Kategoriegraph
Graph der Oberkategorien
im PNG- oder SVG-FormatGraph der Unterkategorien
im PNG- oder SVG-Format Commons: Dokumente – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Dateien: Dokument – lokale Sammlung von Bildern und Mediendateien
<!–NewPP limit report
Parsed by mw1217
Cached time: 20151214092430
Cache expiry: 2592000
Dynamic content: false
CPU time usage: 0.016 seconds
Real time usage: 0.019 seconds
Preprocessor visited node count: 54/1000000
Preprocessor generated node count: 0/1500000
Post‐expand include size: 1683/2097152 bytes
Template argument size: 69/2097152 bytes
Highest expansion depth: 4/40
Expensive parser function count: 2/500
Number of Wikibase entities loaded: 0–><!–Transclusion expansion time report (%,ms,calls,template)
100.00% 10.7331 – -total34.16%3.6661 – Vorlage:Commonscat34.10%3.6601 – Vorlage:Kategoriegraph29.53%3.1691 – Vorlage:Dateikat
–><!– Saved in parser cache with key dewiki:stable-pcache:idhash:444902-0!*!0!*!de!4!* and timestamp 20151214092430 and revision id 116547479–>Unterkategorien
Es werden 12 von insgesamt 12 Unterkategorien in dieser Kategorie angezeigt:In Klammern die Anzahl der enthaltenen Kategorien (K), Seiten (S), Dateien (D)
A
►Amtliche Bekanntmachung‎ (85 S)G
►Genealogisches Dokument‎ (24 S)
►Gutschein‎ (16 S)H
►Historisches Dokument‎ (8 K, 178 S)P
►Politisches Dokument‎ (10 K, 78 S)R
►Religiöses Dokument‎ (5 K, 3 S)S
►Stadtplan‎ (16 S)T
►Technische Zeichnung‎ (50 S)
►Ticket‎ (1 K, 14 S)U
►Urkunde‎ (3 K, 102 S)V
►Vertrag‎ (10 K, 146 S)Z
►Zollpapier‎ (15 S)Seiten in der Kategorie „Dokument“
Es werden 133 von insgesamt 133 Seiten in dieser Kategorie angezeigt:
A
Ablaufprotokoll
Abliefernachweis
Agrarbericht
Akte
Aktennotiz
Aktenvermerk
Allgemeines Funkbetriebszeugnis
Amateurfunkzeugnis
Botschaft aus Amman
Amtsbuch
Arbeitsbuch
Arztbrief
Augenscheinkarte
Auslegeschrift
AutogrammB
Basispass Pferdekunde
Bauzeichnung
Beleg (Rechnungswesen)
Berechtigungsschein zum Empfang eines Visums der DDR
Bescheinigung
Bockschein
Brillenpass
BrillenverordnungC
Codierte InformationD
Deckungskarte
Dekret zur Aussetzung des Assoziierungsvertrags zwischen der Ukraine und der EU
DienstschreibenE
Echtheitszertifikat
Einkaufszettel
Elektronisches Dokument
Entladebericht
Equidenpass
Ergebnisprotokoll
Erlaubniskarte
Erziehungsbeauftragung
ExzerptF
Fiata Warehouse Receipt
Fisimatenten
Freipass
Funkbetriebszeugnis (Mobiler Seefunkdienst)
Beschränkt gültiges FunkbetriebszeugnisG
Gau-Akt
Gebetbuch (Rallyesport)
Geschäftsbericht
Gesundheitszeugnis
Grenzübertrittsbescheinigung
Grundakte
GutachtenH
Hauptflugbuch
Hausbuch (DDR)
Havariebericht
Heilige Schrift
HörerscheinI
International Teacher Identity Card
International Youth Travel Card
Internationaler Studentenausweis
Israelische UnabhängigkeitserklärungK
Kaperbrief
Karte (Kartografie)
Kassenbon
Katastermappe
Kirchenzeugnis
Konspekt
KopialbuchL
Lagerbuch
Laufzettel
Lebensbescheinigung
Lehenschein (Bergbau)
Leihschein
Loadsheet
LogbuchM
Markenrolle
Materialdatenblatt
Matrikel
Memorandum
MerkbefreiungN
Negativattest
NotizO
ÖltagebuchP
Parteibuch
Patentschrift
Piratenkodex
Plenarprotokoll
Proformarechnung
Prospekt (Werbung)
Protokoll
PrüfblattR
Reservierungsbuch
Retent
Revisionsstand
RubrumS
Sadler-Report
Sammlung betrieblicher Vorschriften
Sauvegarde
Schiedsgutachten
Schießbuch
Schiffspapiere
Schmierzettel
Schriftstück
Schutzbrief (Diplomatie)
Selbstständigkeitserklärung
Setlist
Sicherheitskarte (Fahrzeug)
Sicherungskarte
Skizze
Spickzettel
Sprechzettel
Staatstelegramm
Stadtplan
Strafanzeige
StreckentabelleT
Tabellenbuch
Tagesordnung
Tanzkarte
Tätigkeitsbericht
The Photo-Secession
Thesenpapier
Tiergesundheitsjahresbericht
Tischvorlage
Tischvorlage (Ministerrat)
TotenzettelU
Übernahmebestätigung
Unbedenklichkeitsbescheinigung (Studium)
UnterlagenV
Verlaufsprotokoll
VerletztenanhängekarteW
Wiegeschein
WohnungsübergabeprotokollZ
Zensurkarte
Zettel
Zivilschutzfibel
Zulassungskarte
Zustellungsurkunde

Die Rechtswissenschaft oder Jurisprudenz (von lateinisch iuris prudentia) befasst sich mit der Auslegung, der systematischen und begrifflichen Durchdringung gegenwärtiger und geschichtlicher juristischer Texte und sonstiger rechtlicher Quellen. Eine sachgerechte Deutung juristischer Texte schließt eine wissenschaftliche Beschäftigung mit der Entstehung und der Anwendung von Rechtsquellen und Normen ein. Grundlegend für diese Arbeit ist ein Verständnis der Rechtsgeschichte, Rechtsphilosophie, Rechtstheorie, Rechtspolitik und Rechtssoziologie. Die vorgenannten Disziplinen werden zusammen mit der Rechtsdogmatik und Methodenlehre auch im Plural als Rechtswissenschaften bezeichnet.
Eine klassische Definition dessen, was Rechtswissenschaft ist, gibt der römische Jurist Ulpian: Rechtswissenschaft ist die Kenntnis der menschlichen und göttlichen Dinge, die Wissenschaft vom Gerechten und Ungerechten. „Iuris prudentia est divinarum atque humanarum rerum notitia, iusti atque iniusti scientia“ (Domitius Ulpianus: Ulpian primo libro reg., Digesten 1,1,10,2). Das „Göttliche“ im Sinne des kanonischen Rechts ist an deutschen Universitäten zwar erst lange nach der Aufklärung, aber in der Gegenwart dennoch endgültig als Pflichtfach aus den rechtswissenschaftlichen Lehrplänen entfernt worden.
In Deutschland findet sich noch heute der Pluralbegriff Jura (lat. „die Rechte“), die Singular-Form Jus oder das lateinische Ius ist eher in Österreich und der Schweiz gebräuchlich.
Neben dem weltlichen Recht und seiner Rechtswissenschaft gibt es noch religiös begründete Rechtswissenschaften. Das christliche Recht wird im deutschen Sprachraum oft als Kirchenrecht bezeichnet. Das Recht der katholischen Kirche ist das kanonische Recht. Mit dem Recht des Islam (Scharia) beschäftigt sich die islamische Rechtswissenschaft (Fiqh). Neben der Theologie, Medizin und Philosophie ist die Rechtswissenschaft eine der klassischen Universitäts­disziplinen.Inhaltsverzeichnis
1 Wissenschaftstheoretische Einordnung der Rechtswissenschaft
2 Disziplinen
3 Geschichte und Funktion der Rechtswissenschaft
4 Studium und Juristenausbildung
5 Grenzen, Defizite und Prinzipien der Rechtswissenschaft
6 Siehe auch
7 Literatur7.1 Aktuelle Abhandlungen
7.2 Historische Abhandlungen
8 Weblinks
9 Einzelnachweise und FußnotenWissenschaftstheoretische Einordnung der Rechtswissenschaft[Bearbeiten]
Die Rechtswissenschaft ist eine hermeneutische Disziplin. Die durch die Philosophie der Hermeneutik gewonnene Erkenntnis über die Bedingungen der Möglichkeit von Sinnverstehen wendet sie als juristische Methode auf die Exegese juristischer Texte an. Ihre Sonderstellung gegenüber den übrigen Geisteswissenschaften leitet sie, soweit sie sich mit dem geltenden Recht beschäftigt, aus der Allgemeinverbindlichkeit von Gesetzes­texten ab, welche sie in Bezug auf konkrete Lebenssachverhalte in der Rechtsprechung anzuwenden hat. Unter diesem Blickwinkel lässt sich die Rechtswissenschaft im Idealfall auch als Erforschung von Modellen für die Vermeidung und Lösung gesellschaftlicher und zwischenmenschlicher Konflikte verstehen.
Die hermeneutische Methode unterscheidet sie anderseits von den empirischen Wissenschaften, wie der Naturwissenschaft, der Medizin, der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, deren Ziel nicht das Verstehen von Texten ist, sondern die Erforschung von natürlichen oder sozialen Regelmäßigkeiten, welche durch Erfahrung und Beobachtung überprüfbar sind. Die Rechtswissenschaft beschäftigt sich wie die anderen Textwissenschaften (Philologie, Theologie) nicht mit objektiven Erkenntnissen über sinnlich erfahrbare Erscheinungen.[1] Dies bleibt Nebenzweigen der Rechtswissenschaft vorbehalten, wie etwa der Rechtsphilosophie, der Rechtssoziologie und der Kriminologie.
Disziplinen[Bearbeiten]
Die Teilgebiete der Rechtswissenschaft lassen sich zusammenfassen zu den exegetischen Fächern und den nicht-exegetischen Fächern (historische, philosophische oder empirische Fächer). Bei den exegetischen Fächern steht die Rechtsdogmatik ganz im Vordergrund. Bei den exegetischen nicht-dogmatischen Fächern werden insbesondere die Digestenexegese und die Exegese deutschrechtlicher Quellen betrieben. Selten werden z.&#160;B. keilschriftrechtliche Quellen (Codex Hammurapi) ausgelegt.
Die nichtexegetischen juristischen Grundlagenfächer sind oft zugleich Disziplinen von Nachbarwissenschaften, so etwa die Rechtsphilosophie, die Rechtsgeschichte und die Rechtssoziologie.
In neuerer Zeit beschäftigt sich die Rechtswissenschaft viel mit der rechtlichen Methodik und der Lehre von der Gesetzesauslegung. Weil für die juristische Exegese eine juristische Methodenlehre von Bedeutung ist, wird diese oftmals gesondert gelehrt.
Dabei hat insbesondere die Rechtsphilosophie in der Rechtswissenschaft und im Rechtsstudium, im Vergleich zu Hochmittelalter und Renaissance, erheblich an Stellenwert verloren. Die Kriminologie, welche sich unter anderem mit empirischer Forschung beschäftigt, hat an den Hochschulen ebenfalls einen eher geringen Stellenwert.
Ein Überblick über die wichtigsten Rechtsgebiete ist im Artikel Recht enthalten.
Geschichte und Funktion der Rechtswissenschaft[Bearbeiten]
Während sich die Rechtsgeschichte mit der historischen Entwicklung des Rechts selbst beschäftigt, lässt sich auch untersuchen, wie sich die Wissenschaft vom Recht im Verlauf der Geschichte entwickelt hat.
Die Frage, was Recht ist, wurde über die Jahrhunderte immer wieder unterschiedlich beantwortet. Anfangs wurde Recht gleichgesetzt mit den herrschenden Moralvorstellungen (vgl. auch Naturrecht). Später dominierte die Vorstellung, als Recht könne nur eine Regel verstanden werden, die von einer Körperschaft oder Person (i.&#160;d.&#160;R. dem „Herrscher“) erlassen wurde, die auch die Autorität zu ihrem Erlass und zur Durchsetzung hatte (Rechtspositivismus). Die historische Rechtsschule betonte demgegenüber zu Anfang des 19.&#160;Jahrhunderts wieder die gesellschaftliche und geschichtliche Verankerung des Rechts. Aus diesen und anderen Vorstellungen haben sich die heute üblichen Rechtssysteme entwickelt.
Hier sind wiederum vor allem zwei Arten von Rechtssystemen zu unterscheiden, nämlich die des kodifizierten, abstrakt definierten Rechts, und die des Fallrechts (Common Law).
Das kodifizierte Recht hat sich im Wesentlichen aus dem römischen Recht entwickelt. So war es Kaiser Justinian, der als Erster das römische Recht im Corpus Iuris Civilis zusammenstellte und damit zugleich im gesamten Römischen Reich vereinheitlichte. Auch wenn im kodifizierten Recht frühere Entscheidungen berücksichtigt werden, hat letztlich immer das Gesetzbuch und der Gesetzestext – gegebenenfalls auch Gewohnheitsrecht – die höchste Autorität. Der wichtige Bereich des Zivilrechts wurde von Napoleon überarbeitet und im Code civil neu kodifiziert. Dieser ist seitdem im französischsprachigen Raum, den ehemaligen französischen Kolonien und weiteren Ländern verbreitet. Daneben steht die deutsche Rechtstradition, die auf dem Boden des gemeinen Rechts in der Kodifikation des Bürgerlichen Gesetzbuchs Ausdruck gefunden und ebenfalls über Deutschland hinaus ausgestrahlt hat.
Im Gegensatz dazu steht die Entwicklung der englischen Rechtstradition des Common Law. Das Recht ist hier im Grundsatz nicht kodifiziert, sondern wird von der Rechtsprechung auf Grund von Präjudizien weiterentwickelt. Dieses Rechtssystem wurde auch in den USA und anderen ehemaligen britischen Kolonien übernommen und weiterentwickelt. So gibt es in den USA eine Schule des legal realism, nach der allein das Recht ist, was die Gerichte als Recht anwenden und vollstrecken werden. Eine andere Besonderheit des US-amerikanischen Rechts ist die große Bedeutung der Schwurgerichte (vgl. Jury).
Stattdessen hat die Rechtswissenschaft beispielsweise in Deutschland eine eigenständige Funktion im Verhältnis zu Rechtsprechung. Die rechtswissenschaftliche Literatur ist ein (wirksamer und anerkannter) „Rechtsbildungsfaktor“ (zumindest im Arbeitsrecht).[2] Dies kann auch aus den Worten des Bundesverfassungsgerichtes, dass „[d]ie Gerichte […] bei unzureichenden gesetzlichen Vorgaben das materielle Recht mit den anerkannten Methoden der Rechtsfindung aus den allgemeinen Rechtsgrundlagen ableiten [müssen], die für das betreffende Rechtsverhältnis maßgeblich sind“,[3] geschlossen werden.[2]
Studium und Juristenausbildung[Bearbeiten]
→ Hauptartikel: Juristenausbildung in Deutschland, Juristenausbildung in Österreich&#160;und Juristenausbildung in der Schweiz
Zentraler Bestandteil der juristischen Ausbildung ist in vielen Rechtskreisen das Studium der Rechtswissenschaft an einer Hochschule.
In Österreich und der Schweiz wird das rechtswissenschaftliche Studium Jus genannt, da das kanonische Recht keinen verpflichtenden Inhalt des Studiums mehr darstellt.
Der Begriff Rechtswissenschaft bezeichnet die Wissenschaft eines Rechts (weltlich oder kirchlich). Rechtswissenschaften bedeutet hingegen, die Wissenschaft oder das Studium beider Rechte; des kanonischen und weltlichen Rechts. Der in Deutschland umgangssprachlich gebrauchte Begriff Jura für das Studium der Rechtswissenschaft ist – akademisch betrachtet – irreführend: Jura kommt von lat. iura, dem Plural von ius. Also auch hier wieder die Unterscheidung zwischen einem und beiden Rechten. Somit müsste „Rechtswissenschaft“ in Deutschland – wie in Österreich und der Schweiz richtigerweise als „Jus“ bezeichnet werden und die Rechtswissenschaften inklusive des kanonischen Rechts als Jura, wobei auch diese Theorie nicht der Realität entspricht, da „Rechtswissenschaften“ als Synonym für die breitgefächerte Materie – und unabhängig vom kanonischen Recht – verwendet wird.
Grenzen, Defizite und Prinzipien der Rechtswissenschaft[Bearbeiten]
Versteht man die Rechtswissenschaft als Wissenschaft vom geltenden Recht, so konzentriert sie sich dabei im Wesentlichen auf die Interpretation von Gesetzen und der aus den Gesetzen abgeleiteten Rechtsprechung und will daraus eine Erkenntnis über das geltende Recht gewinnen. Dies findet seine Grenzen zum einen in der Menge der Rechtsnormen und zum anderen in der fehlenden Kenntnis der tatsächlichen Wirkungen der Rechtsnormen.
In einem modernen, hochkomplexen Staat gibt es jedoch eine nicht mehr überschaubare Menge von Rechtsnormen. Es gibt in Deutschland mehr als 5.000 Gesetze und Verordnungen des Bundes,[4] zu denen die Gesetze und Verordnungen der 16 Bundesländer und die Rechtsverordnungen und Satzungen der Bezirke, Kreise, Verwaltungsgemeinschaften und Gemeinden hinzukommen. Hinzu kommen eine große Anzahl von Verwaltungsrichtlinien (wie z.&#160;B. die TA Luft, die TA Lärm) und von Ausschüssen und Verbänden geschaffene Normen, die faktisch ebenfalls Gesetzeskraft haben (wie z.&#160;B. die VOB, die DIN-Normen, die zahlreichen Richtlinien und Empfehlungen der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) und der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) für den Straßenbau, die LAGA usw.). Da viele dieser Normen sehr spezifische und hochtechnische Sachverhalte regeln, sind sie zum Teil nur von Spezialisten vollständig verständlich. Das steht in einem Spannungsfeld zum grundsätzlichen Ziel der Rechtswissenschaft, wonach es einem jeden möglich sein soll, sein Handeln an ihm verständlichen Rechtsnormen auszurichten.
Alle Rechtsnormen müssen einigen grundlegenden Prinzipien genügen. Dazu gehören das Prinzip „Keine Strafe ohne Gesetz“ (nulla poena sine lege), "Keine Strafe ohne Schuld" (nulla poena sine culpa) sowie die Grundsätze der Verhältnismäßigkeit oder der Einhaltung von Treu und Glauben. Zu den rechtsstaatlichen Grundsätzen ([5]) gehört ferner das Verbot der Rückwirkung zum Nachteil des Bürgers, wenngleich von diesem Prinzip Durchbrechungen anerkannt sind.
Kritisiert wird, dass die Rechtswissenschaft die Auswirkungen der Rechtsnormen in der Realität nur durch die Sicht der staatlichen Rechtsprechung erkennt, da sie so gut wie keinerlei rechtstatsächliche Forschungen betreibt. Da nur ein vergleichsweise winziger Teil der alltäglichen Rechtsanwendung zu Auseinandersetzungen vor Gericht führt, gelangt ein großer Teil des rechtlich relevanten menschlichen Verhaltens nicht zur Aufmerksamkeit der Rechtswissenschaft, auch wenn das Verhalten nicht mit der juristischen Theorie übereinstimmen sollte. Nicht zur Kenntnis der öffentlichen Gerichtsbarkeit gelangen ferner die Streitigkeiten, die aufgrund der wirtschaftlichen oder sozialen Machtverhältnisse außergerichtlich geregelt werden sowie solche Bereiche insbesondere der Wirtschaft, in denen Streitigkeiten bewusst von staatlichen Gerichten ferngehalten und allenfalls von Schiedsgerichten entschieden werden, die weder ihre Verfahren noch ihre Entscheidungen publik machen. Das Studium der Rechtsprechung vermittelt somit nur einen winzigen Ausschnitt aus der Wirklichkeit der Rechtsanwendung.
Versteht man unter dem geltenden Recht nicht nur die Summe der Normen, die das menschliche Verhalten in einem bestimmten Gebiet zu regeln beabsichtigen, sondern auch ihre Rechtsfolgen, also die tatsächlichen Auswirkungen dieser Normen bzw. die Art und Weise, wie diese Normen von den Betroffenen verstanden und angewendet werden, muss man zu dem Ergebnis kommen, dass die Rechtswissenschaft nur die Oberfläche des geltenden Rechts zu erkennen vermag und gelegentlich auch falsche Schlüsse daraus zieht.
Siehe auch[Bearbeiten]
&#160;Portal: Recht – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema RechtListe von RechtswissenschaftlernLiteratur[Bearbeiten]
Aktuelle Abhandlungen[Bearbeiten]Karl Engisch: Einführung in das juristische Denken. 11. Auflage. Kohlhammer, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-17-021414-9.
Reinhold Zippelius: Rechtsphilosophie. 6. Auflage. C.H. Beck, München 2011, ISBN 978-3-406-61191-9.
Wissenschaftsrat: Perspektiven der Rechtswissenschaft in Deutschland. Situation, Analysen, Empfehlungen (Drs.&#160;2558-12; PDF; 483&#160;kB), November 2012.
Kristian Kühl, Hermann Reichold, Michael Ronellenfitsch: Einführung in die Rechtswissenschaft – Rechtssystem und Rechtstechnik. C.H. Beck, München 2011, ISBN 978-3-406-36575-1.
Julian Krüper (Hrsg.): Grundlagen des Rechts. Nomos, Baden-Baden 2011, ISBN 978-3-8329-4741-5.
Olaf Muthorst: Grundlagen der Rechtswissenschaft – Methode, Begriff, System. C.H. Beck, München 2011, ISBN 978-3-406-61974-8.Historische Abhandlungen[Bearbeiten]Aristoteles: De re publica Atheniensium (Politik und Staat der Athener). Artemis, Zürich u. a. 1955.
Platon: Nomoi. Akademischer Verlag, Berlin 1992.
Platon: Politeia (Der Staat). Kröner, Stuttgart 1973.
Thomas von Aquin: Summa contra gentiles. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt.
Niccolo Machiavelli: Der Fürst. Kröner, Stuttgart 1978.
Cesare Beccaria: Dei delitti e delle pene. Des Herrn Marquis von Beccaria unsterbliches Werk von Verbrechen und Strafen. Scientia, Aalen 1990.
Jean-Jacques Rousseau: Contract social. Reclam, Stuttgart.
Charles de Montesquieu: Vom Geist der Gesetze. Reclam, Stuttgart 1976.
Jean Bodin: Über den Staat. Sechs Bücher über den Staat. Reclam, Stuttgart 1986.
Friedrich Carl von Savigny: Vom Beruf unserer Zeit für Gesetzgebung und Rechtswissenschaft. Olms, Hildesheim 1967.
Alexander Hamilton, James Madison, John Jay: Die Federalist-Artikel. Schöningh (UTB), Paderborn 1994.
Thomas Hobbes: Leviathan. Reclam, Stuttgart 1984.
Georg W. F. Hegel: Grundlinien der Philosophie des Rechts oder Naturrecht und Staatswissenschaft im Grundrisse. Reclam, Stuttgart 1970.
Wilhelm von Humboldt: Ideen zu einem Versuch, die Grenzen der Wirksamkeit des Staates zu bestimmen. (1792; erstmals publiziert 1851) Reclam, Stuttgart 2002.
Julius Hermann von Kirchmann: Die Werthlosigkeit der Jurisprudenz als Wissenschaft. Eine Rede aus dem Jahr 1847. Hrsg. von Gottfried Neeße. Kohlhammer, Stuttgart u. a. 1988.
Rudolf von Jhering: Der Zweck im Recht. Olms, Hildesheim 1970.
Rudolf von Jhering: Der Kampf ums Recht. 8. Auflage. Klostermann, Frankfurt am Main 2003.
Gustav Radbruch: Rechtsphilosophie. K. F. Koehler, Stuttgart 1973.
Hans Kelsen: Reine Rechtslehre. Einleitung in die rechtswissenschaftliche Problematik. Franz Deuticke, Wien 1985.
Georg Jellinek: Allgemeine Staatslehre. 3. Auflage. Julius Springer, Berlin 1929.
Carl Schmitt: Verfassungslehre. 8. Auflage. Berlin: Akademischer Verlag, 1993.
Rudolf Smend: Verfassung und Verfassungsrecht. Duncker &amp; Humblot, Berlin u. a. 1928.
John Rawls: Eine Theorie der Gerechtigkeit. 7. Auflage. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1993.Weblinks[Bearbeiten]
&#160;Wiktionary: Rechtswissenschaft&#160;– Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
&#160;&#160;Wikiquote: Rechtswissenschaft&#160;– Zitate
&#160;Wikibooks: Regal:Rechtswissenschaft&#160;– Lern- und Lehrmaterialien
&#160;Wikisource: Rechtswissenschaft&#160;– Quellen und VolltexteWebsite der Virtuellen Fachbibliothek RechtEinzelnachweise und Fußnoten[Bearbeiten]↑ Vgl. den Vortrag „Die Wertlosigkeit der Jurisprudenz als Wissenschaft“, 1848.
↑ a b &#160;Reinhard Richardi (Bearbeiter), Reinhard Richardi, Hellmut Wißmann, Otfried Wlotzke, Hartmut Oetker (Hrsg.): Münchener Handbuch zum Arbeitsrecht. 3.&#160;Auflage. Band 1, C.H. Beck, München 2010, ISBN 978-3-406-55553-4, §&#160;6 Staatliche Rechtsetzung und Rechtswissenschaft Rn. 35.
↑ BVerfG, Beschluss vom 26.&#160;Juni 1991, Az.: 1 BvR 779/85 =&#160;BVerfGE 84, 212&#160;(226) =&#160;NJW 1991, S.&#160;2549 (2550) – Zulässigkeit und Grenzen der Aussperrung; auch a.&#160;a.&#160;O.: „Zudem war der Beschluß des Großen Senats auf so erhebliche Kritik gestoßen, daß der unveränderte Fortbestand dieser Rechtsprechung nicht gesichert erscheinen konnte.“
↑ Überblick bei juris (BMJ) zu wesentlichen Gesetzen
↑ siehe auch Rechtsstaat (Deutschland) (Wort- und Begriffsgeschichte).
Bitte den Hinweis zu Rechtsthemen beachten!
Normdaten&#160;(Sachbegriff): GND: 4076570-2 (AKS)
<!–NewPP limit report
Parsed by mw1073
Cached time: 20151217084829
Cache expiry: 2592000
Dynamic content: false
CPU time usage: 0.162 seconds
Real time usage: 0.196 seconds
Preprocessor visited node count: 1344/1000000
Preprocessor generated node count: 0/1500000
Post‐expand include size: 8275/2097152 bytes
Template argument size: 2644/2097152 bytes
Highest expansion depth: 9/40
Expensive parser function count: 3/500
Lua time usage: 0.012/10.000 seconds
Lua memory usage: 812 KB/50 MB
Number of Wikibase entities loaded: 0–><!–Transclusion expansion time report (%,ms,calls,template)
100.00%141.7941 – -total31.87% 45.1931 – Vorlage:Literatur18.04% 25.5831 – Vorlage:Wiktionary 8.65% 12.2621 – Vorlage:COinS 6.67%9.4521 – Vorlage:BVerfGE 5.70%8.0771 – Vorlage:Normdaten 5.01%7.1101 – Vorlage:Datum 4.56%6.4671 – Vorlage:Hauptartikel 3.73%5.2949 – Vorlage:Ziffer 3.23%4.5861 – Vorlage:&quot;
–><!– Saved in parser cache with key dewiki:stable-pcache:idhash:4279-0!*!0!!de!4!* and timestamp 20151217084829 and revision id 146877208–>

Abkürzung: H:?, H:H, WP:RTFMHilfe
Navigation
Benutzerkonto
Bearbeiten
Wikisyntax
Seitenverwaltung
Bausteine
Bild und Ton
Kommunikation
TechnikIndex – Infos von A bis Z
Alle Hilfeseiten
GlossarVerhalten im NotfallDiese Seite enthält eine Auswahl der grundlegenden Hilfeseiten (Technisches, Abläufe, Textformat) und gibt einen Einstieg zu weiteren Informationen zur Wikipedia. Du kannst dich im folgenden thematisch gegliederten Übersichtsbereich umschauen oder die Suche-Box weiter unten benutzen.Hilfeseiten: Technische Bedienung
Unterstützung bei den ersten Schritten → Wikipedia:Starthilfe
Handbuch&#160;• Tutorial für Autoren&#160;• Tour für Leser&#160;• Wikipedia-Lehrbuch&#160;• Fragen von Neulingen&#160;• Neuen Artikel anlegen&#160;• Feste Ansprechpartner im Mentorenprogramm&#160;• Möglichkeiten der BeteiligungSuchen und Finden → Hilfe:Navigation
Menüpunkte&#160;• Suche&#160;• Spezialseiten&#160;• Letzte Änderungen
Benutzerkonto → Hilfe:Benutzerkonto
Benutzerkonto anlegen&#160;• Einstellungen&#160;• Beobachtungsliste&#160;• E-Mail
Bearbeiten von Artikeln → Hilfe:Bearbeiten
Seite bearbeiten&#160;• Neuen Artikel anlegen
Quelltext bearbeiten → Hilfe:Wikisyntax
Textgestaltung&#160;(Formatierung)&#160;• Links (Verweise)&#160;• Listen und Tabellen&#160;• Mathematische Formeln (TeX)&#160;• Einzelnachweise&#160;• Variablen&#160;• Farben&#160;• Spielwiese
Seitenverwaltung → Hilfe:Seitenverwaltung
Versionen/Autoren&#160;• Seiten umbenennen/verschieben&#160;• Weiterleitung&#160;• Wiederherstellen
Textbausteine etc. → Hilfe:Vorlagen
Textbausteine&#160;• Infoboxen&#160;• Navigationsleisten&#160;• Personendaten&#160;• Vorlagenprogrammierung&#160;• weitere Bausteine&#160;• (Formatvorlagen)
Bild und Ton → Hilfe:Bild und Ton
Bildertutorial&#160;• Bilder einbinden&#160;• Tondokumente einbinden&#160;• Videos einbinden&#160;• Dateien&#160;• Wikimedia Commons
Wikipedia-Technik → Hilfe:Technik
Namensräume&#160;• Echo&#160;• Cache&#160;• MediaWiki&#160;• Fehler und ProblemeProjekt-Angelegenheiten
Gemeinschaft → Wikipedia-Gemeinschaft
Zum Gelingen von Kommunikation&#160;• Benutzertypen&#160;• Administratoren&#160;• Lösung von Konflikten
Hilfe von Wikipedia-Autoren → Anfragen
Fragen zur Wikipedia&#160;• Fragen von Neulingen&#160;• Auskunft&#160;• Suchhilfe&#160;• Relevanzcheck&#160;• Werkstätten&#160;• Redaktionen&#160;• Chat
Regeln und Leitlinien → Richtlinien
Grundprinzipien&#160;• Wie schreibe ich gute Artikel?&#160;• Relevanzkriterien&#160;• Namenskonventionen&#160;• Zitate&#160;• Was Wikipedia nicht istHinweise und Weiteres → Über Wikipedia
Lizenzbestimmungen&#160;• Hinweis zu Rechtsthemen&#160;• Hinweis zu Gesundheitsthemen&#160;• Hinweis zu Bildrechten&#160;• Hinweis für Teilnehmer an Hochschulseminaren&#160;• Wissenswertes
Wenn du Hilfeseiten verbessern oder erstellen willst, helfen dir die Tipps auf der Seite Wikipedia:WikiProjekt Benutzerfreundlichkeit/Tipps.SucheBis hierher nicht fündig geworden? Das folgende Eingabefeld dient dazu, alle Hilfeseiten nach Stichwörtern durchsuchen:</form>Sollte auch diese Suche nicht erfolgreich sein und auch die unten aufgeführten Broschüren noch Fragen offen lassen, schau dir einmal Hilfe:FAQ an, dort werden die am häufigsten gestellten Fragen (Frequently Asked Questions) beantwortet. Zudem kannst du erfahrene Wikipedia-Mitarbeiter fragen, Anlaufstellen hierzu findest du unter Wikipedia:Fragen zur Wikipedia oder Wikipedia:Fragen von Neulingen.
BroschürenDie grundlegenden Schritte werden zudem leicht verständlich und übersichtlich in Broschüren erklärt, die (ursprünglich) vom Wikipedia-Förderverein Wikimedia Deutschland erstellt wurden:Das Wikipedia-Einmaleins zeigt, wie man Artikel in der Wikipedia bearbeiten kann und weitergehende Funktionen nutzt. →&#160;Herunterladen&#160;als&#160;PDF
Der Wikipedia-Spickzettel bietet einen schnellen Überblick der wichtigsten Textauszeichnungen, die beim Arbeiten an der Wikipedia verwendet werden. →&#160;Herunterladen&#160;als&#160;PDF
Die Broschüre zu Wikimedia Commons erklärt die Grundlagen von Wikimedia Commons, dem freien Medienarchiv für digitale Bild-, Video- und Tondokumente. →&#160;Herunterladen&#160;als&#160;PDF
<!–NewPP limit report
Parsed by mw1081
Cached time: 20151216165847
Cache expiry: 2592000
Dynamic content: false
CPU time usage: 0.168 seconds
Real time usage: 0.203 seconds
Preprocessor visited node count: 575/1000000
Preprocessor generated node count: 0/1500000
Post‐expand include size: 16340/2097152 bytes
Template argument size: 8610/2097152 bytes
Highest expansion depth: 7/40
Expensive parser function count: 3/500
Lua time usage: 0.074/10.000 seconds
Lua memory usage: 1.54 MB/50 MB
Number of Wikibase entities loaded: 0–><!–Transclusion expansion time report (%,ms,calls,template)
100.00%145.7941 – -total54.23% 79.0701 – Vorlage:Hilfe24.69% 36.0021 – Vorlage:Shortcut20.48% 29.8634 – Vorlage:Hilfebox 8.09% 11.792 13 – Vorlage:Anker 3.65%5.327 13 – Vorlage:Anker/code 3.63%5.291 16 – Vorlage:Hilfe/style
–><!– Saved in parser cache with key dewiki:pcache:idhash:7844-0!*!0!!de!4!* and timestamp 20151216165847 and revision id 145367584–>

Objektivität (von lateinisch obiectum, dem Partizip Perfekt Passiv von obicere: das Entgegengeworfene, der Vorwurf oder der Gegenwurf) bezeichnet die Unabhängigkeit der Beurteilung oder Beschreibung einer Sache, eines Ereignisses oder eines Sachverhalts vom Beobachter beziehungsweise vom Subjekt. Die Möglichkeit eines neutralen Standpunktes, der Objektivität ermöglicht, wird verneint.[1] Objektivität ist ein Ideal der Philosophie und der Wissenschaften. Da man davon ausgeht, dass jede Sichtweise subjektiv ist, werden wissenschaftlich verwertbare Ergebnisse an bestimmten, anerkannten Methoden und Standards des Forschens gemessen.Inhaltsverzeichnis
1 Begriffsgeschichte
2 Objektivität in der Philosophie2.1 Objektivität und Erkenntnistheorie2.1.1 René Descartes
2.1.2 John Locke
2.1.3 Berkeley und Hume
2.1.4 Alexander Baumgarten
2.1.5 Kant
2.2 Intersubjektive Objektivität2.2.1 Charles Sanders Peirce
2.2.2 Max Weber
2.2.3 Karl Popper
2.2.4 Jürgen Habermas
2.2.5 Niklas Luhmann
2.2.6 Ernst von Glasersfeld
2.2.7 Harding und Haraway
3 Objektivität der Geistes- bzw. Kulturwissenschaften3.1 Der hermeneutische Rahmen
3.2 Hermeneutische Objektivität
3.3 Hermeneutik und Empirie
4 Objektivität der Naturwissenschaften
5 Objektivität der Medien
6 Siehe auch
7 Literatur
8 Weblinks
9 QuellenBegriffsgeschichte[Bearbeiten]
Der Begriff der Objektivität unterliegt wie alle philosophischen Begriffe einem historisch schwankenden Sprachgebrauch. Der Sprachgebrauch 'objektiv' hat sich sogar von einer bestimmten Bedeutung in deren Gegenteil verwandelt. Als im 14. Jahrhundert bei Philosophen wie Duns Scotus und Wilhelm von Ockham die Eigenschaft 'objektiv' auftauchte, stand das&#160;»esse objektive«&#160;- im Unterschied zur modernen Auffassung – für die Beurteilung eines Gegenstandes oder Sachverhaltes, die sich aus den praktischen und kulturell erworbenen Kenntnissen eines Menschen ergab. In diesem Sinne galt&#160;»esse objektive«&#160;als gesicherte Aussage über Fakten.[2] Dieses Erkennen wurde als 'intuitive Erkenntnis' bezeichnet[3]. Die 'intuitive Erkenntnis' tauchte in etwas gewandelter Weise bei Edmund Husserl in seiner Idee der 'Wesensschau' wieder auf.
Der Beginn des modernen Sprachgebrauchs von 'Objektivität' wird der Zeit der Aufklärungsphilosophie zugerechnet. Mit Kants Transzendentalphilosophie wurde Objektivität zum ersten Leitprinzip der Philosophie und der Wissenschaften überhaupt. 'Objektiv' war für Kant das, was der Verstand mit Hilfe der ihm ohne jede Erfahrung, d.&#160;h. apriorisch vorhanden, bereits innewohnenden Kategorien und Begriffe nach bestimmten Methoden erkannte. So werde absolut verlässliches Wissen erworben. Mit Kants Analyse ('Kritik') der 'reinen Vernunft' wurden Philosophen und Wissenschaftlern in ihrem Wunsch bestärkt, dass objektive Erkenntnisse erreichbar seien. Bereits Platon hatte unter Voraussetzung von unveränderlichen Ideen, die jedem zugänglich seien, behauptet, dass Menschen sichere Kenntnisse über die ständig sich verändernden sinnlichen Gegenstände möglich sind. Weitestgehend unbeachtet blieben Zeitgenossen Kants wie Johann August Heinrich Ulrich und Johann Christian Lossius –– die von sensualistischen Sichten ausgingen und Kants Begründung der Objektivität durch apriorische Kategorien und Begriffe nicht teilten.
Im Laufe des 19. Jahrhunderts zeigte sich, dass die Probleme mit der transzendentalphilosophischen Objektivität mit der Verbreitung materialistischer und marxistischer Philosophien, zusammen mit den Forschungsergebnissen in Physik, Physiologie und Psychologie massiv zunahmen. Die Philosophen Karl August Traugott Vogt, Jakob Moleschott, Ludwig Büchner und Heinrich Czolbe veröffentlichten ihre materialistischen Auffassungen, die objektive Erkenntnisse in Frage stellten. Aber auch Naturwissenschaftler wie Richard Avenarius mit seiner dem Kantischen Ansatz widersprechenden Kritik der reinen Erfahrung und Ernst Mach mit Die Analyse der Empfindungen und das Verhältnis des Physischen zum Psychischen verwarfen Objektivität, weil sie sich nicht aus dem sinnlich Erfahrbaren (Empirie) ableiten lasse. Husserls und Roman Ingardens Ideen für eine 'starke' Objektivität im Sinne Kants gegen diese materialistischen Ansätze erwiesen sich nicht als Ausweg.
Mit der Jahrhundertwende meldeten sich Philosophen und Wissenschaftler u.&#160;a. Friedrich Nietzsche, Fritz Mauthner, Hartwig Kuhlenbeck (1897–1984), Richard Wahle (1857–1935), Werner Heisenberg und der frühe Michel Foucault zu Wort: Sie hielten rationalistische Objektivität und objektives Wissen für unmöglich und rieten davon ab, entsprechende Ideen weiter zu verfolgen.[4]
Sprachwissenschaftler stellten für die Gegenwart fest, dass Philosophie- und Wissenschaftshistoriker ungeachtet des Sprachgebrauchs den Begriff „Objektivität“ häufig so verwenden, als ob er keinen historischen Veränderungen unterliege. „Die begriffsgeschichtliche Wörterbucharbeit der letzten Jahrzehnte hat … das traditionelle Selbstbild des philosophischen Denkens in einem Maße erschüttert, das bis heute noch kaum wahrgenommen worden ist.“ Heute werden Begriffe nicht mehr an 'reinen Ideen' gemessen, sondern an ihrem Sprachgebrauch.[5]
In pragmatischen, psychologischen und naturwissenschaftlichen Bereichen schließt man Objektivität inzwischen aus, ohne darauf zu verzichten, den Begriff weiterhin zu verwenden. Seine Bedeutung wird einem anderen Verständnis angepasst. Objektivität soll durch Beachtung gesellschaftlicher Übereinkünfte und Normen begründet werden. Man bezeichnet dies auch als intersubjektive Objektivität. Davon gehen auch die gegenwärtigen Diskurstheorien aus. Es wird daher gefordert, wissenschaftliche Ergebnisse und Erfahrungen von Fachleuten immer wieder zu hinterfragen. Auch neurobiologische Forschungsergebnisse lassen den Schluss zu, dass Objektivität Illusion ist. Im Gehirn des Menschen entsteht kein Abbild der Welt, wie Philosophen seit Jahrhunderten in ihren Erkenntnistheorien voraussetzten. Laien und Wissenschaftler konstruieren – durch neuronale Prozesse und Aktivitäten im Gehirn veranlasst – ihr Weltbild.[6] Wissenschaftler haben – wie Laien auch – individuelle Sichten, die ihre Arbeitsweise und ihre Forschungsergebnisse beeinflussen. Die Fragen zu klären, wie dies geschieht und welche Folgen dies für die Wissenschaften haben kann, haben Philosophen wie z. B. George Berkeley und David Hume schon vor 300 Jahren als ihre Aufgabe angesehen und ihre Beiträge dazu veröffentlicht.[7]
Objektivität in der Philosophie[Bearbeiten]
Die Brisanz des Begriffes nahm mit den Erkenntnistheorien der Aufklärungszeit zu. Einige Philosophen gingen davon aus, dass sie Fundamente für Objektivität legen können, indem sie "mentale Prozesse oder die Aktivität des Vorstellens oder Darstellens" bei Menschen untersuchten.[8] Andere beschränkten sich darauf festzustellen, dass Menschen aus sinnlichen Reizerlebnissen das konstituieren, was sie glauben zu wissen. Wie dies geschähe, könne im Einzelnen nicht beobachtet werden.[9]
Objektivität und Erkenntnistheorie[Bearbeiten]
Spätestens das Ereignis der Reformation (1517) hatte für viele erlebbar eine bis dahin dominante Sicherheit und Einheit von Glauben und Wissen in Frage gestellt. Diese schon im 13. Jahrhundert durch Philosophen und Theologen des Klerus, sowie durch Juristen und Mediziner eingeleitete Ernüchterung hatte weitreichende Folgen. Philosophen – damals noch ein Sammelbegriff für Geistes- und Naturwissenschaftler – konnten sich für die Zuverlässigkeit ihrer Forschungsergebnisse, nicht mehr unbestritten auf die scholastische Metaphysik, die überlieferte Autorität renommierter Gelehrter bzw. auf Gott als Garanten berufen.[10]
Francis Bacon hatte 1620 mit seinem "Novum Organum scientiarum", ("Neues Werkzeug der Kenntnisse"), für die Wissenschaften gefordert, dass sie im Unterschied zur herkömmlichen Praxis frei von scholastisch-dogmatischen Prinzipien des Denkens bzw. der Vernunft vorangehen und dass ihre Forschungsergebnisse experimentell nachprüfbar sein sollten.[11]
René Descartes[Bearbeiten]
René Descartes folgte mit Ideen für wissenschaftliche Methoden (Discours de la méthode, 1637) und deren Begründung durch seine Erkenntnistheorie (Meditationes de prima philosophia,1641). Wenn Gelehrte sich an seinen Methoden und seiner Erkenntnistheorie orientierten, sollte Objektivität i. S. von 'so ist die Welt beschaffen' möglich sein. Descartes behauptete dazu eine grundlegende Zweiteilung der Welt in 'Etwas, das ausgedehnt ist' (res extensa) und in 'Etwas, das denkt' (res cogitans). Das Denken, genauer der Verstand verarbeite Repräsentationen des 'Ausgedehnten', die ihm über die Sinne direkt zugänglich seien, mit Hilfe 'apriorischer Ideen' ('ideae innatae').[12] Diese 'apriorischen Ideen' erkenne der Mensch 'klar und deutlich'. Objektivität ergab sich so für ihn aus dem selbstgewissen Denken, bzw. aus dem Vermögen, diese 'ideae innatae' auf das Ausgedehnte anzuwenden.[13] Philosophen entwickelten in den folgenden Jahrhunderten unter den Bezeichnungen 'Erkenntnistheorie' bzw. 'Epistemologie' variierende Antworten auf die Probleme, die der Cartesianische Vorschlag aufwarf[14]
John Locke[Bearbeiten]
John Locke widerlegte in seinem Hauptwerk Ein Versuch über den menschlichen Verstand, 1690 in London erschienen, Descartes Behauptung, dass wissenschaftliche Objektivität sich durch Denken bzw. Vernunft allein begründen ließe. Apriorische Ideen seien sowohl unerkennbar als auch für den Erwerb von Wissen unnötig. Das menschliche Bewusstsein sei bei der Geburt wie ein weißes Blatt Papier (Tabula rasa), auf das die Erfahrung erst schreibe. Ausgangspunkt jeder Erkenntnis sei die sinnliche Wahrnehmung, bzw. die Erfahrung, die auch für einfache Ideen sorge, die anlässlich sinnlicher Ereignisse abstrahiert werden. Dieses Verfahren wird auch Induktion genannt. Die Erkenntnis entstehe daher aus der Erfahrung, der Abstraktion einfacher Ideen und dem Vermögen der Vernunft, Wahrnehmungen zu Abbildern, komplexen Ideen und Begriffen zu verarbeiten. Objektivität ließ sich so nicht begründen. Wissenschaftler, so Locke, sollten stattdessen Hypothesen als Leitgedanken ihrer Forschung bilden und benutzen. Objektivität gäbe es nur in den abstrakten Wissenschaften, wie der Mathematik, wo sinnliche Phänomene keine Rolle spielten.[15]
Berkeley und Hume[Bearbeiten]
George Berkeley und David Hume hielten Objektivität für unerreichbar. Das was Menschen körperlich wahrnehmen ('perzipieren') und ausschließlich Gegenstand des Denkens ist, ließe sich mit der 'ausgedehnten Welt' nicht abgleichen.[16] Von diesen beiden Aufklärern wurde kein eigentlicher, erkenntnistheoretischer Beitrag geleistet. Sie beschäftigten sich mit epistemologischen Themen. Beide verwarfen die Behauptung Lockes, dass 'einfache Vorstellungen' abstrahiert werden können, als reine Spekulation.[17] Beide gingen davon aus, dass Menschen nur Vorstellungen ('perceptions') haben, die durch Sinnesreize und Veränderungen der Organlagen('sensations') hervorgerufen werden. Diese Vorstellungen werden nach einfachen Prinzipien der menschlichen Natur zu komplexen Vorstellungen verbunden und daraus Schlussfolgerungen (Wissen) gezogen. Diese Art 'Wissen' betrachteten sie stets als vorläufig und irrtumsträchtig. Hume empfahl daher den Gelehrten seine moderate skeptische Methode: "Ich beginne mit klaren und sich aus der Sache ergebenden Grundannahmen, gehe behutsam und jeden Schritt sichernd weiter, überdenke immer wieder meine Schlussfolgerungen und prüfe die sich daraus ergebenden Schlussfolgerungen sehr genau. … ich halte dies für die einzige Methode, durch die ich hoffen kann, Zutreffendes herauszufinden und einigermaßen dauerhafte und begründete Aussagen machen zu können.”[18]
Alexander Baumgarten[Bearbeiten]
Die Mehrheit der deutschen Aufklärungsphilosophen behauptete, dass Objektivität durch exaktes Definieren von Begriffen aus apriorischen Ideen möglich sei. Alexander Gottlieb Baumgarten, ein Schüler Christian Wolffs schlug vor, den Begriff 'Objektivität' nicht mehr – wie Descartes – als mentale Eigenschaft des Erkennenden zu verwenden. Der Begriff 'Objektivität' sollte stattdessen als eine vom Erkennenden unabhängige Eigenschaft von Ereignissen, Aussagen oder Einstellungen sein, der mit 'Wahrheit' bedeutungsgleich wurde.[19] Unter 'Begriffen' verstand Baumgarten Sachen, die körperlich nicht wahrnehmbar sind. Er definierte jeden Begriff und setzte definierte Begriffe in Beziehung zueinander. Auf diese Weise entstand – wie in der Mathematik – ein geschlossenes System, das widerspruchsfrei und in diesem Sinne objektiv war. Es sollte widerspruchsfreie, d.&#160;h. objektive Aussagen über Ereignisse und sinnliche Gegenstände ermöglichen.[20] Baumgartens 'Metaphysik' wurde im 18. Jahrhundert als die am weitesten verbreitete Textgrundlage philosophischer Vorlesungen an deutschen Universitäten von Philosophieprofessoren benutzt. Kant verwendete sie fast vierzig Jahre lang als Grundlage für seine Vorlesungen über Metaphysik, Anthropologie und Religion.[21]
Kant[Bearbeiten]
Die erste deutsche Übersetzung von Humes Enquiry of Human Understanding erschien 1755, von Johann Georg Sulzer unter dem Titel Philosophische Versuche über die menschliche Erkenntnis verfasst.[22] Immanuel Kant fühlte sich durch Hume aus seinem "dogmatischen Schlummer geweckt"[23] und schrieb seine Kritik der reinen Vernunft, mit der er Grundlagen für ein objektives, wissenschaftliches Forschen aufzeigen wollte. Er begegnete damit, dem – wie er urteilte – Humeschen Skeptizismus, um diesen für alle Zeiten aus der Philosophie auszuschließen. Kant akzeptierte die sinnlichen Wahrnehmungen als Beginn allen Erkennens. Er begründete die Objektivität der Erkenntnis durch die Behauptung, dass jedem Erkennenden formale mentale Eigenschaften zur Verfügung stehen, wie die Anschauungsformen von Raum und Zeit, den Kategorien und Begriffen des Verstandes, die vor jeder Erfahrung gegeben seien und die er deshalb als 'apriorisch' charakterisierte. Da man bei diesen mentalen Eigenschaften den Eindruck habe, dass die allen Menschen zu Verfügung stehen, nannte er sie 'transzendental', d.&#160;h. scheinbar außerhalb des Subjektiven gültig und daher auch scheinbar objektiv. Er fügte eine transzendentale Methodenlehre hinzu, die den richtigen Gebrauch dieser Eigenschaften verbürgen sollte. Diese Methodenlehre erst begründete die allgemeine Gültigkeit der 'transzendentalphilosophischen Erkenntnisse'. Allgemeingültigkeit war schließlich – neben den spontanen apriorischen Hervorbringungen des Verstandes – bei Kant das ausschlaggebende Kennzeichen der objektiven Gültigkeit von Aussagen und Begriffen. Interpretatoren gingen davon aus, dass er damit 'intersubjektive Objektivität' gemeint habe.[24]
Intersubjektive Objektivität[Bearbeiten]
Charles Sanders Peirce[Bearbeiten]
Nach dem semiotischen Modell von Charles Sanders Peirce ist Objektivität die Zielvorstellung einer 'wahren Gesamttheorie der Realität', die nie fassbar ist, weil Menschen es immer mit 'Zeichen' zu tun haben und nicht mit der Realität. Ein Zeichen ist etwas, das für etwas anderes steht und für jemanden eine Bedeutung hat. Zeichen, bzw. Interpretationen können Menschen nicht aufheben. Sie werden spontan vom Verstand hervorgebracht, sie werden kommuniziert und bei Bedarf weiter verändert. Dies wiederholt sich endlos. Menschen brechen den prinzipiell unendlichen Interpretationsprozess ab, wenn sie handeln. Eine Gesamttheorie, bzw. Objektivität sei höchstens als gemeinsame, intersubjektive Leistung denkbar.[25]
Max Weber[Bearbeiten]
Für den Soziologen Max Weber, der in seinem berühmten Aufsatz von 1904 seinem eigenen Selbstverständnis nach auf Marx und Nietzsche antwortet, gibt es „keine schlechthin ‚objektive‘ wissenschaftliche Analyse des Kulturlebens oder … der ‚sozialen Erscheinungen‘“. Erkenntnis von Kulturvorgängen geschehe in der „individuell geartete[n] Wirklichkeit des Lebens“ in Abhängigkeit von „Wertideen“ und sei „stets eine Erkenntnis unter spezifisch besonderten Gesichtspunkten“.[26]
Karl Popper[Bearbeiten]
Popper der Begründer des Kritischen Rationalismus, verteidigte den Begriff der Objektivität.[27] Er kritisierte zwar die klassische Sichtweise zum Begriff der Objektivität, nach der Wissen und Erkenntnis durch Begründungsmethoden seine Objektivität erhalte und die Objektivität für die Richtigkeit und Zuverlässigkeit des Wissens garantieren könne. Aber er wies darauf hin, dass Objektivität zumindest im Sinne von intersubjektiver Überprüfbarkeit möglich sei. Später erweiterte er seine Sicht und sprach sich für Objektivität im Sinn von 'so ist die Welt' aus, denn auch wenn eine Annahme nicht begründet werden könne, könne sie dennoch wahr sein und mit der Wirklichkeit übereinstimmen. Wenn sie tatsächlich wahr sei, dann könne sie nicht nur intersubjektiv überprüft werden, sondern auch ihre Konsequenzen wären objektiv zutreffend. Er übernahm Churchills Beispiel der Sonne: Man könne die zutreffende Annahme, dass sie extrem heiß und daher für Lebewesen tödlich sei, nicht nur überprüfen, sondern wer in die Sonne fliege, der erleide auch objektiv den Tod. Popper blieb damit im unhintergehbaren Zirkel des kulturell erworbenen Wissens und verwendete für dessen Einordnung und dem Umgang damit den Glauben an die Evolution und die Objektivität.[28]
Jürgen Habermas[Bearbeiten]
Habermas hält Objektivität für unmöglich. Sie sei auch nicht wünschenswert, da die Wissenschaften durch erreichte Objektivität eine „spezifische Lebensbedeutsamkeit" einbüßten“.[29] Er setzt die Offenlegung „erkenntnisleitender Interessen“[17] an die Stelle der Objektivität. Beispielhaft vorgeführt wird das von Hans-Ulrich Wehler in der Einleitung seiner „Deutsche[n] Gesellschaftsgeschichte“.[30]
Niklas Luhmann[Bearbeiten]
Für Niklas Luhmann sind Objektivität und Subjektivität keine Gegensätze, sondern ähnliche Begriffe in verschiedenartigen Systemen. Objektiv ist, was sich im Kommunikationssystem (= Gesellschaft) bewährt, subjektiv ist, was sich im einzelnen Bewusstseinssystem (grob gesprochen: im Kopf eines Menschen) bewährt. Bewusstseinssysteme können dann „subjektiv das für objektiv halten, was sich in der Kommunikation bewährt, während die Kommunikation ihrerseits Nicht-Zustimmungsfähiges als subjektiv marginalisiert“.[31]
Ernst von Glasersfeld[Bearbeiten]
Nach Ernst von Glasersfeld, einem Vertreter des Radikalen Konstruktivismus, ist alle Wahrnehmung und jede Erkenntnis subjektiv. Intersubjektiv wird eine Erkenntnis dann, wenn auch andere Menschen diese Erkenntnis erfolgreich anwenden. Da auch deren Erkenntnis aber subjektiv ist, wird damit keine Objektivität gewonnen, sondern eben nur Intersubjektivität. Damit ist aber auch keine Erkenntnis der Realität, 'so wie sie ist', möglich. Von Glasersfeld beansprucht daher, die in erkenntnistheoretischen Konzepten für Objektivität vorausgesetzte Trennung von Objekt und Subjekt – wie bei Descartes – überwunden zu haben.[32]
Harding und Haraway[Bearbeiten]
Die Feministinnen des Poststrukturalismus Sandra Harding und Donna Haraway unterscheiden zwei Arten von Objektivität: die "schwache" und die "strenge". Die 'schwache Objektivität' ist die traditionelle, männlich dominierte Objektivität der Wissenschaften. Um eine 'strenge Objektivität' zu erreichen, müssten Forscher und Forscherinnen den Standpunkt ihrer eigenen sozialen Gruppenzugehörigkeit in die wissenschaftliche Arbeit bewusst mit einbeziehen. Es sei davon auszugehen, dass Gruppen, die beherrscht werden, zu besseren Objektivierungen kommen.[33]
Objektivität der Geistes- bzw. Kulturwissenschaften[Bearbeiten]
Allgemeine Aussagen über den gegenwärtigen Stand, bzw. Standard von Objektivität sind angesichts der Fülle von Interpretationen nur unter Vorbehalt möglich. Darauf verweisen neue Bezeichnungen, wie z. B. Objektivierung, Objektivation und deren Pluralbildungen. Es ist von 'Objektivitäten' die Rede und außerdem hat jede Wissenschaft ihre spezifischen Vorstellungen von und Umgangsweisen mit Objektivität, die ständigen Veränderungen unterworfen sind und individuell benutzt werden. Objektivität wird daneben als Eigenschaft von Einstellung bzw. Verhalten verstanden: 'objektiv' hat hier dann die Mitbedeutung von 'neutral' oder 'sachlich'.
Objektivität ist in den vorwiegend empirisch orientierten Wissenschaften, die es auch in traditionellen Geisteswissenschaften gibt, inhaltlich und zeitlich begrenzt. Jede einzelne Wissenschaft fasst ihre Objektivität, indem sie Kriterien bestimmt, die in dieser gemeinsam akzeptiert sind. Sie sind einerseits allgemeiner Art und werden andererseits für konkrete Forschungsprojekte detailliert bestimmt. Dies trifft z.&#160;B. für Testtheorien und andere Verfahren der Datenerhebung bzw. experimentelle Vorgehensweisen in den Naturwissenschaften und Kulturwissenschaften zu. In den jeweiligen Geistes- bzw. Kulturwissenschaften werden gemeinsam akzeptierte theoretische Rahmen gesetzt, innerhalb deren längerfristig wissenschaftsspezifische 'Objektivitäten' entwickelt werden. Dies gilt z.&#160;B. für den Rahmen der Hermeneutik. Es ist außerdem feststellbar, dass in den Geistes- bzw. Kulturwissenschaften über mögliche Objektivierungen verhandelt wird. D.&#160;h. es wird daran gearbeitet subjektive Erlebnisse und Zustände zum Gegenstand objektiver Untersuchungen zu machen und so zu objektivieren.
Der hermeneutische Rahmen[Bearbeiten]
Hans Georg Gadamer veröffentlichte im letzten Jahrhundert "Wahrheit und Methode", einen philosophischen Beitrag, in dem er den Begriff 'Verstehen' als Grundvoraussetzung allgemein geteilter Objektivität in den Mittelpunkt der Betrachtung stellte. Dieser Ansatz fand Eingang in die Theorien der geistes- und kulturwissenschaftlichen Forschungen.
Auch Otto Friedrich Bollnow ein Zeitgenosse Gadamers hielt Hermeneutik für den Ansatz, mit dem die Geisteswissenschaften ein objektives Profil entwickeln konnten, das auch die ausgeprägte Beziehung dieser Wissenschaften zum menschlichen Leben mit einschloss. Bollnow verband dabei Objektivität mit Wahrheit und ging davon aus, dass sich in den Geisteswissenschaften Allgemeingültigkeit nicht mit gleicher Strenge wie in den Naturwissenschaften erreichen ließe.
Erreichbar aber seiein immer tieferes Eindringen in die Sache.
die eigene erforschte Wahrheit für einen anderen Menschen offen und nachvollziehbar zu machen. Bollnow nannte dies 'Übersubjektivität'.
die Veränderung des Subjektes durch die erkannte Wahrheit der Sache.[34]Hermeneutische Objektivität[Bearbeiten]
Für die Germanistik, Literaturwissenschaft und Komparatistik ergab sich daraus, das objektiv i. S. von allgemeingültig "sich auf Bedeutungen und Werte erstreckt, so … dass diese in einer gegebenen Gemeinschaft verstanden, diskutiert, angenommen oder verworfen werden können."[35] Subjektivität schließt Objektivität mit ein, solange sie sich an der Sache orientiert.[36]
Einen inhaltlich vergleichbaren und umfassenden Rahmen machte Erich Weniger für die geisteswissenschaftliche Pädagogik geltend, als er feststellte, dass Objektivität hier immer die Befangenheit bzw. den Standpunkt des Forschers deutlich macht. Erst diese Befangenheit ermöglicht wahre Objektivität.[37]
Der Historiker Leopold von Ranke wollte 'die Dinge reden lassen und sie so zeigen, wie sie waren'. Schon Jakob Burckhardt hielt die Objektivität der Geschichtswissenschaft für fragwürdig. Historiker sind sich heute darin einig, dass sie Vergangenes, nicht objektiv rekonstruieren können. Es gibt keine vereinzelten beobachtbaren Tatsachen in der Geschichtsschreibung, mit denen experimentiert werden könne. Eine empirische Geschichtswissenschaft bleibt daher eine Illusion. Dagegen setzt man hier im Rahmen der Hermeneutik auf die Objektivität des Geschichtsforschers, die immer auch dessen jeweilige Interpretation mit einschließt. Betont wird, dass erst Quelle, Vorwissen, Interpretation zusammen ein objektives Bild ergeben.[38]
Die relative Objektivität des hermeneutischen Rahmens 'Verstehen' bzw. 'Verständnis' rief Kritik hervor. Die Gefahr sei groß, dass die Wissenschaften sich zu "Instrumentierungen" der Herrschaftsausübung von ausgebildeten Weltanschauungen verändern.[39]
Hermeneutik und Empirie[Bearbeiten]
Der Sozialwissenschaftler Max Weber wendete sich gegen die Vermischung von Objektivität und Parteilichkeit und betonte die Pflicht zur Deutlichkeit.[40] Von Sozialwissenschaftlern wird erwartet, dass sie nach wissenschaftlicher Integrität und Objektivität streben und sich den bestmöglichen Standards in Forschung, Lehre und sonstiger beruflicher Praxis verpflichten.[41] Im Dienst der Objektivität sozialwissenschaftlicher Forschungen werden so u. a. Arbeitsprogramme entwickelt, die vielfältige Formen sozialen Handelns unter den Bedingungen von (aktuellen) Modernisierungsprozessen untersuchen und versuchen den (je typischen) Sinn dieser Handlungsformen zu verstehen. Dabei werden folgende Gütekriterien angewendet: Durchführungsobjektivität, Auswertungsobjektivität und Interpretationsobjektivität, die jeweils durch den Grad der Übereinstimmung von Messergebnissen und Interpretationen abgeglichen werden.[42] Nach ähnlichen Kriterien wird forschend in der empirischen Psychologie und empirischen Pädagogik verfahren.
In der Psychologie wird die wechselhafte Natur der psychischen Phänomene unter strikten Kriterien experimenteller Situationen beobachtet, um so Objektivität im Sinne von Allgemeingültigem zu erhalten. Auf diese Weise werde die Sicht auf komplexe Zusammenhänge verstellt und das Allgemeine nur sehr eingeschränkt gültig. In der Psychiatrie gäbe es nur eine scheinbare Objektivität der angewandten Behandlungsmethoden. Therapie sei stets ein Konstrukt für einen ganz bestimmten Patienten und trotz allen Wissens, bzw. objektiver Kriterien sei nicht zu klären, warum Patienten gesund werden.[43]
Objektivität der Naturwissenschaften[Bearbeiten]
Zurzeit ist keine Veröffentlichung bekannt, die aus naturwissenschaftlicher Perspektive die von Philosophen behauptete Bedeutung von 'Verstehen' im Zusammenhang mit naturwissenschaftlichen Diskursen thematisierte. Wissenschaftstheoretische Hinweise auf 'tief sitzende Denkstile eines bestimmten Denkkollektivs' – wie z. B. Ludwik Fleck sie lieferte – scheinen bisher überwiegend verhallt. Wissenschaftliche Erkenntnisse der Physik und Chemie beziehen sich stets auf Experimente. Hier ein Beispiel aus der Chemie: "Der Wissenschaftler macht seine Experimente … Er tritt unvoreingenommen an die Natur heran (blank page) und fasst die Ergebnisse der Experimente zu Gesetzen zusammen. Ein Beispiel wäre die chemische Synthese. Es werden mehrere chemische Verbindungen Syntheseschritten unterworfen, und das Ergebnis der Synthese wird mit einem analytischen Gerät (z. B. Kernresonanzspektrometer, NMR) untersucht. Man erhält ein bestimmtes Signal. Die Synthese wird mehrfach wiederholt, und man erhält jedes Mal das gleiche Spektrum. Eine derartige wiederholte Wahrnehmung wird Beobachtung genannt. Die Beobachtung wird dann als allgemeingültiger Satz formuliert: 'Wenn Substanz A und Substanz B unter den Bedingungen XY zusammengegeben werden, entsteht C'. Dieser Satz gilt … für alle späteren möglichen Experimente unter entsprechenden Bedingungen."[44]
Die so gewonnenen empirischen Daten werden ausgewertet und auf allgemein beschreibbare Vorgänge untersucht. Die quantitativen Messergebnisse werden nach mathematischen Zusammenhängen der gemessenen Größen bewertet. Die Mathematik gilt als das wichtigste Instrument zur Beschreibung der Natur und ist Bestandteil der meisten Theorien. Das Quantitative wird von Naturwissenschaftlern als Begriffsform verwendet; sie ist eine Methode, die auf Messung und Formalisierung des Beobachteten beruht. Naturwissenschaftler gehen mehrheitlich davon aus, dass die von ihnen verwendeten 'Begriffe und Gesetze' der Interpretation ihrer Arbeitsergebnisse 'naturgegebenen Bestandteilen unserer Welt.", entsprechen.[45]
Wenn experimentelle Ergebnisse – unabhängig überprüft – sich bestätigen, so ist ihre Objektivität bewiesen. Darüber hinaus werden philosophische Konzepte empfohlen, die Forscher als Rahmen für ihre naturwissenschaftlichen Forschungen nützen können, wenn sie ihre Aussagen bewerten, einordnen bzw. zu Theorien ausarbeiten möchten. Popper, Kuhn, Feyerabend und Lakatos werden als mögliche Ideengeber genannt.[46]
Die Aussage: "Alle wissenschaftlichen Erkenntnisse beruhen nur auf Glauben." erregte vor einigen Jahren Aufsehen in der Presse, als zwei physikalisch qualifizierte Fachjournalisten das Buch Was zu bezweifeln war veröffentlichten.[47] Philipp Frank – ein österreichischer Philosoph, Mathematiker und Physiker – benannte ähnliches: Das, was Physiker experimentell wahrnehmen, entspricht, so Frank, keiner außerhalb ihrer Wahrnehmungen existierenden Wirklichkeit. Die ältere Behauptung Werner Heisenbergs von 1930, dass der Beobachter eines Experimentes immer nur sich selber im Kontext des Experimentes beobachten könne und so Objektivität fragwürdig werde, wird damit wieder aufgegriffen. Wenn dies zutrifft, dann fehlt auch für die Naturwissenschaften – wie für die Geistes- u. Kulturwissenschaften beschrieben – eine wichtige Bedingung für Objektivität: nämlich die Unabhängigkeit vom Subjekt.[48]
Objektivität der Medien[Bearbeiten]
Medienforscher sind sich inzwischen einig, dass es in der Berichterstattung immer zu einer Verzerrung der Realität kommt. Es wäre ein Irrtum davon auszugehen, dass es sich bei Dokumentationen um 'abbildliche Reproduktionen von hochgradiger Objektivität' handelte. Bildungsmedien – wie die vom FWU (Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht) – produzierten werden seit den 1960/70er Jahren kritisch reflektiert und mit entsprechendem Begleitmaterial zur Verfügung gestellt. Seit der Verbreitung digitaler Medien setzt man auf die Pluralisierung und Demokratisierung der Wissenschaftsentwicklung, um mit qualitativen Kriterien der Kulturwissenschaften, die Aspekte der Wissensgewinnung (Epistemologie) mit einbeziehen, die Objektivität von Medien angemessen zu sichern.[49]
Repräsentationen von Wirklichkeit erwecken im Medium 'Fernsehen' beim Zuschauer den Eindruck von Objektivität. Dies mache es nötig, Forschungsprojekte zu initiieren und zu unterstützen, die den Einfluss der Fernsehsendungen auf die Gesellschaft untersuchen. Ohne derartige Bemühungen verliere der multimediale Journalismus zunehmend an Sinn, Originalität und Objektivität.
Objektivität ist auch ein Ideal von Internet-Dokumentationen. Objektivität einer Internet-Enzyklopädie z. B. bedeute, "dem Benutzer des Lexikons durch das Angebot von Fakten die Bildung eines eigenen Urteils zu ermöglichen…"[50]
Siehe auch[Bearbeiten]Empirismus
Idealismus
Marxismus
Materialismus
Positivismus
Realismus (Philosophie)
Sensualismus
Subjektivität
Subjektivismus
WertfreiheitLiteratur[Bearbeiten]Matthias Adam: Theoriebeladenheit und Objektivität: Zur Rolle der Beobachtung in den Naturwissenschaften. Frankfurt am Main 2002.
