bautechnikgeschichte an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus vom 20. bis 24. Mai 2009, in: Kunsttexte.de 2009, Nr. 3 (PDF; 375&#160;kB)
↑ Rudolf Schwarz: Bilde Künstler, rede nicht. In: Baukunst und Werkform. 6. Jahrg. 1953, Heft 1, S. 9–17.
↑ vergleiche etwa Robert Suckale: Kunst in Deutschland. Von Karl dem Großen bis Heute. Monte von DuMont, Köln 1998, dort Seiten 416-421
↑ Landesdenkmalamt Berlin (Hrsg.): Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Denkmale in Berlin. Bezirk Mitte. Ortsteil Mitte, Michael Imhof, Berlin und Petersberg 2003, Seiten 447-451<!–NewPP limit report
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