Niklas Bender (Hrsg.): Objektivität und literarische Objektivierung seit 1750. Tübingen 2010.
Lorraine Daston, Peter Gallison: Objektivität. Frankfurt a.M., 2007. ISBN 978-3-518-58486-6. (Amerikan. Orig.: Objectivity. Brooklyn, NY: Zone Books, 2007.)
Donald Davidson: Subjektiv, intersubjektiv, objektiv, Frankfurt am Main: Suhrkamp 2004, ISBN 3-518-58387-5.
Gerhard Ernst: Die Objektivität der Moral. Münster 2008.
Michael Gebauer und Thomas Nagel: Die Grenzen der Objektivität: Philosophische Vorlesungen. Stuttgart 1991.
Julia Franziska Hänni: Vom Gefühl am Grund der Rechtsfindung.: Rechtsmethodik, Objektivität und Emotionalität in der Rechtsanwendung. Berlin 2011.
Reinhart Koselleck, Wolfgang J. Mommsen, Jörn Rüsen (Hrsg.): Objektivität und Parteilichkeit. Theorie der Geschichte, Band 1. München 1977.
Franz von Kutschera: Die falsche Objektivität. Berlin 1993.
Marek B. Majorek: Objektivität: Ein Erkenntnisideal auf dem Prüfstand. Rudolf Steiners Geisteswissenschaft als ein Ausweg aus der Sackgasse. Tübingen/Basel 2002.
Gunnar Myrdal: Objektivität in der Sozialforschung. Frankfurt am Main 1971.
Hans-Dieter Radecke und Lorenz Teufel: Was zu bezweifeln war: Die Lüge von der objektiven Wissenschaft. München 2010.
Richard Rorty und Joachim Schulte: Solidarität oder Objektivität? Stuttgart 1988.
Friederike Rese, David Espinet u. Michael Steinmann (Hrsg.): Gegenständlichkeit und Objektivität. Tübingen 2011.
Walter M. Sprondel (Hrsg.): Die Objektivität der Ordnungen und ihre kommunikative Konstruktion: Für Thomas Luckmann. Frankfurt am Main 1994.
Christian Thiel: objektiv/Objektivität. In: Jürgen Mittelstraß (Hrsg.), Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie, Bd. 2 (H-O), Mannheim/Wien/Zürich 1984.
Stefan Wehmeier, Howard Nothhaft, Rene Seidenglanz (Hrsg.): Günter Bentele: Objektivität und Glaubwürdigkeit: Medienrealität rekonstruiert. Wiesbaden 2008.
Crispin Wright und Wolfram Karl Köck: Wahrheit und Objektivität. Frankfurt am Main 2001.Weblinks[Bearbeiten]
&#160;&#160;Wikiquote: Objektivität&#160;– ZitateDwayne H. Mulder:&#160;Eintrag in der Internet Encyclopedia of PhilosophyQuellen[Bearbeiten]↑ Zweifel und Gewissheit: Skeptische Debatten im Mittelalter, S. 158
↑ Vgl. Kurt Flasch: Das philosophische Denken im Mittelalter. Stuttgart 1986, S. 433 u. 449.
↑ Intuitve Erkenntnis im Wiki-Artikel Duns Scotus
↑ Quellen für die bisherige Darstellung: Lorraine Daston, Peter Gallison: Objektivität. Frankfurt a.M., 2007, S. 29. – Barbara Ventarola: Irrealisierung und Objektivität bei Borges. In: Niklas Bender (Hg.) Objektivität und literarische Objektivierung seit 1750. Books on Demand 2010, S. 181-183. – Rudolf Eisler: 'Objektivität' im Wörterbuch der philosophischen Begriffe. 1904. Johannes Hirschberger: Geschichte der Philosophie. Freiburg 1980, Band II, S. 487-492. – Karl Vorländer: Geschichte der Philosophie, Band 2. Leipzig 1919, S. 482-492.
↑ Ralf Konersmann: Wörter und Sachen. In: Ernst Müller (Hrsg.): Begriffsgeschichte im Umbruch. Zeitschrift: Archiv für Begriffsgeschichte. Hamburg 2009, S. 24f.
↑ Wissenschaftliche „Regeln und Gesetze sind lediglich Hypothesen, die nicht bewiesen, jedoch falsifiziert werden können“, schrieb der Neurophysiologe Peter Marx unter Berufung auf Karl Popper. Peter Marx: Objektivität des Gutachters – Eine notwendige Illusion? In der Zeitschrift: Der medizinische Sachverständige. Stuttgart, Ausgabe Juni 2012, S. 218 ff.
↑ „Alle Wissenschaften … sind ja doch Gegenstände menschlicher Erkenntnis; das auf sie bezügliche Urteil ist Sache menschlicher Kräfte und Fähigkeiten.“ David Hume: Traktat über die menschliche Natur. Übersetzt von Theodor Lipps. Berlin 2004, S. 12. – George Berkeley, neu übersetzt und hrsg. von Günter Gawlick und Lothar Kreimendahl: Eine Abhandlung über die Principien der menschlichen Erkenntnis. Stuttgart 2005.
↑ Richard Rorty: Der Spiegel der Natur. Frankfurt am Main, 6. Auflage, 2008, S.13f.
↑ Vgl. Johannes Hirschberger: Geschichte der Philosophie. Band II, S. 226f.
↑ Vgl. Kurt Flasch: Das philosophische Denken im Mittelalter. Stuttgart (Reclam) 1986, S. 246- 254, 559, 563-567.
↑ Franz Bacon: Neues Organon. Berlin 1870, S. 73-81. bei zeno.org
↑ Zu Descartes Zeiten war noch nicht bekannt, dass Sinnesreize als elektrische Impulse ins Gehirn weitergeleitet und dort auf weitgehend noch unbekannte Weise in menschliche Wahrnehmungen umgewandelt werden.
↑ Descartes bezeichnete diesen Vorgang auch als Intuition. "Unter Intuition verstehe ich … ein so müheloses und deutlich bestimmtes Begreifen des reinen und aufmerksamen Geistes, dass über das, was wir erkennen, gar kein Zweifel zurückbleibt …" Springmeyer, Gäbe, Zekl und René Descartes: Regeln zur Ausrichtung der Erkenntniskraft. Hamburg (Meiner) 1973, S.17f.
↑ Erkenntnistheorie Descartes
↑ Passend zu seinem empirischen Philosophieren verwendete er für sein Hauptwerk folgendes Zitat Ciceros als Motto: "Wie schön ist es, lieber sein Nichtwissen einzugestehen, als dergleichen herauszuschwätzen und sich selbst zu missfallen."– Locke empfahl als Mittel für das Gespräch mit anderen Philosophen: "Wenn Philosophen das, was sie unterstellen, zum Maßstab für die Behauptungen anderer machen, … dann muss man sich das ansehen, was sie unterstellen." Of seeing all things in God. An Examination of P. Malebranche’s Opinion (1693). Section 1. -John Lockes Erkenntnistheorie
↑ Wie es zu der Überzeugung von einer konstanten Außenwelt kommt.
↑ Berkeley schrieb die Behauptung, dass Menschen angeblich abstrahieren können, einem irrtümlichen Gebrauch von Wörtern zu. Vgl. Gawlick, Günter; Kreimendahl, Lothar und George Berkeley: Eine Abhandlung über die Prinzipien menschlicher Erkenntnis. Stuttgart (Reclam) 2005, §6ff. Aufgerufen September 2014.
↑ David Hume: Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand. XII,4. – Humes Erkenntnistheorie
↑ Vgl. Christian Thiel: Objektivität. 1984 S. 1052f.
↑ Per Definition sind immer die Aussagen wahr, denen nicht widersprochen werden kann, bzw. die keinen Widerspruch enthalten. Vgl. zur Metaphysik Baumgartens: Johann August Eberhard und Georg Friedrich Meier: Alexander Gottlieb Baumgartens Metaphysik. Halle 1766, Neue vermehrte Auflage 1783. Datenbank der Uni Greifswald. Aufgerufen September 2014.
↑ Auf eingefügten leeren Seiten von Kants persönlicher Kopie der Kritik der reinen Vernunft finden sich viele vorbereitende Notizen anhand von Baumgartens Text. Vgl. Lothar Kreimendahl, Günter Gawlick und Alexander Gottlieb Baumgarten: Metaphysik/Metaphysica. Forschungen und Materialien zur deutschen Aufklärung. Abteilung I: Texte zur Philosophie der deutschen Aufklärung. Stuttgart 2010. Abstract.
↑ In: David Hume: Vermischte Schriften über die Handlung, die Manufacturen und die andern Quellen des Reichthums und der Macht eines Staats, 2. Band, Hamburg und Leipzig (Grund &amp; Holle) 1755.
↑ Immanuel Kant: Ausgabe der Preußischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 1900ff, IV, 257. Prolegomena
↑ Vgl. Johannes Keienburg: Immanuel Kant und die Öffentlichkeit der Vernunft. Berlin 2011, da ibs. S. 103 ff und 184-190.
↑ Hermann Deuser: Naturwissenschaft, Pragmatismus und Religionsphilosophie: Charles S. Peirce' Allgemeine Semiotik. Spiegel der Forschung. 13.Jg./Nr.2, 1996,11f. – Andreas Wolf: Der Wahrheitsbegriff in der Zeichentheorie von Ch. S. Peirce. In Oliver Jahraus und Nina Ort (Hg.): Bewußtsein – Kommunikation – Zeichen: Wechselwirkungen zwischen Luhmannscher Systemtheorie und Peircescher Zeichentheorie. Berlin 2001, S. 153-166. – Ralph Schumacher: Peirce, Charles Sanders. Online-Wörterbuch Philosophie. Das Ullstein-Philosophielexikon im Internet. Aufgerufen September 2014. – Peirces Philosophie
↑ Max Weber: Die „Objektivität“ sozialwissenschaftlicher und sozialpolitischer Erkenntnis. In: Schriften zur Wissenschaftslehre. Reclam, Stuttgart 1991. S. 49; ISBN 3-15-008748-1
↑ K.R.Popper: Objektive Erkenntnis. Ein evolutionärer Entwurf Hamburg 1974²
↑ „In der Auseinandersetzung mit seiner Umwelt eignet sich der Mensch empirisches Wissen an und verdichtet es zu einer Theorie, um mit einer geringeren Menge an Information seine Handlungen richtig steuern zu können.“ Karl Popper: Objektive Erkenntnis. Hamburg 1993. – Vgl. Karl-Heinz Brodbeck: Der Zirkel des Wissens. Vom gesellschaftlichen Prozess der Täuschung. Aachen 2002, S. 164-173.
↑ Jürgen Habermas: Erkenntnis und Interesse. In: Jürgen Habermas: Technik und Wissenschaft als „Ideologie“. 4. Auflage. Edition 287, Suhrkamp, Frankfurt [1965 Merkur] 1970, Seite 150 f.
↑ Hans-Ulrich Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte, Erster Band. C.H.Beck, München 1989. S.12ff.&#160;; ISBN 3-406-32261-1
↑ Niklas Luhmann: Die Religion der Gesellschaft. Suhrkamp, Frankfurt 2002. S.19; ISBN 3-518-29181-5
↑ Ernst von Glasersfeld: Objektivität; in: Leon R. Tsvasman (Hrsg.): Das große Lexikon Medien und Kommunikation. Kompendium interdisziplinärer Konzepte. Würzburg 2006. ISBN 3-89913-515-6
↑ Sandra Harding: Das Geschlecht des Wissens. Frauen denken die Wissenschaft neu. Campus Verlag, Frankfurt/M. [1991] 1994, ISBN 3-593-35049-1, S. 165-168. – Feministische Standpunkttheorie.
↑ Vgl. Otto Friedrich Bollnow: Die Objektivität der Geisteswissenschaften und die Frage nach dem Wesen der Wahrheit. Zeitschrift für philosophische Forschung, 16. Jg. 1962, S. 3-25.
↑ Beat Sitter-Liver, Rainer J. Schweizer: Der Einspruch der Geisteswissenschaften: ausgewählte Schriften von Saint-Paul. Fribourg (Academic Press) 2002, S. 56.
↑ Gabriele Klappenecker: Offenheit für die Fülle der Erscheinungen: das Werk Otto Friedrich Bollnows und seine Bedeutung für eine phänomenologisch orientierte Religionspädagogik. Stuttgart (W. Kohlhammer Verlag) 2007, S. 321.
↑ Eva Matthes: Geisteswissenschaftliche Pädagogik: Ein Lehrbuch. Berlin (Gruyter/ Oldenbourg Verlag) 2011, S. 46.
↑ Vgl. Hans-Walter Hedinger: Subjektivität und Geschichtswissenschaft: Grundzüge einer Historik. Reihe: Historische Forschungen. Berlin (Duncker und Humblot) 1969, S. 254-256; 495f. – Ferner: Otto Gerhard Oexle: Geschichtswissenschaft im Zeichen des Historismus: Studien zu Problemgeschichten der Moderne. Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft. Göttingen (Vandenhoeck &amp; Ruprecht) 1996.
↑ Frithjof Rodi und Otto Friedrich Bollnow: Dilthey-Jahrbuch VIII/1992-1993.: Für Philosophie und Geschichte der Geisteswissenschaften. Göttingen (Vandenhoeck &amp; Ruprecht) 1993.
↑ Vgl. Max Weber: Gesammelte Aufsätze zur Wissenschaftslehre. Hrsg. von Johannes Winckelmann. Tübingen 61985, S. 146-148. zeno.org
↑ Aus dem Kodex der Deutschen Gesellschaft für Soziologie.
↑ Gütekriterien – Vgl. a. Krankl, Christian (2008): Das Objektivitätsproblem der Soziologie. Max Webers kulturwissenschaftliche Konzeption der soziologischen Erkenntnis. Universität Wien 2008. – Beck, Ulrich: Objektivität und Normativität: Die Theorie-Praxis-Debatte in der modernen deutschen und amerikanischen Soziologie. Wiesbaden (Springer VS) 1974.
↑ Martin Heinze: Störenfried Subjektivität: Subjektivität und Objektivität als Begriffe psychiatrischen Denkens. Würzburg (Königshausen &amp; Neumann) 1996, S. 8-10; 18-21.
↑ Edzard Han: Die Notwendigkeit einer Philosophie der Chemie. In: Nikolaos Psarros: Philosophie der Chemie: Bestandsaufnahme und Ausblick. Würzburg (Königshausen &amp; Neumann) 1996, S. 62.
↑ Vgl. Nicolaos Psarros: Die Chemie als Gegenstand philosophischer Reflexion. In: Ders.: Philosophie der Chemie: Bestandsaufnahme und Ausblick. Würzburg (Königshausen &amp; Neumann) 1996, S. 111.
↑ Vgl. Thomas Wilhelm: Ausgewählte Probleme der Didaktik der Physik. Augsburg (Skript Uni Augsburg) 2010. Physik
↑ Hans-Dieter Radecke und Lorenz Teufel: Was zu bezweifeln war. Die Lüge von der objektiven Wissenschaft. München (Droemer Verlag) 2010. Zur Sicherung der Objektivität von Wikipedia hier eine Kritik: "Die beiden Autoren studierten zwar u.a. Physik, aber sie sind keine Wissenschaftler, sondern Journalisten. Mit dem Buch bemühen sie sich, dem Leser zu vermitteln, dass es keine objektive Wahrheit gibt. Wenn auch die Grundaussage – ohne Glauben gibt es kein Wissen – richtig sein mag, ihre Argumentation ist oft widersprüchlich und die Schlussfolgerungen sind nicht immer nachvollziehbar." Bertram Köhler, 26. August 2010.
↑ Vgl. Walter Schulz: Philosophie in der veränderten Welt. Stuttgart (Klett-Cotta) 2001, S.43. –. Bruno Thüring behauptet für die neue Wissenschaftsforschung, dass Wissenschaftler stets von implizitem Wissen ausgehen. Ders.: Die Gravitation und die philosophischen Grundlagen der Physik. Schriften zur Foerderung der Beziehungen zwischen Philosophie und Einzelwissenschaften. Berlin (Duncker &amp; Humblot) 1967. – Werner Rammert: Technik – Handeln – Wissen: Zu einer pragmatistischen Technik- und Sozialtheorie. Wiesbaden (Springer-Verlag) 2007.
↑ Susanne Popp, Michael Sauer, Bettina Alavi, Marko Demantowsky, Gerhard Paul: Zeitgeschichte – Medien – Historische Bildung. Beihefte zur Zeitschrift für Geschichtsdidaktik. Göttingen (Vandenhoeck &amp; Ruprecht) 2010, S. 281.
↑ Vgl. zu diesem Abschnitt: Joachim-Felix Leonhard (Hg.): Medienwissenschaft: ein Handbuch zur Entwicklung der Medien und Kommunikationsformen. Reihe: Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft. Berlin (Walter de Gruyter) 2001, S. Teil 2: S. 1610; Teil 3: S.1816ff; 2837; 2299.<!–NewPP limit report
Parsed by mw1112
Cached time: 20151124205747
Cache expiry: 2592000
Dynamic content: false
CPU time usage: 0.176 seconds
Real time usage: 0.186 seconds
Preprocessor visited node count: 1347/1000000
Preprocessor generated node count: 0/1500000
Post‐expand include size: 401/2097152 bytes
Template argument size: 121/2097152 bytes
Highest expansion depth: 4/40
Expensive parser function count: 0/500
Number of Wikibase entities loaded: 0–><!–Transclusion expansion time report (%,ms,calls,template)
100.00%6.5131 – -total58.65%3.8201 – Vorlage:Wikiquote39.74%2.5881 – Vorlage:IEP
–><!– Saved in parser cache with key dewiki:stable-pcache:idhash:11083-0!*!0!!de!4!* and timestamp 20151124205747 and revision id 146952705–>

Der Procurator aus Jost Ammans Ständebuch (1568)
Rechtsanwalt (in der Schweiz je nach Kanton auch Advokat, Fürsprecher und Fürsprech genannt; von germ. rehta, althochdeutsch reht: „richten“, anawalt: „Gewalt“) ist eine Berufsbezeichnung für einen juristischen Beistand. Er gehört mit den Patentanwälten, Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern und (teilweise) den Notaren zu den rechts- und wirtschaftsberatenden Freien Berufen. Mit allen Fragen rund um den Beruf des Rechtsanwalts befasst sich – seit 1988 in Deutschland auch institutionell – das Anwaltsrecht. Von einem "Titularanwalt" spricht man bei zugelassenen Rechtsanwälten, die keine Mandate übernehmen. Sie führen die Berufsbezeichnung häufig aus Imagegründen oder um Mitglied in einem Rechtsanwaltsversorgungswerk werden zu können und dort Altersversorgungsansprüche zu erwerben. Außerdem gestattet § 17 Absatz 2 der Bundesrechtsanwaltsordnung (BRAO) der zuständigen Rechtsanwaltskammer, einem Anwalt, der wegen hohen Alters oder Gebrechen auf die Zulassung verzichtet, die Erlaubnis zu erteilen, sich weiterhin Rechtsanwalt zu nennen.Inhaltsverzeichnis
1 Geschichte1.1 Sachsenspiegel, Schwabenspiegel
1.2 Neuzeit
2 Aufgabe
3 Rechtsanwältinnen
4 Zulassung, Einstiegsgehälter und Mitgliederstatistik
5 Berufsrecht
6 Fachanwalt
7 Anwaltsnotar
8 Anwaltsmediator
9 Syndikus
10 Vergütung und Einkommen
11 Sozietäten und andere Berufsausübungsgemeinschaften
12 Deutscher Anwaltverein
13 Anwaltshaftung
14 Schweiz
15 Europäische Union
16 Weiterführende Hinweise
17 Literatur
18 Weblinks
19 EinzelnachweiseGeschichte[Bearbeiten]
Über die historischen Anfänge der Anwaltschaft in Deutschland ist wenig bekannt.
Sachsenspiegel, Schwabenspiegel[Bearbeiten]
Einiges lässt sich dem Sachsenspiegel entnehmen. Dieser wurde um 1220–1233 durch Eike von Repgow verfasst.[1] Eike von Repgow betont, dass die Sachsen einige Regelungen gegen das Besatzungsrecht Karls des Großen durchsetzen konnten. Daher galten viele Regelungen des Sachsenspiegels nicht erst seit 800, sondern auch schon in den vorchristlichen Jahrhunderten. Im Landrecht des Sachsenspiegels zerstreut sind einige Regelungen zu finden, welche die germanischen Wurzeln anwaltlicher Tätigkeit erkennen lassen. Es handelt sich um den Vorspreke. In einigen Schweizer Kantonen hat sich die Berufsbezeichnung als Fürsprecher erhalten. Es ging aber ursprünglich weniger darum, für einen anderen Fürsprache einzulegen, als für ihn vorzusprechen. Prozessuale Formalien hatten damals ähnliche, wenn nicht größere Bedeutung als heute. Jeder freie Mann hatte das Recht, seine Sache vor Gericht selbst zu vertreten. Wenn er sich versprach, war der Fehler nicht mehr zu heilen. Deshalb bestand die Möglichkeit, einen anderen statt seiner selbst sprechen zu lassen. Der Fürsprecher musste männlich sein. Er durfte nicht Geistlicher, rechts- oder prozessunfähig sein bzw. sich in Reichsacht befinden. Der Richter war verpflichtet, die Partei zu befragen, ob sie die Worte ihres Fürsprechers gegen sich gelten lassen wollte. Diese konnte bestätigen, verneinen oder um Bedenkzeit bitten. Wenn eine Partei die Worte ihres Fürsprechers nicht bestätigte, durften diese keine Berücksichtigung finden. Jeder gerichtsfähige Mann war verpflichtet, das Amt eines Fürsprechers zu übernehmen, wenn der Richter ihn dazu bestimmte. Ausnahmen galten für benannte Fälle einer Interessenkollision. Bei Sexualdelikten hatte der Richter für einen Vormund der Geschädigten als Prozessvertreter sorgen, wenn kein Mitglied ihrer Sippe zur Verfügung stand.
Der Sachsenspiegel besagt nicht ausdrücklich, dass es seinerzeit Leute gab, die regelmäßig als Fürsprecher tätig wurden und dafür Geld erhielten. Es gibt aber zwei Indizien dafür. Wenn beide Parteien denselben Mann als Fürsprecher für sich begehrten, lag die Entscheidung beim Richter. Entweder musste der Fürsprecher gerichtsbekannt oder vermögend sein oder dem Richter Bürgen für die Geldbußen stellen, die gegen ihn persönlich verhängt werden konnten, bevor er tätig werden durfte. Selbst bei Familienbanden erscheint zweifelhaft, ob man für den Prozess eines anderen selbst haften wollte. Dieses Haftungsrisiko wird sich der Fürsprecher angemessen bezahlt haben lassen.
In Art. 87 des Schwabenspiegels waren bereits seit dem Spätmittelalter wesentliche Punkte des anwaltlichen Berufsrechts geregelt. Der Fürsprecher sollte nur den vertreten, der seiner Überzeugung nach recht hatte. Half er seiner Partei bei einem Prozessbetrug, hatte er persönlich an den Richter und die geschädigte Partei hohe Strafen zu zahlen. Der Richter konnte den Fürsprecher beauftragen, eine arme Partei unentgeltlich zu vertreten. Schließlich waren auch schon die anwaltliche Schweigepflicht und das Verbot, widerstreitende Interessen zu vertreten, bekannt.
Neuzeit[Bearbeiten]
Englischer Barrister in Robe (um 1900)
Französischer Rechtsanwalt in Robe (um 1910)
Mit der Rezeption des römischen Rechts seit dem Hochmittelalter in Europa wurde das Gerichtsverfahren professionalisiert und es entstanden dazu Funktionen, die mit ausgebildeten Juristen besetzt waren. Hierbei bildete sich ein Berufsstand professioneller Juristen heraus, die eine Partei in der Verhandlung vor dem Gericht vertraten, die sogenannten Prokuratoren. Daneben gab es andere Anwälte, die den Kontakt mit dem Rechtssuchenden pflegten, die Mandanten berieten und sie auch in außergerichtlichen Geschäften rechtlich betreuten, die sogenannten Advocaten. Diese Trennung zwischen Advokaten und Prokuratoren gab es allerdings in manchen Ländern nur vor den höchsten Gerichten.
In Deutschland kannte man diese Zweiteilung in den süddeutschen Gebieten, die ursprünglich einmal unter römischer Verwaltung gestanden hatten. Im Landrecht des Schwabenspiegels, dessen erste Aufzeichnung um 1275 erfolgte, wurde zwischen dem Fürsprecher, der vor Gericht vertrat, und dem Ratgeber unterschieden. Beide konnten für ihre Tätigkeit Geld verlangen. Bei dem Fürsprecher bestand ähnlich wie heute ein Verbot, ein Erfolgshonorar zu vereinbaren. Seine Reisekosten konnte er aber gesondert ersetzt verlangen. Im Gegensatz dazu war für den Ratgeber geregelt, dass er für schlechten Rat keinen Lohn erhielt und ggf. für einen daraus entstandenen Schaden haftete. Hieraus dürfte sich das Sprichwort Guter Rat ist teuer entwickelt haben. Da die Regelungen des Sachsenspiegels und der daran anknüpfende Schwabenspiegel für Gerichtsverfahren galten, die vom König selbst oder unter Königsbann gehalten wurden, beschränkte sich die Aufspaltung der anwaltlichen Aufgaben später auf die Verfahren vor dem Reichshofrat oder dem Reichskammergericht.
Seit dem Ende des 16. Jahrhunderts wurde die Zweiteilung der Anwaltschaft in Kontinentaleuropa immer weiter gelockert und mit den Rechtsreformen der napoleonischen Zeit weitgehend beseitigt, sodass das Berufsbild eines einheitlich tätigen Rechtsanwaltes entstand.
Das zweigeteilte System gibt es heute noch in Spanien, wo auch die traditionellen Bezeichnungen „Advokat“ (abogado) und „Prokurator“ (procurador) fortbestehen, sowie in den durch die Rechtstradition des Common Law geprägten Rechtssystemen in England, Wales und anderen Ländern des Commonwealth, wo die prozessanwaltliche Prokuratoren „Barrister“ und die außergerichtliche Advokaten „Solicitor“ heißen.
Aufgabe[Bearbeiten]
Rechtsanwälte haben die Aufgabe, ihrem Auftraggeber mit rechtsstaatlichen Mitteln zu seinem Recht zu verhelfen. Zu diesem Zweck können sie jedermann beraten oder vertreten, soweit sie nicht zuvor in derselben Angelegenheit die Gegenseite beraten bzw. vertreten haben oder andere Vertretungsverbote – z.&#160;B. eine zur Neutralität verpflichtende vorherige Tätigkeit als Notar – bestehen. Die parteiliche Interessenvertretung ist das berufsprägende Merkmal der Rechtsanwälte.
Im Rahmen der Beratung wird der Mandant über die Rechtslage, seine Erfolgschancen, die Möglichkeiten einer Beweissicherung und die anfallenden Kosten sowie das Kostenrisiko informiert.
Jedermann kann sich in jedem Verfahren vor Behörden oder Gerichten durch einen Rechtsanwalt vertreten lassen. In einem Strafprozess oder einem Bußgeldverfahren wird der Rechtsanwalt als Verteidiger tätig. Im Zivilprozess besteht bei den Landgerichten, Oberlandesgerichten und dem Bundesgerichtshof die Verpflichtung, sich durch einen Rechtsanwalt vertreten zu lassen. Gleiches gilt bei anderen Verfahrensarten für die höheren Instanzen. Der Sinn dieses sogenannten Anwaltszwangs liegt darin die höheren Instanzen der Gerichtsbarkeit zu entlasten, da Sachverhaltsaufklärungsarbeiten und rechtliche Voreinschätzungen durch Rechtsanwälte vor Klageerhebung und während des Prozesses durch die Rechtsanwälte erfolgen sollen.
Das zum 1. Juli 2008 in Kraft getretene Rechtsdienstleistungsgesetz löste das bis dahin geltende Rechtsberatungsgesetz ab. Die außergerichtliche Rechtsberatung ist in größerem Umfang für Nicht-Anwälte geöffnet worden. Für den Kernbereich rechtlicher Dienstleistungen, d.&#160;h. vor allem die Vertretung vor Gericht, gilt das Anwaltsmonopol im Wesentlichen weiterhin.
Die Bundesrechtsanwaltsordnung (BRAO) führt die allgemeinen Aufgaben des Rechtsanwalts nicht abschließend auf. § 1 der BRAO definiert den Rechtsanwalt als „unabhängiges Organ der Rechtspflege“. § 3 BRAO führt aus: „Der Rechtsanwalt ist der unabhängige Berater und Vertreter in allen Rechtsangelegenheiten.“ Konkreter nennen §§ 48, 49 und 49a BRAO die Pflichten zur Prozessvertretung im Zivilprozess unter bestimmten Bedingungen, zur Pflichtverteidigung und zur Beratungshilfe. Die Berufsordnung für Rechtsanwälte (BORA) nennt in § 1 Absatz 3 folgende Aufgaben des Rechtsanwalts: „… seine Mandanten vor Rechtsverlusten zu schützen, rechtsgestaltend, konfliktvermeidend und streitschlichtend zu begleiten, vor Fehlentscheidungen der Gerichte und Behörden zu bewahren und gegen verfassungswidrige Beeinträchtigung und staatliche Machtüberschreitung zu sichern.“
Abstrakt können Sinn und Aufgaben der anwaltlichen Tätigkeit wie folgt aufgegliedert werden:Rechtsgestaltung (Kompliziertere, aber für die Wirtschaft bedeutende Rechtsgeschäfte würden ohne anwaltliche Hilfe in der Vertragsgestaltung oftmals unterlassen werden. Umstritten ist hingegen die Einbeziehung von Anwälten durch Ministerien für die Erarbeitung von Gesetzentwürfen)
Rechtssuchende über Ansprüche und Gegenansprüche aufzuklären und Beweise zu sichern
Entlastung der Justiz durch Abraten von der Klagerhebung bei mangelnder Erfolgsaussicht (Filterfunktion für die Gerichte), außergerichtliche Streitbeilegung durch Abschluss von außergerichtlichen Vergleichen (damit auch zum Rechtsfrieden beizutragen), Mediation (in diesen Fällen wird der Anwalt als Mediator und nicht als Vertreter einer Partei tätig)
außergerichtliche Durchsetzung von Ansprüchen (durch anwaltliche Aufforderungsschreiben, Vertragsstrafen). Vertragsstrafen und die Kostentragungspflicht des Anspruchgegners leisten dabei auch einen Beitrag zur Prävention vor zukünftigen Rechtsverstößen
Verfahrenshilfe für die Prozesse vor den Gerichten zu leisten (Sachverhaltsklärung und Ordnen der Darlegungen, Rechtsausführungen)
Prozesshandlungen vorzunehmen (zum Beispiel: Einreden zu erheben, Vergleiche abzuschließen, Rechtsmittel einzulegen)
durch Mitarbeit in den berufsständischen Organisationen, Beiträge in Fachzeitschriften oder Kommentaren zur Fortbildung der Rechtsauslegung, insbesondere der Rechtsprechung, und zur Gesetzgebung beizutragen.Nach groben Schätzungen besteht die anwaltliche Arbeit an Mandaten zu 80&#160;% aus Sachverhaltsaufklärung und zu 20&#160;% aus daran anschließender Rechtsanwendung.[2]
Rechtsanwältinnen[Bearbeiten]
Zur deutschen Anwaltschaft zählen im Jahr 2012 51.585 Rechtsanwältinnen. Sie stellen 32,56&#160;% der Anwaltschaft.[3] Frauen wurde erstmals in Deutschland durch das Gesetz über die Zulassung der Frauen zu den Ämtern und Berufen der Rechtspflege vom 11. Juli 1922 (RGBl. 1922, 573) erlaubt, die Befähigung zum Richteramt und damit die Voraussetzung zur Zulassung zur Rechtsanwaltschaft zu erwerben. Als erste Frau Deutschlands ließ das Bayerische Staatsministerium der Justiz am 7. Dezember 1922 die Assessorin Fräulein Dr. Maria Otto zur Rechtsanwaltschaft zu.Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Näheres ist eventuell auf der Diskussionsseite oder in der Versionsgeschichte angegeben. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung.
Zuvor war es Frauen weit mehr als 1000 Jahre verboten gewesen, in eigener Sache oder als Fürsprecher für andere vor Gericht aufzutreten. Das Verbot findet sich in den römischen Digesten, dem Sachsen- und dem Schwabenspiegel. Es wird damit begründet, dass eine Römerin Calpurnia/Calefornia sich vor Gericht sehr ungebührlich benommen, nämlich dem Kaiser mit deftigen Worten den nackten Hintern präsentiert habe. Da Calpurnius ein römisches Adelsgeschlecht war und Calpurnia u.&#160;a. die dritte Frau von Gaius Julius Caesar hieß, scheint das Vertretungsverbot schon aus der Frühzeit der römischen Kaiserzeit zu stammen.
Zulassung, Einstiegsgehälter und Mitgliederstatistik[Bearbeiten]
Voraussetzung für die Zulassung als Rechtsanwalt ist (in Deutschland) die Befähigung zum Richteramt, also die Ausbildung zum Volljuristen. Eine Ausnahme gilt nach dem Einigungsvertrag für solche Juristen, die in der DDR als „Diplom-Jurist“ als Rechtsanwalt tätig waren. Sie durften weiter als Rechtsanwälte arbeiten, auch ohne Volljuristen zu sein. In der Schweiz müssen die Juristen nach Abschluss des Hochschulstudiums eine Anwaltsprüfung absolvieren, welche von Kanton zu Kanton verschieden geregelt ist.
Anwälte werden von der Rechtsanwaltskammer, in deren Bezirk sie sich niederlassen wollen, zugelassen und dort auch in das Rechtsanwaltsverzeichnis eingetragen. Zugelassene Rechtsanwälte müssen den Abschluss einer Berufshaftpflichtversicherung für Rechtsanwälte (Vermögensschadenhaftpflichtversicherung) für Beratungsfehler sowie das Vorhandensein von Kanzleiräumen am Ort der anwaltlichen Zulassung nachweisen. Im Diensteid vor der Rechtsanwaltskammer müssen sich Rechtsanwälte verpflichten, die verfassungsmäßige Ordnung zu wahren und die Pflichten eines Rechtsanwalts gewissenhaft zu erfüllen (§&#160;12a BRAO). Die Zulassung kann von der zuständigen Rechtsanwaltskammer entzogen werden, insbesondere bei Überschuldung (Vermögensverfall) und groben Berufsrechtsverstößen.
Für Juristen aus dem EU-Ausland, aus einem Vertragsstaat des Europäischen Abkommens über den Europäischen Wirtschaftsraum und der Schweiz kann die Zulassung nach einer dreijährigen Tätigkeit in Deutschland und im deutschen Recht erfolgen. Bei kürzerer Tätigkeit im deutschen Recht erfolgt sie aufgrund einer speziellen Eignungsprüfung. Die Einzelheiten ergeben sich aus dem Gesetz über die Tätigkeit europäischer Rechtsanwälte in Deutschland (EuRAG).
Anwälte aus Drittstaaten können sich nach Maßgabe des (§&#160;206 BRAO) in Deutschland niederlassen, allerdings nur zu Rechtsfragen ihres Heimatstaates oder des Völkerrechts beraten.
Verhältnis zugelassener Anwälte/Einwohner Deutschland von 1991 bis 2008[4][5]
Das Einwohner/Anwalts-Verhältnis hat sich in Deutschland seit 1991 halbiert. Im Jahr 2011 kamen auf einen zugelassen Anwalt nur noch 525 Einwohner, was statistisch gesehen zu einer entsprechenden Umsatzeinbuße führte.[6] Da es in Deutschland für Anwälte – im Gegensatz zu Notaren – keine Zulassungsbeschränkung gibt, sind die Berufsaussichten für Junganwälte ohne zusätzliche Qualifikationen bzw. während der Ausbildung in Kanzleien gewonnener Berufserfahrungen je nach der Examensnote sehr ungünstig. Allerdings können höchst qualifizierte Berufsanfänger (z.B. zwei Prädikatsexamina, Promotion, zusätzlicher Abschluss im ausländischen Recht) in Großkanzleien Anfangsjahresgehälter von 100.000 bis 140.000 € erreichen[7].
Die Zahl der Anwälte in Deutschland betrug am 1. Januar 2012 insgesamt 158.426. Gegenüber dem Vorjahr ergibt sich damit eine Steigerung von 1,76&#160;%.[8] Dies entspricht etwa einem Anwalt pro 525 Einwohner. Zum Vergleich hierzu bezogen auf das Jahr 2006: USA: 270, Italien: 454, England: 490, Schweiz:&#160;1.032, Österreich: 1.751, Russland und GUS: 7.520, Vietnam: 24.824.[9] Zum 1. Januar 2013 ist die Zahl der zugelassenen Rechtsanwälte in Deutschland auf 160.894 gestiegen.[10] Zum 1. Januar 2014 ist die Zahl der zugelassenen Rechtsanwälte in Deutschland auf 162.695 gestiegen.[11] Zum 1. Januar 2015 ist die Zahl der zugelassenen Rechtsanwälte in Deutschland auf 163.513 gestiegen.[12]
Berufsrecht[Bearbeiten]
Der Rechtsanwalt übt einen freien Beruf aus, kein Gewerbe. Für ihn gilt anwaltliches Berufsrecht,[13] welches gesetzlich durch die Bundesrechtsanwaltsordnung (BRAO) und das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) geregelt ist. Der Beruf des Rechtsanwalts ist in Deutschland ein klassischer Kammerberuf; alle Rechtsanwälte sind Pflichtmitglieder der örtlich für sie zuständigen Rechtsanwaltskammer. Die Rechtsanwaltskammern sind u.&#160;a. für die Einhaltung des Berufsrechts zuständig. Als Dachorganisation besteht die Bundesrechtsanwaltskammer,[14] bei der die Satzungsversammlung eingerichtet ist. Diese gestaltet das Berufsrecht im Wege der Selbstverwaltung [15] durch die Berufsordnung (BORA) und die Fachanwaltsordnung (FAO) weiter aus. Daneben gelten die CCBE-Berufsregeln der Rechtsanwälte der EU.
Die deutsche Rechtsordnung sieht den Rechtsanwalt als „unabhängiges Organ der Rechtspflege“ (§ 1 BRAO). Diese „Organformel“ wurde erstmals vom Ehrengerichtshof für Rechtsanwälte in einer Entscheidung vom 25. Mai 1883 gebraucht.[16] Inhaltlich bedeutet dies, dass der Anwalt nicht nur seinem Mandanten verpflichtet ist, sondern auch der Rechtsordnung; allerdings gehen die Interessen des Mandanten im Rahmen der Gesetze vor. Er ist so ein dem Richter und Staatsanwalt gleichgeordnetes Organ der Rechtspflege. Der Anwalt darf deshalb vor Gericht nicht bewusst die Unwahrheit vortragen. Er darf auch nicht tätig werden, wenn er wegen desselben Streitgegenstands bereits die Gegenpartei vertritt oder vertreten hat. Das Verhältnis zwischen Rechtsanwalt und Mandant ist verfassungsrechtlich geschützt: Der Anwalt und seine Mitarbeiter haben nicht nur eine Schweigepflicht, sondern gegenüber allen Gerichten, Staatsanwaltschaften und der Polizei ein Aussageverweigerungsrecht über das, was der Mandant seinem Anwalt anvertraut hat. Die Handakten des Anwalts können weder durchgesehen noch beschlagnahmt werden.
Fachanwalt[Bearbeiten]
Ein Rechtsanwalt, der in einem bestimmten Rechtsgebiet über besondere theoretische und praktische Erfahrungen verfügt, kann von der für ihn zuständigen Rechtsanwaltskammer die Erlaubnis zum Führen des Titels „Fachanwalt für …“ erhalten. Die Einzelheiten der Zulassung als Fachanwalt regelt die Fachanwaltsordnung (FAO). Derzeit gibt es Fachanwaltschaften für: Agrarrecht, Arbeitsrecht, Bank- und Kapitalmarktrecht, Bau- und Architektenrecht, Erbrecht, Familienrecht, gewerblichen Rechtsschutz, Handels- und Gesellschaftsrecht, Informationstechnologierecht, Insolvenzrecht, internationales Wirtschaftsrecht, Medizinrecht, Miet- und Wohnungseigentumsrecht, Sozialrecht, Steuerrecht, Strafrecht, Transport- und Speditionsrecht, Urheber- und Medienrecht, Verkehrsrecht, Versicherungsrecht sowie Verwaltungsrecht.
In der Diskussion ist, weitere Fachanwaltschaften für Sportrecht und Migrationsrecht zu schaffen.[17] Die Satzungsversammlung der Bundesrechtsanwaltskammer hatte im Dezember 2013 den Fachanwalt für internationales Wirtschaftsrecht als jüngsten Fachanwaltstitel eingeführt. Zuletzt hat die Satzungsversammlung Anfang 2015 die Einführung des Fachanwaltstitels für Vergaberecht beschlossen. Der Beschluss muss zu seiner Wirksamkeit noch vom Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz geprüft werden.[18]
Jeder Fachanwalt hat jährlich gegenüber seiner zuständigen Rechtsanwaltskammer den Nachweis zu führen, dass er sich in seinem Fachgebiet fortgebildet oder einen wissenschaftlichen Beitrag veröffentlicht hat.
Die Zahl der Fachanwälte ist per 1. Januar 2012 auf 44.340 gestiegen.[19] Dies entsprach unter Berücksichtigung von Doppel- und Dreifachverleihungen 36.767 Rechtsanwälten mit mindestens einem Fachanwaltstitel (23,2&#160;% aller in Deutschland zugelassenen Rechtsanwälte).[20]
Anwaltsnotar[Bearbeiten]
Durch staatliche Bestellung kann ein Rechtsanwalt in Berlin, Bremen, Hessen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und – mit Ausnahmen – in Nordrhein-Westfalen[21] eine Zulassung als Notar im Nebenberuf (Anwaltsnotar) (§ 3 Abs. 2 Bundesnotarordnung) erhalten. Wird er in einer Angelegenheit als Notar tätig, beurkundet er z.&#160;B. einen Kaufvertrag oder ein Testament, muss er neutral die Interessen aller Beteiligten wahrnehmen und darf in dieser Sache weder vorher noch hinterher als Rechtsanwalt tätig sein. Er erhält dann auch keine Gebühren als Rechtsanwalt, sondern die meist geringeren Gebühren als Notar.
In anderen Bundesländern werden Notare im Hauptberuf vom Staat bestellt, die dann nicht parallel als Rechtsanwalt tätig sein dürfen (sogenanntes: „Nur-Notariat“).
Das Bewerbungsverfahren für Anwaltsnotare nach der Bundesnotarordnung wurde im Jahr 2009 neu geregelt. Vorausgegangen waren unter anderem die Müdener Thesen.
Anwaltsmediator[Bearbeiten]
Der entsprechend fortgebildete Rechtsanwalt (§ 5 Mediationsgesetz und § 7a Berufsordnung für Rechtsanwälte) darf als anwaltlicher Mediator auch Mediationen durchführen. In diesen Fällen führt er unabhängig, neutral und allparteilich durch ein vertrauliches und strukturiertes Verfahren zur außergerichtlichen Beilegung eines Konfliktes (§ 1 und 2 Absatz 3, Satz 1 Mediationsgesetz). Der anwaltliche Mediator darf nicht in Fällen tätig werden, wenn er in derselben Sache zuvor für eine Partei tätig gewesen ist (§ 3 Absatz 2 Mediationsgesetz). Er darf auch nicht während oder nach der Mediation für eine Partei in derselben Sache tätig werden.
Anwälte können auch als Parteivertreter ihre Mandanten in Mediationsverfahren begleiten. In diesen Fällen wird der Anwalt nicht als Mediator tätig. Eine Ausbildung als Mediator ist für den Parteianwalt in der Mediation aber sehr hilfreich. Parteianwälte sind insbesondere in den Phasen 4 bis 6 (Sammlung von Lösungsansätzen, Bewertung und Konkretisierung, Abschlussvereinbarung) sehr hilfreich, da der Mediator wegen seiner Allparteilichkeit einen Rechtsrat grundsätzlich vermeiden muss.
Die Gebühren des anwaltlichen Mediators werden in der Regel durch Stundensätze in Höhe von 125 bis 400 Euro (je nach der Bedeutung der Sache und der Zahl der beteiligten Parteien) vereinbart. Möglich ist auch, eine zusätzliche Einigungsgebühr nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz vorzusehen, wenn die Mediation zu einer Abschlussvereinbarung führt.
Syndikus[Bearbeiten]
Ein Syndikus (auch: Syndikusanwalt) ist ein Rechtsanwalt, der bei einem Unternehmen angestellt ist. Weil er gegenüber seinem Arbeitgeber an Weisungen gebunden ist, darf er diesen nicht wie ein Rechtsanwalt vor Gericht vertreten (§&#160;46 Bundesrechtsanwaltsordnung).
Vergütung und Einkommen[Bearbeiten]
Die Vergütung des Rechtsanwaltes ist gesetzlich geregelt im Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG), das am 1. Juli 2004 die Bundesgebührenordnung für Rechtsanwälte (BRAGO) abgelöst hat. Die Höhe der Vergütung bestimmt sich nach dem Vergütungsverzeichnis (Anlage 1 zum RVG). Daneben ist eine individuelle Gebührenvereinbarung zwischen Anwalt und Mandant möglich und seit 1. Juli 2006 für die außergerichtliche Tätigkeit sogar die Regel (§&#160;34 RVG). Davon zu unterscheiden ist die Vergütungsvereinbarung nach §&#160;3a RVG, die anstelle der gesetzlichen Gebührentatbestände und -beträge des RVG vereinbart werden darf, beispielsweise eine Abrechnung der anwaltlichen Tätigkeit auf Stundenbasis.
Ein Erfolgshonorar in Form eines Anteilshonorars (quota litis) war – anders als in den USA – in Deutschland grundsätzlich unstatthaft.[22] Davon hat der Gesetzgeber nach einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts Ausnahmen zulassen müssen. Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts muss eine erfolgsbasierte Vergütung zulässig sein, wenn sie besonderen Umständen in der Person des Auftraggebers Rechnung trägt, die diesen sonst davon abhielten, seine Rechte zu verfolgen.[23] Das Gesetz zur Neuregelung des Verbots der Vereinbarung von Erfolgshonoraren vom 12. Juni 2008 trat zum 1. Juli 2008 in Kraft.[24] Es hat einen neuen §&#160;4a RVG geschaffen, der unter sehr engen Voraussetzungen ein Erfolgshonorar für zulässig erklärt.
Auftraggebern, der zum Aufbringen der Anwaltsgebühren finanziell nicht in der Lage ist, haben die Möglichkeit, staatliche Beratungshilfe sowie Prozesskostenhilfe zu beantragen. Diese umfasst die Regelvergütung und kann nicht durch Vereinbarung überschritten werden (§&#160;44, §&#160;50 Abs. 2, §&#160;3a Abs. 3 RVG).
Die durchschnittlichen Jahresvorsteuergewinne selbstständiger und in Vollzeit arbeitender Rechtsanwälte in den westdeutschen Bundesländern waren im Jahr 2010 wie folgt:Rechtsanwalt in Einzelkanzlei: 71.000 Euro
Rechtsanwalt in Sozietät: 109.000 EuroDies ergibt ein durchschnittliches Vorsteuerstundeneinkommen von 26 Euro von Anwälten in Einzelkanzleien (Medianwert: 18 Euro) und 46 Euro von Anwälten in Sozietäten (Medianwert: 36 Euro).[25] Hiervon sind die Einkommensteuer, die Beiträge für die Altersvorsorge im Rechtsanwaltsversorgungswerk und die Beiträge zur Krankenversicherung noch abzuziehen.
Sozietäten und andere Berufsausübungsgemeinschaften[Bearbeiten]
Rechtsanwälte können sowohl allein als auch mit weiteren Rechtsanwälten zusammen tätig sein. Bei den sogenannten Bürogemeinschaften bleibt jeder der Rechtsanwälte eigenständig und teilt nur das Büro mit seinen Kollegen. Gebräuchlicher ist aber der Zusammenschluss von Anwälten zu Berufsausübungsgemeinschaften, landläufig allgemein Sozietäten genannt. Anwälte einer Sozietät, die Sozien, treten unter einer gemeinsamen Bezeichnung nach außen auf. In den allermeisten Fällen sind diese Sozietäten rechtlich als Gesellschaft bürgerlichen Rechts organisiert. Sozietäten, die neben den (auf dem Briefbogen aufgeführten) Sozien auch noch weitere als Angestellte tätige Anwälte haben können, sind meist in Form einer Partnerschaftsgesellschaft oder (seltener) einer Kapitalgesellschaft organisiert. Häufig gibt es Sozietäten, die an verschiedenen Orten vertreten sind (überörtliche Sozietäten). Es gibt auch in Deutschland Sozietäten, die einige Hundert Sozien haben. Hierbei handelt es sich zumeist um internationale Sozietäten, deren deutsche Partner sich mit englischen oder amerikanischen Kanzleien zusammengeschlossen haben. Durch die Globalisierung hat es sich ergeben, dass die größten deutschen Anwaltskanzleien heute entweder von britischen oder amerikanischen Kanzleien beherrscht werden.
Untersagt ist, dass eine Rechtsanwaltsgesellschaft sich ihrerseits an einer anderen Sozietät beteiligt (vgl. § 59c Abs. 2 BRAO).
Deutscher Anwaltverein[Bearbeiten]
Der Deutsche Anwaltverein wurde im Jahre 1871 in Bamberg als Interessenvertretung der deutschen Rechtsanwälte gegründet. Nach der staatlich verordneten förmlichen Auflösung des Vereins im Jahre 1934 erfolgte nach dem Zweiten Weltkrieg eine Wiedergründung des DAV.
Es sind seitdem nicht mehr die einzelnen Anwälte Mitglieder des DAV, sondern die örtlichen Anwaltvereine. Rund 250 örtliche Anwaltvereine sind im DAV organisiert, die zusammen über 67.000 Rechtsanwälte als Mitglieder haben. Im Gegensatz zu den Rechtsanwaltskammern ist die Mitgliedschaft in den Anwaltvereinen freiwillig.
Der DAV betreibt unter anderem eine kostenlose Anwaltauskunft, über die sich Ratsuchende für eine Vielzahl von Rechtsgebieten Anwälte in Wohnortnähe benennen lassen können.[26]
Anwaltshaftung[Bearbeiten]
Man unterscheidet die Anwaltshaftung gegenüber dem Mandanten bei Pflichtverletzungen aus dem Anwaltsvertrag und die Haftung gegenüber Nichtmandanten, d. h. Drittschädigung durch anwaltliche Fehlleistung. In beiden Fällen ist der Rechtsanwalt zu Schadensersatz verpflichtet. Der Schadensersatzanspruch gegenüber dem Rechtsanwalt verjährt innerhalb der sogenannten regelmäßigen Verjährungsfrist von drei Jahren (§ 195 BGB).
Der Rechtsanwalt ist verpflichtet, eine Vermögensschadenhaftpflichtversicherung mit einer Versicherungssumme von mindestens 250.000 EUR pro Versicherungsfall abzuschließen (§&#160;51 BRAO).
Schweiz[Bearbeiten]Anwaltschaft in der Schweiz
Rechtsagent (niedere Anwaltschaft)Europäische Union[Bearbeiten]
Zur Erleichterung der Suche nach einem Rechtsanwalt in der Europäischen Union wurde ab dem 8. Dezember 2014 auf der E-Justice-Plattform der Europäischen Union eine Suchfunktion eröffnet: "Wie finde ich einen Rechtsanwalt?" (engl.: „Find a lawyer“). Diese Suchfunktion wurde gemeinsam vom Rat der Europäischen Anwaltschaften (CCBE) und der EU-Kommission entwickelt. Bislang können Rechtsanwälte aus 17 Unionsmitgliedstaaten, nach Stadt, Postleitzahl, Name, sowie Fachanwaltstiteln („zusätzliche Berufsbezeichnung“) oder Sprachkenntnisse gesucht und gefunden werden. [27]
Weiterführende Hinweise[Bearbeiten]
Anwälte aus der Sicht von Honoré DaumierSiehe auch
Amtsanwalt
Anwaltsgericht
Anwaltsgerichtshof
Bundesgerichtshof in Anwaltssachen
Deutscher Anwaltverein
Fachanwalt
Jurist
Notar
Online-Rechtsberatung
Rechtsberatung
Rechtspfleger
Rechtssekretär
Robe
Staatsanwalt
Strafverteidiger
Winkeladvokat
Of counsel
Literatur[Bearbeiten]
deutschCommichau / Fresemann: „Anwalts-Gesetze“ DeutscherAnwaltVerlag, Bonn 1997, ISBN 3-87389-321-5.
Deutscher Anwaltverein und Institut für Juristische Weiterbildung an der Fernuniversität in Hagen (Hrsg.): DAV-Anwaltausbildung, Band 2 – Die theoretische Ausbildung, S. 11 ff. (Kapitel „Der Rechtsanwalt in der Gesellschaft“, „Eine kleine Geschichte der deutschen Anwaltschaft“, „Die Anwaltschaft aus soziologischer Sicht“). Deutscher Anwaltverlag, Bonn 2005 ISBN 3-8240-0749-5
Deutscher Juristinnenbund (Hsg.): Juristinnen in Deutschland, Eine Dokumentation (1900–1989), 2. Aufl. 1989, J. Schweitzer Verlag, Frankfurt 1989
Gerhard Hartstang: Der deutsche Rechtsanwalt. Rechtsstellung und Funktion in Vergangenheit und Gegenwart. C. F. Müller, Heidelberg 1986 ISBN 3-8114-1186-1 (inzwischen veraltet)
Wolfgang Hartung/Volker Römermann: Anwaltliches Berufsrecht, Verlag C. H. Beck, 2. Auflage München 2008 ISBN 978-3-406-57797-0
Kai von Lewinski: Grundriss des Anwaltlichen Berufsrechts, Nomos-Verlag, 3. Auflage Baden-Baden 2012 ISBN 978-3-8329-7833-4
Fritz Ostler: Die deutschen Rechtsanwälte 1871–1971. Juristischer Verlag W. Ellinghaus &amp; Co, Essen 1971
Michael Streck: Beruf: Anwalt/Anwältin. Beck, München 2001 ISBN 3-406-47140-4
Dieter Trimborn von Landenberg (Hrsg.): Erfolgreich starten als Rechtsanwalt. Deutscher Anwaltverlag, Bonn 2002 ISBN 3-8240-0333-3
Joachim Wagner (Journalist): Vorsicht Rechtsanwalt. Ein Berufsstand zwischen Mammon und Moral. Verlag H.C.Beck, München 2014 ISBN 978-3-406-66683-4
Karl Welker (Hrsg.): Vom Ursprung der anwaltlichen Selbstverwaltung. Justus Möser und die Advokatur. Göttingen 2007.
Uwe Wesel: Risiko Rechtsanwalt. Blessing, München 2001 ISBN 3-89667-065-4englischJames C. Foster: The Ideology of Apolitical Politics: The Elite Lawyer’s Response to the Legitimation Crisis in American Capitalism: 1870–1920, Associated Faculty Press, 1987
Robert Granfield: Making Elite Lawyers: Visions of Law at Harvard and Beyond (Critical Social Thought), Routledge 1992
Duncan Kennedy: Legal Education and the Reproduction of Hierarchy, New York University Press 2004
Elizabeth Mertz: The Language of Law School: Learning to „Think Like a Lawyer“ (Taschenbuch), Oxford University Press, 2007
Jean Stefancic, Richard Delgado: How Lawyers Lose Their Way: A Profession Fails Its Creative Minds (Taschenbuch), Duke UP, 2005Weblinks[Bearbeiten]
&#160;Wiktionary: Rechtsanwalt&#160;– Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
&#160;Commons: Rechtsanwalt&#160;– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Europäische UnionEU-weite Rechtsanwaltssucheauf dem europäischen E-Justice PortalDeutschland:Text der Bundesrechtsanwaltsordnung (BRAO)
Text der Fachanwaltsordnung (FAO) (PDF-Datei; 54 kB)
Text der Bundesnotarordnung
Website der Bundesrechtsanwaltskammer
Anwaltsverzeichnis des Deutschen Anwaltvereins e.V.Liechtenstein:Liechtensteinische Rechtsanwaltskammer
Rechtsanwaltsgesetz (RAG)Österreich:Österreichischer Rechtsanwaltskammertag
Informationen zum Berufsbild Rechtsanwalt/-anwältin sowie Informationen zu Aus- und Weiterbildung im Berufslexikon des Arbeitsmarktservice Österreich (AMS)Schweiz:Schweizerischer Anwaltsverband
Anwaltsgesetz, BGFAEinzelnachweise[Bearbeiten]↑ Mirror of the Saxons. 1295-1363. Abgerufen am 13.&#160;August 2013.
↑ Kilian in: Anwaltsblatt 5/2015, S. 398
↑ BRAK-Mitteilungen der Bundesrechtsanwaltskammer 3/2012 im Juni 2012
↑ Genesis-Online – Datenbank des Statistischen Bundesamtes Deutschland: Code 12411-0001 „Bevölkerung: Deutschland, Stichtag“ (Code in Suche eingeben!) (abgerufen am 1.&#160;Oktober 2009)
↑ http://www.brak.de/seiten/08_02.php Bundesrechtsanwaltskammer Zulassungszahlen
↑ Bundesrechtsanwaltskammer: Entwicklung der Zahl zugelassener Rechtsanwälte von 1950 bis 2010
↑ Einstiegsgehälter in Wirtschaftskanzleien. Der 100.000-Euro-Köder // Mit sehr viel Geld angeln sich die Top-Kanzleien Bewerber mit Spitzenqualifikationen. Aber sind sie es wert? Ausgabe 2/2006, Seite 16, www.azur-online.de
↑ BRAK-Mitteilungen der Bundesrechtsanwaltskammer 3/2012 – Juni 2012
↑ Heussen, Die Anwaltsdichte in der Schweiz, Österreich und Deutschland im Verhältnis zu anderen Staaten – Ein internationaler Vergleich, in: Anwaltspraxis 2006, 392, 396 [1].
↑ Anzahl Rechtsanwälte Abgerufen am 19. August 2013.
↑ Mitgliederstatistik der Bundesrechtsanwaltskammer vom 1. Januar 2014
↑ Mitgliederstatistik der Bundesrechtsanwaltskammer vom 1. Januar 2015
↑ [2]
↑ [3]
↑ Ekkehart Schäfer: Unabhängig und frei. Die anwaltliche Selbstverwaltung. Berlin, 2009
↑ Gerhard Wolf: Ein neuer Historikerstreit? – Zur Entstehung der „Organformel“, in: JuS 1991, S. 976.
↑ Anwaltsblatt, April 2013, Seite 270 f
↑ Satzungsversammlung beschließt neue Fachanwaltschaft, Pressemitteilung der Bundesrechtsanwaltskammer vom 16. Januar 2015, abgerufen am 19. März 2015
↑ Bundesrechtsanwaltskammer, Statistik (PDF; 45&#160;kB)
↑ BRAK-Mitteilungen 2012, 119 (PDF; 3,8&#160;MB)
↑ Ausnahme: Gebiete des rheinischen Rechts (OLG-Bezirk Köln und OLG-Bezirk Düsseldorf mit Ausnahme des rechtsrheinischen Gebietes des LG-Bezirks Duisburg und des AG-Bezirks Emmerich).
↑ Siehe § 49 b Absatz 2 der Bundesrechtsanwaltsordnung in der Fassung vom 2. September 1994 (Bundesgesetzblatt I Seite 2278) und § 49 b Absatz 2 Satz 1 der Bundesrechtsanwaltsordnung in der Fassung vom 5. Mai 2004 (Bundesgesetzblatt I Seite 718)
↑ BVerfG Beschluss vom 12. Dezember 2006, 1 BvR 2576/04
↑ Bundesgesetzblatt I Seite 1000ff
↑ Kammernachrichten der Schleswig-Holsteinischen Rechtsanwaltskammer, II/2013, S. 8–11
↑ Deutscher Anwaltverein: Deutsche Anwaltauskunft
↑ EU-weite Anwaltssuche.
Bitte den Hinweis zu Rechtsthemen beachten!
Normdaten&#160;(Sachbegriff): GND: 4048755-6 (AKS)
<!–NewPP limit report
Parsed by mw1018
Cached time: 20151218083845
Cache expiry: 2592000
Dynamic content: false
CPU time usage: 0.222 seconds
Real time usage: 0.254 seconds
Preprocessor visited node count: 1866/1000000
Preprocessor generated node count: 0/1500000
Post‐expand include size: 6300/2097152 bytes
Template argument size: 755/2097152 bytes
Highest expansion depth: 12/40
Expensive parser function count: 0/500
Lua time usage: 0.013/10.000 seconds
Lua memory usage: 734 KB/50 MB
Number of Wikibase entities loaded: 0–><!–Transclusion expansion time report (%,ms,calls,template)
100.00%139.4951 – -total36.68% 51.1631 – Vorlage:Cite_web28.45% 39.6932 – Vorlage:FormatDate10.00% 13.948 10 – Vorlage:§ 7.38% 10.2952 – Vorlage:Str_left 5.60%7.8081 – Vorlage:Normdaten 5.35%7.4692 – Vorlage:Str_left/Call 4.29%5.9881 – Vorlage:Belege_fehlen 3.14%4.3801 – Vorlage:Commonscat 2.98%4.1551 – Vorlage:Rechtshinweis
–><!– Saved in parser cache with key dewiki:stable-pcache:idhash:3859267-0!*!0!!de!4!* and timestamp 20151218083845 and revision id 149172890–>

Zweiter Weltkrieg – Bündnisse Europa 1939–1945Kriegsverlauf in Europa (Animation)
hochauflösende VersionZweiter Weltkrieg – Kriegsschauplätze im Pazifik bis 1942Pazifikraum: Maximale Ausweitung des japanischen Herrschaftsbereichs
Der Zweite Weltkrieg von 1939 bis 1945 war der zweite global geführte Krieg sämtlicher Großmächte des 20.&#160;Jahrhunderts und stellt den „bislang größten militärischen Konflikt“[1] in der Geschichte der Menschheit dar. Im Kriegsverlauf bildeten sich zwei militärische Allianzen, die als Achsenmächte und Alliierte bezeichnet werden. Direkt oder indirekt waren über 60 Staaten am Krieg beteiligt, über 110 Millionen Menschen standen unter Waffen.[2] Die Zahl der Kriegstoten liegt zwischen 60 und 70 Millionen (s.&#160;u. Opferzahlen). Gekennzeichnet wurde der Konflikt unter anderem durch Blitzkriege, Flächenbombardements und den bisher einzigen Einsatz von Atomwaffen sowie Holocaust, Porajmos und zahllose Kriegsverbrechen.
Der Zweite Weltkrieg begann mit dem deutschen Angriff auf Polen am 1.&#160;September 1939. Zu diesem Zeitpunkt führte Japan bereits einen Grenzkrieg gegen die Sowjetunion (1938/39), und in Ostasien befand es sich mit China seit dem Zwischenfall an der Marco-Polo-Brücke am 7.&#160;Juli 1937, wenn nicht gar seit dem Mukden-Zwischenfall am 18.&#160;September 1931, im Pazifikkrieg. Ohne die Ereignisse in Europa wäre dieser jedoch isoliert geblieben; zudem hat sich Japan nicht direkt an den in Europa begonnenen Feindseligkeiten beteiligt.[3]
Bis Mitte 1941 wurde der Konflikt von der deutschen Wehrmacht in Europa vorwiegend als Eroberungskrieg geführt. Nach Polen wurden in kurzen, konzentriert geführten Feldzügen Dänemark, Norwegen, Belgien, die Niederlande, Luxemburg, der Großteil Frankreichs, Jugoslawien und Griechenland erobert und besetzt. Die Gebiete wurden teils ins Deutsche Reich eingegliedert, teils mit vom Deutschen Reich abhängigen Regierungen beherrscht und wirtschaftlich ausgebeutet. Juden, Oppositionelle und des Widerstands gegen den Nationalsozialismus verdächtigte Personen wurden planmäßig verschleppt, zur Zwangsarbeit herangezogen oder sofort ermordet. Großbritannien war von der Kapitulation Frankreichs (22.&#160;Juni 1940) bis zum deutschen Angriff auf die Sowjetunion (22.&#160;Juni 1941) Deutschlands einzig verbliebener europäischer Kriegsgegner. Dieses Durchhalten der Briten, das von Churchills Standfestigkeit gegenüber Adolf Hitler angeführt wurde, war von großer, wohl mitentscheidender Bedeutung für den Verlauf des Zweiten Weltkrieges.[4] Das nationalsozialistische Deutsche Reich führte den Krieg gegen die UdSSR als einen Vernichtungskrieg.[5] Hitler gilt dabei als treibende Kraft. Bereits in Mein Kampf hatte er die Vorstellung der Eroberung von „Lebensraum im Osten“ weiterentwickelt, indem er sie mit Sozialdarwinismus, Rassenideologie, Antisemitismus und Antibolschewismus verknüpfte. Immer wieder betonte er, dass er Osteuropa bis zum Ural als Ergänzungs- und Siedlungsraum für ein künftiges „Großgermanisches Reich“ begriff.[6] Der Vormarsch der Wehrmacht konnte im Winter 1941/42 vor Moskau erstmals abgewehrt werden. Nachdem die Rote Armee im Winter 1942/43 einen erneuten Vorstoß bei Stalingrad stoppen konnte, drängte sie die Invasoren nach und nach zurück. Im Juni 1944 gelang ihr dann die Zerschlagung der Heeresgruppe Mitte, womit die deutsche Niederlage unausweichlich geworden war. Bis Ende 1944 musste die geschlagene Wehrmacht sich an die Reichsgrenzen zurückziehen.
Mit dem Kriegseintritt des Königreichs Italien an der Seite des Deutschen Reiches im Juni 1940 wurde auch Nordafrika zum Kriegsschauplatz. Italienische Truppen mussten in Ägypten gegen britische Verbände empfindliche Verluste hinnehmen und verloren auch die Kontrolle über Italienisch-Ostafrika. Das ab Februar 1941 an den Kämpfen beteiligte Deutsche Afrikakorps konnte zwar die Niederlage der Achsenmächte in Nordafrika verzögern, aber nicht abwenden. Nach der Niederlage bei El-Alamein (1942) schwanden Hitlers Aussichten, im globalen Maßstab gegen das britische Empire vorgehen zu können.[7] Im November 1942 landeten anglo-amerikanische Truppen in Nordafrika und zwangen die deutschen und italienischen Truppen in Tunesien zur Kapitulation (Mai 1943). Nach der Landung auf Sizilien (Juli 1943), in der Normandie (Juni 1944) und in Südfrankreich (August 1944) führten auch US-amerikanische, britische, kanadische und französische Truppen in Kontinentaleuropa neben den sowjetischen Truppen einen Landkrieg gegen die Truppen der Wehrmacht.[8] Italien stand ab Oktober 1943 offiziell auf der Seite der Alliierten.[9] Ab Oktober 1944 drangen alliierte Truppen im Westen auf das Gebiet des Deutschen Reiches (Aachen) vor, und im Januar 1945 rückte die Rote Armee nach Ostpreußen vor. Mit Durchhaltebefehlen trieb die politische und militärische Führung derweil die deutschen Truppen noch im Frühjahr 1945 weiter in einen längst verlorenen Krieg, wodurch auf beiden Seiten noch Hunderttausende von Menschen getötet wurden.[10] Am 25.&#160;April 1945 stießen an der Elbe US-amerikanische Truppen auf sowjetische Truppen. Am 8.&#160;Mai 1945 (VE-Day) trat die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht in Kraft, der Krieg in Europa war damit beendet. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges stieg die Sowjetunion neben den USA in den Rang einer Supermacht auf.[11]
Einen Tag nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor am 7.&#160;Dezember 1941 erklärten die USA dem Kaiserreich Japan den Krieg; der Konflikt wurde zum Weltkrieg, als Hitler am 11.&#160;Dezember 1941 den USA den Krieg erklärte, obwohl er dazu nach dem Dreimächtepakt nicht verpflichtet war. Die UdSSR blieb gemäß dem Neutralitätsabkommen vom 13.&#160;April 1941 gegenüber Japan vorerst neutral. In der Arcadia-Konferenz (Dezember 1941–Januar 1942) wurde der Schwerpunkt der US-amerikanischen und britischen Kriegsanstrengungen auf die Bekämpfung des Deutschen Reichs gelegt. Die US-Rüstungsindustrie baute in Rekordzeit neue Schiffe für die Pazifikflotte der United States Navy, die ab Mitte 1942 in kombinierten See-Luftschlachten der japanischen Marine schwere Verluste zufügen konnte. Japanische Truppen hatten bis dahin Hongkong, Britisch-Malaya, die Philippinen, Teile Burmas, Niederländisch-Indien und Teile von Neuguinea erobert.[12] Thailand wurde von Indochina aus besetzt und zur Kriegserklärung an die USA gezwungen. Die Schlacht um Midway Anfang Juni 1942, in der die japanische Marine vier ihrer sechs großen Flugzeugträger verlor, brach die japanische Überlegenheit im See-Luft-Krieg und bewirkte die Wende im Pazifikkrieg. Bis 1945 kämpften sich die US-Truppen im Zuge des sogenannten Island Hopping immer näher an die vier Hauptinseln Japans heran, wobei große Teile Südostasiens weiter von japanischen Truppen besetzt blieben. Von Tinian aus starteten die beiden Bomber, die im August 1945 je eine Atombombe auf Hiroshima und Nagasaki abwarfen. Am 2.&#160;September 1945 endete der Zweite Weltkrieg mit der Kapitulation Japans.
Der Zweite Weltkrieg veränderte grundlegend die politischen und sozialen Strukturen der Welt. Die Organisation der UN wurde gegründet, deren ständige Mitglieder im Sicherheitsrat die Hauptsiegermächte des Zweiten Weltkriegs, USA, Sowjetunion, China, Großbritannien und Frankreich, wurden. Die USA und die Sowjetunion wurden zu Supermächten, deren Rivalität zum Kalten Krieg führte. Die europäischen Kolonialmächte Großbritannien und Frankreich verloren ihre Großmachtstellung, und die meisten ihrer afrikanischen und asiatischen Kolonien wurden unabhängig.Inhaltsverzeichnis
1 Vorgeschichte
2 Kriegsziele und -führung der Großmächte2.1 Achsenmächte2.1.1 Deutschland
2.1.2 Japan
2.2 Alliierte2.2.1 Westmächte
2.2.2 Sowjetunion
2.3 Vergleich der militärischen Potentiale von Alliierten und Achsenmächten
3 Krieg in Europa3.1 Vom Angriff auf Polen bis zur Niederlage Frankreichs, September 1939 bis Juni 19403.1.1 Deutscher Angriff auf Polen 1939
3.1.2 Stellungskrieg an der Westfront 1939
3.1.3 Finnisch-sowjetischer Winterkrieg 1939/1940
3.1.4 Besetzung Dänemarks und Norwegens April 1940
3.1.5 Westfeldzug Mai/Juni 1940
3.2 Von der Kapitulation Frankreichs bis zum Angriff auf die Sowjetunion, Juni 1940 bis Juni 19413.2.1 Luftschlacht um England 1940/1941
3.2.2 Hitlers Bündnispolitik
3.2.3 Italienischer Parallelkrieg im Mittelmeerraum und in Ostafrika 1940/1941
3.2.4 Balkanfeldzug 1941
3.3 Vom Entstehen der Ostfront bis zur Westfront, Juni 1941 bis Juni 19443.3.1 Krieg gegen die Sowjetunion bis zur Schlacht von Stalingrad, Juni 1941 bis Oktober 1942
3.3.2 Partisanenkrieg
3.3.3 Kriegseintritt der USA, Dezember 1941
3.3.4 Kriegsschauplatz Nordafrika, 1940 bis 1943
3.3.5 Italien 1943 und 1944
3.3.6 Von Stalingrad bis Leningrad, Oktober 1942 bis März 1944
3.4 Von der Invasion bis zum Kriegsende, Juni 1944 bis Mai 19453.4.1 Westfront 1944/45
3.4.2 Ostfront 1944/45
3.4.3 Kriegsende in Europa 1945
4 Krieg in Asien und im Pazifik4.1 Japans Neuordnung Ostasiens und der Weg nach Pearl Harbor
4.2 Von Pearl Harbor bis zur japanischen Kapitulation
5 Strategische Aspekte5.1 Luftkrieg
5.2 Atlantik- und U-Boot-Krieg
5.3 Kriegswirtschaft
6 Politische Aspekte6.1 Kriegsverbrechen
6.2 Massenmorde im deutschen Machtbereich
6.3 Zivilbevölkerung
6.4 Kriegspropaganda und Propagandakrieg6.4.1 Flugblätter
6.4.2 Deutsche Propaganda
6.4.3 Britische und US-amerikanische Propaganda
6.4.4 Rundfunkpropaganda
6.5 Widerstand gegen den Nationalsozialismus
6.6 Internationale Blockbildung
6.7 Alliierte Kriegskonferenzen
7 Kriegsfolgen und Opfer7.1 Opferzahlen
7.2 Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter
7.3 Materielle Schäden und Kriegskosten
8 Nachwirkungen8.1 Europa
8.2 Asien und Pazifik
8.3 Gründung der Vereinten Nationen
8.4 Blockbildung und Kalter Krieg
8.5 Weitere Nachfolgekonflikte
8.6 Aufarbeitung und Rezeption
9 Siehe auch
10 Literatur
11 Filme11.1 Reportagen
11.2 Spielfilme
12 Weblinks
13 EinzelnachweiseVorgeschichte
→ Hauptartikel: Vorgeschichte des Zweiten Weltkrieges in Europa&#160;und Vorgeschichte des Zweiten Weltkrieges im Pazifikraum
Benito Mussolini und Adolf Hitler, München 1938
In den Jahren von 1920 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 erlangte in weiten Teilen Europas der Faschismus beziehungsweise Rechtsextremismus zunehmend die politische Macht. In Italien riss Benito Mussolini bereits 1922 mit dem Marsch auf Rom die Macht an sich. In Deutschland wuchs der Nationalsozialismus ab etwa 1930 zur Massenbewegung heran. Am 30.&#160;Januar 1933 wurde ihr und ihren rechtskonservativen Verbündeten die politische Macht übergeben: Reichspräsident Paul von Hindenburg ernannte Adolf Hitler zum Reichskanzler. Dieser bildete aus Nationalsozialisten und Deutschnationalen das Kabinett Hitler.
Die Revision der internationalen Ordnung nach dem Versailler Vertrag, bereits ein Ziel früherer deutscher Regierungen, gehörte zum Programm der Nationalsozialisten und ihrer Verbündeten. Mit der 1935 vollzogenen Wiedervereinigung des Saargebietes mit dem Deutschen Reich und der Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht (ebenfalls 1935), dem Einmarsch in das entmilitarisierte Rheinland im März 1936, dem „Anschluss Österreichs“ (März 1938) und der Abtrennung des Sudetenlandes von der Tschechoslowakei im Münchner Abkommen (30. September 1938) wurde die Versailler Friedensordnung schrittweise aufgelöst. Begünstigt wurde dies durch die britische und französische Appeasement-Politik, die auf eine friedliche Verständigung mit dem nationalsozialistischen Deutschland abzielte. Selbst nach dem Einmarsch in die sogenannte Rest-Tschechei im März 1939 gab es lediglich Proteste auf britischer und französischer Seite. Kurz darauf gab Litauen unter dem Druck der Verhältnisse das Memelland an Deutschland zurück, die Slowakei wurde ein eigener Staat und durch einen „Schutzvertrag“ eng an Deutschland gebunden. Großbritannien und Frankreich wollten das deutsche Expansionsstreben eingrenzen und gaben am 31. März 1939 eine Garantieerklärung für Polen ab, die kurze Zeit später in ein förmliches Bündnis umgewandelt wurde.
Bereits im Oktober 1935 griff Italien, das enge Beziehungen zum Deutschen Reich pflegte, Äthiopien an und besetzte am 7.&#160;April 1939 Albanien.
Im Spanischen Bürgerkrieg bekämpften sich von 1936 bis 1939 eine hauptsächlich von Republikanern, Sozialisten und Kommunisten geführte Volksfrontregierung und Anhänger einer Militärrevolte des Generals Francisco Franco. Die Sowjetunion und zunächst auch die französische Volksfront lieferten der „Volksfront“ Waffen und Kriegsmaterial, während Italien und Deutschland die Truppen der Nationalisten Francos unterstützen. Die deutsche Regierung entsandte zu diesem Zweck die Legion Condor, die italienische den Corpo Truppe Volontarie (CTV), die entscheidend zum Sieg des Franquismus beitrugen.
Josef Stalin und Joachim von Ribbentrop, Moskau 23. August 1939
Die japanische Expansionspolitik begann in den 1930er Jahren, als der Einfluss der militärischen Führung auf die kaiserliche Regierung stärker wurde. Japan verstand sich als Schutz- und Ordnungsmacht, die dazu auserkoren war, die anderen ostasiatischen Völker zu beherrschen. Die Rohstoffvorkommen und das Reservoir an Arbeitskräften, das die Nachbarländer boten, sollten der japanischen Wirtschaft zugute kommen. Das Hauptinteresse galt zunächst der Republik China, deren stark industrialisierte Region Mandschurei bereits 1931 annektiert und zum Protektorat Mandschukuo erklärt wurde. Als Reaktion auf die internationalen Proteste trat Japan 1933 aus dem Völkerbund aus. Ende 1936 schlossen Deutschland und Japan den Antikominternpakt. Mitte 1937 begann Japan den Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg.
Im August 1939 schlossen Deutschland und die Sowjetunion überraschend einen Nichtangriffspakt, später „Hitler-Stalin-Pakt“ genannt. In einem geheimen Zusatzprotokoll wurde die Aufteilung Europas in geographisch genau bezeichnete, aber ansonsten nicht näher definierte „Interessensphären“ beschlossen. Dies lief letztlich hinaus auf die Aufteilung Polens zwischen Deutschland und der Sowjetunion sowie die einseitige Eroberung und Besetzung weiterer Gebiete (unter anderem der baltischen Staaten und Finnlands) sowie weiter Teile Rumäniens durch die UdSSR.
Kriegsziele und -führung der Großmächte
Die Möglichkeit, dass ein umfassender Krieg eintreten könnte, wurde von den Großmächten einkalkuliert, so dass sie entsprechende Vorbereitungen trafen. Die Kriegsvorbereitungen umfassten daher beispielsweise die Bevorratung von kriegswichtigen Ressourcen und Gütern sowie die Ausdehnung von Zivilschutzprogrammen.[13]
Achsenmächte
Deutschland
Im europäischen Kontext war der Zweite Weltkrieg ein vom nationalsozialistischen Deutschland ausgelöster Raub-, Eroberungs- und Vernichtungskrieg mit dem langfristigen Ziel, ein unangreifbares deutsches Großreich aus eroberten und abhängigen Gebieten zu schaffen. Ziel war von Beginn an eine deutsche Weltmachtstellung und die „rassistische Neuordnung des [europäischen] Kontinents“.[14] Dabei vermischten sich klassische machtpolitische mit rassenideologischen Motiven. Hierzu zählten einerseits die Gewinnung von „Lebensraum im Osten“ mit Umsiedlung oder Vernichtung der dort lebenden, als „rassisch minderwertig“ angesehenen, vorwiegend slawischen Völker, andererseits die „Endlösung der Judenfrage“ (Tarnwort für die Vernichtung der Juden im Machtbereich des NS). Beides wurde durch die antisemitische Vorstellung eines „jüdischen Bolschewismus“ als Teil einer Verschwörung des „Weltjudentums“ begründet, das in Gestalt der Sowjetunion als Bedrohung der Lebensgrundlagen der „arischen Rasse“ und der durch sie repräsentierten europäischen Zivilisation gesehen wurde.
Nach dem Willen der nationalsozialistischen Führung sollte die Volksgruppe der Slawen den Deutschen zunächst unterworfen und das eroberte Osteuropa von deutschen Siedlern, sogenannten Wehrbauern, nutzbar gemacht werden. Nach Vernichtung ihrer Elite sollten die slawischen Völker für immer ein Reservoir an ungebildeten und gehorsamen Land- und Hilfsarbeitern stellen. Die eroberte Sowjetunion sollte in verschiedene Gebiete unter der Leitung von Reichskommissaren aufgeteilt werden. Nur Weißrussen, Ukrainer und baltische Völker wurden als lebenswerte Völker eingestuft. Nach den Worten Alfred Rosenbergs würden „dem Russentum [.] sicher sehr schwere Jahre bevorstehen“.[15]
Die deutsche Strategie sah die Nutzung einer politisch und zeitlich begrenzten Gelegenheit zur strategischen Offensive vor („Blitzkrieg“). Sie verfolgte militärische, rassisch-hegemoniale, wirtschaftliche und diplomatische Ziele. In militärischer Hinsicht sollte der Blitzkrieg einen raschen und ausgiebigen Raumgewinn ermöglichen, um der sich abzeichnenden Überlegenheit der gegnerischen Rüstung zuvorzukommen. Damit stellte diese Strategie eine spezielle Ausprägung des Bewegungskriegs in Kombination mit der Entscheidungsschlacht[16] dar, die auf deutsche Erfahrungen im Ersten Weltkrieg zurückgriff. In wirtschaftlicher Hinsicht sollte sie Ressourcen schonen, um die Industriekapazitäten nicht zu Ungunsten der Konsumwirtschaft zu belasten. In der deutschen Bevölkerung sollte keine Unzufriedenheit wegen einer möglichen materiellen Verknappung entstehen. Zur Sicherung der „Heimatfront“ und im Sinne einer optimalen Nutzung der eroberten Kapazitäten wurde ein Zweifrontenkrieg zunächst vermieden.[17] Drittens sollte die Ausplünderung der besetzten Territorien, vor allem in Ostmittel- und Osteuropa, die Versklavung ihrer Bewohner zugunsten des Deutschen Reiches und seiner „arischen“ Bevölkerung die rassisch motivierten Hegemonialvorstellungen des Nationalsozialismus verwirklichen. Die diplomatische Gewinnung von europäischen und außereuropäischen Verbündeten sollte diese Hegemonialstellung absichern, vor allem im Hinblick auf die geplante oder erwartete Auseinandersetzung mit den „Flügelmächten“ USA und Sowjetunion.
Die Empörung über den Versailler Vertrag, insbesondere die harten und als ungerecht empfundenen Reparationsforderungen, sowie die einseitige Schuldzuweisung an die Mittelmächte fanden sich in weiten Teilen der deutschen Bevölkerung wieder. Die Revision des Versailler Vertrags und die Rückkehr des Deutschen Reiches in den Kreis der Großmächte war stets mit besonderem Nachdruck von der deutschen Generalität, dem monarchistisch und antirepublikanisch gesinnten Teil des deutschen Bürgertums und der wirtschaftlichen Elite angestrebt worden. Für die Nationalsozialisten war dies lediglich ein Etappenziel.
In der geheimen Denkschrift zum Vierjahresplan forderte Hitler im August 1936 die Einsatzfähigkeit der deutschen Armee und die Kriegsfähigkeit der Wirtschaft innerhalb von vier Jahren, um eine kriegerische „Erweiterung des Lebensraumes bzw. der Rohstoff- und Ernährungsbasis“ für das Deutsche Reich zu erzielen.[18] Am 5.&#160;November 1937 präzisierte er vor den militärischen und außenpolitischen Führungskräften des Reiches seine Kriegsziele. Er lehnte Autarkie und Rückkehr Deutschlands zum Welthandel ab; nur der Erwerb eines größeren Lebensraumes sei ein Ausweg. Sein unabänderlicher Entschluss sei, spätestens 1943/45 die deutsche Raumfrage zu lösen.[19]
Nach dem 13.&#160;Oktober 1943, dem Tag der Kriegserklärung der Badoglio-Regierung in Italien, befand sich das Deutsche Reich im Kriegszustand mit 34 Staaten[20] und hatte nur noch das Kaiserreich Japan als nennenswerten Verbündeten, aber diese beiden Staaten kämpften, unabhängig voneinander, einen aussichtslosen Krieg gegen den Rest der Welt. Weitere 18 Staaten erklärten dem Deutschen Reich bis März 1945 den Krieg. Deutschlands bisherige Verbündete in Südosteuropa, Ungarn und Rumänien, schieden 1944 aus. Bulgarien wurde im September von der Roten Armee besetzt, obwohl es sich nicht im Kriegszustand mit der Sowjetunion befand. Kroatien und Serbien waren schon Ende 1943 weitgehend von Titos Partisanen beherrscht. Finnland schloss im September 1944 einen separaten Waffenstillstand mit der UdSSR.
Japan
Seit seiner Modernisierung im Zuge der Meiji-Restauration im Jahre 1868 strebte das japanische Kaiserreich eine territoriale Ausdehnung auf dem asiatischen Kontinent an, die vor allem der Sicherung wichtiger Rohstoffe dienen sollte. Seine Bemühungen konzentrierten sich besonders auf China, das Japan aufgrund seiner wirtschaftlichen und innenpolitischen Situation als schwach ansah. Von einer expansiven Dynamik ermutigt, die mit dem Vertrag von Tientsin begann, sich durch den Sieg im Russisch-Japanischen Krieg fortsetzte und zunächst in der Besetzung der Mandschurei gipfelte, betrachtete Japan die zunehmenden Spannungen in Europa als Gelegenheit, dem wachsenden Einfluss der Vereinigten Staaten von Amerika in Ostasien entgegenzutreten. Zu den geostrategischen Spannungen kamen die häufige Einmischung der Streitkräfte in die Angelegenheiten der zivilen Führung und eine wechselseitige kulturelle Aversion zwischen breiten Bevölkerungsschichten in Japan und den Vereinigten Staaten. Dies veranlasste die Regierung der Vereinigten Staaten nach Beginn des Pazifikkrieges beispielsweise zur Internierung japanischstämmiger Amerikaner.[21]
Japan sah sich, ähnlich dem Deutschen Reich in Europa, einer sich im Laufe der Jahre verschlechternden strategischen Ausgangslage in Ostasien gegenübergestellt. Ursache war vor allem seine bündnispolitische Isolation. Dem vorwiegend amerikanischen Unwillen, die japanische Ausdehnung in der Region hinzunehmen, schlossen sich China, die Sowjetunion und die Kolonialmächte grundsätzlich an. Konkret sah sich das japanische Kaiserreich in einem vierfachen geostrategischen Kontext bedroht.[22] Im Osten war dies die Pazifikflotte der Vereinigten Staaten, im Norden die Sowjetunion. Auch ein Mangel an Gegenwehr anderer Großmächte änderte wenig an der latenten Bedrohung durch China im Westen sowie Australien, Neuseeland, Niederländisch-Indien und den Philippinen im Süden. Sie lagen auf amerikanischen und britischen Marschrouten und waren aufgrund ihrer räumlichen Ausdehnung als Operationsbasen gegen Japan geeignet.
Diese geostrategische Ausgangslage veranlasste die japanische Führung, ähnlich wie Deutschland, zu einer Mischung diplomatischer Instrumente mit einem Bewegungskrieg. Sie schloss daher nach gescheitertem Vordringen auf sowjetischem Gebiet im Jahre 1938/39 mit der UdSSR einen Nichtangriffspakt. Der Angriff der Kaiserlich Japanischen Marineluftstreitkräfte auf Pearl Harbor, deren Aufbau angesichts der Einschränkungen des Washingtoner Flottenabkommens qualitativ ausgerichtet war, beabsichtigte vor allem, der Marine der Vereinigten Staaten angesichts ihrer zunehmenden Rüstung einen Schlag von strategischem Ausmaß zu versetzen. Auch in Südostasien selbst konzentrierte sich Japan im ersten Schritt auf die Neutralisierung konzentrierter militärischer Ressourcen, beispielsweise der Ansammlung von B-17-Langstreckenbombern auf den Philippinen und rückte auf Australien vor. Die dann folgende umfangreiche japanische Invasion Südostasiens diente zum einen der Beschaffung von Rohstoffen, vorrangig von Erdöl, und zum anderen, den USA den Nachschubweg nach Australien abzuschneiden.
Alliierte
Westmächte
An der Westfront sahen die Kriegsplanungen der Westmächte, ähnlich wie im Ersten Weltkrieg, im Wesentlichen eine Abnutzung des deutschen Heeres vor. Sie sollte durch Bombardierungen der großen Städte und Blockade des deutschen Wirtschaftskreislaufes ergänzt werden.[16]
Sowjetunion
Die Sowjetunion eignete sich nach dem Beginn des Unternehmens Barbarossa bewusst Lehren der vorangegangenen deutschen Aufrüstung an. Zu Lande folgte sie dem deutschen Beispiel der Heeresgruppe, deren Kernstück mobile und schwer gepanzerte Divisionen bildeten, und gründete zentral koordinierte Luftflotten, die durch deutliche Verbesserung im Informationsfluss eine zielgerichtete Luftnahunterstützung ermöglichten. Stalin delegierte nach der vorangegangenen, politisch motivierten Dezimierung des Offizierskorps die operative Führung wieder an einen Flaggoffizier, Marschall Georgi Konstantinowitsch Schukow, dessen überdurchschnittliche Kompetenzen die erfolgreiche Führung von mehreren Millionen Mann ermöglichten.[23]
Vergleich der militärischen Potentiale von Alliierten und Achsenmächten
Stärke der militärischen Streitkräfte (in Millionen):[24]
Jahr
GB
UdSSR
USA
D.R.
Japan
1939
0,5
1,6
0,6
3,1
1,6
1940
2,3
4,2
0,7
6,1
1,7
1941
3,4
4,2 (*)
1,9
7,2
2,4
1942
4,1
10,9
4,8
8,3
2,8
1943
4,8
11,0
11,1
9,5
3,8
1944
5,0
11,2
14,8
9,4
5,3(*) Nach David Glantz bzw. Michail Iwanowitsch Meltjuchow hatte die Rote Armee 1941 nur 2,78 bzw. 3,29 Millionen Soldaten.Rüstungsproduktion im Zweiten Weltkrieg:[25]
Sektor
GB
UdSSR
USA
D.R.
Japan
Panzer
28.500
110.000
91.270
61.250
7.200
Flugzeuge
133.000
162.000
329.000(*)
126.000
90.000
Artillerie
36.400
541.900
219.000
101.200
k. A.
Kriegsschiffe
1.340
260
8.950
1.540(**)
625(*) vgl. dagegen nächsten Abschnitt und Fußnote (Scheffran)
(**) ohne U-BooteDie totale Mobilmachung menschlicher und materieller Ressourcen gab den Ausschlag im Zweiten Weltkrieg, insbesondere die industrielle Massenproduktion von Rüstungsgütern. Allein die USA fertigten fast 100.000 Panzer, 800.000 Maschinengewehre, 36 Milliarden Geschützgranaten, 41 Milliarden Gewehrpatronen und 500.000 Kampfflugzeuge. Bestimmend für den Kriegsverlauf waren auch neue technische Entwicklungen im Bereich der Produktion (Fließbandfertigung), der Nachrichtentechnik (Funktechnik) und des Transports (Verbrennungsmotor).[26]
Krieg in Europa
Siehe auch: Chronologie des Zweiten Weltkrieges
Vom Angriff auf Polen bis zur Niederlage Frankreichs, September 1939 bis Juni 1940
In manchen Darstellungen, jedoch geschichtswissenschaftlich umstritten, wird der Beginn des Zweiten Japanisch-Chinesischen Kriegs am 7.&#160;Juli 1937 als eigentlicher Beginn des Zweiten Weltkrieges angegeben.
In der ersten Phase des Krieges eroberte Deutschland Polen (September 1939), Dänemark und Norwegen (April–Juni 1940) sowie die Niederlande, Belgien und Frankreich (Mai–Juni 1940). Die schnelle Niederlage Frankreichs kam für die meisten Menschen unerwartet, nicht zuletzt auch für Josef Stalin.[27] Dennoch erreichte Hitler sein Hauptziel nicht, Großbritannien aus dem Krieg herauszuhalten, zur Aufgabe zu zwingen oder militärisch zu besiegen. Dies wurde spätestens im Oktober 1940 während der Luftschlacht über England deutlich. Großbritannien blieb der einzige Staat, der vom Beginn des Krieges an durchgehend handlungsfähiger Gegner Deutschlands war.
Deutscher Angriff auf Polen 1939
→ Hauptartikel: Polenfeldzug
In einer persönlichen Weisung (Nr. 170/39) vom 31. August 1939 befahl Hitler den Angriff auf Polen am 1. September 1939 um 4 Uhr 45. Sie enthielt auch taktische Weisungen für das Verhalten der Wehrmacht im Westen, im Norden (Ostsee-Eingänge) und verbot Angriffe gegen „das englische Mutterland“ mit unzureichenden Teilkräften.[28]
Deutsche Soldaten stellen die Zerstörung eines polnischen Schlagbaums an der Grenze zur Freien Stadt Danzig nach, 1.&#160;September 1939
Diesem Angriff ging keine formale Kriegserklärung voraus. Um die Invasion Polens zu rechtfertigen, fingierte die deutsche Seite mehrere Vorfälle. Der bekannteste ist der vorgetäuschte Überfall auf den Sender Gleiwitz von als polnische Widerstandskämpfer verkleideten SS-Angehörigen am 31.&#160;August. Dabei verkündeten diese in polnischer Sprache über Radio wahrheitswidrig eine Kriegserklärung Polens an das Deutsche Reich.
Panzer und SdKfz beim Vormarsch in Polen.
Den militärischen Angriff begann das deutsche Linienschiff Schleswig-Holstein auf die polnische Stellung „Westerplatte“ bei Danzig. Der polnischen Armee mit ca. 1 Million Soldaten standen 1,5 Millionen deutsche Soldaten im Westen gegenüber.[29] Technisch und in der Art der Kriegführung war die polnische Armee unterlegen. Nach dem Einmarsch der Roten Armee in Ostpolen am 17. September 1939 wurde das Kräfteverhältnis nochmals dramatisch zu Gunsten der Aggressoren verschoben. Die polnische Regierung rechnete andererseits mit der Unterstützung durch Frankreich und Großbritannien, die am 2.&#160;September aufgrund der „Garantieerklärung vom 30.&#160;März 1939“ ein Ultimatum an das Deutsche Reich stellten.
Es forderte den sofortigen Rückzug aller deutschen Truppen aus Polen. Die britisch-französische Garantieerklärung hätte diese Staaten verpflichtet, spätestens 15&#160;Tage nach einem deutschen Angriff eine eigene Offensive im Westen Deutschlands zu beginnen. Hitler nahm an, dass die beiden Westmächte ihn ebenso wie beim Einmarsch in die „Rest-Tschechei“ gewähren lassen würden und ließ den Westwall nur schwach besetzen. Ein Angriff der Westmächte blieb aus, jedoch erklärten Großbritannien und Frankreich am 3.&#160;September nach Ablauf des Ultimatums Deutschland den Krieg. Chamberlain begründete die Kriegserklärung am selben Tag in einer Rundfunkrede über die BBC.
Zusammentreffen deutscher und sowjetischer Soldaten in Lublin, September 1939
In der Nacht zum 17. September, nach der Zerschlagung der organisierten polnischen Verteidigung durch die Wehrmacht, begann die sowjetische Besetzung Ostpolens in Übereinstimmung mit dem geheimen Zusatzprotokoll des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes. Am nächsten Tag floh die polnische Regierung von Warschau über Südostpolen nach Rumänien.[29] Am 28. September trat Präsident Ignacy Mościcki im rumänischen Exil von seinem Amt zurück.[29] Erst am 18.&#160;Dezember 1939 erklärte die neue Polnische Exilregierung den Kriegszustand mit der Sowjetunion. Großbritannien und Frankreich schlossen sich dem nicht an.
Am 28. September kapitulierten rund 100.000 polnische Soldaten in der Hauptstadt Warschau, nachdem sie am 18.&#160;September von deutschen Truppen eingeschlossen worden waren. Warschau wurde am 20. September einem intensiven Bombardement ausgesetzt, dem weitere folgten.[30] Sie steigerten sich noch, weil Hitler demonstrieren wollte, was auch französische und britische Städte treffen könnte.[30] Einen Tag später folgte die Aufgabe der Festung Modlin. Polens letzte Truppen kapitulierten am 6. Oktober nach der Schlacht bei Kock.
Am 8. Oktober teilten sich das Deutsche Reich und die Sowjetunion im Abkommen von Brest-Litowsk das eroberte Gebiet durch eine Demarkationslinie, was als die „Vierte Teilung Polens“ in die Geschichte einging. Nicht nur die nach dem Versailler Vertrag abgetretenen Gebiete wurden wieder in das Reich eingegliedert, sondern darüber hinaus weite Bereiche Zentralpolens einschließlich der Stadt Łódź. Der Rest Polens wurde deutsches Generalgouvernement, das von Krakau aus verwaltet wurde.
Die anschließende Besatzungszeit war von extremen Repressalien der Besatzer gegen die Zivilbevölkerung geprägt. Deportationen zur Zwangsarbeit waren nur die sichtbarste Ausprägung, insbesondere die Juden wurden Opfer der nationalsozialistischen Rassen- und Vernichtungspolitik. Im östlichen Teil Polens wurden zahlreiche „Klassenfeinde“ von den sowjetischen Besatzern in den Gulag deportiert; die militärische Elite wurde in Katyn und anderswo liquidiert.
Die auf einen schnellen Sieg ausgelegte – und hierbei erfolgreiche – Taktik beim Angriff auf Polen förderte die Verwendung des Begriffs „Blitzkrieg“ und prägte die weitere Kriegführung Deutschlands bis Ende 1941.
Stellungskrieg an der Westfront 1939
→ Hauptartikel: Sitzkrieg
Lautsprecherwagen der NSDAP an der Front am Oberrhein, 1939
Am 3.&#160;September erklärten Frankreich und das Vereinigte Königreich Deutschland den Krieg. Aufgrund dessen begann am 5.&#160;September eine begrenzte und eher symbolische Offensive der Franzosen gegen das Saargebiet. Die Deutschen leisteten keinen Widerstand und zogen sich zum stark befestigten Westwall zurück. Danach blieb es ruhig an der Westfront. Diese Phase wird als „Sitzkrieg“ bezeichnet.[31] Bis auf vereinzelte Artilleriescharmützel erfolgten keine weiteren Angriffe. Auf deutscher Seite rollte die Propagandamaschinerie an. Mit Flugblättern und Parolen über Lautsprecher fragte man die Franzosen „Warum führt ihr Krieg?“ oder verkündete„Wir werden nicht zuerst schießen“.
Am 27. September erging eine Weisung Hitlers an das Oberkommando des Heeres zur Ausarbeitung eines Angriffsplans, des sogenannten „Fall Gelb“. Bis zum 29.&#160;Oktober waren die Planungen abgeschlossen. Sie sahen vor, dass zwei Heeresgruppen durch die Niederlande und Belgien vorstoßen sollten, um somit sämtliche alliierten Kräfte nördlich der Somme zu zerschlagen.
Letztlich fand jedoch 1939 kein Angriff statt, da aufgrund schlechter Witterungsbedingungen und viel größerer Verluste in Polen als erwartet (22&#160;% Verluste bei Kampfflugzeugen, 25&#160;% bei Panzern) der Angriff insgesamt neunundzwanzigmal verschoben wurde.
Finnisch-sowjetischer Winterkrieg 1939/1940
→ Hauptartikel: Winterkrieg
Leuchtspurmunition über der finnisch-sowjetischen Grenze, Dezember 1939
Am 30.&#160;November 1939 überschritten sowjetische Truppen unter Marschall Kirill Merezkow im so genannten Winterkrieg die 950&#160;Kilometer lange Grenze zu Finnland. Die Rote Armee griff mit 1500 Panzern und 3000 Flugzeugen an und erwartete einen schnellen Sieg, aber die Sowjetunion unterschätzte die Finnen, die mit nur 150.000 Soldaten, darunter viele Reservisten und Jugendliche, die Truppen der Roten Armee mit über einer Million Mann zurückschlugen. Die Rote Armee hatte 84.994 Tote und Vermisste zu beklagen. Die Finnen hatten 25.000 Mann verloren.[32] Erst nach umfassenden Umgruppierungen und Verstärkungen konnte die Rote Armee Anfang Februar 1940 auf der Karelischen Landenge größere Durchbrüche erzielen.[33] Schweden unterstützte Finnland indirekt, ohne allerdings seine Neutralität aufzugeben. Großbritannien und Frankreich griffen nicht zugunsten der Finnen in den Krieg ein, da beide Staaten nicht noch einen weiteren Kriegsgegner haben wollten. Das Deutsche Reich sympathisierte zwar mit Finnland, eine militärische Unterstützung erfolgte jedoch wegen des bestehenden Nichtangriffspakts mit der Sowjetunion nicht.
Ein Friedensvertrag, der am 12.&#160;März 1940 unterzeichnet wurde, legte fest, dass Finnland große Teile Kareliens an die Sowjetunion abtreten musste, darunter mit Wyborg auch die damals zweitgrößte Stadt Finnlands. Als direkte Reaktion auf den sowjetischen Angriff nahm Finnland 1941 im Fortsetzungskrieg am deutschen Krieg gegen die Sowjetunion teil, um die verlorenen Gebiete zurückzuerobern.
Eine wesentliche Folge des Winterkriegs war, dass Stalin mit einer Reorganisation der Roten Armee begann, in deren Verlauf auch Offiziere rehabilitiert wurden, die im Zuge des Großen Terrors nach Sibirien verbannt worden waren. Diese Reorganisation trug erheblich dazu bei, dass die Rote Armee 1941 mehr Kampfkraft hatte, als die Deutschen es erwartet hatten.
Besetzung Dänemarks und Norwegens April 1940
→ Hauptartikel: Unternehmen Weserübung
Norwegen und Westfeldzug 1940
Zum Ende des Jahres 1939, nach dem Ausfall der Eisenerzeinfuhren aus Frankreich (lothringische Minette), deckten die Erzlieferungen aus dem neutralen Schweden 49&#160;Prozent des deutschen Bedarfs. Diese wurden von den schwedischen Abbaugebieten mit der Erzbahn zum ganzjährig eisfreien Verladehafen Narvik in Norwegen transportiert. Norwegen hatte daher für das Deutsche Reich eine außerordentliche wirtschaftliche und militärische Bedeutung. Ein weiterer wichtiger Rohstoff war das finnische Nickel. Die Briten wollten diese wichtigen Rohstofflieferungen stören und frühestmöglich abschneiden (→Altmark-Zwischenfall), weswegen am 5.&#160;Februar 1940 beim obersten franko-britischen Kriegsrat die Planung der Landung von vier Divisionen in Narvik vereinbart worden war. Die vorgesehene Besetzung des norwegischen Hafens durch die Briten veranlasste das Oberkommando der Wehrmacht, einen zusätzlichen Stab für Norwegen aufzustellen. Am 21. Februar erging eine direkte Weisung Hitlers für die Planung von Unternehmen in Skandinavien. Am 1.&#160;März wurde das Unternehmen Weserübung endgültig beschlossen. Es sah vor, Dänemark einzunehmen und es als „Sprungbrett“ für die Eroberung Norwegens zu benutzen. Im März kam es zu ersten Angriffen auf britische Kriegsschiffe.
Am 5. April fand die alliierte Operation Wilfred statt, bei der die Gewässer vor Norwegen vermint und weitere Truppen ins Land gebracht werden sollten. Einen Tag später lief auf deutscher Seite das Unternehmen Weserübung an. Dabei wurde fast die gesamte Kriegsmarine mobilisiert und die Hälfte der gesamten deutschen Zerstörerflottille nach Narvik geschickt. Am 9.&#160;April begann das Unternehmen endgültig mit der Landung einer Gebirgsjäger-Division in Narvik.
Panzerspähwagen der Wehrmacht in Viborg (Dänemark), April 1940
Soldaten der Wehrmacht beim Kampf um ein brennendes Dorf in Norwegen, April 1940
In Großbritannien hielt die militärische Führung eine Landung der Deutschen für recht unwahrscheinlich, was dazu führte, dass von alliierter Seite nur geringe Gegenmaßnahmen getroffen wurden. Die Deutschen konnten ihren Brückenkopf ohne größeren Widerstand ausweiten, sodass am 10.&#160;April bereits Stavanger, Trondheim und Narvik besetzt wurden, nachdem zuvor bereits Dänemark kampflos besetzt worden war. Großbritannien besetzte am 12.&#160;April aus strategischen Gründen die dänischen Färöer im Nordatlantik.
Am 13. April versenkten neun Zerstörer und das Schlachtschiff HMS Warspite bei einem zweiten britischen Angriff die restlichen acht noch im Ofotfjord vor Narvik befindlichen deutschen Zerstörer. Zwei Leichte Kreuzer der Kriegsmarine und zahlreiche Frachter konnten von britischen U-Booten und Flugzeugen der Royal Air Force versenkt werden.
Am 17. April landeten die Alliierten schließlich bei Narvik und setzten die Truppen der Wehrmacht durch gleichzeitigen massiven Beschuss durch Schiffe der Royal Navy unter starken Druck. Bis zum 19.&#160;April wurden umfangreiche alliierte Verbände, darunter polnische Soldaten und Teile der Fremdenlegion, in Norwegen angelandet. Die Alliierten eroberten Narvik und drängten die Gebirgsjäger der Wehrmacht in die Berge zurück.
Inzwischen verbesserte sich das Wetter in Norwegen, sodass die Wehrmacht ihre Fronten festigen konnte. Bei Angriffen der deutschen Luftwaffe wurden am 3.&#160;Mai vor Namsos ein britischer und ein französischer Zerstörer versenkt.
Noch im selben Monat beschloss Churchill wegen der deutschen Erfolge in Frankreich den Abzug der Alliierten aus Norwegen. Bevor die 24.500&#160;Soldaten evakuiert werden konnten, gelang es ihnen jedoch noch, in Narvik einzudringen und den wichtigen Hafen zu zerstören. Am 10. Juni kapitulierten schließlich die verbliebenen Soldaten der Norwegischen Streitkräfte, woraufhin das Unternehmen Weserübung abgeschlossen war.
Norwegen unter deutscher Besatzung wurde Reichskommissariat und Teil des deutschen Herrschaftsgebietes, sollte jedoch nach dem Willen Hitlers als selbständiger Staat bestehen bleiben. Im weiteren Verlauf wurde Norwegen stark befestigt, weil Hitler eine Invasion befürchtete. Im Februar 1942 wurde eine Marionettenregierung unter Vidkun Quisling eingesetzt.
Westfeldzug Mai/Juni 1940
→ Hauptartikel: Westfeldzug
Am 10.&#160;Mai 1940 begann der Angriff deutscher Verbände („Fall Gelb“) mit insgesamt sieben Armeen auf die neutralen Staaten Niederlande, Belgien und Luxemburg. 136&#160;deutsche Divisionen standen rund 137&#160;alliierten gegenüber. Als erste stellten die Niederlande ihren Widerstand ein. Noch während der Kapitulationsverhandlungen wurde Rotterdam bombardiert, wo etwa 900 Menschen umkamen.[34] Am 13. Mai gingen Königin Wilhelmina und die Regierung ins Exil nach London. Die niederländischen Streitkräfte kapitulierten am 15. Mai 1940. Schon drei Tage später übernahm der ehemalige Führer der österreichischen Nationalsozialisten, Arthur Seyß-Inquart, das Amt des Reichskommissars für die Niederlande.
Deutsche Truppen in Brüssel, 1940
Die belgische Armee leistete etwas länger Widerstand. Bis zum 16. Mai wurden die Festungen Lüttich, Namur und die Dyle-Stellung eingenommen, am 17. Mai Brüssel und tags darauf Antwerpen. Dadurch gelang es den Angreifern, die belgischen Truppen nördlich dieser Linie von den britischen und französischen Verbänden abzuschneiden, die inzwischen nach Belgien vorgerückt waren. Die belgische Regierung flüchtete über Frankreich nach England. Am 28. Mai unterzeichnete der im Lande gebliebene König Leopold III. die Kapitulation. Regierungspräsident Eggert Reeder wurde Chef der deutschen Militärverwaltung.[35]
Luxemburg wurde, nachdem Großherzogin Charlotte und die Regierung ins Exil nach England gegangen waren, faktisch annektiert und bildete fortan einen Teil des Gaus Moselland. Die männliche Bevölkerung im wehrpflichtigen Alter wurde zum Dienst in der Wehrmacht gezwungen. Etwa 100.000 Elsässer und Lothringer wurden in das von Vichy regierte Frankreich ausgewiesen.[35]
Westfeldzug Mai–Juni 1940
Regierung und Militärs in Frankreich vertrauten auf die stark befestigte Maginot-Linie entlang der deutsch-französischen Grenze. Weil die Ardennen in Belgien für Panzerkräfte als unüberwindbar galten, hielt man sie für eine natürliche Verlängerung der 130&#160;km langen Maginotlinie (siehe Karte). Der Feldzugplan des Generalleutnants Erich von Manstein sah dagegen einen schnellen Vorstoß durch die Ardennen mit sechs Panzer- und fünf motorisierten Divisionen vor, um dann die Alliierten, deren Hauptstreitkräfte am Pas de Calais standen, von Süden her zu umfassen und bis zur Kanalküste vorzurücken. Diesem Plan kam später entgegen, dass die Alliierten nach den deutschen Angriffen auf die Niederlande und Belgien weiter nach Norden vorrückten und derart Raum für deutsche Truppen in ihrem Rücken ließen. Am 19. Mai erreichte die deutsche 6.&#160;Armee den Fluss Schelde und stieß bis Abbeville an der Mündung der Somme in den Ärmelkanal, ungefähr 100&#160;km südlich von Calais, vor. Der Vormarsch in diese Gebiete erfolgte so schnell, dass die britischen und französischen Einheiten bei Dünkirchen eingekesselt wurden. Dieser schnelle und überraschende Vormarsch wurde später von Churchill als „Sichelschnitt“ bezeichnet.[36] Hitler entschied, in Übereinstimmung mit von Rundstedt, aber im Widerspruch zur Meinung anderer Generäle, die angeschlagene Panzertruppe zu schonen, ihren Vormarsch auf Dünkirchen anzuhalten und die Einschließung von Dünkirchen der Luftwaffe und den Artillerieregimentern zu überlassen.[37]
Flucht britischer Soldaten bei Dünkirchen.
Dadurch gewannen die Briten drei Tage Zeit für die Vorbereitung der Operation Dynamo, die am 27. Mai begann. Etwa 1200&#160;Seefahrzeuge konnten über 366.000&#160;Soldaten, darunter 139.911&#160;Soldaten der französischen Armee, trotz heftiger Angriffe durch Bomber der deutschen Luftwaffe und Artilleriebeschuss bis zum 4.&#160;Juni evakuieren.[38] Aus militärischer Sicht stellte der Haltebefehl, der die Evakuierung fast des gesamten britischen Expeditionskorps ermöglichte, einen schweren taktischen und vor allem in der Rückschau folgenreichen Fehler dar. Die Fähigkeit zur Fortsetzung des Krieges wäre nach dem Verlust des Expeditionskorps für Großbritannien deutlich schwieriger geworden, da es sich um erfahrene Berufssoldaten handelte. So ging den Alliierten nur das am Strand zurückgelassene Kriegsmaterial verloren, das leichter ersetzt werden konnte.
Deutsche Soldaten vor dem Arc de Triomphe du Carrousel in Paris, 1940
Als sich die Briten zurückzogen, bereitete sich Frankreich auf die Verteidigung vor. Der „Fall Rot“, die eigentliche Schlacht um Frankreich, begann am 5.&#160;Juni mit einer deutschen Offensive an der Aisne und der Somme. Am 9.&#160;Juni überschritten deutsche Soldaten die Seine. Am 10. Juni trat Italien auf Seiten Deutschlands in den Krieg ein und begann am 21. Juni eine Offensive an der Alpenfront, obwohl die Regierung Pétain am 20. Juni Italien um Waffenstillstand gebeten hatte. Am 14. Juni besetzten Teile der 18.&#160;Armee die französische Hauptstadt Paris. Um ihre Zerstörung zu verhindern, war sie zur offenen Stadt erklärt und kampflos von den französischen Truppen geräumt worden. Am selben Tag durchbrachen deutsche Truppen südlich von Saarbrücken die Maginot-Linie,[39] und die symbolträchtige Festung Verdun konnte ebenfalls eingenommen werden.
von Ribbentrop, Hitler, Göring, Raeder (hinter Göring), von Brauchitsch, Heß vor dem Wagen von Compiègne
Nachdem deutsche Truppen am 17.&#160;Juni Orléans und Nevers an der Loire (260 km südlich von Paris) sowie Dijon erreicht hatten, traf ein Waffenstillstandsgesuch von Philippe Pétain, dem Ministerpräsidenten der neu gebildeten französischen Regierung, in Hitlers Hauptquartier ein. Der Führer wurde daraufhin von Keitel[40] als „der größte Feldherr aller Zeiten“ gelobt.[41] Hitler traf sich am 18. Juni mit Mussolini in München, um die Waffenstillstandsbedingungen mit ihm abzustimmen. Die weitreichenden Forderungen des Duce, u.&#160;a. Nizza, Korsika und Savoyen sowie die Nutzung von Häfen und Eisenbahnen in Afrika für militärische Zwecke, wies Hitler zurück. Ihm lag daran, eine Fortsetzung des Krieges durch die französische Flotte und in den Kolonien zu verhindern. Dennoch begann Italien noch am 21.&#160;Juni eine Offensive in den Alpen, die nur geringfügige Geländegewinne erbrachte, u.&#160;a. Mentone.[42] Die Waffenstillstandsbedingungen wurden am 21.&#160;Juni 1940 im Wagen von Compiègne von Keitel dem französischen General Charles Huntziger überreicht.[43] Am 22.&#160;Juni unterzeichnete die französische Delegation, nachdem fast alle ihre Gegenvorstellungen zurückgewiesen worden waren, den Waffenstillstandsvertrag.[42] Er trat am 25.&#160;Juni um 01:35&#160;Uhr in Kraft, nachdem am Tag zuvor auch der italienisch-französische Waffenstillstand unterzeichnet worden war.[44] Damit die französische Flotte nicht in deutsche Hände fallen konnte, nahmen die Briten am 3.&#160;Juli diese im algerischen Hafen Mers-el-Kébir bei Oran unter Beschuss.
Besatzungszonen in Frankreich. Unbesetzte Zone (Juni 1940–November 1942).
Nur sechs Wochen und drei Tage hatte der sogenannte „Blitzkrieg“ im Westen gedauert, in dem ca. 100.000 französische, 35.000 britische und etwa 46.000&#160;deutsche Soldaten ihr Leben verloren.[42] Es war kein bravouröser Blitzkrieg bzw. Blitzsieg, wie die deutsche Propaganda glauben machen wollte. Französische Jagdflieger schossen mehrere Hundert deutsche Kampfflugzeuge ab, und ca. 1000 deutsche Kampfpiloten gerieten in Gefangenschaft.[45] Frankreich wurde in zwei Zonen geteilt: Der Norden und Westen Frankreichs war deutsch besetzt; hier befanden sich wichtige Flugfelder und Marinebasen für den Krieg gegen Großbritannien. Die Häfen am Atlantik, insbesondere Brest und La Rochelle, wurden die wichtigsten Operationsbasen der deutschen U-Boote. Der östliche und südliche Teil Frankreichs blieb unter französischer Kontrolle. Marschall Philippe Pétain regierte von Vichy aus den so genannten „État français“ als Marionettenstaat des Deutschen Reichs. Nach der Landung der Alliierten in Nordwestafrika (November 1942)[46] besetzten deutsche und italienische Truppen auch die bisher unbesetzte Zone. Pétain wurde als Kollaborateur nach dem Zweiten Weltkrieg zum Tode verurteilt, später jedoch begnadigt. Charles de Gaulle (1890–1970) war Organisator des Widerstandes als „Führer des freien Frankreichs“ vom Exil in London aus.
Die Schweiz konnte ihre Unabhängigkeit wahren und wurde nie Ziel einer deutschen Offensive (→&#160;Die Schweiz im Zweiten Weltkrieg).
Von der Kapitulation Frankreichs bis zum Angriff auf die Sowjetunion, Juni 1940 bis Juni 1941
Trotz der Kapitulation der französischen Regierung ging der Krieg weiter, da Großbritannien Hitlers sogenanntes Friedensangebot vom 19. Juli 1940 nicht annahm.[47] Obwohl der Ausgang des Krieges mit Großbritannien noch völlig offen war, verkündete Hitler schon am 31.&#160;Juli den Generälen seine grundsätzliche Absicht, für 1941 einen Angriff auf die Sowjetunion vorbereiten zu lassen. Kurz darauf, am 17.&#160;September, verschob er das Unternehmen Seelöwe auf eine unbestimmte Zeit.[48]
Hitler bemühte sich, seine Herrschaft über das „Neue Europa“ zu konsolidieren und durch weitere Bündnisse mit Spanien, Frankreich (Vichy-Regime), Ungarn, Rumänien und Bulgarien abzusichern. Franco und Pétain widersetzten sich aber einem formellen Bündnis mit Deutschland.
Luftschlacht um England 1940/1941
→ Hauptartikel: Luftschlacht um England
Bordkamera einer Spitfire zeigt Leuchtspurmunition, die eine He 111 trifft, über England am 25. September 1940
Als „Luftschlacht um England“ bezeichnete die nationalsozialistische Propaganda die Vorbereitung einer Invasion Großbritanniens (Unternehmen Seelöwe) durch Ausschaltung der Royal Air Force durch die deutsche Luftwaffe. Hitler glaubte nicht an den Erfolg eines solchen Unternehmens und zog einen Friedensschluss mit Großbritannien vor, freilich nur, wenn es die ehemals deutschen Kolonien zurückgeben und auf Einfluss in Europa verzichten würde.[49]
In den zwei Jahren zwischen dem Münchner Abkommen und der „Luftschlacht um England“ hatten die Briten ihre Luftverteidigung verbessert. An der Süd- und Ostküste der Britischen Insel wurden „Chain Home“-Radarstationen installiert. Die britische Industrie konnte in den drei Monaten vor dem Beginn des Zweiten Weltkrieges mehr als 1400&#160;Jagdflugzeuge produzieren. Die Royal Air Force (RAF) warb erfolgreich Piloten aus dem Commonwealth, Frankreich, den USA, Polen und der Tschechoslowakei an, denn auf einen Piloten der RAF kamen sechs deutsche.[50] Bei den Flugzeugen sah es ähnlich aus: Im Westfeldzug hatte die Luftwaffe 1909 Jäger und Bomber zur Verfügung, die Royal Airforce nur 504 Maschinen.[51]
London nach dem „Blitz“, 29.&#160;Dezember 1940.
Am 2. Juli begann Göring die Luftschlacht mit einer begrenzten Offensive gegen die Schifffahrt im Ärmelkanal. Dowding nahm die Herausforderung nicht an. Die erste Hauptphase begann Mitte August. Die RAF sollte durch die Vernichtung ihrer Flugzeuge in der Luft zerschlagen werden, während die Bekämpfung der Schifffahrt weiterging. In der ersten Schlacht am 13. August vernichteten britische Jäger 45&#160;deutsche Flugzeuge und verloren selbst nur&#160;13. Vom 16. bis zum 18.&#160;August erlitt die Luftwaffe wieder schwere Verluste. 296 deutsche und 95 britische Flugzeuge gingen verloren. Die RAF hatte den Vorteil, dass die Piloten der abgeschossenen Maschinen nicht jedes Mal für sie verloren waren, sofern sie sich mit dem Fallschirm retten konnten. Jetzt erkannte Göring seinen Fehler, dass er nicht alles daran gesetzt hatte, die RAF in der Luft zu schlagen. Das war in der zweiten Phase vom 19.&#160;August bis zum 6.&#160;September sein Operationsziel. Deutsche Jäger (von belgischen Flugplätzen) kamen bei Tage und Bomber (von nordfranzösischen Flugplätzen) in der Nacht. Die RAF konzentrierte sich auf die Abwehr der deutschen Bomber. In der Anfang September beginnenden dritten Phase konzentrierte die Luftwaffe ihre Angriffe auf London. Hitler sprach bezeichnenderweise von Vergeltung und völliger Vernichtung, nachdem in der Nacht zum 26. August auf Befehl Churchills die RAF einen Angriff mit 60 Bombern auf Berlin geflogen hatte, der kaum Schäden verursacht hatte. Am 7.&#160;September griff die Luftwaffe die Londoner Docks mit 300 Bombern und 600 Jägern an, aber die Luftwaffe verlor wieder mehr Flugzeuge als die 21 britischen Jagdstaffeln, die London verteidigten. Am 15. September erreichten die deutschen Angriffe, von den Briten The Blitz genannt, ihren Höhepunkt mit zwei Tagesangriffen. Die RAF setzte praktisch alles ein, was sie hatte. Die deutschen Bomber wurden dezimiert und die Jäger abgewiesen. Die Entscheidung, London anzugreifen, gilt als ein großer strategischer Fehler Hitlers und Görings mit weit reichenden Folgen, denn viele weitere Angriffe auf London bis zum Jahresende mit durchschnittlich 160 Bombern bewirkten, militärisch besehen, wenig, waren aber für die Luftwaffe äußerst verlustreich. Am 17.&#160;September 1940 verschob Hitler das „Unternehmen Seelöwe“ auf unbestimmte Zeit. Am 13.&#160;Februar 1941 brachte Großadmiral Erich Raeder ihn dazu, einem völligen Verzicht zuzustimmen.[52]
Die Luftwaffe setzte im Winter und Frühjahr ihre Nachtangriffe fort, nicht um die Invasion vorzubereiten, sondern um die Industrie zu treffen und die Bevölkerung zu demoralisieren. In der Nacht vom 14. auf den 15. November 1940 waren die Motorenfabriken in Coventry Ziel eines Angriffs der Luftwaffe, wobei durch Brandbomben auch drei Viertel der Wohngebiete getroffen wurden.[53] Der Begriff „coventrieren“, eine Wortprägung des Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda Joseph Goebbels, fand daraufhin Eingang in den deutschen Militärjargon.[54]
Die Bombardements Londons, Coventrys[55] und weiterer englischer Städte töteten bis zum Jahresende 1940 etwa 23.000&#160;Zivilisten. Allein in London starben bei 57&#160;Nachtangriffen zwischen dem 9.&#160;September 1940 und dem Neujahrstag 1941 14.000&#160;Menschen. Im Oktober 1940 hatte die Luftwaffe 1733 Kampfflugzeuge verloren, die RAF 915.[56] „Eine vorsätzliche Bombardierung ziviler Ziele ist den Luftwaffenakten nicht zu entnehmen.“[57]
„Die Luftschlacht endete als militärisches Patt, war aber eine politische und strategische Niederlage ersten Ranges für Hitler, dem es zum ersten Mal nicht gelungen war, einem Land seinen Willen aufzuzwingen.“[58] Mitentscheidend für den Misserfolg der Luftwaffe waren die Fehleinschätzung der Effektivität der britischen Radaranlagen und des Leitsystems sowie die mangelnde Reichweite der deutschen Jagdflugzeuge. Die britischen Flugzeugwerke fertigten außerdem mehr Maschinen als die deutschen.
Mit dem Ende der Luftschlacht „war auch die Invasion geplatzt.“[59] Am 18. Dezember 1940 gab Hitler seine formelle Weisung für das Unternehmen Barbarossa heraus, „auch vor Beendigung des Krieges gegen England Sowjetrussland in einem schnellen Feldzug niederzuwerfen.“[60] Hitlers Entschluss war auch dadurch geprägt, „London via Moskau“ doch noch zu besiegen.[61] Ab Mai 1941 gingen die deutschen Luftangriffe auf Großbritannien deutlich zurück, weil Bomber und Jagdflugzeuge für den bevorstehenden Angriff auf die Sowjetunion gebraucht wurden.
Insgesamt starben in Großbritannien 61.000 Menschen durch deutsche Luftangriffe, davon 8.800 durch Raketenangriffe mit der V2.[62]
Hitlers Bündnispolitik
Nachdem der Kriegsgegner Großbritannien nicht besiegt werden konnte, suchte Hitler nach einem Ausweg. In Hitlers Vorstellung boten sich zwei Möglichkeiten an: ein Angriff auf Englands Positionen im Mittelmeer oder ein Angriff auf die Sowjetunion, deren Ausbeutung als „Lebensraum im Osten“ seit langer Zeit fester Bestandteil seiner Ideologie war.[63]
Philippe Pétain, Paul-Otto Schmidt, Adolf Hitler und Joachim von Ribbentrop in Montoire-sur-le-Loir, 24. Oktober 1940
Zunächst wandte er sich der Mittelmeeroption zu. Spaniens Diktator Franco war im Juni 1940 noch bereit gewesen, an deutscher Seite in den Krieg einzutreten. Er forderte dafür Gibraltar, Französisch-Marokko, Oran und Vergrößerung der Kolonien Spanisch-Sahara und Spanisch-Guinea sowie vorherige umfangreiche Lieferungen von Waffen, Rohstoffen und Nahrungsmitteln. Hitler hielt Spaniens Unterstützung damals nicht für nötig und ließ ausweichend antworten. Als er sich am 23. Oktober in Hendaye mit Franco traf, zeigte Hitler nunmehr ein viel größeres Interesse am Kriegseintritt Spaniens, den er für Januar 1941 vorschlug. Spanische und deutsche Truppen sollten im Unternehmen Felix Gibraltar erobern. Franco und auch Súñer, dessen Schwiegersohn und späterer Außenminister, waren jedoch nicht mehr von der baldigen Niederlage Großbritanniens überzeugt. Sie ließen sich nicht zu unbedachten Schritten verleiten und wiederholten absichtlich überzogene Forderungen nach der Lieferung von Waffen. Hitler wiederum musste hinsichtlich der spanischen Kolonialwünsche in Nordafrika Rücksicht auf Vichy-Frankreich nehmen. Franco war daher lediglich mit der Unterzeichnung eines Protokolls einverstanden, in dem Spanien seine Bereitschaft erklärte, Mitglied des Dreimächtepakts zu werden und in den Krieg einzutreten – unter dem Vorbehalt, dass der Zeitpunkt noch gemeinsam festgesetzt werden sollte. Damit war die Abmachung für Hitler praktisch wertlos.[64] Im internen Kreis „wütete“ er später über das „Jesuitenschwein“ und den „falsche[n] Stolz des Spaniers“.[65]
Wie in Hendaye hinsichtlich Spaniens, so blieb auch in Montoire beim Treffen mit Pétain offen, ob es zu einer konkreten Zusammenarbeit mit Frankreich kommen würde. Hitler wollte, wenn schon nicht eine Kriegserklärung an England, so wenigstens die Verteidigung der französischen Kolonien in Nordafrika und Nahost gegen Angriffe der FFL und der Briten erreichen sowie die Überlassung von Stützpunkten an der afrikanischen Mittelmeer- und Atlantikküste für den Seekrieg gegen Großbritannien. Marschall Pétain stimmte im Prinzip einer Zusammenarbeit mit dem Reich zu, lehnte aber indirekt einen Kriegseintritt Frankreichs ab, indem er den Ministerpräsidenten Laval darauf hinweisen ließ, dass auch nach der neuen französischen Verfassung eine Kriegserklärung nur durch Parlamentsbeschluss ausgesprochen werden könne. Ein solcher Beschluss sei aber fraglich. (Begegnung in Montoire, 24. Oktober 1940).[66] Das Ergebnis des Treffens war für Hitler im Kampf gegen Großbritannien bedeutungslos.[67]
Italien war im Juni 1940, kurz vor der französischen Kapitulation, Hitlers Kriegsverbündeter geworden. Der japanische Botschafter Saburō Kurusu[68] und die Außenminister Galeazzo Ciano (Italien) sowie Joachim von Ribbentrop (Deutschland) unterzeichneten am 27. September 1940 in Berlin den Dreimächtepakt, der gegenseitigen Beistand für den Gewinn der Hegemonie über Europa beziehungsweise Ostasien vorsah. Die Bestimmungen richteten sich nicht gegen die Sowjetunion; vielmehr sollten die USA von einem Kriegseintritt abgehalten werden. Obwohl der Pakt ein großer propagandistischer Erfolg war, blieb er für die Bildung einer aktiven Front gegen Großbritannien ohne sofortige Wirkung.[69]
In Osteuropa gewann Hitler Rumänien als Verbündeten hinzu, das für ihn wegen der strategischen Lage und der Erdölfelder äußerst wertvoll war. Zwar ließ er die Sowjetunion das nach dem Ersten Weltkrieg verlorene Bessarabien einfordern, wie im Hitler-Stalin-Pakt vorgesehen. Doch Hitler garantierte im Sommer 1940 Rumäniens Bestand, das seinerseits aus dem Völkerbund austrat.
Italienischer Parallelkrieg im Mittelmeerraum und in Ostafrika 1940/1941
Das italienische Kolonialreich in Ostafrika nach der Besetzung Äthiopiens (1936) bis zum Kriegseintritt Italiens in den 2. WK (1940)
Mussolini hoffte, dass nach dem deutschen Achsenpartner nun auch Italien militärische Erfolge erringen könne, obwohl König Viktor Emanuel III. noch 1939 die realistische Einschätzung vertreten hatte, das Heer befinde sich in einem erbärmlichen Zustand und die Offiziere würden nichts taugen. Nachdem Italien am 10. Juni 1940 in den Krieg eingetreten war, ließ Mussolini britische Positionen im Mittelmeer[70] sowie in Nord- und Ostafrika angreifen.[71] Nach geringen italienischen Anfangserfolgen in Ägypten und der Besetzung Britisch-Somalilands ging im Spätsommer und Herbst 1940 die Initiative verloren. Die Gegenoffensiven von britischen und Commonwealth-Truppen (Operation Compass) führten Anfang 1941 zu einer verheerenden Niederlage in Ägypten und im Gebiet zwischen Tobruk und der libysch-ägyptischen Grenze sowie bis zum November 1941 zum Verlust Italienisch-Ostafrikas. 130.000 italienische Soldaten in Nordafrika gerieten in britische Gefangenschaft. Im Februar 1941 reagierte Hitler mit der Entsendung des Deutschen Afrikakorps (Unternehmen Sonnenblume), um wenigstens zu verhindern, dass Italien die Kolonie Libyen verlor. In Ostafrika verlor Italien 30.000 Soldaten (24.000 Kriegsgefangene und 6000 Gefallene).
Italienische Kriegsgefangene während der Operation Compass, Januar 1941
Die Großmachtambitionen Mussolinis waren bereits seit den 1930er Jahren auch auf den Balkan gerichtet. Am 28.&#160;Oktober 1940 griffen italienische Verbände das Königreich Griechenland an (Griechisch-Italienischer Krieg). Mussolini glaubte an einen raschen Sieg, doch stattdessen entwickelte sich der Krieg zu einem Fiasko. Die griechischen Truppen waren gut organisiert und kannten sich in dem schwierigen Gelände aus. Binnen vierzehn Tagen hatte sich der erwartete Triumph in eine Demütigung für Mussolinis Regime verwandelt, als die Angreifer bis über die Grenzen Albaniens zurückgedrängt worden waren.
Noch bedeutsamer war, dass die Position der Achse im Wüstenkrieg (Nordafrika) ernstlich geschwächt wurde, weil angesichts des sich anbahnenden Debakels dringend benötigte Truppen von dort nach Griechenland verlegt wurden. Dabei war Nordafrika von größter Bedeutung: „Wären die schwachen britischen Truppen aus Ägypten und vom Suezkanal vertrieben worden, hätte der Weltkrieg einen anderen Verlauf genommen.“[72] Hitler war über Mussolinis Entschluss nicht informiert worden. Mussolini war nämlich über Hitler verärgert, weil dieser kurz zuvor die Stationierung deutscher Truppen in Rumänien angeordnet hatte, um rumänische Ölgebiete zu sichern.
Balkanfeldzug 1941
→ Hauptartikel: Balkanfeldzug (1941)
Balkanfeldzug 1941
Anfang des Jahres 1941 versuchte das Deutsche Reich im Balkankonflikt zu vermitteln. So unterbreitete Hitler dem Königreich Jugoslawien den Vorschlag, dem Dreimächtepakt beizutreten, was jedoch abgelehnt wurde. Griechenland verzichtete ebenfalls auf jeden Vermittlungsversuch, da seine Armee die italienischen Soldaten an der Front zum Rückzug zwingen konnte. Eine italienische Großoffensive am 9.&#160;März wurde zum Desaster. Am 27.&#160;März trat Jugoslawien schließlich dem Dreimächtepakt bei. Die Folge waren antideutsche Demonstrationen und ein Staatsstreich des serbischen Offizierskorps gegen die Regierung des Prinzregenten Paul, woraufhin der Beitritt wieder rückgängig gemacht wurde.
Diese unerwartete Wendung führte zu Hitlers Entscheidung, auch Jugoslawien anzugreifen. Er rechtfertigte den Angriff als Vergeltung gegen eine serbische „Verbrecherclique“ in Belgrad.[73] Am 6.&#160;April überschritten Verbände der Wehrmacht die Grenze nach Jugoslawien, und die Luftwaffe begann, Belgrad in Schutt und Asche zu legen (→&#160;Unternehmen Strafgericht), obwohl die Hauptstadt zur „offenen Stadt“ erklärt worden war.[74] Der weitere Vormarsch erfolgte wie in einem geplanten Manöver. Am 10.&#160;April wurde Zagreb besetzt, wo am gleichen Tag der Unabhängige Staat Kroatien ausgerufen wurde. Belgrad wurde am 13.&#160;April von deutschen Truppen besetzt. Am 17.&#160;April unterschrieben die jugoslawischen Befehlshaber die Kapitulation der jugoslawischen Armee.
Zerstörungen in Belgrad, 1941
Ebenfalls am 6.&#160;April begann der deutsche Feldzug gegen Griechenland. Anders als in Jugoslawien war der griechische Widerstand stellenweise ausgesprochen hart. Besonders in den Gebirgslagen und im Gebiet der stark verteidigten Metaxas-Linie kamen deutsche Soldaten nur langsam und unter hohen Verlusten voran. Am 9.&#160;April fiel Saloniki. Gleichzeitig wurde die griechische Armee in Ostmazedonien abgeschnitten und die Metaxas-Linie stärker bedrängt. Die griechischen Verstärkungen von der albanischen Front wurden bei ihrem Vormarsch durch die gebirgige Landschaft von deutschen und italienischen Panzereinheiten sowie Luftangriffen aufgehalten. Am 21.&#160;April mussten 223.000&#160;griechische Soldaten kapitulieren.
Die in Griechenland stationierten britischen Verbände bauten unterdessen eine Verteidigung an den Thermopylen auf. Diese wurde am 24.&#160;April überrannt, woraufhin die Alliierten eine amphibische Evakuierungsoperation einleiten mussten, in der 50.000&#160;Soldaten nach Kreta und Ägypten verschifft wurden. Am 27.&#160;April rückte die Wehrmacht in Athen ein.
Einmarsch deutscher Truppen in Athen, Mai 1941
Am 25. April entschlossen sich die Führer der Achsenmächte zu einer Luftlandeinvasion von Kreta (→&#160;. Am 20.&#160;Mai 1941 landeten deutsche Fallschirmspringer auf Kreta); sie hatten dabei hohe Verluste. Die gelandeten Einheiten konnten zunächst keine Flugplätze für Nachschub und Verstärkungen erobern. Außerdem gab es keine Funkverbindung zum deutschen Hauptquartier in Athen, da viele Funkgeräte bei den Landungen zerstört worden waren. Erst durch verstärkten Einsatz der Luftwaffe und nach erfolgreichen Landungen auf umkämpften Flugplätzen stabilisierte sich die Situation für die Angreifer. Die Alliierten, darunter Neuseeländer und Australier, verteidigten Kreta eine Woche lang, bis sie sich mit etwa 17.000&#160;Mann absetzen mussten. Aufgrund der hohen Verluste beschloss Hitler, in Zukunft keine Luftlandungen mehr durchzuführen.
Vom Entstehen der Ostfront bis zur Westfront, Juni 1941 bis Juni 1944
Die Absicht, die Sowjetunion zu überfallen, erörterte Hitler bereits im Juli 1940 – parallel zu den Invasionsplänen gegen Großbritannien – mit dem Wehrmachtführungsstab. Zu diesem Zeitpunkt hoffte Hitler noch, dass Großbritannien über kurz oder lang aufgeben würde und er auf der Basis einer „Verständigung mit England“ alle Kraft nach Osten werfen könne, um sein großes Ziel anzugehen, „Lebensraum im Osten“ zu erobern.[75] Am 18. Dezember 1940 erfolgte die Weisung, im Mai 1941 die Sowjetunion anzugreifen. Hintergrund dieser Entscheidung war auch die Erkenntnis der Unmöglichkeit einer Landung auf der britischen Insel, solange Luftwaffe und Marine dazu zu schwach waren. Wenn auch nicht alleiniges Motiv, so stand doch der Wunsch dahinter, London via Moskau zum Ausscheiden aus dem Krieg zu zwingen. Ein Angriff auf die Sowjetunion wurde von Hitler als wenig riskant angesehen, weil er die politische Stabilität der Sowjetunion und deren militärisches Potential völlig unterschätzte.[76] Mit seiner Fehleinschätzung des sowjetischen Militärpotentials stand Hitler nicht alleine da; fast alle seine Befehlshaber teilten sie ebenfalls.[77]
Mit dem Angriff auf die Sowjetunion, dem Unternehmen Barbarossa, entstand am 22. Juni 1941 eine neue Front im Osten Deutschlands. Sie wurde (neben der japanisch-chinesischen) die am längsten bestehende Front im Zweiten Weltkrieg, die die meisten Opfer forderte. Die deutschen Truppen eroberten riesige Gebiete des europäischen Teils der Sowjetunion; zusammen mit unmittelbar nachrückenden Einheiten der SS und Einsatzgruppen hatten sie den Auftrag, die Gebiete rücksichtslos auszubeuten, einen Teil ihrer Einwohner zu töten und die anderen zur Zwangsarbeit zu zwingen. Dabei wurden systematisch viele Zehntausende Juden umgebracht.
Ein halbes Jahr später wurden auch die USA, die allerdings bereits zuvor Großbritannien indirekt unterstützt hatten, durch Hitlers Kriegserklärung offizieller Kriegsgegner Deutschlands. Amerika brauchte Zeit, seine Wirtschaft auf den Krieg umzustellen. Eine Konfrontation der Wehrmacht mit anglo-amerikanischen Landstreitkräften fand erstmals im November 1942 in Nordafrika statt (Operation Torch).
Krieg gegen die Sowjetunion bis zur Schlacht von Stalingrad, Juni 1941 bis Oktober 1942
→ Hauptartikel: Deutsch-Sowjetischer Krieg
Russlandfeldzug 1941–1942
Der Balkanfeldzug hatte den Angriffszeitpunkt für einen Überfall auf die Sowjetunion um vier Wochen verschoben. Der Angriff fand erst am 22. Juni 1941 statt. Obwohl Berechnungen auf deutscher Seite zeigten, dass die Versorgung der Wehrmacht nur bis zu einer Linie entlang Pskow, Kiew und der Krim möglich war, verlangte Hitler die Eroberung Moskaus im Rahmen eines einzigen, ununterbrochenen Feldzuges. Hier zeigte sich dessen gefährliche Unterschätzung der Sowjetunion, die schon nach der Kapitulation Frankreichs im Juni 1940 zum Ausdruck gekommen war (s.&#160;o.). Für den Überfall standen drei Heeresgruppen (Nord, Mitte, Süd) bereit. Die Heeresgruppe Nord (von Leeb) sollte die baltischen Staaten erobern und dann nach Leningrad vorstoßen. Auf der Heeresgruppe Mitte (von Bock) lag die Hauptlast. Sie sollte nach Moskau vorrücken und war entsprechend stark gerüstet. Die Heeresgruppe Süd (von Rundstedt) sollte die Ukraine erobern. Auch vom besetzten Norwegen aus wurden Angriffe gegen die Sowjetunion unternommen. Sie zielten auf Murmansk, den Hafen und die dortige Eisenbahnverbindung, die „Murmanbahn“. Ebenfalls an dem Feldzug beteiligt waren 600.000 Soldaten aus verbündeten, neutralen und besetzten Staaten[78] in geschlossenen Großverbänden bis zur Ebene von Armeen und unter der Befehlsgewalt ihrer eigenen Offiziere. Später kamen 30 000 Freiwillige aus neutralen und besetzten Gebieten (u. a. Polen, Estland, Lettland, Litauen, Weißrussland, Ukraine, Russland, Kaukasus) hinzu, meist Repräsentanten rechtsradikaler oder faschistischer Strömungen in ihren Heimatländern.[79]
Am frühen Morgen des 22. Juni 1941, zwischen 3:00 Uhr und 3:30 Uhr, begann der Angriff gegen die Sowjetunion.[80] Obwohl ihm mehrere ernst zu nehmende Hinweise, u.&#160;a. von Harro Schulze-Boysen, Arvid Harnack und Richard Sorge, zugegangen waren,[81] blieb Stalin davon überzeugt, dass Hitler die Sowjetunion nicht vor einem Sieg über Großbritannien angreifen werde.[82] Der Angriff wurde von 153 deutschen Divisionen, darunter 19 Panzer- und 12 motorisierten Divisionen, auf einer Frontlänge von 1600&#160;km zwischen der Ostsee und den Karpaten geführt. Zwei Divisionen operierten von Finnland aus. Die militärischen Befehlshaber der Roten Armee waren nicht auf diese bisher größte militärische Offensive der Weltgeschichte mit 3,2 Millionen deutschen Soldaten eingestellt. Innerhalb einer Woche kamen Soldaten aus den verbündeten Staaten Rumänien, Italien, Slowakei und Ungarn[83] sowie Finnland hinzu, das kein Bündnis mit Deutschland hatte,[84] und Wert auf die Feststellung legte, dass es gegen die Sowjetunion einen „Fortsetzungskrieg“ zur Rückeroberung der 1940 abgetretenen Gebiete führe.[85] Die Rote Armee umfasste im Juni 1941 rund 5 Millionen Soldaten, von denen aber nicht alle an der sowjetischen Westgrenze stationiert waren. Viele der sowjetischen Soldaten an der Grenze ergaben sich ohne Widerstand, während die motorisierten deutschen Truppen zunächst zügig vorankommen konnten. Die Fähigkeit der sowjetischen Streitkräfte, zum damaligen Zeitpunkt einen Angriff oder einen Krieg gegen Deutschland zu führen, muss auch nach neueren Erkenntnissen stark bezweifelt werden. Der erste Wehrmachtbericht am Morgen des 22. Juni 1941 erweckte dagegen den Eindruck, sowjetische Truppen seien nach Ostpreußen eingedrungen. Er unterstützte damit die Präventivkriegslegende der NS-Propaganda, die den Angriff als Verteidigungskrieg darstellte. Tatsächlich war der Überfall auf die Sowjetunion im Wesentlichen ein ideologisch verbrämter Eroberungs- und Vernichtungskrieg mit dem von Hitler bereits Jahre zuvor formulierten Ziel der Gewinnung von „Lebensraum im Osten“. Damit war „ein blockadefestes Großimperium“ bis zum Ural und über den Kaukasus hinaus gemeint.[86]
Sowjetische Soldaten bei der Bergung eines Verwundeten bei Leningrad, Oktober 1941
Am 22. Juni mittags verlas der sowjetische Außenminister Molotow im Rundfunk eine Rede, in der er den Ausbruch des Krieges bekannt gab. Erst elf Tage später richtete sich Josef Stalin am 3.&#160;Juli mit einer Rundfunkansprache an das Volk.[87] Davor war Minsk eingeschlossen und wenig später besetzt worden. Hitler beharrte gegenüber dem OKH lange Zeit auf dem Vorrang der Eroberung der Ukraine anstelle Moskaus. Trotz siegreicher Kesselschlachten scheiterte der Plan Barbarossa bereits im August 1941, weil aus diesen Schlachten dennoch große Teile des Gegners entkamen und sich neu formierten, der Überraschungseffekt des Überfalls abflaute, die deutschen Verluste zunahmen und Hitlers „Zickzack der Anordnungen“ zur Schwerpunktbildung bei der Heeresgruppe Mitte oder der Heeresgruppe Süd sich häuften.[88] Erst nach der Einnahme Kiews wurde am 2. Oktober der Vorstoß auf Moskau wieder aufgenommen. Doch schon im Oktober begann es zu regnen, im November setzte Frost mit minus 22° Celsius ein. Daraufhin verlangsamte sich die deutsche Offensive, sie blieb immer häufiger in Schlamm oder Schnee stecken, und der Angriff auf Moskau kam am 5.&#160;Dezember wegen arktischer Temperaturen von bis zu minus 50° Celsius und der sich versteifenden sowjetischen Gegenwehr zum Erliegen. Am Tag darauf setzte eine sowjetische Gegenoffensive mit frischen, für den Winterkrieg ausgerüsteten Einheiten aus Fernost unter dem Befehl von General Schukow ein, wodurch eine Eroberung der Hauptstadt Moskau durch deutsche Truppen verhindert wurde. Die Flucht der Heeresgruppe konnte zwar durch einen unbedingten Haltebefehl Hitlers gestoppt werden, aber sein Ziel, „die Sowjetunion in einem schnellen Feldzug niederzuwerfen“,[89] war misslungen, „Barbarossa“ gescheitert.[90] Die verlorene Schlacht um Moskau war der geopolitische Wendepunkt des Zweiten Weltkrieges, „die eigentliche Zäsur“,[91] weil die Serie der deutschen Blitzsiege abriss. Die Wehrmacht verlor bis Ende Januar 1942 rund ein Drittel ihrer Soldaten. Eine Million Gefallene, Verwundete oder Vermisste konnten nur zur Hälfte ersetzt werden. Noch weit stärkere Verluste hatte die Rote Armee mit bis zu diesem Zeitpunkt rund 3,3 Millionen Gefangenen, einer nicht näher bekannten Zahl von Toten sowie 2,2 Millionen Verwundeten und Kranken.[92]
Deutsche Soldaten in einem brennenden Dorf bei Mahiljou, 16. Juli 1941
Finnland versuchte im Fortsetzungskrieg, mit deutscher Unterstützung die im Winterkrieg an die Sowjetunion verlorenen Gebiete in Karelien zurückzuerobern. Nachdem es dieses Ziel im Sommer 1941 erreicht hatte, blieb Finnland jedoch nicht defensiv, sondern besetzte bis Dezember 1941 umstrittene, nie zuvor finnisch gewesene karelische Gebiete.
Als Reaktion auf den deutschen Angriff marschierten britische und sowjetische Truppen am 25. August 1941 im Rahmen der Anglo-Sowjetischen Invasion in den Iran ein. Ziel des Angriffs waren zum einen die Sicherung der Ölförderung der Anglo-Iranian Oil Company und zum anderen die Übernahme der Transiranischen Eisenbahn, um die sowjetischen Truppen auch auf dem Weg über den Iran mit britischem und US-amerikanischem Nachschub versorgen zu können.
Die Rote Armee hatte sich neu organisiert. Die wichtigsten Großbetriebe der Rüstungsproduktion wurden unerreichbar für die deutsche Luftwaffe an den Ural in Städte wie Ufa und Tscheljabinsk verlegt. Am 16. Dezember gab Hitler den Befehl zum Halten. Bis zum Ende des Jahres wurde die Wehrmacht jedoch weiter zurückgedrängt. Auch die ökonomische Zwischenbilanz fiel Ende 1941 katastrophal schlecht aus: Das Reichskommissariat Ukraine, schrieb zum Beispiel Walter Warlimont an den Chef der Wehrmachtsrüstung, sei ein „völliger Fehlschlag“. Junge, schlecht ausgebildete, „inkompetente“ Beamte würden ein brutales „Herrentum“ praktizieren, die mit Reitpeitschen umherliefen und zu häufig von ihrem Recht Gebrauch machten, jeden Ukrainer erschießen zu lassen. Es sei zu befürchten, dass „sich die Gesamtstimmung des ukrainischen Volkes gegen uns wendet, wenn sie merken, dass es ihnen wesentlich schlechter als vorher geht.“ Die Ausschaltung der Juden in Handel und Handwerk habe das „Rückgrat der Wirtschaft“ zerstört. Dadurch, dass man die russischen Kriegsgefangenen verhungern lasse, werde „Raubbau“ an „verfügbarer menschlicher Arbeitskraft“ getrieben.[93]
Deutsche Soldaten mit MG 34, Ostfront, 1942.
Hitlers „Weisung Nr. 41“ vom 5.&#160;April 1942 („Fall Blau“) legte für die Sommeroffensive fest, dass zunächst Stalingrad an der Wolga, dann der Kaukasusraum bis zur türkischen und iranischen Grenze erobert werden sollte, um die dortigen Erdölzentren in die Hand zu bekommen. Zunächst trat aber im Südabschnitt der Front die Rote Armee zum Gegenangriff an. In der Schlacht bei Charkow wurden im Mai 1942 die angreifenden sowjetischen Verbände vollständig eingeschlossen. Erneut geriet fast eine Viertelmillion sowjetischer Soldaten in Gefangenschaft. Von Mai bis Juli wurden Sewastopol und die Halbinsel Kertsch auf der Krim erobert, die als Sprungbrett für die Offensive bis zum Kaukasus dienen sollten. Dabei gerieten 150.000 Rotarmisten in Gefangenschaft. Weil im Juni 1942 auch Tobruk in Nordafrika fiel (→&#160;Unternehmen Theseus), weckte die NS-Propaganda nach der Krise im Winter nun wieder große Hoffnungen auf einen baldigen Gesamtsieg.[94]
Lagebesprechung im Hauptquartier der Heeresgruppe Süd in Poltawa, 1.&#160;Juni 1942
Ende Juni 1942 begann die Sommeroffensive im Süden der Ostfront zwischen Kursk und Taganrog am Asowschen Meer, deren Bedeutung Hitler noch einmal am 1.&#160;Juni 1942 auf einer Oberbefehlshaber-Besprechung in Poltawa (Heeresgruppe Süd) herausgestellt hatte: „Wenn ich das Öl von Maikop und Grosny nicht bekomme, dann muß ich diesen Krieg liquidieren.“[95] Am 3.&#160;Juli überschritten deutsche Kräfte den Don bei Woronesch. Zwanzig Tage später konnte Rostow am unteren Don erobert werden, doch blieb die Gefangenenzahl gering, da die Rote Armee – im Gegensatz zu 1941 – einen strategischen Rückzug hinter den Don, die Wolga bei Stalingrad und zum westlichen und mittleren Kaukasus einleitete.[96] Am selben Tag, dem 23.&#160;Juli, wurde die „Weisung Nr. 41“ (s.&#160;o.) so abgeändert, dass statt des vorgesehenen Nacheinanders nunmehr gleichzeitige Vorstöße ins Kaukasusgebiet und gegen Stalingrad vorgesehen waren („Weisung Nr. 45“). Im Unterschied zur Weisung vom April, bei der Halders Handschrift zu erkennen war, ging diese Weisung direkt auf eine Entscheidung Hitlers zurück. Der Generalstab hatte sie verhindern wollen. Von da an war eine Niederlage voraussehbar.[97]
Nachschubkonvoi der Alliierten im Iran
Die Heeresgruppe Süd wurde in die Heeresgruppe A (→&#160;Kaukasus) und Heeresgruppe B (→&#160;Stalingrad) geteilt. Die schwächere Heeresgruppe B bekam den Auftrag, Stalingrad zu erobern und danach die Wolga hinunter bis Astrachan, 75&#160;km nördlich vom Kaspischen Meer entfernt, vorzudringen, um so die Fortsetzung des Persischen Korridors zu sperren. Die Heeresgruppe A sollte die Ostküste des Schwarzen Meeres besetzen, dann die Ölquellen von Maikop und Grosny im westlichen Kaukasus in Besitz nehmen und schließlich, weit südlich am Kaspischen Meer, Baku und dessen Ölquellen erobern. Diese Strategie lässt sich „nur als glatter Wahnsinn bezeichnen“.[98] Tatsächlich kam sie nur bis in den Westkaukasus und eroberte das nördlich davon gelegene Maikop, dessen Ölanlagen aber systematisch und fachmännisch zerstört worden waren. Das nächstgelegene und wichtige Erdölgebiet von Grosny, dessen Besitz Hitler als wesentlich für die Weiterführung des Krieges ansah, wurde nicht erreicht. Damit wurde schon Mitte August deutlich, dass das operative Ziel der Heeresgruppe A nicht erreicht werden würde; der Angriff auf die Passhöhen des Kaukasus musste Ende August 1942 eingestellt werden. Auch die Heeresgruppe B konnte ihr strategisches Ziel nicht erreichen, obwohl Hitler am 8. November 1942 im Münchener Löwenbräukeller noch von einem Erfolg gesprochen hatte: „Ich wollte zur Wolga kommen, und zwar an einer bestimmten Stelle, an einer bestimmten Stadt. […] Dort schneidet man nämlich 30 Millionen Tonnen Verkehr ab. […] Es kommt kein Schiff mehr die Wolga hoch. Das ist das Entscheidende.“[99] Zwar eroberte sie fast ganz Stalingrad, wurde dort aber Ende November 1942 von sowjetischen Truppen eingekesselt und musste am 31. Januar 1943 kapitulieren.
Einfluss- und Herrschaftsbereich der Achsenmächte im September 1942
Als Hitler mit Goebbels im Führerhauptquartier Werwolf bei Winniza (Ukraine) am 19. August unter vier Augen sprach, war er dagegen noch übertrieben optimistisch gewesen: Man werde nach den Ölquellen von Maikop, Grosny und Baku auch Kleinasien erobern und danach den Iran, den Irak sowie Palästina, um derart die Briten von ihrer Ölversorgung abzuschneiden. Beim baldigen Angriff auf Stalingrad erwarte er die Eroberung der Stadt innerhalb von acht Tagen.[100] Zur selben Zeit wuchs in der Sowjetunion die Enttäuschung über die ausbleibende Eröffnung einer „zweiten Front“ durch die Alliierten in Westeuropa.[101] Gleichwohl trugen die auf der Basis des Leih- und Pachtgesetzes erfolgten Hilfslieferungen der Amerikaner wesentlich dazu bei, dass die Rote Armee die Kriegführung durchhalten konnte. Dabei waren neben den gelieferten Militärgütern die Nahrungsmittel von Bedeutung. Bei den sowjetischen Soldaten hießen die Büchsen mit festem, rosa Pressfleisch „Zweite Front“. Mehr als die Hälfte der in die UdSSR gelieferten Güter waren an Gewicht gemessen Lebensmittel: „Sie reichten aus, um jeden sowjetischen Soldaten während des gesamten Krieges täglich mit schätzungsweise einem halben Pfund Nahrungskonzentrat zu versorgen.“[102]
Die bisherigen Verluste (mehr als 1 Million Soldaten seit Beginn des Russlandfeldzuges),[103] gigantische Überdehnung der Front, unzureichender Nachschub und massiver sowjetischer Widerstand ließen indes den Vormarsch der Heeresgruppen A und B Anfang September 1942 zum Stillstand kommen. Deswegen kam es zu einer Führungskrise im deutschen Oberkommando, in deren Verlauf der Oberbefehlshaber der Heeresgruppe A, Feldmarschall Wilhelm List, und der Generalstabschef des Heeres, Generaloberst Halder, von Hitler entlassen wurden. Hitler übernahm selbst (bis zum 22. November 1942) den Oberbefehl der Heeresgruppe, Nachfolger Halders wurde General Kurt Zeitzler.[104]
Am 4. Oktober 1942 besprachen Vertreter des sowjetischen Oberkommandos, Georgi Schukow und Alexander Wassilewski, mit den Befehlshabern der um Stalingrad eingesetzten Fronten (sowj. Armeen) die geplante sowjetische Umfassungsoperation, durch die die deutsche 6. Armee im Raum zwischen Wolga und Don eingeschlossen und vernichtet werden sollte.
Partisanenkrieg
Verhaftete Mitglieder der Résistance in Frankreich
Mit dem Einmarsch deutscher Truppen wurde in den verschiedenen Staaten Europas eine Umgestaltung entsprechend den nationalsozialistischen besatzungspolitischen, rassenideologischen und bevölkerungspolitischen Vorstellungen eingeleitet, die die Besatzer mit allen Mitteln der Repression durchzusetzen versuchten. Das betraf vor allem den politischen und militärisch-politischen Widerstand und die jüdische Minderheit, die im gesamten deutschen Machtbereich zum Objekt von Verfolgung und Vernichtung wurde.
Mit dem Generalplan Ost entstand unter Heinrich Himmler, dem Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums, ein umfassendes bevölkerungs- und siedlungspolitisches Konzept zur kolonialistischen „Germanisierung“ der besetzten und noch zu erobernden Ostgebiete. Besonders die Bevölkerung Polens, Serbiens, der Ukraine, Weißrusslands und Russlands sollte demnach „durchaus niedergehalten werden“. Aus der rücksichtslosen Ausplünderung dieser Gebiete ergab sich, dass Millionen der Hungertod drohte, was von den Planern hingenommen, wenn nicht begrüßt wurde. Nach der Entscheidung für den „Arbeitseinsatz“ als dem ökonomisch ergiebigeren Umgang mit der Bevölkerung vor allem der Sowjetunion wurden Millionen Zwangsarbeiter nach Deutschland verschleppt. Repression und Ausbeutung stießen bald auf Widerstand.
Aussiedlung der polnischen Bevölkerung im deutsch besetzten Wartheland, 1939
In den Niederlanden streikten zum Beispiel die Polizei und die Eisenbahner. In Frankreich kam es zu bewaffneten Angriffen. In den Balkanstaaten und in Osteuropa war der Widerstand besonders stark und verteilte sich oft auf verschiedene Gruppierungen. Jugoslawische Partisanen unter der Führung von Tito konnten einzelne zusammenhängende Gebiete befreien, und in Griechenland kontrollierten Partisanen der ELAS, EDES und EKKA die Berge. In der Sowjetunion bekämpften kommunistische und anarchistische Gruppen das deutsche Besatzungsregime. Der Partisanenkrieg in der Sowjetunion war von der Roten Armee schon vor dem Krieg geplant worden; entsprechende Einheiten wurden aufgestellt, die nach der Eroberung eines Gebietes den Widerstand gegen die Besatzer im Hinterland der Front weiterführen sollten.
Hingerichtete Partisanen in der Sowjetunion, Januar 1943
Im Allgemeinen war der Partisanenkrieg durch zahlreiche Verstöße gegen das Kriegsrecht gekennzeichnet. Die Partisanen machten meistens keine Gefangenen oder zwangen sie zum Überlaufen. Auf deutscher Seite enthielt der Kommissarbefehl die Anweisung, Politkommissare der Roten Armee nicht als Kriegsgefangene zu behandeln, sondern sie „nach durchgeführter Absonderung zu erledigen“.[105] So nahm der Partisanenkrieg in Osteuropa seinen Anfang als systematischer Ausrottungskrieg. In Griechenland (Kefalonia, Chortiatis), Frankreich (Oradour, Maillé) oder Italien (Marzabotto, Caiazzo) kam es zu vereinzelten Massakern an der Zivilbevölkerung.
Kriegseintritt der USA, Dezember 1941
→ Hauptartikel: Eintritt der Vereinigten Staaten in den Zweiten Weltkrieg
Zerstörte Flugzeuge nach dem Angriff auf Pearl Harbor, 7.&#160;Dezember 1941
Die Vereinigten Staaten hatten in dem Konflikt zunächst formal Neutralität gewahrt. Die isolationistische Grundstimmung in der US-Bevölkerung ermöglichte es Präsident Roosevelt nicht, direkt an der Seite Großbritanniens und der Sowjetunion in den Krieg einzugreifen.
Japan nutzte den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs in Europa zur Besetzung des nördlichen Teils von Französisch-Indochina, zwang Großbritannien zur Schließung der Burmastraße und schloss im September 1940 in Berlin den Dreimächtepakt mit Deutschland und Italien, der dazu dienen sollte, die USA von einem Kriegseintritt abzuhalten. Der Kongress der USA schuf mit dem Leih- und Pachtgesetz vom 11.&#160;März 1941 die legale Grundlage für die vorher bereits praktizierte Unterstützung Großbritanniens. Am 31.&#160;Juli 1941 froren die USA, Großbritannien und die Niederlande die finanziellen Mittel Japans ein, was praktisch einem Embargo gleichkam, sodass die Führung des japanischen Kaiserreichs in einem Krieg gegen die USA, Großbritannien und die Niederlande die einzige Möglichkeit sah, ihre imperialistischen Ambitionen in Südostasien abzusichern.
Nach dem Angriff Japans auf die US-Pazifikflotte in Pearl Harbor am 7.&#160;Dezember 1941 und den am 11.&#160;Dezember erfolgten Kriegserklärungen Deutschlands und Italiens befanden sich die USA auch offiziell im Kriegszustand mit den Achsenmächten. Trotz des japanischen Angriffs und unmittelbar nach der Beantragung der Kriegserklärung an Japan im Kongress erinnerte Roosevelt seine Berater daran, dass Deutschland das Hauptziel bleibe.[106] Der Grundsatz „Germany first“ wurde während der Arcadia-Konferenz mit dem Entschluss, Deutschland als den gefährlichsten und von GB und der UdSSR auch einzigen direkt erreichbaren Gegner zuerst zu besiegen, bestätigt. Außerdem würde die Niederringung Deutschlands auch den Zusammenbruch Japans über kurz oder lang herbeiführen.[107] Zu ersten Kampfhandlungen zwischen US-amerikanischen und deutschen Truppen kam es Ende 1942 in Nordafrika.
Siehe auch: Operation Jubilee
Erwin Rommel westlich von Tobruk, 16. Juni 1942
Kriegsschauplatz Nordafrika, 1940 bis 1943
→ Hauptartikel: Afrikafeldzug
Italienische Panzer M13/40 in Nordafrika, April 1941
Ähnlich wie auf dem europäischen Kriegsschauplatz mussten die Italiener in Nordafrika schwere Rückschläge gegen die Briten hinnehmen. Die italienische Offensive gegen Ägypten im September 1940 kam bereits nach 100 Kilometern infolge der Zerstörung der Nachschubbasen in Libyen und Ägypten zum Erliegen. In der folgenden britischen Gegenoffensive gerieten gegen Ende des Jahres 1940 130.000 Italiener in britische Gefangenschaft.
Britischer Panzer Valentine in Nordafrika, April 1941
Der deutsche Generalleutnant Erwin Rommel bekam deshalb im Februar 1941 den Auftrag, mit zwei Infanteriedivisionen und einer Panzerdivision des neu aufgestellten Deutschen Afrikakorps den erfolglosen Bündnispartner bei dessen Verteidigung zu unterstützen. Rommel hielt eine defensive Haltung für unangebracht, stattdessen wollte er angreifen. Am 31.&#160;März begann Rommel den Vormarsch. Schon am 10.&#160;April standen deutsche Panzer vor der ostlibyschen Hafenstadt und Festung Tobruk, die kurz zuvor noch von den Italienern ausgebaut und dann beinahe kampflos geräumt worden war. Nach drei erfolglosen Angriffen musste Rommel vorerst die Eroberung Tobruks zurückstellen. Auch weitere Vorstöße konnten auf Grund von Versorgungsengpässen nicht durchgeführt werden, sodass beide Seiten zu einem Stellungskrieg übergingen. Im November 1941 griffen die Briten wieder an, wobei es der Besatzung von Tobruk endlich gelang, den Belagerungsring zu sprengen. Am 7.&#160;Dezember zog sich das Afrikakorps zur Gazala-Linie (60&#160;km westlich von Tobruk) zurück. Nachdem Tobruk einer Eroberung durch das Afrikakorps widerstehen konnte, griff Rommel erst im nächsten Jahr wieder an.
Am 26. Mai 1942 befahl Rommel das Unternehmen Theseus, um Tobruk zu erobern. Nach schweren Panzergefechten gelang es den Achsenmächten am 10.&#160;Juni Bir Hacheim einzunehmen. Danach wurden Stadt und Festung am 20.&#160;Juni besetzt, wofür Rommel als jüngster Offizier der Wehrmacht die Beförderung zum Generalfeldmarschall erhielt. Die deutschen und italienischen Erfolge wurden durch die Verlegung großer Teile der britischen Mittelmeerflotte in den Indischen Ozean für den Krieg gegen Japan begünstigt.[108] Ziele des weiteren Vormarsches durch die Libysche Wüste waren Alexandria und der Sueskanal. Kurz vor der ägyptischen Bahnstation von El-Alamein hatten die Briten einen 7&#160;Kilometer breiten Verteidigungsgürtel zwischen Mittelmeer und Qattara-Senke aufgebaut, in dem bei der ersten Schlacht von El-Alamein die Offensive der Achsenmächte steckenblieb (Juli 1942). Am 23.&#160;Oktober 1942 befahl der neue britische Befehlshaber Bernard Montgomery den Gegenangriff zur zweiten Schlacht von El-Alamein. Das zahlenmäßig unterlegene Afrikakorps musste den Rückzug antreten.
Italienische und deutsche Soldaten auf dem Marsch in die Kriegsgefangenschaft, Tunesien 1943
Die Lage der deutschen Truppen in Nordafrika wurde aussichtslos, nachdem am 8.&#160;November 1942 in der Operation Torch alliierte Truppen in Casablanca und Algier gelandet und somit die deutschen und italienischen Truppen in Nordafrika von zwei Seiten in die Zange genommen waren. Am 13.&#160;November fiel Tobruk wieder in britische Hand, am 23. Januar 1943 Tripolis.
Deutsche und italienische Truppen rückten im November 1942 in Tunesien ein, um Briten und US-Amerikanern zuvorzukommen. Im Februar 1943 konnte Rommel den US-Amerikanern in der Schlacht am Kasserinpass nahe der tunesisch-algerischen Grenze eine schwere Niederlage zufügen, aber deren weiteres Vordringen dennoch nicht aufhalten.[109] Im März und April wurden die Truppen der Achsenmächte im Tunesienfeldzug eingekesselt. Lediglich an der Mareth-Linie wurde noch erbitterter Widerstand geleistet. Am 12.&#160;Mai 1943 – Rommel war inzwischen aus Nordafrika abberufen worden – kapitulierten dessen Nachfolger, General von Arnim, und sein Stab in Hammamet (Tunesien). Am 13. Mai ergab sich die italienische 1. Armee. Fast 250.000 deutsche und italienische Soldaten gerieten bei Tunis in Kriegsgefangenschaft.[110] Die deutsche Bevölkerung reagierte entsetzt auf die hohen deutschen Verluste in Nordafrika, die als endgültige Kriegswende gedeutet wurden. Hinter vorgehaltener Hand sprach man von einem „zweiten Stalingrad“ oder von „Tunisgrad“. Auch die Gesamtbilanz des Krieges in Nordafrika wies einen eindeutigen Sieger aus: US-Amerikaner, Briten und Franzosen hatten insgesamt etwa 220.000 Mann an Gefallenen, Verwundeten und Vermissten einschließlich Gefangenen zu beklagen. Bei Deutschen und Italienern summierten sich die Verluste auf 620.000 Mann.[111]
Italien 1943 und 1944
→ Hauptartikel: Italienfeldzug (Zweiter Weltkrieg)
Nach dem Erfolg in Tunesien entschieden sich Großbritannien und die USA zunächst für eine Landung auf Sizilien, um dadurch den Seeweg zwischen Ägypten und Gibraltar zu öffnen – was zu einer Verkürzung der bisherigen Schifffahrtsrouten um Afrika herum führen würde.[112] Die sowjetische Führung hätte bevorzugt, dass Briten und Amerikaner die zweite Front in Frankreich eröffnet hätten, weil sie sich davon eine stärkere Entlastung für die eigene Front erhoffte, doch Churchill lehnte ab, weil es für eine Invasion im Westen im Jahre 1943 aus seiner Sicht noch zu früh war. Aber auch durch diese Landung im Süden Europas war dem Deutschen Reich eine Verstärkung der Ostfront im Sommer 1943 nicht mehr möglich.[113] Am 10. Juli 1943 landeten Amerikaner und Briten unter dem Oberbefehl Dwight D. Eisenhowers im Südosten Siziliens (Operation Husky). Daraufhin brach Hitler am 13. Juli das Unternehmen Zitadelle ab und verlegte am 17. Juli gegen den Willen Mansteins das II. SS-Panzerkorps aus Russland nach Italien.[114] So zeigte die Landung auf Sizilien doch gewisse Wirkung, wenn es auch nicht die von Stalin gewünschte zweite Front war.[115] Der Große Faschistische Rat beschloss auf einer Sitzung am 24. Juli 1943 mit 28:19 Stimmen die Rückkehr Italiens zu verfassungsmäßigen Zuständen. Die Mehrheit versprach sich davon bessere Bedingungen der Alliierten im Falle einer Kapitulation Italiens. Am folgenden Tag ließ König Viktor Emanuel III., in Absprache mit Dino Grandi und dessen Verbündeten, Mussolini nach einem Besuch im Königspalast von Carabinieri verhaften. Als neuer Ministerpräsident wurde Pietro Badoglio ernannt.[114] Im Unternehmen Lehrgang verließen am 17. August 39.000 deutsche und 62.000 italienische Soldaten Sizilien und setzten über die Straße von Messina auf das italienische Festland über.
Mussolini beim Verlassen des Hotels Campo Imperatore, 12. September 1943
Durch deutsche Soldaten bewachte und entwaffnete italienische Soldaten in Bozen, September 1943
Dort landeten am 3.&#160;September bei Reggio Calabria zwei britische Divisionen gegen nur geringen Widerstand der Verteidiger. Am selben Tag schloss die neue italienische Regierung mit den Alliierten den Waffenstillstand von Cassibile, der fünf Tage später von Eisenhower über „Radio Algier“ bekanntgegeben wurde. Daraufhin wurde der Fall Achse ausgelöst, in dem 20 deutsche Divisionen die Hälfte des italienischen Heeres entwaffneten und internierten. Am 12.&#160;September gelang es 72 deutschen Fallschirmjägern in einer Kommandoaktion, Mussolini aus seiner Gefangenschaft im Hotel Campo Imperatore zu befreien. Er proklamierte die Repubblica Sociale Italiana, die er von der kleinen Stadt Salò am Gardasee aus führte und ließ den Kampf gegen die Alliierten an deutscher Seite fortsetzen. Den Begriff „faschistisch“ hielt er inzwischen für so wenig werbewirksam, dass er im Staatsnamen auf ihn verzichtete.[114] Als sich die auf der griechischen Insel Kefalonia stationierten italienischen Soldaten ihrer Entwaffnung widersetzten, wurden zwischen dem 18. und dem 23.&#160;September etwa 5000&#160;Italiener gefangengenommen und von deutschen Gebirgsjägertruppen erschossen. Am 13. Oktober erklärte die Badoglio-Regierung dem Deutschen Reich den Krieg. An der Seite der offiziellen italienischen Verbände operierte auch eine Partisanenarmee von 256.000 Frauen und Männern.
Deutsche Verteidigungslinien in Unteritalien
Der Vormarsch der Alliierten in Süditalien erfolgte nur sehr langsam. Deutsche Soldaten verteidigten ihre Stellungen bis zum Äußersten, während im Hinterland schon die nächsten Verteidigungsstellungen ausgehoben wurden. An der Gustav-Linie zwischen Ortona an der Adria und dem Golf von Gaeta am Tyrrhenischen Meer blieben im Winter 1943/44 die alliierten Angriffe erfolglos; auch eine US-amerikanische Landung Ende Januar 1944 bei Anzio und Nettuno nördlich, d.&#160;h. im Rücken, der Gustav-Linie führte nicht zum Ziel. Zusätzliche deutsche Divisionen wurden nach Italien verlegt.
Ruinen von Monte Cassino, Mai 1944.
Am 15. Februar 1944 wurde während der Schlacht um Monte Cassino das bis dahin von den Deutschen nicht besetzte Bergkloster, das eine strategische Lage in der Gustav-Linie hatte, aus der Luft bombardiert und zwei Tage später durch Artilleriebeschuss völlig zerstört. 50.000 deutsche Verteidiger, darunter viele Veteranen der Landung auf Kreta, verschanzten sich daraufhin in den und um die Ruinen des Klosters, das von 200.000 alliierten Soldaten aus elf Nationen[116] erfolglos angegriffen wurde. Vorher hatte Churchill angekündigt, Italien sei „der weiche Unterleib Europas.“[117] Erst drei Monate später, am 18.&#160;Mai, eroberten neuseeländische, indische und polnische Truppen Monte Cassino.[118]
Nachdem das Hindernis Monte Cassino überwunden war, vereinten die Alliierten am 25.&#160;Mai ihre beiden Fronten nördlich und südlich der Gustav-Linie und begannen, weiter nach Norden vorzurücken. Generalfeldmarschall Albert Kesselring, Oberbefehlshaber der Heeresverbände in Italien, ließ Rom zur offenen Stadt erklären. Am 5. Juni besetzten daraufhin alliierte Truppen kampflos die Stadt.[119] Die Hoffnung der Alliierten, die Wehrmacht danach bis in die Alpen zurückdrängen zu können, wurde an der Verteidigungslinie in den nördlichen Apennin zwischen La Spezia am Mittelmeer und Rimini an der Adria vorerst zerschlagen, sodass 1944 der Krieg in Italien „noch längst nicht zu Ende war, aber am Ausgang dieses Kampfes konnte es im Frühsommer 1944 keine ernsthaften Zweifel mehr geben.“[120]
Von Stalingrad bis Leningrad, Oktober 1942 bis März 1944
Deutscher Luftangriff auf Stalingrad, 1942
Das Zentrum von Stalingrad, 2.&#160;Februar 1943
Trotz der angespannten Kräfte- und Nachschubsituation hatte Hitler am 23.&#160;Juli 1942 in Abänderung des ursprünglichen Plans („Fall Blau“) und gegen teilweise erhebliche Bedenken der Generalität neben der südlichen Offensive in Richtung des Kaukasusgebietes eine gleichzeitige Offensive gegen Stalingrad befohlen (siehe auch Abschnitt Der Krieg gegen die Sowjetunion bis Stalingrad). Die Heeresgruppe Süd wurde deswegen in die Heeresgruppe A (→&#160;Kaukasus) und Heeresgruppe B (→&#160;Stalingrad) aufgeteilt. Ursprünglich sollte zuerst Stalingrad als Verkehrsknotenpunkt und danach das Kaukasusgebiet mit seinen Ölquellen erobert werden. Aus dem Nacheinander wurde die Gleichzeitigkeit zweier Offensiven mit gefährlich überdehnten Flanken. Eine deutsche Panzerabteilung erreichte am Abend des 23.&#160;August 1942 die Wolga; am selben Tag bombardierten 600 Maschinen der Luftwaffe Stalingrad und die ersten Einheiten der 6.&#160;Armee konnten in die Außenbezirke der Stadt eindringen. In erbitterten Einzelkämpfen in den Häusern und Straßen kamen die Deutschen nur unter hohen Opfern voran. Schließlich beherrschte die 6. Armee zwar etwa 90&#160;Prozent der in einen Trümmerhaufen verwandelten Stadt, die vollständige Inbesitznahme misslang jedoch. Einen schmalen, westlichen Uferstreifen der Wolga, an dem ständig neue Truppen angelandet wurden, konnten die sowjetischen Verteidiger unter hohen Verlusten halten.
Sowjetischer Soldat nach dem Sieg der Roten Armee in Stalingrad, Ende Januar/Anfang Februar 1943
Gegenoffensive 1943–1945
Am 19. November begann die Großoffensive der Roten Armee (Operation Uranus) gegen die rumänischen und deutschen Linien weit nordwestlich und südlich von Stalingrad mit einer riesigen Umzingelungsbewegung. Wenige Tage später vereinigten sich die sowjetischen Panzerspitzen bei Kalatsch am Don.[121] Damit war die 6.&#160;Armee weiträumig eingekesselt. Die von Göring versprochene Luftversorgung war nicht durchführbar. Die deutschen Verbände waren recht unbeweglich und völlig unterversorgt. Ein Entsatzangriff der 4.&#160;Panzerarmee (Unternehmen Wintergewitter), der bis zu 48&#160;Kilometer an den Belagerungsring heranführte, musste am 23.&#160;Dezember abgebrochen werden. Generaloberst Paulus schätzte einen Ausbruchsversuch wegen mangelnder Treibstoffreserven als unmöglich ein, fühlte sich an den Haltebefehl Hitlers gebunden und gab weder einen Befehl zum Ausbruch aus dem Kessel noch wollte er kapitulieren. Am 10.&#160;Januar 1943 eröffneten daraufhin sieben sowjetische Armeen den Angriff auf die Stadt. Bis zum 23. Januar eroberten sie die Flugplätze Pitomnik und Gumrak. Am 24. Januar gelang es ihnen, den Kessel in eine nördliche und eine südliche Hälfte zu spalten. Am 25. Januar verließ die letzte Ju 52 den Behelfsflugplatz Stalingradski. Am 31. Januar ging Paulus, zwischenzeitlich zum Generalfeldmarschall befördert, angesichts der aussichtslosen Lage in sowjetische Gefangenschaft, ohne eine Gesamtkapitulation der 6.&#160;Armee auszusprechen. Es folgten ungeregelte Teilkapitulationen von Einheiten des Südkessels; der Nordkessel kämpfte noch bis zum 2.&#160;Februar. In der Schlacht um Stalingrad kamen, je nach Quelle, zwischen 700.000 und 1,5 Millionen Menschen ums Leben. Die sowjetischen Verluste betrugen 500.000 Tote, die deutsche Armee und ihre Verbündeten verloren – Tote und Gefangene zusammengerechnet – eine halbe Million Mann. Als die BBC die Gefangennahme von 91.000 deutschen Soldaten gemeldet hatte, verbreitete sich in Deutschland die Nachricht, dass Goebbels die Bevölkerung angelogen hatte, als er im Rundfunk verkündete, die gesamte 6. Armee sei kämpfend untergegangen. Der Schock dieser Niederlage war unbeschreiblich.[122] Schätzungen nennen 5.000&#160;Soldaten der Wehrmacht, die nach dem Krieg nach Deutschland zurückkehrten, unter ihnen Generalfeldmarschall Paulus, sein Stabschef und die meisten anderen hohen Offiziere.
Die Schlacht von Stalingrad war, nach der Niederlage gegen die Briten bei El-Alamein im Oktober 1942 (s.&#160;o.), die zweite, noch größere Katastrophe der deutschen Wehrmacht. Sie war der psychologische Wendepunkt des Zweiten Weltkrieges. Von nun an ging es an allen Fronten unaufhaltsam zurück, und ab diesem Zeitpunkt nahmen die Zweifel der Deutschen am „Endsieg“ massiv zu, ungeachtet der Sportpalastrede von Goebbels am 18.&#160;Februar&#160;1943 mit dem Aufruf zum „totalen Krieg“ und der frenetischen Zustimmung ihrer ausgewählten Zuhörer. So kommt Heinz Boberach, der Herausgeber der Meldungen aus dem Reich, zu dem Befund, „dass mit der Niederlage von Stalingrad 1943 ein Stimmungsumschwung begonnen hat, der durch die Kapitulation der deutschen Truppen in Nordafrika (im Mai 1943) und die Steigerung der Luftangriffe noch verstärkt wurde“.[123] Am 16.&#160;Februar wurde die Stadt Charkow von Truppen der Wehrmacht und Waffen-SS unter dem Befehl von SS-Obergruppenführer Paul Hausser gegen den Befehl Hitlers aufgegeben, um einer drohenden Einkesselung zu entgehen.
Rotarmisten folgen T34-Panzern bei einem Gegenangriff während der Schlacht bei Kursk, August 1943.
Am 21.&#160;Februar begann eine deutsche Gegenoffensive. Bis zum 14.&#160;März wurde das Gebiet bis zum mittleren Donezk einschließlich Charkows zurückerobert. Dabei wurden erhebliche Geländegewinne erzielt, dem Gegner hohe Verluste beigebracht und wieder eine geschlossene Front hergestellt. Ein im Frühjahr 1943 potentiell bevorstehender Zusammenbruch der Ostfront wurde so verhindert. Eine weitere Offensive im Sommer, das Unternehmen Zitadelle, sollte den Frontbogen bei Kursk ausräumen, große Teile der Roten Armee einkesseln und schwankende Verbündete nach der Niederlage bei Stalingrad von Deutschlands Stärke überzeugen.[124] Das Unternehmen gipfelte in der größten Panzerschlacht der Geschichte. Der monatelang vorbereitete Angriff war jedoch von der Roten Armee vorausgesehen worden, die sich durch tiefe Verteidigungsstellungen vorbereitet hatte, und blieb nach einigen Tagen stecken. Der deutsche Vorstoß wurde auf dem Höhepunkt der Schlacht abgebrochen. Die sowjetische Gegenoffensive bei Orel, die ihrerseits das Ziel verfolgte, Teile der Heeresgruppe Mitte einzukesseln, und die Verlegung des II. SS-Panzerkorps nach Italien aufgrund der am 10.&#160;Juli erfolgten Landung der Westalliierten auf Sizilien (Operation Husky) waren die entscheidenden Gründe für den Abbruch des Unternehmens Zitadelle.[125]
Die im Unternehmen Zitadelle verlorenen deutschen Panzerreserven konnten nicht mehr ersetzt werden, die Verluste bedeuteten damit die endgültige Kriegswende zugunsten der Sowjetunion. Nach mehreren sowjetischen Gegenoffensiven in den folgenden Monaten musste die Wehrmacht an der gesamten Front den Rückzug antreten, wobei auch die Schlacht um die Krim mit einer deutschen Niederlage endete. Weitere größere Schlachten waren die Schlacht am Dnepr und die Dnepr-Karpaten-Operation. Am Ende des Jahres 1943 war Kiew wieder in der Hand der Sowjetunion.
Rückzug deutscher Truppen am Ilmensee, Februar 1944
Mitte Januar 1944 verlief die Ostfront von Leningrad im Norden über die Pripjet-Sümpfe bis zur Krim im Süden.[126] In der am 14. Januar 1944 begonnenen Leningrad-Nowgoroder Operation wurde der deutsche Belagerungsring um Leningrad im gleichen Monat gesprengt. Die folgende sowjetische Frühjahrsoffensive brachte weitere Gebietsgewinne, und die Wehrmacht musste sich bis zum Peipussee zurückziehen. Am 12.&#160;Mai war die Krim wieder in sowjetischer Hand. Am 9.&#160;Juni begann die Offensive an der finnischen Front auf der Karelischen Landenge. Ende Juni kam dieser Angriff auf Höhe der alten Grenze von 1940 zum Stillstand.
Von der Invasion bis zum Kriegsende, Juni 1944 bis Mai 1945
Deutsche Soldaten an einer leichten Feldhaubitze auf Drehsockel in Nordfrankreich, 1944
Into the Jaws of Death: US-amerikanische Soldaten landen am Omaha Beach, 6.&#160;Juni 1944
Westfront 1944/45
→ Hauptartikel: Deutsche Westfront 1944/1945
Mit Jahresbeginn übernahm Erwin Rommel den Oberbefehl der deutschen Heeresgruppe&#160;B an der Westfront nördlich der Loire. Am 21.&#160;Januar 1944 begann die deutsche Luftwaffe wieder mit Angriffen auf London, die bis zum April fortgesetzt wurden. Während die Alliierten damit beschäftigt waren, riesige Mengen Versorgungsmaterial anzuhäufen, verstärkten die Deutschen ihre Küstenbefestigungen am Atlantikwall.
Der Plan für die Operation Overlord ging auf schon 1941 erarbeitete Invasionspläne zurück und war vom britischen Lieutenant General (Generalleutnant) Sir Frederick E. Morgan für die endgültige Fassung überarbeitet worden. Der Plan sah vor, mit vier Armeen zu landen und dann schnell ins Landesinnere vorzustoßen. Hitler und der deutsche Planungsstab waren unzureichend auf die Invasion eingestellt. Sie erwarteten die Landung am Pas-de-Calais, der engsten Stelle des Ärmelkanals. Das Gebiet von Calvados, wo die Alliierten schließlich an Land gingen, wurde stellenweise nur mit einigen Metern Stacheldraht und wenigen MG-Nestern verteidigt. Andere Abschnitte waren trotz der falschen Erwartungen des OKW über den Ort der Invasion dennoch recht schwer befestigt. Das Invasionsgebiet war aufgeteilt in fünf Landungsabschnitte mit den Decknamen Juno, Gold, Sword (britisch/kanadische Landungsabschnitte), sowie Utah und Omaha (US-amerikanische Landungsabschnitte). Die Bombardierungen der Küste aus der Luft und Beschießungen von See verliefen planmäßig, verfehlten bei Omaha jedoch die erste deutsche Linie. Das führte, zusammen mit der Tatsache, dass die Deutschen dort zwei Divisionen statt der nur einen vermuteten Division zur Verfügung hatten, zu sehr schweren Verlusten (etwa 70 Prozent) der ersten Welle der anlandenden Soldaten.
Am 6. Juni 1944, dem so genannten D-Day, und danach waren an der Operation Neptune, dem eigentlichen Invasionsunternehmen, fast 6.700 Schiffe und über 14.000&#160;Flugzeuge beteiligt, die insgesamt 156.115 alliierte Soldaten aus den USA, Kanada und Großbritannien an Land setzten.[127] Am frühen Morgen des 6.&#160;Juni starteten mehrere Luftlandeeinheiten (die 82. und 101. US-Luftlandedivision) zu ihren Einsätzen in das Hinterland. Wegen Navigationsfehler und überraschend starken deutschen Flakfeuers erreichten viele Maschinen nicht die vorgesehenen Absprungzonen, sodass die Fallschirmspringer über weiten Teilen der Halbinsel Cotentin abgesetzt wurden.
Toter deutscher Soldat in Frankreich, Juni 1944
Obwohl die Alliierten gewaltige Kräfte aufgeboten hatten, kamen sie stellenweise nur sehr langsam voran. Andererseits gelang es der deutschen Seite aufgrund der alliierten Luftüberlegenheit und des großflächig zerstörten Schienennetzes nicht, schnell zusätzliche Einheiten in das Kampfgebiet der Normandie zu verlegen. Cherbourg im Norden der Cotentin-Halbinsel ging am 26.&#160;Juni nach starkem amerikanischen Artilleriebeschuss und heftigen Straßenkämpfen (→&#160;Schlacht um Cherbourg) verloren.
Die Einnahme von Caen, einem Primärziel des ersten Landungstages, erwies sich für die alliierten Truppen der Briten und Kanadier an der Ostseite des Normandie-Brückenkopfes als ungleich schwieriger (→&#160;Schlacht um Caen). Erst nach sechs Wochen verlustreicher Kämpfe konnten sie die Stadt am 19. Juli vollständig besetzen.
Am 15. August begann eine zweite Invasion in Südfrankreich an der Côte d’Azur zwischen Toulon und Cannes (Operation Dragoon). An der Landung waren 880&#160;alliierte Seeschiffe, darunter vier Flugzeugträger, sechs Schlachtschiffe, 21&#160;Kreuzer und über 100&#160;Zerstörer, insgesamt 34&#160;französische Schiffe und 1370&#160;Landungsboote sowie ungefähr&#160;5000&#160;Flugzeuge beteiligt. Drei US-amerikanische Divisionen bildeten die Angriffstruppen. Die US-amerikanischen und französischen Truppen stießen kaum auf Widerstand und rückten zügig durch das Rhône-Tal nach Norden vor. Im September hatten sie bereits die Vogesen und das Elsass erreicht.
Ruinen im Hafengebiet von Caen, Juni 1944
In der Normandie unternahmen die Amerikaner am 25.&#160;Juli einen Ausbruchsversuch aus ihrem Brückenkopf-Sektor (→&#160;Operation Cobra), der in den Folgetagen im Westen zur Abschnürung der Cotentin-Halbinsel bis nach Avranches führte. Im Osten konnten US-amerikanische Einheiten bei Saint-Lô nach anfänglicher Verzögerung schnell die deutsche Front durchbrechen. Am 6.&#160;August starteten die Deutschen zwar unter dem leitenden Oberbefehlshaber West, Generalfeldmarschall Günther von Kluge, einen Gegenangriff bei Mortain (→&#160;Unternehmen Lüttich). Dieser wurde aber schon nach zwei Tagen wieder gestoppt, was mit Hilfe der nördlich kämpfenden Briten und Kanadier zum Kessel von Falaise führte.
Am 25. August wurde Paris befreit (→&#160;Schlacht um Paris). Der deutsche Stadtkommandant, General Dietrich von Choltitz, hatte Hitlers Befehl, die Stadt bis zum letzten Mann zu verteidigen und dann zu zerstören, nicht ausgeführt und ergab sich mit seinen Truppen aus Mangel an Waffen kampflos.[128] Wegen der enormen Materialfülle und absoluten Luftherrschaft konnten deutsche Truppenansammlungen zu jeder Zeit zerschlagen werden, und die Alliierten kamen in der Folgezeit recht zügig voran. Zwar überdehnten sie bei ihrem schnellen Vorstoß zum deutschen Westwall ihre Versorgungslinien, aber nach dem Aufbau neuer, schneller Nachschubwege (→&#160;Red Ball Express) gelang es vor allem, den in großen Mengen benötigten Treibstoff bereitzustellen. Bereits am 3.&#160;September fiel Brüssel und am Tag darauf konnte Antwerpen besetzt werden. Einzig bei der Luftlandeoperation Market Garden konnte das II.&#160;SS-Panzerkorps Amerikanern, Briten und Polen[129] bei und in Arnheim noch einmal eine schwere Niederlage beibringen.
Nach dem Verlust der Atlantikhäfen am Ärmelkanal und vor allem in der Bretagne (→&#160;Schlacht um die Bretagne) setzte die deutsche Marine ihren U-Boot-Krieg von Norwegen aus fort. Bis zum 1.&#160;September griffen die Deutschen von Abschussrampen in Nordfrankreich aus mit Marschflugkörpern (V1) und Raketen (V2) London an. Beide Typen, von denen 9300 bzw. 3000 gestartet wurden[26], waren für die Bekämpfung von Einzelzielen zu ungenau und konnten daher nur gegen große Städte eingesetzt werden. Mit Arbeiten an dem Projekt Friesenwall sollte dem direkten Eindringen der Alliierten an der deutschen Nordseeküste entgegengewirkt werden. Er wurde jedoch nicht fertiggestellt.
Amerikanische Truppen beim Parademarsch in Paris, 29.&#160;August 1944
Am 21. Oktober eroberten US-Soldaten nach heftigen Kämpfen Aachen als erste deutsche Großstadt und stießen von dort bis zur Rur vor, wurden aber im Hürtgenwald in äußerst verlustreiche Kämpfe verwickelt. Die Schlacht im Hürtgenwald wurde die längste Schlacht (Oktober 1944 bis Februar 1945), die je auf deutschem Boden tobte. Für die Amerikaner war es der verlustreichste Kampf auf dem europäischen Kriegsschauplatz.[130] Das stark bewaldete, hügelige Gebiet und die schlechte sowie sehr kalte Witterung begünstigten die deutschen Verteidiger, so dass die amerikanischen Soldaten ihre materielle Überlegenheit nicht ausspielen konnten. Erst im Februar 1945 gelang es der US-Armee, weiter zum Rhein vorzurücken. Auch im Süden, in Lothringen und im Elsass, blieb es bei Teilerfolgen für die Alliierten: die Festung Metz und Straßburg wurden besetzt. Am 16.&#160;Dezember eröffneten die Deutschen die Ardennenoffensive, um die Oberhand im Westen zurückzugewinnen. Das Operationsziel, die Linien der Alliierten zu spalten, in breiter Front nach Belgien vorzustoßen und den alliierten Nachschubhafen Antwerpen zu besetzen, konnte nicht einmal annähernd erreicht werden. Zum Jahreswechsel 1944/45 war nicht mehr zu übersehen, dass die Offensive stecken geblieben war, nachdem auch das Unternehmen Bodenplatte gescheitert war.[131]
Da in der Ardennenoffensive und beim Unternehmen Nordwind (31. Dezember 1944 bis 25. Januar 1945 im Elsass und in Lothringen) die letzten Treibstoff-Reserven aufgezehrt wurden, waren Luftwaffe, Heer und Marine an allen Kriegsschauplätzen danach weitgehend bewegungslos, weil die deutschen Hydrierwerke in der zweiten Jahreshälfte 1944 immer wieder bombardiert worden waren. Es nützte nichts, dass immer noch viele Panzer und Flugzeuge fertiggestellt wurden.
Am 7. März 1945 erreichten US-Soldaten die nicht vollständig zerstörte Brücke bei Remagen südlich des Ruhrgebiets, sodass sie einen Brückenkopf auf dem rechtsrheinischen Ufer einrichten konnten.
US-Soldaten an der Brücke bei Remagen.
Am 23. März begann die Operation Plunder zur Rheinüberquerung nördlich des Ruhrgebiets bei Wesel durch britische, amerikanische und kanadische Soldaten. Die Heeresgruppe B der Wehrmacht unter Feldmarschall Walter Model mit über 320.000 Soldaten – mehr als in Stalingrad – wurde am 1.&#160;April im sogenannten Ruhrkessel eingeschlossen. Damit war der Krieg im Westen, militärisch gesehen, endgültig verloren. Die Heeresgruppe B kapitulierte am 18.&#160;April, weil zwei Drittel der Soldaten ohne Waffen waren und in hellen Scharen desertierten.[132] Am selben Tag nahmen US-Truppen Magdeburg ein, einen Tag später Leipzig.
Zwei US-Soldaten fliehen bei Explosion eines Benzintankanhängers, Kronach, 14.&#160;April 1945.
In der Nacht vom 16. auf den 17.&#160;April 1945 eroberten französische Truppen unter dem Befehl von General Jean de Lattre de Tassigny Freudenstadt. US-amerikanische Luftangriffe und französischer Artilleriebeschuss hatten vorher das Zentrum der Stadt fast vollständig zerstört. Beim Einmarsch der französischen Truppen gab es zahlreiche Ausschreitungen gegenüber der Zivilbevölkerung (Plünderungen und Vergewaltigungen durch marokkokanische Soldaten).[133] Die französischen Truppen zogen weiter in Richtung Rottweil und Stuttgart. Zugleich rückte die britische Armee vom Niederrhein aus zügig nach Norddeutschland vor.
Amerikanische und sowjetische Truppen bei Torgau an der Elbe, 25. April 1945
Am 25. April trafen sich US-amerikanische und sowjetische Truppen südlich von Torgau an der Elbe. Damit waren die auf ihrem Heimatboden und in angrenzenden Gebieten kämpfenden deutschen Truppen in zwei voneinander getrennte Kampfräume gespalten.[134] Am 26.&#160;April fiel Bremen an die Briten. In rascher Folge nahmen sie Lübeck (2.&#160;Mai) und Hamburg (3.&#160;Mai), während britisch-kanadische Truppen in Wismar einmarschierten.
Am 5. Mai kapitulierte Generaloberst Blaskowitz, dessen Truppen in Holland eingekesselt waren. Während die britischen Einheiten Norddeutschland eroberten, drangen US-Truppen rasch nach Süddeutschland und weiter nach Tirol vor, „oft als Befreier begrüßt […]. Viele Soldaten ließen sich einfach überrollen und gefangen nehmen.“[135] Die Amerikaner besetzten am 30.&#160;April München. Stuttgart fiel am 22.&#160;April an die französische Armee, die nach Süden bis Vorarlberg vordrang. Die US-Armee traf am 3.&#160;Mai am Brennerpass mit ihren Landsleuten zusammen, die von Süden her Oberitalien besetzt hatten.
In Italien wurde Bologna am 21.&#160;April von polnischen Truppen[136] besetzt. Benito Mussolini flüchtete am 25.&#160;April vor den Alliierten, die am 27.&#160;April Genua besetzten, von Salò aus in Richtung Schweiz. Einen Tag später ergriffen italienische Partisanen Mussolini in Dongo und erschossen ihn. Am 2.&#160;Mai kapitulierten die deutschen Einheiten in Italien, am selben Tag marschierten britische Truppen in Triest ein.
Ostfront 1944/45
In zeitlicher Abstimmung mit der Invasion im Westen gelang der Sowjetunion im Juni und Juli 1944 mit der Operation Bagration die vollständige Zerschlagung der Heeresgruppe Mitte. Sie gilt mit einem Verlust von 28 Divisionen der Wehrmacht als verlustreichste Niederlage in der deutschen Militärgeschichte. Die Rote Armee konnte bis kurz vor Warschau und zur Grenze Ostpreußens vorstoßen. Am 3.&#160;Juli eroberten die sowjetischen Truppen Minsk zurück, weiter südlich drang ab dem 13.&#160;Juli in Galizien eine weitere sowjetische Offensive (Lwiw-Sandomierz-Operation) bis Lemberg an die Weichsel vor. Ab diesem Zeitpunkt war die Wehrmacht nur noch zu hinhaltendem Widerstand gegen die Rote Armee fähig.
Ungarische Soldaten mit PaK bei Straßenkämpfen, November 1944
Am 1. August begann der Warschauer Aufstand der Polnischen Heimatarmee. Am 20. August marschierte die Rote Armee in Rumänien ein, woraufhin am 23.&#160;August König Michael durch einen Staatsstreich den Diktator Ion Antonescu stürzte und am 24. August die rumänische Armee den Kampf an Deutschlands Seite einstellte. Als die Wehrmacht am 29. August aufgrund zunehmender Partisanenaktivitäten mit der militärischen Besetzung der Slowakei begann, brach dort der Slowakische Nationalaufstand aus, der von Teilen der slowakischen Armee getragen wurde. Die Erfolge der Sowjetunion zwangen die Wehrmacht zum Rückzug aus Griechenland; am 13. Oktober rückten britische Einheiten in Athen ein. Am 5.&#160;September nahm die Rote Armee Bulgarien ein; der Unterstützung durch die Sowjetunion sicher, führten die bulgarischen Kommunisten am 9.&#160;September eine gewaltsame Änderung der Staatsform herbei und übernahmen die Führung im Land.
Die finnische Regierung schloss am 19.&#160;September einen Waffenstillstand mit der Sowjetunion. Am 20.&#160;Oktober eroberten sowjetische Einheiten und jugoslawische Partisanen unter Tito die Hauptstadt Belgrad. Im Norden zog sich die Heeresgruppe Nord am 13. Oktober aus Riga nach Kurland zurück. In Ostpreußen kam die Offensive der Sowjetunion im Oktober nach anfänglichen Erfolgen zum Erliegen. In der Schlacht um Budapest wurde die ungarische Hauptstadt belagert, konnte aber erst am 11.&#160;Februar 1945 von der Roten Armee eingenommen werden.
Flüchtlinge auf einem Schiff in Königsberg, 1945
Die Rote Armee stieß Anfang 1945 von Warschau (Befreiung am 17.&#160;Januar) aus nach Norden vor und schnitt damit Ostpreußen vom Deutschen Reich ab. Zehntausende Deutsche flohen während der Schlacht um Ostpreußen über das zugefrorene Frische Haff nach Westen. Insgesamt gelangten über zwei Millionen Flüchtlinge über das Meer nach Westen. Im Zuge dieser Rettungsaktion (Unternehmen Hannibal) wurde am 30. Januar das ehemalige KdF-Schiff „Wilhelm Gustloff“ mit Tausenden von Menschen an Bord von dem U-Boot S-13 der Baltischen Flotte torpediert und ging auf Höhe von Stolpmünde unter, wo 11&#160;Tage später die Steuben ebenfalls ein Opfer von S-13 wurde. Die Versenkungen der Gustloff, Steuben, Goya (16.&#160;April&#160;1945) und Cap Arcona (3.&#160;Mai&#160;1945) mit zusammen mehr als 20.000 Opfern gelten als die größten Katastrophen der Schifffahrt.
Am 27.&#160;Januar erreichte die Rote Armee das KZ Auschwitz-Birkenau, das von der SS zuvor aufgegeben worden war. Am selben Tag erreichten erste sowjetische Einheiten Küstrin und damit die Oder. In der Schlacht um Königsberg besetzten die russischen Angreifer am 9.&#160;April endgültig die Stadt.
Sowjetische Artillerie bei Berlin, April 1945
Nach der sowjetischen Weichsel-Oder-Operation stand die Rote Armee Ende Januar 1945 entlang der Oder und Neiße von Stettin bis Görlitz knapp 80&#160;Kilometer vor Berlin. Bei den Seelower Höhen wurde eine der größten Schlachten des Zweiten Weltkrieges geschlagen (16.&#160;April–18.&#160;April). Einer Million deutschen Soldaten, viele davon junge, kaum kampferfahrene Rekruten, mit 1500 Panzern, 10.400 Geschützen und 3300 Kampfflugzeugen, von denen viele mangels Treibstoff am Boden bleiben mussten, standen 1,4 Millionen sowjetische Soldaten mit 4000 russischen Panzern und 23.000 Geschützen gegenüber. Es war der gewaltigste Feuerschlag des gesamten Krieges: Am ersten Tag wurden 1,2 Millionen Geschosse abgefeuert, deren Erschütterungen noch im 60 km entfernten Osten Berlins die Wände beben ließen.[137] Weiter nördlich, in Pommern, hatte Rokossowskis „Zweite weißrussische Front“ 1,4 Millionen Soldaten, über 4000 Panzer und 23.000 schwere Geschütze. Im Süden, an der Neiße, verfügte Konjews „Erste Ukrainische Front“ über weitere 1,1 Millionen Soldaten und 2150 Panzer. Alle Fronten wurden aus der Luft von 7500 Kampfflugzeugen unterstützt.[138] Unterdessen wurde im Süden der sowjetische Belagerungsring um Breslau am 15.&#160;Februar geschlossen, das erst am 6.&#160;Mai in die Hände der Roten Armee fiel. Am 25.&#160;April schloss sich der Belagerungsring um Berlin, am 28.&#160;April scheiterte der Versuch der 12.&#160;Armee unter General Walther Wenck, die Hauptstadt zu entsetzen. Adolf Hitler tötete sich selbst am 30.&#160;April im Führerbunker unter der Neuen Reichskanzlei. Am 2.&#160;Mai erteilte General Helmuth Weidling an die letzten Verteidiger von Berlin den Befehl zur Einstellung der Kampfhandlungen.
Nach dem Scheitern der Plattenseeoffensive im Frühjahr 1945 war Ungarn am 4.&#160;April vollständig von der Roten Armee erobert. In der Wiener Operation besetzte die Rote Armee, über die burgenländische Grenze vom Südosten kommend, in einem Zangenangriff zwischen dem 4. und 13.&#160;April Wien, kurz danach Niederösterreich, das Burgenland und die Steiermark. Im Alpenvorland und im Norden verlangsamte sich der sowjetische Vormarsch. Am 3. Mai erreichten amerikanische Truppen Salzburg und stießen weiter in das Alpenvorland vor. Am 5. Mai befreiten ihre Vorausabteilungen das KZ Mauthausen und trafen am 7. Mai mit den Sowjets am Fluss Enns an der Grenze von Ober- und Niederösterreich zusammen. Am gleichen Tag erreichte die Rote Armee Graz. Am 8.&#160;Mai 1945 trat um 23:00 Uhr mitteleuropäischer Zeit die bedingungslose Kapitulation der deutschen Streitkräfte in Kraft. Die meisten der 900.000 Soldaten der Heeresgruppe Mitte (der früheren Heeresgruppe&#160;A) unter Generalfeldmarschall Schörner gerieten in sowjetische Gefangenschaft. Auch der am 5.&#160;Mai beginnende Prager Aufstand forderte im Zusammenhang mit der anfangs ungeordneten Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei eine unbekannte Zahl an Opfern. Am 10.&#160;Mai rückten sowjetische Einheiten in Prag ein.
Kriegsende in Europa 1945
Proklamation Nr.&#160;1 von General Eisenhower an das deutsche Volk, März 1945
Montreal Daily Star: “Germany Quit”, 7.&#160;Mai 1945
Sonderausgabe der US-amerikanischen Soldatenzeitung Stars and Stripes zur Kapitulation am 8.&#160;Mai 1945
Sowjetische Soldaten im Mai 1945 vor dem Brandenburger Tor nach dem Ende der Kämpfe in Berlin
Keitel unterzeichnet die ratifizierende Kapitulationsurkunde in Berlin-Karlshorst, 8./9.&#160;Mai 1945.
Einen Tag, bevor Hitler sich am 30.&#160;April das Leben nahm, hatte er in seinem politischen Testament Großadmiral Karl Dönitz zum Reichspräsidenten und Oberbefehlshaber der Wehrmacht und Propagandaminister Joseph Goebbels zum Reichskanzler bestimmt. Nachdem dieser sich am 1.&#160;Mai ebenfalls das Leben genommen hatte, erklärte Dönitz am gleichen Tag in einer Rundfunkansprache die Fortsetzung des militärischen Kampfes gegen „den vordrängenden bolschewistischen Feind“. Dönitz wollte damit erreichen, dass möglichst viele deutsche Soldaten in amerikanisch-britische statt sowjetische Gefangenschaft gerieten. Nachdem die letzten Einheiten in Berlin am 2.&#160;Mai kapituliert hatten, schlug er sein Hauptquartier am 3.&#160;Mai in Flensburg-Mürwik auf und benannte eine Geschäftsführende Reichsregierung unter Graf Schwerin von Krosigk. Am 4. Mai unterzeichnete der neu ernannte Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, Generaladmiral Hans-Georg von Friedeburg, auf dem Timeloberg eine Urkunde zur bedingungslosen Kapitulation der Wehrmachteinheiten, die im Nordwesten gegen britische Truppen gekämpft hatten – diese Teilkapitulation trat am 5.&#160;Mai um 7&#160;Uhr in Kraft.
Nachdem Eisenhower das Ansinnen eines separaten Waffenstillstands mit den Westalliierten zurückgewiesen hatte, unterzeichnete Generaloberst Jodl in Reims am 7.&#160;Mai die bedingungslose Kapitulation aller deutschen Truppen. Sie trat am 8.&#160;Mai, 23:01 Uhr mitteleuropäischer Zeit in Kraft. In einem weiteren Dokument wurde die Ratifizierung dieser bedingungslosen Kapitulation durch das Oberkommando der Wehrmacht sowie die Oberbefehlshaber von Heer, Luftwaffe und Marine vereinbart. Das geschah durch Unterzeichnung einer weiteren Kapitulationsurkunde im sowjetischen Hauptquartier in Berlin-Karlshorst. In den späten Abendstunden des 8.&#160;Mai wurde die Urkunde von Generalfeldmarschall Keitel (für das OKW und das Heer), Generaladmiral von Friedeburg (Kriegsmarine) und Generaloberst Stumpff (Luftwaffe, als Vertreter des Oberbefehlshabers Generalfeldmarschall von Greim) unterzeichnet. Die Ratifizierung zog sich bis nach Mitternacht hin. Da die Kapitulation ebenfalls erst am 9.&#160;Mai in Moskau bekannt gegeben wurde, wird in der Sowjetunion und ihren Nachfolgestaaten der 9.&#160;Mai als Tag des Sieges begangen. Zum Kriegsende in Europa am 8.&#160;Mai befanden sich im Westen die Kanalinseln und die Städte Lorient, Saint-Nazaire, La Rochelle, im Osten das nördliche Kurland und im Südosten Teile der Ägäis noch unter der Kontrolle der Wehrmacht. Auch in Dänemark und Norwegen blieb die deutsche Herrschaft bis zur Kapitulation erhalten. Das Deutsche Reich selbst war weitgehend besetzt, lediglich der Alpenraum, Teile des Protektorats Böhmen und Mähren und der Großteil Schleswig-Holsteins standen noch unter Kontrolle deutscher Truppen.
Während der Potsdamer Konferenz wurde Churchill von Stalin auf 400.000 noch nicht entwaffnete deutsche Soldaten in Norwegen und in Nordwestdeutschland angesprochen.[139] Am 8. und 9.&#160;Mai versuchten ungezählte deutsche Soldaten aus dem sowjetischen Machtbereich in die von den Westalliierten kontrollierten Gebiete zu gelangen, vor allem solche aus dem böhmisch-mährischen Raum.
Die Oberbefehlshaber der vier Verbündeten, Montgomery, Eisenhower, Schukow und Lattre de Tassigny, in Berlin am 5.&#160;Juni&#160;1945 anlässlich der Übernahme der obersten Regierungsgewalt im Deutschen Reich.
Der großen Mehrheit gelang dies nicht, zumal die US-Armee sich strikt an die Waffenstillstandsbedingungen hielt und in ihren Bereich gelangte deutsche Soldaten in Lagern (u. a. Pisek) festhielt und der Sowjetunion übergab. Keinerlei Aussicht, der Gefangenschaft zu entgehen, bestand für die eingeschlossene Heeresgruppe Kurland. Stalin verkündete am 9.&#160;Mai den „Völkern der Sowjetunion“, man feiere den Sieg, schicke sich jedoch nicht an, „Deutschland zu zerstückeln oder zu vernichten“.[140]
Der Oberste Sowjet hob in einer einseitigen Erklärung den Kriegszustand mit Deutschland erst am 25.&#160;Januar&#160;1955 auf.[141][142]
Richard von Weizsäcker äußerte 1985 in seiner Rede zum 8.&#160;Mai, das Kriegsende ginge seit 1945 in der Bundesrepublik Deutschland als Befreiung vom Nationalsozialismus in die nationale Erinnerungskultur ein.[143]
Krieg in Asien und im Pazifik
→ Hauptartikel: Pazifikkrieg
Japans Neuordnung Ostasiens und der Weg nach Pearl Harbor
→ Hauptartikel: Vorgeschichte des Zweiten Weltkrieges im Pazifikraum
Japan war vor dem Zweiten Weltkrieg bereits an mehreren Kriegen beteiligt gewesen. Unter Tennō Yoshihito kämpfte Japan an der Seite der Alliierten im Ersten Weltkrieg, in dem Japan Kolonien des Deutschen Kaiserreichs übernehmen konnte, darunter einen Teil Deutsch-Neuguineas (japanisches Südseemandat). Etwa zehn Jahre zuvor war es wegen des Streits um die Vorherrschaft in der Mandschurei und in Korea zum Russisch-Japanischen Krieg (1904–1905) gekommen.
Zur Überwindung der Wirtschaftskrise ab 1929 schlugen einflussreiche Politiker und Militärs eine territoriale Expansion Japans vor. Ab den 1930er Jahren erlangten Militärs verstärkt Kontrolle über die Regierung, einschließlich des Amts des Premierministers; politische Gegner wurden verfolgt und Medien zensiert. Der aggressive Einsatz für eine Neuordnung der Pazifikregion hatte vorgeblich zum Ziel, die Hegemonie über die asiatischen Länder und deren Kolonien durch westliche, europäische Staaten zu beenden (Panasienbewegung). Tatsächlich war es der Wille, durch gewaltsame Sicherung von Rohstoff- und Absatzgebieten sowie Siedlungsland für Auswanderer die chronischen wirtschaftlichen Schwierigkeiten Japans zu lösen.[144]
Die japanische Expansion richtete sich zunächst gegen die Republik China. Nach dem Mukden-Zwischenfall am 15.&#160;September 1931, der vermutlich von den Japanern selbst inszeniert wurde, kam es drei Tage später zur Mandschurei-Krise, und im Februar 1932 wurde ein japanischer Vasallenstaat Mandschukuo errichtet. Nach internationalen Protesten über das Vorgehen in China trat Japan 1933 aus dem Völkerbund aus; 1936 schloss es sich dem Antikominternpakt an.
Pazifikkrieg 1937–1942
Am 7. Juli 1937 kam es zum Zwischenfall an der Marco-Polo-Brücke in Peking, den die japanische Armee zum Anlass nahm, ohne Kriegserklärung in Nordchina einzudringen und die Haupthäfen entlang der gesamten chinesischen Küste zu besetzen. Da sie auch das Hinterland von Hongkong und Macau besetzt hielten, blockierte sie fast die gesamte chinesische Küste, um die wirtschaftlichen Verbindungen Chinas nach Übersee abzuschneiden. Diese Ereignisse werden von einigen Historikern als der eigentliche Beginn des Zweiten Weltkrieges angesehen. Gleichwohl unterschied sich der Krieg in China sehr von dem Krieg in Europa, der am 1.&#160;September 1939 begann. Im Frühjahr und Sommer 1940, als die deutsche Wehrmacht die Niederlande, Belgien und Frankreich überrannte und „Großbritannien beinahe in die Knie zwang“, war kein Ende des asiatischen Krieges in Sicht.[145]
China stand zu diesem Zeitpunkt vor einem Scheideweg, da die Kommunisten unter Mao Zedong und die Nationalisten der Kuomintang unter Chiang Kai-shek um die Vorherrschaft im Land kämpften. Die Kommunisten hatten sich nach dem Langen Marsch in das Landesinnere nach Yan’an zurückgezogen und griffen beim Kampf gegen die Japaner nur vereinzelt ein.
Japanische Truppen bei der Einnahme von Tanyang, Dezember 1937
Japaner kämpfen bei Kanton, 1938
Um den 8. Dezember 1937 erreichten japanische Truppen Nanjing, die Hauptstadt der Kuomintang, und kesselten sie ein. Chiang Kai-shek ließ die Hauptstadt in das entfernte Chongqing verlegen. Bei der Besetzung der Stadt kam es in den folgenden sechs Wochen zum Massaker von Nanking, in dem mindestens 200.000&#160;chinesische Zivilisten und Kriegsgefangene ermordet und etwa 42.000&#160;Frauen und Mädchen aller Altersstufen vergewaltigt wurden. „Die Berichte über die Mord- und Vergewaltigungsorgie erschütterten die Welt.“[146] Die öffentliche Meinung im Westen, insbesondere in den USA, wandte sich scharf gegen Japan. Im Juli 1939 kündigte die Regierung der USA einen seit 1911 bestehenden wichtigen Handelsvertrag, durch den fast ein Drittel aller japanischen Einfuhren betroffen waren. Ein Ausweg aus der zunehmenden Isolation schien ein Bündnis mit Deutschland zu sein, das auch vom deutschen Außenminister Ribbentrop befürwortet wurde.[147]
Der Weg nach Pearl Harbor war zwar keine Einbahnstraße, aber im Sommer 1940 unternahm die japanische Führung entscheidende Schritte, sodass die beiden Kriege in Europa und Asien zu einem einzigen globalen Flächenbrand verschmolzen.[145] Japan nutzte die Niederlage der Westmächte und erpresste im Juni 1940 von Großbritannien und Frankreich, die lebenswichtigen Hilfslieferungen an die chinesischen Nationalisten über Burma und Indochina einzustellen. Die niederländische Exilregierung in London wurde unter Druck gesetzt, Öl aus Niederländisch-Indien nach Japan zu exportieren.[148] Außerdem setzte es in Nanking Wang Jingwei als Chef einer Marionettenregierung ein.
Fürst Konoe Fumimaro, der im Juli 1940, nach den dramatischen Ereignissen in Europa, zum zweiten Mal Ministerpräsident geworden war, hatte im selben Jahr in einer Denkschrift argumentiert, der Krieg in China werde letztendlich zu einer „großostasiatischen Wohlstandssphäre“ führen, gebildet aus Japan, Mandschukuo und China sowie ehemaligen Kolonien Großbritanniens, der Niederlande und Frankreichs. Geprägt hatte den Ausdruck Matsuoka Yōsuke, Außenminister im zweiten Kabinett Konoe.[149] Der Dreimächtepakt mit Deutschland und Italien vom 27.&#160;September 1940 erweiterte den bestehenden Antikominternpakt um gegenseitige militärische Unterstützung. Damit verwarf Japan seine im September 1939 verkündete Neutralität und unterstrich seine aggressive Außenpolitik vor allem gegenüber China. Der Pakt richtete sich nicht gegen die Sowjetunion,[150] sondern sollte vor allem die USA aus dem Krieg heraushalten.[151] Die amerikanische Reaktion zeigte rasch, wie haltlos Matsuokas und Ribbentrops Behauptungen gewesen waren, der Dreimächtepakt werde abschreckend wirken. Im Weißen Haus fühlte man sich in der Ansicht bestärkt, dass Japan eine aggressive, kriegslüsterne Macht sei, ein asiatisches Gegenstück zum nationalsozialistischen Deutschland, die aufgehalten werden müsse. Bestätigt wurde diese Auffassung, als Japan im September 1940, als noch Verhandlungen mit den Franzosen im Gange waren, in zweitägigen Gefechten den nördlichen Teil von Französisch-Indochina gewaltsam besetzte.[152] Schon im folgenden Monat verhängten die USA ein totales Ausfuhrverbot für Eisen- und Stahlschrott nach Japan, und Großbritannien öffnete wieder die Burmastraße für den Nachschub nach China.
Die japanische Führung wollte die Niederlagen Frankreichs und der Niederlande sowie die erwartete Niederlage Großbritanniens im Krieg gegen Deutschland zu einer Südexpansion (Indochina, Niederländisch-Indien, Hongkong, Malaya und Singapur) ausnutzen. Am 25.&#160;Juni 1940 sagte Heeresminister Shunroku Hata zu seinen Mitarbeitern: „Ergreifen wir die goldene Gelegenheit! Nichts soll uns aufhalten!“[153] Mit einer japanischen Besitzergreifung der britischen, französischen und niederländischen Kolonien in Südostasien wäre auch die Möglichkeit eines chinesischen Zusammenbruchs in greifbare Nähe gerückt. Die Errichtung einer japanischen Hegemonialmacht in Ostasien und die Hegemonie eines nationalsozialistischen Deutschlands in Europa hätten darüber hinaus bedeutet, dass Amerika sich einer von totalitären Mächten gemeinsam beherrschten Alten Welt gegenübergesehen hätte, denn auch die Sowjetunion schien zu dieser Zeit ihre Einflusssphäre mit den Achsenmächten und Japan auf friedliche Weise abzugrenzen.[154]
Hull (Mitte) mit den japanischen Diplomaten Nomura Kichisaburō (links) und Saburō Kurusu (rechts) am 20. November 1941.
Das Jahr 1941 begann mit verstärkten Bemühungen der USA und Japan, einen drohenden Krieg zu vermeiden. Gleichzeitig nahmen aber die Kriegs- und Eroberungspläne der Japaner für Südostasien konkrete Formen an. In Verhandlungen zwischen dem US-Außenminister Cordell Hull und dem neu ernannten japanischen Botschafter Kichisaburō Nomura waren die Japaner bereit, auf ein weiteres Vorgehen nach Süden zu verzichten, wenn ihnen die Amerikaner die Unterwerfung Chinas ermöglichten. Aber die Weigerung, Japan freie Hand in China zu lassen, sollte im Dezember 1941 letzten Endes den japanischen Angriff auf Pearl Harbor auslösen.[155] Am 2.&#160;Juli fiel in Japan die Entscheidung, den territorialen Anspruch auch nach Südostasien auszuweiten, wo die ergiebigen Bodenschätze der niederländischen und britischen Kolonien ein lohnendes Ziel waren. Zwei Tage nach der Besetzung auch des südlichen Teils von Indochina, der als Sprungbrett für diese Südexpansion gebraucht wurde, froren die USA, Großbritannien und seine Dominions sowie Niederländisch-Indien am 26.&#160;Juli 1941 die japanischen Auslandsguthaben in ihren Ländern ein, was praktisch einem völligen Exportembargo – auch von Erdöl – gleichkam. Wegen dieses Embargos blieb ein Krieg die vermeintlich einzige Alternative für Japan, weil dessen Ölreserven in spätestens zwei Jahren aufgebraucht sein würden. Am 5.&#160;November 1941 fiel in Tokio die Entscheidung, den Krieg im folgenden Monat mit Angriffen auf Pearl Harbor, Malaya und die Philippinen auszulösen. Das strategische Ziel war, innerhalb von acht Monaten die Herrschaft über Südostasien und den Westpazifik zu gewinnen, um von dieser Machtbasis aus längere Zeit gegen die Vereinigten Staaten zu kämpfen oder sie zu einem Verhandlungsfrieden zu Japans Vorteil zwingen zu können. Zugleich rechnete man damit, dass im Zuge der Expansion auch die Hilfslieferungen an China unterbrochen werden könnten.[156] Letzte Verhandlungen in Washington zwischen Nomura, dem Sondergesandten Saburō Kurusu und Hull, den Krieg zu vermeiden, scheiterten an Hulls kompromissloser Forderung nach Rückzug aller japanischen Truppen aus China und Indochina. Im Gegenzug wollten die USA die japanischen Guthaben freigeben. Wie nicht anders zu erwarten, wurde Hulls Zehnpunkteprogramm,[157] als es am 27.&#160;November in Tokio eintraf, als Ultimatum aufgefasst – praktisch als Beleidigung.[158] Die Kaiserliche Konferenz vom 1.&#160;Dezember 1941 stellte fest, dass Japan die „äußerst hochmütige, starrsinnige und respektlose“ Haltung der Vereinigten Staaten nicht dulden könne.[159]
Beim Angriff auf Pearl Harbor am 7.&#160;Dezember 1941 versenkten japanische Flugzeuge, die von sechs Flugzeugträgern aus gestartet waren, in zwei Wellen fünf Schlachtschiffe, von denen drei später wieder flottgemacht werden konnten,[160] und vierzehn weitere größere Kriegsschiffe der USA.[161] Vizeadmiral Nagumo, der Kommandant der Flugzeugträgergruppe Kidō Butai, ließ keine dritte Angriffswelle aufsteigen, weil er sich Sorgen um den Standort der nicht anwesenden drei amerikanischen Träger machte, die einen schweren Gegenschlag führen konnten. Durch diese Entscheidung blieben Docks und Werftanlagen sowie Nachschubdepots und Treibstofflager intakt, was den USA einen raschen Wiederaufbau ihrer pazifischen Flotte in den nächsten sechs Monaten ermöglichte.[162] Am nächsten Tag erklärte der amerikanische Kongress Japan den Krieg, der am selben Tag auch die von Großbritannien, seinen Dominions und den Niederlanden folgten. Am 10.&#160;Dezember wurden vor der Ostküste der malaiischen Halbinsel der britische Schlachtkreuzer Repulse und das moderne Schlachtschiff Prince of Wales, das erst wenige Monate zuvor in Dienst gestellt worden war, von japanischen Torpedoflugzeugen versenkt. Die Versenkung der beiden Großkampfschiffe war ein deutliches Zeichen für den sich abzeichnenden Bedeutungsverlust von solch großen Kriegsschiffen gegenüber land- und seegestützten Luftstreitkräften.[163]
In den nächsten Monaten drängten die Japaner weiter nach Süden vor und besetzten, ideologisch vorbereitet durch den Schlachtruf „Asien den Asiaten“, europäische und US-amerikanische Kolonien wie Hongkong, Teile Burmas bzw. Britisch-Indiens, Britisch-Malaya, Singapur, Niederländisch-Indien und die Philippinen.
Von Pearl Harbor bis zur japanischen Kapitulation
Machtbereich Japans im März 1942
Innerhalb von vier Monaten (Dezember–März) hatten japanische Truppen weite Teile Südostasiens und einen Großteil der Pazifikinseln mit etwa 450&#160;Millionen Menschen unter ihre Kontrolle gebracht. Dies war die größte Ausdehnung japanischer Macht in der Geschichte des Kaiserreichs. Die Eroberungen Malayas und von Niederländisch-Indien waren besonders wichtig für Japan, weil es dort reiche Erzvorkommen, eine umfangreiche Gummiproduktion und große Erdölfelder gab. 80.000 Briten, Australier und Inder mussten am 15.&#160;Februar 1942 in Singapur, dem „Gibraltar des Ostens“ und Großbritanniens größter Militärbasis in Südostasien, kapitulieren. Die Schlacht um Singapur gilt als Sinnbild des japanischen Blitzkrieges. Die Invasion Burmas begann am 15.&#160;Februar 1942. Niederländisch-Indien wurde Mitte März 1942 erobert. Auf den Philippinen musste General Douglas MacArthur bald Manila räumen und sich auf die Insel Corregidor zurückziehen, wo die letzten US-Truppen am 5.&#160;Mai 1942 kapitulierten. Nichts schien die Japaner aufhalten zu können.[164]
Nach der Eroberung von Rabaul an der Nordostspitze der Insel Neubritannien (Januar 1942) hatten die Japaner eine hervorragende Ausgangsbasis für ein weiteres Vordringen in Richtung Ostpazifik und Südsee gewonnen.
Die Schlacht im Korallenmeer (Anfang Mai 1942) endete unentschieden (je ein gesunkener und ein schwer beschädigter Flugzeugträger auf beiden Seiten), aber die Japaner gaben ihre Absicht auf, bei Port Moresby im Süden von Neuguinea zu landen, sodass die Alliierten ein Vorfeld nördlich von Australien halten konnten. Es war die erste kombinierte See-Luft-Schlacht in der Seekriegsgeschichte. Trotz des Rückschlags im Korallenmeer konnten die japanischen Streitkräfte bisher zufrieden sein: 340.000 alliierte Soldaten waren in Gefangenschaft geraten, und die alliierten Flotten hatten acht Schlachtschiffe, zwei Flugzeugträger, sieben Kreuzer und zahlreiche kleinere Kriegsschiffe verloren.[165] In der Schlacht um Midway Anfang Juni 1942, in der Yamamoto annahm, die amerikanische Navy habe nur noch zwei Träger – die er zudem im Südpazifik wähnte – glaubte er, die verbliebene Pazifikflotte der USA zu einem Entscheidungskampf herausfordern zu können. Aber die amerikanische Flotte war dank ihrer Funkaufklärung detailliert über die Pläne des Gegners informiert. Bei Luftangriffen von Flugzeugen dreier amerikanischer Träger verlor die japanische Marine vier Flugzeugträger und 200 Flugzeuge mit besonders erfahrenen Piloten und Pilotenausbildern.[166] Ihre Flotte war so empfindlich geschwächt worden, dass die japanische Überlegenheit im See-Luft-Krieg verloren war. Die Schlacht „gilt mit Recht als der Wendepunkt des Krieges im Stillen Ozean.“[167]
Nach dem Bau eines Flugplatzes auf Guadalcanal hätte Japan den alliierten Schiffsverkehr zwischen den USA und Australien bedrohen können. Die US Navy setzte im August 1942 ihre einzige noch verfügbare intakte Marine-Infanteriedivision (USMC) ein, um den Flugplatz zu erobern, was rasch gelang. Hartnäckig versuchten die Japaner, die Insel zurückzuerobern. Erst nach monatelangen Kämpfen gelang es den Alliierten, sich auf der Insel endgültig zu behaupten (→&#160;Schlacht um Guadalcanal).[168] Dieser Erfolg markierte einen weiteren Wendepunkt zugunsten der USA, die jetzt nicht nur mehr Kriegsschiffe und Flugzeuge besaßen, sondern auch taktisch überlegen waren.[169]
Amerikanische Landung auf Rendova Island auf den Salomonen am 30.&#160;Juni 1943
Die härtesten Kämpfe tobten von Ende 1942 bis Mitte 1944 auf Neuguinea, auf den Salomonen, den Gilbertinseln, den Marshallinseln und den Marianen. Ein erfolgreiches taktisches Mittel war dabei das „Island Hopping“, bei dem die Amerikaner die starken japanischen Stützpunkte, zum Beispiel das wichtige Rabaul mit seinem Hafen und den Flugfeldern, umgingen und sich Insel für Insel näher an die japanische Hauptinsel Honshū herankämpften.
Gegenoffensive 1943–1945
Zu Beginn des Jahres 1943 gelang es den Amerikanern, japanische Funkcodes zu entschlüsseln. Damit wurden auch die Erfolge der US-amerikanischen U-Boote gesteigert, deren stetig steigende Versenkungsraten einen wesentlichen Anteil am Sieg über Japan hatten, denn sie torpedierten etwa ein Drittel von 686 japanischen Kriegsschiffen.[170] Der japanischen Marine gelang es während des gesamten Krieges nicht, ein wirksames Schutzsystem für ihre Transportschifffahrt zu entwickeln. Dies lag sowohl an der Unterschätzung der U-Boot-Gefahr in der japanischen Militärdoktrin wie auch an der großen technologischen Unterlegenheit Japans im Bereich der Radar- und der Unterwasserschallortung. Vor allem der daraus resultierende Mangel an Treibstoff machte es erforderlich, Flottenverbände weit außerhalb der Hauptkampfgebiete, in der Nähe von Treibstoffquellen, zu stationieren, was die taktischen und strategischen Optionen der japanischen Flotte stark einschränkte.
Im April 1943 gelang es den Amerikanern, von Guadalcanal aus fünf Begleitmaschinen von Yamamotos Flugzeug, der sich auf einem Inspektionsflug befand, abzuschießen. Admiral Yamamoto, Oberbefehlshaber der japanischen Marine, kam beim Absturz seiner Maschine in den Dschungel ums Leben. Der Verlust dieser Führungs- und Identifikationsfigur war für die japanische Öffentlichkeit ein schwerer Schlag (→&#160;Operation Vengeance).
Im November 1943, kurz vor dem Treffen mit Stalin in Teheran,[171] vereinbarten Roosevelt und Churchill mit Chiang Kai-shek in Kairo, dass der Krieg gegen Japan ebenso wie der gegen Deutschland mit der bedingungslosen Kapitulation enden sollte. Chiang Kai-shek wurde damit nicht nur als der Repräsentant Chinas, sondern auch als Staatschef einer Großmacht anerkannt.[172]
Ab 1944 begann die Erfolgszeit der amerikanischen Task Forces, die mit schnellen Trägerraids überraschend vor der Küste Japans auftauchten und fast nach Belieben Ziele aller Art angriffen.[173] Die Japaner reagierten mit dem Einsatz von Kamikaze-Fliegern und bemannten Kaiten-Torpedos. Die von den Japanern erwarteten hohen Verluste amerikanischer Kriegsschiffe blieben aber aus.
In der ab Mitte Juni 1944 begonnenen Schlacht um Saipan, verbunden mit der Schlacht in der Philippinensee, verloren die Japaner fast alle eingesetzten Flugzeuge mitsamt Besatzungen und durch U-Boote drei Flugzeugträger. Der Verlust von Saipan löste in Japan ein politisches Erdbeben aus: Die Regierung von General Tojo musste zurücktreten und wurde abgelöst durch ein Kabinett unter General Koiso Kuniaki, der sogleich das Wehrpflichtalter auf 17 Jahre senkte.[172] Ende Oktober bis Anfang November 1944 kam es während der Landungen auf Leyte (Philippinen) zur See- und Luftschlacht im Golf von Leyte. Japan setzte den größten Teil seiner Flotte ein und machte damit aus den Kämpfen um Leyte die größte Seeschlacht des Zweiten Weltkrieges.[174] Die Japaner verloren mit vier Flugzeugträgern, drei Schlachtschiffen, zehn Kreuzern und neun Zerstörern fast ihre komplette verbliebene Seestreitmacht.[175]
Hiroshima, nach dem Abwurf der Atombombe
Erst nach der Eroberung der Marianen-Inseln im Sommer 1944 lag Japan innerhalb des Aktionsradius der neuen Boeing B-29 der USAAF. Die US-Luftwaffe ging zu nächtlichen Flächenbombardements aus relativ geringer Höhe auf die überwiegend aus Holz gebauten japanischen Städte über, bei denen hunderttausende Menschen ums Leben kamen. Beim größten Angriff dieser Art starben in Tokio in der Nacht zum 9.&#160;März 1945 etwa 85.000 Menschen, mehr als bei jedem anderen Luftangriff im Zweiten Weltkrieg[176] und fast so viele wie durch den Atombombenangriff auf Hiroshima. Derartige Aktionen zerstörten bis Kriegsende zahlreiche japanische Großstädte.[177]
Die Rückeroberung der Philippinen erwies sich als langer und verlustreicher, sechs Monate dauernder Feldzug (Oktober 1944–März 1945). Den amerikanischen Verlusten, 8.000 Mann, standen disproportional höhere japanische Verluste wie meist im Pazifikkrieg gegenüber: Allein auf der Insel Luzon fielen 190.000 Japaner.[173]
Unterzeichnung der japanischen Kapitulationsurkunde am 2.&#160;September 1945 durch Umezu Yoshijirō, den Oberbefehlshaber der japanischen Armee
Bei den Kämpfen auf den japanischen Inseln Iwojima und Okinawa wurden US-Schiffe von einer großen Zahl Kamikaze-Fliegern angegriffen. Die US-Streitkräfte verloren fast 7.300 Marines und etwa 5.000 Seeleute und Piloten. 36 Schiffe der US Navy sanken, und fast 400 Flugzeuge wurden zerstört. Die Japaner verloren 113.000 Soldaten und mit den Kamikazemaschinen rund 7.800 Flugzeuge.[178]
Nach den Kämpfen auf Iwojima und Okinawa warfen die Amerikaner mit einem B-29-Bomber, der von Tinian aus gestartet war, am 6.&#160;August 1945 die erste Atombombe auf Hiroshima. Kurz darauf, am 9.&#160;August wurde die zweite über Nagasaki gezündet.
Die Sowjetunion stand zu ihrer bei der Konferenz von Jalta eingegangenen Verpflichtung, 90 Tage nach dem Kriegsende in Europa in Fernost den Krieg zu beginnen und Japan und seine Verbündeten anzugreifen. Dem ist die Rote Armee auf den Tag genau nachgekommen (8.&#160;August), nachdem bereits im April 1945 der Neutralitätspakt mit Japan gekündigt worden war. Mit der Operation Auguststurm wurde die Mandschurei besetzt. Das eroberte Gebiet wurde gemäß den alliierten Kriegszielen (Kairoer Erklärung) von der Sowjetunion 1946 an die Republik China zurückgegeben.
Wenige Tage später, am 15.&#160;August 1945 verkündete der japanische Tennō in einer Rundfunkansprache (Gyokuon-hōsō) die Kapitulation Japans, die am 2.&#160;September in der Bucht von Tokio auf der USS Missouri unterzeichnet wurde.
Die Besetzung der japanischen Hauptinseln wurde allein durch amerikanische Truppen durchgeführt, während die anderen beteiligten Mächte (Großbritannien, Sowjetunion und China) an der Besetzung der vormals japanischen Außengebiete beteiligt wurden.
Strategische Aspekte
Der Strategiehistoriker Colin Gray deutet den Zweiten Weltkrieg mit seinen Operationen auf drei Kontinenten zu Lande, zu Wasser und in der Luft als komplexes Ereignis, das allerdings von einer „eleganten Schlichtheit in seinem Ablauf und seiner Struktur“ durchzogen werde. Gray zufolge waren die beiden wichtigsten Kriegsschauplätze, die Ostfront und der pazifische Raum, grundsätzlich voneinander unabhängig. Allerdings stellten wichtige Ereignisse wie die deutsche Kriegserklärung an die Vereinigten Staaten nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor immer wieder kriegswichtige Bezüge her. Ihnen gemeinsam sei vor allem gewesen, dass es sich bei beiden Feldzügen um „riesige Belagerungsoperationen“ gehandelt habe.[179] Darüber hinaus ordnet Gray den Zweiten Weltkrieg trotz einer im Vergleich zum Ersten Weltkrieg verstärkten verbundenen Gefechtsführung, wie beispielsweise den Blitzkrieg, als Abnutzungskrieg ein.
Luftkrieg
→ Hauptartikel: Luftkrieg im Zweiten Weltkrieg
Die Weichselbrücken in Warschau während der deutschen Luftangriffe, September 1939 (Schlacht um Warschau)
Das von der Luftwaffe bombardierte Rotterdam, Mai 1940
Im Polenfeldzug erlangte die Luftwaffe schnell die Luftherrschaft, da die polnischen Luftstreitkräfte mit ihren größtenteils veralteten Flugzeugen nur wenig Widerstand leisten konnten. Die Luftangriffe auf Warschau im September 1939 waren die ersten Angriffe auf vor allem auch zivile Ziele. Am 14.&#160;Mai 1940 zerstörte ein Angriff der Luftwaffe die Altstadt von Rotterdam.
Der Luftkrieg in den ersten Monaten der Luftschlacht um England richtete sich noch ausschließlich gegen militärische Ziele wie Fliegerhorste, Marinestützpunkte und Radarstellungen (→&#160;Chain Home) und hatte letztlich das Erringen der Luftüberlegenheit zum Ziel. Er radikalisierte sich, als die deutsche Luftwaffe am 24.&#160;August 1940 einen ersten Angriff auf London flog und Churchill Vergeltungsangriffe auf Berlin befahl. Bis Ende des Jahres starben in London rund 14.000 Menschen.[59]
Bombenschäden in Coventry, 1940
Am 14.&#160;November 1940 flog die deutsche Luftwaffe einen schweren Luftangriff auf Coventry. Dabei kamen mindestens 568 Menschen ums Leben. Neben Fahrzeug- und Motorenwerken wurden Tausende von Wohnhäusern getroffen und die mittelalterliche St.-Michaels-Kathedrale zerstört. Die nationalsozialistische Propaganda erfand den Begriff des „Coventrierens“ für das Flächenbombardement. Die Royal Air Force griff ab Mai 1940 nadelstichartig deutsche Städte (z.&#160;B. Mönchengladbach) und Industrieanlagen wie die Deurag-Nerag-Raffinerie an (→&#160;Luftangriffe auf Hannover). Nachdem die Luftwaffe Anfang 1941 die Luftschlacht um England abgebrochen und einen Großteil ihrer Bomber und Jagdflugzeuge wegen des geplanten Angriffs auf die Sowjetunion nach Osten verlegt hatte, flog die RAF mehr Nachtangriffe auf deutsche Großstädte.
Beim Luftangriff auf Belgrad am 6.&#160;April 1941 wurde die Stadt, die nur schwach verteidigt werden konnte, von der Luftwaffe in weiten Teilen zerstört. Bei der deutschen Offensive gegen die Sowjetunion spielte die Luftwaffe eine bedeutende Rolle, konnte aber weder die Schlacht um Moskau noch die um Stalingrad für die deutsche Seite entscheiden. Deutsche Bomber und Jäger wurden zumeist nur zur Luftnahunterstützung der Heerestruppen eingesetzt. Die United States Army Air Forces (USAAF) flogen im April 1942 den ersten Bombenangriff auf Tokio; ab August 1942 begann die 8. Luftflotte der USAAF in Europa mit eigenen Luftangriffen.[180]
Ausgebrannte Häuserzeilen in Hamburg, 1944/1945
Opfer der Luftangriffe auf dem Altmarkt von Dresden, Februar 1945
Da die Bombenangriffe mit wenigen Maschinen hohe Verlustquoten aufwiesen und ihr Ziel meistens verfehlten, ging die RAF ab Frühjahr&#160;1942 dazu über, große Bomberpulks nach Deutschland zu schicken, um großflächig Städte zu zerstören. Ziel war es, neben der Zerstörung von Industrieanlagen vor allem die Moral der Bevölkerung zu brechen.[181] Arthur Harris, ab Februar 1942 Oberkommandierender des Bomber Command, wurde vom Luftfahrtministerium erlaubt, er könne seine Luftstreitkräfte ab sofort ohne jede Beschränkung einsetzen.
Die Umsetzung dieser „Area Bombing Directive“ begann mit dem Luftangriff auf Lübeck im März 1942, der Ende Mai 1942 in dem 1000-Bomber-Angriff auf Köln (Operation Millennium) und dann auf zahlreiche Städte des Ruhrgebiets seine Fortsetzung fand. Im Januar 1943 flog die Royal Air Force den ersten großen Angriff auf Berlin. Hier warfen zum ersten Mal Pfadfinder-Flugzeuge Zielmarkierungsbomben[182] ab. Ende desselben Monats griff auch die USAAF als erste Ziele auf deutschem Boden U-Boot-Werften in Wilhelmshaven an.[183] Im März 1943 wurde das deutsche Rüstungszentrum Essen von der RAF angegriffen. Dabei wurde eine Panzerfabrik zerstört, wodurch sich die Produktion der Panzer Tiger und Panther verzögerte, was zu einer Verschiebung der Offensive bei Kursk (s.o.) führte.[183] Göring zog immer mehr Jägerstaffeln von der Ostfront für den Schutz deutscher Städte ab. Die negativen Auswirkungen für den Kriegsverlauf im Osten dürften wesentlich größer gewesen sein als die Abschüsse, die die Jäger den alliierten Bombern zufügen konnten.[183] In diesem Frühjahr 1943 stiegen die Verluste der alliierten Bomberflotten in beängstigende Höhen. Nicht einmal ein Fünftel der Besatzungen der RAF überlebte einen Zyklus von 30 Einsätzen. Die 8.&#160;US-Luftflotte verlor durch Abschüsse so viele Flugzeuge, dass sie in diesem Jahr nicht mehr in der Lage war, die für den Erfolg einer Invasion in Westeuropa nötige Luftüberlegenheit herzustellen.[183] Im Juli 1943 wurde Hamburg durch einen Feuersturm zerstört, in dem 40.000 Bürger ihr Leben verloren. Die USAAF konzentrierte sich in Tagesangriffen vorwiegend auf Industrieziele, während Bomber der RAF bei Nacht die Städte bombardierten. Die US-Bomberverbände hatten zunächst beträchtliche Verluste, beispielsweise bei den Angriffen gegen Schweinfurt und Essen. Als ab Frühjahr&#160;1944 Langstreckenjäger der USAAF die Bomber begleiteten, gingen die Verlustzahlen deutlich zurück. Mit den massiven Luftangriffen hofften die Alliierten auch, Widerstand gegen die NS-Führung hervorrufen und den Krieg verkürzen zu können.
B-17 Flying Fortress am Nachthimmel über Deutschland
Ab Frühjahr 1944 erhöhte sich die Luftüberlegenheit derart, dass beinahe täglich alliierte Bomber in das Reichsgebiet einfliegen konnten. In der Big Week wurden im Februar 1944 ausgewählte Ziele der deutschen Rüstungsindustrie mit 6.000 Bombern der RAF und der USAAF angegriffen. Als ab Mai 1944 die kriegswichtigen Raffinerien und Hydrieranlagen, u.&#160;a. die Leunawerke, verstärkt bombardiert wurden, wurde die Treibstoffversorgung des Heeres und insbesondere der Luftwaffe erheblich beeinträchtigt. Mit dem darauf folgenden Ausfall von 90&#160;% der deutschen Benzinproduktion war der Krieg laut Albert Speer für das Deutsche Reich auch „produktionstechnisch verloren“.[184]
Die schweren Luftangriffe auf Dresden vom 13. bis 15. Februar 1945 töteten etwa 25.000 Menschen und sind bis heute Gegenstand kontroverser Betrachtungen zwischen militärischer Notwendigkeit oder Bruch des damaligen Kriegsvölkerrechts. Zur gleichen Zeit wurden bis Ende März 1945 auch kleinere Städte wie Pforzheim, Swinemünde, Würzburg, Hanau, Hildesheim und Paderborn noch großflächig zerstört.
Mit der Entwicklung des Marschflugkörpers V1 und der Rakete V2 hoffte die nationalsozialistische Führung auf eine „Wunderwaffe“. Da beide Waffen nicht punktgenau eingesetzt werden konnten, waren sie ungeeignet zur gezielten Zerstörung militärischer Ziele. Jede vierte V1 war ein Blindgänger, andere wurden von britischen Jagdflugzeugen abgeschossen. Aber in der deutschen Bevölkerung konnte Hoffnung auf eine Wende geweckt oder wachgehalten werden, etwa in der Flüsterpropaganda: „Da kommt noch was! Das ist noch nicht alles.“ Ihre Funktion war vor allem die Terrorisierung der britischen Zivilbevölkerung. Etwa 4000 Menschen starben durch den Einsatz dieser „Vergeltungswaffen“. Zwischen Juni 1944 und März 1945 wurden mit ihnen vorwiegend London und später Antwerpen angegriffen.
Im Bombenkrieg starben rund 600.000 Deutsche[185] und 60.595 Briten.[186] Von den 125.000 Freiwilligen des britischen Bomberkommandos sind über 55.000 Soldaten gefallen, mehr als in jeder anderen britischen Waffengattung.
Im Krieg gegen Japan ging die USAAF nach anfänglichen, erfolglosen Präzisionsangriffen aus großer Höhe zu Flächenbombardements aus relativ geringer Höhe auf japanische Städte über. Die amerikanischen Luftangriffe auf Tokio im Februar und März 1945 zerstörten die Stadt, die überwiegend aus Holzhäusern bestand, fast vollständig, wobei über 100.000 Menschen starben. Bei den Bombardements anderer Großstädte kamen Hunderttausende von Menschen ums Leben.[187] Den Schlusspunkt setzten die US-amerikanischen Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki am 6. und 9.&#160;August 1945. Sie sollten zum einen Japan militärisch zur Kapitulation zwingen und zum anderen ein politisches Zeichen militärischer Stärke in der aufkommenden Blockkonfrontation setzen.[188]
Atlantik- und U-Boot-Krieg
→ Hauptartikel: Atlantikschlacht&#160;und Unternehmen Rheinübung
Karl Dönitz beim Einlaufen von U 94 im Hafen von Saint-Nazaire, Juni 1941
Unternehmen Rheinübung, 24. Mai 1941
Bau des U-Boot-Bunkers in Lorient, April 1942
Mit der Versenkung des britischen Dampfers Athenia am 3.&#160;September 1939 begann der deutsche U-Boot-Krieg im Atlantik. Als Propagandaschlag von Konteradmiral Karl Dönitz geplant, gelang es Kapitänleutnant Günther Prien, mit U&#160;47 am 14.&#160;Oktober 1939 in die Bucht von Scapa Flow einzudringen und im Hauptstützpunkt der Home Fleet das Schlachtschiff Royal Oak der britischen Marine zu versenken, wobei über 800&#160;Mann ums Leben kamen. Fanden bis zur Mitte des Jahres 1940 hauptsächlich Aktionen durch einzelne U-Boote statt, konnten nach der Eroberung Frankreichs von fünf U-Boot-Stützpunkten (vorerst provisorisch, später mit massiven Bunkern) an der Atlantikküste aus U-Boote wesentlich schneller die Operationsgebiete im Nordatlantik und vor dem Ärmelkanal erreichen. Die alliierten Konvois waren aus Mangel an Geleitschiffen nur schwach gesichert. Außerdem setzten die U-Boot-Kommandanten die neue Taktik eines nächtlichen Überwasserangriffs ein, der die nur Unterwasserziele ortenden alliierten ASDIC-Sonargeräte wirkungslos machte.
Die jetzt folgenden Versenkungen durch deutsche U-Boote wurden von der nationalsozialistischen Propaganda ausgeschlachtet; viele Kommandanten wurden zu Helden stilisiert und mit Orden dekoriert (siehe auch U-Boot-Kriegsabzeichen (1939)). Die Alliierten verloren 1940 und 1941 jeweils 4,4&#160;Millionen&#160;BRT Schiffsraum, denen nur 1,2 bzw. 2 Millionen BRT an Neubauten gegenüberstanden.[189]
Um den Druck auf die britischen Nachschubtransporte zu erhöhen und um den U-Boot-Krieg zu unterstützen, lief im Mai 1941 ein Geschwader aus Gotenhafen mit Ziel Atlantik aus. Es bestand aus dem gerade erst in Dienst gestellten Schlachtschiff Bismarck, dem ebenfalls erst wenige Monate im Dienst befindenden Schweren Kreuzer Prinz Eugen und einigen Zerstörern. Die Aktion bekam den Decknamen Unternehmen Rheinübung, führte zum Untergang des britischen Schlachtkreuzers HMS Hood am 24.&#160;Mai&#160;1941 und endete drei Tage später mit der Versenkung der Bismarck.
Deutsche U-Boote im Bunker von Brest, 1942
Nach der Kriegserklärung Deutschlands an die Vereinigten Staaten am 11.&#160;Dezember&#160;1941 entsandte Vizeadmiral Dönitz Langstrecken-U-Boote zur Ostküste der USA (Unternehmen Paukenschlag), wo sie in den ersten Januartagen 1942 eintrafen. Die zunächst schlecht organisierte US-Küstenverteidigung stand den Angriffen auf die Handelsschifffahrt hilflos gegenüber. Als die Verteidigung im Frühjahr zunahm, weiteten die U-Boote ihr Einsatzgebiet in die Karibik und den Südatlantik aus. Andere Boote operierten zur gleichen Zeit im Nordatlantik in Rudeln und konnten so den Druck auf die Konvois aufrechterhalten. Es kam im Laufe des Jahres zu mehreren großen Geleitzugschlachten. Im Herbst 1942 steigerten sich die Erfolge der U-Boote noch weiter, da viele Geleitkräfte für die Sicherung der Transporte nach Nordafrika (Material für Operation Torch) eingesetzt waren. 1942 wurden 8,2&#160;Millionen&#160;BRT alliierten Schiffsraums versenkt; 7,2&#160;Millionen BRT wurden neu gebaut (s.u.).
Ende 1942 gelang es britischen Kryptoanalytikern in Bletchley Park bei London, den mit Hilfe der ENIGMA verschlüsselten Funkverkehr der deutschen U-Boote erneut zu brechen. Durch Entschlüsselung des deutschen Funkverkehrs, Unterwasserschallortung von Schiffen und Radarortung von Flugzeugen aus entstand ab 1943 eine katastrophale Situation für die deutschen U-Boote. Im Mai 1943 konnten die Alliierten die Verbesserung der technischen Ausstattung der Konvoi-Geleitkräfte (escorts) durch Radar, Sonar und Hedgehog-Granatwerfer sowie ihre Luftüberlegenheit mittels Geleitflugzeugträger in vollem Maße nutzen, sodass in diesem Monat 43 deutsche U-Boote versenkt wurden. Großadmiral Dönitz stellte daraufhin den U-Boot-Krieg vorübergehend ein und ließ die U-Boote zurückrufen. Die Atlantikschlacht wendete sich dadurch endgültig.
Nach der Landung der Alliierten in der Normandie, Anfang Juni 1944, gingen bald auch die deutschen U-Boot-Stützpunkte an der französischen Atlantikküste verloren. Die U-Boote wurden in die Nord- und Ostsee sowie norwegischen Küstengewässer zurückgedrängt oder operierten nun mehr vor der britischen Ostküste. Das damals modernste U-Boot vom Typ XXI kam bis Kriegsende nicht mehr zum Einsatz. Bei Bekanntwerden der bevorstehenden Kapitulation der Wehrmacht wurde am 4.&#160;Mai 1945 die Operation Regenbogen gestartet: Obwohl Dönitz’ Befehl an diesem Tage lautete, alle Schiffe zu übergeben, wurden die meisten U-Boote von ihren Besatzungen selbst versenkt. Die übrigen Boote liefen nach dem 8.&#160;Mai mehrheitlich britische oder US-amerikanische Häfen an.
Schiffsraumbilanz des Handelskrieges:[190]
Jahr
Verlust
dt. U-Boote
Bilanz der Alliierten
(Neubauten – versenkte Tonnage)
1939
9
− 478.000 BRT
1940
21
− 3.188.000 BRT
1941
34
− 2.414.000 BRT
1942
88
− 1.063.000 BRT
1943
225
+ 10.974.000 BRT
1944
247
+ 11.927.000 BRT
1945
132
+ 3.376.000 BRT
Gesamt
782
+ 19.134.000 BRT
Kriegswirtschaft
→ Hauptartikel: Kriegswirtschaft im Zweiten Weltkrieg
Amerikanisches Kriegsplakat: „Wir können diesen Krieg nicht gewinnen, ohne dass auch wir an der Heimatfront Opfer bringen.“
Die Kriegswirtschaft war von entscheidendem Einfluss auf den Kriegsverlauf und seinen Ausgang. Während anfangs die jeweilige Militärtaktik entscheidenden Einfluss hatte, war der Kriegsverlauf ab 1942 wesentlich durch die quantitative Übermacht der Kriegsproduktion der Alliierten beeinflusst.[191] Das Dritte Reich und Japan verfolgten eine Blitzkriegstaktik und waren auf einen längeren Krieg nicht vorbereitet. Großbritannien, die Sowjetunion und die USA hingegen hatten seit Kriegsbeginn konsequent eine drastische Ausweitung der Kriegsproduktion mit dem Ziel herbeigeführt, den Zweiten Weltkrieg nach Art eines Abnutzungskriegs zu gewinnen. Im Dritten Reich war erst Anfang 1942 eine drastische Ausweitung der Kriegsproduktion angestoßen worden.
Die Kriegswirtschaft im Zweiten Weltkrieg führte vor allem bei den Alliierten zu einer deutlichen Ausweitung der Frauenarbeit. Im Dritten Reich und in Japan wurden in großem Umfang Zwangsarbeiter eingesetzt.
Kriegsmateriallieferungen Großbritanniens und der USA an die Sowjetunion (in Tonnen):[192]Persischer
Golf[193]
Pazifik[194]
Nordatlantik
Schwarzes
Meer
sowjetische
Arktis[194]
Gesamt
1941
13.502
139.299
153.977


360.778
1942
705.259
734.02o
949.711

64.107
2.453.097
1943
1.606.979
2.388.577
681.043

117.946
4.794.545
1944
1.788.864
2.848.181
1.452.775

127.802
6.217.622
1945
44.513
2.079.320
726.725
680.723
142.538
3.673.819
Summe
4.159.117
8.243.397
3.694.231
680.723
452.393
17.499.861
Prozent
23,8&#160;%
47,1&#160;%
22,7&#160;%
3,9&#160;%
2,5&#160;%
100&#160;%
Politische Aspekte
Kriegsverbrechen
→ Hauptartikel: Kriegsverbrechen des Deutschen Reiches im Zweiten Weltkrieg
→ Hauptartikel: Kriegsverbrechen der Roten Armee im Zweiten Weltkrieg
→ Hauptartikel: Kriegsverbrechen der japanischen Streitkräfte im Zweiten Weltkrieg
→ Hauptartikel: Kriegsverbrechen der Alliierten im Zweiten Weltkrieg
Erschießung angeblicher Partisanen durch Angehörige der Wehrmacht in der Sowjetunion, September 1941
Im Kriegsverlauf wurden nach entsprechenden Befehlen von deutschen Truppen zahlreiche Kriegsverbrechen an Juden, Sinti und Roma und Osteuropäern verübt. Während der Leningrader Blockade verhungerten mehr als eine Million Menschen. In deutschen Sammellagern starben über drei Millionen sowjetische Kriegsgefangene. Es waren keine Vorbereitungen für deren existenzsichernde Unterkunft und Versorgung getroffen worden, obwohl das Oberkommando der Wehrmacht schon im März 1941 für die Wochen nach dem Überfall, den Sommer und Herbst 1941, mit zwei bis drei Millionen sowjetischen Kriegsgefangenen gerechnet hatte.[195] Die Wehrmacht ließ sie aus Gleichgültigkeit oder gezielt verhungern; sie starben an Krankheiten, Misshandlungen, bei der Zwangsarbeit oder wurden ermordet.
Öffnung eines Massengrabes in Katyn, März 1943
Truppen der Achsenmächte und der Alliierten verübten in den meisten vom Krieg betroffenen Ländern Vergewaltigungen.[196] In der Wehrmacht wurden 5349 Soldaten wegen Sexualverbrechen verurteilt.[197] Wie groß die Zahl der tatsächlich von Soldaten der Wehrmacht begangenen Vergewaltigungen war, lässt sich aufgrund des mangelnden Interesses der Wehrmachtführung an Strafverfolgungen und der „dürren Quellenlage“ nicht seriös schätzen.[198]
Auch über das Ausmaß der sexuellen Übergriffe durch Soldaten der Roten Armee während ihres Vormarsches auf deutschem Territorium lässt sich nur spekulieren, da keine auch nur annähernd gesicherten Befunde darüber vorliegen.[199] Der Statistiker Gerhard Reichling schätzt, dass 1,9 Millionen deutsche Frauen und Mädchen während des Vormarsches bis Berlin von Männern der Roten Armee vergewaltigt worden seien, davon 1,4 Mio in den ehemaligen Ostgebieten bzw. während Flucht und Vertreibung und 500.000 in der sowjetischen Besatzungszone.[200] Historiker wie Norman Naimark gehen von Zehntausenden, wahrscheinlicher sogar Hunderttausenden und möglicherweise von bis zu zwei Millionen Opfern aus.[201]
Catherine Merridale schätzt die Opfer von Vergewaltigungen durch Angehörige der Roten Armee auf „Zehn-, höchstwahrscheinlich sogar Hunderttausende deutscher Frauen und Mädchen“.[202] Für Schätzungen der Zahl der deutschen Frauen, die durch Soldaten der westlichen Alliierten vergewaltigt wurden, gibt es bislang keine ausreichende Grundlage.[203]
Siehe auch: Sexuelle Gewalt im Zweiten Weltkrieg
Japan ging insbesondere gegen Chinesen mit großer Brutalität vor. Dabei kam es zu Kriegsverbrechen japanischer Soldaten in China (Massaker von Nanking) sowie grausamen medizinischen Experimenten an Gefangenen. Nach chinesischen Angaben sollen zwischen fünf und zehn Millionen chinesische Zivilisten getötet worden sein. Die Bombardierung Shanghais 1937 war der Auftakt des japanischen Eroberungsfeldzuges durch Südostasien. Der Feldzug kostete bis 1945 insgesamt etwa 20&#160;Millionen Menschen das Leben. Die Einheit 731 führte in Lagern grausame Experimente an Gefangenen durch; es sind japanische Menschenversuche mit biologischen Krankheitserregern an Chinesen bekannt geworden. Von 1932 bis 1945 kam es zu Vergewaltigungen von Frauen und Mädchen durch japanische Soldaten in besetzten Gebieten.[204] Die genaue Anzahl der Vergewaltigungen wurde nie ermittelt. Nur in wenigen Fällen, wie die Massenvergewaltigungen während des Massakers von Nanking, liegen genauere Untersuchungen vor.[205] Die vergewaltigten Frauen und Mädchen wurden nach der Vergewaltigung häufig getötet.[206] Eine Strafverfolgung durch die japanische Militärjustiz erfolgte nicht. Die japanische Armee verschleppte zwischen 1932 und 1945 nach Schätzungen 100.000&#160;bis 300.000&#160;Mädchen und Frauen, meist im Alter zwischen 14 und 25&#160;Jahren, als „Trostfrauen” (ian-fu) in Militärbordelle.[207][208] Etwa 100.000 davon stammten aus der japanischen Kolonie Korea. Dazu kamen Mädchen und Frauen aus China und fast allen besetzten Gebieten in Südostasien, insbesondere aus Indonesien, Malaysia, Philippinen und Teilen Chinas. Einige der Frauen stammten auch aus Japan und Australien, ferner waren Niederländerinnen aus Niederländisch-Indien (heute Indonesien) darunter. Die Frauen und Mädchen mussten Tag für Tag etwa 30&#160;bis 40&#160;Soldaten zu Diensten sein. Bis zum Kriegsende starben etwa 70&#160;Prozent dieser Frauen an Krankheiten, Folter oder Hunger. Noch in den letzten Kriegswochen wurden Tausende der „Trostfrauen” ermordet. Die Gesamtzahl der Zivilisten, die von Japanern im Zusammenhang mit ihrer kriegerischen Lebensraum-Politik getötet wurden, wird auf knapp sechs Millionen geschätzt.[209]
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden 24 deutsche Hauptkriegsverbrecher im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher angeklagt, davon zwölf zum Tod durch den Strang verurteilt, zwei wurden freigesprochen. In zwölf Nachfolgeprozessen wurden 185 Personen aus der nationalsozialistischen Führung, Ärzte, Juristen und führende Personen aus der Wirtschaft und Offiziere aus dem Oberkommando der Wehrmacht angeklagt, davon 24 zum Tod durch den Strang verurteilt (wovon zwölf in Haftstrafen gemildert wurden), 35 wurden freigesprochen. Erstmals in der Geschichte mussten sich Politiker, Militärs und andere Verantwortungsträger persönlich für das Planen und Führen eines Angriffskrieges und für Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantworten. In der Nachkriegszeit von vielen deutschen Politikern als Siegerjustiz kritisiert, gelten diese Prozesse heute als Grundlage für das moderne Völkerstrafrecht. In weiteren 745 Kriegsverbrecherprozessen, u.&#160;a. in Hamburg, Dachau und Rastatt, wurden mindestens 677 Todesurteile ausgesprochen, von denen 212 in Haftstrafen umgewandelt wurden.[210] Die Mehrheit der Kriegsverbrecher aus SS und Wehrmacht wurde nie vor Gericht gestellt.
Japanische Hauptkriegsverbrecher wurden in den Tokioter Prozessen vom International Military Tribunal for the Far East abgeurteilt.
Massenmorde im deutschen Machtbereich
Siehe auch: Holocaust&#160;und Konzentrationslager
Verhaftung von Juden in Polen, September 1939
Die Entrechtung und Verfolgung der jüdischen Minderheit war ein immanenter Bestandteil der nationalsozialistischen Politik. In zeitlicher Übereinstimmung mit der Ausweitung des Krieges durch den Überfall auf die Sowjetunion radikalisierte sich die Haltung gegenüber der Minderheit zur Vernichtungspolitik. Im von der Wehrmacht geschützten Hinterland im Osten führten die Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD, Polizeireserveeinheiten und Wehrmachteinheiten unter dem Vorwand der Partisanenbekämpfung Massentötungen von Juden durch. Am 18.&#160;Dezember 1941 notierte Himmler in seinem Dienstkalender, Hitler habe auf sein Nachfragen das bisherige Vorgehen der Einsatzgruppen bestätigt und befohlen: „Judenfrage / als Partisanen auszurotten“.[211]
Der „Kommissarbefehl“ vom 6.&#160;Juni 1941 veranlasste Wehrmachteinheiten und Einsatzgruppen zur Tötung von etwa 5000 kriegsgefangenen Rotarmisten mit tatsächlicher oder angenommener politischer Funktion. In einem Befehl Heydrichs an die Einsatzgruppen (17.&#160;Juli 1941) wurden Juden automatisch mit Politkommissaren gleichgesetzt. Bis Dezember 1941 wurden von Einsatzgruppen und Soldaten der Wehrmacht gemäß Partisanen- und Kommissarbefehl ungefähr eine halbe Million Menschen ermordet,[212] fast 99 Prozent davon waren Juden. An vielen Orten unterstützten Wehrmachteinheiten logistisch die Einsatzgruppen. Schon vor Beginn des Feldzuges im Osten gab es Anweisungen, in denen „rücksichtsloses und energisches Durchgreifen besonders gegen bolschewistische Hetzer, Freischärler, Saboteure und Juden“ gefordert wurde.[213] Die Wirklichkeit des Krieges ging noch darüber hinaus, als in den rückwärtigen Heeresgebieten oft ganze Dörfer niedergebrannt und alle Einwohner rücksichtslos erschossen wurden, wenn sie bloß im Verdacht standen, Partisanen Unterschlupf und Essen gewährt zu haben, während die Partisanen selbst rechtzeitig wieder in Wäldern verschwunden waren.[214]
Brillen von ermordeten Juden in Auschwitz (Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau)
Ermordete Häftlinge im KZ Buchenwald, aufgenommen nach dessen Befreiung, April 1945
Ende 1941/Anfang 1942 entstanden sechs Vernichtungslager im besetzten Polen (Kulmhof, Belzec, Sobibor, Majdanek, Treblinka, Auschwitz-Birkenau).[215] In Birkenau (Auschwitz II) wurde ein neues Tötungsmittel verwendet, das von den Ärzten im Euthanasieprogramm bereits im kleineren Umfang erprobt worden war: kristallisierte Blausäure (Zyklon B).[216] Ende 1942 lebten von 2,3 Millionen Juden im Generalgouvernement keine 300.000 mehr.[217] In einigen Ländern (beispielsweise in Dänemark, wo es zur Rettung der dänischen Juden kam), widersetzten sich die Regierung und/oder die Bevölkerung der Deportation und Ermordung ihrer jüdischen Mitbürger.
Etwa 200.000 Deutsche, die meisten davon Angehörige der Einsatzgruppen und anderer SS-Formationen, waren an den Massenmorden beteiligt.[218] Spätestens im Sommer 1943 hat auch die große Mehrheit der Deutschen zumindest damit gerechnet, dass die im NS-Herrschaftsbereich lebenden Juden umgebracht werden sollten. Viele hatten Kenntnis von Massenmorden in Osteuropa.[219]
Mindestens 13 Millionen (wahrscheinlich etwa 15 Millionen) Zivilisten wurden von Einsatzgruppen, SS-Angehörigen, Ordnungspolizei, Soldaten der Waffen-SS und Wehrmacht oder auch verbündeten Truppen der Achsenmächte, wie zum Beispiel von der kroatischen Ustascha, ermordet.[220] Die meisten Massenmorde fanden im Rücken der Ostfront auf sowjetischem Gebiet und in Ostpolen statt (mindestens zwölf Millionen).[221] Von den etwa 15 Millionen in Europa ermordeten Zivilisten waren mehr als 6,2 Millionen jüdischer Abstammung,[222] ferner mindestens 220.000 Sinti und Roma,[223] etwa 275.000 „Euthanasie“-Opfer[224] sowie Homosexuelle, Zeugen Jehovas und Freimaurer. An der Ermordung von Geisteskranken waren auch Ärzte beteiligt. Im Generalgouvernement, in den besetzten sowjetischen Gebieten, in Jugoslawien und in Frankreich wurden ungezählte Partisanen nicht nach dem Kriegsvölkerrecht behandelt. In allen besetzten Ländern gab es darüber hinaus zahlreiche Geiselerschießungen.
Die Befreiung des KZ Auschwitz durch sowjetische Soldaten am 27.&#160;Januar 1945 ist in der Bundesrepublik seit 1996 offizieller „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“; auch international wird seit 2005 dieses Datums gedacht. In den USA gibt es seit 1980 die Days of Remembrance, die eine Woche dauern. In Israel ist Jom haScho’a („Tag des Gedenkens an Shoa und Heldentum“) ein ernster Nationalfeiertag.
In Europa ermordete Juden (Zahlen in 1000, auf- bzw. abgerundet):[225]
Polen
UdSSR
Ungarn
Rumänien
Dtld.
CSR
NL
Frankr.
Österr.
Jugoslaw.
Griechenl.
Belgien
Italien
Luxembg.
Gesamt
2&#160;700
2&#160;100
550
211
165
143
102
76
65
60
59
29
7
1
6&#160;268
Siehe auch: Todesmärsche von KZ-Häftlingen&#160;und Endphaseverbrechen
Zivilbevölkerung
Tote Zivilisten bei Minsk, 1943
Bergung von Opfern in Berlin nach einem Bombenangriff, 8.&#160;April 1944
Von allen beteiligten Staaten hatte die Sowjetunion die meisten zivilen Opfer zu beklagen. Am Beispiel von Leningrad lassen sich die Ausmaße des millionenfachen Hungertodes exemplarisch verdeutlichen: Nachdem die Stadt Anfang September&#160;1941 von deutschen Truppen eingekesselt wurde, konnte die Bevölkerung nicht mehr ausreichend versorgt werden. Während der Leningrader Blockade waren bereits bis zum Sommer&#160;1942 ungefähr 470.000&#160;Menschen gestorben. Die Schätzungen der Gesamtopferzahl reichen von 700.000 bis 1.500.000 Menschen bis zum Ende der Blockade am 27.&#160;Januar&#160;1944. Die meisten Quellen geben eine Zahl von etwa 1.100.000 Toten an.[226]
In anderen von deutschen Truppen besetzten Ländern Ost- und Südosteuropas (Polen, Serbien, Griechenland) musste die einheimische Bevölkerung ebenfalls einen sehr hohen Blutzoll zahlen, weil dort, vor allem in Polen, ebenso „ein Vernichtungskrieg geführt wurde“[227] Dazu kamen in Serbien und Griechenland Geiselerschießungen nach tatsächlichen oder vermuteten Partisanenaktionen.
In den besetzten Ländern Nord- und Westeuropas (Norwegen, Dänemark, Niederlande, Belgien, Luxemburg, Nord- und Westfrankreich, britische Kanalinseln) lag dem Deutschen Reich aus politischen wie militärischen Gründen viel daran, sich als „korrekte Besatzungsmacht“ zu präsentieren, sicherte es doch die Disziplin der Truppe und sparte Ressourcen. Aber auch dort wurden Menschen, die als „rassisch minderwertig“ eingestuft wurden, und all jene, die das Besatzungsregime als widerständig einschätzte, zu keiner Zeit „korrekt“ behandelt.[228] Da im Zweiten Weltkrieg weltweit kein Soldat so üppig bezahlt wurde wie der deutsche,[229] kauften sie „die Länder Europas buchstäblich leer. Sie verschickten Abermillionen Feldpostpäckchen von der Front in die Heimat, Adressaten waren hauptsächlich Frauen: […] Schuhe aus Nordafrika, aus Frankreich Samt und Seide, Likör und Kaffee, Tabak aus Griechenland, Honig und Speck aus Russland, Heringe en masse aus Norwegen.“[230] Im besetzten Teil Frankreichs bekamen die deutschen Soldaten den Beinamen «&#160;doryphores&#160;» („Kartoffelkäfer“), die alles kahl fressen.[231] Die Kaufkraft der deutschen Soldaten wurde auch dadurch gestärkt, dass der für die Reichsmark günstige Wechselkurs in Berlin festgesetzt wurde. „Jetzt bekommt man auch wieder allerhand für unser Geld zu kaufen“, schrieb ein Soldat.[232] Die Besatzungsmacht transportierte Lebensmittel, Konsumgüter und Industrieprodukte nach Deutschland, „um auf diese Weise die Deutschen im Reich zu ernähren und bei Laune zu halten.“[231] Als Folge stiegen in den deutsch besetzten Ländern die Preise; nach und nach wurde fast alles rationiert. Der Schwarzmarkt blühte auf.[233] Einzelne Sparten und Personen verdienten gut an den Deutschen. Renault konnte durch das Motorisierungsprogramm der Wehrmacht seinen Umsatz bis 1942 verfünffachen. Auch viele Baufirmen machten in großem Stil Umsatz und Gewinn, indem sie für die Besatzungsmacht Baracken, Straßen, Flugplätze und anderes bauten.[234]
Für die deutsche Zivilbevölkerung hatte der Krieg zunächst keine direkten negativen Konsequenzen. Obwohl im weiteren Verlauf fast alle Waren des täglichen Bedarfs mit Lebensmittelkarten oder Bezugsscheinen rationiert wurden, gab es in den ersten Kriegsjahren keine mangelnde Versorgung mit Gütern. Das lag vor allem daran, dass meist zu Ungunsten der dortigen Bevölkerung viele Erzeugnisse und Rohstoffe aus den besetzten Ländern ins Reichsgebiet transferiert wurden. Zu den Begünstigten zählten 95&#160;Prozent der Deutschen.[235] Sie empfanden den Nationalsozialismus nicht als System der Unfreiheit und des Terrors, sondern als Regime der sozialen Wärme, als eine Art „Wohlfühl-Diktatur.“[236] Hierzu gehörte auch, dass der Sport nach einer kurzen Pause zu Kriegsbeginn weiterging und z. B. die Deutsche Fußballmeisterschaft 1943/44 komplett stattfinden konnte. Erst im Spätjahr 1944 musste der meiste Sport abgesagt werden.[237] Unmittelbare Auswirkungen für die deutsche Zivilbevölkerung gab es mit den zunehmenden alliierten Luftangriffen auf deutsche Städte ab Anfang 1942 und der „Totalisierung“ der Kriegführung im Jahr darauf.
Die Arbeitskraft der zur Wehrmacht einberufenen Männer wurde durch Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter aus West- und Osteuropa teilweise ersetzt. Allein von April bis Dezember 1942 wurden ca. 1,3 Millionen zivile Arbeitskräfte, je zur Hälfte Männer und Frauen mit einem Durchschnittsalter von etwa 20 Jahren, nach Deutschland geholt. Hinzu kamen 1942 noch 450.000 sowjetische Kriegsgefangene. Der größte Teil dieser Zivilarbeiter und Kriegsgefangenen wurde in der Industrie eingesetzt. Als seit dem Spätherbst vermehrt auch Rüstungsarbeiter zum Kriegsdienst eingezogen wurden, fehlten im ersten Halbjahr 1943 der deutschen Kriegswirtschaft 1,5 Millionen Arbeitskräfte, was sich auch durch die vermehrte Dienstverpflichtung von Frauen nicht ausgleichen ließ. Zwischen Anfang 1943 und dem Kriegsende wurden weitere 2,5 Millionen Zivilarbeiter und Kriegsgefangene nach Deutschland gebracht. Im August 1944 arbeiteten mehr als sieben Millionen „Fremdarbeiter/innen“ in Deutschland, zumeist gegen ihren Willen und unter zunehmend brutaleren Bedingungen. Anfang 1945 war ein Viertel aller Beschäftigten in der deutschen Wirtschaft ausländischer Herkunft. Nur durch deren Einsatz und den von Kriegsgefangenen war es dem Deutschen Reich möglich, den Krieg weiterzuführen, der ohne ihn spätestens im Frühjahr 1942 verloren gewesen wäre. Der Ausländereinsatz in der Landwirtschaft ermöglichte es außerdem, die Versorgungslage der deutschen Bevölkerung bis in die letzte Kriegsphase auf hohem Niveau zu halten, was für die Loyalität der Bevölkerung gegenüber dem Regime ausschlaggebend gewesen ist.[238]
Ab Oktober 1944 wurde der Volkssturm, das heißt „alle waffenfähigen Männer im Alter von 16 bis 60 Jahren“, zum Dienst an der Front einberufen. Der Kulturbetrieb wurde während des gesamten Krieges aufrechterhalten, insbesondere Filme wie „Die Feuerzangenbowle“ dienten der Zerstreuung und Ablenkung vom Kriegsalltag. Aber Kriegsmüdigkeit, Überarbeitung und Erschöpfung sowie das Gefühl, dass man den Ereignissen hilflos ausgesetzt sei, ließen im Herbst 1944 eine Abneigung gegen das NS-Regime stärker werden. Auch Hitler selbst geriet dabei in die Kritik, weil er derartiges Leid heraufbeschworen habe. Ein äußerliches Zeichen hierfür war, dass der Gruß „Heil Hitler“ jetzt verschwand.[239] Für die Zivilbevölkerung im Osten des Reiches erreichten die Kriegseinwirkungen ihren Höhepunkt mit dem Einmarsch und der Besetzung durch die Rote Armee. Im Westen wurde der Einmarsch der britischen und US-amerikanischen Truppen von der deutschen Bevölkerung überwiegend mit Erleichterung zur Kenntnis genommen.
Kriegspropaganda und Propagandakrieg
Flugblätter
Im Zweiten Weltkrieg wurden in Europa schätzungsweise 20 Milliarden Kriegsflugblätter hinter den feindlichen Linien abgeworfen, und es ist anzunehmen, dass die Mehrzahl der Bewohner der am Krieg beteiligten Länder von den Flugblattinhalten erreicht wurden.[240]
Deutsche Propaganda
→ Hauptartikel: NS-Propaganda&#160;und Propagandakompanie
Antisemitische Ausstellung in Paris, September 1941
Niederländisches Propaganda-Plakat der Waffen-SS
Schon vor dem Zweiten Weltkrieg waren in der Wehrmacht Propagandakompanien aufgestellt worden, die die deutsche Bevölkerung im Sinne des NS-Regimes positiv auf die Kriegsereignisse einstimmen sollten. Kriegsberichterstattung per Radio und Wochenschau dienten der Information, der NS-Propaganda und anderen Zwecken (z.&#160;B. Glaube an den Endsieg; siehe auch Propagandafilm). Die Deutsche Wochenschau berichtete vor dem Hauptfilm positiv vom Fortgang des Krieges. Leni Riefenstahl folgte mit einem „Sonderfilmtrupp“ den Truppen in Polen. Elend und Leid, Sterben und Tod wurden in allen Medien weitgehend ausgeblendet. Die Volksgenossen lasen die gleichen Zeitungen, sahen die gleichen Wochenschauen, hörten die gleichen Wehrmachtberichte. Es war eine Mixtur aus Dokumentation und Unterhaltung; auch die echten Kriegsbilder vermittelten falsche Kriegs-Bilder.[241]
Während des Krieges beschwor Goebbels in den gleichgeschalteten Medien den bevorstehenden Endsieg und glorifizierte die Erfolge der Wehrmacht, indem er zukünftige Positionen des deutschen Heeres als schon teilweise erreicht darstellte. Auch sagte er die Einnahme von Städten voraus, die wenige Tage später tatsächlich eingenommen wurden. Des Weiteren verhöhnte Goebbels Gegner Deutschlands: Er charakterisierte beispielsweise Winston Churchill als „Trunkenbold“ und eiferte damit Hitler nach; in öffentlichen Reden wiederholte er gern dessen Charakterisierungen von Churchill als „Schwätzer“ oder „verlogenes Subjekt“ oder „Faulpelz ersten Ranges“.[242]
Die NS-Führung rechtfertigte den Feldzug gegen die Sowjetunion seit dessen Beginn mit der „Verteidigung des Abendlandes gegen den Bolschewismus“ und gegen die „jüdisch-bolschewistischen Untermenschen“. Den Soldaten der (neuen) Ostfront wurde der Angriff am frühen Morgen des 22. Juni in einer von Offizieren verlesenen Proklamation als „die Sicherung Europas und damit die Rettung aller“ erklärt.[243] Die SS ließ 1942 die Broschüre Der Untermensch publizieren, die mit Hetzartikeln und fratzenhaften Bildern die Russen als rassisch minderwertig darstellte.
Die Auslandsillustrierte Signal erschien 1940 bis 1945, erreichte eine maximale Auflage von 2,5 Millionen Exemplaren und wurde zeitweise in 20 Sprachen gedruckt.[244] Sie hatte acht Farbseiten und warb für eine „Neue Ordnung“ in Europa mit dem angeblichen Ziel der Abwehr gegen den Bolschewismus. Die Pariser Zeitung (1941–1944), mit einer deutschen und einer französischen Ausgabe, veröffentlichte auch Beiträge bekannter französischer Persönlichkeiten wie Alphonse de Châteaubriant, Georges Oltramare und Lucien Rebatet und versuchte darüber hinaus, prodeutsche Sympathien vornehmlich über die kulturelle Ausstrahlung Deutschlands zu verbreiten. Daneben gab es viele weitere Publikationen, die auch im Ausland die deutsche Perspektive verbreiteten.[245]
Im August 1942 äußerte Goebbels in einer Propaganda-Anweisung die Besorgnis, „dass sich das deutsche Volk zur Zeit in weiten Kreisen in dem Glauben wiegt, die militärischen Ereignisse im Osten […] würden zu einem baldigen Kriegsende führen“.[246] Erst nach der Niederlage in Stalingrad (Ende Januar 1943) kann von einer „Talsohle der Stimmungslage“ in der deutschen Bevölkerung gesprochen werden.[247] Am 18. Februar 1943 rief Goebbels die deutsche Bevölkerung in der Sportpalastrede zum totalen Krieg auf. Doch trotz zunächst positiver Reaktionen in der Bevölkerung erreichte sie ihren Zweck, die personellen und materiellen Ressourcen zu mobilisieren, nur begrenzt; ihre Wirkung ließ schnell nach.[248] Im weiteren Verlauf forderte die NS-Propaganda den Widerstandswillen der Bevölkerung „bis zum Endsieg“, gegen den „angloamerikanischen Bombenterror“ und die „rasende Rachsucht“ der Roten Armee immer stärker, je näher die Alliierten auf die Reichsgrenzen vorrückten.
Britische und US-amerikanische Propaganda
Propagandaplakat des War Production Board
Auch in Großbritannien wurde Propaganda gegen den Kriegsgegner gemacht. 1940 gelang es Churchill in mehreren berühmten Reden, darunter der „Blut-Schweiß-und-Tränen-Rede“ und ihrer Fortsetzung (We Shall Fight on the Beaches), das Einverständnis der britischen Bevölkerung für Krieg und Widerstand gegen Deutschland zu gewinnen. Folglich ließ er auch das sogenannte Friedensangebot, den „Appell an die Vernunft, auch in England“, den Hitler in seiner Reichstagsrede vom 19. Juli 1940 an Großbritannien richtete, innerhalb einer Stunde zurückweisen.[249]
Die USA stellten nach dem japanischen Überfall auf Pearl Harbor und der deutschen Kriegserklärung im Dezember 1941 die doppelte Bedrohung aus West und Ost heraus, sozusagen die Gefahr des Zweifrontenkrieges aus US-Sicht. 1942 brachten sie eine Illustrierte mit dem Namen Victory (analog zur deutschen Illustrierten Signal) heraus.[250]
Rundfunkpropaganda
Der Zweite Weltkrieg begann in Europa mit einem fingierten, angeblich polnischen Überfall auf den Sender Gleiwitz am Abend des 31. August 1939. Die deutsche Bevölkerung wurde am nächsten Tag stündlich durch Rundfunksondermeldungen unterrichtet, dass der Führer der Wehrmacht befohlen habe, in Polen einzumarschieren. So, wie er mit einer Lüge im Rundfunk begonnen hatte, endete er auch mit einer Lüge im Rundfunk: Am 1. Mai 1945, abends, verbreitete der letzte deutsche Sender, Flensburg, die „Meldung aus dem Führerhauptquartier“, dass der „Führer Adolf Hitler heute nachmittag in seinem Befehlsstand in der Reichskanzlei, bis zum letzten Atemzug gegen den Bolschewismus kämpfend, für Deutschland gefallen“ sei.[251]
Bereits eine Woche nach Kriegsbeginn wandte sich Jan Masaryk über die BBC an seine Landsleute in der Heimat. Damit begann die BBC ein tägliches 15-minütiges Programm auf Tschechisch auszustrahlen, dessen Mithören vom deutschen Regime unter Todesstrafe verboten war.[252] Während des Krieges nahm die Anzahl der Propagandasendungen in allen beteiligten Ländern zu. Auf deutscher Seite wurden britische und amerikanische Immigranten, die mit der NS-Politik sympathisierten, engagiert, um Briten auf Englisch ansprechen zu können. Die bekannteste Moderatorin war „Axis Sally“, deren Sendungen vom Großdeutschen Rundfunk ausgestrahlt wurden. Goebbels lancierte außerdem den Auslandsrundfunksender „Germany Calling“, dessen Moderatoren, vor allem der irisch-amerikanische Nationalsozialist William Joyce, unter dem Spitznamen „Lord Haw-Haw“ bekannt wurden.[253] Der US-amerikanische Rundfunkjournalist Edward R. Murrow kreierte 1940 eine neue Sendeform, indem er in Livereportagen für die CBS direkt aus dem von der Luftwaffe bombardierten London berichtete. Seine Sendungen „This is London“ fesselten Millionen Zuhörer in den USA an die Radiogeräte und trugen dazu bei, die isolationistische Stimmung in den USA zurückzudrängen.[254] Das vom deutschen Soldatensender Belgrad seit August 1941 ausgestrahlte Lied „Lili Marleen“[255] wurde jeden Abend von Millionen Soldaten in ganz Europa und in Nordafrika, auch von alliierten, gehört, bis es im April 1942 von Goebbels verboten wurde, u.&#160;a. weil dieser von Lale Andersens Kontakten zu Schweizer Juden erfahren hatte. Im Mai 1942 sendete BBC erstmals glaubwürdige Berichte über die Ermordung polnischer Juden.[256] Generalfeldmarschall Paulus sprach nach der Niederlage von Stalingrad über Radio Moskau zu deutschen Hörern.
Blosenbergturm, Sender Beromünster
Die Sendungen der BBC, der „Stimme Amerikas“, des NFD, von Radio Moskau, Radio Vatikan und dem Schweizer Sender Beromünster führten zwar dazu, dass 16 Millionen Deutsche, die (1943) Rundfunkgebühren zahlten,[257] (plus weitere Millionen Familienmitglieder) hinreichend über die zunehmend hoffnungslose militärische und politische Lage Deutschlands informiert sein konnten, aber keinem Sender gelang es, eine mehrheitlich kritische Meinung gegenüber den Nazis in Deutschland herbeizuführen. Wie viele Deutsche heimlich BBC, die umfangreichste ausländische Informationsquelle (mit 11.500 Mitarbeitern in London), hörten, lässt sich nicht sagen. Schätzungen schwanken zwischen 1 bis 10 Millionen Hörern.[258] In Berlin lag die Quote der BBC bei den verurteilten Rundfunkverbrechern bei 64&#160;%. In Süddeutschland hatten 61&#160;% der verurteilten Täter den Sender Beromünster abgehört. Die absoluten Zahlen der Rundfunkverbrechen waren eher gering. Sofern jemand sein dadurch erworbenes Wissen nicht weitererzählt hatte, wurde das „Verbrechen“ von der Kripo häufig wie ein Kavaliersdelikt behandelt und mit der Beschlagnahme des Volksempfängers geahndet. Andernfalls konnte es geschehen, dass der/die Hörer/in von der Kripo als „Hauptübeltäter dieser Zersetzung“ festgenommen wurde und die Staatsanwaltschaft den Vorgang dem Oberreichsanwalt beim Volksgerichtshof in Berlin vorlegte.[259] Weil das Hören von sogenannten Feindsendern streng verboten war,[260] gab fast niemand, der aus dem Radio Bescheid wusste, sein Wissen an andere weiter – wenn doch, konnte ihm sogar „in besonders schweren Fällen“ die Todesstrafe drohen.[261] Die wöchentlichen Berichte in der „Weltchronik“ von Jean Rudolf von Salis über den Schweizer Sender Beromünster galten Millionen von Hörern in Mitteleuropa als objektive Beurteilung der politischen und militärischen Lage in Europa.[262] Sicher ist, dass es dem Regime nicht gelungen ist, seine Sicht der Dinge vollständig durchzusetzen.[263] Es bürgerte sich ein, grundsätzlich nach dem Ende einer abgehörten Feindsendung den Senderknopf wieder auf einen erlaubten Sender zu drehen, um bei plötzlichen Hausdurchsuchungen sich nicht selbst zu verraten. Aber auch, wenn man von mitlauschenden Nachbarn denunziert wurde, gab es die Ausrede, man wechsle zuweilen den Kanal und dabei schlage „dann mitunter der Auslandssender durch“.[264] Der britische Soldatensender Calais war dagegen so gut organisiert, dass er über einen langen Zeitraum von der deutschen Bevölkerung für einen Wehrmachtssender gehalten wurde. Die fast perfekte Tarnung gelang für lange Zeit, indem bei den Deutschen beliebte Musik, Sportergebnisse und Berichte über Ereignisse in Deutschland gesendet wurden.[265] Gelegentlich wurden aber auch moralzersetzende Infos eingestreut. Beispielsweise wurde das geflügelte Wort „Wenn das der Führer wüßte …“, in Deutschland spätestens seit 1938 bekannt, in dessen Sendungen so geschickt verwendet, dass die geschilderten Missstände im Dritten Reich umso eher geglaubt wurden. Hitler wurde nie persönlich angegriffen, immer nur Leute aus seiner Umgebung. Beliebt war auch Frau Wernicke, die in den Sendungen der BBC eine Berliner Kleinbürgerin darstellte, die sich mit ihrem einfachen Gemüt, lockerem Tonfall und gesundem Menschenverstand scharfzüngig über die Nationalsozialisten lustig machte.
Im Krieg in Ostasien (s.&#160;o.) setzten auch die Japaner ab 1943 verstärkt auf Rundfunkpropaganda gegen die Amerikaner, indem sie über Radio Tokyo die Sendung „The Zero Hour“ ausstrahlten. Für die überwiegend weiblichen Moderatoren, die Amerikanisch mit einem japanischen Akzent sprachen, bürgerte sich im GI-Sprachgebrauch der Begriff Tokyo Rose ein.
Widerstand gegen den Nationalsozialismus
→ Hauptartikel: Widerstand gegen den Nationalsozialismus
Kurt Huber, Mitglied der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“, 1943 hingerichtet
Julius Leber, Mitglied der Widerstandsgruppe „Kreisauer Kreis“, 1944 vor dem Volksgerichtshof, 1945 hingerichtet
Die Mehrheit der deutschen Bevölkerung stand dem Kriegsbeginn zunächst skeptisch gegenüber, ließ sich aber von den folgenden Siegesmeldungen blenden. Aus Angst vor Strafen wagten nur wenige Menschen, sich aktiv gegen den Krieg auszusprechen. Zentren des zivilen Widerstands waren die „Weiße Rose“, der „Kreisauer Kreis“ und die „Rote Kapelle“.
Wenngleich die Wehrmacht prinzipiell hinter Hitlers Ideen stand und seine Kriegführung mittrug, sahen ab 1943 einige Generäle die zwangsläufige Niederlage deutlich vor Augen und setzten daher auf einen Waffenstillstand, um der Wehrmacht und der deutschen Bevölkerung Zeit zur Umgruppierung des Heeres und Neuorganisation des Staates zu geben. Am 20. Juli 1944 verübten einige Widerständler ein Attentat auf Hitler im Führerhauptquartier „Wolfsschanze“. Der Versuch, Hitler zu töten, misslang aber ebenso wie der anschließende Versuch eines Staatsstreichs in Berlin (→&#160;Operation Walküre). Die Attentäter wurden hingerichtet. Einige wenige Soldaten lehnten den Krieg auch aus ideologischen Gründen ab und versuchten, ihn durch Sabotagemaßnahmen zu verkürzen. Die weit überwiegende Mehrheit kämpfte bis zum Schluss weiter. Zahlreiche deutsche Soldaten und Hilfsverbände (Polizeireserve etc.) beteiligten sich an Kriegsverbrechen, was Widerstand der Bevölkerung in den besetzten Gebieten provozierte bzw. begünstigte.
In Dänemark (→&#160;Dänischer Widerstand) empfand die Bevölkerung die deutsche Besatzung nach den Worten des Königs als „Alpdruck“. In den Niederlanden entwaffneten die Deutschen die dortige Polizei, weil sie einen Aufstand befürchteten. Der pro-deutschen Bewegung des Vidkun Quisling in Norwegen folgte keine Massenbewegung der Bevölkerung, die Mehrheit lehnte die Deutschen ab. Die schärfsten Formen des westeuropäischen Widerstands traten in Frankreich auf, wo die Résistance, auch Maquis (nach dem mediterranen Buschgestrüpp „maquis“) genannt, gegen die deutsche Besatzung kämpfte.
Unvergleichlich stärker waren dagegen Widerstandsbewegungen in Südost- und Osteuropa: In der Sowjetunion, in Griechenland (siehe: ELAS), in Albanien und in Jugoslawien (unter Marschall Tito) kämpften große Partisanenarmeen. Die polnische „Heimatarmee“ konnte nur auf wenig Unterstützung von außen hoffen. Aus dem ständigen Kleinkrieg gegen die deutschen Besatzer gingen die Partisanen häufig als Sieger hervor. Gegen Ende des Krieges konnten größere Gebiete von den deutschen Besatzern befreit werden, so etwa in Jugoslawien, wo Tito im Anschluss die Macht übernahm, oder in Griechenland, wo die Hegemonie der ELAS mit britischen Interessen kollidierte und zum Griechischen Bürgerkrieg führte.
Internationale Blockbildung
Mit der Unterzeichnung des Antikominternpaktes zwischen Deutschland und Japan wurde bereits 1936 der Grundstein für die spätere Achse Deutschland–Japan–Italien gelegt. Nach dem Hitler-Stalin-Pakt verschlechterte sich das Verhältnis zu Japan zunächst, aber weil sich Japan Zugriff auf die französischen, niederländischen und britischen Kolonien in Asien erhoffte, ging es Ende September 1940 mit Deutschland und Italien den Dreimächtepakt ein, dem fünf südosteuropäische Staaten beitraten. Die Initiative dazu ergriff Japan schon im Juni 1940; aber erst, nachdem Hitler klar geworden war, dass es nicht gelingen würde, Großbritannien durch eine Invasion militärisch auszuschalten, war dieser bereit, ein Bündnis mit Japan abzuschließen. Mit diesem verpflichteten sich die drei Partner, sich gegenseitig zu unterstützen, falls einer der Partner von einer Macht angegriffen werden würde, „die gegenwärtig nicht in den europäischen Krieg oder in den chinesisch-japanischen Konflikt verwickelt ist.“ Da der Vertrag „in keiner Weise den politischen Status berühren“ sollte, „der gegenwärtig zwischen den drei vertragschließenden Teilen und Sowjetrußland besteht“, wurde deutlich, dass der Vertrag vorwiegend die USA von einem Kriegseintritt abhalten sollte.[266]
Großbritannien konnte im Herbst 1940 in der Luftschlacht um England eine deutsche Invasion verhindern und vertraute auf wirtschaftliche und militärische Unterstützung durch die USA. Insbesondere der amerikanische Präsident Franklin D. Roosevelt wollte aus machtpolitischen und weltanschaulichen Gründen die USA zum „Arsenal der Demokratie“ gegen das nationalsozialistische Deutschland machen. Großbritannien erhielt 1941 aufgrund des „Zerstörer-für-Stützpunkte-Abkommens“ 50 Zerstörer zur Abwehr deutscher U-Boote. Im August 1941 trafen sich Churchill und Roosevelt auf einem britischen Kriegsschiff in der Argentia-Bucht (Neufundland) und verkündeten die Atlantik-Charta: Ablehnung aller territorialen Veränderungen ohne Zustimmung der betroffenen Völker und Recht aller Völker auf diejenige Regierungsform, unter der sie leben wollen. Nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor am 7.&#160;Dezember 1941 erklärten die USA Japan den Krieg. Deutschland und Italien erklärten daraufhin den USA den Krieg, ohne dazu vertragsrechtlich verpflichtet zu sein (s.&#160;o.). Der europäische und der ostasiatische Krieg waren zum Weltkrieg geworden. Anfang 1942 wurde in Washington von Roosevelt und Churchill die Konzeption „Germany first“ im Krieg gegen Deutschland und Japan festgelegt.
Alliierte Kriegskonferenzen
V. l. n. r.: Chiang Kai-shek, Roosevelt und Churchill in Kairo, 1943
V. l. n. r.: Stalin, Roosevelt und Churchill in Teheran, 1943
Auf der Arcadia-Konferenz (Dezember 1941/Januar 1942 in Washington) vereinbarten Churchill und Roosevelt als wichtigsten Beschluss, zuerst die deutsche Gefahr auszuschalten: „Germany first“. In Casablanca (Januar 1943) einigten sie sich darauf, zuerst den Krieg in Nordafrika mit der Eroberung Tunesiens im Sommer 1943 zu Ende zu bringen und dann weiter auf Sizilien und in Süditalien fortzusetzen. Die Invasion Westeuropas wurde auf 1944 verschoben. Während der Quadrant-Konferenz in Québec (August 1943) wurde die Operation Overlord (Invasion in der Normandie) beschlossen und General Frederick E. Morgan beauftragt, einen detaillierten Plan zu entwerfen. In Kairo (November 1943) vereinbarten Roosevelt, Churchill und Chiang Kai-shek, den Krieg in Ostasien bis zur bedingungslosen Kapitulation Japans fortzusetzen. Auf der Moskauer Außenminister-Konferenz (19. Oktober bis 1. November 1943) koordinierten Hull, Eden und Molotow die weitere Zusammenarbeit, erörterten den Eintritt der UdSSR in den Krieg gegen Japan und formulierten u. a. die Moskauer Deklaration: Entmilitarisierung, Entnazifizierung, Demokratisierung und Dezentralisierung Deutschlands.[267] Gegenstand der Teheran-Konferenz (28. November–1. Dezember 1943) war die Absprache zwischen Roosevelt, Churchill und Stalin über die weitere Vorgehensweise auf dem europäischen Kriegsschauplatz im Jahr 1944 und die Zeit nach einem Sieg der Alliierten über Deutschland. In Jalta (Februar 1945) wurde Deutschland in vier Besatzungszonen aufgeteilt. Für Ostmitteleuropa und den Balkan wurden Einflusszonen verabredet. Stalin versprach, dass die Sowjetunion zwei Monate nach der deutschen Kapitulation in den Krieg gegen Japan eintreten werde. Auf der Potsdamer Konferenz sollten die Grenzziehungen in Europa und die deutschen Reparationsleistungen, die Verwaltung des besetzten Deutschlands sowie der noch andauernde Pazifikkrieg besprochen werden.
Kriegsfolgen und Opfer
Opferzahlen
→ Hauptartikel: Kriegstote des Zweiten WeltkriegesSoldatenfriedhöfe und Soldatengräber und KriegsgräberstättenBei der Operation Chariot im März 1942 in Saint-Nazaire gefallener britischer Soldat.
Während des Zweiten Weltkrieges wurden Schätzungen zufolge über 65&#160;Millionen Menschen getötet. Es kamen mehr Zivilisten um als Soldaten bei Kampfhandlungen. Am stärksten betroffen war die Sowjetunion mit etwa 27&#160;Millionen getöteten Menschen, davon ungefähr die Hälfte als Soldaten, von denen drei Millionen in deutscher Kriegsgefangenschaft starben. In den sowjetischen Opferzahlen sind die ca. 650.000 getöteten Soldaten der 1939/40 von der UdSSR annektierten baltischen Staaten enthalten.
Grundsätzlich gilt, dass Zahlenangaben zu den Toten des Weltkriegs oft methodisch nicht gesicherte Schätzwerte darstellen, die in der Literatur unterschiedlich angegeben werden. Die folgende Tabelle basiert, sofern nicht in gesonderten Einzelnachweisen angegeben, auf Daten aus dem zehnten Band der vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt herausgegebenen Reihe Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg 2008. Darin sind neutrale Staaten und Kolonien nicht berücksichtigt. Die wiedergegebenen Schätzungen gehen meist auf offizielle Angaben der jeweiligen Regierungen zurück. Die Kriegstoten der in der Tabelle genannten Staaten ergeben eine Summe von ca. 65 Millionen Menschen, darunter mehr als die Hälfte Zivilisten.[268]
Land
Soldaten
Zivilisten
Gesamt
Australien
30.00030.000
Belgien
10.000
00050.000
60.000
Bulgarien
32.00032.000
China
3.500.000
10.000.000
13.500.000
Dänemark[269]
500
00001.500[270]
2.000
Deutschland
6.491.186[271]
01.170.000
7.661.186
Finnland
89.000
00002700
00091.700
Frankreich
210.000
00150.000
360.000
Griechenland
20.000
00160.000
180.000
Großbritannien
270.825
00062.000
332.825
Indien
24.338
03.000.000
3.024.338
Italien
240.000
00060.000
300.000
Japan
2.060.000
01.700.000
3.760.000
Jugoslawien
740.000
00950.000
1.690.000
Kanada
42.042
00001.148[270]
43.190
Luxemburg[272]
2.944
00000.657
3.601
Neuseeland
10.00010.000
Niederlande
22.000
00198.000
220.000
Norwegen
7.500
00002.500
10.000
Österreich[269]
100.000
00130.000
230.000
Philippinen00100.000
100.000
Polen
300.000
05.700.000
6.000.000
Rumänien
378.000378.000
Sowjetunion[273]
13.000.000
14.000.000
27.000.000
Spanien[269]
4.500[274]4.500
Südafrika
9.0009.000
Tschechoslowakei
20.000
00070.000
90.000
Ungarn
360.000
00590.000
950.000
USA
407.316407.316
Bettelnder Kriegsinvalide in Essen, 1948
Insgesamt sind von den 5,7&#160;Millionen Kriegsgefangenen der Roten Armee 3,3&#160;Millionen ums Leben gekommen, die meisten von ihnen verhungert, aber auch Krankheiten, Misshandlungen, Erschießungen oder der Haft in einem Sonderlager zum Opfer gefallen. Dies bedeutet, dass 58&#160;% der sowjetischen Kriegsgefangenen in deutscher Gefangenschaft starben.[275] Von den 3,1&#160;Millionen deutschen Kriegsgefangenen in sowjetischem Gewahrsam kamen 1,1&#160;Millionen (35&#160;%) um.[276] Die Zahl der in deutschem Gewahrsam zu Tode gekommenen westalliierten Kriegsgefangenen war im Verhältnis deutlich geringer. So starben von 1,8&#160;Millionen in deutsche Kriegsgefangenschaft geratenen französischen Soldaten knapp 50.000, das sind 2,8&#160;%.[277] China, für das der Krieg schon Mitte 1937 mit der japanischen Aggression begann, hatte mit ungefähr 14 Millionen im Krieg getöteten Menschen die zweithöchste Anzahl an Todesopfern zu beklagen. Aber auch in Indien verhungerten 1943 und 1944 mehr als zwei Millionen Zivilisten[278], davon die allermeisten in Bengalen, nachdem die Reisimporte aus dem japanisch besetzten Birma ausblieben.
Zu den vielen Verwundeten müssen auch zahlreiche als Deserteure verurteilte Soldaten hinzugezählt werden, die depressiv oder geisteskrank und deshalb unfähig zum Militärdienst waren, aber trotzdem verurteilt wurden, um die „Moral der Truppe aufrecht“ zu erhalten. Das geschah nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen kriegsbeteiligten Staaten.
Es gab viele tote Zivilisten durch Bombardierungen von Großstädten wie Chongqing, Warschau, Coventry, London, Köln, Düsseldorf, Hamburg, Tokio, Dresden und des Ruhrgebiets. Sehr viele Zivilisten kamen bei den Schlachten um Stalingrad, Breslau, Königsberg, während der Leningrader Blockade und der Aushungerung von Charkow ums Leben. Die Versenkung der Flüchtlingsschiffe Armenija, Wilhelm Gustloff, Goya, Steuben und Cap Arcona forderte Zehntausende Opfer. Im harten Winter 1944/45, in Straflagern der Sowjetunion und bei gewaltsamen Vertreibungen von Menschen nach dem Krieg starben weitere, ungezählte Menschen (zum Beispiel Sudetendeutsche infolge der Beneš-Dekrete).
Vielen Menschen war es nicht möglich, aus dem nationalsozialistischen Herrschaftsbereich zu fliehen, weil Staaten (wie die USA oder die Schweiz) zeitweise die Grenzen schlossen und (auch jüdischen) Flüchtlingen kein Asyl gewährten.
Die beiden Atombombenabwürfe auf Japan verursachten direkt und indirekt bis Ende 1945 mehr als 220.000 Opfer.
Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter
Zwangsarbeiter beim Bau des U-Boot-Bunkers Valentin in Bremen, 1944
→ Hauptartikel: Kriegsgefangene im Zweiten Weltkrieg&#160;und Zwangsarbeit
Insgesamt gerieten 11 Millionen Angehörige der Wehrmacht und der Waffen-SS in Kriegsgefangenschaft, davon 7,7&#160;Millionen auf Seiten der Westmächte und 3,3&#160;Millionen auf Seiten der UdSSR. Die Mehrzahl der etwa 3,6&#160;Millionen deutschen Kriegsgefangenen in britischem Gewahrsam befand sich in Lagern in Großbritannien, Deutschland und Kanada. Ungefähr 3,1&#160;Millionen&#160;deutsche Gefangene befanden sich in amerikanischen Lagern, zumeist in den Vereinigten Staaten.
Zur Zwangsarbeit unter dem NS-Regime wurden zwischen sieben und elf Millionen Menschen fast überall im Deutschen Reich und den besetzten Gebieten eingesetzt. Zum Teil arbeiteten sie in Fabriken neben KZ-Häftlingen unter ähnlich menschenunwürdigen Bedingungen, zum kleineren Teil glichen die Lebensbedingungen denen der Arbeit gebenden Handwerker- und Bauernfamilien. Der für sie als oberster Verantwortlicher ernannte Gauleiter Fritz Sauckel wurde 1946 im Rahmen der Nürnberger Prozesse zum Tode verurteilt und hingerichtet. Nach Kriegsende wurden deutsche Kriegsgefangene ebenfalls als Bestandteil der Reparationsleistungen zu Zwangsarbeit verpflichtet, vor allem in der Sowjetunion (bis 1956), aber auch in Westeuropa (→ Deutsche Zwangsarbeiter nach 1945).
Nach Kriegsende gab es in Europa 6,5–12 Millionen als „Displaced Persons“ bezeichnete Personen, bei denen es sich in der Mehrzahl um befreite Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter aus ehemals besetzten Staaten und KZ-Häftlinge handelte. Diese wurden bis zu ihrer Repatriierung oder Aufnahme in Drittstaaten in sogenannten DP-Lagern untergebracht.
Siehe auch: Decknamen nationalsozialistischer Geheimobjekte&#160;und Liste sowjetischer Kriegsgefangenenlager des Zweiten Weltkriegs
Materielle Schäden und Kriegskosten
Zerstörtes Warschau mit Grab im Vordergrund, 1945
Auch die materiellen Schäden waren enorm.[279] In Deutschland verloren etwa vier Millionen Menschen ihre Wohnung und mussten 400 Millionen Kubikmeter Schutt weggeräumt werden. In Köln, wo vor dem Krieg 750.000 Menschen gelebt hatten, waren es nur noch 40.000. Die „Trümmerfrauen“ wurden zu einem Symbol des Aufräumens und des Wiederaufbaus. In Frankreich wurden zwei, in Japan drei und in der Sowjetunion sechs Millionen Wohnungen zerstört. Fast die Hälfte der Eisenbahnschienen war beschädigt: in Deutschland 34.000&#160;km, in Japan 50.000&#160;km, in Frankreich 37.000&#160;km.
Die späteren Siegermächte gingen im Abschlussprotokoll von Jalta davon aus, dass die Deutschen einen Schaden von 20 Milliarden Dollar in Europa angerichtet hätten. Bezogen auf das jährliche Sozialprodukt lag der Schaden in Deutschland (4,8 Mrd. Dollar) bei 140&#160;Prozent,[280] in Frankreich (2,1 Mrd. Dollar) bei 130&#160;Prozent, in Polen (2 Mrd. Dollar) bei 300&#160;Prozent und in der UdSSR (12,8 Mrd. Dollar) bei 250&#160;Prozent. Die Sowjetunion sollte deswegen Reparationen im Wert von 10 Milliarden Dollar erhalten.[281]
1942 betrugen Deutschlands Ausgaben für die Kriegführung 140 Mrd. RM (heute: 534 Mrd. EUR). Dem standen nur Reichseinnahmen in Höhe von 69 Mrd. RM (heute: 263 Mrd. EUR) gegenüber. Der Rest wurde durch neue Schuldverschreibungen finanziert. Die Kriegskosten des Deutschen Reiches (z.&#160;B. Wehrsold für Millionen Soldaten, Produktionskosten für Panzer, U-Boote und Flugzeuge, Kriegerwitwenrenten) beliefen sich bei Kriegsende insgesamt auf 156 Mrd. Dollar (USA: 206 Mrd. Dollar, Großbritannien: 78 Mrd. Dollar). Deutschlands Kriegskosten (156 Mrd. Dollar) und Kriegsschäden (4,8 Mrd. Dollar) (s.&#160;o.) ergeben die gigantische Summe von 160,8 Mrd. Dollar (entsprechend heutiger Kaufkraft und inflationsbereinigt: 2,1&#160;Billionen US-Dollar).[282]
Nachwirkungen
Infolge des Zweiten Weltkriegs schieden Deutschland, Italien und Japan aus dem Kreis der militärischen Großmächte aus. Die westeuropäischen Staaten Frankreich, Niederlande und Großbritannien wurden so weit geschwächt, dass sie nach dem Krieg ihre Kolonialreiche aufgeben mussten. An deren Stelle traten die USA und die Sowjetunion als neue Weltmächte, aufgrund der atomaren Rüstung dann sogar als sogenannte Supermächte.
Europa
Vier Besatzungszonen, Berlin, das Saargebiet und die unter poln. u. sowj. Verwaltung stehenden dt. Ostgebiete, 1945.
→ Besatzungszonen in Österreich
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa berieten die Siegermächte im Juli und August 1945 in Potsdam über die weitere Zukunft Europas und Deutschlands. Die Zielrichtung der gefassten Potsdamer Beschlüsse hatte sich bereits auf der Konferenz von Jalta im Februar 1945 angedeutet.
Deutschland wurde in vier Besatzungszonen eingeteilt; seine Ostgebiete (Pommern, Schlesien, Ostpreußen) wurden vorbehaltlich einer endgültigen Friedensregelung der Verwaltung Polens und der Sowjetunion unterstellt. Polen erhielt dadurch eine neue Grenze im Westen (Oder-Neiße-Linie) und im Osten. Das durch die Bestimmungen des Münchner Abkommens von 1938 von Deutschland eingegliederte Sudetenland fiel an die Tschechoslowakei zurück, da die faktische Annexion im Zuge der „Zerschlagung der Rest-Tschechei“ durch das Deutsche Reich nachträglich für nichtig erklärt wurde. Österreich wurde als Staat wiederhergestellt – dies hatten die späteren Siegermächte bereits 1943 in der Moskauer Deklaration angekündigt – und ebenfalls in vier Besatzungszonen eingeteilt, bis es 1955 mit dem Österreichischen Staatsvertrag unabhängig wurde.
Aufgrund der durch die drei Hauptsiegermächte de facto beschlossenen Gebietsverkleinerung Deutschlands wurden nach unterschiedlichen Angaben zwischen 12 und 14&#160;Millionen Deutsche (Schlesier, Sudetendeutsche, Ostpreußen, Pommern, Ostbrandenburger und Danziger) aus ihrer angestammten Heimat vertrieben. Lange wurde dabei die Zahl der Todesopfer mit 2 Millionen oder gar mehr angegeben. Neuere Untersuchungen stellen dar, dass diese Zwei-Millionen-Zahl als Ergebnis von Bevölkerungsbilanzen berechnet wurde, während gesicherte Personendaten auf der Grundlage von Todesfallmeldungen zu einer Zahl von ca. 500.000 Opfern führen.[283] 3,5&#160;Millionen Polen verloren durch die anschließende Westverschiebung der polnischen Ostgrenze ihre Heimat.
Verhandlungssaal der Nürnberger Prozesse, 30. September 1946
Die deutschen und japanischen Kriegsverbrechen wurden in mehreren Prozessen (zum Beispiel den Nürnberger Prozessen) verhandelt. Das Stuttgarter Schuldbekenntnis einiger führender evangelischer Christen zu Versäumnissen in der Zeit des Nationalsozialismus im Oktober 1945 blieb eine seltene Ausnahme im beginnenden, von den Alliierten erzwungenen Entnazifizierungs-Geschehen.
Berliner zerlegen ein verendetes Pferd, Mai 1945.
Die zum größten Teil zerstörten Städte und der Mangel an Lebensmitteln – insbesondere fehlende Rohstoff- und Düngemittel – verursachten bei der Bevölkerung ein Leben in Armut. Weil viele Männer im Krieg gefallen oder in Kriegsgefangenschaft geraten waren, mussten „Trümmerfrauen“ den Schutt in den Städten beseitigen. Lebensmittel waren nur über Lebensmittelmarken oder aus eigenem Anbau zu haben, weshalb Stadtbewohner massenhaft aufs Land fuhren, um Sachgüter gegen Lebensmittel einzutauschen. Darüber hinaus verloren zu damaliger Zeit weltweit führende deutsche Wirtschaftsunternehmen bedeutende Patente und Warenzeichen. Diese Situation änderte sich erst durch den bald darauf einsetzenden weltweiten Nachkriegsboom, der in Deutschland vielfach als Wirtschaftswunder bezeichnet wurde.
Asien und Pazifik
Japan musste die besetzten pazifischen Inseln an Australien und Großbritannien zurückgeben; es verlor weiterhin Korea, Formosa (Taiwan), Südsachalin und die Kurileninseln. Die alliierte Besetzung Japans endete mit dem Friedensvertrag von San Francisco von 1951, der die Souveränität Japans wiederherstellte. Einige japanische Inseln, darunter die Ryūkyū-Inseln, blieben bis 1972 unter amerikanischer Militärverwaltung.
Gründung der Vereinten Nationen
→ Hauptartikel: Vereinte Nationen
Gründung der Vereinten Nationen, 1945
Mit der Gründung der „Organisation der Vereinten Nationen“ (UNO) auf der Konferenz von San Francisco und dem Inkrafttreten der UN-Charta am 24. Oktober 1945 wurde der Versuch unternommen, das informelle Kriegsbündnis der Anti-Hitler-Koalition in eine permanente Institution zu Wahrung des Weltfriedens zu transformieren. Die Initiative hierzu war maßgeblich von dem verstorbenen US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt ausgegangen. Kernpunkt der Charta war die Schaffung eines Systems, das die friedliche Beilegung von Streitigkeiten und die kontrollierte Intervention bei Verstößen ermöglichen sowie die internationale Zusammenarbeit fördern sollte. Eine besondere Rolle als Garanten des Weltfriedens wurde dabei für die Hauptsiegermächte USA, Sowjetunion, Großbritannien, Frankreich und China vorgesehen, die permanente Sitze und ein Vetorecht im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen erhielten. Am 10. Dezember 1948 wurde die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte verabschiedet, auf deren Grundlage später weitere international bindende Menschenrechtsabkommen entstanden sind, darunter die Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes.
Blockbildung und Kalter Krieg
→ Hauptartikel: Kalter Krieg
Der Zweite Weltkrieg ging sowohl in Europa als auch in Asien relativ nahtlos in den Kalten Krieg über. Schon während des Krieges gab es Differenzen zwischen der Sowjetunion und den westlichen Alliierten, die zugunsten des gemeinsamen Ziels nicht in den Vordergrund gestellt wurden. An diesen Differenzen war nicht allein die Sowjetunion schuld. Die Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki waren der Beginn eines neuen Rüstungswettlaufs zwischen den USA und der UdSSR. Ebenso waren die großen Erweiterungen des sowjetischen Einflussbereiches nach Westen und das beständige kommunistische Vordringen in Ostasien nicht nur ein Ergebnis des Zweiten Weltkrieges, sondern auch ein Grund für den Kalten Krieg.
NATO und Warschauer Pakt während des Kalten Krieges, 1949 bis 1990
In einer Rede in Fulton, Missouri, gebrauchte Winston Churchill 1946 erstmals öffentlich das Bild des „Eisernen Vorhangs“ zur Beschreibung des nunmehr geteilten Nachkriegseuropas. Ab etwa (1947) kam es zunehmend zu Spannungen zwischen den einstigen Verbündeten. Während die Westmächte in ihren Einflusszonen die parlamentarische Demokratie förderten, errichtete die Sowjetunion in den Staaten Osteuropas sogenannte Volksdemokratien unter Führung der Kommunisten. In der Folge verschärften sich die Spannungen und führten zu einer unversöhnlichen Gegnerschaft der einstigen Verbündeten, zur lange dauernden Teilung Deutschlands und Europas und zum Beginn des Kalten Krieges. 1949 wurde die NATO gegründet; der westdeutschen Wiederbewaffnung und dem NATO-Beitritt der Bundesrepublik Deutschland (1955) folgte als Gegenstück der Ostblockstaaten der Warschauer Pakt. Mit dem Zusammenbruch der osteuropäischen Diktaturen im Zuge der Revolutionen im Jahr 1989, der deutschen Wiedervereinigung und der mit der Auflösung der Sowjetunion einhergehenden Wiederherstellung des Selbstbestimmungsrechts der Völker der früheren sowjetischen Republiken wurden weitere Nachwirkungen des Zweiten Weltkrieges beseitigt.
Weitere Nachfolgekonflikte
Weitere Nachfolgekonflikte, die direkt oder indirekt mit dem Zweiten Weltkrieg in Beziehung stehen, waren:der wiederaufgenommene Chinesische Bürgerkrieg (1945–1949), endend mit dem Sieg der Kommunisten und der Gründung der Volksrepublik China, sowie der anschließende Taiwan-Konflikt
der Indonesische Unabhängigkeitskrieg (1945–1949)
die Irankrise (1945–1946)
der Griechische Bürgerkrieg (1946–1949)
der französische Indochinakrieg (1946–1954)
der beginnende Nahostkonflikt, der nach der Gründung des Staates Israel 1948 im Palästinakrieg (1948–1949) erstmals eskalierte
der Konflikt im Zusammenhang mit der Teilung Indiens in die Staaten Indien und Pakistan nach der Unabhängigkeit (1947) sowie der damit verbundene Kaschmir-Konflikt, der zum ersten Indisch-Pakistanischen Krieg führte (1947–1949)
der erstmals unter Beteiligung der UN geführte Koreakrieg im geteilten Korea (1950–1953).Diese und andere Konflikte standen zum einen in Zusammenhang mit der beginnenden Blockkonfrontation als Konflikte über Einflusssphären in einer neugestalteten Weltlage, zum anderen mit der nun verstärkt einsetzenden Dekolonisation.
In Teilen Osteuropas, so im Baltikum, in Polen und in der Ukraine, kam es bereits vor Kriegsende zu von nationalistischen Organisationen (Waldbrüder, OUN) geführten, teilweise bis in die frühen 1950er Jahre andauernden Untergrundaktionen gegen Sowjetisierung und Stalinisierung. Nach dem Tod Stalins im März 1953 entlud sich der Widerstand gegen die etablierten Systeme sowjetkommunistischer Prägung in mehreren, von der Roten Armee niedergeschlagenen Volksaufständen (Aufstand des 17. Juni 1953 in der DDR, Ungarischer Volksaufstand 1956).
Aufarbeitung und Rezeption
Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin, 2005
Die Beschäftigung der europäischen und der deutschen Öffentlichkeit mit dem Zweiten Weltkrieg hält weiterhin an.
Das gewaltige Ausmaß des Zweiten Weltkrieges hat sich in mehreren Sprachen niedergeschlagen. So wird er im Deutschen häufig nur als „Der Krieg“ bezeichnet. Ebenso ist für die verhältnismäßig lange und prosperierende Friedenszeit, die dem Krieg in den Industrieländern folgte, im Deutschen wie auch in anderen westlichen Sprachen der Begriff der Nachkriegszeit (englisch: postwar period) als sprachliche Abgrenzung zum Kriegsgeschehen entstanden, die selten auf andere Kriege angewandt wurde. Darüber hinaus haben viele kriegsverwandte Begriffe aus ihrer Herkunftssprache Eingang in die Sprachen anderer ehemaliger Kriegsteilnehmer gefunden, beispielsweise „Blitzkrieg“, „moral bombing“, „Baedeker Blitz“ oder „Ketsu-go“.
Einige Historiker sprechen von einem zweiten Dreißigjährigen Krieg, mit dem sie die Zeitspanne zwischen 1914 und 1945 meinen, weil der Zweite Weltkrieg ohne den Verlauf und die Folgen des Ersten Weltkrieges nicht zu verstehen sei.[284] Die Führung des NS-Staates habe alles daran gesetzt, eine Niederlage wie 1918 durch Stabilisierung der Heimatfront und Radikalisierung der Kriegführung zu verhindern. Dolchstoßlegende, Diktatfrieden von Versailles und militanter Antisemitismus hätten über die Zwischenkriegszeit hinweg den Boden für die aggressive NS-Außenpolitik zur Neuordnung Europas bereitet. Beide Kriege haben auch gemein, dass der Gegner durch Feindbilder verteufelt und die Grenze zwischen Soldaten und Zivilisten verschwamm. Demgegenüber gebe es aber wichtige Unterschiede: zum Beispiel die Einzigartigkeit des Zweiten Weltkriegs, die im Zivilisationsbruch der Shoa liegt,[285] oder der bedenkenlose Einsatz von Massenvernichtungswaffen gegen Zivilisten.
Siehe auchChronologie des Zweiten Weltkrieges
Liste der Konzentrationslager des Deutschen Reichs
Militärische Operationen im Zweiten Weltkrieg
Angriffe auf Nordamerika während des Zweiten WeltkriegsLiteraturAntony Beevor: Der Zweite Weltkrieg. Bertelsmann, München 2014, ISBN 978-3-570-10065-3. (Originalausgabe: The Second World War. W &amp; N, London 2012.)
Henrik Eberle: Hitlers Weltkriege. Wie der Gefreite zum Feldherrn wurde. Hoffmann &amp; Campe, Hamburg 2014, ISBN 978-3-455-50265-7.
Jörg Echternkamp: Die 101 wichtigsten Fragen – Der Zweite Weltkrieg. C.H. Beck, München 2010, ISBN 978-3-406-59314-7.
Jörg Friedrich: Der Brand. Deutschland im Bombenkrieg 1940–1945. Propyläen, München 2002, ISBN 3-549-07165-5.
Lothar Gruchmann: Der Zweite Weltkrieg. Kriegführung und Politik (dtv-Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts). dtv, München 1985, ISBN 3-423-04010-6.
Tsuyoshi Hasegawa: The End of the Pacific War. Stanford University Press, Stanford, California, 2007.
Christian Hartmann: Unternehmen Barbarossa. Der deutsche Krieg im Osten 1941–1945. C.H. Beck, München 2011, ISBN 978-3-406-61226-8.
John Keegan: Der Zweite Weltkrieg. Rowohlt, Reinbek 2004, ISBN 3-87134-511-3.
Ian Kershaw: Das Ende. Kampf bis in den Untergang. NS-Deutschland 1944/45. DVA, München 2011, ISBN 978-3-421-05807-2.
Ian Kershaw: Wendepunkte. Schlüsselentscheidungen im Zweiten Weltkrieg 1940/41. 2. Auflage, DVA, München 2008, ISBN 978-3-421-05806-5.
Alexander Lüdeke: Der Zweite Weltkrieg. Ursachen, Ausbruch, Verlauf, Folgen. Parragon Books, Bath (UK) 2007.
Wolfgang Michalka: Der Zweite Weltkrieg. Analysen, Grundzüge, Forschungsbilanz. Im Auftrag des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes, Piper, München [u.&#160;a.] 1989, ISBN 3-492-10811-3. (2. Auflage 1990).
Militärgeschichtliches Forschungsamt der Bundeswehr: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg (10 Bände). DVA, 1978–2008, DNB 550799079
Rolf-Dieter Müller: Der Zweite Weltkrieg (=&#160;Handbuch der deutschen Geschichte. Band 21). Klett-Cotta, Stuttgart 2004, ISBN 3-608-60021-3.
Birgit Morgenrath (Hrsg.): Unsere Opfer zählen nicht. Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg. Assoziation A, Berlin 2005, ISBN 3-935936-26-5.
Sönke Neitzel, Harald Welzer: Soldaten. Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2011, ISBN 978-3-10-089434-2. („Eine erschreckende Innenansicht des Zweiten Weltkriegs“).
Rüdiger Overmans: Deutsche militärische Verluste im Zweiten Weltkrieg. 3. Auflage, R. Oldenbourg Verlag, München 2004, ISBN 3-486-20028-3.
Richard Overy: Die Wurzeln des Sieges: Warum die Alliierten den Zweiten Weltkrieg gewannen. rororo, Reinbek 2002, ISBN 3-499-61314-X.
Michael Schneider: In der Kriegsgesellschaft. Arbeiter und Arbeiterbewegung 1939 bis 1945. J.H.W. Dietz Nachf., Bonn 2014, ISBN 978-3-8012-5038-6.
Gerhard Schreiber: Der Zweite Weltkrieg (= Beck'sche Reihe. 2164). 5. Auflage, Beck, München 2013, ISBN 978-3-406-44764-8.
Adam Tooze: Ökonomie der Zerstörung. Die Geschichte der Wirtschaft im Nationalsozialismus. Siedler Verlag, 2007, ISBN 978-3-88680-857-1.
Gerhard L. Weinberg: Eine Welt in Waffen. Die globale Geschichte des Zweiten Weltkriegs. DVA, Stuttgart 1995, ISBN 3-421-05000-7.
Heinrich August Winkler: Geschichte des Westens. Die Zeit der Weltkriege 1914–1945. C. H. Beck, München 2011.
John Zimmermann: Pflicht zum Untergang. Die deutsche Kriegführung im Westen des Reiches 1944/45. Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 2009, ISBN 978-3-506-76783-7 (Zeitalter der Weltkriege, Band 4).[286]Siehe auch: Literaturliste zum Pazifikkrieg
Filme
ReportagenGlobal War – Der Zweite WeltkriegTeil 1: Der Faschismus breitet sich aus, 2005.
Teil 2: Das Wiederherstellen der Kräfte, 2005.
Teil 3: Die Befreiung, 2005.
Der Zweite Weltkrieg – Die Enzyklopädie, 2003.
Zweiter Weltkrieg (Stalingrad-Box), 2003.
Der Zweite Weltkrieg in original Farbaufnahmen 1–3, 2002.
The World at War, 26-teilige BBC-Dokumentation, 1973.Spielfilme
→ Hauptartikel: Liste von Kriegsfilmen, die den Zweiten Weltkrieg behandeln
Weblinks
&#160;Commons: Zweiter Weltkrieg&#160;– Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
&#160;Commons: Kategorie Zweiter Weltkrieg mit Unterkategorien&#160;– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
&#160;Wiktionary: Zweiter Weltkrieg&#160;– Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
&#160;Portal: Imperialismus und Weltkriege – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Imperialismus und Weltkriege
&#160;Portal: Pazifikkrieg – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema PazifikkriegDer Zweite Weltkrieg im Lebendigen virtuellen Museum Online (LeMO)
Zweiter Weltkrieg in der Virtual Library Zeitgeschichte beim Historischen Centrum Hagen
Zweiter Weltkrieg. auf dem Informationsportal zur politischen Bildung
Battle of the Ruhr 1939–1945. Regionalgeschichte des Zweiten Weltkriegs beim Historischen Centrum Hagen
(„eines der ältesten geschichtswissenschaftlichen Angebote im deutschsprachigen Internet“)
Der alliierte Bombenkrieg 1939–1945 beim Fachportal historicum.net (Redaktion: Ralf Blank, Historisches Centrum Hagen)
Collections Online (Memento vom 3. August 2013 im Internet Archive) des britischen Imperial War Museum (englisch)
World War II Multimedia Database – umfangreiches Bild- und Tonarchiv mit Bildern und Videos (englisch)
World War II – US-amerikanisches Bild- und Tonarchiv zum Zweiten Weltkrieg auf authentichistory.com (englisch)
Source List and Detailed Death Tolls – Auflistung der Opfer- und Verlustzahlen auf necrometrics.com, Februar 2011 (englisch)
60&#160;Jahre Kriegsende – Berichte russischer Zeitzeugen in deutscher Sprache auf kriegsende.aktuell.ru
Germany surrenders unconditionally (1945) – Originaldokumente der Kapitulation, Digitalisat auf archive.org, 26. Dezember 2007
Verkündung der Kapitulation der deutschen Wehrmacht, 8.&#160;Mai 1945 – Originalton (35&#160;Sekunden) im Deutschen Rundfunkarchiv (Real-Audio-Format; 1&#160;kB)
Die deutsche Kapitulation 1945 – historische Bilder und Dokumente des Bundesarchivs
70 Jahre Ende Zweiter Weltkrieg auf dem Informationsportal zur politischen Bildung
Krieg und Musik – in: Wissenschaft und Frieden, 2014/3Einzelnachweise↑ Jörg Echternkamp: Die 101 wichtigsten Fragen – Der Zweite Weltkrieg. C.H. Beck, München 2010, S. 11.
↑ Alexander Lüdeke: Der Zweite Weltkrieg. Ursachen, Ausbruch, Verlauf, Folgen. Parragon Books, Bath (UK) 2007, S. 299.
↑ Gerhard L. Weinberg: A World at Arms. A Global History of World War II. 2. Auflage, Cambridge University Press, Cambridge 2005, S. 6; Walther Hofer: Die Entfesselung der Zweiten Weltkrieges. Münster 2007, S. 29&#160;f.
↑ Rolf-Dieter Müller: Der Zweite Weltkrieg. Stuttgart 2004 (Handbuch der deutschen Geschichte. Bd. 21), S. 86.
↑ Rolf-Dieter Müller, Gerd R. Ueberschär: Hitlers Krieg im Osten 1941–1945. Ein Forschungsbericht. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2000, ISBN 3-534-14768-5, S. 225–271.
↑ Rolf-Dieter Müller: Der letzte deutsche Krieg 1939–1945. Klett-Cotta, Stuttgart 2005, S. 76–78.
↑ Heinrich August Winkler: Geschichte des Westens. Die Zeit der Weltkriege 1914–1945. Beck, München 2011, S. 980.
↑ Südafrikanische, australische, neuseeländische, indische, polnische, brasilianische, marokkanische, algerische und tunesische Truppen waren ebenfalls an Kämpfen in Süd- und Westeuropa beteiligt.
↑ Alexander Lüdeke: Der Zweite Weltkrieg. Bath (UK) 2007, S. 108.
↑ John Zimmermann: Pflicht zum Untergang. Die deutsche Kriegführung im Westen des Reiches 1944/45. Schöningh, Paderborn 2009, S. 97; vgl. Stephan Burgdorff/Klaus Wiegrefe (Hrsg.): Der 2. Weltkrieg. Wendepunkt der deutschen Geschichte. Deutsche Verlags-Anstalt, 2005, S. 29.
↑ Richard Overy: Russlands Krieg 1941–1945. Rowohlt, Hamburg 2004, ISBN 3-498-05032-X, S. 440.
↑ Die Besetzung des südlichen Teils von Indochina war schon nach einem Ultimatum im Juli 1941 der Vichy-Regierung abgepresst worden. Lothar Grundmann: Der Zweite Weltkrieg. München 1985, S. 157 u.&#160;160. Nord-Indochina hatten die Japaner bereits im September 1940 besetzt.
↑ Richard Overy: Total War II: The Second World War. In: Charles Townshend (Hrsg.): The Oxford History of Modern War. Oxford University Press, Oxford 2005, S. 139.
↑ Gerhard Schreiber: Der Zweite Weltkrieg. 5. Aufl., C.H. Beck, München 2013, S. 8.
↑ Ernst Piper: Alfred Rosenberg. Hitlers Chefideologe. Karl Blessing, München 2005, ISBN 3-89667-148-0, S. 521.
↑ a b Richard Overy: Total War II: The Second World War. In: Charles Townshend (Hrsg.): The Oxford History of Modern War. Oxford University Press, Oxford 2005, S. 140.
↑ Gabriel Kolko: Das Jahrhundert der Kriege. S. Fischer, Frankfurt am Main 1999, S. 183.
↑ Wilhelm Treue: Dokumentation: Hitlers Denkschrift zum Vierjahresplan. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte. 3. Jg., 1955, Heft 2, S. 184–210, hier S. 206 u. 210 (online, PDF); vgl. Rolf-Dieter Müller: Der Zweite Weltkrieg. Klett-Cotta, Stuttgart 2004 (Handbuch der deutschen Geschichte; Band 21), S. 55 u. 109&#160;f.
↑ Siehe Hoßbach-Niederschrift.
↑ Der Große Ploetz. Freiburg i. B., S.&#160;801.
↑ Colin Gray: War, Peace and International Relations – An Introduction to Strategic History. Routledge, Abingdon 2007, S. 156 ff.
↑ Colin Gray: War, Peace and International Relations – An Introduction to Strategic History. Routledge, Abingdon 2007, S. 170.
↑ Richard Overy: Total War II: The Second World War. In: Charles Townshend (Hrsg.): The Oxford History of Modern War. Oxford University Press, Oxford 2005, S. 146&#160;f.
↑ Der Große Ploetz. Freiburg i. B. 2008, S.&#160;802.
↑ Der Große Ploetz. Freiburg i. B. 2008, S.&#160;817.
↑ a b Jürgen Scheffran: Wissenschaft, Rüstungstechnik und totaler Krieg. Historische Einblicke in eine Wechselbeziehung. W&amp;F (2005).
↑ Bernd-Jürgen Wendt: Deutschland 1933–1945. Das „Dritte Reich“. Handbuch zur Geschichte. Fackelträger, Hannover 1995, ISBN 3-7716-2209-3, S. 487.
↑ Akten zur Deutschen Auswärtigen Politik 1918–1945, Serie D, Band VII M 70604, S. 397, 1946; hrsg. v. Beauftragten der Siegermächte USA, GB und Frankreich.
↑ a b c Heinrich August Winkler: Geschichte des Westens. Die Zeit der Weltkriege. C.H.Beck, München 2011, S. 894&#160;f.
↑ a b Daniel Costelle &amp; Isabelle Clarke: Der Krieg. Menschen im Zweiten Weltkrieg. Bucher, München 2010, S. 31.
↑ Französisch: „drôle de guerre“ = „komischer Krieg“, englisch: „phoney war“ = „Scheinkrieg“. Zit. n. H. A. Winkler: Geschichte des Westens. München 2011, S. 899.
↑ Antony Beevor: Der Zweite Weltkrieg. München 2014, S. 58 und 64.
↑ H. A. Winkler: Geschichte des Westens. München 2011, S.&#160;901.
↑ H. A. Winkler: Geschichte des Westens. Die Zeit der Weltkriege 1914–1945. S.&#160;907.
↑ a b H. A. Winkler: Geschichte des Westens. Die Zeit der Weltkriege 1914–1945. S.&#160;908.
↑ Karl-Heinz Frieser: Blitzkrieg-Legende. Der Westfeldzug 1940. (Militärgeschichtliches Forschungsamt) Oldenbourg, München 2012, S. 71.
↑ H. A. Winkler: Geschichte des Westens. Die Zeit der Weltkriege 1914–1945. München 2011, S. 909.
↑ Richard Collier: Dünkirchen, „Operation Dynamo“. Weltbild Verlag, Augsburg 1989, S.&#160;328.
↑ Ian Kershaw: Hitler. 1936–1945.Stuttgart 2000, S.&#160;403.
↑ Wegen seiner Unterwürfigkeit gegenüber Hitler auch „Lakeitel“ genannt. Rolf-Dieter Müller: Hitlers Wehrmacht. 1935–1945. München 2012, S. 26.
↑ Alexander Lüdeke: Der Zweite Weltkrieg. Bath (UK) 2007, S. 50. Später, nach Stalingrad (1943), wurde im Flüsterwitz der Begriff zu „Gröfaz“ als ironische Anspielung auf Hitlers militärische Niederlagen verballhornt.
↑ a b c H. A. Winkler: Geschichte des Westens. Die Zeit der Weltkriege 1914–1945. München 2011, S. 916.
↑ Darstellung der Begleitumstände bei Ian Kershaw: Hitler. 1936–1945. DVA, Stuttgart 2000, S. 404&#160;f.
↑ Ian Kershaw: Hitler. 1936–1945. Stuttgart 2000, S.&#160;405.
↑ Danielle Costelle, Isabelle Clarke: Der Krieg. Menschen im Zweiten Weltkrieg. Bucher, München 2010, S. 48 (Frz. Ausgabe: „Apocalypse“. Editions Acropole, Paris 2009). Die britische Regierung verlangte, ohne Erfolg, die Auslieferung dieser Piloten. Nach dem Waffenstillstand zwischen Deutschland und Frankreich wurden sie freigelassen und in neue Einsätze geschickt – gegen England.
↑ Siehe unten Abschn. Kriegsschauplatz Nordafrika, 1940 bis 1943.
↑ Zum Friedensangebot siehe Ian Kershaw: Hitler. 1936–1945. Stuttgart 2000, S. 411.
↑ Ian Kershaw: Wendepunkte. Schlüsselentscheidungen im Zweiten Weltkrieg. München 2008, S. 97, 102.
↑ Ian Kershaw: Wendepunkte. München 2008, S. 101.
↑ Siegfried Müller: Schmetterlinge des Todes im Tanz. Die Luftschlacht um England aus der Sicht der Beteiligten. FAZ, 3.&#160;Dezember 2005, S. 44.
↑ A. Beevor: Der Zweite Weltkrieg. München 2014, S. 156.
↑ Winston S. Churchill: Der Zweite Weltkrieg. 2. Aufl., Fischer, Frankfurt am Main 2003, S. 409.
↑ FAZ, 3.&#160;Dezember 2005, S. 44.
↑ Webseite des Deutschen Historischen Museums, abgerufen am 11. Juli 2011.
↑ Die Briten rächten sich 1943 mit der Operation Gomorrha gegen Hamburg und sprachen von „hamburgisation“.
↑ Jörg Friedrich: Der Brand. Deutschland im Bombenkrieg 1940–1945. Propyläen, München 2002, S. 73.
↑ Jörg Friedrich: Der Brand. Deutschland im Bombenkrieg 1940–1945. Propyläen, München 2002, S. 73.
↑ Alexander Lüdeke: Der Zweite Weltkrieg. Bath (UK) 2007, S. 69.
↑ a b Jörg Friedrich: Der Brand. Deutschland im Bombenkrieg 1940–1945. Propyläen, München 2002, S. 73.
↑ Ian Kershaw: Wendepunkte. München 2008, S. 114.
↑ Ian Kershaw: Wendepunkte. München 2008, S&#160;96.
↑ Centre for the Study of War, State and Society
↑ Lothar Gruchmann: Der Zweite Weltkrieg. Kriegführung und Politik. 8. Aufl., dtv, München 1985 (1967), S. 87.
↑ Lothar Gruchmann: Der Zweite Weltkrieg. Kriegführung und Politik. 8. Aufl., dtv, München 1985 (1967), S. 96–99.
↑ Ian Kershaw: Hitler. 1936–1945. Stuttgart 2000, S. 444 und A. Beevor: Der Zweite Weltkrieg. München 2012, S. 173. Kershaw und Beevor beziehen sich auf Halders Kriegstagebuch, Kohlhammer, Stuttgart 1962–1964.
↑ Lothar Gruchmann: Der Zweite Weltkrieg. Kriegführung und Politik. 8. Aufl., dtv, München 1985 (1967), S. 99–101.
↑ Ian Kershaw: Hitler. 1936–1945. DVA, Stuttgart 2000, S. 445.
↑ Siehe&#160;:en:Saburō Kurusu
↑ Lothar Gruchmann: Der Zweite Weltkrieg. Kriegführung und Politik. 8. Aufl., dtv, München 1985 (1967), S. 95 f.
↑ Kriegsereignisse im gesamten Mittelmeerraum werden in der englischsprachigen Geschichtswissenschaft unter dem Begriff Mediterranean Theatre of Operations (Kriegsschauplatz Mittelmeerraum) zusammengefasst.
↑ Ian Kershaw: Wendepunkte. München 2008, S. 179.
↑ Ian Kershaw: Wendepunkte. München 2008, S. 170. Zum Angriff auf Griechenland siehe Ian Kershaw: Wendepunkte. München 2008, S. 169–172, 215–227.
↑ Ian Kershaw: Hitler. 1936–1945. DVA, Stuttgart 2000, S. 484.
↑ Die Opfer waren kaum zu schätzen, die Zahl lag wohl irgendwo zwsch. 1500 und 30.000 Toten. Zit. n. Antony Beevor: Der Zweite Weltkrieg. München 2014, S. 188.
↑ Rolf-Dieter Müller: Der Zweite Weltkrieg. Klett-Cotta, Stuttgart 2004 (=&#160;Handbuch der deutschen Geschichte; Band 21), S. 112.
↑ Ian Kershaw: Wendepunkte. München 2008, S. 96 f., 101&#160;f.; Rolf-Dieter Müller: Der Zweite Weltkrieg. Klett-Cotta, Stuttgart 2004 (=&#160;Handbuch der deutschen Geschichte; Band 21), S. 113–116. Gegenüber Mannerheim gab er am 4.&#160;Juni 1942 in Finnland in einem vertraulichen Gespräch, das ohne Hitlers Wissen aufgezeichnet wurde, diese Unterschätzung unumwunden zu. Zum Gespräch siehe auch Ian Kershaw: Hitler. 1936–1945. Stuttgart 2000, S. 690 f.
↑ Ian Kershaw: Hitler. 1936–1945. Stuttgart 2000, S. 417.
↑ Spanien, Frankreich, Belgien, Niederlande, Dänemark und Norwegen. Truppen der verbündeten Staaten s.&#160;u.
↑ Rolf-Dieter Müller: An der Seite der Wehrmacht. Hitlers ausländische Helfer beim „Kreuzzug gegen den Bolschewismus“ 1941–1945. Augsburg 2013, S. 113.
↑ Ernst Klink: Der Krieg gegen die Sowjetunion bis zur Jahreswende 1941/42. Die Operationsführung. In: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg. Band 4. Hrsg. v. Militärgeschichtlichen Forschungsamt. DVA, Stuttgart 1983, S. 451–712, hier S. 451 f., auch zum Folgenden.
↑ Ian Kershaw: Wendepunkte. München 2008, S. 310.
↑ H. A. Winkler: Geschichte des Westens. München 2011, S. 941.
↑ Alexander Lüdeke: Der Zweite Weltkrieg. Bath (UK) 2007, S. 118.
↑ Matti Klinge: Geschichte Finnlands im Überblick. Otava, Helsinki 1995, ISBN 951-113822-7, S. 123&#160;f.
↑ H. A. Winkler: Geschichte des Westens. München 2011, S. 945.
↑ Vgl. Rolf-Dieter Müller: Der Zweite Weltkrieg. Stuttgart 2004 (Handbuch der deutschen Geschichte; Band 21), S. 108–154.
↑ Richard Overy: Russlands Krieg 1941–1945. Rowohlt, Hamburg 2004, ISBN 3-498-05032-X, S. 127.
↑ Rolf-Dieter Müller: Der Feind steht im Osten. Hitlers geheime Pläne für einen Krieg gegen die Sowjetunion im Jahr 1939. Christoph Links Verlag, Berlin 2013, S. 240, 244, 245, 247, 248&#160;f.
↑ Weisung Nr. 21 (Fall Barbarossa).
↑ Bodo Scheurig: Henning von Tresckow. Eine Biographie. Stalling, Oldenburg 1973, S. 119.
↑ Gerd R. Ueberschär: Das Scheitern des „Unternehmens Barbarossa“. in Gerd R. Ueberschär und Wolfram Wette: Der deutsche Überfall auf die Sowjetunion: „Unternehmen Barbarossa” 1941. Frankfurt am Main 2011, S. 120.
↑ Rolf-Dieter Müller: Der Zweite Weltkrieg. Klett-Cotta, Stuttgart 2004, ISBN 3-608-60021-3. (Handbuch der deutschen Geschichte; Band 21), S. 154&#160;f.
↑ Henrik Eberle: Hitlers Weltkriege. Wie der Gefreite zum Feldherrn wurde. Hoffmann &amp; Campe, Hamburg 2014, S.&#160;252&#160;f.
↑ Vgl. Alexander Lüdeke: Der Zweite Weltkrieg. Bath (UK) 2007, S. 133.
↑ Aussage von Generalfeldmarschall Paulus in den Hauptverhandlungen des Nürnberger Prozesses, Nachmittagssitzung am Montag, dem 11. Februar 1946 (56. Tag). Veröffentlicht in: Der Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Gerichtshof Nürnberg. Nürnberg 1947, Band 7, S. 283–310.
↑ Diese Rückzüge lassen vermuten, dass die sowjetische Führung auf die Notlandung eines deutschen Generalstabsoffiziers am 19. Juni 1942 reagiert hatte, der Karten über die erste Phase der deutschen Sommeroffensive bei sich führte.
↑ Ian Kershaw: Hitler. 1936–1945. DVA, Stuttgart 2000, S. 694&#160;f.
↑ Ian Kershaw: Hitler. 1936–1945. DVA, Stuttgart 2000, S. 695.
↑ Zit. n. W. Michalka (Hrsg.): Das Dritte Reich. Bd. 2 (dtv-dokumente), München 1985, S. 78.
↑ Ian Kershaw: Hitler. 1936–1945. DVA, Stuttgart 2000, S. 696.
↑ Nach dem misslungenen Angriff auf Dieppe am 19.&#160;August reagierten Soldaten der Roten Armee zynisch: Wenn sie eine Dose amerikanisches Rindfleisch öffneten, bemerkten sie bissig: „Na, dann wollen wir mal die zweite Front aufmachen.“ Zit. n. Antony Beevor: Der Zweite Weltkrieg. Berlin 2014, S. 391. Beevor gibt hier ein Zitat aus Bd. III der Memoiren (dt. 1978) Ilja Ehrenburgs wieder.
↑ Richard Overy: Russlands Krieg. 1941–1945. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2003, ISBN 3-498-05032-X, S. 302–304, Zitat S. 303 f.
↑ Bodo Scheurig: Henning von Tresckow. Eine Biographie. Stalling, Oldenburg 1973, S. 124.
↑ Zur Führungskrise vgl. Alexander Lüdeke: Der Zweite Weltkrieg. Bath (UK) 2007, S. 134; Ian Kershaw: Hitler. 1936–1945. DVA, Stuttgart 2000, S. 699–701.
↑ Nur mündlich an Kommandeure weitergegeben, Version vom 6.&#160;Juni 1941.
↑ Ian Kershaw: Wendepunkte. München 2008, S. 536.
↑ Lothar Gruchmann: Der Zweite Weltkrieg. Kriegführung und Politik. 8. Aufl., dtv, München 1985, S. 174.
↑ H. A. Winkler: Geschichte des Westens. München 2011, S. 974.
↑ H. A. Winkler: Geschichte des Westens. München 2011, S. 975.
↑ Der Große Ploetz. Freiburg i. B., S.&#160;829.
↑ Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatSven Felix Kellerhoff: Das Afrikakorps ging mit einem "Heia Safari" unter. In: welt.de. 12.&#160;Mai 2013, abgerufen am 9.&#160;Juni 2015.&#160;
↑ Ca. 9.000 km / 4.860 sm weniger.
↑ H. A. Winkler: Geschichte des Westens. München 2011, S. 979–981.
↑ a b c Heinrich August Winkler: Geschichte des Westens. Die Zeit der Weltkriege. C.H.Beck, München 2011, S. 1057, 1060, 1062.
↑ Antony Beevor: Der Zweite Weltkrieg. München 2014, S. 553.
↑ Australien, Brasilien, Frankreich, Indien, Kanada, Marokko, Neuseeland, Polen, Südafrika, Tunesien, USA.
↑ Daniel Costelle, Isabelle Clarke: Der Krieg. Menschen im Zweiten Weltkrieg. Bucher Verlag, München 2010, S. 184.
↑ H. A. Winkler: Geschichte des Westens. München 2011, S. 1067.
↑ Daniel Costelle, Isabelle Clarke: Der Krieg. Menschen im Zweiten Weltkrieg. Bucher Verlag, München 2010, S. 185.
↑ H. A. Winkler: Geschichte des Westens. München 2011, S. 1067.
↑ Antony Beevor: Der Zweite Weltkrieg. München 2014, S. 423.
↑ Antony Beevor: Der Zweite Weltkrieg. München 2014, S. 457.
↑ Heinz Boberach: Stimmungsumschwung der deutschen Bevölkerung. In: Wolfram Wette/Gerd R. Ueberschär (Hrsg.): Stalingrad. Mythos und Wirklichkeit einer Schlacht. 4. Aufl., Fischer, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-596-11097-1, S. 65&#160;f.
↑ Antony Beevor: Der Zweite Weltkrieg. München 2014, S. 537.
↑ H. A. Winkler: Geschichte des Westens. München 2011, S. 1057.
↑ H. A. Winkler: Geschichte des Westens. München 2011, S.&#160;979.
↑ Quelle: Statista 2015
↑ Antony Beevor: Der Zweite Weltkrieg. München 2012, S. 700.
↑ Operation Market Garden.
↑ Stephan Burgdorff/Klaus Wiegrefe (Hrsg.): Der 2. Weltkrieg. Wendepunkt der deutschen Geschichte. Goldmann, München 2007, S. 312 f. Insgesamt fielen 35.000 deutsche und amerikanische Soldaten.
↑ Ian Kershaw: Das Ende. Kampf bis in den Untergang. NS-Deutschland 1944/45. München 2011, S. 232.
↑ Ian Kershaw: Das Ende. Kampf bis in den Untergang. NS-Deutschland 1944/45. München 2011, S. 414.
↑ Margarete Dörr: „Wer die Zeit nicht miterlebt hat…“. Frauenerfahrungen im Zweiten Weltkrieg und in den Jahren danach. Campus Verlag, 1998, ISBN 3-593-36095-0, S. 575.
↑ Vgl. Lothar Gruchmann: Der Zweite Weltkrieg. München 1985, S. 445.
↑ Stephan Burgdorff/Klaus Wiegrefe (Hrsg.): Der 2. Weltkrieg. Wendepunkt der deutschen Geschichte. Goldmann, München 2007, S. 19.
↑ Webseite der Gemeinde Bologna: Polish 2nd Corps and the liberation of Emilia Romagna. (PDF; 95&#160;kB).
↑ Antony Beevor: Der Zweite Weltkrieg. München 2014, S. 839.
↑ Ian Kershaw: Das Ende. Kampf bis in den Untergang. NS-Deutschland 1944/45. DVA, München 2011, S. 418 f.
↑ Alexander Fischer: „Teheran – Jalta – Potsdam“. Die sowjetischen Protokolle von den Kriegskonferenzen der „Großen Drei“, mit Fußnoten aus den Aufzeichnungen des US Department of State. Köln 1968, S. 322&#160;ff. (siehe auch: Operation Unthinkable).
↑ Irene Gerlach: Bundesrepublik Deutschland. Entwicklung, Strukturen und Akteure eines politischen Systems. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2009, ISBN 978-3-531-16265-2, S. 25.
↑ Text der einseitigen Erklärung der Sowjetunion.
↑ Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR (russisch).
↑ Richard von Weizsäcker: Rede zum 8.&#160;Mai 1985.
↑ Lothar Gruchmann: Der Zweite Weltkrieg. dtv, München 1985, S. 153.
↑ a b Ian Kershaw: Wendepunkte. München 2008, S. 121.
↑ Ian Kershaw: Wendepunkte. München 2008, S. 129. Opferzahlen nach Kershaw, ebda.
↑ Ian Kershaw: Wendepunkte. München 2008, S. 132.
↑ Ian Kershaw: Wendepunkte. München 2008, S. 121 u. 145.
↑ Ian Kershaw: Wendepunkte. München 2008, S. 142&#160;f.
↑ Artikel 5 (PDF; 448&#160;kB) des Dreimächtepaktes zwischen Deutschland, Italien und Japan vom 27. September 1940 (RGBl. 1940 II, S. 280 f.)
↑ Ian Kershaw: Wendepunkte. München 2008, S. 157.
↑ Ian Kershaw: Wendepunkte. München 2008, S. 161.
↑ Ian Kershaw: Wendepunkte. München 2008, S. 145.
↑ Lothar Gruchmann: Der Zweite Weltkrieg. dtv, München 1985, S. 155.
↑ Lothar Gruchmann: Der Zweite Weltkrieg. dtv, München 1985, S. 158.
↑ Ian Kershaw: Wendepunkte. München 2008, S. 459–461.
↑ U.&#160;a. Rückzug aus China und Indochina, Anerkennung von Chiang Kai-shek als chinesischem Regierungschef und Kündigung des Dreimächtepaktes.
↑ Ian Kershaw: Wendepunkte. München 2008, S. 465&#160;f.
↑ Zit. n. Ian Kershaw: Wendepunkte. München 2008, S. 468.
↑ Antony Beevor: Der Zweite Weltkrieg. München 2014, S.&#160;291.
↑ Der Große Ploetz. Freiburg i. B. 2008, S.&#160;815.
↑ Alexander Lüdeke: Der Zweite Weltkrieg. Bath (UK) 2007, S. 245&#160;f.
↑ Antony Beevor: Der Zweite Weltkrieg. München 2012, S. 297.
↑ Alexander Lüdeke: Der Zweite Weltkrieg. Bath (UK) 2007, S. 248.
↑ Alexander Lüdeke: Der Zweite Weltkrieg. Bath (UK), S. 250&#160;f.
↑ Alexander Lüdeke: Der Zweite Weltkrieg. Bath (UK) 2007, S. 252&#160;f.
↑ Winston S. Churchill: Der Zweite Weltkrieg. S. Fischer, Frankfurt am Main 2003, S. 629. (Erstausgabe Bern 1948).
↑ Vgl. James Jones: The Thin Red Line. Autobiographischer Roman, New York 1962; 1998 unter dem Titel Der schmale Grat von Terrence Malick verfilmt.
↑ Alexander Lüdeke: Der Zweite Weltkrieg. Bath (UK) 2007, S. 257&#160;f.
↑ Lothar Gruchmann: Der Zweite Weltkrieg. 8. Aufl., München 1985, S. 499&#160;f.
↑ Siehe weiter unten Abschnitt zu Alliierten Kriegskonferenzen.
↑ a b Heinrich August Winkler: Geschichte des Westens. Die Zeit der Weltkriege 1914–1945. Beck, München 2011, S. 1070.
↑ a b Alexander Lüdeke: Der Zweite Weltkrieg. Bath (UK) 2007, S. 264.
↑ H. A, Winkler: Geschichte des Westens. München 2011, S. 1070.
↑ Alexander Lüdeke: Der Zweite Weltkrieg. Bath (UK) 2007, S. 263.
↑ H. A. Winkler: Geschichte des Westens. München 2011, S. 1070&#160;f.
↑ Alexander Lüdeke: Der Zweite Weltkrieg. Bath (UK) 2007, S. 268&#160;f.
↑ Alexander Lüdeke: Der Zweite Weltkrieg. Bath (UK) 2007, S. 267.
↑ Colin Gray: War, Peace and International Relations – An Introduction to Strategic History. Routledge, Oxon 2007, S. 127.
↑ Christoph Kucklich: Feuersturm. Der Bombenkrieg gegen Deutschland. Hamburg 2003, S. 130&#160;f.; Gerhard Schreiber: Der Zweite Weltkrieg. München 2013, S. 48.
↑ Robin Neillands: Der Krieg der Bomber. Arthur Harris und die Bomberoffensive der Alliierten 1939–1945. Berlin 2002, ISBN 3-86124-547-7.
↑ Auch Leuchtbomben/Cristbäume/Tannenbäume genannt.
↑ a b c d Antony Beevor: Der Zweite Weltkrieg. München 2014, S. 515&#160;f.
↑ Adelbert Reif: Albert Speer. Kontroversen um ein deutsches Phänomen. Bernard &amp; Graefe, München 1978, S. 73.
Percy Ernst Schramm: Hitler als militärischer Führer. Erkenntnisse und Erfahrungen aus dem Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht. Athenäum, Frankfurt am Main 1965, S. 36.
↑ Stefan Burgdorff/Klaus Wiegrefe (Hrsg.): Der 2. Weltkrieg. Wendepunkt der deutschen Geschichte. Goldmann, München 2007, S. 245.
↑ Matthew White Twentieth Century Atlas – Death Tolls: United Kingdom.
↑ Alexander Lüdeke: Der Zweite Weltkrieg. Bath (UK) 2007, S. 269.
↑ Der Forschungsdiskurs bewegt sich um die Frage, welches Gewicht welches Motiv hatte. Überblick und Literaturhinweise bei Bernd W. Kubbig: Hiroshima, Nagasaki und die Rolle der Naturwissenschaftler. (1995).
↑ Der Große Ploetz. Freiburg im Breisgau, 2008, S. 828.
↑ Der Große Ploetz. Freiburg i. B. 2008, S.&#160;828.
↑ Mark Harrison, The Economics of World War II: Six Great Powers in International Comparison, Cambridge University Press, 2000, ISBN 978-0-521-78503-7, S. 1–2.
↑ Der Große Ploetz. Freiburg i. B. 2008, S.&#160;810. Wie man sieht, nutzten die Alliierten die Zugangswege aller Weltmeere für die logistische Unterstützung der Sowjetunion – in dieser Hinsicht auch ein Weltkrieg im wörtlichen Sinne.
↑ Von dort weiter über den Persischen Korridor.
↑ a b Lieferungen von der Westküste der USA nach sowjetischen Häfen erfolgten auf Schiffen unter sowjetischer Flagge, die von japanischen U-Booten wegen des fehlenden Kriegszustandes mit der Sowjetunion nicht angegriffen wurden.
↑ Christian Streit: Keine Kameraden. Die Wehrmacht und die sowjetischen Kriegsgefangenen 1941–1945. Bonn 1997 [1978], S. 76, mit Nachweisen; Rüdiger Overmans: Die Kriegsgefangenenpolitik des Deutschen Reiches 1939 bis 1945. In: Die Deutsche Kriegsgesellschaft 1939–1945. Zweiter Halbband: Ausbeutung, Deutungen, Ausgrenzung. Im Auftrag des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes herausgegeben von Jörg Echternkamp. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2005 (=&#160;Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Bd. 9/2), ISBN 3-421-06528-4, S. 729–875, hier S. 804 f.
↑ Birgit Beck: Massenvergewaltigungen als Kriegsverbrechen. In: Wolfram Wette, Gerd R. Ueberschär (Hrsg.): Kriegsverbrechen im 20. Jahrhundert. Primus, Darmstadt 2001, ISBN 3-89678-417-X, S. 406–418, hier S. 409.
↑ Birgit Beck: Wehrmacht und sexuelle Gewalt. Sexualverbrechen vor deutschen Militärgerichten 1939–1945. Schöningh, Paderborn 2004, ISBN 3-506-71726-X, S. 326&#160;f.
↑ Birthe Kundrus: Nur die halbe Geschichte. Frauen im Umfeld der Wehrmacht zwischen 1939 und 1945 – Ein Forschungsbericht. In: Die Wehrmacht. Mythos und Realität. Im Auftrag des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes herausgegeben von Rolf-Dieter Müller und Hans-Erich Volkmann. R. Oldenbourg Verlag, München 1999, ISBN 3-486-56383-1, S. 719–735, hier S. 734.
↑ Silke Satjukow: Besatzer.&#160;»Die Russen«&#160;in Deutschland 1945–1994. Vandenhoeck &amp; Ruprecht, Göttingen 2008, ISBN 978-3-525-36380-5, S. 45.
↑ Barbara Johr: Die Ereignisse in Zahlen. In: Helke Sander und Barbara Johr (Hrsg.). Befreier und Befreite. Krieg, Vergewaltigungen, Kinder. A. Kunstmann, München 1992, ISBN 3-88897-060-1, S. 58.
↑ Norman M. Naimark: Die Russen in Deutschland. Die Sowjetische Besatzungszone 1945 bis 1949. Ullstein, Berlin 1997, ISBN 3-548-26549-9, S. 169&#160;f.
↑ Catherine Merridale: Iwans Krieg. Die Rote Armee 1939–1945. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-10-048450-9, S. 348.
↑ Barbara Johr: Die Ereignisse in Zahlen. In: Helke Sander und Barbara Johr (Hrsg.). Befreier und Befreite. Krieg, Vergewaltigungen, Kinder. A. Kunstmann, München 1992, ISBN 3-88897-060-1, S. 61.
↑ Recherche International e.&#160;V. (Hrsg.): Unsere Opfer zählen nicht – Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg. Assoziation A, Berlin/Hamburg 2005, ISBN 3-935936-26-5.
↑ Widespread Incidents of Rape. In: Japanese Imperialism and the Massacre in Nanjing, Chapter X.
↑ A Debt of Blood: An Eyewitness Account of the Barbarous Acts of the Japanese Invaders in Nanjing. In: Dagong Daily, Wuhan edition. 7.&#160;Februar 1938. Military Commission of the Kuomintang, Political Department: A True Record of the Atrocities Committed by the Invading Japanese Army. Juli 1938.
↑ Daniela Rechenberger: Keine Opfer? Keine Täter? Zur Darstellung der “Comfort Women”-Problematik in den japanischen Medien. In: Antje Hilbig/Claudia Kajatin/Ingrid Miethe (Hrsg.): Frauen und Gewalt. Würzburg 2003, S. 105–115, Anmerkungen S. 106.
↑ Kazuko Watanabe: Trafficking in Women’s bodies, then and now. The issue of military „comfort women“. In: Women’s studies quarterly&#160;27 (1999), New York, S. 19–31, Anmerkungen S. 21. Recherche International e.&#160;V. (Hrsg.): Unsere Opfer zählen nicht – Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg. Assoziation A, Berlin/Hamburg 2005, ISBN 3-935936-26-5, S. 219–225.
↑ H. A. Winkler: Geschichte des Westens. München 2011, S. 1069.
↑ Kriegsverbrecherprozesse in der SBZ und in Polen sind in dieser Übersicht nicht enthalten.
↑ Peter Witte und andere (Hrsg.): Der Dienstkalender Heinrich Himmlers 1941/42. Hans Christians Verlag, Hamburg 1999, S. 3. Zum Folgenden siehe z.&#160;B. Hannes Heer/Klaus Naumann (Hrsg.): Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944. Frankfurt am Main 1997; Walter Manoschek (Hrsg.): Die Wehrmacht im Rassenkrieg. Der Vernichtungskrieg hinter der Front. Wien 1996.
↑ H. A. Winkler: Geschichte des Westens. München 2011, S. 960.
↑ Alexander Ý: Der Zweite Weltkrieg. Bath (UK) 2007, S. 117.
↑ Jörn Hasenclever: Wehrmacht und Besatzungspolitik in der Sowjetunion. Die Befehlshaber der rückwärtigen Heeresgebiete 1941–1943. Schöningh, Paderborn 2010, S. 364, 384.
↑ Friedrich Battenberg: Das Europäische Zeitalter der Juden. WB, Darmstadt 1990, S. 299.
↑ Battenberg: Zeitalter. 1990, S. 300.
↑ Alexander Brakel: Der Holocaust. S. 108.
↑ Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-Format"Wir reden von 200.000 Tätern". In: taz.de. 9.&#160;November 2011, abgerufen am 25.&#160;Dezember 2014.&#160; Ders. u. a. (Hrsg.): Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933–1945. Band 7: Sowjetunion mit annektierten Gebieten I. Oldenbourg, München 2011, ISBN 978-3-486-58911-5.
↑ Vgl. Bernward Dörner: Die Deutschen und der Holocaust. Was niemand wissen wollte, aber jeder wissen konnte. Propyläen, Berlin 2007. Dörner unterscheidet zwischen Zehntausenden unmittelbaren und Hunderttausenden mittelbaren Tätern und weitaus mehr Augenzeugen und Mitwissern.
↑ Dieter Pohl: Verfolgung und Massenmord in der NS-Zeit 1939–1945. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2003, ISBN 3-534-15158-5, S. 153.
↑ Der Große Ploetz. WB, Darmstadt 1998, S. 802.
↑ Der Große Ploetz (Freiburg i. B. 2008, S.&#160;818) bezieht sich auf Wolfgang Benz (Dimension des Völkermords. Die Zahl der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus. München 1991) und gibt die Zahl der ermordeten Juden mit 6.268.223 an. In dieser Summe fehlen aber die ermordeten Juden aus Norwegen, Dänemark, Albanien und 401 der ermordeten österreichischen Juden, so dass die Zahl der ermordeten Juden in Europa mindestens 6.270.089 betragen würde.
↑ H. A. Winkler: Geschichte des Westens. München 2011, S. 1051.
↑ Alexander Brakel: Der Holocaust. Judenverfolgung und Völkermord. Augsburg 2012, S. 178.
↑ Der Große Ploetz Freiburg i. B. 2008, S.&#160;818.
↑ Johannes Hürter: Hitlers Heerführer. Die deutschen Oberbefehlshaber im Krieg gegen die Sowjetunion 1941/42. Oldenbourg, München 2006, ISBN 3-486-58341-7, S. 500; Jörg Ganzenmüller: Das belagerte Leningrad 1941 bis 1944. Die Stadt in den Strategien von Angreifern und Verteidigern. S. 1 u. 254.
↑ Ebba D. Drolshagen: Der freundliche Feind. Wehrmachtssoldaten im besetzten Europa. Droemer Verlag, München 2009, S. 9.
↑ Ebba D. Drolshagen: Der freundliche Feind. Wehrmachtssoldaten im besetzten Europa. Droemer Verlag, München 2009, S. 10.
↑ Ebba D. Drolshagen: Der freundliche Feind. Wehrmachtssoldaten im besetzten Europa. Droemer Verlag, München 2009, S. 145:
75 Mark Sold = 290&#160;EUR (Zahl bezieht sich auf den Januar dieses Jahres.) steuerfrei bei voller Verpflegung + monatlich 100 Mark = 390&#160;EUR erlaubte Überweisungen per Feldpost aus der Heimat.
↑ Ebba D. Drolshagen: Der freundliche Feind. Wehrmachtssoldaten im besetzten Europa. Droemer Verlag, München 2009, S. 143.
↑ a b Ebba D. Drolshagen: Der freundliche Feind. Wehrmachtssoldaten im besetzten Europa. Droemer Verlag, München 2009, S. 148.
↑ Antony Beevor: Der Zweite Weltkrieg. München 2014, S. 153.
↑ Vgl. Ebba D. Drolshagen: Der freundliche Feind. Wehrmachtssoldaten im besetzten Europa. Droemer Verlag, München 2009, S. 149&#160;f.
↑ Ebba D. Drolshagen: Der freundliche Feind. Wehrmachtssoldaten im besetzten Europa. Droemer Verlag, München 2009, S. 155. Das norwegische Wort für „Kriegsgewinnler“ bedeutet wörtlich übersetzt „Barackenbarone“ (ebda.).
↑ Vgl. Stephan Burgdorff/Klaus Wiegrefe: Der 2. Weltkrieg. Wendepunkt der deutschen Geschichte. Goldmann, München 2007, S. 176.
↑ Stephan Burgdorff/Klaus Wiegrefe: Der 2. Weltkrieg. Wendepunkt der deutschen Geschichte. Goldmann, München 2007, S. 176.
↑ Arnd Krüger: Germany and Sport in World War II. In: Can. Journal of the History of Sport. 24 (1993), 1, 52–62.
↑ Ulrich Herbert: Geschichte der Ausländerpolitik in Deutschland. Saisonarbeiter, Zwangsarbeiter, Gastarbeiter, Flüchtlinge. C.H. Beck, München 2001, S. 142–147.
↑ Ian Kershaw: Das Ende. Kampf bis in den Untergang. NS-Deutschland 1944/45. DVA, München 2011, S. 187.
↑ Flugblattpropaganda, abgerufen am 20. Mai 2015.
↑ Jörg Echternkamp: Die 101 wichtigsten Fragen – Der Zweite Weltkrieg. München 2010, S. 76&#160;f. (Abschn. „War der Zweite Weltkrieg ein Medienkrieg?“).
↑ Georg Gruber: Kriegsheld vernichtend geschlagen, Deutschlandfunk, Beitrag vom 26. Juli 2005.
↑ Text in: Christian Huber: Das Ende vor Augen. Soldaten erzählen aus dem Zweiten Weltkrieg. Rosenheim 2012, ISBN 978-3-475-54135-3, S. 13.
↑ About Signal
↑ Dt. Presse
↑ Joseph Goebbels, zit. nach Aristotle A. Kallis: Der Niedergang der Deutungsmacht. Nationalsozialistische Propaganda im Kriegsverlauf. In: Jörg Echternkamp (Hrsg.): Die deutsche Kriegsgesellschaft 1939–1945. Ausbeutung, Deutungen, Ausgrenzung. Band 9/2: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg. Hrsg. vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt. DVA, München 2005, ISBN 3-421-06528-4, S. 203–250, hier S. 231&#160;f.
↑ Aristotle A. Kallis: Der Niedergang der Deutungsmacht. Nationalsozialistische Propaganda im Kriegsverlauf. S. 231&#160;f.
↑ Aristotle A. Kallis: Der Niedergang der Deutungsmacht. S. 235.
↑ Ian Kershaw: Hitler. 1936–1945. DVA, Stuttgart 2000, S. 411.
↑ Laut www.signalmagazine.com konnte sie 1943 noch nicht an das deutsche (drucktechnische) Vorbild heranreichen.
↑ Heinrich August Winkler: Geschichte des Westens. München 2011, S. 1118. Allgemein zu Rundfunk im 2. WK: Der Kampf um die Ätherwellen: Feindpropaganda im Zweiten Weltkrieg. Hrsg. von Hans Sarkowicz und Michael Crone unter Mitarbeit des Deutschen Rundfunkarchivs. Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 1990.
↑ BBC-Sendungen für die Tschechei
↑ Martin A. Doherty: Nazi Wireless Propaganda: Lord Haw-Haw and British Public Opinion in the Second World War. Edinburgh UP, Edinburgh 2000, S. 7–19.
↑ Philip M. Seib: Broadcasts from the Blitz: How Edward R. Murrow Helped Lead America into War. Potomac Books, Inc., Washington, D.C., 2006, ISBN 1-59797-012-3, Preface, p. IX.
↑ Peter Wicke: „Lili Marleen (Lale Andersen)“. In: Songlexikon. Encyclopedia of Songs. Ed. by Michael Fischer, Fernand Hörner and Christofer Jost, 12/2011 (revised 10/2013).
↑ Erste Berichte der BBC über den Massenmord an Juden
↑ Siehe Volksempfänger#Ökonomische Aspekte.
↑ Michael P. Hensle: Rundfunkverbrechen. Das Hören von „Feindsendern“ im Nationalsozialismus. Diss., Berlin 2003.
↑ Klaus Basner: Unna. Historisches Porträt einer Stadt. Bd. 2, Kettler, Bönen 2013, S.&#160;422.
↑ Genau genommen gab es nur eine Positivliste erlaubter Sender. Alle dort nicht genannten Sender zu hören war verboten: → Sender ohne Abhörverbot
↑ „Verordnung über außerordentliche Rundfunkmaßnahmen“ (1939); zit. n. Alexander Lüdeke: Der Zweite Weltkrieg. Bath (UK) 2007, S. 141.
↑ Siehe Artikel Jean Rudolf von Salis in der NDB
↑ Jörg Echternkamp: Die 101 wichtigsten Fragen – Der Zweite Weltkrieg. München 2010, S. 101.
↑ Klaus Basner: Unna. Historisches Porträt einer Stadt. Bd. 2, Kettler, Bönen 2013, S.&#160;421.
↑ Sogen. schwarze Propaganda, weil der Eindruck eines dt. Wehrmachtssenders vermittelt wurde. Gegenbegriff: weiße Propaganda, wenn die Nationalität bekannt war.
↑ Lothar Gruchmann: Der Zweite Weltkrieg. dtv, München 1985, S. 95&#160;f.
↑ Auch unter dem Begriff der „4 D's“ bekannt geworden: Demilitarisierung, Denazifizierung, Demokratisierung und Dezentralisierung.
↑ Rolf-Dieter Müller (Hrsg.): Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Band 10: Der Zusammenbruch des Deutschen Reiches 1945. Halbband 2: Die Folgen des Zweiten Weltkrieges. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2008, ISBN 978-3-421-04338-2, Die Menschenverluste im Zweiten Weltkrieg (Karte mit Grafik/Tabelle), ohne Seitenangabe, hinteres Vorsatzblatt (=&#160;letzte Doppelseite vor Buchrückseite). Dort angegebene Quellen: Der Große Ploetz 2008; Oxford Compendium; Overmans, Deutsche militärische Verluste; Mourik, Bilanz.
↑ a b c Der Große Ploetz. Die Enzyklopädie der Weltgeschichte. Vandenhoeck &amp; Ruprecht. Göttingen, 35., völlig neu bearb. Aufl., 2008, ISBN 978-3-525-32008-2, S. 843.
↑ a b Bei den getöteten Zivilisten handelt es sich um Seeleute: Der Große Ploetz. Die Enzyklopädie der Weltgeschichte. Vandenhoeck &amp; Ruprecht, 35. völlig neu bearb. Aufl., Göttingen 2008, S. 843.
↑ Darunter 1.306.186 vermisste Soldaten. Quelle: Der Große Ploetz. Freiburg i. B. 2008, S.&#160;839.
↑ Peter M. Quadflieg: „Zwangssoldaten“ und „Ons Jongen“. Eupen-Malmedy und Luxemburg als Rekrutierungsgebiet der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg. Aachen 2008, ISBN 978-3-8322-7078-0.
↑ Dabei sind die Verluste der von der UdSSR 1939/40 annektierten Staaten in der sowjetischen Gesamtzahl enthalten: Für Estland 144.000, Lettland 209.000 und Litauen 302.000 getötete Soldaten. Angaben nach: Karl-Volker Neugebauer (Hrsg.): Grundkurs deutscher Militärgeschichte. Im Auftrag des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes. Bd. 2. Oldenbourg, München 2007, ISBN 978-3-486-58845-3, S. 435.
↑ Gefallene und vermisste Freiwillige der División Azul, die als 250. Infanterie-Division der Wehrmacht von 1941 bis 1943 am Krieg gegen die Sowjetunion teilnahm.
↑ Christian Streit: Keine Kameraden: Die Wehrmacht und die sowjetischen Kriegsgefangenen 1941–1945. Neuausgabe. Bonn 1997, ISBN 3-8012-5023-7, S. 10 u. 244&#160;ff.
↑ Albrecht Lehmann: Gefangenschaft und Heimkehr. Deutsche Kriegsgefangene in der Sowjetunion. C.H. Beck, München 1986, ISBN 3-406-31518-6, S. 29.
↑ Rüdiger Overmans: Die Kriegsgefangenenpolitik des Deutschen Reiches 1939 bis 1945. In: Die Deutsche Kriegsgesellschaft 1939–1945. Band 9. Zweiter Halbband: Ausbeutung, Deutungen, Ausgrenzung. Im Auftrag des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes, hrsg. von Jörg Echternkamp. DVA, München 2005 (=&#160;Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg. Band 9/2), S. 729–875, hier S. 770.
↑ Johannes H. Voigt: Indien im Zweiten Weltkrieg (=&#160;Studien zur Zeitgeschichte. Band 11. Hrsg. v. Institut für Zeitgeschichte). Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1978, ISBN 3-421-01852-9, S. 304.
↑ Vgl. zum Folgenden Jörg Echternkamp: Die 101 wichtigsten Fragen – Der Zweite Weltkrieg. C.H. Beck, München 2010, S. 141&#160;f. und 146&#160;f.
↑ Zum Vergleich: 2011 betrug die Staatsverschuldung der Bundesrepublik Deutschland 79&#160;% des BIP.
↑ Ralf Berhorst: Der Preis des Friedens. In: Der Zweite Weltkrieg – Teil 2. 1943–1945. GEO Epoche Nr. 44, Hamburg 2010, S. 128.
↑ Zahlen beziehen sich auf den Januar des laufenden Jahres. (Wechselkurs am 18. Dezember 2015: 1&#160;USD = 0,92 EUR).
↑ Rüdiger Overmans: Deutsche militärische Verluste im Zweiten Weltkrieg. R. Oldenbourg, München 1999, S. 298–300.
↑ Erstmals sprach De Gaulle im September 1941 in einer Radioansprache von London aus von „la nouvelle Guerre de Trente Ans“. Zit. n. Antoine Prost/Jay Winter, Penser la Grande Guerre. Un essai d'historiographie, Paris 2004, S. 33.
↑ Zum zweiten 30-jährigen Krieg siehe Jörg Echternkamp: Die 101 wichtigsten Fragen – Der Zweite Weltkrieg. C.H. Beck, München 2010, S. 137&#160;f.
↑ Vgl. Wigbert Benz: Rezension zu: Zimmermann, John: Pflicht zum Untergang. Die deutsche Kriegführung im Westen des Reiches 1944/45. Paderborn 2009. In: H-Soz-u-Kult. 5.&#160;Februar 2010.Dieser Artikel wurde am 14. Mai 2005 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen.
Normdaten&#160;(Sachbegriff): GND: 4079167-1 (AKS) | LCCN: sh85148273 | NDL: 00570524
<!–NewPP limit report
Parsed by mw1089
Cached time: 20151220100050
Cache expiry: 86400
Dynamic content: true
CPU time usage: 1.611 seconds
Real time usage: 1.832 seconds
Preprocessor visited node count: 13517/1000000
Preprocessor generated node count: 0/1500000
Post‐expand include size: 41220/2097152 bytes
Template argument size: 14802/2097152 bytes
Highest expansion depth: 12/40
Expensive parser function count: 44/500
Lua time usage: 0.047/10.000 seconds
Lua memory usage: 1.47 MB/50 MB
Number of Wikibase entities loaded: 0–><!–Transclusion expansion time report (%,ms,calls,template)
100.00%876.9851 – -total12.76%111.9445 – Vorlage:Inflation10.53% 92.3032 – Vorlage:Internetquelle 6.92% 60.6704 – Vorlage:Inflation/DE 6.49% 56.9358 – Vorlage:FormatDate 4.26% 37.382 29 – Vorlage:Hauptartikel 4.21% 36.9081 – Vorlage:Inflation/US 2.93% 25.6911 – Vorlage:Wiktionary 2.54% 22.2582 – Vorlage:Wechselkurs 2.23% 19.5948 – Vorlage:Str_left
–><!– Saved in parser cache with key dewiki:stable-pcache:idhash:5767-0!*!0!!de!4!* and timestamp 20151220100050 and revision id 149232576–>

Nachschlagen &gt; Alle SeitenDiese Seite listet den Artikelbestand der deutschsprachigen Wikipedia von A bis Z (mehr Infos). Sortiert wird alphabetisch, erst Zahlen und häufige Sonderzeichen, dann Großbuchstaben, Kleinbuchstaben und schließlich weitere Sonderzeichen. Die A 10 findet sich also weit vor AZ, der Aal ist jedoch noch dahinter eingeordnet.Personennamen folgen dem Schema „Vorname Nachname“. Trude Unruh findet sich also unter T (siehe Namenskonventionen).Unterthemen werden meistens als Fließtextlemmata benannt. Der Artikel zur Geschichte von Linux findet sich also unter G.In kursiver Schrift sind Weiterleitungen auf Artikel aufgeführt.Alle SeitenSeiten anzeigen ab:
Seiten anzeigen bis:
Namensraum:
(Artikel-)
Diskussion
Benutzer
Benutzer Diskussion
Wikipedia
Wikipedia Diskussion
Datei
Datei Diskussion
MediaWiki
MediaWiki Diskussion
Vorlage
Vorlage Diskussion
Hilfe
Hilfe Diskussion
Kategorie
Kategorie Diskussion
Portal
Portal Diskussion
Modul
Modul Diskussion
Gadget
Gadget Diskussion
Gadget-Definition
Gadget-Definition Diskussion
Thema&#160;&#160;Weiterleitungen ausblenden</form>Nächste Seite ((1067) Lunaria)!
!!
!!!
!=
!?
!Amerika!
!DelaDap
!DonnerwetteR!
!Donnerwetter!
!Garib Transfrontier Park
!K7
!Kai! Garib
!Kheis
!Kung
!Nami≠Nûs
!Nami≠Nüs
!Xoo
!Xóõ
!distain
!n
!uinida
&quot;
&quot;&quot;
&quot;Glückauf&quot;-Gymnasium Dippoldiswalde/Altenberg
&quot;Heroes&quot;
&quot;K&quot; Line
&quot;Love and Theft&quot;
&quot;Red Terror&quot; Martyrs' Memorial Museum
&quot;Red Terror&quot; Martyrs Memorial Museum
&quot;Tröstet, tröstet&quot;, spricht der Herr
&quot;senk ju vor träwelling&quot;
&quot;… famous last words …&quot;
$
$100,000 Nanjing 2015
$100.000 First Republic Bank Tiburon Challenger 2011
$50SAT
$5 a Day
$crooge McDuck
$h*! My Dad Says
$windle
%
%-Darstellung
%APPDATA%
% Vol.
%s
&amp;
&amp;&amp;
&amp;RQ
&amp; Radieschen
&amp;c
&amp;c.
'
''
'03 Bonnie &amp; Clyde
'39
'54, '74, '90, 2006
'54, '74, '90, 2010
'71
'74 Jailbreak
'A zha
'Abbas
'Abd Al-Ghani Al-Nabulusi
'Abd Al-Karim Khalifah
'Abd Allah Ibn Mas'ud
'Abd Allah ibn-Ibad
'Abd Allah ibn 'Abbas
'Abd Allah ibn Mas'ud
'Abd Allah ibn Wahb
'Abd al-'Azîz ibn Uthmân
'Abd ar-Rahman III.
'Adscham
'Aho'eitu 'Unuaki'otonga Tuku'aho
'Aid
'Ala-ad-Din 'Ata-Malik
'Ala ud-Dīn Atā-Mulk Ǧuwainī
'Alawiyun
'Alem
'Alhan Nahfan
'Ali Gum'a
'Ali Rida Basha al-Rikabi
'Ali al-Muqri
'Ali b. Abi Talib
'Aliyu Babba
'Allama al-Hilli
'Allamah Abu 'Abd Allah al-Zanjani
'Allo 'Allo!
'Amanave
'Ammar al-Talbi
'Ammistamru III.
'Ammu-rapi III. (Ugarit)
'Amr-Moschee
'Amr ibn al-'As
'Ashura
'Ata
'Ata-Malik Juvaini
'Ataq
'Athtar
'Cause I Love You
'Chai
'Eua
'G' Men
'Iao Valley
'Iolani
'Iolani-Palast
'Izz-ad-Din Ibrahim
'Izz ad-Din Ibrahim
'Kukan': The Battle Cry of China
'Mabathoana
'Mamohato
'N Sync
'Ndrangheta
'Nduja
'Ne günstige Gelegenheit
'O'o
'O'os
'O Sistema
'O sole mio
'O surdato 'nnamurato
'Okina
'Pataphysik
'Pataphysique
'Round About Midnight
'Round Midnight
'Round about Midnight
'Til Death
'Til There Was You
'Till I Collapse
'Ui-te-Rangiora
'Ukulele
'Umar
'Umar 'Abd al Rahman
'Umar II.
'Umar Ibn 'Abd al-'Aziz
'Umar as-Suhrawardi
'Urwa ibn al-Zubair
'Urwa ibn al-Zubair ibn al-'Awwam
'Urwa ibn az-Zubair
'Urwa ibn az-Zubayr ibn al-'Awwam
'Uthman
'Uzair
'adscham
'ilm al-ridschal
'jag pa
'l Poggio
's-Graveland
's-Gravendeel
's-Gravenhage
's-Gravenmoer
's-Gravenpolder
's-Gravenzande
's-Heer Hendrikskinderen
's-Heerenberg
's-Heerenhoek
's-Hertogenbosch
's Gravenhage
's Gravenmoer
's Gravesande
's Hertogenbosch
's Ländle, meine Heimat
's Vreneli vom Eggisberg
's is Feierobnd
's is Feieromd
's isch äbe-n-e Mönsch uf Ärde
'solid
'solid – die sozialistische Jugend
'solid – die sozialistische jugend
'solid – die sozialistische Jugend
't Fiskershúske
't Harde
't Horntje
'umra
'Īd al-Fitr
'Īd al-fitr
'Īd ul-Adha
(
(((eTicket Deutschland
()
(+)-Lysergsäurediethylamid
(+44)
(.)p(…)nin
(030) Magazin Berlin
(1) Ceres
(1,5-Cyclooctadien)(1,3,5-cyclooctatrien)ruthenium
(1-Methylethyl)-4-methylbenzol
(1-Methylethyl)benzol
(10) Hygiea
(100) Hekate
(1000) Piazzia
(10000) Myriostos
(100000) Astronautica
(10001) Palermo
(100027) Hannaharendt
(100033) Taizé
(10007) Malytheatre
(1001) Gaussia
(10010) Rudruna
(100133) Demosthenes
(10015) Valenlebedev
(1002) Olbersia
(100268) Rosenthal
(1003) Lilofee
(10030) Philkeenan
(10038) Tanaro
(1004) Belopolskya
(10041) Parkinson
(10044) Squyres
(1005) Arago
(10055) Silcher
(10057) L'Obel
(10057) L’Obel
(1006) Lagrangea
(100604) Lundy
(10067) Bertuch
(10068) Dodoens
(10069) Fontenelle
(1007) Pawlowia
(10079) Meunier
(1008) La Paz
(10088) Digne
(10089) Turgot
(1009) Sirene
(10093) Diesel
(101) Helena
(101,25,6)-Blockplan
(1010) Marlene
(10101) Fourier
(1011) Laodamia
(10111) Fresnel
(10119) Remarque
(1012) Sarema
(10122) Fröding
(1013) Tombecka
(10136) Gauguin
(10139) Ronsard
(1014) Semphyra
(10149) Cavagna
(1015) Christa
(1016) Anitra
(1017) Jacqueline
(1018) Arnolda
(1019) Strackea
(10195) Nebraska
(101955) Bennu
(10199) Chariklo
(102) Miriam
(1020) Arcadia
(10201) Korado
(10204) Turing
(10207) Comeniana
(1021) Flammario
(1022) Olympiada
(10221) Kubrick
(1023) Thomana
(10233) Le Creusot
(10239) Hermann
(1024) Hale
(10242) Wasserkuppe
(10245) Inselsberg
(10246) Frankenwald
(10247) Amphiaraos
(10248) Fichtelgebirge
(10249) Harz
(1025) Riema
(10253) Westerwald
(10254) Hunsrück
(10255) Taunus
(10258) 1940 AB
(1026) Ingrid
(1027) Aesculapia
(1028) Lydina
(1029) La Plata
(103) Hera
(1030) Vitja
(1031) Arctica
(10315) Brewster
(1032) Pafuri
(1033) Simona
(1034) Mozartia
(1035) Amata
(1036) Ganymed
(1037) Davidweilla
(10370) Hylonome
(10377) Kilimanjaro
(10378) Ingmarbergman
(1038) Tuckia
(10382) Hadamard
(10387) Bepicolombo
(1039) Sonneberga
(10390) Lenka
(10392) Brace
(104) Klymene
(1040) Klumpkea
(1041) Asta
(1042) Amazone
(10427) Klinkenberg
(1043) Beate
(10430) Martschmidt
(1044) Teutonia
(10445) Coster
(10449) Takuma
(1045) Michela
(10454) Vallenar
(1046) Edwin
(1047) Geisha
(1048) Feodosia
(10484) Hecht
(1049) Gotho
(105) Artemis
(105,40,15)-Blockplan
(1050) Meta
(10504) Doga
(10506) Rydberg
(10509) Heinrichkayser
(1051) Merope
(1052) Belgica
(1053) Vigdis
(1054) Forsytia
(10541) Malesherbes
(10542) Ruckers
(10543) Klee
(1055) Tynka
(10551) Goteborg
(10551) Göteborg
(10552) Stockholm
(10558) Karlstad
(1056) Azalea
(1057) Wanda
(1058) Grubba
(1059) Mussorgskia
(106) Dione
(1060) Magnolia
(10605) Guidoni
(10606) Crocco
(1061) Paeonia
(1062) Ljuba
(1063) Aquilegia
(10633) Akimasa
(10634) Pepibican
(1064) Aethusa
(1065) Amundsenia
(10659) Sauerland
(1066) Lobelia
(10661) Teutoburgerwald
(10663) Schwarzwald
(10666) Feldberg
Nächste Seite ((1067) Lunaria)

Bewertung steht für:Werturteil als Ergebnis einer Bewertung in Psychologie und Soziologie
Wertung, das Feststellen des Wertes einer Sache, Leistung oder Idee
Bewertung (Logik) in der Aussagenlogik
Bewertung (Qualitätsmanagement)
Bewertung (Rechnungswesen)
Bewertungsgesetz für die steuerliche Bewertung von Vermögensgegenständen
Risikobewertung
Archivische Bewertung im Archivwesen
Bewertungstheorie zur Teilbarkeit durch Primzahlen in der algebraischen Zahlentheorie.Siehe auch:Evaluation
Gutachten
Wertvorstellung
Diese Seite ist eine Begriffsklärung zur Unterscheidung mehrerer mit demselben Wort bezeichneter Begriffe.
<!–NewPP limit report
Parsed by mw1053
Cached time: 20151123133549
Cache expiry: 2592000
Dynamic content: false
CPU time usage: 0.012 seconds
Real time usage: 0.015 seconds
Preprocessor visited node count: 11/1000000
Preprocessor generated node count: 0/1500000
Post‐expand include size: 800/2097152 bytes
Template argument size: 0/2097152 bytes
Highest expansion depth: 3/40
Expensive parser function count: 0/500
Number of Wikibase entities loaded: 0–><!–Transclusion expansion time report (%,ms,calls,template)
100.00%4.4691 – Vorlage:Begriffsklärung
100.00%4.4691 – -total43.73%1.9541 – Vorlage:Bausteindesign2
–><!– Saved in parser cache with key dewiki:stable-pcache:idhash:4713497-0!*!0!*!*!4!* and timestamp 20151123133549 and revision id 148317759–>

Eine Frau gibt ihren Stimmzettel beim zweiten Wahlgang der Präsidentschaftswahl in Frankreich 2007 ab
Demokratie (altgriechisch&#160;δημοκρατία „Herrschaft des Staatsvolkes“, von δῆμος dēmos ‚Staatsvolk‘ und -kratie: κρατία kratía ‚Herrschaft‘) bezeichnet Herrschaftsformen, politische Ordnungen oder politische Systeme, in denen Macht und Regierung vom Volk ausgehen, indem dieses – entweder unmittelbar oder durch Auswahl entscheidungstragender Repräsentanten – an allen Entscheidungen, die die Allgemeinheit verbindlich betreffen, beteiligt ist.[1] In demokratischen Staaten und politischen Systemen geht die Regierung durch politische Wahlen aus dem Volk hervor. Typische Merkmale einer Demokratie sind freie Wahlen, das Mehrheitsprinzip, die Akzeptanz einer politischen Opposition, Verfassungsmäßigkeit, Schutz der Grundrechte, Schutz der Bürgerrechte und Achtung der Menschenrechte. Da die Herrschaft durch die Allgemeinheit ausgeübt wird, sind Meinungs- und Pressefreiheit zur politischen Willensbildung unerlässlich.
„Demokratie“ ist in den meisten demokratischen Ländern formell ein tragendes Verfassungsprinzip, so in Deutschland (Art. 20 Abs. 1 GG), Österreich (Artikel&#160;1 B-VG) und der Schweiz (Präambel der schweizerischen Bundesverfassung). Dies ist auch in vielen Staaten der Fall, deren demokratischer Charakter umstritten ist, wie beispielsweise im vorrevolutionären Libyen durch das Grüne Buch (dort: „Die Lösung des Demokratie-Problems“, 1975).
Moderne Monarchien sind mit dem Demokratiebegriff in vielerlei Hinsicht vereinbar geworden – so haben sich Staatsformen wie die parlamentarische Monarchie herausgebildet, die entscheidende Elemente einer Demokratie in sich vereinen. Viele der existierenden Demokratien sind außerdem Republiken.Inhaltsverzeichnis
1 Etymologie
2 Demokratietheorien2.1 Legitimation der Demokratie
2.2 Die Kultivierungsbedürftigkeit demokratischer Entscheidungen
3 Wesentliche Merkmale der Demokratie
4 Die demokratische Entscheidung
5 Geschichte5.1 Antike5.1.1 Griechische Stadtstaaten
5.1.2 Aristoteles’ politisches Denken
5.1.3 Römische Republik
5.2 Mittelalter und Neuzeit
6 Demokratieformen6.1 Direkte Demokratie
6.2 Repräsentative Demokratie
6.3 Demarchie
6.4 Mischformen6.4.1 Plebiszitäre Demokratie
6.4.2 Rätedemokratie
6.5 Präsidentielle und parlamentarische Regierungssysteme
6.6 Mehrheitsdemokratie, Konkordanzdemokratie und Konsensdemokratie
6.7 Scheindemokratie und Defekte Demokratie
7 Wirkungen und Probleme der Demokratie7.1 Gesamtgesellschaftliche Perspektive7.1.1 Ausschluss von demokratischen Wahlen
7.2 Friedensfunktion
7.3 Wirtschaftswachstum
7.4 Demokratie und Rechtsstaat
7.5 Vermeintlich irrationale und ignorante Wähler
7.6 Lobbyarbeit
7.7 Kurzfristigkeit
7.8 Medien
7.9 Mehrheitsprinzip
7.10 Philosophische Kritik
7.11 Politische Instabilität
7.12 Selbstüberforderung
8 Siehe auch
9 Literatur9.1 Einführung und Geschichte im Überblick
9.2 Geschichte der griechischen Demokratie
9.3 Demokratietheorien im Vergleich
9.4 Aktuell diskutierte Arbeiten und Themen
10 Weblinks
11 AnmerkungenEtymologie
Das Wort „Demokratie“ ist im antiken Griechenland entstanden und bedeutete dort die direkte Volksherrschaft. Der Begriff „Volk“ wurde in jener Zeit sehr eng gefasst, da mit diesem nur einer äußerst begrenzten Gruppe von Bürgern politische Partizipationsrechte eingeräumt wurden. So konnten in einer griechischen Polis nur freie Männer an Volksversammlungen teilnehmen. Die Abkehr vom Grundgedanken der Demokratie wurde Ochlokratie („Herrschaft des Pöbels“) genannt.[2]
Demokratietheorien
→ Hauptartikel: Demokratietheorie
Zweck und Funktionsweise der Demokratie werden in verschiedenen Demokratietheorien diskutiert. Normative Demokratietheorien beinhalten eine bestimmte Vorstellung von Demokratie und befürworten jeweils unterschiedliche Demokratieformen wie direkte Demokratie, repräsentative Demokratie, partizipatorische Demokratie, Demarchie, Radikaldemokratie oder Basisdemokratie.
Legitimation der Demokratie
Eine wichtige Legitimationstheorie der Demokratie gründet sich auf das Ideal einer „Volksherrschaft“, die auf der Zustimmung und Mitwirkung der Mehrheit der Bürger beruhen solle. Theoretisch kann man eine Begründung dafür in folgender Überlegung suchen: Die Ordnung der politischen Gemeinschaft solle sich auf Gerechtigkeit gründen. Die letzte Grundlage, zu der alles Bemühen um Gerechtigkeitseinsicht vordringen kann, ist das, was das individuelle Gewissen nach bestmöglichem Vernunftgebrauch für gut und gerecht befindet. Daher gilt jeder als eine dem anderen gleich zu achtende moralische Instanz, wie Kant feststellte. Dies führt „für den Bereich des Staates und des Rechts zu dem demokratischen Anspruch, dass alle in einem freien Wettbewerb der Überzeugungen auch über die Fragen des Rechts und der Gerechtigkeit mitbestimmen und mitentscheiden sollten“.[3]
Diesen Gedanken folgend gilt heute die Demokratie im westlichen Verständnis für die einzige legitime Staatsordnung (siehe auch Demokratismus).[4] Oft wird dabei Demokratie kurzerhand mit Rechtsstaatlichkeit gleichgesetzt, obwohl sie staatstheoretisch nicht notwendig (und oft auch tatsächlich nicht) mit dieser verbunden ist.[5] Die Einschätzung der Demokratie als der „(einzig) richtigen Staatsform“ hat zu dem sogenannten Demokratisierungsprozess geführt.[6] Dabei wird unterschieden zwischen der Demokratisierung von „oben“ und von „unten“; das heißt, die Demokratie wird entweder durch eine Revolution des Volkes von innen heraus eingeführt, oder aber das Land wird durch eine fremde Macht von außen „demokratisiert“.[7] Letzteres kann als abgeschwächte Form zum Beispiel durch Demokratieförderung, oder aber auch durch die gewaltsame „Befreiung“ eines Landes (wie es beispielsweise bei der Entnazifizierung oder in Afghanistan und dem Irak der Fall war) geschehen.[8]
Aus der Sicht der politikwissenschaftlichen Souveränitätstheorie ist die Demokratie ein politisches System, in dem das Volk der souveräne Träger der Staatsgewalt ist.[9] Je nachdem, ob der verbindliche Volkswille unmittelbar durch die Bürger oder durch gewählte Repräsentanten gebildet wird, unterscheidet man unmittelbare und repräsentative Demokratien. Parlamentarische Demokratien, die unter Wahrung der Volkssouveränität ein erbliches Staatsoberhaupt[10] mit im wesentlichen repräsentativen Funktionen haben (wie z.&#160;B. Großbritannien oder Belgien) zählt man, staatstheoretisch zutreffend, zu den Demokratien, bezeichnet sie aber auch, unter Verwendung des inzwischen gewandelten Begriffs der Monarchie, als parlamentarische Monarchien.[11]
Vereinzelt hat man zwischen Demokratien und Nicht-Demokratien danach entschieden, ob ein Volk über seine Staatsform selbst entscheiden kann, oder sie ihm aufgezwungen wird.[12]
Nach Ansicht des Kritischen Rationalismus bedürfen auch die Legitimationstheorien einer kritischen Überprüfung, insbesondere auf Fehler, die sie anfällig für totalitäre Tendenzen machen. Diese Fehler ähnelten der fehlerhaften erkenntnistheoretischen Annahme autoritativer Quellen der Erkenntnis und ihrer Begründung. Sie gründeten sich letztlich auf eine unkritische Antwort auf die Frage „Wer soll herrschen?“. Die üblichen Demokratietheorien setzten diese Frage als staatsphilosophische Grundposition voraus und behaupteten, darauf die Antwort geben zu können: „Das Volk soll herrschen“ oder „Die Mehrheit soll herrschen“. Nach Karl Popper, dem Begründer des Kritischen Rationalismus, sei diese Frage falsch gestellt und auch die Antwort sei falsch, weil weder das Volk noch die Mehrheit, sondern die Regierung in einer Demokratie tatsächlich herrsche oder überhaupt herrschen könne. Diese Frage müsse ersetzt werden durch die bessere Frage, wie eine Tyrannis vermieden werden könne und wie der Staat so gestaltet und die Gewalten so geteilt und kontrolliert werden könnten, dass Herrscher keinen zu großen Schaden anrichten könnten und unblutig abgesetzt werden könnten. Handlungen von Regierungen sind nach dieser Theorie nicht grundsätzlich legitimiert und können sich nicht über die Moral stellen. Weder das Volk, noch die Regierung, seien oder sollten demnach souverän sein; die Regierung müsse Minderheiten auch gegen den Willen von Mehrheiten schützen, und das Volk müsse die Regierung gegen ihren Willen bei Wahlen zur Verantwortung ziehen. Die demokratische Wahl ist nach dieser Ansicht keine souveräne Auswahl und Legitimation einer neuen Regierung, die am besten fähig ist, den Willen des Volkes oder der Mehrheit durchzusetzen, sondern sie ist ein Volksgericht über die bestehende Regierung, bei dem Bürger darüber entscheiden, ob sie tüchtig genug ist und ob ihre Handlungen moralisch vertretbar sind. Die Theorie der Mehrheitsherrschaft müsse durch die Theorie der Entlassungsgewalt der Mehrheit ersetzt werden. Daraus zieht Popper auch praktische Konsequenzen, z.&#160;B. behauptet er die moralische Überlegenheit des Mehrheitswahlrechts und der Zweiparteiendemokratie gegenüber dem Verhältniswahlrecht und der Mehrparteiendemokratie, während die Souveränitäts- und Legitimationstheorien üblicherweise zu der entgegengesetzten Ansicht neigen.[13]
Die Kultivierungsbedürftigkeit demokratischer Entscheidungen
Die Demokratie bedarf mehrfacher Strukturierung, um effektiv und anpassungsfähig als freiheitliches und bürgernahes politisches System zu funktionieren,[14] schon deshalb, damit nicht durch einen Mehrheitsabsolutismus ein Teil der Gemeinschaft durch einen anderen unterdrückt wird. Erwägungen dieser Art spielten bereits in den Vorüberlegungen zur Verfassung der USA eine Rolle. Später vertieften Alexis de Tocqeville und John Stuart Mill diese Überlegungen.[15]
Der Freiheitsgewährleistung dienen rechtsstaatliche Bindungen der Staatsgewalt, insbesondere Grundrechte und eine rechtsstaatliche Strukturierung der Entscheidungsverfahren durch Rollenverteilungen, rechtsstaatliche Verfahrensgrundsätze und Kontrollen.
Einer Kultivierung des politischen Handelns dient auch die Dezentralisation der Entscheidungskompetenzen in Verbindung mit dem Subsidiaritätsprinzip: Grundlage ist die föderative Gliederung eines Staates in Länder und die Gliederung der Länder in Selbstverwaltungskörperschaften bis hin zu den Gemeinden. In diesem gegliederten Gemeinwesen sollen nach dem altüberkommenen Subsidiaritätsprinzip die nachgeordneten politischen Einheiten alles erledigen, was sie besser oder ebenso gut besorgen können wie die übergeordneten. Dadurch sollen die kleineren Gemeinschaften und deren Mitglieder ein Höchstmaß an Selbstbestimmung und Verantwortung für ihren eigenen Lebensbereich erhalten; insgesamt soll auf diese Weise für Bürgernähe gesorgt werden. Die demokratische Dezentralisation der politischen Gemeinwesen dient also insbesondere deren Vermenschlichung; doch findet sie im „Allzumenschlichen“ auch gewisse Grenzen.[16]
Es wird auch argumentiert, dass eine weitestgehende Umsetzung des Prinzips der Subsidiarität Grundvoraussetzung einer Demokratie ist. Nach dem Historiker Peter Jósika sollte jegliche demokratische Selbstbestimmung und Staatlichkeit immer von der Gemeinde als kleinste und bürgernaheste politische Einheit ausgehen. Demnach sollten Gemeinden jederzeit selbst über ihre Zugehörigkeit zu einem größeren politischen Gemeinwesen (z.&#160;B. einem Staat, einer Region, einer Provinz, einem Kanton oder einem Bundesland) entscheiden können. Jósika verweist diesbezüglich insbesondere auf das politische Modell der Schweiz, wo Gemeinden traditionell als Ausgangspunkt des demokratischen Staatswesens fungieren, über umfangreiche Autonomie verfügen und somit auch jederzeit ihre Kantonszugehörigkeit wechseln können. Er kritisiert die Mehrheit der heutigen Nationalstaaten in diesem Zusammenhang als zentralistisch und daher bürgerfern sowie undemokratisch.[17]
In einer territorialen Gliederung liegt zugleich eine föderative („vertikale“) Gewaltenteilung. Gleichermaßen erhebt sich die Forderung nach einer Gewaltenkontrolle durch eine „horizontale“, organisatorische Teilung der Regelungskompetenzen, aber auch (etwa bei Aristoteles) nach einer Ausbalancierung der gesellschaftlichen „Vermögen“ und Mächte. Solche Forderungen reichen in die Antike zurück und wurden teils von Aristoteles, teils von Polybios vertreten.[18] Das Prinzip der horizontalen Gewaltenteilung fand seine bekannteste, neuzeitliche Ausformung durch John Locke und Montesquieu.[19]
Eine repräsentative Willensbildung soll nicht nur der Funktionsfähigkeit, sondern auch der Rationalität demokratischen Handelns dienen. Darauf, dass die Demokratie durch eine repräsentative Verfassung zu kultivieren sei, wies vor allem Jean Louis de Lolme hin:[20] Wenn das Volk durch von ihm bestellte Repräsentanten an den politischen Entscheidungen teilnehme, könne man ihm nicht, wie etwa der altrömischen Volksversammlung, von heiligen Hühnern etwas vorschwatzen. Vielmehr lägen die Entscheidungen dann in den Händen einer überschaubaren Anzahl politisch informierter und engagierter Persönlichkeiten. Deren Verhandlungen spielten sich in einem geordneten Verfahren ab.[21] So gewährleistet (kann man hinzufügen) die Gliederung der Volksvertretung in Regierungspartei und Opposition, dass die Willensbildung der Repräsentanten wenigstens der äußeren Form nach als Austausch von Argumenten und nicht als solidarische Zustimmung strukturiert wird. Zudem baute de Lolme auf die Kontrolle durch eine informierte öffentliche Meinung.[22] Dass die moderne repräsentative Demokratie trotz aller Bemühungen um ihre Kultivierung stark mit oligarchischen Komponenten durchsetzt ist,[23] bleibt gleichwohl unbestritten.
Wesentliche Merkmale der Demokratie
Ein Staat gilt als demokratisch, wenn die folgenden Kriterien zutreffen:Es gibt einen Demos (das Volk), welcher politische Entscheidungen in kollektiven Prozeduren (Wahlen oder Abstimmungen) trifft.
Das Volk ist der souveräne Träger der Staatsgewalt (Volkssouveränität). Es gibt sich selbst (meist durch eine Verfassung) ein politisches System (verfassungsgebende Gewalt).
Es gibt ein Territorium, in dem die Entscheidungen innenpolitisch angewendet werden und in dem der Demos angesiedelt ist: das Staatsgebiet. Weil dieses im Regelfall mit der Heimat des Demos korrespondiert, stimmen Demos und Reichweite des demokratischen Prozesses überein. Kolonien von Demokratien werden selbst nicht als demokratisch betrachtet, wenn sie vom demokratischen Mutterland regiert werden. (Demos und Territorium stimmen nicht überein.).Umgekehrt gilt jedoch: Ist die Bevölkerung (auch deutlich) größer als der Demos und somit das Territorium und die Bevölkerung ebenfalls divergieren, wird im Allgemeinen trotzdem von einer Demokratie gesprochen (Ausländerproblematik bei Wahlen).
Es gibt für politische Normen eine Entscheidungsfindungsprozedur, die entweder direkt (als Referendum) oder indirekt (über die Wahl eines vertretenden Parlamentes) funktioniert. Diese Prozedur wird vom Demos bereits dadurch als legitimiert betrachtet, dass sein Ergebnis „akzeptiert“ wird. In einer repräsentativen Demokratie wird die politische Legitimität der Repräsentanten aus der Bereitschaft der Bevölkerung abgeleitet, die Entscheidungen des Staates (auch die der Regierung und der Gerichte) entgegen individuellen Vorzügen und Interessen zu akzeptieren oder hinzunehmen. Dies ist deshalb wichtig, weil demokratische Wahlen immer Gewinner und Verlierer haben. Zumindest muss die Prozedur geeignet sein, Regierungswechsel herbeizuführen, sofern eine ausreichende Unterstützung dafür existiert. Scheinwahlen, die ein existierendes Regime nur bestätigen können, sind nicht demokratisch.
Im Fall von Nationalstaaten müssen diese souverän sein: Demokratische Wahlen sind nutzlos, wenn eine Autorität von außen das Ergebnis überstimmen kann. Ausnahmen kann es im Falle der Suzeränität geben (Beispiel Island).
Ein unverzichtbares Merkmal einer Demokratie ist schließlich, dass durch wiederkehrende, verbindlich festgelegte Verfahren die Regierung ohne Revolution wechseln kann. In vorwiegend direkt-demokratischen Systemen entscheidet das Volk zum Beispiel mittels Volksabstimmungen und kooperativer Planung in Sachfragen selbst. In repräsentativen Demokratien werden hierzu von den Bürgern Repräsentanten gewählt (oder in der Vergangenheit auch per Los bestimmt), die die Herrschaft ausüben sollen.Obwohl die Staatsform der Demokratie dies per Definition nicht unbedingt miteinschließt, wird sie im äußeren, modernen, vor allem westlich geprägten Bild meist mit einer gewissen Form der Rechtsstaatlichkeit verbunden (siehe auch entsprechender Abschnitt). Mindestens zu nennen sind dabei:Garantie der Grundrechte jedes Einzelnen gegenüber dem Staat, gegenüber gesellschaftlichen Gruppen (insbesondere religiösen Gemeinschaften) und gegenüber anderen Einzelpersonen.
Gewaltenteilung zwischen den Staatsorganen Regierung (Exekutive), Parlament (Legislative) und Gerichten (Judikative).
Meinungs-, Presse- und Rundfunkfreiheit.Die demokratische Entscheidung
Damit eine Wahl in repräsentativen Demokratien, bzw. eine Abstimmung in direkten Demokratien demokratischen Mindeststandards entspricht, müssen neben dem Mehrheits- oder Konsensprinzip weitere Kriterien erfüllt sein. Die konkrete Ausprägung dieser Kriterien hängt vom jeweiligen Wahlverfahren ab.Allgemeine Wahl: Jeder Wahlberechtigte darf an Wahlen und Abstimmungen teilnehmen (aktives Wahlrecht) und besitzt ein passives Wahlrecht.
Gleiche Wahl: Jeder Wahlberechtigte hat gleich viele Stimmen.
Freie Wahl: Es darf kein Zwang auf die Wähler ausgeübt werden.
Unmittelbare Wahl: Bei einer Personenwahl wird die Stimme unmittelbar einem Kandidaten gegeben.
Geheime Wahl: Um die freie Wahl zu sichern, wird häufig geheim abgestimmt. Dabei sollte auch hinreichend viel Zeit für die Entscheidung zur Verfügung stehen.Als Ergebnis der Freiheit, zu kandidieren (passives Wahlrecht), kann es zur Situation kommen, dass nur ein Kandidat zur Wahl steht. Eine echte Entscheidung kann freilich nur getroffen werden, wenn es mehrere Alternativen gibt. Dennoch gilt aber auch eine Abstimmung mit nur einer Alternative als demokratisch, sofern die anderen Demokratiekriterien gewahrt bleiben.
Eine Demokratie setzt die Einhaltung der Grundrechte voraus. Insbesondere gilt dies für dieMeinungsfreiheit und Pressefreiheit: Der politischen Entscheidung sollte ein freier Austausch der Meinungen und Standpunkte vorausgehen.
Organisationsfreiheit: Damit ist die Freiheit gemeint, frei Parteien und Organisationen zu bilden.
Rezipientenfreiheit: Im Idealfall sollte jeder Teilnehmer wissen und verstehen, was er entscheidet. Da Wissen und Verstehen aber nur schwer überprüfbar sind, gilt als Demokratiekriterium der freie Zugang zu allen Informationen, die für die Entscheidung maßgeblich sind.Geschichte
Die Geschichte der Demokratie ist eng verknüpft mit der Entwicklung der Idee des Naturrechts, die wiederum eng verwandt ist mit dem Begriff der Menschenrechte. Ihre Wurzeln finden sich bereits in den akephalen (herrschaftsfreien) traditionellen Gesellschaften (z.&#160;B. Jäger und Sammler-Gemeinschaften), die von dem Soziologen Thomas Wagner als „egalitäre Konsensdemokratie“ bezeichnet wurden.
Antike
Kleisthenes von Athen, „Vater der attischen Demokratie“.
Ausgehend von den Naturrechten wurde die Idee der Gleichberechtigung der Freien entwickelt, die sich in den frühen Ansätzen demokratischer Gesellschaften wiederfindet. Die Mitgestaltungsbefugnisse eines Menschen hingen zunächst vom Status der Person ab: Nur freie Bürger hatten diese Rechte inne – was Sklaven, Frauen und Nicht-Bürger (z.&#160;B. Ausländer) ausschloss.
Griechische Stadtstaaten
Als frühestes Beispiel einer Demokratie in der Geschichte wird die antike Attische Demokratie angesehen, die nach heftigem Ringen des Adels und der Reichen mit dem einfachen Volk errichtet wurde. Sie gewährte allen männlichen Vollbürgern der Stadt Athen ab dem 30.Lebensjahr Mitbestimmung in der Regierung. Ausgeschlossen blieben Frauen, Zugezogene, unter 30 jährige und Zehntausende von Sklaven. Die Anzahl der Vollbürger betrug etwa 30.000 bis 40.000 Männer, das waren rund 10&#160;% der Gesamtbevölkerung. Bei wichtigen Entscheidungen, z.&#160;B. über Krieg und Frieden, mussten mindestens 6.000 anwesend sein. Beamte (z.&#160;B. die Archonten) wurden ursprünglich durch das Los bestimmt – abgesehen von den Strategen, welche für die Armee zuständig waren und im Krieg eine große Rolle spielten. Da sie allerdings eine große Verantwortung trugen, wurden sie nach einer Niederlage z.&#160;T. durch das Scherbengericht für 10 Jahre aus Attika verbannt.
Diese antike Staatsform war nicht unumstritten, gewährte sie doch beispielsweise den Bürgern das Recht, Mitbürger, die als gefährlich für die Demokratie angesehen wurden, mit Hilfe des sogenannten Scherbengerichts (Ostrakismos) in die Verbannung zu schicken. Auch waren die Beschlüsse der Volksversammlung leicht beeinflussbar. Demagogen spielten nicht selten eine fatale Rolle in der Politik Athens.
Auch in anderen Poleis des attischen Seebunds wurden Demokratien eingerichtet, die aber vor allem dafür sorgen sollten, dass die Interessen Athens gewahrt wurden.
Der Althistoriker Christian Meier erklärte die Einführung der Demokratie durch die antiken Griechen folgendermaßen: Demokratie sei die Antwort auf die Frage gewesen, wie es der Politik gelingen könne, auch die Herrschaft selbst zum Gegenstand von Politik zu machen. Aufgrund der Unzufriedenheit breiter Bevölkerungsschichten im griechischen Mutterland in spätarchaischer Zeit (7. und 6. Jahrhundert v. Chr.) und des Vorhandenseins unabhängigen und öffentlichen politischen Denkens, kam es zuerst zur Vorstufe der Demokratie, der Isonomie. Nicht zuletzt auf Grund der Erfolge der freien griechischen Poleis während der Perserkriege wurde diese Entwicklung beschleunigt und fand ihren Endpunkt in der attischen Demokratie, in der die Bürger in Athen die Möglichkeit bekamen, in einer auf breiteren Schichten basierenden politischen Ordnung mitzuwirken.[24]
Aristoteles’ politisches Denken
(Erste) Staatsformenlehre nach AristotelesZahl der
Herrschenden
Zum Nutzen
aller
Zum Nutzen der
Regierenden
Einer
Monarchie
Tyrannis
Einige
Aristokratie
Oligarchie
Alle
Politie
DemokratieAristoteles verwendet den Begriff Demokratie in seinem Werk Πολιτικά (Politik) zunächst negativ, um die Herrschaft der freigeborenen Armen zu bezeichnen. Diese nach seiner Auffassung verfehlte Staatsform würde nicht das Wohl der Allgemeinheit, sondern nur das Wohl des herrschenden Teils der Bevölkerung (eben der Armen) verfolgen. Allerdings lehnt er die Beteiligung des einfachen Volkes – in gemäßigter Form – nicht strikt ab, wie etwa noch sein Lehrer Platon dies tat, wovon seine „Summierungstheorie“ ein Zeugnis abgibt. Im Rahmen seiner sogenannten zweiten Staatsformenlehre liefert Aristoteles darüber hinaus eine differenzierte Theorie der Demokratie und ihrer Formen.
Letztendlich aber plädiert er für eine Form der Mischverfassung zwischen Demokratie und Oligarchie als stabilster und gerechter Staatsform: für die sogenannte Politie. In ihr hat das Volk über die Wahl der Beamten und die Kontrolle ihrer Amtsführung seinen rechtmäßigen Anteil an der Regierung, die insgesamt zum allgemeinen Wohl und nicht zu Lasten eines Teils des Staates (z.&#160;B. der Wohlhabenden) ausgeübt werde.
Als Grundlage der demokratischen Staatsform bezeichnete Aristoteles die Freiheit (Pol. VI). Da die Freiheit wichtigste Eigenschaft der Demokratie sei, wollten sich Demokraten am liebsten nicht regieren lassen, oder dann doch nur abwechslungsweise. Zur Freiheit gehöre also, dass man abwechselnd regiere und regiert werde: „Alle Ämter werden aus allen besetzt, alle herrschen über jeden und jeder abwechslungsweise über alle“. Diese Ämter würden durch Los besetzt, vorzugsweise alle, jedoch diese, die nicht besonderer Erfahrung oder Kenntnisse bedürften. Die Ämter seien alle kurzfristiger Natur und dürften – abgesehen von Kriegsämtern – nur wenige Male besetzt werden.
Nach Aristoteles gibt es für die Freiheit drei Bedingungen:Autonomia (altgriechisch&#160;αὐτονομία, „Autonomie, Selbstgesetzgebung“, aus αὐτός autós „derselbe“ und νόμος nómos „Gesetz“): In einer Demokratie hat also jeder Anteil am Gesetz, und zwar insofern, als das Zustandekommen des Gesetzes persönliche und direkte Anteilnahme verlangt. Man gibt sich selber eine Regel, und zwar nach dem, was man für gut erkannt, und hält sich dran.
Autochthonia („Selberdigkeit“, von altgriechisch&#160;αὐτόχθων autóchthon „eingeboren, aus demselben Land“, aus αὐτός autós „derselbe“, und χθών chthon „Erde“): Gemeint ist, dass das Volk alteingesessen, bodenständig und eingeboren sein solle. Mischung wird als Qualitätsminderung betrachtet.
Autarkia (altgriechisch&#160;αὐτάρκεια „Autarkie, Selbstversorgung“, aus αὐτός autós „derselbe“ und ἄρκος árkos „Abwehr, Burg“): Gemeint ist die vollständige Versorgung aus dem Eigenen und die Abwehr fremder Götter, Waren und Dinge, die identisch gesehen werden und Abhängigkeiten brächten, mithin im Widerspruch zur Freiheit ständen und das freie Wachsen der eigenen Kultur beeinträchtigten. Aristoteles sagte: Der Anfang aller Kultur ist Verzicht (ergänze: auf das Nicht-Eigene).Römische Republik
S.P.Q.R.: Senatus Populusque Romanus („Senat und Volk von Rom“), das Hoheitszeichen der Römischen Republik
Auch die Römische Republik verwirklichte bis zur schrittweisen, kontinuierlichen Ablösung durch den Prinzipat eine Gesellschaft mit rudimentären demokratischen Elementen, basierend auf der Idee der Gleichberechtigung der Freien bei der Wahl der republikanischen Magistrate, wenn auch das oligarchische Prinzip bestimmend war. Bei der Wahl der Konsuln war es so, dass aufgrund des Systems der Comitia Centuriata die Stimme eines Reichen deutlich mehr zählte als die eines Armen. Andererseits vertritt der Historiker Fergus Millar einen anderen Standpunkt und interpretiert die Römische Republik vielmehr als eine Art direkt-demokratisches Staatswesen. Die historisch bedeutendere Leistung Roms dürfte allerdings die Etablierung einer frühen Form eines Rechtsstaats sein – ein Konzept, das ebenfalls eng mit unserem heutigen Demokratieverständnis zusammenhängt.
Bei Marcus Tullius Cicero wird der Begriff der Demokratie als civitas popularis „romanisiert“ (De re publica, I), womit die spätrepublikanische Bezeichnung der Parteiung der „Popularen“ zum Namensgeber der entsprechenden Verfassungsform wird. Nach Cicero besticht diese Herrschaftsform durch die Freiheit, welche die Bürger in ihr genießen, wobei er diese aber auch stets durch die Gefahr der Zügellosigkeit der Masse bedroht sieht.
Mittelalter und Neuzeit
Mit dem Untergang des Römischen Reiches verschwand die demokratische Idee aber nicht vollständig von der politischen Bühne Europas. In verschiedenen Ländern stand man in der Tradition der germanischen Volksversammlung, dem Thing, die über Umwege den Grundstein für neuzeitliche Parlamente bildete:England: Thing (Folcgemot) → seit dem 7. Jh. Witenagemot → ab 1066 Curia Regis → 17. Jh., namentlich ab 1707 Britisches Parlament
Island: Althing ab 930, das älteste heute noch bestehende Parlament der Welt
Faröer: Løgting, eines der ältesten Parlamente seit ca. 900
Isle of Man: Tynwald, das älteste durchgängig aktive Parlament der Welt, bis 979 rückverfolgbar
Schweiz: Ding → Fürstenherrschaft → 1291 Gründung der Eidgenossenschaft zum Schutz der „alten Freiheiten“
Deutschland: Ding → Femegerichte und freie Reichsstädte mit Bürgerräten
Dänemark, Schweden, Norwegen: Thing bis ca. 12. Jahrhundert, ab da an Königsherrschaft. Heute heißen die Parlamente wieder Ting (Storting, Folketing)Eine neue Qualität der demokratischen Bewegung setzte aber erst mit der Entstehung des britischen Unterhauses (House of Commons) im 13. Jahrhundert ein. Dieses anfangs rudimentäre Parlament hatte nur sehr wenige Rechte und war der Macht des Monarchen fast schutzlos ausgeliefert. Mit der Entwicklung der absoluten Monarchie verringerten sich die Einflussmöglichkeiten sogar noch. Erst mit dem englischen Bürgerkrieg entstand im 17. Jahrhundert mit dem besagten Unterhaus eine Volksvertretung mit umfangreichen Rechten. Das bedeutendste Dokument des Parlamentarismus ist die Bill of Rights von 1689, in der das nach England eingeladene neue Königspaar Wilhelm und Maria dem Parlament Immunität, Verfügung über die Finanzen und Recht auf Zusammentretung ohne Aufforderung des Königs zugestand, und damit die Grundrechte eines modernen Parlaments schuf. Die erste neuzeitliche Demokratie war entstanden. Es gab Abgeordnete, wie John Lilburne, der im Gegensatz zum System der attischen Demokratie, die Abschaffung von Sklaverei, Leibeigenschaft, dafür aber ein allgemeines und gleiches Wahlrecht für alle Männer forderten, die als „frei geboren“ gelten sollten. Lilburne war Wortführer der sogenannten Levellers („Gleichmacher“). Diese Sichtweisen stießen jedoch auf den Widerstand der Oberschicht. So wurde er unter der Herrschaft Oliver Cromwells jahrelang inhaftiert. Wie bereits die antiken Herrscher, so betrachtete auch die Oberschicht alle demokratischen Bewegungen mit größtem Misstrauen und warf ihnen aus Angst vor dem Verlust ihrer Privilegien vor, den Pöbel an die Macht bringen zu wollen.
1755 schrieb Pasquale Paoli eine Verfassung für Korsika.[25] Es handelt sich dabei um eine Mischverfassung nach antikem Vorbild mit demokratischen Elementen, die sich auch aus regionalen Traditionen Korsikas speisten. Sie ist damit die erste moderne Verfassung weltweit.[26]
1762 veröffentlichte Jean-Jacques Rousseau seine Idee vom Gesellschaftsvertrag (Du contract Social; ou Principes du Droit Politique) und etablierte mit dieser Vertragstheorie die identitäre Demokratie, die Herrscher und Beherrschte gleichsetzt. Das so entstandene Prinzip der Volkssouveränität basiert auf dem Gemeinwillen, der volonté générale. Auch die von John Locke und Charles Montesquieu etablierte Gewaltenteilung in Legislative, Judikative und Exekutive wird als elementarer Bestandteil eines modernen demokratischen Rechtsstaates betrachtet.
Zu dieser Zeit hatten sich in Nordamerika 5 Indianerstämme zum Bund der Irokesen zusammengeschlossen und sich eine Räteverfassung gegeben. Benjamin Franklin und andere amerikanische Staatsmänner ließen sich hinsichtlich der Ausgestaltung der amerikanischen Verfassung unter anderem von den Irokesen anregen.[27]
Die Vorarbeiten dieser Philosophen, das Vorbild des englischen Parlamentarismus und auch das Vorbild der irokesischen Verfassung fanden Berücksichtigung, als mit der Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika 1787 der erste moderne demokratische Staat entstand. Polen-Litauen gab sich als mit der Verfassung vom 3. Mai 1791 eine demokratische Staatsordnung. Dabei wurde mit der Einführung der „Landbotenkammer“ das politische Mitspracherecht, das bis dahin auf den Adel beschränkt war, auf das wohlhabende Bürgertum ausgedehnt. Diese Prozesse inspirierten die Französische Revolution und führten zu einer schrittweisen Demokratisierung anderer europäischer Länder, wobei der englische Parlamentarismus besondere Erwähnung verdient.
Zahlreiche der heute in Europa anzutreffenden demokratischen Regierungsformen basieren auf landesspezifischen aristokratischen Vorläufermodellen. Die herrschenden Schichten Adel, Kirchenvertreter und wohlhabendes Bürgertum nahmen im Mittelalter und der frühen Neuzeit in den Landständen ihre politischen Rechte gegenüber dem Herrscher im Sinne ihrer Standesinteressen wahr. Das betraf insbesondere Territorial- und Grenzkonflikte, Kriegsdienste und Steuererhebung, Fragen der Gewaltenteilung und der Herrscherwahl (siehe auch Ständeordnung). Die weitere neuzeitliche Entwicklung der Demokratie in Europa im 17. und 18. Jahrhundert ist eng mit dem Republikanismus verbunden. Unter Revolutionären der amerikanischen und französischen Revolution gab es durchaus Bedenken, ob Demokratie im Sinne einer Beteiligung des gesamten Volkes an der Macht stabil bleiben könne oder sich zu einer Pöbelherrschaft entwickeln würde. Auch war die Demokratie in dieser Zeit der Skepsis ausgesetzt, ob sie in großen Flächenstaaten, die sich von den antiken Demokratien auch dadurch unterschieden, dass sich die Bürger untereinander nicht persönlich kannten, überhaupt verwirklicht werden könne. Ein weiteres Problem wurde in den im Vergleich zu antiken Demokratien größeren sozialen und kulturellen Unterschieden in der Bevölkerung gesehen.[28]
Nach den Berichten von Freedom House, einer amerikanischen Organisation, die die Entwicklung der Demokratie weltweit beobachtet, gab es im Jahre 1900 weltweit 55 souveräne Staaten, von denen keiner eine Demokratie war. Dies liegt daran, dass die freiheitlich verfassten Staaten dieses Jahres kein passives Wahlrecht für Frauen kannten, was nach den Kriterien von Freedom House eine Grundvoraussetzung für eine Demokratie ist. Im Jahr 1950 gab es unter den nunmehr 80 souveränen Staaten immerhin schon 22 Demokratien. Für 1999 zählt Freedom House 192 souveräne Staaten und fast die Hälfte, 85 Staaten, zu den Demokratien. Entscheidend für diese Einstufung sind zwei Kriterien: politische Rechte (political rights) und Bürgerfreiheiten (civil liberties), die in diesen Ländern Mindeststandards genügen. Unter den hinzugekommenen Staaten sind viele junge Demokratien, die erst in den letzten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts in Osteuropa, Asien und Lateinamerika entstanden sind.
Demokratieformen
Demokratie ist eine wandelbare Herrschaftsform. Im Laufe der Geschichte und in der politikwissenschaftlichen Theorie hat sie sehr unterschiedliche Ausgestaltungen erfahren.
Direkte Demokratie
→ Hauptartikel: Direkte Demokratie
Abstimmung einer Landsgemeinde im Schweizer Kanton Glarus, 2006 – eine immer noch praktizierte Form der direkten Demokratie
In der unmittelbaren bzw. direkten Demokratie nimmt das Volk unmittelbar und unvertretbar durch Abstimmungen über Sachfragen am Staatsgeschehen teil. Das ausgeprägteste direktdemokratische System besteht in der Schweiz.
In vielen Staaten wird das politische System durch einzelne Elemente direkter oder plebiszitärer Demokratie ergänzt.
In weiten Teilen der 68er- und Alternativbewegungen war statt direkter Demokratie der Begriff „Basisdemokratie“ üblich. Direkte Demokratie oder zumindest die Einführung von mehr plebiszitären Elementen auf Bundes- und Landesebene galten als erklärte Ziele.
Repräsentative Demokratie
→ Hauptartikel: Repräsentative Demokratie
Plenarsaal eines Parlaments (hier: Deutscher Bundestag) – typisches Organ einer repräsentativen Demokratie
In der Repräsentativen Demokratie sind Repräsentanten des Volkes für eine begrenzte Zeit zur Machtausübung autorisiert. Nach Ablauf dieser Periode muss über die Zusammensetzung der Volksvertretung durch Wahl neu entschieden werden. Die Periode beträgt üblicherweise mehrere Jahre. In vielen Staaten hat sich ein Zeitraum von 4 bis 8 Jahren eingebürgert. Repräsentiert wird das Volk nicht nur in den gesetzgebenden Organen (Parlament, Rat) sondern auch in den gesetzesausführenden Organen (Regierung, Verwaltung). Letztere werden gelegentlich nicht vom Volk direkt gewählt, sondern indirekt über Volksvertreter.
Bei Wahlen als politischer Beteiligungsform geht die Staatsgewalt insoweit vom Volke aus, als dieses die Repräsentanten wählt (Personen oder Parteien), die die politischen Entscheidungen für die Zeit der nächsten Wahlperiode treffen. Beim reinen Verhältniswahlrecht kann der Wähler eine Partei benennen, die seinen politischen Vorstellungen am nächsten kommt. Im Parlament sind die Parteien dann mit der Stärke vertreten, die ihrem Stimmenanteil entspricht. Beim reinen Mehrheitswahlrecht zieht aus jedem Wahlkreis derjenige Bewerber ins Parlament ein, der dort die meisten Stimmen auf sich vereint. Auch verschiedene Mischformen kommen vor.
Demarchie
→ Hauptartikel: Demarchie
In der Demarchie werden Volksvertreter und Regierung nicht vom Volk gewählt, sondern per Zufallsauswahl aus dem Volk bestimmt. Die Demarchie ist vom Charakter her zwischen direkter und repräsentativer Demokratie einzuordnen. Dies wird deutlich, wenn man einerseits Entscheidungen in der Demarchie als über eine Stichprobe ermittelte Volksmeinung ansieht, was der direkten Demokratie entspricht. Andererseits kann man die per Zufallsauswahl Ermittelten im Sinne der repräsentativen Demokratie als Repräsentanten des Volkes ansehen, die nur auf andere Weise bestimmt wurden.
Mischformen
Plebiszitäre Demokratie
Die meisten modernen Demokratien sind repräsentative Demokratien mit direktdemokratischen Elementen auf nationaler und/oder kommunaler Ebene. Das Volk trifft sowohl Personal- als auch Sachentscheidungen (Plebiszite). Eine solche Mischform nennt man plebiszitäre Demokratie. Die Gewichtung der repräsentativen und direktdemokratischen Elemente kann dabei von Staat zu Staat unterschiedlich ausfallen. Deshalb unterscheidet man weiter zwischen halbdirekter, gemischter und bedingt repräsentativer Demokratie.
Der Begriff plebiszitäre Demokratie[29] wird daneben auch als Sammelbezeichnung für alle volksunmittelbaren Abstimmungen (Sachentscheidungen) verwendet. In der Schweiz ist der Begriff insofern gleichbedeutend mit Volksrechte.
Die Schweiz ist auf nationaler, kantonaler und kommunaler Ebene eine plebiszitäre Demokratie, wobei auf nationaler und in den meisten Kantonen auch auf kantonaler Ebene und in größeren Städten auf kommunaler Ebene ein Parlament legislativ tätig ist, und das Volk bei Parlamentsentscheiden nur über Verfassungsänderungen und über Gesetzesänderungen abstimmt. Zusätzlich gibt es für das Volk noch das Recht der Verfassungsinitiative, bei dem eine Anzahl Bürger eine Änderung der Verfassung vorschlagen kann, über die abgestimmt werden muss. Zudem kann mit genügend Unterschriften eine Volksabstimmung über ein vom Parlament beschlossenes Gesetz erzwungen werden. Einige kleine Kantone haben statt des Parlaments die Landsgemeinde. Auf kommunaler Ebene gibt es in kleineren Orten keine Volksvertretung, sondern Entscheide, die direkt in einer Bürgerversammlung diskutiert und abgestimmt werden.
Rätedemokratie
→ Hauptartikel: Räterepublik
Das Rätesystem stellt eine weitere Mischform zwischen direkter und repräsentativer Demokratie dar.
Präsidentielle und parlamentarische RegierungssystemeRegierungssysteme der WeltRepublikanische Staatsform:
präsidentielles Regierungssystem
semipräsidentielles Regierungssystem
parlamentarisches Regierungssystem
parlamentsgebundene Exekutivgewalt
EinparteiensystemMonarchische Staatsform:
parlamentarische Monarchie
konstitutionelle Monarchie
absolute Monarchieverfassungsmäßige Regierung gestürzt
(de facto meist Militärdiktaturen)
sonstige Systeme
oder unklare politische SituationenStand: 2012
Um den Bestand einer Demokratie nicht durch Machtkonzentration zu gefährden, werden üblicherweise nach dem Prinzip der Gewaltenteilung die Gesetzgebung und die Regierung voneinander getrennt. In der Praxis sind beide nicht unabhängig voneinander zu sehen (etwa über Parteizugehörigkeiten): Die Fraktion, die in der Volksvertretung die Mehrheit hat, stellt in der Praxis meist auch die Regierung. Das Gewaltenteilungsprinzip wird dadurch teilweise durchbrochen (siehe auch Fraktionsdisziplin). Der Unterschied zwischen einem eher präsidentiell und einem eher parlamentarisch ausgerichteten Regierungssystem liegt im Ausmaß der Abhängigkeit der Regierung von der Volksvertretung.Präsidentielle Systeme (etwa die USA) zeichnen sich durch eine starke Stellung des Regierungschefs gegenüber dem Parlament aus. Er ist gleichzeitig Staatsoberhaupt und dem Parlament gegenüber nicht verantwortlich, wiewohl es meist eine Möglichkeit für ein Amtsenthebungsverfahren gibt.
In parlamentarischen Systemen hat sich die Regierung gegenüber dem Parlament zu verantworten. Dieses regiert daher in gewisser Weise mit. Es kann beispielsweise die Regierung unter bestimmten Voraussetzungen entlassen oder eine neue einsetzen (so etwa in Deutschland).
Semipräsidentielle Systeme sind eine Mischform. Staatspräsident und Regierungschef (Ministerpräsident) sind zwei unterschiedliche Personen mit gleichmäßig verteilter Macht (so etwa in Frankreich). Während die Regierung auch hier dem Parlament gegenüber verantwortlich ist, ist der direkt gewählte Staatspräsident in seinem Aufgabenbereich weitgehend unabhängig in seiner Machtausübung.Der Unterschied der Systeme wird beim Zustimmungserfordernis für bestimmte Entscheidungen deutlich: in den USA etwa kann der Präsident frei einen Militäreinsatz befehlen, in Deutschland benötigt der Bundeskanzler (Regierungschef) hierfür ein positives Votum des Parlamentes (→&#160;Prinzip der Parlamentsarmee).
In präsidentiell orientierten Systemen wird der Präsident häufig direkt durch das Volk gewählt, um die starke Machtstellung durch stärkere Nähe zum Souverän besser zu legitimieren. Der Gewählte kann politische Opponenten auf seine hervorgehobene demokratische Legitimation und Machtfülle verweisen. In einer parlamentarischen Demokratie wird die Regierung meist vom Parlament gewählt und kann vom Parlament durch ein Misstrauensvotum auch wieder abgesetzt werden. Umgekehrt kann häufig auch das Parlament durch die Regierung aufgelöst werden.
Mehrheitsdemokratie, Konkordanzdemokratie und Konsensdemokratie
In Mehrheitsdemokratien wird die Regierung aus Parteien zusammengesetzt, die gemeinsam im Parlament die Mehrheit haben. Damit hat die Regierung gute Chancen, ihr politisches Programm beim Parlament durchzusetzen. Bei einem Regierungswechsel kann jedoch eine entgegengesetzte Politik eingeschlagen werden. Großbritannien und die Vereinigten Staaten von Amerika sind Beispiele für Mehrheitsdemokratien.
In einer Konkordanzdemokratie werden öffentliche Ämter nach Proporz oder Parität verteilt. Alle größeren Parteien und wichtigen Interessengruppen sind an der Entscheidungsfindung beteiligt und die Entscheidung ist praktisch immer ein Kompromiss. Der Entscheidungsprozess braucht mehr Zeit und große Veränderungen sind kaum möglich, andererseits sind die Verhältnisse auch über längere Zeit stabil und es werden keine politischen Entscheide bei einem Regierungswechsel umgestürzt. Die Schweiz ist ein Beispiel für eine Konkordanzdemokratie. Die Abgrenzung von Konkordanz- und Konsensdemokratie ist schwierig und variiert sehr stark je nach Autor.
Konsensdemokratien zeigen gemeinhin eine ausgeprägte Machtteilung in der Exekutive, ein gleichberechtigtes Zwei-Kammern-System, die Nutzung des Verhältniswahlrechts und eine starre, nur durch Zweidrittelmehrheit zu ändernde Verfassung. Deutschland wird daher als Konsensdemokratie gesehen.
Scheindemokratie und Defekte Demokratie
→ Hauptartikel: Scheindemokratie
Gegenwärtig stellt sich kaum ein Staat der Welt nach außen nicht als demokratisch dar. Der Begriff „Demokratie“ wird oftmals bereits im Staatsnamen geführt. Dennoch weisen zahlreiche Staaten, obwohl sie sich als Demokratien darstellen und benennen, Defizite in der Verwirklichung wesentlicher demokratischer Elemente und Grundrechte (beispielsweise freie, gleiche und geheime Wahlen oder Abstimmungen, Meinungs- und Pressefreiheit) auf. Solche Staaten und politischen Systeme, die sich zwar den Anschein einer Demokratie geben, den etablierten Ansprüchen an eine Demokratie aber nicht genügen, werden als Scheindemokratie bezeichnet. Demokratiemessungen versuchen den tatsächlichen Demokratisierungsgrad eines Staates oder politischen Systems zu erfassen.Demokratie-Index des The Economists von 2012: je grüner, desto „demokratischer“, je roter, desto autoritärer ist der Staat→ Hauptartikel: Defekte Demokratie
Als defekte Demokratie werden in der vergleichenden Politikwissenschaft politische Systeme bezeichnet, in denen zwar demokratische Wahlen stattfinden, die jedoch gemessen an den normativen Grundlagen liberaler Demokratien (Teilhaberechte, Freiheitsrechte, Gewaltenkontrolle etc.) verschiedene Defekte aufweisen. Man unterscheidet innerhalb der Defekten Demokratien: Exklusive Demokratie, Illiberale Demokratie, Delegative Demokratie und Enklavendemokratie. Das Konzept der defekten Demokratie ist in der Politikwissenschaft umstritten.
Wirkungen und Probleme der Demokratie
Demokratische Strukturen haben sich in vielen Staaten durchgesetzt, ebenso in einigen Kirchen, zum Beispiel in Presbyterianische Kirchen, der Evangelisch-methodistische Kirche und Schweizer Landeskirchen (in der Schweiz werden sogar katholische Pfarrer von der Gemeinde gewählt).
Gesamtgesellschaftliche Perspektive
Der demokratische Gedanke bedarf einer Verwirklichung in der Gesellschaft. In Demokratien kann ein wesentlicher, wenn nicht der entscheidende Prozess der politischen Meinungs- und Willensbildung bei den Bürgern verortet werden. Dies entspricht schon dem Demokratieverständnis der Antike, als Marktplatz, Agora oder Forum bedeutende Orte der politischen Meinungsbildung waren. Aber auch entsprechend zahlreichen demokratietheoretischen Überlegungen der Gegenwart wird einer zivilgesellschaftlich verankerten politischen Öffentlichkeit zentrale Bedeutung als Bedingung funktionsfähiger Demokratie zugemessen.[30]
Eine besondere Situation ergibt sich in jenen Staaten, die einen abrupten Wechsel zur Demokratie vollziehen, wie dieses zum Beispiel 1918, 1945 und 1990 in Deutschland erfolgt ist (Demokratisierung). Es zeigen sich in solchen Fällen über die oben genannten Einflüsse hinaus Nachwirkungen der abgelegten Systeme, die auf Grund der damit einhergehenden sozialen und ökonomischen Verwerfungen zu signifikanten Akzeptanzproblemen führen können. Die vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Daten ergeben für die Bundesrepublik Deutschland eine abnehmende Akzeptanz der Demokratie. Die Zahl derer, die in den alten Bundesländern eine andere Staatsform als die Demokratie besser finden, ist im Zeitraum von 2000 bis 2005 von 9&#160;% auf 17&#160;% gestiegen, in Ostdeutschland von 27&#160;% auf 41&#160;%. Hierbei stehen Arbeitslose und Arbeiter der Demokratie am Kritischsten gegenüber (Quelle: Datenreport 2006). Auch andere Untersuchungen, wie etwa die im November 2006 bekannt gewordene Studie Vom Rand zur Mitte[31] über den Rechtsextremismus in Deutschland, deuten den gleichen Sachverhalt an. Globalisierung, Sozialabbau und Zuwanderung haben dazu geführt, dass das Zutrauen der Europäer in die Demokratie schwindet. Die Euphorie von 1989, dem welthistorischen Durchbruch des demokratischen Gedankens, ist verflogen. In den Mühen der Ebene wächst der Wunsch nach Umkehr zu alten Ordnungen und Gewissheiten. Die Wertordnung des Westens hat in den neuen osteuropäischen EU-Mitgliedstaaten die einstige Strahlkraft verloren. Und auch im alten Westen wachsen Zweifel an der freiheitlichen Verfassung und an den Vorzügen der Demokratie.[32] Die von der Mehrzahl der Printmedien nach Auffassung von Kritikern verfälscht dargestellten Schlüsse aus diesen empirischen Befunden sehen nach deren Auffassung darüber hinweg, dass es sich bei diesen Ergebnissen um Urteile über die real existierende Demokratie handelt und deshalb nicht zwangsläufig eine Ablehnung der verfassungsgemäß vorgesehenen Demokratie unterstellt werden kann.[33] Dieses selbstkritisch zu erkennen sei den meisten Medien nicht möglich, da sie selbst einem Politikverständnis aus vordemokratischer Zeit verhaftet seien. Durch Schlagzeilen und Leitartikel fördere die Presse eine Politik, die sich den Strömungen der Wirtschaft annähert.[34] Als Rechtfertigung würden häufig Effizienzargumente angeführt: „So wie die (Politiker) versuchen, den Staat zu lenken, könnte nicht ein Unternehmen zum Erfolg kommen.“ Hierbei würde übersehen, dass demokratisch verfasste Staaten auf die Herbeiführung eines Konsenses in oft langwierigen Abstimmungs- und Verhandlungsprozessen angewiesen sind. Insofern ist eine allein an der Geschwindigkeit und Effizienz orientierte Kritik an parlamentarischen Abläufen und die Rufe nach schnellen Expertenrunden zutiefst undemokratisch. Der Parteienforscher Franz Walter fasst die vorherrschende Haltung der Medien so zusammen: Der Siegeszug der Mediendemokratie habe „einen neoautoritären, planierenden Zug in die Politik gebracht“.[35]
Ein weiterer Maßstab für die demokratische Qualität des Staates ist sein Verständnis vom Menschen als Empfänger von Leistungen. Dass die staatlichen Verwaltungen kein Selbstzweck sind, sondern den Menschen dienen sollen, ist ein traditioneller Bestandteil der europäischen und speziell der deutschen Verwaltungskultur. Dennoch haben sich an vielen Stellen der Verwaltungen noch obrigkeitliche Vorstellungen erhalten, die mit dem Verständnis von Demokratie und Rechtsstaat unvereinbar sind, weil sie nicht von den Wirkungen auf die Menschen her konzipiert sind. Ein weiterer Grund hierfür ist die zunehmende Korruptionsanfälligkeit, die ihre Ursachen u.&#160;a. im allgemeinen Vorteilsdenken und schlechten Verdienstmöglichkeiten hat.[36]
Trotz diverser Schwächen der Demokratie ergibt sich vor dem Hintergrund vergangener und gegenwärtiger Faschismen und anderer totalitärer bzw. autoritärer Systeme eine positive Bilanz demokratischer Systeme, die entscheidend und nach Hermann Broch geradezu als Voraussetzung für die Entwicklung der Humanität gewirkt haben und noch wirken. Ein dauerhafter Bestand der Demokratie ist nach Broch jedoch erst dann gewährleistet, wenn sie sich zu einer Zivilreligion entwickelt hat.[37] Eine solche Zivilreligion wird auch von dem einflussreichen Politikwissenschaftler Benjamin R. Barber gefordert: „Wir brauchen eine Art weltweite Zivilreligion, also das, was wir auf US-amerikanischer Ebene bereits haben. Wir brauchen einen Zivilglauben, der Blut und lokale Zugehörigkeit übersteigt und es den Menschen ermöglicht, sich rund um gemeinsame Prinzipien zu organisieren“.[38]
Ausschluss von demokratischen Wahlen
Das Wahlrecht ist als Bürgerrecht teilweise aberkennbar. Beispielsweise dürfen Strafgefangene in manchen US-Staaten nicht wählen.
Dieses Recht hängt nicht an der Zugehörigkeit zur realen Bevölkerung sondern an der Staatsbürgerschaft. Frauen haben mittlerweile in anerkannten Demokratien ein Wahlrecht. In der Schweiz gibt es das Frauenwahlrecht allerdings erst seit 1971, Appenzell Innerrhoden führte es auf kantonaler Ebene als letzter Kanton und aufgrund eines entsprechenden Bundesgerichtsurteils erst 1990 ein (siehe auch: Frauenstimmrecht in der Schweiz). Ausländer, die die Staatsbürgerschaft nicht besitzen, dürfen sich auch gegenwärtig üblicherweise nicht an demokratischen Wahlen des Landes, in dem sie leben, beteiligen (weder passiv noch aktiv). Einige demokratische Staaten haben sehr hohe Ausländerquoten, zum Beispiel hat Luxemburg eine Ausländerquote von 43,5&#160;%, die Schweiz 21,7&#160;%, Spanien 12,3&#160;%, Österreich 10,3&#160;% und Deutschland 8,8&#160;% (Stand 2010). Allerdings gibt es Ausnahmefälle, in denen das Ausländerwahlrecht gewährt wird: In einigen Schweizer Kantonen und Gemeinden sind Ausländer stimmberechtigt. Auch dürfen EU-Bürger in EU-Staaten an politischen Wahlen auf kommunaler Ebene grundsätzlich teilnehmen – auch wenn sie Staatsbürger eines anderen EU-Staates sind.
Friedensfunktion
→ Hauptartikel: Demokratischer Frieden
Eine politikwissenschaftliche These ist die Idee des demokratischen Friedens. Sie besagt, dass Demokratien in der Geschichte bisher kaum Kriege gegeneinander geführt haben und wertet dies als positive Eigenschaft des demokratischen Systems. Allerdings kann zumindest die athenische Demokratie nicht als Beispiel für diese These herangezogen werden (wenngleich sie keine Demokratie im modernen Sinne war). Nach Kant sollen Demokratien deshalb vergleichsweise friedlich sein, da ihre Wähler sich ungern selber in einen Krieg schickten.[39] Dies wird jedoch von verschiedenen Friedens- und Konfliktforschern bestritten, denn einige empirische Untersuchungen ziehen diese These in Zweifel. Es konnte bislang nicht nachgewiesen werden, dass Demokratien insgesamt weniger Kriege führen als undemokratische Staaten. Gerade gegenüber Nicht-Demokratien wird die Verbreitung demokratischer Strukturen oft als Kriegsgrund angegeben. Untereinander aber führen Demokratien tatsächlich in signifikant geringerem Umfang Kriege, als dies zwischen in anderer Staatsform verfassten Nationen der Fall ist.[40]
Wirtschaftswachstum
Zum Zusammenhang zwischen Demokratie und Wirtschaftswachstum liegen Forschungen aus mehreren Jahrzehnten vor. Studien aus den 1980er Jahren kamen zu dem Schluss, dass einige Indikatoren politischer Freiheit statistisch signifikante positive Effekte auf Wachstum haben. Studien aus den 1990er Jahren kamen zu widersprüchlichen Ergebnissen. So kommt Barro (1996) zum Schluss, dass Demokratie und Wirtschaftswachstum nicht kausal miteinander in Verbindung stehen, sondern durch dritte Faktoren wie Humankapital gemeinsam beeinflusst werden. Rodrik (1997) stellt fest, dass es keinen starken, deterministischen Zusammenhang zwischen Demokratie und Wachstum gebe, wenn man andere Faktoren konstant hält.[41]
Mehrere Argumente werden in diesem Zusammenhang geäußert: Erstens erlaubten es Demokratien, unfähige, ineffiziente und korrupte Regierungen abzuwählen, wodurch auf lange Sicht die Qualität der Regierung höher sei. Autoritäre Regime könnten zufällig hochwertige Regierungen stellen, doch wenn sie es nicht tun, sei es schwerer, sie wieder loszuwerden. Laut Sen (2000) müssen die Regierenden in einer Demokratie auf die Wünsche der Wähler hören, wenn sie Kritik ausgesetzt sind und Unterstützung in Wahlen erlangen wollen.[41]
Auf der anderen Seite wird argumentiert, dass Interessengruppen durch Lobbyismus um Macht und Renten die Demokratie lähmen und für den Entwicklungsprozess bedeutsame Entscheidungen verhindern können. So argumentiert der ehemalige Premierminister von Singapur Lee Kuan Yew, dass das beachtliche Wachstum seines Landes in den letzten 30 Jahren angeblich nicht ohne die strengen Einschränkungen von politischen Rechten möglich gewesen wäre. Andere haben auf die erfolgreichen Wirtschaftsreformen der Volksrepublik China verwiesen und sie mit dem wirtschaftlich weniger erfolgreichen, aber demokratischeren Russland verglichen. Auch herrsche in manchen Demokratien (beispielsweise in Lateinamerika) eine ähnliche Machtstruktur wie in autoritären Regimes.[41]
Als weiteres Argument gegen die Auffassung, dass Demokratie wachstumsförderlich sei, ist, dass Demokratie Investitionen unterminieren könnte, indem sie Wünsche nach unmittelbarem Konsum deutlich ansteigen ließe.[42]
So kann der Schluss gezogen werden, dass eine Demokratisierung (z.&#160;B. politische Rechte, Bürgerrechte oder freie Presse) eine verbesserte Regierung nicht zwangsweise nach sich zieht. Rivera-Batiz (2002) bestätigt aus einer Analyse empirischer Daten zu 115 Ländern 1960–1990, dass Demokratie ein signifikanter Bestimmungsfaktor der totalen Faktorproduktivität nur dann ist, wenn demokratische Institutionen mit einer höheren Governance-Qualität (z.&#160;B. wenig Korruption, sichere Eigentumsrechte) einhergehen.[41]
Demokratie und RechtsstaatDieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Näheres ist eventuell auf der Diskussionsseite oder in der Versionsgeschichte angegeben. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung.
Die wesentlichen zwei Funktionen zur Erreichung und Wahrung von Freiheit und Sicherheit sind Demokratie (Selbstherrschaft des Volkes durch (Ab-)Wahl seiner Regierung) und Rechtsstaatlichkeit: Nicht Willkür, sondern nachprüfbare Anwendung schriftlich niedergelegter Gesetze soll Macht an den Bürgerwillen binden und durch Gerichte überprüfbar machen.
Es ist unstrittig, dass Mehrheiten in einer Demokratie Gesetze verabschieden und deren Durchsetzung veranlassen können, die Minderheitenrechte verletzen oder sogar dem Rechtsgedanken an sich zuwiderhandeln; Demokratie als äußere Form schützt nicht vor Entgleisungen, bewahrt nicht davor, dass die Mehrheit eine Minderheit unterdrückt oder zum Krieg ruft.
Es wurde in Philosophie und Staatstheorie oft diskutiert (mehr als abstraktes Denkmodell denn als Empfehlung für die Praxis): Wenn die Rechtsstaatlichkeit als gesichert angesehen werden könnte – ob dann Demokratie noch ein zwingendes Staatselement sein müsse?
Als sicher wird angesehen, dass Demokratie allein keinen Zustand der Freiheit und Sicherheit herstellen kann, weil das Misstrauen aller gegen alle durch die formalen Bestimmungen von Wahl, Regierungsbildung usw. allein nicht beseitigt werden kann. Nur das Vertrauen in die Institutionen kann gegenseitiges Misstrauen abbauen und allseitiges Vertrauen wachsen lassen.
Rechtsstaatlichkeit schafft Institutionen und Verfahren, die ihrerseits Vertrauen bilden und Macht an Recht binden. Demokratie als Sphäre der Politik lebt vom Meinungsstreit; der Rechtsstaat mit seinen Rechtsstreitigkeiten lebt vom Glauben an die Legitimität des Gesetzes und von der Treue gegenüber Recht und Verfassung.
Für wirtschaftliche Entscheidungen spielen die Beständigkeit der Rechtsordnung und die Vorhersehbarkeit bestimmter Entwicklungen (z.&#160;B. Steuergesetzgebung) eine große Rolle; Investoren suchen für langjährige und kapitalintensive Unternehmungen gerne eine Umgebung, die als berechenbar und sicher angesehen werden kann.
Dies führt nicht selten dazu, dass Rechtssicherheit völlig losgelöst von Demokratie akzeptiert wird. So ist das Engagement deutscher Unternehmen im vormals burischen Südafrika (Rassentrennung, Apartheid) oder im post-maoistischen China (kapitalistische Reformen bei totalem Herrschaftsanspruch der kommunistischen Partei) immer wieder kritisiert worden.In diesem Artikel oder Abschnitt&#160;fehlen folgende wichtige Informationen: Es fehlt die Kritik von Plato, Aristoteles, Tocqueville, Madison –Katach 06:11, 5. Okt. 2010 (CEST)
Du kannst Wikipedia helfen, indem du sie recherchierst und einfügst.
Vermeintlich irrationale und ignorante Wähler
Seit Milton Friedman haben Ökonomen die Effizienz der Demokratie stark kritisiert. Die Kritik basiert auf der Annahme des ignoranten bzw. irrationalen Wählers. Argumentiert wird, dass Wähler bezüglich vieler politischer Themen, insbesondere ökonomischer, schlecht informiert seien und auch in ihnen besser bekannten Feldern systematischen Verzerrungen unterliegen würden. Bezüglich Ursachen und Folgen der Ignoranz von Wählern prägte Anthony Downs bereits 1957 die Idee der rationalen Ignoranz. In seinem Modell wägen Wähler den Kosten und den Nutzen der politischen Informationsbeschaffung und Wahlbeteiligung ab, was aus einer gesellschaftlichen Perspektive des Gemeinwohls wegen fehlendem Einfluss auf das Ergebnis zu irrationalen politischen Entscheidungen oder auch Nichtwählen führt.[43] Mancur Olson (1965) benennt die Tendenz in der Demokratie von handlungsfähigen, gut organisierten Interessengruppen zur politischen Einflussnahme (besonders sogenannter „privilegierter Gruppen“ von geringer Größe und mit Sonderinteressen wie z.&#160;B. Milchbauern, Stahlproduzenten oder Pilotengewerkschaften), die sich daraus ergibt, was Einzelne bereit sind dafür oder dagegen einzusetzen. Die große Mehrheit der Wähler entwickelt rationale Ignoranz, da der Einzelne nur zu einem jeweils sehr geringen Teil von einer rationalen Politik persönlich profitieren kann oder eine irrationale Politik finanzieren würde (z.&#160;B. Agrarsubvention) und sich daher nicht organisiert. Es kommt daher gar nicht erst zu einer Politik, die den Interessen der verschiedenen Mehrheiten als Ganzes am besten dient.[44] Daniel Kahneman, Amos Tversky (1982) und andere Vertreter der Verhaltensökonomik zeigten, dass Menschen eine Tendenz zum Status quo aufweisen, was in demokratischen Wahlen gesamtgesellschaftlich positive politische Reformen behindern könnte.
Empirische Befunde zur Ignoranz von Wählern gibt es seit Jahrzehnten. Häufig interessieren sich Wähler (allerdings von Land zu Land unterschiedlich stark ausgeprägt) wenig oder gar nicht für Politik und wissen auf vielen wichtigen Feldern nicht, wofür einzelne Parteien stehen. Nur 29&#160;% der erwachsenen US-Amerikaner kennen den Namen ihres Kongressabgeordneten, nur 24&#160;% kennen den 1. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten. Da Wähler nicht egoistisch wählen, sondern mit Blick auf das soziale Wohl, könnte diese Ignoranz über Politikzusammenhänge zum Problem werden.[45]
Der Ökonom Donald Wittman (1997) hat versucht, diese Kritik zu entkräften. Er argumentiert, dass Demokratie effizient sei, solange Wähler rational, Wahlen wettbewerblich, und politische Transaktionskosten gering sind. Mangelnde Information führe nicht zu Verzerrungen, da sich unter der Prämisse des rationalen Wählers Fehler im Durchschnitt ausgleichen würden.[46]
Laut manchen empirischen Befunden sind Wähler jedoch häufig irrational. Das Problem sei also nicht mangelnde Information, sondern systematisch verfehlte Interpretation von Informationen. So gibt es Nachweise für systematische Meinungsverschiedenheiten zwischen Experten und Laien. Beispielsweise halten Laien Paracelsus Grundsatz „Allein die Menge macht das Gift“ deutlich öfter für falsch als Naturwissenschaftler, und im Vergleich zu Wirtschaftswissenschaftlern unterschätzen Laien den Nutzen des Handels. Zweitens lassen sich auch innerhalb der Öffentlichkeit sich widersprechende Meinungen finden. So glauben etwa die Hälfte der US-Bürger, dass Gott die Menschen erschaffen habe oder dass Astrologie wissenschaftliche Erkenntnisse liefert. Wären die Bürger rational und wahrheitssuchend, könnten sich solche fundamentalen Meinungsunterschiede innerhalb der Bevölkerung nicht ergeben.[45][47]
Joseph Schumpeter schrieb zum Verhalten der Menschen im Bezug auf politische Angelegenheiten:“Thus the typical citizen drops down to a lower level of mental performance as soon as he enters the political field. He argues and analyzes in a way which he would readily recognize as infantile within the sphere of his real interests.”
„So fällt der typische Bürger auf eine tiefere Stufe der gedanklichen Leistung, sobald er das politische Gebiet betritt. Er argumentiert und analysiert auf eine Art und Weise, die er innerhalb der Sphäre seiner Interessen bereitwillig als infantil anerkennen würde.“
– Joseph A. Schumpeter: Capitalism, Socialism and Democracy[48]Zur Lösung der Demokratieprobleme gibt es seitens Bryan Caplan den Ansatz, mehr Entscheidungen aus der öffentlichen in die private Sphäre zu verlagern. Robin Hanson schlägt eine Futarchie vor, in der mehr Entscheidungen auf Prognosemärkten getroffen werden. Der Philosoph Jason Brennan befürwortet eine moderate Epistokratie, in der das Wahlrecht ausreichend kompetenten Bürgern vorbehalten wird.
Lobbyarbeit
→ Hauptartikel: Lobbyismus
Anne O. Krueger (1974) kritisierte, dass in Demokratien Unternehmen Ressourcen von ihrem produktiven Gebrauch in Lobbyarbeit umlenken, um Politische Renten zu erhalten, beispielsweise in Form von Protektionismus.
Kurzfristigkeit
Modernen Demokratien wird auch kurzfristiges Denken vorgeworfen. Speziell kritisiert werden institutionelle Mängel mit ökologischen Problemen umzugehen, die meist langfristig sind. Im Zentrum der Kritik stehen die kurzen Entscheidungshorizonte. So werden Entscheidungen meist nach 4 bis 5 Jahren bewertet (Ende der „Legislaturperiode“). Deshalb – so die Kritik – würden Entscheidungen, die sich anfänglich negativ auswirken und erst später Vorteile entfalten würden, meist nicht getroffen.[49]
Medien
→ Hauptartikel: Vierte Gewalt&#160;und Mediendemokratie
Die Medien gelten für eine funktionsfähige und freiheitliche Demokratie als essentiell. Sie erfüllen entscheidende Funktionen wie Kontrolle der politischen Abläufe und Informationsvermittlung. Oft wird die Presse daher als „vierte Gewalt“ bezeichnet. Damit diese Funktionen wahrgenommen und objektiv ausgeführt werden können, müssen die Medien jedoch unabhängig sein.
Da Massenmedien meinungsbildend wirken, können sie Einfluss auf die Bevölkerung, und damit auf die Politik, nehmen. Dies kann auch problematische Gestalt annehmen, wenn z.&#160;B. Medien das politische Klima und die politischen Entscheidungen in einem Land bestimmen („Mediendemokratie“). Andererseits können politische Akteure auch Einfluss auf die Medien nehmen und so die Wählenden manipulieren. Des Weiteren wird die Motivation der Medien kritisiert. Die Profitorientierung der Medien führt oft zum Primat der Einschaltquoten über sachlicher Berichterstattung und investigativem Journalismus. „Skandalisierung, Dramatisierung und Personalisierung lassen Argumente und politische Positionen zurücktreten.“[50]
Mehrheitsprinzip
Die Demokratie kann die Freiheit des Individuums unterdrücken, ähnlich wie in Diktaturen. Mehrheitsentscheidungen können zur Benachteiligung von Individuen führen, die nicht zu dieser Mehrheit gehören. Alexis de Tocqueville bezeichnete diese Problematik als „Diktatur der Mehrheit“.[51]
Zudem kritisiert die partizipatorische Demokratietheorie, dass zu wenig Mitentscheidungs- und Selbstverwirklichungsmöglichkeiten in der modernen Demokratie gegeben sind. Deshalb stellt das Grundprinzip des Minderheitenschutzes, das Teil des wichtigen Freiheitskonzeptes des Pluralismus ist, den Ausgleich gegenüber dem Mehrheitsprinzip dar. Im real-politischen Kontext wird dieser beispielsweise durch die sogenannte Ständemehr in der Schweiz dargestellt: Neben der Mehrheit der Stimmen muss auch die Mehrheit der Kantone (Stände) eine Verfassungsänderung befürworten (bei Gesetzesänderungen gilt das einfache Volksmehr).
Philosophische Kritik
→ Hauptartikel: Staatsformenlehre (Aristoteles)
Aristoteles zählt die Demokratie in seiner Staatsformenlehre zu einer der drei „entarteten“ Verfassungen, in denen die Regierenden nur ihrem Eigennutz dienen. So beschreibt er die Demokratie als eine Herrschaft der vielen Freien und Armen zur Lasten der Tüchtigen und Wohlhabenden, da diese aufgrund ihrer Mehrheit die Politik bestimmen.[52]
Zu beachten ist dabei aber, dass er dabei im heutigen Verständnis eher auf die Ochlokratie anspielte (die Entartung der Demokratie durch Herrschaft des Pöbels) und nicht auf unser Verständnis von Demokratie.
Politische Instabilität
Neuerdings wird Demokratie dafür kritisiert, zu wenig politische Stabilität aufzuweisen. Dies sei dadurch zu erklären, dass häufig wechselnde Regierungen den institutionellen und rechtlichen Rahmen schnell veränderten. Unter anderem soll sich dieser Umstand negativ auf das Wirtschaftswachstum auswirken, da ökonomische Investitionen einen kalkulierbaren politischen Rahmen bevorzugen.[53] Manche politischen Analysen kommen deshalb zu dem Schluss, dass Demokratie für die ökonomische Entwicklung wenig entwickelter Länder unpassend ist.[54]
Auf der anderen Seite betonen andere politische Analysen, dass Demokratien sich zwar verändern, jedoch nicht so drastisch wie z.&#160;B. Diktaturen.[55] Gestützt wird diese Aussage auch dadurch, dass Demokratie Mehrheitsentscheidungen benötigt und deshalb meist zu einem Kompromiss neigt.
Selbstüberforderung
Politische Akteure überbieten sich im Wahlkampf häufig mit Versprechungen, um die Stimmen der Wählenden zu gewinnen. Überzogene Versprechungen können jedoch selten umgesetzt werden. Zusätzlich vermeiden es politische Akteure ihre Versprechungen zu korrigieren, da sie Verlust von Wählerstimmen befürchten. „Die Demokratie steht so immer in der Gefahr, sich selbst zu überfordern, die Bürgerinnen und Bürger zu enttäuschen und deshalb Vertrauen und Zustimmung zu verlieren.“[50]
Siehe auchDemokratieindex
Demokratieförderung
Demokratismus
Demokratiedefizit
Postdemokratie
Sozialistische Demokratie
Liste der Staatsformen
Demokratiemessung
Straße der Demokratie
Synkratie
Libertäre Demokratie
Soziale Demokratie
WertedemokratieLiteratur
Einführung und Geschichte im Überblick&#160;Luciano Canfora: Eine kurze Geschichte der Demokratie. Von Athen bis zur Europäischen Union. Papyrossa, Köln 2006 (Originaltitel: La democrazia. Storia di un'ideologia, übersetzt von Rita Seuß), ISBN 3-89438-350-X (Umstrittene Überblicksdarstellung).
&#160;Werner Conze, Reinhart Koselleck, Hans Maier, Christian Meier, Hans Leo Reimann: Demokratie. In: Otto Brunner, Werner Conze, Reinhart Koselleck (Hrsg.): Geschichtliche Grundbegriffe. Historisches Lexikon zur politisch-sozialen Sprache in Deutschland. Band 1, Klett-Cotta, Stuttgart 1972, ISBN 3-12-903850-7, S.&#160;821–899 (Grundlegende Erläuterung des Demokratiebegriffs von der Antike bis in die Moderne, einschließlich Literaturangaben).
&#160;Robert Alan Dahl: On Democracy. Yale University Press, New Haven/London 2000, ISBN 0-300-08455-2.
&#160;Robert Alan Dahl: Politische Gleichheit. Ein Ideal? Hamburger Edition, Hamburg 2006 (Originaltitel: On political equality, übersetzt von Barbara Steckhan, Thomas Wollermann, Gabriele Gockel), ISBN 3-936096-72-4.
&#160;David Held: Models of Democracy. 3&#160;Auflage. Polity Press, Cambridge/Malden 2006, ISBN 0-7456-3146-0.
&#160;Maria Kreiner: Demokratie als Idee. Eine Einführung (= UTB. Band 3883). UVK/UTB, Konstanz/München 2013, ISBN 3-8252-3883-0 (Lehrbuch, das die Idee der Demokratie von der Philosophie der Antike bis zur Moderne anschaulich und anhand von Originaltexten zwölf exponierter Denker der Ideengeschichte aufarbeitet.).
&#160;Karl Mittermaier, Meinhard Mair: Demokratie. Die Geschichte einer politischen Idee von Platon bis heute. WBG, Darmstadt 2013, ISBN 3-534-80181-4.
&#160;Paul Nolte: Was ist Demokratie? Geschichte und Gegenwart (= Beck’sche Reihe. Band 6028). C.H. Beck, München 2012, ISBN 3-406-63028-6.
&#160;Hans Vorländer: Demokratie. Geschichte, Formen, Theorien (= Beck’sche Reihe. Band 2311). 2.&#160;Auflage. C.H. Beck, München 2010, ISBN 3-406-48011-X (Knappe Einführung in die Thematik).Geschichte der griechischen Demokratie&#160;Jochen Bleicken: Die athenische Demokratie (= UTB. 1330). 4.&#160;Auflage. Schöningh, Paderborn 1995, ISBN 3-8252-1330-7, DNB 944856179 (Standardwerk zur athenischen Demokratie.).
Harald Haarmann: Mythos Demokratie: Antike Herrschaftsmodelle im Spannungsfeld von Egalitätsprinzip und Eliteprinzip. Peter-Lang-Ed., Frankfurt am Main 2013, ISBN 3-631-62599-5.
Konrad H. Kinzl (Hrsg.): Demokratia. Der Weg zur Demokratie bei den Griechen. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1995, ISBN 3-534-09216-3.
Christian Meier: Die Entstehung des Politischen bei den Griechen. Frankfurt a.M. 1980. (Grundlegende Darstellung zur Entwicklung der politischen Ideen im 6. und 5. Jahrhundert v.&#160;Chr.)Demokratietheorien im VergleichOliver Flügel, Reinhard Heil, Andreas Hetzel: Die Rückkehr des Politischen. Demokratietheorien heute. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2004, ISBN 3-534-17435-6, Leseprobe.
Richard Saage: Demokratietheorien. Historischer Prozess – Theoretische Entwicklung – Soziotechnische Bedingungen. Eine Einführung. Mit einleitendem Essay von Walter Euchner: Zur Notwendigkeit einer Ideengeschichte der Demokratie. Wiesbaden 2005, ISBN 3-531-14722-6.
Giovanni Sartori: Demokratietheorie. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1992, ISBN 3-534-11493-0.
Manfred G. Schmidt: Demokratietheorien. Eine Einführung. Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-531-16054-2 (Inhaltsverzeichnis).Aktuell diskutierte Arbeiten und ThemenWolfgang Abendroth: Zum Begriff des demokratischen und sozialen Rechtsstaates im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland. In: Ders.: Antagonistische Gesellschaft und politische Demokratie. Neuwied 1967, S. 109–138.
Jörg Bergstedt: Demokratie. Die Herrschaft des Volkes. Eine Abrechnung. SeitenHieb Verlag, Reiskirchen 2006, ISBN 978-3-86747-004-9.
Bryan Caplan: The Myth of the Rational Voter: Why Democracies Choose Bad Policies. Princeton, NJ: Princeton University Press, 2007, ISBN 0-691-13873-7.
Alex Demirovic: Demokratie in der Wirtschaft. Münster 2007.
Alex Demirovic: Demokratie und Herrschaft. Aspekte kritischer Gesellschaftstheorie. Münster 1997.
Johannes Heinrichs: Revolution der Demokratie. Eine Realutopie für die schweigende Mehrheit. Maas, Berlin 2003, ISBN 3-929010-92-5.
Philipp Jurschitz: Demokratie Dynamisch. Demokratische Strukturen in Wirtschaft und Gemeinde. Braumüller Verlag, Wien 2008, ISBN 978-3-7003-1647-3.
Werner Milert / Rudolf Tschirbs: Die andere Demokratie. Betriebliche Interessenvertretung in Deutschland, 1848 bis 2008. Klartext Verlag, Essen 2012. ISBN 978-3-8375-0742-3.
Robert D. Putnam, Robert Leonardi, Raffaella Nanetti: Making Democracy Work. Civic Traditions in Modern Italy. Princeton University Press, Princeton 1994, ISBN 0-691-03738-8.
Pierre Rosanvallon: Demokratische Legitimität. Unparteilichkeit – Reflexivität – Nähe. Aus dem Französischen von Thomas Laugstien. Hamburger Edition, Hamburg 2010, ISBN 978-3-86854-215-8.
Susanne Spindler, Iris Tonks (Hg.): AusnahmeZustände. Krise und Zukunft der Demokratie. Münster/Duisburg 2007, ISBN 978-3-89771-744-2.
Jan-Felix Schrape: Neue Demokratie im Netz? Eine Kritik an den Visionen der Informationsgesellschaft. transcript, Bielefeld 2010, ISBN 978-3-8376-1533-3.Weblinks
&#160;Wiktionary: Demokratie&#160;– Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
&#160;&#160;Wikiquote: Demokratie&#160;– Zitate
&#160;Wikisource: Demokratie&#160;– Quellen und Volltexte
&#160;Commons: Demokratie&#160;– Sammlung von Bildern, Videos und AudiodateienLiteratur zum Schlagwort Demokratie im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
Lars Lambrecht: Demokratie (PDF; 116&#160;kB), in: H. J. Sandkühler (Hg.): Enzyklopädie Philosophie, Hamburg 1999.
Eintrag In: Edward N. Zalta (Hrsg.): Stanford Encyclopedia of PhilosophyVorlage:SEP/Wartung/Parameter 1 und weder Parameter 2 noch Parameter 3
Informationen zur politischen Bildung, Heft 284 (Demokratie)
Andreas Suter, Georg Kreis: Demokratie im Historischen Lexikon der Schweiz
Demokratie auf dem UNESCO Bildungsserver
Demokratie auf dem Informationsportal zur politischen BildungAnmerkungen↑ Vgl. Dieter Fuchs: Demokratie. In: Dieter Fuchs/Edeltraud Roller (Hrsg.): Lexikon Politik. Hundert Grundbegriffe. Reclam, Stuttgart 2009, S.&#160;38-43.
↑ Zur antiken Begriffsentwicklung vgl. Christian Meier: Demokratie I. In: Otto Brunner, Werner Conze, Reinhart Koselleck (Hrsg.): Geschichtliche Grundbegriffe. Band 1, Stuttgart 1972, S. 821ff.; Christian Meier: Die Entstehung des Politischen bei den Griechen. Frankfurt a.M. 1980, S. 281ff.
↑ Reinhold Zippelius, Wege und Irrwege zur Gerechtigkeit, Akademieabhandl. Mainz, 2003 (ISBN 3-515-08357-X), S. 6 ff., 8; ähnlich Rechtsphilosophie, 6. Aufl., §&#160;11 II 4
↑ Dalibor Truhlar: Demokratismus – Philosophie der demokratischen Weltanschauung. Peter Lang, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-631-55818-X.
↑ Gregor Husi/Marcel Meier Kressig: Der Geist des Demokratismus. Modernisierung als Verwirklichung von Freiheit, Gleichheit und Sicherheit. Westfälisches Dampfboot, Münster 1998, ISBN 3-89691-440-5.
↑ Wilhelm Hennis: Demokratisierung. Zur Problematik eines Begriffs. In: Martin Greiffenhagen: Demokratisierung in Staat und Gesellschaft, München 1973, S. 61.
↑ Fritz Vilmar: Strategien der Demokratisierung. 1973, Band I, S. 102.
↑ Vgl. Otfried Höffe: Wirtschaftsbürger, Staatsbürger, Weltbürger. Politische Ethik im Zeitalter der Globalisierung. C.H. Beck, München 2004, S. 10; vgl. auch ebda., S. 93.
↑ Peter Graf Kielmansegg: Volkssouveränität. Eine Untersuchung der Bedingungen demokratischer Legitimität. Stuttgart 1977.
↑ Reinhold Zippelius, Allgemeine Staatslehre, 16. Aufl., §&#160;31 III a.E.
↑ Vgl. Zippelius, a.a.O., §&#160;20 III.
↑ Tobias Friske: Staatsform Monarchie. Was unterscheidet eine Monarchie heute noch von einer Republik?, Magisterarbeit (überarbeitete Fassung), Universität Freiburg 2007 (Volltext).
↑ Sir Karl Popper: Zur Theorie der Demokratie, in: Der Spiegel 32/1987 vom 3. August 1987.
↑ Reinhold Zippelius, Das Wesen des Rechts, 6. Aufl., Kap. 3&#160;b, 11; ders., Allgemeine Staatslehre, §§&#160;17 III 5, 23 I 2, II 2, 30 I 1, II, 31.
↑ Reinhold Zippelius, Geschichte der Staatsideen, 10. Aufl., 2003, Kap. 13&#160;f.
↑ Zippelius, Allgemeine Staatslehre, 16. Aufl., §&#160;23 III 3.
↑ Peter Josika: Ein Europa der Regionen- Was die Schweiz kann, kann auch Europa, IL-Verlag, Basel 2014, ISBN 978-3-906240-10-7.
↑ Zippelius, Geschichte der Staatsideen, Kap. 3&#160;a, 4&#160;d.
↑ Zippelius, Geschichte der Staatsideen, Kap. 14.
↑ Jean Louis de Lolme, La Constitution de l’Angleterre, 1771, englisch The Constituion of England, 1775, 4. (engl.) Auflage 1784 (Baseler Ausgabe 1792); dazu Zippelius, Recht und Gerechtigkeit in der offenen Gesellschaft, 2. Aufl. 1996, Kap. 17.
↑ de Lolme, a.a.O., Buch 2 Kap. VIII.
↑ de Lolme, a.a.O., Buch 2 Kap. XII.
↑ Zippelius, Allgemeine Staatslehre, §&#160;23 II 3.
↑ Christian Meier: Die Entstehung des Politischen bei den Griechen. Frankfurt a.M. 1980, besonders S. 51&#160;ff.
↑ Der vollständige Text der Verfassung findet sich auf Französisch in Wikisource.
↑ Daniel Eisenmenger: “Die vergessene Verfassung Korsikas von 1755 – der gescheiterte Versuch einer modernen Nationsbildung”, in: GWU 61 (2010), H. 7/8, S. 430–446.
↑ Heinz Lippuner: Demokratie aus indianischer Hand? Unsere Bundesverfassung und das Great Law of Peace der Irokesen-Konföderation. Aus: Kleine Schriften des Museumsvereins Schaffhausen, 99/5.
↑ Hans Vorländer: Demokratie. Geschichte, Formen, Theorien. C.H. Beck, München 2003, S.&#160;50&#160;ff.
↑ Jörg-Detlef Kühne, in: Ergänzbares Lexikon des Rechts, Gruppe 5 – Staats- und Verfassungsrecht (Stand: 1996), ISBN 3-472-10700-6.
↑ Hans Vorländer: Demokratie. Geschichte, Formen, Theorien. C.H. Beck, München 2003, S.&#160;115&#160;f.
↑ Oliver Decker, Elmar Brähler (unter Mitarbeit von Norman Geißler): Vom Rand zur Mitte. Rechtsextreme Einstellungen und ihre Einflussfaktoren in Deutschland. Hrsg. von der Friedrich-Ebert-Stiftung, Forum Berlin, 2006 (PDF).
↑ Werner A. Perger: Stunde der Rattenfänger. In: Die Zeit vom 18. Januar 2009. Zeit-Archiv
↑ Till Bastian, in: Publik-Forum, Nr. 23 vom 1. Dezember 2006.
↑ „Demokratie erweist sich in diesem Fall, ganz im Gegensatz zur Theorie, als Modernisierungsnachteil – in der komplexen Welt moderner Gesellschaften geht etwas nur dann schnell, wenn keine Rücksicht auf etwaige Nachteile für eventuell Betroffene genommen werden muss. So einfach ist das.“ (Harald Welzer: Auf dem Müllhaufen der Geschichte, Spiegel Online, 29. November 2008)
↑ Wolfgang Storz, in: Publik-Forum, Nr. 6 vom 23. März 2007.
↑ Zukunft des öffentlichen Dienstes – öffentlicher Dienst der Zukunft, Bericht der von der Landesregierung Nordrhein-Westfalen eingesetzten Kommission, Düsseldorf 2003.
↑ Das Menschenrecht Hermann Brochs (PDF; 107&#160;kB)
↑ Barber, in: Amin Pongs (Hg.), In welcher Welt wollen wir leben? Natürlichkeit und Demokratie in Zeiten der Globalisierung, Bd. 1, München 2003, S. 260.
↑ Immanuel Kant: Zum ewigen Frieden. 1795.
↑ Dietmar Herz: Die Amerikaner im Irak. In: Online-Magazin der Berliner Republik. 4/2007. [1] (Abgerufen am 28. Juni 2009.)
↑ a b c d Rivero-Batiz, F. (2002): Democracy, Governance and Economic Growth: Theory and Evidence. Review of Development Economics, Vol. 6, Nr. 2, S. 225–247 (PDF; 99&#160;kB).
↑ Adam Przeworski, Fernando Limongi: Political Regimes and Economic Growth. The Journal of Economic Perspectives, Vol. 7, Nr. 3 (1993), S. 51–69.
↑ Donald P. Green, Ian Shapiro, Rational Choice, Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 1999, S. 18&#160;f.
↑ Mancur Olson, Macht und Wohlstand: kommunistischen und kapitalistischen Diktaturen entwachsen, Mohr Siebeck, 2003, S. 97.
↑ a b Hanson, Robin (2007): Shall We Vote on Values, But Bet on Beliefs? (PDF; 248&#160;kB).
↑ Bryan Caplan, From Friedman to Wittman: The Transformation of Chicago Political Economy, 2005 (PDF).
↑ Bryan Caplan, Systematically Biased Beliefs About Economics: Robust Evidence of Judgemental Anomalies from the Survey of Americans and Economists on the Economy. Economic Journal 112 (2002), S. 433–458 ((PDF; 158&#160;KB) (Memento vom 12. Januar 2012 im Internet Archive)).
↑ Schumpeter: Capitalism, Socialism and Democracy (1942), Neuauflage 2003, S. 262.
↑ Dennis Meadwos: World Resources Forum 2009, Davos.
↑ a b Hans Vorländer: Demokratie, Informationen zur politischen Bildung (Heft 284), 2004.
↑ Alexis de Tocqueville: Über die Demokratie in Amerika, Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1984.
↑ 1. Staatsformenlehre
↑ Bleischwitz/Pfeil, Globale Rohstoffpolitik, 2009
↑ Reason Wafawarova: Head to head: African democracy. BBC News, 2008.
↑ Jared Diamonds, How Societies fail and sometimes suceed, 2005 (Memento vom 30. Mai 2011 im Internet Archive).Normdaten&#160;(Sachbegriff): GND: 4011413-2 (AKS)
<!–NewPP limit report
Parsed by mw1043
Cached time: 20151215164132
Cache expiry: 2592000
Dynamic content: false
CPU time usage: 0.593 seconds
Real time usage: 0.665 seconds
Preprocessor visited node count: 8365/1000000
Preprocessor generated node count: 0/1500000
Post‐expand include size: 46579/2097152 bytes
Template argument size: 16208/2097152 bytes
Highest expansion depth: 10/40
Expensive parser function count: 12/500
Lua time usage: 0.065/10.000 seconds
Lua memory usage: 1.27 MB/50 MB
Number of Wikibase entities loaded: 0–><!–Transclusion expansion time report (%,ms,calls,template)
100.00%442.7771 – -total44.10%195.285 10 – Vorlage:Literatur16.17% 71.599 10 – Vorlage:COinS 3.95% 17.4811 – Vorlage:SEP 3.86% 17.1091 – Vorlage:Regierungssysteme_der_Welt 3.66% 16.212 11 – Vorlage:Hauptartikel 3.06% 13.5373 – Vorlage:Boolandnot 2.97% 13.148 10 – Vorlage:Farblegende 2.23%9.8861 – Vorlage:Wiktionary 2.10%9.302 10 – Vorlage:Datum
–><!– Saved in parser cache with key dewiki:stable-pcache:idhash:1172-0!*!0!!de!4!* and timestamp 20151215164132 and revision id 148655474–>

Das materielle Recht (auch sachliches Recht) ist die Summe der Rechtsnormen, die die Entstehung, Veränderung und den Untergang von Rechten regeln. Das Gegenstück zum materiellen Recht ist das formelle Recht, dessen Regelungen sich insbesondere auf die gerichtliche Feststellung und Durchsetzung des materiellen Rechts beziehen. Das "Recht-haben" ist Gegenstand des materiellen Rechts, das "Recht-bekommen" Gegenstand des formellen Rechts.[1]
Zum Teil wird daher auch das Begriffspaar materielles Recht/Prozessrecht verwendet. Zum formellen Recht in diesem Sinne gehören die Prozessordnungen wie die Zivilprozessordnung, die Strafprozessordnung oder die Verwaltungsgerichtsordnung.
Beispiel: Wenn man ein Auto kauft, entsteht eine materiell-rechtliche Pflicht zur Kaufpreiszahlung (§&#160;433 Abs. 2 BGB). Wird man später vor Gericht verklagt, weil man nicht gezahlt hat, regelt das formelle Recht den Ablauf des Prozesses, mit dem der Verkäufer seine Kaufpreisforderung durchsetzen kann.
Das formelle Recht ist Teil des Verfahrensrechts und umfasst beispielsweise auch Kompetenznormen.
Literatur[Bearbeiten]Otto Tempel, Christiane Graßnack, Frank Kosziol, Bernhard Seyderhelm: Materielles Recht im Zivilprozess München, 6. Aufl. 2014 ISBN 978-3-406-65410-7Einzelnachweise[Bearbeiten]↑ Helmut Rüßmann: Begründungstheoretische Analyse B 1 b (5) Materielles Recht und formelles Recht
Bitte den Hinweis zu Rechtsthemen beachten!
<!–NewPP limit report
Parsed by mw1046
Cached time: 20151209232740
Cache expiry: 2592000
Dynamic content: false
CPU time usage: 0.021 seconds
Real time usage: 0.027 seconds
Preprocessor visited node count: 119/1000000
Preprocessor generated node count: 0/1500000
Post‐expand include size: 852/2097152 bytes
Template argument size: 23/2097152 bytes
Highest expansion depth: 5/40
Expensive parser function count: 0/500
Number of Wikibase entities loaded: 0–><!–Transclusion expansion time report (%,ms,calls,template)
100.00% 11.6091 – -total52.26%6.0671 – Vorlage:§31.88%3.7011 – Vorlage:Rechtshinweis15.42%1.7901 – Vorlage:Bausteindesign2
–><!– Saved in parser cache with key dewiki:stable-pcache:idhash:165673-0!*!0!!*!4!* and timestamp 20151209232740 and revision id 147675887–>